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ALLGEMEINES LEXIKON DER BILDENDEN KÜNSTLER

ZWEITER BAND

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ALLGEMEINES LEXIKON DER BILDENDEN KÜNSTLER

VON DER ANTIKE BIS ZUR GEGENWÄRT

UNTER MITWIRKUNG VON 320 FACHGELEHRTEN DES IN- UND AUSLANDES

HERAUSGEGEBEN VON

Dr. ULRICH THIEME und Dr. FELIX BECKER

ZWEITER BAND Antonio da Monza — Bassan

183742

LEIPZIG VERLAG VON E. A. SEEMANN

1908

ALLE RECHTE, INSBESONDERE DAS DER ÜBERSETZUNG, BLEIBEN VORBEHALTEN VERLAG E.A.SEEMANN, LEIPZIG / LIZENZ SMA NR. 365 'J4-1511/47 PRINTED IN GERMANV

1948

Anastatischer Nachdruck von F. Ulimann G iii bH., Z w icka u Sa.

A

(Fortsetzung.)

Antonio d a M o n z a, Fra, Miniaturmaler u. wahrscheinlich auch Kupferstecher, tätig in Mailand am Ende des 15. Jahrh. Den Na- men Antonios kennen wir nur aus der Be- zeichnung auf einem prächtigen miniierten Blatte der iMbertina zu Wien, das aus einem für Papst Alexander VI. hergestellten Missale oder Pontificale zu stammen scheint. Die In- schrift lautet: „F. Antonii de Modoetia Mi- norite opus D. G." Es ist möglich, aber kei- neswegs sicher, daß A. identisch sei mit dem Antonio da Monza, der (nach Moschini, Pit- tura in Padova p. 24) im Jahre 1456 massaro der Fraglia dei pittori in Padua war. Nach den Werken, die wir A. auf Grund des be- zeichneten Blattes der Albertina zuschreiben können, arbeitet er zuerst im Stile der älte- ren, vor-leonardesken Mailänder Schule, zeigt sich aber auch hier schon von Leonardo be- einflußt ; später gerät er vollständig in die Abhängigkeit von Leonardo und seiner Schule, besonders von Luini. Außer dem erwähnten Blatte der Albertina, das die Ausgießung des hl. Geistes darstellt (Abb. Albertina-Hand- zeichnungen alter Meister II, n. 237 und 238) werden A. zugeschrieben, die Miniaturen einer Handschrift von La vita e le azioni di Gia- como Sforza (Paris, Bibl. Nat. n. 9941), die im Pontificale Cod. Ottob. lat 501 der Vati- cana und im libro d'ore der Bona von Sa- voien (Brit. Mus. hgb. von Warner 1894). die Titelumrahmung in einem Exemplar der 1490 in Mailand gedruckten Sforziade des Giovanni Simonetta (Brit. Mus.), die Ver- zierungen des Assegnamento contradotale, das Lodovico il Moro 1494 für Beatrice d'Este bestellte (Brit. Mus. Add. Ms. 21413) und eine Schenkungsurkimde Lodovicos an das Kloster von S. M. delle Grazie in Mailand (Abb. Müntz, Hist. de l'art p. la ren. II 303), ferner eine AN MA bezeichnete Miniatur, Madonna mit Antonius Eremita, Katharina, Engeln und Stifter, und eine Kreuztragung, beide in der Sammlung des Herrn Leopold Goldschmidt in Paris. Außerdem hält man einzelne Initialen und Miniaturfragmente in Berlin und Florenz für Arbeiten des Künst- lers. A.s Werke zeichnen sich aus durch alle die Eigenschaften, die am Miniaturmaler besonders geschätzt zu werden pflegen, durch

Reichtum der Detailschilderung, Feinheit und Schärfe der Zeichnung, Glanz der Farben und Pracht der Verzierungen. A. ist beson- ders als geschmackvoller und erfindungs- reicher Ornamentiker und als Kolorist her- vorragend; der Stil seiner Figuren und Land- schaften ist bei allem Reiz der Schilderung und Ausführung doch stark manieriert, so daß seine künstlerische Handschrift an vielen, oft bizarren Eigenheiten leicht erkennbar ist.

Die überaus große stilistische Ähnlichkeit einer Reihe von Kupferstichen, die in der Zeichnung und in der Ornamentik mit den Miniaturen bis in die kleinsten Einzelheiten übereinstimmen, hat den Gedanken nahe ge- legt, daß diese Blätter, die jedenfalls von A. gezeichnet sein müssen, von ihm auch eigen- händig gestochen seien. Zu diesen Kupfer- stichen gehören : eine Madonna mit Hiero- nymus (B. XIII 85 n. 3), eine Madonna mit Heiligen in der Ambrosiana zu Mailand, eine Pietä der Albertina, eine Himmelfahrt Mariae (Pass. V 15 n. 12) und ein Stich nach Leonardos Abendmahl (B. XIII 88 n. 28). Als Werk des A. muß auch die bekannte Folge der zwölf großen, dem Zoan Andrea zuge- schriebenen Montants (Candeliere B. VIII 306 ff. n. 21—32) angesehen werden. Eines dieser Blätter (B. 24) trägt das Zeichen des Zoan Andrea. Dieser Stich und zwei andere der Folge (B. 25 und 27) sind in der Tat von Zoan Andrea gestochen worden und zwar ohne Zweifel nach Zeichnungen A.s. Die übrigen neun Stücke der Folge weichen aber in der Technik von diesen dreien stark ab und zeigen genau die gleiche Ausführung wie jene oben erwähnten Stiche, die man wohl für eigenhändige Arbeiten A.s halten darf. Zoan Andrea hat also hier unserem A. bei der Arbeit geholfen, wie er auch sonst nach seinen Stichen kopiert zu haben scheint (so z. B. den Stich B. 14). Er kann also jedenfalls mit dem Stecher der oben dem A. zugeschriebenen Blätter — mag er nun A. sein oder ein anderer Meister — nicht iden- tisch sein.

Gazette d. Beaux-Arts 1870 (IV) p. 151. — Re- pert. f. K.-W. VII (1884) p. 85. — M o n g e r i e d'A d d a im Arch. Stor. Lotnbardo XII (1885) p. 771 flf. — B r a d 1 e y, Dictionary of miniaturists.

Künstlerlexikon. Bd. II.

Z

I

Antonio

London 1887—89. — Archivio Storico dell' Arte II (1889) p. 163. — Lermolieff, Gallerie Borghese etc. (1890) p. 203. — Venturi in L'Arte I (1898) p. 154 ff. — Arte e Storia XVII (1898) p. 144. — L'Arte II (1899) p. 114.

— Kristeller in Rassegna d'Arte I (1901) p. 161 f. — L i V e in L'Arte VI (Arte decorativa p. 13 ff.). — Warner, Illum. Manuscripts in the British Mus. London 1903. P. K.

Antonio da Morbegno, lombard. Bild- hauer, der längere Zeit in Mantua tätig ge- wesen zu sein scheint und 1515 gemeinsam mit seinem Gehilfen Anzolino die Grabmäler für die Gräfin Lucia Rangoni-Rusca (t 27. 8. 1508, beigesetzt in der Familienkapelle der Rangoni im Dom zu Modena) sowie für deren Gemahl, den Grafen Francesco Maria Rangoni (f 5. 10. 1511, beigesetzt in S. Ago- stino zu Spilamberto) vollendete. Beide Werke bestehen aus stilvoll architektonisch gegliederten und profilierten, mit Urnen be- krönten Sarkophagen in Rundbogennischen, die von Pilastern flankiert werden. Die Ni- schenarchitektur ist bei beiden Monumenten mit Waffentrophäen dekoriert.

Meyer, Kstlerlex. II 147 f. (mit ält. Lit).

— Campori, Art. Ital. etc. negli Stati Estcnsi, p. 323 f. R.

Antonio da Murano. Venezianer Maler der 2. Hälfte des 15. Jahrh. Nur aus Ur- kunden bekannt. Am 21. 5. 1472 wird er zu- gleich mit dem Maler Andrea da Murano als Zeuge genannt. In den Akten des Podesta von Murano wird er am 4. 8. 1468 und 21. 6. 1484 erwähnt, und eine Urkunde vom 20. 3. 1496 trägt seine eigenhändige Unterschrift „antonio da muran dipintore santo cassian". Dieser Antonio da Murano ist sicher ver- schieden von dem bekannten gleichfalls An- tonio da Murano genannten Maler, der zur Familie der Vivarini gehört, wie ein Ver- gleich der Autogramme erweist, abgesehen davon, daß Antonio Vivarini 1496 bereits sicher verstorben war, und als in der Parochie von Santa Maria Formosa wohnend genannt wird, während dieser, einer späteren Gene- ration angehörende Antonio da Murano in der von Santo Casciano lebte.

Paoletti u. Ludwig im Repert. f. K.-W. XXII 265. G.Fogolari.

Antonio da Murano, s. Vivarini, Ant.

Antonio dal Musaico, s. Antonio di Giacomo.

Antonio di ser Naddo, Maler in Siena, 1427 in das Breve dell' Arte eingeschrieben, erhielt 1448 Bezahlung von 18 Lire für 4 Darstellungen aus dem Leben des h. Nico- laus und wird 1450/51 zuletzt erwähnt. Milanesi, Doc. Senesi I 49; II 282/3. ** Antonio da N a p o 1 i, Maler in Neapel 1489 — 1491, wohin er mit zwei anderen nea- politanischen Malern, Girolamo und Niccolö da Napoli, durch Eleonora von Aragonien be- rufen worden war. Für die Hochzeitsausstat- tung der Beatrice d'Este lieferte A. bei deren

Verehelichung mit Lodovico il Moro vergol- dete Kassetten und Moschusbehälter.

A. Venturi in Atti e mem. d. R. Deput. di Stor. Patr. per le Romagne, ser. III, vol. VIT 387.

F. Malaguzsi-Valeri.

Antonio da Negroponte. Venezianer Maler des 15. Jahrh. Bekannt und wichtig durch ein kolossales Tafelbild in Tempera- farben in der Kapelle Morosini in S. Fran- cesco della Vigna in Venedig: die thronende Madonna mit dem nackten auf ihren Knien liegenden Kind und zwei kleinen Engeln rechts und links von dem Throne, der ebenso wie die an beiden Seiten befindlichen Nischen überreich mit Relieffiguren, tanzenden Putten, Köpfen und Füllhörnern geschmückt ist. Im Hintergrund ein Rosengarten, vorn auf einer Wiese Wasservögel, oben ein Fruchtgewinde (der obere Teil mit Gottvater ist nicht zu- gehörig, sondern eine Zutat von einem spä- teren Jahrhundert). Die Fleischpartien des Bildes sind stark retouchiert. Auf der unte- ren Stufe des Thrones die Bezeichnung „Fra- ter Antonius de Negropon pinxit", der in et- was dunkleren Farben gehaltene Zusatz „or- dinis Minorum" dagegen stammt aus späterer Zeit und wahrscheinlich von den Mönchen von S. Francesco. Sichere urkundliche Nach- richten über den Künstler sind nicht bekannt. Eine Urkunde aus dem Jahre 1469, in wel- cher Jac. Bellini einen Bevollmächtigten er- nennt, um eine Schuld im Orient „ab Antonio Falerio pictore habitatore Negroponti" einzu- treiben, kann nicht ohne weiteres auf diesen Antonio da Negroponte bezogen werden (s. Paoletti, Raccolta di Doc. ined. fasc. I. J. Bellini 1897 p. 11). Der Künstler ist als Ver^ treter der Paduaner Kunst aus der Schule des Squarcione anzusehen, deren Elemente uns in dem reichen schmückenden Beiwerk auf Antonios Madonna begegnen. Während er aber einerseits mit Squarciones Nachfol- gern Marco Zoppo und Gregorio Schiavone im Zusammenhang steht, verraten sich vene- zianische Einflüsse in den ikonographischen Typen, in denen er vieles mit Gentile Bellini und den Vivarini gemein hat. Venezianisch ist auch die Falten- und Farbengebung. Seine Stärke liegt übrigens in dem ornamentalen Beiwerk, das besser ist als der figürliche Teil des Bildes. Andere dem Antonio da N. früher zugeschriebene Werke haben mit sei- ner Kunst nichts gemein, dagegen nehmen Crowe u. Cavalcaselle vielleicht nicht ohne Grund die thronende Madonna im Oratorio della Disciplina in Legnago für ihn in An- spruch. Von einigen Schriftstellern (San- sovino, Boschini) ist dem Antonio fälschlich der Vorname Francesco gegeben worden.

Crowe u. Cavalcaselle, Gesch. d. ital. Malerei V 10. — M o s c h i n i, Guida di Vene- zia 38, 44, 61. — Ridolfi, Maraviglie etc. I 48. — Meyer, Kstlerlex. — L. Venturi, Le Origini della Pittura Veneziana. Venezia 1907.

G. Fogolari.

2

Antonio

Antonio d i N i c o 1 6, Sicneser Maler, 1398 urkundlich genannt.

M i 1 a n e s i, Docum. Senesi I 39.

Antonio d i N i c o I ö oder Antonino di Nicolo, auch Antonio da Venezia genannt, Bildhauer in Venedig, führte 1446 ein Altar- werk für die Kirche S. Lorenzo in Vicenza aus, das eine große SeidenstofFdraperie in Gestalt eines Zeltes darstellt, ausgespannt ge- halten von 3 Engeln; darunter stehen 3 Statuen in voller Figur : die Madonna das Kind haltend zwischen den Heiligen Petrus und Paulus, mit der Inschrift: „Hoc opus fecit mag. Ant.3 de Venetijs". 1448 machte er ein großes Bas- relief an der Wand hinter dem Altar in der Kapelle dell' Incoronata im Dom derselben Stadt, welches die Krönung der Jungfrau darstellt und die Inschrift trägt: „per mi An- tonio qm Nicolai de Venetijs factum fuit hoc opus MCCCCXLVIII". Die Arbeiten dieses Künstlers zeigen ganz den Geschmack der venezianischen Schule aus dem Anfang des 15. Jahrh. und nähern sich nach Bode dem Stil der dalle Massegfne, indessen ohne sie zu erreichen. — In Ferrara arbeitete ein Antonio da Venezia schon 1430, und zwar machte er für die Sakristei der Kathedrale das Maß- werk der Fenster und die Gesimse des Ka- mins. Boni nennt mit Unrecht diesen Künst- ler Antonio da Vicenza.

Meyer, Kstlerlex. (mit Lit). — P. Pao- 1 e 1 1 i, Arch. e scult. d. Kinase, in Venezia I 53.

L. Ferro.

Antonio d i N i c c o 1 ö, Bildhauer. Arbeitet urkundlich 1489 an dekorativen Arbeiten im Dom zu Pisa.

S u p i n o. Arte Pisana S. 196 f. Swarzenski.

Antonio di Niccolö da Firenze, gen. Brogiiola cd. Diversolo, Goldschmied in Rom, wo er 1449 für Papst Nikolaus V. eine mit Saphiren besetzte goldene Rose an- zufertigen hatte, sowie 1450 zwei weitere gol- dene Rosen und einen goldenen Degen nebst goldenem Hutschrauck.

E. Müntz, Les Arts a la Cour des Papes (1878) I 166 fF., II 318 f., sowie in Gaz. des B.-Arts., 2. Per. XV 418. ♦

Antonio di Niccolo da Firenze, s. auch Baroncelli, A. di N.

Antonio di Nicolo da Napoli, Maler in Padua, 1379 urkundlich erwähnt.

Moschini, Deila Pitt, in Padova Mem. p. 9. Moschetti.

Antonio di Nicolo da Verona, Maler in Verona um 1367, nur von Zani, Enc. met. XIX 138 erwähnt. **

Antonio da Novara, Maler in Vercelli, wo er 1387 die Fassade des Palazzo Comu- nale mit Wappen- und Ornamentfresken zu schmücken hatte.

G. Colombo, Artisti Vercellesi (1883) p. 48 f. *

Antonio di Odorico da Spilimber- go, s. Celega, Antonio di Odorico.

Antonio d i Orlando, gen. Cicogna, Ma- ler und Miniaturist in Bologna, 1265—1287 erwähnt. Malte einige Figuren im Palazzo del Popolo daselbst.

F. Malaguzzi-Valeri, La miniatura in Bologna, Florenz 1896. (Archivio Stor. Ital. ser. V, tom. XVIII, pag. 243 ff.) »

Antonio da Orte, Maler in Rom. Arbei- tet in den Jahren 1453 — 54 zusammen mit dem Maler Pietro Gentile da Forli und dem Miniaturisten Giuliano di Giacomo da Terni, in Diensten Papst Nicolaus' V.

Giornale di Erud. art. VI 269—70. — Arch. stor. deir Arte VII 480. — Bertolotti, Studi e ricerche, Bologna 1886 p. 9. — E. Müntz, Les Arts 4 la Cour des Papes (1878) I 95. IV. Bombe.

Antonio da Orvieto, Architekt in Terni, inschriftlich beglaubigt als Erbauer der 1445 vollendeten dortigen Kirche S. Francesco nebst Campanile.

Guardabassi, Indice-Guida etc. nell' Um- bria p. 314. A. Bellvcci.

Antonio d i O s t e n o, s. Maffioli, A, Antonio d'Ostiglia, Bildhauer in Bo- logna, in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. für S. Petronio tätig.

Ang. Gatti, La fabbrica di S. Petronio, Bologna 1881. F. Malaguszi-Valeri.

Antonio di Paciolo Romano, Holz- schnitzer in Rom, brachte 1463 — 64 die Bal- kendecke der von Pius II. errichteten Cap- pella di S. Andrea in der alten St. Petersbasi- lika zur Ausführung.

E. Müntz, Les Arts ä la Cour des Papes (1878) I 286.— V. Leonardi in L'Arte III 262. ♦

Antonio da Paderno oder Antoninus de Paderno, Sohn eines Ambrosius, war Bau- meister und Maler in Mailand, wo er 1399 bis 1439 als Ingenieur beim Dombau in njeh- reren Verhandlungen auftritt. Namentlich erscheint er bei der Beratung über die von Joh. Mignothus angefangene Konstruktion des Gewölbes am 26. März 1401 als einer der eifrigsten Gegner des letzteren. Er versuchte sich auch in der Glasmalerei, indem er sich am 5. 8. 1404 neben Paolino da Montorfano zu einem Versuche in dieser Kunst erbot, von der damals die erste Anwendung für den Dom gemacht werden sollte.

N a V a, Memorie c Documcnti etc. pp. 82, 101, 107, 116, 118, 120, 129, 147, 150, 151, 210. - Meyer, Kstlerlex. R.

Antonio da Padova, Maler des 14. Jahrh. in Padua. — Marcanton Michiel, der Ano- nymus Morellianus, weist bei Besprechung der Baptisteriums- Kapelle des heiligen Lu- kas im Santo (San Antonio) in Padua auf die Ähnlichkeit der Wandmalereien daselbst mit denjenigen im Baptisterium hin und sagt: „Man liest über der zum Kreuzgange führenden Tür die Inschrift: .Opus Joannis

3

Antonio

et Antonii de Padua'." — Auf Grund dieser Inschrift also glaubt Michiel sich berechtigt zu der Annahme, nicht nur die Malereien im Innern des Baptisteriums, sondern auch die- jenigen in der Cappella di S. Luca der St. An- tonius-Basilica — von Campagnola u. Rizzo gleichfalls demGiusto daPadova zugeschrieben — seien in der Tat Werke der Meister Antonio u. Giovanni da Padova. Bedauerlicherweise ist außer dieser Notiz Michiels keinerlei sonstige Nachricht über diese beiden Meister vor- handen; auch die angegebene Inschrift im Inneren des Baptisteriums ist heute leider völlig verschwunden (wahrscheinlich war sie gemalt, obwohl Selvatico in seiner Guida di Padova behauptet, sie sei in Stein gehauen gewesen). Die übrigen älteren Autoren, — z. B. Vasari, sowie auch Savonarola, zu des- sen Jugendzeiten Giusto sogar noch am Leben war, und der doch sonst so eingehend und zuverlässig ist in seinen Angaben über das Kunstleben in Padua — stimmen in ihren Angaben über die innere Ausmalung des Bap- tisteriums mit Campagnola und Andrea Rizzo völlig überein. Von den neueren Autoren haben Gonzati, Cavalcaselle u. Venturi sich der allgemein herrschenden älteren Annahme an- geschlossen, während Moschini zuerst zu der Ansicht gelangte, daß Giusto und Altichieri als die Schöpfer der jetzt nicht mehr existie- renden Außenmalereien des Baptisteriums, An- tonio und Giovanni dagegen als diejenigen der inneren Frcskoausmalung zu betrachten seien. Späterhin ging Moschini zwar zu der diametral entgegengesetzten Ansicht über, daß Giusto der Meister der Innenfresken, und statt dessen Antonio und Giovanni die Schöpfer der Außenmalereien gewesen sein müßten; jedoch erwarb sich seine frühere Hypothese, der namentlich Selvatico und neuerdings auch von Schlosser beipflichteten, eine weit überwiegende Anhängerschaft. Wir selbst sind mit Gonzati zu der Überzeugung gelangt, daß dem Zeugnisse Savonarolas, die- ses Zeitgenossen Giustos, maßgebende Bedeu- tung beizumessen ist. Die von Michiel ent- deckte Inschrift würde sich demnach nicht auf die gesamte Innenausmalung des Bap- tisteriums, sondern wahrscheinlich nur auf ein einzelnes Freskobild bezogen haben; jeden- falls muß diese Inschrift in ziemlich kleinen Schriftzügen an schwer zugänglicher Stelle angebracht gewesen sein, da sie von keinem der zahlreichen gewissenhaften Autoren, die vor und nach Michiel über die Baptisterium- fresken geschrieben haben, wahrgenommen wurde. Endgültig ist die ganze Frage vor- läufig überhaupt nicht zu lösen.

Die unteren Freskenreihen des Baptisterium- Tnneren sind gegen Ende des 18. Jahrhunderts von einem barbarischen Restaurator arg ver- dorben worden; besser erhalten sind die Ma-

lereien an den Oberwänden und in der Kup- pel. An den Wänden sind Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testamente dargestellt. Dem Altare gegenüber sieht man die thronende Madonna, die der Stifterin dieser Wandmale- reien, Fina di Buzzaccarina (Gemahlin des Francesco il Vecchio da Carrara), den Segen erteilt.

Die Kuppelfresken, die schönsten des gan- zen Zyklus, zeigen Gott-Vater, umgeben von mehreren Reihen von Engeln und Heiligen; die durch Restaurierung verdorbenen Fres- ken der Altarkapelle eine Menge kleiner Ein- zeldarstellungen aus der Apokal3rpse. Auf der Mitteltafel des dreireihigen Altarwerkes ist die Madonna dargestellt, während die nie- drigeren Seitenflügel mit verschiedenen Hei- ligcnlegenden geschmückt sind. Auch in der Sakristei sind Reste von Wandmalereien er- halten geblieben. — Die Fresken der Cappella di S. Luca in S. Antonio sind infolge spä- terer Übermalungen in einem noch schlimme- ren Zustande, als diejenigen des Baptisteriums ; sie stellen Szenen aus dem Leben der Hl. Philippus und Jacobus sowie des Beato Luca Bellerdi dar.

Ein Maler namens Antonio di Giovanni da Bologna wird in paduanischen Urkunden vom Ausgange des 14. Jahrh. mehrfach erwähnt; ein Antonio pittore qm. maestro Albertino in einer von Gennari publizierten Urkunde von 1400 und in zwei Urkunden von 1402 (die eine unter den Pergamenthandschriften Dal Verme des Arch. civ. zu Padua, die andere publiziert von Gloria, hier mit dem Zunamen „dalle Targhe"). Gennari berichtete außer- dem noch über einen Antonio pittore gm. Giovanni nach einer Urkunde von 1402. — Moschini zitiert einen Antonio Zucconi da Padova, der 1423 im Dome zu Padua Male- reien ausführte um einen Schrein, der „ein vom Evangelisten Lucas gemaltes Madonnen- bild" umschloß. 1431 findet sich ein Antonio cartolajo üglio di Maestro Antonio pittore in Padua urkundlich erwähnt, und in dem- selben Jahre sowie fernerhin 1442 ein 1448 bereits verstorbener Antonio pittore qm. Gio- vanni Toselli (Archivio civico zu Padua, Ab- teilung der Steuereinschätzungen). Ein 1453 bereits verstorbener Antonio da Padova hatte einen Sohn namens Tito Livio, der 1453 bis 1473 in Ferrara als Maler tätig war. — Ob einer dieser Antonios mit dem praesumptiven Schöpfer der Baptisterium-Fresken identi- fiziert werden kann, muß vorläufig dahinge- stellt bleiben.

Savonarola, Libellus de omamentis Pa- dua (in Rer. ital. Script, ediz. Lapi p. 44). — M o r e 11 i, Not. d'opere di disegno, ediz. 2 p. 14, 77. — Gennari, Miscellanee (Mscr. in Eibl. civ. zu Padua IV 225). — M o s c h i n i, Guida per la citta di Padova p. 81 ; Origine e vicende della pitt. in Padova p. 11, 21. — Gonzati, La bas. di S. Antonio I 235. —

4

Antonio

C i 1 1 a d e 1 1 a, Not. relat. a Ferrara p. 566, 583. — Selvatico, Guida di Padova p. 128.

— Gloria, Doc. int. al Petrarca p. 41 f. — Crowe u. Cavalcaselle, Stor. d. pitt. in Italia IV 181 ff, — Von Schlosser, Giustos Fresken p. 3. — V e n t u r i, Storia d. arte it. V 921. A. Moschetti.

Antonio da P a n d i n o d. Ä,, Bildhauer und Glasmaler in Mailand, Bruder (oder Va- ter?) des Stefano da Pandino. 1399 beim Mailänder Dombau beschäftigt, malte er 1416 einige Glasfenster für die Certosa von Pavia.

N a V a, Mem. e Doc. p. 186.

F. Malaguzzi-Valeri.

Antonio da Pandino d. J., Architekt, Fresko- und Glasmaler in Mailand, Sohn des Stefano da P. War gleich Antonio da P. d. A. für die Certosa von Pavia als Glasmaler tätig (1477) ; ein Glasfenster in der S. Siro- Kapelle der Certosa mit der Darstellung des Erzengels Michael als Drachentöter trägt die Inschrift „Antonius de Pandino me fecit". 1478 war er beim Mailänder Dombau beschäf- tigt, und zwar lieferte er damals wohl jenes von . Bramante begutachtete Dommodell, das W. von S'eidlitz erwähnt. Nach neueren Ur- kundenfunden hat er sodann 1483 in Gemein- schaft mit Antonio Raimondi in den Kuppel- zwickeln von S. Satiro zu Mailand die vier Evangelisten-Fresken gemalt, die früher als Schöpfungen Bramantes galten. Der Künst- ler bewohnte in Mailand ein Haus in näch- ster Nähe von S. Satiro und diktierte am 29. 7. 1484 sein Testament.

C a 1 v i, Notizie etc. II 281. — Visita alla Certosa di Pavia (Milano 1865) p. 24. — Meyer, Kstlerlex. II 143. — Crowe und Cavalca- selle, Gesch. der ital. Mal. VI 71 f. — G. C a r o 1 1 i in Rassegna Naz., vol. 43 p. 438 ff.

— W. V. S e i d 1 i t z in Jahrb. der K. Preuß. Kst.-Sammlgn. VIII 199. — M a 1 a g u z z i -Va ^ leri, Pittori Lombardi del 400 (Milano 1902) p. 234. F. Malaguzzi-Valeri.

Antonio d i Paolo, in der Matrikel der Peruginer Malerzunft einmal unter den im Rione S. Pietro und ein zweites Mal unter den im Rione S. Angelo ansässigen Mitgliedern angeführt. Er bekleidete, während er im Rione S. Angelo wohnte, im 2. Semester 1412 das Camerlengat. Werke von ihm sind nicht bekannt. Bombe.

Antonio di Paolo dei Fabbri da S. Marino, Goldschmied und Maler in Rom und Perugia. Geburtsjahr unbekannt, t 1522? Er arbeitete in Rom als Gehilfe verschiede- ner Goldschmiede, bis er im August 1492 zu- sammen mit Jacopo di Magnolino aus Florenz die Werkstätte des Florentiner Goldschmieds Guglielmo di Bartolommeo in Rom erwarb. Am 10. 11. 1510 ermächtigt ihn Cesarino del Roscetto, der ausgezeichnete Peruginer Gold- schmied, eine Schuld bei Agostino Chigi für ihn einzukassieren. Im November 1512 hei- ratet er die Florentinerin Faustina di Gio- vanni Federici. Von Papst Leo X. zum Hofgoldschmied ernannt, fertigte er, z. T.

nach Zeichnungen Raflaels, Geräte in Edel- metall für den Vatikan, die Farnesina, die Cappella Chigi, und zeitweilig für den Hof von Urbino. Im Auftrage der Republik S. Marino war er Gesandter beim Papst und bei den Medici in Florenz. Bei Gelegenheit eines Häuserkaufes in Perugia am 21. 7. 1513 wird er als Goldschmied und Maler bezeichnet. Agostino Chigi verordnet in seinem Testa- ment vom 28. 8. 1519, daß die Cappella Chigi in S. Maria del Popolo vollendet werde: „juxta Ordinationen! per ipsum testatoreni alias factam de qua ordinatione Mgr. Raphael de Urbino et Mgr. Antonius de Sanctomarino sunt bene informati". D. Gnoli vermutet, daß dem Antonio die geschäftliche Leitung, Raffael dagegen als Architekten die Baulei- tung oblag. Am 24. 3. 1520 wird er im Testa- ment Raffaels mit einer Schenkung bedacht. Am 18. 10. 1522 macht er, schwer erkrankt, sein Testament. Benvenuto Cellini, der ihn persönlich gekannt hat, nennt ihn: „il primo piü eccellente Orefice di Roma". Von seinen Werken ist, wie es scheint, nichts mehr er- halten.

D e 1 f i c o, Stor. d. Repubblica di San Marino.

— M o m o, Antonio da San Marino im „Buo- narroti" I 1866, pag. 97—101. — Bertolotti, Artisti subalpini etc. in Roma. — Gaz. des b.-a. 2. Serie Bd. XXII 310, XXVII 419, 3. Serie VII 67. — Archivio Govemativo della Repubblica di S. Marino. — Da docum. nuovi ed inediti racc. da P. Franciani. — Benvenuto Cel- lini, Autobiografia. — M o m o, Lettere romane (Barbera 1872). — Cugnoni, Agostino Chigi etc. Roma 1881. — II Raffaello 2. Serie I 1897 No. 9. — D. Gnoli, La sepoltura di Agostino Chigi in Arch. stor. dell' arte II 318. — E. Müntz, Les Arts ä la Cour des Papes Innocent VIII. etc. (1898), p. 105 ff., cf. 209 f.

^V. Bombe u. E. Scatassa.

Antonio da Parma, Steinmetz und Terra- kottaformer, fertigte 1488 das Portal am Pa- last des Grafen Cajazzo, das mit Ornamenten und Figuren reich verziert war. 1510 arbei- tete er für S. Giovanni Evangelista in Parma „außerordentlich schöne" Säulenkapitelle. Sie tragen die Bezeichnung: Anno Salutis MDX Antonius Parmensis faciebat.

Lopez, II Battistero di Parma p. 46. — P e r k i n s, Les Sculpteurs Ital. II 294. — C a m - p o r i, Not. stor. art. delle Majoliche etc. in Ferrara etc. (1879) p. 24. — M e y e r, Kstlerlex.

Antonio il Passarin o, Steinmetz in Fer- rara, erwähnt 1473 in einer Zahlungsurkunde als mitbeteiligt an den Arbeiten der Gebrü- der Jacomo und Albertino Rasconi da Man- tova für die Kathedrale zu Ferrara.

C i 1 1 a d e 1.1 a, Not. relat. a Ferrara p. 659.

F. Malaguzsi-Valeri.

Antonio da Pavia, Architekt in Rom, wo er 1495 gewisse Bauaufträge in der Kirche S. Benedett® an den Maestro Pasquale da Caravaggio abtrat.

Bertolotti, Art. Lombardi a Roma II 284.

— E. Müntz, Les Arts ä la Cour des Papes Innocent VIII etc. (1898) p. 169. •

5

Antonio

Antonio da P a v i a, Maler, der sich 1528 unter den Künstlern verzeichnet findet, welche an der Ausstattung des Palazzo del Te zu Mantua beschäftigt waren. Er war ein ge- ringes Talent und gehörte zu den mittelmä- ßigen Nachfolgern der Schulen von Murano und Padua, in denen sich die Weise der Vi- varini und des Mantegna sehr unvollkommen mischte. Seine Gestalten sind schwer und fast abstoßend, seine Temperamalerei roh und von schroffem Kontrast zwischen Licht und Schatten. Diese Züge zeigt eine Altartafel mit seinem Namen in dem Museo Virgiliano zu Mantua: Thronende Jungfrau mit Kind zwischen vier Heiligen (fast lebensgroße Fig.), bez. : Ant. Papiesis p. Das Bild erinnert an die Altartafel des Andrea da Murano zu Mus- solone, ist aber schwächer. Doch ist zu beach- ten, daß die Malerei sehr trüb geworden und stark nachgedunkelt hat. — Den in Mantua und in Pavia befindlichen Gemälden des An- tonio da P. ist weit überlegen ein neuerdings von F. Malaguzzi-Valeri in S. Stefano zu Novellara aufgefundenes Altarwerk mit der Signatur: „1514 Antonio de Pavia, P. Man- tovano." Das Gemälde zeigt die Gestalten der drei Heiligen Ivon, Augustinus und Johannes der Täufer aufrecht in einer Landschaft ste- hend; im Hintergrunde eine Felsenquelle, aus deren Sammelbecken zwei Mönchlein ihren Durst löschen. Dieses trefflich erhaltene Hauptwerk des A., das in seiner strengen For- menmodellienmg trotz seiner späten Ent- stehungszeit noch immer im Bannkreise der Mantegnaschule steht, ist 1900 für die Mai- länder Brera-Galerie angekauft worden. — Ein Gemälde in der Sammlung Barker zu London, Jungfrau mit Kind unter reich or- namentiertem Bogen zwischen zwei Engeln, in der Art der Paduaner Schule und dem Schiavone verwandt, hat in den Pilastem die Buchstaben A. P., welche wohl auf unsern Meister hindeuten könnten (vgl. auch Antonio della Corna).

