IE KEDEN OTAMO UDDHOS
LERE SAMMLUNG
ÜBERTIVAGEN VON
KARL EUGEN
NEUMANN
DIE REDEN BUDDHOS
MITTLERE SAMMLUNG I
i
DIE REDEN G OTA M O
BUDDHOS
AUS DER MITTLEREN S^AMMLUNG MAJJHIxMANIKÄYO DES PALI-KANONS ZUM ERSTEN MAL ÜBERSETZT VON
KARL EUGEN NEUMANN
ERSTER BAND ERSTES HALBHUNDERT
MÜNCHEN 1922 * R. PIPER & CO.
ALLE RECHTE VORBEHALTEN
o^N'il^
DRITTE AUFLAGE
SIEBENTES BIS SECHSUNDDREISSIGSTES TAUSEND
COPYRIGHT 1923 BY R. PIPER & CO. • G. M. B. H. . MÜNCHEN
INHALT
S«äte
VORWORT des Herausgebers IX
ZUR DRITTEN AUFLAGE XXI
V0RRPJ3E XXni
DIE MITTLERE SAMMLUNG DER REDEN GOTAMO BUDDHOS
ERSTER BAND ERSTES HALBHUXDERT
ERSTER THE TT.
BUCH DER URART
Rede : Urart
1
2
3 4 5 6
7 8
9
lO
o
Alles Wähnen i6
Erben der Lehre 27
Furcht und Angst 56
Unschuld 52
Wunsch um Wünsche 68
Das Gleichniss vom Kleide . . . 76
Ledigung 86
Die rechte Erkenntniss 98
Die Pfeiler der Einsicht 122
V
11
12
13 14
15 i6
17 i8
19 20
INHALT
ZWEITER THEIL BUCH DES LÖWENRUFS
Rede: Der Löwenruf
Das Haarsträuben .... Die Leidensverkettung I . Die Leidensverkettung 11
Das Maaß
Die Herzbeklemmungen
Waldeinsamkeit
Der gute Bissen
Zweierlei Erwägungen
Der Erwägungen Eingehn .
Seite 145 154 190 206 219 240 251 260
275 287
DRITTER THEIL BUCH DER GLEICHNISSE
|
21. Rede: Das Gleichniss von der Säge |
299 |
|
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22. , |
Das Schlangengleichniss |
316 |
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25. , |
Der Ameisenhügel |
346 |
|
24. , |
Die Eilpost |
355 |
|
25- , |
Das Futter |
366 |
|
26. , |
Das heilige Ziel |
379 |
|
27- ' |
Die Elephantenspur I .... |
411 |
|
28. |
Die Elephantenspur II ... . |
432 |
|
29- , |
Das Gleichniss vom Kernholz I |
447 |
|
30- > |
Das Gleichniss vom Kernholz II |
464 |
VI
INHALT
VIERTER THEIL ERSTES BUCH DER PAARE
S«lte
Rede: Im Gosingam-T\'alde I 485
Im Gosingam- Walde 11 497
Der Rinderhirt I 514
Der Rinderhirt 11 523
Saccako I 52g
Saccako 11 549
Versiegimg des Durstes I 585
Versiegung des Durstes 11 . . 595
Vor Assapuram I 628
Vor Assapuram LI 650
FÜNFTER THEIL ZWEITES BUCH DER PAARE
Rede: Die Brähmemen von Sälä 663
Die Brähmanen von Veranjam . 674
Die Erklärungen I 675
Die Erklärungen II 690
Die Lebensführung I 703
Die Lebensführung 11 712
„ Der Forscher 726
Vor Kosambi 752
Brahmas Heimsuchung 742
„ Märos Verweisung 756
vn
INHALT
Seite
ANMERKUNGEN 771
REGISTER
793
ZUR AUSSPRACHE:
Die Betonung hält sich, der lateinischen ähnlich, mög- lichst am Anfang. Verbundene Worte haben, wie im Deut- schen, zwei Hebungen, Es heißt also: Gdtamo, Pasenadi, Sävatthi, Aggivessano, Kdpilavdtthu u. s. w.
fi, 1, ü, sind lang auszusprechen, ebenso e, o, ausgenommen vor Doppelkonsonanz ; c = tsch, j = dsch, y = j, V = w, s ist stets scharf, h in Verbindung mit Konsonant oder Doppelkonsonant stets hörbar zu sprechen. Punktierte Lettern sind lingual.
Es werden durchweg die unverkürzten Nominative ge- geben. Elu, d. i. weder Samskyt nocli Pfili, sind die Endungen -a, -e, -ya.
Die Zahlen am Rande geben die Seiten des Trenckner- schen Textes an.
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VORWORT DES HERAUSGEBERS
Ixls Karl Eugen Neumann im Jahre 1915 starb, war sein Lebenswerk so gut w-ie ungekannt, die Mehrzahl der Gebildeten hatte noch kaum vom Vorhandensein authen- tischer Reden des Buddho gehört, und noch gar nicht den Namen ihres ersten europäischen Übermittlers. Seither ist es anders geworden, heute wissen die Besten was der Päli-Kanon bedeutet, und dass sie ihn in einer Über- tragung besitzen, um die das deutsche Volk von den andern Nationen beneidet wird. Und heute ist es möglich geworden, die Mittlere Sammlung der Reden Gotamo Buddhos, die Karl Eugen Neumann bereits 1895 — 1901 übersetzte, zum zweiten Mal erscheinen zu lassen.
Die vorliegende Ausgabe bringt den unverkürzten Wortlaut der ersten, weist aber manche Veränderungen auf, die ausnahmslos von Karl Eugen Neumann selbst herrühren. Der Päli-Kanon enthält in allen seinen Teilen gleichlautend wiederkehrende Stellen, Wort- folgen und Begriffe; im Laufe der Jahre hatte nun Karl Eugen Neuraann, unablässig nach höchster Treue strebend, einige dieser identischen Stellen noch näher zu verdeutschen vermocht, ohne dass ihm jedoch eine
IX
VORWORT
zweite Ausgabe der Mittleren Sammlung Gelegenheit gegeben hätte für derartige Wortfolgen die spätere Fassung einzusetzen. Daraus ergab sich die Notwendig- keit einen Text letzter Hand herzustellen. Hierbei musste mit großer Umsicht vorgegangen werden, nach sorgsamster Erwägung, denn die Päli-Texte sind rhyth- mische Kunstwerke, worin jeder Silbe ein bestimmter Lautwert zufällt. Das spricht durchaus nicht gegen die Authentizität der Reden, ganz im Gegenteil: wenn ein Wesen moralisch und geistig die höchste Höhe erreicht, dann wird ihm auch sprachlich alles zu Rhythmus und Melodie; aus der inneren Ruhe und Reinheit, der tiefen Harmonie, die im Heiligen waltet, entsteht vne von selbst das Kunstwerk seiner Rede. So hat einmal ein Erwachter gesprochen, und wir finden vorher und nachher kein Beispiel dafür. Wohl aber ist der Rahmen mancher Reden später nachgeschaffenes Kunstwerk, und noch in Gotamos Geiste stilisiert. Die Aufgabe bei der Textherstellung war darum, die späteren Fassungen einzusetzen ohne den Rhythmus zu zerstören, also nur jene Stellen aus den später übertragenen Bänden herüber- zunehmen, wo der Rhythmus der umgebenden Worte es ohne irgendwelche selbständigen Zusätze oder Weg- lassungen erlaubte. Wo immer ein bloßes Einfügen der späteren Form ohne Gefährdung des Rhythmus möglich
X
VORWORT
erschien, ist diese jetzt an die Stelle der früheren ge- treten, während in wenigen Fällen, wo das Gleichmaß der benachbarten Stellen durch ein solches Verfahren zerstört worden wäre, davon Abstand genommen wurde. Die rhythmischen Gesetze der Päli-Texte sind unglaub- lich fein und manigfaltig, und Karl Eugen Neumann hat selbst gelegentlich auf eine frühere, darum oft nicht weniger richtigere Version seiner Übertragung zurück- gegriffen, weil sie gerade in diese Umgebung sich besser einfügen wollte. In solchen einzelnen Fällen würde nur helfen, auch die umgebenden Worte entsprechend an- zupassen, zu verändern, wie es Karl Eugen Neumann wenn es not war tun mochte; das aber steht keinem Herausgeber zu, und nur aus diesem Grunde, nicht weil sie übersehen wurden, sind auch einige, in späteren Werken Karl Eugen Neumanns anders \^aedergegebene identische Stellen hier unverändert belassen worden. Als ein leichtes Beispiel für \'iele sehr sch\\'ierige sei n\ar erwähnt, dass Karl Eugen Neumann im ersten Band der Mittleren Sammlung das Wort brähmano mit »Bräh- mane« übersetzt hatte, während es im zweiten und dritten Band auch durch »Priester« verdeutscht ist; in der Längeren Sammlung kommt dann nur mehr die Wiedergabe »Priester« vor. Es ist nun klar, dass es nicht immer möglich sein kemn ein zweisilbiges Wort an die
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VORWORT
Stelle eines dreisilbigen zu setzen, ohne irgendwelche ausgleichende Veränderung, darum ist auch die erste Form »Brähmane« hie und da geblieben. Weil die jüngere Fassung mancher solcher gleichlautend wieder- kehrender Stellen in den jeweils später erschienenen Bänden gedruckt vorlag, brauchte sie nicht immer auch von Karl Eugen Neumann in seine Handexemplare der früheren Werke eingetragen zu werden, daher kommt es, dass diese nur wenige Korrekturen enthalten, nämlich nur die nirgend anderwärts schon gedruckten. Diese sind hier in den Nachweisen am Schlüsse des dritten Bandes, woselbst der Ursprungsort aller geänderten Stellen ver- zeichnet ist, aufzufinden. Die meisten Änderungen waren naturgemäß im ersten Band durchzuführen, im zweiten sind es bereits wenigere und nur mehr einige im dritten Band, als im zuletzt übertragenen. Hiej wetren nur mehr die Bruchstücke und die Längere Sammlung zum Vergleich heranzuziehn, während bei der Textredaktion des ersten Bandes auch der zweite und dritte berücksichtigt werden musste. Die überwiegende Zahl der späteren Fassungen ist nicht durch die Nötigung Irrtümer zu berichtigen, sondern zumeist aus dem Stre- ben nach letzter Vervollkommnung zustandegekommen. Hat also Karl Eugen Neumann später manche Stelle des 1896 erschienenen ersten Bandes noch zutreffender über-
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VORWORT
tragen, so war dessenungeachtet dieser erste Band schon ein erstaunliches Meisterwerk: weis in der »Buddhisti- schen Anthologie« (1892) kaum noch im ersten Ansatz wahrzunehmen war, die Identität seines Tones, seiner Sprache mit derjenigen Gotamos, das tritt hier zum ersten Mal vollkonmien zutage. Es ist ein Irrtima zu vermeinen, man könne was ein Großer gesprochen habe auch mit anders gesetzten Worten unbeeinträchtigt wiederholen, anders gesetzt ist die Wirkung eben eine andre oder wird überhaupt ausbleiben, weil im persön- lichen Rhythmus des Redners letzter Wirkungsgrund liegt. Unrhythmische Worte sind jedoch machtlos, wenn auch ihr Inhalt bedeutend wäre, welcher Fall aber in der Erfahrung gar nicht angetroffen wird, während Rhythmus allein schon das Bändigende an sich ist, das Ordnende und Ermunternde. Und nun gar die Worte des höchsten der Menschen, von denen eine Heilkraft sondergleichen ausgeht, die ruhegeboren sind und schlackenrein: nicht nur ihr Inhalt, auch ihre Form, die Art ihrer Setzung wirkt in stärkster Weise ermunternd, umbildend, Wunder schaffend, unmöglich Scheinendes möglich machend. Und dass die Buddho- worte in der Verdeutschung Karl Eugen Neumanns dieses zauberhaft Belebende, Beschwichtigende, Stär- kende und Beruhigende unvermindert behalten haben,
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VORWORT
hierin liegt das Wunder seiner Übertragung, die aus verborgenen, fast geheimnisvollen Quellen fließend, noch weit über alles Sprachkunstwerk hinausgeht. Gleichzeitig aber war Karl Eugen Neumann ein philo- logisches Genie, mit dem all erseltensten Scharfsinn begabt, bei einem ungeheuren Wissen unermüdlich in seinem Forschungseifer, stets bis zur letzten Bedeutung und Beziehung der Worte vordringend. Nicht geringer als sein Verdienst um die buddhistische Lehre ist sein Verdienst um die deutsche Sprache, der er ein neues Element, eben das indische, genauer das gotamidische, zugeführt hat; durch seine Verschmelzung des edelsten indischen Sprachgutes mit dem Deutschen hat er diesem neue ungeahnte Schönheiten abgewonnen, wie auch Luther es sich zum Verdienst anrechnete, die lateini- schen Klänge der Vulgata ins Deutsche herübergebracht zu haben. Dabei ist die Übertragung Karl Eugen Neumanns voll von »ebenso einfachen als genialen Kühnheiten, die nur dem Künstler gelingen«, wie er selbst es von Richard Wagners Übersetzung des Wortes Vandhdm durch 'Wahnheim' rühmt.
Nur ein mit solchen Eigenschaften Ausgezeichneter durfte in hingebungsvoller Treue daran gehen die Reden des Buddho in einer andern Sprache zu wiederholen, und nur ein Solcher konnte eine Übertragung schaffen, die
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VORWORT
den Geist und den Buchstaben der Lehre Gotamos gleich vollkomnien wiedergiebt. Ohne Vorbild, ohne eigentli- chen Vorgänger, hat er den ersten Schritt auf dem noch unbetretenen Weg getan und ist ihn bis ans Ende ge- gangen. Seinem großen Werk der Übertragung schließt sich sein Werk der Anmerkungen und Erläuterungen an, welches in dem noch ungedruckten Nachlassband gipfelt, einem gewaJtigen Werke, reich an Beziehungen gerade zur Mittleren Sammlung, deren immerwiederkehrende Begriffe wie phasso, äsavo, sankhäro, sakkäyo, suflfiatä usw. dort eingehend erörtert werden. Die Anmerkungen zur Mittleren Sammltmg sind in der gegenwärtigen Ausgabe an den Schluss jedes Bandes versetzt, gemäß dem späteren Wunsche Karl Eugen Neumanns. Er hatte ursprünglich überhaupt keinerlei Anmerkungen bei- bringen wollen, um nur den Text für sich allein wirken zu lassen, darum findet man so wenige im ersten Band; im zweiten sind es, wenn auch noch überwiegend philo- logische, bereits mehr, und erst im dritten Band hebt sein eigentliches Anmerkungswerk an, das dann in ununterbrochener, immer gesteigerter Fülle bis zu dem erwähnten Nachlassband führt. Auf diesem steilen W^eg hat Karl Eugen Neumann noch die herrlichen Lieder der Mönche tm^d Nonnen, die unsagbar schönen und tiefen, mit der Mittleren Sammlung unzertrennlich vei^
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VORWORT
bundenen Bruchstücke der Reden nacherschaffen, hal auch noch gemeinsam mit G. De Lorenzo den ItalienerD den ersten Band der Mittleren Sammlung geschenkt, und nachdem die drei Bände der Längeren Sammlung, während welcher Arbeit seine Meisterschaft ins Un- begreifliche wuchs, vollendet waren, die leuchtenden Augen für immer geschlossen.
Wenn ein Genius vom Range Karl Eugen Neumanns erscheint, neue Bahnen erschließt, ein unsterbliches Werk vollendet, so vollzieht sich immer wieder dasselbe beschämende Schauspiel: die von ihm wissen, hüten sich von ihm zu reden, die Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Oder sein Werk wird, als ob es wäre wie andere mehr, so nebenher erwähnt. In diesem Falle darf viel- leicht manchem Beteiligten zugebilligt werden, dass er ehrlicherweise selbst nicht begriffen hat was eigentlich am Werke Karl Eugen Neumanns das schlechthin Ei)amalige sei, da es scheint, dass für gewöhnlich sich wenig Dinge schwerer vereinen lassen als Kunst und indologische Wortforschung. Es sind auch die gleichen Männer, welche in den Wiederholungen der Reden nur lästige und langweilende Ausdehnungen erblicken, auch gelegentlich darüber spötteln, während diese Wieder- holungen, außer ihrer Bedeutung das Gesagte zutiefst zu befestigen, in Wahrheit ein höchstes Kunstprinzip
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VORWORT
darstellen. Das haben ^oße Geister wohl erkannt; so hat Napoleon von der Wiederholung ausgesagt, dass sie ihn die einzige ernsthafte Redefigur dünke, und in Rodins Testament steht der schöne Satz zu lesen: »Ich liebe das menschliche Bestreben, das sich durch regelmäßige Wiederholung unablässig steigert. Diese wiederholte Bewegung ist eine Schlachtordnung. Die Säulen der Kathedrale verzehnfachen ihre Grazie, indem sie ein- ander folgen und sich vereinigen.« Das gilt auch von den Reden Gotamo Buddhos, die wie Säulentempel gebaut oder wie Fugen gesetzt sind. Fugenartig sind ihre Wiederholungen und dürfen vom Leser nicht über- gangen werden, wenn anders er zum Verständnis und zum Genüsse des Ganzen kommen will. Werden sie aber Wort für Wort mitgelesen, so erschließt sich ihr Sinn, sie können sich festsetzen, Wurzel schlagen und das Handeln beeinflussen. Und einzig darauf kommt es an. Nur haben Worte meist noch geringere Macht cJs ihnen zugestanden wird, da sie nur Hirnwissen, nicht Herzwissen erzeugen; um bewegen, lenken zu können, müssen ihnen absonderliche Kräfte innewohnen, und da giebt es in der W'elt keinen so unmittelbar er- greifenden und beschwichtigenden Klang als den der Worte Gotamos : auch das kennzeichnet ihn und erhebt ihn neben vielem anderen noch über die höchsten
(I MS I XVII
VORWORT
Weisen, dass seine Worte bleibendere Spuren hinter lassen, weil schon ihr Rhythmus bezwingender ist Und nun gar in ihren unaufhörlichen, großartig rau- schenden, ein Meer von Güte ausströmenden Wieder holungen, die den ganzen Menschen durchdringen unc ihn in den Zustand versetzen, aus dem heraus er da; früher Unmögliche vollbringt. Wer diese Wirkung dei Worte Gotamos kennen gelernt hat, deren Inhalt sc erhellend, deren Form so bezwingend ist, der wird verstehen warum einst Robert L' Orange, der am stärksten Ergriffene, zu Karl Eugen Neumann sagen mochte : Na hi kafici sotahbam maflfiämi aflfiatra Tatkä- gatena: »Nicht irgendwen halte ich für hörenswert außer dem Vollendeten.«
Denn nicht nur ein Weiser, ein Prophet oder Reli- gionsstifter spricht in den Reden zu den Menschen: ein wahnloses Wesen, das sich als den besten Künstler, besten Arzt zu erkennen giebt, hat einen Heilplan entworfen, um das in die Schiefe geratene Geschlecht auf den rechten Weg zu bringen, ihm die Augen zu öffnen, »der Welt«, wie es heißt, »den Schleier hinweg- zunehmen«. Nicht als ein fanatischer Bußprediger, nein, ohne zuzureden, ohne abzureden legt er die Lehre, deren Anfang, Mitte und Ende begütigt, dar, und nicht nur Mönchen, allen Menschen verkündet er sie. Weisen
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VORWORT
und Toren, Guten und Schlechten, und es ist wunder- sam wahrzunehmen wie noch im Gespräch mit dem Verworfensten der Göttliche lächelt und mit Freuden ein menschliches Herz erhlickt. Dieses kaum noch merkbare Lächeln, das die indischen Bildner später so herrlich nachgeformt haben, tritt deutlicher in der 81. Rede und 83. Rede hervor \ind erstreckt sich für den Tiefersehenden über alle, als sichere Gewähr der Erwachung; so wahr Zorn, Hass und Leidenschaft der Traumwelt angehören, der tiefen Verstrickung; Humor aber, im höchsten Sinn verstanden, das nicht mehr Einbegriffensein verbürgt. Auch damit zeigt es sich wie falsch es war den Buddhismus als eine pessimistische Weltansicht zu bezeichnen; nicht nur die 74. Rede, die Beides: »Alles gefällt mir«, also den Optimismus, und »Nichts gefällt mir«, also den Pessimismus, umgeht, beweist das, sondern vor allem dieses unendlich feine, heitere Begreifen, das eben unvereinbar ist mit Pessimis- mus, und hoch über seinen Niederungen schwebt. Es ist das Wissen um die vier heiligen Wahrheiten, das zur Dvirchschauung und Er^vachung führt. ZurErvvachung aber verkündet der Buddho die Lehre, und als die er- staunlichste, außerordentlichste Eigenschaft des Voll- endeten bezeichnet er es, wieder in übermenschlicher Heiterkeit, in der 125. Rede, dass ihm Gefühle bewusst
ir XIX
VORWORT
aufsteigen, dass sie bewusst anhalten, bewusst untergehn, und ebenso Wahrnehmungen, und ebenso Gedanken. Das klingt einfach, wie das meiste was der Meister zu sagen hat, darum heißt es ja auch von seiner Lehre, dass sie klar sichtbar ist, zeitlos, anregend, einladend, jedem Verständigen von selbst verständlich. Wer aber meint sie ohneweiters, ohne den rechten Ernst und die rechte Mühe, in ihrer Tiefe begriffen zu haben, dem wird oft und oft gesagt : »Schwer wirst du das verstehn, ohne Deutung, ohne Geduld, ohne Hingabe, ohne Anstren- gung, ohne Lenkung«. Nur diejenigen, welche »seit langer Zeit von gemeineren Dingen abgewandt« sind, haben die Kraft geduldig in die Sätze Einsicht zu nehmen. Der Allesleser wird in den seltensten Fällen die Kraft be- sitzen mit dem ruhigen Gange der Reden Schritt zu hal- ten, ihr ungewohntes Zeitmaß zu ertragen : sie langsam, und doch ohne Pathos zu lesen setzt einen Zustand inne- rer Bereitschaft voraus und will nur den Geduldigen ge- lingen. Doch ist die Lehre nach langer Verborgenheit jetzt glücklich dem Dunkel entrissen, und so sei denn vorerst die Mittlere Sammlung, in neuer Gestalt, in einer Vielen zugänglichen Ausgabe, mit den Gefühlen tiefster Dank- barkeit für Karl Eugen Neumann, den Lesern übergeben.
Wien, im Frühling igai.
E. R.
XX
ZUR DRITTEN AUFLAGE
xlillem Verheimlichen und Verkleinem zum Trotz hatte das Werk Karl Eugen Neumanns in den letzten Jahren sich Bahn zu brechen begonnen, und so war denn auch kaum die zweite Auflage der Mittleren Sammlung der Reden Buddhos erschienen, war noch nicht zur Gänze fertiggestellt, als bereits die Veranstaltung einer viel größeren dritten sich notwendig er\%-ies: so kräftig griff das einmal erwachte Interesse jetzt um sich. Be- geisterte Herzen nahmen die Meisterworte auf und trugen sie von Mund zu Mund weiter, fast wie in alter Zeit. Ob nun dabei dem einen die Gewissheit eines wahren Haltes, dem anderen die Offenbarung eines beglückenden Kunstwerkes, dem dritten nur die Ahnung von einer alles überragenden Größe aufgehn konnte: in jedem Falle war die Wirkung mächtig und ist in ihrer Tiefe und Weite noch gar nicht abzusehn. Zwar geht, wie von jeher, Hand in Hand mit der Verbreitung des Echten auch seine Verballhomung und Plünderung, je mehr und mehr aber das origi- nale Werk gekannt sein wird, desto schwerer wird es werden, dai-aus Abgeschriebenes oder auch nur not-
XXI
ZUR DRITTEN AUFLAGE
dürftig Verhülltes für eigene Kunst und Erfindung auszugeben.
Die dritte Auflage stimmt mit der zweiten bis auf ganz wenige ergänzend nachgetragene Varianten und Berichtigungen völlig überein. Im Bestreben dem kost- baren Inhalt ein würdiges Gefäß zu schaffen hat der Verlag das Werk in einer edlen Type vollständig neu setzen lassen, hat zur Erreichung seines Zieles kein Opfer gescheut, wofür ihm und der mit der Ausführung betrauten Druckanstalt, welche die größte Sorgfalt auf- gewendet hat, auch an dieser Stelle noch gedankt sein möge. Unmittelbar wird sich nun in gleicher Gestalt das übrige Werk und der Nachlass Karl Eugen Neu- manns anschließen.
Wien, im Frühling 1922.
