ARCHIV

FÜR

NATURGESCHICHTE

GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN, FORTGESETZT VON W. F. ERIC HS ON.

!N VEllBm DUNG MIT

PROF. Dr. LEUCKART IN GIESSEN

UND

PROF. Dr. R. WAGNER IN GÖTTINGEN

HERAUSGEGEBEN

VON

Dr. f. H. TROSCHEI.,

PROFESSOR AN DER FRIBDRICH-WILHELMS-UNIYERSITÄT ZU BONN.

SECHS UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.

Erster Band*

Mit dreizehn Tafeln.

Berlin,

Nicolais che Verlagsbuchhandlung.

(G. Parthey.)

1860, .

Inhalt des ersten Bandes.

Seite

Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. Von Dr.

August Krohn. Hierzu Taf. I. Fig. 1 3 . . 1

Beschreibung einer Oestridenlarve aus der Haut des lUenschen.

Von Dr. Ed. Grube. Hierzu Taf. I. Fig. 4. 5 . . 9

Ueber eine neue Art Trigla aus China, welche in die Abthei- lung der Lyren gehört. Beschrieben von Prof. Dr. Kaup 17

Ueber zwei vermuthlich neue Chilenische Enten und über Frin-

gilla barbata Mol. Von Dr. R. A. Philippi . . 24

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. Von Dr.

Albert Günther. L Die kaltblütigen Wirbelthiero . 29

Polypen und Quallen von Santa Catharina. Philomedusa Vog-

tii n. sp. Von Fritz Müller. Hierzu Taf. IL Fig. 1. 57

Ueber die Schale und die Larven des Gasteropteron Meckelii.

Von Dr. August Krohn. Hierzu Taf. IL Fig. 2 und 3 64

Tetrapedos, neue Sauriergattung. Von Prof. Jan in Mailand. Briefliche Mittheilung an den Herausgeber. Hierzu Taf. IL Fig. 4—12 69

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. Von Dr. Ed. Grube. Fünfter Beitrag. Hierzu Taf. III— V. (Poly- noe , Spinther , Amphinonie , Staurocephalus, Phyllodoce, Syllis, Sylline , Spiophanes, Heterocirrus , Cirratulus, Cly- mene, Maldane, Terebella, Amphicteis, Polycirrus, Sabella^ Serpula, Saenuris ...... 71

Ueber einen neuen Fisch. Briefliche Mittheilung an den Her- ausgeber. Vom Fürsten zuSalra-Horstmar . . 119

Alepidosaurus, ein Meerwels. Von Dr. A. Günther . 121

Anabas trifoliatus n. sp. Von Prof. J. Kaup. Hierzu Taf. VI.

Fig. A 124

Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae. Beschrieben

und abgebildet von Prof. J. Kaup. Hierzu TaL VI. Fig. 1. 128

Ueber die Chaetodontidae. Von Prof. J. Kaup . . 133

Seite

lieber Kalkablagerung in der Haut der Insekten. Von Franx

Leydig in Tübingen. Hierzu Taf. VII. Fig. 1 3 . 157

Bithynis, ein neues Genus der langschwänzigen Krebse von ür.

R. A. Philipp! in Santiago .... 161

Uel)er Distoma appendiculatum R. Von Dr. G. R. Wagen er. Briefliche Mittheilung an Prof. Dr. R. L e u c k a r t. Hierzu Taf. VIII und IX 165

Beitrag zur Phyllopoden- Fauna der Umgegend Berlins, nebst kurzen Bemerkungen über Cancer paludosus Müll. Von Dr. B. V. Dybo WS ki. Hierzu Taf. X . . .195

Leptopterygius, neue Gattung der Discoboli. Vom Heraus- geber. Hierzu Taf. VII. Fig. a— d . . .205

Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten der Fulgorinen - Gat- tung Poiocera Lap. Von Dr. A. Gerstaecker. Hierzu Taf. XI und XII 210

Ueber die Locustinen - Gattung Gryllacris Serv. Von Dr. A.

Gerstaecker . . . . . . 225

Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel aus den Ge- schlechtern Piocellaria und Capriniulgus. Von Dr. R. A. Philipp! und L u d w. Landbeck in Santiago . . 279

Notiz über eine neue Antilope. Von Dr. J. E. Gray . . 285

Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien und Bemer- kungen über die Organisation und Fortpflanzung der Po- lythalamien. Von Prof. Max Schultzein Bonn . 287

Das Kolonialnervensystem der Mooslhiere, nachgew!esen an Se- rialaria Coutinhi! n. sp. Von Fr!tz Müller in Desterro. Hierzu Taf. XIII 311

Ueber Oxybeles gracilis Blkr. Von Dr. C. L. 1) oleschall.

Uebersetzt vom Herausgeber ..... 319

Auszug aus den Untersuchungen am Miltelmeere. (Siphonopho- ren, Sipunculus, Doliolum). Von Dr. VV. Ke ferste in und E. Ehlers 324

Ueber das Ammengeschlecht Corymorpha und seine Arten, nebst den von diesen aufgeammten Medusen. Von M. Sars. Uebersetzt vom Herausgeber ..... 341

Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien.

Von Dr. August Krohii.

(Hierzu Taf. I. Fig. 1-3).

Die Resultate, die wir in neuerer Zeit, Dank sei es den Arbeiten von B n r ni e i s t e r ^ ) , S p e n c e ß a t e ^ ) und Darwin ^) , über die Entwiclielung der Cirripedien erhalten haben, sind so erfreulich, dass wir uns schon jetzt eines Ueberblickes der mannichfaltigen Umwandlung-en, die das Jun^e von der Geburt bis zur vollendeten Gestalt er- fährt, rühmen könnten, 'wäre nicht eine fühlbare Lücke noch unausg-efüllt. Es ist nämlich noch immer nicht bekannt, durch welche Zwischenstufen die während der ersten Ent- Avickelungszeit mit den Jugendformen der Entomostraceen, namentlich der Copepoden, in so vielen Beziehungen über- einstimmende Larve , in die spätere cyprisähnliche Gestalt übergeht. Es war mir während meines Aufenthaltes in Funchal , so wie später in Messina vergönnt , einigen Auf- schluss über diese noch unaufgeklärten V^erhältnisse zu er- halten. Ehe ich meine Beobachtungen darüber mittheile, halte ich es für nöthig, zuvörderst die Gestalt, in welcher die Larve während der ersten Entwickelungsperiode er- scheint, zu beschreiben, und hierauf noch einzelne Organe, die ihr in der spätem cyprisähnlichen Form eigen , näher zu besprechen.

Auf einer gewissen Entwickelungsstufe, nachdem die

1) Beiträge zur Naturgesch. der Kankenfüsser. 1843.

2) On the development of Ihe Cirripedia in Annais of natural history, Vol. 8. 2. ser., 1851. p. 324.

3) iMonograph on the sub-class Cirripedia 2 Vol. 1851 et 1854. Archiv f. Naturg, Jahrg. XXVI. 1. Bd. 1

2 K r 0 h n :

Larve seit dem Ausschlüpfen aus dem Ei , an zwei - bis dreimal sich gehäutet, unterscheidet man an ihr einen brei- ten , vorne häufig abgestutzten, nach hinten zu sich ver- schmächtigenden Yorderleib , auf den zwei über einan- der nach hinten sich erstreckende schmächtige Fortsätze folgen (Fig. 1). Der obere Fortsatz hat die Form eines gerade gestreckten , oft sehr langen Stachels , der untere stärkere läuft allmählich verjüngt in ein gabelförmig ge- theiltes Ende aus , und ist , namentlich in späteren Stadien, einer Beugung und Streckung fähig. Ich bezeichne ihn vorläulig als schwanzförmigen Anhang ^). Der Leib ist auf der Rückseite von einem Panzer oder Schilde bedeckt, des- sen Vorderecken in zwei dünne , an den Spitzen mit ein- zelnen gekrümmten Borsten versehene Ilörncr ausgezogen sind 2). An der Unterseite ist der Leib mit drei Paar Ru- derfüssen und einem mitten zwischen den letzteren frei vor- springenden rüsselariigen Fortsalze versehen. Dicht hinter dem Yorderrande des Rückenschildes schimmert aus der Tiefe ein kleines , von dunkelem Pigment umhülltes , mit einer vorragenden Linse versehenes Auge hindurcii. Es ruht dieser Ocellus mitten auf dem Vorderrande eines deut- lich demarkirten, dicht an der Bauchfläche gelagerten, den Oesophagus ringförmig umfassenden Gebildes (Fig. 3), das ich für nichts anderes als für die Centralmasse des Nerven- systems oder für den Schlundring halten kann. Die Ru- derbeine, von denen das vorderste Paar einfach, das mitt- lere und hinterste in zwei Aeste getheilt sind, sind reich- lich mit langen theils einfachen, theils zierlich geliederten Borsten besetzt (Fig. 2). Mitten auf dem Ende des rüssel- förmigen Fortsatzes ist der Mund angebracht, der in einen engen, durch die Achse des Fortsatzes sich erstreckenden, und durch die Oeffnung des Schlundringes in den Vorder- leib sich einsenkenden Oesophagus führt. Der übrige Theil

1) Nacti den Ficpinen zu Bate's Abliandlung muss ich glauben, dass dieser Foisclier den Starlielfojtsatz für eine Verlängerung des gleich zu erwähnenden Rückenschildes ansieht, was gewiss unrichtig.

2) Burm eiste r und Darwin halten diese Hörner für Fühler, aber mit Unrecht, wie sich später ergeben wird.

Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. 3

des Nahrungskanals durchzieht den Leib in gerader Rich- tung, schwillt mitten in diesem Verlaufe zu einer rundlichen Erweiterung an, und endet mit einem rückseits am Anfange des schwanzförmigen Anhangs gelegenen After (Fig2) ^).

In der zweiten Entwickehingsperiode ist die Larve bekanntlich in ähnlicher Weise wie die Gattung Cypris, von einem zweiklappigen Panzer oder einer Schale umhüllt. Sie besitzt zwei zusammengesetzte und ein einfaches Auge, und ist an der Unterseite des hinteren, dem Thorax im aus- gebildeten Thiere entsprechenden Leibestheils , mit sechs Paar in zwei Aeste gespaltener Schwimmfüsse versehen. Dem Ende dieses Leibestheils sitzt ein sehr kurzer schwanz- artiger Fortsatz (Abdomen Darw.) an, der mit zweien den Aesten der Schwimmbeine ähnlichen Anhängseln versehen ist. Besonders erwähnenswerth sind noch zwei stark ent- wickelte Gliedmassen, die vorne am Leibe, in der IN'ähe der zusammengesetzten Augen, entspringen. Mit ihrer Hülfe schreitet die Larve zu Zeiten einher, und mittelst ihrer setzt sie sich zuletzt, wenn der Zeitpunkt ihrer letzten Me- tamorphose herangerückt ist, auf fremden Körpern fest ^j.

Die beiden zusammengesetzten Augen liegen ganz seit- wärts, dicht unter den entsprechenden Klappen der Schale, in der vorderen , bei den Lepadiden später grösstentheils

1) Die Ilörner des Rückenschildes und den Slachelfortsatz ab- gerechnet, konunen sonach die Cirripedienlarven sowohl im Aeussern als auch im innern IJauc mit den Jugendgestalten der Cyclopiden, wie selbige uns durch die ireniichc Abhandlung von Claus (Zur Ana- tomie und Enlwickelungsgeschichte der Copepoden, dies Arcti. 1858. p. 1) bekanntgeworden sind, nahe überein. Es zeigt sich diese üeber- einstimmung nicht nur in der gleichen Zahl und einer analogen Be- schatFenheit der Riideriusse , sondern auch in der Structur des Auges (vergl. Claus 1. c. Fig. 64 u. 66), in der Anordnung des INahruugs- schjauches und in der Anwesenheit einer dem rüssel förmigen Fort- satze gleichzustellenden sogenannten Mundkappe. Dem schwanzför- migen Anhange der Cirripedienlarven aber entspricht der hintere Lei- besabschnitt der Kaupliusform der Copepodenlarven , wie sich später herausstellen wird.

2) lieber diese Periode vergl. die äusserst genaue und gründ- liche Darstellung von Darwin, (Vol. 2. p. 110— 123).

4 K r 0 h n :

in den Stiel auswachsenden Leibesportion. Sie bestehen aus einer dunkelen Pignicntmasse, in welche mehrere rundliche Krystallkörper tief eingesenkt sind, und einer äussern Hülle, die in Form einer Cornea über die Krystallkörper sich hin- überzieht, stimmen also im Baue mit dem Auge der Daphnia- den überein.

Das einfache Auge liegt in der Mittellinie, höher ge- gen den Rücken hin und etwas hinter den zusammenoresetz- ten Augen. Es ist, wie sich später ergeben wird, der von der früheren Periode her stammende Ocellus. Es besteht aus einer derben, von einer schwarzbraunen Pigmentmasse ausgefüllten Kapsel, enthält aber, wie es scheint, keine Linse mehr und ist so auf ein bloss Licht und Dunkel unter- scheidendes Organ reducirt. Bei der letzten Metamorphose geht es in die junge Cirripedie über, Avie es denn bekannt- lich selbst bei völlig ausgewachsenen Cirripedien, nament- lich den Lepadiden, immer leicht nachzuweisen ist.

Die sechs Paare später zu den Ranken sich umgestal- tender Schwimmfüsse bestehen aus einem Stiele, von dem die beiden schon erwähnten Aeste abgehen, deren Endglied mehrere sehr lange, zweizeilig gefiederte Borsten trägt. Die beiden Anhängsel des Caudalfortsatzes oder Abdomens, sind an den Enden mit granz ähnlichen Borsten besetzt.

Die beiden Gang- oder Haftbeine bestehen aus vier Gliedern, von welchen das dritte zu einer Scheibe verbrei- tert ist , während das sehr kurze Endglied der oberen Fläche des scheibenförmigen Gliedes und zwar ganz seitwärts unter einem rechten Winkel ansitzt (siehe Darwin PL 30. Fig. 8). Beim Gehen, wobei die Beine abwechselnd bald vorgestreckt, bald nachgezogen werden, drückt sich das scheibenförmige Glied, gleich einem Saugnapfe, dem Ge- genstande so fest an , dass selbst das Hinaufkriechen längs polirten Flächen, wie die Wände eines Glases, dadurch ermöglicht wird. Mittelst derselben scheibenförmigen Glie- der heftet sich das junge Thier, wenn es sich zu seiner letzten Metamorphose anschickt, auf fremden Körpern fest ^).

1) Wie schon Darwin nachgewiesen hat, findet bei dieser Anheftung eine förmliche Verkittung mit dem fremden Körper mit-

Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. 5

Nach diesen Erörterungen gehe ich nun zu meinen Beobachtungen über.

Den Uebergang in die cyprisähnliche Form habe ich an zwei Larvenarten beobachtet, von vs^elchen die eine mir während meines AiiFenlhaltes auf Madeira, in verschiedenen Entwickelungsstadien zur Ansiclit kam. Sie stammt wahr- scheinlich von einer Balanide.

Bei älteren Larven dieser Art (Fig. 1) ist der Vor- derleib von ansehnlichem Umfange , der Rückenschild am Vorderrande mit zwei massig langen Hörnern , am Hinter- rande mit zwei schräge aufwärts gerichteten, bei jüngeren Larven noch fehlenden Stacheln ausgerüstet. Der schwanz- förmige Anhang ist halbweges etwa gegen sein Ende hin, mit vier ansehnlichen, seitlichen, paarig vertheilten Dornen bewehrt, und übertrifft , namentlich in seiner vorderen nun verdickten Hälfte, den Stachelfortsatz um ein Ansehnliches an Stärke. Bei noch weiter vorgerückten Larven erscheint der Rückenschild vergrössert und stark gewölbt.

Eines Tages wurde eine grössere, noch weiter ent- wickelte Larve derselben Art eingefangen, deren nähere Untersuchung Folgendes ergab. Der Rückenschild zeigte sich gegen früher in so weit verändert, als er nun tiefer nach unten hinabrcichte, und so von beiden Seiten aus den Leib umhüllte. Der schwanzförmige Anhang erschien in seinem vorderen längeren, etwas über die erwähnten paa- rigen Dornen hinausreichenden Abschnitte stark aufgetrie- ben. An der Unterseite dieses Abschnittes Hessen sich

telst einer leimartig zälien , aus den Haftscheiben hervordringenden Substanz statt. Dieser liittartige Stoffe oder das Cement wird den Haftscheiben von zwei Kanälen (den Cenientgängen) zugeführt, die sich durch die Achse der Gangbeine bis zu zwei im Leibe gelegenen wurstförniigen Massen, die Darwin für die das Cement bereitenden Drüsen ansieht, verfolgen lassen (siehe Darwin p. 116 u. 122). D a r- win's Untersuchungen lehren ferner, dass die Verkittung während des Wachsthums der Cirripedien ununterbrochen vor sich geht, und dass in dem Maasse als die Anheftungsfläche (unteres Stielende der Lepadiden oder Schalenbasis der Balaniden) sich vergrössert, auch der Cementapparat sich immer weiter ausbildet.

6 K r 0 h n :

durch die Haut hindurch sechs dicht hinter einander gereiliete Paare Fortsätze, von denen jeder aus einem verhältnissmässig- langen Stiele und z^^ei von diesem ab- gehenden kurzen, abgerundet endigenden Aeslen bestand, unterscheiden. Dicht hinter dem letzten Paare schimmerte nocii ein viel kürzerer Fortsatz mit z^vei den Aesten der längeren Fortsätze ähnlichen Vorsprüngen hindurch. Beide Vorsprünge so wie die erwähnten Aeste zeigten sich mit dünnen Ausläufern oder Fäden besetzt , die sich als die Anlagen eben so vieler Borsten zu erkennen gaben. Ueber die Bedeutung dieser Fortsätze konnte ich nicht lange in Zweifel bleiben; es waren ofienbar die in der Entwicke- lung begriffenen Schwimmfüsse und die Anlage des Cau- dalforlsatzes der späteren cyprisähnlichen Form. Es er- gab sich sonach , dass der ganze aufgetriebene Theil des schwanzförmigen Anhangs als die Anlage des künftigen Thorax zu betrachten sei. Jederseits in orleicher Linie mit dem früheren , nun grösser gew ordenen , von einem sehr dunkeln Pigment umhüllten einfachen Auge , w urde ein rundliches Gebilde unterschieden , das nu.-hrere zer- streute gelbröthliche Pigmenlablagerungen enthielt. Es drängte sich .mir sogleich die Vermnthung auf, dass beide Gebilde wohl nichts anderes sein könnten, als die Anlagen der zusammengesetzten Augen , was sich auch bald bestä- tigte , indem es gerade an derselben Larve glückte , die allmähliche Umbildung in die cyprisähnliche Gestalt zu beobachten.

Am dritten Tage nach dem Einfangen der Larve, sah ich den Rückenschild nach hinten zu so weit verlängert, dass er nun auch die ganze vordere Abtheilung des schwanz- förmigen Anhangs überdachte. Das einfache Auge zeigte sich von noch grösserem Umfange , während die Pigment- ablagerungen in den Anlagen der zusammengesetzten Augen, nun dichter zusammengedrängt und von dunkler, schwärz- licher Farbe erschienen. Die Schwimmfüsse hatten sich weiter ausgebildet.

Am Morgen des vierten Tages fand ich das Thierchen bereits umgewandelt, was, wie zu erwarten, nicht ohne Abstreifung der früheren Larvenhülle erfolgt war.

Bcobachlungen lihor die Entvvickclimg der Ciiripedien. 7

Hatte sich nun nacli diesen Beobachtiiniien rnit Evi- denz herausg-ostellt, dass beim Ueberoan^e in die zweite Entwirkelung-speriode der Rückenschild in den zweikhip- pioen Panzer, der ganze vordere Al)sclinitt des schwanz- i()rniigen Anliangs in den Thorax sicli umwandele , so blieb es doch noch ganz ungewiss , aus w eichen Theilen wohl die Gang- oderllaftbeine sich hervorgebildet haben moch- ten. Den näheren Aufschluss hierüber erhielt ich erst später in Messina , an der Larve einer anderen nahe ver- wandten Art, die in einem sehr weit vorgerückten Stadium eingrefano-en wurde und deren Umwandlung- schon am Abend desselben Tages erfolgte. An dieser Larve, in deren zu- sammengesetzten Augen bereits die einzelnen in die Pig- mentmasse eingebetteten Krystallkörper deutlich zu erkennen waren, glaube ich mich bestimmt überzeugt zu haben, dass die Haftbeine aus dem vordersten Paare der Ruderfüsse hervorgehen. Das Ende jedes dieser Füsse zeigte sich nämlich zu einer Scheibe verflacht, der ein Endglied ganz in der Weise wie es an den Haltbeinen der Fall, anzusitzen schien ^).

Nach den eben mitgetheilten Ergebnissen kann eine von Bur meist er beobachtete Lepaslarve (1. c. p. 16. Tab. L Fig. 3 et 4), die sowohl von diesem Forscher als auch von Darwin (L c. p. 109) für den Repräsentanten einer der cyprisähnlichen Form unmittelbar vorausgehende Entwickc- lungsstufe angesehen wird, nicht mehr als solcher gelten. Sie ist bereits, wie Burmeister's dritte Figur deutlich zeigt, mittelst der Haftfüsse angeheftet, besitzt eine zweiklappige Schale, weicht aber dadurch wesentlich ab, dass sie slalt sechs nur drei Paar Schwimmfüsse hat, von welchen das vorderste angeblich ungespallen ist. Ich kann demnach diese Larve für nichts weiter als für ein verstümmeltes

]) Es erweist sii^li demnach die Ansicht von Ijuiineister und Darwin, nacli welcher die llörner des Rückenschildes zu den Ilafibeinen (prehensile anteiinae Darw.) sich umbilden sollen , als irrthiiftilicli. Die Hörner werden, wie ich mich überzeugt, unverän- dert mit der Larvenhülle abgeworlen. Was bei der Umwandlun<( aus den beiden hintern liuderfiisspaaren wird, ist mir gänzlich unbekannt.

8 Krohn: Beobacht. üb. d. Entvvickel. tl. Cinipedieii.

oder, was noch wahrscheinlicher, für ein monströses Exem- plar halten.

Ich erlaube mir am Schlüsse auf eine in Messina be- obachtete noch jung-e Cirripedicnlarve , die wahrscheinlich einer Lepadide angehört, aufmerksam zu machen. Der Rückenschild ist, wie Fig-. 2 zeigt, fünfeckig-, auf der Ober- seite mit einem starken, mit der Spitze nach hinten ge- krümmten Stachel, an den Rändern mit mehreren symmetri- schen, theils längeren, theils kürzeren Zacken bewehrt. Der Stachelfortsatz des Leibes ist ungemein lang, der noch we- nig entwickelte schwanzförmige Anhang läuft in ein spitzes, nach oben umgebogenes Ende aus. Die Länge der Larve beträgt 3 Mllm.

Erklärung der Abbildiiugeii.

Fig. 1. Muthniasslich von einer Balanide stammende Larve, von der Rückseite. Von den Riiderfüssen sieht man nur das mittlere Paar und den einen Vorderfuss vorgestreckt. a. Rückenschild. b, b. Hörner des Rückenschildes. c. Auge. d. Stachelfortsatz des Leibes. e. schwanzför- miger Leibesanhang.

Fig. 2. Sehr junge Cirripedicnlarve, der Herkunft nach wahrschein- lich eine Lepadide. Von der Rückseite, a bis e wie in Fig. 1. f. Nahrungskanal.

Fig. 3. Ein Theil des Vorderleibes der Larve von Lepas anatifera, nach der ersten Häutung. Starke Vergrösserung. a. die Centralmasse des Nervensystems. b. der Ocellns. c, c. die beiden Hörner des Rückenschildes.

Bonn, den 19. September 1859.

Beschreibung einer Oestridenlarve aus der Haut des Menschen.

Von Dr. Ed. Grube.

(Hierzu Taf. I. Fig. 4 u. 5).

Nachdem die Frage über die Existenz eines Oestriis hominis ausführlich von Ke ferst ein erörtert'"*) und durch Sammlung und Prüfung der darauf bezüglichen Beläge da- hin entschieden ist, dass es in Südamerika in der That Oe- striden giebt, die nicht selten auch auf die Haut des Men- schen ihre Eier absetzen, und deren Maden in ihr sich weiter entwickeln, war es nun zunächst wünschenswerth, dergleichen Larven genauer kennen zu lernen. Goudot ist meines Wissens der einzige, der eine solche und zwar einer Cuterebra angehörige beschrieben hat : die Beschrei- bung ist nur kurz, nicht denen entsprechend, die wir von den europäischen Gattungen besitzen und von keiner Abbildung begleitet: ich werde später darauf zurückkommen, zunächst aber, da ich so glücklich gcAvesen bin, eine aus der Haut eines Menschen geschnittene Oestridenlarve , in Weingeist zu erhalten, das Historische über diesen Fall berichten und durch eine genauere Beschreibung den Anforderungen der W^issenschaft zu entsprechen versuchen. Es ist Herr Dr. von Frantzius dessen in Breslau unternommene Arbei- ten der wissenschaftlichen Welt wohl bekannt sind, und der nun in St. Jose in Costa ricca lebend und von dort aus sein lebhaftes Interesse an der Zoologie bethätigend, die-

■") Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien Bd. IV. 1856. p. 637.

10 Grube:

ses in jenen Gegenden nicht seltene Thier meinem hochge- scliätzten Collegen, Herrn Professor von M i d d e 1 d o r p f d. j. eingeschickt hat. Indem ich darüber berichte und den Brief des Herrn Dr. v. B'rantzius mittheile, entspreche ich der gefälligen Aufforderung des ersteren.

„Den 24. Juli 1858, schreibt Dr. v. Fr an tz ins, hatte ich zum ersten Male Gelegenheit die Dasselbeule bei einem Menschen zu beobachten. Ein zwanzigjähriger junger Mensch, der vor fünf Wochen eine Reise nach dem Hafen Puntare- nas gemacht hatte, bemerkte sogleich nach seiner Rückkehr eine kleine röthliche bohnengrosse Geschwulst in der Ge- gend der linken falschen Rippen. Diese Geschwulst ver- grösserte sich allmählich , und öffnete sich 8 Tage nach seiner Ankunft in Alhalzuela , worauf beständig eine wäs- serige Flüssigkeit heraussickerle (diese Flüssigkeit soll ge- impft eine den Schutzblattern ähnliche Pustel erzeugen: leider erfuhr ich dies zu spät, um diese Angabe durch den Versuch zu prüfen). Erst vor einer Woche erkannte der Vater des jungen Menschen , dass es eine Dasselbeule sei. Letzterer hatte während der ganzen Zeit die Bewegungen der Made deutlich gefühlt und ausserdem nur etwas Jucken empfunden. Man konnte jetzt sehr deutlich in der Oeff- nung das spitze Hintertheil der Made erkennen, die sich schnell zurückzog, wenn man die Stelle berührte und nach einiger Zeit wieder zum Vorschein kam.

Um das Thier unverletzt herauszuschaffen, führte ich in die Oeffnung eine Hohlsonde ein, und schlitzte die beinahe hühnereigrosse , harte, ziemlich geröthete Hautgeschwulst mit einem gekrümmten spitzen Bistouris auf. Obgleich die Oeffnung ungefähr einen Zoll lang war, so sass das Thier mittelst seinem Borstenringe so fest in seiner Höhle, dass ich einen ziemlich starken Druck zu beiden Seiten der Ge- schwulst ausüben musste, um dasselbe vollständig heraus- ziehen zu können. Die geAvöhnliche Methode der Einge- bornen , die Thiere zu entfernen , besteht darin , dass sie, ohne vorher die Oeffnung zu erweitern, durch blosses star- kes Drücken die Geschwulst oder zugleich die Made zum Zerbersten bringen, Avobei entweder die Made selbst, wenn sie noch klein ist, oder deren Eingeweide weit herausschnei-

Beschr. einer üestridenlarve aus der Haut d. Menschen 11

len. In meinem Falle heilte die von mir gemachte Wunde in wenigen Tagen wieder zu.

Nachdem ich die Made herausgezogen hatte , konnte ich mich leicht überzeugen, dass es eine wahre Oestriden- larve war. (Die Larve anderer Dipteren habe ich sehr häufig in zahlreicher Menge in vernachlässigten eiternden und übelriechenden Wunden beobachtet.) Sie hatte 9 Linien Länge im zusammengezogenen Zustande nach dem Tode und 4 Linien Breite an der dicksten Stelle.

Der Name bei den Eingebornen für das Thier , wel- ches die Dasselbeule erzeugt, ist Torcel (sprich Torssel), wahrscheinlich von di^m specilischen Worte „torcer, sich drehen, Avinden" abgeleitet, da die Larve sich in der Beule beständig hin - und herwindet.

Das Vorkommen der Dasselbeule bei Menschen ist hier eine so gewöhnliche Erscheinung, dass sich fast ein jeder Eingeborne derartige Fälle gesehen zu haben erinnert. In- dessen ist der Verbreitungskreis des Thieres ein auf die wärmeren , niedrigen und feucht gelegenen Gegenden be- schränkter , besonders in der Nähe grosser Viehheerden ; jedoch findet sich dasselbe auch mitten im Urwalde , in grosser Entfernung von Rindviehheerden. Leute aus hie- siger Gegend haben an verschiedenen Orten Dasselbeulen bekommen , sowohl jenseits der Gebirgskette am Sarasiqui und San Carlosflusse, als auch in den niedrigen Thalebenen des Rio grande und auf dem Wege nach Puntarenas. Die Leute wissen hier sehr wohl, dass es eine Fliege ist, die ihr Ei unter die Haut legt, woraus die Torcel entsteht. Bei wiederholten Nachfragen bei Personen , die viel mit Rind- vieh in Berührung kommen , was besonders bei den Be- wohnern der an Viehweiden reichen Provinz Guanacaste der Fall ist , hörte ich einstimmig die Meinung äussern, dass dieselbe Fliege , welche das Rindvieh angreift und hier die so häuhg vorkommenden Dasselbeulen erzeugt, auch den Menschen verfolgt. Es ist daher unwahrschein- lich, dass es eine besondere Art von Dasselfliegen giebt, die ausschliesslich auf Menschen schmarotzt, und der der Name Oestrus hominis zukommen sollte , besonders, da es auch anderweitig bekannt ist, dass Oestruslarven , die auf

12 Grube:

bestimmten Thieren, wie z. B. beim Pferde oder Rind schma- rotzen, aiisnalimsweise auch auf anderen Thieren vorkom- men und sich sogar auch bis auf den Menschen verirren, was in Europa freilich nur selten beobachtet wurde, wozu aber in Amerika, wo die Dasselfliegen überhaupt häufiger sind, weit melir Gelegenheit gegeben ist wegen der leichten und unvollkommenen Bekleidung und der offenen Wohnun- gen der Eingebornen. Auch mag der Umstand viel dazu beitragen, das ungestörte Eierlegen dem Thiere zu erleich- tern, dass in den hiesigen Gegenden die Leute während der heissesten Tagesstunden in ihren Hängematten zu schla- fen pflegen.

Was die Körperstellen betrifft , die vorzugsweise von der Fliege zum Eierlegen gesucht werden, so ist es be- sonders der Rumpf und Kopf. Bei einem Eingebornen ent- stand an der Nasenspitze eine Dasselbeule, die einen wü- thenden Schmerz verursachte , der ihn 14 Tage lang kein Auge zuthun Hess und von dem der Gequälte erst erlöst wurde, nachdem man die Torcel entfernt hatte."

Die Made, wie sie jetzt vor mir liegt, ist stumpfspin- delförmig, hinten länger ausgezogen, etwas bäuchlings ein- gekrümmt, mit flachem Bauche und sehr gewölbtem Rücken, und hat eine schmutzig weisse Farbe mit etwas bräunlichem Anfluge. Sie misst gerade gestreckt 9% Linien und an der breitesten Stelle, am 5ten und 6ten Segmente SVa Linie rhein. An dem winzigen Kopfe kann man zwei kleine mit horniger Kuppe versehene Stummelchen an jeder Seite der Stirn als Fühler betrachten, viel mehr fallen die schwarzen hakigen abwärts gebogenen Kiefer ins Auge, zwischen de- nen unter einer schwachen Wulst die Mundöffnung. Aus- ser dem Kopfe unterscheidet man nur 10 freie Segmente, das Ute hinterste ist eingezogen. Von diesen Segmenten sind das Iste, den Kopf an Grösse kaum übertreffende, und die hinteren 3 (resp. 4) stachellos, die übrigen 7 gürtel- weise mit schwarzen gekrümmten Stacheln besetzt. Das 2te und 3te Segment ist einfach und trägt bloss am Vorderrande Stacheln, das 4te bis (incl.) 7te Segment aber durch eineRük- kenquerfurche in ihrer' oberen Hälfte 2-ringelig; und jeder Ring trägt Stacheln und zwar der hintere des 4ten Seg-

Beschr. einer Oestridenlarve aus der Haut d. Menschen. 13

ments entschieden grössere, am 5ten und 6ten beide gleich grosse. Es ist immer nur der vordere Halbgürtel , der sich an der Bauchseite fortsetzt , und hier wie oben aus 2 Reihen von Stacheln besteht, während der hintere ein Halb- gürtel bleibt und seine Stacheln mehr 1 - als 2reihig aus- sehen. Hinter ihm bemerkt man am 4ten, 5ten und 6ten Segmente noch eine weniger ausgebreitete Ouerreihe von Rückensfrachelchen ganz nahe der hinteren Segmentgrenze, welche unbedeutender sind und sich durch die Richtung der Spitze unterscheiden : bei den Gürteln und Halbgürteln ist dieselbe nach hinten, bei diesen Querreihen hingegen nach vorn gerichtet. Dem 7ten Segmente fehlt der hintere Halbgürtel : es hat nur den vorderen vollen Gürtel und die hinterste Querreih'e. Der Körper verdickt sich rasch bis gegen das 5te Segment und verjüngt sich vom 6ten an wieder langsamer , indem namentlich das lOte Segment eine ganz cylindrische Form annimmt und eben so lang als breit wird.