Carlo d'A reo, Delle Arti etc. di Mantova I 50. — C r o w e and Cavalcaselle, Hi- story of Painting in North Italy I 34, 341, 343, 419. — Gualandi, Memoria III 27. — Arch. stor. d. Arte Italiana I 45 (eigentlich p. 101, da falsch paginiert). — Rassegna bibliograf. d. Arte ital. III 104. — Meyer, Kstlerlex. (Ar- tikel von Crowe u. Cavalcaselle.) — P. Kri- steller, Andrea Mantegna, 1902. — Mit Not. v. F. Malaguzzi-Valeri. R.

Antonio, Pedro, span. Maler, geb. 1614 in Cordova, f daselbst 1675. Schüler des An- tonio del Castillo, Seine Gemälde, die sich durch klare und ansprechende Färbung aus- zeichneten, wurden von den Kirchen und Klöstern Cordovas sehr begehrt. Als seine besten Werke galten eine hl. Rosa de Lima und ein hl. Thomas von Aquino im Kloster S. Pablo, sowie eine Empfängnis, die 1741 an den Banquier Jose Salamanca verkauft

wurde. In Privatsammlungen in Cordova be- fanden sich auch Staifeleibilder des Meisters.

Palomino, Museo pict. III 570. — Caan Bermuda z, Dicc. I 38 — 39. — R a m i r e z, Artist. Cordob. S. 85. A

Antonio de Pergamo, Architekt in Rom unter Sixtus IV., in dessen Auftrag er 1471 bis 1472 ein Wachgebäude am vatikanischen Palaste errichtete.

E. Müntz, Les Arts ä la Cour des Papes (1878) III 80, 113 f. *

Antonio del Perrione, carraresischer Bildhauer, war 1493 mit Giov. Dom. di Pe- drone und Fil. di Jacopo mit der Umänderung des Grabdenkmals Kaiser Heinrichs VII. im Camposanto zu Pisa beschäftigt.

Repert. f. Kstwissensch. XVII 385. H. V.

Antonio da Pesaro, gen. B r a g a, Maler in Pesaro, Sohn des Marchionne de Fede, der gleichfalls als Maler in Pesaro lebte. Seine Signatur „Antonius Pis .... pinxit" findet ,sich auf einem 1469 gemalten Altar des hl. Antonius in der Sakristei der Kirche S. An- tonio zu Pesaro.

Z a n i, Appendice zur Encicl. (Mscr. in der Bibl. Palat. zu Parma). St. Lottici.

Antonio da Pesaro, Marmorario in Rom, laut urkundlicher Nachricht 1536 für Papst Paul III. tätig.

Giorn. d'Erudiz. Artist. VI 228. A. Bellucci.

Antonio di Petruccio, Goldschmied, • in den Jahren 1377, 1379, 1380—1383, 1384, 1390 und 1410 in Gubbio nachweisbar.

Er erhielt am 31. 12. 1383 eine Bezahlung „pro medallis coniunis factis per eum pro no- tario custodie".

Mazzatinti, Documenti per la Stor. della Arti a Gubbio in : Arch. stor. per la Marche e l'Umbria Vol. III fasc. 9/10 p. 15. W. Bombe.

Antonio da Piacenza, Italien. Maler, der wahrscheinlich im Dienste der Este stand, da er nach einem Briefe von 1436 Nicolö III. d'Este ein von Simone d' Argentina gemaltes kleines Altarbild mit dem hl. Hieronymus schenkte.

Atti a Mamor. della R. Deput. di Stor. Patr. per la Prov. Mod. e Parm. ser. III, vol. III, part. II, p. 525—606. G. Degli Azei.

Antonio Piccolo Lombard o, Archi- tekt in Urbino, begann 1507 den Bau der heute noch bestehenden Befestigungsmauern dieser Stadt. Dieses prächtige, die malerische Bergstadt rings umschließende Festungsbau- werk ist mit 12 weit vorspringenden Bastio- nen versehen, die sämtlich — mit Ausnahme von zweien — wiederum durch „Orecchioni" geschützt sind.

Nuova Rivista Misena VIII 67. — C a 1 z i n i, Urbino e i suoi Monumenti p. 190. E. Scatassa.

Antonio d i P i e t r o, Glasmaler und Mo- saicist in Orvieto, wo er 1384 und 1390 beim Dombau urkundlich erwähnt wird.

L. F u m i, II Duomo di Orvieto, p. 137, 220. *

Antonio di Pietro, Miniaturmaler in Bo- logna, 1391 in bolognesi sehen Prozeßakten er- wähnt.

6

Antonio

Arch. stor. Ital., ser. V, vol. XVIII („La jniniatura in Bologna"). P. Malaguszi-Valeri.

Antonio d i P i e r o, Bildschnitzer in Siena, wo er 1441 urkundlich erwähnt wird.

V. L u s i n i in Arte Antica Senese (1904) p. 215. *

Antonio d i P i e t r o, Steinmetz in Perugia, 1454 am Bau des dortigen Cambio beschäftigt. — Wohl identisch mit jenem Maestro di pietra gleichen Namens, der 1476 in der Matrikel der lombardischen Bildhauer-Korporation zu Perugia aufgeführt ist. (Mscr. No. 1451 — 52 der Biblioteca Communale zu Perugia.)

G. Degli Azzi in L'Umbria 1892.

A. Bellucci.

Antonio d i P i e t r o, Steinmetz in Ve- nedig, wurde 1489 zum Schiedsrichter er- nannt und fällte ein Urteil in einem Streit zwischen den beiden Meistern Giovanni Candi und Giovanni Baston; 1496 wurden ihm be- deutende Arbeiten für die Kirche S. Helena übertragen und 1515 wurde er zum Proku- rator von Stefano, Sohn des Paolo da Ru- bino erwählt.

P. P a o 1 e 1 1 i, Arch. e scult d. Kinase, in Venezia II 120, 258. L. Ferro.

Antonio d i P i e t r o, Steinmetz (intaglia- tore) in Venedig. Wohnte 1506 in der Pfar- rei S. Bartolomeo. Sein Name erscheint 1504 und 1506 in Dokumenten als Zeuge. 1509 gab er dem Bildhauer Bapt. Brugno Prokura und 1521 arbeitete er in Ferrara.

Arch. di St. di Venezia, Esaminador-Preces R.0 49 c. 25. — F. Paoletti, Arch. e scult. d. Kinase, in Venezia. II 127, 275. L. Ferro.

Antonio d i P i e t r o aus Cittadella, Bau- meister in Venedig, restaurierte unter Lei- tung des Bartolomeo Aless'andro genannt Monopola die Hofseite des Palazzo Ducale in Venedig 1602 — 1615. Sein Hauptverdienst war, daß er die Mauern zwischen dem großen Saal des Großen Rates und dem Unter- suchungssaal fortnahm und sie durch Bogen ersetzte, in der ganzen Länge des Hofes.

Meyer, Kstlerlex. L. Ferro.

Antonio di Pietro di Bartolommeo bekleidete die Würde des Camerlengats in der Peruginer Malerzunft an Stelle seines Vaters im 1. Semester 1425. w. Bombe.

Antonio diPietrodiBriosco aus Mai- land, Bildhauer, übernahm 1442 die Vollen- dung der Türen von S. Petronio in Bologna, welche Giacomo della Quercia begonnen hatte und die auszuführen dessen Bruder Priamo verhindert war. Mit Genehmigung des Se- nates von Bologna und der Baudirektion von S. Petronio übertrug Priamo das Werk an Antonio, behielt aber jegliche Verantwortung.

M i 1 a n e s i, Documenti Senesi II 210. — Meyer, Kstlerlex. R.

Antonio di Pietro da Como, Steinmetz in Gubbio, erhält am 16. 1. 1407 das Bürger- recht und ist, wie aus einem Camerlengats- buch hervorgeht, noch 1417 in Gubbio nach-

weisbar. Uber seine Tätigkeit ist nichts Näheres bekannt.

Mazzatinti, Stor. delle Arti a Gubbio, Ar- chivio storico per le Marche e per l'Umbria Vol. III 31. W. Bombe.

Antonio, di Piergiacomo aus San Severino, Architekt, erbaute 1519 in seiner Heimat die großartige Kirche S. Maria del Glorioso, bei der er zum Teil den Entwurf des MO Rocco da Vicenza benutzte.

V. A 1 e a n d r i, Nuova Guida stor. e art. di S. Severino 1898. — Ranaldi, Mem. stor. di S. Maria del Glorioso 1837. — Ricci, Mem. stor. II 13, 36. — V a 1 e n t i n i, II forastiere in Sanseverino 1868. V. Aleandri.

Antonio di Pietro di Giovanni, Ar- chitekt in Rom; 1447 — 48 unter Papst Niko- laus V. „mastro del palazo de Canpitoglio" und Restaurator des capitolinischen Senato- renpalastes, war er 1451 — 52 am Baue des Ponte di S. Angelo und der von Alessandro Vives geleiteten neuen Stadtbefestigungen Roms beteiligt.

E. Müntz, Les Arts ä la Cour des Papes (1878) I 148. 153. 159. *

Antonio di Piergiovanni da Roma, Architekt in Rieti, erbaute 1456 unter Papst Calixtus HL laut Inschrift die dortige Brücke über den Tarano-Fluß.

Guardabassi, Indice-Guida etc. nell' Um- bria p. 258. — Bollettino d. R. Deputaz. Ura- bra di Stor. Patr. I 601 ff. A. Bellucci.

Antonio di Pietro Paolo da Vene- zia, s. Massegne.

Antonio di Piero del Vagliente, Goldschmied in Florenz, verfertigte 1405 für die Kaufmanns-Innung ein silbernes und ver- goldetes Reliquiarium, für das er 350 Gul- den erhielt.

Meyer, Kstlerlex. — Labarte, Les Arts somptuaires II 496. H. V.

Antonio di Pietro da Venezia, Bild- hauer in S. Severino, wo er mit seinem Bru- der M° Francesco 1580 den Monumental- brunnen della piazza grande ausführte.

Arch. comun. di S. Severino. V. Aleandri.

Antonio di Pietro da Verona, Maler in Padua, 1393—98 urkundlich erwähnt.

Moschini, Della Pitt, in Padova Mem. p. 9. — Zannandreis, Le vite dei pitt. etc. Veronesi, p. 25. Moschetti.

Antonio da Pisa, Glasmaler, Verfasser eines Traktats über die Glasmalerei und wahrscheinlich derselbe, der das herrliche Fenster über der zweiten Südtüre des Domes von Florenz 1395 signiert hat. Wahrschein- lich war er auch an den Glasfenstern des Domes von Assisi tätig.

R. Bruck, Repert. f. Kstwissensch. XV 240 ff. (Übersetzung des Traktats). — H, v. S e m - per, Mitt. d. k. k. Zentral-Koram. (1872) XVII 25 u. 28. **

Antonio da Pisa, Bildhauer in Neapel, wo er laut urkundlicher Nachricht 1458 gemein- sam mit Isaia da Pisa, Paolo di Marian© Romano und anderen Künstlern für Alfonse

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Antonio

von Aragonien am Skulpturenschmucke des Triumphbogen-Portales zum Castclnuovo ar- beitete.

V. Leonardi in L'Arte III 91, 93. — Arch. Stor. Napoletano XXV 27 ff. — NapoH Nobiliss. XIII, 148. — Natura ed Arte 1904/5, II 98 ff. *

Antonio P i s a n o, Gemnienschneider zu Fo- ligno um 1461, ward wegen seiner kunstvollen Arbeiten gerühmt, wie eine Notiz in Muratori „Scritt. Italian." I 341, berichtet.

Da Morrona, Pisa illustrata II 449. — E. Müntz, Les Arts ä la Cour des Papes (1878) II 114. — Ms. H. RoUett.

Antonio da P 1 u r i o, „quondam magistri Jacomi in domo q. Christophori de Figino pic- toris", lombard. Maler, im 15. Jahrh. gemein- sam mit Dionigi da Galliano in Mailand tätig.,

M a I a g u z z i -Va 1 e r i, Pittori Lombardi del quattrocento p. 239 F. Malaguzzi-Valeri.

Antonio da Pordenone, Maler, f vor 1398 in Pordenone. Erwähnt in einer Per- gamenthandschrift des Mus. zu Padua (Di- verse, XXVIII, 603A 21. 9. 1398: „Daniele pellattiere qm. Antonio pittore abitante in Pordenone"). A, Moschetti.

Antonio da Primiero, Baumeister und . Steinmetz in Venedig, erhielt 1462 von der Signoria in Venedig den Auftrag, die Ar- beiten für die Befestigung von Modone aus- zuführen und zu überwachen.

P. P a 0 1 e 1 1 i, Arch. e scult. d. Rinasc. in Venezia I 44. L. Ferro.

Antonio del Proconsolo, s. Rossel- Uno, A.

Antonio d i P u c c i o, s. Benintendi, A. di P. dei.

Antonio di Rabotto von Piperno im Volsker Gebirge, baute die Vorhalle der dor- tigen Kathedrale laut einer Inschrift, die über deren Eiti weihung 1188 berichtet. Die Skulp- turen dieser Vorhalle mögen ebenfalls von ihm herrühren. Indessen ist die Kirche nach einer zweiten Inschrift 1782 gründlich restau- riert worden.

Ricci, Storia dell' Architettura d'Italia I. 550.

Antonio di Raffaele, Bildliauer in Rom. arbeitete 1569 gemeinsam mit Domenico Ros- sello am Marmorportal der Cappella Paolina des vatikanischen Palastes.

Giern. d'Erudiz. Artist. VI 228. A. Bellucci.

Antonio di Raffaello und M a 1 1 e o d i Antonio, Goldschmiede, machten 1449 für den Stadtrat von Perugia zwei silberne Tafel- aufsätze in Gestalt von Schiffen, sogenannte Nefs, von denen eins später dem Kardinal Giovanni Borgia geschenkt wurde, als der- selbe Legat in Perugia war. Gio. Batt. Ana- .stagi mußte dafür 1512 ein anderes machen.

M a r i o 1 1 i, Lettere pittoriche Perugine p. 172.

R.

Antonio da Reggio, als Maler erwähnt in einem vom 13. 6. 1481 datierten Empfeh- lungsbriefe des Herzogs von Ferrara an d^-n Gouverneur seiner Vaterstadt Reggio d'Emi-

lia, wonach der Künstler daselbst eilien acht- tägigen Aufenthalt zur Ordnung von Fami- lienangelegenheiten nehmen sollte, um sodann den Schwiegersohn des Markgrafen von Man- tua nach Frankreich begleiten zu können. Vermutlich ist mit ihm identisch jener An- tonio di Bartolomeo, der 1492 wegen schwe- rer Exzesse in Ferrara ins Gefängnis kam, und für den damals Giovanni Bentivoglio von Bologna den Herzog von Ferrara um Begna- digung bat. Auch in ferraresischen Steuer- einschätzungen von 1484 und 1496 wird dieser Antonio da Reggio namentlich aufgeführt. — Ferner wird nach L. Marinelli einem Antonio da Reggio die Entwurfzeichnung zu einem 1490 — 1496 errichteten prächtigen Renaissance- Tempietto in der Kirche zu Piratello (zwi- schen Bologna und Imola) zugeschrieben. — Endlich wird ein Antonio da Reggio 1511 in Bologna als „Maestro di legname" erwähnt in den Akten der dortigen Compagnia di S. Giacomo Apostolo.

Atti e Mem. d. R. Deput. di Stor. Patria per le prov. Modenesi e Barmensi, ser. III vol.

III, parte II 525—604. — Rassegna d'Arte 1901 p. 26, 1905 p. 54. — Arch. stor. Ital., ser. 'V vol. XVIII 243 ff. F. Malaguzzi-Valeri.

Antonio d i R e n z o, Kunststicker in Pe- rugia, verpflichtet sich am 19. 10. 1423, ge- stickte Wandbekleidungen für einen Saal im Palazzo der Prioren zu Perugia zu fertigen. Am 22. 6. 1426 erhält er für die fertige Arbeit eine Zahlung von 8 Gulden. Die hierauf be- züglichen Dokumente publizierte Adamo Rossi im Appcndice di Erudizione varia, Giorn. di Erud. art. Vol. III, 1874 p. 316—20. w. Bombe.

Antonio da Rho (de Räude), Maler in Mailand ; arbeitete 1474 in Gemeinschaft mit Melchiorre da Lampugnano und anderen Mei- stern im dortigen Castello Sforzesco und wird auch sonst in Urkunden dieser Zeit mehrfach als Maler niederen Ranges erwähnt.

Malaguzzi-Valeri, Pitt. Lomb. del 400 (Milano 1902) p. 220. F. Malaguzzi-Valeri.

Antonio di Ridolfo da Firenze, gen. Sasso oder Saxo, Kunststicker und Fahnen- maler in Rom, wo er 1450 — 51 für Nikolaus V. Altarparamente, Pluviales, Mitren etc. aus- zuführen hatte, ferner 1459 und 1463 für Pius II. päpstliche Fahnen mit Wappensticke- reien, 1471 die Paramente zur Leichenfeier Pauls II. und zur Krönungsfeier Sixtus' IV., sowie 1472 — 74 Fahnenmalereien für Sixtus

IV. 1478 figurierte A. noch unter den Be- gründern der römischen Malerkorporation di S. Luca.

E. Müntz, Les Arts a la Cour des Papes (1878) I 184, 321 ff., 331; II 126 f.; III 99, 102, 251, 2C4 ff., 270.

Antonio da R i g e s i o, Steinmetz in Ve- nedig, arbeitete 1425 und 1426 die Ornamente und die Friese in Marmor für die Fenster und die Loggia des Palastes Ca d'Oro. nach

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Antonio

Bestellung des lombardischen Meisters Matteo Reverti.

P. P a 0 1 e 1 1 i, Arch. e scult. d. "Rinasc. in Venezia I 21, 44. L. Ferro.

Antonio d i R i g o, Steinmetz in Venedig, arbeitete 1488 Gesimse und Friese für die Scuola grande von S. Marco und für seine eigenen Häuser.

P. P a o 1 e 1 1 i, Arch. e scult. d. Kinase, in Venezia II 202, 223. L. Ferro.

Antonio da Rimpacta da Bologna, Bologneser Maler des 16. Jahrb., in Neapel tätig. Nach einem aufgefundenen Dokument verpflichtete er sich 22. 8. 1509 den Chorherren von S. Pietro ad Aram für den Hauptaltar der Kirche ein Altargemälde mit der thro- nenden Madonna und Heiligen zu malen. Das Bild wurde erst 1511 vollendet und von zwei sonst unbekannten Malern, Pirro Anto- nio di Manfreda da Bologna und Simone di Antonio Petriani da Firenze auf 140 Dukaten geschätzt. Das Gemälde befindet sich jetzt im Museo Nazionale in Neapel (Neapeler Schule No. 7) und galt bis zur Auffindung des Dokumentes als Hauptwerk des Antonio Solario, genannt Zingaro. Filangieri will ohne stichhaltige Gründe den Antonio da Rimpacta mit dem um 1480 in Rom und Neapel tätigen Bologneser Maler Jacopo Ripanda oder Ri- pranda identifizieren. Das Gemälde (dessen Altaraufbau von Giovanni Marigliano da Nola in Holz geschnitzt wurde) „erinnert an vene- zianische Vorbilder und zeichnet sich durch eine gewisse Monumentalität zugleich aber Derbheit der Figuren aus" (H. Thode, Der Kunstfreund, p. 45).

A. Colombo in Napoli Nobilissima IX 169. — Filangieri, Docum. per la storia delle Arti etc. III 185. — Ders., Arch. Stor. Napo- letano IX, fasc. 1, p. 103. G. Degli Azsi.

Antonio da Roma, s. Antoniazzo Romano.

Antonio di Romagna, Italien. Bildhauer und Architekt, wurde nach 1423 von Bischof Angelo von Troia in Apulien zugleich mit Giacomo della Marca berufen, um die seit 1407 begonnenen Restaurationsarbeiten ^ts> romanischen Domes von Troia zu leiten. Die beiden Künstler blieben lange in der Stadt, deren Bürger sie wurden.

Napoli Nobilissima VIII 62—63. G. Degli Azzi.

Antonio Romano, Architekt und Bild- hauer in Pavia, wo er 1491 unter Giov. Ant. Amadeo mit Ant. Tamagnino, Benedetto Bri- osco etc. am Fassadenbau der Certosa betei- ligt war.

Archivio Lombardo 1879 p. 137 ff. — Jahrb. der k. preuß. Kst.-Sammign. XIII 11. *

Antonio Romano, Architekt in Rom, der 1502 die päpstlichen Befestigungsbauten zu inspizieren hatte. — Vielleicht identisch mit dem 1497 — 1516 in Rom ansässigen Archi- tekten Antonio Melone (s. Melone, Antonio).

E. Müntz, Les Arts ä la Cour des Papes Innocent VIII etc. (1898) p. 159, 210, 221. »

Antonio dalla Rosa, Maler, um 1410 in Bologna tätig.

Zani, Encicl. XVI 194. — Arch. stor. d.

Arte ital. VII 16, Anm. *

Antonio della Rosa, Holzbildhauer des 16. Jahrh. in Pistoja, von dessen Hand das ursprünglich für die Chorkapelle derselben Kirche gearbeitete Chorgestühl vor dem Hochaltare von S. Maria de' Servi herrührt.

G i g Ii o 1 i, Pistoja nelle sue Opere d'Arte (1904) p. 114. — Repertor. f. Kstwissensch. XXIV 162. *

Antonio S a c h o, Steinmetz in Rom, wo er 1468 mit Marmorarbeiten für den Umbau des Palazzo und der Kirche S. Marco betraut war.

E. Müntz, Les Arts a la Cour des Papes (1878) II 76.

Antonio von S a c i 1 e, Maler in Friaul, er- hält 23. 5. 1500 Bezahlung für ein für Udine geliefertes Altarbild.

Repert. f. Kstwissensch. II 147. H. V.

Antonio d i S a n d r o, genannt Marcone (Orafo), Goldschmied zu Florenz um 1515, erster Lehrmeister des Benvenuto Cellini.

E. Plön, Benv. Cellini, Paris 1883 p. 4.

H. V.

Antonio dal Santo, Maler des 15. Jahrh. in Padua. Die einzige Nachricht über diesen Künstler, die auf uns gekommen ist, findet sich ohne jede Quellenangabe in den paduani- schen Guiden des 18. Jahrh. ; danach soll dieser Künstler das wundertätige Madonnenbild der Kirche S. Maria del Torresino zu Padua ge- malt haben. Ursprünglich soll dieses Fresko- Gemälde — Halbfigurdarstellung der Maria, die den auf ihren Knien ruhenden Leichnam Christi betrauert, — die äußere Mauerfläche eines kleinen Wart-Turmes geschmückt ha- ben, der zur alten, 1337 von Marsilio da Car- rara errichteten Stadtmauer gehörte, und von dem das Bild selbst wie auch die später an dieser Stelle errichtete Kirche ihren Namen erhielten. Jedenfalls existierte dort seit 1403 eine von einer religiösen Bruderschaft er- baute Kapelle des Namens S. Maria del Tor- resino. Aus diesem Grunde glaubte Grin- zato annehmen zu dürfen, daß das besagte Freskogemälde noch vor 1400 entstanden sein müsse, und im Vertrauen auf die Richtigkeit dieser Annahme behandelten alle späteren Autoren den Meister Antonio del Santo als einen Trecentomaler. Dem widersprechen jedoch die offenkundig squarcionesken Stil- kriterien des Gemäldes, aus denen vielmehr der Schluß zu ziehen ist, daß die Konfraterni- tät dieses Fresko erst um die Mitte des 15. Jahrh. ausführen ließ. In der Tat datieren die frühesten Nachrichten über die Wunder- wirkungen dieses Madonnenbildes erst aus der Zeit um 1450. Ob die Zuschreibung an Antonio dal Santo historisch begründet ist, läßt sich nicht feststellen, da ein Maler An- tonio mit dem Zunamen dal Santo sonst nir- gends erwähnt wird; in der Parochie von S.

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Antonio

Antonio, von der dieser Zuname abgeleitet sein könnte, scheint im 15. Jahrh. kein Maler des Namens Antonio ansässig gewesen zu sein. Die Vermutung einiger Autoren, daß Stefano dall' Arzere der Maler der Madonna del Torresino gewesen sein könnte, erweist sich im Hinblick auf die angeführten histo- rischen Daten als völlig unhaltbar.

C o rn a r o, Not. stor. delle apparizioni etc. p. 164. — Rossetti, Descrizione delle pit- ture di Padova p. 103. — Brandolese, Pitt, di Padova p. 78. — M o s c h i n i, Guida di Padova p. 165. — Grinzato, Mem. d. chiesa di S. Maria del Torresino p. 5. — A. M., Cenni stor. dell' imagine di S. Maria del Torre- sino p. 3. — F. B., Cenni stor. sulla chiesa di S. Maria del Torresino p. 5. A. Moschetti.

Antonio di Santo da Milano kommt als Bildhauer in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. vor. Er war Bürger und Einwoh- ner von Reggio. Wiederholt hatte er Auf- träge vom Grafen Bosio Sforza. Mit diesem schloß er 1474 einen Kontrakt, wonach er für 21 Dukaten sechs größere imd sechs kleinere Säulen mit Blattwerk und anderen schönen „Sachen" verzieren sollte. Am 9. 9. 1475 kam es zwischen denselben beiden Personen zu zwei neuen Verträgen. Nach dem ersten übernahm A die Ausführung eines Portales am gräflichen Palaste, wo oben der Helm- schmuck des Grafen mit zwei Putten an den Seiten als Verzierung anzubringen war. In dem letzten Dokumente versprach der Meister die 50 Ellen lange Balustrade der Treppe zu machen und an ihrem Fuße zwei Pfeiler, jeder mit einem Löwen oben, zu errichten.

G u a 1 a n d i, Mcmorie Italtane etc., Serie VI, p. 31, 33. — Meyer, Kstlerlex. R.

Antonio, Maestro . . di S. Angelo in V a d o, Ornamentbildhauer und Gießer -von Glocken und Kanonen, tätig im 16. Jahrh., von Zani, Enc met. erwähnt, sonst fast unbe- kannt. Camilla Castracane.

Antonio (fra) da San Benedetto. Italien. Maler und Kupferstecher in Venedig. Heinecken (Dict. II 449) führt von ihm das Bildnis in ganzer Figur des Abtes Aure- lius Nomosius an. Nach Zani, Enc. met. XVII 36 war er um 1664 tätig. p, K.

Antonio da San Canziano, Maler in Padua, 1469 urkundlich erwähnt.

Moschin j, Deila Pitt, in Padova Mem. P- 25. Moschetti.

Antonio da S. Marino, s Antonio di Paolo dei Fabbri.

Antonio d i S. M i c h e 1 e in Bosco, s. Asi- nelli, A.

Antonio da San Petrignano, Archi- tekt in Perugia, arbeitete 1534 am Gewölbe- bau der Cappella di S. Giovanni neben der Udienza des Cambic.

G. D e g Ii A z z i in L'Umbria 1902 p. 82, 85.

A. Bellucci.

Antonio da S. Zaccaria, s. Gambello, A.

Antonio da S. Zuane Evangelist a, Bildhauer in Venedig, arbeitete mit anderen Künstlern 1508 an der dem Kanal zugewand- ten Fassade des Dormitorio di S. Giorgio Maggiore.

M 0 t h e s, Gesch. d. Baukunst in Venedig II 103. L. Ferro.

Antonio d i S a n z i o, Maler in Avignon, wo er um 1370 — 71 gemeinsam mit dem ma- gister Nobis Wandmalereien ausführte im Palaste Papst Urbans V., und zwar sowohl „in magno tinello", als „in camera paramen- ti ac in camera imperatoris".

E. Müntz, Le Pape Urbain V (1889, aus „Revue archeol.") p. 8 f . *

Antonio S a s s o, s. Antonio di Ridolfo.

Antonio da Sebenico „protomastro", dalmatinischer Architekt, Mitarbeiter des Giorgio da Sebenico um 1447.

Archivio stor. d. arte VII 404. ♦*

Antonio da Sestri, s. Travl, A.

Antonio Sforzesco (di Giovanni), Stein- metz in Perugia, 1476 in die Matrikel der lombardischen Bildhauer-Korporation einge- tragen.

Mscr. 1451 — 52 der Biblioteca Communale zu Perugia. A. Bellucci.

Antonio da S i e n a, Kunststicker in Rom, hatte 1458 für Pius II. eine Anzahl Decken mit dem päpstlichen Wappen zu besticken.

E. Müntz, Les Arts ä la Cour des Papes (1878) I 321. ♦

Antonio da S i e n a, s. auch Antonio Vene- ziano, Gabriello d'Antonio da Siena, Minella, Antonio di Tommaso.

Antonio di Silvestro, war Camerlengo der Arte dei Miniatori in Perugia im 1. Se- mester 1416. Werke nicht bekannt.

L'arte dei Miniatori in Perugia, Giern, di Erud. art. II 1873 fasc. 11—12 p. 311. W. Bombe.

Antonio di maestro Simone, Maler in Siena, urkundlich von 1428 — 1471 nach- weisbar, malte hochbetagt 1464 eine Loggia für Pietro di Giovanni Treverchi.

M i 1 a n e s i, Docum. Senesi I 48, II 327, 329, 336. H. V.

Antonio d i Simone aus Florenz, Mitglied des Ordens San Giovangualberto, schrieb 1445 bis 1451 drei Antiphonare für den Dom der genannten Stadt.

V a s a r i, cd. Le Monnier VI 164, 327.

Antonio d i Simone, Glasmaler in Or- vieto, wo er 1471 mit einem ungenannten Meister aus Perugia zur Ausführung des Glasfensters der Cappella del SS. Corporate im Dome verpflichtet wurde.

L. F u m i, II Duomo di Orvieto, p. 241. *

Antonio (di) Simone, Maler und Stuc- catore, nach Zani um 1520 in Nizza tätig.

Zani, Encicl. XVII 288. ♦

Antonio di SimoneFiorentino, Stein- metz des 15. Jahrh. in Bologna ; in den Bo- logneser Urkunden häufig erwähnt, nament- lich als Mitarbeiter des Pagno da Fiesole bei der plast. Ausschmückung des Palazzo Bo-

« IG

Antonio

lognini an der Piazza S. Stefano zu Bologna. Ein gleichfalls als Bildhauer vielfach in Bo- logna beschäftigter Sohn des Meisters namens Marsilio d'Antonio machte 1517 ebendaselbst sein Testament.

Repertor. f. Kstwissensch. XXII 294. — Jahrb. der Kgl. Preuß. Kstsammlgn. XXIV, Beiheft p. 131. F. Malaguzsi-Valeri.

Antonio di Simone Francesco da U r b i n o, Architekt und Bildhauer, geb. in Montecalende, tätig in Urbino um 1470. An- tonio erbaute in Gemeinschaft mit seinem Landsmann Francesco Santi, genannt Papa, die im korinthischen Stile gehaltene dreibogige I.oggia des Spitals zu Urbino, ein prächtiges Werk von großer Feinheit der Linienführung. Außerdem hat Antonio zusammen mit Am- brogio da Milano sicherlich auch am herzog- lichen Palaste gearbeitet, ferner an der Kirche S. Bernardino und vielleicht auch am Pa- lazzo Passionei.

Rass. bibl. d. Arte ital. VIII 194. E. Scatassa.

Antonio dei Solari, s. Antonio di Giov. di Piero da Venezia.

Antonio di Stefano da Pandino, s. Antonio da Pandino d. J.

Antonio di Teodoro, s. Antoni v. Theo- dor. ^

Antonio de T i s o i o. Venezianer Maler im Anfang des 16. Jahrh., der nach Crowe u. Cavalcaselle (Deutsche Ausg. II 222) „in einem Mischcharakter zwischen den Vivarini, Bellini und Cima ungefähr auf gleicher Stufe mit Jacopo da Valenzia steht". Das von Crowe u. Cavalcaselle in der Madonnenkirche von Orzes gesehene „Antonio de Tisoio pin- xit 1512" bezeichnete fünfteilige Altarwerk mit der Madonna und den Hl. Georg, Johan- nes d. T., Sebastian und Andreas ist kürzlich für die Liechtensteingalerie in Wien erwor- ben worden und das einzige bekannte sichere Bild des Meisters, von dem Crowe u. Caval- caselle in Belluno in der Casa Pagani noch eine kleine ebenfalls bezeichnete Madonna, sowie drei Fragmente bei Conte Agosti (drei Engel, aber nur das eine gut erhalten), und in demselben Stil ein Wandbild an der Casa Carlo Miari, Piazza del Mercato, Maria mit dem Kind, aufzählen.

Crowe u. Cavalcaselle, Gesch. d. ital. Mal. VI 222. — L. V e n t u r i, Le Origini della Pittura Veneziana. Venezia 1907. (Hier An- tonio da Tisoio.) ***

Antonio di Tommas o, Bildhauer in Flo- renz, Gehilfe des Lorenzo Ghiberti bei Aus- führung der Bronzetüren von S. Giovanni.

