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HAr W 4228
Geſchichte der Chalifen.
Nach
handſchriftlichen, größtentheils noch unbenützten Quellen bearbeitet
von
Dr. Guſtav Weil,
a. 0. Profeſſor der morgenländiſchen Sprachen und Bibliothekar an der Uni— verſität Heidelberg, Mitgliede der Aſiatiſchen Geſellſchaft zu Paris und der deutſchen Morgenländiſchen zu Halle — Leipzig.
Erſter Band
vom Tode Mohammeds bis zum Untergange der Omejjaden, mit Einſchluß der Geſchichte Spaniens, vom Einfalle der Araber bis zur Trennung vom öſtlichen Chalifate.
433945 14. 1.49 a2 oss0 Mannheim.
Verlag von Friedrih Baffermann,
—
1846,
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Vorrede.
Ermuthigt durch die Anerkennung, welche mein vor drei Jahren bearbeitetes „Leben Mohammeds“ in Betreff der gewiſſenhaften Ausbeutung und Sichtung der Quellen gefunden, übergebe ich den Freunden der hiſtoriſchen Literatur den erſten Band der Chalifenge— ſchichte, mit der Verſicherung, daß das mir von mehreren Seiten geſchenkte Vertrauensvotum keine andere Wirkung gehabt, als mich in meinen Ar— beiten noch ängſtlicher und vorſichtiger zu ma— chen. Uebrigens bitte ich nur den Leſer um die geneigte Vorausſetzung, daß die mir zugänglichen Quellen ſorgfältig unterſucht und jede geſchichtlich wich— tige Thatſache hervorgehoben und treu wiedergegeben wurde; über die Folgerungen, die ich daraus gezogen,
= kann er felbjt urtheilen, denn ich habe auch hier, wie es -in jedem, Fritifcher Vorarbeiten entbehrenvden *) und aus handferiftlihen Duellen gefhöpften Werfe, nothmwendig ift, in den Noten, über alle neuen, oder son meinen Vorgängern abweichenden Facta und An- fihten, Rechenfchaft abgelegt. Der gelehrte Hiftorifer wird fich leicht überzeugen, daß auch bei der in dieſem Bande behandelten Periode, es noch immer fehr ſchwie— rig bliebe, das durch orientalifhe Phantafie, moham- medanifche Orthodoxie und politifchen Parteigeift ent- ftellte Material kritiſch zu fichten und aus dieſem Ge- webe von Verblendung und Lüge die nackte hiftorifche Wahrheit herauszufinden. Wagte es doch felbft ver Ueberfeger des Tabari, ver faft allen fpätern perfifchen Hiftorifern zum Mufter diente, wie man aus mehreren
in den Anmerfungen zu gegenmwärtigem Bande mitge-
*) Eine gedrängte Darftellung der in diefem Bande bearbeite ten Geſchichte, von ©. Flügel, findet man in dem 36ten Theil der Allgem. hiftor, Tafchenbibliothef (S. 14—108). Wenn hier mande Verſehen gerügt werden, fo geſchah es Feineswegs in der Abficht, die Verdienfte diefes wackern DOrientaliften zu fchmälern. Es kann mir überhaupt nicht in den Sinn kommen, dur Berichtigungen, die ich in die Noten verflechte, eine hyperkritiſche Mädelei an den Tag legen zu wollen. Es gefhieht nur, um Srrthümer, die aus bekann— ten Büchern ins größere Publicum gedrungen find, ein für allemal zu befeitigen.
hi tbeilten Stellen erfehen Fann, nicht nur Manches, was ibm unwefentlich fchten, oder in fein Syſtem nicht paßte, auszulaffen, fondern fogar feinen Autor fürm- ich zu fälfhen, was mochten ſich erft felbftitändige Hi- ftorifer erlauben, die unter gar Feiner Controle ftan- den? Die Sunniten warfen einen dichten Schleier über alle Mängel, welche an den vier erften Chalifen, den alten Gefährten und Verwandten des Propheten, bafteten. Die Schitten ftatten befonders Alt und feine Nachkommen mit allen erdenklichen Tugenden aus. Die Anhänger des Haufes Abbas bemühen fih, uns die Omejjaden als die verworfenften Menfchen darzu— ftellen. Die frommen Mufelmänner jeder Partei be- urtheilen die Chalifen nur nah dem Grade ihrer Srömmigfeit, im rein theologifchen Sinne, fo daß es nur dur Vergleichung der verſchiedenen Duellen und Benüsung ihrer Schwächen und Ungefchietheiten, durch welche fie fih häufig verrathen, möglich wird, einen fichern gefchichtlichen Boden zu gewinnen,
Außer den bis auf Die nenefte Zeit in Europa erfehienenen gedruckten Duellen, welche entweder Die ganze Chalifengefihichte oder einzelne Theile derfelben behandeln, habe ich folgende Handfchriften benüßt:
a)
b)
c)
a)
b) c)
d)
a)
a)
1) Aus der herzoglichen Bibliothek zu Gotha: Dsachirat Alulum wanatidjat alfuhum, (Die Vorrathskammer der Wiffenfohaft und das Er— zeugniß des Verftandes) von Bekri (No. 235 des Möller’fchen Catalogs).
Das Buch „„Chamis“ von Hufein Jon Moham— med Ibn Alhafan Aldiarbefri (No. 326). Sujuti’s Gefchichte ver Chalifen (No. 321).
2) Aus der Föniglichen Bibliothef zu Paris: Masudi’s Goldne Wiefen R. B. XH. (No. 1815).
Dfahabt Gefhichte des Islams (No. 626).
Abd Almahafin Albahr Azzahır fi ilm Alaw- wali walachiri. (Das volle Meer in der Kennt- niß des Frühern und Spätern No. 659 ?).
Mohammed Ibn Schakir. Ujun Attawa- rich (Duellen der Geſchichte) mit Gloſſen von Yon Schaddad und Ibn Athir. (No. 638, II.)
3) Aus der Föniglichen Bibliothek zu Berlin: Br, 10 — 12 des Urtextes der Chronik des Tabari.
4) Von Herrn Profeſſor von Ewald:
Abd Errahman Ibn Abd Allah Ibn Abd Alha— kam. Futuh Missr (Eroberung von Egypten),
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eine Abſchrift der Pariſer Codd. No. 655 und 785.
Später erhielt ih noch durch die Gefälligfeit des Hrn. Dr. Möller das Kitab Almaarif von Ibn Kuteiba (No. 316), fand aber nichts Erhebliches über die in gegenwärtigem Bande behandelte Periode, das mir nicht aus andern Quellen bekannt geweſen wäre. Meine mehrmals ausgeſprochene Vermuthung, daß manche Hiſtoriker gerne ſpätere ruhmvolle Thaten frühern Chalifen zuſchreiben, fand ich auch in Betreff der Eroberung Perſiens beſtätigt, die ſelbſt von Ta— bari größtentheils unter Omars Chalifat geſetzt wird, während nach Jon Kuteiba (S. 112 und 190) Rei, ein Theil von Fars, Kerman, Chorafan, Sedjeftan und Tabariftan, erft unter Othman befriegt wur— den. Eben fo wird bei diefem Autor (S. 212) aus- drücklich geſagt, daß Haddjadi von Medina aus nad Irak ging, (S. ©. 428.) Auch in feinem Urtheil über ihn ftimmt ex mit mir überein, indem er (S. 236) ganz Furz fagt: „er verwaltete Irak 20 Jahre, ver- befferte es (asslahaha) und vdemüthigte feine Be- mwohner,
Durd die Handfchrift des Hrn, v, Ewald war ih im Stande, auch über die Eroberung von Egypten
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fowohl, als über die der übrigen mufelmännifchen Pro— vinzen in Afrifa und Spanien, manches Neue zu bie ten, denn die andern von mir benüsten Quellen, felbft Tabari nicht ausgenommen, befaffen fih mehr mit den Begebenheiten in Syrien, Jraf und Perfien. Auch die Kriege der Araber in Indien werden nur Furz erwähnt, daher mir die auf die indifchen Zuftände fich beziehenden Abfihnitte des Beladori, welche mir H. Reinaud gleich bei ihrer Veröffentlichung zuzu— fenden die Güte hatte, nicht minder willfommen waren, H. Reinaud war auch fo gefällig, mir fein Exemplar der vor zwei Jahren in Konftantinppel erfchienenen türfifchen Veberfeßung des Tabari mitzutbeilen, wie er denn überhaupt während meines Aufenthaltes in Paris mich in meinen Arbeiten auf der Föniglichen Bibliothef freundlichſt unterſtützt hat.
Neben den genannten drei Gelehrten muß ich noch den königlich Preußiſchen und herzoglich Sachſen— Koburg-Gothaiſchen hohen Regierungen meinen ver— bindlichſten Dank zollen, da ſie mir gnädigſt geſtattet haben, ihre höchſt werthvollen und ſeltenen Hand— ſchriften hier in Heidelberg zu benützen.
Zu beſonderem Danke aber fühle ich mich der großherzoglich Badiſchen hohen Regierung verpflichtet,
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welche mir jede, zur Ausführung dieſer Arbeit nöthige Unterſtützung, mit der größten Liberalität zu gewähren geruhte.
Ueber die Art, wie ich arabiſche Wörter in europäiſcher Schrift wiedergegeben, beziehe ich mich auf das in der Vorrede zum „Mohammed“ Geſagte und bemerke nur noch, daß auf dieſem, ohnehin den meiſten Leſern fremden Gebiete, eine conſequent durch— geführte Schreibart des Dhamma (u und o) und Fatha (a und e) fie nur noch in größere Verwirrung gebracht hätte, Wollte man 3. B. überall ein e ans nehmen, fo müßte man Beßre ſtatt Baßra fihreiben und im andern Falle Makka ftatt Mekka. Verſuchte man es gar, die richtige orientalifche Orthographie durchgängig beizubehalten, fo müßte man das Publi- fum an „Dimiſchk“ ftatt „Damask“ gewöhnen,
Nah dem am Schluffe beigegebenen DVerzeichniffe der Drudfehler und fonftiger Verſehen bitte ich nur Die umnrichtigen Zahlen vorher zu verbefjern, eben fo das Seite 60 Zeile 10 von oben finnftörende Wort „Djaban‘ in „Dſu-l-Hadjib“ zu verwandeln, Einige Fleinere Berjehen, wie die Verwechslung des a und e, o und u, f und 3, das überall nach franzöfiicher, fo wie Das tb nah englifher Weife auszufprechen ift,
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fand ich nicht der Berichtigung werth. Ein vollftän- diges Regiſter foll mit dem dritten Bande folgen, der fih bis zum Untergange des Chalifats von Bagdad erftrerfen wird,
Heidelberg, Mitte Februar 1846,
Der Verfaſſer.
Inhalt.
Seite a a Abu Ber. . . . 8 Zieite Hungen San nn); 20200. 54-148 Drittes Sanpiiie Sthman . - . . ... .. 149- 189 Viertes Hansi N ea 777 .. 190260 andre Hanpifii Hafan und Muamia . . . . » 2000. 261-298 — Danpift . Se...‘ art 1209-869 Siebentes gepnäc, Muawia ll... . . 2.20. 840—841 adiee xeupitia Merwan J... 22. 842—862
Neuntes Ganptftiie BEE ee 02. 868490
Welid J.
Suleiman . .
Dmar ll .
Sezid I.
Hiſcham
Welid I. .
Sezid IU.
Merwan I. .
2 — if Haur tu | | wit Danger : Breiehutes Danpsiäc wierzchnies Danger
Bnfgehnte Daupsfäct
Seitens Daupefäe
eb pie Sauptftüe.
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491—553
554—578
. 579—594
595—615
616—657
658— 671
672—679
. 680-702
Erftes Hauptſtück. Abu Bekr.
Streitigfeiten über die Erbfolge nady dem Tode Mohammeds. — Abu Beer wird zum Thalifen erwählt. — Uſamas Streifjua ge: gen die forifche Grenze. — Aufruhr in Arabien. — Kämpfe gegen die Rebellen in der Nähe von Medina. — Tod des falfchen Pro- pheten Aswad. — Abu Bekr's Rundfchreiben an die Abtrünnigen. — Krieg mit Tuleiha und Salma. — Die Prophetin Sadjah und der Prophet Mufeilama. — Chalids Feldzug gegen Lestern. — Unter: werfung der Provinzen Bahrein, Oman und Jemen. — Eroberung der perfiichen Grenzftädte Hira, Anbar und Gin Tamr. — Syriſcher Feldzug. — Einnahme von Boßra. — Schlaht bei Adjnadein und am Jarmuk. — Chalid’s Nede vor dem Treffen. — Eroberung von Damask. — Abu Bekr's Krankheit, letzter Wille und Tod. — Schil— derung feines Charafters.
Mohammed hatte am fiebenten oder achten Juni 632 das Zeitliche verlaffen, ohne irgend eine Beſtimmung über bie Nachfolge zu treffen, obihon ihm der Tod keineswegs uner- wartet gefommen, Männliche Nahfommen hinterließ er nicht, feine nächſten Verwandten waren: Ali, der Sohn Abu Ta- libs, der zugleich fein Better und Schwiegerfohn war, und
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2 Erftes Hauptſtück.
Abu Bekr, der Vater feiner Gattin Aiſcha. Der Grund, warum Mohammed dem von ihm geftifteten Reiche Fein Ober- haupt vorſchrieb oder wentgftens anrieth, ift fchwer zu ermit- teln, Bielleiht wurde er auf dem Kranfenbette von feiner Umgebung daran verhindert, welche eine ihren Wünfchen nicht zufagende Verfügung befürchtete, vielleicht ſchwankte er felbit zwifchen dem Gatten feiner geliebten Tochter, zu dem ihn fein Herz binzog, und dem Bater Aiſcha's, den ihm feine Klugheit eingab. Vielleicht vermied er es aber auch abftcht- lich bis zum Testen Lebenshauche, von feiner Vergänglichkeit zu Sprechen, denn es kann wenigftens als geſchichtliche That— ſache angenommen werden, daß viele Araber ihn für unfterb- ih hielten. Die beiden genannten Prätendenten batten nicht bloß als Verwandte Mohammeds und als feine älteften Ge— fährten am meiften Anfprüche auf die Nachfolge, fie wurben auch noch dadurch begünftigt, daß fie beide dem edlen Ge— fhlechte Rureifch angehörten. Schon vor Mohammed waren ihre Ahnen im Beſitze der höchſten Würden und Nemter der Stadt Meffa gewefen, welche als Wallfahrtsort immer eine gewilfe Herrfchaft über die ganze arabifche Halbinfel ausge— übt, Die Meffaner, von denen fich feit dem Gedeihen des Islams, und befonders feit der Auswanderung Mohammeds, nach und nach viele in Medina angefiedelt, dachten daher na= türlich, ſchon aus Borliebe für ihre Stammgenoffen und Lan- desleute, an Ali oder an Abu Bekr, fobald es fih darum handelte, Mohammed einen Nachfolger zu geben, Die ältern Bewohner Medinas hingegen, bie zum Theil feldft dem Pro— pheten nur ungern gehorcht, wollten nicht länger einem aus ganz andern Stamme entfproffenen Fremdling geborchen. Sie befchloffen daher, bald nad Mohammeds Tod, einen Mann aus ihrer Mitte als Fürften des Islams, oder weniafteng als ihr Oberhaupt zu wählen.
Wir Haben aber ſchon am Schluffe unfres ) „Leben
1) ©. Mohammed der Prophet, fein Leben und feine Lehre u. ſ. w. Stuttgart, Mesler, 1848. 8. ©. 334 — 837,
Abu Betr, 3
Mohammeds“ erzählt, dag die Bemühungen der Medinenfer, fih von fremden Herrfchern zu befreien, fruchtlos blieben, und dag Abu Bekr noch vor der Beerdigung Mohammed zu deſſen Nachfolger (Chalife) erwählt worden, Er trat näm— lich ganz unerwartet mit Omar, Abu Überda und einigen andern feiner Wartet in das Haus, wo die Medinenfer ich verfammelt hatten, um ihrem Hauptlinge Saad Ibn Ibade) die Herrfchaft über das islamitiſche Reich zu übertragen und fuchte, ſowohl auf Koransftellen, als auf fonftige Ausſprüche Mohammeds geftügt, Die anmwejenden Mufelmänner zu über- zeugen, daß das Chalifat einem mit dem Propheten ausge— wanderten Rureifchiten gebühre und dag nur ein folcher hoffen fünnte, von ganz Arabien anerkannt zu werden. Er ſchlug bierauf Abu Ubeida ?) und Omar zu Chalifen sor, aber
1) Diefer ſprach auch, wie Abu Beer, nicht für feine Perfon, fondern für das Recht der Hülfsgenojjen oder „Anßar,“ wie die Mufelmäinner Medinas hiegen. Er war Eranf und lieg daher fol- gende leife gefprochenen Worte von feinem Sohne dem Volke laut verkünden: „Gemeinde der Hülfsgenoffen! Shr habt einen Vorzug im Glauben, den euch Fein andrer arabifher Stamm ftreitig machen kann. Mohammed, über den Heil, lebte über zehn Sahre unter feinem Bolfe und forderte es zum Dienfte des Barmherzigen und zur Verabfcheuung der Götzen auf, aber nur wenige von den Sei— nigen glaubten am ihn, fo daß fie weder ihm zu beſchützen, noch fei- nen Glauben zu verherrlichen vermochten, ja fie Fonnten nicht ein— mal von ſich jelbft die Gewalt abwenden, unter der fie fchmachteten. Als Gott aber euch durch feine Huld auszeichnen wollte, verlieh er euch den Glauben an ihn und feinen Gefandten und die Macht, ihn und feine Gefährten zu vertheidigen, ihn und feinen Glauben zu verherrlichen und feine Feinde zu befriegen. Ihr habt den fchmwerften Kampf gegen feine Feinde geführt und fie mit mehr Bitterfeit als eure eignen Feinde verfolgt, bis fich die Araber unter der Herrichaft Gottes beugten u. f. m.“ Tabari ed. Kofegarten. ‚p. 32.
2) Dem in Conftantinopel gedrudten türfiihen Tabari, Th. IV. ©. 74 zufolge, ſchlug Abu Befr Omar und Ali vor, als aber einige Medinenjer lestern wählen wollten, ſagte Omar: dies würde zum Bürgerfriege führen und huldigte dem Abu Ber.
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A Erftes Hauptſtück.
Beide erklärten ihn für der Herrfchaft würdiger und brachten ihm fogleich ihre Huldigung dar Y. Abu Bekr's und feiner Freunde Beredfamfeit würde indeffen nicht fo leicht den Sieg davon getragen haben, wenn Alt an dieſen Berhandlungen Theil genommen hätte, oder wenn die Medinenfer unter fich felbft einig gewefen wären. Was zuerft diefe angeht, fo hat— ten fhon, ehe Abu Befr auftrat, einige berfelben gefagt: „wenn die Rureijchiten mit unfrer Wahl nicht zufrieden find, fo mögen aud fie einen Emir wählen,” worauf ſogleich Saad Ibn Fbade antwortete: „Das ift der Anfang der Schwäche 2).” Später fagte dann ein Aujite, bei dem der alte Haß und Neid gegen die Chazradjiten, zu denen Saad Jon Ibade ge- hörte, wieder erwachte 3), oder vielleicht aufgefhürt ward, zu feinen Stammgenoffen: „Bei Gott! gelangen einmal die Chazrabjiten zur Herrſchaft, fo ftehen fie für alle Zufunft über euch und werden fie nie mehr mit euch theilen, darum huldiget Tieber Abu Befr 2)!" Was aber den Yängern Wi- derftand der Anhänger Saads vollfommen unmöglich machte,
1) ©. Abu Befr’s Nede im Leben Mohammeds, ©. 335.
2) Tabarı p. 34. Omar war befanntlich der eifrigfte Verfechter der Anfprühe Abu Bekr's und behauptete jogar, die ganze Nede Abu Bekr's auf der Zunge gehabt zu haben. Offenbar war es ihm alfo, wenn er wenige Stunden vorher behauptete: Mohammed fei unfterblich, nur darum zu thun, deſſen Tod jo lange zu verheimlichen, bis er die nothwendigen Vorfehrungen getroffen, um die Nachfolge feinem Freunde Abu Beer zu fihern. ©. Leben Mohammeds ©. 333 u. 337. Bei Sujuti (S. 74) beißt es in einer bis auf Mohammed, dem Sohne Abu Befr’s, zurückgehenden Tradition: „Abu Bekr fagte zu Omar: ftredfe deine Hand aus, daß wir dir huldigen! Dmar ei: wiederte: du bit beſſer als ih. Darauf verfegte Abu Bekr: du bift ftärfer als ih. Nun, fagte Omar, fo wird ſich meine Stärfe mit deinen andern Vorzügen vereinen, und fo huldigte er ihm.“
3) Die Stimme Aus und Chazradj bildeten den Kern der Be: völferung von Medina und hatten vor Mohammeds Flucht aus Mekka manche blutige Händel unter einander,
4) 9.0.9.6, 88.
Abu Ber. 5
war das Herbeiftrömen der mit den Kureiſchiten verwandten und verbündeten Aslamiten, welche alle Zugänge verfperrten und fogleih Abu Befr zum Chalifen ausriefen ). Saab jelbit fol indeffen, nad den zuverläfligften Berichten, die Huldigung hartnädig verweigert und Abu Bekr es für Flüger gefunden haben, ihn unangefochten zu laſſen, als durch deſſen Hinrichtung, auf die Omar drang, fih in einen blutigen Kampf mit deffen ganzer Familie und fämmtlichen Stamm: genoffen einzulaffen 2).
Was Alt anbetrifft, der, wenn die Vermwandtfchaft mit Mohammed bei der Chalifenwahl entſcheiden follte, als deffen Schwiegerfohn und Better, nähere Anfprühe als Abu Bekr hatte, jo war er während der Berathungen mit den Vorbe— reitungen zu Mohammeds Beftattung und nad) einigen Be— richten auch mit Sammlung der Koransfragmente befchäftigt, und die Stimmen der Medinenfer, die fi zu feinen Gunften vernehmen. liegen, fanden ſchon darum wenig Anklang, weil er an den Kriegen Mohammeds gegen die Ungläubigen zu thätigen Antheil genommen, als daß er bei manden rach— fügtigen Stämmen, unter denen er Blut vergoffen, möglich
D 4 a. O. ©. 38: Hiſcham berichtet nah Abu Muhnif, der ed von Abu Bekr Sbn Mohammed dem Chozaiten gehört: Die As: famiten ftrömten in folber Muffe herbei, daß ihnen die Zugänge zu eng wurden und huldigten dem Abu Bekr. Auch jagte Omar: fo: bald ich die Aslamiten fah, war ich des Sieges gemiß.
2) A. a. O. ©. 40, mo noch hinzugefest wird: Saad betete dann nicht mehr mit der Gemeinde, nahm an ihren Berfammlungen feinen Antheil mehr, pilgerte nicht mehr mit ihnen und fchloß fi ihren Zügen von Arafat nicht an, bis zum Tode Abu Bekr's.“ Weber den Zug der Pilger von Arafat nad) Mekka f. Leb. Mob. ©. 298. Daraus fieht man, daß die Bande der Vermwandtihaft und Stamm: genoffenjchaft unter den Arabern noch mächtiger waren als die des Selamd; „wirft du Saad mit dem Tode beftrafen,” faate deffen Bet: ter zu Abu Befr, „jo mußt du auch feine ganze Familie und einen großen Theil feiner Stammgenoffen ausrotten.“
6 Erſtes Hauptſtück.
geweſen wäre 1). Als er das Reſultat der Wahl vernahm, war er, oder fühlte er ſich zu ſchwach, mit dem Schwerdte in der Hand ſein Recht zu behaupten, obgleich Abu Sofian und einige andere Verwandte (Haſchimiten) ihm ihren Bei— ftand zuſagten ?) und Abu Bekr ihn ſogar der ihm als Erbe zufommenden Güter beraubte 3). Doch ließ er fi von Omar, der ihm brobte, er würde fein Haus über ihm anzünden, nicht einſchüchtern und protejtirte ſtillſchweigend big zu feiner Gattin Fatima Tod. Erft als diefe nad ſechs Monaten ftarb, er— fannte er fürmlih Abu Bekr als Chalifen an. Abu Softan aber, der ihn zum Widerfiande gereizt und felbft die Hulbi- gung verfagt hatte, ward einer ber eifrigften Anhänger Abu Befr’s, fobald fein Sohn Jezid, der ältere Bruder Muawias,
1) Schahreftant ed. Cureton, T. I. S. 116,
2) Zubeir ging Omar mit gejogenem Schwerdte entgegen, als Alt aufgefordert ward, Abu Befr zu hufdigen, aber er ftolperte, das Schwerdt entfiel ihm und Omar zerbrah es. A. a. O. S. 8
3) A. a. O. ©. 14. Der Güter von Fadaf und Cheibar näm— fh, welhe Mohammeds Privateigenthbum waren. ©. Leben Mo: hammeds ©. 186. Als Fatima, Ali's Gattin, darauf Anfpruch machte, verweigerte fie ihr Abu Bekr unter dem Vorwande: Mo: hammed habe einft gejagt: „was wir hinterlaffen, werde als Almo- fen vertheilt.“ Tabari ©. 14 u. 16. u. Sujuti ©. 78. Bei legterem heißt es ausdrüdlih: man jtritt über Mohammeds GErbtheil und Niemand wußte Befheid Darüber zu geben, bis Abu Bekr fagte, er habe von Mohammed gehört, die Hinterlaffenfchaft der Propheten gehöre den Armen. An derfelben Stelle heißt es auch: man ftritt über den Drt, wo Mohammed begraben werden follte, und Niemand wußte etwas darüber, bis Abu Bekr jagte, er habe von Mohammed gehört: jeder Prophet ſollte unter feinem Kranken: bette begraben werden.” Thun wir Abu Bekr Unrecht, wenn wir glauben, daß der eine Ausſpruch Ali's Einfluß ſchwächen und der andere das Anfehen feiner Tochter Aifcha, in deren Wohnung Mo— hammed geftorben, und der Reſidenz Medina erheben follte, da mande den Leichnam des Propheten nah Mekka bringen wollten? — Bon ihm rührt aud) Mohammeds Ausfage her: „die Herrichaft gebührt dem Stamme Kureiich.“ Sujuti ©. 9.
Abu Ber 7
an die Spise einer Truppenabtheilung als Feldherr geftellt ward,
Abu Bekr's erfter Negierungsact war, den in Djurf, in der Nähe von Medina, gelagerten Truppen, welche noch bei Mohammeds Leben zu einem Sireifzuge nad) der Örenze von Paläftina verfammelt worden waren, den Befehl zum Auf bruch zu ertheilen ). Zwar ftellten fie ihm vor, ev follte bet dem vorauszufebenden Abfall vieler arabifger Stämme, welche nur vor Mohammeds Namen gezittert, feine im Glauben er: probten Soldaten in feiner Nähe behalten; ev erwieberte aber darauf: „Bei Gott, in deſſen Hand Abu Bekr's Seele ift, glaubte ich auch, dag mic) wilde Thiere zerreißen würden, fo fönnte mich dies nicht abhalten, den vom Geſandten Gottes angeoroneten Zug auszuführen, felbft wenn ich allein hier zu— rücbleiben müßte.” Diefer Entſchluß, aus weldem gewöhn— lich Abu Bekr's unbegrenzte Pietät gegen feinen Vorgänger gefolgert wird, mochte indeffen auch einen politifchen Grund haben, und aus den bei der Chalifenwahl vorgefallenen Strei- tigfeiten zwijchen den Ausgewanderten und den Hülfsgenoſſen hervorgegangen fein. Diefe Truppen beftanden nämlich größ- tentheils aus Bewohnern Medinas und der in der Nähe die— fer Stadt haufenden, mit ihnen befreundeten Beduinenftämme ?),
1) Abulfeda ©. 208 u. Tabari ©, 42 und folgende, nicht wie bei Flügel (Gefhichte der Araber 2. Th.) ©. 20: „Oſama, des Zeid Sohn, der furz vor dem Tode des Propheten mit 700 Mann einen Einfall in Paläſtina gethan, hatte die Oſtrömer gejchlagen und kehrte unter Abu Ber zurück.” Nur den Befehl zu diefem Streif- zuge hatte er von Mohammed erhalten, die Ausführung ward aber wegen des Lestern Krankheit verjchoben.
2) So bei Tabarı ©. 46: Es erzählt ung Abd Allah u. f. w. (Folgen die verihiedenen Gewährsmänner.) Der Gefandte Gottes hatte vor feinem Tode den Bewohnern Medinas und ihrer Um— gebung einen Streifzug vorgefhrieben u. j. w. Eben jo einige Zei: fen vorher, auf derjelben Seite: Diejenigen Araber von den Stüm: men aus der Umgebung von Medina, welhe von dem Zuge nad)
8 Erftes Hauptftüd.
deren Entfernung Abu Befr, bis zur Befeftigung feiner Macht durch andere zuverläfligere Stämme, erwünfcht fein mußte, Bon welchem Geiſte diefe Krieger befeelt waren, geht ſchon daraus hervor, daß fie dem zur Partei der Ausgewanderten gehörenden Ufama, Sohn des tapfern, bei Muta gefallenen Zeid, welden Mohammed felbft mit dem Oberbefehle beffet- det hatte D), nicht gehorchen wollten ?). Auch fieht man deut— lich, daß es Abu Befr mit der pünftlichen Befolgung der Be- fehle des Propheten nicht fo genau nahm, indem er Dmar, welcher nad) Mohammeds Verfügung auch an dieſem Zuge Theil nehmen follte, in Medina zurüdhielt, weil er feine Heftigfeit bei einer aus feindlichen Elementen zufammenge- festen Truppenabtheilung fürdten, und einen fo ergebenen und energifhen Mann unter fo fchwierigen Umftänden gerne in feiner Nähe haben mochte ). Um indeffen in feinen Wi-
Hudeibije zurücgeblieben waren, zogen aus und mit ihnen Bewohner Medinas zu dem Heere Ujamas u. f. w. Uebrigens wird bei Sujuti (S. 39) die Zahl der Truppen, welche mit Ujama audjogen, nur auf 700 Mann angegeben und hinzugefest, daß Ddiefer Zug eine gute Wirkung hervorbrachte, weil mande Stämme, welche Luft hatten, abtrünnig zu werden, dadten: „Wären die Mufelmänner nicht ftarf, fo würden fie dieje Leute nicht gegen die Griechen fenden, wir wollen lieber warten, bis fie mit diejen handgemein geworden.“ D ©. Leben Mohammeds ©. 325.