Segment II bis IX incl. tragen eine sehr in's Auge fallende Auszeichnung , nämlich R ü c k e n s c h i 1 d e r von meist querovaler Form und braunschwarzer Farbe, und zwar Segment II bis VI incl. und IX nur eines, die andern aber deren zwei, eines hinter dem anderen. Bei Segment II bis V incl. sitzt das Rückenschild auf der vorderen Partie des Rückens, bei V auf dem vorderen Ringel , bei den übrigen dagegen , auf denen zwei vorkommen , befindet sich das stärkere dunklere rfngsum deutlicher abgesetzte querovale auf dem hinteren Ringel , Avährend auf dem vorderen ein lichterbraunes mehr kreisrundes und nicht so breites auftritt.

Am 4ten, 5ten, 6ten Segmente sehe ich ferner an der Bauchwand je eine Querreihe von vier dunkelbraunen nie- drigen Querhöckerchen, deren beide mittelste einander nä- her als den äusseren stehen : an den übrigen Segmenten sind sie nur angedeutet und ganz blass und klein wie blosse Male. An der Rückenhälfte jederseits von den oben- beschriebenen Schildern linden sich zwei ähnliche , weit auseinander gerückte Male und an der Randkante der fla- chen Bauchseite wiederum eins, das an Segment VI und VII grösser und brauner ist, so dass ausser den Rückenschil- dern also jederseits fünf hornige Stellen an jedem Segmente

14 Grube:

vorkommen ; sie erheben sich meist auf kleinen Beulen und machen die Oberfläche uneben. Die des Rückens stehen auf den vorderen Ringeln der Segmente.

Hintere Athemöffnungen sind jetzt gar nicht wahrzu- nehmen: das Segment, das sie sonst trägt, ist hier ganz eingezogen und zeigt nur eine quere, sternförmig gefaltete von einer ansehnlichen Wulst umgebene Oeff'nung, die ich nicht zu erweitern im Stande bin, so bleiben die in dem da- hinter befindlichen Räume gelegenen Sligmen und der After verborgen : übrigens sind sowohl der Ringwulst der OefT- nung als der Rand des Endsegments von winzigen SpKzcheu' rauh. Vordere Athemöffnungen glaube ich auf der hin- teren Grenze des Istcn Seoments zu sehen: ich linde hier zu beiden Seiten des Rückens eine tiefe halbmondförmige Querfurche oder Grube , auf deren Boden eine versteckte von gelben Körnchen eingefasste Ouerspalle liegt. Auch diese Partie lässt sich ^^ eder durch Hervorziehen noch durch Erweiterung genauer untersuchen.

Nach der von Brauer gegebenen gründlichen Aus- einanderselzung der verschiedenen Madenformen der Oe- striden *") würde unsere Larve zu denen zu bringen sein, welche mit deutlichen Kieferhaken bewaffnet sind, kann also kein Hypoderma sein , mit deren Arten sie doch den Aufenthalt in der Haut theilt. Unter den mit solchen Kie- ferhaken versehenen, haben die Cephalomyien und Cephe- nomyien freiliegende hornige Stigmenplalten an der abge- stutzten Endfläche des letzten Segments, und unter dieser springt noch ein dicker kurzer und stumpfer Zapfen nach hinten vor , an welchem die Afteröffnung , Gastrus hinge- gen versteckte Stigmen , allein der Raum , in dem diese sich beflnden, ist durch eine Querspalte mit glatten ziem- lich harten Lippen geöflnet, bei unserem Thiere ist sie eng zusammengezogen und von weicher strahlig gefalteter Haut umgeben. So bleiben noch die ebenfalls in der Haut le- benden und mit Kieferhaken versehenen Larven der Gattung

■'^) Verhaiidhingen der zoologisch - botanischen Gesellschaft in Wien 1858. p. 401.

Beschr. einer Oeslridenlarve aus der Haut d. Menschen. 15

Cutorebra zur Vergleichuiig übrig : ^vir besitzen von G o ii- dot •") die Beschreibunu der Made von Cuterebra noxialis, doch hat er das Hinterende nicht näher in's Auge gefasst, ebensowenig die Beschafl'enheit der vorderen Stigmen, wel- che nur bei Gastrus versteckter, bei den anderen an der Oberfläche liegen. Auch die Gestalt ist nicht genauer be- schrieben : unsere Larve ist weder nach hinten verdickt wie bei den Gastrus und Cephalomyien, noch vorn dicker als hinten und dabei gestreckt und walzig wie bei den Ce- phenomyien, wo sich die grösste Breite zur Länge wie 1 : 4 bis 5 verhält, sondern ähnelt mehr den Hypodermen in ihrer Gedrungenheit, nur mit dem Unterschiede, dass sie nicht so kurz tonnenförmig, sondern hinten ausgezogen ist; und mit einem cylindrischen Segmente endet. Ueber die Gestalt und Verlheilung der Stacheln lässt sicli Goudot dahin aus, dass die drei ersten Seo;mente mit schwarzen Rauhigkeiten und sehr kleinen Häkchen besetzt seien , die drei folgenden Segmente je 2 Gürtel von ebenfalls schwar- zen aber stärkeren nach hinten gerichleten Häkchen tragen, die 5 hinteren vollkommen o-latt seien. Dies stimmt mit unserer obigen Beschreibung durchaus nicht überein, und was man besonders erwägen muss, würden wohl, wenn bei der iMade der Cuterebra noxialis hornige schwarze Rücken- platten vorhanden gewesen wären, diese mit Stillschweigen übergangen sein ? Dies lässt sich um so weniger anneh- men, da sie bei keiner einzigen Larve der anderen Gattun- gen beobachtet , also doppelt auffallend sind. Nur darin scheinen noch beide übereinzustimmen , dass die Stachel- chen nicht soAvohl wie bei den Gastrus, Cephalomyien und Cephenomyien harte gelbliclic Papillen mit schwarzer hor- niger Spitze , sondern durchweg hornig und schwarzge- färbt sind.

Aus allem Angeführten geht hervor, dass unsere Larve nicht zu Cuterebra noxialis gehört , dass also ausser dieser (dem eigentlichen Gusano oder Nuche) , noch eine andere südamerikanische , vielleicht nicht auf Costa ricca

■") Annales des sciences naturelles III. serie Zoologie 1845. III. p. 221.

16 Grube: Beschr. einer Oestridenlarve ii. s. w.

beschränkte Oestride leben muss, die in der Haut von Rin- dern und Menschen schmarotzt, und nach der Verschieden- heit der Larve zu urtheilen , wohl gar einer anderen Gat- tuno- angehört. Das Recht , sie zu benennen , wird dem Entdecker der betreffenden Fliege zustehen, ich muss mich l)eg-nügen Abbildung und Beschreibung der Larve gegeben zu haben.

Erklärung der xibbihluiigen.

Fig. 4. Die Made unserer Oeslride von der Rückenseite, ver-

grössei't. Fig. 5. Dieselbe von der Bauchseite, vergrössert.

Breslau im August 1859.

lieber eine neue Art Trigla aus China^

welche in die Abtheilimg- der Lyren gehört.

Beschriebe» von

Prof. Dr. Raup.

Ich theile die Triglen in folgende Abtheilungen:

A. Cavillonen. Kleine Arten , welche die Länge von 4^ 5 Zoll nicht überschreiten. Ihre Lateral wie die ziemlich grossen Schup- pen rauh. Der Kopf fällt steil ab, allein weder der Brust- ring noch der Operkelstachel ist übertrieben lang.

Hierher: aspera , phalaena , papilio, sphinx , vanessa, Richardson.

B. Seehähne oder S ee s ch walbe n.

Gleichen alle der Hirundo, zeigen einen schief abfal- lenden Kopf, keine auffallende Stacheln am Praeoperkel, Operkel und Brustring. Die Pectoral lang und breit, dunkel mit lichteren Strahlen auf der Aussenseite ; auf der inneren Seite nach den unteren Strahlen hin häufig auf der Innen- seite mit einem dunklen weissgetüpfelten Fleck. Die La- teral aus längeren glatten Tuben bestehend. Schuppen des Körpers klein.

Hierher: fiirundo *") , microlepidota , Kumu, Peroni, capensis.

C. Lyren. Der Kopf fällt schief ab und die Schnauze ist mehr oder weniger tief in zwei Lappen gespalten. Der Pecto- ralring zeigt einen mehr oder minder dolchartig verlänger- ten Stachel.

■••■) Dr. Rüppel hält den garrulus Risso seu poeciloptera Val. für den jungen Fisch von hirundo, worin ich demselben beistimme, Arch. für Naturg. Jahrg. XXVI. 1 Bd. 2

18 Kaup:

Hierher: armatii , Lyra, hemisticta Schleg. Fn. jap. t. XIV B und t. XIV. 3 et 4, Bürger! Schleg-.

Da unter diesen meine neue Art sich befindet, so will ich sämmtliche diagnosiren.

1) Die operkelstachlichte Lyre. Trigla armata Kaup.

Diagnose. Der dünne runde spitze Stachel des Oper- kels so lang als der erste Stachel der ersten Dorsal.

Beschreibung. Eine kurze gedrängte Form mit gros- sen Augen und stark gewölbten dornlosen Augendecken, wodurch die Stirn sehr concav wird. Beide Schnauzen- lappen wenig entwickelt , am Bande rauh wie eine Feile. Das Praeoperkel nach unten mit zwei Dornen , wovon der obere noch einen Abschnitt an dem unteren Theil der Wur- zel hat. Brustringstachel kaum sichtbar. Die Hinterhaupts- dornen sehr lang und nadelspitz.

Zwischen diese fast zum Hinterkopf gehend reichen die Schilder, auf welchen die Stacheln der ersten Dorsal stehen ; sie sind rauh, das erste convex , die folgenden in der Mitte concav und sind vorn breiter als nach den hin- teren zu. Auf den sechs vorderen stehen die 7 Stacheln- Der 2te und 3te steht auf der 2ten Knochenschuppe. Die vier hinteren Knochenschuppen ohne Stacheln reichen bis zum ersten Strahl der zweiten Dorsal, die wie bei der Tr. polyommata keine Spur von seitlicher Bewaffnung zeigt.

Alle 7 Stacheln der ersten Dorsal sind gerade. Der erste so lang als der Operkelstachel, der zweite y^ länger und der dritte der längste und stärkste, von dem 4ten bis 7ten werden sie allmählich kürzer. Der Stachel des Brust- rings sehr kurz, allein spitz.

Die Pectoral scheint bis zu den ersten Strahlen der 2ten Dorsal gereicht zu haben. Die vorderen oder oberen 6 Strahlen waren hellfarbig mit dunklen braunpunktirten Membranen , allein die unleren Strahlen wie Membranen sind schwarz un regelmässig weiss gefleckt.

Die Lateral wie bei polyommata ohne einen Bogen wie bei lyra zu bilden.

Die Farbe scheint röthlich gewesen zu sein , allein die schmälere obere Hälfte längs der Lateral war dunkler,

Ueber eine neue Art Trigrla aus China, 19

als die lichtere untere Hälfte. Es zeigen sich weder Flecken auf den Dorsalen noch auf dem Körper.

Ich kenne nur ein getrocknetes Exemplar von 90 Mm. Länge aus einer chinesischen Insektenschachtel , in der sich viele junge und kleine Fische aus China befanden..

Steht der hemisticta Schleg. am nächsten durch die seitlich dornenlose Rückenkante nächst der 2ten Dorsal, von der sie sich jedoch wesentlich schon durch die Diagnose

unterscheidet. '- '- ^.

A . 12

2) Europäische oder brustdornige Lyre.Trigla Lyra Linn.

Diagnose. Der Brustring verlängert in einen dreikan- tigen dolch ähnlichen oben fast durchaus gezähnelten Dorn, der halb so lang als die Pectoral ist.

Bechreibung. Die gegabelte Schnauze auf jedem Lap- pen mit 5 6 transparenten vorstehenden Dornen besetzt. Augendecke schwach convex mit flacher Stirne , vorn und hinten mit einem Dorne. Augen gross. Praeoperkel mit einer gezähnelten Leiste , die in einen kurzen Dorn aus- läuft. Dorn des Operkels ^/^ der Länge des Pectoraldorns. Die Schilder der Dorsalen beginnen hinter den Dornen des Hinterkopfes, sind alle tief concav und begleiten als 26 nach hinten gerichtete Dornen beide Dorsalen. Zwischen beiden ein unbedeutender leerer strahlenloser Raum. Die erste Dorsal zeigt den ersten Stachel gezähnelt, ebenso allein ge- ringer den 2ten und 3ten; letzterer der längste. Von die- sem nehmen die folgenden an Länge ab, bleiben jedoch bis zum 7ten ungewöhnlich lang.

Die Lateral entspringt unter dem Hinterhauptsdorn, fällt von da in einem Bogen abwärts und geht sodann ge- rade bis zur Mitte des Schwanzes. Schuppen klein mit 3__4 Stacheln.

Roth (im Tode schmutzig strohgelb) mit schwarzen Flecken auf der ersten Dorsal , die ich jedoch selbst nie

beobachtet habe. * - Der Kopf geht in die

ganze Länge über Syjmal. Gemein im Mittelmeer und der Nordsee.

20 K a 11 p :

3) Die grossäugige Lyre. Trigla hemisticta Sclileg.

Fn. jap. p. 36. Tab. XIV. 11 und 111 Köpfe. Tab. XIV B ganze Figur.

Diagnose. Der Stachel des Operkels ist breit durch die flügeiförmigen Anhänge, etwas gekrümmt gewunden und länger als der breite Pectoralstachel. Der Diameter des grossen Auges hat fast die Länge des Operkelstachels oder des 2ten Stachels der ersten Dorsal.

Beschreibung. Gleich der armata durch den Mangel der Stacheln der 2ten Dorsal längs der Rückenkante, durch die vorgerückten Schildchen der ersten Dorsal zwischen die Dornen des Hinterkopfes, weicht jedoch durch die Bil- dung des Operkelstachels, durch die zwei des Praeoperkels und Färbung- der Pectoral u. s. w. ab.

Der Kopf von den Schnauzenlappcn bis zum Hinter- hauptdorn gemessen, geht in die ganze Länge dreimal, wäh- rend er bei armata nur 272 misst.

Die Schnauzenlappen feilartig rauh am Rande, sprin- gen von oben gesehen nicht über die Contur des Kopfes vor. Die obere Augendecke ohne Dornen und ohne Leiste auf dem unteren Augenknochen. Der Praeoperkel mit einem Dorne und unter diesem runde granulirte Ausschnitte ohne Dornen zu bilden. Der Brustringdorn durchaus breit mit kur- zer Spitze. Die Schildchen der ersten Dorsal und der Hin- terkopf lassen einen Raum zwischen sich , der der Länge des ersten Dorsalstachels gleich ist und das erste Schild- chen überreicht nur etwas die Spitzen des Hinterkopfs. Die Stacheln der ersten Dorsal ungewöhnlich stark, namentlich die 2te bis 5te. Die 4te ist die stärkste und längste. Zwi- schen dem letzten Strahl und dem ersten der 2ten ein dornloser Raum von fast der Länge des ersten Dorns, wahr- scheinlich ebenfalls wie bei armata mit vier Schildchen ver- sehen.

Lateral mit schwachen Kielen, die sich rauh anfühlen, zieht sich ohne einen Bogen zu bilden, längs des Rü- ckens hin.

Beide Dorsale schwarz gefleckt , ebenso der obere Theil der Körperseiten. Pectoral in der Mitte mit schwärz- lichen Membranen, sonst strohgelblich. Ventral, Anal und

lieber eine neue Art Trigla aus China. 21

Caudal einfarbig- weisslich. Körper oben rothbraun untere

Hälfte ffelblich, '- ^ .

^ A.ll

Japan nach Schlegel und Temmink.

4) Breitschnauzige Lyre. Trigla Bürgeri Schleg. Fn. jap. tab. XIV. fig. 1 et 2.

Diagnose. Die breiten rauhen Schnauzenlappen un- gewöhnlich breit , springen nach aussen vor und sind von oben gesehen fast so weit nach aussen als die Contur der Wangen. Augen klein.

Beschreibung. Diese Art gleicht lyra mehr als der armata und heniisticta, indem beide Dorsale zusammenstos- sen und regelmässig mit Dornen längs der Rückenkante versehen sind.

Die obern Augendecken, wie bei allen exotischen, ohne Stacheln, und lassen zwischen sich einen breiten Raum, der breiter ist als der Längsdurchmesser des ganzen Auges. Der Operkclstachel klein und unbedeutend ohne freien transpa- renten Dorn. Der Stachel des Brustrings dagegen entwi- ckelter, jedoch nicht so stark als bei lyra.

Die erste Dorsal ragt zwischen die Dornen des Oc- ciput hinein, was bei lyra nicht der Fall ist. Die Dorn- slrahlen sind schlank, massig dick und keine ist am vorde- ren Rande gezähnelt. Der erste ist sehr lang und der zweite der Längste. Zwischen der ersten und zweiten Dor- sal ein höchst unbedeutender leerer Raum , der mit einem gedornten Schildchen , wie bei lyra ausgefüllt ist. Die Pectoral klein, so lang als der Körper über dem Anus hoch ist. Wie armata und hemisticta sich in der Zahl der Dorsal und Anal gleichen , so zeigen lyra und Bürgeri in dieser fast keine Difl'erenz.

Die gerade Lateral hat wie der Körper grössere Schup- pen und zeigt 3 5 kleinere Kiele. Der Kopf geht fast dreimal in die Totalläno-e.

Die Farbe ist roth, Bauch, Anal und Ventral weisslich.

D . 9 . 16 . - Japan. A . 16

22 Kaup:

5) Trigia polyommata Richardson. Proceeding 1839. p. 96.

Diese Art hat Aehnliclikeit mit armata und hemisticta, indem die Dornen der 2ten Dorsal fehlen , allein ist zu skizzenartig beschrieben, um deutlich die Differenz von bei- den zu sehen.

Die Beschreibung lautet : Tr. polyommata has minute cycloid scales, an unarmed lateral line and the dorsal pla- tes confined to the first dorsal , there being no dilatation whatever of the interspinous bones of the second dorsal. All the spines of the hcad ai'e stilettoshaped , and one whose base occupies the whole anterior end of the infraor- bitar on each side , projects boldly beyond the snout, and gives the fish a very different aspect from any other known gurnard. Van Diemensland.

Letzteres Kennzeichen von vorstehenden Schnauzen- lappen scheint auf eine Form zu deuten, die diese noch entwickelter als Bürgeri hat. Bei allen übrigen sind sie nicht auffallender entwickelt als die der Tr. lyra. Diese Art bedarf einer genaueren Beschreibung.

D. Me erhabne.

Zeigen wie die Seehähne und Lyren einen schief abfallenden Kopf und eine dornige Seitenlinie. Rumpf ohne quere Reihen von Poren.

Hierher : 1) Trigla milvus Lac. (cuculus Bloch, Blochi Yarr., rodinogaster Nardo).

2) lucerna Brunn. ( obscura Linn. Bonap. , cuculus Risso, filiaris Otto).

3) gurnard US Linn.

E. P or en trigl en.

Zeichnen sich durch eine Menge von vertikalen Linien aus, die nach hinten , wie die Zweige einer Fichte , kleine Porentuben haben.

Trigla lineata Linn. (adriatica Gm., lastoviza Br.).

Trigla cuculus Linne (pini BL, lineata Mont., hirundo Risso. (Die Radienformel passt jedoch nicht.)

lieber eine neue Art Trigla ans China. 23

Ich weiss nicht, wohin die pauciradiata Benn. von Trebizond gehört. Sie soll nur sechs Dornstrahlen in der ersten Dorsal haben. Da die letzte häufig- sehr klein ist, so fragt es sich , ob diese nicht übersehen wurde. Hätte sie nur 6, so wäre dies allerdings die geringste Zahl, die unter Triglen vorkommt. In der Zahl der Radien der 2ten Dorsal und Anal kommt sie mit hirundo überein. Ich habe Ursache zu zweifeln , ob diese Art als Art existirt und nicht eine zufällige Monstrosität ist.

Darmstadt, den 19. August 1859.

Heber zwei yermuthlich neue Chilenische Enten und über Fringilla barbata lol.

Von

Dr. R. A. Philipp!,

Prof. der Zool. und Botanik in Santiago.

Zwei in diesem Winter erhaltene Enten finde ich in den mir hier zugänglichen Büchern nicht beschrieben. 1. Anas iopareia Ph. '"). Dimensionen.

Länge des Vogels von des Spitze des Schnabels bis zum Ende des Schwanzes mit dem Bandmaass ge- messen 22 Zoll.

Länge des Oberschnabels . . . 25V2 Linie.

Breite desselben am Grunde

„am breitesten Theile

seines Nagels

Höhe desselben am Grunde

Länge des Tarsus ....

der Mittelzehe (mit dem Nagel)

der Aussenzehe . ,

der Hinterzehe

Die ganze Körperbildung stellt diese Ente zwischen

A. specularis King und A. oxyura Licht. Der Schnabel ist

fast genau wie bei A. specularis nur weit höher, so dass

er beinahe eine gerade Linie mit der Stirn bildet; vorn

ist er nur wenig breiter als hinten; die Firste ist schwach

concav, und der schmale Nagel greift an der Spitze hakenartig

über den Unterkiefer über. Die Firste bildet am Grunde mit

8V4

5?

10

55

4V.

55

13

»

23

5?

27

55

26

55

8V2

55

■"■) ios Rost, naqnd Wange.

Philippi: Ueb. zwei verinuthlich neue Chilenische Enten. 25

den Seitentheilen beinahe einen rechten Winkel , und die letzteren sind hier vollkommen eben. Die Nasenlöcher sind oval, wie bei den genannten Arten beschaffen. Die Beine stehen massig weit nach hinten , und die Hinterzehe hat jinen breiten Hautsaum. Der Schwanz ist kurz und spitz, etwas länger und spitzer als bei A. specularis, aber kür- zer und stumpfer als bei A. oxyura. Was nun die Färbung betrifft, so haben die Federn meist einen braunen oder schwarzen Grund mit einem mehr oder weniger breiten rostbraunen Rand , der oft noch weiss gesäumt ist, an den einzelnen Körpertheilen ist bald mehr der schwarze , bald mehr der rostfarbene, bald mehr der weisse Theil über- wiegend. Die Oberseite des Kopfes und Nackens ist braun, doch unterscheidet man deutlich den rostgelben Rand der Federn ; die Seiten derselben sind rostbraun , und die Fe- dern der Wangen zeigen jede einen schwarzen Fleck. Kehle und S e i t e n des Halses sind blass rostfarben und ungeileckt; der unlere Theil des Nackens etwas dunkler aber heller als der obei'e Theil. Die Augenlieder und ein schmales Halssband am unterern Ende des Halses, welches Avenig auffallend ist , sind weiss. Die Brust ist rostbraun und schwarz gefleckt, der Bauch anfangs weiss mit schwar- zen Flecken, später fast ganz weiss, und gehen diese Fär- bungen allmählich in einander über, indem der anfangs schmale weisse Saum der Federn allmählich immer breiter wird, und den rostbraunen Theil und zulelzt selbst den schwarzen der Federn zurückdrängt. Die Seiten der Brust sind dunkelbraun, fast schwarzbraun, mit rostgelbem Saume der Federn. Die Seiten des Leibes bis zum Schwänze sind schwarz und weiss gesprenkelt, Jede Feder ist nämlich schwarz mit einer weissen schwarz gesprenkelten Quer- binde und einem eben solchen Rande. Die Federn des Rückens sind schwarz , metallisch glänzend, nach dem Na- cken hin mit schmalem rostgelben Saume. Dieser hat die Färbung der oberen Seite des Kopfes. Die Schwanzfedern sind oben braunschwarz mit schmalem rostgelben Saume , unten grau; die äusseren haben einen helleren bräunlichen Saum. Die unteren Deckfedern des Schwanzes so wie die letzten Federn des Unterleibes sind weiss, in der Mitte schwarz, mit

26 Fhil i ppi :

weissen Sprenkeln. Die Schwung-federn der ersten Ordnung sind braunschwarz , die der zweiten Ordnung sind grün schillernd und ein Paar derselben haben einen schmalen, weissen Saum. Ein rigentlicher Spiegel fehlt. Der Ober- schnabei ist im Leben braungelb mit schwärzlichem Nagel, der Unterschnabel gelbroth. Die Füsse sind ebenfalls gelb- roth mit schwarzen Nägeln. Das beschriebene Exemplar ist ein Männchen.

2. Erismatura mttata Ph.

Dimensionen.

Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Ende des Schwanzes .... ITy^ Zoll.

Länge des Oberschnabels . . . 17 V2 Linie.

Breite desselben am Grunde . . 9

am breitesten Theile nahe 10

seines Nagels . . , . V/j y^

Höhe des Schnabels am Grunde . 8% »

des Tarsus .... 15

Länge der Mittelzehe .... 26

Die Bildung und Verhältnisse des Körpers sind ziem- lich wie bei E. ferriiginea Eyton bei Gay Vol. L p. 458, welche Ente in hiesiger Gegend Pato tripoca heisst (nach Gay soll ihr Name Pato pimpillo sein). Unsere Art hat aber einen etwas kürzeren Schnabel, und die Kante, welche am Grunde die Firste von den Seitentheilen trennt, ist ab- gerundet. Die Färbung des Oberkopfes ist braun, doch haben die Federn des Hinterkopfes einen rostgelben Rand und ist diese braune Färbung durch eine horizontale, von der unteren Seite des Schnabels beginnende Linie scharf nach unten begrenzt. Eine Aveissliche fein grau gewellte Binde verläuft horizontal von der halben Höhe des Ober- schnabels dicht unter dem Auge fort nach dem Nacken hin, vereinigt sich jedoch nicht mit der der entgegengesetzten Seite; sie ist so breit wie der braune Streifen unter der- selben. Die Kehle ist weisslich , mit feinen graubraunen Wellen , die an den Seiten des Halses breiter werden, und eben so viel Raum einnehmen als der weisse Grund , auf dem NacKen dagegen die weisse Farbe ganz verdrängen. Der

Ueber zwei verniuthlich neue Chilenische Enten. 27

untere Theil des Halses ist hellbraun mit feinen weissen Wellen. Brust und Bauch erscheinen hell rostgelb mit schwarzen Wellen, indem jede einzelne Feder grau, gegen die Spitze hin schwarz und mit einer breiten rostgelben Franze versehen ist. Der Unterleib ist heller, fast weiss- lich , indem die schwarze Färbung an der Spitze der Fe- dern allmählich verschwindet , und auch der rostfarbene Saum weniger auffallend ist. Die Seiten sind schwarz und braungelb gewässert, ähnlich wie die Brust. Der Rücken ist schwarzbraun mit feinen weissen Punkten gesprenkelt. Die Schwungfedern und die Deckfedern derselben sind einfach schwarzbraun, ohne anders gefärbte Ränder, mit tief schwar- zem Schafte, und so sind auch die Schwanzfedern einfarbig braun, mit schwarzem Schaft jedoch etwas blasser; sie sind 3V2 Linie breit. Die letzten unteren Deckfedern sind ganz weiss. Der Schnabel ist oben schwarz, unten roth; die Füsse sind schwarz. Das beschriebene Exemplar ist ein Männchen.

Der bedeutend kürzere Schnabel und die weisse Binde unter den Augen unterscheidet diesen Vogel sogleich von der jungen nicht ausgefärbten E. ferruginea.

Ueber Friiigilla barbata lol.

Wenige Vögel sind in Chile so gemein wie der sog. lilguero oder Silguero *") , der Repräsentant unseres deut- schen Zeisigs : man hält ihn auch überall in der Gefangen- schaft, und führt viele Vögel nach Peru aus. Molina hat diesen Vogel Fringella barbata genannt, s. dessen Saggio sulla storia naturale del Chili. Bologna 1782. p. 247, wo frei- lich die Beschreibung falsch genug ist. Bei Gay Vol. I. p. 352 finden wir diesen Vogel als Chrysomitris campestris Gould aufgeführt ; aber nur das Männchen , welches sich durch das schwarze Kinn vom Weibchen unterscheidet, kurz beschrieben. Dieses schwarze Kinn hat unstreitig Mol in a

■"■) In Spanien wird dieser Wamen dem Stieglitz beigelegt, und der Zeisig heisst dort Verderol.

28 Philippi: Ueb. zwei vermuthlich neue Chilenische Enten.

Veranlassung zum Namen barbata gegeben; der Spanier hat nämlich , um Kinn und Bart zu bezeichnen , nur das eine Wort: barba. Nach Desmurs a. a. 0. bei Gay (Herr Desmurs hat bekanntlich die Vögel bei Gay be- arbeitet) ist dieser Vogel die Fringilla campestris Spix Av. bras. tab. 59, welches Werk ich nicht nachsehen kann. Als Synonym citirt er Fr. barbata Mol. Warum hat er nicht der Priorität folgend, die Art Chrysomitris barbata genannt? Herr Hartlaub hat in der Naumania für 1853, welches Werk mir im Mai Herr Celebor in Valparaiso auf kurze Zeit borgte, die von mir aus Voldivia gesendeten lilgueros für eine verschiedene Art gehalten , und a. a. 0. als Gri- ihagra flavospecularis beschrieben, indem wahrscheinlich der schlechte Zustand, in Avelchem meine Vögel in Deutschland ankamen, ihm nicht erlaubt hat, die Identität mit Molina's Fringillas barbata oder Spixens Fr. campestris zu erkennen. Ebenso wenig hat Herr Cassin diesen Vogel erkannt, er beschreibt ihn U. S. Naval Astron. Exped. Vol. II. p. 181 als Chrysomitris marginalis Bonap. , und bildet tab. XVII Männchen und Weibchen ab. Es ist ihm nicht in den Sinn gekommen, dass dies der so gemeine lilguero sein könnte. Wenn nun, Avie sich wohl voraussehen lässt, seine Abbil- dung und Beschreibung wirklich die Chr. marginalis Bonap. darstellt, so stellt sich die Synonymie des lilguero so heraus:

Chrysomitris barbata.

Fringilla barbata Mol. 1782. Fringilla campestris Spix.

Chrysomitris campestris Gould, Desmurs bei Gay 1. c. Chrysomitris marginalis Bonap. , wenigstens bei Cas- sin 1. c.

Grithagra flavospecularis Hartlaub 1. c.

Santiago, den 31 . Juli 1859.

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London.

Von

Dr. Albert Günther.

I. Die kaltblütigen Wirb elthiere.

Als im Jahre 1849 der erste Versuch in der Menage- rie der zoologischen Gesellschaft in London gemacht wurde, diese an Artenzahl so reichen Thierklassen durch eine um- fassendere Sammlung zu repräsentircn, stellte es sich bald heraus, dass ein grosser Theil derselben mit grösserer Leich- tigkeit die Gefangenschaft ertragen könne, als man anfangs erwarten zu dürfen glaubte. Anfängliche Verluste an Thie- ren wurden so viele Gewinne an Erfahrungen, nahmen an Häufigkeit ab, und waren zuletzt auf den gewöhnlichen Ab- gang, der sich in jeder Menagerie in den Classen der Säu- gethiere und Vögel herausstellt, reducirt *"'). Viele Thiere, welche ich bei einem früheren Besuche in London vor fünf Jahren gesehen , fand ich später w ieder, und manche von ihnen befinden sich noch im besten Wohlsein. Die Samm- lung erw^eckte die lebhafte Theilnahme von Naturforschern und auswärtigen Sammlern. Das Publikum selbst findet bei der zweckmässigen Ausstellung, ein grosses Interesse

""') Selbst dieses Verhältniss halte ich für ein noch zu ungün- stiges. Reptilien erfordern bei weitem nicht dieselbe Sorgfalt in der Art und Zeit der Fütterung, oder denselben ausgedehnten Raum wie Säugethiere und Vögel. Der Trieb nach freier Bewegung ist in sehr beschränktem Grade vorhanden. Die erste und wichtigste Bedingung zu ihrem Wohlbefinden ist eine Temperatur, die dem Clima, welchem sie entstammen, möglichst angepasst ist. Ich werde später noch Ge- legenheit haben, auf darauf bezügliche Unvollkommenheiten des Gar- tens zurückzukommen.