E. R.
XXII
VORREDE
DER KANON
Di
ie Mittlere Sammlung, Majjhimanikäyo, der uns überlieferten Lehrdarstellungen Gotamo Buddhos besteht aus 152 Reden. Diese Reden halten zw-ischen den 34 län- geren Darlegungen des Dighanikäyo und den Zcihl- reichen kürzeren Mittheilungen, oft nur einzelnen Aus- sprüchen des Khuddakanikäyo in Hinsicht auf die Dauer des Vortrags gleichsam die Mitte. Nur dieses äußere Merkmal hat die Namen bestimmt. AngiUta- ranikäyo und Sarnyuttakanikäyo, mehr oder weniger vom selben Gesichtspunkte aus geordnet, schließen sich als \aerte und fünfte Sammlung an. Das Ganze dieser fünf großen Tage- und Lehrbücher wird unter dem Begriffe Suttapitakam, Kanon der Reden, zuscimmen- gefasst, als Gegenstück zum Kanon der Zucht, dem Vinayapitakam. Das sind die beiden Hauptstücke des Vermächtnisses. In der Folge hat man diesem Dvipi- takam, dem Zweifachen Kanon, da.s Abhidhammapitakam angefügt, den Kanon der Scholastik, und also das Tipi- takam geschaffen, den Dreifachen Kanon, die bud- dhistischen Biblia Sacra. Wahrscheiulich aber war bis
xxm
VORREDK
zum Tode Gotamo Buddhos, um 480 v. Chr., nur eine Satzung bekannt, eben der Kanon der Reden, das Suttapitakam als Ekapitakam, woraus dann all- mälig das Vinayapitakam, später das Ahhidhammapi- takam theils ausgeschieden, theils weitergebildet wurde. Der Name Ekapitakam und Dvipitakam kommt nicht vor, Tipitakam erst in scholastischer Zeit. Wohl wird das Simplex pitakam von alters her gelegentlich ge- braucht, doch nur in seiner eigentlichen Bedeutung, als Korb: so z. B. in unserer 21. Rede, wo gesagt wird, den Weisen erschüttern wollen sei geradeso wie wenn man, »mit Spaten und Korb versehn«, daranginge den Erdball abzugraben. Zweifelhaft freilich scheint mir, im Gegensatz zu Trenckner, ob nicht in Äußerungen wie pitakasampadänena (AN y6\. I. p. 189, vol. IL p. 191, vergl. Trenckner, Päli Miscellany, London 1 879, p. 67 ff.) schon eine deutliche Anspielung auf den übertragenen Begriff, auf schriftlich gepflegte brähmanische Über- lieferung vorliegt; wie vielleicht auch in der bitteren Klage des brähmanischen Büßers Mägandiyo, iVfiV vol. L p. 502 f. : BhUnahu samano Gotamo ti m.e bhäsitarn : tarn kissa hetu? Evam hi no sutte ocarati: »Ein Kernhauer ist der Asket Gotamo, sag' ich: und warum sag' ich das? Weil er als solcher gegen unsere Satzungen vorgeht.« Die erste Erwähnung von pitakam als Gesammtbegriff
XXIV
VORREDE
der Lehre geschieht, meines Wissens, im 3. Jcdbrhun- dert nach Gotamo Buddho, ungefähr 200 Jahre nach Fixierung seiner Reden, auf einer asokischen Topen- stele zu Barähat (s. Bühler, Indian Studies No. III, Wien 1895, p. 17 und 87). Da finden \N'ir nämlich auf einem der gestifteten steinernen Gitterbalken cils Geber den Ehrwürdigen Jäto, der sich petaki nennt, »Kenner des PitakanKf.. Gleichzeitige Inschriften auf dem Sänci- Hügel führen aber, wie Bcirähat sutantiko, sutätiko, »Kenner der Reden« (cf. Vinayapit. vol. I. p. 169 etc.). und, mit Barähat, pacanekäyiko, » Kenner der fünf Samm- lungen«, an. Pacanekäyiko, sutätiko <^^ sutantiko und petaki sind jedoch homologe Bezeichnungen desselben Begriffes, der in Sänci noch einmal, alle drei zusammen- fassend, als acht kanonischer dhamakathiko, »Sprecher der Lehre« (MNl. 218, SNU. 18, 114, 156, ANI. 23, passim), auftritt. Was also damals, wenn wir diesen steinernen Zeugen trauen dürfen, noch immer eigent- lich als Wort der Lehre gegolten hat, liegt vor Augen: es war der Kanon dei Reden, das Suttapitakam, und da man ein anderes Pitakam nicht kannte, reichte das Synonym petaki vollkommen aus für sutantiko, sutä- tiko und pacanekäyiko, während der Brähmane sich nach wie vor des Titels traividvas, cäturvaidyakas bedienen musste, xim den Kenner der drei, den Kenner der vier
XXV
VORREDE
Veden zu bezeichnen, ja, dementsprechend, auch bei uns der pacanekäyiko keineswegs zu einem penta- kryphen nekäyiko wurde. Litterarisch beglaubigt zeigt sich Pitakattayam erst imMilindapanho, p. 348 (cf, p. 1 u. 18), welcher Stelle vor der quasi historischen Auto- rität des Dlpavamso, p. 103, und Mahävamso, p. ig, 207, 251/2, 256, der Vorrang gebührt. Kaccäyanos, des Grammatikers, »Einführung in das Studium des Pita- kam<i Petakopadesagantho (s. Minayeffs Ausgabe des Ganthavamso in den Recherches sur le Bouddhisme, Paris 1894, p. 239 u. 244) beschäftigt sich offenbar nur mit dem Suttapitakam* , siehe p. XXVIII, was selbst- verständlich nicht ausschließt, dass der Verfasser alle drei Pitakas genügend gekannt habe. So spricht z. B. Asoko auf einer jüngst entdeckten nepalischen Felsenin- schrift von seiner Verehrung des Buddho Konägamano : aber schwerlich dürfte es jemandem einfallen den gang- baren volksthümlichen Buddhismus jener Zeit, der sich zumal in Barähat schon völlig entwickelt darstellt, mit der aristokratisch gesicherten Lehre eines petaki desshalb gleich identifizieren zu wollen. Dass man das Suttapita- kam wirklich bis spät in das vierte Jahrhundert n. Chr. als den Kanon schlechthin angesehn hat, sagt uns sogar der Mahävamso, p. 247, deutlich genug. Unter der Re- gierung Buddhadäsos, heißt es da, habe ein hochge-
XXVI
VORREDE
lehrter dhammakathi (vergl. oben Sänci) die Texte in die Landessprache übertragen: was für Texte? Eben die Suttas.
Tass' eva ranno raüamhi Mahädhammakathiyati Suttäni parivattesi Sihaläya niruttiyä.
Eine nachdrücklichere Bekräftigung des Tenors der Inschriften, wenn eine solche überhaupt vonnöthen wäre, könnte man sich kaum wünschen. Wie so oft in Indien zeigt sich auch hier eine vorerst bedenkliche Tradition durch unbezweifelbare Urkunden in ihrem ererbten Rechte bestätigt. Das Wort des Mönchs und der Meißel des Königs ergänzen einander.
Der innere Werth des Vinayapitakam wird durch unser Ergebniss nicht geschmälert, vielmehr lässt sich jetzt deutlich absehn, warum der Kanon der Zucht neben unverkennbar Achtem allerhand sagenhaftes Bei- werk aufweist : das Ächte, zwau: oft fragmentarisch und interpoliert wiedergegeben, ist aus dem Urkanon ge- schöpft, aus dem Suttapitakam, die hundert Geschichten und Legenden haben sich, nebst einer erdrückenden abgeschmackten Kasuistik, nach und nach mit ein- gestellt. Dies geschah, wie oben gesagt, verhältnissmäßig
xxvn
VORREDE
früh und mochte so lange geschehn, bis auch diese Sammlung, in nachasokischer Zeit, zum selbständigen Kanon erhoben wurde. Noch unter Asoko war das Ordensrecht nur eine Art Auszug** aus dem einen anerkannten Pitakam. Auf dem vielgenannten zweiten Bairäter Felsenedikt spricht der König den Wunsch aus, man möge vor allem die vinayasamukase der dhamma- paliyäyäni beobachten, »die Zuchtverordnungen der Lehrreden«, womit eben diejenigen Theile der Satzung gemeint sind, die auf die Disziplin Bezug haben. Hiermit stimmt es völlig überein, dass sich unter den hunderten von Inschriften bisher noch kein einziger »Kenner des Vinayapitakam4i. gefunden hat, weil ein solcher im Begriffe eines »Kenners des Suttapitakam« implicite lag. Schon Oldenberg hat (Vinayapitakam, vol. L, London 1879, p. XIV) im Bairäter Wunsche die Unter- ordnung des vinayo unter den dhammo scharfsinnig erkannt, eine Unterordnung, deren Allgemeinheit seit Bühlers umfassenden Forschungen mehr und mehr durchblickt.
Allerdings sind uns bisher erst wenige Urkunden indischer Geschichte zugänglich geworden und gar manches ruht noch unter der Erde. Für die Kenntniss des authentischen Buddhismus trifft es sich recht glücklich, dass wir auf Grund der Denkmäler Asokos
XXVIII
VORREDE
und seiner Nachfolger schon heute die Entwickelung des Kanons mit annähernder Genauigkeit verfolgen können. Künftige Ausgrabungen lassen vielleicht vor- asokische Bestätigungen unserer Urtheile und Schlüsse erwarten.
Die Stellung der Mittleren Sammlung im Kanon der Reden ist eingangs angegeben worden. Engere Bezie- hungen zu ihren vier Stammverwandten zeigen sich in bestimmter Weise. Zunächst sei hervorgehoben, dass die fünf Sammlungen im Allgemeinen wie im Besonderen durchaus harmonieren und Widersprüche ernster Natur schlechterdings unauffindbar scheinen. Inhalt und Form sind überall gleichgeartet, wenn auch nicht überall gleichwerthig. So tritt das Element des Wunderbaren in unserer Sammlung fast ganz zurück : aber in diesem oder in jenem Abschnitte des Khuddakanikäyo (auch in den anapokryphen) und Samyuttakanikäyo macht es sich, obzwar spärlich, bemerkbar. So wird in vielen Reden unserer Sammlung der Hauptgedanke ebenso unnachsichtlich entwickelt und zu Ende gedacht wie es häufig im Dighanikäyo der Fall ist: aber bei den zahlreichen, unterschiedlichen Paragraphen, welche diese Sammlung einschaltet, kommen die scharfen logischen Umrisse der Darstfellung nicht immer ebenso leicht zur Geltung. So begegnen wir derselben Anord-
XXIX
VORREDE
nung des Stoffes, wie sie der Anguttaranikäyo liebt, aber keine auserlesene Reihenfolge, wechselnde Schil- derung wird geboten.
Diese gröberen Züge mögen zur Kennzeichnung ge- nügen. Aufmerksame, wiederholte Durchnahme des Textes diene als beste Ausführung.
DIE KOMMENTARE
Wie bei den Schriften der Alten ist bei denen der Inder das Verständniss der ursprünglichen, naiven Ge- danken der Meister früh verloren gegangen, und die große Masse der Gelehrten hat das Bedürfniss gefühlt Erklärungen zu geben. Wenn wir der einheimischen Tradition in irgend einem Punkte Glauben schenken dürfen, so gewiss in diesem, dass die Interpretation des Suttapitakam, das ist die halb gelehrte, halb volks- thümliche Zergliederung der Längeren, Mittleren, Kürzeren, Angereihten und Zusammengestellten Samm- lung, bald nach dem Tode Gotamo Buddhos begonnen und seither stetig die Rezitation des Kanons begleitet hat. Diese Schulweisheit hat nun ohne Zweifel ihr Gutes, ja in einem Betracht ist sie nicht hoch genug zu preisen : ihr allein verdanken wir die reine Erhaltung der Texte. Mit unermüdlicher Akribie hat sie di-itthalb
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VORREDE
Jahrtausende eifersüchtig darüber gewacht, dass wo- möglich auch nicht ein Jota, auch nicht ein akkharam der ächten Überlieferung verloren gehe, eingedenk des schönen Spruches:
Attho akkharasannäto,
Durch Silben wird der Sinn erkannt.
Solche, in ihrer Art einzige Gewissenhaftigkeit, die eben nur in Indien möglich war und ist, verdient innige Anerkennung und Bewunderung. Ihr ist es ferner zu danken, dass die alten Lehren bis auf den heutigen Tag im Volke lebendig geblieben sind und, mutatis mutandis, ebenso wirken •wie einst. Mit ihr im Bunde endlich ist es den standhaften buddhistischen Missionaren gelungen, die eine Hälfte der Erde, wie Sir William Hunter sagt, zu erobern und den Glauben der anderen zu modifizieren. Ihr wird man es vielleicht einmal nachzurühmen haben, wenn eine, so weit es eben möglich ist, menschenwürdige Religion auf dem Erd- ball allgemeine Verbreitung gewinnt. Viel, sehr viel Achtung verdient also die indische Schwester Schul- weisheit.
Auf mächtigen Glanz folgt naturgemäß Nacht. Sobald die buddhistischen Patres ecclesiae und Doctores pro- funda darangehn dunkle, tiefe Stellen des Kanons
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aufhellen zu wollen, reden sie wie Blinde von der Farbe. Sie meinen's ja grundehrlich, die Wackeren, versteht sich; doch was hilft guter Wille in der Kunst? Kunst kommt von Können, auch im Indischen, ihr Können aber beschränkte sich auf schwaches philo- logisches und reiches volksthümliches Wissen. Damit konnten sie freilich zur Erklärung der Reden Gotamo Buddhos nicht auslangen.
Es sei hier gestattet ein paar Beispiele anzuführen. Ich entnehme dieselben den allgemein zugänglichen Kommentaren oder gebe sie genau nach den mündlichen Belehrungen, welche mir die höchst achtbaren, vor- trefflichen Mönche Zeilons während eines dortigen Aufenthalts in reicher Fülle zutheil werden ließen. Unterschiede zwischen den Erklärungen der Mönche von Kolombo und Kalutara, vom Daladamaligawa- und Asgiriyavihäre, am Alufelsen und in Anurädhapura und an anderen Orten haben sich, bei wiederholter Be- sprechung derselben Punkte, nicht ergeben, da nur eine Autorität für alle gilt: die o<7ai (xupiaSs; Ixwv Mahä- buddhaghosos. — DN I., No. ii, Schlussverse des Kevattasuttantam: Zweierlei vinfiänam giebt's, das erste, viflfiänam anidassanam, ist gleich nibbänam, ja; das zweite, vififiänassa nirodhena ettJi etam uparujjhati, ist das gewöhnliche. MN I., No. 8 wird sallekho von
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likhati ^^' chindati abgeleitet. Kh\, Dhp. v. 227 ist Atida statt atidam zu lesen, als Eigenname im Voc. — KhN, Itiv. 1 seqq.: Ar am vo pätibhogo anägämitäya wird ersetzt durch Aham vo päti° , ganz wie beim Heraus- geber der editio princeps. KhN, Thlg. v. 267 (cf. MN I., i34»2i): Twgabhogasadisopamä ti hatthinägassa hat- thena samasamä ; hatthi hi idha bhufljati etejiä ti hhogo ti tmtto — tä ti Uruyo. Es ist eine Reminiszenz an Stellen wie näganäsasamUpamä. AN IV.y No. 159 ist setughäto hetughäto. Diedosinä ratti, passim, erklärt als jlqsäpagatä ratti. Sotäpanno, sotäpatti gehört zu Vsru, savati, u. s. w. — - Wenn nun auch derartige Originalerklärungen, die man zu hunderten häufen könnte, kaum mehr als einen Einblick in den scho- lastischen Volksbuddhismus gewähren, so dürfen wir uns anderseits der vielen sekundären Bemerkungen des Scholiasten gelegentlich herzlich freuen. Diese bringen uns das Verständniss zuweilen \virklich näher und er- leichtem die Denkarbeit, dienen gewissermaaßen als Elselsbrücke. Einige hübsche Beispiele dafür sind: 3/xVI., No. 56, p. 245 ajaddhukam ;>^ abhojanam ; \h\dL. No. 15, p. 96 apadänam '>-' pubbe apufinakatam ; die zu DN, Mahäpar-in. p. 22 gelungene Eorklärung der äcariya- mutthi*** ; KhN, Thag. v. 986 adda~ addakkhi ; KhN, Thlg. v. 122; vidhavä ti; dhavo vuccati sämiko, tad
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ahhävä vidhavä, matapatikü ti attho; passim: ana- cchariyam <"^ thokam abbhutam, pag* eva f'^ pathamam eva, u. a. m. — Seien wir also billig und gestehn zu, dass Buddhaghoso, Dhammapälo, 5Jänasägaro und wie die Aggäcariyos alle heißen, bis herab auf den ebenso gelehrten als edlen Subhüti Mahänäyaka von Kalutara, in ihrer Art Vorzügliches geleistet haben, dass wir aber diese Braven nicht nach modernem Wissen und Können schätzen und nützen dürfen. Uns ziemt es nun unser altes Erbe zurückzuerobern und den ur- sprünglichen Gehalt rein darzustellen. Die Geistes- spuren jenes großen Mannes, der wohl überall gepriesen doch nicht genug gekannt ist, liegen in den auf uns gekommenen Reden treu erhalten vor: wir sind all- mälig mündig geworden, die ächte Elephantenfährte, wie es in der 27. Rede heißt, von der falschen unter- scheiden zu lernen.
Die Brüder in Zeilon sollen uns jedoch nicht un- dankbar schelten. Wir werden sie noch oft um ihren Rath angehn, wenn es wichtige Bestätigungen gilt. Wie erfreulich war mir z. B. Subhütis Denkweise, als er auf meine Bitte, Märo zu erklären, mit dem schönen Citate aus dem SN antwortete: RUpam märo, vedanä märo, saflfiä mäj'o, sankhärä märo, viftflänam märo, paHc^ upädänakkhandhä märo ti, und mir so gleichsam die
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offizielle Berechtigung gab in jenem Begriffe die Natur, oder richtiger, im Einklang mit Schopenhauer, die Mortur wiederzuerkennen. Solche uud manche ähn- liche, recht unphantastische Offenbarung darf man heute gewiss nur mehr auf Zeilon oder allenfalls noch in Barma und Siam erwarten ; in China und Tibet kann man mitunter etwas andere Dinge zu hören bekommen. Hat mir doch ein sehr intelligenter Lama, wenige Tagereisen von der Heimath des Buddhismus entfernt, im Kloster Bhutia Basti bei Därjiling, am Schlüsse einer langen gelehrten Unterredung die Versicherung ge- geben, ein vollkommener Weiser mag sich ausgesucht nette und geprüfte Jungfrauen, varedaksanopetiäs, ad libitum zulegen, zur Erfiischung seiner Lebensgeister. Ein derartiges Ideal hat nun freilich der südliche Bud- dhist niemals aufgestellt, und die laksanas, die ihm, auch als vollkommenem Weisen, einzig nahe gehn, sind immer die selben geblieben, nänxlich aniccam, dukkham, anattam. Darum wollen wir die gute bud- dhistische Volksmetaphysik und ihre Meister hoch- halten. Bei der Lehre Gotamo Buddhos, die erst in den letzten fünfzig Jahren durch Gogerlys, Spence Hardys und Childers' vertrauten Umgang mit den Mönchen Zeilons neu entdeckt wurde, ist das Wort des Richard Wagnerscheu Haus Sachs wundersam am Platze:
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Dass uns're Meister sie gepflegt, Grad' recht nach ihrer Art, Nach ihrem Sinne treu gehegt. Das hat sie acht bewahrt. —
Eine wenig bekannte Einzelheit mag hier noch, als Exkurs, behandelt werden. Man hat bis vor kurzem allgemein angenommen, das letzte Mahl Gotamo Bud- dhos, von einem jungen Schmidte Namens Cundo ge- spendet, sei Wildbraten gewesen, und zwar verdorbener, dessen Genuss Erkrankung und Tod des Buddho zur Folge hatte. Die betreffende Stelle findet sich in der 16. Rede DN, Mahäparinibbänasuttam-p. 41 — 42. Dort wird erzählt, der junge Schmidt Cundo habe die Mönche in sein Haus geladen und feste und flüssige Speise und ein reichliches Gericht von sükaramaddavam für sie be- stellt; letzteres habe sich der Buddho vorsetzen lassen, den Schmidt aber ermahnt, die Jünger mit der anderen Speise zu bewirten und den Rest seines Gerichtes in die Gosse zu schütten, da es von keinem verdaut werden könne, den Vollendeten ausgenommen. Nach dem Genüsse dieser Speise sei dann der Buddho krank geworden, schwer krank, und heftige Schmerzen hätten sich eingestellt.
Bhuttassa ca sükaramaddavena Vyädhippabälhä udapädi satthuno.
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Was ist nun sükaramaddavam? Ist es Wildbraten- sülze, wie es auf den ersten Blick scheint? Die ein- heimische Tradition hat es meist dafür gehalten, und die europäische Forschung hat es unbesehens über- nommen. Zu vertrauensvoll: denn wir haben zu sükaramaddavam Paradlelen, die einen anderen Begriff vermuthen lassen. Unter den Arzeneipflanzen, die der Räjanighantus aufzählt, finden wir u. a. das fem. simpl. sukari, von sukaras Eber, Schwein, als Batate, dann sükarakandas Eberbime (Erdbirne), sükarapädikä Eber- klaue =^ kolasimbl Eberschote, dann aber, und dies ist wichtiger, den sükarestas, eine Ejdmandel, welche die Wildschweine mit Leidenschcift auswühlen, wörtlich Ebergier; daher z. B. der Ort Sukarakhatä Ebers wühl, MN I., 497. Susrutas giebt värähl, von varähas Eber, für die Yamwurzel cm, dann varähakandas Ebertorüffel, varähamvlam, Eberwurz, etc. Vergl. noch Bezeich- nungen wie gostanl W^eintraube, wörtlich Kuheuter, hastikarnas Rizinus, w. Elephantenohr, uranäksas eine Zimmtpüanze, w. Schaafauge, kukkutamastakas ein Pfeffer, w. Hahnenkamm, vänarapriyas ein gemein- samer Xame der indischen Feigenbäume, w. Affenlieb, ajamodä für Kümmel, Sellerie, Liguster, w. Ziegenlab, mrgabhojanl Koloquinthenfrüchte, w. W^ildspeise, näm- lich der Rehe, Hirsche etc. u. v. m. Sükaramaddavam,
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von vmrl gaudere (s. AN vol. I, p. g/)., XV, 2 -- Sut- tanipäto, vv. 250, 292, Jät. vol. V, p, 378 v. 176, Dhanimasang. s. v. maddavatä, Asokos DelKi-Sivälik- Säulenedikt VII ^,1.7 madave), w^ird daher Eberlust bedeuten und der Nanie irgend einer essbaren Pilzart sein. Auch wir haben ja derlei Gewächse mit ähnlichen Namen bedacht, ex jure primi possidentis, und sagen Saubrod (eineErdnuss), Hirschtrüffel, Hirschschwamm, Bärwurz, Bärenklee, Hasenampfer; vergl. auch Be- nennungen wie Eberesche, Kuhbaum, Wolfsmilch, Schlangenlcraut, Schaafgarbe, Geißblatt. Cundo der Schmidt gehörte nun offenbar nicht der Jägerkaste an und war als wohlhabender indischer Handwerker gewiss nicht gewohnt Saubraten zu essen oder darzureichen. Am Markt gekaufte Wurzeln, Kräuter und Schwämme dürfte er zubereiten lassen und zum täglichen Reis mit angeboten haben. Unter die letzteren werden unglück- licherweise auch giftige geratheu sein und der Buddho hat es alsbald gemerkt. — Das Verdienst die Sache ans Licht gezogen zu haben gebührt dem Verfasser des trefflich ausgearbeiteten »Buddhistischen Katechismus«, Friedrich Zimmermann (Subhadra Bhikschu), s. 4. Aufl., Braunschvveig 1894, p. 26 f. Dieser wieder verdankt, nach persönlicher Mittheilung, die erste Anregung einem Artikel im Journal of the Mahä-Bodhi-Sociely,
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\ ORREUK
1)1. I.. No. \ (11. p. 2 — 5, Kalkutta 1892, wo der Hauspandit der Zeitschrift unsere Stelle nach dem Kom- mentare Dhammapäläcariyos zu KhN, UdänamWlll.,^. (p. 81) erörtert undÄußerungen Rhys Davids', Bigandets, Rockhills und Colone] Oleotts, der nachdrücklich auf die richtige Bedeutung hinweist, wiedergiebt. Aus dem Kommentare geht hervor, dass der Irrthum schon in den Scholien der Mahä Atthakathä aufgetischt, aber von 'Anderen', d. h. besseren Beobachtern, erkannt worden ist. Die heutigen Mönche Zeilons lassen sich über diese Frage mit der ihnen bei solchen iöta^opoi; eigenen Indifferenz aus und stellen die einander widersprechen- den Erklärungen der Kommentatoren als gleich möglich hin; doch neigen sie seit einigen Jahren, wie sie sagen, mehr zu der eben dargelegten Ansicht. Eäner der be- rühmtesten Näyakas, der ehrwürdige Terunnänse des Maligakandaparivena in Kolombo Hikkaduwe Suman- gala meinte mit verächtlichem Lächeln: Ob derBuddho vor seinem Ende Pilze oder Fleisch, eine Brühe oder was sonst zu sich genonmaen habe, sei dem Buddhisten sehr gleichgültig; er \A-isse alle Nahrung ist Elend. Na hi ähärena suddlii ti. Dass diese Worte keine hohle Phrase waren konnte ich täglich beobachten. Wie einst so schreitet auch heute noch der Mönch am Vormittag durch das Dorf hin, alter wie junger, niemals ein Wanst,
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VORREDE
fast immer eine schlanke, asketische Gestalt, gemessenen Ganges, barhäuptig, kahlgeschoren wie Scipio, gesenkten Blickes, unter der langen gelben Toga die Almosenschaale halb verborgen im Arme, und tritt von Hütte zu Hütte, eine kleine Weile unbeweglich wartend, ob ihm eine milde Hand einen Bissen Speise in die Schaale senken werde; und stumm zieht er weiter, ohne ein Wort des Grußes, ohne ein Wort des Dankes, ohne aufzublicken, ohne eine Miene zu verziehen. Ist seine Schaale, ein halbkugelförmiger glatter Napf von 20 — 25 cm Durch- messer, nach Gutdünken voll geworden, dann kehrt er in seine blühende Einsiedelei oder, an größeren Orten, in sein luftiges Kloster zurück und nimmt langsam und reinlich das Mahl ein, ohne auszuwählen, Flüssiges und Festes vermischt, wie's eben im Napfe sich vorfindet. Um 12V2 muss er gespeist und sich Mund und Hände gewaschen haben und braucht nun bis zum nächsten Vormittag nicht mehr ans Essen zu denken. Und strenge wird Zucht gehalten, eine Observanz, die in günstigem Lichte erscheint, in entschieden günstigerem als Bericht- erstatter mit gemächlichen Ohren und eiligen Augen es gelegentlich schildern.
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VORREÜE
DIE ÜBERSETZUNG
Wer Päli kann braucht kein geborgtes Licht; wenn die Sonne scheint vermissen wir nicht den Mond. Um Päli wirklich zu verstehn sind aber, meines Er- achtens, vorerst zwei Dinge unerlässlich: i) eine möglichst gründliche Kenntniss der besten Saraskrt- Texte und wiederholte Beschäftigung mit ihnen, und 2) jahrelang geübtes Studium der Päli-Urkunden. Den Kampf mit dem spröden Stoffe ohne dieses nothwendigste Rüstzeug aufnehmen verspricht gerin- gen Erfolg, wie viele, oft redlich beflissene Über- setzungen intra et extra muros deutlich darthun. Man ist nur allzu geneigt die verhältnissmäßig leichte Zu- gänglichkeit der Päli-Texte sogleich auch für leichte Schraelzbarkeit zu halten. Man zerlegt ein dutzend Perioden, giebt den ungefähren Inhalt an und glaubt schon, dies wäre, im Großen und Ganzen, alles. Ein ehrenwerther Rechtsanwalt in Kandy, Sinhalo- Holländer, der mich einmal mit einem Mönche reden gehört hatte, meinte nachher: 'Wenn ich nur die Zeit hätte! In drei Monaten würd' ich das ganze Päli bemeistert haben.' Er ließ sich von gelegentlichen Anklängen ans Sinhalesische bestechen. Wie mancher
[V MS r XLI
VORREDE
Biedermann bei uns gleicht mit seinem bischen Samskrt diesem würdigen Holländer : nur mit dem Unterschied, dass er sich keine drei Monate Zeit nimmt, zur »Meisterung«. Er betreibt sie sein ganzes Leben lang, so nebenher.
Schön und gut sind nun wohl die zwei genann- ten unerlässlichen Eigenschaften, doch reichen sie zu einer Übersetzung keineswegs hin. Am Schlüsse der Anmerkungen zum West-östlichen Divan stellt Goethe drei Arten von Übersetzungen auf, die pro- saische, die parodistische und die identische. Die beiden ersten seien in ihrem Sinne recht brauchbar und verdienstlich, wahre Befriedigung könne nur die letzte gewähren. »Eine Übersetzung, die sich mit dem Original zu identifizieren strebt, nähert sich zuletzt der Interlinearversion . und erleichtert höchlich das Verständniss des Originals; hiedurch werden wir an den Grundtext hinangeführt, ja getrieben, ^und so ist denn zuletzt der ganze Zirkel abgeschlossen, in welchem sich die Annäherung des Fremden und Einheimischen, des Bekannten und Unbekannten bewegt.« Sollte in den folgenden Blättern jene Identität auch nur hier und da zum kleinsten Theile sichtbar werden, dann wäre das Verständniss des Grundtextes allerdings wesentlich leichter, obgleich nicht mühelos geworden.