2) Gelbft der fonft fo ftarfe Omar fuchte den Chalifen zu be- mwegen, an Uſama's Stelle einen andern Feldherrn zu ernennen.
8) Das in der That, felbft beim Leben Abu Bekr's, Omar fhon eigentlich herrichte, geht aus folgender Gtelle bei Tabari ©. 138 hervor: Zibrifan und Afra Famen zu Abu Befr und fag- ten: gib uns den Ertrag von der Provinz Bahrein, fo verbürgen wir und, daß Feiner von den Unſrigen abtrünnig wird. Abu Bekr willigte ein und ließ, unter Vermittlung Talha's Ibn Ubeid Allah, den Vertrag aufiegen. Man rief nun Zeugen herbei, unter Andern auh Dmar. Als diefer aber den Vertrag fah, weigerte er fich, ihn ald Zeuge zu unterfchreiben und fagte: Mein, bei Gott, fie jollen Fein Weberbleibfel einer Speife haben (ich leſe kudamat für karamat),
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Abu Bekr. 9
derfpruch mit feinen eigenen Worten zu gerathen und um den Truppen ein Beifpiel des Gehorfams gegen den von Mohammed ernannten Feldberrn zu geben, hielt er felbft in ihrem Angefichte bei Ufama um Urlaub für Omar an, den der ſchwache Jüngling natürlih dem alten Chalifen nicht verfagte ). Ein anderes Beijpiel der Verehrung für den— felben gab der fchlaue Abu Bekr dadurch, daß er ihn bei feinem Aufbruche eine Strede weit zu Fuß begleitete und nicht duldete, daß aud er von feinem Kameele abftieg. Che er umfehrte, ließ er Halt machen und fprach: „Ihr Leute, ich empfehle euch zehn Dinge an, die ihr genau beobachten möget: Laffet euch feinerlei Treulofigfeit oder Verrath zu Schulden fommen, verftümmelt Niemanden ?), tübtet weder
er verwijchte dann den Vertrag und zerriß ihn. Talha gerieth im Zorn, lief zu Abu Beer und fagte ihm: bift du der Emir oder Dmar? Gr antwortete: Dmar, doch ift man mir Gehorfam ſchul— dig. Talha ſchwieg. Sie fochten dann mit Chalid alle Schlachten, bis zu der von Samama, und Afra ging mit Schurahbil nad) Dau— mat. Kojegarteng Verſehen in diefer Stelle hat fbon de Sacy im journal des savans 1832, ©. 619 bemerft.
1) Tabari ©. 48. Abulfeda ©. 208. Ganz faljch bei Flügel a. a. O. ©. 19: „Sp juchte jener (Omar) den Ufama, des Zeid Sohn, um feine Feldherrnftelle zu bringen, da er zu jung fei und Abu Ber ſah fi veranlaßt, Legtern zu bewegen, dag er freimillig dem Dmar feinen Poſten überließ.“ Es heißt wörtlich bei Abulfeda, den Reiske hier ungenau überfegt: Ald Abu Beer zurückkehren mwollte, fagte er zu Ujama: wenn du es gut findeft, mich durh Omar zu unterftügen, fo tbue ed! Da erlaubte Ufama dem Omar zu bfei- ben. Dafür hat Reisfe: »Tandem in urbem regressurus Abu-Bekr, compellans blandis verbis Osamam, si quid, ait, gratifieare mihi te posse putas in Omaro voti sui damnando, fac quaeso. Quo audito statim Osama militiae veniam Omaro dabat.«
2) Tabari ©. 48. Bon Kofegarten in feiner leberfegung aber bis hierher ausgelaffen. Ueber das Verftümmeln (im Terte tumath- thilu, an deifen Richtigfeit de Sacy im journal des savans a. a. D. ohne Grund gezweifelt) f. Leben Mohammeds ©. 129 An- merf. 179,
10 Erſtes Hauptftüd.
Kinder noch Frauen, noch reife, zerftöret feine Dattelbäaume oder fonftige fruchttragende Bäume, ſchlachtet Feinerlei Vieh, außer wenn ihr es zur Nahrung brauchet! Wenn ihr zu Männern fommet, welche zurüdgezogen in Zellen leben, fo verfchonet fie! Bringt euh Jemand Speifen entgegen, fo genieget fie nad und nad ), unter Erwähnung des Namen Gottes. Begegnet ihr Männern, welche ihren Scheitel ab- geichoren haben und die übrigen Haupthaare in langen Flech— ten tragen, fo berühret fie nur mit der Breite des Schwertes und fo ziehet nun in Gottes Namen! Gott beihüse euch unter Krieg und Peſt 1” -
Diefe Expedition Ufama’s, welche nichts anderes be- zwecken follte, als einige entlegene arabifhe Stämme, bie an dem Treffen bet Muta Theil genommen, zu züchtigen, war um jo auffallender, da dieſe Truppen viel beffer zur Unterdrüdung der Unruhen, welche in Arabien felbft, theils ſchon ausgebro- chen, theils leicht vorauszufehen waren, hätten verwendet wer- den können. Selbft von Aswad's Tod und der Niederlage feiner Anhänger, welche gleichzeitig mit Mohammeds Tod ftatt fand, konnte damals Abu Bekr noch feine Nachricht er- halten haben 3); nichts hätte ihm dringender fcheinen follen,
1) Wahrfcheinlih wollte er mit diefen Worten (scheian baada scheiin) fie gegen Vergiftung vorfihtig machen.
2) Eine andere in Djurf gehaltene Rede Abu Bekr's, welche auch Tabari ©. 42 anführt, verdient feine bejondere Ermähnung, indem fie nur allgemeine Ermahnungen enthält, wie man fie häufig im Koran findet; nur folgende Worte, weiche gewiſſermaßen alles Tadelnswerthe an ihm entfchuldigen follen, dürfen nicht übergangen werden. Nachdem er nämlich erklärt hatte, wie er fich bemühen würde, in Mohammeds FZußtapfen zu wandeln, dem Niemand Die geringste Ungerechtigkeit vorzumerfen hatte, fährt er fort: „Sch bin aber zumeilen von einem Dämon befeffen, der fih meiner bemeiitert; dann bleibet fern von mir, damit ich an euren Haaren und eurem Fleifhe feine Merkmale davon zurüclaffe.‘
3) Ber Tabari ©. 74: Abu Beer fandte das Heer des Uſama Ton Zeid End Rabia Amwal ab und die Nachricht von dem Tode
Abu Bekr. 11
als diefen Rebellen und falfchen Propheten zu befriegen, wel: cher fhon ganz Jemen bis Taif und Bchrein unterworfen ) und die mufelmänniichen Statthalter in die Flucht getrieben batte.
Der unerwartet fchnelle und glüdlihe Ausgang diefer Empörung fonnte um fo weniger vorausgefehen werden, ale er nur durch Berratb bewerfitelligt ward. Aswad hatte näm— lich die Wittwe des von ihm erfchlagenen Schehr Ibn Bad— ſam, Statthalter von Sanaa, gebeirathet und nad) mehreren gewonnenen Schlachten die Feldherren, denen er feine Siege verdanfte, mit Geringfhäsung behandelt, fo daß fie ſich gegen ihn verfchworen und im Einverftändniffe mit feiner noch um Schehr trauernden Gattin, ihn meuchelmörderiſch umbrachten und gemeine Sache mit den Mufelmännern machten ?),
des Anafiten (Aswad's) Fam ihm End Rabia Achir zu, nah dem Auszuge Uſama's, und dies war die erfte Siegesbotfchaft, melde Abu Befr erhielt, während er noch in Medina war. Demungeachtet berichtet Tabarı ©. 68: Die Nachricht von dem Tode des Anafiten kam dem Propheten vom Himmel zu in der Nacht, in welder er getödtet ward, damit er fie und mittheile. Er (Mohammed) fagte: „Der Anafite ift geftern getödtet worden von einem gefegneten Manne aus einem gejegneten Haufe." Man fragte: wer hat ihn getödtet? Er antwortete: Feirus. 1) Tabari ©. 56 u. ff.
2) Asmwad gleiht, nah der muſelmänniſchen Tradition, voll: fommen dem Samfon der Bibel; er fannte die PVerräther und mußte auch, daß Einer derfelben mit feiner Gattin, deren Better er war, geheime Zujammenfünfte hielt, und doch brachte er die Nacht mit ihr in einem Haufe zu, das nad) einer Seite ganz frei und un: bewaht war, jo daß feine Feinde die Mauer durchbohren und ihn erjchlagen fonnten. Schon einige Tage vorher läßt ſich Aswad von dem aus ihm fprehenden Geifte oder Satan jagen: „Du haft dich zu Keis hingeneigt und ihn geehrt, bis er aufs Enafte mit dir ver- kunden war und an Macht und Anjehen dir gleih Fam, da neigt er fi zu deinem Feinde hin und gelüftet nad) deiner Herrichaft und finnt auf Verrath. (Zabari ©. 58.) Zu Feirus, dem andern Ber: räther, ſagt er auch, (©. 62) nachdem er hundert Kameele und Kühe
12 Erftes Hauptftüd.
War aber auch Abu Bekr ohne fein Wiffen von dieſem gefährlichen Feinde befreit worden, jo hatte er in der nächſten Umgebung Medinas Aufruhr und Widerfpenftigfeit zu befäm- pfen, ja feine eigene Reſidenz war einem nächtlichen Leber: falle bloßgeftellt. In allen Provinzen Arabiens fträubte man fi) gegen eine Herrfhaft, die bloß auf der Wahl weniger Freunde und Stammgenoffen beruhte. Nur in feiner Eigen- fchaft als Prophet fonnte Mohammed über die an Freiheit gewöhnten Beduinenftämme einige Macht ausüben. Mit feis nem Tode löften ſich alle Bande der Abhängigkeit. Hier er- hoben fih Pieudopropheten, welde im Namen Gottes die Dbergewalt in Anfpruch nahmen, dort wollte man nur einem Häuptling aus dem eigenen Gefchlechte gehorchen, und allent- halben war man froh, auf irgend eine Weife die nicht un- bedeutende fogenannte Armenfteuer los zu werden I), melde zivar zu nüglichen und wohlthätigen Zweden verwendet wer: den follte, doch nicht immer zum Bortheile der Stämme, von denen fie entrichtet worden 2).
Abs und Dfubian, denen fid) noch einige andere an— dere anfchlojfen, waren die erfien Stämme, welde bald nad Ufama’s Abzug Abu Befr erflärten, fie würden ihm nur un-
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nad einander gejchlachtet: „Feirus! ift das, was mir von dir be- richtet worden, wahr? Indem er dann das Schwert gegen ihn er: hob, fuhr er fort: ich habe beſchloſſen, dich zu Schlachten und diefen Thieren nachzuſenden.“ Aswad führte den Beinamen „Diul Chi: mar“, weil er einen Schleier trug. Nah andern hieß er Dfu’l Hi: mar, weil er einen Gjel hatte, welcher abgerichtet war, fi vor ihm zu verbeugen. So im türf. Kamuß, im Arabijchen fcheint nach Koſe— garten (S. 259) nur legtere Bedeutung vorzufommen,
1) Bei Tabarı ©, 11V fagt Kurra, Häuptling der Benu Amir, zu Amru: Die Araber find euch wegen der euch zu entrichtenden Steuern nidyt gut; höret ihr auf, von ihnen einen Theil ihrer Güter zu fordern, jo werden fie euch Gehorfam leiften, wo nicht, jo glaube ih nicht, daß wir gemeine Sache mit euch) machen werden.
2) ©. Leben Mohammeds ©, 25%— 253.
Abu Ber. 13
ter der Bedingung buldigen, daß er ihnen die Armenfteuer erlaffe. Omar !) rietb zu einem gütlichen Vergleich. Abu Befr antwortete aber den Abgeordneten, welche ihm biefen Antrag machten: Verſagt ihr mir ein einziges jähriges Schaaf oder Kameel 2), welches dem Propheten bewilligt worden, fo erkläre ich euch den Krieg.
Sobald indeffen die Abgeordneten mit dieſer Antwort entlaffen waren, lieg Abu Bekr die drei Zugänge der Stadt durh Alt, Talha und Zubeir bewachen, verfammelte die Mu- felmänner in der Mofchee und fagte ihnen: „Das Land ift abtrünnig und die Abgeordneten der Rebellen haben eure Schwäche wahrgenommen. Ihr Fünnt nicht wilfen, ob fie euch bei Tag oder bei Nacht überfallen, und ob ihre Bor: posten nicht fchon die nächte Station erreicht haben, Sie glaubten, wir würden ihre Anträge genehmigen und Frieden mit ihnen fchliegen, wir haben fie aber mit Entrüftung ver-
D Bei Sujuti ©. 77 erzählt Omar feldft: Nah dem Tode des Gefandten Gotted wurden die Araber abtrünnig und fagten: beten wollen wir, aber feine Armenfteuer entrichten. Da ging ich zu Abu Ber und fagte ihm; D Chalife des Gejandten Gottes! fei mild gegen dieje Leute und fuche fie durh Güte zu gewinnen, denn fie fteben auf der Stufe wilder Thiere. Abu Beer ermwiederte: Sch erwartete deinen Beiftand und nun ertheilft du mir falfchen Rath, du Held im Heidenthume und Scwähling im Sslam! womit fol ich fie zu geminnen ſuchen? etwa mit erlogenen Verſen oder erdich- tetem Zauber? fern von mir! fern von mir! der Prophet ift todt und die Offenbarung hat aufgehört. Bei Gott, ich befriege fie fo fange meine Hand ein Schwert zu halten vermag, wenn fie mir nur ein jähriged Kameel verfagen. Bet diefer Gelegenheit (jo erzählt Dmar) fand ih ihn fefter und entfchiedener, als ich felbft war.“
2) Tabari ©. 82. Dies ift die Bedeutung von »Ikal« nad dem Kamuß, wo diefe Tradition angeführt wird, nicht wie bei Kofe: garten, welcher Abu Beer fagen läßt: vetsi illi non denegarent nisi unius cameli vinculum, tamen propterea bellum iis inferrem.« Das Folgende bei Tabart ıft nicht recht Elar, Ber Dfahabi Fol. 110 lieſt man »Ikalan au Anakana, fegteres bedeutet eine zweijährige Armen: fteuer, f. auch den Kamuß unter Anak (ain, nun, kaf).
14 Erftes Hauptſtück.
worfen ) und ihnen den Krieg erklärt, darum rüſtet euch und haltet euch fchlagfertig !”
Dieſe Vorfichtsinagregein waren nicht überflüfftg, denn in einer der folgenden Nächte verfuchten es in der That die Rebellen, Medina zu überrumpeln, mußten aber, als fie die Engpäffe in der Nähe der Stadt befeßt fanden, ihr Vorha— ben aufgeben und wurden fogar, als fämmtlihe Bewohner Medinas einen Ausfall machten, in die Flucht getrieben ?). Am folgenden Morgen überfiel Abu Bekr plötzlich die in Dſu'l Kiffa, eine Tagereife von Medina, gegen die Provinz Nedjd bin, verfammelten aufrührerifchen Stämme und nö— thigte fie, fih mit Verluſt zurückzuziehen. Hier befchworen die getreuen Mufelmänner Abu Befr, er möchte fich doch fei- ner weitern Gefahr mehr ausfegen, fondern nah Medina zurüdfehren und den Dberbefehl einem Andern übergeben. Er gab ihnen aber fein Gehör und nahm auch noch an dem Treffen bei Abraf Theil, in welchem die Abfiten und Befriten gefchlagen wurden. Inzwiſchen kehrte Uſama von feinem Streifzuge nad der fyrifchen Grenze zurüf und jetzt erft fonnte Abu Bekr daran denfen, auch die entlegenen abtrünni- gen Provinzen zu unterwerfen. Er verfammelte in Dfu’l Kiffa alle marfchfertigen Truppen, ernannte elf Anführer unb wies jedem derfelben den zu befriegenden Feind an. Jeder Feldherr follte die geringe Mannfchaft, die mit ihn von Me- dina auszog ©), durch die treu gebliebenen Mufelmänner der
1) Sc lefe »abeina« ftatt »ateina«, welches Kofegarten ©. 85 überſetzt: »sed contra eos insurreximus«, denn »ata« mit der Präpof. »alac hat nah dem Kamuß die Bedeutung „beftegen, zu Grund richten, was doch damals noch nicht gefchehen war,
2) Die Mufelmänner fegten ihnen bis Dfu Hifa nad. Hier wurden ihre Kameele von einer Abtheilung Rebellen, welche an die: fem Orte aufgeftellt war, zurüdgetrieben und zwar nach Tabari S. 84 dadurd, dag man ihnen aufgeblafene Schläuche vorhielt, de- ren Anblick dieſes Thier nicht ertragen kann.
3) Die elf Feldherren hatten zufammen nach Tabarı ©. 82 nur 8000 Mann.
Abu Ber 15
zu durchziehenden Provinzen verftärfen, und vor Eröffnung der Feindfeligfeiten die Abtrünnigen durch folgendes Nund- fchreiben zur Unterwerfung auffordern:
Bon Abu Befr, dem Nachfolger des Gefandten Gottes, (der Herr fei ihm gnädig und beſchütze ihn!) am Jeden, zu dem dieſes Schreiben gelangt, fowohl an die Befehlshaber wie an die Untergebenen, an die im Glauben Berharrenden, wie an die Abtrünnigen,
Gruß denjenigen, welche der göttlichen Leitung folgen und nicht von Neuem in Irrthum und Trug verfinfen. Ich preife Gott für euch, außer dem es feinen gibt. Ich befenne, dag er einzig it, obne Genoffen und dag Mohammed fein Knecht und fein Gefandter war. Wir beftätigen dag, was er ung gebracht, und erflären für gottlog und befriegen diejent- gen, die ed verwerfen. Allah, der Erhabene, hat nämlich Mohammed, als ein ftrahlendes Licht, mit göttlicher Wahrheit zu feinen Gefhöpfen gefandt, um fie zu ihm zu rufen durch Verheißungen und Drohungen. Er follte allen Lebenden pre= Digen und den Ungläubigen die Wahrheit verfünden ). Gott
1) Wenn Abu Beer es nothwendig findet, fih fo ausführlich über Mohammeds Tod auszufprehen und mehrere Koranverfe an: zuführen, um zu beweifen, daß er vorhergefagt war, fo laßt fid wohl daraus fchliegen, dag nicht blog Omar in der erften Beftürzung daran nicht glauben wollte, fondern dag man Mohammed allent- halben für unfterblih hielt. Bon Werfen, welche ihn für fterblich erklären, wußte Niemand etwas, bis fie Abu Beer befannt madte oder erdichtete. j. Leben Mohammeds ©. 351. Mohammeds lekte Rede wäre demnad) natürlich auch unächt, oder er hielt fie nur vor we: nigen Freunden, kurz vor feinem Tode. Dies erklärt am beiten, warum er nichts über die Nachfolge beftimmt. Noch einen Beweis, daß beim Leben Mohammeds er in Arabien für unfterblih galt jiefert Tabari ©. 182, wo es heißt: „Nach dem Tode des Propheten, jagte der Stamm Abd Alkeis: wäre Mohammed ein Prophet ge— wejen, jo würde er nicht geftorben fein und ward daher wieder abtrün— nig.“ Mehrfah unrichtig ift Folgendes bei Flügel ©. 16: „Den Omar aber, der jedem den Kopf zu fpalten drohte, der wagen würde, fei-
16 Erfies Hauptſtück.
bat diejenigen geleitet, die ihm Gehör gefchenft und Moham- med bat diejenigen, die ihm den Rüden gefehrt, befämpft, bis fie freiwillig oder gezwungen fih zum Islam befehrt. Nachdem er aber Gottes Befehl vollzogen, fein Volk auf den rechten Weg geführt und feinen Beruf erfüllt hatte, nahm ihn Gott zu fih. Dies (Mohammeds Tod) hatte Gott ihm und den Mufelmännern in der geoffenbarten Schrift voraug- gefagt, denn es heißt: „Du wirft fterben und auch fie wer- den fterben.” Ferner: „Wir haben Niemanden vor dir Unfterb- lichkeit verliehen, wenn du fterblich bift, werden fie wohl ewig leben 2” Ferner, die Mufelmänner anredend: „Die Gefandten vor ihm find geftorben, werdet ihr daher zum Unglauben zu- rückkehren, wenn er ftirbt oder getödtet wird? Wer rüdgän- gig wird, der fügt Gott dadurch Fein Leid zu, aber Gott wird die Danfbaren belohnen.” Wer aljo blog Mohammed diente — Mohammed ift todt. Wer aber Gott diente, num, Gott lebt noch und ftirbt nie, fondern er wacht immerfort, bewahrt fein Wort und nimmt Rache an feinen Feinden. Ich fordere euch daher auf, Gott zu fürchten und das zu beob- achten, was euch euer Prophet geoffenbart, denn nur von Gott hängt euer ganzes Schickſal ab. Folget feiner Leitung,
nen Glauben an den Tod Mohammeds auszuſprechen, brachte der verjühnende Abu Beer durch den Ausruf zum Schweigen: Möchtet ihr wieder zu dem zurüdfehren, was ihr früher waret, möchtet ihr wieder Heiden werden? Dmar, von diejen Worten ergriffen, ver: mochte nit zu antworten, und ftatt jedes Widerftandes, huldigte er dem Schwiegervater Mohammeds, worauf die herbeigeftürzte Menge daffelbe that (Mitte Suni 632). Wenn Omar wirklich an dem Tode Mohammeds zweifelte, fo brachte ihn nicht der angeführte Ausruf Abu Bekr's, fondern die vorhergehenden Worte deſſelben Korans— verfeg, in welchem Mohammeds Sterblichfeit ausgejprochen ift Cjiehe Abulfeda ©. 204), zum Schweigen, Auch fand die Huldigung nicht Mirte Zuni, fondern am Sten oder Iten dieſes Monats ftatt, und was Flügel nachher von der Spaltung zwifchen den Ausgewanderten und Hülfsgenoffen berichtet, ging der Huldigung Omars voraus, der, wie oben erwähnt, fih mit Abu Ber in ihre Mitte begab.
Abu Belr. 17
baltet feft an feinem Glauben. Wen Gott nicht Yeitet, der gebt irre, wer ihn nicht anbetet, ift getäufcht. ...
Ich babe vernommen, daß Manche unter euch, welche fih zur Religion des Islams befannt hatten, wieder davon abgefallen find, fie haben in ihrer Blindheit die Sache Gottes verlafjen, um dem Nufe Satans zu folgen, welcher der Schrift zufolge der erbittertfie Feind der Menſchen ift.. ..
Ich fende euch daher N, N. mit einer Abtheilung Aug: gewwanderter, Hülfsgenoffen und anderer jüngeren frommen ‚ Männer mit dem Befehle, nichts Anderes anzunehmen, als den Glauben an Gott, und Niemanden aufzunehmen, ohne ihn vorber zum Glauben an Gott aufgefordert zu haben. Wer diefe Aufforderung ermwiedert und gerecht handelt, wird aufgenommen und befchügt, wer widerftrebt, wird befriegt, big er zur Sache Gottes zurüdfehrt. Kein Abtrünniger foll ver- fchont bleiben, fie follen den Feuertod fterben oder auf jede andere mögliche Weife getödtet werben, und ihre Kinder und Frauen als Sklaven den Mufelmännern anbeimfallen. ... Ich babe meinem Gefandten befohlen, diefes Nundfchreiben jeder Gemeinde vorzulefen, und den Ausruf zum Gebete alg Aufforderung zum Islam gelten zu laffen. Diejenigen Ge- meinden, die auch fogleih das Gebet ausrufen, jollen ver- ſchont bleiben, die es aber nicht thun, follen als Feinde be- bandelt werben, bis fie fih zum Glauben befennen.
Diefe Prorlamation wurde durd) Gefandte dem Deere vorausgeſchickt. Die verfchiedenen Feloherren aber erhielten von Abu Bekr ein anderes Schreiben, welches alfo lautete:
Dies ift der Befehl Abu Bekr’s, Stellvertreter des Ge— fandten Gottes, an N, N., als er ihn in ven Kampf gegen die Abtrünnigen fandte.
Bor Allem foll er Gott fürchten, fowohl in feinen öffent- lichen als verborgenen Handlungen Gottes Sache mit Eifer dienen, feine Feinde unaufhaltſam befimpfen, bis fie in den Schooß des Islams zurüdfehren, dann aber foll er fie befannt machen mit dem, was fie anzufprechen und zu entrichten ha—
2
18 Erftes Hauptſtück.
ben, fie follen empfangen, was ihnen gebührt, aber auch ohne Rückficht angehalten werden, ihren Obliegenheiten nachzukom— men. Er foll ferner die Mufelmänner nicht abhalten, ihre Feinde zu befriegen, doch foll er jeden aufnehmen und ihm Beiftand leiften, der dem Aufrufe zur Sade Gottes Gehör gibt und fid) als Gläubiger bewährt, denn wir befämpfen bie an Gott Ölaubenden nur, big fie auch das von ihm Ausge— gangene anerkennen, thun fie dies, fo dürfen fie nicht ange- feindet werden, Gott wird fie richten für das, was fie in ihrem Innern verbergen. Diejenigen aber, welche diefer Auf- forderung fein Gehör geben, follen bekämpft und getödtet wer- den, wo man fie findet. Er foll von ihnen nichts Anderes alg den Islam annehmen,. wer fid) Dazu befennt und fi als Gläubiger dur) die That bewährt, der foll von ihm aufge- nommen und unterrichtet werden, Wer aber den Islam nicht annimmt, den foll er mit Feuer und Schwert befriegen und wenn ihm Gott den Sieg über den Feind verleiht, fo foll er die Beute tHeilen, ung aber den fünften Theil derfelben zu— fenden. Seine Gefährten foll er von Verwegenheit und Ber- dorbenheit abhalten, und feinen Fremden unter feine Leute aufnehmen, den er nicht genau kennt .. . ). Er fei gerecht gegen die Muſelmänner und ſchone fie ſowohl auf dem Marfche, als im Lager und zerftreue fie nicht zu jehr. Er fei flets für das Wohl der Mufelmänner beforgt, er behandle fie als treue Gefährten und fei freundlich im Umgange mit ihnen! Chalid, der erfte der elf von Abu Bekr ernannten Häupt- linge, ward zuerft gegen Tuleiha gefandt, welcher noch beim Leben Mohammeds fih aud für einen Propheten ausgab und gleich ihm fi) in gereimter Profa ausdrüdte, die ale himmlische Offenbarung gelten follte. Er war aus dem Stamme Afad, der ihm feine Hufdigung darbrachte, was auch
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1) Die hier ausgelaſſenen Worte find im Texte nicht ganz klar und lauten bei Kofegarten: »Neque divites hi sint, neque ab üs ho- mines lacessantur, «
Abu Befr 19
der mit demfelben verbündete Stamm Fazara that. Später ſchloſſen fih ihnen auch die Flüchtlinge der von Abu Bekr gefchlagenen Stämme Abs und Dfubian an, Selbſt Ujeina Fon Hin, aus dem Stamme Ghatafan, welcher fo reichlich son Mohammed befchenft worden war T), ward abtrünnig, weil Ghatafan, Afad und Fazara früher Bundesgenoffen wa- ren und Ujeina daher fagte: „Bei Gott, es ift beffer, wir gehorchen einem Propheten aus den mit ung befreundeten Stämmen, als einem Kureifchiten. Uebrigens ift Mohammed todt und Tuleiha lebt noch 2).“
Chalid fonnte mit der geringen Mannfchaft, die er bet fih führte, Feinen Kampf wagen; erft als ihm Adif, der Sohn Hatims, eine bedeutende Berftärfung aus dem Stamme Tai zuführte, zog er dem Feinde entgegen und fehlug ihn bei Buzacha. Ujeina ward gefangen und nah Medina gefandt. Abu Bekr begnadigte ihn jedoch, obgleich er auf die Frage: warum er dem Islam wieder abtrünnig geworden, offen ge- ftand, daß er nie ein wirflicher Gläubiger gewefen 3). Tu— leiha flüchtete fih nad) Syrien, befehrte ſich jedoch fpäter aufs Neue zum Islam ?).
Nach der Niederlage bei Buzacha fehrten auch die abge— falfenen Benu Amir zum Jslam zurüdf und erhielten ihre Be— gnadigung; nur diejenigen, welche während des Aufitandes irgend einen Mufelmann getödtet hatten, wurden auf Abu Bekr's Befehl auf die graufamfte Weife hingerichtet. Die Einen wurden von hohen Bergen herabgeftürzt, Andere ge- feffelt und mit Steinen zermalmt, wieder Andere, wie Fud— jaa, welcher von Abu Bekr feldft Waffen und Kameele er- halten und fie dann gegen Mufelmänner gebraucht hatte,
1) ©. Leben Mohammeds ©. 239, 2) Tab. ©. 106. 3) Ibid. ©. 110.
4) Ibid. &, 112. 2 %
20 Erftes Hauptſtück.
wurden auf dem Begräbnißplase zu Medina verbrannt N). Noch einmal vereinigten ſich die Flüchtlinge der aufrührerijchen Stimme um Salma oder Umm Ziml, eine angefehene Frau aus dem Stamme Ohatafan 2); fie wurden aber aud) dieg- mal von Chalid geichlagen und Umm Zimt! felbft ward getöd- tet, nachdem hundert Mann gefallen waren, die das Kameel, auf dem fie faß, beſchützten.
Gefährliher ale Umm Ziml hätte ein anderes Weib den Mufelmännern werden fünnen, wenn die übrigen Rebellen fi) mit ihr vereinigt hätten, und fie nicht durch Muſeilama um ihr Anfeben gefommen wäre. Dies war Sabjah, eine Chriftin aus dem mächtigen Stamme der Benu Tagplib, wel- her einen großen Theil von Mefopotamien inne hatte. Schon längft beherrfchte fie als Prophetin ihre Stammgenoſſen, de: nen fih bald auch Hudfeil, Scheiban und einige andere Stämme anfchloffen. Mohammeds Tod war ihr eine er- wünfchte Gelegenheit, um ihre Herrichaft weiter auszudehnen, Schon hatte fie Malif Ibn Numeira, das Oberhaupt ber Benu Malik und Waki' Fon Malik, den Anführer der Benu Jarbu' gewonnen und beſchloſſen, die Truppen Abu Befr’s anzugreifen. Die beiden genannten Stämme weigerten fi) aber bald, mit ihr in ein Bündniß zu treten und Fündigten ihren Häuptern den Gehorfam auf 3). Als daher, nad) einem
1) Ibid. ©. 120.