Vasari, ed. Milanesi II 255. H. V.

Antonio di Tommas o, Bildhauer in Rom, 1420 urkundlich erwähnt.

E. Müntz, Les Arts a la Cour des Papes (1878) I 31. •

Antonio di Tommas o, Architekt in Pe- rugia, arbeitete 1514 am Gewölbebau des Ho- spitals neben dem dortigen Cambio.

G. D e g 1 i A z z i in L'Umbria 1902 p. 82 ff.

A. Bellucci.

Antonio di Tommaso Romano, Maler in Rom. Am 17. 4. 1472 werden ihm für 16 vergoldete Stäbe aus der päptlichen Schatz- kammer 7 Gulden vergütet. 1478 figurierte er unter den Mitbegründern der römischen Malerkorporation di S. Luca.

R o s s i Spogli Vaticani, Giern, di Erud. art. Vol. VI 272, 1877. — E. M ü n t z, Les Arts ä la Cour des Papes (1878) III 98, 102. W. Bombe.

Antonio T o s c a n o, Maler in Ancona, wo er 1450 die Gewölbemalereien in der von Giorgio da Sebenico und Giovanni Sodo er- bauten, 1554 jedoch abgebrannten und durch den Neubau des Pellegrino Tibaldi ersetzten „Loggia" auszuführen hatte. — Vielleicht ist dieser Künstler zu identifizieren mit jenem Antonio d'Ancona, der 1472 ein Altarbild für die Kirche S. Francesco delle Scale zu An- cona gemalt hat. (S. auch unter Andrea da Ancona.^

Zani, Encicl. XVIII 251. — Ricci, Mem. stor. di Ancona. — Ferretti, Pittori An- conitani (1883) p. 7 ff. *

Antonio da Trent o, Italien. Maler und Holzschneider, tätig in Bologna in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. Wir wissen von ihm nur, was Vasari (V 226) erzählt, nämlich, daß er in Bologna von Parmigianino, der sich nach seiner Rückkehr aus Rom nach dem Sacco (1527) längere Zeit dort aufgehalten hat, in dfer Kunst des Farbenholzschnittes unterwiesen und mit der Wiedergabe einer Reihe seiner Zeichnungen in dieser Technik beauftragt worden sei. A. habe dann eines Morgens dem Meister seine Holz- und Kup- ferplatten und Zeichnungen gestohlen und sei auf und davon gegangen. An anderer Stelle (V 422) führt Vasari mehrere Arbei- ten A.s in Helldunkelholzschnitt einzeln auf. Es ist nun von der einen Seite behauptet, von der anderen energisch bestritten worden, daß A. identisch sei mit Antonio Fantuzzi, der, wie aus den Rechnungen des Schloß- baues hervorgeht, um 1537—40 in Fontaine- bleau unter Primaticcio als Maler tätig war, und der auch eine Reihe von z. T. mit vollem Namen, z. T. mit Monogramm aus A T F oder ANTE bezeichneten Radierungen nach Primaticcio, Parmigianino u. a. ausge- führt hat. Man meint, daß A. auf seiner Flucht aus Bologna, wo er einen Teil seines Raubes hatte liegen lassen, sich nach Frank- reich gewandt und bei Primaticcio, der mit zahlreichen italienischen Gehilfen in Fon- tainebleau tätig war, Arbeit gesucht und ge- funden habe. Für die Identität des A. mit Antonio Fantuzzi lassen sich weder aus den äußeren Umständen noch aus der stilistischen Vergleichung der Holzschnitte mit den Ra- dierungen schlagende Beweise herleiten. Aber auch die Gründe, die von Kolloff in Meyers Kstlerlex, und von Herbet gegen die An-

II

Antonio

nähme, daß A. und Fantuzzi eine und die- selbe Person seien, angeführt wurden, sind nicht der Art, daß sie die Möglichkeit der Identität der beiden Personen ausschließen. Die Verschiedenheit der Monogramme auf den Holzschnitten und auf den Radierungen erklärt sich leicht aus der Verschiedenheit des Materials, wie ja überhaupt Künstler ihre monogrammatischen Bezeichnungen zu wech- seln pflegten. Wenn sich Fantuzzi in Fon- tainebleau einen Bologneser nennt, so würde das noch nicht unbedingt beweisen, daß er in Bologna auch geboren sei. Er kann es sehr wohl für empfehlenswerter gehalten haben, in Frankreich der unbekannten Ort seiner Geburt durch den hier berühmten Ort seiner Herkunft, an dem er lange gearbeitet und vielleicht sogar Bürgerrecht erworben hatte, zu ersetzen. Auch daß tatsächlich in Bologna später eine Familie Fantuzzi an- sässig war, beweist nichts gegen den Ur- sprung Fantuzzis aus Trento, da diese Bo- logneser Fantuzzi ja von jenen abstammen könnten. Da es aber jedenfalls zweifelhaft ist, ob die beiden Künstler Antonio da Trento und Antonio Fantuzzi da Bologna eine und dieselbe Person seien, so sollen die Radie- rungen unter dem Namen Fantuzzi aufge- führt werden ; hier soll nur von den Farben- holzschnitten, für die die Autorschaft An- tonios durch Vasari beglaubigt ist, gesprochen werden. Von den 37 Helldunkelholzschnit- ten, die von Bartsch (F.-Gr. XII) und von Kolloff (Meyers Kstlerlex.) Antonio zuge- schrieben werden und die alle nach Zeich- nungen Parmigianinos ausgeführt sind, tra- gen nur 2 das aus A oder A und T gebildete Monogramm des Künstlers, der Johannes in der Wüste (K. 6; B. IV 17) und der Lauten- spieler (K. 35; B. X 3). Einige andere Blätter werden von Vasari als seine Werke ange- führt: das Martyrium der hhl. Petrus und Paulus (K. 20; B. IV 28), die Tiburtinische Sibylle (K. 22; B. V 7), der vom Rücken ge- sehene, sitzende nackte Mann (K. 36; B. X 13) und die Madonna (in oval) (K. 3 ; B. III 12). Die übrigen Holzschnitte werden ihm von Bartsch und Kolloff auf Grund ihrer stilisti- schen Verwandtschaft mit diesen Werken zu- geschrieben. Die Berechtigung dieser Zu- weisungen steht nicht immer außer Zweifel. Die Arbeiten der einzelnen Meister des Far- benholzschnittes lassen sich nur sehr schwer voneinander unterscheiden, zumal die Künst- ler ihre Technik wechseln und besonders auch die Verschiedenheit der Abdrücke in dieser subtilen Technik außerordentlich stark den künstlerischen Eindruck dieser Werke mit bestimmt. Kolloff selber ist in seinen Zu- schreibungen oft nicht sicher und möchte z. B. die zwölf Apostel mit Christus (K. 7—19; B. IV 1 — 12) eher für Arbeiten Ugos da Carpi

halten. Eine von Bartsch (XII 125, VII 26) A. zugeschriebene Darstellung der Verehrung der schönen Psyche, die Passavant (VI 222 No. 26) seinerseits für eine Arbeit des Giu- seppe Nicolo Vicentino hält, wird von Kolloff nicht aufgeführt. Dagegen gibt Kolloff dem A. 10 Blätter, die von Bartsch als. Arbeiten Unbekannter (K. 1, 2, 3, 5. 26, 27, 28, 83) oder gar nicht (K. 4 und 7) beschrieben sind. Wie die anderen gleichzeitigen italienischen Meister des Farbenholzschnittes geht auch A. von der Technik Ugos da Carpi aus. Er betont aber mehr die zeichnende Linie als die Fläche und führt die schwarze Strichplatte in freier, aber ganz detaillierter Linienbildung aus, so daß sie schon für sich allein die Dar- stellung fast vollständig gibt. Er verwendet fast immer nur eine einzige Tonplatte mit ausgesparten Lichtern, die der Stfichplatte nur einen farbigen Gesamtton hinzufügt. Er durchbricht hierin also das Prinzip des Ugo da Carpi, der die Formen fast ganz aus den Linien und Flächen der verschiedenen Far- benplatten zu bilden strebt und die dicken schwarzen Linien der Strichplatte wesentlich nur zur Verstärkung der tiefsten Schatten benutzt. Doch sind auch A.s Holzschnitte alle schon von vornherein auf die Mitwirkung der Tonplatte, die auch einzelne wesentliche Linien der Zeichnung beiträgt, berechnet. Mehr als in den beiden mit seinen Mono- grammen bezeichneten Arbeiten nähert sich A. der Technik Ugos z. B. in dem von Vasari als sein Werk erwähnten Martyrium der Apostel Petrus und Paulus und in anderen ihm zugeschriebenen Blättern. Im Schnitt der Strichplatte mit ihren fließenden, weichen Linienzügen, die in freier Unregelmäßigkeit und Breite der Strichbildung ganz indivi- duellen, malerischen Charakter bewahren, weiß sich A. der Formgebung seines Meisters und Vorbildes Parmigianino ganz vortrefflich anzupassen und die Zeichnung mit großer Sicherheit und vollem Verständnis wieder- zugeben.

Meyer, Kstlerlex. — Brandolese, Pit- ture di Padova p. 105. — Bertolotti, Ar- tist! Bolognesi etc. in Roma (Bologna 1883) p. 1 10. — Herbat, Les graveurs de l'ecole de Fontainebleau (Annales de la soc. bist, et arch. du Gatinais, Fontainebleau 1897). — Suster im Archivio Trentino XVII (1902) p. 5 ff. P. K.

Antonio da Trevigi, Maler im Anfange des 15. Jahrh. Für S. Niccolö in Treviso malte er den hl. Christophorus mit dem Christkinde in kolossaler Größe: seine Höhe betrug 34 Fuß. Ein Martyrium des hl. Pe- trus verfertigte er 1414 für die damals ge- gründete Confraternitä de' Nobili.

Z a n o 1 1 o, Pittura Veneziana p. 64, nach den Registern des Archivs von S. Niccolö in Tre- vigi. — Federici, Memorie Trevigiane etc. I 200. »*

Antonio d i T r o i a n o, im Rione S. Su-

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sanna in Perugia ansässig. War Camerlengo der Peruginer Malerzunft im 1, Semester 1561 und im 2. Semester 1565 an Stelle von Carlo di Niccolo. Werke von ihm sind nicht bekannt. Jf. Bombe.

Antonio da Urbino (il sordo), s. Vi- viani, A.

Antonio Ursini da Milane, Maler in Fer- rara laut Ausweis des dortigen „Carteggio de- gli Oratori Estensi". 1436 zeichnete er auf Pergamentbogen drei Pläne des Stadl- und Landgebietes von Cremona.

A. V e n t u r i im Arch. stor. Lombardo XII 228. F. Malaguzzi-Valeri.

Antonio da Valsolda, s. Peracca, Giov. Ant.

Antonio da Varese, s. VanosinOj Giov. Ant.

Antonio daVendri, Veroneser Maler um 1518.

Bernasconi, Studi etc., Verona 1865. ** Antonio da Venezia (Sohn des Cristo- foro da Milano), Maler in Ferrara, wo er mit anderen Künstlern 1452 die Entwürfe lieferte für die Gewänder des Klerus zum Empfange Kaiser Friedrichs III. und zur Ernennung des Borso d'Este zum Herzog von Ferrara. 1473 u. 1481 urkundlich noch mehr- mals als lebend erwähnt, muß A. vor 1496 gestorben sein, wie aus einer auf seinen Sohn Girolamo del quondam Antonio bezüglichen Urkunde des letzteren Jahres hervorgeht. — Die von Cittadella vorgeschlagene Identifi- zierung dieses Künstlers mit Antonio Pochet- tino entbehrt jeglicher Begründung.

Baruffaldi, Vite de' pittori etc. Ferraresi (1846) II 585. — Cittadella, Not. relat. a Ferrara (1864) p. 67, 74, 215, 565, 575; Doc. ed Illustr. etc. Ferrar. (1868) p. 147.

E. Modigliani.

Antonio da Venezia, Maler in Orvieto. wo er 1463 bei der Restaurierung eines der gemalten Glasfenster des Domes die Ent- wurfzeichnung für eines der betr. Glasgemälde lieferte. Der Künstler starb bereits 1464.

Arch. stor. d. Arte I 342. — L. Fumi, II Duomo di Orvieto. p. 236—237. E. Modigliani.

Antonio da Venezia, Keramiker in Ve- nedig. P. Molmenti erwähnt ein Dokument von 1470, welches von einem „Maestro An- tonio archimista" spricht, der bei S. Simeone einen Ofen erbaut hatte, aus dem sehr schöne, durchscheinende „porcelane" hervorgingen, die den von „Barbaria" kommenden ähnlich, aber vielleicht noch schöner waren.

Rassegna Nazionale, vol. 113 p. 9. — Cam- per i, Maiol. e Pore, a Ferrara p. 129. — Bullett. di Arti Ind. e curios. Venez. I 79. — Studi intorno la Ceramica Venez. 1876 p. 38. — Gaz. des b.-a. 2. per. XVIII 764. L. Ferro.

Antonio da Venezia, s. auch Antonio di Nicolö.

Antonio Veneziano, eigentlich Antonio d i Francesco da Venezia. Hervorragen- der Maler des Trecento, der wohl aus Vene-

dig stammte, aber in Toskana tätig war, wo er 1370—1388 in Siena, Florenz und Pisa nachweisbar ist. Vasari berichtet von ihm, daß er in Venedig geboren und mit Agnolo Gaddi nach Florenz gekommen sei; er wäre dann als berühmter Maler wieder nach Ve- nedig zurückgekehrt und hätte dort in der Sala del Consiglio des Palazzo Ducale ge- malt, aber der Neid und die Mißgunst seiner Fachgenossen hätten ihn bald für immer aus seiner Vaterstadt vertrieben. Von diesen Ge- mälden des Antonio in Venedig ist aber nichts erhalten und bekannt, und nicht einmal sein Name wird in dortigen Urkunden und Quel- lenschriften genannt, so daß Vasaris Erzäh- lung mit Vorsicht aufzunehmen ist. Trotz- dem aber in den uns sonst erhaltenen Urkun- den und Quellen die Herkunftsbezeichnung des Meisters schwankend ist (eine Sieneser Urkunde nennt ihn „da Venezia", Pisaner Ur- kunden bald „de Fiorensa", bald „de Vene- tiis", Baldinucci bezeichnet ihn als Floren- tiner [s. den Artikel Antonio da Firenze, Maler in Venedig], der Anonimo Maglia- becchiano als Sienesen), wird man doch an der Venezianer Herkunft des Meisters fest- halten können und annehmen, daß er bereits in jungen Jahren, vielleicht tatsächlich mit Agnolo Gaddi, aus seiner Vaterstadt nach Toskana gekommen ist. da seine Kunstweise durchaus in der Toskanischen wurzelt. Crowe und Cavalca.selle haben ein Bild von 1388 mit der Geißelung Christi bei der Bruderschaft S. Nicolö Reale di S. Francesco in Palermo dem Meister zugeschrieben und die Reste der darauf befindlichen Bezeichnung „An . . . Lo . . . da Vinexia pinx." auf Antonio Longhi gedeutet und vermutet, daß Longhi der Fa- milienname des Antonio Veneziano gewesen sei. Da die Zuschreibung des Bildes an An- tonio Veneziano sowohl, als die Deutung der Bezeichnung nicht zweifellos sind und Antonio in den zahlreichen erhaltenen Urkunden nie den Beinamen Longhi führt, verdient Crowes und Cavalcaselles Vermutung keinen Glauben.

Sichere Daten aus Antonios Leben sind folgende: Nach einer Urkunde in Siena er- hält er im Oktober 1370 gemeinsam mit An- drea Vanni Zahlung für Malereien an den Gewölben des Domes in Siena (Milanesi, Doc. I 305). Am 20. 9. 1374 ist er in Florenz in der Matrikel der Ärzte und Apotheker, zu deren Zunft damals die Maler gehörten, ein- getragen. Vom 7. 12. 1384 bis zum 10. 4. 1387 erhält Antonio in Pisa Zahlungen für die drei unteren Gernälde mit der Legende des hl. Raniero im Camposanto. Die Zahlungsein- tragungen sind bis auf die letzte von dem operaio Parasone Grasso vorgenommen wor- den, der den Meister beständig als aus Florenz stammend bezeichnet (Maestro Antone di Franciescho dipintore da Fiorensa), während

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Antonio

die letzte Eintragung vom 10. 4. 1387 von der Hand des Notars und Schreibers der Dom- opera „pro pictura trium storiarum inferius sancti Rainerii in camposanto" ihn „Magister Antonius pictor condam Francisci de Vene- tiis" nennt. Unter dieser Bezeichnung er- hält er ferner vom 14. 4. bis 4. 8. 1387 Zah- lungen für weitere Arbeiten (Einrahmungen u. Restaurationsarbeiten an älteren Fresken) im Camposanto für sich und seine Schüler Giovanni und Pietro und am 2. 8, 1387 vom Dom Werkmeister Zahlung für ein Gemälde in der Orgelkapelle des Domes, „welches er ganz auf seine Kosten ausgeführt hatte". Bei Empfang der letzten Bezahlung wohnte An- tonio in einem Hause im Bezirk S. Nicola; vorher hatte er zwei Jahre in einem ihm von der Domopera gemieteten Hause im Bezirk S. Lorenzo gewohnt, dessen Schlüssel er son- derbarerweise erst am 1. 3. 1388 dem Dom- werkmeister auslieferte, obgleich er schon lange nicht mehr dort wohnte.

Das uns erhaltene Hauptwerk des Antonio Veneziano sind die drei unteren Fresken aus der Legende des hl. Raniero an der Südwand des Camposanto in Pisa aus den Jahren 1384 bis 1387 (die drei oberen 1377 von Andrea da Firenze vollendet). Sie stellen die Reise des Heiligen aus Palästina, seine Ankunft in Pisa, seinen Tod und seine Wundertaten da- selbst vor und sind leider so schlecht erhalten, daß man sich nur mit Hilfe der Abbildungen Lasinios über alle Einzelheiten orientieren kann. In ihnen tritt uns Antonio besonders als ein vorzüglicher Beobachter der Natur ent- gegen. Die nackten Körper zeigen ein über- raschendes anatomisches Verständnis, an den Kranken, bei den Wundertaten des Heiligen, sind ihre Gebrechen auf das Bestimmteste dar- gestellt, die verschiedenen Lebensalter, Be- schäftigungen und Charaktere der einzelnen Personen überall treffend geschildert u. viele seiner Figuren ohne Zweifel Porträts ; die Ge- wänder sind nicht stilisiert, sondern je nach der Art des Stoffes verschieden behandelt. Weit überflügelt er seine Zeitgenossen in Siena und Florenz durch seine klare und be- stimmte Wiedergabe der Architektur und die ausgezeichnete Perspektive. Er findet auch lebhaftere Farbentöne, arrangiert seine Grup- pen mit großer Fertigkeit und verläßt Giottos Großartigkeit u. Strenge durch seine mehr gen- rehafte Auffassung, die sich in vielen Zügen offenbart. Bei all seinem Realismus aber liebte er, wie Vasari schon rühmt, das Zarte und Anmutige. Antonio Venezianos Kunst ist sicher aus der Toskanischen hervorge- gangen. Vasari berichtet, daß er sich an Ag- nolo Gaddi angeschlossen habe, doch waren beide wohl gleichaltrig, so daß man kaum ein richtiges Schul Verhältnis annehmen kann. Gio- vanni da Milano und Giottino mögen A. be-

einflußt haben. Mag die Behauptung Vasaris. daß Antonio der Lehrer des Gherardo Starnina gewesen sei — durch den er wieder Maso- lino, Angelico und Masaccio beeinflussen konnte — auf Wahrheit beruhen oder nicht, jedenfalls ist er als Vorläufer dieser bahn- brechenden Neuerer ein wichtiges Glied in der Entwickelung der toskanischen Malerei. — Von anderen Werken des Antonio Veneziano sind uns nur noch die in schlechtem Zustand be- findlichen Fresken an einem Tabernakel in den Gärten von Nuovoli vor Porta Prato, in der Besitzung der Familie Panciaticchi in Flo- renz erhalten, die A. im Auftrag des Giovanni degli Agli malte und die als verschollen gal- ten, aber von Crowe und Cavalcaselle wieder aufgefunden wurden. Es sind nur noch die Spuren einer Kreuzabnahme, des jüngsten Ge- richtes und des Todes und der Himmelfahrt Mariae sichtbar. Die anderen Arbeiten An- tonios in Florenz sind alle nicht mehr vor- handen. Vasari berichtet, daß A. im Chiostro von S. Spirito die Berufung der Apostel, Ver- mehrung des Brotes und der Fische und an der Außenseite den Mannaregen gemalt habe und daß er selbst die Zeichnungen zu diesen Bildern besäße, die er als die schönsten jener Zeit rühmt. Ferner nennt er die Predella des Hochaltars in S. Stefano a Ponte Vecchio mit Szenen aus dem Leben des hl. Stephanus, Malereien oberhalb des Portals von S. An- tonio al Ponte della Carraia, ein von den Ac- ciaiuoli bestelltes Altarbild für die Certosa v. Florenz sowie ebendort ein Fresko mit der Verklärung Christi. Von dem ebenfalls ver- schollenen Gemälde in der Orgelkapelle des Doms von Pisa, für das A. 1387 Zahlung er- hielt, war schon oben die Rede, ebenso von den Malereien an den Gewölben des Do- mes in Siena von 1370, die A. gemeinsam mit Andrea Vanni ausführte. Auch an der Kuppel des Domes in Pisa muß A. tätig ge- wesen sein, da er und sein Schüler Giovanni für Arbeiten zu derselben 1385 Zahlung er- hielten (s. Tanfani Centofanti, Not. di ar- tisti, p. 441). Zweifelhaft als Werke des An- tonio Veneziano sind: das schon genannte Altarwerk mit der Geißelung Christi und Ein- zelgestalten von Engeln, Heiligen und Apo- steln von 1388 in S. Nicold Reale in Palermo mit der oben angeführten Bezeichnung, die dem Antonio von Crowe und Cavalcaselle zu- geschriebenen Deckenfresken im Capellone degli Spagnuoli in S. Maria Novella in Flo- renz, sowie die Malereien in der Capp. Castel- lani in St. Croce in Florenz und zwei Bilder mit Heiligen in den Mus. in München und Altenburg, die Schmarsow dem Antonio zuer- teilt hat. Schwerlich sind auch andere Werke, die dem Antonio Veneziano zugeschrieben werden, von seiner Hand. Gefälschte Be- zeichnungen tragen die Bilder in der R. Gal-

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leria dell' Accademia (No. 2) und im Museo Correr (No. 44) in Venedig.

V a s a r i (ed. Lcmonnier II 171 f., ed. Mila- nesi I 661 f.). — Milanesi, Doc. Senesi I 305, — Tanfani Centofanti, Provincia di Pisa 1881 n. 33 u. Notizie di Artisti 1897 p. 34 bis 40, 441—42. — K. Frey, II Codice Maglia- becchiano, 1892 p. 253, 259. — C i a m p i, Not. sul Campo Santo di Pisa, 151. — R o s i n i, Descr. delle Pitture del Campo Santo, Pisa 1816 p. 80 — 98. — C r o w e und Cavalcaselle, Storia d. pitt II 209—228 (Dtsche. Ausg. I 328, II 56 f.) — Gualandi, Memorie . . VI 136.

— Morrona, Pisa illustr. II. — C. B e r n a s - c o n i, Antonio Veneziano, Verona 1862. — G. M a n c i n i, Venti Vite d' Artisti di G. B. Gelli (per nozze) Firenze 1896. — J. B. S u p i n o, II Camposanto di Pisa. 1896. — A. Schmar- s o w, Masaccio-Studien III 17, 42. — Schu- bring, Altichiero und seine Schule 1898, p. 129.

— G. D i M a r z o, La Pittura in Palermo, 1899 p. 47, 49. — A. Deir Acqua Giusti, An- tonio Veneziano. Venezia. — Repertor. f. K.-W, VI 16, XVII 267. — A. Venturi, Storia deir arte ital. V. — L. Venturi, Le Origini della Pittura Veneziana, Venezia 1907. — Meyer, Kstlerlex. (mit weiterer Lit.). — Abbildungen der Fresken im Camposanto s. C. L a s i n i o, Pitture a fresco dcl Campo Santo di Pisa. Fi- renze 1832—1838. G. Fogolari.

Antonio Veneziano, s. auch Musi, A.

Antonio di Venturin o, Steinmetz in Venedig, arbeitete 1494 mit Mauro Coducci an den Dekorationen der Scuola grande von S. Marco; und mit seinem jungen Sohne zu- sammen in der Kirche S. Giovanni Criso- stomo. Er wird bis 1499 erwähnt.

P. P a o 1 e 1 1 i, Arch. e scult. d. Rinasc. in Venezia II III, 176, 179. L. Ferro.

Antonio da Venzone, italien. Maler. 1462 in der Bottega eines Meisters Leonardo in Venedig tätig, u. 1498 von einem „Meister Leonhard (Thanner) Teutonicus" aus Ven- zone nach Cividale berufen um als Sachver- ständiger eines von dessen Bildern zu schätzen. Vielleicht ist dieser Leonhard Teutonicus mit dem oben erwähnten Meister Leonardo iden- tisch und nicht Leon. Boldrin, wie P. Paoletti und G. Ludwig vermuten.

Repertor. II 150, XXII 446. ***

Antonio da Vercelli, soll nach Vasari Architekt in Florenz gewesen und um 1420 mit einem Kuppelmodell für S. Maria del Fiore in Konkurrenz mit Filippo Brunelleschi getreten sein. Er war aber nur einfacher „legnajuolo" der Dom-Opera, wie ganz kleine Lohnzahlungen erweisen.

Vasari, Vite, ed. Milanesi II 359. H. V.

Antonio da Verona, Maler in Rom, um 1527 Mitglied der römischen Accademia di S. Luca.

M i s s i r i n i, Stor. d. rom. Accad. di S. Luca p. 15, 461. — Bertolotti, Artisti Veneti in Roma. F. Malaguszi-Valeri.

Antonio diVettore aus Venedig, Bronze- gießer. Von ihm ist eine Glocke auf dem Glockenturm von S. Cristoforo, die er 1426 ausführte.

Moschini, Guida di Venezia 1815 II 23.

Antonio Vicentino, genannt Tognone, Maler in Vicenza um 1580, Schüler des G. B. Zelotti, soll auch von Palma d. J. mehrfach als Gehilfe verwandt worden sein. In Vi- cenza betätigte er sich als Fresken- und Fassa- denmaler. Er gab aber die Malerei bald auf und starb noch jung als Soldat.

Meyer, Kstlerlex. (mit ält. Lit.). — G. Zi- rn e 1 1 o, Pittori Vicentini (Venezia 1847) p. 7 f. — Nuovo Arch. Veneto VIII parte II p. 373 ff.

**

Antonio da Vicenza, Intarsiator. — So nennt Zani, Enc. met. XIX 164 mit irr- tümlichen Angaben sowohl in der Signatur wie in der Datierung einen Intarsiator, dessen Name Antonio Cossetti ist.

Antonio da Vigiü, lorabard. Bildhauer, nach Zani und Nagler 1556—1590 in Mai- land für den dortigen Dom tätig; und zwar sollen daselbst als Werke von seiner Hand zu betrachten sein das Grabmal des Papstes Pius V. (t 1572), eine Christusstatue und die bei- den nach Martino Bassis Zeichnung ausge- führten weiblichen Tragfiguren unterhalb des Orgelgehäuses. — Vielleicht ist mit ihm identisch jener Antonio da Vigiü, der nach Bertolotti sich 1591 in der Mitgliederliste der Congregatio artis lapicidarum zu Rom ange- führt findet.

Zani, Encicl. XIX 88. — Nagler, Kstler- lex. XX 245. — Cicognara, Storia d. Scul- tura II 182. — Bertolotti, Art. Lombardi a Roma I 227. — Merzario, I Maestri Co- macini, Milano 1893 I 542. F. Malaguzzx-Valeri.

Antonio da Vignonovo, Architekt, tätig in Rom, erhält 20. 12. 1458 als Gehilfe des Architekten Lorenzo aus Mailand Bezahlung für Arbeiten am Vatikan.

Bertolotti, Artisti Lombardi a Roma.

H. V.

Antonio di Vincenzo, Architekt in Bo- logna, geb. daselbst um 1350, wie aus der Mitgifturkunde seiner Gemahlin Agnese Ta- bolacci hervorgeht. 1382 begegnet er uns zum ersten Male als Festungsarchitekt der Bo- logneser Stadtgemeinde, und zwar wurde er damals mit Inspektions- und Bauarbeiten in den umliegenden Bologneser Kastellen be- traut. 1383 erhielt er Bezahlung für den Bau der Bergveste von Cento, während er gleichzeitig an der Porta Saragozza zu Bo- logna arbeitete. 1384 führte er Erneuerungs- bauten an den Bologneser Stadtmauern aus. Auch übte er in diesem Jahre als Gonfaloniere zusammen mit Lorenzo Bagnomarino eine Art Oberaufsicht über die zu errichtende Mer- canzia aus und wurde ebenfalls mit Bagno- marino mit dem neuen Entwürfe für den Palazzo de' Notai betraut, dessen nach der Piazza grande gehende große Prachtfenster sein Werk sind. 1385 arbeitete er wiederum an den Bologneser und Imoleser Landkastel- len, 1386 in Gemeinschaft mit Giovanni da Siena am Bau der S. Proculo-Bastion

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Antonio

zu Faenza und 1387 am Bau der Bergveste S. Giovanni zu Persiceto. — 13S8 erhielt A. sodann von den Sechshundert den Auftrag, nach den Anweisungen und unter der Leitung des Frate Andrea Manfredi da Faenza die Risse zu zeichnen zum Neubau der abzubre- chenden älteren Kirche von S. Petronio zu Bologna (von 1211). Nach Genehmigung die- ser Entwurfzeichnungen 1390 mit der Aus- führung eines Stein- und Gips-Modells im Maßstabe von ^/,, (18,71 m) der wirklichen Größe betraut, wurde A., nachdem schon im Juli desselben Jahres der Grundstein zur neuen Kirche gelegt worden war, am 14. 1. 1393 schließlich rite zum Obermeister des Neubaues von S. Petronio ernannt. Daß er auch sonst eine angesehene Stellung in seiner Vaterstadt einnahm, geht daraus hervor, daß er in das Kollegium der „Riformatori dello Stato"- erwählt war und 1396 mit einer Spe- zialgcsandtschaft der Stadt Bologna an die Republik Venedig abgeordnet wurde. In diesem Jahre war er auch wieder Gonfaloniere und wurde zum Notar ernannt. — Der groß- artig angelegte Neubau von S. Petronio sollte ein Kreuz bilden von 608' Länge und 436' Breite mit einer achteckigen Vierungskuppel von 110' Durchmesser und quadratischen Sei- tcnschiffkapellen ; den drei Eingängen an der Hauptfront und an den Enden der Kreuz- schiffe sollten weitläufige Vorhöfe entspre- chen. Ganz deutlicli zeigt sich in seinen Plänen, daß der Meister die nordische Gotik genau kannte und vor allem die Kuppel nach gotischen Konstruktionsprinzipien entworfen hat (vgl. Ludw. Weber, San Petronio, s. u.). Gleichzeitig begann man auch bereits mit der Ausschmückung der Fassade von S. Petronio. Nachdem uns in den Jahren 1393 — 94 noch von Studienreisen berichtet wird, die der Ma- gister Antonius im Interesse des Kirchenbaues von S. Petronio nach Florenz, Mailand u. Ve- nedig unternahm, sind die Nachrichten über die Fortführung dieses Kirchenbaues selbst mit einem Male unterbrochen. Dagegen er- scheint der Name des Künstlers 1397 in einer Zahlungsurkunde für Grundlegungsarbeiten zum Campanile von S. Francesco in Bologna, und gleichzeitig muß A. im Auftrage des Lippo di Giacoiiio Muzzarello auch am Bau der Sakristei von S. Francesco beschäftigt gewesen sein. Auch der Campanilebau scheint hierauf wieder längere Zeit geruht zu haben, da erst unter dem 20. 2. 1401 sich wiederum ein Zahlungseintrag findet „in faclura unius castelli lignei pro faciendo designare campa- nile novum"; 29 Tage später erhielten dann endlich die Maurermeister Bonino und Nic- colö den Auftrag, den Bau des Campanile zur Ausführung zu bringen, und zwar nach den Plänen, die „maistro Anthonio di Vinccnzo farä dipingere in la sponda de la sacrestia".

Leider sollte der große Meister Antonio „vir magnae intelligentiae", wie ihn seine Zeit- genossen nannten, mitten aus seiner Bau- tätigkeit an San Petronio durch den Tod im Jahre 1402 abgerufen werden.

Sein besonderer Ruhmestitel bleibt, daß er jenem Ziele nachging, das Brunellesco, Bra- mante und Michelangelo anstrebten: dem monumentalen Kirchenbau unter der Herr- schaft einer gewaltigen Kuppel, so wie es in St. Peter in Rom in seiner vollendetsten Form erreicht worden ist. Allein wenn das, was wir jetzt noch auf der Piazza grande hinter der unfertigen, rußigen Fassade finden, auch nur ein kümmerliches Rudiment bedeu- ten kann im Vergleich mit dem, was Antonio vollbringen wollte, so sind und bleiben die sechs mächtigen Joche, auf ihr herrliches Stützen- und Wölbesystem hin geprüft, doch das Beste, was die italienische Gotik hervor- gebracht hat.

