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LIBRARY

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Geschichtsquellen

der

PROVINZ SACHSEN

und

angrenzender Gebiete.

Herausgegeben

?on der

Historischen Commission der Provinz Sachsen.

ACHTUNDDREISSIGSTER BaND.

Die Wüstungen im Nordthüringgau.

Von

Professor Dr. Gustav Hertel.

HALLE,

Druck und Verlag von Otto Hendel. 1899.

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Die Wüstungen

im

Nordthüringgau.

(In den Kreisen Magdeburg, Wolmirstedt,

Neuhaldensleben, Gardelegen, Oschersleben, Wanzleben,

Oalbe und der Grafschaft Mühlingen.)

Herausgegeben

von der

Historischen Commission der Provinz Sachsen.

Bearbeitet

DOCUMENTS DEPARTMENT

UBRARY

CAIIFORNIA

Professor Dr. GUSTAV

Oberlehrer zu Magdeburg.'

UBRAf üf>IVEH5ITY OP

HüJKlTJiJL, '""

Mit einer WUstungskftrte.

HALLE,

Druck und Verlag von Otto Hendel. 1899.

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So22HS

Vorwort.

Die vorliegende Arbeit hat eine lange Verzögerung erfahren. Schon in der Sitzung der Historischen Kommission in Mühlhausen am 21. u. 22. April 1883 wurde dem damaligen Archivsekretär Dr. Geisheim der Auftrag erteilt, ein Wüstungsverzeichnis einzelner Gaue der Provin* aufzustellen. Als erster dieser Gaue wurde der Nordthüringgau in Aussicht genommen. Trotzdem Dr. Geisheim fortwährend an seiner Aufgabe arbeitete, schritt die Arbeit doch nicht vorwärts, und deshalb wurde in einem am 17. Oktober 1888 zwischen ihm und der Historischen Kommission (Oberbürgermeister Dr. Brecht) geschlossenen Vertrage der damalige Archivassistent Dr. Max Krühne in Magdeburg als Mitarbeiter an dem Wüstungsverzeichnis bestimmt. Obgleich dieser nun rüstig an die Arbeit ging und sie bald allein übernahm, da ein Zusammen- wirken von zwei Personen an einer solchen Aufgabe wenig erfolgreich und wenig zuträglich sich erwies, so wurde die Herstellung des Manuskripts doch wieder durch die Versetzung des Dr. Krühne nach Schleswig verzögert, weil eine Benutzung der reichen archivalischen Quellen nur im Staatsarchiv zu Magdeburg möglich war. Da aber Dr. Krühne bald wieder nach Magdeburg zurückkehrte, so konnte er von neuem die Arbeit aufnehmen. Obgleich er nun mit grossem Fleiss sich derselben widmete, so ist er doch über die Sammlung von Stoff nicht hinausgekommen, weil sich jetzt bei ihm schon die Ein- wirkungen der schrecklichen Krankheit geltend machten, der er dann im Frühjahr 1892 erlegen ist. Krühnes Arbeit war trotz aller darauf verwendeten Mühe und Zeit durchaus unfertig, und wenn auch zahl- reiche Aufzeichnungen und Auszüge vorhanden waren, so mussten diese nicht nur geordnet, sondern vor allen Dingen auch nochmal nachgeprüft werden. So waren also mehr als 10 Jahre verflossen,

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VI Vorwort

ohne dass die so wichtip^e und so notwendige Arbeit wesentlich ge- fördert worden war. Da erklärte ich mich bereit, die Arbeit zu über- nehmen. Nachdem ich die von Dr. Krühne hinterlassenen Aufzeich- nungen geprüft hatte, kam ich zu dem Ergebnis, dass es am besten sei, die Arbeit durchaus von neuem zu beginnen und selbständig zu gestalten, ein Ergebnis, welches auch Herr Archivar Dr. Theuner, dem der Nachlass Krühnes zur Einsicht und Prüfung übergeben war, als das richtige erkannte und der Kommission zur Billigung empfahl. So begann ich denn im Jahre 1896 die Arbeit

Dem mit Dr. Geisheim und Dr. Krühne geschlossenen Vertrage w^ren die Grundsätze beigefügt, nach denen das Wüstungsverzeichnis angelegt werden sollte. Ich teile diese hier mit, da ich denselben gefolgt bin und man daraus ersehen kann, warum das Verzeichnis gerade die vorliegende Gestalt erhalten hat.

Grundsätze, nach denen die Wüstungs-Verzeichnisse zu bearbeiten sind.

Massgebend für die ganze Anlage ist, dass die Arbeit als litterarische Quelle dienen soll. Daher ist alles nicht aus archivalischen oder gedruckten Quellen stammende Material fernzuhalten, welches letztere seine gesonderte Be- arbeitung erhält, und überdies noch nicht gesammelt vorliegt.

1. Als Wüstungen gelten alle gänzlich eingegangenen, vormals als Wohn-

sitze dienenden Einzel- oder Gesamt- Ansiedelungen; also auch ein- gegangene einzeln belegen gewesene Burgen.

2. Die in einen Gau gehörigen Wüstungen sind nach der Buchstabenfolge

zu ordnen.

3. Gleichlautende, aber verschiedenen Orten zukommende Namen erhalten

jeder eine besondere Nummer, bezw. werden jeder in einem besonderen Absätze behandelt Vermerke über gleichnamige, aber nicht sicher aus- einander zu haltende Orte wei*den nach der Zeitfolge geordnet in einem Absätze zusammengestellt. Am Schlüsse desselben ist dann etwa zu bemerken: „Auf welchen der verschiedenen Orte des vorstehenden Namens sich die einzelnen Mitteilungen beziehen, bleibt noch fest- zustellen."

4. Der gegenwärtig im Volksmunde noch bekannte, bezw. der jüngste ur-

kundliche Name der Wüstung ist an die Spitze des betr. Abschnitts zu stellen, unter möglichst genauer Angabe der Lage des Orts, falls die- selbe feststeht. Ist dies nicht der Fall, so ist dem Namen eine ent- sprechende Bemerkung hinzuzufügen, etwa: „Lage unbekannt" Oder:

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Vorwort. TII

„Lag vermutlich bei . . . ." Dann folgen unter Voranstellung der Jahres" zahl und auch des Monatstages, wenn die urkundliche Quelle einen solchen angiebt (z. B. 1005. 3. Mai), die den Urkunden entnommenen Mitteilungen über den Ort, welche (unter sorgfaltiger Beibehaltung der gesperrt oder fett zu druckenden und darum im Manuskripte zu unter- streichenden urkundlichen Namensformen) kurz gehalten, gleichwohl aber erschöpfend sein müssen, sodass nichts unerwähnt bleibt, was irgendwie Aufschluss über die ehemalige Bedeutung, die Beziehungen, die Dauer und das Eingehen des Ortes geben kann. Namentlich ist hervorzuheben, ob der Ort als locus, urbs, civitas, castrum, villa, villula, grangia etc. bezeichnet wird, welche Geschlechter oder Institute Besitz darin hatten; ob eine ecclesia oder capella daselbst war und dergl. mehr.