2) Sie war die Tochter Malik's Ibn Hudfeifa, eines der reich: ten und angefehenften Männer feines Stammes. Sn einem Streif- zuge gegen diefen Stamm ward fie noch bei Mohammeds Lebzeiten gefangen genommen und nad Medina gebracht. Aiſcha nahm fie auf und befehrte fie zum Islam. Nach einiger Zeit erlaubte ihr Aiſcha zu ihrer Familie zurückzufehren, um fie auch im neuen Glau— ben zu unterrihten. Ihr Vater ftarb aber bald nad ihrer Rückkehr und fie erbte feine Reihthümer und mit denjelben auch fein Anjehen unter den Benu Ghatafan. Sie ſchloß fih dann, nah Mohammedd Tod, auch den Abtrünnigen an, weil ihr Bruder von Mujelmännern erfhlagen worden war.
8) Das für die Beurtheilung Chalid’s nicht unmwichtige Verhält—
Abu Befr, 21
Treffen, in welchem mehrere Anführer von Sadjah's Truppen gefangen wurden, Malif und Waki' wieder von ihr abftelen, verließ fie das Gebiet der Benu Tamım wieder und gab den Befehl zum Aufbruch nad) der Provinz Jamama, in welcher Mufeilama I) fi feitgefegt hatte. Sobald diefer von dem
nis Sadjahs zu Malit Son Numeira wird im türfiihen Tabari S. 87 folgenderweije dargeftellt: Kurz nad Mohammeds Tod, als viele Araber die Armenfteuer verweigerten, hörten doch Malik und fein Sohn Walt, melde die Hiupter der Stämme Benu Malik und Benu Jarbu' waren, nicht auf, fie einzufordern und nad Medina zu jenden. Die zahlreihern Benu Dhobba aber, ein Zweig der Benu Tamim, welbhe auch abtrünnig geworden, feindeten fie deshalb an und tödteten mehrere der Benu Malik. Als Sadjah in ihr Sand fam und fie aufforderte, fih mit ihr zu verbünden, wiejen ſie fie zurüd, theild® aus Furcht sor Chalid, welcher niht mehr fern war, theils meil fie mit den Benu Hudjeil, aus denen ein Theil ihres Heeres beftand, in Fehde lebten. Sadjah wendete fih hierauf an Malik und diefer ſchloß ein Bündnig mit ihr, nur um eine Gele: genheit zu finden, fih an den Benu Dhobbah zu rächen. Lestere wurden in der That gefhlagen, als aber hierauf Sadjah gegen Ja— mama 503, ward fie von den Benu Amru überfallen, welde, mie die Benu Dhobba, ein Zweig der Benu Tamım waren. Nach die: fer Niederlage fagten die Benu Malik: wir haben unſern Zweck erreicht und jegen uns vergebens weitern Feinpdfeligfeiten aus, da: rum fehren wir lieber in unjre Heimath zurüd u, ſ. w.
1) Bon Mufeilama willen wir auch wenig mehr, als von den vielen andern faljhen Propheten, welhe damals in Mohammeds Fußtapfen freten wollten. Er ſchlug jhon Mohammed eine Thei- fung der Herrfchaft über Arabien vor und mollte jest Sadjah den von den Kureifhiten verſchmähten Theil überlajfen. Auch er ver- fuchte allerlei Wunder zu üben, wie man fie von Mohammed er: zählte. Bon den fünf Gebeten, welche der Mufelmann täglich zu serrichten hat, erließ er zwer, nämlich das Früh- und das Nacht— gebet. Die Ehe fah er nur als ein Mittel, Söhne zu zeugen, an, fobald jemand einen Sohn hatte, follte er feiner Frau nicht mehr beimohnen. Auc hatte er ein gewiffes Gebiet, in der Provinz Ja— mama, als Heiligthum erklärt, wie ed das von Mekka für die Mu- jelmänner war. Er ertheilte Kindern jeinen Gegen und betete für Kranke und andere Unglüclihe. Seine Offenbarungen waren ın
22 Erftes Hauptftüd,
Anzuge Sadjah's mit einem zahlreihen Heere unterrichtet ward, fandte er ihr einige Gefchenfe und erbat ſich eine Zu- fammenfunft mit ihr, welde fie ihm auch gewährte und die nad einigen Berichten drei Tage dauerte, Mufeilama ſchlug ihr vor, gemeine Sache mit ihm zu machen und die Herr= [haft mit ihm zu theilen, doch follte fie, entweder weil er feine Nebenbuhlerin haben wollte, oder weil er einem Theile ihrer Truppen ) nicht traute, fich fo lange zurüdziehen, bis er die Mufelmänner befiegt haben würde, Sie fehrte hierauf zu ihren Stammgenoffen zurüd, doch erft nachdem ihr Mu- jeilama bedeutende Summen ausbezahlt und andere nachzu— fenden verſprach 2). Mufeilama, der jeden Augenblid einen Angriff der Mufelmänner befürchtete, mußte nachgeben, nach— dem er wahricheinlich fi) vergebens bemüht hatte, einen Theil ihrer Truppen zu bewegen, fi mit den Seinigen zu ver- einigen.
Sadjah hatte faum mit ihren Schaaren Jamama ver-
furzen gereimten Sätzen, gleich denen Mohammeds in den ältejten meffanifhen Suren. Viele Araber ſchloſſen jih ihm an, ohne an ihn zu glauben, fo fagte ihm (bei Tabarı ©. 156) Talha der Na— marite: „ich weiß, dag du ein Lügner bift, Mohammed aber ein wahrer Prophet, doc ift mir ein Lügner aus dem Geſchlechte Rabia lieber, ald ein wahrer Brophet aus dem Geſchlechte Mudhar.” Nach einer andern (wahrfcheinlichern) Tradition fagte er ihm: „ein Lügner aus Rabia ift mir lieber als ein Lügner aus Mudhar.“ Das Mu: feilama, wie eine von Europäern nachgefchriebene Tradition bei Ta— bari lautet, fih mit Sadjah drei Tage lang den größten Ausſchwei— fungen hingegeben habe, iſt troß dem ©. 186 angeführten Gedicht: hen, dem obſconſten, das vielleicht die arabifche Literatur aufzuwei— fen hat, doch nur eine Erfindung der Mujelmänner, da Mufeilama damals über hundert, nach Sujuti (S. 82) jogar hundert und fünf- zig Sahre alt war. -
1) Nach Tab, ©. 89 befonders den mit ihr vereinten Benu Ta: mim nicht, die fie auch in der That bald verliefen und in den Schooß des Islams zurückehrten,
2) Die Hälfte der Einkünfte der Provinz Jamama mußte er gleich bezahlen und die andere Hälfte follte er nachliefern.
Abu Betr. 23
laffen, als in der That Ikirma mit einer Abtheilung Mufel- männer in diefe Provinz einftel. Er wagte aber, ehe ihm die verfprochene Verftärfung zufam, gegen den Befehl Abu Bekr’s, ein Treffen, in welchem Muſeilama den Sieg davon trug. Als Abu Bekr von der Niederlage Ikirma's Nachricht erhielt, fand er es für rathſam, Chalid zum Dberfeldherrn der gegen Mufeilama beftimmten Truppen zu ernennen, ob» ſchon diefer eines foldhen Amtes nicht mehr würdig war und Dmar fogar deffen Hinrichtung verlangte. Chalid hatte fic) nämlich, nad) feinem Siege über die unter Tuleiha und Umm Ziml vereinigten Stämme, gegen den Willen der angefehen- ften ihn begleitenden Mufelmänner, nad Bitah gezogen, wo Malit Fon Nuweira feinen Sitz hatte, obſchon diefer längſt wieder feine Truppen entlaffen und zum Gehorfam gegen den Chalifen zurüdgefehrt war. Malif ward gefangen genommen und mit mehreren feiner Gefährten des Nachts auf Chalidg Befehl ermordet, welcher auch fogleich deſſen Wittwe heiras thete, obgleih es bei den Arabern gegen alle Sitte war, während eines Feldzugs eine Che zu fchliegen. So fehr aber auch diefe Heirath Chalid zum Mörder ftempelte, nahm doch Abu Bekr feine Entſchuldigung ) an und behauptete, einen
1) Chalid wird auf verſchiedene Weife entfchuldigt. Nach eini— gen, behaupteten mehrere jeiner Emijjarien, Malik habe dem Rufe des Muaddzins zum Gebete nicht Folge geleiftet, nah Andern fol Malik in feiner Unterredung mit Chalid Mohammed „euern Herrn“ genannt haben, ftatt „unſern.“ Wieder Andere nehmen an, Chalid habe gar nicht den Befehl zur Ermordung der Gefangenen gegeben, aber das Wort, das er gebrauchte, um zu fagen, man folle ihnen. einheizen, ſei mißverftanden worden, weil es in dem Dialekte der: jenigen, denen ſie anvertraut waren, „erjchlagen“ bedeutet. Daß Chalid, wie man aus Abulfeda ©. 216 gefchloffen, Maliks Wittwe während ihrer Reinigung beigewohnt, wird nicht von ihm gefagt, es heißt ſogar ausdrüdlich bei Tabari ©. 145: »Chalid uxorem duxerat (d. h. ſchloß den Ehevertrag mit ihr) Omm Tmim filiam El Minhali (fo hieß Maliks Frau) qguam reliquit propterea quod in menstruis erat.a S. auch mein Leben Mohammeds ©. 229— 231. Aud von
24 Erftes Hauptſtück.
Mann nicht entlaffen oder betrafen zu können, welchem Mo— hammed den ehrenvollen Namen „Schwerbt Gottes“ gegeben N).
Noch ehe Chalid aber mit feinen Truppen nad) Jamama gelangte, hatte Mufeilama ein zweites Treffen gegen Schurah- bil gewonnen, welder, durch das Schiefal Ikirma's nicht Flug geworden, allein die Ehre haben wollte, den falfchen Propheten zu zernichten, der, nach mufelmännijchen, allerdings übertriebe— nen, Berichten über vierzigtaufend Mann ?) zu verfügen hatte, Da aber Mufeilama’s Truppen zahlreich und tapfer gewefen fein müffen, gebt fchon daraus hervor, daß felbft der fchnell zu fiegen gewohnte Chalid, welcher die größte Borficht mit männlicher Tapferfeit paarte, nahe daran war zu unterliegen.
einer Verweigerung der Armenjteuer, wodurd allerdings Chalid be: rechtigt gemwejen wäre, Malik als Abtrünnigen zu beftrafen, ift bei Tabari feine Rede. In der Hamafa (ed. Freytag. p. 371) lieft man: „Nahdem 45 Mann von den Benu Bahan unter Malik gefallen waren, forderte ihn Chalıd auf, Mufelmann zu werden. Malıf fragte: was gibt du mir dann? Chalid antwortete: den Schutz Gottes, feines Gefandten, den Abu Bekr’s und Chalid's Ibn Welid, ih nehme dein Befenntnig an und thue dir fein Unrecht. Malik ging auf ihn zu und reichte ihm die Hand. Chalid hatte aber den Auftrag von Abu Bekr, ihn zu tödten; er faate ihm daher: Malık, - ich Taffe dich hinrihten. „Thu dies nicht!” „Sch Fann nicht anders.“ „So thue, was du nicht unterlaffen kannt!“ Chalid ftellte ihn dann feinen Leuten (um Tödten) vor, aber fie jcheuten fi, ihn zu tödten, und die Ausgewanderten (Mefkaner) fasten: willft du einen Mu: felmann tödten? nur Dharrsr Sbn Alaswar, aus dem Stamme Afad von den Benu Kus, machte ſich auf und erfchlug ihn.“
1) Chalid (ſo heißt es im ft. T. ©. 91) war mit Bilal, dem Pförtner Abu Bekr's, befreundet; als ıhn daher Omar vor Abu Beer führen wollte, meldete er Chalid allein und verfagte Omar den Zutritt. So gelang es Jenem, von dem Chalifen feine Begna: digung zu erwirfen, ohne daß Omar ihn davon abzuhalten vermochte, Dmar verlangte feinen Tod als Mörder Malifs, nicht wie bei Flü— gel ©. 19 „weil er nach feiner Meinung eines andern Weib zu zärtlich angefehen hatte.‘
2) Niht wie bei Elmafin ©. 16, mo die Zahl der Mufelmän- ner auf 40,000 angegeben wird,
Abu Bekr. 25
Die Mufelmänner wurden zu miederholtenmalen zurückgeſchla— gen und die Benu Hanifa, welche den Kern von Mufeila: ma’s Heere bildeten, waren fchon in Chalids Zelt gebrungen. Seine Gattin, um deretwillen er feinen glorreihen Namen mit Mord befledt, verdanfte ihr Leben nur Madjaa, einem Häuplinge der Benu Hanifa, welchen Chalid vor dem Treffen gefangen genommen. Doch die Mufelmännifchen Veteranen, welche wohl einfaben, daß es fich hier um die Eriftenz des Islams handelte, Fehrten immer wieder aufs Neue in den Kampf zurück, mehrere widmeten fi dem Tode und fpornten dur ihr Beifpiel die übrigen Krieger an. Chalid theilte feine Leute nad Stämmen ein, damit fie mit einander an Tapferfeit wetteifern follten, er felbft focht an ihrer Spike und nahm endlih zur Lit feine Zuflucht. Als er nämlich einfab, daß, fo lange Mufeilama feinen Plab behaupte, bie Benu Hanifa nicht nachgeben würden, rief er ihn zu ſich und machte ihm Friedensvorfchläge. Während diefer aber nach— Dachte, drang er auf ihn ein und nöthigte ihn, ſich mit den Seinigen in einen von hohen Mauern umgebenen Garten zurückzuziehen "). k
Barra Ibn Malik, einer derjenigen, welche ſich am meijten in der Schlacht ausgezeichnet hatten, ließ fi auf die Gartens mauer heben, fchlug diejenigen, welche das Thor bewacht
1) Der hierauf bezüglihe Tert bei Tabarı, ©. 170, ift fo man— gelhaft, dag man nicht recht weiß, wie es eigentlich zuging. Bei Kofegarten lieft man hierüber: „‚Itaque Moseilamam compellavit, im- pugnandi opportunitatem quaerens, responditque Moseilama. Proposuit ei autem nonnulla Chaled, quae grata ipsi essent; et: quodsi nos, inquit, dimidio regno contenti sumus, quod nam dimidium nobis dabis? Moseilama vero quum respondere vellet, vultum avertere solebat, dae- monem suum si aderat, de illa re consulens. Unde factum est, ut voltum forte illo avertente Chaled in eum irrueret, acriter eum pre- mens; tum pedem ille retulit, cesseruntque a fronte Chaledi hostes, qui suis: „agite dum! cavete ne impune ferant!“* Mox ab insistentibus Moslemis in fugam conjecti sunt Haniſitae.“
26 Erftes Hauptſtück.
hatten, zurück und Hffnete es den Mufelmännern. Nun be- gann ein fcehauderhaftes Gemetzel, wie noch feines unter den Arabern ftatt gefunden. Mufeilama felbft fiel nad) einigen Berichten von der Hand Wahfchi’s, deffelben Sklaven, welcher im Treffen bei Dhod Mohammeds Oheim Hamza erfchlagen. Die Zahl der Anhänger Mufeilama’s, die theils auf dem Schlachtfelde, theils im Garten geblieben, wird auf 10,000 angegeben. Doch auch von Seiten der Mufelmänner war der Berluft groß, befonders unter den Ausgewanderten und Hilfs: genoffen, jo daß nach diefem Kriege Abu Befr es für rath- fam hielt, ven Koran, welchen diefe Männer am beften aus— wendig wußten, Dadurch der Vergeſſenheit zu entziehen, daß er die yon bemfelben vorhandenen fchriftlichen Fragmente ſam— meln und vielleicht auch manches mündlich aufbewahrte auf ſchreiben ließ N).
Selbſt der grauſame und unerſchrockene Chalid fand nach ſeinem Siege über Muſeilama's Truppen, daß genug Blut der Benu Hanifa gefloſſen ſei und geſtattete daher denjenigen, welche ſich in die Stadt Jamama zurückgezogen hatten, einen annehmbaren Frieden. Freilich wurde er von Madjaa hinter— gangen, der ihm den Feind noch ſtärker ſchilderte, als er war, und um ihn leichter zu täuſchen, auch alle Frauen und Mäd— chen hatte in Männerrüſtung die Wälle beſteigen laſſen. Chalid verzieh ihm indeſſen, als er nach unterzeichnetem Friedens— ſchluſſe die gegen ihn gebrauchte Liſt entdeckte, wahrſcheinlich aus Liebe zu deſſen Tochter, die er abermals gegen das Her— kommen der Araber heurathete, noch ehe die Erde das Blut feiner Waffengefährten verſchlungen hatte ?).
1) ©. mein Leben Mohammeds ©. 348 u. ff.
2) Chalid ward nah dem türf, Tab. abermals bei Abu Behr ald Verräther angeklagt, wegen des für die Benu Hanifa zu gün- ftigen Friedensſchluſſes ſowohl, ald wegen feiner Heurath mit Mad: jaa's Tochter, der er eine damals unerhort große Morgengabe ent: richtete, die er natürlich von der noch nicht vertheilten Beute genommen, Auch foll er am erften Schlachttage nicht aus feinem Zelte
Abu Bekr. 27
Der zwifchen Chalid und den Bewohnern yon Jamama geichloffene Bertrag lautet:
„Dieß ift die Mebereinfunft Chalid's Ibn Welid mit Madjaa Ibn Marara, Salma Ibn Omeir un NN. Er geftattet ihnen Frieden gegen ihr Gold und ihr Silber, ihre Panzerhemden ?) und ihre Pferde, die Hälfte ihrer Sklaven nebft einem Garten und einem Ader bei jedem Städtchen, doch müffen fie fih zum Islam befennen, dann ftehen fie unter Gottes Obhut und unter dem Schutze Chaliv’s Ibn Welid und Abu Bekr's, Chalifen des Gefandten Gottes und unter dem aller Gläubigen” ?).
Gfeichzeitig mit der Unterwerfung yon Jamama fand auch die einiger andern aufrührerifchen Provinzen ftatt. Bah— rein, das Küftenland am perſiſchen Meerbufen, hatte ſich unter der Regierung des Mundfir Ibn Sawa zum Islam befannt, nach deſſen Tode aber dem Chalifen den Gehorſam verjagt. Auch war ein Theil der Bevölferung wieder vom Glauben
hersorgetreten fein. Nach dem türk. Tab. ©. 96 erhielten die Mu- felmänner den vierten Theil ihrer Habe.
1) Sch lefe »halkate ftatt »Chilfat« bei Tab. S. 178 und über: feße daher nicht wie Kofegarten: flava et alba et bicoloria. S. den Kamuf unter »safra,« mo alle drei Worte vorfommen, eben jo bei Dſahabi fol. 112,
2) Die Zeit diefes Friedensfchluffes wird verichieden angegeben. Tabari nennt nur das 3. 11 der Hidjrah, Abd Al Bafı, Ende des llten Zahres, Abu Maſchir und Wakidi Rabia Ammal des 5. 12. (Dfahabi a. a. DO.) Da mir aber bei Tabari lefen, daß Salma den Bewohnern von Jamama, um fie zum Widerftande zu ermuthigen, fagte: „D Benu Hanifa! fämpfet für eure Ehre und bringet dem Frieden fein zu großes Opfer! Die Feftung ift ftarf, der Vorrath groß und der Winter nahe,“ fo müffen wir Chalids Sieg etwa in den Schaban des J. 11 fegen, denn das 12te begann im März 633 und zu Anfang des 12ten zog Chalid jhon nad Zraf. Die an- geführte Stelle aus Tabari fpriht auch gegen eine ©. 176 ange: führte Tradition, derzufolge in Samama gar feine fireitbaren Männer mehr übrig. geblieben wären, fonft hätte fih Salma nit jo hart: nädig dem Friedensfchluffe widerfest.
28 Erftes Hauptſtück.
an Mohammed abgefallen, weil fie fih ihn unfterblich ge- dacht.
Ala Ibn Hadhrami, welchen Abu Bekr gegen dieſe Re— bellen ſandte, blieb einen ganzen Monat vor ihrem verſchanz— ten Lager liegen, bis er endlich eines Nachts durch Berrath erfuhr, daß die Häupter der Truppen bei einem Feſtmahle waren, da gelang es ihm, fie zu überrumpeln und theile niederzuhauen, theils in die Flucht zu treiben N),
Der falfhe Prophet Lakit Ibn Malik, welcher fi) der Provinz Dinan bemädtigt hatte, ward von Hubfeifa und Arfadja, zu denen fpäter Ikirma und Schurahbil ftießen, Bei Daba gefchlagen.
Muhadjir Ibhn Dmejja beftegte zuerft Keis Fon Abd Jaghuth, weldem der größte Theil der Provinz Jemen fammt der Hauptftadt Sanaa anhing, dann die Benu Kinda, welhe in Hadhramaut ihren Sig hatten, und namentlich wegen der Armenfteuer das Joh der Mufelmänner abgefchüt- telt hatten. Afchath, welcher an der Spise der Benu Kinda ftand, öffnete felbft vervätberifcherweife den Mufelmännern bie Thore der Feftung Nudjeir, nachdem ihm und feinen Ver— wandten Leben und Gut zugefihert worden war. Wenig fehlte, fo hätte Afchatb für feinen Verrath fogleih büßen
1) A6d Allah Son Hadjaf hief der Verräther, der ſich Eintritt ing feindliche Lager zu verfchaffen mußte, weil er von mütterlicher Seite mit den Rebellen verwandt war und dann, als er fich gefät: tigt und mit Proviant verfehen hatte, wieder zu den Mujelmännern ging, um ihnen, wegen der Trunfenbeit der Ungläubigen, zum An- ariff zu rathen. Die Wunder, die bei diefem Feldzuge fich ereignet haben follen, will ih bier nur in Kürze angeben: Die Mufelmän- ner, welche nahe daran waren, vor Durft umzukommen, fanden in der Wüſte Waſſer, an einer Stelle, mo nach der Ausjage der älte- ften Männer aus jener Gegend, früher nie ſolches gefehen ward. Kameele, die in der Naht davon gelaufen waren, Famen allein wieder zurück. Die Flüchtlinge, welche ſich in Schiffen retten wollten, wurden von Ala’s Reitern eingeholt, meil das Meer zurüdtrat, fo daß das Waffer nicht über ihre Knie reichte. Tab. ©. 192 u. ff.
Abu Ben 29
müffen, denn er vergaß aus Uebereilung in dem mit Mu- badiir gefchloffenen Bertrage fich feldft unter denjenigen Be— wobnern von Nudjeir zu nennen, welche begnadigt werben follten. Da er indeffen behauptete, als Hauptperſon der Un— terbandlung verftebe fich feine Begnadigung von felbft, warb die Entfcheidung über fein Schickſal dem Chalifen überlaffen und dieſer, fein Schwager, fchenfte ihm dag Leben ). Mit Auszabme der im Bertrage genannten Verwandten des Aſchath lieg der graufame Muhadjir alle fireitbaren Männer, die er in Nubdjeir fand, hinrichten, Frauen und Kinder als Sklaven vertbeilen, einige fogar verftümmeln, worüber ihm jedoch Abu Bekr einen derben Verweis gab 2).
1) Nah Sujuti foll jedoh Abu Beer auf feinem Kranfenbette es bereut haben, daß er diefen doppelten Verräther nicht habe hin: richten laſſen.
2) Die Stelle bei Tabarı ©. 248 (wo einige Worte fehlen) und bei Sujuti ©. 106 lautet: Dem Muhadjir fielen zwei Sängerinnen in die Hand, von denen die Cine Spottlieder gegen den Propheten und die Andere gegen die Mujelmänner gefungen. Er ließ Erfterer beide Hände abjchneiden und die Morderzähne ausreigen, Letzterer eine Hand abjchneiden und einen Zahn ausreißen. Abu Bekr fchrieb ihm: „Sch habe vernommen, wie du mit der Sängerin verfahren, die in ihren Liedern den Propheten geſchmäht. Wäreft du mir nicht mit deiner Strafe zuvorgefommen, fo hätte ich dir befohlen, fie hinrichten zu laffen, denn ein Vergehen gegen den Propheten wird anders beftraft, als andere Vergehen. Gin Gläubiger, der dieß thut, wird als Abtrünniger angefehen und ein DBerbündeter oder Schusgenojje, als Feind und Verräther.“ In Betreff der andern Sängerin ſchrieb ihm Abu Bekr: „Ich babe vernommen, du haft einer Sängerin eine Hand abhauen und einen Zahn ausreigen laffen, weil fie Spottlieder gegen Mufelmänner gejungen. Bekannte fie fich zum Slam, fo verdiente fie wohl eine Züchtigung, aber nicht eine Berfümmlung, war fie aber eine Verbündete Wichtgläubige, die unter muſelmänniſchem Schutze fteht), nun, bei meinem Leben, das von ihr geduldete Vergehen Gott einen Genoſſen an die Seite zu ftellen, ift doch größer (d. h. fie verdient feine Strafe, da man ihr doc geftattet, in ihrem Glauben zu verharren), Wäre ich dir mit einem folchen Beifpiele vorangegangen, fo hätte ich ein Unrecht be:
30 Erſtes Hauptſtück.
Kaum war das eigentliche Arabien unterjocht, ſo ertheilte Abu Bekr dem Sieger über Jamama den Befehl N), die Herr— fchaft des Islams über die Provinz Irak auszudehnen, welche damals zu dem perfiichen Neiche gehörte. Perfien hatte unter Chosru Nufhirwan (Chosroes I.) einen hohen Grad von Gultur, Macht und Wohlftand erreicht und. in den erften Re— gierungsjahren des Chosru Perwis (Chosroes II.) feine Herr- fchaft noch weit über feine Grenzen hinaus gedehnt. Aber die letzten Jahre diefes Saffanidenfönigs bracpten großes Un- glück über das perſiſche Weich. Heraflius war bis in das Innere des Landes vorgedrungen und Siroes, Chosrus Nach— folger, mußte einen fchmählichen Frieden unterzeichnen und alle von feinen Ahnen eroberten Provinzen wieder abtreten, Seither war das Reid) der Saffaniden durch Hunger, Bürger- frieg, Adelsfehden und Weiberherrſchaft immer tiefer gefunfen, fo daß die noch unterjochten Grenzländer nad einem Erföfer ſchmachteten. Die Mufelmänner hatten daher in Irak nicht, wie in Arabien, das Bolf, fondern blos die perfifchen Trup— pen zu befämpfen, welche die am Euphrat gelegenen Stäbte und Feftungen befest hielten. Ein großer Theil der Bevöl— ferung, welche arabifchen Urfprungs war und gegen die Abu Bekr feinen Feldheren die größte Schonung anempfahl, machte gemeine Sache mit den Mufelmännern.
Chalid, welder von Jamama ?) mit nur 2000 Mann aufgebrochen war, hatte bald 18,000 Mann unter feinem
gangen. Mäßige did nunmehr und hüte dich, jemanden mehr zu verftümmeln, es ift eine zu verabſcheuende That, die nur ald Ver: geltungsftrafe Cbei Förperliher Verlegung) geftattet wird.” Kofegar: ten hat diefe ganze Stelle anders gedeutet.
1) Mubarram des 12ten Sahred. (März 633.) Tab. I. ©, 2.
2) Tab. a. a. D. Als Chalid mit den Angelegenheiten Jama ma’s zu Ende war, fohrieb ihm Abu Beer, während er noch in Ja— mama war: „Ziehe gegen Sraf und befege diefes and, beginne mit der Grenzfeftung gegen Sndien, das ift Obolla, bebandle freund fih die Perſer und die Völker, welche unter perfifher Herrfchaft
Abu Befr, 31
Befehle, denn viele Stämme, durch deren Gebiet er zog, fchloffen fih ihm an, befonders die von Mudhar und Rabia, und vor ihm jtanden ſchon S000 Mann an der Grenze von Irak unter dem Dberbefehle Muthanna’s, welcher den Chali- fen zu einem Feldzuge nad Irak angeregt. Ehe er eine Feindfeligfeit beging ) ſchrieb er, den vom Chalifen empfan- genen Berbaltungsmaßregeln zufolge, an Hormuz, den Felb- beren der Perfer: „Bekehre dich, fo bift Du gerettet, fichere dir und deinem Bolfe unfern Schuß und bewillige einen Tri- but, fonft Fannft du nur dich felbft anflagen, denn ich ziehe mit einer Schaar heran, die den Tod eben fo fehr Tiebt, ala ihr das Leben.”
fteben.” Dann folgt eine andere Tradition, derzufolge er zuerft noch einmal nah Medina zurückkehrte und dann von Medina unmittelbar nah Sraf. Das wäre faum der Erwähnung werth, wenn man nicht bei Flügel ©. 20 läſe: „Chalid zog ein Sahr fpäter (als Ujama, der Sohn Zeid’s) von der Küfte des verfiihen Meerbufeng aus, herauf nad Sraf, während Amru Ben Elaſi in Paläftina und Abu Obeida in Syrien einbrah, bis Chalid, der das Gebiet von Bahrein und von Anbar herauf nad Hira, und die ganze Strede Landes, wo foater Badra gegründet ward, unterworfen hatte, nad diefen Er: oberungen mit ihnen zujammenftieß.“ Das daß Gebiet von Bahrein durch Ala Son Alhadhrami und nit durch Chalid unterworfen wor: den, haben wir fhon erwähnt. ©, Tab. ©. 188 u. ff. Auch die angegebene Frift von einem Jahre zwiſchen dem Zuge Ufama’s und dem Chalid's nah Jrak ift nicht genau. Grfterer fand wenige Tage nach dem Tode Mohammed’s ftatt, aljo Zuni 652 und letzterer im März 633.
1) Bei Tabari ©. 4 wird fogleih die Unterwerfung des Ibn Saluba und des Ayas, Emir von Hira, erzählt. Diefe fand aber erft fpäter nach mehreren gewonnenen Schladten ftatt. Vergl. ebend, S. 36 — 46. Die hier angeführte Tradition gibt nur, wie dieg auch an andern Orten bei Tabari vorfommt, eine gedrängte Weberficht der erften Grfolge der Mufelmänner in Sraf, welhe dann nad an- dern Berichten näher beleuchtet werden. Möglich wäre es indeflen, und dafür fpriht ©. 60, dag nach andern Ueberlieferungen die Be: wohner von Hira und einiger andern Städte gleich nach Chalid's Einfall in Sraf Frieden mit ihm fchloffen und vermöge einer Summe
32 Erſtes Hauptſtück.
Hormuz antwortete Chalid mit einer Herausforderung zum Zweikampfe, durch welche das Treffen bei Kazimat in der Nähe von Hafir eröffnet ward. Die Muſelmänner fiegten über die an einander gefeffelten perfifhen Truppen, weshalb auch diejes Treffen dag der Ketten genannt ward ?). Die eroberte Beute, worunter die mit Ebdelfteinen befette Krone des Hormuz allein auf 100,000 Dirhem gefhätt ward, foll fo bedeutend gewefen fein, daß jeder mufelmännifche Reiter 1000 Dirhem auf feinen Antbeil erbielt.