30

Günther

an Thieren , deren Leben ihm sonst mehr oder weniger völlig- verborg-en , oder nur aus der Erinnerung von den Erzählungen der Kinderschriften bekannt ist, und die Be- sucher überfüllen das Lokal zur Zeit der allwöchentlichen Fütterungen. Welchen Werth eine solche Sammlung für den Naturforscher hat, brauche ich nicht auseinanderzuset- zen , und um das Interesse der Leser des Archivs in An- spruch zu nehmen, glaube ich nur eine Liste der gegen- wärtigen Sammlung geben zu dürfen.

Schildkröten.

Chelydra serpentina. Testudo graeca. Emys mobiliensis. Emys picta.

Crocodilus americanus. Alligator mississipensis. Grmmatophora barbata. Iguana rhinolophus. Cyclodus gigas. Lacerta ocellata. Lacerta viridis. Podarcis muralis.

Emys guttata. Emys rubriventris. Emys decussata. Malacoclemmys concentrica.

Saurier.

Ascalabates mauritanicus. Scincus officinalis. Pseudopus Pallasii. Clothonia Johnii. Trogonophis Wiegmanni. Seps tridactylus. Anguis fragilis.

Python Sebae. Python regius. Python molurus. Python reticulatus. Boa constrictor. Chilabothrius inornatus. Corallus hortulanus. Crotalus durissus. Clotho arietans. Vipera berus. Naja haje. Cenchris piscivorus.

Schlangen.

Zamenis hippocrepis. Coluber guttatus. Colubcr quadrivittatus. Coluber Blumenbachii. Tropidonotus fasciatus. Tropidonotus viperinus. Tropidonotus natrix. Tropidonotus ordinatus. Philodryas viridissimus. Oxyrhopus trigeminus. Calopisma Reinwardtii.

Skizzen aus dein zoologischen (Jaiten in London.

31

Biifo viridis. Bufo calamita. Bufo pantheriniis. Alytes obsteh'icans. Rana esculenta. Rana mugiens. Ceratophrys corniita. Salamanclra maculosa.

Gasterosleus. Mugil capito. Perca fluviatilis. Blennius palmicornis. Blennius pholis. Crenilabrus cornubicus. Zoarces viviparus. Motella vulgaris.

Batrachier.

Salamandra atra. Amblystoma luridum. Triton cristatus. Triton tacniatiis. Amphiuma tridactylum.

Lepidosiren.

Fische.

Salmo fario. Pleuronectes platessa. Pleuronectes flesus. Rhombus maximus. Conger vulgaris. Hippocampus.

Die gewöhnlichen Cyprinoi- den Englands.

Esox lucius.

Diese Thiere sind in zwei Gebäuden untergebracht: dem R e p t i 1 i e n h a u s e, das für diesen Zweck allein her- gerichtet ist, und dem W a ss er t hi er h a u se , das neben Fischen und Wasserreptilien noch die Salzwasser-Aquarien für niedere Thiere enthält. Betreten wir das erstere , so befinden wir uns in einem länglich-viereckigen Räume von etwa 50' Länge, 24' Breite und 15' Höhe; eine Reihe Be- hälter von ihren Bewohnern entsprechender Grösse nimmt drei Seiten desselben ein. Die Temperatur soll durch heis- ses Wasser, dass mit einer Dampfmaschine in vielfach ge- wundenen Röhren durch den Boden der Käfige geleitet wird, auf demselben Stande von 70° F. erhalten werden *"'). Das

■••') Diese Temperatur ist an und für sich zu niedrig für tropi- sche Thiere ; allein sie bleibt in den Käfigen gar nicht auf diesem Grade stehen, da, namentlich während des Winters, eine beträchtliche Abkühlung an den freien Raum des Gebäudes, der nicht geheizt ist, stattfindet. Die erstrebte gleichmässige Temperatur selbst aber ist an-

32 Günther:

Licht fällt von oben herein. Die Kälig-e sind vom Boden vier Fuss entfernt , und haben alle eine gleiche Höhe von fünf Fuss. Ihre vordere Seite ist durch eine einzige Glas- scheibe abgeschlossen, welche dick genug ist, um nicht nur einen Druck von Seiten grösserer Schlangen, (welchen diese Thiere in der That nie versuchen) , sondern auch einen etwaigen Stoss von aussen aushalten und die vollständigste Besichtigung der Thiere gestattet. Der Zugang zu den Kä- figen ist verschieden hergerichtet ; die grossen Behälter ha- ben auf der hinteren Wand eine grössere und eine kleinere Fallthüre , durch welche der Wärter hineingehen oder das Futter U.S.W, ohne die geringste Störung für das Thier hin- einbrino-en kann. Bei den kleineren Käfio-en vertritt die Glasscheibe die Stelle der Fallthüre. In den Behältern end- lich , welche die giftigen Schlangen enthalten , bleibt die Glasscheibe fest verschlossen und ihre Thüren sind seitlich angebracht, d. h. ein solcher Behälter ist nur durch seinen Nachbarbehälter zugänglich. Dadurch ist einem etwaigen Entschlüpfen der Schlange vorgebeugt. Durch ein anderes kleines Loch auf dem Dache des Behälters , das für die Schlange unzugänglich ist, wird das Futter hineingebracht, oder, wie das z. B. beim Reinigen der Käfige nothwendig ist, die Schlange veranlasst, sich in den Nachbarbehälter zu begeben. Ein Wasserbehälter, der einen halben Fuss tief ist und dessen W^asser durch darunter befindliche Röh- ren Winters erwärmt wird, nimmt etwa ein Drittel des Bo- dens ein ; der Rest ist mit einer Schicht feinen Kieses '"*) belegt. Die Schlangen haben einen wollenen Teppich (bei

zufechten, indem, von den natürlichen Veihällnissen aus zu schlies- sen , es viel zweckmässiger erscheint , die Temperatur während des Tages zu erhöhen und in der Nacht sinken zu lassen. Thatsache ist, dass die Sterblichkeit während des Winters eine Dreifache zu der des Sommers ist. Der Zoologe kann in dieser Beziehung im bota- nischen Garten vieles lernen.

""■) Dieser Kies hat schon viele der Thiere getödtet: in mehr als der Hälfte der Schlangen, die ich untersuchte, fand ich die Cloake damit verstopft, sie müssen ihn mit der Beute zugleich verschlingen. Bei anderen Vortheilen, die der Kies als Bedeckung des Bodens ge- währt, weiss ich kein besseres Material vorzuschlagen.

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 33

weitem das Reinlichste) , unter den sie sich verkriechen können, die Saurier und Betrachier einen Haufen Moos.

Der hintere Raum des Gei)äudes enthält ein kleines Zimmer für den AVärter '"'). Die allgemeine Fütterung der Thiere dieses Hauses findet einmal wöchentlich gegen Abend statt: das Futter besteht in Fröschen, Eidechsen, Sperlin- gen , Enten , weissen Mäusen (besonders jungen) , Meer- schweincheYi und Kaninchen. Die Abendfütterung hat man- che Vortheile ; nicht nur ist diese Zeit dem Publikum die gelegenste , sondern manche der Thiere ergreifen oft ihre Beute erst in der Nacht, oder einige tödten sie zwar, aber nur um sie erst mit Einbruch der Dunkelheit zu verschlino-en.

Wir wenden uns nach diesem allgemeinen Ueberblick zu den Bewohnern des Hauses und beginnen mit dem er- sten Behälter der Reihe links bei unserem Eintritte. Die Etiketten belehren uns , dass darin Chilabothrius inornatus und Corallus hortulanus, Landsleute von den westindischen Inseln, hausen, obwohl zunächst nichts von ihnen zu sehen ist. Es ist kein Teppich im Behälter , worunter sie sich verkrochen haben könnten , und so suchen wir endlich in den Verzweigungen der Aeste, von welchen einige in den Käfig gestellt sind. Da ist denn auch im obersten und dunkelsten Winkel ein runder Knäuel von einer Grösse, dass er offenbar nicht von einer Schlange gebildet sein kann. Er bleibt aber unbeweglich, und nicht einmal der einzige Kopf, welcher zwischen der compakten Masse von Windungen hervorsiehl, giebt das geringste Lebenszeichen auf unser ungestümes Klopfen gegen das Glas. So , und an demselben Platze lagen sie schon vor fünf Jahren, heute jedoch wollen wir den Knoten sich entwirren lassen. Kaum hat der Wärter den Schieber, um ihn zu öffnen, berührt, so beginnt der zuerst sichtbare Kopf sein Spiel mit der Zunge, eine zweite und dritte spielt zwischen den Windungen durch , ein Heben und Sinken des Klumpens durch das

■") Die zoologische Gesellschaft hat das Glück Wärter in ihrem Dienste herangezogen zu hahen , die durch ihre Beohachtungsgabe, durch ihre Vorliebe zu der Abtheilung, die sie bedienen, ja durch ihre wirklichen Kenntnisse den Besucher in Erstaunen setzen. Arch. für Naturg. Jukrg.XXVl. 1 Bd. 3

34: Günther:

nun aufgeregte Athmen wird siclitbar und lässt das bald fol- gende Gegenbild gegen jenen trägen Klumpen ahnen; denn, kaum hat der Wärter mit seinem Stöckchen eine der Schlan- gen berührt, so entwirrt sich der Knäuel mit einer Schnel- ligkeit , dass das Auge nicht zu folgen im Stande ist ; an jedem Aste gleiten sechs bis sieben Fuss lange Schlangen herunter, lautlos und nicht zischend, wie wir es von an- deren Arten gewohnt sind, und zertheilen sich durch den Käfior; es sind sechse f) an der Zahl, unter denen jedoch der Corallus hortulanus nicht ist. Dieser bleibt ruhig auf- gerollt in einer anderen Ecke, geschieden von der anderen Species, deren Ruheplatz er immer mied, und welche auch ihn zu vermeiden scheint, da selbst bei Gelegenheit einer Aufregung , wie die eben beschriebene , sich nie ein Chi- labothrius auf den Ast verirrt, den er sich zum Ruheplatze auserwählt hat. Nach Verfluss von etwa einer halben Stunde fängt eine Schlange an, langsam zum alten Ruheort zurückzukehren ; ihr folgt eine zweite , dritte und sofort, bis in kurzer Zeit derselbe Klumpen , in dem wir sie ge- troffen haben, wieder gebildet ist. Beide Species ruhen nie auf dem Boden aus: es sind offenbar Baum -Beiden. Dass sie zusammenliegen, ist ein Beweis, dass die Tempe- ratur des Käfigs für sie zu nieder ist , obgleich hoch ge- nug , um ihnen ihre Gesundheit zu erhallen. Sie werden mit Sperlingen gefüttert, und aller Wahrscheinlichkeit nach sind Vögel ihre gewöhnliche Nahrung im freien Zustande. Bei einer mehr angemessenen Temperatur würden sie ge- wiss regelmässiger fressen : selten fängt mehr als eine während des Tages einen Sperling; während der Nacht werden zwei oder drei weitere gefressen, so dass die Hälfte

^'") Vor wenigen Tagen hat der Knäuel durch den Tod einer Schlange , um ein paar Windungen abgenpniii.en. Das Thier starb an einer sehr gewöhnlichen Krankheit unter den Schlangen, wobei die Zahnränder mit übel aussehenden und leicht blutenden Geschwü- ren bedeckt sind. Solche Thiere sterben gewöhnlich, und da die Krankheit sehr häufig ist, so ist es beim Ankaulen einer Schlange im- mer gerathen, das Maul zu untersuchen. Eine der Schlangen hat vor einigen .Jahren gegen 30 lebendige Jungen geboren, die aber 'bald starben.

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 35

der Schlangen immer vierzehn Tage oder drei Wochen fastet. Sie saufen sehr wenig , und häuten sich , wie alle Boiden, viermal des Jahres.

Die Bewohner des zweiten Käfigs sind ein Boa con- strictor vom südamerikanischen Continent und eine Zamenis hippocrepis von Nord -Afrika. Die erste ist das schönste Exemplar, das ich gesehen, und über acht Fuss lang. Seine und der übrigen Pythonen Lebensart im freien Zustande und ihr indolentes Benehmen in der Gefangenschaft sind zu wohl bekannt, um hier eines weiteren Berichtes zu bedür- fen. Zamenis" hippocrepis ist am Bauche schön dunkel ro- senroth , was man an AVeingeistexemplaren nicht mehr zu sehen bekömmt; sie nährt sich ziemlich regelmässig von Sperlingen, beisst gerne, und versucht nie zu klettern.

Im dritten Käfig sind mehrere Exemplare von Python regius.

Der vierte und grösste Behälter des Hauses enthält ein Paar Python Sebae. Das Männchen ist acht Fuss lang, das Weibchen neunzehn, und schon seit Jahren in der Me- nagerie. In den zwei letzten Jahren, während des Monats August, begatteten sie sich beinahe täglich. Die Folge, in diesem Jahre, war eine beträchtliche Anschwellung des Weibchens, die jedoch mehr tympanitischer Natur gewesen zu sein scheint. Sie fressen sehr unregelmässig , sowohl was die Zeit, als die Quantität betrifft: das Weibchen frass einmal von selbst neun Enten bei einer Fütterung; frisst es nach einer langen Zeit zum ersten Male wieder, so be- festigt der Wärter an das Thier, welches die Schlange zu verschlingen beschäftigt ist , ein oder zwei andere frisch getödtete. Sie lässt sich dadurch nicht stören , und fährt ruhig zu schlingen fort, bis sie am Ende der Beihe ange- kommen ist. Bei keiner der Schlangen bemerkte ich eine Einspeichelung der Beute. Nie werden sie auf gewaltsame Weise zum Fressen genöthigt , wie man dieses in vielen Menagerieen sieht , auch wäre dieses bei dem Weibchen nicht rathsam, da es zu Zeiten ziemlich wild ist. Als eines Tages der Wärter mit einem Arbeiter in den Behälter stieg, um eine Reparatur vorzunehmen, schien das Geräusch und die Gegenwart von zwei Menschen den Schlangen zu un-

36 Günther:

bequem zu werden. Das Männchen verkroch sich unter grässlichem Zischen unter den Teppich, während das Weib- chen sich zum Ang-riffe anschickte, und unglücklicherweise neben der Thüre seine zum Sprunge fertige Stellung ein- nahm, so dass der Rückzug von vorne herein abgeschnit- ten war. Die beiden Gefangenen verhielten sich unbeweg- lich in ihrer Ecke , und entgingen dadurch einem Kampfe, der, in Betracht der Werkzeuge, die sie bei sich hatten, wahrscheinlich in dem Tode der Schlange geendigt hätte. So jedoch begnügte sich diese, mehreremal den Kopf nach ihnen zu schnellen, und nach einer halben Stunde zog sie sich ganz zurück.

Die beiden letzten Käfige dieser Reihe enthalten Sau- rier von sehr verschiedener Verwandtschaft : Clothonia johnii , Cyclodus gigas , Scincus officinalis, Grammatophora barbata , Lacerta ocellata und viridis, Cliamaeleo vulgaris. Für alle ist in einem Gefässe ein beständiger Vorrath von Mehlwürmern vorhanden, der Winters wie Sommers täglich erneuert werden muss, da sie nicht, wie die Schlangen, sich einem freiwilligen Fasten unterziehen. Die Clothonia', wie die Scincus sind während des Tages stets unter dem Kies; da die erstere jedoch noch einer substantielleren Nahrung, als der von Insekten, bedürfen, so werden sie zur Zeit der allgemeinen Fütterung hervorgeholt. Sehr junge Mäuse ergreifen sie sofort, ähnlich wie wir es nachher bei Pseu- dopus finden werden. Der Wärter sagte mir jedoch, dass sie hie und da dieselben vor dem A^erschlingen vollständig mit Speichel überziehen, ich selbst habe es nie gesehen. Der Cyclodus gigas befindet sich nun schon seit drei Jah- ren in der Menagerie und hat in dieser Zeit an Länge und besonders an Umfang ersichtlich zugenommen; er ist nun über fünfzehn Zoll lang. An trüben Tagen ist er meist unter dem Moose verborgen, während er bei Sonnenschein langsam und mit leicht wellenförmiger Biegung des Lei- bes im Käfig herumkriecht und öftere Mahlzeiten an Mehl- würmern und klein gehacktem Fleische hält. Er beisst nicht, selbst wenn man ihn in der Hand hält, und sucht nur durch Drehen des Schwanzes, in dem er eine beträchtliche Kraft besitzt, und der nicht bricht, zu entkommen. Im Kiese

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 37

sah ich ihn nie graben. Das Exemplar der neiiholländi- schen Grammatopliora barbata ist über achtzehn Zoll lang; bei trübem Wetter leistet es dem Cyclodns unter dem Moose Gesellschaft , bei heiterem spazirt es ziemlich schwerfällig im Kätig herum , um sich zuletzt am sonnigsten Platze durchwärmen zu lassen ; dabei richtet es den vorderen Theil seines Körpers hoch auf den Hinterbeinen auf und spreitet den Halskragen aus , um ihn in seiner ganzen Weite den Sonnenstrahlen auszusetzen; der Kragen wird mit Hülfe der Zungenbein-Hörner ausgedehnt.

Will man es fangen, so schlägt es den Halskragen ein und sucht in einer Art von nichts weniger als schnel- lem Trabe zu entgehen. Es scheint nicht auf Bäume zu klettern, und eher auf felsigem Grunde zu leben ; höchstens richtet es sich an einem Aste etv/as in die Höhe; in einer solchen Stellung sah ich es auch einmal den Kragen im Affekte aufrichten. Ein Chamäleon war im Begriffe , auf den Boden herabzusteigen und entschlossen , den nächsten Weg zu dem Gefässe mit den Mehlwürmern zu nehmen, schritt es bedächtig mit einer Hand auf den Nacken der Grammatophora. Diese suchte zuerst durch Bewegungen des Kopfes das Chamäleon wegzudrängen , das aber ruhig mit der ZAveifen Hand sich an dem Kragen selbst festhielt. Die Grammatophora gerieth dadurch in die grösste Aufregung : sie warf die Kopf rechts und links, entfaltete bald die eine Seite ihres Kragens, bald die andere, und setzte diese Be- wegungen noch fort, nachdem das Chamäleon längst seines Weges gegangen war. Von dem Faulthiere unter den Sauriern, dem Chamäleon, sind immer einige Exemplare in der Menagerie; sie gehören der gemeinen Species an'").

*) So bekannt die Lebensart des Chamäleons ist, so wenig Ge- legenheit hat man in Deutschland, dieses Thier im Leben zu sehen, was bei der Leichtigkeit der Anschaffung und dem Interesse, wel- ches das Thier gewiss verdient, an irklich zu rerwundern ist. Nach London \Aerden jedes Jahr vielleicht hundert dieser Thiere impor- tirt, meist von Mogador, und ebenfalls nach Liverpool, und das Stüclt zu fünf Schilling verkauft. Zum Transporte ist die kleinste Schachtel geeignet. Abgezehrte Thiere, bei denen die Muskeln an der Seite

38 Günther:

Die Seite dem Eingange in das Haus gegenüber, ist von zwei grösseren Behältern eingenommen, deren Haupt- bewohner eine ganze Reihe von halbgewachsenen Boa con- strictor sind. Sie wurden vom verstorbenen Secretär in Paris gekauft, und ihre Abkunft von Westindien ist keines- wegs sicher. Sie haben alle eine blassere Färbung, als das oben erwähnte grosse Exemplar, und eine geringere Anzahl der Schildchen um das Auge Hesse in einigen von ihnen die Boa imperator des Daudin vennuthen. Allein diese Art scheint mir nach den Exemplaren, die ich hier davon gesehen, eine höchst zweifelhafte zu sein. Dem sei wie ihm wolle , die gegenwärtigen unterscheiden sich von der wahren Boa constrictor nicht im geringsten im Beneh- men : träge , selbst wenn sie gereizt werden , langsam im Verschlingen ihrer Beute *"") , ungesellig bilden sie einen auffallenden Gegensatz gegen Chilabothrius. Unbelästigt von ihnen sind in denselben Behältern Exemplare der ge- wöhnlichen Ringelnatter und ein Leguan. Den letz- teren habe ich vorläufig als Iguana rhinolopus bestimmt; er ist über drei Fuss lang und ein Weibchen, wie man aus den Eiern , welche sich durch die Bauchdecken durchfüh- len lassen, ersieht.

Er kam auf einem Westindienfahrer, was jedoch noch kein Beweis für das Vaterland sein kann. Trotz dem, dass er voll gewachsen ist, ist die hornartige Schuppe auf der

des Knochenkamnics auf dem Kopfe geschwunden sind, erholen sich nie wieder, während die anderen jahrelang- aushalten, wenn man sie Winters in einem Treihhause unterbringt. Sie fressen viel und oft.

■") Die verminderte Fressiust dieser Riesenschlangen ist viel- leicht Folge der Einsperrung in einem engen Räume. Ein fünf Fuss langes Exemplar einer Boa constrictor entwischte im Hause eines hiesigen Thierhändlers, und war gegen sechs Monate verschwunden. Eines Tages entdeckte man sie hinter einer Kiste in einem Räume, wo eine Menge kleiner tropischer Vögel frei fliegt. Sie erschien auf's beste genährt, und die ihren Excrementen beigemengten Federn bewiesen, wie ein schon lange bemerkbarer Abgang der Vögel ent- standen war; der Händler schätzte ihn auf über 40 Stück. Dajsselbe Thier kaufte ich unmittelbar nachher; es frass aber dann nur wenig' trotzdem, dass es öfters frei im Zimmer herumkriechen konnte.

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 39

Schnauze nur wenig- erhöht ; ich weiss nicht ob das ein Geschleclitsunterschied ist. Die Unterscheidung- der Species dieses Genus ist noch eine sehr unvollkommene , und ge- naue Bestimmung- des Fundortes und Geschlechts der In- dividuen in den verschiedenen Sammlungen ist unerläss- lich. Da dieses Exemplar noch nicht lange gefangen scheint, so ist es sehr störrig , und eine Verletzung am Fusse scheint es am Klettern zu hindern ; um es bei Kräften zu erhalten, ist man genöthigt, es zum Fressen der Weintrau- ben , mit denen man die Leguane gewöhnlich hier füttert, zu zwingen; dabei hat sich der Wärter besonders vor dem Schwänze in Acht zu nehmen , mit dem er sichere und tüchtige Schläge versetzen kann. Tropidonotus natrix ist bis jetzt die einzige Schlange, deren Eier erfolgreich bis zum Ausschlüpfen der Jungen erhallen wurden.

Entlang der dritten Seite des Hauses steht eine Reihe kleinerer Behälter, von denen der erste zwei Exemplare der grünen Varietät von Ceratophrys cornuta beherbergt. Sie gehen nicht häufig in das Wasser , und liegen den grössten Theil des Tages ruhig im Kiese, in den sie sich einwühlen , so dass nur der Kopf von ihnen sichtbar ist. Stört man sie heraus, so blasen sie sich zu einer grossen Kugel auf , für deren Fortbewegung die schon ohnedem krötenartigen Beine zu kurz sind , weshalb ein weiterer Stoss sie ganz aus dem Gleichgewichte bringt , und sie sich über und über kollern. Eine Fortsetzung dieser Be- handlung lassen sie sich jedoch nicht lange stillschweigend gefallen , sie stossen ein lange anhaltendes Wehegeschrei aus, ähnlich dem, das man unter ähnlichen Umständen von Pelobates fuscus hört; sie sperren dabei ihren ungeheuren Rachen unter demselben stumpfen Winkel auf, wie es ein Hippopotamus zu thun im Stande^ ist, und beissen in einen vorgehaltenen Stock mit einer solchen Kraft, dass, wie schon Tilesius erzählt, Spuren der Zähne zu sehen sind. Wie alle grossen Frösche linden sie ihre Hauptnahrung in ihren nächsten Verwandten, und eine Rana temporaria, zwei Drit- tel ihrer eigenen Grösse , wird , sobald sie sie mit einem einzigen Rucke ihres Körpers ergreifen können, gefasst und in wenigen Minuten verschlungen. Ich kenne keinen

40 ^ '"i n t h e r :

anderen Frosch , der einen so weiten Schlund und Ma- gen hätte.

Im nächsten Behälter sind einige Bewohner der Kü- sten des Mittelmeers : Ascalabotes mauritanicus, Trogono- phis Wiegnianni, Seps tridactyliis und Tropidonotus viperi- nus. Während der erstere mit wunderbarer Geschwindig- keit an den Wänden herumläuft , sind die zwei nächsten immer unter dem Kiese verborgen , so dass für die Schlan- gen ein unbestrittener Theil des Territoriums übrig bleibt. Diese haben ganz die Lebensweise unserer Ringelnatter, scheinen aber weniger oft ins Wasser zu gehen : sie wer- den mit Fröschen gefüttert. Es ist ein Paar : das Männchen ist sehr dunkel gefärbt, beinahe schwarz, während das grössere Weibchen eine hellbraune Farbe mit den charak- teristischen Flecken hat. Sie vollzogen beinahe täglich die Begattung während der Monate Juli, August bis in den September. Die Rumpfe beider lagen in gerader Linie hart neben einander, und nur der hintere Theil war so ge- krümmt , dass sich die Cloaken berührten. Eine lebhafte wellenförmige Bewegung in der Richtung vor. vorne nach hinten war entlang der Seite des Männchens bemerkbar, während das Weibchen regungslos dalag. Die Begattung erwies sich nicht fruchtbar.

Der dritte Käfig enthält Saurier, die sich unter allen Thieren des Hauses am besten befinden, da für sie der Tem- peraturgrad der richtige zu sein scheint : vier Exemplare von Pscudopus pallasii aus Ungarn von zwei bis drei Fuss Länge. Sie sind auch bei weitem am gefrässigsten ; um sie aus dem Kiese oder unter dem Teppiche, unter dem sie gewöhnlich verborgen liegen , hervorzulocken, ist nur das geringste Geräusch am Käfige nöthig ; sofort strecken sie ihre Köpfe hervor und bewegen ihre lebhaften Augen nach allen Seiten, um zu sehen, ob die Stunde der Fütterung da ist. Zeigt man ihnen nun irgend einen kleinen weissen Gegenstand , den sie aus der Ferne für eine weisse Maus, ihr gewöhnliches Futter halten können, so gerathen sie schon in eine grössere Aufregung, indem sie theilweise hervorkommen und sich gegenseitig wegzudrängen suchen, wenn sie einander im Wege sind. Der Genuss der Fütte-

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 41

rung wird ihnen jedoch nur einmal wöchentlich zu Theil, was ganz genug- ist, da sie jedesmal unglaubliches leisten, obgleich ich noch nie eine gesättigt sah, Sie stürzen sich auf die Hand des Wärters , die ein Dutzend junger Mäuse oder Vögel hält, und reissen sie ihm heraas, bevor er Zeit, hat, sie fallen zu lassen. Dabei ereignet es sich, dass eine Maus von zwei Pseudopus ergriffen wird : keiner lässt los, der eine reisst nach rechts, der andere nach links, der eine erhebt sich , um dann mit dem Gewichte seines Körpers dem anderen das Stück zu entreissen : vergebens, sie zer- ren und zerren bis die Maus in zwei Theile zerreisst, und nun jeder das seinige mit der grössten Eile verschlingt. Beide sind jedoch bei diesem Streite zu kurz gekommen, da unterdessen die anderen rasch aufgeräumt haben ; hat aber einer seine Beute noch nicht ganz verschlungen und ragt ein Theil derselben aus dem Maule hervor, so wird er von den übrigen verfolgt und jener Kampf kann noch einmal beginnen , ja sogar zwischen dreien geführt wer- den. Lange nachdem alles verschlungen ist, suchen sie noch im Käfige herum, ob nicht noch etwas übrig geblie- ben, oder richten sich am Glase auf, um nach den Bewe- gungen des Wärters zu sehen , der durch das Bitten der Zuschauer oft zu einer nachträglichen Mahlzeit bewogen wird. Das Bild ist nicht unähnlich dem einer Familie jun- ger Hunde oder Füchse, die man für Vertheilung ihres Futters selbst sorgen lässt und hätte die Natur dem Pseu- dopus eine Stimme gegeben, so ginge es gewiss auch nicht ohne starkes Gekläffe ab. Sie ergreifen übrigens ihre Nah- rung wie eine Eidechse, unterwerfen sie einem hastigen kräftigen Beissen, um die Knochen zu zerbrechen, und ver- schlucken sie ganz. Sperlinge, die etwa eine Woche alt sind, sind das grösste Thier, das sie verschlucken können. In der Mitte dieses Sommers wurden zwei Philodryas viridissimus dem Garten zum Kaufe angeboten. Trotz der gerade herrschenden sehr hohen Temperatur zeigten sie sich äusserst indolent und stellten sich so steif, dass jede starke Berührung den schlanken Körper zerbrechen zu kön- nen schien. In den Käfig gebracht, bewegten sie sich lang- sam, bis sie eine Ecke erreichten, wo sie dann den Kopf

42 Günther:

und den vorderen Theil des Körpers in die Höhe richteten und unbeweglich liegen blieben. „Die grünen Schlangen sterben alle ," war die Meinung des Wärters , der schon viele der verwandten indischen Arten gehabt zu haben schien. Er hatte denselben immer Zweige und Reiser in den Käfig gegeben, ohne dass sie sie zu ihrem gewöhnlichen Ruheplatze gewählt hätten. Da jedoch schon das grüne Kleid der Schlangen vermuthen Hess, dass sie sich nur auf lebenden und belaubten Pflanzen wohl befinden werden, so gab man ihnen diesesmal zwei starke Hortensien in den Käfig. Kaum war die Störung vorüber, als eine der Schlan- gen den Kopf nach den Pflanzen wendete , und Zweig für Zweig , Blatt für Blatt zu betrachten schien. Plötzlich und das Auge hatte kaum Zeit zu folgen schoss sie in die Pflanze , wand sich einigemal durch die Zweige und rollte sich endlich an einem Orte zusammen, wo ihr Kör- per beinahe ganz auf grüner Unterlage ruhen konnte. Die ganze Bewegung war so schnell und unerwartet , dass, während ich auf diese Schlange mein Augenmerk gerichtet hatte, ich nicht bemerkte, dass die andere dasselbe Manöver gemacht , und nun musste ich selbst auf diesem kleinen Räume erst suchen , bis ich sie im Laubwerke unterschei- den konnte. Seitdem befinden sich beide aufs beste, und nie mehr hat man sie auf dem Boden gesehen; nur hie und da streckt eine den vorderen Theil ihres Körpers über die Pflanze heraus , und ist dann einem grünen unbelaubten Zweige sehr ähnlich. Der Versuch , sie mit kleinen Frö- schen zu füttern, war ohne Erfolg, weshalb man ihnen kleine Eidechsen (Lacerta vivipara) geben musste : ein im repti- lienarmen England etwas seltenes und theures Futter. Ob- gleich man sie bis jetzt noch nicht fressen sah , so kann man doch nicht daran zweifeln, dass ihnen diese Nahrung zusagt, da die Eidechsen von Zeit zu Zeit verschwinden, während der Magen der Schlangen beträchtlich ausgedehnt ist. Wahrscheinlich waren sie im freien Zustande an Sau- rier-Kost gewöhnt, an die von Baum-Eidechsen (Anolis). Andere Exemplare mögen Baum-Frösche, andere Vögel vor- ziehen. Ich habe oft an unseren Schlangen eine indivi- duelle Vorliebe für eine besondere Art der Nahrung beob-

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 43

achtet, und es scheint mir als ob dieses von der Lokalität, an der die Schlange lebte, und wo sie besonders eine ge- wisse Thierart als Nahrung vorfand , abhänge *"*). Seit kurzem theilt mit diesen prächtigen Schlangen ein Oxyrho- pus trigetninus die Wohnung , von dem ich glaube, dass er sich mehr auf dem Boden aufhalten , und desshalb die an- deren wenig stören werde.

Die Geschichte von Crotalus durissus ist zu wohl be- kannt , als dass wir sie hier weiter zu betrachten nothig hätten. Ueber den Wechsel der Zahl der Ringe fehlt mir noch alle Erfahrung. Von Cenchris piscivorus sind fünf Exemplare in der Sammlung, von welchen vier ganz schwarz sind , während das fünfte und kleinste braun und gefleckt ist. Sie sind ausserordentlich träge, so dass man selten eine in Bewegung sieht; sie liegen zusammengerollt und vereinzelt; sie fressen wenig, durchschnittlich alle vierzehn Tage einen Frosch, sehen aber nichts desto >Aeniger ziem- lich wohl beleibt aus. Manchmal beissen sie einen Frosch, ohne ihn zu ergreifen , und der Tod desselben erfolgt in kurzer Zeit; gewöhnlich aber fangen sie ihre Beute nach Art der nicht -giftigen Schlangen, und verschlingen sie sogleich , ohne das Thier vorher sterben zu lassen ; hier

"") Unbedeutendere Abweichungen oder Modifikationen in der Lebensweise können auch ganz auf zufälligen Umständen beruhen. Die grösste Coronella laevis, die ich besass und wegen ihrer Zahm- heit lange behielt, frass nur Eidechsen, nie eine Maus oder einen Frosch, obwohl sie nach ihnen, wie nach jedem anderen Thiere biss. Nachdem ich sie lange mit Eidechsen von gewöhnlicher Grösse ge- füttert hatte, gab ich ihr, um ihre ungewöhnliche Kraft zu piüfen» ein ungemein grosses und starkes Exemplar von Lac. agilis. Sie er- grifp es sogleich 5 allein nach einem langen Kampfe, wobei die Ei- dechse durch die Windungen der Schlange mehreremal erstickt schien, und doch immer wieder ihren schon zum Verschlingen erfassten Kopf losriss änderte sie die Art des Angriffs und packte die Eidechse am Schwänze; dieser brach ab und wurde gefressen. Von dieser Zeit an begnügte sich diese Schlange imiuer nur den Schwanz der Eidechsen abzubrechen, ohne einen weiteren Angriff auf die schwanzlosen Thiere zu machen; Thiere. die mit abgebrochenem Schwänze in ihren Käfig gebracht wurden, beachtete sie nicht mehr.