Die zu einem und demselben Orte gehörigen Vermerke sind fort- laufend zu schreiben, bezw. zu drucken, jedoch von einander durch einen Gedankenstrich zu trennen, damit keine zeitliche Vermischung der Nach- richten entstehe.

5. Bei solchen Orten, welche Hauptorte eines Burgwartbezirks oder eines

Archidiakonats waren, sind die zugehörigen Orte in möglichstem An- schluss an den Wortlaut der Auskunft gebenden Urkunde anzuführen, falls eine solche zu Gebote steht

6. Hinter jeder Notiz ist die Belegstelle, in Klammer gesetzt, so kurz als

möglich, aber mit ausreichender Genauigkeit anzugeben. Häufig wieder- kehrende Quellenbezeichnungen können durch Abkürzungen, deren Auf- lösung an die Spitze des Buches zu stellen ist, angedeutet werden. Die Zahl des Bandes und der Seite ist aber auf alle Fälle zu geben.

7. Danach folgen in anderer Druckschrift die Nachweise darüber, wo und

durch wen über die Wüstung bereits etwas veröffentlicht ist

Dr. G. Brecht

Die Hauptquellen für die Arbeit waren die Urkunden und Akten des Königl. Staatsarchivs zu Magdeburg und die Litteratur. Von den archivaliscben Quellen haben die eigentlichen Urkunden weniger Stoff gegeben als die Lehnbücher der Erzbischöfe, der Dompropstei , der Halberstädter Bischöfe und die einiger Klöster. Von den Urkunden sind nicht nur die Originale, welche die in Frage kommenden Örtlich- keiten betreffen, sondern auch die vielen Kopialbücher nachgesehen. Aber gerade diese Arbeit war im höchsten Grade zeitraubend, da nach stundenlangem Suchen oft nur einige wenige Regesten gewonnen werden konnten. Viel ausgiebiger waren aber die Lehnbücher, denen die grösste Zahl der Regesten entstammt Die ältesten Lehnbücher

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VIII Vorwort.

der Erzbischöfe lagen gedruckt vor,* sodass ihre Benutzung sehr bequem war. Die Lehnbücher der Erzbischöfe Friedrich und Ernst, sowie die der Halberstädter Bischöfe mussten ausser dem ältesten Halberstädter Lehnbuch von 1311* im Original durchgesehen werden. Dagegen sind die Lehnbücher der späteren Erzbischöfe und Bischöfe nur in ganz wenigen Fällen berücksichtigt, weil sie wesentlich andere Angaben, wie die Älteren, nicht enthalten, sondern höchstens in den Namen der Belehnten abweichen. Nicht unwichtige Quellen waren das Lehnbuch des Klosters Berge, das nur durch seine undeutliche Schrift der Benutzung grosse Schwierigkeiten machte, das der Dom- propstei, die Register der Dechanei, das Barbysche Lehn buch und andere.

Neben diesen Quellen kommen dann die Akten in Betracht welche meist viel ausführlichere und interessantere Nachrichten über die Geschichte der Wüstungen enthalten, als die Urkunden und vollends als die Lehnbücher. Man vergleiche nur die interessanten Be- richte des kurfürstlichen Kommissars Franz Henning Hampe an die brandenburgische Kammer in Halle (1699), die Streitsachen zwischen Brandenburg und Anhalt über Baiberg und Jeser, die Barbyschen und Quedlinburgischen Akten, das Förderstedtische Grenzprotokoll, die Inventarien der Klöster im Magdeburgischen (1561/62); femer mehrere städtische Akten, namentlich von Calbe, das Stadtbuch von Neuhal- densleben u. s. w. War schon die Durchsicht der Urkunden sehr zeit- raubend, so war dies die Durchforschung der Akten in noch viel höherem Masse, denn ganze Stösse derselben wurden ohne irgend welches Ergebnis durchmustert, obgleich der Titel sehr verheissungs- voU klang. Darum lag in der Bewältigung der grossen Masse der durchzuforschenden Archivalien die Hauptschwierigkeit der Arbeit.

Wesentlich bequemer war die Litteratur zu benutzen. Von dieser kommen in erster Linie die Urkundenbücher in Betracht, der Codex diplom. Anhaltinus von v. Heinemann, Riedels Cod. diplom. Brandenb., dessen Lesarten allerdings oft zu wünschen lassen, Schmidt, Urkunden- buch des Hochstifts Halberstadt, die Urkunden des Bonifatiusstifts in

* Geschichtsquellen der Provinz Sachsen XVI; in der Angabe der Beleg- Btellen im Text mit G. Q. bezeichnet.

Gedr. Riedel, Cod. dipl. Brandenb. A. XVII.