G. G u i d i c i n i, Cose notabili di Bologna (Bologna 1869). — A. R u b b i a n i, La chiesa di S. Petronio (Bologna 1886). — A. Gatti, La fabbrica di S. Petronio (Bologna 1889). — Arch. stor. d. Arte ital. III 153, IV 96, 172, 194,

V 236, 387, 394. — L'Arte I 461. — Rassegna d'Arte 1901 p. 2, 56, 1904 p. 38, 1905 p. 161. — Repertor. f. Kstwissensch. XX 178, XXI 167, 169. — Meyer, Kstlerlex. — Malaguzzi-

V a 1 e r i, L'Archit. a Bologna nel Kinase. (1899). — Ludwig Weher, San Petronio in Bo- logna, Leipzig 1904. — Mit Notizen von Dr. L. Weber. F. Malaguszi-Valeri.

Antonio „de V i o 1 o n o", italien. Maler, 1379—1405 in Pinerolo nachweisbar. 1401 malte er ein Zimmer im dortigen Palaste aus.

Bollett. Stor.-Bibliogr. Subalpino I 155.

G. Degli Azzi.

Antonio V i p e r a, Architekt in Ascoli-Pi- ceno, erbaute laut Angabe der Klosterchronik von S. Francesco daselbst 1262 die Kirche von

5. Francesco, eine drei schiffige gotische An- lage mit geradlinigem Frontabschluß (in der Art der abruzzesischen Kirchenfassaden), zwei schlanken Chortürmen neben den siebenfachen Apsidenanbauten der beiden Seitenschiffe und achteckiger Vierungskuppel. Nahe verwandt erscheint in ihrer Gesamtanlage die 1238 — 40 erbaute Franziskanerkirche zu Fermo, die da- her von Ricci gleichfalls als ein Werk des Antonio Vipera von Ascoli angesprochen wird. Neuerdings wird jedoch die Architektentätig- keit des Antonio V. auch für S. Francesco in Ascoli angezweifelt.

O r s i n i, Guida di Ascoli p. 40. — Ricci, Mem. stor. di Ancona I 42 f. — Schulz, Denkm. d. Kunst des Mittelalt. in Unterital. II 4—5. — C. M a r i o 1 1 i in Rassegna Bibliograf. d. Arte Ital. III 213. •

Antonio de Visenem, Palast- Archit. Papst Calixtus' III. in Rom. Am 8. 6. und

6. 7. 1457 werden ihm und seinen Gehilfen am Bau des vatikanischen Palastes Gehalt- zahlungen aus der päpstlichen Schatzkammer

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Antonio

angewiesen. — Vermutlich identisch mit Att' tonio dalla Ylesia {de Ecdesta), der noch unter Pius II. mit den gleichen Gehilfen, wie Ant. de Visenem,.am vatikanischen Palaste arbeitete.

R o s s i, Spogli Vaticani, Giorn. di Erud: art. Vol. VI 1877 p. 202. .— E. Müntz. Les Arts ä la Cour des Papes (1878) I 193, 238.

W. Bombe.

Antonio V i t e, s. Ricci, A. Vite.

Antonio da Viterbo (eigentl. Antonio Massari da Viterbo) gen. Pastura, italien. Maler, begegnet uns zum erstenmal als Mit- glied der Akad. von San Luca in Rom im Jahre 1478. Wir dürfen annehmen, daß er sich damals längere Zeit in Rom aufgehalten hat. Im Jahre 1489 erscheint er in Orvieto; fünf Jahre später ist er wieder in Rom. In den Jahren 1497 — 99 arbeitet er aufs neue in Orvieto, und im Jahre 1504 hat er in Viterbo, seiner Vaterstadt, ein Tafelgemälde herge- stellt. Im Jahre 1509 hat er seine Künstler- laufbahn, wie es scheint, mit dem Fresken- zyklus der Chorkapelle von Corneto ruhm- reich abgeschlossen. Schon 7. 2. 1516 ist er nicht mehr unter den Lebenden; er scheint nicht alt geworden zu sein. Denn noch 8 Jahre nach seinem Tode, 15. 1. 1524, vermählte sich seine Witwe Sabette mit demente Anastasi aufs neue. Die ältesten urkundlich beglaubig- ten Arbeiten A.s entstanden in Orvieto. Hier haben sich im Dom an der rechten Chorwand noch teilweise die Fresken erhalten, welche A. 1497 unter den Fresken Pinturicchios ge- malt hat: die Flucht nach Ägypten (fast zer- stört), Darstellung im Tempel, Verkündi- gung und Heimsuchung. Das wohlerhaltene Fresko eines hl. Sebastian stammt aus der Madonna della Fönte und hat im Palast der Päpste in Orvieto seinen Platz gefunden. Die Fresken in dem Kirchlein S. Trinitä bei Or- vieto haben sehr gelitten. In Rom dürfen wir dem Viterbesen vor allem das anmutige Fresko der thronenden Madonna mit den Heiligen Franz und Chiara zuschreiben, wel- ches das Kirchlein von S. Cosimato schmückt. Es ist wohl nur das Fragment eines größeren dort gemalten Bilderkreises. Auch sein Hauptwerk, die Fresken der Chorkapelle der Kathedrale von Corneto, ist vor allem durch einen Brand i. J. 1642 schwer geschädigt worden. Die Vitelleschi haben diese Ge- mälde gestiftet; 1509 waren sie vollendet. Alle Fragmente lassen darauf schließen, daß der Bilderzyklus ein Marienleben schilderte. Oben in den vier Gewölbefeldern erscheint dreimal ein Paar von Propheten und Sibyllen mit Spruchbändern, deren Inhalt sich auf die Jungfrau bezieht; im vierten Felde ist die Krönung Mariae dargestellt. Auch die Lü- nettenmalereien haben sich erhalten: links erblickt man die Geburt Mariae, rechts gegen- über das Sposalizio. An der Wand links

sind drei Schilderungen ohne zeitlichen Zu- sammenhang nebeneinander gestellt: eine Beweinung Christi, die Begegnung Joachims und Annas und endlich Maria in einer Strah- lenglorie mit dem segnenden Kinde im Arm. Vermutungsweise werden dem Antonio d. V. Freskenreste in S. Maria della veritä in Vi- terbo und in San Flaviano in Montefiascone zugeschrieben.

Die Tafelbilder des Viterbesen sind sehr selten. Im Palast der Päpste in Orvieto hat sich eine Madonna erhalten, im Stadthaus zu Viterbo eine große Anbetung des Kindes und ein Madonnenbild. In der Kirche dei Riposo in Toscanella gleichfalls ein Madonnenbild. Ein dreigeteiltes Altarbild, 1497 bezeichnet und die Himmelfahrt Mariae mit den HeiH- gen Gregor und Hieronymus darstellend, be- findet sich im Vatikan; eine Pietä mit den Heiligen Paulus und Johannes — eine Stif- tung der Altoviti vom Jahre 1500 — bewahrt die Großherzgl. Gemäldegalerie in Schwerin i. M. Diese beiden Gemälde sind besonders wohlerhalten und in Temperafarben auf Holz gemalt. Vermutungsweise darf dem Meister auch die Darstellung im Tempel in S. Ber- nardo bei Assisi zugewiesen werden.

In seinem Kunstcharakter gibt sich der Umbro-Viterbese als einer der zahllosen, in ihrer Kunst wenig charaktervollen Perugino- Schüler zu erkennen. Er scheint vor allem auch als Madonnenmaler tätig gewesen zu sein, und von seinen Tafelbildern dürfte sich in den Galerien Europas noch manches er- halten haben. Seine Leistungen sind un- gleich ; daß er aber auch vor monumentalen Aufgaben nicht zurückschreckte, beweisen die Freskenwerke in Corneto.

Steinmann, Antonio da Viterbo. — F u - mi, II duomo di Orvieto 278, 299, 300, 301, 303, 305, 366, 373, 402, 405, 407. — P i n z i, GH ospizi medioevali e l'ospedal-grande in Viter- bo 129—130, 276. — Rassegna d'arte 1903 p. 177. — Giorn. di erudizione artistica V 10, 13, 89—91 ; VI 258. — Müntz, Les arts ä la cour des papes III 99 ; IV (1898) 180. — C r o w e u. Cavalcaselle (Deutsche Ausg.) IV 19. — L'Arte VII (1904) p. 513. E. Steinmann.

Antonio da Viterbo, s. auch Antonio di Michele da V.

Antonio di Viviano da Albino, Ma- ler in Venedig. Ernannte am 26. 3, 1497 sei- nen Bruder Pietro zu seinem Bevollmächtigten.

P. P a o 1 e 1 1 i, Arch. e scult. d. Kinase, in Venezia II 127. L. Ferro.

Antonio di Vivian dei Valnigrenis da Miräguel, bergamaskischer Maler in Venedig, urkundlich erwähnt von 1462 ( ?) — 1506. Nach G. Ludwig (s. u.) wird er von Antonio di Viviano da Albino zu unter- scheiden sein. (Vgl. auch Antonio de Mirä- guel.)

Jahrb. d. preuß. Kstsamml. XXIV, Beih. 89 ff.

KÜDStlerlexikon. Bd. II.

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Antonio — Antonius

Antonio d a 1 1 a Y 1 e s i a, s. Antonio de Visenem.

Antonio Z u c c o n i, s. Antonio da Padova.

Antonio, s. auch damit verbundene Vor- namen, Patronymika und Ortsbezeichnungen sowie Antoni u. Antonius.

Antonioli, F a u s t o, italien. Maler, geb. 1814 in Bergamo, war 1844 in der Ausstellung zu Bergamo mit guten Landschaftsbildern ver- treten,

Schorns Kunstblatt 1845 p. 236. R.

Antoniollo di Bartolome o, Maler in Ferrara, erhält am 14. 5. 1494 von Giovanni Guasconi eine Pension von 100 Lire ausge- zahlt, um ein Jahr lang Studien in der Mal- kunst betreiben zu können.

Cittadella, Doc. ed illustr. etc. Ferrar. p. 108. F. Malagunzi-Valeri.

Antoniolo da Brenn a, lombard. Glasma- ler, brachte in Gemeinschaft mit Ambrogio da Lodi und Bertino Morone eine Anzahl Glasgemälde für den Dom zu Mailand 1430 zur Ausführung.

Malaguzzi-Valeri, Pitt. Lombardi p. 208. F. Malaguzzi-Valeri.

Antonisio (Antonigi) di Gaspare da C a m e r i n o, Holzschnitzer in Rom, wo er 1468 — 70 Deckenkassettierungen und Wand- vertäfelungen im Palazzo di S. Marco und 1470 — 71 die Holzdecke in S. Lorenzo in Pesce (im Borgo S. Pietro) auszuführen hatte.

E. Müntz, Las Arts ä la Cour des Papes (1878) II 65 f.; 70 f.; 86. *

Antonisio (Antoniazzo) di Niccolo de Urbe (Romano), carpentarius und Holz- schnitzer in Rom, wo er 1468 die mit orna- mentalen Schnitzereien verzierte Holzbeda- chung des Gartens im Palazzo di S. Marco auszuführen hatte und 1480 Zahlung erhielt für Wappenschnitzereien an der Decke der Libreria Secreta Sixtus' IV.

E. Müntz, Las Arts ä la Cour des Papes (1878) II 62 f.; III 134. *

Antonisio, Pietro Paolo de, s. Pietro Paolo de A.

Antonissen, Henricus Joseph us, Land- schafts- und Tiermaler, geb. zu Antwerpen 9. 6. 1737, t daselbst 4. 4. 1794. In dem Gildejahr 1752/53 trat er in das Atelier von Balth. Beschey d. Ä., 1755/56 wurde er als freier Meister aufgenommen ; zweimal, in den Jahren 1762/63 und 1772/73, wurde er zum Dekan der Malerzunft gewählt. Am 4. 11. 1765 verheiratete er sich mit Katharina Jo- sephine Rademaekers.

Er versuchte sich zuerst mit der Historien- malerei, sein Talent aber wies ihn auf die Landschaft mit Tierstaffage, während er menschliche Figuren im allgemeinen weniger glücklich behandelte. Ausnahmsweise aber malte er auch nach der Natur Blumen und Früchte. Er gelangte seinerzeit zu einem nicht unbedeutenden Rufe ; seine Bilder fan- den besonders auch in Paris und Holland

Aufnahme. Sie sind den Gegenden der Maas und anderen Teilen des Landes entnommen. Er bildete verschiedene Schüler; der be- rühmteste darunter ist der Landschafts- und Tiermaler Balthazar Paul Ommeganck, den er 1767/68 aufnahm. Man kennt auch 2 Ra- dierungen von A. : 1. Landschaft mit Figuren, 1767, und 2. Fünf Kühe am Flusse, nach A. Cuyp, 1767, qu. fol.

T h. V. L e r i u s in Meyers Kstlerlex. — No- tizen von H. Hymans.

Antonissen, s. auch Anthonissen.

Antonisz, A n t o n i s, holl. Baumeister, er- baute 1544 den St. Salviusturm in Dronryp in Friesland.

Kramm, De Levens en W. Aanhangsel. ***

Antonisz, Rombout, Maler, urkundl. 1619 bis 1629 in Amsterdam erwähnt. A. B.

Antonisz, s. auch Anthonisz.

Antonius und Silvester, Mosaikarbeiter in Venedig, machten in S. Marco laut In- schrift 1458 die Figuren der hh. Bernardin, Paulus I. Eremita, Vincenz und Antonius unter dem Bogen neben dem großen runden Fenster des rechten Kreuzflügels. In den Do- kumenten des Archivs kommen sie erst 1486 als Meister (Mistro Antonio und Mistro Sil- vestre) vor.

Pietro Saccardo, Saggio d'uno studio di storia artistica sopra i musaici della chiesa di S. Marco in Venezia, Ven. 1864 p. 10. — Vene- zia e le sue lagune II 30. **

Antonius, Paulinermönch zu Szt. Lörincz, Ungarn, wird als Xylograph in der 2. Hälfte des XV. Jahrh. erwähnt.

„Archaeologiai firtesitö, ü. f." XVIII 214.

K. Lyka.

Antonius, Goldschmied zu Kassa, Ungarn. Erhielt daselbst 1493 das Bürgerrecht, t 1520. Als gesuchter Meister arbeitete er auch für auswärts. Werke: das städt. Siegel von Kassa, datiert 1504, dann wahrscheinlich auch der noch gut erhaltene Kelch des Domes zu Kassa.

„Archaeologiai firtesitö u. f." XV 372 u. XVIII 396. K. Lyka.

Antonius (Aurifaber), angesehener Gold- schmied zu Brassö (Kronstadt) in Ungarn, um 1507 — 1511, gelangte später zu munizipalen Würden, nahm als„hawbtman"an der Schlacht zu Mohacs (1526) teil, wurde vielfach mit politischen Missionen betraut, so 1528 zu Prag bei König Ferdinand, wird 1534 zum letztenmal erwähnt. Keine bestät. Werke.

„Quellen ^ur Gesch, der Stadt Kronstadt in Siebenbürgen" II, Kronstadt 1889. K. Lyka.

Antonius, f r a t e, s. Pelchinger, A.

Antonius, Almanus Vernensis (ob nicht Bernensis?), Baumeister, kam nach Krakau 1572.

Sprawozdania, kom, bist, sztuki IV p. LXII. L. Lepszy.

Antonius B i c t i n i, s. Bittino, A.

Antonius de Ecclcsia, s. Antonio de Visenem.

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Antonius — Antony

Antonius Florii von St. Valentine, Architekt, erbaute laut Inschrift 1309 den Glockenturm von S. Franfesco zu Teramo in den Abru7zen.

Schulz, Denkm. d. Kst. d. Mittelalters in Unterit. II 12, H. V.

Antonius Lucae Nicole de Monte- vecchis de Pisauro, Architekt aus Ur- bino, im Juli 1522 in Rom urkundlich erwähnt.

Bertolotti, Artisti Urbinati in Roma p. 61.

H. V.

Antonius de Lugano, Italien. Maurer- meister, war nach einer Urkunde von 1466 am Bau der Torre di S. Giorgio und des Castelletto zu Genua tätig und lebte 1463 in Rom. Vielleicht identisch mit Antonio da Lugano (s. d.).

Bollettino della Svizz. ital. 1893, p. 181. — Brun, Schweizer. Kstlerlex. A. Muhoz.

Antonius d i Mario, Florentiner Notar und Schreiber und Miniator, im Dienste Al- phons' I. von Neapel als Kopist und Agent verwendet, schrieb zahlreiche erhaltene Manu- skripte, datiert 1419 — 1451 ; die meisten in der Laurentiana, Florenz. Im Jahre 1429 schrieb er einige Codices, die in der Abtei von Monte- cassino aufbewahrt werden, die Caravita we- gen ihrer wundervollen Schrift und der ein- fachen und eleganten Initialen lobt.

Bradley I 57 und ausführlich II 258 ff. — Caravita, I codici e le arti a Montecassino (Montecassino 1869) I 417. *»

„Antonius de Paullo de Fossa pinxit 1436" lautet die Bezeichnung für einen Zy- klus von Wandgemälden aus der hl. Ge- schichte, die sich in der Kirche S. Domenico zu Aquila befinden.

Schulz, Denkmäler der Kunst des Mittel- alters in Untcritalien II 72, III 174. **

Antonius de S i 1 v e s, Bildhauer oder Stein- metz in Avignon, wo er um 1370 am Palast- baue Papst Urbans V. als „magister lapiscida" tätig war.

E. Müntz, Le Pape Urbain V (188i», aus „Revue Archeol.") p. 7. *

Antonius de Urbeveteri, italien. Glok- kengießer in Viterbo (?). Eine Glocke in S. Francesco zu Terni trägt seinen Namen mit der Jahreszahl 1445.

Guardabassi, Indice-Guida dell' Umbria.

Antonius, Wilhelm, italien. Architekt, seit 1575 unter Herzog Johann Friedrich am Bau des Schlosses zu Stettin beschäftigt, des- sen West- und Nordflügel von ihm errichtet sind (1577 datiert).

K u g 1 e r, Gesch. d. Baukunst V. H. V.

Antonius, s. auch Antonio.

Antonov, W a 1 1 s c h o, bulgarischer Genre- maler und Porträtist, geb. in Kozludja (Bez. Warna, Bulgarien) am 8./21. 11. 1871, stu- dierte in München bei A. von Liezen-Mayer. Während seines Münchener Aufenthaltes malte er 1889 ein Bildnis der Kinder des Herzogs Max Emanuel. Dann entfaltete er

eine sehr produktive Tätigkeit, die besonders der Darstellung von Szenen aus dem Land- leben und historischen Ereignissen galt Da- neben schuf er auch zahlreiche Porträts her- vorragender bulgarischer Persönlichkeiten. Seine wichtigsten Arbeiten sind: Der Tod des Revolutionshelden Hadji Dimitri (an- gekauft vom Stadtrat von Rustchuk) ; Die Grausamkeiten der Tscherkessen 1876; Die mazedonische Sklavin. — Gegenwärtig malt der Künstler Landschaften und Porträts und ist Zeichenlehrer am Gymnasium zu PhiÜp-

POPO^j- G. Palaschen.

Antonozzi, Antonio Maria, Miniatur- maler in Rom, der 1633 mit 20 Scudi vom päpstlichen Schatzmeister für Miniaturen auf ein Elfenbeintablett in den Stanzen des alten vatikanischen Palastes bezahlt wurde.

Bertolotti, Art. Bolognesi in Roma, und in II Bibliofilo 1882 (Mai). «♦

Antonozzi, Francesco, Maler von Land- schaften und Kirchenbildern in der zweiten Hälfte des 17. Jahrb., wurde nach Zani in Ancona, nach Ricci aber in Osimo geboren und ließ "sich in Ancona nieder. Die Kirche S. Niccolö de' Lorenesi in Rom bewahrt von ihm in der ersten Kapelle rechts ein Altar- gemälde.

Ricci, Memorie stor. di Ancona II 423, 441. — T i t i, Descriz. di Roma p. 410. *♦

Antonozzi, L e o p o 1 d o oder Leopard o, Miniator, der 1629 in Rom für den Papst ar- beitete. 1638 gab er das Werk : De' caratteri heraus. Zani rühmte von ihm, daß er mit einem Federstrich jede Art von Figuren machen konnte. Er war auch Sänger in der Cappella Papale und lebte noch 1658.

A. Bertolotti, ArtiFti Bolognesi etc. a Roma, p. 158. — Zani, Enc. met. *•

Antonozzo, Innocenzo, Miniator, der 1635 in Rom arbeitete und ein Verwandter der Miniatoren Antonio Maria und Leopoldo (od. Leopardo) Antonozzi war.

Bertolotti, Artisti Bolognesi, Fcrraresi . . . a Roma, p. 158. *•

Antonuccio da J e s i, Sohn des Andrea, Maler in Jesi, 1530—1572, als Schüler des Lorenzo Lotto in den Jahren 1553 — 1555 er- wähnt.

Rassegna Bibliogr. III 205, 210. — Nuova Ri- vista Misena V 99, VI 163, VII 90. **

Antonuccius, J. A. (wohl eigentlich Anto- nucci oder Antonozzo), röm. Maler des 17. bis 18. Jahrb., nach dem Nie. Oddi das Porträt des R. P. Rizerius ä Mutia stach. Bei Zani (Enc. met. II 157) ein G. A. A. erwähnt, wohl identisch mit Obigem, sowie vielleicht mit Innocenzo Antonozzo.

Heinecken, Dict. d. Artistes I 414. H. V.

Antony (Formschneider), s. Courthois, A.

Antony-Beraud, s. Beraud, A.

Antony, Charles, engl. Münzgraveur im Dienste König Jacobs L (1603—1625).

F i o r i 1 1 o, Gesch. d. zeichn. Kste. V 311. — Forrer, Dict. of Medallists. **

2*

Antony — Anwander

Antony, s. auch Anthony. Antorides, s. Antenorides. Antreter, s. Andrötler.

Antrobulos, Erzbildner unbestimmter' Zeit. Er hatte nach Plinius N. H. 34. 88 Porträt - Statuen von Philosophen ausgeführt (identisch mit Androbulos?, s. d.)-

Brunn, Gesch. d. er. Kstlr. I 526. Amelung.

Antropoff, Alex ei Petrowitsch, russ. Maler, geb. 14. 3. 1716, f 12 6. 1795, war der Sohn eines Soldaten des Scmjenowschen Leib- garderegiments. Begann seit seinem 18. Jahre seine künstlerische Ausbildung bei verschiede- nen russ. u. ausländischen Künstlern zu suchen, so bei A. Matwejeff, M. A. Sacharoff, U. J. Wischnjakoff und L. Carravac, ahmte aber größtenteils Rotari nach, der 1747 nach Pe- tersburg berufen war und sich seiner annahm. Als dessen Gehilfe arbeitete er mit an den Malereien im Anitschkoifpalais und in der neu erbauten Oper. 1752 wurde er zur Ausfüh- rung der Wandmalereien in der vom Archi- tekten Graf F. Rastrelli erbauten Andreas- kirche nach Kiew geschickt und 1758 nach Moskau zur Ausführung der Plafondmalereien in dem von Rastrelli erbauten Golowinschen Palais. 1759 für seine Arbeitea zum Offizier befördert, wurde er 1761 auf Fürsprache Schu- waloffs zum Aufseher über die Heiligenbilder- maler beim Synod ernannt. Aus dieser Zeit stammt das Porträt des 1782 verstorbenen grusinischen Fürsten Teimuras II. Nikolaje- witsch. das er für den Grafen Woronzoff malte (gest. v. E. WinogragofF u. A. Gre- koff). — Von ihm ferner: die Porträts des Kaisers Peter III. in ganzer Figur für den Synod, der Kaiserin Katharina II. im Krö- nungsornat (1765), des Kaisers Peter I. für den Synod (1769), des Kaufmanns U. S. Tschirkin (gest. von Seiebrjanski, 1770), des Patriarchen Philaret für die Moskausche Rüstkammer, der Zarin Natalie Kirilowna, der Großfürstin Anna Petrowna und das Jugend- bild des Großfürsten-Thronfolgers Paul Petro- witsch (Ermitage). — Außerdem verschie- dene Heiligenbilder für die Kaiserin und für viele Kirchen 1775—78.

PyccK. 6h6;i. cJioBapb (Russ. Bibliogr.) II 232. — N. P. Sobko, Russ. Kstlerlex. — A. H. Ah- ApeeBT,, ^HBonHCb h iKuBonucubi (A. N. An- dre j e f f, Malerei u. Maler) St Petersburg 1857, S. 479. — PoBHHCKifi, PyccK. rpauepbi ( R o - w i n s k i, Die russ. Stecher) St. Petersburg 1870, S. 167. W. Neumann.

Antropp, Joseph, unbedeutender deutscher Kupferstecher zu Ende des 18. Jahrb., für Buchschmuck tätig.

Füssli, Kstlerlex. Neue Zusätze, 1824. H. V.

Antum, A e r t van, holländ. Marinemaler am Anfang des 17. Jahrh., von dessen Leben nichts bekannt ist. Eine Marine von 1804 ist im Mus. zu Emden, und das Mus. zu Amster- dam besitzt von ihm zwei Marinen, eine

Seeschlacht der Holländer gegen die spa- nische Armada, gemalt 1008 und eine Dar- stellung, wie das Jachtschiff der Staaten 1817 Ysselmonde passiert. Auch im Mus. zu Prag imd anderwärts sind Werke von ihm, alle mit vollem Namen bezeichnet. Vielleicht iden- tisch mit Aert Anthonisz. E. W. Moes

Antunes, J o ä o, portugiesischer Baumeister, wurde 9. 5. 1699 zum kgl. Archit. ernannt, nachdem er 16 Jahre lang als Eleve gedient hatte und Silva Tinoco, Meister der kgl. Paläste da Ribeira, gestorben war. Erbauer des kgl. Klosters do Louriqal und seiner Kirche, wozu der Grundstein 9. 3. 1690 ge- legt wurde. Der König D. Pedro II. schenkte zu dem Bau des Gebäudes 6000 Cruzados.

Sousa Viterb o, Dicc. dos archit. p. 42. — Raczynski, Dict. p. 14. A. Haupt.

Antwerpen, Anversa, s. damit verbundene Vornamen.

Anwander, Andreas, bayr. Maler, von ihm ein Deckengemälde von 1753 in der Kirche von Prittriching. Kstdenkm. des Königr. Bayern I 538. *♦* Anwander, B., bayr. Maler ; von ihm Decken- gemälde (Himmelfahrt Mariae), u. Gemälde an der Orgelempore (bez. B. Anwander 1791) in der Kirche in Klingen. Kstdenkm. des Königr. Bayern I 207. ♦** Anwander, F. A., bayr. Maler; von ihm ein Altargemälde (Martyrium der hl. Afra) voh 1771 und ein zweites von 1788 (gemeinsam mit J. P. A.) mit dem Meßopfer des hl. Ul- rich am Choraltar der Kirche von Spotting. Kstdenkm. des Königr. Bayern I 494, 548. **♦ Anwander, Gottfried, bayr. Maler ; von ihm Deckengemälde im Schiff der Kirche von Grunertshofen, der hl. Laurentius Almosen spendend, bez. Gottfried Anwander pinxit et invcnit 1752. Kstdenkm. des Königr. Bayern I 462. *♦* Anwander, J. B., bayr. Maler; von ihm Deckengemälde in den Kirchen von Grunerts- hofen (1752) und Hausen bei Geltendorf (Glorifikation des hl. Nicolaus, bez. J. B. Anwander 1795). Kstdenkm. des Königr. Bayern I 446, 463, *** Anwander, J. P., bayr. Maler; von ihm das Altarbild mit dem Meßopfer des Iii. Ulrich, in Spötting 1788 gemeinsam mit F. A. A. gemalt. Kstdenkm. des Königr. Bayern I 494, 548. ♦♦♦ Anwander, Johann, Maler, geb. um 1715 zu Landsberg am Lech, f um 1770, tätig in Schwaben und Franken, namentlich im Hoch- stift Bamberg. Haupt einer verbreiteten Künstlerfamilie. Formgewandter Rokokoma- ler. Von ihm die äußerst effektvollen (heute restaurierten) Fassademalereien des Rathauses in Bamberg (1756), denen sich bescheidenere Leistungen im Dominikanerkloster und in Pri- vathäusern Bambergs anschließen. Die ehe- malige Benediktinerabtei Scheyern besitzt von A. zwei größere Darstellungen (Geburt Christi und Übergabe der hl. Kreuzpartikel an den

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Anzelotto — Aparicio

Abt 1156). In der ehemaligen Dominikaner- kirche zu Gmünd lieferte A. ein technisches Bravourstück in einer figurenreichen Decken- komposition; von seiner Hand sind auch die Deckenfresken (Marienleben) in der kathol. Pfarrkirche in Unterkochen (Jagstkreis).

L i p o w s k y, Bayer. Kstlerlex. S. 10. — J ä c k und Heller, Leben und Werke der Künstler Bambergs 1891 S. 9. — Kunstblatt, 1847 S. 87. — Denkmalspflege, 1903 S. 19 ff. — Kst. u. Altert. Denkm. im Kgr. Württemberg. Jagstkr., p. 35, 356, 407, 410. Fr. Leitschuh.

Anzelotto, maestro, s. Angelino da Murano.

Anzenhofer, I g n a z, ung. Holzschnitzer d. 18. Jahrh. Geb; zu Eger, Ungarn. Ein Kruzi- fix von ihm im Nationalmus. zu Budapest.

K. Lyka.

Anziani, G i a c o m o (Anciani) von Raven- na, nach Zani geb. 1681 und t 1733, war zu- gleich Maler, Zeichner, Baumeister und Ra- dierer. A. Tuschini und Dom. Capaci waren nach Beltrami seine Schüler. Das von dem Kardinallegaten C Bentivogli im J. 1724 zu Ravenna erbaute Theater ist nach A.s Plä- nen. Ein Privatmann dieser Stadt, Bonanzi, besaß 1783 verschiedene Gemälde des Künst- lers.

Beltrami, II Forestiere istniito delle cose notabili della cittä di Ravenna. 1783 p. 50, 87, 140, 149. — (Nanni) II Forestiere di Ravenna 1821 p. 26. — Z a n i, Enc. met. **

Anzil, Gerard o, di Vilacco, Architekt aus Ci vitale um 1446, nur bei Zani (Enc. met. II 160) erwähnt. H. V.

Anzolino da Brescia, auch Angelo da Brescia genannt, Bildhauer, machte 1468 für die Kirche degli Eremitani in Mailand ein schönes Altarblatt mit Reliefs in Terrakotta. Nach Cicognara könnte dieser Meister neben Begarelli und Mazzoni als Urheber von ge- wissen Terrakotta-Reliefs in der Certosa von Pavia in Frage kommen. Der genannte Schriftsteller hat dabei namentlich die drei Putten im Auge, von denen der eine Laute spielt, und dann das Relief mit der Samarita- nerin am Brunnen. — Im Anfange des 16. Jahrh, kommt ein tajapreda oder Steinmetz Anzolino in Mantua vor, der dem Bildhauer Antonio da Morbegno (s. d.) bei der Ausfüh- rung zweier Grabmonumente half. Schwer- lich dürfte dieser für identisch mit Anzolino da Brescia gehalten werden.

Cicognara, Storia della Scultura II 181. — P e r k i n s, Les Sculpteurs Italiens II 264. — Meyer, Kstlerlex. R.

A (bei nordischen Namen) siehe unter A.

Aousten, französ. Bildhauer aus Avignon, erhielt 1861 den Auftrag auf einen Teil der Bildhauereiarbeiten im neuen Justizpalast zu Marseille. Von ihm hier die Flachreliefs des ersten Zimmers, die unter Mitarbeit Truphe- mes ausgeführt sind.

Parrocel, Annales de la peinture. 1862, p. 317, 507. Latni.

Apans, Jacques, Teppichweber in Brügge, fertigte 1480 nach Zeichnungen des Maiers Jean Fabiaen 3 mit den französ. Wappen ge- schmückte Gobelins für den Gerichtssaal an.

Le Beffroi IV 80. h. V.

Aparici Solanich, Antonio, span. Blumen- maler des 19. Jahrh., geb. zu Valencia, bot 1878 der Königin Mercedes, der ersten Gattin Alfons' XII., ein Blumenstück an, das sehr anerkannt wurde und seinen Ruf als Maler begründete. Unter seinen Werken führen wir an: Erinnerungen an Valencia; Blumen- büschel; Eine Grotte.

Ossorio y Bernard, Galeria biogr. de artistas espanoles del siglo XIX. Madrid 1883/4, — A 1 c a h a 1 i, Dicc. biogr. de artistas valen- cianos, Valencia 1897. P. Lafond.

Aparici y Soriano, F e d e r i c o, span. Archi- tekt des 19. Jahrh., geb. zu Valencia, Schüler der Akad. San Carlos in seiner Vaterstadt; 1854 erlangte er den 1. Preis in einem Wett- bewerb, der in Madrid eröffnet wurde, um Don Augustin Arguelles, Don Jose Maria Calatrava und Don Juan Alvarez Mendizabal ein Grabdenkmal zu errichten. Von Gebäu- den, die nach seinem Plan errichtet wurden, erwähnen wir die Kirche von Covadonga.

A 1 c a h a 1 i, Dicc. biogr. de artistas valen- cianos, Valencia 1897. P. Lafond.

Aparicio, E s t e b a n, span. Maler des 19. Jahrh., geb. zu Madrid, Schüler seines Vaters Jose A. ; er nahm zunächst eine Professur für Zeichnen am Unterrichtsinstitut zu Santander an, und später, 1870, am Konservatorium der Künste zu Madrid. Man verdankt ihm als Maler unter anderen Werken ein Porträt Al- fons' XII. — Er war auch literarisch tätig. Esteban A. hat aus dem Französischen über- setzt und das Buch des Dr. Fau „Anatomie des formes exterieures du corps humain" in spanischer Sprache veröffentlicht.