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VORREDE
Die Reden stammen zwar aus dem 6. Jahrhundert vor Christus: aber sie machen zuweilen den Ein- druck als gehörten sie ins 6. Jahrhundert nach Schopenhauer.
Wien, im Herbst 1895.
Karl Eugen Neumann
ERSTER THEIL
BUCH
DER
URART
Erster Theil Erste Rede
URART
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der i Erhabene bei Ukkatthä, im Lustwalde, am Fuße eines Königsbaumes. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter !<c antworteten da jene Mönche dem Er- habenen aufmerksaun. Der Erhabene sprach cdso :
»Aller Dinge Urart will ich euch weisen, ihr Mönche: höret es und achtet wohl auf meine Rede.^t
»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Da hat einer, ihr Mönche, nichts erfahren, ist ein gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das Hei- lige, der heiligen Lehre vinkundig, der heiligen Lehre iinzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich und nimmt die Erde als Erde, und hat er die Erde als Erde genommen, so denkt er Erde, denkt an die Erde, denkt über die Erde, denkt >Mein ist die Erde<
ERSTER THEIL • ERSTE REDE • I
und freut sich der Erde: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt das Wasser als Wasser, und hat er das Wasser als Wasser genommen, so denkt er Wasser, denkt an das Wasser, denkt über das Wasser, denkt >Mein ist das Wasser < und freut sich des Wassers : und warum ? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt das Feuer als Feuer, und hat er das Feuer als Feuer genommen, so denkt er Feuer, denkt an das Feuer, denkt über das Feuer, denkt >Mein ist das Feuer < und freut sich des Feuers: und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Luft als Luft, und hat er die Luft als Luft genommen, so denkt er Luft, denkt an die Luft, denkt über die Luft, denkt >Mein ist die Luft< und freut sich der Luft: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Natur als Natur, uod hat er die Natur als Natur genommen, so denkt er Natur, denkt an die Natur, denkt über die Natur, denkt >Mein ist die Natur < und freut sich der Natur : und wcirum ? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Götter als Götter, und hat er die Götter als Götter genommen, so denkt er Götter, denkt an ^die Götter, denkt über die Götter, denkt >Mein sind die Götter < und freut sich der Götter: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt den Herrn der Zeugung als Herrn
URART
der Zeugung, und hat er den Herrn der Zeugung als Herrn der Zeugung genommen, so denkt er den Herrn der Zeugung, denkt an den Herrn der Zeugung, denkt über den Herrn der Zeugung, denkt >Mein ist der Herr der Zeugung < und freut sich des Herrn der Zeugung : und wcirum ? Weil er ihn nicht kennt, sage ich. Er nimmt den Brahma als Brahma, und hat er den Brcihmä als Brahma genommen, so denkt er den Brahma, denkt an den Brahma, denkt über den Brahma, denkt >Mein ist Brahma < und freut sich des Brahma: und warum? Weil er ihn nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Leuchtenden als Leuchtende, und hat er die Leuchtenden als Leuchtende genommen, so denkt er die Leuchtenden, denkt ein die Leuchtenden, denkt über die Leuchtenden, denkt >Mein sind die Leuchtenden < und freut sich der Leuchtenden : und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er ninmat die Strahlenden als Strahlende, und hat er die Strah- lenden als Strahlende genommen, so denkt er die Strahlenden, denkt an die Strahlenden, denkt über die Strahlenden, denkt >Mein sind die Strahlenden < und freut sich der Strahlenden: vmd warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Gewaltigen als Gewaltige, und hat er die Gewaltigen als Gewaltige ge- nommen, so denkt er die Gewcdtigen, denkt an die
ERSTER THEIL • ERSTE REDE • I
Gewaltigen, denkt über die Gewaltigen, denkt >Mein sind die Gewaltigen < und freut sich der Gewaltigen : und warum ? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt den Übermächtigen^ als Übermächtigen, und hat er den Übermächtigen als Übermächtigen genommen, so denkt er den Übermächtigen, denkt an den Über- mächtigen, denkt über den Übermächtigen, denkt >Mein ist der Übermächtige < und freut sich des Über- mächtigen : und warum? Weil er ihn nicht kennt, sage ich. Er nimmt die unbegränzte Raumsphäre als un- begränzte Raumsphäre, und hat er die unbegränzte Raumsphäre als unbegränzte Raumsphäre genommen, so denkt er unbegränzte Raumsphäre, denkt an die un- begränzte Raumsphäre, denkt über die unbegränzte Raumsphäre, denkt >Mein ist die unbegränzte Raum- sphäre < und freut sich der unbegränzten Raumsphäre : und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die unbegränzte Bewusstseinsphäre als unbe- gränzte Bewusstseinsphäre, und hat er die unbegränzte Bewusstseinsphäre als unbegränzte Bewusstseinsphäre genommen, so denkt er unbegränzte Bewusstsein- sphäre, denkt an die unbegränzte Bewusstseinsphäre, denkt über die unbegränzte Bewusstseinsphäre, denkt >Mein ist die unbegränzte Bewusstseinsphäre < und freut sich der unbegränzten Bewusstseinsphäre: und
URART
warum ? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Nichtdaseinsphäre als Nichtdaseinsphäre, und hat er die Nichtdaseinsphäre als Nichtdaseinsphäre genom- men, so denkt er die Nichtdaseinsphäre, denkt an die Nichtdaseinsphäre, denkt über die Nichtdaseinsphäre, denkt >Mein ist die Nichtdaseinsphäre < und freut sich der Nichtdaseinsphäre: und wcirum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung als Gränzscheide möglicher Wahrnehmung, und hat er die Gränzscheide möglicher Wahmehmimg als Gränzscheide möglicher Wahrneh- mung genommen, so denkt er die Gränzscheide mög- licher Wahrnehmung, denkt an die Gränzscheide mög- licher Wahrnehmung, denkt über die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung, denkt >^Iein ist die Gränz- scheide möglicher WcLhmehmung< und freut sich der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung : und warvun ? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt das Ge- sehene als gesehn, und hat er das Gesehene als gesehn genonunen, so denkt er Gesehenes, denkt an das Ge- sehene, denkt über das Gesehene, denkt >Mein ist das Gesehene < und freut sich des Gesehenen: und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt das Gehörte als gehört, und hat er das Gehörte als gehört genom- men, so denkt er Gehörtes, denkt an das Gehörte, denkt
ERSTER THEIL • ERSTE REDE • I
Über das Gehörte, denkt >Mein ist das Gehörte < und freut sich des Gehörten: und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt das Gedachte als gedacht, und hat er das Gedachte als gedacht genommen, so denkt er Gedachtes, denkt an das Gedachte, denkt über das Gedachte, denkt >Mein ist das Gedachte < und freut sich des Gedachten: und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt das Erkannte als erkannt, und hat er das Erkannte als erkannt genommen, so denkt er Erkanntes, denkt an das Erkannte, denkt über das Erkannte, denkt >Mein ist das Erkannte < und freut sich des Erkannten: und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Einheit als Einheit, und hat er die Einheit als Einheit genommen, so denkt er die Einheit, denkt an die Einheit, denkt über die Einheit, denkt > Mein ist die Einheit < und freut sich der Einheit: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Vielheit als Vielheit, und hat er die Vielheit als Vielheit genommen, so denkt er die Vielheit, denkt an die Vielheit, denkt über die Vielheit, denkt >Mein ist die Vielheit < imd freut sich der Vielheit: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich. Er nimmt das All als All, und hat er das All als All genommen, so denkt er das All, denkt an das All, denkt über das All, denkt >Mein ist das Alk und freut sich des Alls:
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URART
und warum? Weil er es nicht kennt, sage ich. Er nimmt die Wjihnerlöschung als Wahnerlöschung '^ , und hat er die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung genommen, so denkt er die Wahnerlöschung, denkt an die Wahnerlöschung, denkt über die Wahnerlöschung, denkt >Mein ist die Wahnerlöschung < und freut sich der Wahnerlöschung: und warum? Weil er sie nicht kennt, sage ich.
»Wer aber, Mönche, als kämpfender Mönch, mit streitendem Busen die unvergleichliche Sicherheit zu erringen trachtet, auch dem gilt die Erde als Elrde, vmd hat ihm die Erde als Erde gegolten, dann soll er nicht Erde denken, nicht an die Erde denken, nicht über die Erde denken, nicht denken >Mein ist die Erde<, sich der Erde nicht freuen: und warum nicht? Damit er sie kennen lerne, sage ich. Wasser, Feuer, Luft, Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als All, und hat ihm das All als All gegolten, dann soll er nicht das All denken, nicht an das All 'denken, nicht über das All denken, nicht denken >Mein ist das All<, sich des Alls nicht freuen: und warum nicht? Damit er es kennen lerne, sage ich. Die Waihn- erlöschxing gilt ihm als Wahnerlöschung, und hat ihm die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung ge- golten, dann soll er nicht die Wahnerlöschung denken,
ERSTER THEIL • ERSTE REDE • I
nicht an die Wahnerlös chung denken, nicht über die Wahnerlöschung denken, nicht denken >Mein ist die Wahnerlöschung<, sich der Wahnerlöschung nicht freuen : und Wciruni nicht ? Damit er sie kennen lerne, sage ich.
»Wer aber, Mönche, als heiliger Mönch, cils Wahn- versieger, Endiger, gewirkten Werkes, lastentledigt, sein Ziel vollbracht, die Daseinsfesseln zerstört hat, in vollkommener Weisheit erlöst ist, auch dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht >Mein ist die Erde< und freut sich nicht der Erde: und warum nicht ? Weil er sie kennt, sage ich. Wasser, Feuer, Luft, Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als All, und hat ihm .das All als All gegolten, dann denkt er nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das All, denkt nicht >Mein ist das All< und freut sich nicht des Alls: und warum nicht? Weil er es kennt, sage ich. Die Wahnerlöschung gilt ihni als Wahnerlöschung, und hat ihm die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt er nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung, denkt nicht über die Wahnerlöschung, denkt nicht >Mein ist die Wahnerlöschung < und freut sich nicht
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der Wahnerlöschung : und waniin nicht? Weil er sie kennt, sage ich.
»Wer aber, Mönche, als heiliger Mönch, als Wahn- versieger, Endiger, gewirkten Werkes, lastentledigt, sein Ziel vollbracht, die Daseinsfesseln zerstört hat, in voll- kommener Weisheit erlöst ist, auch dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht >Mein ist die Erde< und freut sich nicht der Erde : und warum nicht ? Weil er gierversiegt gierlos ist. Wasser, Feuer, Lvift, Natiir und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das All, denkt nicht >Mein ist das All< und freut sich nicht des Alls : und warum nicht ? Weil er gierversiegt gierlos ist. Die Wahnerlöschung gilt ihm als Wahner- löschung, und hat ihm die Wahnerlöschung als Wahn- erlöschung gegolten, dann denkt er nicht die Waihnerlö- schung, denkt nicht an die Wahnerlöschung, denkt nicht über die Weihn erlöschung, denkt nicht >Mein ist die WcLhnerlöschiing< und freut sich nicht der Wahnerlö- schung: und warum nicht? Weil er gierversiegt gierlos ist.
»Wer aber, Mönche, als heiliger Mönch, als Wahn- versieger, Endiger, gewirkten Werkes, lastentledigt.
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sein Ziel vollbracht, die Daseinsfesseln zerstört hat, in vollkommener Weisheit erlöst ist, auch dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht >Mein ist die Erde< und freut sich nicht der Erde: und warum nicht? Weil er hassversiegt hasslos ist. Wasser, Feuer, Luft, Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das All, denkt nicht >Mein ist das All< und freut sich nicht des Alls: und warum nicht? Weil er hassversiegt hasslos ist. Die Wahnerlöschvmg gilt ihm als Wahnerlöschung, und hat ihm die Wahn- erlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt er nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung, denkt nicht über die Wahnerlö- schung, denkt nicht >Mein ist die Wahnerlöschung < und freut sich nicht der Wahnerlöschung : und warum nicht? Weil er hassversiegt hasslos ist.
»Wer aber, Mönche, als heiliger Mönch, als Wahn- versieger, Endiger, gewirkten Werkes, lastentledigt, sein Ziel vollbracht, die Daseinsfesseln zerstört hat, in vollkommener Weisheit erlöst ist, auch dem gilt die Erde als Erde, und hat ihm die Erde als Erde gegolten,
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dann denkt er nicht Elrde, denkt nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht >Mein ist die Erde< und freut sich nicht der Erde: und warum nicht? Weil er irreversiegt irrlos ist. Wasser, Feuer, Luft, Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt ihm als All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das All, denkt nicht >Mein ist das All< und freut sich nicht des Alls: und warum nicht? Weil er irreversiegt irrlos ist. Die Wahnerlöschung gilt ihm als Wahnerlöschung, und hat ihm die Wahn- erlöschung als W^ahnerlöschung gegolten, dann denkt er nicht die Weihnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung, denkt nicht über die Wcihnerlö- schung, denkt nicht >Mein ist die Wahnerlöschung < und freut sich nicht der Wahnerlöschung : und warum nicht ? Weil er irreversiegt irrlos ist.
i^Und dem Vollendeten, ihr Mönche, dem Heiligen, vollkommen Erwachten', gilt die Erde als Elrde, und hat ihm die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht >Mein ist die Erde< und freut sich nicht der Erde: und w£irum nicht? Weil der Vollendete sie kennt, sage ich. Wasser, Feuer, Luft, Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt dem VoU-
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ERSTER THEIL • ERSTE REDE • I
endeten als All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er nicht das All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das All, denkt nicht >]VIein ist das All< und freut sich nicht des Alls: und warum nicht? Weil der Vollendete es kennt, sage ich. Die Wahnerlö- schung gilt dem Vollendeten als Wahnerlöschung, und hat ihm die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung ge- golten, dann denkt er nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung, denkt nicht über die Wahnerlöschung, denkt nicht >Mein ist die Wahnerlö- schung < und freut sich nicht der Wahnerlöschung : und warum nicht? Weil der Vollendete sie kennt, sage ich. »Und dem Vollendeten, ihr Mönche, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, gilt die Erde als Erde, und hat ihm die Erde als Erde gegolten, dann denkt er nicht Erde, denkt nicht an die Erde, denkt nicht über die Erde, denkt nicht >Mein ist die Erde< und freut sich nicht der Erde: und warum nicht? > Genügen ist des Leidens Wurzel <, das hat er entdeckt, > Werden ge- biert. Gewordenes altert und stirbt. < Darum also, ihr Mönche, sage ich, dass der Vollendete, allem Lebens- durst erstorben, entwöhnt, entrodet, entgangen, ent- wunden, in der unvergleichlichen, vollkommenen Erwachung auf erwacht ist. Wasser, Feuer, Luft, Natur und Götter, Einheit und Vielheit, das All gilt dem VoU-
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URART
endeten als All, und hat ihm das All als All gegolten, dann denkt er nicht dais All, denkt nicht an das All, denkt nicht über das All, denkt nicht >Mein ist das All< und freut sich nicht des Alls : vmd warum nicht ? > Ge- nügen ist des Leidens Wurzel <, das hat er entdeckt, > Werden gebiert, Gewordenes altert und stirbt. < Darum also, ihr Mönche, sage ich, dass der Vollendete, allem Lebensdurst erstorben, entwöhnt, entrodet, entgangen, entwTinden, in der unvergleichlichen vollkommenen Erwachung auferwacht ist. Die Wahnerlöschvmg gilt dem Vollendeten als Wahnerlöschung, und hat ihm die Wahnerlöschung als Wahnerlöschung gegolten, dann denkt er nicht die Wahnerlöschung, denkt nicht an die Wahnerlöschung, denkt nicht über die Wahn- erlöschvmg, denkt nicht >Mein ist die Wahnerlö- schung< und freut sich nicht der Wahnerlöschvmg: und warum nicht? > Genügen ist des Leidens Wurzel <, das hat er entdeckt, > Werden gebiert. Gewordenes altert und stirbt. < Darum also, ihr Mönche, sage ich, dass der Vollendete, allem Lebensdurst erstorben, entwöhnt, entrodet, entgangen, entwTmden, in der vmvergleich- lichen vollkommenen Erwachung auferwacht ist.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
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ERSTER THEIL ■ ZWEITE REDE • II 2
Erster Theil Zweite Rede
ALLES WÄHNEN
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as hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthi, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Er- habenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Wie allem Wähnen gewehrt wird, Mönche, das will ich euch weisen: höret es und achtet wohl auf meine Rede.«
»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Er- habenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also :
»Dem Kenner, ihr Mönche, dem Kundigen verheiße ich Wahnversiegung, keinem Unbekemnten, keinem Unkundigen. Was soll aber, Mönche, gekannt, was er- kundet sein zur Wahnversiegung? Gründliche Acht- samkeit und seichte Achtsamkeit. Seichte Achtsamkeit, ihr Mönche, zeitigt neues Wähnen und lässt das alte erstarken, gründliche Achtsamkeit, ihr Mönche, lässt neues Wähnen nicht aufkommen und zerstört das alte.
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ALLES WÄHNEN
»Es giebt, Mönche, ein Wähnen, das wissend über- wunden werden muss. Es giebt ein Wähnen, das weh- rend überwunden werden muss. Es giebt ein Wähnen, das pflegend überwunden werden muss. Eis giebl ein Wähnen, das duldend überwunden werden muss. Es giebt ein Wähnen, das fliehend überwunden werden muss. Eä giebt ein Wähnen, das kämpfend überwunden werden muss. Es giebt ein Wähnen, das wirkend über- wunden werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das wissend überwunden werden muss? Da hat einer, ihr Mönche, nichts erfahren, ist ein gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich und erkennt nicht was der Achtsamkeit werih ist und erkennt nicht was der Acht- samkeit unwerth ist. Ohne Kenntniss der würdigen Dinge, ohne Kenntniss der tinwürdigen Dinge achtet er auf das Unwürdige und nicht auf das Würdige. Was ist aber, Mönche, das Unwürdige, das er würdigt? Durch dessen Würdigung, ihr Mönche, neuer Wunsches- wahn gezeitigt wird und alter erstarkt, neuer Daseins- wahn gezeitigt wird und alter erstarkt, neuer Irrwahn gezeitigt wird und aller erstarkt, das ist das Unwürdige,
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ERSTER THEIL • ZWEITE REDE • TI
das er würdigt. Und was ist, ihr Mönche, das Würdige, das er nicht würdigt? Durch dessen Würdigung, ihr Mönche, neuer Wunscheswahn nicht aufkommen kann und alter zerstört wird, neuer Daseinswahn nicht auf- kommen kann und alter zerstört wird, neuer Irrwahn nicht aufkommen kann und alter zerstört wird, das ist das Würdige, das er nicht würdigt. Und indem er un- 8 würdige Dinge würdigt und würdige Dinge nicht wür- digt erhebt sich neues Wähnen in ihm und das alte erstarkt.
»Und seicht erwägt er also: >Bin ich wohl in den vergangenen Zeiten gewesen? Oder bin ich nicht ge- wesen? Was bin ich wohl in den vergangenen Zeiten gewesen ? Wie bin ich wohl in den vergangenen Zeiten gewesen? Was geworden bin ich dann was gewesen? Werd' ich wohl in den zukünftigen Zeiten sein ? Oder werde ich nicht sein? Was werd' ich wohl in den zu- künftigen Zeiten sein? Wie werd' ich wohl in den zu- künftigen Zeiten sein? Was geworden werd' ich iaim was sein?< Und auch die GegenwEirt erfüllt ihn mit Zweifeln: >Bin ich denn? Oder bin ich nicht? Was bin ich ? Und wie bin ich ? Dieses Wesen da, woher ist das wohl gekommen? Und wohin wird es gehn?<
»Und bei solchen seichten Erwägungen kommt er zu dieser oder zu jener der sechs Ansichten : die An-
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ALLES WlHNEN
sieht >Ich habe eine Seele < wird ihm zur festen Über- zeugiing, oder die Ansicht >Ich habe keine Seele < wird ihm zur festen Überzeugung, oder die Ansicht > Beseelt ahn' ich Beseelung < wird ihm zur festen Überzeugung, oder die Ansicht > Beseelt ahn' ich Eaitseelvmg< wird ihm zur festen Überzeugung, oder die Ansicht > Ent- seelt ahn' ich Beseelung < wird ihm zur festen Über- zeugung, oder aber er konmit zur folgenden Ansicht: >Mein selbiges Selbst, sag* ich, findet sich wieder, wenn es da und dort den Lohn guter und böser Werke genießt, und dieses mein Selbst ist dauernd, be- harrend, ewig, unwandelbar, wird sich ewiglich also gleich bleiben. < Das nennt man, ihr Mönche, Gasse der Ansicht^, Höhle der Ansichten, Schlucht der An- sichten, Dom der Ansichten, Hag der Ansichten, Garn der Ansichten. Ins Garn der Ansichten gerathen, ihr Mönche, wird der unerfahrene Elrdensohn nicht frei vom Geboren wer den. Altem und Sterben, von Kximmer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung, er wird nicht frei, sag' ich, vom Leiden.
»Doch der erfahrene heilige Jünger, ihr Mönche, merkt das Heilige, ist der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre wohlzugänglich, merkt das Edle, ist der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen wohl- zugänglich und erkennt was der Achtsamkeit werth ist
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ERSTER THETL • ZWEITE REDE • TT
und erkennt was der Achtsamkeit unwerlh ist. Bekannt mit den würdigen Dingen, bekannt mit den unwür- 9 digen Dingen achtet er nicht des Unwürdigen sondern des Würdigen. Was ist aber, Mönche, das Unwürdige, das er nicht würdigt ? Durch dessen Würdigung, ihr Mönche, neuer Wunscheswahn gezeitigt wird und alter erstarkt, neuer Daseins wahn gezeitigt wird und alter er- starkt, neuer Irrwahn gezeitigt wird und alter erstarkt, das ist das Unwürdige, das er nicht würdigt. Und was ist, ihr Mönche, das Würdige, das er würdigt? Durch dessen Würdigung, ihr Mönche, neuer Wunscheswahn nicht aufkommen kann und alter zerstört wird, neuer Daseinswahn nicht aufkommen kann und alter zerstört wird, neuer Irrwahn nicht aufkommen kann und alter zerstört wird, das ist das Würdige, das er würdigt. Und indem er unwürdige Dinge nicht würdigt und würdige Dinge würdigt kommt neues Wähnen nicht auf und das alte vergeht.
» > Das ist das Leiden < erwägt er gründlich. > Das ist die Leidensentwicklung < erwägt er gründlich. >Das ist die Leidensauflösung < erwägt er gründlich. >Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad< erwägt er gründlich. »Und bei solcher gründlicher Erwägung lösen sich ihm drei Umgarnungen auf: der Glaube an Persönlich- keit, Zweifelsucht, sich klammem an Tugendwerk.
so
ALLES WÄHNEN
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das wissend überwunden werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das wehrend überwunden werden muss ? Da wadirt sich, ihr Mönche, ein Mönch Besonnenheit als gründliche Wehr und Waffe des Gesichts. Denn ließ' er, ihr Mönche, sein Gesicht wehrlos gewähren, so käme ver- störendes, Sehrendes Wähnen über ihn ; doch das wehr- lich gewahrte Gesicht hält das verstörende, sehrende Wähnen von ihm ab. Besonnenheit wahrt er sich als gründliche Wehr und Waffe des Gehörs. Denn ließ' er, ihr Mönche, sein Gehör wehrlos gewähren, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn; doch das wehrlich gewahrte Gehör hält das verstörende, sehrende Wähnen von ihm ab. Besonnenheit wahrt er sich Jils gründliche Wehr und Waffe des Geruchs. Denn ließ' er, ihr Mönche, seinen Geruch wehrlos gewähren, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn ; doch der wehrlich gewahrte Geruch hält das verstörende, sehrende Wähnen von ihm ab. Besonnenheit wahrt er sich als gründliche Wehr und Waffe des Geschmacks. Denn ließ' er, ihr Mönche, seinen Geschmack wehrlos gewähren, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn ; doch der wehrlich gewahrte Geschmack hält das verstörende, sehrende Wähnen von ihm ab. Be-
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ERSTER THEIL • ZWEITE REDE • II
sonnenheit wahrt er sich als gründliche Wehr und Waffe des Getasts. Denn ließ' er, ihr Mönche, sein Getast wehrlos gewähren, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn ; doch das wehrlich gewahrte Getast hält das verstörende, sehrende Wähnen von ihm ab. Be- sonnenheit wahrt er sich als gründliche Wehr und Waffe des Gedenkens. Denn ließ' er, ihr Mönche, sein Geden- ken wehrlos gewähren, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn ; doch das wehrlich gewahrte Ge- denken hält das verstörende, sehrende Wähnen von ihm ab. Ließ' er sich also, ihr Mönche, wehrlos gehn, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn ; doch wahrlich gewahrt hält er das verstörende, sehrende Wähnen von sich ab.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das wehrend überwunden werden m'uss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das pflegend überwunden werden muss ? Da pflegt, ihr Mönche, ein Mönch gründlich besonnen der Kutte, nur um sich vor Kälte zu schützen, vor Hitze zu schützen, nur um sich vor Wind und Wetter, vor Mücken und Wespen und plagenden Kriechthieren zu schützen, nur um die Schaam und Schande bedecken zu können. Gründ- lich besonnen pflegt er der Almosenspeise, nicht etwa zur Letzung und Ergetzung, nicht zur Schmuckheit und
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ALLES WÄHNEN
Zier, sondern nur um diesen Körper zu erhalten, zu fristen, um Schaden zu verhüten, um ein heiliges Leben führen zu können: >So werd' ich das firühere Gefühl abtödten und ein neues Gefühl nicht aufkommen lassen, und ich werde ein Fortkommen haben, ohne Tadel be- stehn, mich wohl befinden. < Gründlich besonnen pflegt er der Lagerstatt, nur um sich vor Kälte zu schützen, vor Hitze zu schützen, nur um sich vor Wind und Wetter, vor Mücken und VYespen lind plagenden Kriechthieren zu schützen, nur um den UnbUden der Jahreszeit auszu- weichen, um Ruhe genießen zu können. Gründlich be- sonnen pflegt er der Arzeneien im Fall einer Krankheit, nur unoL anfällige niederzerrende Gefühle zu beschwich- tigen, mit der Unabhängigkeit als letztem Ziel. Weil ihn also, ihr Mönche, ohne Pflege verstörendes, sehren- des Wähnen ergriffe, nimmt er der Pflege wahr vmd hält das verstörende, sehrende Wähnen von sich ab.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das pflegend überwunden werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das duldend überwunden werden muss? Da erträgt, ihr Mönche, ein Mönch gründlich besonnen Kälte und Hitze, Hunger und Durst, Wind und Wetter, Mücken und Wespen und plagende Kriechthiere, boshafte, bös- willige Redeweisen, körperliche Schmerzgefühle, die
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ERSTER THEIL • ZWEITE REDE • II
ihn treffen, heftige, schneidende, stechende, unan- genehme, leidige, lebensgefährliche dauert er duldend aus. Denn würde er ungeduldig, ihr Mönche, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn : darum bleibt er geduldig und entgeht dem verstörenden, sehrenden Wähnen.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das duldend überwunden werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das fliehend überwunden werden muss ? Da flieht, ihr Mönche, ein Mönch gründlich besonnen einen wüthen- den Elephanten, ein wüthendes Pferd, einen wüthen- den Stier, einen wüthenden Hund, er flieht Schlangen, meidet abgeholzten Grund, Dornengestrüpp, Klinzen II und Klüfte, Pfützen und Sümpfe. Orte, die zum Weilen nicht taugen, Plätze, die zum Wandeln nicht taugen. Freunde, die zum Verkehr nicht taugen, von erfahrenen Ordensbrüdern entsprechend missbilligt würden, solche Orte, solche Plätze, solche Freunde flieht er, gründlich besonnen. Denn wollte er nicht fliehn, ihr Mönche, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn : darum flieht er und entgeht dem verstörenden, sehren- den Wähnen.