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Vorwort. IX

Halberstadt, des Klosters Berge und des Klosters U. L. Fr. in Magde- burg (G.Q.YIII. IX. X), der Stadt Magdeburg (G.Q.XXVI-XXVI1I), Erath, Cod. diplom. Quedlinb.; ferner Wohlbrück, Geschichte des Ge- schlechts von Alvensleben, v. Mülverstedts Regesten der v. Kotze und Cod. diplom. Alvenslebianus, letzterer leider ohne Register, sodass die Benutzung sehr erschwert war. Verstreute Urkunden über die Wü- stungen fanden sich in v. Ledeburs Archiv, v. Ludewigs Reliquiae Manuscr., freilich mit schrecklichen Lesarten, in den Magdeburgischen Geschichtsblättern und in Behrends Neuhaldenslebischer Kreischronik. Wichtige Lehen Verzeichnisse stehen in der Zeitschrift für Niedersachsen, den Neuen Mittheilungen des Thüringisch -Sächsischen Vereins, der Harzzeitschrift, den Magdeburgischen Geschichtsblättem. Für die Ge- schichte der Wüstungen konnten zahlreiche Nachweise und treffliche Auskünfte entnommen werden der Neuhaldenslebischen Kreischronik von Behrends und dessen Arbeiten über die Wüstungen in den Alt- märkischen Jahresberichten, Winters Arbeiten über die Wüstungen zwischen Elbe, Saale, Bode und Sülze (Magdeb. Geschichtsbl. IE. IV), Danneils Kirchenvisitations- Protokollen und seiner Geschichte des Bauernstandes I (Kreis Wolmirstedt) und endlich den Magdeburgischen Regesten, letztere leider wieder ohne Register. Die kleine Festschrift des Allervereins gab allerdings keine urkundlichen Nachweise, lieferte aber auf Grund der Ortskenntnis genaue Bestimmungen über die Lage von etwa 80 Wüstungen. Alle diese Bücher ergaben zahlreiche Regesten und gute Nachweisungen, die die Arbeit wesentlich förderten. Wohl würden die städtischen und dörflichen Archive hin und wieder noch eine Ausbeute ergeben haben, aber dies würde die Arbeit wesentlich erschwert und noch auf lange Zeit hinausgeschoben haben, ohne doch im Wesentlichen neue und wichtige Gesichtspunkte zu Tage gefördert zu haben. Ich glaubte mich daher, wie es auch im Plane vorgesehen war, auf die Archivalien des Magdeburgischen Staats- archivs und einige andere leicht zugängliche Quellen (Archiv der Stadt Calbe z. B.) beschränken zu können. So konnte ich in 2 Jahren die Arbeit in der Form, wie sie jetzt vorliegt, fertig stellen. Von den Krühneschen Vorarbeiten kamen mir nur die Nachweise über einige wichtige Aktenstücke zu statten, doch mussten sie alle nochmal durch- gearbeitet werden, weil seine Auszüge nicht ohne Lücken waren.

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X Vorwort.

Es lag in der Natur der Sache, dass bei einer solchen Arbeit eine Unterstützung durch freundliche Mitteilungen und Nachweise so ziemlich ausgeschlossen war, zumal da nur wenige Gelehrte und Lieb- haber der Altertumsforschung sich gerade mit der Geschichte der Wüstungen beschäftigen und den meisten auch die Quellen dazu nicht zugänglich sind. Nur Herr Bureauvorsteher Maass I. in Altenhausen, der Vorsitzende des Allervereins, der sich genauer mit den Wüstungen seiner Heimat beschäftigt hat, hat mir nach Durchsicht der Druck- bogen mehrere schätzenswerte Mitteilungen gemacht, die namentlich die Bestimmung der Lage mehrerer Wüstungen berichtigen. Seine Berichtigungen habe ich hinter dem Register noch angeführt Ich spreche ihm hierfür meinen besten Dank aus. Auch dass die Vor- steher des Königlichen Staatsarchivs, die Herren Geheimrat v. Mülver- stedt und Dr. Ausfeld, mir mit grosser Bereitwilligkeit und Freiheit die Benutzung der vielen Archivalien erleichterten, will ich mit bereit- willigem Danke anzuerkennen nicht versäumen.

Den Regesten über die Wüstungen sind noch drei Beilagen an- gefügt, die sich nicht gut in Regesten zerlegen Hessen. Da sie sehr wesentliche Angaben über mehrere Wüstungen enthalten, so habe ich sie vollständig gegeben. Die Geschichte des Vorwerks Döben enthält auch nicht unwesentliche Nachrichten über die Geschichte der Grafen von Barby.

Das Register ist nach den Vorschriften, welche die Historische Kommission dafür aufgestellt hat, hergestellt. Die Einleitung enthält eine Zusammenstellung derjenigen Ergebnisse über die Wüstungs- forschung, welche sich aus den Regesten gewinnen lassen. Die Karte enthält ausser den bewohnten Orten die Wüstungen in roter Schrift Die Herstellung einer solchen Karte begegnet grossen Schwierigkeiten, weil man die meisten Wüstungen wohl ungefähr ihrer Lage nach be- stimmen, aber nicht genau ihre Entfernung von den einzelnen noch bewohnten Ortschaften und die Himmelsrichtung ihrer Lage karto- graphisch festlegen kann. Es gehört dazu eine sehr genaue Orts- kenntnis, welche ein Einzelner über ein so grosses Gebiet unmöglich erwerben kann, zumal nachdem in der Börde durch die Separation alle äusseren Merkmale verwischt worden sind. Ältere Karten sind nur wenige vorhanden, auf denen Wüstungen verzeichnet sind. Ich

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Vorwort. XI

nenne hier nur diejenigen, die ich in Büchern gefunden habe: eine Karte des Stifts Haiberstadt in den Visitationsprotokollen von Nebe (G. Q. XII), eine Karte des Drömlings in Walthers Singul. Magdeb. VII, desselben Karte vom Halbgericht (Singul. Magdeb. VIII), eine Karte des Klosters Althaldensleben (Singul. Magdeb. X), eine Karte der Um- gegend von Nouhaldensleben in Behrends' Neuhaldenslebischer Kreis- chronik I, eine Karte vom Kreise Wolrairstedt in Danneils Geschichte des Magdeburgischen Bauernstandes I, die aber insofern ungenau ist als die Namen der Wüstungen nur neben die der noch bestehenden Orte geschrieben sind ohne genauere Bezeichnung der Lage. Einzelne Wüstungen sind auch auf der Rappardscheu Karte der Kreise Aschers- leben, Calbe u. s. w. angegeben und diese finden sich zum Teil auch auf der Generalstabskarte. Die meisten jener älteren Karten beziehen sich also auf den Kreis Neuhaldensleben und gerade für diesen hat Herr Biireauvorsteher Maass I. ^ine Wüstungskarte entworfen, die er mir gütigst zur Benutzung überlassen hat, sodass für diesen Bereich wenigstens die Arbeit schneller gefördert werden konnte. Eine genaue Karte der Feldmarken der Grafschaft Barby befindet sich auf dem Rathause in Barby und aus dieser konnte die Lage der meisten wüsten Ortschaften bei jener Stadt ungefähr bestimmt werden. Indes würde sich doch mit diesen Hilfsmitteln eine auch nur annähernd richtige Karte der Wüstungen im Nordthüringgau nicht herstellen lassen. Dies ist allein möglich mit Hilfe des von der Historischen Kommission veranlassten Wüstungsbuches und der Messtischblätter, wodurch die Lage der meisten Wüstungen genau ermittelt werden konnte. Viele freilich lassen sich nicht örtlich nachweisen und werden wohl auch ferner im Dunkeln bleiben. Wie wichtig imd verdienstlich die Anlage jenes Wüstungsbuches ist, lernt man gerade bei Arbeiten, wie es die vorliegende ist, kennen. Es wird immer seinen bleibenden Wert behalten.