Auf die Kettenfchlacht folgte die von Madfar am Zu— jammenfluffe des Euphrats und Tigris ?), wo jest die Stadt Korna liegt, gegen den perſiſchen Feldherrn Karin, welche ebenfalls zu Gunften Chalids endete. 30,000 Perſer follen bei Madfar geblieben und die Lebrigen nur auf Schiffen dem Schwerdte der Mufelmänner entgangen fein.
Bei Waladja, in der Nähe von Kasfar, auf dem Ge— biete der fpäter erbauten Stadt Waſit, fand eine noch bluti-
gere Schlacht zwifchen dem von Ardſchir abgefandten Feldherrn Anderfas und Chalid ſtatt. Sie blieb lange unentfchieden, denn
von 290,000 Dinaren ihn bewogen, fich von ihnen zu entfernen, fpäter aber formlich unterjocht und zu einem jährlihen Tribut angehalten wurden. Wir folgen aber diefer Tradition fhon darum nicht, weil es fpäter ausdrücklich heißt: „Chalid jollte Sraf von Süden und Sjadh von Norden her angreifen und wer zuerft nad Hira gelangt, Statthalter werden,“ woraus hervorgeht, daß Chalid fich zuerft gegen das untere Guphratgebiet wenden mußte. Auch ift die Unterwerfung einer Stadt, wie Hira damals war, ohne vorhergegangene Schlacht, höchſt unwahrfcheinlic.
1) Hafir heißt nah dem Kamuß ein Ort zwifchen Mekka und Baßra, alſo weftlih vom untern Euphrat.
2) Wahrfcheinli waren die Truppen nur bie zur Eröffnung der Schlacht fo gebunden, daß fie nicht entfliehen Fonnten, vielleicht auch nur der Theil derfelben, denen Hormuz am mwenigften traute. Aehn liches wird von den Griechen in der Schlaht von Sarmuf erzählt.
3) Madfar, heißt es im Kamuß, ift der Name eines Ortes zwiſchen Wafıt und Baßra.
Abu Bekr. Be:
es wurde von beiden Seiten mit gleichem Muthe gekämpft, doch trug endlih Chalids beffere Kriegstaftif auch bier den Sieg davon D). Ber diefer perfifchen Armee waren aber viele hriftlihe Araber aus dem Stamme Bekr, welche jest ihre arabifhen Glaubens- und Bundesgenofjen zu Hülfe riefen und ein neues Heer rüfteten, das auch von perfiihen Truppen unter dem Dberbefehle Djabans unterftügt ward. Die nöthigte Chalid wahrfcheinlich wieder, das eigentliche Chaldea zu ver— laffen, den Euphrat zu überfchreiten und fih mehr nad Nordweft zu wenden, Bei Lis, am kleinern weftlichen Eu— phratarme, der einft auch an Kufa vorüberzog, trat ihm das feindlihe Heer entgegen. Die verweichlichten Werfer ließen aber den günftigen Augenblick zum Angriffe vorübergehen, weil fie, gegen den Willen Djabans, vor dem Gefechte Mahlzeit balten wollten, und faum hatten fie ſich niedergelaffen, alg Chalid mit feiner Reiterei den Kampf begann. Indeſſen ward ibm auch diegmal der Sieg fo ſchwer, daß er mitten in der Schlacht zu Gott betete und gelobte, daß, wenn ihm ber Feind den Rüden fehren würde, er feinen einzigen Dann verſchonen und fo viele der Ungläubigen ſchlachten wollte, big der Strom yon ihrem Blute roth gefärbt. Chalid erfüllte fein Gelübde, indem er, fobald die Perfer die Flucht ergriffen, ausrufen ließ, daß niemand die Flüchtlinge, die Feinen Wider- ftand leiſten, erfchlage, fondern nur gefangen nehme, dann aber alle Gefangenen in Maſſe am Ufer des Stroms fchlachten lieg, fo daß er, am Ufer wenigftens, fich von ihrem Blute roth färbte,
Chalid zog jest firomabwärts und ftand fo unerwartet vor der ebenfalls am weltlichen Euphratarme gelegenen Stadt
1) Nah diefem Siege fagte Ihalid zu feinen Arabern: Seht einmal dieje fruchtbaren Gefilde! Bei Gott, wenn wir aud nicht für den Glauben fämpften, fo follten wir ſchon des gejegneten Lebens willen diefes Land unter uns vertheilen.
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34 Erftes Hauptſtück.
Amghiſchia, welche nicht viel kleiner als Hira ) war, bag ihre Bewohner nur ſchnell die Flucht ergriffen und ihm all ihre Habe und ihr Gut überließen. Von der hier gemachten Beute ſoll der Antheil eines Reiters 1500 Dirhem betragen haben. Nach gänzlicher Zerſtörung von Amghiſchia wendete ſich Chalid gegen Aſadſuba, den perſiſchen Statthalter von Hira, ſchlug deſſen Sohn am Euphrat ?), belagerte mehrere feſte Schlöſſer in der Nähe der Hauptſtadt, die ſich nicht lange
1) Die alte Stadt Hira lag ohngefähr zwei Stunden nordweſt— fib von dem ſpätern Kufa, fait in der Mitte zwiſchen Kerbela und Meſchhed Ali, nur etwas mehr weftlih, den Ruinen von Babylon gegenüber. Vergl. Rıtter’s Erdkunde. Th. 1°. ©. 186. Bon einem alten Chriſten in Hira, Abd Almaſih (Knecht des Chriſt's) genannt, wiſſen die Araber eben fo viel Fabelhaftes, ald von dem Juden Ruab alachbar zu erzählen. Gr ſoll unter Anderm Chalid prophezeit haben, Daß einjt die aunze Strede zwiſchen Damasf und Hira fo aut anae- baut und fo ftarf bevölfert jein würde, daß fie ein Weib allein ohne Furt umd mit einem einzigen Paib Brod als Reiſevorrath würde durhmandern können.
2) Wenn es überhaupt ſchwer ift, den Erzählungen der Araber mit der Karte in der Hand zu folgen, fo wird es bier, mo nicht nur mandhe Drte genannt werden, die bei fpitern Geographen gar nicht mehr vorfommen, fondern aud der Boden jelbit eine an— dere Geſtalt angenommen hat, indem der Cuphrat ſowohl, als der Tigris mit ihren Armen und Kanälen eine ganz andere Richtung genommen, faum mehr möglich, die verjchiedenen Züge der arabi- fben Feldherrn genau zu beftimmen. Co heift es hier bei Tab. ©. 34, daß Chalid nach der Eroberung von Amghiſchia die Bagage auf Schiffe bringen ließ, daß fie aber auf einmal ftrandeten, weil, wie die Matrojen fagten, die Perſer die Kanäle geöffnet, fo daß das Waſſer des Cuphrats einen andern Ausflug genommen und nicht eher in ſein Wett zurücfebren Ponnte, bis die Kanäle wieder ge: fchlojfen fein würden. Chalid 5303 dann mit feiner Neiterei gegen den Sohn Ajudjuba’s, der die Kanäle geöffnet hatte, ſchlug ihn an der Stelle, wo der Euphrat ſich in zwei Arme fpaltet (dad ift wohl das vfam furat Badakla?«) und verftopfte die Kanäle wieder. Mit dem erbeuteten Gute wollte er waährſcheinlich ſtromaufwärts fegeln, weil er doch auch mit den Truppen zu Land gegen das Gebiet von Hira 309,
Abu Bekr. 35
halten fonnten, und bald darauf unterhandelten die arabifchen Häupter der Stadt felbft mit ihm und verpflichteten ſich zu einem jährlichen Tribut von 190,000 Dirhem. Ihrem Bei- ſpiele folgte auch Ibn Saluba, indem er für die Erhaltung der Städte Banifia und Barfuma, am Ufer des weftlichen Euphratarmes, einen jährlihen Tribut von 10,000 Dinaren verſprach und nicht lange naher unterwarfen fih unter ähn— lihen Bedingungen mehrere andere perſiſche Statthalter ber Landſchaft Sawad.
Nach dieſen Siegen ſandte Chalid den perſiſchen Großen, welche nach Ardſchir's Tod ſich in Madain (Kteſiphon) um die Wahl eines Nachfolgers ſtritten, ein zweites Schreiben und forderte ſie, unter Androhung eines Vertilgungskriegs, zum Islam oder zur Unterwerfung auf. Mehrere Boten mit ähnlichen Aufträgen ſandte er auch an verſchiedene perſiſche Statthalter. Bis zur Rückkehr dieſer Gefandten blieb Chalid in Hira liegen und dehnte ſeine Streifzüge über ganz Chaldäa aus. Doch konnte er mit der Hauptarmee den Euphrat nicht überſchreiten, weil die Perſer in Nahr Schir ) eine neue Armee zuſammenzogen und die Feſtungen Ein Tamr 2), Anbar ?) und Firadh MY flarf mit Truppen befegt waren,
1) Wahr Schir ift der Name eines Kanals und einer an dem: felben gelegenen Studt in der Nähe von Madain, doch am weit: lichen Tigrisufer, während Madain bekanntlich am öſtlichen lag. ©. Ritter a. a. O. ©. 199.
2) Ein Tamr (Dattelnguelle) lag wahriheinlich nordweftlid von Anbar. Sm Kamuß heißt es bloß: „Ein Attamr ift der Name einer Quelle in der Gegend von Kufa.“ Aber wir haben jhon an andern Beijpielen geſehen, daß Firuzabadi in geoaraphiicher Beziehung nicht fehr genau ift. Auch geht aus Tab. ©. 228 hervor, daß Ein Tamr an die Provinz Faludja grenzte, welche das waſſerreiche Bezirk von Anbar bezeichnet. ©. Ritter a. a. D, ©. 208.
3) Anbar lag am Guphrat in gerader Linie der fpäter am Tigris erbauten Stadt Bagdad gegenüber.
4) Firadh kommt auch im Kamuß ald der Name eined Ortes zwifhen Samama und Baßra vor, bei Tabari ald eine Zeitung, welche in der Mitte zwifchen Syrien, Mejopotumien und Sraf lag.
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36 Erftes Hauptftüd.
deren Ausfälle ihm hätten gefäbrlih werden Fünnen. Auch mußte er fih dem Befehle Abu Bekr's unterwerfen, welcher ihm vorfchrieb, Jjjadh entgegenzuziehen, der von der fyriichen Wüſte ber in Jraf einfallen fellte. Er wentete fi daher gegen Nordweit nad) Kerbela und griff von hier aus die fefte Stadt Anbar an, deren Bevölferung von arabifcher Abfunft war und daher ungern unter den Perfern gegen die Mufels männer fodht. Die Schlacht in der Nähe von Anbar beißt die „der Augen,” weil viele Perſer von den arabifchen Pfeil- ſchützen geblendet wurden I). Als die flüchtigen Truppen hinter den Mauern Schuß fuchten, ließ Chalid die Graben mit ges ſchlachteten Kameelen ausfüllen und gab den Befehl zum Sturme. Der perfiihe Statthalter Schirazad ließ es aber nicht aufs Aeußerſte fommen, fondern übergab die Stadt und 309 fih) zurüd. Bei Ein Tamr gewann Chalid wieder eine Schlacht, weil die mit den Perfern verbündeten chriſtlichen Stämme Namr, Taghlib und ad glaubten, ihm allein die Epige bieten zu können, und daher den Perfer Mihran am Sefechte feinen Antheil nehmen Tiefen, Diefer blieb in der Feftung liegen, bis er die Niederlage feiner Berbündeten vernahm, dann ergriff er die Flucht und überließ fie den chriſtlichen Flüchtlingen, die fie aber bald dem ihnen auf den Serfen felgenden Chalid übergeben mußten.
Nach diefem Siege eilte Chalid nah Dumat Aldjandal, wo der von den Stämmen Kelb, Tanuch und Ghaffan be- drängte arabifche Feldherr IJjjadh feines Beiftandes bedurfte und eroberte diefen befeftigten Drt. Die von ihm gefchlagenen Srafanischen Araber benützten aber feine Abwefenheit und zogen, mit den perfiichen Feldherrn Sermihr und Nufaba vereint, gegen Anbar, wo Zibrifan als Befehlshaber der Mufelmänner mit einer geringen Befatung zurücgeblieben war. Chalid fehrte daher fchnell nad Hira zurück und fandte Kaka Jon Amru,
1) Tab. I. ©. 58, Kofeg. richtig »oculorum.a Nicht „der quellen: begabte Frohnkampf,“ wie bei Hn. v. Hammer, Gemäldeſ. I. ©. 247.
Abu Ber. 37
den bisherigen Statthalter von Hira, den Perfern entgegen. Diefe wurden bei Haßid, nordweftlih von Anbar, nod ehe fie fid) mit den arabifchen Hülfstruppen vereinigt hatten, ges fhlagen. Chalid feltft brach bald nachher von Hira auf und verfolgte die flüchtigen Perfer fowohl, als ihre hriftlichen Bundesgenoffen, bis an die fyriihe Grenze und brachte ihnen mehrere Niederlagen bei. Als das ganze untere weitliche Euphratgebiet unterworfen und von den ihm feintlichen Stäm— men gefäubert war, 308 er gegen die perfiihe Grenzfeftung Firadh und erfocht noch einen glänzenten Sieg über ein an Zahl ihm weit überlegenes Heer, aus Griechen, Verfern und chriſtlichen Arabern zufammengefegt. Nachdem er den Feind zu Paaren getrieben hatte, ſandte er feine Truppen nad Hira zurüf, er aber pilgerte nah Mekka und traf noch mit der Nachhut ter Mufehnnänner in Hira ein, wo er bald nachher den Befehl erhielt, ſich zur ſyriſchen Armee zu begeben N). Abu Bekr hatte nämlich ſchon am Anfang des dreizehn: ten Jahres ter Hijrah (März 634), waährſcheinlich in Folge der bei dem Pılgerfefte wahrgenommenen keiegeriſchen Stim— mung der Araber, fo wie ter von allen Euden der Halbinfel eingetroffenen Nachrichten von der gänzlichen Unterwerfung der Nebellen im Junern, Chalid Jon Satd mit ſieben taufend Mann an die Grenze yon Syrien gegen bie Griechen und die mit ihnen verkündeten Araber geſchickt. Da dieſer Felds herr aber ein Anhänger Ali's war, der fogar öffentlich in der Moſchee erklärt, Ali ſei hintergangen worden und zweif Monate mit der Huldigung gezögert hatte, warb ihm au Berlangen Dmar’s ?), dem er bejonders verhaßt war, ber
1) Das hier über Chalid's Züge mitgetbeilte bildet den Kern der weitläufigen und ungeordneten Darftellung Tabari's. I. ©. 1— 78. 2) Abu Ber Fonnte ihm verzeisen, Omar aber nicht, weil er, nah Tabari ©. 82, erklärt hatte, daß ihm an der Herrſchaft Abu Bekr's wenig liege, tie Omar's aber ihm verhaßt jei. Gin Beweis mehr, dag eigentlich Omar fon unter Abu Beer die Zügel der
38 Erſtes Hanptftüd,
Oberbefehl wieder genommen und Jezid, dem Sohne Abu Softans, übertragen. Diefer follte gegen die Provinz Balka ziehen, in das Land der alten Ammoniten und Moabiten, öſt— lih vom todten leere, während jener in der Gegend von Teima, an der Grenze der ſyriſchen Wüfte ein Fleineres Re— fervecorps befehligen follte. Bald meldeten ſich aber fo viele, von den Feldzügen in Arabien zurüdgefehrten Mufelmänner, zum Kriege gegen die Ungläubigen, welche den braven Zeid und Dfafar bei Muta gejchlagen und den Propheten felbft verhindert hatten, weiter als bis Tabuk vorzurüden, daß ihnen Abu Beke nah und nad) noch dreimal fieben taufend Mann unter Abu Ubeidah Ibn Djarrah, Schurahbil Ibn Hafana und Amru Jon Aaß I) nachfolgen laſſen konnte. Im Vorge— fühle ſeines Sieges ſoll Abu Bekr ſchon im voraus jedem der vier Anführer die zu erobernden Landſtriche angewieſen haben. Jezid ſollte Damaskus einnehmen, Abu Ubeidah Himß (Emeſſa) Schurahbil die Ufer des Jordans beſetzen und Amru Fon Aaß das weſtliche Paläſtina. So leicht aber auch dem Chalifen der Sieg über den byzantiniſchen Kaiſer ward, der, wie es fcheint, alle feine Thatfraft im Perferfriege erſchöpft, die ara- bifchen Grenzbewohner, durch unzeitige Sparfamfeit, die chriſt—
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Regierung lenkte. Nur in Betreff Chalid’s Ibn Welid, den Omar ebenfalls entjegen wollte, behauptete Abu Bekr fein Recht ald Cha- life. Gegen Chalid Sbn Said war Omar ohnehin no, übel geftinmt, weil er, von Semen zurückkehrend, in Medina in einem feidenen Kleide erfchienen war,
1) Diefer war zum Statthalter von Omman ernannt. Abu Bekr fehrieb ihm, er wolle ihn zwar nicht gegen feinen Willen von einer Statthalterfehaft abrufen, die ihm fhon vom Propheten zugefagt war, doch wollte er ihm, wenn ed ihm recht wäre, einen höhern Beruf anweijen, Darauf antwortete Amru: „Sch bin ein Pfeil von den Pfeifen des Islams, und du, nad Gott, der Schüße, der fie fammeit, und gegen den Feind fihleudert. Wähle dir den ftärkften, herbften und beften und verwende ihn nach jeder Seite, wo du ihn brauchſt. Auch MWelid, welcher Steuereinnehmer war, zog den Krieg feiner Stelle vor. (Tab, ©. 86.)
Abu Bekr. 39
lichen Unterthanen, durch Firchliche Tyrannei gegen ſich auf: gebracht hatte und ſelbſt von einem Theile der ſyriſchen Armee abgefegt ward, jo konnte doch diefer erfte Plan Abu Bekr's nicht ausgeführt werden. Schon Amru Jon Aaß, welcher längs dem rothen Meere über Eilah durd) das Thal Ghur nad dem todten Meere hin zog, ftich bei Ghamr Al Arabat ”) auf Wilterftand, und, an der Grenze von Palältina angelangt, ſah er bald die Nothwendigfeit ein, fi mit den andern Trup— penabtheilungen zu vereinen. Chalid Ibn Said ?), welder, durch einige glückliche Scharmützel gegen die chriſtlichen Ara— ber fühn geworden, ſich bis in die Gegend von Martj Affofar, füdweftlih von Damasf, wagte, erlitt eine gänzliche Nieder: lage und "Abu Ubeida fand in der Feftung Boßra 3), an der
1) Tabart ©. 114 u. 132. Nach letzterer Stelle ſcheint es, dag Amru im Ghur blieb, bis die übrigen Feldyerren von Bora aus zu ihm Stiegen.
2) Tabari ©. 90 u. 114. Chalid verlor in diefem Treffen feis nen Sohn Said und fein ganzes Heer wäre aufaerieben morden, wenn ihm nicht Ikirma und Schurahbil zu Hülfe gefommen wären,
5) Auf dem Wege nah Bora eroberte er Maab oder Rabba in der Provinz Balfa, einige Stunden nördfib von Kerak. Ebend. ©. 114. Ueber die Dauer der Belagerung von Boßra, fo wie über die Zeit der Uebergabe dieſer Stadt willen wir, da Wakidis Nach— rihten eher Stoff zu einem Roman, ald Materialien für eine Ge: ſchichte geben Eönnen, nichts Beftimmteg, denn die älteften, von Ta: bari angeführten Traditionen, widerjprechen fih. Nac dem ©. 122 angeführten Berichte follte man glauben, Chalid Son Welid habe Bofira mit feinen Srafanern erobert und fei von dort zu den andern Felcherren an den Jarmuk gezogen. ©. 132 heißt es aber: „Chalid zog von Martj Rahit, wo er die Ghaffaniden geichlagen, nad) Boßra, wo auch Abu Ubeida, Schurahbil und Jezid gelagert waren, fie vereinigten fi) und befugerten die Stadt, bis fie fi erbot, Tri: but zu zahlen.“ S 94 it von der lintermerfung von Boßra Feine "Rede, tod wird auch erzählt, daß die Mufelmänner ſchon fange am Jarmuk ftanden, als Chalid mit den Srafanern eintraf. Letzteres ift mir wahrfcheinficher, weil nach S. 114 Chalid Hira erft im Rabia Achir verließ und doch dieſen bejchwerlichen Zug mit einem Heer&
40 Erftes Hauptſtück.
füböftlichen Spige vom Haurangebirge, welche die Grenze der arabifchen und fyrifchen Wüfte bildet, und einft die Haupt: jtabt der Arabia provincia war, eine fo ftarfe Befagung, daß er fie weder im Rücken laffen, nod allein zur Lebergabe zwingen fonnte, Man berichtete daher an Abu Befr, welcher natürlid) feinen erftien Plan aufgab und den verfchiedenen Feldherren den Befehl ertheilte, fi) gegenfeitig zu unterftügen, Zugleich fandte er aber auch, weil er vernommen, daß bie Griechen ein den Mufelmännern an Zahl weit überlegenes Heer rüfteten, ein Schreiben an Chalid Jon Welid nad) Jraf mit der Weifung, fi fogleih mit einem Theile der irafani- ſchen Truppen zur fyrifhen Armee zu begeben. Chalid ge- horchte, obgleich er Dinar befhuldigte, dem Abu Bekr dieſes Schreiben dictirt zu haben, aus Furcht, er möchte durch die gänzliche Unterwerfung Perſiens allzuviel Ruhm ernten. In der That war aber Chalid's Perfönlichfeit jowohl, als die Berftärfung von neun taufend Mann, bie er mit fi führte, für das Gelingen des fyrifhen Feldzugs von höchſter Wich— tigkeit. Zwar hatte fi wahrſcheinlich vor feiner Ankunft Boßra fhon ergeben, auch hatten die Mufelmänner ein Treffen bei Adjnadein I) im fünlichen Palaftina gewonnen, Dann 509
das fih mehrmals durd die Waffen den Weg bahnen mußte, und mehrere Städte, wie Ural, Tadmor und Kariatein brandichogte, nicht gut noch zur Belagerung Boßra's fommen Fonnte und dann noch der Schlacht von Adjnadein beimohnen, welche den 28. Djumadi Awwal ftatt fand. Uebrigens heißt ed audı in dem ©. 116 ange: führten Briefe Abu Bekr's an Chalid ausdrüdlih, er folle fich zu den am Sarmuf verjammelten Mujelmännern begeben.“
1) Weber die Zeit dieſes Treffens herrſcht mehr Gemißheit, weil auch der Tag der Woche, nämlich Sumftag, angeneben ift und der 28. Djumadi Awwal vom $. 18 (30, Zuli 634) wirklich ein Sumftag war, warum ich aber nicht glaube, dag Chalid fhon dabei war, habe ih in der vorhergehenden Anmerkung aus einander gejeßt. Die Lage von Adjnadein ift nicht genau befannt. Bei Tabari heißt es, „zwiihen Ramla und Beit Hibrin“ (vielleiht ift aber Djibrin zu lefen), alfo nicht zwifchen Namla und Hebron, wie Kofegarten über:
Abu Betr 4
fih aber am Fluffe Jarmuf, welcher bei den Alten Hieromax hieß und jeßt den Namen Schariat Mandhur führt, ein grie- chiſches Heer zufammen, das wenigftens achtzig taufend Mann ſtark war und das, auch abgefehen von der numerifchen Ueber: legenheit, in feiner feften Stellung zwifchen diefem, zwei Stun- den unterhalb des Sees von Tiberias miündenden Fluſſe und dem Gebirge, nicht leicht angegriffen werben konnte. Dazu kam noch, daß die verfchiedenen arabifchen Feldherren zwar notbgedrungen zufammenbielten, doch betrachtete fich jeder als unabhängig vom Andern und fo fehlte es an einem in folcher Lage unentbehrlichen, Teitenden Haupte. Chalid ward zwar von Abu Bekr nicht über die andern vier Anführer der Trups pen erboben, aber durch feine Klugheit, fein Friegerifches Tas lent und feine Tapferfeit wurden fie ihn bald untergeordnet. Bor dem Treffen bei Jarmuf, als er diefe kleinliche Rivalität unter den Feldherren wahrnahm, welde fo weit ging, daß
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fest, fondern zwiſchen Ramla und Beit Djibrin, dem alten Beto- Gabra, das ohngeführ in der Mitte zwifhen Askalon und Hebron liegt. Sm Kamuß heift es: Adjnadein ift ein Städtchen in der Ge: gend von Damask. Ueber Beit Djibrin vergl. Robinjon und Smith, Paläſtina, Bd. I. ©, 617 f. Bei Dſahabi Fol. 118 heißt es: Adj: nadein liegt zwif ben Ramla und Djaraſch, alfo nordöftlih von Ramla gegen den Sordan hin. Auch heift es dort: nach Einigen focht jeder Felöherr an der Spige feiner Truppen, nach Andern führte Amru den Dberbefehl. Ein Beweis mehr, das Chalid noch nicht einge: troffen war. Ein Spion, den der griehiihe Feldherr vor der Schladht von Adjnadein ins mujelmännijche Fager jundte, erftattete folgenden Beriht: Bei Naht find fie andächtig wie Mönche und bei Tage tapfere Ritter; begeht der Sohn ihres Königs einen Diebitayl, wird ihm wie jedem Andern die Hand abgejchnitten, begeht er einen Ehe: bruch, wird er geiteinigt, fo groß it die Macht des Geſetzes unter ihnen. Darauf foll der Feldherr, welcher Kankalar genannt wird, gejagt haben: Ber Gott, wenn deine Ausſage wahr ift, fo ift mir das Innere der Erde lieber, als einem ſolchen Feinde auf ihrer Dberflähe zu begegnen, Gott gäbe, Daß wir gefchieden blieben, ich wollte gern auf den Sieg verzichten, wenn ich nu vor einer Mie- derlage gefihert wäre!
42 Erftes Hauptſtück.
Amru und Fezid ſich nicht einmal fo weit herabließen, dem Abu Ubeida oder Schurahbil nacdhzubeten, ſprach er vor den verfammelten Häuptern der Truppen: „Es naht ein Schladht: tag, an tem Prahlerei und Lüge nichts nügen. Kämpfet mit reinem Sinn und ftrebet nur nad) Gottes Wohlgefallen! Dies fer Tag entfcheidet über alle folgenden. Kämpfet nicht ver: einzelt gegen ein Bolf, das euch in geordneten Schaaren ents gegenzieht. Das tft nicht recht und würde von dem, der eud) hierher gefendet, nicht gebilligt werden, wenn er es wüßte. Handelt aud) ohne den Befenl eures Gebieters, wo ihr willet, dag ihr mit feinem Willen übereinftimmet.”
Da er aufgefordert ward, fich näher zu erklären, fuhr er fort:
„As Abu Bekr uns in den Krieg fandte, zählte er auf unfere gegenfeitige Nachgiebigfeit und DBereitwilligfeit, einanz der beizuftehen. Hätte er Alles vorausgefchen, fo würde er euch ohne Zweifel unter einem Anführer vereint haben, denn eure jegige Trennung ift für die Mufelmänner weit fchlimmer, als Alles, was ihnen bisher widerfahren und den Ungläubigen heilbringender, als tie ihnen zugefommenen Berftärfungen. Ich weiß, daß nur weltliche VBortheile euch entzweien, aber bei Gott, es find doch jedem von euch die zu verwaltenden Länder fhon angewieſen. Davon verliert Niemand etwag, wenn er fi aud einem Andern unterwirft, nod wird fein Antheil vergrößert, wenn er über Andere gebietet. Dadurch, daß einer den Dberbefehl führt, wird weder bei Gott nod) bei dem Chalifen fein Anfehen erhöht oder erniedrigt. Auf alfo! der Feind ift fhon zum Angriff bereit, diefer Tag ent: fcheidet über alle zufünftigen, treiben wir ihn in feine Ver— ſchanzung zurück, fo wird er ung immerfort weichen müffen, jagt er ung aber in bie Flucht, fo haben wir feinen Sieg mehr zu erwarten. Auf alfo! Laffet ung mit dem Oberbefehle wechſeln, es übernehme ihn, der eine heute, der andere mor—
Abu Bein 13
gen und fo fort, bis ihn jeder von euch geführt, doch heute erfennet nur mich zu eurem Oberfeldherrn an I)!“
Diefe Worte wirkten auf die Häupter der Truppen; fie ernannten Chalid zum Emir und ein jeder von ihnen nahm die Stellung ein, die ihm von Chalid angewiefen ward. Abu Ubeida ward an die Spise des Centrums geftellt, Amru und Schurahbil befehligten den rechten und Jezid den Iinfen Flü— gel). Die Schlacht, an der fogar vier hundert Frauen Theil genommen haben follen, war eine ber blutigften, Die je im Islam gefochten worden und der Sieg blieb unent— fhieden, bis es endlih Chalid gelang, die griechiſche Reiterei von dem Fußvolfe abzufchneiden, fo daß fie das Weite fuchen mußte; dann fiel das vereinte mufelmännifche Heer, welches obngefähr 36000 Mann ftarf war, über die zwifchen dem Fluſſe und dem Gebirge zufammengedrängten Griechen ber und erftürmte ihr Lager ?). Die Niederlage der Chriften war
1) Chalid hatte fo viel Selbitvertrauen, daß er einem Krieger, der ihm fagte: „wie groß iſt die Armee der Griehen im Verhält— niffe zur unfrigen!“ antwortete: Die Stärfe eined Heeres hängt nicht von ihrer Zahl ab. Bei Gott, wäre nur mein Nenner nicht lahm geworden von der Reije hierher, ich wollte gern dem Feinde eine doppelte Zahl Truppen gönnen! Tab. ©. 100,
2) Bor dem Treffen ward jedoch noch verjucht, mit den Grie: hen Frieden zu fchliegen. (Bei Tab. ©. 108 3. 7 v. u. ift wahr: icheinlich nazalu ftatt taraku zu lejen.) Die Gefandten, welhe man zum griebiichen Feldheren, auch nach arabiihen Berichten Heraclius’ Bruder, führen wollte, mweigerten fih, unter feinem jeidenen Zelte Pag zu nehmen, und er ward genöthigt, fib außerhalb defjelben auf einem gemwöhnlihen Teppiche niederzulaffen, ihre Forderungen den Sslam anzunehmen oder Tribut zu entrichten, konnte er aber natürli doch nicht zugeftehen.