»Das nennt man, ihr Mönche, W^ ahnen, das fliehend überwunden werden muss.
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ALLES WÄHNEN
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das kämpfend überwunden werden muss? Da gönnt, ihr Mönche, ein Mönch gründlich besonnen einem auf- gestiegenen Wunschgedanken keinen Raum, verleugnet ihn, vertreibt ihn, vertilgt ihn, erstickt ihn im Keime; gönnt einem aufgestiegenen Hassgedanken keinen Raum, verleugnet ihn, vertreibt ihn, vertilgt ihn, er- stickt ihn im Keime; gönnt einem aufgestiegenen Wuth- gedanken keinen Raum, verleugnet ihn, vertreibt ihn, vertilgt ihn, erstickt ihn im Keime; gönnt diesen und jenen schlechten, verderblichen Gedanken, die auf- steigen, keinen Raum, verleugnet sie, vertreibt sie, ver- tilgt sie, erstickt sie im Keime. Gäbe er aber nach, ihr Mönche, so käme verstörendes, sehrendes Wähnen über ihn : darum kämpft er und bleibt frei vom verstörenden, sehrenden Wähnen.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das käm- pfend überwunden werden muss.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Wähnen, das wirkend überwunden werden muss? Da wirkt, ihr Mönche, ein Mönch gründlich besonnen der Einsicht Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst ge- zeugte, ausgerodet gezeugte, die in Ejidsal übergeht. Gründlich besonnen wirkt er desTiefsinns Ei-weckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet
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ERSTER THEIL • ZWEITE REDE • II
gezeugte, die in Endsal übergeht. Gründlich besonnen wirkt er der Kraft Erweckung, die abgeschieden ge- zeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Gründlich besonnen wirkt er der Heiterkeit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, ab- gelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Gründlich besonnen wirkt er der Lindheit Ej"weckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst ge- zeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Gründlich besonnen wirkt er der Innigkeit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausge- rodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Gründlich be- sonnen wirkt er des Gleichmuths Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Weil er also, ihr Mönche, ohne Wirken verstörendera, sehrendem Wäh- nen erläge, wirkt er, und kein verstörendes, sehrendes Wähnen kommt ihn an.
»Das nennt man, ihr Mönche, Wähnen, das wirkend überwunden werden muss.
»Hat nun, ihr Mönche, ein Mönch das Wähnen, das wissend überwunden werden muss, wissend überwun- den, das Wähnen, das wehrend überwunden werdeYi muss, wehrend überwunden, das Wähnen, das pflegend überwunden werden muss, pflegend überwunden, das
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ERBEN DER LEHRE
Wähnen, das duldend überwunden werden muss, dul- dend überwunden, das Wähnen, das fliehend über- wunden werden muss, fliehend überwunden, das Wähnen, das kämpfend überwunden werden muss, kämpfend überwunden, das Wähnen, das wirkend über- wunden werden muss, wirkend überwunden : so nennt man ihn. Mönche, einen Mönch, der gegen alles Wähnen gefeit ist. Abgeschnitten hat er den Lebens- durst, weggeworfen die Fessel, durch vollständige Dünkeleroberung ein Ende gemacht dem Leiden.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
Erster Theil Dritte Rede
ERBEN DER LEHRE
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthi, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« —
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ERSTER THEIL • DRITTE REDE • III
»Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Er- habenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also :
»Erben der Lehre seid mir, Mönche, nicht Erben der Nothdurft ! Aus Mitleid red' ich also zu euch : O dass meine Jünger Erben der Lehre seien und nicht Erben der Nothdurft.
»Wäret ihr, meine Mönche, Ei'ben der Nothdurft, nicht Ejben der Lehre, so zeigte man auf euch und spräche: > Eiben der Nothdurft sind sie, die Jünger des Meisters, nicht Erben der Lehre <, und auch auf mich deutete man: > Erben der Nothdurtt sind sie, die Jünger des Meisters, nicht Erben der Lehre. < Wollt ihr nun, meine Mönche, Erben der Lehre sein, nicht Erben der Nothdurft, dann zeiht euch wohl keiner : > Erben der Lehre sind sie, die Jünger des Meisters, nicht Erben der Nothdurft<, und keiner wird mich zeihen: > Erben der Lehre sind sie, die Jünger des Meisters, nicht Erben der Nothdurft. < Daher sollt ihr euch, meine Mönche, als Erben der Lehre erweisen, nicht als Erben der Nothdurft. Aus Mitleid red' ich also zu euch: O dass meine Jünger Erben der Lehre seien und nicht Erben der Nothdurft.
»Wenn ich da, Mönche, zu Mittag die genügende, vollgemessene Mahlzeit beendet habe, hinreichend satt geworden bin, und es bleibt mir vom Almosen ein
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ERBEX DER LEHRE
Rest Übrig, den ich nicht mehr einnehme, der nun aus der Schaale entleert werden muss, und es kommen zwei Mönche heran, aufgerieben von Hunger und Schwäche: 15 da werd' ich sie einladen: >Tch habe, ihr Mönche, zu Mittag die genügende, vollgemessene Mahlzeit beendet, bin hinreichend satt geworden, und es bleibt mir vom Almosen ein Rest übrig, den ich nicht mehr einnehme, der nun aus der Schaale entleert werden muss; wollt ihr, so nehmt ihn, wo nicht, so werd' ich ihn jetzt auf grasfreien Grund ausleeren oder in fließendes Wasser schütten. < Da gedächte der eine der Mönche: >Der Erhabene hat zu Mittag die genügende, vollgemessene Mahlzeit beendet, ist hinreichend satt geworden, und dieser Rest da ist vom Almosen übrig geblieben, muss vertilgt werden; nehmen wir ihn nicht an, so leert ihn der Ej-habene auf grasfreien Grund oder in fließendes Wasser aus. Aber ich kenne ja das Wort des Erhabenen: 'Erben der Lehre seid mir, Mönche, nicht Exben der Nothdurft!' Zur Nothdurft gehört auch ein Almosen- bissen; wie, wenn ich nun diesen Bissen verschmähte tmd hungrig und schwach, wie ich bin, bis morgen Mittag aushielte ?< Und er verschmähte den Bissen und beschiede sich trotz seines Hungers, trotz seiner Schwäche bis zum Mahle des folgenden Tages. Doch der andere Mönch gedächte: >Der Erhabene hat zu
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ERSTER THEIL • DRITTE REDE • III
Mittag die genügende, vollgemessene Mahlzeit beendet, ist hinreichend satt geworden, und dieser Rest da ist vom Almosen übrig geblieben, muss vertilgt werden; wie, wenn ich nun diesen Bissen annähme, mich von Hunger und Schwäche erholte und also den Tag zubrächte ?< Und er nähme den Bissen an, erholte sich von Hunger und Schwäche und brächte den Tag £ilso zu. Immerhin mag, ihr Mönche, dieser Mönch den Bissen annehmen, sich von Hunger und Schwäche erholen und also den Tag zu- bringen : aber jener andere, mein erster Mönch, ist wür- diger und vorzüglicher. Und warum ? Weil es ilm eben, ihr Mönche, lange Zeit fordern wird in seiner Genügsam- keit, Zufriedenheit, Ledigkeit, Leichtigkeit, Beharrlich- keit.''' Daher sollt ihr euch, meine Mönche, als Erben der Lehre erweisen, nicht als Erben der Nothdurft. Aus Mit- leid red' ich also zu euch : O dass meine Jünger Erben der Lehre seien und nicht Elrben der Nothdurft.«
Also sprach der Erhabene. Nach diesen Worten stand der Willkommene vom Sitze auf und zog sich in das Wohnhaus zurück.
Da wandte sich denn der ehrwürdige Säriputto, bald nachdem der Erhabene fortgegangen war, an die Mönche: »Brüder Mönche 1« — »Bruder!« antworteten da jene Mönche dem ehrwürdigen Säriputto aufmerksam. Der ehrwürdige Säriputto sprach also :
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ERBEN DER LEHRE
»Hat sich der Meister, ihr Brüder, zurückgezogen, wie pflegen dann die Jünger der Einsamkeit nicht ? Und hat sich der Meister, ihr Brüder, zurückgezogen, wie pflegen dann die Jünger der Einsamkeit?«
»Selbst von weit her, Bruder, würden wir kommen. galt' es beim ehrwürdigen Säriputto darüber Aufschluss zu erhalten, gut war' es wohl, wenn sich doch der ehr- würdige Säriputto in dieser Sache vernehmen ließe! Das Wort des ehrwürdigen Säriputto werden wir be- wahren.«
»Wohlan denn, Brüder, so höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Freilich, Bruder ! « antworteten da jene Mönche dem ehi-würdigen Säriputto aufmerksam. Der ehrwürdige Säriputto sprach also :
»Da pflegen, ihr Brüder, die Jünger des einsam weilenden Meisters der Einsamkeit nicht ; und was der Meister als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie nicht ; und anspruchsvoll werden sie und aufdringlich, suchen vor allem Gesellschaft, fliehen die Einsamkeit als lästige Last. Somit, ihr Brüder, gereichen drei Fälle den älteren Mönchen zur Schande: >Der Meister weilt ein- sam zurückgezogen, aber die Jünger pflegen der Einsam- keit nicht <, das ist der erste Fall, der den älteren Mönchen zur Schande gereicht ; > und was der Meister als
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ERSTER THEIL • DRITTE REDE • III
verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie nicht <, das ist der zweite Fall, der den älteren Mönchen zur Schande gereicht; >und anspruchsvoll sind sie und aufdringlich, suchen vor allem Gesellschaft, fliehen die Einsamkeit als lästige Last<, das ist der dritte Fall, der den älteren Mönchen zur Schande gereicht. Den älteren Mönchen also, Brüder, gereichen diese drei Fälle zur Schande. Und den mittleren Mönchen, Brüder, und den neuen Mön- chen, Brüder, gereichen drei Fälle zur Schande: >Der Meister weilt einsam zurückgezogen, aber die Jünger pflegen der Einsamkeit nicht <, das ist der erste Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen zur Schande gereicht; >und was der Meister als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie nicht <, das ist der zweite Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen zur Schande gereicht; >und anspruchsvoll sind sie und aufdringlich, suchen vor allem Gesellschaft, fliehen die Einsamkeit als lästige Last<, das ist der dritte Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen zur Schande gereicht. Den mittleren Mönchen also, Brüder, den neuen Mönchen also, Brüder, ge- reichen diese drei Fälle zur Schande. Das ist die Art, ihr Brüder, wie die Jünger des einsam weilenden Meisters Einsamkeit scheuen.
»Wie wird nun, ihr Brüder, von den Jüngern des ein-
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ERBEN DER LEHRE
sam weilenden Meisters Einsamkeit geübt ? Da pflegen, »5 ihr Brüder, die Jünger des einsam wellenden Meisters der Einsamkeit ; und was der Meister als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie ; und sie werden nicht anspruchsvoll, nicht aufdringlich, fliehen Gesellschaft als lästige Last, suchen vor allem Einsamkeit. Somit, ihr Brüder, gereichen drei Fälle den älteren Mönchen zur Ehre : > Der Meister weilt einsam zurückgezogen und die Jünger pflegen der Einsamkeit <, das ist der erste Fall, der den älteren Mönchen zur Ehre gereicht; >tmd was der Meister als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie<, das ist der zweite Fall, der den älteren Mönchen zur Ehre gereicht; >und sie sind nicht anspruchsvoll, nicht aufdringlich, fliehen Gesellschaft als lästige Lcist, suchen vor allem Einsamkeit <, das ist der dritte Fall, der den älteren Mönchen zur Ehre gereicht. Den älteren Mönchen also, Brüder, gereichen diese drei Fälle zur Ehre. Und den mittleren Mönchen, Binider, und den neuen Mönchen, Brüder, gereichen drei Fälle zur Ehre: > Der Meister weilt einsam zurückgezogen und die Jünger pflegen der Einsamkeit <, das ist der erste Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen zur Ehre ge- reicht; > und was der Meister als verwerflich bezeichnet hat, das verwerfen sie<, das ist der zweite Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen zur Ehre
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ERSTER THEIL • DRITTE REDE • III
gereicht; >und sie sind nicht anspruchsvoll, nicht auf- dringlich, fliehen Gesellschaft als lästige Last, suchen vor allem Einsamkeit <, das ist der dritte Fall, der den mittleren Mönchen, der den neuen Mönchen zur Ehre gereicht. Den mittleren Mönchen also, Brüder, den neuen Mönchen also, Brüder, gereichen diese drei Fälle zur Ehre. Das ist die Art, ihr Brüder, wie die Jünger des einsam weilenden Meisters Einsamkeit üben.
»Nun merket, Brüder: Gier ist vom Übel und Hass ist vom Übel und es giebt einen Mittelweg um der Gier zu entgehn und dem Hass zu entgehn, einen Weg, der sehend und wissend macht, zur Ebbung, D urchschauung. Erwachung, Erlöschung führt. Was ist das aber, Brüder, für ein Mittelweg, der sehend und wissend macht, zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung,Erlöschungführt? Dieser heilige achtfältige Pfad ist es eben, und zwar : rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rech- tes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung. Das, ihr Brüder, ist der Mittel- weg, der sehend und wissend macht, zur Ebbung, Durch- schauung, Erwachung, Erlöschung führt. Und Zorn, Brüder, und Zwietracht ist vom Übel, und Häuchelei und Neid ist vom Übel, und Eiferung und Eigensucht ist vom Übel, und Trug und List ist vom Übel, und Starr- 16 sinn und Ungestüm ist vom Übel, und Stolz und Dünkel
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ERBEN DER LEHRE
ist vom Übel, und Lauheit und Lässigkeit ist vom Übel und es giebt einen Mittelweg um der Lauheit zu entgehn und der Lässigkeit zu entgehn, einen Weg, der sehend und wissend macht, zur Ebbung, Durchschauung, Ej- wachung, Erlöschung führt. Was ist das aber, Brüder, für ein Mittelweg, der sehend und wissend macht, zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt? Dieser heilige achtfältige Pfad ist es eben, und zwar: rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung. Das, ihr Brüder, ist der Mittelweg, der sehend und wissend macht, zur Ebbvmg, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt.«
Also sprach der ehrwürdige Säriputto. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des ehrwür- digen Säriputto.
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ERSTER THEIL • VIERTE REDE • IV
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Erster Theil Vierte Rede
FURCHT UND ANGST
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthi, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Da kam nun Jänus- soni, ein Brähmane, zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, wechselte freundliche, denk- würdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend wandte sich nun der Brähmane Jänussoni also an den Erhabenen :
»Die edlen Söhne hier, o Gotamo, die um des ver- ehrten Gotamo willen, aus Zuversicht vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen sind, die folgen dem ver- ehrten Gotamo nach, halten den verehrten Gotamo hoch, haben den verehrten Gotamo zum Lenker er- koren, und des verehrten Gotamo Lebensansicht und Lebensführung wird diesen Leuten zur eigenen.«
»So ist es, Brähmane, so ist es, Brähmane. Die edlen Söhne hier, Brähmane, die um meinetwillen, aus Zu- versicht vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen sind, die folgen mir nach, halten mich hoch, haben
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FURCHT UND ANGST
mich zum Lenker erkoren, und meine Lebensansicht und Lebensführung wird diesen Leuten zur eigenen.«
»Schwer lebt es sich aber, o Gotamo, im tiefen Walde, an abgelegenen Orten, schwer ist es Einsam- keit zu pflegen, schwer Alleinsein genießen ; die Wald- schluchten müssen wohl einem Mönche, der keine Fassung gewinnen kann, das Herz im Leibe stocken lassen.«
»So ist es, Brähmane, so ist es, Brähmane. Schwer lebt es sich freilich, Brähmcine, im tiefen Weil de, an abgelegenen Orten, schwer ist es Einsamkeit zu pflegen, schwer Alleinsein genießen ; die Waldschluchten müssen wohl einem Mönche, der keine Fassung gewinnen kann, das Herz im Leibe stocken lassen.
»Auch mir, Brähmane, ist es, noch vor der vollen Ejwachung, dem unvollkommen Ej'wachten, Ei- wachung erst Erringenden^, also ergangen: > Schwer lebt es sich, ach, im tiefen Walde, an abgelegenen Orten, schwer ist es Einsamkeit zu pflegen, schwer Alleinsein genießen ; die W^eildschluchten müssen ja einem Mönche, der keine Fassung gewinnen kann, das Herz im Leibe stocken lassen. <
»Da sagte ich mir, Brähmane : > Alle die lieben As- keten oder Brähmcinen, die, an Thaten ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren,
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ERSTER THEIL • VIERTE REDE • IV
eben weil ihr Thun nicht geläutert ist, schuldige Furcht und Angst ; ich aber, der ich, an Thaten nicht unge- läutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, übe lauteres Thun : habt ihr Heilige, die, lauter an Thaten, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, diese Lauterkeit des Thuns eigne mir, nahm mein Wohlge- fallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben Asketen oder Brähmanen, die, an Worten ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihre Rede nicht geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich, an Worten nicht unge- läutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, übe lautere Rede: habt ihr Heilige, die, lauter an Worten, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmeme, merkte, diese Lauterkeit der Rede eigne mir, nahm mein Wohlge- fallen am Waldleben zu,
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben Asketen oder Brähmanen, die, an Gedanken ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihr Denken nicht geläutert ist, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich, an Gedanken nicht ungeläutert, tief im Walde abgelegene Orte aufsuche,
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FURCHT UND ANGST
dbe lauteres Denken : habt ihr Heilige, die, lauter an Gedanken, tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, disse Lauterkeit des Denkens eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
>Und ich sagte mir, Brähmane: >AUe die lieben Asieten oder Brähmanen, die ungeläuterten Wesens tief m Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil ihr W^esen nicht geläutert ist, schuldige Furcn und Angst; ich aber, der ich nicht ungeläuterten Wesels tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, übe lauterej Wesen : habt ihr Heilige, die lauteren Wesens tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer vm ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, diese Lauterkdt des Wesens eigne mir, nahm mein Wohl- gefallen an Waldleben zu.
»Und ch sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben Asketen oler Brähmanen, die begierig, voller heftiger Wünsche tef im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, elen weil sie begierig, von heftigen Wünschen erfüllt suid,schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich nicht be^erig, nicht voller heftiger Wünsche tief im Walde abelegene Orte aufsuche, bin ohne Begier: habt ihr Heilte, die ohne Begier tief im W^alde ab- gelegene Orte ufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < is
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Als ich, Brähmane, merkte, diese Begierlosigkeit eigne mir, nahm miein Wohlgefallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben Asketen oder Brähmanen, die gehässig, verbitterten Sinnes tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie gehässig, verbitterten Simes sind, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich ohne Hass, ohne Verbitterung tief im Walde abgel^ene Orte aufsuche, fühle Mitleid : habt ihr Heilige, dif mit- leidig tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, io bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, nerkte, dieses Mitleid eigne mir, nahm mein Wohlgefalen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle de lieben Asketen oder Brähmanen, die matt und mü(e tief im Walde abgelegene Orte. aufsuchen, die erfah'en, eben weil sie sich von matter Müde beschleiclen lassen, schuldige Furcht und Angst; ich aber, derich matter Müde wehrend tief im Walde abgelegene Ore aufsuche, bin frei von matter Müde: habt ihr Heiige, die frei von matter Müde tief im Walde abgelegte Orte auf- suchen, so bin ich einer von ihnen. < Als 10, Brähmane, merkte, diese matte Müde sei mir frem<i nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >füe die lieben
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FURCHT UND ANGST
Asketen oder Brähmanen, die aufgeregt, iinnihigen Geistes tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie aufgeregt, unruhigen Geistes sind, schuldige Fiircht und Angst; ich aber, der ich ohne Erregung, ohne Unruhe tief im Walde abgele- gene Orte aufsuche, weile ruhigen Gemüthes : habt ihr Heilige, die ruhigen Gemüthes tief im Wedde abgele- gene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, diese Ruhe eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben Asketen oder Brähmanen, die schwankend und zwei- felnd tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die er- fahren, eben weil sie schwankenden, unsicheren Gei- stes sind, schuldige Furcht vmd Angst; ich aber, der ich sicher und zweifellos tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin meiner Sache gewiss : habt ihr Hei- lige, die ihrer Sache gewiss tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, diese Gewissheit eigne mir, nahm 19 mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >AIIe die lieben Asketen oder Brähmanen, die mit Selbstlob und Nächstentadel tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie sich brüsten und andere ver-
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ERSTER THEIL • VIERTE REDE • IV
achten, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich ohne mich zu brüsten, ohne andere zu verachten tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin frei von Selbstlob und Nächstentadel : habt ihr Heilige, die frei von Selbstlob und Nächstentadel tief im Walde abge- legene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, Selbstlob und Nächsten- tadel sei mir fremd, nahm mein Wohlgefallen am Wald- leben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben As- keten oder Brähmanen, die zitternd und zagend tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie zittern und zagen, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich ohne Zittern, ohne Zagen tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin frei von Zittern und Zagen : habt ihr Heilige, die frei von Zittern und Zagen tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, Zit- tern und Zagen sei mir fremd, nahm mein Wohlge- fallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben As- keten oder Brähmanen, die nach Gaben, Ehre und An- sehn geizend tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben wreil sie Gaben, Ehre und Ansehn erhoffen, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich
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FURCHT UND ANGST
Gaben, Ehre und Ansehn verschmähend tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bescheide mich: habt ihr Heihge, die sich bescheidend tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, diese Bescheidenheit eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben Asketen oder Brähmanen, die gebrochen und muthlos tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie gebrochen und muthlos sind, schuldige Furcht und Angst; ich aber, der ich ungebrochen, nicht muthlos tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin standhaft : habt ihr Heilige, die standhaft tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, diese Standhaftigkeit eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
vUnd ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben 30 Asketen oder Brähmanen, die mit verstörter, trüber Ver- nunft tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die er- fahren, eben weil sie verstörter, trüber Vernunft sind, schuldige Furcht und Angst ; ich aber, der ich ohne Ver- störung, ohne Trübung tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin bei klarer Vernunft : habt ihr Heilige, die bei klarer Vernunft tief im Walde abgelegene Orte auf- suchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich. Brähmane,
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ERSTER THEIL • VIERTE REDE • IV
merkte, diese klare Vernunft eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben Asketen oder Brähmanen, die unsteten, zerstreuten Sinnes tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die er- fahren, eben weil sie unstet und zerstreut sind, schuldige Furcht und Angst ; ich aber, der ich nicht unstet, nicht zerstreut tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin gefasst : habt ihr Heilige, die gefasst tief im Walde ab- gelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Brähmane, merkte, diese Fassung eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
»Und ich sagte mir, Brähmane: >Alle die lieben Asketen oder Brähmanen, die thörig und stumpf tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, die erfahren, eben weil sie thörig und sturnpf sind, schuldige Furcht und Angst ; ich aber, der ich nicht thörig, nicht stumpf tief im Walde abgelegene Orte aufsuche, bin weise: habt ihr Heilige, die weise tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen, so bin ich einer von ihnen. < Als ich, Bräh- mane, merkte, diese Weisheit eigne mir, nahm mein Wohlgefallen am Waldleben zu.
»Da sagte ich mir, Brähmane: >Wie, wenn ich nun in gewissen, verrufenen Nächten, bei Vollmond und bei Neumond, bei zunehmendem und bei abnehmendem
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FUPCHT T'ND ANGST
Viertel Grabhügel in Hainen, in Wäldern, unter Bäumen aufsuchte, an Stätten des Grauens und Entsetzens weilte, damit ich doch erführe, was es mit jener Furcht und Angst sei?< Und im Laufe der Zeit, Brähmane, suchte ich in gewissen, verrufenen Nächten, bei Vollmond und bei Neumond, beim ersten und beim letzten Viertel Grabhügel auf, in Hainen, in Wäldern, unter Bäumen, weilte an Stätten des Grauens und Entsetzens. Da saß ich nun, Brähmane, und ein Reh kam herbei, oder ein Waldhvihu knickte einen Ast, oder Wind schüttelte das ai Laubwerk. Ich aber dachte: >Hier wird sich wohl jene Furcht und Angst einstellen. < Und ich sagte mir, Bräh- mane : > Was wart' ich denn unverwamdt auf das Er- scheinen der Furcht? Wie, wenn ich nun, sobald sich jene Furcht und Angst irgend zeigen sollte, auch schon alsbcild jener Furcht und Angst begegnete ?< Und jene Furcht und Angst, Brähmane, kam über mich, als ich auf und ab ging. Aber weder stand ich da, Brähmane, stUl, noch setzte ich mich nieder, noch legte ich mich hin, bis ich auf und ab gehend jener Furcht und Angst begegnet hatte. Und jene Furcht und Angst, Brähmane, fand sich ein als ich stille stand. Aber weder ging ich da, Brähmane, auf und ab, noch setzte ich mich nieder, noch legte ich mich hin, bis ich stille stehend jener Furcht und Angst begegnet hatte. Und jene Furcht und
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ERSTER THEIL • VIERTE REDE • IV
Angst, Brähmane, nahte mir als ich saß. Aber weder legte ich mich da, Brähmane, hin, noch stand ich auf, noch ging ich umher, bis ich sitzend jener Furcht und Angst begegnet hatte. Und j ene Furcht und Angst, Bräh- mane, kam heran als ich lag. Aber weder hob ich mich da, Brähmane, empor, noch stand ich auf, noch ging ich hin und her, bis ich liegend jener Furcht und Angst begegnet hatte.