Die vorliegende Arbeit des Wüstungsverzeichnisses soll nun die Geschichte der Wüstungen und gewissermassen die Erklärung des Wüstungsbuches aus den Quellen geben. Aber auch sonst wird sie gewiss vielfach zur Erklärung mancher merkwürdigen Erscheinung der früheren Zeiten, zur Bereicherung der Kenntnis der topographischen, wirtschaftlichen und geschichtlichen Verhältnisse beitragen. Arbeiten

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XII Vorwort.

Über die Wüstungen haben immer einen gewissen Reiz aiisgefibt und sind von vielen gern entgegengenommen worden. Und so hoffe ich, dass auch die vorliegende Arbeit, die zum erstenmal in einem grösseren Gebiet die Wüstungen behandelt, eine freundliche Aufnahme finden wird.

Magdeburg, den 13. August 1899.

G. Hertel.

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Einleitung.

Es war die Aufgabe gestellt, ein Verzeichnis der Wüstungen im Nordthüringgau herzustellen. Es wäre vielleicht besser gewesen, einige Kreise, die territorial und wirtschaftlich schon lange zusammen- gehört haben, zusammenzufassen und in ihnen die Wüstungen fest- zustellen, etwa diejenigen Kreise des früheren Herzogtums Magdeburg, welche links von Saale und Elbe liegen, also Neuhaldensleben, Wol- mirstedt, Wanzleben, Magdeburg, Calbe. Da man den Nordthüringgau als Rahmen gewählt hat, so ist keiner jener Kreise ausser Magdeburg vollständig behandelt, dagegen sind noch Teile der Kreise Oschcrsleben und Gardelegen einbezogen worden. Der Begriff des Gaues ist ziemlich früh verloren gegangen, zu einer Zeit, wo die meisten der aufgefundenen Wüstungen noch bestanden, sodass die alte Gaueinteilung also mit dem Veröden der Ortschaften gar nichts zu thun hat. Da nun aber die Aufgabe einmal auf den Nordthüringgau sich bezieht, so ist es notwendig, uns den Umfang desselben klar zu machen, weil an drei Seiten desselben die Grenzen doch nicht so feststehen, dass man mit ein paar kurzen Angaben darüber hinweggehen könnte. Namentlich wird es nötig sein, genauer auf die Bestimmung der Nordgrenze ein- zugehen, um dadurch zu rechtfertigen, dass wir die Gegend nördlich der Ohre in unsere üntei-suchung hineingezogen haben.

Der Nordthüringgau ist das Gebiet links der Saale und Elbe, welches nach der Zertrümmerung des Thüringerreiches den Thüringern im Norden erhalten blieb, während südlich von ihnen die mit den Franken in diesem Kriege verbündeten Sachsen eindrangen.^ Die Grenzen dieses Gaues lassen sich finden, wenn man die in den Ur- kunden als zum Nordthüringgau gehörig bezeichneten Ortschaften auf- sucht und danach die Grenzen bestimmt* In dieser Weise ist

* Jacobs, Greschichte der in der Prov. Sachsen vereinigten Landesteile 8. 9.

* Schon Falke , Tradit Corbei. I. 44 hat die Schwierigkeit der Bestimmung der Grenzen des Gaues erkannt Er sagt: Longitudinem et latitudiiiem pagi Nordthuringi ex nulla ratione melius cognoscere possumus, quam ex villis,

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XlV Einleitimg.

Woiilbrück 1 vorgegangen und zuletzt "Winter in seiner vortrefflichen Arbeit über die Grafschaften imNordthüringgau,^ dem wir hier folgen. Es ergiebt sich dann als Stidgrenze unzweifelhaft die Bode, sodass z. B. Nienburg an der Einmündung derselben in die Saale zum Nord- thüriuggau, dagegen die Städte Stassfurt und Egeln zum Schwabengau gehören. Die Ostgrenze wird von der Saale und Elbe gebildet, sodass also der Teil des Kreises Calbe zwischen Saale und Elbe nicht zum Nordthüringgau gehört. Als Nordgrenze wird von einigen die Ohre angegeben,^ aber der Gau geht doch darüber hinaus, denn die im Jahre 937 von Otto I. dem Moritzstift geschenkten 6 Ortschaften jen- seits der Ohre muss man doch wohl zu dem Nordthüringgau rechnen.* Winter kommt daher zu der Ansicht, dass der Gau noch einen Bezirk jenseits der Ohre in sich scbloss, der sich mindestens bis Zielitz ausdehnte, wahrscheinlich aber seinen natürlichen Abschluss da fand, wo der grosse Heidezug der Neuhaldenslebener, Colbitzer, Letzlinger, Burgstaller und Griebenschen Forst einen natürlichen und zusammen- hängenden Grenzgürtel zwischen Ohre und Elbe noch heute bildet.^ Dass Winter hiermit das Richtige getroffen hat, wird sich noch aus der geologischen Beschaffenheit des Landes ergeben, von der weiter unten die Rede sein wird.

Die Westgrenze des Nordthüringgaus, an der sich ein natürlicher Abschluss durch einen Fluss oder Gebirge nicht findet, ist noch

quae huic pago tribuuntur. Et quanquam sunt viri quidam doctissimi, qui teruiinum pagi nostri inter Obram, Albim et Bodam fluvios esse constituendum contendunt, demonstrant tarnen viliae ad pagum nostrum Bpectantes eos non accurate posuisse limitum pagi Nordthuringi normam.

^ v.Ledebur, Archiv XVIII, S. 119.

» Magdeb. Geschichtsbl. IX, S. 281. 394.

" So Baumer, Begesta bist. Brand. S. 6 der Stammtafeln und Charten und Karte III und Wohlbrück, Geschichte der Altmark S. 2. Beide sagen, dass zwischen Ohre und Tanger der Gau Mosidi gelegen habe, worin die Ortschaften Bukstadin und Kinkhurst lagen , wie es in der Urkunde vom 2. Juli 959 (Magd. Reg. I, No. 145) beisst. Dieselben Ortschaften werden aber spater (Magd. Reg. I, No.271) als im Nordthüringgau gelegen bezeichnet.

* Vergl. Magdeb. Geschichtsbl. IX, S. 315, wo von Winter mehrere Beweise beigebracht werden.

^ Auch Brückner, die slavischen Ansiediungen in der Altmark und im Magdeburgischen S. 2 Anm. dehnt den Nordthüringgau über die Ohre aus und tritt damit Böttger entgegen, der auf seiner Gau- und Diöcesankarte auch die Ohre als Grenze angenommen hatte. Nach Brückner soll sogar noch die ganze Heide dem Nordthüringgau angehören und seine Grenze in einem weiten Bogen von Uthmöden im Halbgericht bis nach Ringfurt an der EUbe, ganz im Norden des Kreises Woiiuirstedt, reichen.