4.4 Günther:

also ist das Gift aug-enscheinlich nicht wesentliches Hülfs- mittel zum Ergreifen der Beute. Ich habe bei Klapper- schlangen und bei Puff-Addern oft zu beobachten versucht, ob der Giftzahn beim Verschlingen der Beute noch in Thä- tigkcit sei oder nicht: bei den letzteren konnte ich nicht darüber ins Reine kommen, allein bei den ersteren sah ich mehreremal auf's deutlichste (namentlich wenn sie grössere Thiere, Avie Meerschweinchen, verschlangen), dass dieser Zahn wirklich , wenn auch nicht ganz aufgerichtet , doch in das Thier eindrang, und wesentliche Dienste beim Hin- unterwürgen desselben leistete. Es ist aber dann, bei der lebhaften Thätigkeit aller Muskeln des Kopfes, kaum anders möglich, als dass auch noch eine beträchtliche Quantität Gift durch den Zahn ausfliesst, und durch diese Beimischung wird der Verdauungsprecess ungemein befördert : ja, diese nachträgliche Beimischung des Giftes wird ebenso noth- wendig sein , als die des Speichels in anderen Thieren; Es kann uns also nicht wundern , in Cenchris piscivorus eine Giftschlange zu finden, deren Giftapparat nicht dieselbe Bestimmung hat, die uns zunächst bei den eigentlichen Vipern auffällt.

Einen auffallenden Gegensatz zu diesen trägen „Was- ser-Vipern" bilden ihre gefährlichen Nachbarn, zwei pracht- volle Exemplare der schwarzen Varietät von Naja haje. Bei ihrer Bebhaftigkeit und Grösse (sie sind nahezu 6' lang) bedürfen sie eines ziemlich grossen Raumes; die Gläser des Käfigs sind bis zu einem Drittel der Höhe mit Oelfarbe undurchsichtig gemacht, sowohl um den Schlangen , die bei ihrer Reizbarkeit in beständiger Aufregung erhalten sein würden, mehr Ruhe zu verschaffen, als auch um sie, wenn sie aufgeregt werden sollen , eher zu veranlassen, sich in die Höhe zu richten und über den dunkeln Theil des Gla- ses herauszusehen. Das thun sie nun auch immer auf die geringste Veranlassung; kommen sie bei einer solchen Ge- legenheit oder bei der Butterung einander zu nahe, so fan- gen sie an mit einander zu kämpfen : sie wenden sich ge- gen einander mit aufgerichtetem Körper, dehnen ihre Hälse so weit als möglich aus, und eine suchte sich immer höher als die andere aufzurichten, während sie stets gegeneinan-

Skizzen ans dem zoologischen Garten in London. 45

der beissen; aiiffallenderweise verwunden sich diese bei- den nie; als aber ein drittes Exemplar vor einiger Zeit zu ihnen gebracht wurde , entspann sich ein Kampf, in wel- chem dieses gebissen worden sein musste, denn es war den folgenden Morgen todt. Von den Thieren, die zu ihnen gebracht werden , tödten sie alles , selbst wenn sie nichts davon fressen. Die Bewegung zu beissen wird mit einer ausserordentlichen Schnelligkeit ausgeführt, und obwohl man die Schlange das Thier berühren sah , so kann man doch nicht glauben , das es wirklich gebissen sei , bis es nach wenigen Secunden in kurz dauernde Convulsionen verfällt. Das Maul wird dabei nur sehr wenig geöffnet, und die Verwundung wird mehr in der Art eines Ritzens, als eines Einstechens zugefügt, wie wenn man etwa mit einer senkrecht gehaltenen Nadel an der Seite eines Thie- res herunterführe, statt dieselbe in den Körper desselben einzustechen; ebenso verhält es sich bei den Klapperschlan- gen, während die Viper und die Puff-Adder das Thier mit den Kiefern fasst, und so die Giftzähne eindrückt. Sie lie- gen oft und lange im Wasser, gehen aber nur Winters ganz unter die Teppiche.

Von der gemeinsten indischen Schlange, Coluber Blu- menbachii, ist nur ein Exemplar in der Menagerie, es ist über 6' lang , scheu und bissig und hält sich meist unter dem Teppiche verborgen. Ich glaube aus seinem schlanken Körperbaue schliessen zu müssen , dass es sich in seiner Lebensweise sehr den Herpelodryas nähert , und es wäre passend, ihm auch in der Gefangenschaft Gelegenheit zum Klettern zu geben. Obgleich seine ganze Färbung mehr glänzend ist, ist sie doch nicht verschieden von der, wel- che wir an Weingeistexemplaren beobachten.

Die unschädlichen nordamerikanischen Schlangen sind mit Ausnahme eines einzigen grossen Tropidonotus fascia- tus, welcher sich durchaus nicht mit anderen vertragen will , und förmlich Jagd auf Schlangen von seiner eigenen Grösse macht, in einem Behälter zusammen. In einer Tem- teratur , welche die ihres Vaterlandes eher übersteigt , als ihr gleich kommt, befinden sie sich ausserordentlich wohl, fressen regelmässig und häuten sich alle 3 4 Wochen. An

46 Günther:

trüben Tagen liegen die verschiedenen Species : Coluber gnttatus und cfuadrivittatus, Tropidonotiis ordinatus und fasciatus und hie und da Calopisma Reinwardtii friedlich zusammen. Bei der Fütterung ist es interessant zu sehen, wie jede Art ihr Lieblingsfutter sich fängt: die Tropidono- tus die Frösche , die C. guttatus die Mäuse, die C. quadri- vittatus *"') die Mäuse und Sperlinge. Alle jagen ihrer Beute nach , ohne zu warten , bis sie ihnen nahe genug kommt, um sie ergreifen zu können. Die Tropidonotus verschlin- gen die Frösche lebendig, unmittelbar nach dem Ergreifen, während die beiden Coluber- Arten die gefangenen Thiere mit einer oder zwei Windung<:n des vorderen Theils ihres Körpers erwürgen und nicht zu schlingen anfangen , bis jedes Lebenszeichen aufgehört hat. Man sieht auch hie und da einen Tropidonotus einen Frosch umschlingen, allein dieses geschieht nur, um ihn festzuhalten, wenn er an einem ungeschickten Platze gepackt ist, und die Schlange ihn entweder von vorne oder von hinten zu verschlingen anfangen will. Diese Verschiedenheit in der Art sich der Beute zu bemächtigen , steht im Zusammenhange mit der verschiedenen Natur derselben: selbst wenn es für die Schlange möglich wäre einen Frosch durch Ersticken zu tödten , wäre dieses gar nicht nothwendig , da die Nackt- heit seiner Haut das Festhalten mit den Zähnen , und die Schlüpfrigkeit derselben das Hinabgleiten durch den Schlund

. ') Diese beiden Coluber -Arten müssen ausserordentlich nützli-

che Thiere in ihrem Vatcrlande sein: die erstere nährt sich beinahe ausschliessli<;h von Mäusen und ist zu klein, um oft Vögel fangen zu können, während sie die erstem so gierig verfolgt, dass sie einer Maus hinler einen Schrank nachlief, sie rückwärts hervorzog und dann verzehrte. Ein C, quadrivittatus frass bei mir sieben Mäuse hinter- einander in wcnigei- als einer halben Stunde ; er ist sehr zahm und nimmt das Thier aus der Hand ; lasse ich ihn es nicht sogleich er- greifen, so folgt er mir durch das ganze Zimmer. Da ich später leichter Vögel als Mäuse für ihn bekommen konnte, so gewöhnte er sich so an dieses Futter, dass er jetzt im zoologischen Garten, wohin er für einige Zeit gebracht wurde, immer zuerst auf die Sperlinge Jagd macht, und oft zwei nach einander frisst.

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 47

erleichtert , während die Schlange weder vor Bissen , noch vor gewaltigen Bewegungen des Thieres etwas zu befürch- ten hat. Ganz anders verhält es sich mit einem warmblü- tigen Thicre, das von einer Schlange gefangen wird : seine Bedeckung mit Haaren und Federn erschwert nicht nur das Festhalten mit den Zähnen , sondern besonders auch das Schlingen ; dabei macht es energische muskulöse Anstren- gungen , sich den Griffen der Schlange zu entwinden, und viele würden mit Leichtigkeit durch Beissen ihre Freilas- sung bewerkstelligen , wenn nicht die Umschnürung der Schlange ihr Athmcn und jeden Versuch zu Beissen unter- bräche. Calopisma Reinwardtii ist nur gelegentlich mit den anderen Schlangen unter dem Teppiche ; die meiste Zeit liegt er auf dem Boden des Wasser-Behälters, wo er ge- wiss mehrere Stunden aushalten kann, ohne an die Ober- fläche des Wassers kommen zu müssen, um Athem zu ho- len. Die Grundfarbe seines Bauches ist ein prächtiges dunk- les Rosen-Roth. Er ist sehr träge und war gegen 6 Wo- chen in der Menageric , bevor er zum ersten Male frass. Er nährt sich von Fröschen, deren er sich, wie die Tropi- donotus , bemächtigt, und um die er mit diesen oft sehr heftig kämpft.

In dem anstossenden Käfige ist ein sehr grosses Exem- plar der nordafrikanischen Puff-Adder (Echidna mauri- tanica), das einzige, welches viele andere, die ihm zur Ge- sellschaft gegeben wurden, überlebt hat. Derjenige, wel- cher die Vipern die Kröten unter den Schlangen genannt hat, ist gewiss gerechtfertigt, wenn er dieses Bild von der Puff- Adder entlehnte: in einen flachen Knäuel aufgerollt, liegt sie tagelang bewegungslos an derselben Stelle , und ist aus einiger Entfernung in der Farbe kaum von dem Kiese, auf dem sie liegt, zu unterscheiden. Der Versuch, sie durch Lärm an ihrem Käfige aufzuregen, hat höchstens den Erfolg, dass sie ihren ohnedem schon unförmlich dicken Leib zu der Dicke einer Mannesfaust aufblässt. Fängt man an, sie mit einem Stocke zu reizen, so zischt sie fürchter- lich, und erhebt dabei ihren Kopf so , dass sein vorderer Theil schief nach unten geneigt ist. Ohne je ihren Ruhe- platz gänzlich zu verlassen , schnellt sie dabei hie und da,

48 Günther:

aber selten genug, ihren Kopf einige Zoll weit vor '^). Die Meerschweinchen , welche man ihr zum Futter giebt, sind oft stundenlang mit ihr zusammen, bis sie zuletzt alles Miss- trauen gegen die Schlange aufgeben , und durch einen kaum bemerkbaren Biss ihren augenblicklichen Tod finden. Die getödteten Thiere bleiben den Abend über liegen und werden erst des Nachts gefressen.

Der letzte Behälter des Hauses ist beinahe ganz zu einem Wasserbehälter umgeschaffen, und nur ein kleiner Raum um denselben bleibt trocken; er dient besonders zum Aufenthalte einer Reihe Wasserschildkröten , deren scheinbar einförmige Lebensweise bis jetzt keine Veran- lassung bot, ihrer Pflege eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen *"*''*). Bei weitem mehr, als durch sie, findet sich

*) Die Pufr-A<Ider ist die trägste Giftschlange, welche ich zu beobachten Gelegenheit gehabt habe , und ihre Gefährlichkeit im freien Zustande wird cfadiirch bedeutend gemindert , dass sie weder angreift, noch im Stande ist , sich weit voizuschnellen. Ich besich- tigte einst die ganz frisch eingefangenen Thiere an Bord eines Schif- fes von Mogador; eine der Kisten, welche neben andeien Schlangen noch eine Naja haje enthielt, inusste sogleich wieder geschlossen werden, da diese durch die erste OefTnung einen Angriff versuchte; in einer anderen Kiste waren zwanzig bis dreissig Pulf-Addern, von diesen machte nicht eine einen Versuch zu beissen oder zu entwi- schen, während ich die grössten mit einem Stocke heiausholte.

""■■") Schildkröten werden mit Ausnahme solcher Species, die durch Grösse oder ein besonderes Aussehen sich auszeichnen, nie eine be- deutende Rolle in Menagerien spielen, selbst in solchen nicht, wo der Geschmack des Publikums nicht allein zu Ralhe gezogen wird. Doch dürfte selbst ein geringes Material, wenigstens im zoologischen Garten , eine bessere Verwendung finden, als nur die einer Ausstel- lung, wobei man nicht mehr lernt als in einem Museum. Es wäre ein billiger Versuch , die nordamerikanischen Species in einem der vielen kleinen Teiche des Londoner Gartens auszusetzen, wo sie bei einigermassen zweckmässiger Einrichtung der Beobachtung ebenfalls zugänglich wären. Dort könnten sie sich ihr Winterquartier selbst bereiten , statt dass sie , wie jetzt, weder schlafend noch vollständig wach erhalten werden. Ich sehe noch keinen Grund, warum nicht wenigstens die nördlichen Arten hier ebenso wie in Kord-Amerika mit Erfolg versucht worden ist, zur Fortpflanzung gebracht werden könnten. Zur Erhaltung tropischer Arten während eines oder meh-

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 49

das Publikum durch einen riesenhaften Ochsen fr osch an- gezogen, der sich in einer Ecke in ein Stück weichen Ra- sens eingebettet hat. Er behauptet diesen Platz mit grosser Hartnäckigkeit, selbst gegen den Wärter, wenn er ihm den Rasen wechseln will ; eine Schildkröte , welche ihn belä- stigt, schiebt er unwillig mit dem Vorderarme bei Seite; sinkt die Temperatur, so geht er ins Wasser. Seine Nah- rung bilden andere Frösche und Sperlinge, welche er dem Wärter aus der Hand nimmt und noch lebend hinunter- schlingt. Da es ein Weibchen ist, so hat man von ihm nie eine Stimme gehört.

Das Reptilien haus, welches die erwähnten Thiere enthält , bildet einen Anbau zu einem grösseren Gebäude, dem früheren Museum der zoologischen Gesellschaft; ein zweiter Anbau ist auf der anderen Seite dieses Gebäudes, und etwa die Hälfte davon wird von zwei grossen Behäl- tern eingenommen, die zum Aufenthalte für Python molurus und reticulatus hergerichtet sind; beide Behälter sind mit dicken Baumzweigen ausgefüllt , wodurch den Thieren die vollere Benutzung ihres Raumes ermöglicht wird. Der Bo- den der einen ist ganz mit Wasser gefüllt, der des anderen trocken. Der Python reticulatus von Ceylon ist eines der ältesten Thiere in der Menagerie. Vor 14 Jahren von Cey- lon gebracht, hatte er nur die Hälfte einser jetzigen Länge, die 21 Fuss beträgt. Der Wärter sagt, dass er schon seit mehreren Jahren kein Wachsthum mehr an ihm bemerkt habe; sicher ist, dass er in dieser Zeit nicht mehr mit derselben Regelmässigkeit gefressen hat, und bevor seiner letzten Mahlzeit, welche in drei Enten bestand, hat er neun Monate gefastet : die , so viel ich weiss, längste Periode, in der eine Schlange futterlos blieb, ohne darunter zu leiden. Obgleich diese Riesenschlange ebenfalls im gereizten Zu- stande beisst , ist sie bei weitem nicht so wild , als Py- thon Sebae ; sie geht häuüg ins Wasser und verweilt tage- lang darin.

rerer Winter ist ihie Uebersiedelunfj in ein Treibhaus oder in ein Gebäude mit den Bedingungen eines solchen unumgänglich noth- wendig.

Archiv f. Naturg. Jahrg. XXVI. 1. Bd. 4

^

50 Günther:

In einem kleinen Glaskasten, in demselben Zimmer, sind die verschiedenen Species unserer europäischen Frösche, Kröten, Salamander u. s. w. untergebracht; ihre Lebens- weise ist hinlänglich durch die deutschen Beobachter auf- gehellt *"').

Um den Rest der Reptilien und die Fische zu besich- tigen , müssen wir in einen anderen Theil des Gartens, zu dem Wasserthier- Hause gehen; da wir auf dieses Gebäude voraussichtlich später noch einmal zurückkommen werden, so genüge es hier zu sagen , dass es ein Glasge- bäude etwa von der Grösse des Reptilienhauses ist , und dass es nebst einigen anderen Behältern die Salz- und Süsswasser- Aquarien (sechszehn an Zahl) enthält. Eine seiner kürzeren Seiten ist durch ein Gitter abgeschlossen, hinter dem wir um und in einem grossen Bassin ein halbes Dutzend Alligatoren und viele Wasserschildkröten träge her- umliegen oder schwimmen sehen. Unter den letzteren fällt uns besonders eine 3' lange Chelydra serpentina auf, die jedoch, nach ihrem indolenten Benehmen zu schliessen, wohl nicht lange eine Chelonia mydas überleben wird. Die Al- ligatoren stammen alle von demselben Transport und zei- gen schon den allmählichen Uebergang von der gestreck- ten Schnauze der jüngeren Individuen zu der breiten der älteren : das kleinste ist etwa 2' lang, das grösste 6'. An sonnigen Tagen liegen sie mit geschlossener Pupille über und neben einander, indem der Klumpen wie ein Ganzes nach und nach dem fortschreitenden Schatten zu entgehen sucht, und der Sonne durch den Behälter folgt. Kleineren Störungen oder den Zuschauern schenken sie nicht die ge- ringste Aufmerksamkeit , es bedarf des Wärters , der dicht an sie herantritt und sich stellt als ob er einen ergreifen wollte. Dann stürzen sie sich mit einem höchst eigenthüm- lichen Geräusche , das die Mitte zwischen Grunzen und Bellen hält , in das Wasser , und setzen dasselbe noch so

'"') Bei der Farbenpracht tropischer Frösche , der Leichtigkeit ihrer Anschaffung und Transports ist man in der That erstaunt, auch nicht eine jener niedlichen Hylae von Süd -Amerika in der Mena- gerie zu finden. ,

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 51

lange fort, bis jede Störung aufgehört hat. Dasselbe Ge- räusch hörte ich von Alligatoren, die eben über den Ocean herübergebracht worden waren untl in ihren Behältern ans Land gebracht wurden. Sie sind ziemlich zahm, d. h. sie versuchen nicht zu beissen, höchstens mit dem Schwänze zu schlagen. Frösche und Fische fangen sie gierig des Morgens oder Abends , belästigen aber die Schildkröten nicht. Beinahe den ganzen Winter bringen sie im Wasser zu, das auf 60° F. erhalten wird.

Eines der Aquarien enthält die beiden englischen Spe- cies von Triton : T. cristatus und palmatus. Die letztere Art ist jedoch gewiss identisch mit dem deutschen T. tae- niatus , denn als eine Sendung von mehreren Exemplaren des T. cristatus und taeniatus die in der Umgebung von Bonn gesammelt w orden w aren , ankam und zu den ande- ren gebracht wurde , w aren die englischen T. palmatus nicht mehr von den deutschen zu unterscheiden. Beide Ar- ten pflanzen sich im Aquarium fort, einige Dytiscus haben jedoch unter der Nachkommenschaft stark aufgeräumt.

Die seltensten Reptilien der ganzen Sammlung sind zwei Amphiuma tridactylum. Das Schiff , auf welchem ein Matrose die beiden Thiere in einem Kästchen, dessen Boden etwas Wasser hielt , mitbrachte , kam , w ie ich mich selbst überzeugte, von Süd-Carolina. Trotz dieser scheinbar un- zweckmässigen Behandlung kamen zwei in ganz gutem Zu- stande an , während ein drittes kurz vor Beendigung der Reise starb. Sie wurden in ein gewöhnliches Aquarium gebracht, in welchem sie lange herumschwammen, oft an die Oberfläche kamen und Luftblasen ausstiessen. In der Nacht fingen sie zw^ei Goldfische , von denen jeder etwa vier Zoll Länge gehabt haben mochte , worauf sie in das Aquarium des zoologischen Gartens gebracht wurden , in dem sie sich noch , nach beinahe zwei Jahren , aufs beste befinden. Die Länge beider beträgt zwei Fuss wenigstens, ein Wachslhum in der Länge ist nicht bemerklich , wohl aber in der Dicke. Ihr Aquarium ist 5' lang, 2V2' tief und 2' breit ; der Grund ist mit Kies belegt, und mit einer nöthigen Anzahl der gewöhnlichen Wasserpflanzen bewachsen; an bei- den Enden sind grosse Steine angebracht, zwischen w eichen

52 G ü n t h e r :

die Amphiiima den Tag über liegen. Von selbst kommen sie nur des Nachts aus ihren Schlupfwinkeln, um langsam ihrer Nahrung nachzugehen; hie und da steigen sie auch in die Höhe, und versuchen aus dem Aquarium herauszu- kommen, was auch einem einmal gelang; das Thier be- gnügte sich jedoch in ein anderes Aquarium hinüberzu- steigen und auf die darin befindlichen Goldfische Jagd zu machen. Während des Sommers kann man sie stets mit Leichtigkeit hervorholen: der Wärter befestigt einen Wurm in die Gabel eines Stocks und lässt ihn vor dem Loche, in dem er das Thier vermuthet , spielen. Dieses ist immer zur Fütterung bereit und kommt auch sogleich hervor: in- dem es verschiedene Mal danach schnappt, wird es in sei- ner ganzen Länge sichtbar, hat es aber den Wurm einmal gefasst, so kehrt es sogleich an seinen früheren Ort zu- rück. Die Bewegungen beim Schwimmen sind die eines Aales, wobei zugleich dieFüsschen mit zur Hülfe gebraucht werden ; kriecht es langsam auf dem Boden des Wassers, so werden die Füsschcn als Stütze und als Bewegungsor- gane benutzt. Trotzdem , dass ich sie oft und lange beob- achtet habe , konnte ich nie zur Ueberzeugung gelangen, dass sie beim Aufsuchen ihrer Nahrung durch den Tastsinn oder den Gesichtssinn allein geleitet würden; ich glaube dass sie den letzteren jedenfalls , wenn auch in unterge- ordnetem Grade besitzen. Täuscht man sie z. B. indem man mit dem Stocke allein eine Bewegung vor ihrem Loche macht, so strecken sie zwar den Kopf heraus, ziehen ihn aber sogleich zurück, wenn sie sehen, dass kein Wurm an dem Stocke befestigt ist. Der oben erwähnte Versuch des einen Thieres, aus dem Aquarium herauszusteigen, blieb vereinzelt und fiel in die erste Zeit seines Aufenthalts im Behälter, an den es sich noch nicht gewöhnt hatte : er be- weist aber doch (wie auch die Art des Transportes) , dass diese Thiere eine Zeit lang ausser dem Wasser , oder bei einem sehr dürftigen Vorrathe aushalten können. Bei ihren gewöhnlichen abendlichen Excursionen suchen sie meist nach Nahrung, verfolgen die Fische und steigen in unre- gelmässigen Zwischenräumen für einen Moment an die Oberfläche augenscheinlich nicht um Luft einzunehmen, son-

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 53

dern um welche aiiszustossen , was sie auch hie und da unter dem Wasser thun. Oft ist eine Luftblase an ihrer Kiemenöffnung bemerkbar. Während des Winters verber- gen sie sich, ohne an die Oberfläche zu kommen oder zu fressen. Ihre Hauptnahrung sind Regenwürmer, von denen sie ein Dutzend der grössten auf einmal verzehren ; auf Fische sind sie sehr begierig, und ihre Kiefer und ihr Schlund sind so ausdehnbar, dass sie, wie oben erwähnt, Goldfische von vier Zoll Länge verschlucken können. Die Barsche , welche mit ihnen zusammen sind , sind zu ge- wandt und kennen die Gefahr zu wohl , als dass sie von ihnen ergriffen würden. Die Thiere sind gegen einander sehr gleichgültig, befinden sich aber oft zusammen in dem- selben Schlupfwinkel. Da noch mehrere Exemplare durch dieselbe Quelle zu erwarten sind, und die vegetativen Ver- hältnisse dieser Thiere vollständig geordnet erscheinen, so ist nicht zu viel verlangt, dass in dem gegenwärtigen Aquarium das Dunkel ihrer Fortpflanzungsgeschichte etwas aufgehellt werden sollte.

Der Proteus, der jahrelang im Besitze der zoologi- schen Gesellschaft war, starb vor kurzem, beinahe zum Skelette abgezehrt; er hatte jedoch, da er in einem dunklen Baume aufbewahrt war, seine Farbe vollkommen erhalten. Für die Ueberwinterung der Lepidosiren, deren nun nach und nach gegen ein Dutzend ankam, sind beide Häuser zu kalt.

Es wäre überflüssig , einen vollen Bericht über die verschiedenen Fische des Gartens zu geben, da sie Species angehören , die ein jeder in seinem Aquarium beobachten kann , oder über welche bereits die genauesten Berichte gegeben sind *'^), und ich begnüge mich die folgenden Be-

'") Es ist zu bedauern , dass von Seiten der zoologischen Ge- sellschaft noch kein Versuch gemacht worden ist, ausländische Fische einzuführen, der für den ersten Anfang auf ihrem eigenen Grund und Boden und in ihren ausgedehnten x\quarien gemacht werden könnte. England ist zwar reich genug an Süsswasser- und See- fischen, allein bei der grossen Vorliebe der Engländer für den Fisch- fang wäre es als ein schöner Gewinn für .ihre Seen zu betrachten, wenn es gelänge, unseren Wels dahin zu verpflanzen.

54 Günther:

obachtiingen mitziitheilen. Trotz dem , dass Gasterosteiis tracliiirns ebensowohl als linriis in England sich finden, ist die letztere Varietät allein in dem Aquarium. Im Früh- jahre bekamen die älteren Männchen ihre lebhaften Farben und kämpften heftig um bestimmte Plätze ; von einem Nest- bau , wozu Material genug vorhanden gewesen wäre, war jedoch nichts zu sehen. Englische Beobachter schweigen auch oränzlich über diesen Georenstand. Die Weibchen setz- ten ihre Eier vereinzelt ab , und diese verschwanden, be- vor sich der Embryo entwickele. Die Barsche laichen regelmässig jedes Jahr, doch kommen aus unbekannten Ur- sachen, die Jungen nicht immer zum Vorschein. Am zwei- ten oder dritten Tage sinkt der Laich zu Boden; was oben sich schwimmend erhält, ist nicht befruchtet ; die Zeit des Auskriechens des Embryo variirt nach der Gunst oder Un- gunst der Witterung von 9—^17 Tagen; die Jungen haben anfangs durch ihre eigenen Aeltern viel zu leiden , doch entkommen noch so viele , dass später eine Versetzung nothwendig wird. So sind nun Barsche, die in vier auf- einander folgenden Jahren gezogen wurden, in den Aqua- rien; die einjährigen sind ZAvei Zoll lang, die zweijähri- gen variiren bereits von vier bis sechs Zoll, so dass von dieser Zeit an die Jahresunterschiede in der Grösse sich verwischen und von dieser allein nicht mehr auf das Alter des Fisches geschlossen werden kann. Der Wärter ver- sichert mich auch, dass sowohl die Männchen als Weibchen im 2ten Jahre fortpflanzungsfähig seien.

Die verschiedenen Arten von Blennius sind die un- terhaltendsten und angenehmsten Fische in einem Seewas- ser-Aquarium ; kaum hat man sie in ein solches gesetzt, so suchen sie sich eine bequeme Nische oder Höhlung zu ihrer künftigen Residenz aus ; sie untersuchen dieselbe von allen Seiten, bewegen sich eilends herum, halb schwim- mend, halb mit Hülfe ihrer Bauchflossen gehend, kopf- aufwärts oder köpf- abwärts , mit dem Bauche aber immer gegen die Wand gekehrt, wobei es gleichgültig ist, ob die Wand senkrecht oder überhang-end ist. Erscheint ihnen der Platz passend, so legen sie sich recht eigentlich darin auf die Lauer : kein anderes Thier darf sich ihm nähern,

Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 55

ohne dass es angegriffen und mit kräftigen Bissen verjagt wird, so dass die Garneelen (Orangen vulgaris und Palae- mon squilla) von nun an in weitem Umkreise den gefähr- lichen Platz zu umschwimmen genölhigt sind. Da es zu unbequem wäre , für sie immer einen Vorrath von kleinen Crustaceen (Talitrus und Gammarus) , ihre Hauptnahrung im freien Zustande, zu halten, so füttert man sie mit klein gehacktem Fleische. Sie sind aber ausserordentlich ge- hässig und erfordern täglich eine ein- oder zweimalige Fütterung; ihre lebhaften Augen sind in steter Bewegung, und sobald man sie einige Male gefüttert hat, nehmen sie das Futter vom Finger weg oder beissen in diesen so ener- gisch, dass man die Zähnchen fühlen kann. Blennius pal- micornis scheint nicht ganz so zahm zu werden, als pho- lis, ersetzt aber dieses durch buntere Farben ; die Hörnchen über den Augen stehen im Wasser ganz aufrecht und un- beweglich.

Crenilabrus cornubicus (und tinca) erscheint nach dem, was ich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gesehen, nur im Monat August an der Küste, um später wieder in grös- sere Tiefen zurückzukehren. Um diese Zeit sieht man ihn dann auch alle Aquarien durch seine Farbenpracht und durch die Lebhaftigkeit, mit welcher er kleine Seethierchen verfolgt, beleben; leider aber erhält er sich nicht lange darin , da ihm wenigstens ein gewisser Vorrath lebenden Futters nothwendig zu sein scheint, und er nie längere Zeit ohne Futter sein kann""). Im freien Zustande, und besonders in den Aquarien , wird er sehr leicht eine Beute der Actinien, während die Blennius selbst der Anthea ce- reus immer entschlüpfen; der sehr schleimige Ueberzug der letzteren Fischart scheint das Anhaften der Tentakeln zu verhindern.

■") Die Seefische (wenigstens die Fleischfresser unter ihnen) fressen im Allgemeinen mehr als Süsswasserfische und dauern nur viel kürzere Zeit ohne Kahning aus. Crenilabrus zeigt schon nach einem Tage sich sehr hungrig, und in meinem Aquarium frassen sie einer Trigla gurnardus die Brustflossen ab, als ich es eines Tages unterliess, sie zu füttern.

56 Günther: Skizzen ans dem zool. (»arten in London.

Die Hippocampus brevirostris wurden von Lissabon gebracht und sind in einem kleinen Aquarium für sich zu- sammen. Mit ihrem Schwanzende um einen Zweiff o-e- klammert , haben sie das Ansehen von dürren knotigen Aesten. Zuweilen lösen sie sich ab, ringeln den Schwanz krampfhaft ein, und bewegen sich langsam, in beinahe auf- rechter Stellung, mit einer vibrirenden Bewegung ihrer Flossen durch das Wasser. Finden sie nicht bald einen anderen Zweig, um sich daran zu befestigen, so sinken sie matt zu Boden , auf dem sie unbehülflich fortkriechen. Ihre Nahrung besteht wahrscheinlich in kleinen Thieren, welche sie mit ihrem röhrenförmigen Maule unter Seegras oder aus Felsenritzen hervorholen. Da sie mehr zur Be- quemlichkeit der Zuschauer, als zu ihrer eigenen ausge- stellt sind , so dürften sie in ihrer Gefangenschaft nicht lange leben.

Polypen und Quallen von Santa Catharina.

Phiiomeduso Vogtii n. sp.

Von

Fritz lüUer.

(Hierzu Taf. II. Fig. 1.)

Die Schirmquallen werden von den mannichfachsten Sehmarotzertliieren heimg-esucht. Inlusorien wimmeln in den Hoden der Tamoya ; Trematoden und andere Eing-e- weidewürmer finden sich oft in Menge in der Gallertsub- stanz verschiedener Arten; Asseln, Amphipoden und ein glasheller Palaemon bewegen sich in dem Schleime der Scheibe und der Arme , deren Nesselfäden anderen Kru- stern raschen Tod bringen, und eine im Verhällniss zum Wohnthiere riesige Krabbe (Libinia?) pflegt zwischen den vier die Armplatte der Rhizostomiden tragenden Säulen zu sitzen. Vor allen merkwürdig aber unter diesen Schma- rotzern und wohl werth einer besonderen Beschreibung er- schien mir der actinienähnliche Polyp , dem die folgenden Zeilen gewidmet sind, theils als das erste parasitisch lebende Thier dieser Gruppe, theils weil seine fast quallenartige Durchsichtigkeit einen leichten und sicheren Einblick in seine übrigens sehr einfachen anatomischen Verhältnisse gestattet.