»Doch giebt es, Brähmane, manche Asketen und Brähmanen, die halten die Nacht für Tag und den Tag für Nacht. Das nenn' ich, Brähmane, einen Wahn jener Asketen und Brähmanen. Ich aber, Brähmane, halte die Nacht für Nacht und den Tag für Tag. Wer nun, Bräh- mane, mit Recht von einem Manne sagen kann: >Ein wahnloses Wesen ist in der Welt erschienen, vielen zum Wohle, vielen zum Heile, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen <, der kann eben von mir mit Recht sagen: >Ein wahn- loses Wesen ist in der Welt erschienen, vielen zum Wohle, vielen zum Heile, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen. <
»Standhaft aber, Brähmane, hielt ich aus, ohne zu wanken, bei klarer Vernunft, ohne Verstörung, gestill- ten Körpers, ohne Regung, gefassten Gemüthes, einig. Gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen
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FURCHT UND AXGST
weilte ich da, Brähmane, in sinnend gedenkender ruhe- geborener säliger Heiterkeit, erwirkte die Weihe der ersten Schauung.
»Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens ge- waxm ich die innere Meeresstille, die Einheit des Ge- müthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der 22 Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.
»In heiterer Ruhe verweilte ich gleichmüthig, ein- sichtig, klar bewusst, ein Glück empfand ich im Körper, von dem die Heiligen sagen: >Der gleichmüthig Ein- sichtige lebt beglückt <; so erwirkte ich die Weihe der dritten Schauung.
»Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns er- wirkte ich die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleich- müthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, ge- diegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, un- versehrbar, richtete ich das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. Ich erinnerte mich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an diei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn
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ERSTER THEIL • VIERTE REDE • IV
Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hun- derttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten wäh- rend mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehun- gen. >Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das wcir mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich- hier wieder ins Dasein. < So erinnerte ich mich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. Dieses Wissen, Brähmane, hatte ich nun in den ersten Stunden der Nacht als erstes errungen, das Nichtwissen zertheilt, das Wissen gewonnen, das Dunkel zertheilt, das Licht gewonnen, wie ich da ernsten Sinnes, eifrig, unermüd- lich weilte.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, ge-
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FURCHT UXD ANGST
diegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, un- versehrbar, richtete ich das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, sah ich die Wesen dahin- schwinden tmd wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, ich erkannte wie die Wesen je nach den Thaten wieder- kehren, > Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan,in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelamgen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, im Worten dem Guten zugethan, 23 in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heili- ges, achten Rechtes, thvm Rechtes-, bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelemgen sie auf gute Fährte, in sälige Welt. < So sah ich mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hin- ausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wieder- erscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, ich erkannte wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Dieses Wissen,
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ERSTER THEIL • VIERTE REDE • IV
ßrähmane, hatte ich nun in den mittleren Stunden der Nacht als zweites errungen, das Nichtwissen zertheilt, das Wissen gewonnen, das Dunkel zertheilt, das Licht gewonnen, wie ich da ernsten Sinnes, eifrig, unermüd- lich weilte.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, ge- diegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegscim, fest, un- versehrbar, richtete ich das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung. >Das ist das Leiden < verstand ich der Wahrheit gemäß, >Das ist die Leidensentwicklung < verstand ich der Wahrheit gemäß. >Das ist die Leidens- auflösung < verstand ich der Wahrheit gemäß. >Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad< verstand ich der Wahrheit gemäß. >Das ist der Wahn< verstand ich der Wahrheit gemäß. >Das ist die Wahnentwicklimg< verstand ich der Wahrheit gemäß. >Das ist die Wahn- auflösung< verstand ich der Wahrheit gemäß. >Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad< verstand ich der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also sehend ward da mein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. >Im Er- lösten ist die Erlösung<, diese Erkenntniss ging auf. > Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt< verstand ich da. Dieses Wissen, Brähmane, hatte ich nun in den
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FURCHT UND ANGST
letzten Stunden der Nacht als drittes errungen, das Nichtwissen zertheilt, das Wissen gewonnen, das Dunkel zertheilt, das Licht gewonnen, wie ich da ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich weilte.
»Aber nun möchtest du, Brähmane, vielleicht mei- nen: >Auch heute wohl ist der Asket Gotamo noch nicht ganz lauter von Gier, Hass und Wahn : darum sucht er tief im Walde abgelegene Orte auf. < Doch also, Brähmcme, sollst du es nicht verstehn. Zwei Gründe sind es, Brähmane, die mich tief im Walde abgelegene Orte aufsuchen lassen : mein eigenes Wohlbefinden in dieser Zeitlichkeit und das Mitleid zu denen, die mir nachfolgen.«
»Mitleid geschenkt hat wahrlich Herr Gotamo denen, die ihm nachfolgen, wie's eben dem Heiligen, voll- kommen Erwachten geziemt. — VortrefQich, o Go- tamo, vortrefflich, o Gotamo I Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder Ver- decktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finstemiss brächte: >Wer Augen hat wird die Dinge sehn < : ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre gar manigfach dargelegt. Und so nehm' ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft : als Anhänger soll mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«
ERSTER THEIL ■ FÜNFTE REDE . V
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Erster Theil Fünfte Rede
UNSCHULD
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthi, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Dort nun wandte sich der ehrwürdige Säriputto an die Mönche: »Brüder Mönche!« — »Bruder!« antworteten da jene Mönche dem ehrwürdigen Säriputto aufmerksam. Der ehrwür- dige Säriputto sprach also :
»Viererlei Arten von Menschen, Brüder, findet man da in der Welt : und was für welche ? Da ist einer, Brü- der, schuldig und erkennt nicht der Wahrheit gemäß >In mir ist Schuld <, und da ist einer, Brüder, schuldig und erkennt der Wahrheit gemäß >In mir ist Schuld<; da ist einer, Brüder, unschuldig und erkennt nicht der Wahrheit gemäß >In mir ist keine Schuld <, und da ist einer, Brüder, unschuldig und erkennt der Wahr- heit gemäß >In mir ist keine Schuld <. Einen Mann aber, Brüder, der schuldig ist und nicht der Wahrheil gemäß erkennt >In mir ist Schuld <, den bezeichnet man als den Schlechteren von den beiden, die gleiche
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UNSCHULD
Schuld haben. Einen Mann aber, Brüder, der schuldig ist und der Wahrheit gemäß erkennt > In mir ist Schuld <, den bezeichnet man als den Besseren von den beiden, die gleiche Schuld haben. Einen Mann aber, Brüder, der unschuldig ist und nicht der Wahrheit gemäß er- 25 kennt >In mir ist keine Schuld <, den bezeichnet man ads den Schlechteren von den beiden, die gleiche Un- schuld haben. Einen Mann aber, Brüder, der unschul- dig ist und der Wahrheit gemäß erkennt >In mir ist keine Schuld <, den bezeichnet man als den Besseren von den beiden, die gleiche Unschuld haben.«
Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Mahä- moggalläno an den ehrwürdigen Säriputto und sprach:
»Was ist nun der Grund, Bruder Säriputto, was ist die Ursache, dass man den einen der beiden gleich Schuldigen als den Schlechteren und den anderen als den Besseren bezeichnet? Und was ist der Grund, Bruder Säriputto, was ist die Ursache, dass man den einen der beiden gleich Unschuldigen als den Schlechteren und den anderen als den Besseren bezeichnet?«
»Wenn da, Bruder, einer schuldig ist und nicht der Wahrheit gemäß erkennt >In mir ist Schuld <, so darf man von ihm erwarten, dass er den Willen nicht beugen wird, nicht kämpfen wird, nicht die Kraft besitzen wird, seiner Schuld zu entsagen, dass er mit Gier, mit Hass,
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ERSTER THEIL • FÜNFTE REDE • V
mit Irre, mit Schuld beladen unlauteren Herzens sterben wird. Gleichwie etwa, Bruder, wenn da eine messin- gerne Schüssel wäre, am Markte oder beim Kupfer- schmidte erstanden, voller Schmutz und Flecken, und die Eigner würden sie weder brauchen noch säubern, sondern in einen Winkel werfen : da würde wohl, Bruder, diese messingerne Schüssel nach einiger Zeit noch schmutziger und noch fleckiger geworden sein.«
»Allerdings, Bruder.«
»Ebenso nun auch, o Bruder, darf man von einem Manne, der schuldig ist und nicht der Wahrheit gemäß erkennt >In mir ist Schuld <, erwarten, er werde den Willen nicht beugen, werde nicht kämpfen, nicht die Kraft besitzen, seiner Schuld zu entsagen, er werde mit Gier, mitHass, mit Irre, mit Schuld beladen unlauteren Herzens sterben, — Wenn da, Bruder, einer schuldig ist und der Wahrheit gemäß erkennt >In mir ist Schuld <, so darf man von ihm erwarten, dass er den Willen beugen wird, kämpfen, die Kraft besitzen wird, seiner Schuld zu entsagen, dass er ohne Gier, ohne Hass, ohne Irre, ohne Schuld lauteren Herzens sterben wird. Gleichwie etwa, Bruder, wenn da eine messingerne Schüssel wäre, am Markte oder beim Kupferschmidte erstanden, voller Schmutz und Flecken, aber die Eigner würden sie brau- chen und säubern, nicht in den Winkel werfen: da
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UNSCHULD
würde wohl, Bruder, diese messingeme Schüssel nach a6 einiger Zeit blamk und rein geworden sein.«
»Gewiss, Bruder.«
»Ebenso nun auch, o Bruder, darf man von einem Manne, der schuldig ist und der Wahrheit gemäß er- kennt > In mir ist Schuld < , erwarten, er werde den Willen beugen, werde kämpfen, die Kraft besitzen seiner Schuld zu entsagen, er werde ohne Gier, ohne Hass, ohne Irre, ohne Schuld lauteren Herzens sterben. — Wenn da, Bru- der, einer unschuldig ist und nicht der Wahrheit gemäB erkennt >In mir ist keine Schuld <, so darf man von ihm erwarten, dass ihn das Blenden der Ea.-scheinung bewegen wird, und er vom Blenden der Erscheinung bewogen sein Herz von der Gier wird aufwühlen lassen, dass er mit Gier, mit Hass, mit Irre, mit Schuld beladen un- lauteren Herzens sterben wird. Gleichwie etwa, Bruder, wenn da eine messingeme Schüssel wäre, am Markte oder beim Kupferschmidte erstanden, blank und rein, aber die Eigner würden sie w^eder brauchen noch säubern, sondern in einen Winkel werfen : da würde wohl, Bruder, diese messingeme Schüssel nach einiger Zeit schmutzig und fleckig geworden sein.«
»Freilich, Bruder.«
»Ebenso nun auch, o Bruder, darf man von einem Manne, der unschuldig ist und nicht der Wahrheit
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gemäß erkennt >In mir ist keine Schuld <, erwarten, das Blenden der Erscheinung werde ihn bewegen, vom Blenden der Ea-scheinung bewogen werde er sein Herz von der Gier aufwühlen lassen, er werde mit Gier, mit Hass, mit Irre, mit Schuld beladen unlauteren Herzens sterben. — Wenn da, Bruder, einer unschuldig ist und der Wahrheit gemäß erkennt >In mir ist keine Schuld <, so darf man von ihm erwai-ten, dass ihn das Blenden der Erscheinung nicht bewegen wird, und er vom Blenden der Erscheinung nicht bewogen sein Herz von der Gier nicht wird aufwühlen lassen, dass er ohne Gier, ohne Hass, ohne Irre, ohne Schuld lauteren Her- zens sterben wird. Gleichwie etwa, Bruder, wenn da eine messingerne Schüssel wäre, am Markte oder beim Kupferschmidte erstanden, blank und rein, und die Eigner würden sie brauchen und säubern, nicht in den Winkel werfen: da würde wohl, Bruder, diese mes- singerne Schüssel späterhin noch blanker und reiner geworden sein.«
»Ohne Zweifel, Bruder.«
»Ebenso nun auch, o Bruder, darf man von einem Manne, der unschuldig ist und der Wahrheit gemäß er- kennt >In mir ist keine Schuld <, erwarten, das Blenden der Erscheinung werde ihn nicht bewegen, vom Blenden der Erscheinung nicht bewogen werde er sein Herz von
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der Gier nicht aufwühlen lassen, er werde ohne Gier, ohne Hass, ohne Irre, ohne Schuld lauteren Herzens sterben.
»Das aber, Bruder Moggalläno, ist der Grund, das 27 ist die Ursache, warum main den einen der beiden gleich Schuldigen als den Schlechteren und den anderen als den Besseren bezeichnet; und das, Bruder Moggalläno, ist der Grund, das ist die Ursache, warum man den einen der beiden gleich Unschuldigen cils den Schlech- teren und den anderen als den Besseren bezeichnet.«
»'Die Schuld, die Schuld', so heißt es, Bruder; was versteht man aber eigentlich, Bruder, unter dem Be- griffe der Schuld ?*<
»Die bösen, verderblichen Sinnesrichtungen, Bruder, die versteht man unter dem Begriffe der Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: > Wenn ich mich vergemgen habe, so brauchen die anderen nicht zu wissen: 'Er hat sich vergangen' <. Möglich, Bruder, dass sie erfahren: >Er hat sich ver- gangen. < Da wird er erbittert und missvergnügt: >Sie wissen es, dass ich mich vergangen habe!< Diese Er- bitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: > Wenn ich mich vergangen habe, so
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sollen mir's die Brüder im Geheimen verweisen, nicht vor den anderen Mönchen. < Möglich, Bruder, dass sie ihn öffentlich zurechtweisen, nicht im Geheimen. Da wird er erbittert und missvergnügt: > öffentlich weisen sie mich zurecht, nicht vertraulich I < Diese Erbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Wenn ich mich vergangen habe, so mag mich ein Freund zurechtweisen, kein anderer Mönch. < Möglich, Bruder, dass ihn ein anderer Mönch zurecht- weist, kein Freund. Da wird er erbittert und missver- gnügt: >Ein anderer Mönch weist mich zvu-echt, der mir ferne steht! < Diese Erbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen: beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Ach möchte doch der Meister in Wechselrede mit mir den Mönchen die Lehre darlegen, nicht in Wechselrede mit einem anderen Mönchel< Möglich, Bruder, dass der Meister mit einem anderen Mönch in Wechselrede die Lehre darlegt, nicht mit diesem Mönche. Da wird er 28 erbittert und missvergnügt : > Mit einem anderen Mönch in Wechselrede legt der Meister den Mönchen die Lehre dar, nicht mit mir! < Diese Eo-bitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen: beides ist Schuld. ■ — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt:
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UNSCHULD
>Die Mönche sollten beim Gang nach dem Dorfe um Almosenspeise mich an die Spitze stellen, keinen an- derenl< Möglich, Bruder, dass sie einen anderen Mönch vorangehn lassen, nicht diesen. Da wird er erbittert und missvergnügt: > Einen anderen stellen sie voran, nicht michl< Diese Erbittenmg, Bruder, und dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Wenn doch bei der Mahlzeit der beste Sitz, das beste Wasser, der beste Bissen keinem anderen zufiele als mirl< Möglich, Bruder, dass der beste Sitz, das beste Wasser, der beste Bissen einem anderen Mönche zufällt imd nicht diesem. Da wird er erbittert und miss vergnügt: >Ein anderer hat den besten Sitz, das beste Wasser, den besten Bissen erhalten, nicht ich!< Diese Erbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen: beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt : > Wenn nur ich und kein anderer bei der Mahlzeit satt werden kannl< Möglich, Bruder, dass ein anderer und nicht er bei der Mahlzeit satt werde. Da wird er erbittert und missvergnügt: >Ein anderer wird satt und ich nicht! < Diese Ejrbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Wenn die Mönche den Garten besuchen, soll es nur
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meine Sache und nicht die eines anderen sein, ihnen die Lehre darzulegen. < Möglich, Bruder, dass ein an- derer Mönch den im Garten versammelten Mönchen die Lehre vorträgt, nicht dieser Mönch. Da wird er erbittert und missvergnügt: >Ein anderer trägt den Mönchen die Lehre vor, nicht ich I < Diese Erbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen: beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Wenn die Nonnen den Garten besuchen, soll es nur meine Sache und nicht die eines anderen sein, ihnen die Lehre darzulegen. < Möglich, Bruder, dass ein anderer Mönch den im Garten versammelten Nonnen die Lehre vorträgt, nicht dieser Mönch. Da wird er er- bittert und missvergnügt: >Ein anderer trägt den Nonnen die Lehre vor, nicht ich!< Diese Erbitterung, Bruder, tmd dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Wenn Anhänger und Anhängerinen den Garten be- suchen, soll es nur meine Sache und nicht die eines anderen sein, ihnen die Lehre darzulegen. < Möglich, Bruder, dass ein anderer Mönch den im Garten ver- sammelten Anhängern und Anhängerinen die Lehre vorträgt, nicht dieser Mönch. Da wird er erbittert und missvergnügt: >Ein anderer trägt den Anhängern und Anhängerinen die Lehre vor, nicht ich ! < Diese Er-
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UNSCHULD
bitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Mich, wahrlich, sollten die Mönche hochschätzen, werthhalten, achten und ehren, nicht einen anderen ! < Möglich, Bruder, dass die Mönche einen anderen Mönch hochschätzen, werthhalten, achten und ehren, nicht diesen Mönch. Da wird er erbittert und missvergnügt : > Elinen anderen schätzen die Mönche hoch, halten ihn werth, achten und ehren ihn, mich aber nicht !< Diese Erbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen: beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Mich, wahrlich, sollten die Nonnen hochschätzen, werth- halten, achten und ehren, nicht einen anderen! < Mög- lich, Bruder, dass die Nonnen einen anderen Mönch hochschätzen, werthhalten, achten und ehren, nicht diesen Mönch. Da wird er erbittert und missvergnügt: > Einen anderen schätzen die Nonnen hoch, halten ihn werth, achten und ehren ihn, mich aber nicht! < Diese Erbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Mich, wahrlich, sollten die An- hänger und Anhängerinen hochschätzen, werthhalten, achten und ehren, nicht einen anderen! < Möglich, Bruder, dass die Anhänger und Anhängerinen einen
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anderen Mönch hochschätzen, werthhalten, achten vmd ehren, nicht diesen Mönch. Da wird er erbittert und missvergnügt: > Einen anderen schätzen die Anhänger und Anhängerinen hoch, halten ihn werth, achten und ehren ihn, mich aber nicht ! < Diese Erbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Möglich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt: >Man sollte doch mir eine auserlesene Kutte zukommen lassen, nicht einem anderen 1 < Mög- 30 lieh, Bruder, dass ein anderer Mönch eine auserlesene Kutte erhält, nicht dieser. Da wird er erbittert und missvergnügt: > Einem em deren geben sie auserlesene Kleidung und mir nicht I < Diese Erbitterung, Bruder, und dieses Missvergnügen: beides ist Schuld. — Mög- lich, Bruder, dass da einem Mönche in den Sinn kommt : >Man sollte doch mir auserlesene Bissen, auserlesene Lagerstatt, auserlesene Arzeneien für den Fall einer Krankheit zukommen lassen, nicht einem anderen I < Möglich, Bruder, dass ein anderer Mönch auserlesene Bissen, auserlesene Lagerstatt, auserlesene Arzeneien für den Fall einer Krankheit erhält, nicht dieser Mönch. Da wird er erbittert und missvergnügt: > Einem an- deren geben sie auserlesene Bissen, auserlesene Lager- statt, auserlesene Arzeneien für den Fall einer Krcink- heit, mir aber nicht 1 < Diese Erbitterxmg, Bruder, und
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UNSCHULD
dieses Missvergnügen : beides ist Schuld. — Das aber. Bruder, sind die bösen, verderblichen Sinnesrichtungen, die man unter dem Begriffe der Schuld versteht.
»Ein Mönch, Bruder, bei dem sich diese bösen, ver- derblichen Siimesrichtungen imgeschwächt zeigen und äußern, und wäre er auch ein abgeschiedener Wald- einsiedler, ein stummer Brockenbettler, bekleidet mit der selbstgeflickten Fetzenkutte, der wird von seinen Ordensbrüdern nicht hochgeschätzt, nicht werthge- halten, nicht geachtet, nicht geehrt: und warum nicht? Weil sich ja bei dem Ehrwürdigen jene bösen, verderb- lichen Sinnesrichtvmgen ungeschwächt zeigen vmd äußern. Gleichwie etwa, Bruder, wenn da eine mes- singeme Schüssel wäre, am Markte oder beim Kupfer- schmidte erstanden, blank und rein, und die Eigner füllten sie mit Schlangenaas oder mit Hundeaas oder mit Menschenaas, deckten eine andere Schüssel darüber und gingen damit auf den Markt. Diese Schüssel sähe einer und sagte: > Freund, was birgst du darin und entziehst es dem Auge?< Und er höbe den Deckel ab, legte die Schüssel bloß, spähte hinein : und bei dem Anblicke stiege ihm Widerwille, Ekel vmd Abscheu aiof, lind selbst Hungrigen verginge die Esslust, geschweige Gesättigten: ebenso nun auch, Bruder, wird da ein Mönch, bei dem sich jene bösen, verderblichen Sinnes-
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richtungen ungeschwächt zeigen und äußern, und wäre er auch ein abgeschiedener Waldeinsiedler, ein stummer Brockenbettler, bekleidet mit der selbstgeflickten Fetzen- kutte, von seinen Ordensbrüdern nicht hochgeschätzt, 51 nicht werthgeh alten, nicht geachtet, nicht geehrt: und warum nicht? Weil sich eben bei dem Ehrwürdigen jene bösen, verderblichen Sinnesrichtungen unge- schwächt zeigen und äußern.
»Ein Mönch, Bruder, bei dem sich jene bösen, ver- derblichen Sinnesrichtungen nicht mehr zeigen, nicht mehr äußern, und wäre er auch ein Landpilger, ein Ausgespeister, bekleidet mit einer geschenkten Kutte, der wird von seinen Ordensbrüdern hochgeschätzt, werth- gehalten, geachtet und geehrt: und warum das? Weil sich ja bei dem Ehrwürdigen jene bösen, verderblichen Sinnesrichtungen nicht mehr zeigen, nicht mehr äußern. Gleichwie etwa, Bruder, wenn da eine messingerne Schüssel wäre, am Markte oder beim Kupferschmidte erstanden, blank und rein, und die Eigner füllten sie mit einem saftigen, würzigen Gerichte aus gekochtem ge- sichteten Reis, deckten eine andere Schüssel darüber und gingen damit auf den Markt. Diese Schüssel sähe einer und sagte: > Freund, was birgst du darin und entziehst es dem Auge?< Und er höbe den Deckel ab, legte die Schüssel bloß, spähte hinein: und bei dem Anblicke
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UNSCHULD
Stiege ihm Behagen auf, kein Ekel, kein Abscheu, und selbst bei Gesättigten regte sich Esslust, geschweige bei Hungrigen : ebenso nun auch, Bruder, wird da ein Mönch, bei dem sich jene bösen, verderblichen Sinnes- richttmgen nicht mehr zeigen, nicht mehr äußern, und wäre er auch ein Landpilger, ein Ausgespeister, be- kleidet mit einer geschenkten Kutte, von seinen Ordens- brüdern hochgeschätzt, werthgehalten, geachtet und geehrt : und warum das ? Weil sich eben bei dem Ehr- würdigen jene bösen, verderblichen Sinnesrichtungen nicht mehr zeigen, nicht mehr äußern.«
Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Mahä- moggalläno an den ehrwürdigen Säriputto und sprach: »Ein Gleichniss, Bruder Säriputto, leuchtet mir auf.« »Es leuchte dir auf, Bruder Moggalläno.« »Einst weilte ich, Bruder, auf der Bergeshalde bei Räjagaham. Und ich erhob mich frühmorgens, nahm Mantel und Schaale und ging zur Stadt um Almosen- speise. Zu jener Zeit aber war Samiti, der Sohn eines Wagenbauers, damit beschäftigt eine Radscheibe abzu- hobeln, und Panduputto, ein Nackter Büßer, der vorher Wagner gewesen, stand dabei. Da kam nun der ehe- malige Wagner, der Nackte Büßer Panduputto auf folgende Gedanken: >0 dass doch der Wagnersohn Samiti seinem Rade diese Rille und diesen Bug imd
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diesen Knoten abhobeln möchte: dann würde das Rad, befreit von Rillen, Bügen und Knoten, aus reinem Kernholz bestehn. < Und während, Bruder, dem Nackten Büßer Panduputto, dem früheren Wagner, Gedanke um Gedanke erschien, hobelte der Wagnersohn Samiti seinem Rade Rille um Rille, Bug um Bug, Knoten um Knoten ab. Da ließ der Nackte Büßer Panduputto, der frühere Wagner, freudig bewegt den frohen Ruf er- tönen : > Wie aus dem Herzen heraus hobelt er mir! < — : Ebenso nun auch, Bruder, giebt es da Leute, die unwillig, aus Nothdurft, nicht aus Zuversicht vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen sind, Häuchler, Gleißner, Scheinheilige, aufgeblasene Windbeutel, ge- schäftige Schwätzer und Plauderer, schlechte Hüter der Sinnesthore, ohne Rückhalt beim Mahle, der Wach- samkeit abgeneigt, gleichgültig gegen das Asketenthum. lässig in der Ordenspflicht, anspruchsvoll, aufdring- lich, vor allem Gesellschaft suchend, Einsamkeit cds lästige Last fliehend, matte, schwache Herzen, ver- worrene, unklare Köpfe, unbeständige, zerstreute Geister, Beschränkte und Stumpfe : diesen hat der ehr- würdige Säriputto mit seiner Darstellung wie aus dem Herzen heraus gehobelt. Es giebt aber auch edle Söhne, die aus Zuversicht vom Hause fort in die Hauslosig- keit gezogen sind, keine Häuchler, keine Gleißner,
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UNSCHULD
keine Scheinheiligen, keine aufgeblasenen Windbeutel, kein geschäftigen Schwätzer und Plauderer, strenge Hüter der Sinnesthore, mäßig beim Mahle, der Wach- samkeit ergeben, dem Asketenthum zugethan, eifrig in der Ordenspflicht, anspruchslos, nicht aufdringlich, vor allem Einsamkeit suchend, Gesellschaft als lästige Last fliehend, muthige, starke Herzen, einsichtige, klare Köpfe, beständige, einige Geister, Weise und Witzige: diesen war des ehrwürdigen Säriputto Darstellung gleichsam Speise und Trank für Herz und Ohr. Treff- lich, fürwahr, hast du die Ordensbrüder vor dem Un- recht gewarnt und im Recht bestärkt. Gleichwie etwa, Bruder, ein Weib oder ein Mann, jung, blühend, ge- fallsam, sich den Kopf wäscht, Lilien, Gelsaminen oder Windlinge pflückt, zum Kranze bindet und damit den Scheitel schmückt : ebenso nun auch, Bruder, giebt es da edle Söhne, Asketen der Zuversicht, die du trefflich, fürwahr, vor dem Unrecht gewarnt und im Recht bestärkt hast.«
So, wahrlich, ergetzten sich jene beiden Großen an gegenseitiger trefflicher Rede.
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Erster Theil ' Sechste Rede
WUNSCH UM WÜNSCHE
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthl, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter I« antworteten da jene Mönche dem Erha- benen aufmerksam. Der Erhabene sprach also :
»Bewahret Tugend, Mönche, bewahret Reinheit: Reinheit hegend und pflegend bewahret im Handel und Wandel ; vor geringstem Fehl auf der Hut schrei- tet beharrlich weiter Schritt um Schritt.
»Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: >Wär' ich doch den Ordensbrüdern lieb und genehm, werth und gewichtig <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : > Hätt' ich nur Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit < , dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige
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WUNSCH UM WÜNSCHE
Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstre- ben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: > Denen, die mir da Kleidung, Nahrung, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit spenden, sollen diese Gaben hohes Verdienst bringen, hohe Förderung <, dann soll er nur vollkommene Tu- gend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauiing nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: >Die dahingegangenen, ver- storbenen Blutsverwandten, die meiner in Liebe ge- dachten^, sollen hohes Verdienst darum haben, hohe Förderung <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mön- che, ein Mönch: >Der Unmuthslust will ich Herr sein, mich soll ünmuth nicht beherrschen, aufgestiegenen Unmuth werd' ich siegreich überwinden <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durch- dringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: >Der Fiuxht und Angst will ich Herr sein, mich soll Angst
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und Furcht nicht beherrschen, aufgestiegene Furcht und Angst werd' ich siegreich überwinden <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistes- ruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : >Die vier Schauungen, die das Herz erquicken, schon im Leben besäligen, könnt' ich doch diese sehnend erlangen, in ihrer Fülle und Weite <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe er- kämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durch- dringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: >Jene heiligen Erlösungen, die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten, die will ich leibhaftig erfahren und finden <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein 34. Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: > Könnt' ich doch nach Vernich- tung der drei Fesseln zur Hörerschaft gelangen, dem Verderben entronnen zielbewusst der vollen Erwachung entgegeneilen <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein
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WÜNSCH CM WÜNSCHE
Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : > Möcht' ich doch nach Vernichtung der drei Fesseln, von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon geläutert, nur einmal wiederkehren, nur einmal noch zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ejide machen <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstre- ben, dvirchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : >Würd' ich doch nach Vernichtung der fünf nieder- zerrenden Fesseln emporsteigen, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückkehren nach jener Welt<, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht wider- streben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : > Geläng' es mir doch, auf manigf altige Weise Machtentfaltung zu erfeüiren : cds nur einer etwa viel- fach zu werden, und vielfach geworden wieder einer zu sein, oder sichtbar und unsichtbar zu werden ; auch durch Mauern, Wälle, Felsen hindurchzuschweben wie durch die Luft ; oder auf der Erde auf- \ind unterzutauchen wie im Wasser ; auch auf dem Wasser zu wandeln ohne unter- zusinken wie auf der Erde ; oder auch durch die Luft sitzend dahinzufcihren wie der Vogel mit seinen Fit-
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ERSTER THEIL • SECHSTE REDE • VI
tichen ; auch etwa diesen Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen, mit der Hand zu befühlen lind zu berühren, etwa gar bis zu den Brahmawelten den Köi-per in meiner Gewalt zu haben <, wünscht er sich das, ihr Mönche, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : > Wenn ich doch mit dem himmlischen Gehör, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, beide Arten der Töne hörte, die himmlischen und die irdischen, die fernen und die nahen <, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein, — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: >Wär' es mir doch gegeben, der Einderen Wesen, der anderen Personen Herz und Ge- müth zu durchschauen und zu erkennen, das begehrliche Herz als begehrlich und das begehrlose Herz als begehr- los, das gehässige Herz als gehässig und das hasslose Herz als hasslos, das irrende Herz als irrend und das irr- lose Herz als irrlos, das gesammelte Herz als gesammelt und das zerstreute Herz als zerstreut, das hochstrebende Herz als hochstrebend und das niedidg gesinnte Herz als
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WUNSCH UM WÜNSCHE
niedrig gesinnt, das edle Herz als edel und das gemeine Herz als gemein, das beruhigte Herz als beruhigt und 55 das ruhelose Herz als ruhelos, das erlöste Herz als erlöst und das gefesselte Herz als gefesselt <, wünscht er sich das, ihr Mönche, deinnsoll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruheerkämpfen, der Schauung nicht wider- streben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : > War' ich doch imstande, mich an manche verschiedene frühere Daseinsfonn zu erinnern, als wie ein ein Leben, dcinn an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann cm zehn Leben, damn an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dcinn an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann cm hundert- tausend Leben, dcinn ain die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dcmn an die Zeiten während man- cher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen - Weltenvergehungen, 'Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie ge- hörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebens- ende, dort verschieden trat ich cinderswo wieder ins Da- sein, dawar ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Fami- lie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf,
i.
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ERSTER THEIL • SECHSTE REDE • VI
solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende, da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein', war' ich doch also imstande, mich an manche verschiedene frühere Daseinsform zu erinnern, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenarti- gen Beziehungen <, wünscht er sich das, ihr Mönche, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstre- ben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : >Hätt' ich doch das himmlische Auge, das geläuterte, über menschliche Gränzen hinausreichende, die Wesen zu sehn, wie sie dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, sah' ich doch wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren, 'Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehr- tes, thun Verkehrtes, bei der Auflösung des Leibes, nach j dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt, jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rech-
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WUNSCH UM WÜNSCHE
tes, thun Rechtes, bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt', könnt* ich doch also mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen erkennen, wie sie dahin- schwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, sah' ich doch wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren <, wünscht er sich das, ihr Mönche, dann soll er nur vollkommene Tugend üben, innige Geistes- ruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewinnen, ein Freund leerer Klausen sein. — Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch : > Könnt' ich doch den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten mir offenbar machen, verwirklichen und erringen <, dann soll er nur vollkommene Tugend 55 üben, innige Geistesruhe erkämpfen, der Schauung nicht widerstreben, durchdringenden Blick gewirmen, ein Freund leerer Klausen sein.
»'Bewahret Tugend, Mönche, bewahret Reinheit: Reinheit hegend und pflegend bewahret im Handel und Wandel ; vor geringstem Fehl auf der Hut schreitet beharrlich weiter Schritt um Schritt' : wurde das gesagt, so war es darum gesagt.«
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ERSTER THEIL • SIEBENTE REDE • VII
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
Erster Theil Siebente Rede
DAS GLEICHNISS VOM KLEIDE
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthi, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche : »Ihr Mönche !« — »Er- lauchter I« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also :
»Gleichwie etwa, Mönche, wenn der Färber ein Kleid nähme, das besudelt und voller Flecken ist, und tauchte es in eine Farbenlösung, in diese oder in jene, in eine blaue oder in eine gelbe, in eine rothe oder in eine violette, da könnt' es nur schlechte, nur unreine Färbung gewinnen, und warum ? Weil das Kleid, ihr Mönche, nicht rein ist : — Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist bei besudeltem Herzen ein schlechter Ausgang zu erwarten.
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DAS GLEICHNISS VOM KLEIDE
»Gleichwie etwa, Mönche, wenn der Färber ein Kleid nähme, das sauber und rein ist, und tauchte es in eine Farbenlösung, in diese oder in jene, in eine blaue oder in eine gelbe, in eine rothe^oder in eine violette, da könnt' es nur gute, nur reine Färbung gewinnen, und warum? Weil das Kleid, ihr Mönche, rein ist: — Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist bei unbesudeltem Herzen ein guter Ausgang zu erwarten.
»Was ist nun, ihr Mönche, Trübung des Herzens? Verderbte Selbstsucht ist Trübung des Herzens, Bosheit ist Trübung des Herzens, Zorn ist Trübung des Herzens, Niedertracht ist Trübung des Herzens, Häuchelei ist Trübung des Herzens, Neid ist Trübung des Herzens, Eiferung ist Trübung des Herzens, Eigensucht ist Trü- bung des Herzens, Trug ist Trübung des Herzens, Tücke ist Trübung des Herzens, Starrsinn ist Trübung des Herzens, Ungestüm ist Trübung des Herzens, Dünkel ist Trübung des Herzens, Übermuth ist Trübung des Herzens, Lässigkeit ist Trübung des Herzens, Leicht- sinn ist Trübung des Herzens.
»Ein Mönch nun, ihr Mönche, der eingesehn hat. dass verderbte Selbstsucht Trübung des Herzens sei, der verleugnet die verderbte Selbstsucht, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Bosheit Trübung des Herzens sei. der verleugnet die Bosheit, die Trübung des
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ERSTER THEIL • SIEBENTE REDE • VII
Herzens; der eingesehn hat, dass Zorn Trübung des Herzens sei, der verleugnet den Zorn, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Niedertracht Ti-übung des Herzens sei, der »verleugnet die Niedertracht, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Häuchelei Trübung des Herzens sei, der verleugnet die Häuchelei, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Neid Trübung des Herzens sei, der verleugnet den Neid, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Eiferung Trübung des Herzens sei, der verleugnet die Eiferung, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Eigen- sucht Trübung des Herzens sei, der verleugnet die Eigen- sucht, die Trübung des Herzens; der eingesehn hat, dass Trug Trübung des Herzens sei, der verleugnet den Trug, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Tücke Trübung des Herzens sei, der verleugnet die Tücke, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Starrsinn Trübung des Herzens sei, der verleugnet den Starrsinn, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Un- gestüm Trübung des Herzens sei, der verleugnet den Ungestüm, die Trübung des Herzens; der eingesehn hat, dass Dünkel Trübung des Herzens sei, der verleugnet den Dünkel, die Trübung des Herzens ; der eingesehen hat, dass Übermuth Trübung des Herzens sei, der verleugnet den Übermuth, die Trübung des Herzens ; der einge-
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DAS GLETCHNISS VOM KLEIDE
sehn hat, dass Lässigkeit Trübung des Herzens sei, der verleugnet die Lässigkeit, die Trübung des Herzens ; der eingesehn hat, dass Leichtsinn Trübung des Herzens sei, der verleugnet den Leichtsinn, die Trübung des Herzens.
»Hat nun, ihr Mönche, ein Mönch die verderbte Selbstsucht als Trübung des Herzens erkannt und ver- leugnet, die Bosheit als Trübung des Herzens erkannt und verleugnet, den Zorn als Trübung des Herzens er- kannt und verleugnet, die Niedertracht als Trübung des Herzens erkannt und verleugnet, die Häuchelei als Trü- bung des Herzens erkannt und verleugnet, den Neid als Trübung des Herzens erkcinnt und verleugnet, die Eiferung als Trübung des Herzens erkannt und ver- leugnet, die Eigensucht als Trübung des Herzens erkannt und verleugnet, den Trug als Trübung des Herzens er- kannt und verleugnet, die Tücke als Trübung des Her- zens erkannt und verleugnet, den Starrsinn als Trübung des Herzens erkannt und verleugnet, den Ungestüm als Trübung des Herzens erkannt und verleugnet, den Dünkel alsTrübung des Herzens erkannt und verleugnet, den Übermuth als Trübung des Herzens erkannt und verleugnet, die Lässigkeit als Trübung des Herzens er- kannt und verleugnet, den Leichtsinn als Trübung des Herzens erkannt und verleugnet ; so ist seine Liebe zum
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ERSTER THEIL • SIEBENTE REDE • VII
Erwachten erprobt, derart zwar : > Das ist der Erhabene, Heilige, vollkommen Eirwachte, der Wissens- und Wan- delsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene <; ist seine Liebe zur Wahrheit erprobt: >Wohl kundge- than ist vom Erhabenen die Wahrheit, die ersichtliche, zeitlose, anregende, einladende, den Verständigen von selbst verständlich <; ist seine Liebe zu den Jüngern erprobt: >Wohl vertraut ist beim Erhabenen die Jüngerschaar, ehrlich vertraut ist beim Ei-habenen die Jüngerschaar, recht vertraut ist beim Erhabenen die Jüngerschaar, geziemend vertraut ist beim Rr- habenen die Jüngerschaar, und zwar vier Paare der Menschen, nach acht Arten von Menschen: das ist des Erhabenen Jüngerschaar, die Opfer und Spende, Gabe und Gruß verdient, heiligste Stätte der Welt ist<. Die Rücksicht aber hat er abgethan, abgelegt, abgelöst, verleugnet, verworfen.
»'Meine Liebe zum Erwachten ist erprobt': also gewinnt er Verständniss des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wahrheitwonne. Diese Wonne besäligt ihn. Des Besäl igten Körper wird still. Der Körpergestillte fühlt Heiterkeit. Des Heiteren Herz wird einig.
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DAS GLEICHNISS VOM KLEIDE
»'Meine Liebe zur Wahrheit ist erprobt': also ge- winnt er Verständniss des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wzihrheitwonne. Diese Wonne besäligt ihn. Des Besäligten Körper \vird still. Der Körpergestillte fühlt Heiterkeit. Des Heiteren Herz wird einig.
»'Meine Liebe zu den Jüngern ist erprobt': also ge- 38 winnt er Verständniss des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wahrheitwonne. Diese Wonne besäligt ihn. Des Besäligten Körper wird still. Der Körpergestillte fühlt Heiterkeit. Des Heiteren Herz wird einig.
»'Und die Rücksicht, die hab' ich abgethan, abgelegt, abgelöst, verleugnet, verworfen': also gewinnt er Ver- ständniss des Sinnes, Verständniss der Weihrheit, Ver- ständnis sreife Wahrheitwonne. Diese Wonne besäligt ihn. Des Besäligten Körper wird still. Der Körper- gestillte fühlt Heiterkeit. Des Heiteren Herz wird einig.
»Ein Mönch nun, ihr Mönche, dem solche Tugend, solche Wahrheit, solche Weisheit eignet, mag auch Al- mosenspeise genießen, die aus gesichtetem Reis schmack- haft tmd würzig bereitet ist, und es schadet ihm nicht. Gleichwie etwa, Mönche, ein Kleid, das besudelt und voller Flecken ist, in klarem Wasser gewaschen sauber
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ERSTER THEIL • SIEBENTE REDE • VII
und rein wird, oder im Schmelztiegel gesottenes Gold gediegen und lauter wird : ebenso nun auch, ihr Mön- che, mag ein Mönch, dem solche Tugend, solche Wahrheit, solche Weisheit eignet, auch Almosen- speise genießen, die aus gesichtetem Reis schmack- haft und würzig bereitet ist, und es schadet ihm nicht.
»Liebevollen Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Ge- müthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
»Eo-barmenden Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, damn nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten : überall in allem sich wiedererken- nend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
»Freudevollen Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten : überall in allem sich wiedererkennend
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DAS GLEICHNISS VOM KLEIDE
durchstrahlt er die ganze Welt mit freudevollem Ge- müthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
»Unbewegten Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben vmd nach unten : überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit unbewegtem Ge- müthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem,
»'So ist es', versteht er, 'Gemeines ist da und Edles ist da, und es giebt eine Freiheit, höher als diese sinn- liche Wahrnehmung'. Und in solchem Schauen, in solchem Anblicke wird sein Herz erlöst vom Wun- scheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nicht- wissenswahn. >Im Erlösten ist die Erlösung<, diese Erkenntniss geht auf. > Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt< versteht er da. Den nennt man, ihr Mön- 59 che, einen Mönch, gebadet im inneren Bade.«
Zu jener Zeit aber hatte der Brähmane Sundariko Bhäradväjo in der Nähe des Erhabenen Platz genommen. Da wandte sich nun der Brähmcme Sundariko Bhärad- väjo an den Erhabenen und sprach:
»Geht wohl Herr Gotamo in die Bähukä baden?«
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ERSTER THEIL • SIEBENTE REDE • VH
»Was ist's mit der Bähukä, Brähmane, was soll die Bähukä?«
»Läuterung glaubt man, o Gotamo, wirke die Bä- hukä, Heilung glaubt man, o Gotamo, wirke die Bähukä, in den Wellen der Bähukä wasche man seine Schuld ab.«
Da wandte sich nun der Erhabene an den Bräh- manen Sundariko Bhäradväj o und sagte in Sprüchen :
»Die Bähukä, die Adhikä,
Die Gayä, selbst die Sundari,
Sarasvati, Payägos Strom
Und Bähumatis rasche Fluth
Spült nimmer weg gewirkte Schuld,
Und wusch' auch einer ewig sich.
»Was frommte da wohl die Sundari,
Des Payägos Woge, die Bähukä?
Den argen, verruchten Frevelmann
Wäscht die Welle nicht rein von der Sündenthat.
»Dem Reinen lächelt steter Mai, Dem Reinen steter Feiertag, Dem Reinen, der nur Reines wirkt, Ist allezeit der Wunsch gewährt.
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DAS GLEICHNISS VOM KLEIDE
»So bade nur hier dich, Geistlicher: Alles Lebendige lass' dir behütet sein.
»Hast abgesagt dem Lügenwort, Verletzest keine Wesenheit Und nimmst nichts üngeschenktes du, Der Selbstverleugnung standhaft treu. Was willst du dann zur Gayä gehn? Nur Wasser gilt die Gayä dir.«
Nach diesen Worten sprach der Brähmane Sunda- riko Bhäradväjo zum Erhabenen also:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob man Umgestürztes auf- stellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finstemiss brächte : > Wer Augen hat wird die Dinge sehn < : ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre von vielen Seiten beleuchtet. Und so nehm' ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: möge mir Herr Gotamo Aufnahme gewähren, die Ordensweihe ertheilen!«
Es wurde der Brähmane Sundariko Bhäradväjo vom Erhabenen aufgenommen, wurde mit der Ordensweihe belehnt.
Nicht lange aber war der ehrwürdige Bhäradväjo in ¥>
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ERSTER THEIL • ACHTE REDE • VIII
den Orden aufgenommen, da hatte er, einsam, abge- sondert, unermüdlich, in heißem, innigem Ernste gar bald was edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Asketen- thums noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, ver- wirklicht und errungen. > Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt< verstand er da. Auch einer war nun der ehrwürdige Bhäradväjo der Heiligen geworden.
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Erster Theil Achte Rede
LEDIGUNG
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthi, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Als nun der ehrwürdige Mahäcundo gegen Abend die Gedehkensruhe beendet hatte, begab er sich zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Mahäcundo zum Erhabenen also :
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LEDIGUNG
vVon den vielen verschiedenen Lehren, o Herr, die da in der Welt auftauchen und sich bald mit der Be- trachtung des Selbst, bald mit der Betrachtung der Welt befassen, braucht ein Mönch wohl nur den Anfang, o Herr, zu kennen, um sie zu verwerfen, um sie zu verleugnen ?«
»Von den vielen verschiedenen Lehren, Cundo, die da in der Welt auftauchen und sich bald mit der Be- trachtung des Selbst, bald mit der Betrachtung der Welt befassen, gilt überall wo sie auftauchen, aufsteigen, auf- treten das wahrheitgemäße, vollkommen weise Urtheil : >Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst < : so werden sie verworfen, so werden sie verleugnet.
»Es mag schon sein, Cundo, dass da ein Mönch, gau* fem von Begierden, fem von unheilsamen Dingen, die sinnend gedenkende ruhegeborene sälige Heiterkeit, die Weihe der ersten Schauung erwirkt habe und nun denke: >Ledigung wirk' ich.< Doch das wird, Cundo, im Orden des Heiligen nicht Ledigung geucmnt, sicht- bares Wohl wird das im Orden des Heiligen genannt.
»Es mag schon sein, Cundo, dass da ein Mönch nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige
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ERSTER THEIL • ACHTE REDE • VIII
Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schautmg erwirkt habe und nun denke: >Ledigung wirk' ich. < Doch das wird, Cundo, im Orden des Heiligen nicht Ledigung genannt, sichtbares Wohl wird das im Orden des Heiligen genannt.
»Es mag schon sein, Cundo, dass da ein Mönch in heiterer Ruhe verweile, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, und ein Glück im Körper empfände, von dem die Heiligen sagen: > Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt < ; so habe er die Weihe der dritten Schauung erwirkt und denke nun: > Ledigung wirk' ich. < Doch das wird, Cundo, im Orden des Heiligen nicht Ledigung genannt, sichtbares Wohl wird das im Orden des Heili- gen genannt.
»Es mag schon sein, Cundo, dass da ein Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen voll- kommen reinen vierten Schauung erwirkt habe und nun denke: > Ledigung wirk' ich. < Doch das wird, Cundo, im Orden des Heiligen nicht Ledigung genannt, sicht- bcires Wohl wird das im Orden des Heiligen genannt.
»Es mag schon sein, Cundo, dass da ein Mönch nach völliger Überwindung der Formwahrnehmungen, Ver- nichtung der Gegenwahmehmungen, Verwerfung der
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LEDIGUNG
Vielheit-Wahrnehmungen in dem Gedanken >Gränzen- los ist der Raum< das Reich des unbegränzten Raumes gewonnen habe vmd nun denke : > Ledigung wirk' ich. < Doch das wird, Cundo, im Orden des Heiligen nicht Ledigung genannt, sälige Ruhe wird das im Orden des Heiligen genannt.
»Es mag schon sein, Cundo, dass da ein Mönch nach völüger Überwindung der unbegränzten Raumsphäre in dem Gedanken >Gränzenlos ist das BewusstseÜK das Reich des unbegränzten Bewusstseins gewonnen habe imd nun denke: > Ledigung wirk' ich.< Doch das wird, Cundo, im Orden des Heiligen nicht Ledigung genannt, sälige Ruhe wird das im Orden des Heiligen genannt.
»Es mag schon sein, Cundo, dass da ein Mönch nach völliger LJberwindung der unbegränzten Bewusstsein- sphäre in dem Gedanken > Nichts ist da< das Reich des Nichtdaseins gewonnen habe und nun denke : >Ledigving wirk' ich.< Doch das wird, Cundo, im Orden des Hei- ligen nicht Ledigung genannt, sälige Ruhe wird das im Orden des Heiligen genannt.
»Es mag schon sein, Cundo, dass da ein Mönch nach völliger Überwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung gewormen habe und nun denke: >Ledigung wirk' ich.< Doch das wird, Cundo, im Orden des Heiligen nicht Ledigung genannt,
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ERSTER THEIL • ACHTE REDE • VIII
sälige Ruhe wird das im Orden des Heiligen genannt. »Aber hier, Cundo, sollt ihr Ledigung üben: >Die anderen werden in Wuth gerathen, wir nicht <, so ist Ledigung zu üben. > Die anderen werden das Leben rau- ben, wir nicht <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden Nichtgegebenes nehmen, wir nicht <, so ist Le- digung zu üben. >Die anderen werden unkeusch leben, wir keusch <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden lügen, wir nicht <, so ist Ledigung zu üben. > Die anderen werden heimliche Rede führen, wir nicht < , so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden rohe Rede gebrauchen, wir nicht <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden Geschwätze pflegen, wu" nicht <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden selbst- süchtig sein, wir nicht <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden gehässig sein, wir nicht <, so ist Ledi- gung zu üben. >Die anderen werden falsche Erkennt- niss pflegen, wir rechte Erkenntniss<, so ist Ledigung zu üben. >Die cUideren werden falsche Gesinnung pflegen, wir rechte Gesinnung<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden falsche Rede pflegen, wir rechte Rede<, so ist Ledigung zu üben. >Die an- deren werden falschen Handel pflegen, wir rechten Handel <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden falschen Wandel pflegen, wir rechten Wandel <, so ist
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LEDIGUNG
Ledigung zu üben. > Die anderen werden falsches Mühn pflegen, wir rechtes Mühn<, so ist Ledigung zu üben. >Die jin deren werden falsche Einsicht pflegen, wir rechte Einsicht <, so ist Ledigung zu üben. > Die anderen werden fedsche Vertiefung pflegen, wir rechte Vertiefving<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden falsches Wissen pflegen, wir rechtes Wissen <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden falsche Erlösung pflegen, wir rechte Erlösung <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden sich von matter Müde beschleichen lassen, wir aber werden matte Müde verscheuchen < , so ist Ledigung zu üben. > Die anderen werden sich brüsten, wir aber werden dehmüthig bleiben <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden hin und her schwamken, wir aber werden unserer Sache gewiss sein<, so ist Le- digung zu üben. >Die anderen werden zürnen, wir aber werden nicht zürnen <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden zwieträchtig sein, wir aber werden ein- trächtig sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden häucheln, wir aber werden nicht häucheln<, so 43 ist Ledigung zu üben. >Die emderen werden neiden, wir aber werden nicht neiden <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden eifern, wir aber werden nicht eifern <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden eigennützig sein, wir aber werden nicht eigennützig
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ERSTER THEIL • ACHTE REDE • VIII
sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden listig sein, wir aber werden nicht listig sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden gleißnerisch sein, wir aber werden nicht gleißnerisch sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden stömsch sein, wir aber werden nicht störrisch sein<, so ist Ledigung zu üben. > Die anderen werden eitel sein, wir aber werden nicht eitel sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden ungestüm sein, wir aber werden sanft bleiben <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden Freunde des Schlechten sein, wir aber werden Freunde des Guten sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden sich gehn lassen, wir aber werden unermüdlich sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die cm deren werden Miss- trauen hegen, wir aber werden Vertrauen hegen <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden unverschämt sein, wir aber werden uns schämen <, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden gewissenlos sein, wir aber werden gewissenhaft sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die anderen werden unerfahren sein, wir aber werden vielerfahren sein<, so ist Ledigung zu üben. >Die an- deren werden nachgeben, wir aber werden ausharren <, so ist Ledigung zu üben. >Den anderen wird sich die Einsicht trüben, uns aber wird die Einsicht klar bleiben <»' so ist Ledigung zu üben. > Die anderen werden thörichl
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LEDIGÜNG
sein, wir aber weise <, so ist Ledigxing zu üben. >Die anderen werden nur für das vor Augen Liegende Sinn haben, mit beiden Händen zugreifen, sich schwer ab- weisen lassen, wir aber werden nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn haben, nicht mit beiden Händen zugreifen, uns leicht abweisen lassen <, so ist Ledigxing zu üben.
»Die Herzensentschließung zum Guten nenn' ich ja, Cundo, wichtig : was soll da erst von Geboten des Thuns und Redens gesagt werden! Darum also, Cundo : >Die anderen werden in Wuth gerathen, wir aber wollen nicht in Wuth gerathen < : dieser Herzensentschluss ist zu er- zeugen. >Die anderen werden übel fahren, wir aber wollen wohl fahren < : dieser Herzensentschluss ist zu erzeugen. >Die anderen werden nur für das vor Augen Liegende Sinn haben, mit beiden Händen zugreifen, sich schwer abweisen lassen, wir aber wollen nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn haben, nicht mit beiden Händen zugreifen, uns leicht abweisen lassen < : dieser Herzensentschluss ist zu erzeugen.
»Gleichwie etwa, Cundo, wenn da ein ungangbarer Weg wäre und ein gangbarer Weg führte um ihn herum ; oder gleichwie etwa, Cundo, wenn da eine un- gangbare Fürth wäre und eine gangbare Fürth führte vmi sie hemm : ebenso nun auch, Ctmdo, kann wer zur
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ERSTER THEIL • ACHTE REDE • VIII
Heftigkeit neigt auf dem Pfade der Milde herumkom- men, wer zur Übelfahrt neigt auf dem Pfade der Wohl- fahrt herumkommen, wer niederen Sinn hegt, mit beiden Händen zugreift, sich schwer abweisen lässt, auf dem Pfade des höheren Sinnes, des Anstandes und 'der Gelassenheit herumkommen.