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Einleitung. xv

schwerer zu bestimmen. Wenn man die in den Urkunden bei den Gauen angeführten Orte vergleicht, so ergiebt sich, dass die heutige Grenze zwischen Braunschweig und Preussen der Grenze des alten Nordthüringgaus im Allgemeinen folgt, sodass also Helmstedt dem Derlinggau, aber Walbeck und vielleicht auch Weferlingen noch dem Nordthüringgau zugewiesen werden müssen.^ Der Gau hat sich also im Nordwesten bis an die Aller erstreckt, doch ist hier die Grenze unsicher, wohl auch durch Wald gebildet. Wie wenig sicher aber die Grenze im Westen gewesen ist, geht daraus hervor, dass manche Orte bald diesem, bald jenem Gau zugezählt werden, wie z. B. Üpp- lingen, welches 941 dem Hardegau, 942 dem Derlinggau, 1049 aber dem Nordthüringgau zugerechnet wird.^

Der so umgrenzte Gau zerfiel in die Grafschaften Mühlingen im Südosten, Billingshoch (Wolmirstedt) im Nordosten und Seehausen (Sommerschenburg) im Westen. Ihre Grenzen hat Winter in dem schon genannten Aufsatz festgestellt, was auch nur durch genaue Beobachtung der Urkunden möglich war. Doch auch der Fall kommt vor, dass eine Grafschaft in zwei Gauen lag.^

Kirchlich gehörte der Gau zum Erzstift Magdeburg und zum Bistum Halberstadt, nur an der Elbe gehören einige Orte zum Stift Brandenburg, weil diese frülier auf dem rechten Eibufer lagen. Von Wichtigkeit ist nur die Grenze zwischen Magdeburg und Halberstadt, da für die Bestimmung einiger Wüstungen die kirchliche Zugehörigkeit ausschlaggebend ist. Territorial gehörte der Nordthüringgau zu Magde- burg mit Ausnahme der Grafschaft Mühlingon - Barby , von der nach dem Aussterben der Grafen Mühlingen an Anhalt, Barby an Sachsen kam. Auch Nienburg gehörte zu Anhalt

Als die ältesten Bewohner des Gaues müssen wir die Thüringer ansehen, nach denen er den Namen erhalten hat. Dieses Volk soll sich sogar bis in die nördliche Altmark ausgedehnt haben, doch wurde dieser nördliche Teil nach der Zerstörung des Thüringerreiches 531 und 556 durch die südlich eingeschobenen Sachsen von der Haupt- masse des Volkes getrennt.^ v. Werselbe dagegen lässt erst nach dem Sturze des Reiches die Thüringer hier angesiedelt werden und rechnet

' Falke, Trad. Corbei. I, S. 43. 50. Wohlbrück, Altmark S. 2. ' Magd. Reg. 1, No. 96. 97. 698.

' Magtl. Reg. I, No. 714: In pagis Derlingon et Nortduringon in comitatu Mauiaoonis.

* Jacob«, Oesch. d. Prov. Sachsen S. 9.

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XVI Einleitung.

demnach den Nordthüringgau nicht zu dem eigentlichen Thüringen. ^ Jedenfalls ist diese Zugehörigkeit des Gaues zu Thüringen sehr früh verloren gegangen und ist nur noch der Name erhalten geblieben, denn im 8. und 9. Jahrhundert wird ganz Nordthüringen schon zu Sachsen gerechnet und zwar zum ostfälischen. Dies ist wohl weniger daher gekommen, dass einige Trümmer der Sachsen nach den ver- nichtenden Schlachten von 575 und 577 hier angesiedelt wurden und den Charakter der thüringischen Bewohner änderten und unterdrückten, als vielmehr durch das Vorwiegen der Sachsen in den benachbarten Gebieten veranlasst, denn auch der benachbarte Schwabengau, der also schwäbische und nicht sächsische Bewohner hatte, wird seitdem zu Sachsen gerechnet.

Später drangen die Slaven in diese von den Deutschen bewohnten Gebiete ein und nahmen Sitze zwischen ihnen, doch behaupteten sie sich schliesslich nur durch friedliches Abkommen mit den deutschen Herren, 2 während die benachbarte Altmark völlig von ihnen ein- genommen wurde. Eine grosse Zahl von slavischen Ortsnamen giebt Zeugnis von den Wohnsitzen dieses Volkes. Ihre Zahl nimmt nach Westen zu ab, doch lassen sie sich vereinzelt selbst bis über die West- grenze des Gaues hin verfolgen.

Der Name Nordthüringgau scheint indes niemals im Volke recht heimisch geworden zu sein oder er ist wenigstens schon früh un- gebräuchlich geworden, nachdem der Name Thüringen auf den Süd- thüringgau beschränkt wurde. Wir begegnen ihm fast nur in Ur- kunden, die einen offiziellen Charakter haben. Statt dieses Namens erliielt das zum Erzstift Magdeburg gehörige Gebiet, das sich räumlich ungefähr mit dem Nordthüringgau deckt, den Namen Holzland oder Holzkreis wegen der grossen Wälder im Westen und Norden. ^ Dieser Name ist nachher auch als amtliche Bezeichnung für den linkselbischen Teil des Herzogtums Magdeburg gebraucht worden und hat bis zur westfälischen Zeit als solcher gedauert.

Der eigentlich volkstümliche Name aber für dieses Gebiet ist Börde, ein Name, der in verschiedenen Gegenden Deutschlands wieder- kehrt Die Bedeutung desselben wird verschieden erklärt und noch ist sie nicht recht sicher gestellt worden. Die von Abel* gegebene

* Die Verteilung Thüringens zwischen Sachsen und Franken S. 13. ^ Brückner, a. a. O. S. 5.

^ Torquatus, AnnaleH Magdeb. et Halberst. ed. Boysen, Mouum. inedita I, S. 65.

* Deutsche und sächsische Altertümer S. 367.