3) Folgende Stelle aus Tab. ©. 100 läßt vermuthen, daß der Berraty eines griehiihen Generals auch einen Antneil am Siege der Mujelmänner hatte. Ich führe fie trotz ihrer Länge an, meil fie auch in anderer Beziehung wichtig ift: Djaradja (ein Grieche, wahrſcheinlich Georgius) trat zwifhen die Reihen der beiden Armeen und verlangte nad Chalid. Diefer Fam hervor und nachdem fie ſich
44 Erftes Hauptſtück.
(hrediih, denn es fanden eben fo viele im Waffer ihren Tod, ale das Schwert der Mufelmänner aufgerieben hatte,
gegenfeitig Sicherheit zugefagt, traten fie einander fo nahe, daß die Hälje ihrer Pferde fih berüsrten. Djaradja ſprach dann: Eralid, fage mir die Wahrheit und füge mich nicht an, denn der freie Mann fügt nicht, hintergehe mich nicht, denn der Edle hintergeht nicht den, der feine Freundjchaft fucht. Sage mir, hat Gott eurem Propheten ein Schwert vom Himmel gejandt, das er dir gegeben, fo daß du jeden Feind damit in die Flucht treidft? Chalid antwortete: Nein. Warum heift du denn Schwert Gottes? fragte Djuradja. Chalid ermwiederte: Als ung Gott feinen Propheten jandte, der ung zu einem neuen Glauben aufrief, ſchenkten wir ihm fein Gehör und mieden ihn, doch nad und nach glaubten mande an ihn und folgten ihm, andere aber hielten fih fern von ihm und erklärten ihn für einen Lügner. Sch felbit gehörte fange zu Letzteren und war unter denen, die ihn befümpften. Dann faßte aber Gott unjer Her; und unjer Haupt und leitete und durd ihn, bi wir ihm folgten. Da ſagte er zu mir: Du bift ein Schwert, das Gott gegen die Götzendiener ges zogen und wünſchte mir fortwährenden Sieg. Seit jener Zeit nennt man mich „Schwert Gottes” und ich war in der That einer der furdtdarften Männer gegen die Gögendiener. Du haft wahr ges fproben, verjegte Djaradja, nun fage mir, Chalid, mas du von Mir forderft. — Das Bekenntniß, Daß Gott der einzige Gott it, Mo: hammed fein Knecht und fein Gejandter und die Beftitinung deifen, was ihm Gott geoffenbart. — Und wer dies nit ableat? — Der entrichte Tribut, dann fteht er unter unjerm Schutze. Und wer ihn nicht entrichtet? Den befriegen wir. — Und welden Rang nimmt der Meubefehrte bei euch ein? — Wir Fennen nur einen Rang; in Allem, was ung Gott zur Pflicht gemacht, ift fein Unterſchied zmi: fhen Bornehm und Gering, zmijchen den Erſten und dem Festen. — Coll denn derjenige, der fih heute zu euch gejellt, Gutes und Shlimmes mit euch theilen? mwodurd verdient er Das, da ihr doch längſt vorangegangen fein? — Der Neubekehrte hat mehr Verdienft als wir, die wir unter unjerm Propheten dieſen neuen Glauben ans genommen: mir huldigten ihm, als er in unjerer Mitte lebte, ung Nabriht vom Himmel brachte, mit der Schrift befannt machte und Wunder zeigte. Wer geſehen, was wir geiehen, und gehört, mag wir gehört, dem ziemte es, ıhm zu huldigen und fi dem Glauben an Gott zu ergeben. Bon euch aber, die ihr Feine der Wunder und Beweiſe gehört noch gefehen, mie wir, ift ed um fo verdienftooller,
Abu Ber. 45
von denen indeifen auch 3000 Mann das Schlachtfeld be- deckten. Dieſe für die Eroberung Syriens entſcheidende Schlacht, wie Chalid wohl mit Recht vorhergeſehen, fand ſchon unter dem Chalifate Omar's ) ſtatt, welcher am 22,
wenn ihr aus Ueberzeugung und mit reiner Abſicht euch zum Islam be: kehret. — Sprichſt du wahr? täuſcheſt du mich nicht ? — Bei Gott, ih habe dir die MWahrbeit gejagt, ich habe fein Verlangen nad dir oder fonft jemanden von den Deinigen, aber Gott hat ſchon ge: währt, was du wünſcheſt. — Du haft wahr gefproden. — Djaradja fehrte dann feinen Schild um, neigte ſich zu Chalid hin und jagte ibm: lehre mich den Slam. Chalid führte ihn in fein Zelt, goß einen Schlaub Wajfer über ihn, dann betete er mit zwei Verbeu— gungen. Die Griechen, welche glaubten, Djaradja ſei gegen Chalid ausgezogen, ſtürmten mit feinen Dienern gegen Chalid heran und trieben tie Mujelmänner aus ihrer Gtellung, nur Sfirma und Harith Ibn Hiſcham nicht, welche die Wache hatten. Als aber die Grieben mitten unter den Mujelmäannern waren, beftieg Chalid fein Pferd wieder; das Gleiche that auch Djaradja, als die Griechen ſchon mitten unter den Mujelmännern waren. Segt ſammelten ſich dieſe wieder und Fehrten um. Die Grieben wollten aud ihre frühere Stellung wieder einnehmen, aber Chalid drang auf fie ein, bis ſich ihre Schwerter kreuzten und er ſowohl ald Djaratja hieb auf fie ein von Aufgang der Sonne, bis fie ficb zum Untergang neigte u. f. mw. Hierauf folgt dann, was fhon im Terte angegeben wor: den, dag Chalid zwischen die NReiterei und das Fußvolf drang. Aus diejer ganzen, am Schluſſe freilich nicht fehr Elaren Erzählung, glaube ih jedenfalls entnehmen zu dürfen, daß Djaradja durch feinen Ueber— gang zu den Mujelmännern große Verwirrung unter den Griechen heroorbradite und wahricheinfichh das ganze Corps, das ihm zu Hülfe geeilt, dem Schmerte der Mujelmänner überliefert ward. Möge der aelehrte Fejer übrigens an dieſem Beirpiele fehen, wie ſchwer ed iſt, aus orientafiihen Werfen unbezmweifelte Facta zu ſchöpfen und die in diefem Buche häufig vorfommenden „wahrfceinfich, ver: muthlich, vielleicht“ und dergleihen nicht der Sfeptif des Verfaifers, fondern der Natur der Quellen zufchreiben. Vergl. auch Schloſſer's Weltgeſch. I. 1. ©. 241.
1) Manche Autoren fegen befanntlic die Schlaht am Jarmuk erft nach der Eroberung ron Damasf, aber nicht nur die angeführte Rede Chalid's und die Thatjache, daß er den Oberbefehl hatte, ſpricht
46 Erftes Hauptflüd.
Djumadi Achir des 13. Jahres der Hidjrab (23. Auguft 634) dem am vorhergehenden Abende verftorbenen Abu Befr auf dem Throne folgte. Auf den Befehl des neuen Chalifen follte fogar bei Jarmuk fhon unter dem Oberbefehle des Abu Ubeida gefochten werden. Chalid veröffentlichte je— doch die Ernennung Abu Ubeida’s zum Oberfeldherrn, welde fur; vor dem Treffen oder während deſſelben eintraf, erft
jpäter, nach einigen Berichten fogar ern nad) der Einnahme von Damasf,
Abu Ubeida ließ nun ein Fleines Beobachtungsheer unter Baſchir am Jarmuk zurück und zog nad Mardj Affofar in der Abjicht, von bier aus zur Belagerung von Damasf zu fchreiten. Da aber die Griechen fi) aufs Neue bei Fachl am wefllichen Jordan, in der Nähe von Beifan, fammelten, während ein anderes Corps vom Norden her über Himf heranzuziehen drohte, blieb er in Mardj Affofar Tiegen, bis er fih vom Chalifen einen neuen Feldzugsplan eingeholt. Dmar befahl ihm, mit der Hauptarmee Damasfus, die Haupt-
dagegen, fondern auch aus Theophanes erhellt, daß die Belagerung von Damasf erſt eine Kolge der gewonnenen Schladt am Jarmuk war. Auch fpricht der Umstand dafür, daß die Nachricht von Abu Bekr's Tod, der einftimmig in den Monat Djumadi Air des Sah: red 13 gefegt wird, vor oder während der Schlaht eintraf. Außer dem Treffen von Jarmuk wird auch von mehreren Autoren eined dei Mardj Alfofar erwähnt, und zwar von Dfahabi wenige Tage nach dem von Adjnadein, nach dem Ujun Altawarih, Mitte Djumadi Achir. Sujuti fagt nur nah der Schlacht von Adjnadein: „in die fem (13.) Suhre fand auch ein Treffen bei Mardj Affofar ftatt. Ver: muthlich hatten fih hier die flüchtigen Griechen gefammelt und den Mufelmännern auf ihrem Zuge gegen Damask in den Weg geftellt.
1) Abu Beer ftarb am 22, Auguft, nicht am 23., wie bisher alle Europäer angegeben, denn es heißt ausdrüdiih am Montag, den 21. oder 22. Djumadi Air, je nahdem man annimmt, daß er vor oder nad Eonnenuntergang geftorben. »Masa leilat Althalatha« (bei Abulfeda ©. 220) ift doch, wie Sedermann weiß, der Abend von Montag auf Dienftag, der nad) europäiſcher Zeitrechnung jeden: falls zum Montag, aljo zum 22. Auguſt gehört.
Abu Ber. 47
ſtadt von Syrien, zu belagern. Nur ein Fleineres Corps follte gegen Fachl ziehen, um den Nüden der Belagerungsarmee zu decken und ein anderes eine Tagereife nördlih von Damasf lagern, um die von Norden ber zum Entfage beranrücdenden Griechen zurüdzutreiben, Beide Unternehmungen hatten ein glüdliches Ende. Dſu'l Kalaa fchlug die Griehen, die von Himß famen und Fezid die bei Fachl Gelagerten, welche ver- gebens das ganze Land unter Waſſer gefest hatten, Die Stadt Damasfug ward nun immer enger eingefchloffen und da von feiner Seite Hülfstruppen famen, mußte fie fi im folgenden Fahre (635) ergeben ). Während aber die Häupter
1) Auch über die Zeit der Einnahme von Damasf fomohl als über die Dauer der Belaaerung weichen die Traditionen von ein: ander ab. Nah Ibn Ishak ward Damask im Radjab des S. 14 erft eingenommen, alſo ein ganzes Jahr nah dem Tode Abu Bekr's. Masuri hingegen berichtet, daß ein Monat nad der Ginnahme von Damasf Haſchim mit einem Theile der fyriihen Truppen im Mus harram des J. 14 wieder in Sraf eintraf. Demnach müßte fie vor Ende des J. 15, etwa im Januar 635, ftatt gefunden haben. Damit ftimmt auch die Stelle- bei Tabari ©. 166 überein, wo es heißt: Die Damascener hatten gehofft, bei Annäherung des Winters würden die Mujelmänner die Belagerung aufheben; als dies nicht seihah, gaben fie alle Hoffnung auf und bereuten es, fih in Da— mask eingeichloffen zu haben. Daß auch Abulfeda die Eroberung von Damasf noch in das J. 13 fest, ift befannt; gegen alle ältern Quellen erwähnt er aber die Schlacht von Jarmuk vor der Einnahme von Boßra. Dſababi ift mit ſich felbit in Widerſpruch, denn er jegt aud die Schlacht von Fachl, die unmittelbar vor oder vielleicht fhon während der Belagerung von Damask ftatt gefunden, in den Monat Dſul Kaada, gibt die Dauer der Belagerung auf 4 Monate an umd ſetzt doch auch die Einnahme erft in den Radjab des J. 14. Nah Theophanes wird auch, wie fhon erwähnt, die Belagerung und Gin- nahme von Damasf ald eine Folge der verlorenen Schlacht am Sarmuf angegeben, legtere aber auf einen Dienftag den 23. Sult oder Auguft geiegt, je nachdem man ’Towkov oder »Lous« lieſt. Wir fonnen aber, da wir aus mufelmänniihen Berichten wiſſen, dag die Schlacht am Jarmuk ohngefähr mit dem Tode von Abu Beer übereinftimmt, nicht zweifeln, daß legtere Lefeart (vergl. Pagi
48 Erftes Hauptftüd,
der Stadt mit Abu Ubeida unterhandelten, drang Chalid von einer andern Seite her in die Stadt, die entweder wegen ei- nes Feftmahles, oder weil die Delagerten während der Unter: handlungen feinen Angriff erwarteten, fchledht bewacht war. Chalid behandelte die unglüdlihe Stadt als eine durch Ge— walt erftürinte, bis Abu Ubeida ihm entgegentrat und ihn nötbigte, den von ibm geſchloſſenen Vertrag anzuerkennen H.
L. VII. ©. 1066) die richfige ift, weil im J. 634 nad) Chr. der 23. Auguſt wirklich ein Dienftag, der 23. Suli aber ein Samftag war. Dies überzeugt ung auch, daß Theophaned die Schlabt von Sarmuf um zwei Sabre zu ſpät fert, weil im 3. 655 und 686 weder der 23. Juli noch der 23. Auguft ein Dienftag war. Diefer Irrthum kömmt daher, daß er zwar den Tod Mohammeds richtig in die vierte Sndiction, weldhe mit dem September 651 berinnt, jest, Dann aber doh Abu Bekr's Regierung erſt mit dem folgenden Sahre beginnt, ihr eine Dauer von zwei und ein halb Sahren verleiht und feinen Tod, fo wie Omar's Negierungsantritt in das Jahr 6126, ftatt 6125, fegt, das mit dem September 634 beginnt. Der zweite Irrthum kömmt daher, daß er, wahrjheinlih nach andern arabijchen Traditionen, welhe die Schlaht von Jarmuk in dag Sahr 15 der Hidjrah ferten, fie auch erst zu Ende des erſten Regierungsjahrs Omar's, ftatt zu Anfang dejjelben, angibt. Aber der von ihm an: geführte Tag des Monats und der Woche beftimmt ung, den andern Traditionen den Vorzug zu geben.
1) Wer mehr Unterhaltung als hiftorifhe Belehrung fucht, der fefe bei Gibbon und Andern nach, was dem Theile der Bevölkerung widerfuhr, welcher die Stadt verließ, alles nach Wafidi, der eine befondere Vorliche für das Nomantifhe hat. Sch will hier nur, da Tabari von Allem nichts erwähnt, die Hauptmomente anführen! Zu den Bedingungen des Vertrags gehörte auch, daß den Auswanderern nur drei Tage Ruhe gegönnt werde, am vierten aber es den Mufel- männern frei ftehe, fie zu verfolgen. Zu jenen gehörte auch eine Griebin mit Namen Eudocia, welche Jonas, ein zum Slam über: getretener Grieche, liebte. Diejer hatte noch als Chriſt während der Belagerung von Damasf feine Geliebte entführen wollen, ward aber gefangen. Chalid verfprah ihm, wenn er den Islam annähme, ihm nach der Eroberung der Stadt feine Geliebte zu verichaffen. Eu: docia gehörte aber auch zu denen, welden eine dreitägige Sicherheit zugefagt war. Der verzweifelte Sonas fpähte daher dem Zuge der
Abu Ber 49
Ehe wir nun zu den weitern Fortfchritten der mufel- männifchen Waffen in Syrien und Paläftina übergehen, müffen wir zuerft nod einen Blick auf die legten Tage des Chalifen Abu Bekr werfen, fo wie auf die Vorfälle in Perfien nad dem Abzuge Chalid's.
Abu Bekr, der Sohn Abu Kubafa’s, mit dem Beinamen Siddif (der Beftätigende), weil er zuerft Mohammeds Sen- dung und bejonders deſſen nächtliche Himmelfahrt als wahr erflärt, und Atif (der Freie) wegen feines edlen Ausfeheng oder weil ihn Mohammed von der Hölle frei geſprochen, der Unruben eingedenf, welche nah Mohammeds Tod die unent- fhiedene Erbfolge verurfacht, war darauf bedacht, noch bei feinem Leben diefe Frage zu Gunften Omars zu entfcheiden. Er ließ daher während feiner Krankheit die angejehenften und einflußreidhften Gefährten des Propheten zu fi fommen und fhilderte ihnen Omar als den tüchtigften und Fräftigften Dann, um die Zügel der Regierung mit ficherer Hand zu Ienfen. Dem Abd Arrahman Fon Auf ), welder einige Beforgnig wegen Omar’s Härte äußerte, fagte er: Dmar war nur fo fireng, weil ich zu weich war, herrſcht er einmal allein, fo wird er ſchon milder werben; denn fehr oft fuchte er mich
Flüchtlinge nah und leitete Chalıid mit 4000 Mann in der Nacht som dritten zum vierten Tage einen nahen Weg über Berge und Schluchten, fo daß er fie noch einholte und bis auf einen einzigen Mann erfhlug, der diefe traurige Kunde nach Sonftantinopel brachte. Sonas fuchte natürlich feine Geliebte auf, aber fie wollte von einem Verräther und Abtrünnigen nichts wiſſen. Als er nach einem langen Gefechte mit ihr fie endlich entwaffnete, griff fie nach einem Dolche und machte ihrem Leben ein Ende. Auch eine Tochter des Heraclius ward gefangen und Sonas zum Erſatze geboten, aber er war troftlos und fiel fpäter im Kampfe für feinen neuen Glauben. Die Prin: zefiin aber fandte Chalid ohne Löjegeld ihrem Vater, dem Kaifer Heracliug, zurüd.
D Bei Tabari ©, 148 ift in der Antwort Abd Errahmans wahrjcheinlich »fi ra’ jika« ftatt »min« zu leſen und fo zu überfegen: mBei Gott, er ift in deinem Sinne der Vorzüglichfte von Allen u, ſ. w.“
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50 Erftes Hauptſtück.
zu befänftigen, wenn er bemerfte, daß ich zur Strenge geneigt war, und nur wenn ich zu mild war, zeigte er ſich hart.“ Dem Othman Ibn Affın fagte er: „ic weiß gewiß, daß Dmars Inneres beffer ift, als fein Aeußeres ſcheint.“ Beide bat er jedoch, von feinem Borhaben nichts verlauten zu Laffen. Erft als die Häupter der Muſelmänner beifammen waren, von denen er vielleicht Mandem Hoffnung auf die Nachfolge gegeben hatte, fragte er: Wollt ihr, daß ich cud) einen Nach— folger bejtimme? bei Bott, id) werde es nad) veifer Erwä— gung und ohne Bevorzugung eines Berwandten thun. Nach— dem fie gefehworen, ihm zu gebercdyen, nannte er Omar Fon Chattab, deffen Erhebung zum Chalifen er ſchon vorher durch Othman hatte ſchriftlich aufferen laſſen. Talha Ibn Ubeid Allah ſagte ihm hierauf: „wie magſt du Omar zu dei— nem Nachfolger beſtimmen? du weißt doch, was man von feiner Härte zu dulden hatte, fo Lange du noch neben ihm ftandeft, wie wird eg fein, wenn er allein herrſcht? Was willſt du antworten, wenn du deinem Herrn begegneft und er did) nad deiner Hrerde fragt?“ Da antwortete Abu Befr: „willft du mir Gottesfurdt predigen? wenn id) vor Allah trete, werde ich ſagen: Ich babe den Beiten deiner Leute zu meinem Nachfolger eingefegt.” „Iſt Omar rein und gerecht,“ fagte er ferner, „fo ift er wie id es von ihm erwarte, wird er ein gewaltthätiger Tyrann, fo war ich eben nicht allwiffend, doch habe ich dcs Beſte gewollt; die Uebel— thäter werden einft fchon erfahren, welches Ende ihnen bes vorſteht 1).
1) Omar ſelbſt, dem einer feiner Freunde faate, daß mande ihn wegen feiner Derbheit nicht als Herrſcher haben wollen, foll darauf geantwortet haben: Gelobt fei Gott, der mein Herz mit Liebe zu den Muſelmännern gefüllt und das Ihrige mit Furt vor mir. Omar ſcheint in der That in feinen fpitern Sahren als Nes gent viel von der Heftigkeit verloren zu haben, die er unter Mo: hammed gezetat, wo er als ein wahrer Faruk (Trennender) jeden Augenblist bereit war, einen Kopf vom Rumpfe zu frheiden, Diejen
Abu Bekr. 5
Da Dmar während feiner ganzen Negterung ſich als ein tüchtiger Herrfcher bewährt, jo wollen wir aud Abu Befr wegen dieſer Vorfehrung, weldhe in Arabien ohne Beifpiel war, nicht tadeln. Selbft Ali fcheint dies eingefehen zu ha— ben, wenigftens wird aud von Niemanden behauptet, daß er irgend einen Widerſpruch erhob, wie dies bei der Wahl Abu Bekr's und der Othman's der Fall war. Er foll fogar dem fterbenden Abu Bekr zugerufen haben: „Gott erbaıme fi dein! du warft der erſte Gläubige und der Neinfte unter Allen. Du haft dem Propheten und den armen Mufelmän- nern dein Bermögen geopfert. Du warft Mohammeds treue: ter und nächſter Gefährte und ihm ähnlich in Sitten und Lebenswandel. Du ftandeft ihm zur Seite in jeder Gefahr und warft fein Begleiter auf der Flucht. Du warſt fein wiürdiger Nachfolger zur Zeit der Empörungen, ftarf, wenn Andere verzagten. Du warft der Getreuen Panier gegen Ungläubige und Heuchler. Deine Klugheit war eben fo groß wie deine Beredfamfeit und deine Tapferfeit. Der Glaube fand in dir eine fefte Stüge, die jedem Sturme troßte und den Gläubigen, denen du in Tugend vorangeeilt, warft du ein Tiebender Vater, Alle deine Nachfolger werden vergebene dir nadyzueifern fuchen, darum ift aud dein Tod im Himmel wie auf Erden bedeutungsvoll, doch wir find Gottes und fehren einft zu ihm zurück I.”
Diefer Leichenrede müffen wir, fo weit unfre Kenntniß von Abu Bekr's Leben reiht, vollkommen beiftimmen, denn außer feiner Nachficht gegen Chalid Ibn Weliv, weldhe ihm die Staatsflugheit gebot, fann ihm weder Schwäche noch Uns gerechtigfeit vorgeworfen werden. Er felbjt foll indeffen auf feinem Zodtenbette drei Dinge bereut haben, Erftens daß er Aſchath Fon Keis nicht Hinrichten laſſen, zweitens daß er die
Beinamen erhielt er aber, weil Mohammed glaubte, Niemand uns terfcheide fo gut Wahrheit von Lüge und Recht som Unrecht, wie er. 1) Bekri. 4*
52 Erſtes Hauptſtück.
Herrſchaft übernommen und nicht Mohammed vor ſeinem Tode über die Nachfolge gefragt habe, um alle andern An— ſprüche von Seiten ſeiner übrigen Familie zu beſeitigen und drittens nicht an dem Feldzuge gegen die Abtrünnigen Antheil genommen zu haben . Sein Privatleben war nicht minder tadellos und trog der Schäge, die ihm feine Feldherrn von der Beute zufandten, blieb er doch arm und fuhr fogar eine Zeit lang als Chalife noch fort, Handel zu treiben und feine Heerde auf die Weide zu führen, bis endlich Dinar und Abu Ubeida ihm bedeuteten, daß er feine ganze Zeit den Staats— angelegenbeiten zu widmen habe. Dann erſt entſchloß er fich, einige Tauſend Drachmen jährlich nebft einem Sommer- und einem Winterfleive aus dem öffentlihen Schatze zu nehmen, und felbft dies foll er vor feinem Tode durch Aiſcha wieder zurückgegeben haben. Wie fehr er gegen alles unnöthige Blut- vergießen und fonfiige Grauſamkeiten war, haben wir an mehreren Beifpielen gejehen.
Als Gefetgeber ift Abu Bekr aud nicht ohne Berbienft, wenigſtens wird erzählt daß er, fo oft Fälle vorfamen, die weder durch den Koran noch durch die mündlichen Lehren Mo- hammeds entfchieden werden fonnten, er die gelehrteiten Diän- ner verfammelte und erſt nachdem er ſich mit ihnen beratben, ein Urtheil fällte, das dann für die Zukunft zum Gefege er- hoben ward. Er felbft befolgte aufs Strengfte die Borfchrif- ten des Korans; darum heirathete er aud; bloß vier Frauen. Bon feinen Kindern verdient außer Aifha, der Gattin Mo- hammeds, nur nod Mohammed, der Mörder Othmans, eine befondere Erwähnung. Um den Koran fcheint er fein an- deres Berdienft zu haben, ald daß er die zerftreuten Frag- mente deffelben fammelte und aufbewahrte, vielleiht auch Manches, das fih nur im Gedächtniſſe erhalten hatte, nieder- ſchreiben ließ. ine förmliche Redaktion des Korans und Berbreitung durch vollftändige gleihfürmige Abfehriften, fand
1) Masudi fol. 183.
Abu Bekr. 33
erft unter Othman ftatt, wo wir auf diefen Gegenftand zu— rüdfommen werden.
Abu Bekr ftarb nach einer Regierung von zwei Jahren, drei Monaten und einigen Tagen, in einem Alter von 63 Jahren, an einem Fieber, das er fi) in einem Bade 14 Tage vor feinem Tode zugezogen ").
1) Diefe wahrfheinlihere Tradition rührt nah Tab. ©. 186 fowohl von Aida ald von Abd Errahman, dem Gohne und der Tochter Abu Bekr's her, verdient aljo jedenfalld den Vorzug vor einer andern, derjufolge Abu Beer ein Sahr vor feinem Tode von Juden vergiftet worden fein foll. Harith Ibn Killida, fo lautet dieſe Tradition, war Abu Bekr's Tiſchgenoſſe, aber er hielt noch zeitlih genug ein und fagte zu Abu Beer: du haft eine ver: giftete Speife genofjen, deren Gift nad einem Jahre tödtet; nad Abu Djafars Bericht ftarb Attab Son Ufeid in Meffa an demjelben Tage wie Abu Bekr; fie waren miteinander vergiftet werden. Die Mamen der Juden werden nicht genannt, auch wird Fein Grund an— gegeben, warum fie den Chalifen umgebracht, und das foll ein Jahr vor dem Tode Abu Befr’s geichehen fein?? Nimmt man nod zwei andere Weberlieferungen hinzu, welche Bekri anführt, denenzufolge er von Zuden verzaubert worden, oder in Folge eined Schlangen: biffes ftarb, den er auf der Fluht von Mekka in der Höhle Tor empfangen, fo fieht man offenbar, daß es dieſen Leuten nur darum zu thun war, ihn aud) ald Märtyrer fterben zu laffen, wie vor ihm Mohammed, an deffen Vergiftung ich auch nicht mehr glaube, und nah ihm Omar, Othmar, Alt, Hafan (2?) und Hujein. 9. Flügel, welcher ©. 21 ſchreibt: „er ftarb entweder, wie ed wahrſchein— fiher ift, an einem langjam wirkenden Gifte, das ihm Zuden in der Speije beigebradt haben follen, oder, wie Aifha berichtet, an einer Erkältung,“ hätte mwenigitens auch einen Grund für Ddiefe Wahrfheinlichkeit angeben follen,
Zweites Hauptſtück.
OO mar
Verfügung gegen Juden, Chriften und frühere Rebellen, — Ent: fesung Chalids. — Abu Ubeids Feldzüge in Sraf. — Sein Tod. — Schlacht bei Kadefia unter Suad Jon Abi Wakkaß. — Eroberung von Madain. — Gründung der Städte Bafra und Kufa. — Omars Berdienfte um das Finanzwejen. — Unterjohung von Syrien und Paläſtina. — Dmars Reife nah Jeruſalem. — Krieg in Mefopo- tamien und Fars. — Hormuzand Befehrung. — Schlacht bei Dia: lula und Nehawend. — Eroberung der übrigen perfiichen Provinzen. — Gezdedjerds Untergang. — Amrus Feldzug nab Egypten. — Zu: ftand dieſes Landes. — Friedensfhluß mit den Kopten. — Ginnahme von Alerandrien. — Gründung der Stadt Foftat. — Verbindung des Wild mit dem rothen Meere. — Amrus Feldzüge in Pentupolis und Marmarif. — Ginnahme von Barka und Tripoli. — Omars ECorrejpondenz mit Amru. — Omars Ermordung und Teftament. — Dmars Berdienfte um den Islam. — Sein Privat: und öffentliches Leben.
Dmar zeigte gleich) bei feinem Negierungsantritte, daß er im eigentlihen Sinne des Wortes zu berrfchen gefonnen fet, indem er fagte: Ber Gott, der Schwächlte unter euch wird mir als der Stärfite erfcheinen, bis ich ihm fein Recht
Omar. 55
verfchafft, den Stärfiten unter euch werde ich aber als ben Schwächſten behandeln, bis er fih dem Nechte fügt ). Die Araber gleichen einem Kameele mit wunder Nafe, das ohne Widerftreben feinem Führer folgt. Diefer muß aber fehen, wohin er es leitet. Auch ich, bei dem Herrn der Kaaba! id werde fie auf den rechten Weg bringen 2).
Durch folgende Verfügungen zeigte er aber auch, daß er die übernommene Herrihaft zum Schuße der Gercechtigkeit, zur Bewahrung des Islams vor Jrrlehren und zur weitern Berbreitung defjelben durch das Schwerdt gebrauchen würde. Einen Mann wie Chalid, der feinen Kriegsruhm mit Mord befledt und mit zügellofer Ausihweifung, der ihm übrigens auch perſönlich verhaßt war, wollte er nicht länger an der Spige der fyrifchen Armee dulden. Er fchrieb daher an Abu Ubeida Ibn Djarrah: „Fürdte Gott, der allein ewig ift, während Alles außer ibm vergeht, der uns aus dem Irrthume und der Finfternig an’s Licht geleitet. Ich fege did) über das Heer Chaliv’s Ibn Welid, wache über deffen Wohl wie e8 dir obliegt. Stürze es in feine Gefahr, aus Berlangen nad) Beute. Laffe es an feinem Drte lagern, ten du nicht vorher auskundſchaften laſſen. Sende Nirmanden ohne ftar- fes Geleite aus! Hüte dich, die Mufelmänner ing Verderben zu ftürzen! Gott hat dich durch mid und mich durd dich verfucht 3). Halte deinen Blick von diefer Welt ab und vers
1) Atulfeda ©. 222.
2) Tab, ©. 156. Bekanntlich wird das Kameel an einem Gtride geleitet, der an einem durch die Naſe gezogenen Ringe befeftigt iſt.