Ossorio y Bernard, Galeria biogr. de artistas espanoles del siglo XIX. Madrid 1883/4.

P. Lafond.

Aparicio, Jose, span. Maler, geb. 1773 zu Alicante, f 1838 zu Madrid, Schüler der Akad. San Carlos in Valencia und der Akad. San Fernando, studierte dann unter der Di- rektion Louis Davids in Paris und begab sich darauf nach Rom. Nach dem Unabhängig- keitskriege nach Madrid zurückgekehrt, wurde er 1815 von Ferdinand VII. zum Hofmaler ernannt. 1817 berief ihn die Akad. San Fer- nando mit dem Titel eines Ehrenmitgliedes und ernatinte ihn etwas später zu ihrem Di- rektor. Ebenso war er Mitglied der S. Lukas- Akad. in Rom. Unter den Hauptwerken die- ses Künstlers, der in seinem Vaterlande als einer der angesehensten Vertreter der klassi- schen Schule gilt, führen wir an: Das Jahr der Hungersnot in Madrid (Episode aus dem Unabhängigkeitskriege, Madrid. Mus. Mod.) : Austausch von Gefangenen zur Zeit Karls III. (im Mus. für moderne Kunst zu Madrid) :

ax

Aparicio — Apeldoorn

Athalia und Joas (in der Akad. San Fernan- do) ; Das gelbe Fieber in Valencia (in Paris 1806 im Musee Napoleon ausgestellt) ; Der Tod des Patroclus; Der Kampf der Horatier und Curiatier; Die hl. Dreieinigkeit (in den Kapellen des Kapuziner-Nonnenklosters zu Madrid) ; Die Schlacht von San Marcial (1821 in der Akad. San Fernando ausgestellt) ; Die Einschiffung der Majestäten in Puerto Santa Maria (dem Staate gehörig) ; ferner eine ganze Anzahl Porträts.

Ossorio y Bernard, Galeria biogr. de artistas espanoles del siglo XIX. Madrid 1883/4. — P. de Madrazo, Catalogo descriptivo e historico del Museo del Prado de Madrid, Ma- drid 1872. — Jose Caneda, Memorias p. la Historia de la Real Academia de San Fernando, Madrid 1867. — B r y a n, Dict. of painters, Lon- don 1903. P. Lafond.

Apaiicio, Manuel, 1750 Maler der Fayen- cemanufaktur zu Alcora bei Valencia.

R i a n o, Industr. arts in Spain S. 196.

Aparicio Moreno, Don Manuel, Glasma- ler, von welchem Nachrichten aus dem Jahre 1773 Glasgemälde, die er in Toledo und in Leon ausgeführt habe, rühmen.

Fiorillo, Gesch. d. z. Kste. IV 189—190.

M. V. B.

Aparicio, s. auch Apparicio, Apparitio.

Apaturios, griechischer Dekorationsmaler aus Alabanda in Karlen. Vitruv, de archit. 7, 5 berichtet, daß A. das kleine Theater (Ekklesiasterion) der karischen Stadt Tralles mit einer wunderlichen Dekorationsmalerei versah, in der über einer reichen und voll- ständigen, auch mit plastischem Schmuck ausgestatteten Architektur noch eine weitere sich aufbaute, die Rundbauten, Tempelvor- hallen, Halbgiebel und allerhand Gebälk- schmuck umfaßte. Ein Mathematiker Likym- nios übte Kritik an diesen aller Möglichkeit widersprechenden Architekturgebilden und überzeugte A., so daß dieser seine Dekoration abänderte. Der Maler ist interessant als Vor- läufer des zur Zeit Vitruvs aufkommenden Dekorationsstils, dei-, mit allerlei architektoni- schen Elementen launenhaft schaltend, sie schließlich ohne alle Rücksicht auf architek- tonische Möglichkeit rein ornamental ver- wendet, des Stils, den Mau den ornamentalen genannt hat. Genaue Datierung des A. ist nicht möglich ; da er für Vitruv der Ver- gangenheit angehört — V. wünscht, daß Li- kynnios wieder auferstehe, um die neuen Tollheiten zu bekämpfen — , ist er der helle- nistischen Epoche zuzuweisen.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstler. II 280. — Mau, Gesch. d. dekor. Wandmalerei in Pompeji S. 247. — Pauly-Wissowa, Realenc. I 2681, G (Rossbach). — Bethe, Arch. Jahrb. 1900 S. 62.

Sauer.

Apeghehem, H e n r y d', Ornamentbildhaucr. vläm. Ursprungs, war 1356 — 57 am Schloß von Escaudoeuvres bei Cambrai beschäftigt.

L a m i, Dict. d. sculpt. 1898. R.

Apel, Friedrich Jonas, Zeichner (?) in Leipzig um 1770, entwarf die Blumenmuster für ein kostbares Kirchenornat in grünem Seidenbrokat, das 1771/2 für 2533 Tbl. für die Thomaskirche in Leipzig angeschafft wurde und sich noch dort befindet.

G u r 1 i 1 1, Bau- und Kunstdenkm. des Kgr. Sachsen XVII 66. A. Ky.

Apel, Hans, Kupferst. in Nürnberg. 21. 6. 1654 verheiratet sich „Michael Apel, Zinn- und Kannengießer, Hans Apel, gewesenen Kunst- stechers, auch Wirths und Weinschenks seeli- gen Sohn" (Ehebücher zu St. Lorenz in Nürn- berg). Die Blätter dieses „Künstlers" werden sehr volkstümlicher Art gewesen sein ; man ist ihnen bisher nicht nachgegangen. Th. Hampe.

Apel, J., deutscher Radierer des 18. (?) Jahrb., angeblich Dilettant in Kassel, als des- sen Arbeiten in Meyers Kstlerlex. mit Vor- behalt acht Radierungen aufgeführt werden. Nach W. Schmidt (ebendort) ist J. Apel viel- leicht mit J. H. Apel identisch oder mit Wil- helmina Carolina von Apell, geb. Tischbein in Kassel verwechselt worden, die auch einige Blatt radiert hat. ***

Apel, J. H., deutscher Radierer des 18. Jahrh. Mit der Bezeichnung J. H. Apel oder A. sc. finden sich einige Radierungen nach Seekatz, D. Teniers und. J. G. Wagner, so- wie einige Landschaften, die W. Schmidt in Meyers Kstlerlex. unter Johann Heinrich Apel zusammengestellt hat. Eine Identifizierung dieses sonst unbekannten J. H. Apel mit dem Leipziger Dekorationsmaler Joh. Heinr. Apel (s. d.) ist wohl kaum zulässig, doch sind ihm vielleicht die Radierungen, die J. Apel (s. d.) zugewiesen werden, zuzuschreiben.

Meyer, Kstlerlex. (mit Lit.). ***

Apel, Johann Heinrich, Innungsma- ler in Leipzig, in den Adreßbüchern nach- weisbar 1763—1801, 1794 Oberältester der Innung. Als Innungsmaler war er zweifels- ohne Dekorationsmaler. An dem Umbau der Nikolaikirche zu Leipzig, der 1784 — 97 unter Dauthes Leitung stattfand, war er mit zwei Innungsgenossen als Lackierer und Vergol- der tätig. Es geht daher nicht an, den Künst- ler mit dem Radierer J. H. Apel zu identi- fizieren, wie es Füssli und W. Schmidt in Meyers Kstlerlex. getan haben.

G e y s e r, Gesch. d. Mal. in Leipzig S. 75 Anm. 65. — Gurlitt, Bau- u. Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen XVII 35. — Füssli, Neue Zusätze S. 149/50. — Meyer, Kstlerlex. A. Ky.

Apel, s. auch Appel.

Apeldoorn, Jan, holl. Zeichner und Minia- turmaler, geb. zu Amersfoort 27. 1. 1765, f 10. 2. 1838 daselbst, Schüler von J. Hoorn, tätig in Utrecht, wo er 1806 Mitglied der Akad. wurde. Sein künstlerischer Nachlaß, Zeich- nungen und einige Gemälde, wurde 1B39 öffentlich versteigert.

Immerzeel, De Levens. . . — Notiz von E. W. Moes.

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Apeldoorn — Apelles

Apeldoorn, R o e 1 a n t, „Constschilder" in Amsterdam, ist urkundl. 14. 2, 1668 35 J. alt und wohnt in No. 5 bei dem Reguliersturm. Noch erwähnt 1671 (1661 aber 30 J. alt!).

A. B.

Apelleas (Apellas), Erzbildner, Sohn des Kallikles aus Megara, Enkel des Theokosmos, aus dem Anfang des 4. Jahrh. v. Chr. Plinius N. H. 34, 86 berichtet von ihm nur, er habe Philosophen und Frauen, die mit ihrem Schmuck beschäftigt waren (adornantes se; nicht, wie die schlechteren Handschriften bie- ten, adorantes) dargestellt. Pausanias erwähnt von ihm zwei in Olympia aufgestellte Weih- geschenke der Kyniska, Schwester des Königs Agesilaos von Sparta, ein ehernes Viergespann mit den Figuren des Wagenlenkers und der Kyniska selber und im Pronaos des Zeustem- pels die Pferde allein. Fragmente beider Ba- sen, die auf unterlebensgroße Figuren hin- weisen, haben sich gefunden; auf der Basis der großen Gruppe stand ein Epigramm C= Anthol. Pal. 13, 16), nach dem Kyniska das Werk zu Lebzeiten und zur Zeit der Re- gierung ihres Bruders (zwischen 398 und 3G1, nach Robert genauer zwischen 396 und 389) aufgestellt hat. Aus der Form des erhalte- nen Fragmentes dieser Basis kann man schlie- ßen, daß die Figur der Kyniska auf einem halbkreisförmigen Vorsprung der Basis stand; unwahrscheinlich ist, daß sie auf dgener Ba- sis, ganz gesondert von dem Viergespann war. Furtwänglers Annahme, Kyniska sei betend, um Sieg flehend dargestellt gewesen, beruht noch auf der früher akzeptierten, schlechteren Lesart des Plinius.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I 287. — Over- beck, Schriftq. 1020 f. — F u'r t w ä n g 1 e r, Domauszieher u. Knabe m. d. Gans Anm. 39.

— Ders., Arch. Zeit. 1879 S. 151 No. 301. 152.

— Brunn, Sitzungsber. d. bayer. Akad. 1880 S. 484. — Löwy, Inschr. gr. Bildh. 99, 100. — H a u s e r, Rom. Mitt. 1895 S. 116 f. — Paul y- W i s s o w a, Realenc. I 2086, 9 u. Suppl. lÖO (Robert). — Robert, Hermes 1900 S. 194 f. — Inschr. von Olympia No. 160, 634. — Fra- z e r, Pausanias IV 3 f. Amelung.

ApeUer (Appeller) , Joseph u. Gallus, Zinngießer in Innsbruck. Joseph ist geb. in Innsbruck am 5. 3. 1695 u. t daselbst am 22. 6. 1759 (Mitteilung von Dr. Fr. Inner- hofer). Er gehörte einer bekannten Inns- brucker Zinngießerfamilie an, von deren Mit- gliedern auch noch Gallus A. und David A. eine beachtenswerte Tätigkeit entwickelten, und fertigte sehr zierliche Tafelgeräte. Von ihm in der Sammlung Demiani ein schöner Waschapparat, dessen Rückwand ein großes, kräftiges Relief mit St. Georg dem Drachen- töter, aufweist. Apeller bediente sich einer runden Marke, die auf einem Teller (Unter- satz) eine oben offene Henkelkanne mit weit ausladendem Ausguß zeigt, über und unter welcher sich je ein Spruchband mit seinem Vornamen und seinem Familiennamen (ohne

Abkürzung) befindet. — Gallus A., der Vater Josephs, ist in Innsbruck geboren und dort am 26. 4. 1702 f. Das Museum zu Meran besitzt mehrere von ihm herrührende Zinn- teller. Er war auch Hofsteinmetz u. baute die am 3. 12. 1678 eingeweihte Kirche in Pradl. (Mitt.vonDr.Fr.Innerhofer.) Demiani.

Apelles I, der berühmteste Maler des Alter- tums, über den die antike Uberlieferung mehr als über andere zu berichten weiß. Schon über sein äußeres Leben hören wir mancher- lei, überwiegend allerdings Anekdotenhaftes. Er war der Sohn eines Pytheas, Bruder des wenig bekannten Malers Ktesiochos (wahr- scheinlicher Ktesilochos, s. d.), gebürtig aus Kolophon, Mcti jedoch Ephesier, also ent- weder durch Verleihung des ephesischen Bür- gerrechtes geehrt oder von einem Ephesier adoptiert. Daß er daneben auch Koer ge- nannt wird, mag sich ähnlich erklären, doch ist es auch möglich, daß er sein Leben in Kos beschloß, wo sich ein berühmtes unvoll- endetes Bild von seiner Hand befand. Seine Zeit bestimmt Plinius nach der Alexanders auf ol. 112 (333) ; seine Tätigkeit scheint fast die ganze 2. Hälfte des 4. Jahrh. ausge- füllt zu haben. Er lernte zuerst bei dem sonst unbekannten Ephesier Ephoros, wurde aber als schon bewunderter Künstler, angeb- lich gegen ein Honorar von 1 Talent, noch Schüler des Pamphilos, des Hauptes der durch Exaktheit und methodisches Verfahren berühmten sikyonischen Schule, arbeitete auch mit Melanthios und anderen an einem großen Schulbild, das den Tyrannen Aristratos auf einem Siegeswagen darstellte. Daß er in Ko- rinth und in Attika sich aufgehalten hat, ergibt sich aus dem Zusammentreffen mit der nach- mals berühmten Lais, mit Phryne, der Ge- liebten des Praxiteles, und dem athenischen Maler Asklepiodoros, der nicht, wie Wust- mann, Apelles 9 annimmt, sein Schulgenoß in Sikyon war. Da er Philipp öfter gemalt hat, wird er auch Makedonien, das Vaterland seines Lehrers Pamphilos, besucht und dort wohl die Beziehungen zu Alexander ange- knüpft haben, als dessen „Hofmaler" er be- zeichnet werden darf. Später mag er nach seiner Adoptivvaterstadt Ephcsos zurückge- kehrt sein, die bedeutende Werke von ihm besaß, wie wir auch in Pergamon (aedem Apellis manu insigncm nach Mommsen statt des überlieferten Apollinis bei Solin 27, vgl. Six, arch. Jahrb. 1905, 175), Samos, Smyr- na, Rhodos, Kos, Alexandreia Spuren seiner Kunst und ihn selbst, als Besucher des Proto- genes, in Rhodos, vorübergehend auch in Ale- xandreia finden. Er ist ein Vertreter der ionischen Malerei wie Protogenes, aber im Gegensatz zu diesem wesentlich autodidakti- schen Künstler durch die Schulung in Sikyon zu universellerer Bedeutung gelangt. Leb- haftere Lehrtätigkeit hat er kaum entfaltet.

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Apelles

wir kennen als seine Schüler nur seinen Bru- der Ktesiochos (oder Ktesilochos) und einen gewissen Perseus, an den er eine Schrift über Malerei richtete. Als Kunstschriftsteller erwähnt ihn noch Piinius im Verzeichnis sei- ner Autoren.

Vieles, was wir über sein Leben erfah- ren, ist erweislich oder wahrscheinlich er- funden. Er war keineswegs der einzige Maler, der Alexander porträtieren durfte (vgl. Aetion, Antiphilos, Nikias), und die Verleumdungsgeschichte (vgl. Antiphilos), die ihm den Anlaß zu seiner Allegorie der Verleumdung gegeben haben soll, kann so wie sie Lukian überliefert, sich nicht ereignet haben, weil sie in den Hauptzügen eine histo- rische Begebenheit viel späterer Zeit wieder- gibt; sie wird also vermutlich aus dem Bilde erst abgeleitet sein. Daß er Alexander, als dieser in seinem Atelier Unverständiges über Malerei redete, zum Schweigen gemahnt habe, weil die farbereibenden Buben ihn auslachten, wäre nicht unglaublich, wenn nicht dieselbe Geschichte von Apelles und Megabyzes und von Zeuxis und Megabyzes erzählt würde. Glaubhafter ist die Geschichte von dem Schu- ster, dessen Kritik Apelles sich zunutze macht, soweit sie das Schuhwerk betrifft, dem er aber rät, beim Leisten zu .bleiben, als er nun auch das Bein zu tadeln wagt. Und wenn er von der „goldreichen" Helena eines Schülers gesagt haben soll, er habe sie reich gemalt, weil er sie nicht schön habe malen können, und einem Stümper seine Verwunde- rung bezeugt haben soll, daß er in der Eile nicht noch mehr Schund fertig gebracht habe, so haben diese Berichte nichts innerlich Un- wahrscheinliches. Denn gesunde Kritik, die aber nicht nur streng, sondern auch wohl- wollend sein konnte, verraten manche indi- vidueller gefärbte Berichte, die bei der Wür- digung einzelner Werke sowie des Kunst- charakters des A. zu besprechen sein werden. So braucht man auch nicht zu bezweifeln, daß er gegen den zum Jähzorn geneigrten Alexander, der ihn oft in seinem Atelier be- suchte, sich viel herausnehmen durfte und als er sich in die Theassalierin Pankaspe, eine Konkubine des jungen Königs, die dieser von ihm malen ließ, verliebte, die Gnade seines königlichen Gönners keineswegs verscherzte, vielmehr die Schöne von ihm zum Geschenk erhielt. Daß er mit Ptolemaios schlecht stand, wird auch unabhängig von jener Ver- leumdungsgeschichte berichtet. Das hellste Licht werfen auf seinen Charakter die Ver- gleichungen, die er zwischen sich und seinen namhaftesten Rivalen anstellte (s. u.), und sein liebenswürdig uneigennütziges Benehmen gegen den weltfremden, unpraktischen Proto- genes, den er in den Augen seiner rhodischen Landsleute plötzlich zu einer Berühmtheit

machte, indem er das Gerücht aussprengte, er wolle die fertigen Werke des Meisters für 50 Talente ankaufen, um sie als seine eigenen loszuschlagen. Er war ähnlich seinem Lands- mann Parrhasios ein feiner Weltmann, und dadurch für die schwierige Stellung eines Hofkünstlers geschaffen; aber allem Anschein nach hat er stets sein Selbstbewußtsein und die Würde der Kunst zu wahren gewußt.

Unter seinen Werken begegnet uns zunächst eine große Anzahl von Bildnissen, teils schlicht im Sinne der Wirklichkeit aufgefaßt, teils idealisiert und mit Götterbildern und Allegorien gelegentlich direkt verbunden. Daß unter den ersteren auch Alexanderbilder waren, können wir fast nur vermuten, denn das Reiterbild, das dem Schlachtroß des Kö- nigs angeblich mehr Eindruck machte als diesem selbst, ist durch eine solche Anekdote wohl nicht sicher genug bezeugt. Auch von Bildnissen Philipps hören wir nur ganz all- gemein. Kleitos, den Retter des Königs in der Schlacht am Granikos, malte er mit dem Pferd in den Kampf eilend und den Helm aus der Hand des Waffenträgers empfangend, Neoptolemos beritten im Kampfe gegen Per- ser, Antigonos, den spätem König, im Pan- zer mit dem Pferd am Zügel, ein andermal beritten, und zwar stellte er ihn im Profil dar, um den Einäugigen möglichst günstig wirken zu lassen. Der Umgebung Alexan- ders gehört ferner Archelaos mit Frau und Tochter, wohl auch ein gewisser Antaios an, und wenn es auch nicht ausgeschlossen ist, daß A. den Komödiendichter Menander por- trätierte, so ist das bezeugte Menanderbildnis doch wahrscheinlicher das des Feldherrn und Hetairen Alexanders. Ein nicht genannter König von Karlen, wahrscheinlich Pixodaros (Wustmann 46), einer der Nachfolger des Maussolos, ein tragischer Schauspieler Gorgo- sthenes, ein Habron, in dem man den ohne Zeitangabe von Piinius erwähnten Maler er- kennen möchte (Wustmann 32), endlich ein Selbstporträt vervollständigen diese Reihe von Bildnissen. Das Bildnis der nackten Pankaspe (oder Pakate), an dem die rosige Hautfarbe gerühmt wird, entstand, da die Thessalierin als erste Maitresse des Königs bezeichnet wird, vor dem Perserkrieg und hat keinen sicheren Zusammenhang mit dem Bilde der Anadyomene, als deren Vorbild es man- chen galt. Was es mit den Bildern von Ster- benden auf sich hat, die Piinius summarisch erwähnt, steht nicht fest Bildnisse, die den Siegeszug des' Königs imd die Steigerung seiner Persönlichkeit ins Göttliche voraus- setzen, waren der Alexander auf dem Tri- umphwagen mit der fälschlich als verkörper- ter Krieg ausgelegten Personifikation der unterworfenen Feinde, welche, die Hände auf den Rücken gebunden, vermutlich vor dem

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Apelles

Wagen hergeführt wurde, Alexander von den Dioskuren und der Siegesgöttin umgeben, endlich der Alexander mit dem Blitz, der so meisterhaft gemalt war, daß die Finger und der Blitz aus der Tafel herauszutreten schie- nen und für den dem Künstler 20 Talente Goldes angeblich nicht aufgezählt, sondern zugemessen wurden (vgl. Wustmann S. 88, der den Vorgang richtiger auffaßt als Six, arch. Jahrb. 1905, 170). In anderem Sinne geht A. über das einfache Porträt hin- aus in der Darstellung einer Prozession des Megabyzos, des Oberpriesters der ephesischen Artemis, und in dem Bild eines Stieropfers, das sich im Asklepieion von Kos befand und durch Herondas (4, 59 — 73) bekannt gewor- den ist: er rühmt daran das plastische Her- vortreten der Formen, die packende Darstel- lung des aus dem Bild herausglotzenden Stiers, der das Tier heranführenden und um- gebenden Personen und des Opfergerätes. Von Tierbildern, die auch Teile größerer Ge- mälde gewesen sein können, einem Pferd mit blutigem Schaum vor dem Maule und einem Hirschkalb (nicht Hirschkuh, wie Six, arch Jahrb. 1905, 174 zugunsten einer höchst ge- wagten Hypothese annimmt), wissen wir nichts Näheres; von ersterem erfahren wir sogar nur in der auch an andere Künstler- namen geknüpften Anekdote, daß die Dar- stellung des Schaumes nach vielem vergeb- lichen Bemühen des Künstlers dem Zufall, nämlich dem im Zorn gegen das Bild ge- worfenen Schwamm zu verdanken war. Unter den Götter- und Heroenbil- dern, deren die Überlieferung nicht viele zu nennen weiß, war das bedeutendste und be- rühmteste ohne Zweifel die Aplirodite Ana- dyomene in Kos, die Augustus gegen einen Steuernachlaß von 100 Talenten erwarb und im Tempel des Divus Caesar aufstellte. Die Güttin war, wie aus mehreren Epigrammen hervorgeht, aus dem Meere auftauchend so dargestellt, daß der Oberkörper ganz sichtbar v/ar, der Unterkörper nur durch die Wellen hindurch schimmerte (Benndorf, Ath. Mitt. I 50 fF.), während die Hände beschäftigt waren, die feuchten Haare auszupressen ; es scheint, daß ein statuarischer Typus, bei dem das um die Hüften geschlungene Himation das ver- hüllende Meerwasser vertreten würde, uns die Schöpfung des A. in ihren Grundzügen wiedergibt (vgl. zuletzt Furtwängler, Hel- bings Monatshefte I 177, 179). Das Bild litt später in seinem unteren Teil durch Fäulnis des Holzes u. scheint auf diese Weise zu dem Namen der |jLOv6>tvT,iio?, der Einschenkeligen, gekommen zu sein (vgl. Studniczka, Vermut. z. gr. Kunstgesch. S. 37 fF.) ; endhch wurde es, nachdem kein Künstler sich an eine Repara- tur gewagt hatte, unter Nero durch eine Kopie von Doroiheos ersetzt. Eine Aphrodite, von

der A. nur den Kopf und den oberen Teil der Brust hatte vollenden können, befand sich in Kos (Six, a. a. O. 178 ff. sucht es mit un- zureichenden Gründen der Anadyomene gleich- zusetzen), auch hier getraute sich kein Maler die Arbeit fortzusetzen. Eine vollbekleidete Charis, eine sitzende Tyche, eine Artemis im Kreise „opfernder" Jungfrauen, nach Dil- they Rh. Mus. 26, 321 vielmehr Artemis unter „schwärmenden" Nymphen, ein fast ganz abgewandter Herakles, vielleicht nur Teil ei- ner umfangreicheren Darstellung, ein nackter Heros vervollständigen die kleine Reihe dieser Idealbilder. Zur Allegorie leitet hinüber das merkwürdige Gewitterbild, das, wohl nach Analogie der hesiodeischen Kyklopen Brontes, Steropes, Arges erfunden, drei weibliche Dä- monen Bronte, Astrape, KeraunoboHa, wahr- scheinlich mit erstaunlichen Licht- und Far- beneffekten, darstellte. Endlich ist die reine Allegorie vertreten durch das Bild der Ver- leumdung, an dessen Realität mit Jahn (Ber. d. sächs. Gesch. 1853, 57 Anm.) oder an des- sen Echtheit mit Blümner (arch. Studien zu Lukian S. 41 f.) zu zweifeln kein Grund vor- liegt. Auf einen Mann mit langen Midasohren, dem Unwissenheit und Argwohn zur Seite stehen, schreitet erhitzt und aufgeregt, mit einer Fackel in der Linken, die wunderschön gestaltete Verleumdung zu, indem sie einen Jüngling, der die Hände seine Unschuld be- teuernd gen Himmel streckt, an den Haaren hinter sich herschleift. Der Neid, ein häßli- cher, gelber abgemagerter Mann mit stechen- dem Blick führt sie, zwei Frauen, Tücke und Betrug, geleiten sie und putzen sie noch auf. Trauernd folgt, in schwarzem, zerrissenem Kleid, die Reue, die sich umwendet und wei- nend und beschämt auf die nahende Wahrheit blickt. Die Beschreibung Lukians, aus der wir das Bild kennen, läßt auf einfache Kom- position, wie man sie von Reliefen gewöhnt ist, schließen, und in der Tat haben die zahlrei- chen modernen Wiederholungen (vgl. Förster, die Verl. des Apelles in der Renaissance- kun.st, Jahrb. d. preuß. Kunstsammlungen VHI 29 ff.) das Werk so aufgefaßt.

Um die Berühmtheit des A. zu verstehen, muß man die mancherlei Nachrichten über seine Technik und den Charakter sei- ner Kunst kritisch prüfen. Wiederum lie- gen eine Anzahl Anekdoten vor, auf die nicht allzuviel zu geben ist: das lebenswahr gemalte Pferd wird von dem lebendigen angewiehert, mit nur vier Farben führt A. seine virtuosen Gemälde aus — in der Tat beschränkte er sich auf die bescheidenen koloristischen Wirkungen der Temperatechnik und gab sich mit En- kaustik nicht ab — , Sicherheit der Linienfüh- rung beweist er im Wettstreit mit Pertogenes, indem er die dünne Linie, die dieser in die von Apelles auf die frische Tafel gemalte einge-

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Apelles

tragen hatte, mit einer ganz feinen Linie noch einmal teilt, endlich heißt es, daß er sein Leben lang sich täglich im Zeichnen übte, wo- von sich das Sprichwort nuUa dies sine linca herschreibt. Alles dies bringt uns seine Kunst nicht näher. Auch zwei Uberlieferungen, die nichts Unglaubliches an sich haben: daß er, auf Anstiften seiner Feinde durch einen Hof- narren in den Palast d?s Ptolemaios geladen und vom König ungnädig mit der Frage emp- fangen, wer ihn gebeten, mit wenigen Kohle- strichen das Porträt des Narren auf die Wand geworfen habe und daß aus seinen erstaunlich ähnlichen Bildnissen ein iieTWjrooxojioc, d. h. ein Physiognom oder Phrenolog, das Lebensalter der Dargestellten geweissagt habe, beweisen nur die ungewöhnliche Treffsicherheit und die peinliche Sorgsamkeit des Meisters. Die ihm zugeschriebene Erfindung des Elfenbein- schwarzes mag an und für sich von geringer Bedeutung sein ; aber A. gab ihr eine Nutzan- wendung, die seinen Bildern einen geheimnis- vollen, für seine Rivalen unerreichbaren Zau- ber verlieh, indem er mit dünnen Lasuren dieses Schwarz seine fertigen Gemälde über- zog und damit zugleich die grellen Farben dämpfte und ihnen eine schützende Decke gab. Wahrscheinlich beruht auf dieser Technik die Wirkung seines blitztragenden Alexander, der absichtlich schmutzig-fahl gemalt war, um die Feuerfarbe des Blitzes energisch hervortreten zu lassen, und Ähnliches wird von den Gewit- terdämonen gelten. Die bestimmteste Vor- stellung von den Vorzügen und den Schwä- chen seiner Kunst gewinnen wir aus der ver- gleichenden Kritik, die A. selbst an sich und seinen Rivalen Melanthios, Asklepiodoros und Protogenes übte. Melanthios sei ihm in der Komposition, der Verteilung der Figuren im Raum, überlegen, Asklepiodoros in den Ab- messungen oder der Symmetrie, d. h. in die- sem Falle: der Perspektive (die von Wust- mann, Rh. Mus. 22, 13 vorgeschlagene, von Overbeck in den Text der Schriftquellen übernommene Umstellung der Worte des Plinius N. H. 35, 80 läßt sich nicht recht- fertigen), Protogenes in allem wenigstens gleich, nur könne er der sorgfältigen Ar- beit kein Ende finden, die Hand nicht vom Bild abzfehen (manum de tabula) und ver- nichte damit seine Anmut. Oder, wie es in anderer Formulierung, aber doch wohl im Anschluß an Aussprüche des A., bei Quinc- tilian heißt: an wissenschaftlicher Gründlich- keit und Methode (ratione) seien Panphilos und Melasthios, an Sorgfalt (cura) Protoge- nes, an Leichtigkeit (facilitas) Antiptilos, an Geist und Anmut (ingenio et gratia) Apelles der erste. Die x^pi? war es, in der er sich allen seinen Rivalen überlegen fühlte, die ihm das uneingeschränkte Lob der Kunstkenner er- warb. Aber diese x'P'J beruhte nicht nur

auf glücklicher Anlage, sondern war, wie Quinc- tilians Ausspruch lehrt, in unermüdlichem Studium durchgebildet und vertieft. Weder Vielseitigkeit noch großartige Komposition, weder Tiefsinn noch psychologische Feinheit machten Apelles zum großen Künstler, aber innerhalb der Schranken, die seine Begabung ihm zog und die er klug respektierte, brachte er das spezifisch malerische Können zur Voll- endung. Der offene Blick, das bewegliche Na- turell des loniers und ein ohne Zweifel bedeu- tendes malerisches Talent verband sich bei ihm mit der Gründlichkeit und Gediegenheit der Sikyonier, wenn man auch nicht mit Wust- mann (Apelles 20) so weit gehen darf, zu be- haupten, er sei mit Leib und Seele ein Sikyo- nier geworden, und alle Vorzüge und alle Schwächen seiner Malerei — hier sind beson- ders die unerfreulichen Allegorien gemeint — seien deutlich auf die Einflüsse der sikyoni- schen Schule zurückzuführen. Man hat Apel- les oft mit Raffael verglichen und nicht mit Unrecht. Wie dieser erreichte er scheinbar mühelos und doch auf Grund gewissenhaftester Arbeit die höchste Anmut, wie dieser war er auch als fertiger Künstler ungemein an- passungsfähig und wußte die Vorzüge seiner Rivalen unbefangen zu würdigen. Von seiner höfischen Porträtmalerei, besonders soweit sie Bildnisse in bewegter Situation vorführt, ge- winnt man eine Vorstellung am besten wohl an der Kunst des Velasquez, wie überhaupt ein Zug zum feierlichen Barock, der Zeitstim- mung entsprechend, dem Maler der Anmut nicht fremd gewesen ist.

Nachbildungen seiner Werke sind bis jetzt leider nicht nachgewiesen, auch die ange- führten plastischen Umbildungen des Ana- dyomenemotivs sind nicht gesichert und ge- ben natürlich wenig von der Wirkung des Originals. Der Versuch von Six (Jahrb. d. Inst. 1905, 172 ff.), das berühmte herkula- nensische Telephosbild und danach andere Wandgemälde auf Originale des Apelles zurück- zuführen, ist mißlungen, wenn es auch möglich ist, daß der in jenem und anderen Bildern vor- kommende Typus eines abgewandt stehenden Herakles auf den bezeugten, nach Rom ge- brachten Herakles des A. zurückgeht.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstler. II 202 ff. — W u s t m a n n, Apelles (die einzige umfassende Biographie, wertvoll durch Gewinnung genauerer Daten aus den allgemeinen historischen Verhält- nissen und durch kritischere Behandlung der anekdotenhaften Überlieferune, im einzelnen je- doch vielfach überholt). — \V oermann, Ge- schichte d. Mal. im Alt. 55 ff. — Brunn in Meyers Kstlerlex. II 164 ff. — S t u d n i c z k a, Vermutungen z. gr. Kunstgesch. 37 ff. — Klein, Arch. epigr. Mitt. 11, 219. — Robert, Arch. Märchen 69 ff. — v. Rohden bei Baumeister. Denkm. II 86S f. — Girard, Peint. ant. 2.34 ff. — Pauly-Wissowa, Realenc. I 2689, 13 (Rossbach). — Six, Arch. Jahrb. 1905 169 ff. Sauer.