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Eipleitang. XVII

Erklärung, dass das Wort von den Barden d.h. den Langobarden her- komme, ist natürlich abzuweisen, ebenso die Ableitung von Borde = Saum, Band. Viel Ansprechendes hat die Deutung, dass das Wort von dem althochdeutschen bera tragen (niederdeutsch boren, schwedisch bära, englisch to bear) herkomme, sodass es also den tragenden, fruchtbaren Boden bezeichnet.^ Dagegen erklärt das niederdeutsche Wörterbuch von Schiller und Lübben es als Bezirk, Liandschaft, wie es deren viele giebt; danach hängt es zusammen mit boren, gebühren. Winter* neigt dieser Erklärung zu und will, gestützt auf die in det sogenannten Landfriedensurkunde des Erzbischofs Dietrich vom Jahre 1363^ zur Börde gerechneten Dörfer, in ihr die älteste Ausstattung des Moritzklosters in Magdeburg in den Bördedörfem entdecken. Der Ausdruck Börde soll sich demnach zwischen 937 und 968 gebildet haben. Indes ist dies doch sehr zweifelhaft Denn da der Name Börde zum erstenmal 1314* vorkommt, so wäre es doch sehr auffallend, wenn er, vorausgesetzt dass er in der von Winter angegebenen Zeit ent" standen wäre, nicht schon früher in schriflichen Aufzeichnungen ge- braucht wäre, besonders da er in der Bedeutung Bezirk ein amtlicher Begriff gewesen wäre. Die in der Landfriedensurkunde neben dem Bezirk Börde angeführten Teile des Erzstifts werden allerdings als Vogteien (Calbe, Alvensleben) bezeichnet. Jedenfalls hat die eine Deutung wohl soviel Wahrscheinlichkeit als die andere.

Der Begriff Börde ist dann wieder verschieden gebraucht. Denn während der Volksgebrauch, wie der von Winter mitgeteilte Reim- vers^ angiebt, zur Börde nur 11 Dörfer aus den Kreisen Calbe und Wanzleben rechnet, wird er sonst mit dem Begriff des Holzkreises gleichbedeutend gesetzt, umfasst also das ganze Magdeburgische Gebiet links der Elbe,* und dies ist entschieden auch der ursprüngliche Be- griff gewesen. Torquatus' unterscheidet noch die hohe Börde im Süden und die Holzbörde im Norden und rechnet zur ersteren sogar Aken, Egeln und Hadmersleben mit, fasst also den Begriff schon rein

* So auch Wahnschaffe , die Quartärbild ungen der Umgegend von Magde* bürg S. 19.

* Magdeb. Geschichtsbl. IX, S. 433. »Magdeb.Uß.I, No.458.

* ßchöflfencbron. S. 183.

* Magdeb. Geschichtsbl IX, S. 483.

* Topographische Beschreibung des Herzogt. Magd, und der Grafsch. Mans- feld 1785 S. 10.

' Ann. Magdeb. et Halberet. S. 66. 68.

WItot. I. Nordthfir. B

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xvin EinleituDg:

territorial, denn diese 3 Städte werden sonst nie zur Börde gerecbnet, weir sie dem Nördthüringgau nicht angehörten. Ebenso dürfte das von ilim zur Holzbörde gerechnete öbisfelde auszuschliessen sein.

Eine sehr sorgfältige und höchst lehrreiche Abhandlung über die geologische Beschaffenheit der Börde findet sich in dem Buche von Felix Wahnschaffe, die Quartärbildungen der Umgegend von Magdeburg. Die Bodenbeschaffenheit einer Gegend ist durchaus nicht ohne Einfiuss auf die Entwicklung ihrer Bewohner, und darum ist dieselbe auch in gewissem Masse bei der Darstellung der wirtschaft- lichen Verhältnisse mit zu berücksichtigen. Die obersten Schichten desBördebödens sind ein humo^er, dunkel gefärbter Löss und darunter gelber Löss, der dem Lehm im Aussehen ähnelt, und nur die Höhen 6ihd mit Gletschergeröll bedeckt. Der Löss ist aber diejenige Boden- art, die einerseits wegen ihrer eigentümlichen Struktur die höchste Fruchtbarkeit besitzt, andererseits aber gerade dem Baumwuchs sich abhold zeigt, wie sich dies in verschiedenen anderen Gegenden der Erde (Südrussland, China) noch heute nachweisen lässt So war es auch in der Börde. „Auf dem fruchtbaren Boden der nach und nach trocken gelegten Börde entfaltete sich sehr bald eine üppige Gras- vegetation, es entstand eine Steppe. Die Gräser dieser Steppe lieferten den HumuF des Lösses und durchdrangen mit ihren feinen Faser- wurzeln den Untergrund, welcher dadurch die dem Löss eigentümliche röhrige Struktur erhielt. Dass nach Ti'ockenlegung des Lössgebietes Verwehungen des feinstaubigen Lössmaterials stattfinden konnten scheint mir sehr wahrscheinlich.^'^

Diese Erklärung der Entstehung des Bördebodens ist aber auch für unsere Untersuchung nicht unwichtig* Die Börde ist noch jetzt eine der bäum- und wasserarmsten Gegenden in Deutschland. Dies ist aber nach der oben gegebenen Erklärung nicht erst eine Folge der Ausrodung der Wälder und der immer stärker und sorgfältiger betriebenen Landwirtschaft, sondern die steppenartige Börde ist nie- mals stark mit Bäumen, geschweige denn mit Wäldern besetzt gewesen und auch ihre Wassermut ist eine Folge ihrer geologischen Beschaffen- heit. Nun aber gewinnt durch diese Thatsache die Meinung Winters, (lass die Nordgrenze des Nordthüringgaus durch die zusammen- hängenden Waldungen nördlich der Ohre gebildet sei, eine auffallende Bestätigung, und in gleicher Weise setzten die im Westen des Gaues

^ Wahnschaffe S. 75.

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EinleitnDg. Xlx

stärker auftretenden Wälder den ackerbauenden Bewohnern eine Grenze. Ein Boden aber, der durch grösste Fruchtbarkeit ausgezeichnet war und nicht erst mit Beil und Feuer dem Walde in harter Arbeit abgerungen werden musste, lud ganz von selbst die Menschen zur Siedelung ein. Demnach müssen wir die Börde, d. h. den weitaus grösstenTeil des Nord thüringgaus, als eine schon sehr früh und jeden- falls auch verhältnismässig stark und zwar von Deutschen besiedelte Gegend ansehen. Wenn diese auch überall mit Slaven durchsetzt erscheinen, so findet sich doch die Hauptmasse der sla vischen Orts- namen da, wo Wald imd Wasser, an denen jene ihre hauptsächlichsten Lebensbedingungen fanden, stärker vorhanden waren, d. h. in der Gegend von Neuhaldensleben und im Barbyschen Winkel zwischen Elbe und Saale. Es mag noch erwähnt worden, dass in der ganzen eigentlichen Börde sowohl unter den bestehenden als auch unter den wüsten Ortschaften sich nur ein Name (Misrode) findet, der auf Wald oder Baum zurückzuführen ist,' eine Thatsache, die wiedemm die von den Geologen aufgestellte Steppentheorie historisch begründet.