Philomedusa Vogtii, wie ich das Thier benenne *), er-

"■) Den Gattungsnamen wählte ich nach der Lebensweise ; durch den Artnamen sei es mir gestattet, meine Hochachtung Hrn. C. Vogt zu bezeigen, in dem ich neben dem geistvollen Naturforscher zu- I gleich den rüstigen Kämpfer für die Principien verehre, deren Unter- drückung auch mich aus der alten Heimath scheuchte und eine neue an den gastlichen (Jestaden von Santa Catharina suchen Hess.

58 Müller:

scheint, wenn sie die Leibeshöhle mit Wasser aufgeschwellt hat, als cylindrischer Schlauch von etwa 30 Mm. (selten bis über 50 Mm.) Läng-e und etwa 5 Mm. Dicke. Das Hinter- ende ist in der Regel schwach verjüngt, kuglig abgerun- det oder mehr weniger trichterförmig eingezogen. Am vorderen Ende steht ein Kranz von zwölf kurzen (gegen 4 Mm. langen), plumpen, cylindrischen Tentakeln mit abgerundeter geschlossener Spitze, die bald in einer Ebene ausgebreitet, bald schief nach vorn gestreckt, besonders häufig aber nach hinten zurück gebogen getragen werden. Die Tentakel sind sämmtlich von nahezu gleicher Länge ; doch kann man, obschon diese Ungleichheit oft durch verschie- denen Contractionszustand derselben verwischt wird, sechs längere und sechs mit ihnen abwechselnde etwas kürzere unterscheiden. Zwischen je zwei Tentakeln beginnend durchziehen zwölf seichte Längsfurchen die Oberfläche des Körpers und stossen in der Mitte des Hinterendes strah- lig zusammen. Die Färbung des Thieres beschränkt sich in diesem Zustande auf eine weissliche Trübung; bei stärkster Contraction, die ihm die Gestalt einer Feige mit zwölf Längs- furchen und zahlreichen Querrunzeln zu geben pflegt, con- centrirt sie sich zu einem schmutzigen , mehr oder weniger ins Röthliche ziehenden Gelb. Die Fühler erscheinen biswei- len schwach röthlich gefärbt, und innen an ihrer Basis pflegt ein undurchsichtiger, hellgelber Ring zu liegen; weniger constant finden sich ähnliche Flecken aussen an ihrer Basis und bräunliche Flecken zwischen ihnen.

Die ganze Oberfläche des Körpers trägt einen kurz- haarigen Flimmerüberzug, sowie auch überall, in be- sonderer Menge jedoch an den Tentakeln, länglich schmale Nesselzellen von 0,012 bis 0,016 Mm. Länge sich finden.

Die Form des Mundes ist eine sehr wechselnde. Wenn die Tentakel schief hinterwärts gebogen sind, pflegt er als weit offener Trichter zu erscheinen , umgeben von elf durch scharfe Furchen geschiedenen Wülsten, die ebenso viel Tentakeln vorliegen. Einer der kürzeren Tentakel bleibt dabei ohne vorliegende Wulst, während die den beiden be- nachbarten entsprechenden Wülste sich durch ihre Breite auszeichnen , wie denn überhaupt den längeren Tentakeln

Polypen und Quallen von Santa Catharina. 59

breitere, den kürzeren schmälere Wülste entsprechen. Der Mund erscheint selten fast rund, meist in die Länge gezo- gen in der Richtung des durch den wulstlosen Tentakel gehenden Durchmessers. Diesem Tentakel entsprechend bleibt zwischen den beiden anliegenden Wülsten eine ziem- lich tiefe Rinne, an deren äusserem Ende jede dieser Wülste sich in einen kleinen zungenförmigen Fortsatz auszieht. Ein dritter ähnlicher Fortsatz liegt zwischen diesen beiden, dem wulstlosen Tentakel gegenüber. Diese drei Fortsätze, meist weiss und undurchsichtig, fallen besonders ins Auge, wenn bei schief vorwärts gerichteten Tentakeln der Mund fast geschlossen ist; die Wülste, die nichts sind, als eigen- thümliche AuflDlähuno-en der Leibeshöhle, sind dann ziem- lieh abgeflacht und die zungenförmigen Fortsätze erheben sich, gerade vorgestreckt, über deren INiveau.

Die Mundwülste, die sie trennenden Furchen und die an den zungenförmigen Fortsätzen beginnende Rinne zie- hen sich fort in den kurzen, etwa die doppelte Länge der Tentakel erreichenden M a gen, die unmittelbare Fortsetzung des Mundtrichters. Die Ränder der Rinne scheinen sich in der ganzen Länge des Magens zu einer vollständigen Röhre zusammenlegen zu können. Im Grunde steht der Magen durch eine weite Oeffnung in Verbindung mit der Leibeshöhle, in die man nicht selten vom Münde aus hin- einsehen kann. Wenn er sich schliesst durch Aneinander- legen seiner Wände, erscheint er platt; schmal in der Rich- tung des durch die Rinne gelegten Durchmessers, breit in darauf senkrechter Richtuno- o-esehen. In letzterer seitli- eher Ansicht sieht man, dass er auf der Seite der Rinne weiter in die Leibeshöhle hineinragt, als auf der entgegen- gesetzten.

Die weite L e i b e s h ö h 1 e ist durchweg mit Flimmer- cilien bekleidet. Um den Magen herum ist sie durch mus- culöse Wände in 12 Kammern getheilt, die den Tentakeln entsprechen und in deren Höhle sich fortsetzen. Die Schei- dewände reichen nicht vollständig bis zum Vorderende, vielmehr bleibt hier in jeder ein rundes Loch als Commu- nication zwischen je zwei benachbarten Kammern. Auf diese W'eise wird an der Basis der Tentakel eine Art Ring-

60 Müller:

canal um den Mund hergestellt. Selten sieht man an an- deren Stellen die Scheidewände von Lücken durchbrochen. Nach hinten setzen sich die Scheidewände, den Längs- furchen folgend, fort bis ans Ende des Körpers, bilden aber jenseits des Magens nur sehr niedrige Vorsprünge in die weite Leibesliöhle. Sie scheinen aus zwei Lamellen gebil- det; wenigstens erscheinen sie, gerade von aussen betrach- tet, als zwei dunkle durch einen hellen, schmalen, mittle- ren geschiedene Streifen.

Von der Insertion am Magen bis zu Anfang des hin- tersten Drittels oder Viertels der Länge sind die Schei- dewände eingefasst von einem breiten wellig oder krau- senartig gefalteten gelblichen, ziemlich undurchsichtigen Saume, dessen frei in der Leibeshöhle flottirender Rand wulstig verdickt ist. An diesem etwa 0,1 Mm. breiten Rande, den eine hellere Linie scharf gegen die Krause absetzt, ist die Flimmerbewegung, besonders lebhaft und es sind ihm reichliche Nesselzellen von doppelter Länge und Dicke der in der äusseren Haut sich findenden eingelagert. Diese zwölf Krausen verhalten sich verschieden in ihrer Er- streckung nach vorn und hinten und zeigen dabei in noch deutlicherer Ausprägung die schon in der Bildung des Mundes angedeutete bilaterale Symmetrie in Bezug auf eine durch die Achse des Körpers und die Mundrinne gelegte Ebene. In ihrer Erstreckung nach hinten betrachtet er- scheinen, wenn man von der Seite der Mundrinne aus zählt, constant als die längsten das Iste, 3te und 5te Paar der Krausen, von mittlerer Länge das 6te Paar , als die kürze- sten das 2te und 4te Paar. Diese beiden letzten Paare da- gegen reichen am weitesten nach vorn, indem die betref- fenden Scheidewände am Magen nur etwa bis zu dessen Mitte herabsteigen ; das 3te, 5te und 6te Paar inseriren sich am Magengrunde , während die beiden Scheidewände des ersten Paares noch über den Magen hinaus eine nach innen geschlossene Kammer bilden. Die verdickten Ränder der Krausen glaube ich als Analoga der Mesenterialfäden der Actinien betrachten zu dürfen, die hier nur die Eigenthüm- lichkeit haben, in ihrer ganzen Länge angeheftet zu sein. Die Krausen selbst dürften sich als Bildungsstätten der Ge-

Polypen und Onallen A'on Santa Catharina. 6|

schlechtsstoffe ausweisen, von denen ich bis jetzt an zahl- reichen, seit fast einem Jahre untersuchten Thieren noch keine unzweideutigen Spuren auffand.

Bei grösseren Actinien pflegt nur das Hervorspritzen feiner Wasserstrahlen beim Anfassen die Anwesenheit klei- ner Oefl"nungcn der Leibeshöhle zuverralhen; bei unserem Thiere sind diese Oeffnungen selbst mit Leichtigkeit wahr- zunehmen. Sie zeigen sich schon dem blossen Auge als 12 radiäre Reihen heller Punkte am hintersten Theile des Körpers, die mit den Längsfurchen abwech- seln. Ihre Zahl wächst mit dem Alter und stiegt bei den grössten Exemplaren bis gegen 20 in einer Reihe. Ihr Durchmesser ist verschieden ; die grösste Oeffnung, die mir vorkam, war 0,1 Mm. lang und halb so breit. Unter dem Mikroskope kann man die durch die Flimmercilien der Lei- beshöhle unihergetriebenen Partikelchen bisweilen aus ihnen austreten sehen. Durch Contraction der Leibeswand wer- den sie natürlich geschlossen, sind aber auch selbständiger Verengerung und Schliessung fähig; sich verengend er- scheinen sie von einem hellen Hofe umgeben ; sind sie ge- schlossen, so zeigt sich an ihrer Stelle ein heller Fleck.

Die Mitte des Hinterendes ist bei dem wassergefüll- ten Thiere vollkommen geschlossen; bei rascher Contraction verschliesst sich dagegen hier eine weite Oeffnung zum Austritte des Wasser s ""), durch die dabei nicht selten Theile der Krausen vorfallen. Bei einem grossen Exemplare , das ich zu bequemerer Beobachtung in ein Reagensgläschen brachte , sah ich, nachdem es sich wieder aufgeschwellt hatte, einen schmalen Strang vom Ende einer

■") Ebenso bei Cerianthus (vergl. Jules Hain;e in den Ännales des Sciences nat. 4. ser. Toni. I. p. 341), mit welchem Polypen der obenbeschiiebene manche Verwandtschaft hat. Freilich stimmt die Zahl und besonders die Stellung der Tentakeln nicht, deien Cerianthus eine doppelte , Philomediisa eine einfache Reihe besitzt. Uebrigens wäre in Betreff der systematischen Stellung zu berücksichtigen, dass die Thiere, wie oben steht, noch nicht geschlechtsreif beobachtet sind.

Max Schnitze.

62 Müller:

der längeren Krausen straff nach der Mitte des Hinteren- des herübergespannt, der, wie ich wusste , vorher nicht vorhanden gewesen war. Nach einer durch Erschütterung des Glases bewirkten neuen leichten Conlraction des Thie- res begann der Strang sich vom Hinterende zu entfernen und mit ausserordentlicher Langsamkeit und unter Bewah- rung seiner geradlinigen Form sich zusammenzuziehen; er erwies sich so als ein bei der ersten Contraction einge- klemmtes , bei der durch die neue Contraction bewirkten Erschliessung der Endöffnung wieder frei gewordenes Stück der betreffenden Krause.

Ich fand die Philomedusa Vogtii zuerst vereinzelt an Olindias (nov. gen. Eucopidarum) an der Unterfläche der Scheibe sitzen, später in Menge an Chrysaora, wo sie an den Armen, in den Geschlechtshöhlen , im Magen und seinen Nebentaschen sich aufhält. Von einer einzigen Qualle der letzteren Gattung habe ich schon über 20 unserer Polypen abgelesen. Die den Quallen entnommenen Thiere pflegen Stücke der Fangfäden, der Genitalien, der Magenfäden u. s. w^ des Wohnthiers im Magen zu haben und in ihrer Leibes- höhle trifft man oft Nesselzellen der Qualle an. Sie ver- tragen , wie die Actinien , gut die Gefangenschaft, können monatelang hungern und lassen sich auch andere als Qual- lenkost, namentlich Anneliden , schmecken. Hat man eine grössere Zahl in demselben Gefässe , so werden bisw^eilen kleinere von grösseren verschluckt und leben in deren Leibeshöhle wenigstens Avochenlang weiter, wie es scheint ohne gegenseitige Störung des Befindens.

Die Thiere vermögen mit jeder beliebigen Stelle des Leibes sich anzuheften , wahrscheinlich mittelst der Nes- selfäden, die überhaupt auch in den Fangfäden der Quallen grössere Dienste als Haftorgane, wie durch ihr Gift zu lei- sten scheinen. Sie klettern nicht selten an der Wand der Glasgefässe empor und pflegen sich dann mit dem Munde anzusaugen. Ehe sie zu behaglicher Ruhe sich aufgeschwellt, ist ihre Gestalt eine sehr wechselnde , je nachdem dieser oder jener Körpertheil stärker contrahirt ist, je nachdem die Tentakel eingezogen oder vorgestreckt sind u. s. w. Alle ihre Bewegungen sind sehr träge ; sie bleiben , in

Polypen und Quallen von Santa Catharina. 63

Ruhe gelassen, Tage lang auf dem Boden des Glases lie- gen oder an derselben Stelle der Wand hängen , ohne an- dere Bewegungen als Contractionen der Ringmuskeln, die von Zeit zu Zeit in langsam fortschreitenden Wellen von vorn nach hinten verlaufen.

Erklärung der Abbildung.

Taf. II. Fig. 1.

Philomeclusa Voglii in ausgedehntem Zustande, 3nial ver- grössert.

Desterro, im Mai 1859.

lieber die Schale uud die Larven des Gasteropterou Meckelii.

Von

Dr. August Krohu.

(Hierzu Taf. II. Fig. 2 u. 3).

Mit Ausnahme delle Chiaje's, der dem Gasteropte- ron ein Schalenrudiment zuschreibt, sind wohl die meisten neueren Zoologen, sei es, dass sie delle Chiaje's Ent- deckung übersehen oder nicht haben bestätigen können, der Ansicht, dass diese Gattung im Gegensatze zu den übrigen Aceren ohne Schale sei -""). In der That, zur Stütze ihrer Ansicht können sie sich noch auf das Zeugniss eines so ausgezeichneten Beobachters wie Souleyet berufen, der sich mit Entschiedenheit dahin ausgesprochen, dass nicht die geringste Spur einer Schale bei Gasteropterou anzu- treffen sei. (Voy. de la ßonite. Zoolog. T. 2. p. 465).

Dass d. Chiaje trotzdem Recht hat, kann ich nach Untersuchungen, die ich schon vor mehreren Jahren an frischen Thieren in Neapel angestellt , bezeugen. Ich bin nun kürzlich durch die Güte meines geehrten Freundes Prof. Troschel, der so gefällig war, mir einige wohler- haltene Weingeistexemplare zu weiterer Untersuchung zu überlassen , in den Stand gesetzt worden , nicht nur die Anwesenheit der Schale von neuem zu bestätigen , sondern auch die früheren Beobachtungen bedeutend zu vervoll- ständigen.

") In Philippi's Handbuche der Conchyliol. und Malakozool. (p. 232) findet sich die auffallende Angabe , dass Doridiuni keine Schale besitze, während doch schon d. Chiaje ein Rudiment der- selben bei allen Arten dieser Gattung nachgewiesen hat.

Krohn: Ueb. d. Schale u. d. Larve v. Gasteropt. Meck. 65

Was d. Chiaje über das von ihm entdeckte Scha- lenrudiment anführt, beschränkt sich auf die kurze Angabe, dass es als zartes, schwach schillerndes Häutchen den Bo- den eines Hohlraums von ovalem Contour überzieht , der sich auf der Rückseite des Abdomen, dicht unter der die Visceralmasse umhüllenden Haut - oder Manteldecke findet. (Descrizione degli animali inverlebrati d. Sicil. citer. T. 2. p. 86. Tab. 55. Fig-. 4). Ferner wird im Abschnitte über die Entvvickelung der Argonauta desselben Schalenrudi- menls gelegentlich gedacht, und seine häutige Consistenz den kalkigen Kiemenschildern der Aplysien, Dolabellen etc. gegenüber hervorgehoben (T. 1. p. 46).

Die Schale des Gasteropteron ist in der That von membranöser Beschaffenheit, durchaus homogen, einem Chi- tinhäutchen ähnlich und so äusserst fein, dass sie sich im Wasser bei der geringsten Erschütterung , in unzählige zarte Fältchen wirft, woraus denn ihr Irisiren bei auffal- lendem Lichte zu erklären. Sie liegt, wie schon aus den obigen Angaben d. Chiaje's zu ersehen, zwischen dem Mantel und der Ueberzugshaut der Eingeweide, ist also gleich der Schale der dem Gasteropteron nächst verwand- ten Gattung Doridium , eine innere. Indess ist sie nicht auf den engen Bezirk beschränkt, den ihr d. Chiaje an- weist, indem sie vielmehr in fast continuirlicher Ausbrei- tung die ganze Visceralmasse umhüllt und nach vorn gegen den Kopf zu , genau so weit wie der Mantel zu reichen scheint. Da nun der Mantel auf der Rückseite bis zur Basis des Fühlerlappens sich erstreckt, auf der Bauchseite dagegen schon in einiger Entfernung hinter dem Kopfe, sich der Ueberzugshaut der Eingeweide dicht anlegt , so muss wohl die Mündungsebene der häutigen Schale in einer gegen die Achse des Kopfes geneigten Richtung, von oben- und vorn nach unten und hinten herabsteigen.

Ueberraschend ist nun , dass diese in einem so gros- sen Bezirke als bloss zarte Membran erscheinende Schale, zuletzt plötzlich in eine äusserst kleine, gewundene, kal- kige Spitze ausläuft. Es liegt diese Spira rechterseits auf der Visceralmasse und zwar der Bauchseite näher, in einer Linie etwa, die in senkrechter Fortsetzung nach oben, auf

Archiv f. Nalurg. Jahrg. XXVI. Bd. 1. 5

66 K r 0 h n :

den After treffen würde. Sie besteht aus circa anderthalb Umläufen mit rascher Erweiterung gegen die Mündung hin (s. Fig. 1 u. 2j , ist von der Durchsichtigkeit eines leicht angeschliffenen Glases , durch die Anwachsstreifen zierlich quergestreift, und misst ihrem längeren Durchmesser nach, ungefähr einen halben Millimeter. Ihre Stellung ist so, dass der Mündungstheil nach oben, die Rückseite nach hin- ten si^ht *"•).

Dicht hinter der Spira liegt der nach vorne umge- schlagene Endlappen der Leber , in der Gestalt eines nie- drigen pyramidalen, über die Oberfläche des Eingeweide- pakets vorspringenden Wulstes , dessen Spitze nach vorn und etwas nach oben gewendet ist. Es ist das , wie mir scheint, eine schwache Andeutung jener spiraligen Drehung, die der Visceralmasse bei den übrigen Aceren in höherem Grade eigen.

Gelegentlich sei hier angeführt, dass dicht unter dem After eine sehr deutliche , bisher übersehene kleine Oeff- nung sich findet. Sie scheint direkt in einen weiten, auf der Rückseite der Visceralmasse, und zwar rechterseits über den übrigen Eingeweiden gelagerten Sack zu führen, der nach vorne zu bis in die Gegend des Herzens reicht und dessen obere Wandung mit zahlreichen, niedrigen , in die Höhle vorspringenden Querfalten versehen ist. Soul eye t erwähnt dieses Sackes als eines Organs von noch unbe- kannter Bedeutung (1. c. p. 468. PI. 26. Fig. 4 et 15. y). Meiner Meinung nach, kann es nach seinem Baue und sei- ner muthmasslichen Ausmündung in der Nähe des Afters, nur die Niere sein, während Souleyet eine verästelte rothe Drüse , deren Function zu ermitteln bleibt , für die Niere angesprochen hat.

Bekanntlich hat G egenba ur eine von Vogt in Nizza

""■) Bei aller Verschiedenheit kommt die Schale von Doridium mit der des (jasteropteron doch darin überein, dass ihre hinterste ge- wundene Partie kalkig, die vordere grössere ganz häutig und nach vorne hin gerade so weit als der Mantel, unter welchem sie verbor- gen, zu reichen scheint (Cantraine, Malacol. mediterran, p. 73. Tab. 2. Fig. 2. Mem. d. l'Acad. d. Bruxelles. Toni. 13).

lieber die Schale und die Larve von Gasteropteron Meckelii. 67

beobachtete junge Schnecke , deren Entwickelimg vom Ei bis zum Verschwinden des Segels verfolgt werden konnte, auf Gasteropteron gedeutet. (^Zeitscbr. für wissensch. Zool. Bd. 7. p. 162.) Diese Vermuthung ist, trotz des darauf ver- wendeten Scharfsinnes , jetzt nicht mehr haltbnr, aus dem einfachen Grunde , weil die Sclialenspitze von Gasteropte- ron, wie oben nachgewiesen , spiralig eingerollt ist, wäh- rend das von Vogt beobachtete Thierchen im Larvenzu- stande, eine ganz gerade, konische Schale besitzt. Ich kann nun noch weiter hinzufügen, dass die Larve von Gastero- pteron auch in ihrer übrigen Bildung sehr abweicht.

Für die Larve eines Gasteropteron nämlich muss ich jetzt, nachdem ich längere Zeit geschwankt, eine Cephalo- phorenlarve halten , die mir in Messina im Winter 1853, zweimal zur Ansicht kam, beide Male auf derselben schon weit vorgerückten Entwickelungsstufe. Folgendes ist eine treue Zusammenstellung dessen, was meine damaligen No- tizen über dieselbe enthalten.

Der lebhaft rothgefärbte Leib ist mit einer spiraligen, aus anderthalb Windungen etwa bestehenden , 'glashellen, dünnen Conchylie bekleidet. Am Kopfe lassen sich ausser dem aus zwei länglichen Hälften bestehenden Yelum , die beiden schwärzlichen Augen und im Vorderleibc die Hör- kapseln, jede einen einzigen grossen, sphärischen Otolithen enthaltend, unterscheiden. Die Radula des Zungenvor- sprungs scheint mit vier Längsreihen hakenförmig umge- bogener Zahnplättchen bewehrt. Vor allem aber fällt an der Bauchseite ein mächtiger, rundlicher, flacher Lappen, der zu den Seiten und hinten weit über den Leib vorragt, in die Augen. Er ist gelblich gesprenkelt, sonst aber farblos, und läuft am äussersten Hinterende in einen ganz kurzen Zapfen oder Zipfel aus, dessen Spitze einzelne län- gere Cilien trägt, während der ganze Lappenrand mit fei- neren Wimpern besäumt ist. Obwohl dieser Lappen aus- ser in der Gestalt auch in Bezug auf die Anordnung der Muskulatur, mit der Flosse der Pteropoden, namentlich der Gattung Tiedemannia , übereinzukommen scheint, so sähe ich ihn doch nie nach Art der Flossenflügel sich bewegen. Gewöhnlich ist er so um die Schale herumgeschlagen, dass

68 Krohn: Heb. d. Schale u. d. Larve von Gasteropt. Meck.

er sie verdeckt, und nur selten sieht man ihn wagerecht ausgespannt. Die Larve bewegt sich nur mittelst des Segels.

Hiernach wird man wohl nicht anstehen, meiner An- sicht, dass diese Larve ein Gasteropteron sei , beizupflich- ten. Es sprechen zu ihren Gunsten , um nur das Haupt- sächlichste hervorzuheben , der bereits stark ausgebildete, wenngleich noch unthätige Schwimmfuss, ferner die in Ge- stalt und Beschaffenheit mit der Schalenspitze ausgewach- sener Thiere übereinstimmende Schale, endlich die rothe Leib es färbe ^').

Somit ist denn die Abkunft des überaus merkwürdi- gen Nizzaer Weichthiers, das nicht nur die Schale vor dem Erscheinen der inneren Organe abstreift, sondern auch seine ganze Entwickelung noch innerhalb der EihüUe durch- läuft, wiederum in Frage gestellt.

Erklärung der Abbildungen.

Fig. 1. Schalenspitze oder Larvenschale des Gasteropteron, grössten- theils Profilansicht. 2. Dieselbe, grösstentheils in der Rückenlage.

Bonn, den 6. Februar 1860.

'') Die oben mit so vielem Nachdruck betonte Nichtbetheiligung des Schwimmfusses an der Locomotion mag doch wohl nur temporär sein. Denn bei allen Cephalophoren ist das spätere, meiner Ueber- zeugung nach überall homologe Locomotionsorgan, sei es Kriech- fuss oder Flosse, in den vorgerückteren Entwickelungsstadien schon befähigt, zu Zeiten in Function zu treten.

Tetrapedos. neue Sanriergattung.

Von

Prof. Jan

in Mailand.

Briefliche Mittheilung an den Henuisgeber.

(Hierzu Taf. II. Fig. 4—12).

Die beifolgende Zeichnung stellt einen höchst interes- santen Saurier dar, der unbezweifelt ein neues Genus bildet, welches in die INähe von Hysteropus zu stellen ist. Da dasselbe vier ruderförmig gebildete Füsse hat , so nenne ich dasselbe Tetrapedos *), und die Art, dem Dr. An- drew Smith zu Ehren, Tetrapedos Smithii , da derselbe im Sinne hatte die Ceylonischen Reptilien zu bearbeiten, wie aus der Vorrede von Kelaart's Prodromus Faunae zey- lanicae p. V hervorgeht.

Die Abbildung, welche ich liefere, ist so genau, dass eigentlich jede Beschreibung überflüssig ist. Ich beschränke mich daher darauf, die Gattungscharaktere hervorzuheben, welche zum Unterschiede von Hysteropus folgendermassen gestellt werden können:

Tetrapedos. Vier zehenlose, kurze, ruderförmige Füsse; Schuppen glatt; vor dem After keine Poren; zwei sehr kleine Ohröffnungen; unten ein deutliches Augenlied, welches sich über das Auge zieht, das obere Augenlied kaum angedeutet; die mit dichten Schuppen besetzte Zunge legt sich in eine Vertiefung des Gaumens, welcher an die- ser Stelle rhomboidal erscheint; keine Gaumenzähne.

^) ntjäos palmula remi, gubernaculum.

70 Jan: Tetrapedos, neue Sauiiergattung.

Die Farbe dieser Echse ist eisengraii, unten lichter ins Gelbliche spielend; die Schuppen haben dunklere Schat- tirung-en. Am Körper sind 24, am Schwänze 20 Schuppen- reihen vorhanden.

Fig-. 4 stellt ein Exemplar in natürlicher Grösse dar. Der im Verhältniss zur Grösse des Thieres sehr lang-e Schwanz zeichnet sich durch seine cylindrische Form und sein stumpfes Ende aus, und unterscheidet die Gattung von Heteropus, bei welcher Gattung- der Schwanz spitz zuläuft. Bei einem anderen Exemplare ist der Schwanz viel kürzer, weil der Schwanz nachgewachsen ist, wie man deutlich an der Beschuppung desselben erkennt.

Fig. 5 zeigt den Kopf im Profile mit Mundspalte, Nas- loch, Auge und OhröfFnung. Es sind eigentlich nur drei Labialschilder vorhanden, wovon das erste sehr lang ist.

Fig. 6 zeigt die Beschildung der Oberseite des Kopfes.

Fig. 7 ebenso die Unterseite des Kopfes.

In Fig. 8 sind die Schuppen vergrössert abgebildet, um die Schatlirung derselben anzudeuten.

Fig. 9 stellt den geöffneten 3Iund mit der schuppigen Zunge und dem rhombisch vertieften Gaumen dar.

Fid. 10 zeigt die Afterspalte nebst den beiden Hin- terfüs sehen.

Fig. 11 giebt ein deutliches Bild von einem Vorder- füsschen.

Fig. 12 ebenso von einem Hinterfüsschen.

Alle diese Figuren sind, mit Ausnahme von Fig. 4 ver- grössert ; die daneben befindlichen Linien zeigen die na- türliche Grösse an.

Das Vaterland dieser Eidechse ist Ceylon. Exemplare werden im Museum zu Mailand aufbewahrt.

Beschreibuug neuer oder wenig bekannter Anneliden.

Von

Prof. Dr. Ed. Grube

in Breslau.

Fünfter Beitrag (s. dieses Archiv Jahrg. 1846. 1848

und 1855).

(Hierzu Taf. III-V.)

Polynoe Sav.

P. clypeata Gr. Taf. III. Fig. 1.

Eumolpe squamata delle Chiaie Memor. IV. tab. LVII. flg. 8. 17.

Corpus oblongiim, posteriora versus haud attenuatum, margaritaceum, segmentis 27 supra Stria media transversa fusca vel brunnea, in confmiis macula minuta ornatis. Ely- tra utrinqne 12 ovalia. obsoleta, limbata, nitida, vix vel nihil imbricata, dorso medio anoque semper libero, papillis minu- tissimis sparsa , plurihus maioribus rotundatis, saepe fuscis nunquam fimbriata, e. primum ceteris paulo minus. Lohns capitalis suborbiculatus , fronte bifida, tentacula 3 ferente, oculis ad marginem lateralem setis satis magnis, anterioribus a posterioribus diametros 2 distantibus. Tentaculum impar et media teniiia, sub apice filiformi inflata, annulo fusco ornata, impar articulo basilari brevi, media processibus frontis insi- dentia , illud dupla lobi capitalis longitudine vel longius, haec lobo capitali paulo longiora, t. lateralia impari magis vel multo magis prominentia , crassa (subtus dimidia lobi capi- talis latitudine), sensim attenuata, papillis filiformibus e Ion-

72 Grube:

gitiuline ordinatis obsita. Cirri tentaculares, dorsuales, ana- les t. mediis similes , superiores tentacularium aeqiie ac t. lateralia prominentes vel breviores, c. dorsuales articulo basilari crasso insidentes setas vertrales plus minus exce- dentes , c. ventrales sub apice tumiduli marginem pinnae haud pttingentes , c. anales dorsualibus proximis longiores, longitudiiie tentaculi imparis. Setae dorsuales , fasciculum minutum componentes pallidae, brevis, lineares, leniter cur- vatae, seriebus arctis spicularum niinimarum asperulae, s, ventrales alterum tanluin magis prominentes, fulvae, duplo fortiores, rectae, sub apice antrorsum ineurvo, satis longo, simplici, paulo sinuatae, dentibus longioribus utrinque fere 12nis, arctis servatae.

Long. 9 lin. (interdum 18 lin.) , lat. max. cum setis 3,5 lin. (5 lin.).

Vorkommen im Mittel - und adriatischen Meere und bei den Scilly-Inseln.

Diese Art, die bisher mit P. squamata zusammenge- worfen ist, unterscheidet sich von ihr durch die beständig ungefranzten , gleiclimässig ovalen Elytren , die am ge- streckten lebenden Thiere nicht einmal immer die vor und hinter ihnen gelegenen erreichen , an Weingeistexemplaren letztere gewöhnlich überdecken. Lepidonotus IVahlbergi, L. Johnstoni und L. striatus Kinb. haben zwar uno-efranzte Elytren, sollen aber glatte seitliche Fühler besitzen , wäh- rend sie bei unserer Art mit feinen meist in 6 oder meh- reren Längsreihen stehenden Fäserchen besetzt sind. Die Länge der Fühler variirt bei verschiedenen Exemplaren, ja sogar die Form der äusseren Fühler, die mitunter schlank und gleich den anderen unter der Spitze angeschwollen sind; jedenfalls aber würde unsere Art zu der Gattung Lepidonotus Kinh . zu rechnen sein. Oersted's sogenann- ter innerer ßauchcirrus hat bei unserer Art die Form einer ganz kurzen stumpfen Papille und fehlt den vordersten 7 oder 8 Rudern.

P. areolata Gr. Taf. IIL Fig. 2.

Corpus oblongum , posteriora versus attenuatum, seg- meniis 37, supra carneis, subtus coeruleo griseis , Stria me-

Beschreibunff neuer oder wenig bekannter Anneliden. 73

'o

dia longitudinali maxime splendente. Elyfra utrlnque 15 imbricata, dorsiim omnino , setas magna ex parte tegentia, ex renifornii subtetragona, margine posteriore et externe dense fimbriatis , parte anteriore siipra albida, margine ex- cepto dense verriiciilata , posteriore (libera) fusca, areolata areolis rhombicis et hexogonis^ marginem versus magnitu- dine crescentibns, crista humili in spinam exeiinte armatis, e. postrema angustiora, minus spinosa, e. priinum orbicula- tum , circumcirca spinosum et fimbriatum. Lobus capitalis suborbiculatus, fronte bifida , tentacula 3 ferente, oculis ad marginem lateralem sitis, anterioribus a posterioribus plus diametros 3 distantibus. Tentacula sub apice haud tumida, media sub processibus frontis et impari alfixa, laevia , lon- gitudine lobi capitalis, dimidia imparis , impar floccosum, lateralia fusca vix floccosa, aeque cum impari prominentia, subtus dimidia lobi capitalis latitudine angustiora. Cirri dor- suales floccosi, forma t. imparis, setas paulo excedentes, ar- ticulo basilari nigro, ventrales tenuissimi. Setae dorsiiales numerosae vix curvatae, divaricatae, pcctinibus spinularum obsitae, saepe sorde tomentosae, s. ventrales vix fortiores sub apice brevi bidente paulo latiores dentibus utrlnque 12nis, minus arctis serrulatae dorsualibus paulo magis pro- minentes.