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Apelles — Aphrodisios

Apelles II, Toreut um 100—50 v. Chr. Er beschäftigte sich nach der Uberlieferung (Athe- naeus VI 488 c. d.) mit der Rekonstruktion des von Homer beschriebenen Nestorbechers und galt als Kehner der alten korinthischen Metallgefäße.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstler. II 403. — P a u • 1 y - W i s s o w a, Realenc. I 2692, 14 (Rossbach).

Pernice.

Apelles III, vielleicht Verfertiger, wahr- scheinlicher aber ehemaliger Besitzer einer antiken Gemme der Sammlung Jablonowski mit dem Bilde einer tragischen Maske.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstler. II 546. — P a u - 1 y - W i s s o w a, Realenc. I 2692, 15 (Rossbach).

Pernice.

Apelt, s. Appel.

Apengeter, nordd. Glockengießer, goß laut Inschrift 1494 eine mit einem erhabenen Ma- donnenrelief geschmückte Glocke von 1,18 m Durchmesser für die Alexanderkirche zu Wildeshausen. (Am Weihnachtsfest 1835 ge- sprungen.)

Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Oldenburg, Amt Wildeshausen, p. 113 (mit Fak- simile der Inschrift). H. V.

Apengheter, Conradus, Bildgießer in Lübeck 1337, nur urkundlich bekannt.

M i t h o f f, Mittelalter!. Kstlr. u. Werkmstr. Niedersachs, u. Westf. H. V.

Apengheter, Johannes (bei Lüer-Creutz: Hans Apengeter „van Sassenlant"), Bild- gießer, 1332 — 1342 zu Lübeck urkundlich vor- kommend, verfertigte 1327 einen großen sie- benarmigen Leuchter für den Dom zu Kol- berg, 1337 den Taufkessel von Messing für die Marienkirche zu Lübeck und 1344 (1340?) einen Taufkessel für die Nikolaikirche in Kiel. Nach Haclis Vermutung dürfte unser Künstler identisch sein mit Hannes oder Jan van Halverstat.

_M i t h o f f, Mittelalt. Kstlr. und Werkmstr. Niedersachsens und Westf. — Lüer - Creutz, Gesch. d. Metallkunst, Stuttgart 1904. — H a c h im Repert. f. Kstwissensch. 1881 p. 177 flF. — Bau- u. Kstdenkm. von Lübeck II 239 f. H. V.

Apengheter oder Grave (auch Grove), L a u r e n s, norddeutscher Erzgießer, f 1478 zu Hamburg, wo er seit 1466 das Amt eines Wagemeisters bekleidete; von ihm ein sehr sauber ausgeführter Taufl<essel zu Hittfeld (A. Harburg) von 1438 und ein Taufgefäß zu Handorf (A. Winsen a. d. Luhe) von 1440, beide bez. „Lavrens apengheter", während der von ihm 1455 gefertigte Taufkessel im Dom zu Lübeck „Laurens grove" signiert ist, unter welchem Namen der Künstler auch in den Kämmerei-Rechnungen der Stadt Hamburg seit 1461 geführt wird. Von seinen Arbeiten für Hamburg sind noch besonders erwähnens- wert die beiden messingenen Kronleuchter für Rathaus und Kanzlei aus den Jahren 1462 bezw. 1467 und 3 große Bombarden von 1470.

M i t h o f f . Mittelalt. Kstlr. und Werkmstr. Niedersachsens und Westfalens. H. V.

Apenzäller (Appenzeller), Franz, Maler in Chur, Lehrer des Hans Ardüser, nur be- kannt durch seine jetzt leider völlig über- tünchten allegorisch-dekorativen Malereien in dem Hause des Landrichters Regett von Capol (Pension Brun) in Elims von 1580.

Brun, Schweizer. Kstlerlex. H. V.

Apeus, C o r n e 1 i s, Kupferstecher, geb. um 1634/35, wohnte 1666 in Leeuwarden, ver- weilte aber damals in Amsterdam, vielleicht zur Herstellung der großen in Verbindung mit M. Noe nach F. Carre gestochenen und höchst seltenen Darstellung der Begräb- nisfeier des friesischen Statthalters Willem Frederik. Außerdem hat er einige Porträts gestochen; dasjenige des katholischen Geist- lichen Guiiielmus Cromstreyen wahrscheinlich 1688. Eine Karte in vier Blättern der Pro- vinz Groningen nach W. und F. Conders van Heipen ist dem Statthalter Hendrik Casimir II. dediziert.

Meyer, Kstlerlex. E. W. Moes.

Apezteguia, Juan Felipe, ein Navarrese, in seiner Jugend bei einer der Kapellen in Madrid als Sänger angestellt, erlernte dann bei Luis Salvador Carmona die Bildhauerei. Die Akad. von S. Fernando ernannte ihn 1777 zum Ehrenmitglied, er starb 1785.

Cean Bermudez, Dicc. I 40. ^

Apf alterer (Abfalderer), Martin, tiroler Maler, gebürtig auf dem Wald im Gericht Thauer (bei Innsbruck), sucht 1645 mehrere Male beim Stadtrat zu Innsbruck um Auf- nahme als Inwohner an : der Widerstand der Innsbrucker Maler scheint die Abweisung des Gesuches verursacht zu haben, obwohl A. vor- brachte, daß er die Tochter des Innsbrucker Bürgers und Malers Mathias Liebl zu heiraten gedenke. 1647 wiederholte er sein Gesuch u. 27. 9. 1652 und noch später erhält seine Wit- we für sich und ihre beiden Kinder (Sohn und Tochter) vom Stadtrat Unterstützungen.

A. Sikora.

Apf alterer, s. Ab feilerer.

Apfelmann, Hans, Maler, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrb., schmückte 10 Räume der alten Burg in Wien mit dekorativen Ma- lereien (vier Jahreszeiten, Tiere, exotische Szenen, Historien, Taten des Herkules etc.).

Laut Verz. i. K. u. K. Reichs- Fin.-Archiv zu Wien v. 1597. Ernst Diez.

Aphel (Apphel), Goldschmied und Münz- eisenschncider im Dienste des österr. Kaiser- hauses, mehrfach urkundlich erwähnt von 1443 bis 1465.

Jahrb. d. Kstsamml. d. österr. Kaiserhauses XVII Regesten. **

Aphrodisieus, s. Kobl . . . nos.

Aphrodisios I, Bildhauer aus Tralles in Ka- rien. Werke von ihm standen nach Plin. N. H. 36, 38 in den römischen Kaiserpalästen.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I 473. 475. 528. — Overbeck, Schriftq. 2300. — Pauly- Wissowa, Realenc. I 2728, 10 (Robert).

Amelung

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Aphrodisios ~ Apol

Aphrodisios II, Bildhauer, Sohn eines Deme- trios, aus der späteren Kaiserzeit, bekannt aus seiner Grabschrift, die vor den Mauern Roms zwischen Via Latina und Via Appia gefunden wurde. Nach ihr wurde er auch Epaphras genannt und war zugleich Bildhauer und Statuenbemaler (aya^tAaTOJto'.ic ey^auaTTi;).

L ö w y, Inschr. gr. Bildh. 551. — Pauly- Wissowa, Realenc. I 2728, H (Robert).

Amelung.

Aphrodisios (M. Aurelius A.), Sohn des Onesimos, angesehener Architekt in Antiochia a. M. nach der von seinen drei Söhnen ge- stifteten und zu Nysa gefundenen Grabinschrift aus dem 2. Jahrh. n. Chr.

Bull. corr. hell. 1883, 270 (Ramsay). — Pau- ly-Wissowa, Realenc. Suppl. I 102 (Fa- bricius) . H. Thiersch.

Apianus (Bennewitz), Peter, berühmter Mathematiker am Hofe Karls V., geb. 1495 zu Leisnig in Sachsen, j 1552 zu Ingolstadt, fertigte Wappenmalereien, Landkarten- und Städtezeichnungen.

Meyer, Kstlerlex. — F ü s s 1 i, Kstlerlex. Neue Zusätze, 1824. H. V.

Apianus, Philipp, Sohn des Peter A., Arzt und Mathematiker, geb. zu Ingolstadt 14. 9. 1531, t zu Tübingen 1589, fertigte einige Landkartenzeichnungen, wovon die be- rühmteste die 15G1 auf Befehl Herzog Al- brechts V. aufgenommene Karte von Bayern ist, welche 1566 in vergrößertem Maßstab in 24 Holztafeln geschnitten wurde unter dem Titel: „Phil. Appiani bayrische Landtafeln" und mehrere Auflagen erlebte. (Die Stöcke im Reichsarchiv zu München.) Das auf einem ein Horologium vorstellenden Holzschnitt be- findliche Monogramm AB wird von Nagler (Monogr. I 139) auf ihn gedeutet (Apianus Bienewitz).

Meyer, Kstlerlex. — Lipowsky, Bayeri- sches Kstlerlex. Anhang. H. V.

Apice, V i n c e n z o d', Bildhauer in Nea- pel, führte 1748 unter Leitung des Architek- ten Constantino Manni in Tuffstein die Gie- bel und Seitenteile der Haupttür des Klosters Croce di Lucca" in Neapel aus. Napoli Nobilissima XII 148. — R. Archivio di Napoli: Monasteri Soppressi vol. 3611.

G. Degli Azzi.

Apiello, Italien. Modelleur in Porzellan an der 1736 durch Karl III. von Neapel gegrün- deten Porzellanmanufaktur von Capo di Monte. Von ihm zwei bezeichnete Figuren, Mann und Frau in chinesischer Tracht, in der Sammlung Langford und gleichfalls signierte Statuetten von Landleuten in der Sammlung Fortnum. (Faksimile der Signatur bei Jaen- nicke. No. 1923.)

Meyer, Kstlerlex. — Jaennicke, Grund- riß der Keramik. H. V.

Aplemaia, Pierre, f ranzös. Bildhauer, ar- beitete um 1401, unter der Leitung des Claux

Sluter, am Portal der Karthäuser-Kloster- kirche von Champmol bei Dijon.

L a m i, Dict. des sculpt. fran?. au moy. äge et ä la renais. Lami.

Apoil, C h., Genremaler in Sevres, wohl Sohn des Charles Alexis, stellte in den Pari- ser Salons seit 1887 fast alljährlich aus.

H. V.

Apoil, Charles Alexis, Porträt- und Genremaler, geb. zu Mantes (Seine-et-Oise) 24. 10. 1809, t zu Sevres 22. 12. 1864, wo er an der Porzellan-Manufaktur tätig war, Schü- ler von Eugene Devcria, stellte seit 1843 wiederholt in den Pariser Salons meist Pastell- bildnisse aus. Er hat sich besondere Ver- dienste um die Emailmalerei auf Eisenblech erworben. Im Mus. zu Avignon befindet sich von ihm ein Porträt von Cesar de Bus, dem Gründer der „Congregation de la Doctrine Chretienne".

Bellier-Auvray, Dict. gen. — Gazette d. Beaux-Arts 1893 1 p. 430. H. V.

Apoil, Susanne Estelle, geb. Beran- ger, französ. Malerin, geb. 19. 10. 1825 in Sevres, Witwe von Charles Alexis Apoil, hat seit 1846 zumeist Aquarelle und Emaillemale- reien ausgestellt, gewöhnlich Blumen, aber auch Figuren, besonders Kopien nach Raffael und Guido Reni, und hat lange Jahre für die Porzellanmanufaktur in Sevres gearbeitet 1874 schenkte die französ. Regierung der Kai- serin von Rußland 2 Sevres- Vasen (päte tendre, fond bleu), auf welche die Künstlerin die Darstellungen der „Education" und der „Recreation" gemalt hatte.

Bellier-Auvray, Dict. g^n. — D u s - s i e u X, Arlistes fran?. a l'^tranger 1876 p. 576. — Gaz. d. beaux-arts I. Per. XVII 85, III. Per. I 430. K. E. Schmidt.

Apol junior, sonst unbekannter niederlän- discher Maler oder Zeichner der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, nach dessen Vorlage Ph. Velijn das Porträt des Dichters Jonkheer Jan van der Noot stach. Kramm nennt den Künstler fälschlich Jan v. d. N., wohl infolge eines Lesefehlers (junior für Jan).

Kramm, De Levens en Werken etc.

E. W. Moes.

Apol, Bentname des Franciscus de Witt, auch Febus genannt. »*

Apol, Louis (eigentl. Lodewyk Franciscus Hendrik), bekannter Holl. Landschaftsmaler im Haag, geb. daselbst 6, 9. 1850, Schüler von Job. Hoppenbrouwers und Pieter Stor- tenbeker, hatte seinen ersten öffentlichen Er- folg auf der Ausstellung im Haag 1875, wo von ihm das Gemälde „Ein Winter im Walde" für den Staat angekauft wurde. (Jetzt im Reichsmus. Signiert: Louis Apol ft. 75.) Die Darstellung der Natur im Winterkleide blieb auch in Zukunft sein Lieblingsgebiet, und er behandelte dieses Thema in immer neuen Variationen und immer mit einer ganz persönlichen Note, die ihn rasch bekannt

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Apolini — ApoUodoros 183742

machte. Das Eigentümlichste in seiner Auf- fassung ist vielleicht, daß in seinen Bildern der Winter selbst zu uns spricht und nur selten StafTagefiguren die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ihm liegt daran, die Stille des schwer beschneiten und von der Winter- sonne hier und da farbig bestrahlten Waldes und die ganze einsame Winterstimmung effekt- voll zu geben. Sein Interesse an Schnee- und Eisszenerien ließ ihn 1S80 an der 3. arktischen Expedition des „Willem Barents" teilnehmen, von wo er mit reichem Skizzen- und Studien- material zurückkehrte, das er dann 16 Jahre später zu dem geschickten Panoramarund- gemäldc „Novaja Semlja" in Amsterdam ver- wertete. 1886 — 92 lebte er in Roozendaal bei Arnheni, im waldigen Gelderland, seitdem ist er wieder im Haag tätig. Seine Bilder fan- den auch im Auslande Beifall und wurden z. B. in Lüttich, Philadelphia und München mit Medaillen ausgezeichnet und sind vielfach in englischen und amerikanischen Privat- besitz übergegangen. In öffentlichen hollän- dischen Sammlungen findet man ihn außer im Ryksmuseum in Amsterdam auch im Haag, in Dordrecht, Haarlem und Rotterdam vertreten, — Wie in seinen Ölgemälden gibt er gelegentlich auch in Aquarell seine Win- terlandschaften und greift bisweilen auch zur Radiernadel. Im Archiv der Haager Künst- lergenossenschaft Pulchri Studio finden sich seine Radierungen, von denen hier genannt seien: Die 3 Bäume am Ententeich (8vo) und die Wäscherin vor dem Bauernhause (8vo). — Natürlich hat der Künstler nicht ausschließlich Winterbilder gemalt, sondern es finden sich in seinem Werk auch Frühlings-, Sommer- und besonders Herbstlandschaften.

G. H. Marius, De Hollandsche Schilder- kunst. — R o o s e s, Het Schilderboek II, Ar- tikel von J. Gram. — J. Gram, Onze Schil- ders in Pulchri Studio 118. — The Art Journal 1893^ 353. — Zeitschrift für bildende Kunst und Kunstchronik passim. — Kunst für Alle 1888, 1890. — Ausstellungskat. München 1901, Düsseldorf 1895 u. a. — Mit Notizen von J. Veth u. E. t'Hooft. F. Becker.

Apolini, G i u 1 i a n o de, Goldschmied in Ferrara, fertigte Medaillen nach denjenigen, die G. F. Enzola für die Einbände der Chor- bücher des Doms zu Ferrara gemacht hatte. Er signiert: opus Juliani Appolini.

Cittadella, Not. rel. a Ferrara. — Jahrb. d. Kstsamml. d. österr. Kaiserhauses XXI I 202, 264. »♦

ApoUodoro, Francesco, Maler aus Pa- dua, geb. um die Mitte des 16. Jahrh. Seinen Beinamen di Parcia führte er nach einem Kastell in Friaul. Unterrichtet wurde er von Dario Varotari. Durch Porträtmalerei machte er sich ehrenvoll bekannt. Ei soll fast alle Paduanischen Gelehrten seiner Zeit gemalt haben; erwähnt werden Sperone, Mercuriale, Capo di Vacca und Acquapendente. O. Münd-

ler hat in Mailand ein Bildnis gesehen, das er für einen Gelehrten oder Diplomaten an- sprach und welches die folgende Bezeichnung trug: FRANC. APOLLODORUS PINXIT ANNO 1585 MENSE MAIO. Er fand darin eine kräftige Behandlung und jene Art Härte, wie sie wohl dem alten Pourbus eigen war. Nach Rossetti befand sich 1776 im Palaste Borromei bei S. Lucia in Padua ein hl. Fran- ziskus mit Christus am Kreuz, gemalt von Apollodoro. Noch 1606 erscheint dieser Mei- ster in der Paduanischen Malerliste. Giam- battista Bissono war sein Schüler,

Pietrucci, Biografia degli Artisti Pado- vani. — M o s c h i n i, Origine e vicende etc. in Padua p. 92, 93. — Rossetti, Descrizione di Padova p. 325. — R i d o 1 f i, Maraviglie etc. II 260. — L a n z i, Storia pitt. 1825, III 243. — Boissardi Poemata (1591) p. 177, 233, 290, 324.

R.

ApoUodoro, P a o 1 i n o, Maler aus Padua, machte das Porträt des Alessandro Fortezza (t 1613). Pietrucci hält diesen Meister für identisch mit Francesco Apollodoro, Moschini aber für dessen Sohn oder Neffen.

Tommasini, Illustrium Virorum Elogia, Pa- tavii 1630, I 254. — Pietrucci, Biogr. degli art. Padovani. — Moschini, Origine e vi- cende etc. in Padova p. 92, 93. — Meyer, Kstlerlcx. R,

ApoUodoros I, Architekt aus Athen. Nach einer sehr zertrümmerten Architravinschrift aus Delos Erbauer eines dort 140 v. Chr. den ägyptischen Göttern Serapis, Isis u. Anu- bis geweihten Tempels.

HomoUe, Bull. corr. hell. 1892. 479 ff. — Pauly-Wtssowa, I 2896, 74 (Fabricius),

H. Thiersch.

ApoUodoros II, von Damaskos, einer der ge- nialsten Architekten des Altertums, der größte der römischen Kaiserzeit. Er ist im 2. Jahrh. n. Chr. der Hauptvertreter griechisch-helleni- stischer, aus dem Osten kommender Kunst- pvinzipien im Westen. Mit dem Reichtum seiner im Osten gesättigten und zu kühner Größe entwickelten Phantasie befruchtet er Rom. Unter Trajan steht er in höchster Gunst, die bedeutendsten Staatsaufträge sind ihm anvertraut, auch im Kriege begleitet er den Kaiser und wird mit kriegstechn. Auf- gaben betraut. Er ist Trajans offizieller Ar- chitekt. Bei Hadrian ist er von Anfang an in L^ngnade, da er vor den dilettantischen Bauentwürfen des eitlen Kaisers in syrischem Freimut mit scharfer Kritik nicht zurückhielt (die letzten Aussetzungen betrafen den Ent- wurf zu dem im Jahre 121 begonnenen Venus- Romatempel). Feindschaft, Verbannung und Hinrichtung wurden sein Los. Ein vortreffliches Porträt des großen Meisters ist erhalten in einer durch antike Inschrift als Apollodor ge- sicherten Büste in München (Arndt-Bruck- mann, griech. u. röm. Porträts 46. 47), ein echter Künstlerkopf voll trotziger Entschie- denheit, alles individuell, nur in den tief in

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ApoUodoros

die Stirne hereingekämmten Haaren der Mode der Zeit folgend. Auch auf den Reliefs der Trajansäule ist A. wahrscheinlich dargestellt in der Gruppe rechts von dem vor der Donau- brücke opfernden Trajan, aber nicht in dem zuvorderst stehenden Mann (wie Cichorius a. a. O. III 141 meint), sondern offenbar in dem feinen unrömischen Profil unmittelbar rechts hinter dem Kaiser. Wie viele große Architekten des Altertums ist auch A. lite- rarisch tätig gewesen. Uberliefert sind: 1. eine Schrift über die von ihm unter Trajan erbaute Donaubrücke bei Dobretae. — 2. Eine Hadrian (nicht Trajan, wie Th. Reinach, Rev. des etud. gr. 1895, 198 ff. wollte) ge- widmete Schrift über Belagerungsmaschinen (noXiopXTiTixa). Ein Auszug davon ist erhalten; französ. Ubersetzung von Lacoste, Rev. des etudes grecques III 360 ff.

Ausgeführt hat A. folgende Bauten: 1. die schon genannte Donaubrücke unterhalb des Eisernen Tores, „Pontes Trajani", erbaut im Jahre 104/5 n. Chr. Beschreibung mit den Hauptmaßen bei Cassius Dio 68, 13, Abbildun- gen auf Münzen und den Reliefs der Trajan- säule (nur ein kurzes Stück, Cichorius, Tafel 72). Die über 1 km lange Brücke ging an einer besonders engen, aber um so tieferen und reißenderen Stelle über den Strom. Von Stein, massiven Quadern, waren nur die Bo- genportaie an beiden Enden und die zunächst daran anstoßenden, noch auf dem Trockenen fußenden Teile, dann die im Wasser selbst stehenden 20 mächtigen Pfeiler. Die Bögen über diesen dagegen waren wie die Pfeiler- köpfe selbst, der Brückenboden und durch- gehends das Geländer aus hölzernem, auf der Trajansäule deutlich wiedergegebenen Spreng- werk.— 2. Ein ebenfalls unter Traian erbautes „Odeion" in Rom (Cass. Dio), nach Pausa- nias ein „vollständig kreisrundes Theater". Da für Rom nur ein einziges Gebäude dieser Art bezeugt ist, eine domitianische Grün- dung, so vermutet man, A. habe dieses nur restauriert ( ?). — 3. Ein Zirkus von 2 Stadien Länge in Rom, vielleicht der Circus Hadriani nördlich von der moles Hadriana, der sich nach Hülsen (Dissertazioni della pontif. Ac- cad. Roman, archeol. 2. Ser. VIII 1903, 360 ff.) in der Tat als ein trajanischer Bau, und zwar sicher als Naumachie erweist. — 4. Ein gleichfalls unter Trajan erbautes „Gymnasion" in Rom, wahrscheinlich identisch mit den von Pausanias besonders gerühmten Thermen am Esquilin. Uber die älteren Titusthermen teil- weise hinweggehend sind sie heute größtenteils zerstört. Ältere vollständige Aufnahmen bei Palladio und einem sorgfältigen unbekannten Renaissancearchitekten (Röm. Mitt. 1892, 303). Diese Thermen, in ihrer klaren und großartigen Komposition, in der Bevor- zugung des großen Apsidenmotives auch dem

größten Bau A.s, dem Trajansforum, unver- kennbar verwandt, sind die ersten dieses neuen Bautypus in Rom. Die berühmten Diokletiansthermen sind nur eine neue Auf- lage davon. — 5. Das Forum Trajani in Rom, erbaut 107 — 113 n. Chr., das gewaltigste der Kaiserfora, die großartigste antiker Platz- anlagen überhaupt: von dem üblichen stadt- römischen Forumschema (viereckiger Hof mit zentralem Heiligtum) ebenso verschieden wie durch seine kühne malerische Komposition und großartige Steigerung in der wirkungs- vollen Anordnung verwandt den hellenisti- schen Anlagen des Ostens (Alexandria, Antio- chia, Gerasa, Baalbek etc., nicht aber den Pha- raonenbauten Ägyptens, wie man irrtümlich gemeint hat). Auch der große Säulenhof in Damaskus (wahrscheinlich kein Tempelhof, sondern ein einfaches Forum; nach brief- licher Mitteilung Puchsteins ein Werk der ersten Kaiserzeit (Augustus-Tiberius), in den sich später die Johanneskirche und die Oma- jadenmoschee eingenistet haben), zeigt Ver- wandtschaft mit der großen Area des Trajans- forums. A.s Anlage in Rom galt dem Alter- tum selbst als unübertrefflich, als der Höhe- punlct aller Architektur. Von ihrer überwäl- tigenden Wirkung auf den Kaiser Constan- tinus berichtet Ammian. Marc. 16, 16. Der Bau bestand zunächst aus einem quadratischen Säulenhof von 126 m Seite, den Eingang bil- dete ein im Jahre 112 errichteter sechssäuliger Triumphbogen (auf Münzen bei Donaldson, architectura numism. n. 67). Hinter den seit- lichen Hallen 2 große zweigeschossige Apsi- den, auch wieder mit vorgestellten Säulen- hallen ; in der Mitte des Platzes das Reiter- standbild Trajans. Dann quer eingelegt die große Basilika Ulpia, innen mit 2 Säulen- reihen ringsum mit Oberlicht, in vergoldeter Bronze eingedecktem Dach und 2 Apsiden an den schmalen Schlußseiten. Dann auf an- nähernd quadratischem Platze, rechts u. links eingefaßt von zwei Bibliothekssälen die heute noch stehende Trajanssäule mit seiner Sta- tue auf der Spitze. Nach den neuesten Unter- suchungen, von denen Boni in der „British Academy" berichtete, steht fest, daß die Säule als Grabmonument errichtet wurde und in ihrem Sockel eine Kammer mit Bestattungs- resten, wahrscheinlich von der Beisetzung Trajans und seiner Gattin Plotina, enthielt. Die den Schaft der 40 m hohen Säule in 200 m langen Spiralwindungen umziehenden Reliefs, einst durch Farbe belebt, schildern die dakischen Kriege (101—103 und 107— lOS). Diese riesige, isoliert stehende Grab-Ehren- säule ist die erste ihrer Art in Rom. A. führte mit ihr einen ebenfalls im Osten wurzelnden alten Monumentalgedanken (vgl. die Naxiersäule, die Kolossalsäulen der Ptolemäer in Olympia, die Säulen der kom-

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Apollodoros

magenischen Grabdenkmäler) wieder in die römische Architektur ein. Im Hintergrunde des abschließenden Säulenhofs stand ein für den Kult des Kaisers bestimmter Tempel, den aber erst Hadrian hinzufügte. Der ganze große Baukomplex ist wohl der monu- mentalste Ausdruck der im Grunde orien- talischen, hier in höchster hellenistischer Ver- feinerung in Rom ihren Einzug haltenden Apotheose des Monarchen. Auch im einzel- nen überall ein großer freier Zug, nichts Kleinliches und Überladenes. So auch in dem sehr reichlich angewandten Skulpturen- schmuck. Vom Trajansforum stammen die 20 m langen Reliefs der lebendigen Daker- schlacht, die kolossalen Rundfiguren der ge- fangenen Barbaren (nicht aber die acht Rundmedaillons) am Constantinsbogen. Die Reliefs an der Trajanssäule verraten in ihrer malerischen Kompositionsweise und ausführ- lichen Erzählung wieder einen entschieden östlichen Einfluß. Eine Rekonstruktion des Planes bei Canina, der Tatbestand des Grund- risses nach Lanciani (Blatt 23 und 30) bei Richter, Topographie von Rom Tafel 11, p. 114 ff., die beste Rekonstruktion im Pano- rama von Rom von Bühlmann-Wagner. — 6. Ein von Apollodor dem Kaiser Hadrian ge- machter Vorschlag, dem Helios-Nerokoloss eine ebenso riesige Selenc gegenüberzustellen, kam nicht zur Ausführung (Histor. Aug. Hadr. 19, 13).

Inwieweit A. beteiligt war bei den anderen großen unter Trajan in Italien und den Pro- vinzen ausgeführten Bauten, und wie weit er andere Architekten seiner Zeit (z. B. Lacers Brückenbau bei Alcantara über den Tajo) be- einflußt hat, ist noch ganz ununtersucht. Am wahrscheinlichsten ist A.s Beteiligung bei den groß und kühn angelegten Hafenbauten von Ostia: das Polygon des Hauptbassins, das Sechseck des Trajanhafens geht auf helleni- stisch-syrische Prinzipien zurück (vgl. die späteren Sechsecks- und Achteckshöfe in Baalbek und Kalat Siman). Ganz in Apollo- dors Geist scheint ferner der elegante Ent- wurf des Hafens von Centumcellae (die gro- ßen Absiden diesmal als Molen) in Verbin- dung mit der darüber gelegenen Villa Tra- jans (Canina, archit. greca tav. CLX) und endlich der vornehm schlanke, fast hellenisti- sche, Trajan gewidmete Triumphbogen von Ancona geschaffen zu sein.

Brunn, Gesch. d. (?r. Kstlr. II 340 f. — Prosopographia Romana I 112. — Schiller, Gesch. d. röm. Kaiserzeit I 593. — Diera uer in Büdingers Untersuch, zur Kaisergesch. I 132 ff. — Promis, Mem. Acc. Torino, Ser. 2, XXVII 1871 p. 5. — Pauly-Wissowa, Re- alenc. I 2896, 73 (Fabricius) und Suppl. I 108.— Th. R e i n a c h, Rev. des etudes grecques VIII 198 ff. — Arndt, Griech. u. röm. Portrats 46, 47. — Furtwängler, Beschr. d. Glyptothek No. 334. — Cichorius, Reliefs der Trajansäule III 135

ff- — Richter. Topographie von Rom S. 114. — Michaelis in Springers Handb. d. Kunst- gesch. n 413 ff. — Donaldson, Archit. nu- mismat. p. 250 ff. — Brunn-Bruckmann, Denkmäler 565 (Sieveking). — Baumeister' Denkmäler III, 1877 (P. Graef). — Holtzin- g e r, Moderner Cicerone f. Rom I 74 f.

H. Thiersch.

Apollodoros III, Erzbildner, dessen Zeit zu- nächst ungefähr dadurch bestimmt wird, daß ihn Silanion (s.d.), ein Zeitgenosse des Praxi- teles, porträtierte. Im zweiten alphabetischen Verzeichnis nennt ihn Plinius dann als Ver- fertiger von Philosophenstatuen. Plinius ent- wirft ein merkwürdiges Bild seiner mensch- lichen Eigenart : im unersättlichen Drang nach Vollendung habe er die Mehrzahl seiner Werke, nachdem er sie vollkommen ausge- führt, wieder zerschlagen, und man habe ihn deshalb den Tollen (insanum) genannt; des- halb habe auch Silanion in seinem Porträt nicht so sehr ein Bild des Menschen, als ei- nen Typus des Zornmuts in Erz gebildet. Sicher ist dieser A. der aus dem Phaleron ge- bürtige Schüler des Sokrates, den Piaton zum Träger der Erzählung im Symposion gemacht hat; denn auch er wird der Tolle ((lavixöc) genannt, nur richtet sich sein Zornmut hier nicht gegen seine Werke, von denen nicht die Rede ist, sondern gegen alle Menschen, begon- nen mit ihm selber und ausgenommen nur So- krates. Er ist seinem Lehrer unbedingt, ja schwärmerisch ergeben und hält bei ihm bis zum Tode aus (Plat. apol. 34a. 38b. Phaed. 59a. b. 117d) ; all seine Worte bewahrt er treu im Gedächtnis. Dabei ist es wohl denkbar, daß Xenophon ihn richtig als beschränkten, guten Jungen charakterisiert (apol. 28). Mit der ihm eigenen Heftigkeit gab et sich der tief- greifenden Wirkung der Persönlichkeit seines Lehrers hin ; mit Gier lernte er die neue Kunst des Denkens, ohne zu ahnen, wie gefährlich gerade ihm, dem bildenden Künstler, die zer- setzende Kraft der unermüdlichen Selbst- kritik werden mußte, zumal eine andere so- kratische Eigenschaft, der heilsame Humor des Ironisierens, in seiner Seele augenschein- lich gar keinen Widerhall fand. Er war, als der Agathon des platonischen Symposion sei- nen ersten Sieg feierte, im Jahre 416, noch ein Kind, als Sokrates starb (399), ein Jüng- ling. Silanion muß ihn also als bejahrten Mann, im Beginn seiner eigenen Tätigkeit, porträtiert haben. Kekule hat eine Kopie die- ses Bildnisses in der sogenannten Aeschylus- büste im kapitolinischen Mus. vermutet (bei Winter, Jahrb. d. Inst. 1890, S. 166); da- gesren opponieren mit Recht Brunn (Sitzungs- ber. d. bayr. Akad. 1892, S. 668 = Kl. Sehr. II S. 350) und Studniczka (N. Jahrb. f. Phil. 1900. S. 175). Bekanntlich hat Silanion auch ein Porträt des Piaton geschaffen; danach läßt sich zuversichtlich der Schluß ziehen, er habe in naher Beziehung zu dem ganzen Kreise

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Apollodoros — Apollonio

der Sokratiker gestanden. Falsch aber ist es, wenn man weiter geht u. in Apollodor seinen Lehrer erkennen will; wir wissen nicht ein- mal, ob wir aus der Angabe bei Plinius, Apol- lodor habe Philosophen dargestellt, nun auch entnehmen dürfen, er habe nur Porträts ge- bildet. Auf der athenischen Akropolis hat sich eine fragmentarische Inschrift mit seinem Namen und aus seiner Zeit gefunden.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I 398. — Hertz, De Apollodoro statuario ac philosopho. — Over- beck, Schriftq. 1359, 1364. — L ö w y, Inschr. gr. Bildh. 55. — P a u 1 y -W i s s o w a, Realenc. I 2896, 75 (Robert) 2849, 15 (Kirchner). — Klein, Praxiteles S. 33. Amelung.

Apollodoros IV, Bildhauer, Sohn eines Zenon aus Phokaia, aus hellenistischer Zeit. Be- kannt durch die Inschrift einer Basis, die in Erythrai in der Nähe des Hafens gefunden wurde und auf der eine männliche Porträtsta- tue (Theudoros, Sohn des Artemon) gestan- den hatte.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I 503. — Over- beck, Schriftq. 2050. — L ö w y, Inschr. gr. Bildh. 218. — Pauly-Wissowa, Realenc. I 2897, 76 (Robert). Amelung.