Wenn wir also den Nordthüringgau wegen seiner günstigen Bedingungen schon früh als ziemlich stark angesiedelt betrachten müssen, so lässt sich doch auch nur annähernd eine Schätzung über die Dichtigkeit und Zahl der Bewohner nicht machen. Das ist aber sicher, dass die Zahl der Bewohner lange nicht so gross gewesen sein kann, wie jetzt. Dagegen ist die Zahl der bewohnten Orte eine viel grössere gewesen, denn alle in dem Wüstungsverzeichnis angegebenen Ortschaften müssen wir doch zu den jetzt noch bestehenden hinzu- rechnen. Es ergiebt sich also das merkwürdige Verhältnis, dass erheblich weniger Bewohner wie jetzt eine erheblich gnissere Zahl von Ortschaften bewohnt haben. Daraus folgt dann ganz von selbst, dass die Ortschaften nur klein gewesen sein können, wahrscheinlich zum grossen Teile Einzelansiedlungen, für welche die Sachsen und wohl auch die Thüringer eine besondere Vorliebe hatten. Dafür liefern auch die Namen von sehr vielen Ortschaften einen Beweis, die aus einem Personennamen und einem Zusatz mit -leben, -stedt, -dorf gebildet sind, wie z.B. Ottersleben, Dodeleben, Bernsdorf, Leversdorf, Okstedt, Förderstedt Auch Ortsnamen auf -hausen, -berg, -beck, -wegen, -ingen, -fürt, -mark dürfen wir wohl als deutsche ansehen.

* Der Name Eikendorf enthält in seinem ersten Teile wohl einen Personen- namen; Eichen barleben könnte allerdings eine Ausnahme bilden, doch steht das auch nicht fest. S. Danneii, Gresch. des Magdeb. Bauernstandes I, Ö. 239.

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XX Einleitung.

während die auf -itz, -ow, -ene sicher slavisch sind. Der zu einem Hofe gehörige Acker war die Hufe, die auch noch in viel späterer Zeit meist als Zubehör zu einem Hofe gerechnet wird und umgekehrt.^ Die Vermehrung der Bevölkerung in der älteren Zeit wird demnach auch die Vermehrung der Ansiedlungen in Einzelhöfen zur Folge gehabt haben, welche aber den Namen einer Ortschaft, eines Dorfes in unserem Sinne nicht verdienen, und daher kommt es, dass in den ältesten Urkunden Namen von eigentlichen Ortschaften verhältnis- mässig selten vorkommen. Erst in den Urkunden Ottos I. treten uns nun wirkliche Dörfer entgegen, doch gewinnen wir noch keine Vor- stellung von ihrer Grösse.

Was die slavischen Ansiedlungen im Nordthtiringgau betrifft, so führe ich hier Brückners Worte (S. 8) an, die wohl im ganzen das Richtige treffen. „Südlich der Ohre werden slavische Ortsnamen nicht mehr genannt; dieselben treten wieder südlich von Magdeburg auf und von da an vergrössert sich ihre Zahl, je mehr man sich der Saale nähert. Diese Verdichtung der slavischen Ortsnamen gegen den Süden zu scheint anzudeuten, dass nach Nordthüringen Slaven vom Süden her, von dem rechten Ufer der Saale eingewandert sind, mit anderen Worten: Die nordtliüringischen Slaven gehörendem serbischen Stamme an; man beachte, dass in Nordthüringen Slaven meist an und in deutschen Orten ansässig genannt werden, sie also unter Deutschen wohnen. Von einer Geschichte der nordthüringischen Slaven darf eigent- lich nicht gesprochen werden, da dieselben nie zu irgend einer Selbständig- keit gelangt sind.'' Brückner kennt nur 2 Namen wüster slavischer Orte südlich der Ohre bis Magdeburg, Bizzinici imd Trumpsice; wenn in dem Verzeichnis auch noch einige mehr genannt werden, so ist der Umstand jedenfalls zu beachten, dass im nächsten Umkreise des deutschen Magdeburg die slavische Bevölkerung sehr gering ist und dass sie erst in einiger Entfernung von derselben wieder zunimmt

Für die Slaven war auch die Börde nicht der geeignete Boden; denn da sie beim Ackerbau nur des hölzernen Hakens zum Aufreissen des Bodens sich bedienten, so liebtei^ sie mehr den leichteren, sandigen Acker, während die Deutschen mit dem eisernen Pflug (aratrum), ganz besonders den schweren fruchtbaren Boden der Börde bevor-

* Bei der Verleihung einer Hufe heisst es in den Lehnbüchern häufig: cum area. Vrgl. Behrends , Neuhaldensleben I, S. 377, der raansus von Mann her- leitet. Er führt ein Beispiel vom Jahre 1357 an, wo 13 Höfe mit 13 Hufen dem Kloster Altbalden sieben verliehen werden.

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Einleitung. XXI

zugten. Jene trieben Viehzucht, Fischerei und Waldwirtschaft, die nicht so schwere Arbeit erforderten, und ihre Abgaben bestanden in einem Zins vom Jahresertrage an Korn, osep, wozop, Vieh, Geflügel, Honig u. s. w. Die Deutschen dagegen zahlten einen Grundzins von Haus und Hufe. Die slavische Bevölkerung verschwand allmählich, im Nordthüringgau nicht durch Kriege, sondern durch Aufsaugung durch die deutschen Bewohner, da eine Erhaltung der slavischen Bewohner von keiner Seite angestrebt wurde. Bei ihrem Verschwinden aus dem flachen Lande erhalten sich die Slaven am längsten in den sogenannten Kietzen (Fischerdörfern) und Hülmerdörfern. Wo sie sich in Städten niederliessen, bewohnten sie entweder eigene Strassen , wie in Stendal, oder sie siedelten sich in einer Art von Vorstadt an, in den sogen. Htihnerdörfern, z. B. in Tangermünde und Calbe. ^ Auf dem Lande finden sich öfter Orte gleichen Namens, die durch Gross- und Klein-, Hohen- und Niedem- (Sieden-) unterschieden werden. In diesem Falle nennt der Name mit Gross- imd Niedem- fast immer den deutsehen. Klein- und Hohen- den slavischen Ort, denn die Deutschen wählten den niedrigen schwereren, die Slaven den höher gelegenen leichteren Boden.^ Aus den Einzelansiedlungen bildeten sich nach und nach Dörfer. Jeder Mensch ist auf die Unterstützung und Hilfe der anderen an- gewiesen und dieses Bewusstsein musste die Menschen auch in jener Zeit zu wechselseitigem Verkehr zusammenführen. Nicht nur der Schutz gegen äussere Gewalt, sondern die gegenseitige Hilfeleistung und Unterstützung in den verschiedensten Lebensverhältnissen und der Trieb der Geselligkeit führte die Menschen zusammen. ^ An die Einzelhöfe schlössen sich andere von Verwandten oder Nachbarn oder auch neuen Ansiedlem, hauptsächlich aber von den Dienstleuton, zumal an solchen Orten, welche durch ihre Lage besonders günstige Be- dingungen zur Ansiedlung boten , in der Börde z. B. dort, wo genü- gender Vorrat von Wasser einen dauernden Aufenthalt gewährleistete. Die Äcker der Einzelhöfe werden zur Dorfmark vereinigt So war denn in der Zeit, aus welcher wir zuerst einen reichen Urkunden- schatz haben, d.h. zur Zeit der Ottonen, unser Gebiet mit einer grossen Zahl von Dörfern bedeckt^ das landschaftliche Bild jener Zeit war jedenfalls ein viel belebteres und mannigfaltigeres als jetzt. Aber