Long. 9 lin., lat. max. cum setis plus 3 lin.

Vorkommen im Mittel - und adriatischen Meere.

An keinem Exemplare waren die Fühler- und After- cirren , selten ein Rückencirrus oder der unpaare Fühler erhalten. Diese Art würde zur Gattung Harmothoe Kinb. gehören, ähnelt mehr der U. scabra als der H, spinosa Kinb., welcher die flockigen Rückencirren und der flockige un- paare Fühler fehlt, unterscheidef sich aber von beiden durch die gefelderten mit spitzen Kielen versehenen Ely- tren. A^on allen Arten des Mittelmeers scheint die Eumolpe scutellata Risso's *") die einzige nahe stehende, sie soll aber nur 12 Paar Elytren besitzen, diese die Mitte des Rückens

■"■) Hist. naturelle des productions de l'Europe nieridionale Tom. IV. p. 414.

74 Grube:

nicht decken, die Farbe des Körpers soll braunroth schwarz- g-efleckt sein.

Der innere Bauchcirrus verhält sich wie bei der vo- rigen Art.

Spinther Johnst. Char. emend.

Corpus ovale dorso plus minus convexo, seg-inentis mi- nus numerosis. Lobus capitalis fronte incisa ut cetera segmenta utrinque serie setarum dorsuali et processu late- rali, setas uncinatas gereute miinitus. Cirri, branchiae nulla. Oculi 4 circa tuborculum tentaculiimve , segmento buccali insidens , collocati. Os inferum , prope marginem anticum situm, parvum; pharynx exsertilis hre\is^ semitubulosa, siib- tus Cava. Anus posticus.

Intestinum rectum planatum.

Sp. miniaceus Gr. Taf. III. Fig. 3.

Corpus ovale, postice paulo magis attenuatum, minia- ceum vel cinnabarinum cute tenuissima , segmentis minus distinctis 18 ad 22. Setae dorsuales tenerrimae, antrorsum curvatae, simplices apice truncato-bicuspide, ordines trans- versos simplices componentes , a dorso medio usque ad marginem pertinentes, membrana tenerrima quasi muco con- iunctae, marginem versus longiores, processus segmentorum laterales teretes , obtusi , subconici, longiores quam crassi, setis compositis uncigeris 2 fortioribus armati, unco ma- xime curvato. Cirri, branchiae nulla. Oculi 4 circa ten- taculum brevissimum locati, segmento buccali insidentes. Os inferum, prope marginem anticum situm, parvum, pharynx exsertilis semitubulosa , subtus cava , apiceni versus paulo attenuata, longitudine segmentorum 3 Anus posticus.

Long. 2 ad 3 lin., lat. cum setis 1 lin.

Bei Triest an rothen Schwämmen gefunden.

Die Gattung Spinther wurde von Johnston 1845*'^) (Ann. of nat. bist. Vol. XVI. p. 9) aufgestellt und eine Art Sp. oniscoides nach einem einzigen in der Belfastbay ge- fundenen und ihm in Weingeist zugeschickten Exemplare ebenda beschrieben und pl. II. fig. 7 12 abgebildet.

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 75

Er sagt selbst, dass seine Beschreibung nicht vollständig sein könne, und ich darf daher weder auf alle seine ein- zelnen Angaben noch alle seine Figuren ein zu grosses Gewicht legen; so giebt er zwar die Form der Borsten übereinstimmend mit seinen Nachfolgern, aber weder Au- gen noch Fühler an ; er beschreibt den Borstenhöcker des Seitenrandes so auffallend anders , dass man vermuthen muss, er habe eine andere Art vor sich gehabt, oder an- nehmen, dass das von mir beschriebene Thier nur zu einer Yierwandten Gattung gehöre. Fünf Jahre später führte Sars*) in seiner Ausbeute von der Lofodenreise eine Annelide unter dem Namen Oniscosoma arcticum auf, welche so sehr mit der meinigen übereinstimmt , dass ich beide für identisch halten müsste , wenn auch an ihm die intensiv- rothe Färbung wie an dem meinigen beobachtet wäre, doch schweigt gerade darüber die Beschreibung gänzlich ■""**). S ar s giebt 20 Borstenreihen und nur 2 Formen von Borsten an, zweizackige und sichelförmige, ohne sich näher darüber auszulassen , ob letztere zusammengesetzt oder einfach seien. Die haarförmig-en von Johns ton abg-ebildeten wer- den nicht erwähnt, die Grösse des Thiers nicht angeführt. Vor kurzem endlich lehrt uns Stimpson in seinen Marine Invertebrata of grand Manan •^*^''*"') einen neuen Bingelwurm kennen, für den er die Gattung Crt/pfo/io^a errichtet , in dem ich aber wiederum ein<'n Spinther oder ein Onisco- soma erkenne , obwohl er nur zwei Augen gesehen hat und auf die Form der Rückenborsten nicht näher eingeht.

Stimpson's Art Cryptonota citrina ist wohl entschie- den, auch wenn man von der Zahl der Augen absieht, nicht die meinige, sie ist citronengelb gefärbt wie die Schwämme, an denen sie vorkommt , hat eine Länge von 0,45 Zoll, wogegen meine grössten schon mit Eiern angefüllten Exem- plare nur 3 Lin. massen, und der Mund soll um der Länge vom Vorderende abstehen. Johnston's Spinther

'"') Magazin for Naturvidenskaberne. 1850. *"*) Oniscosoma arcticum ist, wie ich so eben von Hrn. Prof. Sars erfahren habe, licht strohgelb, und daher wohl eine andere Art. "**) Snüthsonian Contributions to knowledge. 1853. : Atfvn

76 Grube:

oniscoides ist V2 Zoll lang und (ob erst im Weingeist so geworden?) sahnegelb, hat etwa 30 Borstenreihen und dreierlei Borsten, und eine sehr auffallende Form von un- teren Borstenhöckern mit einem Cirrus , wenn dies anders ein wirklicher Cirrus ist.

Von meiner Art kann ich nur sagen, dass sie schwer zu untersuchen und namentlich darüber schwer ins Reine zu kommen ist, ob die Reihe der Rückenborsten durch eine wirkliche Membran oder nur durch den zähen Schleim, der auch den Körper bedeckt, verbunden ist. In diesen Rei- hen habe ich durchaus keine haarförmigen Borsten auffin- den können, wohl aber entdecke ich ein Paar etwas stär- ker als haarförmige gerade in den Fortsätzen des Seiten- randes, welche die zusammengesetzten Borsten mit krumm- hakigem Anhange tragen; von letzteren ragt immer nur eine und oft recht lang hervor, eine zweite kürzere ist im Innern verborgen. Auch die Verhältnisse der Augen und des äusserst kurzen Fühlers treten nicht immer gleich deut- lich hervor, die Leibeswand ist so dünn, dass man sie bei der Untersuchung nur zu leicht verletzt und das Thier zerstört, aus dessen Leibeshöhle dann eine Menge mennig- rother Eierchen hervordrangen. Indem ich die Leibeswan- dungen nun vollends auseinander zerrte , gelangte ich zu der interessanten Entdeckung, dass das gerade Darmrohr, dem wahrscheinlich ein kurzer Magen vorhergeht und das erst im 6. oder 7. Segment beginnt, durch eine Menge ein- facher dünner nicht ganz der halben Körperbreite entspre- chender Coeca gefiedert ist; ich konnte jederseits deren 16 heraus präpariren, und zwar vereinten sich die vordersten 4 jederseits zu einem gemeinsamen in den Darm münden- den Gange. V^^enn dies Verhalten des Darmkanals ganz an die Aphroditen und Polynoen erinnert, so weicht der Bau des Rüssels, den ich nur einmal ausgestreckt gesehen habe, entschieden davon ab; ich kenne kaum einen ähnlichen, denn er ist wie eine und zwar auf der Unterseite offene Halbrinne gestaltet, durchaus ohne Kiefer und ohne Papil- len. Die Eierchen , welche die Leibeshöhle vollkommen erfüllten , waren mitunter in die Höhlung der borstenfüh- renden Fortsätze des Seitenrandes getreten, und schienen

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 77

dort durch eine Oeffnung- entweichen zu können. Sollten die kuglig aufgeschwollenen Girren, die Johns ton ab- bildet, vielleicht in irgend einer Beziehung dazu stehen? Wenn endlich die länglich runde vorn hinter der Mundöff- nunff auso-eschnittene , sich nach hinten bis etwa in's 6te Segment erstreckende weissliche Masse, welche sich hier in zwei lange bis fast ans Ende des Körpers laufende Fä- den auseinander begiebt, und welche ich nur bei einem Thiere durch die Bauchwand durchschimmern sah , wie ich vermuthen muss, das Nervensystem ist, so lernen wir hier eine für die Anneliden ganz neue Form kennen , welche durch die ungemeine Verkürzung an das Nervensystem ge- wisser Insektenlarven aber auch an die Dendrocoelen erin- nert. Johns ton stellt seine Gattung Spinther ohne Be- denken zu den Aphroditeen, Sars möchte sie Euphrosyne annähern, wenn ihr nicht die Kiemen fehlten. Ich würde in dem blossen Mangel der Athmungsorgane, da wir doch auch die Lumbriconereis nicht von den Eunicen und Dio- patren trennen, kein Hinderniss erblicken, mich aber we- gen dieser Form des vermuthlichen Nervensystems und Darms dafür entscheiden , doch nur vorläufig diese Anne- liden den Amphinomeen anzureihen, bei denen sonst nirgends zusammengesetzte Borsten vorkommen, denen sie aber am meisten im ganzen Habitus entsprechen.

Amphinome Brug.

A, incarunculata Peters.

Corpus vermiforme , gracilius , sordide carneum, fere alterum tantum latius quam altum, segmentis 119, supra in longitudinem striatis , fere alterum tantum latioribus quam longis. Lohns capitalis ex pentagono rotundatus, subtus os versus sulco medio bipartitus, fronte integra truncata ; ten- taculum impar longitudine lobi capitalis, proxime marginem frontalem inter oculis anteriores oriens , eum longo exce- dens , t. posteriora (inferiora) impari breviora , anteriora brevissima limbo frontali coniuncta. Caruncula minima, ova- lis, margine integre, parti postremae lobi capitalis insidens, ne primum quidem segmentum tegens. Segmenta buccalia 4.

78 Grube: i'-ur ijrfndi.rfi-)go8

Setae albae apice simplici, nee bidente , nee erenulato, Si fasciculi dorsualls plus minus sursum verg-entes, ventralibns paiilo tenuiores, miilto longiores, inagis niiinerosae, ventra- les a latere protentae , paucae. Cirri dorsuales branehiis alterum tantum longiores, setis suis paulo breviores, c. veji- trales brevissimi, verrucaetormes. Branchiae cirratae filis brevibus simplicibus vel a basi bifureis , nee medium dor-*/ sum nee proximas attingentes, a seg-mento 3io ineipientes.

Long. 3 une. 7,5 lin., lat. eum tubereulo setarum ven- tral. 2,5 lin.

Das untersuehte Exemplar , das dem Wiener Univer- sitätsmuseum gehört und aus Westafrika stammt, weicht in einigen Stücken von Peters' Einschreibung ab, unterstützt aber die Aufstellung seiner Art. Die Karunkel ist so win-' zig, dass sie wenig in's Auge fällt.

A. stylifera Gr.

Corpus vermiforme, angustum , alterum tantum latius quam altum, carneum , segmentis 142, mediis duplo latiori- bus quam longis. Tentacula paenc aeque longa. Carun- cula ovalis, ut A. complanatae segmenta 3 tegens. Segjnenta buccalia 4. Setae nee crenulatae nee denticulatae: s, fasci-\ culi dorsualis numerosae, breves cirrum suum circumdantes, sursum speetantes , flavidae apice simplici ; ventrales paulo crassiorcs, a latere protentae, parallelae, fasciculum tenuem styliformem componentes, albae apice bidente fusco corneo. Cirri dorsuales fusci, setis suis multo longiores, saepe gy- ris 2 adscendentes, c. ventrales dimidia setarum suarum lon- gitudine. Branchiae fuseae , ut in A. complanata confor- matae, ramosae stirpe brevissima, setis dorsualibus longio- res, cirro breviores, segmenti Imi nullae.

Long. 10,7 une. lat. max. 3,5 lin., cum setis 4,5 lin.

Das Exemplar , das dieser Besehreibung zu Grunde liegt, gehört dem Wiener üniversitätsmuseum, dem es ohne Angabe des Fundortes zugekommen ist. Besonders eigen- thümlich ist das Ansehen der unteren Borstenbündel.

Staurocephalus Gr. Char. emend. Corpus vermiforme, segmentis minus numerosis, cir-i^'

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 79

ris ani 4. Lohns capitalis ex qiiadrangulo vel pentagono rotiindatiis, ociiloiiiin paribus 2, tenlacula lateralia utrinque 2, inferiora latiora , apice rotundato. Segmentum buccale nudum, pharynx exsertilis rnaxillis niaioribus 2, planitie lata fiindo oris adiacentibus , sese langenübiis, ordinibiis longi- tudinalibiis miiioriim 4 armata. Finnae iinireiiies , in lingu- las 2 exeiintes, cirro dorsiiali et ventrali munitae, fascicu- lis setariim 2; setae simplices et compositae. Branchiae nuJlae.

St. rubrotnttatus Gr. Char. emend.

Corpus breviijs vermilorme , supra leniter convexum, subtiis planum , segmenüs 52 70 vitta duplici coccinea or- natis, mediis 5-es vel 6-es latioribns quam longis. Lo- hns capitalis ex quadrato rotundatus, fronte arcuata , lon- gitudine segmentorum proximorum 2, latitudine '/^ eorum aequante, oculi fusci rotundi , quadrati (antice dilatati) in- star locati, anteriores maioris; tentacula 4, utrinque 2, an- teriora margini laterali affixa, maiora, lata, lobifonnia apice rotundato , latitudine lobi capitalis longiora , posteriora a margine paulo remota, superiora, breviora, angustiora, basi ab oculis anterioribus ad posteriores patente. Segmentmn buccale nudum, proximo paulo longius, plus minus distincte biannulum; maxillae maiores inferiores 2, elongatae subtri- anorulae maroine anteriore interiore teniter rotundato sub- tilissime serrulato, maxillae alteri adiacente , postice longe acuminatae, divergentes, m. ceterae minutae utrinque series longitudinales 2 componentes erectae , triangulae , altiores quam latae marginibus longis dentibus 2 acute serratis, se- riei interioris 28 , exterioris , postice in laminam oblongam transeuntis , 21. Pinnae uniremes, cum cirris % '/j 1'^*^- tudinis corporis aequantes, in lingulam superiorem et infe- riorem excurrentes fasciculis setarum 2: setae tenerrimae f. superioris paiicae (önae ad 8nas) capillares, tum acutis- simae tum obtusae, inferioris niimerosae (ad 24nas) brevio- res, compositoe , falcigerae, appendice quasi falciformi an- gustissima, acie recta , apice bidente limbato; acicnla 1. Cirrus dorsualis lingulam superiorem paulo excedens, inter- dum subnodulosus , centralis pinnae magis appressus , ea

80 Grube:

paulo brevior, illo crassior. Cirri ani 4, superiores longio- res, latitiidinem segmenti postremi aeqiiantes.

Long. 0,55 unc. (speciminis contracti segmentorum fere 70) lat. 0,55, cum setis 0,12.

Exemplare von 0,1 Zoll Länge hatten nur 25 Segmente.

Im adriatischen Meere bei Triest , Fiume und Cherso gefunden.

Die zuerst von mir im Archiv für Naturgeschichte Jahrg. XXL p. 97 gegebene Beschreibung dieser Annelide war nach einem unvollständigen Exemplare entworfen und enthält mehrere unrichtige Charaktere. Indem diese hie- durch beseitigt werden und nun auch die Beschaffenheit der Kiefer ermittelt ist , unterliegt keinem Zweifel , dass letztere uns bestimmen muss, die Gattung Staurocephalus den Euniceen anzureihen. Ihr ganz nahe steht Anisoceras Gr. Oerst. ■''''■), vielleicht nur als Untergattung aufzustellen, und nicht mehr generisch zu trennen; der Bau der Ruder, des Kopflappens, die Gestalt der Borsten ist dieselbe, nur sind die Fühler länger, die unteren waren bei Ätiisoceras rubra spiralig aufgerollt, die oberen bei A, vittata und bioculata nach aussen von den vorderen Augen sitzenden rosenkranz- förmig gegliedert, aber auch bei einigen Individuen meines Staurocephalus, bei dem die oberen Fühler hinter den vor- deren Augen sitzen, zeigt sich mindestens eine Andeutung davon, obwohl bei der Kürze dieser Organe nur zwei Ein- schnürungen wahrnehmbar sind; etwas ähnliches nur in noch schwächerem Grade zeigen manche Rückencirren von St, rubrovittatus, wenigstens setzt sich die Spitze etwas ab : in den Oersted'schen Handzeichnungen von A. vittata und bioculata tritt dies deutlicher hervor. Jedenfalls aber liegt in der Anordnung des Kieferapparates eine Verschiedenheit. Zwar finden wir überall ein Paar auf dem Boden des Rüs- sels liegende plattgedrückte, am Innenrande theilweise ein- ander berührende, mit dem schneidenden Rande nach vorn gerichtete Stücke, levre inferieure Aud. und. Edw. bei Eu- nice, Onuphis u. a., aber ausser dieser kommen bei St. ru-

*) Videnskabelige Meddelelser fra den naturhistoriske Forening. 1857. p.34.

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 81

brovittatus vier Längsreihen kurzer emporgerichteter säge- zähniger Kiefer vor, während hei Anisoceras rubra, soviel ich erkennen konnte, statt dieser zwei schmale lange ge- sägte Laden existiren ; die Oersted'sche ZeicJinung dieser Theile von A. bioculata ist nicht ganz entscheidend. Die Abbildung B' r. Müller's im Archiv für Naturgeschichte 1858. tab. VI, die ich mir als Anisoceras zu bezeichnen er- laube, ähnelt den beiden von 0 er st e d abgebildeten Arten dieser Gattung: von dem dazu gehörigen Thier bemerkt jedoch der Verfasser , dass seine Kiefer in etwa 100 ein- zelne Zähne zerfallen , die in vier Längsreihen geordnet seien , ohne jedoch anzugeben , ob die Ränder derselben glatt, wie auf der Zeichnung von A. striata, oder sägeför- mig, wie bei St. rubromttatus sind. Was endlich delle Chiaie's bereis Ruclolphii betrifft, so habe ich schon an dem oben erwähnten Orte (p. 35) darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich den Anisoceras anschliesse; er spricht nur von zwei Paar Kiefern , die man auch in der Abbilduno- durch die Rückenwand des Vordertheils durchschimmern sieht, und nennt die einen ,,gli uncini superiori ," die an- dern ..mascelle inferiori;" es wäre aber wohl möglich, dass jene aus je zwei dicht an einander liegenden Rogen von einzelnen auf einander folgenden Platten bestehen *"*).

Schliesslich muss ich noch hinzufügen, dass ich eine Annelide von 0,1 Zoll Länge bei Triest erhalten habe, wel- che so sehr mit Staurocephalus übereinstimmt, dass ich sie für eine Jugendform dieser Gattung halten möchte, obschon sie mancherlei abweichendes besitzt: namentlich waren die vier Fühler gleich beschaffen und die unteren im Verhält- nisse zum Kopflappen viel kleiner, letzterer so breit als das Mundsegment mit breit gerundeter Stirn, an der wie an den Fühlern einzelne zarte Haare sassen, ich zähle an dem Stirnrande etwa 15 , von den Augen konnte ich nur die hinteren erkennen, und diese standen weit hinter den oberen Fühlern , die Kiefer schimmerten als schwarze Rogenlinien durch, von den 21 Ruderpaaren schienen dem

'■'') Memoiie su la storia e notom. degli anini. senz. vert. del legni di INapoli. Vol. HI. 1828. tab. XLIll. fig. 19.

Arch. für Naturg. Jahrg. XXVI. 1 Bd. 6

82 G I- u b e :

ersten die Borsten gänzlich zu fehlen , an allen vermisste ich die Rückencirren. Flimmerbewegung war an mehreren Stellen des durchweg weisslichen Körpers sichtbar, näm- lich in der Nähe der Ruder, am Stirnrande und an den Fühlern , bei den ausgewachsenen Thieren habe ich sie bloss am Vorderrande der unteren Fühler bemerkt. Eine ähnliche Thierform bildet auch Oersted als Junges der Änisoceras bioculata ab : auch hier fallen die Stirnhaare und der Mangel der Rückencirren auf, doch sehe ich nur zwei Fühlerchen.

Von der inneren Organisation der erwachsenen Stau- rocephalus kann ich angeben , dass der Darm ein gerades an den Segmentgrenzen etwas eingeschnürtes Rohr ist, und dass es wenigstens drei Längsgefässe giebt, ein contracti- les Bauchgefäss und zwei contraclile seitliche über der Ba- sis der Ruder hinlaufende, welche mit jenem in jedem Seg- mente durch Queräste in Verbindung zu stehen scheinen. Die Farbe des Blutes war roth.

PhyllojJoce Sars.

Ph. (Eulalia) macroceros Gr. Taf. III. Fig. 4.

Corpus prasinum, utrinque valde attenuatum, segmen- tis plus 88, triplo fere latioribus quam longis, linea trans- versa subdivisis, mediis dupla fere longitudine et latitudine ceterorum. Lobus capltalis suborbiculatus, fronte paulo pro- ducta attenuata , oculis area magna ovali fusca circumda- tis 2. Tentacula 5 longitudine insignia , illo dimidio fere longiora, impar in fronte ante oculos insertum, longitudine segmentorum anteriorum fere 8, cetera haud breviora. Seg- mentum buccale supra vix distinguendum. Cirri tentacula- res utrinque 4, ei proximisque 2 albidis affixi, articulis ba- silaribus crassis insidentes, inferiores s, 2di ceteris latiores, oblique lanceolati , longitudine segmentorum 7 , (superiores eiusdem segmenti haud conservati), ceteri filiformes, s, buc- calis breviores , s. 3ii longiores, segmcnta 11 aequantes, pinna minima subiacente. Pharynx exertilis , quantum vi- dere licuit, papillis filiformibus dense obsita. Pinnae (cum

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 83

setis) segmentorum anteriorum et posteriorum latitudinem corporis paene aequantes, mcdioriim ea breviores, cirri dor- suales ex oblique cordiformi lanceolati, extrorsum inclinati, c. ventrales horizontales reniformes extrorsum in apicem producti, pharetrae setarum late lanceolatae, in apices 2 ex- euntes , cirros ventrales vix excedentes, fasciculo setarum bipartito, flabelliformi, setae fere 25-nae vel 30-nae, spi- niferae, stipite supra vix incrassato, spina subtus haud an- gustiore, longa, leniter curvata.

Long, speciminis minoris 0,35 unc. , longioris haud completi (segment. 71) fere 1 unc. lat. cum setis 0,155 unc.

Gefunden im Quarnero.

Die Beschreibung ist, abgesehen von der Färbung, erst nach der Aufbe^Vahrung im Weingeiste gemacht. Diese Art erinnert durch die Grösse der dunkeln Area der Augen, an der vorn die eigentliche Pupille zu sitzen scheint, an Ph. macrophthalmos Gr. Oerst. , durch die grössere Breite des einen Fühlercirrus an Ph. flavescens Oerst. , doch sind beides Phyllodocen im engern Sinne , nicht Eulalien, be- sitzen nur vier Fühler. Die Aftercirren waren nicht er- halten.

Ph. (Eulaliaj punctifera Gr. Taf. III. Fig. 5.

Corpus albidum supra olivaceo -griseo vittatum, me- dium versus fulvescens, viridi vittatum, segmentis plus 105, anteriorihus triplo, mediis duplo fere latioribus quam longis, bis alterum tantum longioribus et latioribus quam illis. Lohns capitalis ex cordiformi rotundatus, antice pellucidior, punctis fuscis 2 ornatus, postice vix incisus, oculis 2 orbiculatis, dia- metro % latitudinis eins aequante, pupilla distincta : tentacula 5 subulata , paria latitudinem eins aequantia, impar paulo brevius, frontem paululum excedens, inter oculos insertum. Segmentum buccale supra vix distinguendum. Cirri tenta- culares utrinque 4, segmento buccaii proximisque 2 affixi, albido hyalini, medio Stria brunnea '/^ longitudinis aequante, ornati; longissimi (superiores s. 2di) duplam latitudinem corporis vel longitudinem segmentorum 5 animalis vivi (9 alcohole servati) aequantes, ceteri diniidio fere iis breviores, pinna minuta postremis subiacente. Pinnae (cum setis) la-

84 Grube:

titudine corporis dimidio fere breviores, cirris albidis, ple- rumqiie piincfo medio olivaceo ornatis. Cirri dorsuales oblique cordiformes vel late lanceolati, vix petiolati, oxlror- sum spectanles. c. ventrales oblique lanceolati ; setae flabelli instar expansae, spinigerae, ad 30-nas, stipite supra vix in- crassato, spina subtus liaud angustiore, longa , laevi, leni- ter curvata , c. ani brevissimi, longitudine segmcntorum postremorum 2.

Long, vivae 1,2 unc. , lat. max. cum .cirris sitisque 0,1 unc.

Gefunden bei Cherso.

Unter den bekannten Eulalien finden wir bloss noch bei E. sanguinea herzförmige Rückencirren, über die Länge ihrer Rückencirren, die aucli auf drei Segmente vertheilt sind und die Gestalt ihrer Borsten ist nichts bekannt, doch scheint die blutrothe Farbe sie hinlänglich zu unterschei- den. Von den anderen Arten liegt die Vergleichung mit Ph, (Eul.) saxicola Qfg. --) am nächsten ; sie ist grünlich oder röthlichweiss, vorn mitunter selbst braunroth, aber die Rü- ckencirren nicht herz-, sondern stumpf- und breitblatt- förmig und deutlich gestielt, die Fühler viel kürzer als der Kopflappen breit, der unpaare weit vor den Augen ange- setzt und äusserst kurz , endlich die Grätenanhänge der Borsten an der Schneide fein gesägt. Ph. alho- Vit lata Gr.

Corpus supra albo et brunneo transverse vitlatum, linea media longitudinali fusca, albo interrupta, subtus fus- cum, segmentis c. 60 triplo fere latioribus quam longis, me- dium versus magnitudine crescentibus. Lobus capitalis sub- orbiculatus, fronte late rotundata, postice vix incisus, ocu- lis ovalibus nigris 2, diametro % fere latitudinis eius. Tentacula 4 alba, longitudine lobi capitalis. Segmentum buc- cale supra vix distinguendum. Cirri tentaculares utrinque 4, ei et segmento 2do affixi, albi, articulo basilari brunneo, ut tentacula anguste-lanceolati, longo acuminali, superiores longiores latitudinem paene duplum segmenti sui aequantes. Pinnae cum setis dimidiam fere segmentorum latitudinem

'■') Guerin Mag. de Zoolog. 1843. Annelid. p. 2. pl. 1.

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 85

aequantes. Cirri dorsuales ex cordiformi ovales erecti, dorsum liberum linqiientes, briinnei , apice obtuse albido, c. ventrales obtuse trig-oni , iis multo minores, albidi, pha- retras setarum paulo excedentes ; setae haud numerosae, fere 8nae , spinigerae, stipite supra incrassato, spina bre- vissima , angustissima. Cirri ani lanceolati , tentacularibus minus aeuminati.

Long. 0,3 unc., lat. cum setis 0,1 unc.

Gefunden bei Martinsica (P'iume) , 1 Exemplar.

Phyllodocen mit herzförmigen Rückencirren sind sonst noch Ph. laminosa^ Ph. Rathkii und Ph. flacescens Oerst. (Parelti), bei allen dreien sitzen die Fühlercirren an drei Segmenten und haben eine fadenförmige, nicht eine schmal lanzett- oder spindelförmige Gestalt, bei Ph. flavescens sind sie weniger zusammengedrängt, der obere des 2ten Seg- ments ebenfalls schmal lanzettförmig, aber der Handzeich- nung nach, aus der ich die Art allein kenne, fast viermal so lang als sein Segment breit, die andere fadenförmig und fast dreimal so lang als die übrigen breit , Leib und Rük- kencirren sind hellgelb , Fühler und Fühlercirren grünlich, die Basis des hintern Fühlercirrus und die ersten drei Rük- kencirren braun.

Syllis Sav.

S. variegata Gr. Taf. IIL Fig. 6. Corpus ex griseo brunnescens, nitens, cute crassiore, segmentis fere 120, nonnullis anteriorum supra iigura trans- versa rotundata , brunneo limbata, medio coarctata ornatis, mediis (animalis alcohole servati) 5-plo , celeris 4-plo et 3-plo latioribus quam longis. Lobus capitalis rotundato-tri- angulus, segmentis proximis nunc ^quidem haud angustior; fori frontalis ad basin coniuncti , eo y^ vel 75 longiores, cum eo segmenta 5 aequantes, oculi 4 figuram late tetrago- nam exhibentes anteriores paulo maiores , paulo latius di- stantes ; tentacula ut cirri tentaculares et dorsuales monili- formes, impar dupla tororum longitudine , inter oculos an- teriores insertum, a fronte remotum articulis fere 24, pa- via eo '/^ fere breviora, articulis 15 vel 17. Cirri tentacu- lares superiores et dorsuales segmenti 2di impari haud minus

86 Grube:

prominentes, illi articulis fere 22, hi, omniiim longissimi 27. Cirrorum dorsiialium singuli tantum anteriores et posteriores latitudinern segmentorum aeqiiantes, medii pleriimque lati- tudine dimidia breviores . articulis lere 15. Pinnae cum setis \/n fere latitudinis corporis aequantes vel breviores, setae 8-nae, quasi falcigerae, falci recta acie haud concava, apice simplici, haud bidente.

Long, (animalis alcohole servati) 0,5 unc, lat. cum se- tis 0,04 unc.

Gefunden bei Cherso, 1 Exemplar.

Die Rückenzeiclmungen, die man freilich nur an eini- gen vorderen Segmenten sieht, stellen ein braunumschrie- benes breitgezogenes in der Mitte stark eingezogenes Oval, fast von Brilenform, dar.

S. zebra Gr, Taf. III. Fig. 7.

Corpus iit tentacula cirrique albicans , segmentis plus 190, anterioribus supra Stria transversa brunnea duplici ornatis, altera in confinio sita, margines laterales attingente, altera media, breviore, s. anterioribus et mediis 6- vel 7-plo, posterioribus 3-plo latioribus quam longis , haud breviori- bus quam illis. Lobus capitalis ex orbiculato trapezoideus, postice angustior excavatus segmento 2do fere '/j angu- stior, longitudine proximorum 3; tori frontaUs eadem fere longitudine, longiores quam lati, a radice divergentes, oculi 4 trapezii lati instar locati, rotundi, anteriores alterum tan- tum maiores, vix latius distantes, posteriores paene tangen- tes; tentacula arcte annulata, paria dupla tororum longitu- dine, impar paribus paulo longius , inter oculos anteriores insertum , articulis fere 30. Cirri tentaculares superiores aeque ac t. impar, cirri dorsuales segmenti 2di longius pro- minentes, proximos longitudine non superantes , articulis plus 40. Cirri dorsuales dimidia segmenti sui crassitudinc, arcte annulati, anteriores latitudine eins longiores, proximi eam aequantes vel breviores, posteriores , (latitudine seg- mentorum per se decrescente) iterum longiores plerumque cum brevioribus (fere 20-articulis) sine lege alternantes. Pinnae anteriores cum setis vix Vg latitudinis corporis ae- quantes , posteriores paulo longiores , cirri ventrales phare- tram setarum paulo excedentes , dimidia crassitudine eius,

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 87

setae sub-8nae, quasi falcigerae, falce brevi, acie recta, apice bidente.

Long-. 1,9 iinc. (segmenta postrema desunt), lat. max. ad segm. 33miim cum setis 0,8 unc.

Gefunden bei Cherso, 1 Exemplar.

Die Fühler, Fühlercirren und Rückencirren sind so kurzgegliedert, dass man höchstens noch die Spitze rosen- kranzförmig- nennen kann. Die Rückenzeichnung dieser Art unterscheidet sie von der ebenfalls quergestreiften mit dichtgegliederten Girren versehenen S. tnttata, bei der an den Segmentgrenzen selbst immer zwei lineare Querstreifen dicht hintereinander und in der Mitte des Segments ein mit- ten etwas verdickter ebenso die ganze Rückenbreite ein- nehmender vorkommen.

SyUiae Gr.

Corpus, numerus tentaculorum, lohus capitalis, pinnae^ setae Syllidis generis , sed tori frontales inter se omnino coaliti, tentacula cirrique tentaculares et dorsuales haud ar- ticulati, c. ventrales nulli.