Apollodoros V, athen. Maler, der um 415 v. Chr blijhte, nach der antiken Uberlieferung ein bedeutender u. bahnbrechender Meister. Von seinen Werken werden genannt: ein betender Priester, ein Odysseus, ein blitzgetroffener Aias und ein im Anschluß an Euripides ge- schaffenes (Wilamowitz, ind. lect. Gryphisw. 1882 S. 10) Heraklidenbild, in dem u. a. Alk- mcne und ihre Enkelin Makaria als Schutz- flehende vor Demophon erschienen; das letz- tere Bild wurde von anderen allerdings dem Sikyonier Pamphilos (s. d.) zugeschrieben. Ungewöhnlich bestimmt und ergiebig sind die Äußerungen antiker Schriftsteller über Wesen und Verdienst seiner Kunst. Er gilt als der erste berühmte Tafelmaler (vor ihm gebe es kein Tafelbild, das die Augen fessele, sagt Plinius) und als unmittelbarer Vorläufer des Zeu.xis, woraus sich erklärt, daß das Motto [jLM(ATaeta( ti? jiaXXov r, \k\\xT<szxa.\ (Tadeln ist leichter als Bessermachen) beiden zuge- schriebe und ihr Verhältnis durch epigram- matisch formulierte Urteile beleuchtet wird (durch die von Apollodoros geöffnete Pforte der Kunst sei Zeuxis eingetreten, Zeuxis habe seinen Vorgängern die Kunst entrissen und mit sich genommen). Daß A. Skiagraphos genannt und diese Bezeichnung durch Skeno- graphos erläutert wird, läßt einen Zusammen- hang zwischen A. und Agatharchos deutlich erkennen: hatte dieser im Gebiete der Büh- nenmalerei, also im Architektur- und Land- schaftsbild nach Illusion gestrebt und dazu den Kontrast von Licht und Schatten ausge- nützt, so überträgt A. diese Neuerung auf die Figurenmalerei und wird der erste, der „leib- hafte Gestalten" (species) malt, der erste Ma- ler im eigentlichen Sinne.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstler. II 7J ff. — v. Rohden in Baumeisters Denkm. II 859. — Klein, Arch. epigr. Mitt. 12, 101 ff. — Ro- bert, Arch. Märchen 67 ff. — G i r a r d, Peint. ant. 201 f. — Pauly-Wissowa, Realenc. I 2897, 77 (Rossbach). Sauer.

Apollodotos. Der Name findet sich auf einem geschnittenen Stein mit dem Kopfe der Athena Parthenos des Phidias. Er bezeichnet den Besitzer, nicht, wie angenommen worden ist, den Gemmenschneider.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstler. II 692. — Pau- ly-Wissowa, Realenc. I 2898, 8 (Rossbach). — Furtwängler, Die ant. Gemmen II 185, 46, Taf. XXXVIII 46. Pernice.

ApoUoni, A d o 1 f o, röm. Bildhauer, geb. in Rom 1845, widmete er sich zunächst dem Stu- dium der Mathematik und der Ingenieurwis- senschaften, ging dann zum Studium der Bild- hauerkunst über, in der er nunmehr seine Schwärmerei für die klassische Antike sich ausleben lassen konnte. So wurden die An- tike selbst und neben ihr die Natur und das Leben die eigentlichen Lehrmeister des jungen Bildhauers, während er auf ausgedehnten Rei- sen nach Frankreich, England und Nordame- rika seinen Gesichtskreis erweiterte. In Ame- rika fand er zugleich Bewunderer seiner Bild- werke, wobei er mit zahlreichen weiteren Kunstaufträgen betraut wurde. Nach zwei- jähriger Abwesenheit kehrte er schließlich in die Heimat zurück, um sich dauernd in Rom niederzulassen. Mit gleicher Virtuosität be- herrscht er die verschiedenen Arten plasti- scher Aufgaben: Porträtreliefs. -Büsten, Statuetten, allegorische Figuren u. Gruppen, aber seine Hauptarbeiten sind dekorative Brunnen in reichbewegtem, bald klassizistisch, bald modern gemildertem Rokokoaufbaue. — Wollen und Können dieses Künstlers erinnert bis in Kleinigkeiten hinein an seinen deutschen Kunstgenossen Gustav Eberlein, obwohl viel- leicht keinerlei direkte Beziehungen zwischen beiden vorliegen.

A. Colasanti in L'Arte 1900 p. 380 ff. — Kunstchronik, N. F. III 110. — A. R. Wil- lard, Hist. of modern itol. Art (London 1902) p. 213. — Natura ed Arte 1907, 371 ff. (aus- führlich mit Abb.). R.

ApoUoni, s. auch Appolloni u. Appoloni.

Apollonides. Nach Plinius einer der bedeu- tendsten Gemmenschneider der hellenistischen Zeit, von dem jedoch kein einziges Werk auf uns gekommen ist. Die Steine mit seinem Namen sind sämtlich gefälscht.

Brunn. Gesch. d. gr. Kstler. II 602 f. — Archäol. Jahrb. IV 74. — Pauly-Wissowa, Realenc. II 121, 34 (Rossbach). Pernice.

Apollonio, Mosaizist in Venedig und Flo- renz. Vasari berichtet, Andrea Tafi habe ihn nach Florenz gebracht. Wir wissen hur, daß bei den Arbeiten in S. Marco ein ApoUonius pictor Florentinus 1279 genannt wird und daß ein Künstler des Namens auch in den Rech-

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Apollonio — ÄpoUonios

nungsbüchern des Florentiner Baptisteriums vorkommt.

V a s a r i, ed. Milanesi I- 333. — G a y e, Car- teggio II 37. Rintelen.

Apollonio, Maestro, Ornamentbildhauer in Venedig um 1561, vielleicht griechischer Ab- kunft, nur bei Zani (Enc. met. II 164) er- wähnt. H. V.

Apollonio da Capranica, italifn. Mi- niator, nur dem Namen nach erwähnt.

M i s s i r i n i, Stor. d. rem. Accad. di S. Luca, p. 461. •*

Apollonio dal Celandro, Miniator in Perugia um 1470. Erhielt vom Peruginer Magistrat den Auftrag, die dem Pietro di Galeotto übertragene Altartafel in der Ka- pelle der Frieren auszuführen. An der Tafel selbst hat er keinen Anteil ; jedoch hat er die Bildnisse der Prioren und ihres Notars auf dem Tympanon gemalt. Diese Arbeit mußte er laut Kontrakt in 15 Tagen ausfüh- ren, während für die Tafel selbst ein Jahr angesetzt war. Nach Gualandi vielleicht iden- tisch mit dem 1461 in Florenz tätigen Maler Apollonio.

Zani, Enc. met. VI 120. — Gualandi, Memorie IV 150. — O r s i n i, Lettere pittoriche Perugfne. — Mariott i, Lett. pitt. perug. VI 147. W. Bombe.

Apollonio, G i a c o m o, Maler in Bassano, geb. um 1583 aus vornehmer bassaneser Fa- milie, wurde in seiner Vaterstadt begraben 2. 12. 1654. Seine Mutter Marina war eine Tochter des Malers Giacomo da Ponte. — A. folgte ebenfalls der Schule seines Groß- vaters und seiner Oheime und wurde unter den Schülern der Bassani der bekannteste. Indessen blieb er, besonders in betreff des Kolorits, weit hinter seinen Lehrern zurück, da ihm nicht nur die klare Sicherheit des Pin- sclstrichs, sondern auch die Harmonie und Einheit der Tinten fehlten.

Von seinen vielen Arbeiten blieben nur drei erhalten, die ihm mit voller Sicherheit zuge- hören. Das eine Bild, in der Kirche S. Se- bastiano in Bassano, stellt die Hl. Sebastian, Veronika, Gregor, Rocchus, Vitus, Apollonia und Augustinus dar und trägt die Signatur : [lACOlB.s APOL. BAS. ||FACIEB. Das an- dere, in der Parochialkirche von Liedolo (Aso- lo), stellt die Madonna mit dem hl. Lorenz, dem hl. Carl und einem Stifter dar und ist signiert: lACs • APOLLONIVS • BAS- SAN.sislI • P • LANNO • MDCXIIII. Das dritte, in der Pfarrkirche von S. Eulalia (Aso- lo) mit der Himmelfahrt, S. Eulalia, S. Jo- hannes Evangelisia und S. Prosdocimus, trug früher ebenfalls die Signatur.

G. B. Verci, Notizie intomo alla vita de' pittori di Bassano, Venezia, 1775 p. 229. — Meyer, Kstlerlex. Gcrola.

Apollonio di Giovanni, s. Apollonio da Ripatransone.

Apollonio di Giovanni di Tomas o, geb. 1415, t 27. 9. 1465 (Testament v. 27. S. 1465 im Florentiner Staatsarch. in den Pro- tokollen des Ser Piero di Carlo del Viva). Wie aus der Kopie seines Werkstattbuches hervorgeht (vgl. Warburg, Jahrb. d. kgl. preuß. Kunstsammlung 1902 p. 248) hatte A. zusammen mit Marco del Buono (s. d.) ein Atelier für Hochzeits-cassoni und Deschi da Parto. Auch Cino Rinuccini erwähnt ihn in seinen Ricordi (publ. Ajazzi) p. 23 als Ver- fertiger seines Hochzeits-cassone. Warburg.

Apollonio, Marcantonio, Freskomalcr in Bassano, geb. 6. 9. 1653, f 17. 3. 1729. Man weiß, daß er in Bassano Fresken ausgeführt hat, aber jetzt ist kein Werk von ihm mehr vorhanden.

G. B. Verci, Notizie intorno alla vita de' pittori di Bassano. Venezia 1775 p. 230. Gerola.

Apollonio (Petrocchi) da Ripatranso- n e, ital. Holzbildhauer, wurde wahrscheinlich 1440 geboren. Sein Vater war Giovanni Pe- trocchi. Er vollendete 1471 zusammen mit dem Florentiner Tommaso den berühmten Chor in der Unterkirche S. Francesco in Assisi. Der Chor in Assisi erinnert in den Ornamenten sowohl an den Chor der Kirche S. Domenico in Perugia, der im Jahre 1476 angefangen ist, wie auch an die Manier des Meisters Paolino di Maestro Giovanni aus Ascoli, der in seiner Heimat den Chor der Kathedrale ausführte und zusammen mit Giovanni da Montelparo 1456 — 58 den Chor der Kirche S. Maria Nuova in Perugia arbeitete. Die Namen Apo- lonio und Paolino di Maestro Giovanni, die zuerst durch Emidio Luzi zusammengebracht wurden, weisen uns also mit großer Wahr- scheinlichkeit darauf hin, daß Apollonio der Schüler des Maestro Paolino war, der ihn nach Umbrien zur Arbeit mit sich ge- nommen hatte. Andere Nachrichten über das Leben des Apollonio gibt uns Carlo Grigioni. Am Ende des Jahres 1469 befand sich Apol- lonio in seiner Vaterstadt; kurz darauf be- gab er sich nach Assisi zurück. Aber nach- dem der berühmte Chor im April des Jahres 1471 fertig war, kehrte A. sofort nach Ripa- transone heim, wo er im August des genann- ten Jahres ein Grundstück kaufte und im Ok- tober noch eins neben dem ersten. Er starb 1476. Kein Werk des ausgezeichneten Mei- sters befindet sich in Ripatransone, sein Ruhm ist einzig durch den herrlichen Chor in Assisi für immer gesichert.

D. Emidio Luzi, Cenno storico critico descrittivo della Cattedrale Basilica di Ascoli- Piceno, 1894, p. 62—64. — Erculei, Catal. d. op. ant. d'Intaglio etc. (1885) p. 34. — Rivista d'Italia, a. II, fasc. 2, p. 277. — C. Grigioni in Rassegna bibl. dell' arte ital. a. IX 29—34. — Giornale di Erud. Art. I 355; III 280.

E. Calsini.

Apollonios I, Architekt trajanischer Zeit. Sohn des Ammonios aus Alexandria. Nach der

KünstlerlexikoD. Bd. II.

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ApoUonios

Inschrift CIG 4713c errichtet er bei Möns Claudianus dem Serapis einen Altar. Es ist dies die Stelle der eben damals entdeckten großen ägyptischen Granitbrüche östlich vom Nil, nicht weit vom roten Meere. Zur Zeit Hadrians und Trajans waren viele Sträflinge dort beschäftigt. Vielleicht war A. mit der Aufsicht des Ganzen betraut.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. II 341. — P a u - ly-Wissowa, Realenc. II 161, 118 (Fabri- cius). — Dierauer bei Büdinger, Untersuch, zur röm. Kaisergesch. I 132. H. Thiersch.

ApoUonios II, Architekt, tätig für das Apol- loheiligtum auf Delos nach einem ca. 180 v. Chr. erstatteten Rechenschaftsbericht der deÜ- schen Tempelverwaltung.

Bull. corr. hell. 1882, p. 24 (Zeile 197 ff.). — Pauly-Wissowa, Realenc. Suppl. I III (Fabricius). H. Thiersch.

ApoUonios III, Bildhauer hellenistischer Zeit aus Magnesia. Bekannt durch die Inschrift einer Basis, die auf Delos vor den großen Propyläen gefunden wurde und ein Weihge- schenk des xoivov Twv vTi(jtwT(ov an Apollon ge- tragen hatte. Von der Wende des 3. und 2. Jahrh. v. Chr.

L ö w y, Inschr. gr. Bildh. 211. — Pauly- Wissowa, Realenc. II 161, 119 (Robert).

Amelu ng.

ApoUonios IV, Bildhauer, Sohn eines Ar- chias, Marathonier aus hellenistischer Zeit. Be- kannt durch die Inschrift einer in Athen ge- fundenen Basis, die nach den Buchstabenfor- men ins 3. Jahrh. v, Chr. zu datieren ist. Da uns auch eine Künstlerinschrift eines Maratho- niers Archias (s. d.), Sohnes eines ApoUonios, erhalten ist, hat es augenscheinlich eine Künst- lerfamilie gegeben, in der diese Namen ab- wechselten, und zu der dann wahrscheinlich auch A. VIII gehört hat.

Overbecjc, Schriftq. 2218. — Löwy, In- schr. gr. Bildh. 144. — Pauly-Wissowa, Realenc. II 161, 120 (Robert). Amelung.

ApoUonios V, Bildhauer, Sohn eines Arte- midoros, Adoptivsohn eines Mcnekrates, aus Tralles in Karien. Er führte gemeinsam mit seinem Bruder Tauriskos (s. d.) eine Gruppe aus, in der die Brüder Amphion und Zcthos dargestellt waren, wie sie ilire Stiefmutter Dirke an den Stier binden, um sie zu Tode schleifen zu lassen. Dieses Werk — die An- gabe des Plinius, es sei aus einem einzigen Block gehauen, ist entweder nicht wörtlich zu verstehen oder törichte Cicerone-Weisheit — hatte zunächst in Rhodos gestanden und war dann nach Rom in den Besitz des Asinius Pol- lio gelangt. Eine Gruppe des gleichen Gegen- standes, ein Riesenwerk, hat man 1546 in den Thermen des Caracalla in Rom entdeckt; sie wurde ergänzt und zunächst im Pal. Farnese aufgestellt, kam aber später von dort mit der farnesischen Erbschaft ins Neapeler Mus. Daß diese Gruppe nicht aus einem Stein gehauen ist, würde nicht gegen die Identifizierung mit dem Originale sprechen, und so hat man denn bis

vor kurzem diese Identität als selbstverständ- lich angenommen, bis Studniczka überzeugend nachgewiesen hat, daß die Neapeler Gruppe, bekannt unter dem Namen „der farnesische Stier", nur Kopie sei, und daß der Kopist die ursprüngliche Komposition um die Figur der Antiope, den Berggott und all das kleinliche Getier an der Basis vermehrt habe. Das Ori- ginal enthielt also nicht mehr Gestalten, als Plinius nennt, mit Ausnahme des aufwärts- bellenden Hundes rechts. So wiederherge- stellt ergibt sich eine dramatisch aufs Äu- ßerste belebte und doch künstlerisch streng geschlossene Komposition, die sich von der des Laokoon nur dadurch unterscheidet, daß sie sich nicht rein reliefmäßig ausbreitet, sondern stark räumlich in die Tiefe ent- wickelt. ApoUonios und Tauriskos werden dann auch Zeitgenossen der rhodischen Mei- ster des Laokoon gewesen sein.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I 471, 495. — Overbeck, Schriftq. 2038. — Ders., Gesch. d. gr. Plastik II* S. '341 ff. — C o 1 Ii g n o n, Hist. de la sculpt. gi. II 532 ff. — Pauly-Wis- sowa, Realenc. II 161, 121 (Robert). — Stud- niczka, Zeitschr. f. bild. Kunst 1903 S. 171 ff. Amcluns.

ApoUonios VI, Erzbildner, Sohn eines Tau- riskos. Eine Basis mit seiner Signatur hat sich im Theater von Magnesia am Maeander ge- funden. Nach den Schriftformen gehört sie in den Beginn der Kaiserzeit. Demnach könnte der Vater dieses A. der eine von den Künstlern des „Stieres" selbst gewesen sein, oder er war der Sohn des anderen Bruders, dieser ApoUonios also der Enkel des vorigen. Auf der Basis stand eine Bronzestatue, ein Weihgeschenk für Dionysos Enagonios.

Hiller v. Gärtringen, Athen. Mitt. 1894 S. 37 ft'. — Inschr. von Magnesia No. 213.

Ameliins.

ApoUonios VII, Bildhauer, Sohn eines Nestor, aus Athen, Künstler des berühmten Torso vom Belvedere. an dessen Felsensitz sich seine In- schrift befindet. N^ch den Formen der Buch- slaben hat er in den letzten Jahren der römi- schen Republik gearbeitet. Der Torso wurde früher allgemein auf Herakles gedeutet, bis Sauer (s. unten) darauf hinwies, das Fell, mit dem der Sitz bedeckt ist und dessen Kopf auf dem linken Oberschenkel liegt, sei kein Löwen-, sondern ein Pantherfcll. Doch hat sich an Stelle der älteren keine neue über- zeugende Deutung finden lassen. Ebenso sind seither alle Versuche einer Ergänzung ge- scheitert. Mehr Ubereinstimmung herrscht in bezug auf die stilistische Würdigung des Werkes: A. war augenscheinlich Eklektiker; er kopierte nicht, sondern suchte durch Mi- schung verschiedener älterer Richtungen, die er durch akad. Studium kennen gelernt hatte, mit Geschmack, aber ohne Individualität et- was Neues zu schaffen. Zwei andere Inschrif- ten mit demselben Künstlernamen sind ge-

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Äpollonios — Aponte

fälscht. Identität mit Äpollonios IX ist nicht nachzuweisen.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I 542, 563 flf. — Löwy, Inschr. gr. Bildh. 343, 510, 511. — Sauer, Torso von Belvedere. — Pauly-Wis- s o w a, Realenc. II 162, 122 (Robert) ; alles wei- tere bei A m e 1 u n g, Katalog d. ant. Skulpturen im vatik. Museum II No. 3. Amelung.

Äpollonios VIII, Erzbildner, Sohn eines Ar- chias, aus Athen; Künstler einer bronzenen, vortrefflich gearbeiteten Büste, die den Kopf des polykletischen Doryphoros darstellt; sie wurde zu Herculaneum in der Villa dei papiri gefunden und steht jetzt im Neapeler Mus. (Brunn-Bruckmann, Denkm. 336). Die Buch- stabenformen der Künstlersignatur weisen auf den Beginn der Kaiserzeit. Wahrscheinlich stammt dieser A. aus derselben Familie wie A. IV (vgl. Archias).

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I 543. — Over- beck, Schriftq. 2217. — Ders., Gesch. d. gr. Plastik II* S. 434. — Collignon, Hist. de la sculpt. gr. I 495 ; II 635. — Löwy, Inschr. gr. Bildh. 341. — Pauly-Wissowa, Realenc. II 162, 123 (Robert). Amelung.

Äpollonios IX, Bildhauer. Er hat nach Chal- cidius an einem Goldelfenbeinbilde des kapi- tolinischen Juppiter gearbeitet. Meist wird willkürlich angenommen, Ch. habe seine An- gabe ausgeschrieben, etwa aus Cicero ; nur unter dieser Voraussetzung kann angenommen werden, jenes Bild habe in dem suUanischen Neubau gestanden, der 69 n. Chr. vollständig verbrannte. Von dem Bilde in diesem Tem- pel gibt uns eine Silbermünze des Galba eine deutliche Vorstellung; abgeb. Jahrb. d. Inst. 1898, S. 198, Fig. 4. Hat aber Ch. nicht abge- schrieben — und es liegt nicht der geringste Grund vor, das anzunehmen — so hat A. das Bild für den Neubau Domitians gearbeitet, der 82 n. Chr. geweiht wurde und bis zum 5. Jahrh. bestand. Die Zeusstatue, die Mi- chaelis zuerst für ein Werk des Äpollonios, dann wenigstens für eine Schöpfung seiner Zeit erklärt hat, und von der das Unterteil im Neapeler Mus. erhalten ist, hat weder mit Pasiteles noch mit Äpollonios etwas zu tun. Das erhaltene Unterteil ist dem entsprechen- den Teil einer Sarapisstatue, die aller Wahr- scheinlichkeit nach das große Sarapisbild des Bryaxis (s. d.) wiedergibt (Amelung, Rev. archeol. 1903 II, S. 13, No. 1), viel zu ähn- lich, als daß man die Originale beider nicht derselben Zeit, ja demselben Künstler zu- schreiben müßte.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I S. 543. — Overbeck, Schriftq. 2215. — Löwy, Inschr. gr. Bildh. zu 343 am Ende. — P a u 1 y -W i s - sowa. Realenc. II 162, 122 (Robert). — Mi- chaelis, Jahrb. d. I. 1898 S. 192 ff. — Ders. bei Egger, Codex Escurialensis S. 135 ff.

A melung.

Äpollonios X, Bildhauer der Kaiserzeit, aus Athen. Seine Signatur findet sich in den Falten eines Statuenfragments im Mus. zu

Sparta. Die Schriftformen stimmen nicht mit denen von A. VIII und A. X überein.

Löwy, Inschr. gr. Bildh. 336. — Pauly- Wissowa, Realenc. II 162, 124 (Robert). — Tod-Wae e, Catal. of the Sparta Museum S. 171 No. 363. Amelung.

Äpollonios XI, Bildhauer der Kaiserzeit, Ver- fertiger einer Apollonstatue, die bei Aricia in den Ruinen eines Tempels gefunden wurde, lange Zeit in der Sammlung Despuig auf Mayorca stand und bei deren Auflösung in die Glyptothek Ny-Carlsberg in Kopenhagen gelangte. Die Statue Lz eine elegant ausge- führte Marmorkopie des bronzenen archai- schen Apollon aus Pompei (Wolters, Jahrb. d. Inst. 1896, S. 1 ff.). Die Buchstabenfor- men der Inschrift, die sich am Stamm be- findet, stimmen nicht mit denen von A. VIII und A. IX überein.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstlr. I 544. — Over- beck, Schriftq. 2220. — Löwy, Inschr. gr. Bildh. 379. — Overbeck, Gr. Kunstmyth. IV S. 169 No. 4. — Pauly-Wissowa; Realenc. II 162, 125 (Robert). Amelung.

Äpollonios XII, Bildhauer der Kaiserzeit, Sohn eines Aineas. Bekannt durch eine in Smyrna gefundene Weihinschrift

Löwy, Inschr. gr. Bildh. 547. — Pauly- Wissowa, Realenc. II 163, 126 (Robert). — Gefälscht ist die Signatur eines A. an einer Ko- pie des einschenkenden Satyrs in Petworth-House : Löwy, a. a. O. 517. Amelung.

Äpollonios Xni, Gemmenschneider aus der ersten römischen Kaiserzeit. Von seinen Stei- nen zeigt einer den Kopf des Königs Asandros von Pontos (47 — 16 v. Chr.), der zweite eine vorzüglich gearbeitete Artemis. Leichte Un- terschiede in der Schrift der Künstlersignatur haben dazu geführt, die beiden Steine zwei verschiedenen gleichnamigen Künstlern zuzu- schreiben, ohne genügenden Grund.

Brunn, Gesch. d. gr. Kstler. II 423 f. — Archäol. Jahrb. III 320 ff. Taf. X3. — Pauly- W i s s o w a, Realenc. II 163, 127, Suppl. I III (Rossbach). — Furtwängler, Die ant. Gemmen II 234, 285; III 163, Taf. XLIX 8; LXIII 36. Pernice.

Äpollonios u. ÄpoUonius, s. auch Apollonia.

Äponte, Pedro de, aragon. Maler im 15. und im Beginn des 16. Jahrh., gebürtig aus Zaragoza. Nach lusepe Martinez bildete er seinen Stil an den aus Flandern und Deutsch- land nach Spanien gekommenen Gemälden und er wäre der erste gewesen, der in Spanien in öl malte. (Zapater machte ihn ohne Grund zu einem Schüler des Luca Signorelli.) Nach Martinez wurde er Hofmaler der katholischen Könige, denen er überallhin folgte, auch in das Kriegslager des Granada belagernden Heeres zu S. Fe. Er nennt ihn als Urheber der Kriegslist mit den gemalten Mauern des span. Lagers und sagt, daß er besonders im Porträt Ausgezeichnetes geleistet habe, so daß jede bedeutende Persönlichkeit seiner Zeit von ihm gemalt sein wollte. Von seinen Werken, von denen Martinez in Aragonien, Katalo-

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3*

Aponte — Appel

nien und Valencia vieles gesehen haben will, ist wie es scheint wenig oder nichts erhalten. Für die Pfarrkirche von S. Lorenzo in Huesca führte er die Gemälde eines im 18. Jahrh. zer- störten Altares aus, von denen V. Carderera Bruchstücke aufgefunden haben will. Für den Hochaltar der Magdalenkirche in Zara- goza, welchen Juan de Salazar 1505—14 ar- beitete, lieferte er das Hauptbild, das ihm 1517 mit 16 Golddukaten bezahlt wurde.

M a r t i n e z, Arte de la pintura S. 104. — Zapater, Apuntos histor. biogr. acerca_de la escuela Aragonesa. Madrid 1859. — V i n a z a, Adic. I 16, 20.3. — L e f o r t, Peint. espagti. S. 26.

M. V. B.

Aponte, Sebastian de, verfertigte die Chorstühle in der KoUegiatkirche S. Antolin zu Medina del Campo im 16. Jahrh. Sie sind mit dorischen Säulen geziert, die Rücklehnen enthalten gute Flachreliefs.

Cean BCrmudez, Dicc. I 41. — G o m e z, Escult. en Esp. S. 602. A

Aporta (A Porta), Andreas, Glockengie- ßer in Bregenz und Feldkirch, goß laut In- schrift 1705 gemeinsam mit Johann Baptist Ernst von Lindau Glocke I in St. Gallen- kirch.

Brun, Schweizer. Kstlerlex. H. V.

Apostoli, N i c o d e m o, Mönch u. Maler der 2. Hälfte des 17. Jahrh., von ihm ein Bild Christi in der Kirche S. Atanasio in Lithines (Sitia) auf Kreta.

G. Gerda, Monumenti veneti nell' isola di Greta II 311, Venezia 1908. G. Gerola.

Apostool, C o rn e 1 i s, geb. in Amsterdam 6. 8. 1762, t das. 10. 2. 1844. Direktor des Kgl. Museums, geschickter Dilettant im Ma- len und Stechen. Schüler Hendr. Meyers, den er nach England begleitete. Lebte lange in London, wo er 1791 — 94 Folgen von Aqua- tintablättern herausgab.

Meyer, Kstlerlex. (mit Oeuvreverz., dem noch die Originalrad. „Das Wehr unter der Brücke" zuzufügen ist). **

Apouz, Joseph, Genre- und Historienma- ler in Paris, geb. in Le Blanc (Indre), Schü- ler von Geröme, stellte in den Salons 1880 bis 1882 aus.

Bellier-Auvray, Dict. g6n. Suppl. H, V.

Apozzo, G a e t a n o d', neapol. Maler, nur aus einer Bittschrift von 1770 bekannt.

Napoli Nobilissima IX 75. G. Degli Aszt.

App, Bernd, arbeitete 1610 — 11 mit Hans Härtung d. J. die im Altlutheraner Kirchlein zu Wernigerode noch erhaltene Nikolaikanzel.

Gesch. -Qu. der Prov. Sachsen XV 610.

Hs. Loose.

App, Peter Wilhelm, Historienmaler, geb. in Darmstadt, wurde um 1820 auf der Akad. in München vorgebildet, dann in Düs- seldorf Schüler von Cornelius. Von ihm Karton zu einem Fresko „Urteil des Midas" für das Schloß des Herrn von Plessen in Eller bei Düsseldorf, ferner „Hermann, als Sieger zu den Seinigen zurückkehrend", Öl-

bild, 1841 in Darmstadt ausgestellt, „Luther auf dem Reichstag in Worms 1521" (von H. Anschütz lithogr.) und ein nach seiner Zeich- nung wohl von ihm selbst radiertes Blatt „Pius Vni. den Segen erteilend", Rom 1829.

Schaarschmidt, Zur Gesch. d. Düssel- dorfer Kunst, S. 50. — Meyer, Kstlerlex.

Board.

Apparicio, Abbe, portug. Maler, f 1787, wird von Cyrillo als erfolgreicher Dilettant in der Malerei erwähnt. Taborda dagegen nennt ihn den berühmten Porträtmaler.

Raczynski, Dict. p. 14. A. Haupt.

Apparicio, s. auch Aparicio,

Apparitio, angeblich Verfertiger eines kost- baren, mit Goldblech überzogenen und mit Elfenbein und edlen Steinen geschmückten Reliquiariums, das 1033 König Sancho d. ält. von Navarra, Kastilien und Aragonien für die Gebeine des hl. Millan im Kloster Suso her- stellen ließ. Man glaubte aus der bei vier kleinen Figuren befindlichen, teilweise ver- stümmelten Inschrift: „Apparitio Scholastico. Ramirus Rex. — tro et Rodolpho filio" Schlüsse auf die Künstlernamen ziehen zu können, doch läßt die Zusammenstellung des Namens A. mit dem König Ramiro eine solche Deutung sehr zweifelhaft erscheinen. Das Reliquiarium ist übrigens 1808 bis auf die Elfenbeinplatten mit Szenen aus dem Leben des hl. Millan zugrunde gegangen.

Cean Bermudez, Dicc. I 39. — Davil- lier, Orfevr. S. 161. A

Apparuit, Jacques, Hofmaler in Paris, t 23. 12. 1787 als 71 jähriger, nur urkundlich bekannt.

Herluison, Actes d'Etat-Civil etc. H. V.

Apparuti, Albert Leon, Landschafts- maler in Paris, geb. in Pouilly-sur-Saöne (Cöte-d'Or), Schüler von Harpignies, Du- bufe und Mazerolle, stellte in den Salons 1875 und 77 aus.

Bellier-Auvray, Dict. gen. Suppl. H V.

Appel, Amalie, geb. Tischbein, Miniatur- malerin. Von ihr im Museum zu Kassel das Miniaturporträt der Philippine von Hessen, bezeichnet: Amalie Appel nee Tischbein 1780.

E. W. Braun.

Appel, A r n o u t, geb. in Rotterdam 1645/46, wohnte 5. 4. 1670 in Amsterdam, als er Pie- ternel Kleurs heiratete (erstes Aufgebot). Er wird Maler genannt.

Oud-Holland III 59. E. IV. Moes.

Appel, Charles P., amerikan. Land- schaftsmaler, geb. 11. 7. 1857 in Brooklyn; studierte an der New York School of Art be- soaders unter Wm M. Chase und F. L. Mora.

Edmund von Mach.

Appel, Huybertus, geb. in Rotterdam 1647/48 von Eltern, welche 1673 in Dänemark wohnten. 21. 10. 1673 heiratete er (erstes Aufgebot) in Amsterdam Geertruy de Fruy- ter; er wohnte damals in der Körte Leidsche Dwarsstraat und wird Maler genannt.

Oud-Holland III 59. E. W. Moes.

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Appel — Appelman

Appel, Jacob, Maler, geb. in Amsterdam 29. 11. 1680, lernte 1690/92 Zeichnen bei Timotheus de Graef und erhielt 1692/94 Un- terricht im Malen bei David van der Plaes ; auch Albert Meyeringh ist sein Lehrer gewesen. Nach einigen Jahren zog er nach Haarlem und bewohnte dort zwei Jahre das Haus Kraainest außerhalb der Stadt, verweilte auch einige Zeit im Haag. Schließlich zog er wie- der nach Amsterdam und malte dort Porträts und ganze Zimmer, namentlich protegiert von George Clifford. Kurz nachdem er 1702 ver- heiratet war, zog er nach Zaandam, bis er sich 1705 in der Hoogstraat in Amsterdam als Maler von Gartendekorationen etablierte. Später siedelte er nach den Vijgendam über und starb in Amsterdam 7. 5. 1751. Das Kabinett in Amsterdam besitzt von ihm eine Zeichnung von 1725, eine Darstellung von Knaben, welche am Dreikönigsabend mit dem Stern herumziehen. Er war der Lehrer sei- nes Sohnes Jacob und einer der Söhne von Gerard de Lairesse, van G o o 1 II 158—165. E. IV. Moes.

Appel, Jacob, geb. in Amsterdam um 1719, war der Sohn und Schüler seines gleichnami- gen Vaters. 10. 4. 1741 kaufte er das Bürger- recht von Amsterdam, wo er als Dekorations- maler tätig war, und wo van Gool ihn 1751 wohnhaft nennt. Sein gezeichnetes Selbstpor- trät ist im Amsterdamer Kabinett.

van Gool II 164, 165. — Aemstels Oud- heid V 67. E. W. Moes.