»Gleichwie da, Cundo, jedwedes Schlechte wieder zu niederer Wesenheit führt, jedwedes Gute wieder zu höherer Wesenheit führt: ebenso nun auch, Cundo, kann wer zur Heftigkeit neigt durch Milde höhere Wesenheit gewinnen, wer zur Übelfahrt neigt durch Wohlfahrt höhere Wesenheit gewinnen, wer niederen Sinn hegt, mit beiden Händen zugreift, sich schwer abweisen lässt, 45 durch höheren Sinn, Anstand und Gelassenheit höhere Wesenheit gewinnen.
»Dass aber, Cundo, einer, der selber sumpfversun- ken ist, einen anderen Sumpfversunkenen herausziehn kann, ein solcher Fall findet sich nicht. Dass aber, Cundo, einer, der selber nicht sumpfversunken ist, einen anderen Sumpfversunkenen herausziehn kann, ein solcher Fall findet sich. Und dass, Cundo, einer, der selber nicht bezwungen, nicht verneint, nicht wahn- erloschen ist, einen einderen zur Bezwingung, zur Ver- neinung, zvu* Wahnerlöschung bringen kann, ein solchei Fall findet sich nicht. Und dass, Cundo, einer, der sei"
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LEDIGUNG
her bezwungen, verneint, wahnerloschen ist, einen an- deren zur Bezwingung, zur Verneinung, zur Waiiner- löschung bringen kcirm, ein solcher Fall findet sich :
»Ebenso nun auch, Cundo, kann der Heftige durch Milde zur Wahnerlöschung gelamgen, kann der Blut- dürstige durch Überwindung des Blutdurstes zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Diebische durch Überwindung des Diebstahls zur Wahnerlöschung ge- langen, kann der Unkeusche durch Keuschheit zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Lügner durch Überwindung der Lüge zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Tückische durch Überwindung der Tücke zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Rohe durch Über- windvmg der Roheit z\ir W^ahnerlöschung gelangen, kann der Geschwätzige durch Überwindung der Schwatzhaftigkeit zur Wahnerlöschung gelamgen, kann der Selbstsüchtige durch Überwindimg der Selbstsucht zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Gehässige durch Überwindvmg des Hasses zur Wahnerlöschung gelangen, kann der falsch Erkennende durch rechte Erkenntniss zxir Wahnerlöschung gelangen, kann der falsch Gesonnene durch rechte Gesinnung zur Wahner- löschvmg gelangen, kann der falsch Redende durch rechte Rede zur W^ahnerlöschung gelangen, kann der falsch Handelnde durch rechten Handel zur W^ahnerlöschung
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ERSTER THEIL • ACHTE REDE • VIII
gelangen, kann der falsch Wandeln de durch rechtenWan- del zur Wahnerlöschung gelangen, kann der falsch sich Mühende durch rechtes Mühn zur Wahnerlöschung gelangen, kann der falsch sich Bedenkende durch rech- tes Bedenken zur Wahnerlöschung gelangen, kann der falsch sich Vertiefende durch rechte Vertiefung zur Wahnerlöschung gelangen, kann der falsch Wissende durch rechtes Wissen zur Wahnerlöschung gelangen, kann der falsch Erlöste durch rechte Erlösung zur Wahnerlöschung gelangen, kann der von matter Müde Gefesselte durch Überwindung der matten Müde zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Stolze durch Dehmuth zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Schwankende durch Festigkeit zur Wahnerlöschung gelamgen, kann der Zornige durch Zornlosigkeit zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Zwieträchtige durch Eintracht zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Häuchler durch Offenheit zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Neidige durch Neidlosigkeit zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Eifernde durch Begehrlosigkeit zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Eigennützige durch Eigenentsagung zur Wahner- löschung gelangen, kann der Listige durch Geradheit zur Wahnerlöschung gelangen, kann derGleißner durch Ehrlichkeit zur Wahnerlöschung gelangen, kann der
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Störrische durch Willigkeit zur Wahnerlöschung gelan- gen, kann der Eitle durch Schlichtheit zur Wahnerlö- schung gelangen, kann der Ungestüme durch Lindheit zur Walinerlöschung gelangen, kann der Übelgeneigte durch Wohlgeneigtheit zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Laue durch ünermüdlichkeit zur Wahn- erlöschvmg gelangen, kann der Misstrauische durch Vertrauen zur Weüinerlöschung gelangen, kemn der Unverschämte durch Schaam zur Wahnerlöschung ge- langen, kann der Gewissenlose durch Gewissenhaftigkeit zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Unerfcihrene durch Erfahrung zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Nachgiebige durch Beharrlichkeit zur Wahner- löschung gelangen, kann der Einsichtgetrübte durch Klärimg der Einsicht zur Wahnerlöschung gelangen, kann der Thor duixh Weisheit zur Wahnerlöschvmg gelangen, kann wer niederen Sinn hegt, mit beiden Händen zugreift, sich schwer abweisen lässt, durch höheren Sinn, Anstand und Gelassenheit zur Wahn- erlöschung gelangen.
»Und so habe ich, Gundo, die Art der Ledigung ge- zeigt, die Art der Herzensentschließung gezeigt, die Art des Herumkommens gezeigt, die Art höherer Wesenheit gezeigt, die Art der Wahnerlöschung gezeigt. Was ein Meister, Cundo, den Jüngern aus Liebe und Theilnahme,
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ERSTER THEIL • NEUNTE REDE • IX
von Mitleid bewogen, schuldet, das habt ihr von mir empfangen. Da laden, Cundo, Bäume ein, und dort leere Klausen. Wirket Schauung, Cundo, auf dass ihr nicht lässig werdet, später nicht Reue empfindet: das haltet als unser Gebot.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Mahäcundo über das Wort des Erhabenen.
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Erster Theil Neunte Rede
DIE RECHTE ERKENNTNISS
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthi, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Dort nun wandte sich der ehrwürdige Säriputto an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Bruder I« antworteten da jene Mönche dem ehrwürdigen Säriputto aufmerksam. Der ehrwür- dige Säriputto sprach also :
»'Die rechte Erkenntniss, die rechte Elrkenntniss', so sagt man, ihr Brüder. Inwiefern nun aber, ihr Brüder,
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DIE RECHTE ERKENNTNISS
hat ein heiliger Jünger die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an?«
»Selbst von weit her, o Bruder, würden wir zum ehr- würdigen Säriputto kommen, um Aufklärung hierüber zu erhalten ; wohl war' es gut, wenn eben der ehrwürdige Säriputto diesen Gegenstand erläutern möchte: die Worte des ehrwürdigen Säriputto werden die Mönche bewahren.«
»So höret denn, Brüder, und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, Bruder!« antworteten da jene Mönche dem ehrwürdigen Säriputto aufmerksam. Der ehrwürdige Säriputto sprach cJso:
»Wenn, ihr Brüder, der heilige Jünger das Böse er- kennt und die W^urzel des Bösen erkennt, das Gute erkeimt und die W^urzel des Guten erkennt, hat er in- 47 sofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Er- kenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das Böse, was ist die Wurzel des Bösen, was ist das Gute, was ist die W^urzel des Guten ? Tödten, ihr Brüder, ist das Böse, stehlen ist das Böse, den Wünschen fröhnen ist das Böse, Lüge ist das Böse, Verleumdung ist das Böse, barsche Rede ist das Böse, geschwätzige Rede ist
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das Böse, Gier ist das Böse, Wuth ist das Böse, falsche Erkenntniss ist das Böse. Das nennt man, Brüder, das Böse. Und was, Brüder, ist die Wurzel des Bösen ? Sucht ist die Wurzel des Bösen, Hass ist die Wurzel des Bösen, Irre ist die Wurzel des Bösen. Das nennt man, Brüder, die Wurzel des Bösen. Und was, Brüder, ist das Gute? Überwindung des Tödtens ist das Gute, Überwindung des Stehlens ist das Gute, Überwindung der Wünsche ist das Gute, Überwindung der Lüge ist das Gute, Überwindung der Verleiimdung ist das Gute, Über- windung barscher Rede ist das Gute, Überwindung geschwätziger Rede ist das Gute, Gierlosigkeit ist das Gute, Wuthlosigkeit ist das Gute, rechte Erkenntniss ist das Gute. Das nennt man, Brüder, das Gute. Und was, Brüder, ist die Wurzel des Guten? Suchtlosigkeit ist die Wurzel des Guten, Hasslosigkeit ist die Wurzel des Guten, Irrlosigkeit ist die Wurzel des Guten. Das nennt man, Brüder, die Wurzel des Guten.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also das Böse, also die Wurzel des Bösen, also das Gute, also die Wurzel des Guten, und er hat die Regung des WoUens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nicht- wissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr
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DIE RECHTE ERKENNTNISS
Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkenn t- niss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.«
»Wohl, Bruder!« sagten da jene Mönche, erfreut und befriedigt durch des ehrwürdigen Säriputto Rede, und stellten nun eine fernere Frage : »Giebt es vielleicht, o Bruder, noch eine andere Art, wie der heilige Jünger ^e rechte Erkenntniss besitzt, seine Erkenntniss ehr- lich, seine Liebe zur Lehre erprobt ist, er dieser edlen Lehre angehört?«
»Freilich, Brüder. Wenn, ihr Brüder, der heilige Jünger die Nahrung erkennt und der Nahrung Ent- wicklung, der Nahrung Auflösvmg erkennt und den zu der Nahrung Auflösung führenden Pfad, hat er inso- fern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Er- kenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre *an. Was ist nun, Brüder, 43 die Nahrung, was ist der Nahrung Entwicklung, was ist der Nahrung Auflösung, was ist der zu der Nahrung Auflösung führende Pfad? Vier Arten der Nahrung, ihr Brüder, sind für die Wesen vorhanden, den ent- standenen zur Erhaltung, den entstehenden zur Ent- wicklung 7; welche vier? Körperbildende Nahrung, grob oder fein, zweitens Berührung, drittens geistiges Innewerden, viertens Bewusstsein. Die Entwicklung
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des Durstes bedingt die Entwicklung der Nahrung, die Auflösung des Durstes bedingt die Auflösiing der Ncih- rung. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zu der Nahrung Auflösung führende Pfad, nämlich: rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Ein- sicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also die Nahrung, also die Entwicklung der Nahrung, also die Auflösung der Nahrung, also den zur Auflösung der Nahrung führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nicht- wissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkennt- niss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.«
»Wohl, Bruder I« sagten da jene Mönche, erfreut und befriedigt durch des ehrwürdigen Säriputto Rede, und stellten nun eine fernere Frage: »Giebt es vielleicht, o Bruder, noch eine andere Art, wie der heilige Jün- ger die rechte Erkenntniss besitzt, seine Erkenntniss ehrlich, seine Liebe zur Lehre erprobt ist, er dieser edlen Lehre angehört?«
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DIE RECHTE ERKENNTNISS
»Freilich, Brüder. Wenn, ihr Brüder, der heilige Jünger das Leiden erkennt und die Leidensentwicklung, die Leidensauflösung erkennt und den zur Leidensauf- lösung führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkermtniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das Leiden, was ist die Leidensentwicklung, was ist die Leidensauflösung, was ist der zur Leidensauflösung führende Pfad? Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden, Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung sind Leiden, was man begehrt nicht er- langen, das ist Leiden, kurz gesagt: die fünf Stücke des Anhangens sind Leiden. Das nennt man, Brüder, Leiden. Was ist aber, Brüder, die Leidensentwicklung? Es ist dieser Durst, der Wiederdasein säende, gnügens- gierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende, ist der Geschlechtsdurst, der Daseinsdurst, der Wohlseins- 49 durst. Das nennt man, Brüder, Leidensentwicklvmg. Was ist aber, Brüder, die Leidensauflösvmg ? Es ist eben- dieses Durstes vollkommen restlose Auflösung, ihn ab- stoßen, austreiben, fällen, vertilgen. Das nennt man, Brüder, Leidensauflösung. Was ist aber, Brüder, der zur Leidensauflösimg führende Pfad? Dieser heilige achtfältige Weg ist es, der zur Leidensauflösung füh-
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rende Pfad, nämlich : rechte Erkenntniss, rechte Gesin- nung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also das Leiden, also die Entwicklung des Leidens, also die Auflösung des Leidens, also den zur Auflösung des Leidens führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nicht- wissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkennt- niss, ist seine Ej-kenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.«
»Wohl, Bruder !<? sagten da jene Mönche, erfreut und befriedigt durch des ehrwürdigen Säriputto Rede, und stellten nun eine fernere Frage : » Giebt es vielleicht, o Bruder, noch eine andere Art, wie der heilige Jünger die rechte Erkenntniss besitzt, seine Erkenntniss ehrlich, seine Liebe zur Lehre erprobt ist, er dieser edlen Lehre angehört?«
»Freilich, Brüder. Wenn, ihr Brüder, der heilige Jünger das Altern und Sterben erkennt und die Ent- wicklung des Alterns und Sterbens, die Auflösung des Alterns und Sterbens erkennt und den zur Auflösung
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DIE RECHTE ERKENNTNISS
des Alterns und Sterbens führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenn tniss, ist seine Erkenn tniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das Altem und Sterben, was ist die Entwicklung des Alterns und Sterbens, was ist die Auflösung des Alterns und Sterbens, was ist der zur Auflösung des Alterns und Sterbens füh- rende Pfad? Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender Gattung altem und abnutzen, gebrechlich, grau und nin- zelig werden, der Kräfte verfall, das Abreifen der Sinne, das nennt man, Brüder, Altem. Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender Gattung Hinschwund, Auflösung, Zersetzung, Untergang, Todessterben, Zeiterfüllung, das Zerfallen der Theile, das Verwesen der Leiche, das nennt man, Brüder, Sterben. Und so ist dies das Altem und dies das Sterben. Das nennt man, Brüder, Altem und Sterben. Die Entwicklung der Geburt bedingt die Ent- wicklung des Alterns und Sterbens, die Auflösung der Geburt bedingt die Auflösung des Alterns und Sterbens. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auf- lösung des Alterns und Sterbens führende Pfad, näm- lich : rechte Erkenn tniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung,
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heUige Jünger also
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das Altem und Sterben, also die Entwicklung des Alterns und Sterbens, also die Auflösung des Alterns und Ster- bens, also den zur Auflösung des Alterns und Sterbens führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkenntniss, ist seine Er- kenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. 50 »Weiter sodann, ihr Brüder: wenn der heilige Jünger die Geburt erkennt und die Entwicklung der Geburt, die Auflösung der Geburt erkennt und den zur Auflösung der Geburt führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, die Geburt, was ist die Entwicklung der Geburt, was ist die Auf- lösung der Geburt, was ist der zur Auflösung der Ge- burt führende Pfad? Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender Gattung Geburt, Gebärung, Bildung, Kei- mung, Empfängniss, das Erscheinen der Theile, das Ergreifen der Gebiete, das nennt man, Brüder, Geburt. Die Entwicklung des Werdens bedingt die Entwicklung
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DIE RECHTE ERKENNTNISS
der Geburt, die Aviflösvmg des Werdens bedingt die Auflösung der Geburt. Das aber ist der heilige acht- fältige Weg, der zur Auflösung der Geburt führende Pfad, nämlich : rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also die Geburt, also die Entwicklung der Geburt, also die Auflösung der Geburt, also den zur Auflösvmg der Ge- burt führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung desScheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkenntniss, ist seine Er- kenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.
»Weiter sodaim, ihr Brüder: wenn der heilige Jünger das Werden erkennt und die Entwicklung des Werdens, die Auflösxing des Werdens erkennt und den zur Auf- lösung des W^erdens führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkennt- niss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das Werden, was ist die Entwicklung des Werdens, was
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ist die Auflösung des Werdens, was ist der zur Auflösung des Werdens führende Pfad? Drei Arten des Werdens, ihr Brüder, giebt es : geschlechtliches Werden, formhaftes Werden, formloses Werden. Die Entwicklung des An- hangens bedingt die Entwicklung des Werdens, die Auflösung des Anhangens bedingt die Auflösung des Werdens. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auflösung des Werdens führende Pfad, nämlich : rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Ein- sicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also das Werden, also die Entwicklung des Werdens, also die Auflösung des Werdens, also den zur Auflösung des Werdens führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens ver- scheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nicht- wissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.
»Weiter sodann, ihr Brüder: wenn der heilige Jünger das Anhangen erkennt und die Entwicklung des Anhangens, die Auflösung des Anhangens erkennt imd
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DIE RECHTE ERKENNTNISvS
den zur Auflösung des Anhangens führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre er- probt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das Anhangen, was ist die Elntwicklung des Anhangens, was ist die Auflösung des Anhangens, was ist der zur Auflösung des Anhangens führende Pfad ? Vier Arten des Anhangens, ihr Biüder, giebt es : den Hang zur Lust, den Hang zur Ansicht, den Hang zu Tugend- 51 werk, den Hang zur Selbstbehauptung. Die Entwick- lung des Durstes bedingt die Entwicklvmg des Anhangens, die Auflösvmg des Durstes bedingt die Auflösung des An- hangens. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auflösung des Anhangens führende Pfad, nämlich : rechte Eurkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rech- tes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also das Anhangen, also die Entwicklung des Anhangens, also die Auflösung des Anhangens, also den zur Aiiflösung des Anhangens führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nicht- wissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr
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Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkennt- niss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.
»Weiter sodann, ihr Brüder : wenn der heilige Jünger den Durst erkennt und die Entwicklung des Durstes, die Auflösung des Durstes erkennt und den zur Auf- lösung des Dvirstes führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, der Durst, was ist die Entwicklung des Durstes, was ist die Auf- lösung des Durstes, was ist der zur Auflösung des Durstes führende Pfad? Sechs Arten des Durstes, ihr Brüder, giebt es : Durst nach Formen, Durst nach Tönen, Durst nach Düften, Durst nach Säften, Durst nach Tastungen, Durst nach Gedanken. Die Entwicklung des Gefühls bedingt die Entwicklung des Durstes, die Auflösung des Gefühls bedingt die Auflösung des Durstes. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auflösung des Durstes führende Pfad, nämlich: rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rech- tes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also den Durst, also die Entwicklung des Durstes, also die
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Auflösung des Durstes, also den zur Auflösung des Durstes führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nicht- wissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkennt- niss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Hl »Weiter sodann, ihr Brüder : wenn der heilige Jün- '" ger das Gefühl erkennt und die Entwicklung des Ge- fühls, die Auflösung des Gefühls erkennt und den zur Auflösung des Gefühls führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das Ge- fühl, was ist die Entwicklung des Gefühls, was ist die Auflösung des Gefühls, was ist der zur Auflösung des Gefühls führende Pfad ? Sechs Arten des Gefühls, ihr Brüder, giebt es : durch Sehberühning entstandenes Ge- fühl, durch Hörberührung entstandenes Gefühl, durch Riechberührung entstandenes Gefühl, durch Schmeck- berühnmg entstandenes Gefühl, durch Tastberühnmg entstandenes Gefühl, durch Denkberühning entstan- denes Gefühl. Die Entwicklung der Berührung bedingt
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die Entwicklung des Gefühls, die Auflösung der Be- rührung bedingt die Auflösung des Gefühls. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auflösung des Gefühls führende Pfad, nämlich : rechte Ei-kenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rech- tes Wcindeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung. 52 »Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also das Gefühl, also die Entwicklung des Gefühls, also die Auflösung des Gefühls, also den zur Auflösung des Ge- fühls führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nicht- wissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkennt- niss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.
»Weiter sodann, ihr Brüder: wenn der heilige Jünger die Berührung erkennt und die Entwicklung der Berührtmg, die Auflösung der Berührung erkennt und den zur Auflösung der Berührung führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist n\ui,
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Brüder, die Berührung, was ist die Entwicklung der Berührung, was ist die Auflösung der Berührung, was ist der zur Auflösung der Berührung führende Pfad ? Sechs Arten der Berührung, ihr Brüder, giebt es : Seilberührung, Hürberührung, Riechberührung, Schmeckberührung, Tastberührung, Denkberührung. Die Entwicklung des sechsfachen Reiches bedingt die Entwicklung der Berührung, die Auflösung des sechs- fachen Reiches bedingt die Auflösung der Berührung. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auf- lösung der Berührung führende f*fad, nämlich: rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Ein- sicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also die Berührung, also die Entwicklung der Berührung, also die Auflösung der Berührung, also den zur Auflösung der Berührung führenden Pfad, und er hat die Regung des WüUens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens ver- scheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.
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»Weiter sodann, ihr Brüder : wenn der heilige Jün- ger das sechsfache Reich erkennt und die Entwicklung des sechsfachen Reiches, die Auflösung des sechsfachen Reiches erkennt und den zur Auflösung des sechsfachen Reiches führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das sechsfache Reich, was ist die Entwicklung des sechsfachen Reiches, was ist die Auflösung des sechsfachen Reiches, was ist der zur Auflösung des sechsfachen Reiches führende Pfad ? Sechs Bereiche, ihr Brüder, giebt es : Gesichtbereich, Gehörbereich, Geruchbereich, Geschmackbereich, Ge- tastbereich, Gedenkbereich. Die Entwicklung von Bild und Begriff bedingt die Entwicklung des sechsfachen Reiches, die Auflösung von Bild und Begriff bedingt die Auflösung des sechsfachen Reiches. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auflösung des sechs- fachen Reiches führende Pfad, nämlich : rechte Erkennt- niss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also das sechsfache Reich, also die Entwicklung des sechs- fachen Reiches, also die Auflösung des sechsfachen
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DIE RECHTE ERKENNTNISS
Reiches, also den zur Auflösung des sechsfachen Reiches 53 führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heüiger Jünger die rechte Erkeruitniss, ist seine Er- kenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.
»Weiter sodann, ihr Brüder: wenn der heilige Jünger Bild und Begriff erkennt und die Entwicklung von Bild und Begriff, die Auflösung von Bild und Be- griff erkennt und den zur Auflösung von Bild und Begriff führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nxm, Brüder, Bild imd Begriff, was ist die Entwicklung von Bild und Begriff, wcis ist die Auf- lösung von Bild und Begriff, was ist der zur Auflösung von Bild imd Begi-iff führende Pfad ? Gefühl, W^ahmeh- mung. Denken, Berührung, Aufmerksamkeit, das nennt man, Brüder, Begriff. Die vier Hauptstoffe und was durch die vier Hauptstoffe gebildet besteht, das nennt man, Brüder, Bild. Und so ist dies das Bild und dies der Be- griff. Das nennt man, Brüder, Bild tmd Begriff. Die Ent-
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Wicklung des Bewusstseins bedingt die Entwicklung von Bild und Begriff, die Auflösung des Bewusstseins bedingt die Auflösung von Bild und Begriff. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auflösung von Bild und Begriff führende Pfad, nämlich : rechte Ei-kennt- niss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also Bild und Begriff, also die Entwicklung von Bild und Begriff, also die Auflösung von Bild und Begriff, also den zur Auflösung von Bild und ßegiüff führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das Wis- sen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem liCben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein hei- liger Jünger die rechte Erkenntniss, ist seine Erkennt- niss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre ei-probt, gehört er dieser edlen Lehre an.
»Weiter sodann, ihr Brüder: wenn der heilige Jün- ger das Bewusstsein erkennt und die Entwicklung des Bewusstseins, die Auflösung des Bewusstseins erkennt und den zur Auflösung des Bewusstseins führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Erkenntniss, ist
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seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zxir Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das Bewusstsein, was ist die Entwicklung des Bewusstseins, was ist die Auflösung des Bewusstseins, was ist der zur Auflösung des Bewusstseins führende Pfad? Sechs Arten des Bewusstseins, ihr Brüder, giebt es : Sehbewusstsein, Hörbewusstsein, Riechbewusstsern, Schmeckbewusstsein, Tastbewusstsein, Denkbewusst- sein. Die Entwicklung der Unterscheidung bedingt die Entwicklung des Bewusstseins, die Auflösung der Un- terscheidung bedingt die Auflösung des Bewusstseins. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zu Auflö- sung des Bewusstseins führende Pfad, nämlich : rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Ein- sicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also das Bewusstsein, eJso die Entwicklung des Bewusstseins, also die Auflösung des Bewusstseins, cdso den zur Auf- lösung des Bewusstseins führenden Pfad, und er hat die 5* Regung des WoUens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das Weissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die
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rechte Erkenntniss, ist seine Ei-kenntniss eine ehr- liche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.
»Weiter sodann, ihr Brüder : wenn der heilige Jün- ger die Unterscheidung erkennt und die Entwicklung der Unterscheidung, die Auflösung der Unterscheidung erkennt und den zur Auflösting der Unterscheidung füh- renden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Er- kenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, die Unterscheidung, was ist die Ent- wicklung der Unterscheidung, was ist die Auflösung der Unterscheidung, was ist der zur Auflösung der Unter- scheidung führende Pfad? Drei Arten der Unterschei- dung, ihr Brüder, giebt es: körperliche Unterscheidung, sprachliche Unterscheidung, geistige Unterscheidung. Die Entwicklung des Nichtwissens bedingt die Ent- wicklung der Unterscheidung, die Auflösung des Nicht- wissens bedingt die Auflösung der Unterscheidung. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auf- lösung der Unterscheidung führende Pfad, nämlich: rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also
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die Unterscheidtmg, also die Entwicklung der Unter- scheidtmg, also die Auflösung der Unterscheidung, also den zur Auflösung der Unterscheidung führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heili- ger Jünger die rechte Erkenntniss, ist seine Eikenntniss eine ehrliche, seine Liebe zmt Lehre erprobt» gehört er dieser edlen Lehre an.
»Weiter sodann, ihr Brüder: wenn der heilige Jünger das Nichtwissen erkennt und die Entwicklung des Nichtwissens, die Auflösung des Nichtwissens erkennt und den zur Auflösung des Nichtwissens führen- den Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Er- kenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, das Nichtwissen, was ist die Entwicklung des NichtNNässens, was ist die Auflösung des Nichtwissens, was ist der zur Auflösung des Nicht- wissens führende Pfad? Das Leiden, ihr Brüder, nicht kennen, die Leidensentwicklung nicht kennen, die Leidensaioflösung nicht kennen, den zur Leidensauf- lösung führenden Pfad nicht kennen, das nennt man,
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Brüder, Nichtwissen. Die Entwicklung des Wahns be- dingt die Entwicklung des Nichtwissens, die Auflösung des Wahns bedingt die Auflösung des Nichtwissens. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Auf- lösung des Nichtwissens führende Pfad, nämlich : rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Ein- sicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also das Nichtwissen, also die Entwicklung des Nichtwissens, also die Auflösung des Nichtwissens, also den zur Auf- lösung des Nichtwissens führenden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen verloren, das Wissen erworben, so macht er dem Leiden noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Erkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. 55 »Weiter sodann, ihr Brüder: wenn der heilige Jün- ger den Wahn erkennt und die Wahnentwicklung, die Wahnauflösung erkennt und den zur Wahnauflösung führenden Pfad, hat er insofern, ihr Brüder, die rechte Elrkenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine
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DIE RECHTE ERKENNTNISS
Liebe zur Lehre erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an. Was ist nun, Brüder, der Wahn, was ist die Wahn- entwicklung, was ist die Wahnauflösvmg, was ist der zur Wahnauflösung führende Pfad? Drei Arten des Wahns, ihr Brüder, giebt es: Wunscheswahn, Daseinswaüin, Nichtmssenswahn. Die Entv%-icklung des Nichtwis- sens bedingt die Entwicklung des Weihns, die Auf- lösung des Nichtwissens bedingt die Auflösung des Wahns. Das aber ist der heilige achtfältige Weg, der zur Wahnauflösung führende Pfad, nämlich: rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes W^andeln, rechtes Mühn, rechte Ein- sicht, rechte Einigung.