8) Tub. a. a. 9. Die Worte des Tertes lauten: »Wakad ab- läka bi waablani bika.« Kojegarten überiegt fie: »judicantem tibi tribuit me mihique te.« Nah dem Kuamus bedeutet die vierte Form von bala: verbrauchen, benahrictigen, eine Entihuldiaung zufommen laffen, ſchwören und beihmwdren. Keine tiefer Bedeutungen mill hier paſſen. Ich vermuthe daher, daß die dte Form auch mie tie Ite und Ste „verjuchen, erproben” bedeutet, oder daß ibtalani und ibtalaka gelefen werden muf. Der Sinn ift: dadurch, daß ich Did)
56 Zweites Hanptftäd.
fliege ihr dein Herz! Sei auf deiner Hut, daß fie dich nicht verderbe, wie fie Andre vor dir verborben, deren Sturz du wohl gejehen.”
Eine zweite Maßregel, zur Bewahrung der Reinheit des Glaubens, war die Verbannung der Chriften, von Nadj- ran, angeblih nah Abu Bekr's und Mohammeds letztem Willen, damit auf der arabifpen Halbinfel, dem Hauptfise des Islams, nicht zwei Religionen herrſchen. Doch follten fie nicht nur mit all ihrer Habe abziehen, fondern ihnen fo- gar, je nach ihrer Wahl, in andern Ländern fo viele Tiegende Güter angewiefen werden, als fie in Nadjran befeifen 1). Aus demfelden Grunde vertrieb er auch fpäter die Juden aus Cheibar und Wadi-l-Kura und verpflanzte fie nah Kufa 2). Ehen fo mußten in allen eroberten Ländern, um Vermiſchung und Verwechslung der Gläubigen und Ungläubigen zu ver- hüten, 2estere durd) den Gürtel und die Farbe des Ober— fleidg und der Kopfbinde fi auf den erften Anblick kenntlich machen.
Um das mufelmännifche Heer, ſowohl in Irak als ın Syrien zu verftärfen, erlaubte endlih Omar aud) denjenigen Arabern, welche nad) dem Tode Mohammeds abtrünnig ge— worden, und die Abu Bekr, aud nach ihrer Unterwerfung, von den immer treu gebliebenen Truppen ausgefchteden batte, gegen die Ungläubigen Krieg zu führen 3), und fo ward ge- wiffermaßen bei feinem NRegierungsantritte allen frühern Re— bellen eine vollftändige Amneftie zu Theil.
Durh die Ernennung Abu Ubeid's Ibn Mafud zum
zum Oberfeldherrn ernannt, wird Gott deine Tugend und Tapfer: feit erproben, und je nad) deinen Thaten wird auch mein Herrfcher- talent fi bewähren und meine auf dich gefallene Wahl gelobt oder getadelt und von Gott belohnt oder beftraft werden.
1) Tas. ©. 176.
2) Türk. Tab. ©, 181 im $. 21 der Hidjrah. Auch Dfahabi ©. 183.
8) Tab. ©. 180,
Dmar 57
Feldherrn über die Armee in Irak, zeigte Omar fogleih auch, daß er das wahre Berdienft höher ftelle als Alter und edle Abkunft. Dmar hatte nämlih in der Mofchee zu Medina dreimal die Gläubigen aufgefordert, an dem heiligen Kampfe gegen die Perfer in Irak Theil zu nehmen, weil die Perfer neue Heere rüfteten, während das der Mufelmänner durch den Abzug Chalids mit einem Theile der Truppen fo ges ſchwächt war, daß es fih faum noch in Hira und der näch— ften Umgebung diefer Stadt halten fonnte, Omars Aufruf fand aber feinen Anflang bei den Arabern. Erſt am vierten Zage meldete fich Abu Ubeid der Thakifite und feinem Betz fpiele folgten dann Andere, fo daß Omar bald taufend Mann abſchicken Fonnte, denen fi) nach und nach noch viele fremde Stämme, befonders von den frühern Abtrünnigen, anfchloffen. AS aber nunmehr von Omar verlangt wurde, er möchte einem ber Gefährten des Propheten den Dberbefehl übertra- gen, fagte er: „ich ernenne Abu Ubeid zum Feldherrn, weil er der Erfte war, der meiner Aufforderung Folge geleiftet und dadurch die Gefährten des Propheten übertroffen hat.“
Die Notb der Mufelmänner in Irak mußte fehr groß fein, denn Muthanna felbft, dem Chalid vor feinem Abzuge den Dberbefehl übertragen, war nad Medina gefommen, um fih von dem Chalifen ) neue Hülfstruppen zu erbitten und die Erlaubnig zu erwirfen, die wiederbefehrten Abtrün- nigen auch in die Reihen feiner Krieger aufzunehmen. Zwar hatte Muthanna nah Chaliv’s Abzug die Perſer unter Hor- muz Djadfuweih noch einmal bei den Ruinen von Babel ge- Schlagen, fpäter aber, als nad mehrfahen Fürftenmord Buran an die Regierung fam und der tapfere Ruſtum mit der Lei- tung des Kriegs gegen die Araber beauftragt ward, erhob fih überall das Bolf gegen Lestere, und als Muthanna, einen
1) Abu Bekr war jchon franf, als Muthanna nah Medina fam, er trug aber Dmar auf, gleich bei feinem Regierungsantritte der Srafanifchen Armee Berftärfungen zufommen zu laffen.
58 Zweites Hauptflüd.
Monat vor Abu Überd, wieder nad Irak gelangte, befetste Diaban auf Ruftums Befehl das ganze Gebiet am weftlihen Euphratarme, fo daß jener es für rathjam fand, bis zur Anz funft der Hülfstruppen, fogar Hira zu verlaffen und das Lager der Mufelmänner nad Chaffın 7) zu verlegen.
Abu Ubeid's perfönliher Muth ftellte indeffen bald wie- ber das alte Selbftvertrauen der Mufelmänner her. Nach einigen Ruhetagen in Chaffan griff er das perfiihe Heer bei Namarif, einer Stadt weftlid vom Euphrat, an und ba Diaban 7) felbft gefangen ward, fo ergriffen feine Truppen bald die Flucht gegen Kaskar hin, wo Narfes, ein Berwand- ter ber kaiſerlichen Familie, an der Spige eines andern klei— nen Heeres ftand. Abu Ubeid feste ihnen aber nach, trieb auch die unter Narfes ftebenden Truppen zu Paaren und be— mächtigte fi aller Schäße des Narſes in der Feltung Sa— fatie, in deren Nähe das Gefecht ftatt fand 3). Ein zweites Treffen gewann er dann nod) gegen den Feldherrn Djalinug, welcher Narfes eine Berftärfung zuführen wollte, der aber fhon vor feinem Eintreffen gefchlagen worden.
Die Eroberungen, welde Abu Ubeid in Sawad ge- macht, gingen aber bald wieder verloren, denn die Perfer rüs fteten ein neues Heer unter der Anführung des Bahman
1) Shaffan heißt nah dem Kamuß ein Wald in der Nähe von Kufa, mwahrjceinlih gegen Mordweft, an der Grenze der Wüſte. Nach Tab. (Cod. msc. Berol.) XI. 139. lag Chaffan 4 Pharafungen von Kadeſia.
2) Der Araber, welher ihn gefangen nahm, Fannte ibn nicht und wollte ihn erfchlagen, 309 aber dann vor, zwei junge Sklaven als Löſegeld zu nehmen. Abu Mbeid nöthigte ihn, fein Wort zu halten, obſchon er nachher erfuhr, Daß es der perfiihe Feldherr war, der entweder erfchlagen oder zu einem größern Löſegeld verpflichtet merden follte. Tab. ©. 184.
3) Als Abu Ubeid Fönialich bemirthet wurde mit Speiſen, die bisher die Araber gar nicht fannten, weigerte er ſich zu eifen, bis er die Verficherung erbielt, daß auch dem gemeinften Soldaten eine ähnliche Koft gereicht würde, Ebend. ©. 188.
Dmar. ; 59
Diadfuweib aus, das alle bisherigen an Zahl übertraf. Bah— man, welder den Beinamen Dful’ Hadjib führte, brad) gegen die Hauptarmee der Mufelmänner auf, welche wieder in ber Gegend von Hira ihr Lager hatte, doch machte er am öſtlichen Euphratufer, gegenüber den Ruinen von Babel, an einem Drt, welder Kuß Alnatif hieß, halt. Abu Ubeid z0g ihm entgegen und lagerte in Marwaha am weltlichen Euphratufer. Statt aber, nad) dem Rathe Sillits I) und anderer erfahre: nen Krieger, dem Feinde den Uebergang über den Strom fireitig zu machen, trieb ihn feine Verwegenheit an, über denfelben eine Brüde fchlagen zu laſſen und ihn jenfeitd des Eupbrats anzugreifen. Die Perjer hatten aber diesmal fo viele Elephanten bei fi, daß die Araber,ederen Pferde fcheu wurden, genötbigt waren, abzufteigen und gegen ihre Gewohn— beit zu Fuß zu kämpfen. Doc behaupteten fie demohngeachtet das Schlachtfeld, bis Abu Uberd von einem Elephanten zu todt getreten ward ?). Jhre Niederlage wäre indefjen nicht jo ſchrecklich geweſen, wenn fie fi über die Brüde in das weftlihe Euphratgebiet hätten flüchten fönnen. Aber Abd Allah Ibn Marthad, ein Araber aus dem Stamme Thafif, dem auch Abu Ubeid angehörte, zerftörte fie, um die Mufel- männer zu nöthigen, aus Berzweiflung von Neuem dem Feinde
1) Sillit ſagte ihm, nah Tabari S. 194: Die Araber jind nie einem fo zahlreihen und wohl ausgerüfteten Heere begegnet, wie diesmal die Perjer Eins ung entgegenführen. Sie haben ihr Lager an einem Drte aufgeichlagen, wo mir feinen freien Tummelplag ha: ben, auch feinen Raum, um nah einem Rückgange wieder einen neuen Angriff zu machen. Abu UÜbeid ermwiederte: ich thue es nicht anders, bei Gott du bift feig. Da hierauf ein Bote fam, welcher von der Gerinsihbägung der Perſer gegen die Araber Nachricht brachte, ſprach er um jo entjchiedener für den Uebergang und hörte nicht auf die Mahnung Sillits.
2) Nah Tab. ©. 200 hieb Abu Uberd dem Glephanten den Rüſſel ab, ftand ihm aber io nahe, daß, als er zuſammenſtürzte, er ihn erdrüdte.
60 Zweites Hauptftüd.
die Stirne zu bieten und den Tod ihres Feldherrn zu rächen N). Die Mufelmänner waren aber von einem folhen Schreden ergriffen, daß fie fih fchaarenmweife in den Strom ftürzten und hätte nicht Muthanna mit feinen Reitern den Feind fo lange in Schach gehalten, bis die Brüde wieder hergeftellt war, fo wäre das ganze Heer der Mufelmänner theild er- trunfen, theild dur das Schwerdt umgefommen.
Nach diefer Schlacht, welche unter dem Namen Brüden- ſchlacht bekannt ift und vierzig Tage ?) nach der am Hiero- mar sorgefallen fein foll, die ein ganz anderes Ende nahm, wäre es den Perfern leicht geweſen, die Mufelmänner von der Grenze von Irak zu vertreiben, denn vier taufend waren umgefommen und zwei taufend flohen in ihrer Beftürzung bis nah Medina 3), fo dag Muthanna nur noch über drei bis vier taufend Mann zu gebieten hatte. Zu feinem Glück erhielt aber Djaban, als er im Begriffe fand, ihm über den Euphrat nachzuſetzen, die Nachricht, dag in Madain eine Em- pörung gegen Ruftum ausgebrochen, fo daß er genöthigt war, mit feinen Truppen gegen die Hauptftadt zurüdzufehren. Djaban und Merdanfchab, welche, in der Meinung, Dful’ Hadjib würde mit dem Hauptheere folgen, mit einer geringen Mannfchaft bis Lis gedrungen waren, wurden fogar von Muthanna ge- fangen und hingerichtet und der Drt Lis ward unterworfen 9).
1) Er rief den Kriegern zu, erzählt Tabari S. 198: „ſieget oder fterbet, wie euer Anführer geftorben!”
2) Tabari ©. 194. Ein neuer Beweis, daß die Schlaht am Jarmuk noch in das Zahr 13, Purz vor oder unmittelbar nach Abu Bekr's Tod zu jegen if.
3) Dmar war jedoch, um die Araber nicht von fernern Kriegen gegen Perſien abzufchreden, Plug genug, die Flüchtlinge freundlic, aufzunehmen, indem er ihnen fagte: jeder Mufelmann, dem das Schickſal dem Feinde gegenüber ungünftig ift, findet bei mir Schutz. Gott erbarme fich des Abu Ubeid! wäre er in unfre Nähe geflüchtet, fo hätten wir ihn auch aufgenommen.
4) Diefed Treffen heißt das kleine bei Lis, zur Unterſcheidung son der oben erwähnten Schlacht in der Nähe diefer Stadt.
Omar. 61
Omar bot indeſſen alles auf, als die Flüchtlinge nach Medina kamen, um neue Truppen zur Verſtärkung Muthan— na’s zu gewinnen. So oft fi) Freiwillige zur ſyriſchen Ar— mee meldeten, fagte er ihnen: die bedarf eurer Hülfe nicht, gebt Fieber nad) Irak und kämpfet dort für den Glauben fowohl, als für ein Leben, reih am irdifchen Genüffen! Manchen verfprady er fogar einen außergewöhnlichen Antheil an der Beute, um fie zu bewegen, nad Irak zu ziehen N). Erft als diefe Hülfstruppen ſchon in der Nähe waren, fandte Ruftum ein neues Heer über den Euphrat unter dem Ober: befehle Mihrans, welcher, weil er in Arabien aufgewachfen, am geeignetiten fchien, fie zu befämpfen. Sobald Muthanna, der in Mardj Aſſiba zwifchen Kadefia 2) und Chaffan fein Lager hatte, von dem Anzuge Mihrans Kunde erhielt, brad) er gegen den Euphrat auf und Tagerte in ber Gegend des fpätern Kufa auf dem öftlihen Ufer eines Kanals, welcher Buweib hieß, und beſchied auch Djerir und Ißmah, welde an der Spitze der frifhen Truppen bei Hira fanden, zu fi. Dmar’s Verbot zufolge, nie mehr vor einem Siege einen Strom zu überfchreiten, erwartete er Mihran auf dem wefte lichen Ufer. Die Schlaht war mörderiſch und der Ausgang
1) So nad) Tab. ©. 202 dem Djerir und den Seinigen ein Vierttheil von dem für den öffentlichen Schag beftimmten Fünfttheile der Beute gegen die Beftimmung des Korans und den Gebrauch.
2) Der Drt Kadeſia, in deffen Nähe fpäter eine blutige Schladht vorfiel, welche die Eroberung von Madain zur Folge hatte, lag nad Ritter X. 186 an der Grenze der Wüfte, neun Stunden weftlich von Bagdad, einige Stunden nordweftlich von Hira, fo daß letztere Stadt ohngefähr in der Mitte zwiſchen Kufa und Kadefta lag. Bei Tab. (eod. Berol.) XI. 139 lieſt man aber: „Als unter Manfurs Regie: rung der Alive Ibrahim ſich in Baßra empörte, ward Abu Fadhl zum Statthalter von Kadeſia ernannt und beauftragt, die Kufaner abzuhalten, fih Ibrahim anzufchliegen. Sie gingen nämlih von Kufa nah Kadefia, von da nad Udfeib, dann nah Wadi Affiba’, dann nad) Baßra.“ Diefem Berichte zufolge Fann Kadefia nicht fo weit nördlich gelegen fein.
62 Zweites Hauptftüd,
blieb ſchwankend, bis Muthanna ſich mit einem Fleinen Häuf— Tein fühner Reiter in das feindliche Centrum warf und ein junger Chrift von dem Stamme Taghlib den Feldern Mihran er- ſchlug. Diefe Schlacht heißt die bei Buweib, aud die Zehnſchlacht, weil viele Mufelmänner tabei waren, von denen einer zehn Perſer getödtet. Diefe hatten nämlich daffelbe Schickſal, welches die Araber bei der Brückenſchlacht getroffen. Als fie über den Euphrat fliehen wollten, war die Brüde ihon von Muthanna zerftört, der ihnen dadurch den Nüdweg abfehnitt. Sie zerftreuten fi) dann nad) allen Seiten am weftlichen Euphratgebiete, wo bie ihnen nachfegenden Araber fie leicht einholen fonnten. Doch ſcheinen die Perfer ſich vor— her an der Brüde nody einmal gefammelt und den Mufel- männern ein zweites blutiges Treffen geliefert zu haben, in welchem jene aber auch zuletzt unterlagen ").
Nach diefer Schlaht bei Buweib, welde im Monat Ramadhan ?) vorfiel, alfo nicht einmal zwei Monate nad) der Brüdenfchlacdht, wagte es Muthanna wieder, Streifzüge
1) Sm arab. Tabari ©. 218 heißt ed: „Muthanna bereute es, die Brücke befegt und zerftört zu haben und warnte feine Leute, nie mehr Aehnliches zu thun; denn, fagte er, man darf nie einen Feind in die äußerjte Verzweiflung bringen, -wenn er noch ftarf genug ift, fi zu vertheidigen.“ Sm türf, Tabari ©. 108 heißt es ausdrücklich: die Perjer ernannten einen neuen Feldheren, griffen die Muſelmän— ner an, tödteten 2000 Dann und trieben die übrigen in die Flucht. Doch Muthanna bradte fie wieder zum Stehen und fiel von neuem mit jolhem Ungeftüm über die Perſer, daß fie ſich abermals zer ftceuten. Dem türk. Tab. zufolge hatte nicht Muthanna, fondern ein Anderer, ohne deſſen Befehl, die Brücke zerftört. Diefem fagte Muthanna: durch die Zerftörung der Brüde haben wir 2000 Mann verloren. Nach einer andern Tradition im Urterte des Tab. ©. 224 lag Djerir, gegen Muthanna’s Befehl, an der Brüde und erichlug ſelbſt Mihran, nahdem ihn Mundfir, von dem Stamme Dhobba, zu Boden geworfen.
2) Tab. ©. 206. Muthanna ließ jedoch die Faften brechen, um die Truppen zu ftärfen.
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jenfeits des Euphrats bis an den zwifchen Madain und Djardjaria fliegenden Sib und bis in die Gegend von Tefrit anzuordnen. Cogar nad) Bagdad, feine ganze Tagereife oberhalb der Hauptſtadt Madain ), wo eine große Meffe gebalten wurde, wagte fih Muthanna mit feinen Neitern, indem er des Nachts von Aubar aufbrad) und hei Tages anbruch plögfih über den von den reichiten Kaufleuten be= fuchten Drt berfiel und ihn ausplünderte. Diefer fühne Hand» ftreih der Mufelmänner erweckte endlicy die Verfer aus ihrer Lethargie. Sie waren der ohnmächtigen Weiberherrfchaft müde, darum enttbronten jie Buran und festen Fezdedjerd ?), einen
1) So bei Tab. ©. 230, übereinjtimmend mit Abulfeda und Edriſi. ©. Ritter a. a. D. ©. 198.
2) Ueber die Thronfolge in Perſien zwiihen Siroes und Jez— dedjerd (623 — 634) lieft man ım türf. Tab, Bd. IL. ©. 118; Na Siroe's Tod, dejjen Regierung nur fieben Monate gedauert hatte, beitieg Schehrjur den Thron. Da diejer aber nicht von fürftlichem Geblüte und darım auch nicht beliebt war, ward er ermordet und Turan (Burun?), eine Schwefter des Chosru Verviz, auf den Thron gejegt. Dieje ernannte Ferruhjad, den Mörder Schehrjahrs, zu ihrem Vezier, und ihre Regierung war sehr beliebt, dauerte aber nur 16 Monate. Zu ihrer Zeit (7) itarb Mohammed und ward Abu Bekr Chalife. Nah ihrem Tode herrichte ihre jüngere Schwefter Adjurmivoht. Diefe war jo ſchön, daß Ferruchjad, einer ihrer Des jiere, um ihre Hand anhielt. Dieſer Antrag beleidigte fie, fie be: ftellte ihn daher um Mitternacht zu fich und ließ ihn ermorden. Als fein Sohn Rufum, der an der Spige eines Heeres in Chorajan ftard, dieß hörte, brach er mit feinen Truppen gegen die Hauptftadt auf, erftürmte den Föniglihen Palaft und tödtete Buran, Dieſer folgten dann Ardſchir, der wegen lintauglichfeit wieder entthront murde, dann Feirus, von den Nachkommen Nuſchirwan's, der ebens falld wieder vom Throne gejagt ward, weil ihm die Krone zu eng war, was man ald ein böjes Omen betrachtete, dann Ferruchjad aus dem weftlihiten Theile Aiiens, der nach fehd Monaten umge: brabt ward. Endlich rief man Sezdedjerd, einen Cohn Schehrjars, herbei, welcher jih in Fars aufhielt und damals erft 15 Jahre alt war. Im Aten Bande hingegen ©. 104 heißt es: Zur Zeit, als Abu Ubeid nad Sraf ging, waren die Perjer unter Turan ftarf.
64 Zweites Hauptftüd.
Sohn des Königs Schehrjar, welchen feine Mutter wunder- barermweife vor dem allgemeinen Prinzengemetzel gerettet hatte,
Bor ihr herrſchte ihre Schwefter Adfurmidocht, welhe Ferruchfad heirathen wollte. Dieſer ward aber, als er fie des Nachts bejuchte, auf ihren Befehl ermordet, worauf fein Sohn Ruftum die Königin binrichten ließ und ihre Schweſter Turan an ihre Stelle feste. Auch heißt e8 ©. 108, daß Turan noch an der Regierung war, als Bag: dad geplündert ward, daß dann Sezdedjerd zum König ernannt ward, der damald 21 Sahre alt war, Damit ftimmt auch der arabifche Tabari S. 178 und 206 überein. Nah ©. 126 herrſchte Schehr Sran Son Ardſchir Ibn Schehrjar zur Zeit, ald Chalid nah Syrien ging, alſo im $. 13 der Hidjrah, ihm folgte Docht Zenan, Tochter Kisra's, fie wurde aber bald entthront und Sabur, Sohn Schehr Stang, erwählt. Sein Vezier Ferruchfad hielt um Adjurmidocht bei ihm an, er gewährte fie ihr, fie aber lieg ihn durch Sejawuſch er: morden, der auch Sabur erfchlug und fie auf den Thron feste. Daran reiht fih dann die ©. 178 erzählte Ermordung Adſurmidocht's durch Ruftum und die Nachfolge Buran’s. Bekanntlic herrſcht ſelbſt in den älteften Quellen die größte Meinungeverfchiedenheit fomohl über die Zahl als die Namen und Reihenfolge der perfifhen Regenten zwiſchen Sirves und Sezdedjerd. Vergl. Assemani bibl. orient. II. 419. Eutych. annal. II. 253. not. et extraits 357 u. Mem. sur qq. antiq. p. 408 ff. Journal Asiatique 1843. p. 388 u. f. Merfwürdig und bezeihnend für den Werth oder vielmehr die Nichtigkeit der orien— talifhen Zeitrehnung ift, daß auc der Verfaſſer des Mudjmil Atta- warich, der fih rühmt, aus den älteften Quellen gefchöpft und die größte Behutiamfeit angewandt zu haben, Mohammeds Geburt in das Alte Regierungsjahr Nufchirwang fest und feinen Tod unter Purandocht's Regierung. Demnach müfte aber Mohammed 70 Jahre alt geworden fein; denn derfelbe Verf. gibt Nufchirman’d Regierung eine Dauer von 47 Sahren und 7 Monaten, der des Hormuz 23 J. des Perwiz 38 J., des Siroes 8 Monate, des Ardichir 1 G., des Schehriraz einen Monat und fieben Tage. Daß aber Mohammed nur ein Alter von 63, höchftens von 65 Sahren erreicht, ift bekannt, Eben fo widerfpricht er fih, indem er Dmar unter Purandocht Ehalife werden läßt, die ganze Dauer der zwiſchen Perwiz und Zezdedjerd regierenden Fürften und Fürftinnen auf 43. und 9 Monate angibt, und doch behauptet, Omar habe noch fünf Zahre gleichzeitig mit Jezdedjerd geherricht, da jener doch zehn und ein halb Jahr Chalife war. — Daß Abu Beer unter Purandocht Chalife geworden und im
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an ihre Stelle. Diefer ein und zwanzig jährige Fürft ergriff fo energifhe Mafregeln, daß ganz Sawad fidy gegen bie Mufelmänner erbob und Muthanna genöthigt ward, von Dmar fchleunige Hülfe zu verlangen und fih bis an die Grenze der Wüfte, weftlih von Baßra, zurückzuziehen, wo er auch bald nachher, in Folge einer in der Brüdenfchlacht erhaltenen Wunde, fein Leben endete. Als Dinar am Anfang des 1Aten Jahres der Hidjrah von der Pilgerfahrt zurück— fehrte, zeigte er den Entſchluß, feldft an der Spike eines Heeres gegen Irak aufzubrehen. Als aber die Truppen fidy um ihn verfammelt hatten, gab er den PVorftellungen Abd Errabmans Ibn Auf nad) ) und kehrte nad) Medina zurüd, nachdem er Saad Ibn Abi Wakkaß, einen der älteften Gefähr- ten Mohammeds, der von Wuheib, dem Großonfel Mohammedg abftammte, zum Feldherrn ernannt hatte, Diefer verlieg Medina mit viertaufend Mann und wartete in Schiraf nod) weitere Hülfstruppen ab, die, yon Omar angefpornt, in fo großer Anzahl herbeiftrömten, daß er nach feiner Bereinigung mit dem fhon an der Grenze von Jraf ftehenden Heere über mehr als
dritten Monate ihrer Regterung geftorben, während doch fein Cha— lifat über zwei Sahre dauerte, ift nur ein Verjehen des Weberfegers, im Terte Heißt es: „Zur Zeit der Purandoht war der Prophet fhon todt und Abu Befr ſaß auf dem Throne des Chalifats und ed war das End feiner Regierung” u. ſ. w. — Daß zwifchen Permiz und Sezdedjerd mehr als 41, Sahre liegen, ann nicht bezweifelt werden, da Griterer im 3. 628 ſtarb und Letzterer erft unter Omar, der 634 Chalife ward, an die Regierung kam. Hier ift wohl der Fall mit dem Berf. des Mudjmil Attawarich zu fagen: „Gott allein befigt die Schlüjfel des Verborgenen.“
1) So im arab. Tab. S. 24. Im türk S. 108 rieth ihm Abbas ab, Alt hingegen beftärfte ihn, nah Masudi ©. 185, in feinem Vorhaben. Auch berichtet derfelbe, daß, nachdem Omar feinen Ent« ſchluß aufgegeben hatte, er Ali zum Feldherrn ernannte, diefer aber den Oberbefehl ablehnte. Aus der ganzen Erzählung geht aber hers vor, dag Dmar nie ernftlich daran dachte, nah Irak zu gehen, fons dern nur dadurch mehr Leute herbeisiehen wollte.
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30,000 Mann zu gebieten hatte, denen auch Richter, Secre— täre, Dolmetscher, Aerzte und Pretiger T) beigegeben waren. Nachdem er fein Heer geordnet und die Häupter der verfchie- denen Abtheilungen ernannt hatte, brad er nach Udſeib auf, das ohngefähr eine ZTagereife weitlih von Kufa Tiegt, und von hier zog er gegen Kadefta, den Grenzort des perfifchen Reichs, gegen die arabifhe Wüfte hin. Weiter durfte er nah Dmars ausdrücklichem Befehl nicht vordringen, um im Falle einer Niederlage gleich wieder den heimathlichen Boden erreichen zu können. Docd wurden von hier aug allerlei Raubzüge gegen das untere Euphratgebiet hin un- ternommen. Als indeffen Saad vernahm, daß Ruſtum in Sabat ?) in der Nähe der Haupiftadt ein großes Heer rüfte, fandte er vierzehn Männer zu Jezdedjerd, um ihn aufzufor- dern, entiweder den Islam anzunehmen, oder einen Tribut zu entrichten, weil ihnen nur dann ihre Religion geftattete, ihn in Frieden zu Taffen. Jezdedjerd vertraute auf Ruſtum und fein Heer und Tieß fogar dem Häuptlinge der arabifchen Gefandtichaft zum Spotte einen Sad voll Erde um den Hals hängen 3). Die Mufelmänner wurden aber dadurd nicht ent-
1) Tab. ©. 256. Das heißt folde, die zum Kampfe anfporns ten (Dai). i
2) Nah Tab. ©. 114 eine Tagereife von Madain, jedenfalls nicht, wie Nahr Schir, der Hauptftadt gegenüber, wie Ritter X. S. 199 nad Alulfeda berichtet,
3) Nach arabifhen Berichten foll ihnen Sezdedjerd vorher allerlei Anerbietungen gemacht, tod dabei eine hochmüthige, für die Araber fehr verlegende Sprache geführt haben. Mugbira, der im Namen der übrigen Gefandten dag Wort nahm, fagte hierauf: Was du son unjerem Glend ſagſt, ift wahr. Unſere Armuth war fo groß, das Würmer, Schlangen und Scorpionen unfere Wahrung bildeten, die harte Erde war unjere Nuheftätte, die Haare unjerer Kameele und Ziegen mußten wir verarbeiten, um und vor Madtheit zu fügen, Unjer Glaube beftand in ewigen Kriegen und Raubzügen, wir tödte— ten fogar unſere Töchter, um fie nicht ernähren zu müſſen. Alles
Omar. 67
muthigt, ſie ſahen es vielmehr als eine gute Vorbedeutung an, daß der Kaiſer von Perſien ihnen ſelbſt freiwillig einen Theil ſeines Landes überliefert. Indeſſen vergingen mehrere Monate, bis Ruſtum die Muſelmänner angriff, es ſei nun, daß er, wie die Araber berichten, die Sterne beobachtete und ſie für die Perſer ungünſtig fand, oder was wahrſcheinlicher iſt, daß er es für klüger hielt, mit ſeinen Truppen das öſt— liche Euphratgebiet zu beſetzen und den Angriff der Araber abzuwarten Y. Jezdedjerds jugendliche Unbeſonnenheit, verbun— den mit den Klagen der Bewohner des weſtlichen Stromge— biets, welche fortwährend den muſelmänniſchen Raubzügen ausgeſetzt waren, nöthigten indeſſen Ruſtum, den Euphrat zu überſchreiten und den Müſelmännern in der Nähe von Ka— deſia eine Schlacht zu liefern. Mit dem Reichspanier an der Spitze, das aus einem reich verzierten Leopardenfelle ?) von zwölf Ellen Länge und acht Ellen Breite beftand, demfelben, um das ſich die Perſer unter Feridun zum Kampfe gegen Sohak geihaart, fochten die Heiden gegen die Mufelmänner drei Tage mit gleihem Muth und gleicher Ausdauer 3). Doc) neigte fi am britten Schlachttage der Sieg zu Gunften Lesterer, weil am zweiten gegen Abend ſechs bis acht taufend Mann friſcher Truppen unter Haſchim Ibn Diba aus Syrien anlangten,
ward aber anders, ald ung Gott einen Mann aus unferem edelften Stamme fandte, der uns den wahren Glauben predigte, u. f. m. Tab. ©. 280.