Appel, Johannes den, Fayencier in Delft im 18. Jahrh. Er gehörte zu einer alten Keramikerfamilie, von der man schon 1659 einen „Plateelbacker" kennt. Er folgte Jo- hannes van der Kest als Besitzer der Manu- faktur „De Vergulde Boot" und wird auf der Liste der Plateelbakkers zuerst 1759 er- wähnt. 1764 machte er auf Befehl des Vor- standes sein Meisterzeichen, bestehend aus seinen Initialen: IDA. Auffälligerweise begegnet man sonst seinem Namen in den Urkunden niemals. Die Produktion des „den Appel" scheint nicht besonders schön ge- wesen zu sein, wenigstens sind die erhaltenen Proben grob und lassen zu wünschen übrig. — Ein dem seinen sehr ähnliches Monogramm- J D A (vielleicht nur eine Variante desselben) findet man auf einer kleinen polychromiertcn Fayencekuh,

Obreen, Archief I pl. I. — Havard, p. 355 No. 740. J. C. E. Peelen.

Appel, Karl, Tiermaler in Düsseldorf, geb. 10. 1. 1866 in Altona. Besuchte von 1888 — 1900 die Akademie in Düsseldorf, wo er Schüler von Eugene Dücker und Julius Bergmann war. Er bevorzugt besonders die Darstellung wilder Tiere. Bilder von ihm z. B. auf der Düsseldorfer Ausst. 1902 und 1904 und im Münchener Glaspalast 1906,

Schaarschmidt, Zur Gesch. d. Düssel- dorfer Kunst, S. 347 u. 48. Board.

Appel (auch Apelt und Aboldt geschrie- ben), Lorenz, Zinngießer in Nürnberg, am 17. 10. 1630 Meister geworden und 1658 ge- storben, war während der ersten Jahre seiner Laufbahn zu gleicher Zeit tätig wie Caspar Enderlein (vgl. den betr. Artikel), dessen bekanntes Zinntellerchen mit Doppeladler und Putten er nachgebildet bez. nachgegossen haben soll. Marke: Nürnberger Stadtwappen mit den Buchstaben L und A zwischen den Schrägbalken.

von Walcher-Molthein, „Deutsches und französ. Edelzinn aus zwei Wiener Samm- lungen" Kunst und Kunsthandwerk, Jahrg. VII (1904), S. 68 fg. — D e m i a n i, Fran^ois Briot, Caspar Enderlein und das Edelzinn, S. 63, 84 und Taf. 39. Demiani.

Appel, Paul(lus), Goldschmied in Nürn- berg, 1582 als Geschworener und Goldarbeiter in den Meisterbüchern aufgeführt und bis 1602 in den Ratsverlässen erwähnt; mutmaß- licher Verfertiger des schönen nieliierten bir- nenförmigen Pokals der Praunschen Stiftung im Germ., Mus. aus den 70er Jahren des 16. Jahrh. Nürnberger Beschau- und Meisterzei- chen ein Apfel, der auf Appel deuten dürfte.

Anzeiger d. German. Nationalmus. 1887 II 33. — T h. H a m p e, Nürnb. Ratsverlässe (Reg.) in den Quellenschr. z. Kstgesch. N. 7 XIII. H. V.

Appel, s. auch Apel,

Appelbaum, Gustav Adolf, Porträt- und Genremaler, geb. in Berlin-Fürstenwalde 2. 5. 1865, Schüler der Berliner AkadL beson- ders unter Prof. Hugo Vogel und Prof. Max Koner, studierte dann noch in München und Paris und nahm in den letzten Jahren seinen ständigen Aufenthalt in Meran.

Nach Angaben des Künstlers.

Dr. Franz Innerhof er.

Appeldoom, s. Apeldoorn.

Appelius, Jean, Porträtmaler in Middel- burg, dessen Bildnis von Jacobus Willemsen im Zeeuwsch Genootschap daselbst sich be- findet (R. Vinkeles sc. 1774). 1790 malte er in Middelburg Joannes de Fremery (G. Kockers sc). Außer Porträts hat er auch andere Gegenstände gemalt

L. B o m m e, Redenvoering, Middelburg 1878, 27. £. W. Moes.

Appelius, Oskar, Geh. Oberbaurat in Charlottenburg, geb. 11. 11. 1837 in Berlin, Schüler der dortigen Bauakad., dann Bau- führer bei M. Gropius, seit 1876 in der Mili tärbauverwaltung tätig, deren Chef im Kriegs- ministerium er seit 1897 ist. t 27. 9. 1904.

Zentralbl. d. Bauverw. 1904 S. 505. H. V.

Appeller, s. Apeller.

Appelman, B a r e n d, geb. im Haag 1640, war in Rom, wo er in der „Beut" Hector ge- tauft wurde. 1671 wohnte er in Amsterdam (urkundl. Notiz von A. Bredius). 1677 und 1681 war er „Hoofdman" von Pictura im

37

^ Appelman — Appelstaat

Haag. Er war Landschafter und malte auch ganze Zimmer, wie einen Saal im Schlosse Soestdijk. Später malte er auch den Hinter- grund auf Porträts von Jan de Baen. Von seinen sehr seltenen Gemälden findet man Landschaf- ten in den Mus. zu' Mainz und Nantes und bei Fürst Liechtenstein in Wien, alle mit vollem Namen bezeichnet, das letztere datiert 1671. Im Amsterdamer Kabinett ist eine gut gezeichnete Landschaft von ihm. Er starb im Haag 1686.

Houbrakenll .357, III 161. — Obreens Archief V 87. — Oud Holland III 59. E. W. Moes.

Appelman, G o n s a 1 e s, Kupferstecher in Köln, der dort 1689 ein großes Porträt des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz stach, und wahrscheinlich derselbe, von dem von 1671—1675 in Leiden Titel und Buch- illustrationen herausgegeben wurden. Daß er 1724 noch in Köln tätig war, wie Merlo an- gibt, geht aus dem Umstände, daß einer sei- ner Stiche in einem 1724 erschienenen Buche abgedruckt ist, nicht genügend hervor.

Merlo, Köln. Kstler., 2. Aufl. 1895 p. 43.

E. W. Moes.

Appelman, Jan, Architekt in Antwerpen, latinisiert Amelius. Dieser Name hat zu den verschiedensten Irrtümern Anlaß gegeben, die durch L. de Burbure (in der Biogr. nat. de Belgique) und A. Pinchart (Meyers Kstlerlex.) richtig gestellt worden sind. Nach ihnen ist nur sicher, daß Jan Appelman Baumeister in Antwerpen war und dort 1. 4. 1395 urkimd- lich nachweisbar ist, während 23. 9. 1395 be- reits seine Witwe genannt wird. Er war der Vater des bedeutenden Baumeisters Peter A. (s. d.), doch steht nicht fest, ob auch Jan A. bereits an der Kathedrale gearbeitet hat. M e y e r, Kstlerlex. *** Appelman, Peter, Baumeister in Antwer- pen, Sohn des A., kommt zuerst in einer Ur- kunde vom 30. 10. 1398 vor und war damals bereits über 25 Jahre alt. In den folgenden Jahren wird Peter A. nicht erwähnt, doch ist er wahrscheinlich der „Pierre Aplemain, tailleur d'ymages", der nach einer von A. Pinchart aufgefundenen Urkunde 1401 einige Monate beschäftigt war, die Ornamente an der Kirche des Karthäuserklosters in Dijon auszuführen. Bereits 1406 war Peter A. mit den Arbeiten am Chore der Kathedrale in Antwerpen beschäftigt. 1407 kommt sein Name noch einmal in einer Urkunde vor, dann aber erst wieder 1420 — 1433, öfters als Inhaber von Ehrenämtern und stets mit dem Titel „Meester", so daß er in seiner Vater- stadt Antwerpen eine geachtete Stellung ein- genommen haben muß. Er starb 16. 5. 1634 und wurde in der Georgskirche beigesetzt. Peter Appelmans Name ist mit dem Bau der Kathedrale in Antwerpen, den er durch viele Jahre leitete, eng verknüpft. Der Urheber des Planes derselben ist er jedenfalls nicht, da die ältesten Teile dieses hochbedeutenden

Werkes bereits dem 14. Jahrh. angehören. Während der Zeit seiner Tätigkeit wurde am Chor mit seinen Umgängen und den Quer- schiffen gearbeitet, auch der Bau des Mittel- schiffes stammt aus dieser Zeit, 1419 oder 1420 wurde der Chor, der häufigen Überschwem- mungen wegen beträchtlich erhöht. Zu glei- cher Zeit begann unter A.s Leitung die Fun- dierung des großen nördlichen Turmes, des- sen Erbauung so schnell gefördert wurde, daß bei des Meisters Tod (1434) beinahe die Höhe der zweiten Galerie erreicht war, um 1430 wurde mit dem südlichen Turme begonnen, dessen Weiterbau aber 1474 bei einem Drittel der geplanten Höhe unterbrochen wurde. A.s Nachfolger im Bau der Kathedrale wurde Jan Tac. Von anderen Arbeiten A.s ist nur bekannt, daß er 1431—1434 den Turm der alten Kollegiatkirche in Antwerpen wieder- herstellen ließ. Der 1414 mit Elisabeth Rey- ners geschlossenen Ehe Peter A.s entsproß nur ein Mädchen, das Jan Smit oder de Smet heiratete. Ihre Nachkommen führten jedoch häufig den Namen Appelman oder Ap- pelmans und im 16. Jahrh. finden sie sich als Smit, genannt Appelmans.

A. Pinchart in Meyers Kstlerlex. (ausführl. Artikel mit Lit.). ***

Appelmans, C. G., wenig bekannter Kupfer- stecher zu Antwerpen um 1633, stach Bild- nisse und Blätter für Buchhändler. Das von ihm gestochene Titelblatt zu den Allocutiones Gymnasticae Vicentii Guinisii, Antwerpiae 1633, mit der allegor. Figur der Beredsamkeit ist C A F. signiert ; ein Bildnisstich der Dich- terin Juliana Morell ist 1617 datiert.

Meyer, Kstlerlex. — N a g 1 e r. Monogr. I No. 2213. H. V.

Appelmans, Jacop, 1662/3 als Illuminator (verlichter) in den Antvverpener Liggeren ge- nannt.

De Liggeren II 337, 340. »**

Appelmans, J o o s, belg. Architekt, geb. 18. 4. 1837 zu Hai in Südbrabant, in Brüssel tätig, wo die 1862 vollendete, im romanischen Stil erbaute Fassade der Kapuzinerkirche von sei- ner Hand herrührt.

A. Pinchart in Meyers Kstlerlex.

Appelmans, Peter, Steinmetz in Antwer- pen, vielleicht Nachkomme des Baumeisters Peter Appelman, 1454 — 1470 an der Kathe- drale tätig.

A. Pinchart in Meyers Kstlerlex. (s. Arti- kel Peter Appelman II 185).

Appelmans, Peter, Steinmetz in Antwer- pen, wohl gleichfalls Nachkomme des Bau- meisters Peter Appelman. War 1477 — 1520 an der Kathedrale beschäftigt Seine Inschrift „Appelmans fecit" ist noch auf einer der höchsten Galerien des nördlichen Turmes der Kathedrale erhalten.

A. Pinchart in Meyers Kstlerlex. II 185.

Appelstaat (Appelstat), Christian Ja- kob, sächs. Hofmaler, starb 78 Jahre alt am

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Appelstädt — Appian

17. 12. 1736 zu Dresden. Nach ihm wurde gestochen : Ernst Diedrich Graf von Taube, kursächs. Kammerherr, Reichspfennigmeister. Bez. C. Appelstat pinx. M. Bodenehr sculp- sit Dresden 1695. Schwarzk. Fol.

Heinecken, Dict. — Sächsisches Kuriosi- täten-Kabinett 1737 p. 6. — M e y e r, Kstlerlex.

R. Bruck.

Appelstädt, Schweriner Kunsttöpfer. Zu .\nfang der 60er Jahre des 18. Jahrh. (viel- leicht 1763) erteilte Herzog Friedrich dem Töpfer A. auf der Vorstadt Schwerin ein Pri- vileg auf die Anfertigung von „Faiencen oder unächtem Porcellan" (die Fabrik hat bis tief in das 19. Jahrh. hinein bestanden). Aus seiner Hand sind mancherlei geschmackvolle Gefäße erhalten, meistens Tafelgeschirr, sie zeigen die Rokokoformen in reicher Durchbildung. Nicht alle Stücke sind bezeichnet, einige größere tragen die Marke: A. Sverin mit untergesetz- tem K. Die Stücke des Schweriner Mus. sind von Schlie a. u. a. O. beschrieben und z. T. abgebildet, auch die Marke ist dort faksimi- liert.

Kunstgewerbeblatt I 12 und V 87 (Schlie). — Brinckmann, Führer durch das Hamburg. Mus. f. Kunst u. Gew. 356. — Schlie. Kunst- u. Geschichtsdenkm. Mecklenbgs. II 630.

Mayhaum.

Appenmayer, Jacob, Goldschmied zu Vil- lingen (Baden) um 1651, restaurierte das alte Vortragskreuz, das laut Urkunde 1268 von Meister Johann, Goldschmied zu Freiburg ge- kauft worden war.

Fr. X. Kraus, Kstdenkm. in Baden. H. V.

Appenteger, Hans, Baumeister in Konstanz. Einer der fünf Baumeister, die 1424 von den ,, Gesellen von den alten Geschlechtern" be- auftragt wurden, das neue Trinkhaus „zur Katze" für die Patrizier zu bauen.

Kunstdenkmäler d. Großherzogt. Baden, Bd. I, Kr. Konstanz, p. 270 ff. De.

Appenzeller, Hans, Kanonengießer und Büchsenmeister Maximilians I. in Innsbruck 1499.

Mitteil. d. Zentralkommission Wien 1883 u. N. F. IX 61. **

Appenzeller, s. auch Apem'dller.

Apperley, O. W y n n e, junger englischer Maler, in Bushey, Herts., dessen sehr farbig gehaltenen Aquarelle mit Motiven aus Vene- dig und Holland in den letzten jähren auf den Ausstell, der Roy. Acadcmy, der Roy. Scottish Academy, der Baillie Galleries u. a. Beifall fanden. Eine farbige Reproduktion des Aquarells : Piazza San Marco bringt The Studio XXIX 250/1. **

Appert, A., französ. Radierer in Tusch- manier, war um 1840 in Paris tätig und führte Ansichten von Paris, London, Rom und Neapel im Stich aus, nach Lassus, Te- stard, Salathe, Chapuis.

Meyer, Kstlerlex. — Le B 1 a n c, Manuel.

/. Guibert.

Appert, Eugene, Maler, geb. in Angers am 28. 12. 1814, f in Cannes am 8. 3. 1867, Schüler von Ingres, stellte in den Pariser Salons zwischen 1837 und 1865 aus. Er malte sowohl Historien als Genre, Porträts, Tiere, Früchte, Blumen und Stilleben. Seine be- deutendsten Arbeiten sind: Nero vor dem Leichnam des Agrippa (1842) im Mus. von Montauban; Barmherzige Schwestern in der Krim (1855) im Mus. von Versailles; Papst Alexander IIL (1864) im Mus. des Luxem- bourg bis 1872; Vögel und Blumen für den Salon Bleu und den Salon Vert der Kaiserin Eugenie in den Tuilerien (diese Arbeiten beim Brande 1871 zerstört) ; 2 Stilleben im Mus. von Dijon; Schmetterlinge, trunkene Bacchantin, im Mus. von Angers; die trost- spendende Maria, Hilfe für die Jugend, Hilfe fiir das Alter, 3 Wandgemälde im Hospice general von Angers.

Olivser Merson, Notiz in La Grande Encyclop^die III p. 421. — Bellier-Au- v r a y, Dict. gen. I 20. Fraitfois Monod.

Appert, Pauline, geb. Lair, Pasteiiistin und Miniaturmalerin, geb. in Paris ISIO, Frau des Eugene Appert, Schülerin von Aubry, von Saint und von Granger. Sie stellte Porträts in Pastell und Miniatur im Pariser Salon 1831 und 1868 aus.

Bellier-Auvray, Dict. gen. I 20.

Frangois Monod.

Appian, Jacques Barthelemy, genannt Adolphe, französ. Maler u. Radierer, geb. Lyon 28. 8. 1818, f daselbst 29. 4. 1898. Er besuchte mit 15 Jahren die £cole des Beaux- Arts zu Lyon, wo er als Lehrer Grobon und Thierriat hatte. Beim Verlassen der Schule arbeitete er als Zeichner für Fabriken und er- öffnete in Lyon ein Zeichenkabinett. Er stellte im Salon von Lyon 1847 — 48 eine Ansicht der Umgegend von Marseille aus und schickte nach Paris 1853 ein Bild : Ruinen, und eine Kohle- zeichnung: Roger dans l'ile d'Alcyne. Um diese Zeit ermunterte ihn der Verkauf von zwei kleinen Bildern, sich der Malerei zu wid- men. Er sah bald in Paris bald in Opteroz die Maler Corot u. Daubigny, die dorthin zum Malen kamen und ihm Ratschläge erteilten. Im Osten und Süden Frankreichs sich seine Mo- tive suchend, stellte er fast regelmäßig in Paris und Lyon aus. Er erwarb sich in 10 Jahren, und besonders durch seine Kohlezeichnungen, ein Ansehen, das sich bis ins Ausland er- streckte. Er hat Ansichten aus dem Lyonnais, der Auvergne, Savoyen, vom Ain, dem Walde von Fontainebleau, der Dauphine, von Cremieu, Morestel und Opteroz gemalt. Bis gegen 1870 war seine Malweise harmonisch und breit, bisweilen grau und eintönig; nach einem Auf- enthalt, welchen er um diese Zeit an den Küsten der Provence machte, klärte sich seine Palette und er suchte und erreichte auch stär- kere Effekte. Seine Bilder wurden leuchten-

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Appian — Appiani

der und oft von auffallendem Kolorit. Bis zu seinem Tode malte oder zeichnete er so- wohl Landschaften, Fluß- und Seeufer, als auch Seestücke, die er in Collioures, Monaco, Venedig, überhaupt am Gestade des Mittel- meeres aufgenommen hatte. Ein fleißiger Ar- beiter, wie Appian war, hat er vieles hervor- gebracht: Gemälde, Kohle-, Bleistift- und Fe- derzeichnungen, Aquarelle und Radierungen. Das Journal Le Fusain hat eine große Zahl seiner Zeichnungen reproduziert. Die Zahl seiner breit behandelten und gleich Kohle- zeichnungen flüssigen Radierungen dürfte ge- gen 70 — 80 betragen. Cadart hat davon 25 in einer Sammlung vereinigt; Beraldi führt noch weitere 22 auf. Appian hat auch einige Landschaften nach Daubigny und eigenen Bildern lithographiert. Er selbst ist lithogra- phiert resp. radiert worden von E. Ciceri, E. Leroux, Joliet und einer Reihe anderer Radie- rer. In Paris bekam er 1868 eine erste Me- daille und wurde Ritter der Ehrenlegion '1892. Seine Werke sind in Sammlungen und Mus. zerstreut. Er malte 1891 im Treppenhause des Präfekten der Rhonepräfektur ein Wandge- mälde „Le soir, bords de la riviere d'Ain" ; das Palais Luxembourg hat von ihm ein Seestück: Umgegend von Monaco und eine Kohlezeich- nung: Retour des Champs, welche sich im Senat befindet. Im Mus. von Lyon ist er mit Le Retour du Marche (1859), '..'emps gris, marais de la Burbanche (1868) und einer Kohlezeichnung „Bords d'etang" (1894) schlecht vertreten. Er zeichnete: Appian.

Gaz. d. Beaux-Arts 15. 5. 1861, 1. 3. 1863. — Gilbert Hamerton, Etching a. Etchers, London 1868. — Meyer, Gesch. d. französ. Mal. u. Kstlerlex. — J. Martin, Nos peintres et sculpt. — Beraldi, Les grav. d. XIX siecle.

— F. Bournan, Ad. Appian (Revue d. Siöcle, Lyon septembre 1887). — T a i r i g, Nos pein- tres chez eux, Lyon 1888 p. 155. — L. J. E d - mond-Durand, Appian, aquafortiste (Rev. du Siecle, Lyon 1804 p. 129). — J. L. V i 1 1 o n. Ad. Appian (La Vie fran?. Lyon, 25 dec. 1897, 10 mai 1898). Dieselbe Revue vom 10. 1. 1899.

— E. V i a 1, Catalog. illustr. d. l'Expos. retro- spect. d. artistes lyonnais, Lyon 1904 und Dessins de trente artistes lyonnais du XIX siecle, Lyon 1905. E. Vial.

Appian, Louis, Sohn des Adolphe A., fran- zös. Maler und Radierer, geb. Lyon 18. 10. 1862, t daselbst 11. 12. 1896. Er war Schüler der Ecole der Beaux-Arts von Lyon, dann der von Paris unter Cabanel. Er stellte im Salon von Lyon zuerst 1886 ein Porträt aus, dann in Paris 1888 ein Porträt und eine Stu- die „La lecture". Er widmete sich vorwie- gend der Porträtmalerei, hinterließ aber auch Landschaften, die er in Bugey, der Provence und in .Algier, wo er krankheitshalber die letz- ten Jahre seines Lebens verbrachte, aufgenom- men hatte. Ferner auch Seestücke, Genrc- und Historienbilder, alles kühn gemalte Bil- der von schönem Kolorit. Er machte auch

ein Dutzend Radierungen, die Figuren oder Landschaften mit Figuren darstellen. Von seinen Werken sind noch folgende zu nennen : Selbstporträt ; Porträt des Malers Ad. Appian ; Le soir aux Martigues (Seestück). — Er zeichnete: Appian oder: L. Appian oder: Louis Appian.

Louis Appian (La Vie frang. Lyon 25 dec. 1896). — E. Vial, Catal. d. l'Expos. retro- spect. d. art. lyonnais, Lyon 1904. E. Vial.

Appiani, A m b r o g i o, Steinmetz in Porto di Morcote am Lago di Lugano, von wo er 1059 vor den Mordanschlägen eines gewissen Rossi nach Rom flüchten mußte. Dort ar- beitete Ambrogio A. gemeinsam mit seinem Oheim Andrea A. an den päpstlichen Bau- unternehmungen, bis 1664 noch erwähnt.

Bertolotti, Art. Lombardi a Roma II 164 f., cf. Art. Svizzeri in Roma. •

Appiani, Andrea, Bildhauer u. Architekt aus Porto Milanese (d. h. Porto Morcote am Lago di Lugano), zum ersten Male erwähn/t 1625 in Rom als Capo Mastro des Kardinals Borghese, für den er bis 1634 in Rom tätig war am Bau der Villa vor Porta del Popolo (an der Piazza Pinciana), an den Kirchen Madonna della Vittoria und S. Grisogono, an der Kirche zu Monte Compatri, endlich in Monte Fortino und in Cervetri. Sein Te- stament vom 17. 8. 1656 scheint A. noch um mehr als ein Jahrzehnt überlebt zu haben, wie aus den Prozeßakten seines Neffen Am- brogio A. von 1664 hervorgeht. Auf seinem Grabsteine in S. Silvestro e S. Martino zu Rom, datiert vom 17. 7. 1669, wird Andrea A. bezeichnet als „in marmoreo Vaticanae molis aedificio theatralis opifex".

Zani, Encicl. II 166. — Bertolotti, Art. Lombardi a Roma II 43, 164 — 165 ; cf. Artisti Svizzeri in Roma. *

Appiani, Andrea, lombard. Maler, gehörte mit dem Toskaner Benvenuti und den Rö- mern Camuccini und Landi zu jener Gruppe von Künstlern, die in Italien an den sta- tuarischen Stil des großen französischen Klas- sizisten J. L. David sich anschiossen und durch Wiederaufnahme des reineren Stiles der alten Griechen und der klassischen Italiener eine neue Renaissance der Kunst herbeiführen zu können glaubten.

Er wurde 23. 5. 1754 in Mailand geb. als Sprößling einer aus Bosisio stammenden Fa- milie. Nachdem er bei einem ganz mittel- mäßigen Maler den ersten Zeichenunterricht genossen hatte, wurde er von seinem Vater zur höheren Ausbildung seines Talentes dem Cavaliere Carlo Maria De Giudici zugeführt, einem 1733 zu Viggiu geborenen Maler und Bildhauer, der in jener Verfallszeit der Künste immerhin noch als ein einsichtsvoller Künst- ler gelten konnte. Der junge Appiani bestä- tigte seine vorzügliche Begabung durch äußerst rasche Fortschritte, namentlich in der Fresko- malerei, in der er sich überhaupt leistungs

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Appiani

fähiger erwies, als in der Ölmalerei. Beson- dere künstlerische Anregung erfuhr er durch die Ratschläge des Florentiner Malers Giu- liano Traballesi, dem er bei seinen Malereien in den kgl. Palästen zu Mailand und Monza als Gehilfe zur Seite stand, u. unter dessen Leitung er die Amor u. Psyche- Gemälde an der Decke der Rotonda des Schlosses zu Monza bereits selbständig auszuführen hatte. Schon damals wurde Appiani der „Pittor delle Grazie" genannt wegen der Anmut und schlichten Reinheit seines Stiles, der von den naturwidrigen Übertreibungen und der Neu- erungssucht der übrigen zeitgenössischen Ma- ler so völlig frei bUeb. Dabei fielen seine Kompositionen durch die Schönheit der Be- wegung und durch die Harmonie der Linien- führung ebensosehr auf, wie durch die Leb- haftigkeit der Erfindung und durch die Bfil- lanz des Kolorites, obwohl sich in letzterer Hinsicht ein gewisser Mangel an feineren Mitteltönen und eine etwas allzugroße Vor- liebe für breitere Flächenwirkungen bemerk- bar machte. Der junge Künstler kopierte eifrig griechische und klassisch-italienische Vorbilder, namentlich aber die Fresken des Correggio, gerade als wollte er sich bereits für seine eigenen späteren Kuppelmalereien in S. Maria sopra S. Celso vorbereiten, mit deren Ausführung er 1792 beauftragt wurde. In der Tat eignet Appianis Evangelisten und Kirchenvätern, wie sie die letztgenannten Kup- pelfresken zeigen, in Haltung, Ausdruck und Charakteristik die ganze Würde hieratischer Figurenmalereien ; seine Engelgestalten sind in allen Altersstufen höchst graziös bewegt, die Zeichnung ist korrekt und rein, der Dar- stellungsstil grandios. In diesen Malereien offenbart sich also deutlich der Geist und das Studium klassischer Vorbilder. Ihre Vollen- dung fällt in das Jahr 1795.

Napoleon I. ernannte Appiani zu seinem ersten italienischen Hofmaler und beauftragte ihn mit der Ausführung von Malereien im Palazzo Reale zu Mailand. Außer verschie- denen mythologischen Fresko-Zyklen malte der Künstler dort an der Decke des Thron- saales Napoleon als Jupiter und Beherrscher des Erdballes, während er an den Wänden desselben Saales die 4 Herrschertugenden (Stärke, Gerechtigkeit, Klugheit und Mäßi- gung) zur Darstellung brachte. Die Fresken sind signiert mit der Inschrift „A. A. 1808".

1810 schmückte Appiani sodann die soge- nannte Sala rotonda desselben Palastes mit der allegorischen Freskodarstellung „Hymen und Pax", sowie mit mythologischen Szenen aus der Legende von Amor und Psyche (voll- endet von Hayez u. Palagi) ; diese letzte- ren erinnern jedoch allzu lebhaft an Raffaels Psyche-Zyklus in der Villa Farnesina zu Rom. In einem anderen Saale des Palazzo Reale

malte Appiani ferner einen Chiaroscuro-Fries mit Napoleonischen Schlachten- und Zeremo- nienbildern, in denen er ein besonders starkes und lebendiges Kompositionstalent bekundete. In der ViJla Reale endlich hinterließ der Künst- ler sein letztes Fresko-Werk, das in der An- nmt seines Darstellungsstiles zugleich als sein ]\Ieisterwerk zu betrachten ist, einen Parnaß mit Apollon Kitharoedos und den neun Mu- sen, voll bezeichnet mit der Inschrift „An- dreas Appiani f. MDCCCXI".

Dieser großen Anzahl von Werken der Fresko- bezw. Tempera-Malerei steht eine nicht minder große Zahl von Ölgemälden Ap- pianis gegenüber. In der St. Martinskirche zu Alzano Maggiore bei Bergamo sieht man von seiner Hand ein großes Ölgemälde mit der Begegnung Jakobs und Raheis; dieses Bild ist jedoch ziemlich kraftlos in der Farbe und zu schwarz in der Schattengebung, so daß es unsere frühere Behauptung von der geringeren Begabung des Meisters in der Öl- malerei vollauf bestätigt. Ferner besitzt die Brera-Galerie in Mailand eine ganze Reihe von Bildern A.s, die im Gabinetto Appiani vereinigt sind. Außer einigen Bildnissen malte der Meister mythologische, historische und religiöse Stoffe mit der gleichen reichen Sach- kenntnis, Phantasiekraft und Formvollendung, war auch als Lithograph tätig und hat einige Medaillen gezeichnet, die von C. Lavy, Man- fredini und anderen ausgeführt wurden. Er starb, nachdem er schon 1813 durch einen schweren Sclilaganfall arbeitsunfähig gewor- den war, am 8. 11. 1817.

Monographien : L. Lamberti, Descriz. dei dipinti a buon fresco eseguiti dal Cav. A. Ap- piani, nella Sala del Trono del R. Pal. di Mi- lano 1810. — Allocuzione di Giov. Berchet nei funerali del pittore A. A. etc. Milano 1817. — Gius. Longhi, Elogio stor. di. A. A. 1826. — Fumagalli, Elogio del Cav. A. A. Milano 1835 (Atti deir Accad. delle Belle Arti in Mi- lano). — Gius. Beretta, Le Opere di A. A. 1848. — Em. Belgiojoso, Guida del Fa- medio nel Cimitero monument. di Milano 1888.

Allgem. Lit. : Serie di Vite e Ritratti di famosi personaggi degli Ultimi tempi. Milano 1818. — L. B o s s i, Guide des etrangers ä Milan etc. Milan 1819. — A. C a i m i, Delle arti del di- segno etc. nelle prov. di Lombardia. Milano 1862 p. 46 f. — Incisioni delle opere del pitt. A. A. pubbl. da M. B i s i 1820. — Fasti di Na- poleone dipinti del cav. A. A. pel salone del pal. reale di Milano. 35 tav. inc. da Longhi, Rosaspina etc. fol. o. J. — Descrizione dell' opera a fresco eseguita nel 1795 nel Tempio di S. Maria presso S. Celso in Milano dal pittore A. A. Milano 1797 und 1803. — Meyer, Künst- lerlex. (mit Verz. d. Lithogr. u. der nach A. ge- stochenen Blätter). — Cat. della R. Pinacoteca di Milano 1892 p. 138 u. Einleitung p. 10 fT. — Natura ed Arte II 331, 524, XVIII 331, 526. — L. Forrer, Dict. of Medall. — A. R. Wil- lard, History of mod. ital. Art. 1902. — La Pittura Lombarda. See. XIX. 1900 p. 27 fF. u. Reg. p. 19. B. Magni.

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Appiani

Appiani, Andrea, d. J., italien. Maler, geb. in Mailand 1817, f 18. 12. 1865. Groß- neffe des berühmten Empire-Malers gleichen Namens, kam er frühzeitig nach Rom, um dort unter Minardi die Malkunst zu studieren. In seinen beiden Preisbildern „Konradin von Schwaben auf dem Schafott" und „Auffindung Mosis" noch völlig von seinem ersten Lehr- meister abhängig, geriet er später unter den für seine künstlerische Selbständigkeit nicht weniger verhängnisvollen Einfluß des Fran- cisco Hayez. Neben einigen weiteren Hi- storienbildern (,,Boas u. Ruth" für den Kai- ser von Österreich, „La povera Maria" für den König von Italien gemalt u. a. m.) wer- den namentlich seine Fresken in der Kirche von Bolbeno (Tirol) rühmend erwähnt.

Meyer, Kstlerlex. — P e 1 1 s, Guida pitto- rica p. 89. — C a i m i, Le arti del disegno p. 60.

H.

Appiani, Francesco, Maler aus Ancona, geb. am 29. 1. 1704, f am 2. 3. 1792, Schüler des Dom. Magatta u. des Franc. Trevisani. Unter dem Einflüsse des letzteren zeigen ihn das Altarbild des S. Francesco di Paolo in S. Salvatore zu Foligno u. des S. Giuseppe in S. Maria della Minerva zu Assisi. Seit etwa 1742 ist er in Perugia, u. hauptsächlich als Fresko- maler tätig. 1773 erhält er das Bürgerrecht von Perugia. Für sein Bild „Der Tod des hl. Dominicus", das er in den ersten Jahren sei- nes Peruginer Aufenthaltes für S. Sisto vecchio in Rom ausführte, erhielt er die große goid. Medaille. Um 1766 malte er in Fresko die Figuren von 6 Tugenden im Chor des Do- mes zu Perugia, 1778 vier Evangelisten im Querschiff, von 1782 bis 89 zwanzig Apostel- u. Heiligenfiguren in den Längsschiffen. 1780 bis 1781 malte er die Tribuna und die Kup- pel von S. Francesco in Perugia aus. Über seine zahlreichen sonst noch in Perugia ausge- führten Malereien berichtet ausführlich Siepi. Unter diesen sind erwähnenswert : In S. Pietro eine S. Scholastica, in der Misericordia eine Madonna mit dem S. Carlo Borromeo und Papst Silvester, und