S. rubropunctata Gr. Taf. III. Fig. 8.

Corpus vermiforme, gracile , vivae albidum , maculis dorsi minutis laete aurantiacis per series longitudinales 2 vel 4 dispositis , segmentis 110 124 triplo fere latioribus quam longis. Lohus capitalis transverse ovalis, sulco lon- gitudinali divisus, maculis mediis 3, trianguli instar locatis, aurantiacis ; tori frontales inter se omnino coaliti , subtus tantum sulco lineari divisi , longitudine et latitudine lobi capitalis , cum eo longitudinem segmentorum 3 aequantes, oculi 4 nigri, rectanguli lali instar dispositi, anteriores paulo maiores, vix paulo magis distantes , posteriores paene tan- gentes; tentacula ui cirri minime articulata, ante oculos in- serta , paria longitudine segmentorum 9 , impar non bre- vius (?). Segmentum buccale supra vix distinguendum : cirri tentaculares dimidia tentaculorum longitudine, inferio- res haud visi. Cirri dorsuales pinnarum illos aequantes vel breviores dimidiam corporis latitudinem, pharetrae pinnae fere ^/^ eins aequantes, c. 'centrales nulli. Setae sub 12-nae, flabellum componentes, tenerrimae, brevissimae quasi falci-

88 Grube:

gerae, stipite siipra incrassato , curvato, faice paene recta, minima, apice simplici.

Long-, speciminis segmentorum 110 fere 14 lin., (nunc quidem 11 lin.), lat. max. cum setis 1 lin.

Gefunden bei Porto re. 2 Exemplare.

An beiden Exemplaren waren nicht alle vorderen An- hänge erhalten, und der Ursprung der erhaltenen wegen ihrer Brüchigkeit schwer zu unsersuchen, so dass hier eine spätere Beobachtung leicht etwas zu verbessern hätte. Ein Rüssel schimmert durch und zwar reichte der hintere hart- wandige Theil vom 12ten bis ITten Segmente. Der gänz- liche Mangel der Baucheirren, verbunden mit der Verwach- sung der Stirnlappen und dem Mangel der Gliederung an den Girren rechtfertigen die Sonderung von den eigentli- chen Syllis. Die SylHs macrocerus Gr. Oersd. -"*) könnte auch dahin gezogen werden , wenn sie nicht deutliche Baucheir- ren besässe.

Das eine Exemplar der S rubropunctata zeigte vier, das andere zwei Längsreilien von hoch orangerothen Fleck- chen, sie kamen, soviel ich mich erinnere auf jedem, we- nigstens der vorderen Segmente vor.

Spiophaues Gr.

Corpus vermiforme, subteres, segmentis brevibus. Lo- tus capitalis segmento buccali penitus impressus , postice attenuatus , tentaculo postico brevi 1, oculis nullis. Seg- mentum buccale setis nudum, cirris tentacularibus 2 dor- sualibus , labo capitali distentis. Pharynx exsertUis bre- vis (?). Fasciculi setarum utrinque distichi, e basi labii foliacei progerminantes , segmentorum omnium subaequales, nee vero in omnibus pariter locati, in prioribus dorsuales, in ceteris ad latera descendentes. Setae simplices , un- cini nulli.

Sp, Kroyeri Gr. Taf. V. Fig. 1.

Corpus vermiforme, subteres, (animalis alcohole ser- vati) colore carneo , segmentis plus 66, duplo fere latioribus

'■^) Videnskab. Meddelelser fra d. naturhist. Farening. 1857. p. 185.

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 89

quam longis, anterioribus 5 longitiidine et latitudine minore inter se convenientibiis, a ceteris clifferentibiis. Lobus ca- pitalis segmento biiccali petiitiis impressiis, s. Sdiim attin- g-ens, fronte triincata iitrinqne in processiim brevem obtn- sum exeiinte, tentaculum posticiim 1, lobo capifali paiilo bre- vius, styliforme; oculi nulli. Segmeniiim buccale setis nu- dum, proximis 2 (iunctis) paiilo breviiis : cirri tentaculares 2^ dorsiiales , parte lobi capitalis posteriore distenti , crassi, longitiidine segmentoriim fere 3, sulco longitudinali exarati. Fasciculi setarnm utrinqiie distichi, e basi labii foliacei pro- venientes, f, segmenti 2di et proximorum 3 utrinqiie omnino dorsuales , labiis interioribus minoribus late lanceolatis, di- midia latitudine inter se distantibus, exterioribus supra in laciniam acuminatam excurrentibus , f. ceteri ad parietem corporis lateralem provecti, dorso latius libero, labiis utrin- que sese tangentibus, superiore maiore, late lanceolato, in- feriore in cristam liumilem mutato, fasciculi superiores seg- menti iOni et sequentium plica dorsuali transversa coniuncti. Setae simplices, fasciculi superioris capillares, leniler cur- vatae , altitudinem labii sui vix excedentes , flabelli instar expansae, ad 7-nas , s. inferiores magis numerosae seriem transversam componentes, breviores, paulo fortiores, fuscio- res, splendidae, sinuatae.

Long, ad 0,750 unc. , lat. max. 0,055 unc. (segmenta postrema deerant).

Aus dem Meere von Grönland.

Die Beschreibung ganz nach einem Weingeistexemplare, dessen Körper nicht vollständig war, woher die Frage, ob er hinten in einige Fädchen, einen Kranz von Papillen oder einen Napf ausläuft, nicht beantwortet werden konnte. Diese neue Gattung gehört jedenfalls in^ die Nähe von Nerine und Spio.

Heterocirrus Gr.

H. frontifilis Gr. Taf. IV. Fig. 1.

Corpus vermiforme, subteres, segmentis plus 34, aeque la- tis, longKudine crescentibus, anterioribus 15 vitellinis, ceteris supra et subtus viridibus , latere vitellinis , aeque latis ac

90 Grube:

longis, vel long"ioribus. Lohns capitalis rotundato-rhomboi- deus, segmento buccali penitus impressus; oculi 4, anterio- res maiores transversi siibreniformes, posteriores piinctifor- mes, vix minus distantes, illos paene tangentes. Segmentum buccale frontem lobi capitalis excedens , cirri tentaculares^ ante frontem affixi, basi sese tangentes, virides vase rubro perlucente, longissimi, crassi, sulco exarati, in spiram laxe adscendentem contorti , segmentis 14 longiores. Segmenta proxima 3 branchifera , alteruni tantum latiora quam longa. Fila branchialia utrinque 3 , margini laterati alTixa , paene aeque longa, longitudine segmentorum fere 7, viridia, an- teriora 4 basin versus vitellina. Tubercnla setigera utrinque disticha, minutissima ; setae superioris capillares, anteriores latitudinem corporis superantes, 3-nae, inter papillam supe- riorem et inferiorem prodeuntes, setae t. inferioris breves, duplo fortiores, leniter curvatae, 2-nae ad 6-nas, flabellum componentes, papillis similibus, 4 adiacentibus , setae supe- riores a segmento 5to, inferiores iam a 3io (i. e. 2do bran- chifero) incipientes.

Long, animalis postice mutilati segmentorum 34 fere 0,8 unc, lat. sine setis 0,05 unc.

Gefunden an Steinen bei Cherso. 1 Exemplar.

Unterscheidet sich schon durch den Ansatz der Füh- lercirren von H. saxicola Gr. *'^).

Cirratulus Lam.

C. tenuisetis Gr. Taf. IV. Fig. 2.

Corpus vermiforme ex quadrangulo subteres , dorso convexo, venire piano angustiore brunneum, segmentis c. 270, parte laterali setifera tori instar incrassato, mediis 5-plo fere latioribus quam longis. Lohns capitalis a segmento buccali sulco paulo separatus , cum eo conum obtusum componens, oculis nullis. Segmentum 2dum nudum, longitudine 3-pla, 3ium (iam setigerum) dupla proximorum. Fila hranchialia

■") S. Archiv für Naturgesch. 1855. p. 108. Tn Bezug auf Hete- rocirrvs saxicola inuss ich noch hinzufügen, dass die Zahl der Kie- menpaare zwar gewöhnlich auch auf drei beschränkt ist, bei man- chen Exemplaren aber auf vier und fünf steigt.

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 91

in nullo segmento seriem transversam coinponentia, in sin- g-ulis tantum (4nis lOnis nudis interiectis) vel in binis ternisve Visa alba, vase rubro perlucente; longiora {segmen- torum 22di ad 38mum) 0,2 unc. longa , cetera plerumque dimidia tantum longitndine vel breviora. Setae superiores et inferiores capillares, tenerrimae, fasciculos tenuissimos componentes, ad confinia segmentorum posteriora prodeun- tes, cum toris sensim descendentes, denique utraeque omnino ventrales; s. superiores longiores, nunquam latitudinem seg- mentorum superantes 12-nae, inferiores dimidio breviores, 3-nae ad 4-nas, initio in media tororum altitudine insertae; uncini nulli.

Long, specim. alcohole servati 1,65 unc, lat. paene 0,5 (sine setis).

Cherso. 1 Exemplar.

Die Beschreibung ganz nach dem Weingeistexemplare. Die Angabe der Färbung nach dem Leben.

Clymene Sav.

CL leiopygos Gr. Taf. IV. Fig. 3.

Corpus vermiforme, subteres, utrinque attenuatum, ex- tremitate postica ipsa iterum incrassata, segmentis plus 25, ex subfusco carneis , ambitu horizontali 6-gono, zona setas continente alba, omnibus (buccali et extremo excepto) setas capillares et uncinos aculeosve gerentibus, longitudine seg- mentorum usque ad 3ium repente crescente, a 4to ad 6tum imminuta ceterorum subaequali paulo maiore quam 6ti, po- stremis 3 brevissimis , trapezoideis , latitudine maxima in segmento 6to et proximis 5 observata, sequentibus ad confinia niaxime coarctatis. Segmentum buccale paulo longius quam latum, convexo-conicum nudum, labio oris postico profunde sulcato. Lamina frontalis (lobus capitalis) eo multo angu- stior, a latere haud prominens, y^ brevior, ovalis, integra, minus distincte circumscripta, sulcis longitudinalibus 2, po- stico transverso iunctis. Fasciculi setarum capillarium et fori uncinigeri segmentorum anteriorum 8 ante medium, po- steriorum 15 pone medium insorti ; setae capillares tener- rimae, fasciculos tenues componentes, dimidiam corporis la-

92 Grube:

titudinem aequantes , f. anteriores et posteriores ea paiilo longiores, uncini rostrati ang-uliim rectum exhibentes, rostro siiuplici, pectines compoiientes; segtnenium 2dum pro uncinis aciileo brevi singiilo , 3ium aciileis 2 armatum, postremum patelliforme , marginc integro, ano coni medii instar pro- minente.

Long. 1 unc., lat. max. 0,055.

Cherso. 1 Exemplar.

Ich besitze von dieser Clymenc zwei Bruchstücke, die nicht ganz zusammen passen, so dass wahrscheinlich noch ein kleines Mittelstück fehlt, das vordere hatte 9 Segmente und mass 0,4 Zoll in der Länge, das hintere 16 und mass 0,6 Zoll.

lahlane Gr.

Corpus vermiforme, fasciculis setarum inferioribus to- risque uncinigeris superioribus munitum , segmcntis minus numerosis, longioribus , ut Clymenes, medium versus lon- gitudine crescentibus. Lohns capitalis a segmento buccali minus distinctus, laminam frontalem referens. Segmentum buccale nudum; pharynx exsertilis crassa ovata vel incras- sata. Segmentum postremum nudum , liaud infundibuli in- star expansum, lamina ventrali instructum, ano dorsuali. M. glebifex Gr. Taf. IV. Fig. 4.

Corpus vermiforme , teres , posteriora versus sensim attenuatum, pallide carneum, nitens, paulo iricolor, interdum subtus brunneo adspersum, segmentis21, (setigeris 19), prio- ribus 5 aeque longis , Vj tantum longioribus quam latis, proximis subito longitudine crescentibus, alterum tantum. et duplo longioribus quam latis, posterioribus (a 15to) decre- scentibus , biannulis , postremis 2 paulo tantum longioribus quam latis. Segmentum buccale cum lobo capitali (laminam superam frontalem referente) coalitum, nudum; lamina frontalis valde inclinata,suborbicularis,anguste limbata, limbo utrinque incisura media bipartito, parte anteriore integra, posteriore subtiliter crenulata, sulcis longitudinalibus nullis. Pharynx exertilis ovata vel antice incrassata, longitudine segmento- rum priorum 2. Segmentum postremum in cuneum subtus paulo convexum , lamina ventrali limbata munitum exiens,

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 93

limbo utrinqiie semel inciso, ano dorsiiali. Ordo setarum et uncinoriim inversus : tori uneinigen superiores, fasciciili setarum inferiores, deorsum spectantes. Tori oblong-i, ante- riores ceteris iiiagis prominiili, uncini seriem simplicem com- ponentes, rostrati, rostro simplici fiisco, segnientorum me- dioriim ad 20-nas, ceteroriim pauciores, s. peniiltimi et Ultimi nulli ; setae capillares tenerrimae 4-iiae ad 6-nas, ciliari- serratae ex toris ipsis progerrninantes, longiores latitiidinem corporis aeqiiaiites, supra siibtilissime serrulatae, breviores laeves, segmenti ultimi niillae.

Long, maiorum 1,4 unc. ad 1,9 iinc, lat. 0,05 0,06.

Tuhi membranacei , gracilitati corporis respondentes, iimo agglutinato valde incrassati, glebulas fiisiformes vel cylindratas ad 2 unc. longas, 8 lin. crassas referentes.

Bei Martinsica und Portore (2 Stunden von Fiunie) hin und wieder zahlreich auf schlammigem Meeresboden.

Kleinere Exemplare von 1 Zoll Länge hatten nur 15 Paar Borstenbündel, bei einigen war die Färbung mehr kup- ferroth , die Flecken der Bauchseite dunkler und zahlrei- cher, besonders auf der Afterplatte.

So sehr diese Annelide das Gepräge der Clymenen an sich trägt, musste ich sie doch schon wegen der Stellung der Borsten zu einer besonderen Gattung erheben. Bei allen Clymenen und Ammochares , wie bei den Terebellen, Pectinarien, Arenicolen und ihren Verwandten, bilden die Bündel der Haarborsten die obere, die Kämmchen der Haar- borsten die untere Zeile, bei den Sabellen, Serpulen und Sabellarien findet dies nur in dem vorderen Körpertheile statt, während in dem hinteren längeren das Umgekehrte eintritt , und bei Maldane finden Avir den bisher noch bei keiner Annelide beobachteten Fall, dass in der ganzen Länge des Körpers die Haarborsten über den Hakenborsten stehen, ja sogar nach unten gerichtet sind. Ausserdem bestimmt mich dazu die dem Kopftheile ganz analoge Bildung des Endsegments , an v, elchem nur umgekehrt die der Stirn- platte entsprechende Platte an der Bauchseite liegt und den an der Bückenseite befindlichen After von unten her nach hinten überragt. Auch diese Platte ist schmal gesäumt und ihr Saum mitten am Seitenrande etwas eingeschnitten.

94 Grube:

lieber die innere Organisation kann ich folgendes mit- theilen: Der verdauende Kanal ist ein gerades Rohr, an dem man einen vorderen nur drei Segmente einnehmenden, den Rüssel, und einen hinteren ungleich längeren Abschnitt, den eigentlichen Darm unterscheidet ; jener wiederum be- steht aus zwei Theilen, von denen sich beim Hervortreten aus der Mundöffnung der erste umstülpt, und so die Aus- senwand des Rüssels bildet, der zweite in den ersten hin- einschiebt, das innere Rohr des Rüssels darstellend. Der ausgestülpte Rüssel ist dicker als der Vordertheil des Kör- pers, aussen durchaus glatt und ohne Wimperbesatz, das Innenrohr dünn und von der Aussenwand bedeutend ab- stehend, eingezogen erscheint er längsgestreift und blutroth gefärbt. Der eigentliche Darm sieht gelb aus , nimmt im leeren Zustande etwa y^ der Leibesdicke ein und befestigt sich hin und wieder durch fadenförmige Ligamente an die Leibeswand. Man sieht an seiner Wandung zwei bis zu dem sechstletzten Segment verfolgbare bläulich rosenrothe contractile Längsgefässe , die ansehnlichsten Stämme des ganzen Gefässsystems , ein Rücken- und ein Bauchgefäss, an denen aber keine Aeste in's Auge fallen. Jenes con- trahirt sich in der Richtung von hinten nach vorn, dieses umgekehrt, die Contractionen waren bei schwach gedrück- ten Exemplaren nur sehr langsam, dem Darme fehlte ebenso das grobmaschige Gefässnetz als die beiden seitlichen leb- haft pulsirenden herzartig erweiterten Gefässäste der Are- nicolen und Terebellen. Das Rückengefäss Iheilt sich hin- ter der Stirnplalte in zwei Aeste , welche unter derselben bis an den Vorderrand laufen und hier scharf nach aussen umbiegen. An den Seitenwänden des Körpers zeigt sich ein kaum halb so dicker geschlängelter verästelter Längs- stamm: er spaltet sich vor jedem Borstenwulste gabiig und die Aeste der Gabel vereinen sich wieder hinter demsel- ben. Die Seitenzweige dieses Längsstammes bilden ein zar- tes Gefässnetz für die Körperwandung, während einzelne herabsteigende in ein zweites unterhalb des ersten be- findliches noch dünneres Längsstämmchen münden; der- gleichen entspringen sowohl von dem ungetheilten Seiten- stamme, als von seinen Gabelästen. Ausserdem bemerke

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 95

ich noch zwei ganz feine den ganz durchscheinenden Ner- venstrang einfassende Längsgefässe ; doch konnte ich über den Zusammenhang derselben mit den anderen, so wie über das Verhältniss des grossen Bauch- und Rückengefässes zu den übrigen aus Mangel an Zeit keine direkten Beob- achtungen mehr anstellen. Dagegen sah ich noch in der Leibeshöhle kleine graulich weisse Körnchen, deren Durch- messer etwa des oberen Seitengefässes der Wandung gleichkam, theils einzeln, theils in Massen wie ein Gerinn- sel hin- und herfliessen, ähnlich denen in den Fühlern der Terebellen. Viel grösser sind die Eierchen , die ich bei mehreren Exemplaren ebenfalls in der Leibeshöhle antraf, und von denen die ansehnlicheren im Durchmesser etwa V3 des leeren Darms massen , an ihnen konnte ich eine äussere Dolterhaut, Dotterkörnchen und Keimbläschen un- terscheiden.

Auch die bei den Terebellen und ihren Verwandten vorkommenden an der Bauchwand mündenden Blindsäck- chen fehlen nicht; sie hatten hier die Gestalt eines engen am blinden Ende stark angeschwollenen, mitunter dick keu- lenförmigen Kanals von dunkelrothbrauner Farbe, zeig- ten sich an den vier ersten und ein paar hinteren der bor- stentragenden Segmente und schienen nahe dem Nerven- strang zu münden. Den Nervenstrang konnte ich vorn nicht verfolgen , doch habe ich einmal am vorderen Rande der Slirnplatte einen queren Aveisslichen Körper durchschei- nen gesehen, den ich für das vordere Ganglion eines Mund- ringes halten möchte.

Die meisten Exemplare bewegten sich , aus ihren Röhren genommen, nur langsam, einige aber krümmten sich stärker; wenn sie in der Röhre steckten, war diese vorn durch die Stirn-, hinten durch die Afterplatte vollständig geschlossen.

Terebella L. Sav.

T. cretacea Gr. Taf. IV. Fig. 5. Corpus vermiforme , antice minus tumidum , sectione anteriore, setas capillares gereute, supra et subtus ex brun- neo grisea , dorso plus minus sanguineo imbuto, lateribus

96 Grube:

cinereis siipra incrassatis, toris iincinigeris ipsis albido ci- nereis, limbo briinneo-coccineo cinctis , sectione posteriore subtiis ex griseo brutmea dorso gyris areolato, albido, quasi cretaceo; segmentis \üus 31^ anterioribus triplo vel qiiadriiplo latioribiis quam lougis , s. 2do et Bio lobo laterali muiiitis, s. posterioribus (unde a ITmo) sensim brevioribus. Scuta ventralia sectionis anterioris minus distincte circumscripta, a toris paulo distantia, lohi segmenti 2di minores 3tii duplo altiores altiusque aliixi, latiores, sordide sanguinei, margine supcro paulo excavato. Tentacula pallide ochracea, maxime numerosa, circa '/^ vel ^/^ longitudinis corporis aequantia. Fasciculi setarum capiUarium utrinque 16, a segmento 4to, tori uncinigeri a 5to incipientes, crassi , usque ad s. lOmum altitudine crescentes, tum sensim decrescentes descendentes, pectine uncinorum duplici a 22to dimidio humiliores; uncini pinnulae haud visae rostro simplici muniti. Branchiae utrin- que 3, segmento 2do, 3io, 4to insidentes pallide ochraceae, si sanguine vacuae, latitudine corporis vix longiores, ra- mosac cirratae stirpe brevi bipartita, ramo utroque brevi bifurco, ramis secundi ordinis longioribus iterum bifurcis vel simplicibus, vel elongatis serieque ramulorum biCurco- rum obsitis.

Long, animalis postice mutili sogmentorum 37 fere 1 unc, lal. max. sine setis fere 0,1 unc.

Gefunden bei Cherso ; nur 1 Exemplar.

Die felderartige Zerklüftung des Rückens an der hin- teren Körperhälfte ist auch im Weingeiste noch sehr deutlich.

T. turrita Gr. Tat". IV. Fig. 6.

Corpus vermiforme , antice haud tumidum , sectione anteriore, setas capillares gereute, ex carneo pallide brun- nea , toris uncinigeris limbo subtus acuminato , supra in arcum dilatato cinnamomeo cinctis, arcu paene circulari, fasciculum setarum amplectente, sectione posteriore fulva ; segmentis plus 57 brevibus, medium versus longioribus, s. 2()mo et proximis 7 paene aeque longis ac latis. Scvta v>en~ iraäa 15, satis distincta fusco marginata , a toris uncinige- ris dimidia fere latitudine distantia , media aeque fere lata ac longa, anteriora latiora , breviora, posteriora longiora,

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 97

angustiora. Tentacula alba plus 20, extensa segmentis 40 longiora. Fasciculi setarum capiltarium iitrinqiie 17, teniiis- simi styliformes, ut tori, a segmento 4to incipientes, setae leviter geniculatae, anguste limbatae; tori uneinigen Sectio- nis anferioris ampli nee vero tiunidi , faseieiilos attingentes, brevionim qiioqiie segmentonim nunquam sese tangentes, tori sectionis posterioris in pinnnlas mutati; uncini minimi, rostro simpliei. Branchiae lucidc brunneae , vasis minus rubro perlucentibus, utrinque 2, segmento 2do et 3io in- sidentes, anterior altior longitudine segmentorum 7 vel 8 (animalis vivi), quasi turritae, stirpe alta ramis, spiram ad- scendentem gyrorum fere 4 componentibus, brevibus dicho- tomis vel trichotomis, in ranuilos simplices vel bifurcos ex- euntibus.

Long, animalis postice mutili segmentorum 57 fere 0,99 unc, lat. max. 0,05 unc.

Gefunden bei Cherso, nur 1 Exemplar.

An dem lebenden Thiere waren die Kiemen sehr auf- fallend : ihre im Verhältnisse zu der Höhe des Stammes ziemlich kurzen in einer Spira an ihm aufsteigenden Aeste bildeten mehrere Kreise übereinander : an dem 0,15 Zoll hohen Stamme der vorderen unterschied ich vier solcher Astkreise oder Etagen, von denen der Radius der untersten etwa 74 der Stammhöhe mass , die übrigen immer kleiner wurden. Bei der Aufbewahrung in Weingeist hat sich die- ses Ansehen nicht erhalten, auch sind die Zeichnungen des Vorderkörpers verschwunden. Die Hakenborsten stehen an einem der vorderen Wülste, den ich mikroskopisch unter- sucht habe, in zwei Reihen. T. spiralis Gr.

Corpus vermiforme, plerumque in spiram gyrorum plu- rium contortum , parte anteriore minus tumida , ex brunneo carnea flavicante, posteriore alba: segmentis plus 110 bre- vibus, toris uncinigeris priorum (corpore contracto) sese tangentibus , ceterorum crassitudine sua vel paulo minus distantibus. Scuta ventralia 13; priora aequa latiludine cetera sensim angustiora. Tentacula alba, numerosa (plus 20) dimidio corpore plerumque breviora. Fasciculi setarum ca- pillarium utrinque 22 ad 25, a segmento 4to incipientes an-

Archiv f. Nalurg. Jahrg. XXVI. Bd. 1. 7

98 Grube:

teHores aliquot subfiisci, ceteri argentei, tori uneinigen a s. 5to incipientes, tumidi sensim descendentes, anteriores (prio- ribus 4 exceptis) scuta ventralia tangcntes , 5-vel 6-plo, sequentes 2-pIo , posteriores alterum tantum altiores quam lati; uncini minimi : pinniilae niillae. Branchiae utrinque 2, segmento 2do et 3io insidentes, latitiidinem corporis dimi- dio superantes, maxime conlractiles, sanguineo-rubrae, ra- mosae , stirpe brevissiina , bipartita, ramis brevibus iteriim dichotomis , ramis secimdi ordinis praelongis seriem ramu- lorum bif'urcorum vel simplicium brevium emittenlibus.

Long, animalis maioris vivi contracti 2,5 unc, lat. max. 0,06 unc.

Gefunden bei Cherso, 2 Exemplare.

Zwischen den Borstenhöckern und Wülsten der Ha- kenborsten des Tten bis ITten Segments (incl.) war eine kleine Papille sichtbar.

T. zostericola Oersd. ? Oersd. de regionibus marinis p. 68.

Corpus vermiforme , gracile , antice vix tumidulum, (alcohole servatum, pallide carneum) pariete laterali paulu- lum incrassato, segmentorum priorum 4 cum dorsuali con- fluente , inde discedente , dorsuni liberum linquente , dorso media initio angustissimo, mox latitudine crescente, segmen- tis fere 51, prioribus 3 brevissimis , ceteris aeque longis, anterioribus earum alterum tantum latioribus quam longis, posterioribus aeque latis ac longis. Scuta ventralia satis distincta 12, rectangula , latitudine decrescente , longitu- dine a 9no (aeque lato ac longo) crescente. Tentacula ma- xime numerosa , dimidio corpore longiora. Fasciculi seta^ rum capillarium tenuissimi utrinque 15, a segmento 4to ; tori uncinigeri a 5to incipientes , scuta ventralia paene tan- gentes , altitudine decrescentes , anteriores alterum tantum altiores quam lati, segmenti 19ni et ceterorum in pinnulas minus extensas mutati. Setae capillares anguste limbatae, uncini minimi rostro bidente. Branchiae utrinque 2 , Seg- mente 2do et 3io affixae, minutae, brevissimae, saepe dimi- diam segmenti sui latitudinem haud excedentes, ramosae, stirpe brevissima in ramos 2 multo longiores divisa , utro- que ramulos 3 vel plures raro simpljces plerumque brevis-

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 99

sime bifurcos vel magis divisos emittente; branchia seciinda miilto brevior quam prima.

Long, animalium (alcohole servatorum) minoriim 7 ad 9 lin., maioris miitilati segmentoriim 23, 9 lin. , lat. 0,1 unc.

Dänemark, mehrere Exemplare.

Für diese Art ist sehr charakteristisch das Verhalten der etwas verdickten Seitenwände, welche anfangs sich auf dem Rücken vereinigen, dann hinter dem letzten kiemen- tragenden Segmente sich unter einem sehr spitzen Winkel auseinander begeben , uud so den Mittelrücken frei lassen. Die Beschreibung nur nach Weingeistexemplaren. T. gracilis Gr.

Corpus vermiforme , gracile antice pauIo inflatum (al- cohole servalum albidum) segmentis fere 126 , supra trans- verse dense striatis , difücile distinguendis , parüs tumidae 4-plo et 5-plo latioribus quam longis, mediis (pone 31mum) elongatis aeque latis ac longis , vix longioribus quam illis, dimidio angustioribus, postremis brevissimis. Scuta ventra- lia 13 , paene aeque lata , posteriora 5 repente angustata, postremum quadratum. Tentacula plus 20, Yj, corporis lon- giora. FascicuU setarum capillarium utrinque 17 vel 18 a segmento 4to , pectines uncinorum a 5to incipientes, cum illis toris communibus planis inserti, torulis angustis supe- rioribus interieclis, scuta ventralia haud tangentes, in seg- mentis prioribus aliquot a fasciculo setarum papilla minuta separati usque ad p. 6tum longitudine crescentes, a 13mo decrescentes', sensim descendentes , in segmento 19no iam omnino ventrales, ad lineam ventris mediam accedentes, a s. llmoduplices. Uncini minimi. i>rawc/iwxe utrinque 2, segmento 2do et 3io affixae , ramosae , stirpe brevi , bipartita, ramis longis simplicibus vel dichotomis seriem ramulorum sim- plicium vel apice extrema bifurcorum emittentibus, anterior altior (conlracta dimidiam dorsi latitudinem excedens).

Long. 3 unc. 8 lin., lat. 0,1 unc, partis tumidae 0,155 unc. '

Von den Scilly-Inseln, wo sie Prof. V. Carns in zwef Exemplaren gefunden.

Ich war zweifelhaft, ob ich dieses Thier für einerlei mit der sonst äusserst ähnlichen T. pectmata halte» sollte,

100 Grube:

bei der, wie ich mich jetzt überzeugt habe, die Hakenbor- sten auch in doppelten Reihen vorkommen , aber entweder gleich anfangs oder doch wenigstens vom 5ten Wulste an, so auftreten ; doch kann ich bei dem hier beschriebenen Thiere hinter dem 22ten Segmente an keinem der Borsten- wülste oben noch ein Bündelchen Haarborsten entdecken, auch sind seine Kiemen sehr viel zusammengesetzer, frei- lich beide Exemplare auch merklich grösser als das eine, das ich von T. pectinata besitze.

T. rosea Gr.

Corpus vermiforme , minus elongatum, roseum, ante- riora versus paulo tumidum, segmentis plus 90 brevissimis, toris uncinigeris plerumque sese tangentibus, partis tumi- dulae crassitudine sua inter se distantibus. Scuta ventralia omnia toros tangentia , 4-plo vel 5-plo latiora quam longa, a segmento 13mo subito angustissima, magis distantia, tum in sulcum ventralem transeuntia. Tentacula alba, linea paene miniacea percurrente numerosa (plus 20) , longiora dimidium corpus aequantia. Fasciculi setarum capillarium a segmento 3io incipientes, usque ad postremum patentes, ar- gentei , tori uneinigen minus tumidi, a segmento 4to inci-^ pientes , altitudine sensim decrescentes , descendentes , a 3 fere 30mo omnino ventrales , solo sulco vertrali separali (hie 4-plo fere latiores quam longi); series uncinorum du- plices. Branchiae utrinque 2 , segmento 2do et 3io insi- dentes, sanguineae, graciles, frutescentes , ramosae, ramis stirpis spira^ ad apicem adscendentibus , Serie simili ramu- lorum brevium plerumque simplicium obsitis.

Long. 0,75 unc, lat. maxima 0,1 unc.

Gefunden bei Cherso.

Diese Art gehört zu den wenigen mit zwei Paar Kie- men versehenen, deren Haarborstenbündel bis an das Ende des Körpers fortlaufen, ist aber auch nach der Aufbewah- rung in Weingeist von den anderen Arten durch die Kürze sämmtlicher Segmente zu unterscheiden.

T. pustulosa Gr. Taf. IV. Fig. 7. Corpus vermiforme, antice tumidulum, croceum, ex qua- drangulo cylindratum, dorso pustuloso, pariete laterali incras-

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 101

sato sulco longitiidinali lineali a ventrali separate ; segmentis plus 31, prioribus brevibus 4-plo, posterioribus alterum tan- tüm latioribiis quam long-is, paulo longioribus quam illis, sulco ventrali munitis. Scuta ventralia per totam latitudi- nem et longitudinem segmentorum patentia, vix hoc nomine designanda , plerumque sulco transverso lineari bipartita, sensim angustiora, a segmento 19no fere haud distinguenda. Lohns capitalis parvus minime sinuosus , tentacula crocea plus 24, (contracta) longitudine segmentorum fere 20, seg- mentum buccale punctis ocularibus plurimis ornatum. Fas- ciculi setarum capillarium a s. 3io incipientes , usque ad postremum s. conservatorum patentes , tori uneinigen a s. 5to incipientes, in 4to adumbrati, oblongi , angusti, scuta ventralia tangentes, inier se distantes, sensim minores ova- les a fasciculis setarum minus remoti, paene in pinnulas mu- tati, semper laterales, pectine uncinorum simplici. Bran- chiae croceae , vasis sanguineis perlucentibus , utrinque 2, segmento 2do et 3io insidentes, cirratae, fasciculo filorum simplicium constantes, fila e dorso ipso progerminantia, loco insertionis minimo transverso, oblongo vel lineari, contracta longitudinem segmentorum 7 haud superantia (in aliis multo breviora) , Yj diametri tentaculorum , branchiae Imae ad 10-na, 2dae ad 7-na.

Long, animalis maioris postice mutili segmentorum 31 alcohole servati 0,8 unc, lat. max. 0,1 unc.