1) Auch foll er, natürlich nach arabifhen Berihten, im Traume einen Engel gefehen haben, der ins perfiiche Lager Fam, alle Waffen aufsob, fie verftegelte und Mohammed übergab, der fie dann dem Chalifen Omar überreichte.
2) Masudi ©. 186.
8) Die Namen der drei Schladhttage find wahrfcheinlich: Irmath, Ghawath und Amas (mit Ain). Griteres bedeutet nah dem Kamuß fo viel ald ichtilat, alfo Handgemenge, dann der Tag der Hülfe, wegen der hinzugefommenen Berftärfungen, dann der Tag des ers bitterten Krieged. So bei Masudi a. a. O. Bei Abulfeda ©. 230 heißt der erfte Tag Aghwath,
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68 Zweites Hauptftüd.
diefelben, welche Chalid im Anfange des dreizehnten Jahres zur Schlacht von Jarmuk geführt "hatte I). Damasf war nun erobert Abu Ubeida mußte fie daher auf Dmar’s Befehl mit Andern, die fich ihnen freiwillig anfchloffen, wieder nad) Sraf zurückſchicken. Dod machte neh, wie die Araber ſich ausdrüfen, die ganze dritte Nacht hindurch die Mühle des Krieges die Runde, daher auch diefe Nacht die Nacht des Geheuls genannt ward, und erft am vierten Tage endete das Gemetzel mit der Zernichtung eines großen Theileg des per: fiihen Heeres, doc Foftete diefer Sieg au den Mufelmännern nicht weniger als fiebentaufend ihrer beiten Streiter. Unter den Gebliebenen waren audy vier Söhne der berühmten Chanfa, die von allen ihren Zeitgenoſſen als die befte Dichterin ver- ehrt ward. Sie begleitete fie fel&ft auf das Schlachtfeld und fagte ihnen am Abend vor der Schladt: „meine Söhne! ihr habt euch freiwillig zum Islam befannt und feid aus eigner Wahl zum Propheten gewandert. Bei Gott, dem Einzigen, ihr feid die Söhne eines Mannes, wie ihr die Söhne einer Frau ſeid. Ich habe euern Vater nicht hintergangen, euern Oheim nicht zu Schanden gemadt und euer Gefchledht nicht befleckt. Ihr wiffet, weldyen reichen Lohn Gott den Mufel- männern verheißen für den Krieg gegen die Ungläubigen. Bedenket, daß die ewige Wohnung diefem vergänglicdhen Auf- enthalssorte vorzuziehen ift. Wenn ihr morgen erwadet, fo rüftet euch zum Kampfe gegen euern Feind und flehet Gottes Beiftand an! feht ihr, daß die Schlacht recht ernft wird, fo eilet immer dahin, wo das Gefecht am blutigften und die Gefahr am größten.” Als fie ihren Tod vernahm, fagte fie:
1 &o bei Masudi ©. 187 und Clmafin S. 21. Nah dem türf. Tab. ©. 109 erbielten die Perſer eine Verſtärkung von 20,000 Mann (9) unter Bahram, Um die Araber zu ermuthigen und die Perfer zu täufsben, ließ dann Gaad in der Nacht eben fo viele Araber eine Strecke weit zurückgehen und erft am folgenden Tage, als die Schlacht wieder begonnen, heranrücen, fo daß die Araber fowohl, als die Perſer, fie für friihe Truppen hielten.
Dmar. 69
„Lob dem Herrn, der mich durch den Märtyrertod meiner Söhne ausgezeichnet” ").
Wie immer, hatten auch dießmal die Elephanten, welche die Sronte der Perfer bildeten, den erften Andrang der arabis fhen Reiterei abgehalten, fo daß, als ihr Feldherr Saab, welcher wegen Unpäßlichfeit am Kampfe feinen thätigen Anz theil nehmen fonnte, durch den Ruf Allah Akbar (Gott ift der Größte) das Zeichen zum Angriff gab, gegen tie Ge— wohnheit der Araber zuerft das Fußvolk voranrüden mußte, um die Efephanten, denen fie die Nüffel abzubauen fuchten, zurüdzutreiben. Unter den Mufelmännern, welche durch ıhre Tapferkeit zu dem Siege bei Kadeſia beigetragen, wird befon= ders Abu Mihdjan, aus dem Stamm Thafıf, genannt, der wegen eines Weinliedeg in dem Haufe, wo Saad ſich befand, eingefperrt war ?). Es gelang ihm, deſſen Gattin zu bewe—
1) Sujuti zum Mushni. Chanfa war die Tochter Amru's Ibn Scharid, aus dem Stamme Suleim, und die Mutter des Dichters Abbas Ibn Mirdas, welcher feine Mufe dem Propheten gemeiht. Chanſa ift nur ein Beiname, welcher eıne niedere Naſe bedeutet, ihr eigentliher Name war Tumadhir. Ste kam mit ihren Stamm: genpjien zum Propheten und befannte ficb zum Selam und er hatte viel Mohlgefallen an ihrer Perſon. Cie hatte lange Zeit nur ein: zelne Verſe gedichtet, bis zum Tode ihres Bruders und ihres Gatten, welche fie in größeren Gedichten betrauerte. Dmar gab ihr nad dem Tod ihrer Söhne einen vierfachen Sold, wie fie ihn bei ihrem Leben bezogen.
2, Masudi © 188. Die Verfe, die ihm diefe Strafe zugezogen, lauten:
Schlieft einjt der Todesengel meine Augen,
fo fei ein Weinberg mein Begräbnißplag,
ruht mein Gebeine auch im Schooß' der Erde,
fo wird ihm Labung doch durch Nebenfaft. Begrabt mich nicht auf unfrudhtbarem Boden,
fonft wird der Tod mir ſchrecklich und verhaßt,
den ohne Furcht und Bangen ich erwarte,
wenn mic erquicfet noch der Traubenduft.”
Abu Mihdjan hieß nad einigen Abd Allah, nad) Andern Malıf und war ein Sohn Hubeibs. Dmar hatte ihn wegen des Weintrin:
70 Zweites Hauptftüd.
gen, ihn zu entfefeln und ihm des Feldherrn Waffen und Pferd augzuliefern. So fämpfte er den ganzen Tag und jobald die beiden Heere wieder in ihr Lager zurüdfehrten, lieg er fih wieder feine Fejfeln anlegen. Doch fcheinen aud) die Perfer am Euphrat, deren Truppenzahl nad mufelmän- nifhen, ohne Zweifel übertriebenen Berichten, doppelt oder gar viermal fo ſtark als die der Araber gewefen fein fol, wie vor ihnen die Griechen am Hieromar, befonders von den gegen fie fämpfenden Elementen überwunden worden zu fein. Wie in Paläftina der Südwind bie Chriften nöthigte, den Bekennern des Islams den Rücken zu febren, fo trieb hier den Feueranbetern ein Sturm von Welten her ſolche Staub- wolfen entgegen, daß fie nimmer länger den mit demfelben fie verfolgenden Mohammedanern die Stirne bieten konnten. Ruftum, welcher am Testen Tage das Centrum anführte, mußte, vom Staube geblendet, da der Sturm fein Zelt an feinem Plage ließ, unter einem Kameele Schutz fuchen. Er fürzte fi ins Waffer, als er fich verlaffen und den Feind
kens mehrmals geißeln laſſen und zulest auf eine Snfel verbannt. Er entfam und flüchtete ftch zur Armee in Sraf. Aber Omar erfuhr es und befahl dem Feldherrn Saad, ihn einzufperren. Wach der Schlacht lief ihn Saad rufen und verſprach ihm, ihn nie mehr wegen des MWeingenujfes zu beftrafen, er aber ſchwur, er werde nie mehr Wein trinfen. Sch trank, fagte er, fo lange ich wußte, daß die Peitfhe mich wieder von meiner Sünde reinigen würde, nun aber werde ıch aufhören zu trinken, weil ich Gottes Strafe fürdte. Ein Sohn Abu Mihdjans kam einft zu dem Chalifen Muawia. Diefer fragte ihn: bift du der Sohn des Mannes, welcher in einem Wein: berge begraben fein will? und recitirte obige Verſe. Er antwortete: wenn du mir erlaubt, fo will ic dir ganz andere Verſe meines Vaters vortragen. Mit Muawia's Grlaubniß recitirte er dann ein Gedicht, in welhem er Tugend und Tapferkeit über Reihthum fekt. Es wird erzählt, man habe auf feinem Grabe in Adferbidjan oder Djordjan drei Weinftöcde gepflanzt, welche herrlihe Früchte trugen. Sujuri zum Mughni. Vergl. auch journ. Asiat. L. 11. ©. 139, wo ein Theil dieſer Geſchichte aus derfelben Quelle mitgetheilt worden.
Omar, 11
in feiner Nähe ſah, warb aber noch von einem Araber 7), ber ihn erfannte, erreicht und getödtet. Sobald die Mufel: männer Ruſtums Haupt faben, welches der Araber auf feine Lanze geſteckt, ftürzten fie mit neuem Muthe unter dem Nufe Allah Akbar über den Feind ber, welcher feinerfeits, durch den Verluft des Feldherrn entmuthigt, nur noch in der Flucht fein Heil ſuchte. Diefe Schlacht bei Kadeſia, welde nicht lange nad der Eroberung von Damasf ?) ftatt fand, machte Saad zum Herren des arabifchen Iraks, denn nunmehr Fonnte Sezdedjerd nur nod an die Erhaltung der öſtlich vom Tigris gelegenen Provinzen mit der Hauptftadt Madain denfen. Die Mufelmänner bedurften indeifen auch der Nuhe und ehe fie
D) Sein Name war nad dem türf. Tab. ©. 110 Hilal Ibn Alkama. Gr brachte den Kopf vor Suad, weldher ihm Ruſtums foftbare Kleidung und Rüſtung fchenfte, von welcher das mit Perlen und Gdelfteinen bejeste Panzerhemd allein 60,000 Drachmen werth war.
2) Wir haben ſchon oben erwähnt, daß Masudi diefe Schlacht in den Muharram des Zahres 14 fest. Nach Tabari fand fie auch im 5. 14 ftatt, mur etwas ipäter, da ja Dmar erft im Muharram den Feldheren Suad von Medina abjandte. Ihm folgt auch Elma- fin ©. 21, während Abul Feda S. 230 die Schlabt bei Kudefia unter den Begebenheiten des 15ten Zahres erzählt. Ebenſo Sujuti ©. 144. Masudi bemerft indeffen auch, daß Andere, morunter Mohammed Ibn Ishak die Stlaht von Kadefia erft in dag 15te Sahr fegen, er ſtimmt aber nicht damit überein. Damit hängt na— türlih auch die Zeit der Gründung Bafras zufammen, welche in das Zahr 14 oder 15 fällt. Dſahabi (S. 127) feit die Schlacht bei Kadefia Ende Schammal oder Ramadhan des 3. 15 und aibt die Zahl der Perier auf 60,000 an, doch mit dem Bemerfen, daß An: dere fie ſchon in das J. 14 fegen. Da er jelbit indeiten die Grüns dung Kufa’d, wie Magudi, in das J. 15 fegt, fo fcheint er auch legterer Anfiht zu fein; denn es verging ein Jahr zmwijchen der Schlacht von Kadefia und der Eroberung von Madain, und Kufa ward erit erbaut, als die Mufelmänner das Klima der erorberten Stadt nit gut ertragen Fonnten, und höchft wahrfcheinlich erft nad) der Eroberung von Hulman.
= Zweites Hauptſtück.
den Krieg mit Jezdedjerd fortfegten, fanden fie es rathfam, ihre Macht am Euphrat zu befeftigen. Hira ward von Neuem unterworfen, die Feſtung Dbolla am Fluffe gleichen Namens befegt und in ihrer Nähe eine neue Stadt gegründet, welche wegen des weißen Bodens, auf dem fie erbaut ward, ven Namen Bafra erhielt ). Dur die Anlage diefer Stadt, nach welcher alle Bewohner der umliegenden Ortſchaften ver: pflanzt wurden, beberrfchten die Araber die Schiffahrt vom perfiihen Meerbufen her und zernichteten den Handel Perfiens mit Indien, während fie auf der andern Seite den Statt- halter von Chufitan, dem auch noch ein Theil des nördlich und nordweftlih vom perſiſchen Meerbufen gelegenen Gebiets untergeben war, in Echad hielten und fo die Macht der Perfer zerfplitterten. Die Unterwerfung von Obolla ſowohl, als die Gründung Baßra’s gefhah durch Otba, den Sohn Ghazwan's. Nach deffen Tod ernannte Dmar den Mughira Ibn Schu'ba zum Statthalter von Baßra, der aber eines Ehebruchs angeklagt ward ?), weshalb fpäter Abu Mufa Ala- hart diefe Statthalterfchaft erhielt.
1) Das alte Bafra lag bekanntlich 17% bis zwei deutihe Meilen füdmweftlih von dem heutigen Bafra. Vergl. Ritters Erdfunde X. ©. 58.
2) Diefe ffandalöfe Gefhihte findet man ausführlich bei Abuls feda ©. 239 und fo Flar dargeftellt, daß ich nicht weiß, warum Reiske faat; »fateor hune locum mihi subobscurum esse.« Vier Männer, welhe in einem Haufe waren, dem Mughira’d gegenüber, fahen, als der Wind einen Faden von Mughira’d Gemach aufftie, wie er mit Umm Djumeil einen Ehebruch beging. (Das Wort Ghascha hat nad dem Kamuß diejelbe Bedeutung wie djämaa, es ift alfo unndthig, es in aschaka zu verwandeln.) Omar verhörte dann die Zeugen. Als drei derjelben ein vollftändiges Zeugnig abgelegt, fagte er: ich hoffe, daß Gott durch diejen Vierten nicht auch einen Mann entehren wird, der zu den älteiten Gefährten des Propheten gehört. Zijad, fo hieß der vierte Zeuge, verftand Omar's Wink und nahm zwar feine Anklage nicht zurüd, doch erflärte er, Mughira nur in einer verdäcdtigen Stellung mit Umm Djumeil, die That felbft aber
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Erft in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahres (636) festen die Araber bei Anbar über den Euphrat und bemäch— tigten fih, nad mehreren Treffen, der Stadt Sabat und Nahr Schir am weftlichen Tigrisufer. Noch immer vertheis digten aber die Perfer die am öftlichen Ufer gelegene Haupt- ftadt Madain, und erft gegen Ende des Jahres, nach Finigen erft im 16ten Jahre der Hidjrah I), als die Zahl der Mufel- männer bis auf 60,000 Mann angefhwollen war, ſah Jez— dedjerd die Unmöglichkeit ein, ſich länger in der Hauptftadt zu balten, er überließ fie daher dem Feinde und zog des Nachts mit den ihm übrig gebliebenen Truppen und den leicht zu vet tenden Schäßen gegen Hulwan in das medifche Gebirgsland ?). Die Mufelmänner bemeifterten fich alsbald der verlaffenen Stadt und verfolgten noch die flüchtigen Bewohner derfelben eine Strecke weit, fo daß eine unermeßliche Beute in ihre Hände fiel, AS Saad in Madain einzog und die große Stadt mit ihren herrlichen Paläften und Luftgärten von Menfchen verlaffen fand, las er folgenden, auf die im rothen Meere ertrunfenen Egyptier ſich beziehenden Koransvers: „Wie viele Gärten haben fie ver— laffen und Duellen und Saaten, wie viele Wonne- und Luft pläße, an denen fie fi) ergößten. Wir (Gott) haben Alles einem andern Volke gefchenft und weder der Himmel noch die Erde weint über fie.’ Alles bewegliche Gut ward zufammengetras
nicht geiehen zu haben, auch geftand er, nicht ganz gewiß zu fein, ob es mwirflih Umm Djumeil mar. (Ich lefe uschabbuhaha. Reiske iheint aschbahaha gelejen zu haben und überjegt daher unrichtig: aiebat simillimam nosse) Dmar fprah hierauf Mughira frei und ließ die drei erften Zeugen ald Verläumder ftrafen, weil der Koran zur Beftätigung des Ehebruchs vier Zeugen fordert.
1) So bei Tab. S. 114.
2) Die Stadt Hulman lag auf der großen Karamanenftraße zwiſchen Bagdad und Kirmanfchah, auf dem Grenzgebiete der alten aſſyriſchen und mediihen Reihe, dort lag das alte Calach oder Xalchas an einer gegen Weften fich erſtreckenden Felſenkette des Aagrosgebirgs. Vergl. Ritter IX. 478,
74 Zweites Hauptſtück.
gen und in den berühmten weißen Palaſt !) gebracht, in den Saad fein Hauptquartier legte. Der fünfte Theil wurde nad) den Borfchriften des Korans für den Staatsſchatz nad Medina geſchickt und obgleich zu diefem Fünftheile noch mande unzers theilbare Koftbarfeiten gelegt wurden, blieb doch noch fo viel übrig, daß ein jeder der 60,000 Mufelmännner, aus denen ihr Heer beftand, 12,000 Dradmen Silber für feinen An- theil erhielt. Unter den Runftwerfen, welche nah Medina gefandt wurden, war das Merkwürdigfte ein Teppich, drei— hundert Ellen lang und fechzig breit, welcher das Paradies vorftellte, deffen Blumen, Bäume und Früchte aus den Fofts
1) Sn diefem Palafte, von dem befanntlich noch einige Mauern als einzige Spuren des ehemaligen Cteſiphon übrig geblieben und der unter dem Namen Swan oder Tauf Chosru befannt it, war ein Sual, der nıh Tab, ©. 114 eine Fänge von 300, eine Breite von 120 und eine Höhe von 100 Ellen hatte. Dieier Swan wurde von Kobad Ibn Feirus erbaut, von jeinem Sohne Nuſchirwan aber erft vervollfommnet. In deſſen Mitte ftand ein goldner Thron, auf dem Recht und Gerechtigkeit gehandhabt wurde. Ald Saad hinein: trat, verrihtete er ein Gebet mit acht Kniebeugungen u. f. w. 9. Flügel bedarf hier vielfaher Berihtigungen, denn er fchreibt S. 28: „Sm folgenden Jahre (nah der Schlabt von Kadefta, die er in das 3. 636 fest) ſchon fiel die Hauptftadt des damaligen Herr: ſchers Medain (Eteiiphon). Sie lag, mie fpäter Bagdad, am Eu: phrat, jo an den beiden Ufern des Tiaris. Unverweilt eilte der Sieger von Kadefia hin in den weißen, von dem Propheten feinen Gläubigen verheißenen Chosrven: Palaft (Iwan Kisra). Allein erft im März 637 gelang es dem Sa’d, den Uebergang über den Tigris zu erzwingen.” I) Sag Medain nicht an den beiden Ufern des Tigrig, fondern nur am öftlihen, die weftliche Stadt hieg Nahr Scir. 2) ag auch das fpätere Bagdad nicht am Guphrat, fondern eben: falld am Tigris, mehrere Stunden nördlih vom alten Mavdain. 3) Befund fich der weiße Palaft auch bei oder in Mudain, alfo auf dem öftlichen Ufer, der Eieger von Kadefta konnte alıo nicht unver: meilt dahin eilen, wenn ed Saad erft im März 637 gelang, den Vebergang über den Tigrid zu erzwingen; denn Saad oder fein mufelmännijches Heer ift doch mit dem Sieger von Kadefla ganz identifch.
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barften Edelfteinen gebildet waren. Dmar follte ihn als ein Prachtſtück aufbewahren, aber er zertbeilte ihn unter den Ge— fäbrten des Propheten. Ali's Stück allein war aber nod 10,000 Silberftüde werth. Diefen Teppich fanden fie in dem weltberühmten Valafte, deffen Trümmer fidy bis auf den heu- tigen Tag noch erhalten. Dort fanden ſich auch Foftbare mit Edelſteinen beſetzte Waffen, die Reichskrone mit ungeheuern Diamanten, ein goldenes Kameel und ganze Vorräthe von Moſchus, Ambra, Sandelholz und Kampfer, dag die Araber für Salz hielten. Nicht lange nah der Eroberung von Madain, nad den meiften Berichten noch vor Ende des fünfzehnten Jahres, doch wahrſcheinlich erft im fechzehnten Jahre der Hidjrab ward die Stadt Kufa ), weftlih von einem Cupbratarme, der ſich feither verloren, gegründet. Dmar mochte bei der Wahl diefer Gegend zur Gründung einer neuen Stadt nicht nur, wie die Araber berichten, die veinere Luft berücfichtigt haben, fondern auc den Umftand, daß fie gegen die immer noch mächtigen Feinde des Is— lams ſich befjer vertheidigen ließ, während auf der andern Seite es ihm auch leichter ward, feine Oberherrſchaft über die Statthalter diefer ohnehin ſchon fernen Länder immer geltend zu machen. Aus demfelben Grunde gejtattete er auch fpäter den Mufelmännern in Egypten nicht, fih in Memphis und deſſen Gebiet anzufieteln, fondern lieber am öftlichen, Arabien näher gelegenen Nilufer die Stadt Foftat zu gründen und eben fo Baßra nit an die Stelle des frühern Obolla, fondern weftlih vom Euphratarme. Dazu fam noch wahr- ſcheinlich Dmars Furt, die Araber möchten, bei einer Nie: verlaffung in einer Stadt, welche an Pracht und Herrlichkeit mit Rom und Byzanz wetteifern fonnte, ellzufchnell ihre an—
1) Der Kamuf gibt verfchiedene, doch nicht fehr befriedigende etpmologifhe Gründe für den Namen Kufa an; das Wahrfheinlichfte it, daß jkon vor Gründung der Stadt ein Fleiner Hügel dajelbft diejen Namen führte. Tab. ©. 116 fest die Gründung Kufa’s erft in das Jahr 17, Andere Meinungen haben wir jhon oben erwähnt.
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geborne Einfachheit verlieren und in alle Schwächen und Lafter verfinfen, die ihren früheren Bewohnern den Untergang be— reitet N).
Wir verlaffen jest die Araber am Euphrat und Tigris und wenden ung, ehe wir ihre weiteren Kämpfe gegen Jez— dedjerd erzählen, zu ihren Brüdern in Syrien und Paläftina bis zur völligen Unterjochung diefer Länder, Vorher müffen wir aber eine von Omar getroffene Maßregel erwähnen, welche in dieſe Zeit fällt und wahrſcheinlich durch die Eroberung von Madain und die ihm nad) derfelben zugefloffenen Schäge her- vorgerufen ward.
Mohammed hatte befanntlid nad) dem Treffen bei Bedr befohlen, oder vielmehr als göttliche Offenbarung befannt ge— macht, daß vier Fünftel der Beute unter den Kriegern vers theilt werden, ein Fünftel aber ihm zufallen follte, für ihn und feine Berwandten und zur Unterftügung der Armen, Wai— fen und Wanderer. Diefes Gefeg ward fortwährend, bei allen Kriegen und Naubzügen, ftreng beobachtet. Mohammed fowohl
1) Tabari S. 116 erzählt, dag Saad fih in Kufa einen Palaft bauen lief, nah dem Mufter des Taf Chosru in Matain umd jogar von diefem ein Portal nah Kufa bringen lieg, um es zu feinem Yalafte zu vermenden. Ald Dmar dies vernahm, fandte er Moham— med Ibn Maslama nah Kufa mit dem Befehle, dieſen Palaft in Brand zn ſtecken, Saad jchrieb er aber einen Brief, deſſen Inhalt war: „Sch habe gehört, du mollteft einen Palaft bauen nad dem Modell des Palaftes der Chosroen und fogar ihre Pforte dazu ge: gebrauchen. Willft du fie etwa auch wie jene mit Wachen und Pfört: nern befegen, welche den Leuten, die ein Anliegen zu dir führt, Ten Zutritt verfagen ? Willft du jo von der Sitte unſeres Propheten ab: weichen und die Bahn der perfiihen Kaiſer wandeln, welche in die Hölle hinabaeftiegen trog aller Pracht ihrer Luſthäuſer? Darum fende ih Mohammed Ibn Maslama, damit er deinen Palaft ver: brenne. Zwei gewöhnliche Häuſer müſſen dir genügen, das eine fei für dich und das andere verwende zur Aufbewahrung des öffentlichen Schatzes.“ Diejer Palaft blieb nun verwüſtet, bis ihn Zijad unter Muamia’s Regierung wieder aufbaute,
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als Abu Bekr hatten aber über die Vertheilung des empfangenen Fünftels nichts beftimmt, ſondern verfügten darüber ganz nad) den momentanen Bedürfniffen, Erfterer fogar, wie wir im Leben Mohammed’s gejehen T), zuweilen ziemlich willkührlich. Dmar bingegen batte in der erften Zeit feiner Negierung, um bei der Größe feiner Unternehmungen ſtets für den Noth- fall über bedeutende Mittel gebieten zu fünnen, den ihm zu— gefommenen Antheil an der Beute gefammelt, big endlich, nad) der Eroberung von Madain, die öffentliche Schatzkammer dermaßen angefüllt war, daß er, ohne das Wohl des Staats zu gefährden, über einen Thril derfelben zu verfügen im Stande war. Die Teilung follte aber nad beftimmten Grundfägen ftatt finden und er richtete daher eine eigne Fi— nanzfammer (Diwan) zum Behufe derfelben ein. Zuerft wurden die Namen der mit Mohammed verwandten Söhne Haſchims eingetragen, an deren Spige Abbas, der Oheim des Propheten, mit einem jährlichen Gehalte von zwanzig— taufend Drachmen ftand 2). Hierauf folgten diejenigen, welche am Treffen von Bedr Theil genommen. Sodann diejenigen, die fich zwifchen diefem Treffen und der Eroberung von Meffa zum Islam befehrt und für denfelben gefochten. Hierauf foldhe, die nad der Eroberung von Meffa, doch noch vor dem Tode des Propheten Mufelmänner geworden ?). Nah diefen wurden die Namen ber Krieger in Syrien und Irak
1) ©. 259 u. ff.
2) So bei Tab. ©. 114, wo aber das Wort „bin“ fehlt, bei Abulfeda ©. 228 heißt es „fünf und zwanziataufend “ auch find dort die Abtheilungen verſchieden. Nah Diahabi S. 143 erhielten die Ausmanderer 5000, die Hülfsgenojjen 4000 und Mohammed's Frauen 12,000 Drachmen.
8) Demnab wäre Omars vielgepriefenes Wort: daß die Tugend im Himmel ihren Lohn finden würde, er aber die Güter der Erde nur nad den Bedürfnifien der Mufelmänner vertheilen dürfte, wenn auch vielleicht nicht erdichtet, doch jedenfalls nicht mit Conſe— quenz in Anwedung gebracht worden,
78 Zweites Hauptftüd.
aufgefchrieben, fo wie bie der Frauen, deren Männer in einem dieſer Kriege gefallen. Nach diefen Abftufungen und im Berbältniffe zur Kinderzahl wurden die vorbandenen Summen vertbeilt, nur die Wittwen des Propheten wurden befonders begünftigt, indem eine jede 10,000 Drachmen jähr- lih erhalten ſollte. Für ſich felbft nahm aber Omar nur fo viel, als er zu feinem einfachen Leben bedurfte, Näheres tft über diefe Einrichtung nicht befannt, doch ift nicht zu zwei— feln, dag auch fonitige Arme und Unglüdlihe, der VBorfchrift des Korans gemäß, welche noch bis auf den heutigen Tag als Gefeg gilt I), von Omar bedacht wurden, fonft müßten wir diefe Maßregel eher tadeln, als Toben. Sie ift aber auch noch darum befonders wichtig, weil fie nothwendigerweiſe aud) ein genaues DVerzeichnen der Staatseinnabmen erforderte, welche nicht blos aus der Beute beftanden, fondern auch aus den feftgefegten Armenfteuern und Afmofen für Dlufelmänner, und aus dem Tribut Grund» und Kopfſteuer für Nichtmufelmän- ner, fo daß man fie alfo überhaupt als einen Anfang zu einem geordneteren Finanzwefen betrachten kann, das aber natürlich erft nad und nad fi vervollfommnen mußte). Daran
1) Die mufelmännifhen Theologen oder Juriſten faſſen den Ausſpruch des Korans nach dem Buchſtaben auf und fo lieft man in dem Handbuche tes Sbn Kafim: „die im Kriege eroberte Beute wird in fünf Theile getheilt, vier Fünftel erhalten die Truppen, welche fie erobert, und zwar die Reiter drei Theile und die Fuß: gänger einen Theil. Das übrige Fünftel wird wieder in fünf Theile getheilt, und zwar ein Theil für den Propheten und nad) feinem Tode für das Wohl des Islams (Befoldung der Richter, Feftungsbau, Waffenrüſtungen u. dergl.), ein Theil für die Nachkommen der Söhne Haſchims und Muttalib, ein Theil für Arme, ein Theil für Maijen und ein Theil für Wanderer.”
2) Auch Theophanes (S. 522 der Bonner Ausgabe) erzählt, dag Omar in dem Zahre, in welchem er Perfien eroberte, alle ihm un: terworfenen Länder genau verzeichnen ließ, und zwar nicht blos die Zahl der darin wohnenden Menſchen, fondern auch die der Lajtthiere und fruchtbaren Felder (das ift wohl mit dem Worte guro» gemeint, gewiß nicht die Aufzählung der einzelnen Pflanzen).
Omar. 79
fnüpft ſich endlich auch noch die Feftfesung einer Nera und ihren Gebrauch bei fchriftlihen Dofumenten, als nothwendige Bedingung eines geregelten Staatshaushalts. Man wählte die Auswanderung Mohammeds aus Meffa zum Anfange- punfte, weil mit derfelben das Gedeihen des neuen Glaubens begann, um jedoch nicht die ganze Ordnung der Monate zu zerftören, vechnete man nicht vom Tage der Auswanderung an, fondern vom erften Muharram des Jahres, in welchem fie ftatt fand I.