* Magdeb. Geschichtsbl. XIX, 8. 352. 353. « Brückner, a.a.O. 8. 16 ff.

Brecht, Über das Eingehen von Ortschaften im Mittelalter, Harzzeit- 8cliriftII.3, 8.2.3.

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XXII Einleitung.

alle diese Dörfer waren naturgemäss klein, 10—15, höchstens 20 Hufen bildeten meist das ganze Areal. Daraus lässt sich wieder ein Schluss auf die Zahl der Höfe machen, die im Anfange mit der Zahl der Hufen über- einstimmte, erst nachher werden mehrere Hufen auch zn einzelnen Höfen gelegt. Die Hufen waren auch nicht gleich, namentlich die slavischen Hufen haben oft nur die Hälfte der Morgenzahl der deutschen Hufen.

In dem Bezirk des Nordthöringgaues sind von uns gegen 500 wüste Ortschaften nachgewiesen worden, eine Zahl, die die der bestehenden Ortschaften um mehr als das Doppelte übertrifft. Dabei zeigt sich die merkwürdige Erscheinung, dass bei manchen Orten zahlreiche, bei anderen nur wenige, ja selbst gar keine Wüstungen vorkommen, selbst wenn dies bedeutendere Orte sind, wie z. B. Eichenbarleben, Meitzen- dorf, Nordgermersleben, Domersleben u. a. Bei Förderstedt, Atzen- dorf, Biere u. a. sind dagegen die Wüstungen sehr zahlreich, am dichtesten aber finden sie sich in den Gemarkungen der Städte. Und dabei muss man als sicher annehmen, dass die urkundlich erwähnten durchaus nicht alle Wüstungen sind, die es gegeben hat, denn der Prozess der Verödung ist nicht an eine bestimmte Zeit geknüpft, voll- zieht sich auch nicht auf einmal, sondern geht durch das ganze Mittel- alter hindurch. Noch bei vielen Orten sind Wüstungen vorhanden, deren Namen niemand mehr kennt, da sie schon sehr früh ver- schwunden sind und keine Urkunde über sie Zeugnis giebt^ Manch- mal wird ein bestehender Ort als Gross- bezeichnet, ohne dass der entsprechende kleine Ort erwähnt wird z- B. Gross -Beyendorf. In unserem Verzeichnis ist die älteste Wüstung die Hildagesburg, deren erste Erwähnung zugleich die ihrer Zei^störung ist 1129; dann folgen 2 kleine Dörfchen Avendorf und Tammenroth 1226. Aber schon 1121 besass Kloster Schöningen Güter in villis et locis desertis,^ Puppen- dorf im 1. Jerichowschen Kreise wird schon 1164 neu* besiedelt.^ Mehrere Orte werden nur in den Urkunden Ottos I. erwähnt und sind nachher völlig verschwunden, sind also jedenfalls bald wüst geworden. Wir dürfen annehmen, dass bei dem Mangel urkundlicher Nachrichten gerade aus jener frühesten Zeit eine Menge wüster Ortschaften uns unbekannt geblieben sind.

Wann ein Ort wüst geworden ist, lässt sich nur in ganz ver-

* G. Q. XVI, S. 239 werden angeführt III wüßte dorfstede foris civitatem Stasforde.

^ Riedel, Cod. dipl. Brand. A. XVII, S. 428. ^ G. Q. X. No. 33.

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Einleitung. XXIII

einzelten Fällen nachweisen, nur das steht fest, dass der Prozess der Verödung mit dem Mittelalter abgeschlossen ist. Dies geht unwider- leglich hervor aus den Kirchen Visitationsprotokollen von 1564,^ die ein vollständiges Verzeichnis der Ortschaften des Erzstiftes Magde- burg enthalten. Alle die darin aufgeführten Orte bestehen aber heute noch, so dass also damals die Verödung zum Stillstand gekommen sein muss. Die meisten der in unserem Verzeichnis aufgezählten Wüstlingen sind im 14. und 15. Jahrhundert entstanden, d.h. wir haben urkundliche Zeugnisse dafür. Besonders wichtig ist auch die Land- fi-iedensurkunde des Erzbischofs Dietrich von 1363, in welcher die meisten der damaligen Orte in der Börde aufgezählt werden, danmter noch eine ziemliche Anzahl, die bald darauf als Wüstungen erscheinen. Die Gründe für das Wüstwerden der Ortschaften sind mancherlei. Im Volke allgemein verbreitet ist die Ansicht, dass die Dörfer im 30jährigen Kriege zerstört seien. ^ Dass diese Annahme durchaus un- begründet ist, geht schon aus den oben erwähnten Kirchenvisitations- Protokollen hervor. Mögen einzelne Gegenden noch so sehr von jenem Kriege gelitten haben, und keine in höherem Masse als die Umgegend von Magdeburg, so sind doch alle damals vorhandenen Ortschaften wieder aus dem Ruin erstanden. Aber jene so allgemein verbreitete Ansicht zeigt einerseits, wie fest sich die Verwüstungen jenes Krieges im Andenken des Volkes erhalten haben, andererseits, dass man die Verwüstung durch Krieg als die einfachste und natürlichste Erklärung für das Eingehen der Dörfer hielt. Das war auch schon früher so. Wir finden schon in dem Bericht des kurfürstlichen Kom. missars Franz Henning Hampe^ an die brandenburgische Kammer in Halle vom Jahre 1699 die Ansicht ausgesprochen, dass die Verwüstung der Dörfer anno 1547, 48 bis 50 geschehen sei; „und zwar so hat solche Verwüstung ihren Anfang genommen,