Gefunden im Qwarnero bei Porto re und Martinsica. 3 Exemplare, keins vollständig.

Sehr ausgezeichnet durch die Form der Kiemen und die Farbe des Körpers, von T. lutea durch Zahl und Form der ersteren verschieden. Ein kleines Exemplar besitzt nur vier Fäden in der vorderen und drei in der hinteren Kieme. Weniger auffallend am lebenden Thiere waren mir die kleinen Pustelchen, mit denen der Rücken bedeckt ist, und die ich bei der Nachuntersuchung an den Weingeist- exemplaren, theils vorragend, theils eingesunken, ganz deut- lich erkenne.

Eine lappländische Terebella , von viel ansehnliche- rer Grösse, 2,5 Zoll lang, obwohl nur 41 Segmente erhal- ten waren, welche Professor v. Baer bei Triostrowa ge-

102 Grube:

sammelt hatte, über deren Färbung ich aber keine An- gabe erhalten , stimmt mit der oben beschriebenen so sehr überein , dass ich sie für keine andere Art halten möchte. Dasselbe gilt von einer grönländischen Terebella, von der kleine aber vollständige Exemplare von etwas über 1 Zoll Länge 70 bis 89 Segmente besitzen ; an den letzten sind Haarborsten nicht mehr erkennbar aber von ihrem Höcker- chen noch eine Andeutung vorhanden, auch die Pustelchen des Rückens verschwinden gegen das Ende des Körpers, sind dafür aber an den vorderen um so ausgeprägter; der Rücken dieser Segmente ist durch eine Querfurche in zwei Ringel getheilt, die Bauchschilder gehen, indem ihre Grenz- furche meist ganz verschwindet , unmittelbar in die dicke polsterartige Seitenwand über, an deren hinterster Partie der lang und schmalgezogene Wulst der Hakenborsten seinen Platz findet. Der After erscheint durch sechs Ein- kerbungen strahlig gefurcht.

T. flexuosa Gr. Oersd. Taf. V. Fig. 2. Corpus vermiforme, antice paulo latius, segmentis fere 60, anterioribus 6 brevissimis 5-plo vel 4-plo latioribus quam longis , sequentibus longitudine sensim crescentibus iOmo et proximis fere aeque latis ac longis, ceteris iterum brevioribus; 30mo iam duplo fere latiore quam longo. Seg- mentum buccale utrinque lobo magno ovali cum altero sub- tus coalito , antrorsum vergente, s. 3ium minore appresso, triangulo, supra latiore altius in dorso incipiente, ventrem vix attingente munitum. Scuta ventralia 16 , albida tetra- gona, a toris lateralibus vix distantia , media paulo latiora quam lata, anteriora sensim latiora et breviora, laminae la- terales 16 albidae ovales, subtus angustatae, fasciculos setarum torosque uncinigeros amplectentes, anteriores sese tangentes, posteriores inter se distantes. Tentacula plus 23, brevia, stirpe branchiarum dimidio tenuiores , longitudine segmentorum fere 10. FascicuH setarum capillarium utrinque 15, a seg- mento 4to , tori uncinigeri a 5to incipientes , ut illi, usque ad 6tum descendentes, aeque parvi, 15tus et ceteri in pin- nulas breves, satis distantes mutati. Setae fasciculorum bre- ves, haud numerosae, pectines uncinorum ubique simplices, uncini rostrati , rostro ut parte infera bidente. Branchiae

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 103

ramosae iitrinqiie 1 , segmento 2do affixa longitudine seg- mentoriim f'ere 6, stirpe crassa diametro 1 tantum ab altera distante, dimidia branchiae ipsius altitudine, in ramos 2 di- viso, rami longiores statim in ramos secundi ordinis 2 bre- viores divisi, hi in fasciculos 2 ramulorum in 4 ad 6 sim- plicium vel apice extrema bifurcorum , aeqne longe promi- nentium exeuntes, rami stirpis in nonnullis animalibus sim- pliciores , raniulos 3 ad 4 plerumque simplices emittentes. Tubus animalis ex limo confectns, cinereus, maxime singu- laris : compactus, depressus, in aequo procurrens, flexuosus, flexibus 6 arctis, aequalibus, latitudine sensim crescentibus.

Long, animalis alcohole servati 1,5 unc,, lat. max. 0,1 unc, long, tubi (ad lineam rectam) 1,7 unc, lat. 0,15 unc, lat. flexuum maximorum 0,5 unc.

Aus dem Meere bei Grönland.

Die Röhre dieser merkwürdigen nur mit einem Kie- menpaare versehenen Terebella ist aus so fein geschlämm- tem Materiale verfertigt und so compact , dass sie an die Röhren mancher Sabellen erinnert, doch ohne deren Bieg- samkeit, überdies ganz breitgedrückt, sehr verschieden von der, welche 0. Fr. Müller von T. cristata abbildet, auch besitzt letztere Art 17 Borstenbündel, unsere Art nur 15.

Amphicteis Gr.

Corpus vermiforme, antice tumidulum, posteriora ver- sus sensim attenuatum, segmentis minus numerosis. Lohns capitalis tentacula subtus affixa plus minus tegens, tentacula plura seriem transversam componentia. Segmentujn buccale nudum, s. 2dum utrinque flebello setarum maiorum prover- sarum, 3ium dorso branchiis ornatum; 3ium, 4tum et sequen- tia, fasciculo setarum breviorum laterali et plerumque pin- nula uncinigera sub eo posita, posteriora sola pinnula mu- nita. Setae capillares simplices, uncini minutissimi dentati. branchiae filiformes. Cirri anales in nonnullis visi. Vermes tubifices, tubus e\ limo confectus *"*).

■'^) Die Gattung Crossostoma Gosse (Ann. of nat. 'bist. Second series Vol. XVI. 1855. p. 310) ist mit Amphicleis idealisch, letzterer

104 Grube:

Die Gattung- Amphicteis hatte ich *"*) nach der Be- schreibung- der Amphitrite Gunneri von Sars '"""*) errich- tet; mittlerweile ist mir auch die Gelegenheit zu Theil ge- worden, ein Thier aus dem Meere von Grönland selbst zu untersuchen, welches ich für eben jene Art zu halten geneigt gewesen wäre, wenn nicht Sars über die Anwesenheit von Flösschen im vorderen Körpertheil schwiege. Leichter würde ich darüber hinwegkommen, dass an den Flösschen des hinteren Körpertheils die er knuder nennt, die Form etwas anders dargestellt und der Häkchen nicht Erwäh- nung gethan wird, mit denen auch ihr Rand besetzt ist, diese Häkchen sind so klein, dass wenn man sie nicht be- sonders beachtet und stärkere Vergrösserungen anwendet, sie wohl übersehen werden können. Jedenfalls hat mir dieses Exemplar , dessen Beschreibung ich der Sicherheit wegen und weil ich mehrere Arten zu unterscheiden habe, unter dem Namen A. groenlandica sogleich hier folgen lasse, vor- treffliche Dienste für die Beurtheilung der vordersten Kör- persegmente und ihrer Anhänge geleistet, die ich früher in grösserer Uebereinstimmung mit Pectinaria glaubte : Das weit vorspringende Blatt des Yorderendes (Tab. III. Fig. 3LL') entspricht allerdings di^m am Rande gezähnten Lappen der Pectinarien, den Rathke als „Schirm der Tentakeln" be- zeichnet, und der nach ihm das vorderste Ganglienpaar des Mundringes enthält , doch ist die hintere Hälfte L' nicht scharf gegen das Mundsegment und namentlich dessen Un-

Nanie aber der ältere (Arch. für IVatuigesch. 1850. p. 330 und Fami- lien der Anneliden 1851. p. 137). Die Species , welche Gosse be- schreibt (1. c.p.310. pl. VIII. Fig. 7—12), Crossostotna Midas scheint am ähnlichsten meiner Ä. groenlandica, unterscheidet sich aber von ihr durch die Bildung des Kopflappens , des kiemenlragenden Seg- ments und des Köchers der Haarborsttn, der oben in einen stumpfen cirrusartigen Fortsatz ausläuft. vSie hat ebenfalls acht Kienienfäden und zwei Aftercirren.

'") Familien der Anneliden p. 82. 137.

"""■) Beskrivelser og jagttagelser over nogle i havet ved den Ber- genske kyst levende dyr p. 50. pl. 11. Fig. 50.

■••■"") Rathke Beiträge zur vergleichenden Anatomie, Danzig 1842. p.56. Tab. V. Fig. 2, a. Fig. 3, b.

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 105

terlippe abgegrenzt. Bei beiden Gattungen bedeckt dieser Kopflappen die an seiner unteren Fläche sitzenden Fühler und den Mund. Auf den Kopflappen folgt bei Pectinaria sogleich das Segment , das auf dem Rücken die bei- den starken nach vorn gerichteten Stachelkämme und nach aussen von jedem einen fühlerförmigen Zipfel trägt und mit seiner schmäleren Bauchwand die Mundöfl'nung von un- ten begrenzt, das Mundsegment (I. c. Fig. 1 c, Fig. 3 c, e); bei meiner Am.phicteis aber , wo man geneigt sein würde , das mit den grossen nach vorn gerichteten Borstenfächern ver- ^sehene Segment, jenem gleich zu stellen, schiebt sich zwi- schen diesem und dem Kopflappen noch ein oben breiter und eben gegen den Kopflappen nicht überall scharf abge- grenzter , an der Bauchfläche noch breiterer Ring ein, in- dem hier eine durch eine Querfurche abgesetzte Unterlippe von ihm abgeht, und dies wäre bei Amphicteis das Mund- segment. Seinen mittleren Rückentheil muss man zwischen dem Kopflappen L und den beiden Köchern der grossen Bor- stenfächer suchen , es ist die vorn ausgeschnittene drei- eckige Fläche (Fig. 3. 51). Die Seitentheile des 2ten Seg- ments verdicken sich zu ansehnlichen Wülsten und bilden die Köcher für jene ansehnlichen nach vorn gerichteten Borstenfächer oder Borstenbündel; letztere breiten sich nemlich bei einigen Amphicteis in derThat scheinbar mehr fächerförmig aus (wie Fig. 6) , obwohl die Basis des Fä- chers immer eine gekrümmte Linie ist , während sie bei anderen ein mitlen hohles Bündel darstellen und die Linie, die die Ursprünge ihrer Borsten beschreiben , ein in sich geschlossenes Oval ist (wie Fig. 3). Hinter jedem dieser Köcher entspringen die vier Kiemenfäden, von denen man, da sie abgerissen waren , in unserer Figur 3 nur die An- satzstellen wahrnimmt, ein Zufall, der, so unangenehm er sonst ist, hier doch die Uebersicht der anderen Theile er- leichtert. Zwischen beiden Gruppen der Kiemenfäden be- merkt man eine fast quadratische Fläche (Fig. 3. pl), nicht etwa, wie ich anfangs glaubte, ein Stück der Rückenwand des 3ten Segmentes selbst, welches beide Gruppen von einander trennt, sondern vielmehr eine nach vorn sich über- legende breite Falte, welche sie verbindet und dabei zu-

im Grube:

gleich einen Theil des 2ten Segmentes und namentlich des- sen hintere Grenzfurche verdeckt. Nach aussen von den Kiemenfäden sitzt ein kleines seitlich lortgestrecktes Bor- stenbündel, an welchem man dieses 3te Segment am leich- testen erkennt , während es nach innen davon und an der Bauchseite wenig abgegrenzt ist. Viel schwerer sind diese Verhältnisse bei den winzigen nur 3 bis 4 Linien langen sehr zarten Arten des kaspischen Meeres zu untersuchen, mit denen ich gerade den Anfang gemacht hatte. Was die Flösschen (Pinnulae) betriflt, so konnte bei A. groenlan- dica auch ihre Gestalt mit grösserer Sicherheil erkannt wer- den. Sie sind abgestutzt dreieckig oder trapezisch (der breitere Rand der freie mit Häkchen besetzte) , sitzen nahe unter den Borstenbündeln , etwa nur um die Breite ihrer Köcher abstehend und sind der Seitenwand des Körpers anliegend nach hinten gerichtet, weiterhin, wo die Borsten- bündel aufhören, fallen sie leichter in's Auge, obwohl sie schmäler werden , sie rücken mehr an die Bauchseite, be- halten im Allgemeinen ihre Form , laufen aber an ihrem oberen Rande in ein abgesetztes sie wenig überragendes spitzes Fädchen aus. Die Uncini, die längs dem freien Rande der Flösschen sitzen, sind ovale an dem einen Längs- rande kammzähnior eingeschnittene Plättchen.

A. groenlandica Gr. Taf. V. Fig. 3. Corpus vermiforme, antice subfusiformi-dilatatum, po- steriora versus productum, sensim attenuatum, nunc quidem pallide carneum , dorso utrinque margine ventris latioris tumido limbato, limbo partis anterioris utrinque Va latitudinis aequante, segmentis 34, longitudine lömum versus crescenti- bus , a 20mo decrescentibus , intermediis fere alterum tan- tum latioribus quam longis , 7mo 8vo 9no latissimis, 5-plo fere latioribus quam longis, venire segmenti 18mi et cete- rorum sulco longitudinali bipartito, s. anteriorum Stria trans- versa alba ornato. Lobus capitalis magnus trapezoides po- stice rotundatus, antice latior , taeniis tunüdis transversis 2 bipartitus , parte frontali sulcis seposita , 5 - gona , antice truncata (fovea media longitudinali angusla) ; tentacula 11 Visa, longiora illo haud breviora. Segmcntum buccale haud ita latius, labio oris inferiore sulco seposito, s. 2dum latius,

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 107

antioe profunde excavatuni , partem s. buccalis medium recipiens, pharetris flabellorum setarum validis oblique pro- tinus versis, s etae sp'imfonues ^ complanatae , fragiles, utrin- que ad 24, inferiores longiores, fronte paulo minus promi- nentes s. 3ium cum secundo paene coalitum, quarto brevius, branchias utriusque fasciculi plica quadrata coniungens, fasciculo setarum laterali parvo marginem lateralem paulu- Jum excedente. Segmentum 3ium, Atum, 5tum utrinque fa- sciculo setarum s. 6tum et proxima 13 et hoc et pinnula un- cinigera inferiore, s. 20dum et cetera solis pinniiles minuta. Setae fasciculorum ad 15nas, spinis flabellorum similes, minus rigidae, dimidio vel y^ tenuiores y^ minus prominentes, pinnu- lae trapezoideae ad basin angustiores, subventrales, lacinia inferiore longiore , anteriores latiores, a pharetra setarum diametro eius distantes, posteriores paulo magis prominen- tes, e margine supero cirrum parvum acutum emittentes; uncini minutissimi 4-dentati, dentibus longis acutissimis, p. anteriorum ad 100 -nos vel plures. Segmentum postremum cirros anales 2 gerens , cirri dorsuales, longitudine seg- mentorum proximorum 3.

Long. 1,5 unc, lat. max. 0,2 unc. (sine setis).

Aus dem Meere von Grönland, nur 1 Exemplar, des- sen Kiemen leider nicht erhalten waren.

Mit der Abtheilung von Amphitrite Gunneri von Sars verglichen erscheint der Körper weniger spindelförmig, am kiementragenden Segmente weniger eingeschnürt, die mitt- leren Segmente im Verhältnisse gestreckter, der Randwulst breiter, die Aftercirren kürzer, die Flösschen der hinteren Segmente mehr heruntergerückt , so dass der Cirrus ihres Rückenrandes weit weniger in's Auge fällt, vor allem aber ist es der durchgehende Mangel der Flösschen unter den Bündeln der Haarborsten bei A. Gunneri, der beide Arten unterscheidet.

A. invalida Gr. Taf. V. Fig. 4.

Corpus brevius vermiforme, antice tumidulum, nunc quidem albidum, pellucens, posteriora versus minus produ- ctum, limbis dorsi lateralibus saepe minus tumidis, segmen- tis 40 48, brevius, latioribus (7mo, 8vo, 9no) longitudinem fere 5 aequantibus, posterioribus a 19no sensim angustiori-.

108 Grube:

bus et brevioribus. Lohns capitalis cum segmento buccali long-itudinem proxiniorum 2 aequaiis , parte frontali (quan- tum videre liciiit) angustiore, aritice trim'cata vel paulo cava > tentacula 8 visa , brevia. Segmentum 2dum septimo '/^ fere angiistiiis, setae flabelli utriusque 16 30, frontem longe ex- cedentes, tenerae, ceteris vix dimidio latiores, flexiles, pal- lidae , vix splendidiilae. Filia braiichialia utriusque fasci- culi 4, plica alta maxime pellucida cum altero coniuncta, extensa setis flabellorum longiora, longitudine segmentorum fere 11, crassitudine longitudinem segmenti aequante. Seg- mentum 3ium 4tum 5tum utrinque fasciculo setarum s. 6tum et proxima 12 et hoc et pinnula uncinigera, s. i9mum et ce- tera solis pinnulis munita. Setae capillares interdum di- midia corporis latiludine haud breviores, pallidae, tenerri- mae ad 8-nas vel plures , pinnulae anteriores humillimae (potius paene plicae appellandae) difficile distinguendae, uncini ovales acie dentibus 4 acutis serrata, p. anteriorum ad 30-nos, posteriorum pauciores. Cirri anales haud visi.

Tubi teretes membranacei, crusta limi grisea obducti, posteriora versus haud attenuati aperti.

Long. 0,4 unc. , lat. max. (ad segmentum 17mum) 0,055 unc. (sine setis); long, tubi 1,5 unc, lat. 0,75 unc.

Von Herrn Professor v. B a e r im kaspischen Meere entdeckt.

Die Segmente von A. invalida sind alle kurz, nicht einige mittlere gestreckter wie bei A. Gunneri, Kopflappen und Mundsegment kürzer, die Borsten der Fächer entschie- den viel weiter vorragend, sehr zart, nicht goldig und stark glänzend. Man müsste von A. Gunneri jüngere Exemplare haben , um die Vergleichung noch erfolgreicher anzustel- len ; es ist aber leicht möglich, dass A. invalida keine be- deutendere Grösse erreicht , wenigstens bemerkte ich in dem einen Exemplare dieser Art ovale Körperchen mit einem hellen Fleck in der Leibeshöhle , die ich nur für Eier hal- ten kann, wonach denn Thiere dieser Grösse wenigstens schon geschlechtsreif wären. Der durchschimmernde Darm- kanal zeigte einen vorderen weiteren Abschnitt , der am vorletzten Borstenbündel aufhörte, und einen hinteren en-

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 109

gen , am letzten Borstenbündel in eine Schling-e gelegten, weiterhin geraden.

A. brivispifiis Gr. Taf. V. Fig. 5-

Corpus breviiis vermiforme , A. invalidae simile, se- ctione anteriore y^ longiore quam posteriore (solis pinnulis munita). Lohns capitalis et segmentum buccale 2duni et 3ium A. invalidae liaiid dissimilia , eadem longitudine, ten- tacula haiid observata. Setae flabellorum maxime differen- tes : paucae, 8-nae tantum, frontem haud excedentes, aureae, rigidae, latius spiniformes , breviter acuminatae , radiantes, protiniis versae. Fila branchialia ulrinque 4, plica nulla (?) coniuncta, spinis multo longiora , longitudine segmentorum fere 8, crassitudine longitudinem segmenti aequante. Seg- mentum Sium 4tum 5tum utrinque fasciculo setarum, s. 6tum et proxima 13 et hoc et pinnula minuta uncinigera, s. 20dum et cetera solis pinnulis munita. Setae capillares tenerrimae, pallidae, latitudine corporis dimidia minus prominentes ad 8-nas vel pliires; cirri anales haud visi.

Tubus animalis teres materie et magnitudine cum A. invalida congrueiis.

Long. 0,3 unc, lat. max. 0,05 unc. (sine setis).

Ebenfalls von Professor v.Baer im kaspischen Meere entdeckt.

In der Zartheit des Körpers mit A. invalida überein- stimmend, von ihr wie von A. groenlandica durch die kurze breite Gestalt und die geringe Zahl der strahlig auseinan- der laufenden stachelförmigen Paleen des 2ten Segments, welche überdies so sehr gegen die haarförmig-feinen Bor- sten der seitlichen Bündel der anderen Segmente abstechen, auf den ersten Blick zu unterscheiden.

A, acutifrons Gr. Taf. V. Fig. 6.

Corpus vermiforme, nunc quidem fuscius carneum, an- tice paulo dilatatum, posteriora versus productum, sensim attenuatum dorso angustius limbato, venire inde a segmento 16mo sulco longitudinali diviso , segmentis 28, anterioribus mediisque longitudine haud ila differentibus, triplo fere la- tioribus quam longis, s. 16to aeque fere lato ac longo, pro- ximis 4 paulo longioribus quam latis , ceteris longitudine decrescentibus , latitudine vix unquam duplam longitudinem

110 Grube:

adaequonte. Lohns capitalis fronte late aciiminata, tentacula plura. Segtnentum buccale illo paiilo longiiis , bianniilum, latitudine crescens , longitucline proxima 2 aequans , labio utrinque in lobulum curvatiim exeunte. Setae flabellorum seg- menti 2(li spiniformes, sensim aciiminatae , splendentes, au- reae, lobuni capitalem attingentes , dimidiam segmenti sui latitudinem aequantes, uliinqiie 12 ad 16; pharetrae eorum multo n.inus quam A. groenlandicae prominentes. Branchiae haud conservatae, bases utrinque plica transversa alta pel- lucida coniunctac. Segmentum 3ium et 4tum utrinque solo fasciculo setarum, s. 5tum et proxima ii et hoc et pinnula uneinigera, cetera H solis pinnulis munita , posiremum in Processus 2, pinnulas menlientibus cirrosque 8 exiens, cirri segmento suo paulo longiores. Setae haud ita tenerae, spi- nis anterioribus fere ^/^ angustiores, vix breviores, tlavae, splendentes, plerumque 6-nae, flabelli instar expansae.

Long. 0,4 unc, lat. max. 0,06 (sine setis).

Aus dem Meere von Grönland.

Diese Art, von der nur 1 durch den Weingeist stark contrahirtes Exemplar vorliegt, weicht von allen durch die breit dreieckige Stirn des Kopflappens und durch die grosse Zahl der Aftercirren ab, erinnert durch die Kürze der Sta- chelfächer und geringere Zahl ihrer Stacheln an A. brevi^ spinis, wird aber in beidem von ihr noch übertroffen. Ich kann übrigens mit Sicherheit jederseits nur die Ansätze von zwei Kiemenfäden unterscheiden, vielleicht besitzt diese Art weniger Kiemen.

Polycirrus Gr.

P. aurantiacus Gr. Taf. IV. Fig. 8.

Corpus aurantiacum, vermiforme, antice maxime infla- tum, posteriora versus sensim attenuatum, segmentis circiter 82 minime sulcis annularibus separatis, medium versus lon- gitudine crescentibus , duplo fere latioribus quam longis, prioribus 20 scutis torisve ventralibus paribus munitis. Scu- tum ventrale segmenti buccalis impar, oblongum, antice trun- catum, ceteris longius, cetera paria transversa, anteriora 8, primo excepto, paene alterum tantum latiora quam longa,

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 111

utrinque sese proxima vel taiigentia , spatio medio paulo angustiore distenta , toros parietis lateralis tangentia , se- quenüa repente decrescentia, a linea ventris media miilto- que magis inter se distantia; pos^rema minima , a segmento 21mo omnino nulla. Lobus capitalis valde flexuosus, mi- nus quam P. Medusae extensus. Tentacula maxime nu- merosa , comam niagnam componentia , plurima tenuissima, nonnulla paulo crassiora sulco longitudinali munita. Fasci- culi setarum capillarium utrinque 40 , a segmento 2do inci- pientes, tenuissinü, priores 8 ex pharetra, margine tororum lateralium superiore inserta prodeuntes, tori scutis ventra- libus minores, orificio adumbrato muniti ; fasciculi proximi ii pharetrae paulo maiori inferti, pinnula minima uncinigera a scutis ventralibus separati, prioribus saepius paulo longio- res, latitudinem ventris hie aequantes, ceteri 2i brevissimi, vix distinguendi, ex pinnula uncinigera orti ; pinnulae unci- nigerae utrinque 72 , a segmento 21mo usque ad extre- mum visae, minutae; setae capillares lineares, uncini rostro simplici.

Long, ad 3 imc, lat. max. 0,5 unc.

Nicht selten bei Porto re und Cherso in Steinlöchern.

Hüllt sich in einen durchsichtigen Schleim , phospho- rescirt mit orlänzend violettem Lichte.

Der sehr dünnwandige Körper zerreisst so leicht, und geht so leicht in Fäulniss über, dass ich kaum zwei voll- ständige Exemplare mit nach Hause gebracht habe. Der Darmkanal beginnt mit einem dünnen, nur im Mundsegmente selbst erweiterten Rohre, welches durch die ersten 7 bor- stentragenden Segmente hindurchgeht, im 8ten vergrössert sich der Durchmesser des Kanals um das Zweifache, er bekommt eine gelbe Farbe und diese rührt von einem aus unregelmässigen mit einander zusammenhängenden Klümp- chen bestehenden, ihn umkleidenden Fettgewebe her. Von solcher Beschaffenheit ist der Darmkanal in den nächsten fünf Segmenten , darnach wird er allmählich dünner und läuft so, ohne jedoch weiter jenes Gewebe zu zeigen, in gera- der Linie bis zum Ende des Körpers fort. Der vordere Theil des Darmkanals ist nicht bloss an den Grenzen der Segmente, sondern auch dazwischen durch Fäden an die

112 Grube:

Rückenwand l)ofestigt. Gefässc vermag- ich nirgends zu erkennen , wolil al)er farblose spindelförmige Körperchen, die durch die ganze Leibeshöhle wie auch durch die Füh- ler hin und her strömen. Im Isten , 2ten und 3ten der borstenlragenden Segmente befindet sich je 1 Paar dünner einfacher Blindschläuche, welche etvva die Länge von drei Seofmenlen haben, mit ihrem vorderen Ende an der Bauch- wanduno- befestigt sind, und dort wahrscheinlich münden. So wiederholt sich auch hierin die Organisation der Tere- bellen, an die schon der erste Anblick eines Polycirrus so lebhaft erinnert.

Die hier angeführten Beobachtungen habe ich an sehr jungen und durchsichtigen Individuen von 0,2 und 0,15 Zoll Leibeslänge gemacht, an denen die Zahl der (in dieses Mass nicht hineingerechneten) Fühler noch nicht mehr als 24 betrug, und die sich 'dieser Organe auch zum Empor- kriechen an der Wand von Gläsern bedienen konnten. Viele derselben lösten sich beim Sterben ab, an grossen kräfti- gen Thieren spielen sie meist fortwährend, sich verlängernd, verkürzend, verdünnend, verdickend, hin und her pendelnd, sich wellenförmig hin und her schlängelnd . der eine so, der andere anders sich bewegend. Was das Aufblähen des Körpers betrifft, so beschränkt sich dieses zwar nicht aus- schliesslich aber doch vorzugsweise auf die vordersten 13 Segmente und findet jedenfalls hier am stärlisten statt.

SabcUa L. Sav.

S. brevibarbis Gr. Corpus vermiforme, gracilius, latitudine anteriore fere y,<^ longitudinis aequante (branchiis exceptis), teres, ex vi- ridi album, segmentis circiter 70, inter setas capillares pe- ctinemque uncinorum puncto nigro ornatis, sectionis ante- rioris iunctis longioribus quam latis. Branchiae aeque lon- gae , ^/^ totius animalis vel segmenta fere 23 aequantes, albae, viridi imbutae, vittis anguslis 6 ex aureo brunneis pictae, supra basin brunnescentes: fila branchialia utrin- que 15, semiorbem componentia, usque ad apicem brevis- sime barbata, paene dentata, longitudine barbularum duplam

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 113

filoriim latitudinem non excedente, saepius minore, mem- brana basilari , (fila coniung-ente) hiimilliina , pinniiJis dor- sualibus oculisve niillis; filiiin supremiiin (i. e. Imiim dor- siiale) briinneum. Tentacula 2 alba, longitudine Yj fere filoriim branchialiiim aeqiiante. Collare ex viridi albiim, brunneo linibatum, bipartitum, iitrinqiie bilohiim, lobo ven- tral! altiore , animalis vivi mobilissinio. Anus postremiis. Setae capillares argenteae , angustissime limbatae; paleae nullae. Tori uncinigeri sectionis anterioris transversae ob- longae, posterioris siilco longitudinali bipartitae, ovales, priores horum , singuli alternm tantum latiores quam longi, ceteri per se breviores. Mutatio setarum in segmento 9no observata (m. s. %). Sanguis viridis.

Long. 1 unc, branchiarum 0,4 iinc, corporis 0,8 imc. ; lat. ant. 0,05 unc.

Tubus animalis 2,5 unc. longus, diametro 0,1 unc, pa- riete haud ita crasso, ex limo confecto , extremitate acumi- nata cauli Zosterae affixus.

Gefunden bei Pischio, nahe Cherso ; nur 1 Exemplar.

Serpula L. Phil.

S. (VermiliaJ galeata Gr. Taf. IV. Fig. 9.

Corpus vermiforme , gracilius , subgriseum , lateribus ferrugineis pallio pallidius aurantiaco , segmentis lere 107, sectione anteriore, y^ corporis excedente. Branchiae aeque longae, pallide puniceae, vittis 3 ex violaceo albescentibus ornatae , longitudinem sectionis anterioris aequantes; fila branchialia dextrae 20, sinistrae 21, Stylus operculi sinister, pallide aurantiacus, processibus nnllis arniatns. Opercnlum quasi glandiforme , dimidio superiore recte imposito, semi- globoso, in apicem uncinatum exeunte, olivaceo, d. inferiore pallide aurantiaco paulo breviore (?). Setae capillares haud limbatae , segmentorum postremorum , productae , sectionis anterioris flavae, fasciculos magnos componentes. Muta- tio setarum in segmento 8vo observata.

Long. 1,55 URc. branchiarum 0,255 unc, corporis 1,29; lat. 0,095, long, operculi cum stylo 0,35 unc.

Gefunden bei Porto re, nur 1 Exemplar.

Arch. für Naturg. Jahrg. XX VI. 1 Bd. 8

114 Grube:

Die Röhre dieser Vermilia war leider nicht erhalten. Der Deckel ähnelt am ersten V. multicristata, doch ist seine obere Hälfte nicht conisch zugespilzt, sondern hclmförmig- gerundet mit plötzlich abgesetzter Spitze, in der Mitte der Höhe des Deckels ist er von zwei Ringfurchen umgeben, die die Grenze der oberen und unteren Hälfte unbestimmt machen.

Saenuris Hoffmr.

S. barbata Gr. Taf. IV. Fig. 10.

Corpus filiforme, utrinque attenuatum, pellucidum, san- guine laete rubro, segmentis fere 90, mediis paulo latioribus quam ceteris, contractis plus alterum tantum latioribus quam longis. Lobus capitalis ex triangulo rotundatus. Setae seg- mentorum anteriorum 9 superiores capillares, inferiores un- cini, s. ceterorum superiores et inferiores uncini; setae ca- pillares lineares, 3-nae, latitudine corporis haud ita brevio- res, uncini infra cornei, subfusci, supra pellucidi, acumine bidente, haud limbato, superiores singuli, inferiores 2-ni.

Long, ad 2,15 unc, lat. 0,03 unc.

Lebt in dem schlammigen Roden des Vranasees auf der Insel Cherso, in einer Tiefe von 31 Faden.

Erklärung der Abbildungen.

Alle Figuren sind vergrössert. Tafel III.

Fig. 1. Der vorderste Theil von Polynoe clypeata , von unten ge- sehen.

1. a. Eine der Elylren, von oben gesehen.

1. b. Ein Stück von einem der beiden äusseren Fühler, stärker vergrössert , um deutlicher die Reihen von fadenförmigen Papillchen zu zeigen, mit denen sie besetzt sind. 1. c. Ein Ruder desselben Thieres. Fig. 2. Eine der mittleren Elytren der rechten Seite von Polynoe

areolata, von oben gesehen. Fig. 3. Horizontaler Durchschnitt von Spinther miniaceus (nach ein- zelnen Beobachtungen zusammengesetzt).

Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 315

p. Der aus der Mundöffnung herausgestreckte halbrinnenför- niige Rüssel, von unten gesehen.

s. Die unteren stumpf-conischen iJoistenhöcker mit je zwei Ilakenborsten (von denen aber nur die eine stärker her- vortritt) , dahinter treten die haarförmigen Borsten des oberen breit ausgespannten und bis fast an die Mittellinie des Rückens tretenden Borstenfächers hervor.

n. Das Organ, das ich für den Centraltheil des Nervensystems halte mit zwei aus seinen hinteren Ecken hervortretenden langen Fäden.

i. Der hintere längere durch Blindsäcke gefiederte Theil des Darmkanals, (der vordere nicht erhaltene ist durch punc- tirle Conture angedeutet), 3. a. Verticaler Querdurchschnitt von einem der mittleren Seg- mente desselben Thieres. Die Leibeshöhle rings um den Darm ist mit Eierchen erfüllt, die sogar bis in die Höh- lung der unteren Borstenhöcker treten.

3.