»Erkennt nun, ihr Brüder, der heilige Jünger also den Wahn, also die Wahnentwicklung, also die W^ahnauflösung, also den zxir Wahnauflösung füh- renden Pfad, und er hat die Regung des Wollens völlig verleugnet, die Regung des Scheuens verscheucht, die Regung der Ichheit vertilgt, das Nichtwissen ver- loren, das Wissen erworben, so macht er dem Lei- den noch in diesem Leben ein Ende. Insofern, ihr Brüder, hat da ein heiliger Jünger die rechte Er- kenntniss, ist seine Erkenntniss eine ehrliche, seine Liebe zur Lelire erprobt, gehört er dieser edlen Lehre an.<(
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ERSTER THEIL • ZEHNTE REDE • X
Also sprach der ehrwürdige Säriputto. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des ehr- würdigen Säriputto,
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Erster Theil Zehnte Rede
DIE PFEILER DER EINSICHT
Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Kurü-Lcinde, bei einer Stadt der Kurüner Namens Kammäsadammam. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche : »Ihr Mönche 1« — »Erlauchter I« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Der gerade Weg, ihr Mönche, der zur Läuterung 56 der Wesen, zur Überwältigung des Schmerzes und^ Jammers, zur Zerstörung des Leidens und der Trübsal, < zur Gewinnung des Rechten, zur Verwirklichung der Erlöschung führt, das sind die vier Pfeiler der Einsicht. Welche vier? Da wacht, ihr Mönche, ein Mönch beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes,
ÄIE PFEILER DER EINSICHT
einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmems; wacht bei den Gefühlen über die Ge- fühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmems; wacht beim Gemüthe über das Gemüth, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmems; wacht bei den Erschei- nungen über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Be- gehrens und Bekümmems.
»Wie aber, ihr Mönche, wacht ein Mönch beim Körper über den Körper? Da begiebt sich, ihr Mönche, der Mönch ins Innere des WcJdes oder unter einen großen Bavun oder in eine leere Klause, setzt sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade auf- gerichtet, und pflegt der Einsicht, Bedächtig athmet er ein, bedächtig athmet er aus. Athmet er tief ein, so weiß er >Ich athme tief ein<, athmet er tief aus, so weiß er > Ich athme tief aus < ; athmet er kurz ein, so weiß er >Ich athme kurz ein<, athmet er kurz aus, so weiß er >Ich athme kurz aus<. >Den ganzen Köi-per empfindend will ich einathmen<, >Den ganzen Körper empfindend will ich ausathmen < , so übt er sich. > Diese Körperverbindung besänftigend will ich einathmen<, > Diese Körperverbin- dung besänftigend will ich ausathmen <, so übt er sich.
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ERSTER THEIL • ZEHNTE REDE • X
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein geschickter Drechs- ler oder Drechslergeselle tief anziehend weiß >Ich ziehe tief an<, kurz anziehend weiß >Ich ziehe kurz an<: ebenso nun auch, ihr Mönche, weiß der Mönch tief einathmend >Ich athme tief ein <, tief ausathmend >Ich athme tief aus <; kurz einathmend > Ich athme kurz ein <, kurz ausathmend >Ich athme kurz aus<; übt er sich >Den ganzen Körper empfindend will ich einathmen<, >Den ganzen Körper empfindend will ich ausathmen<; übt er sich > Diese Köi-perverbindung besänftigend will ich einathmen <, > Diese Körperverbindung besänftigend will ich ausathmen<.
»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet wie der Körper entsteht und vergeht. >Der Körper ist da<: diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Körper über den Körper.
»Weiter sodann, ihr Mönche : der Mönch weiß wenn er geht >Ich gehe<, weiß wenn er steht >Ich stehe <,
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DIE PFEILER DER EINSICHT
weiß wenn er sitzt >Ich sitze <, weiß wenn er liegt >Ich 57 liege <, er weiß wenn sich sein Körper in dieser oder jener Stellung befindet, dass es diese oder jene Stel- lung ist.
»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet wie der Körper entsteht und vergeht. >Der Körper ist da< : diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt ; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Körper über den Körper.
»Weiter sodann, ihr Mönche : der Mönch ist klar bewusst beim Kommen und Gehn, klar bewusst beim Hinblicken und W^egblicken, klar bewusst beim Neigen und Erheben, klar bewusst beim Tragen des Gewandes imi der Almosenschaale des Ordens, klar bewusst beim Essen und Trinken, Kauen und Schmecken, klau- be- wusst beim Entleeren von Koth und Hani, klar bewusst beim Gehn und Stehn und Sitzen, beim Einschlafen und Erwachen, beim Sprechen und Schweigen.
las
ERSTER THEIL . ZEHNTE REDE • X
»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der Körper ent- steht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet wie der Körper entsteht und vergeht. >Der Köi-per ist da<: diese Einsicht ist ihm. nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt ; und un- eingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Körper über den Körper.
»Weiter sodann, ihr Mönche : der Mönch betrachtet sich diesen Körper da von der Sohle bis zum Scheitel, den hautüberzogenen, den unterschiedliches Unreine ausfüllt: > Dieser Körper trägt einen Schopf, ist be- haart, hat Nägel und Zähne, Haut und Fleisch, Sehnen und Knochen und Knochenmark, Nieren, Herz und Leber, Zwerchfell, Milz, Lungen, Magen ^, Eingeweide, Weichtheile und Koth, hat Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Lymphe, Thränen, Serum, Speichel, Rotz, Ge- lenköl, Urin. <
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Sack, an beiden Enden zugebunden, mit verschiedenem Korne gefüllt wäre, als wie etwa mit Reis, mit Bohnen, mit Sesam, und ein scharfsehender Mann bände ihn auf und
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DIE PFEILER DER EINSICHT
untersuchte den InhaJt : >Das ist Reis, das sind Bohnen, das ist Sesam < : ebenso nun auch, ihr Mönche, betrachtet sich der Mönch diesen Körper da von der Sohle bis zum Scheitel, den hautüberzogenen, den unterschiedliches Unreine ausfüllt.
»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen wacht er beim Körper über den Körper. £r beobachtet wie der Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet wie der Körper entsteht und vergeht. >Der Kölner ist da< : diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt ; und uneingepflcinzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehcingen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Körper über den Körper.
»Weiter sodann, ihr Mönche : der Mönch schaut sich diesen Körper da wie er geht und steht als Artung an : > Dieser Körper ist von Erdenart, von Wasserart, von Feuerart, von Luftart. <
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein geschickter Metz- 58 ger oder Metzgergeselle eine Kuh schlachtet, auf den Markt bringt, Stück vor Stück zerlegt und sich dann hinsetzen mag: ebenso nun auch, ihr Mönche, schaut sich der Mönch diesen Körper da wie er geht und steht
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ERSTER THEIL • ZEHNTE REDE . X
als Artung an: > Dieser Körper ist von Erdenart, von Wasserart, von Feuerart, von Luftart. <
»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht er nach außen beim Köi-per über den Körper, nach innen und außen wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der Körper entsteht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet wie der Körper entsteht und vergeht. >Der Körper ist da<: diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt ; und uneinge- pflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er an- gehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Körper über den Körper.
»Weiter sodann, ihr Mönche : als hätte der Mönch einen Leib auf der Leichenstätte liegen sehn, einen Tag nach dem Tode oder zwei oder drei Tage nach dem Tode, aufgedunsen, blauschwarz gefäi-bt, in Fäulniss übergegangen, zieht er den Schluss auf sich selbst; >Und auch dieser Körper ist so beschaffen, wird da$ werden, kann dem nicht entgehn. < Weiter sodann, ihr Mönche : als hätte der Mönch einen Leib auf der Lei- chenstätte liegen sehn, von Krähen oder Raben oder Geiern zerfressen, von Hunden oder Schackalen zer- fleischt, oder von vielerlei Würmern zernagt, zieht er den Schluss auf sich selbst: >Und auch dieser Körper
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DIE PFEILER DER EINSICHT
ist SO beschaffen, wird das werden, kann dem nicht entgehn. < Weiter sodann, ihr Mönche : als hätte der Mönch einen Leib auf der Leichenstätte liegen sehn, ein Knochen gerippe, fleischbehangen, blutbesudelt, von den Sehnen zusammengehalten; ein Knochengerippe, fleischentblößt, blutbefleckt, von den Sehnen zusam- mengehalten ; ein Rnochengerippe, ohne Fleisch, ohne Blut, von den Sehnen zusammengehalten ; die Gebeine, ohne die Sehnen, hierher und dorthin verstreut, da ein Handknochen, dort ein Fußknochen, da ein Schien- bein, dort ein Schenkel, da das Becken, dort Wirbel, da der Schädel ; als hätte er das gesehn, zieht er den Schluss auf sich selbst : > Und auch dieser Körper ist so beschaffen, wird das werden, kamn dem nicht entgehn. < Weiter sodann, ihr Mönche : als hätte der Mönch einen Leib auf der Leichenstätte liegen sehn, Gebeine, blank, muschelfarbig ; Gebeine, zuhauf geschichtet, nach Ver- lauf eines Jahres; Gebeine, verwest, in Staub zerfallen; als hätte er das gesehn, zieht er den Schluss auf sich selbst : > Und auch dieser Körper ist so beschaffen, wird 59 das werden, kann dem. nicht entgehn. <
»So wacht er nach innen beim Körper über den Körper, so wacht er nach außen beim Körper über den Körper, nach innen und außen wacht er beim Körper über den Körper. Er beobachtet wie der Körper ent- 9 MSI 129
ERSTER THEIL ■ ZEHNTE REDE • X
Steht, beobachtet wie der Körper vergeht, beobachtet wie der Körper entsteht und vergeht. >Der Körper ist da< : diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt ; und uneingepflcinzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim Körper über den Körper.
»Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Gefühlen über das Gefühl? Da weiß, ihr Mönche, der Mönch wenn er ein Wohlgefühl empfindet >Ich em- pfinde ein Wohlgefühl <, weiß wenn er ein Wehge- fühl empfindet >Ich empfinde ein Wehgefühl <, weiß wenn er kein Wohl- und kein Wehgefühl empfindet >Ich empfinde kein Wohl- und kein Wehgefühl <. Er weiß wenn er ein weltliches Wohlgefühl empfindet >Ich empfinde ein weltliches Wohlgefühl <, und weiß wenn er ein überweltliches Wohlgefühl empfindet > Ich empfinde ein überwfeltliches Wohlgefühl <, weiß wenn er ein weltliches Wehgefühl empfindet >Ich empfinde ein weltliches Wehgefühl <, und weiß wenn er ein überweltliches Wehgefühl empfindet >Ich empfinde ein überweltliches Wehgefühl <, weiß wenn er ein weltliches Gefühl ohne Wohl und Weh empfindet >Ich empfinde ein weltliches Gefühl ohne Wohl und Weh<,
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DIE PFEILER DER EINSICHT
und weiß wenn er ein überweltliches Gefühl ohne Wohl und AYeh empfindet >Ich empfinde ein über- weltliches Gefühl ohne Wohl und Weh<.
»So wacht er nach innen bei den Gefühlen über das Gefühl, so wacht er nach außen bei den Gefühlen über das Gefühl, nach innen und außen wacht er bei den Gefühlen über das Gefühl. Er beobachtet wie die Ge- fühle entstehn, beobachtet wie die Gefühle vergehn, be- obachtet wie die Gefühle entstehn und vergehn. >Das
, Gefühl ist da< : diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt ;
' und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der
' Mönch bei den Gefühlen über das Gefühl.
I »Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch beim
1 Gemüthe über das Gemüth ? Da kennt, ihr Mönche, der
i Mönch das begehrliche Gemüth als begehrlich und das
begehrlose Gemüth als begehrlos, das gehässige Gemüth
als gehässig und das hasslose Gemüth als hasslos, das
irrende Gemüth cils irrend und das irrlose Gemüth als
ij irrlos, das gesammelte Gemüth aJs gesammelt und das
zerstreute Gemüth als zerstreut, das hochstrebende Ge-
imüth als hochstrebend und das niedrig gesinnte Gemüth
|als niedrig gesinnt, das edle Gemüth als edel und das
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ERSTER THEIL . ZEHNTE REDE ■ X
gemeine Gemüth als gemein, das beruhigte Gemütli als beruhigt und das ruhelose Gemüth als ruhelos, das erlöste Gemüth kennt er als erlöst und das gefesselte Gemüth als gefesselt.
»So wacht er nach innen beim Gemüthe über das Gemüth, so wacht er nach außen beim Gemüthe über das Gemüth, nach innen und außen wacht er beim Gemüthe über das Gemüth. Er beobachtet wie das Ge- 60 müth entsteht, beobachtet wie das Gemüth vergeht, beobachtet wie das Gemüth entsteht und vergeht. >Das Gemüth ist da< : diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt ; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der
Mönch beim Gemüthe über das Gemüth.
i
»Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über die Erscheinungen ? Da wacht, ihr Mönche, der Mönch bei den Erscheinungen über das Erscheinenderfünf Hemmungen. Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Er- scheinen der fünf Hemmungen ? Da merkt, ihr Mönche, der Mönch wenn Wunscheswille in ihm ist >In mir isl Wunscheswille<, merkt wenn kein Wunscheswille ir ihm ist >ln mir ist kein Wunscheswille <. Er merkt e;
DIE PFEILER DER EINSICHT
wenn Wunscheswille sich eben erst entwickelt, merkt es wenn der deutlich gewordene Wunscheswille auf- gehoben wird, und merkt es wenn der aufgehobene Wunscheswülle künftig nicht mehr erscheint. Elr merkt wenn Hassensgroll in ihm ist >In mir ist Hassensgroll < , merkt wenn kein Hassensgroll in ihm ist >In mir ist kein Hassensgroll <. Er merkt es wenn Hassensgroll sich eben erst entwickelt, merkt es wenn der deutlich ge- wordene Hassensgroll aufgehoben wird, und merkt es wenn der aufgehobene Hassensgroll künftig nicht mehr erscheint. Er merkt wenn matte Müde in ihm ist > In mir ist matte Müde<, merkt wenn keine matte Müde in ihm ist >ln mir ist keine matte Müde<. Er merkt es wenn matte Müde sich eben erst entwickelt, merkt \ es wenn die deutlich gewordene matte Müde aufgehoben wird, und merkt es wenn die aufgehobene matte Müde künftig nicht mehr erscheint. Er merkt wenn stolzer Unmuth in ihm ist >In mir ist stolzer ünmuth<, merkt iwenn kein stolzer Unmuth in ihm ist >In mir ist kein stolzer Unmuth <. Er merkt es wenn stolzer Unmuth sich eben erst entwickelt, merkt es wenn der deutlich (gewordene stolze Unmuth aufgehoben wird, vmd merkt \ei wenn der aufgehobene stolze Unmuth künftig nicht imehr erscheint. Er merkt wenn Schwanken in ihm ist |>In mir ist Schwanken <, merkt wenn kein Schwanken
ERSTER THEIL • ZEHNTE REDE • X
in ihm ist >In mir ist kein Schwanken <. Er merkt es wenn Schwanken sich eben erst entwickelt, merkt es wenn das deutlich gewordene Schwcinken aufgehoben wird, und merkt es wenn das aufgehobene Schwanken künftig nicht mehr erscheint.
»So wacht er nach innen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei den Erscheinungen über die Erscheinungen. Er beobachtet wie die Erscheinungen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen vergehn, be- obachtet wie die Erscheinungen entstehn und vergehn. >Die Erscheinungen sind da< : diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Erscheinen der fünf Hemmungen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, wacht der Mönch bei 61 den Erscheinungen über das Erscheinen der fünf Stücke des Anhangens. Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Erscheinen der fünf Stücke des Anhangens ? Da sagt sich, ihr Mönche, der Mönch: >So ist die Form, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so ist das Gefühl, so entsteht es, so löst es sich
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DIE PFEILER DER EINSICHT
auf; SO ist die Wahrnehmung, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so sind die Unterscheidungen, so entstehn sie, so lösen sie sich auf; so ist das Bewusstsein, so ent- steht es, so löst es sich auf. <
»So \Yacht er nach innen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei den Elrscheinungen über die Erscheinungen. Er beobachtet wie die Elrscheinungen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen vergehn, beobachtet wie die Erscheinungen entstehn und ver- gehn. >Die Erscheinungen sind da< : diese Einsicht ist ihm nvin gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt ver- harrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Elr- scheinungen über das Erscheinen der fünf Stücke des Anhangens.
»Weiter sodann, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Ej-scheinungen über das Erscheinen der sechs Innen- und Außenreiche. Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Ej-scheinungen über das Erscheinen der sechs Innen- und Außenreiche? Da kennt, ihr I Mönche, der Mönch das Auge und kennt die Formen, und die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt, auch
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ERSTER THEir. • ZEHNTE REDE • X
diese kennt er. Er kennt es wenn die Verbindung eben erst erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Verbindung auf- gehoben wird, und kennt es wenn die aufgehobene Ver- bindung künftig nicht mehr erscheint. Er kennt das Ohr und kennt die Töne, und die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt, auch diese kennt er. Er kennt es wenn die Verbindung eben erst erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Verbindung aufgehoben wird, und kennt es wenn die aufgehobene Verbindung künftig nicht mehr erscheint. Er kennt die Nase und kennt die Düfte, und die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt, auch diese kennt er. Er kennt es wenn die Verbindung eben erst erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Verbindung aufge- hoben wird, und kennt es wenn die aufgehobene Ver- bindung künftig nicht mehr erscheint. Er kennt die Zunge und kennt die Säfte, und die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt, auch diese kennt er. Er kennt es wenn die Verbindung eben erst erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Vei'bindung aufgehoben wird, und kennt es wenn die aufgehobene Verbindung künftig nicht mehr erscheint. Er kennt den Leib und kennt die Tastungen, und die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt, auch diese kennt er. Er kennt es wenn die Ver- bindung eben erst erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Verbindung aufgehoben wird, und kennt es wenn die
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DIE PFEILER DER EINSICHT
aufgehobene Verbindung künftig nicht mehr erscheint. Er kennt das Denken und kennt die Dinge, und die Verbindung, die sich aus beiden ergiebt, auch diese kennt er. Er kennt es wenn die Verbindung eben erst erfolgt, kennt es wenn die erfolgte Verbindung auf- gehoben wird, und kennt es wenn die aufgehobene Verbindung künftig nicht mehr erscheint.
»So wacht er nach innen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei den Erscheinungen über die Erscheinungen. Er beobachtet wie die Erscheinimgen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen vergehn, beobachtet wie die Erscheinungen entstehn und ver- gehn. >Die Erscheinungen sind da< : diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und imeingepflanzt ver- harrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erschei- nungen über das Erscheinen der sechs Innen- und Außenreiche.
»Weiter sodann, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Erscheinen der sieben Er- weckungen. Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Erscheinen der sieben Er-
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ERSTER THEIL • ZEHNTE REDE • X
weckungen? Da gewahrt, ihr Mönche, der Mönch wenn Einsicht in ihm munter wird > In mir wird Einsicht mun- ter <, und gewahrt wenn Einsicht in ihm nicht munter 62 wird >In mir wird Einsicht nicht munter < ; er gewahrt es wenn Einsicht eben erst munter wii-d, und gewahrt es wenn die munter gewordene Einsicht völlig aufgeht. Er gewahrt wenn Tiefsinn in ihm munter wird > In mir wird Tief sinn munter <, und gewahrt wenn Tiefsinn in ihm nicht munter wird >In mir wird Tiefsinn nicht munter <; er gewahrt es wenn Tiefsinn eben erst munter wird, und gewahrt es wenn der munter gewordene Tief- sinn völlig aufgeht. Er gewahrt wenn Kraft in ihm mun- ter wir d > In mir wird Kraft munter < , und gewahrt wenn Kraft in ihm nicht munter wird > In mir wird Kraft nicht munter <; er gewahrt es wenn Kraft eben erst munter wird, und gewahrt es wenn die munter gewordene Kraft völlig aufgeht. Er gewahrt wenn Heiterkeit in ihm mun- ter wird >In mir wird Heiterkeit munter <, und gewahrt wenn Heiterkeit in ihm nicht munter wird >In mir wird Heiterkeit nicht munter < ; er gewahrt es wenn Heiterkeit eben erst munter wird, und gewahrt es wenn die munter gewordene Heiterkeit völlig aufgeht. Er gewahrt wenn Lindheit in ihm munter wird >In mir wird Lindheit munter <, und gewahrt wenn Lindheit in ihm nicht munter wird >Tn mir wird Lindheit nicht niunter< ; er
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DIE PFEILER DER EINSICHT
gewahrt es wenn Lindheit eben erst munter wird, und gewaJirt es wenn die munter gewordene Lindheit völlig aufgeht. Ex gewahrt wenn Innigkeit in ihm munter wird >In mir wird Innigkeit munter <, und gewahrt wenn In- nigkeit in ihm nicht munter wird > In mir wird Innigkeit nicht munter < ; er gewahrt es wenn Innigkeit eben erst mimter wird, und gewahrt es wenn die munter gewor- dene Innigkeit völlig aufgeht. Er gewahrt wenn Gleich- muth in ihm munter wird >In mir wird Gleichmuth munter <, und gewahrt wenn Gleichmuth in ihm nicht munter w^ird >In mir wird Gleichmuth nicht munter < ; er gewahrt es wenn Gleichmuth eben erst munter wird, und gewahrt es wenn der munter gewordene Gleich- muth völlig aufgeht.
»So wacht er nach innen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei den Erscheinungen über die Ejrschei- nungen. Er beobachtet wie die Erscheinungen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen vergehn, beobachtet wie die Erscheinungen entstehn und vergehn. >Die Erscheinungen sind da< : diese Einsicht ist ihm ntm gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt ; und uneingepflanzt verharrt er, imd nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr
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ERSTER THEII. • ZEHNTE REDE • X
Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Erscheinen der sieben Erweckungen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Erscheinen der vier heiligen Wahrheiten. Wie aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Ei-scheinen der vier hei- ligen Wahrheiten ? Da versteht, ihr Mönche, der Mönch der Wahrheit gemäß >Das ist das Leiden <, versteht der Wahrheit gemäß >Das ist die Leidensentwicklung <, ver- steht der Wahrheit gemäß >Das ist die Leidensauf- lösung <, versteht der Wahrheit gemäß >Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad<.
»So wacht er nach innen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, so wacht er nach außen bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, nach innen und außen wacht er bei den Erscheinungen über die Ei- scheinungen. Er beobachtet wie die Erscheinungen entstehn, beobachtet wie die Erscheinungen vergehn, be- obachtet wie die Erscheinungen entstehn und vergehn. >Die Erscheinungen sind da<: diese Einsicht ist ihm nun gegenwärtig, soweit sie eben zum Wissen taugt, zur Besinnung taugt; und uneingepflanzt verharrt er, und nirgend in der Welt ist er angehangen. So aber, ihr Mönche, wacht der Mönch bei den Erscheinungen über das Erscheinen der vier heiligen Wahrheiten.
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DIE PFEILER DER EINSICHT
»Wer auch immer, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Einsicht sieben Jahre also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen : Gewissheit bei Lebzeiten oder, ist ein Rest Hangen da, Nicht- wiederkehr. Sei es, ihr Mönche, um die sieben Jahre : wer auch immer, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der G3 Einsicht sechs Jahre, fünf Jahre, vier Jahre, drei Jahre, zwei Jahre, ein Jahr also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen: Gewissheit bei Lebzeiten oder, ist ein Rest Hangen da, Nichtwieder- kehr. Sei es, ihr Mönche, um das eine Jahr: wer da, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Einsicht sieben Monate also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen : Gewissheit bei Lebzeiten oder, ist ein Rest Hangen da. Xichtwiederkehr. Sei es, ihr Mönche, um die sieben Monate : wer auch inamer, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Einsicht sechs Monate, fünf Mo- nate, vier Monate, drei Monate, zwei Monate, einen Monat, einen halben Monat also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen : Gewissheit bei Lebzeiten oder, ist ein Rest Hangen da, Nicht- wiederkehr. Sei es, ihr Mönche, tun den halben Monat: wer auch immer, ihr Mönche, diese vier Pfeiler der Einsicht sieben Tage also behaupten kann, dem mag eins von beiden zur Reife gedeihen: Ge-
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ERSTER THEIL • ZEHNTE REDE ■ X
wissheit bei Lebzeiten oder, ist ein Rest Hangen da, Nichtwiederkehr.
»'Der gerade Weg, ihr Mönche, der zur Läuterung der Wesen, zur Überwältigung des Schmerzes und Jammers, zur Zerstörung des Leidens und der Trüb- sal, zur Gewinnung des Rechten, zur Verwirklichung der Erlöschung führt, das sind die vier Pfeiler der Ein- sicht': wurde das gesagt, so war es darum gesagt.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
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ZWEITER THEIL
BUCH
DES
LOWENRUFS
u
Zweiter Theil Erste Rede
DER LÖWENRUF
D
as hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sävatthi, im Siegerwalde, im Garten Anäthapindikos. Dort nun wandte sich
der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Er- lauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabe- nen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»'Hier endlich, Mönche, findet man den Asketen, fin- det man den zweiten Asketen, den dritten Asketen und den vierten Asketen, ohne Verlangen nach Zcuik und Streit mit anderen Asketen' : diesen ächtesten Löwen- 6* ruf, Mönche, lasset erschallen. Aber es könnte wohl sein, ihr Mönche, dass da andersfährtige Pilger also sprächen : > Mit welchem Fug und Recht, ihr Ehrwürdigen, spre- chet ihr cJso : 'Hier endlich findet man den Asketen, fin- det man den zweiten Asketen, den dritten Asketen und den vierten Asketen, ohne Verlangen nach Zank und Streit mit anderen Asketen' ?< Auf solche Rede anders- fährtiger PUger, ihr Mönche, wäre dies die Antwort : >Es
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ZWEITER THEIL • ERSTE REDE • XI
hat uns, Brüder, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte vier Dinge erklärt, die wir nun innig verstehn, und darum sprechen wir also. Welche vier Dinge ? Wir lieben, o Brüder, den Meister, wir lieben die Lehre, wir erfüllen die Regel des Ordens, und Rechtschaffene sind uns werth und genehm, so- wohl weltliche als geistliche. Das, ihr Brüder, sind die vier Dinge, die uns der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte erklärt hat und die wir nun innig verstehn, und dai-um sprechen wir also : 'Hier endlich findet man den Asketen, findet man den zweiten Asketen, den dritten Asketen und den