Wie in Perfien nad) der Schlacht von Kadeſia, fo fcheinen auch in Syrien nad) der Einnahme von Damasf die Waffen der Mufelmänner ein ganzes Jahr hindurch gerubt zu haben, wag hier ſchon der Abzug eines Theils der Truppen nad) Irak nothwen— dig machte. Ihre erfte größere Unternehmung war gegen die Stadt Himß gerichtet, welche fih nach einer Niederlage der Griehen in ihrer Nähe unter denfelben Bedingungen wie Damasf ergab 2). Das Gleiche that bald nachher die Stadt Ziberias gegen die Amru Jon Aaß und Schurahbil zu Felde zogen und in deren Nähe, ſchon während der Belagerung von Damasf, Byfan war erobert worden. Nach der Ein- nahme yon Himß dehnte Abu Übeida feine Eroberungen nad Norden aus und nahm Hama und Sceifar, Maarra, Ki— nesrin, Antiochien und Haleb. Kinesrin wurde zerftört, weil diefe Stadt erſt nad einem Ausfalle Friedensvorfchläge ge-
1) Rab Sujuti ©. 144 ward diefe Zeitrehnung im J. 16 der Hidjrah, und zwar auf Ali's Rath, von Omar eingeführt.
2) Himß, heißt es bei Tab. ©. 112, ward im Winter belagert. Heraflius ermahnte die Stadt zur Ausdauer, in der Hoffnung, die Mufelmänner würden die Kälte nicht ertragen können; da fie aber die Belagerung nicht aufhoben und im Innern der Stadt Mangel aller Art herrſchte, machte fie Friedensvorfchläge. Demnach wäre die Eroberung diejer Stadt in den Anfang des 15ten Jahres (Februar 636) zu fegen. Eo heißt es auch bei Djahabi (S 125): Am Ende des Sahres 14, nah Andern am Anfang des 15ten Sahres, ward Himf und Balbek erobert, worauf dann Heraklius von Antiochien nad Eonftantinopel floh.
80 Zweites Hauptftüd,
macht. Andere Truppenabtheilungen unter Amru Ibn Aaß, Schurahbil und Fezid wendeten ſich gegen Paläftina und die Küfte des mittelländifhen Meeres, Die auh im Laufe des 16ten und 17ten Jahres von Latafie bis Ghaza in die Hände der Mufelmänner fiel. Einen fräftigen und längern Wider— ftand fanden fie nur vor Cäſarea !) und Ferufalem?). Lestere Stadt, die fefteite in ganz Paläftina, beftand darauf, fi nur Omar felbft zu unterwerfen, welcher, erfreut, eine Gelegenheit zu finden, an der Berherrlihung des Islams auch perſönlich beizutragen, die Reife nach Syrien machte und während feiner Abweſenheit Alt als Statthalter von Medina zurückließ 3).
1) Cäſara fiel nah Dſahabi ©. 132 erſt im 3. 19 der Hidjrah, nah Tabari ©. 113 aleichzeitig mit Adjnadein vor Serufalem, nad Theophanes erjt ein Sahr nah dem Tode des Heraflius, nach einer Belagerung von jieben Zahren, nah Sbn Abd Albafam ©. 28 in demjelben Sahre, als Herakflius ftarb, gleichzeitig mit Alerandrien.
2) Djahabi jegt die Eroberung von Serujalem (S. 129) in das J. 16, eben jo die von Haleb und Antiobien. Nach einer andern S. 143 angeführten Tradition ward Serujalem erft im Uten Sahre eingenommen, In einer Glofie zu Mohammed Ibn Schakir lieſt man (5. 42): Nach der Groberung von Damasf unterjochte Sezid, der Sohn Abu Sofians, die Küftenftidte Seida und Beirut, dann fhlug Chalid die Griechen bei Balbef. Dieje Stadt ſowohl als Tiberiag und Byſan ergaben fih nad der Schlacht bei Fachl. Hierauf fofgte eine Schlaht bei Merdj Arrum, nad deren Verluſt die Be: wohner von Himß fih ergaben, dann Hama, Scheifar, Kaftal, Fa: dakia, Djebele, Antartus, Haleb und Kinesrin. Serujalem, heißt e3 ©. 108, ward im Rabia ammal des J. 16, nach Tabari aber im %. 15 eingenommen, dem auch Abul’eda folgt, während Gimafin ©. 14 die Groberung von Serujalem in das $.16 jest. Bei Sujuti ©. 144 wird Himß und Balbef zu den im J. 14 ſchon eroberten Städten gerechnet.
3) Artiun, der Befehlshaber zu Serufalem, jo erjählen die Araber, behauptete in alten Büchern gelejen zu haben, daß die heilige Stadt Zerufalem von einem Fürften eingenommen werden follte, deifen Name nur aus drei Buchfiaben (wie der Owars nad arabifder Schreibart) beftehen würde. Die Griehen erfanden wahr: ſcheinlich dieſes Mähren, um einen Vorwand zu finden, die Stadt
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Die wefentlichiten Bedingungen, unter denen den durch Vertrag genommenen Städten Friede geftattet ward, und bie bis auf den heutigen Tag noch wenigftens auf dem Papier als Gefes gelten, find: Entrichtung einer Kopfftener, Ver⸗ bindlichfeit, jeden veifenden Mufelmann drei Tage zu bewir- tben, Auszeichnung in der Kleidung, Zulaffung der Mufel- männer in die Kirchen, Abfhaffung aller Kreuze und alies Glodengeläutes, Vermeidung aller verlekenden Ausdrücke gegen den Islam und Verbot des Neitens auf Pferden, fo wie der Erbauung neuer Kirchen.
Den Testen Verſuch zur Wiedereroberung Syriens ſchei⸗ nen die Griechen im 17. Jahre der Hidjrah von Diarbekr aus gemacht zu haben, indem von Tabari erzählt wird, daß, nachdem Kinesrin ſchon in der Gewalt der Mufelmänner war, Abu Ubeida von den Griehen in Dimß belagert ward N), Aber Chalid eilte vom Norden und Amru vom Süden ber zum Entſatze herbei, während Omar neue Truppen aus Arabien ſandte, welche abermals in der Nähe von Himß ſiegten. So mangelhaͤſt und parteiiſch aber auch die Berichte der Muſelmänner über dieſe Begebenheiten ſein mögen, ſo
nicht dem Feldherrn Amru zu überliefern, deſſen Name vier Buch⸗ ſtaben zählt, weil-fie zu Omar ein größeres Vertrauen hatten. Theo: „phanes (S. 519 der Bonner Ausgabe) läßt die Belagerung von Ze: ruſalem zwei Sahre dauern, doch fest er ihre Ginnahnte auch in das $. 627 (636 nach unjerer Zeitrehnung). Im 3. 628 ſchließt Joannes Cateas, Statthalter von Edeſſa (Roha), Frieden mit Jjad und zahlt ihm Tribut. Sm J. 629 wird" Antiochien genommen. Sm 5. 680 Edeſſa und ganz Mejopotamien von Sjad bejegt. rs 1) Dies ermähnt auch Elmafin ©. 23, dei Tabari S. 117 heißt ed aber, daß die Griechen geſchlagen wurden, ehe die Hülfstruppen von Omar ankamen. Nach der Geſchichte Haleb's (ed. Freytag ©. 3) famen 30000 Griehen von Mejopotamien ber, zu denen. fich noch die Ehriften aus der Gegend von Kinesrin gefellten und bradten den Mufelmännern mehrere Niederlagen bei. Omar befahl dann Saad Ibn Wakkaß, mit ſeinen Truppen einen Einfall in Meſopo— tamien zu machen, damit die Bewohner dieſes Landes zur Verthei⸗ 6
82 Zweites Hauptflüd,
geht doch aus Allem hervor, daß das Rolf in Syrien wenig Antheil am Kriege nahm, daß gar kein Zuſammenwirken un— ter den verſchiedenen mächtigen und ftarf bevölferten Städten vorhanden war, fondern jede nur an ihre Erhaltung dachte und lieber einen ſchmählichen Frieden unterzeichnete, als ſich der Gefahr einer gewaltfamen Einnahme ausſetzte. Nur fo ward es den Arabern möglich, in einem Zeitraume yon fünf Jahren ganz Syrien und Paläftina, von dem todten Meere bis herauf nad) Antiohien, zu unterwerfen.
Nicht minder fiegreich waren in den Testen Jahren die muſelmänniſchen Waffen im Oſten, ſo daß bis zum Anfange des 18. Jahres der Hidjrah die irafaniiche Armee der ſyri— fhen am obern Euphrat, in der Gegend von Rakka und Kirkiſia ), die Hand reichen fonnte, . y
digung deffelden von Himß abziehen. Sobald diefer Befehl vollzo— gen ward und Kafa Son Amru Die Operation Saad's noch unter⸗ ſtützte, zog ſich ein Theil der Griechen nach Meſopotamien und ge— gen die Uebrigen wagte Abu Ubeida eine Schlacht, die er auch ge— wann,
1) Nah Dfahadi ©. 130 ward Kirfifta fhon im J. 16 genom- men, mas aber gewiß falfh ift. Ber Elmufin ©. 25 wird zu den Groberungen des 21. Zuhres, Haran, Edeſſa, Rakka und Nißibin gerechnet, Circefia ward aljo wohl ſchon früher unterworfen. Nach Abulfeda ward der ganze Norden von Syrien bis Haleb und Ans» tiochien im 15. Sahre der Hidjrah erobert. Eben jo in demjelben Jahre aanz Paläſtina, Nablus, Jafa und Cäſarea. Tefrit, Moßul und Kirkiſia fielen im 3. 16 in die Gewalt der Muſelmänner; von’ Edeſſa ſchweigt er ganz. Die große Ungewisheit und Verſchiedenheit in den chronologiſchen Angaben dieſer Kriegsgeſchichte rührt beſon— ders daher, daß manche Städte mehrmals unterjocht oder wenigſtens gebrandſchatzt wurden, wie wir dies aus Theophanes bei Edeſſa ge⸗ ſehen. Dieſe und jene Provinz kaufte ſich vermöge einer beſtimmten Summe los, ward dann aber ſpäter doch von den Muſelmännern beſetzt; die Einen rechneten nun die Unterwerfung von dem erſten Vertrage, die Andern von der wirklichen Beſitznahme. Da übrigens die ganze Geſchichte der muſelmänniſchen Kriege in Perſien und Syrien erſt anderthalb Jahrhunderte nach der Hidjrah niedergeſchrie—
Dmar. 83
- Bald nad) der Einnahme von Madain lieg Omar den flüchtigen Jezdedjerd verfolgen. Nach mehrern blutigen Schlach— ten bei Djalula und Kaßr Schirin, in der Gegend von Zo— bab, ward Hulwan genommen und Jezdedjerd zog fih nad Rei, in der Nähe des jesigen Teheran, zurück. in weiteres Nachfegen jenfeits der medifhen Gebirge hielt Omar nicht für rathfam, die Eroberung der Provinz Chufiftan (Susiana) im Süden und die Unterjodhung Mefopotamiens im n Weſten von Huhvan mußten vorausgehen,
Abd Allah Ibn Mafhar ward daher gegen Tefrit am Tigris, zwifhen Bagdad und Moßul, geſchickt, und nad) der Eroberung diefer Feftung, durch Verrath der mit den Grie— hen darin eingefchloffenen arabiſchen Befagung I), wendete er ſich noch weiter gegen Norden bis in die Gegend von Moßul, während Ijadh Jon Mimar nad) Nordweit bis an den Euphrat hinzog und die Hauptftadt Roha (Edeſſa) mit dem größten Theil von Mejopotamien unterwarf, fo daß jekt das ganze Land. vom mittelländiihen Meere bis gegen die Grenze von Kurdiſtan die Oberherrfchaft des Chalifen in Medina anerkannte 2).
ben wurde, fo ift leicht begreiflich, dag über mandhe Data Meinungs: verſchiedenheit berricht. Wer eine Karte zur Hand nimmt, wird die von mir adoptirte Drdnung gewiß am Natürlichften finden,
1) Tab. ©. 116. Der ariehiihe Fürft heißt Anthaf, er machte 21 Ausfälle während der 40tägigen Belagerung. Dies, fo wie die Eroberung von Moßul fiel noch in das J. 16 der Hidjrah.
2) Alle briftliihen Bewohner Meſopotamiens, heißt es bei Tab, ©. 117, unterwarfen fih nach der Capitulation von Roha, nur die Benu Taghlib wanderten aus, weil fie zu ſtolz waren, Kopfiteuer zu bezahlen, und fehrten nicht eher zurück, bis Omar einwilliate, die ihnen auferlegten Abgaben, welche fie fih aerne erhöhen liegen, mit dem Namen Almojen zu befegen., Noch in den fpitern Geſetz— büchern der Mujelmänner heißt ed: Die Ehriften vom Stamme der Benu Taghlib müſſen doppelt fo viel Armenfteuer entrichten, als die Mujelmänner. f. Kuturi in den Mem. de l’Institut, acad. des inscript. et belles lettres L. V. p. 13. Die Eroberung von Djefira (Mejopotamien) jest Tab. in das 3. 17,
6*r
84 Zweites Hauptftüd,
Die Sicherheit der neu gegründeten Stadt Baßra ſowohl als die Nothwendigfeit, Jezdedjerd allen Beiftand aus den füdlichen Provinzen abzufchneiden, erheifchten jest dringend die Bekriegung des perſiſchen Fürften Hormuzan, welcher fi nad) der Schlacht von Kadefia wieder in fein Fürftenthum Ahwas oder Chufiftan zurüdgezogen hatte. Es wurden Trup- pen von Kufa und Baßra über den Tigris gefchict, welchen, mit Hülfe des dafelbft anfägigen Stammes Wail, der alsbald mir ten Arabern gemein: Sache machte, es bald gelang, Hor— muzan aus der Hauptftadt Ahwas zu vertreiben ). Hormu— zan verlegte feine Nefirenz nah Nam Hormuz und trat den Mujelmännern das ganze Gebiet von Ahwas bis an den Zigris ab ?). Als aber Dmar hörte, daß Hormuzan mit Schehref, dem Statthalter der Provinz Fars, ein Bündniß geihleffen und den Krieg erneuern wollte, gab er Saad, dem
1) Tab. ©. 118 gibt ald Weranlaftung zum Ausbruche des Kriege einen Einfall Hormuzand in das von Mujelminnern bes wohnte und an Baßra grenzende Gebiet ron Meijan. Die Stadt, in mwelder die ron Hormuzan abgefallenen Araber wohnten, wird Naher Tir genannt,
2) Harkuß Son Suheil, heift es bei Tab. ©. 119, ging über den Dupdjeil (den £leinen Tigris oder den Fluß Kuran) und ſchlug Hormuzan, der fih nah der verlorenen Schlabt nab Ram warf, während die Muſelmänner die Stadt Ahwas (bei Tubari Suk Al: Ahmas) bejekten, welche die bedeutendfte Studt des gunzen Landes war umd in deren Mitte der Dudjeil fliegt. Um Hormuzan weiter zu verfolgen, waren jetoch neue Berftirfungen nöthig. Als dieje anlangten, machte Hormuzan Friedensvorſchläge. In feiner Gewalt waren noch vier Stätte: Rum, Guja, Tufter und Djund. Die Mujelmänner ließen ihn im Befige diefer Städte, machten aber alles ſchon eroberte Land mit der Hauptitadt Ahwas zu einer mus ſelmänniſchen Provinz. Aus dieſer Stelle gebt hervor, daß die Pro: pin; Susiana Ahwas, die Huuptitadt aber Suf al Ahwas (der Bazar von Ahwas), nicht Sud al Ahwas hieß, und daß Sufa fomohl als Djondi Scabur zu jener Zeit noch Stätte waren. Auch fpricht Tub. ©. 118 von einer feiten Brücke bei Ahwas, deren Reſte noch Mignan im Sabre 1826 gefunden. Vergl. Ritter IX. ©. 221.
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Statthalter von Kufa, Befehl, neue Truppen nad Ahwas zu fenden. Diefe, im Verein mit andern Trupven aus Baßra, nöthigten Hormuzan, Nam Hormuz zu verlaffen und fid) in bie feitere Stadt Tufter (Schuſter) einzufchliegen, wohin er auch Schehreks Truppen berief. Die Mufelmänner Tagen ein halbes Jahr vor diefer Feftung, ohne fie einnehmen zu fünnen, und mußten in ihrer Nähe fih faſt täglich, theils mit der Beſatzung, theild mit andern perfiihen Truppen fchlagen, fo daß eine neue Berjtärfung, von Abu Muſa Alaſchari anges führt, von Baßra berbeigerufen werden mußte. Aber dems ohngeachtet fiel diefe Feſtung nur durch Verrath eines Per: fers, der den Belagerern einen unterivdiihen Weg zeigte, in die Gewalt der Muſelmänner und felbft jest behauptete fich Hormuzan noch in der Citadelle und erlangte von den Mus felmännern ein ficheres Geleite zu Omar, der allein über fein Schickſal entſcheiden follte ?). Hormuzan ward auf dem gans
1) Hormuzan, berihtet Tab. ©. 121, erfbien auf der Mauer der Citadelle und ſagte zu den Arabern, vie ihn belagerten: Diefe von dem Schah Schabur erbaute Cıtadelle iſt noch nie eingenommen worden und wird ed aud nie werden. Sch habe tauſend Schügen bei mir, deren Pfeile nie auf den Boden fallen und jeder Schütze ift mit taujend Pieilen verjehen; ich werde mich fo lange vertheidi: gen, bis ein jeder Pfeil Das Haupt eines Muſelmannes getroffen; auch habe ih noch andere Krieger bei mir, die es mit Tauſenden aufnehmen. Bon der Eroberung von Suja it meiter feine Rede mehr, fondern es heißt nur im Allgemeinen, dag die ganze Provinz Ahwas hierauf erobert mard und jede Stadt einen mujelmännifchen Präfekten erhielt: Da Tabarı ſonſt alles Legendenartige weit aus: führliher noch als wirklich hiſtoriſche Facta darjtelit, ſo it auffallend, dag er nichts von dem Auffinven von Danield Gratmahl erwähnt, mas von jpätern Autoren erzählt und auch als Beweis für die Iden— tität dieſer Statt Sus mit tem alten Schuſchan gebraudt wird, Sch vermuthe Daher, dag dieſe Sage erjt fpätern Urſprungs ift. Die gänzlihe Unterwerfung von Ahwas jest Tab. in das 3.18, Abulf: da in das 3. 17. Dſahabi die Einnahme von Tuſter erſt in das J. 20 nad einer Belagerung von 18 Monaten, oder nach Andern von 2 Sahren.
86 Zweites Hauptſtück.
zen Wege von Schufter bis Medina als Fürft behandelt und hielt au feinen Einzug mit der Krone auf dem Haupte und von Föniglihem Purpur umhüllt. Sein Erftaunen war groß, als er Dmar allein an der Schwelle der Mofchee in einem einfacyen wollenen Kleide fchlafend fand und feine Begleiter ihm denſelben als den Beherrſcher der Gläubigen bezeichneten. As Dmar erwagte und ihm Hormuzan vorgeftellt ward, be- fahl er, dag man ihn zuerſt diefer äußern Pracht entblöße, dann erlaubte er ihm zu ſprechen. Hormuzan fragte: foll ic) die Sprade eines Todten oder eines Lebenden reden? — Die eines Lebenden. — Du begnadigft mid) alfo? — Das habe ich nicht damit gemeint, du bit ein Verräther, viele Gläubigen, unter andern der fromme Bara Ibn Malik, find durh dich umgefommen, du haft den Tod verſchuldet. — So laß mir dod vor meinem Tode einen Trunk Waffer reihen. — Das fei dir gewährt. — Als einer der Anmefenden einen Krug Waffer brachte, fagte Hormuzan: du ficherft mir alfo das Leben, bis ic) diefes Waffer getrunken? und als Omar biefe Frage bejahte, goß er das Waffer aus, und fagte: nun mußt du mir, als gerechter worttreuer Herrſcher, dag Leben fchenfen, denn dieſes Waffer wird nie mehr aus der Erde emporfteigen, daß ich es trinfe, Omar begnadigte ihn, jedoch nur unter der Bedingung, daß er fih zum Islam bekenne, was er auch fogleich that.
Beranlaffung zur Vereinigung des Fürſten von Fars mit Hormuzan war außer dem Aufgebote Jezdedjerds nod ein Einfall der Araber von Bahrein aus in diefe Provinz, Ala Al Hadhrami, der Statthalter von Bahrein, eiferfüchtig auf die fiegreichen Feldzüge feiner Glaubensgenoffen in Irak und Syrien, wollte nämlih auch zur Berbreitung des Islams mitwirfen. Ohne Dmar’s Befehl ſchiffte er fid daher auf dem perſiſchen Meerbufen ein und fegelte mit einem Eleinen Heere nad) Fars hinüber und drang bis Ißtachr ) vor.
1) Hier mußte ih von Tab, abweichen, welcher (S. 119) diefen
Omar. 87
Schehrek, der Fürft von Fars, fammelte aber ein Heer, dem Ala mit feinen Fünf taufend Mann nicht die Spige bieten fonnte. Diefer fuchte nun, da ein Sturm feine Ediffe zer: trümmert hatte, längs der Küfte des perfiihen Meerbufeng und dem Schat-al-Arab nad) Baßra heraufzufommen. Aber fein Rüdzug wäre ihm, da ihn die Perfer von allen Seiten nachſetzten, nicht gelungen, wenn nicht Omar, fobald er von
Zug folgendermeife darftellt: „Ala feste über das Meer, dag zwi: fhen Bahrein und Fars liegt und zog gegen eine Stadt, melde Iſtache hieß.... Der König diefer Stadt hie Muſid. Er zog mit feinen Truppen den Mujelmännern entgegen, dieſe ſiegten aber und Muſid felbit fiel in der Schlacht. Als Schehrek, welcher damals in Schiras mohnte, dies vernahm, fammelte er ein zahlreites Heer. Ala, welter die Unmöglichkeit einjah, dieſem Heere zu widerfteben, kehrte zurück und wollte fich wieder einjchiffen, aber ein Sturm hatte feine Schiffe gegen die Feljen geſchlagen und zertrümmert. Die Mujelmänner geriethen in Verzweiflung bei dem Anblick ihrer zers ftörten Fiotte und mwendeten jih gegen Ahwas, um von dort aus nah Bafra zu gelangen. Schehrek, der davon Kunde erhielt, fandte aber Truppen gegen Abroad, um ihnen den Weg abzuſchneiden. Als die Mujelmänner, welche fünf taufend Mann ftarf waren, fuben, dag ihnen ſowohl die Rückkehr über das Meer ald über Ahwas unmöglich war, mußten fie fin nicht zu helfen. Omar ward von der traurigen Rage Ala's benachrichtigt, er befahl daher Otba Son Ghaz— wan, von Bafra aus über Ahwas dem bedrängten Ala entaegenzus ziehen. Dtba brach mit 50069 Mann von Basra auf, zog Schehref entgegen, welcher mit feiner Armee in Tas lagerte, ein Ort an der Grenze von Ahmwas und Fars und vertrieb ihn aus dieſer Stellung. Ala verließ danır Iſtachr und zog, vereiniat mit Otba's Truppen, über Ahwas nad Baßra. — Iſt es alaublih, daß Schehrek die Mujelmänner vom Meere wieder nad Iſtachr zurückkehren lieg ?? Selbſt die erite Einnahme von Sftahr (Perſepolis) möchte ih bes zweifeln. Da Schiras damals höchſtens ein ganz imbedeutender Ort war, ijt es auch nicht mahrjheinlich, daß Schehrek, der Kürft von Fars, in Schiras refidirte und Muſid in dem nur eıne Tagereije davon entfernt fiegenden Sftachr ohne Beiſtand lieg. Auch ſieht man nicht aut ein, wie die Mujelmänner nah Iſtachr im Nordosten son Shiras gelangten, ohne ganz nahe an Schiras vorüberzu— fommen. "
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diefem tollfühnen Unternehmen unterrichtet warb, dem Diba befohlen hätte, ihm mit einem Heere von Baßra aus entge- genzuziehen und den Weg von Feinden zu fäubern. Hierauf verband ſich Schehref mit Hormuzan, um gemeinſchaftlich mit ihm die Araber aus Chufiftan zu vertreiben, aber, wie ſchon erwähnt, ward Hormuzan in Edhufter belagert und die Trup— pen von Fars vermocdten nichts zu feiner Nettung. Obſchon wir eigentlich -ung jegt der Zeit nad) von den Ufern des Ti- gris an die des Nils wenden follten, wo Amru Jon Aaß das Reich der Pharaonen in eine mufelmänniihe Provinz ummwandelte, ziehen wir body, der Teichtern Ueberſicht willen, vor, den weitern Verfolg des Kampfes zwifchen den Jüngern Mohammeds und. den Drmuzddienern bis zum Untergange des Saffanidenreihs vorher zu erzählen.
Jezdedjerd, der nad) der Einnahme von Hulwan durch Kafka Ibn Amru fih nah Rei), oder wie Andere berichten, nad Ispahan zurückgezogen hatte, blieb Feineswegs unthätig in feiner neuen Reſidenz. Fortwährend fpornte er vielmehr die verfchiedenen, wie es feheint, ziemlich unabhängigen Statt halter der Provinzen feines Reiches an, fi zu verbinden, um dem weitern Bordringen der Araber einen Damm zu jegen. Mehrere Jahre vergingen aber, ehe feine Aufforderung Gehör fand. Erft im 20. Jahre der Hidjrah gelang es ihm, ein Heer zufammenzubringen dem ähnlich, welches fich bei Kadeſia den Mufelmännern entgegengeftellt hatte. Die ver- ſchiedenen ?) Fürſten des perfiihen Neichs, welche bisher nur
1) Nah Tab. ©. 136 zog er fih von Hulwan nah Rei zurüd, wo er bis nach der Schlucht von Nehamand blieb, dann Fam er erft nad Sipahan, mo er fih aber nicht lange aufhielt, hierauf nach Kerman, wo ed ihm auch nicht gefiel, endlich nach Choraſan. Wahr- fheinfiher it ed aber, daß er vor der Schladht von Nehawand in Zipahan war, da nad) derſelben dieſe Studt bald von den Mufel: männern ‚eingenommen ward.
2) Ganz Perfien folate der Aufforderung Sezdedjerds zum Kriege gegen die Muſelmänner. Choraſan, Nifabur, Ei, Farg,
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auf die Erhaltung ihrer Provinz bedacht waren, mochten end— lich nad) der Eroberung von Chufiftan und dem Einfalfe Ala’s in Fars zur Ueberzeugung gelangt fein, dag Omar in feinen Eroberungsplänen feine Schranfe fannte und daß fie doch früß oder fpät auch von feinen Schaaren angegriffen würden. Mebrere Umftände trugen noch dazu bei, die Perfer hoffen zu laſſen, daß es ihnen jetzt leicht gelingen würde, die Araber wieder aus ihrem Lande zu vertreiben. Hunger und Peſt hatten im 18. und 19. Jahre einen großen Theil der muſel— männiſchen Armee ſowohl in Syrien D) als in Irak hinweg— gerafft, ein anderer Theil ihrer Truppen war in Egypten beſchäftigt. Der Sieger von Kadeſia, Saad Jon Wakkaß, deffen Name den größten Schreden in Perſien verbreitet, war von der Statthalterfchaft von Kufa entfernt worden, weil fhon damals die aus Arabern, Perfern, befehrten und un— befehrten Juden und Chriften aus allen Gegenden gemifchte Bevölkerung diefer Stadt jenen unruhigen Geift zeigte, der fpäter für Alt und fein Geſchlecht fo unheilvoll ward 2), Die
Kuhiſtan und Adſerbidjan. Jede große Stadt ſtellte zehn oder zwan— zig tauſend Mann, Jezdedjerd hatte aber keinen Feldherrn mehr, Nur Feiruzan, mit dem Beinamen Dſu'l Hadjib, war noch übrig von den ültern Generäilen. Da diejer aber wegen feined hohen Alters feinen Feldzug mehr mitmachen konnte, befahl Jezdedjerd den Truppen, ſich in Nehamend, wo er wohnte, zu verfammeln. Es kamen 150000 Mann zuſammen. Tab. ©. 125.
1) Sn Syrien ftarben nad Dfahabi ©. 130 im 3. 18 der Hitjrah von 30000 Mann 24000, Darunter auch Abu libeida, der Eroberer dieſes Landes. Wach Abulfera ©. 244 farben 25000. Nehnliches Unglück, jest Lesterer hinzu, traf die Bevölkerung von Bafra.
2) Gegen Saad Ibn Wakkas klagten fie, er fei gemaltthätig und ungerecht, doch nur ein paar Leute traten ofen gegen ihn auf, ald Omar den Mohammed Ibn Maslama nah Kufa fandte, um Saad's Verwaltung zu unterjuhen, Zijad Son Hanzala wollten fie nicht, weil er nichts vom Kriegsweſen verftand, Ammar Son Zaflr folgte ihm. Als fie auch diefen verwarfen, weil er.nicht zu den
90 Zweites Hauptftüd.
Umftände waren in der That für die Perfer fehr günftig, darum verbreitete auch die Nachricht von ihrer neuen Schilds erhebung in Medina denſelben Schreien, wie ſechs Jahre früher vor der Schlacht von Kadefia, troß der inzwiſchen er rungenen Macht und Ausdehnung. Wie damals äußerte auch) diesmal Dmar ) den Entfhluß, fi felbft an die Spike ei-
Muhadjir und Anfar gehörte, fagte Dmar: ich weiß nicht, wie .ich ed den Kufanern recht machen foll u. f. w. Tab. ©. 131.
1) Als Omar den Brief des Abd Allah Ibn Ghatafan, Statt: halterd von Kufa, erbielt, heißt es bei Tab. S. 125, verfammelte er die Mufelmänner in der Mojchee und las ihnen den Brief vor, dann ſagte er: ich hoffe, dies wird die legte Bereinigung der Perjer fein, jaget ihr fie diesmal aus einander, ſo bleiben fie für immer zerftreut, werden fie aber jegt nicht zerftreut, fo werden fie ed nie mehr, dar: um beabfichtige ih, felbft den Feldzug mitzumahen, was jaget ihr dazu? Nachdem ihm mande zu: und mance abgerathen, jagte Dthman: Gott wird, nachdem er die Mufelmänner fo fehr durch dich verberrlicht, fie nunmehr nicht zu Schanden machen. Laſſe deine Truppen aus Syrien, Zemen und Bafra zujammentreten, ziehe du ſelbſt an der Spige der Medinenfer nad) Kufa, wo ebenfalld Truppen zufammengejogen werden fünnen, dann bleibe du entweder in Hul— wan oder in Madain oder in Kufa, um nöthigenfalld Veritärfungen nachzuſchicken und laſſe das Heer unter einem andern Feldherrn dem Feinde entzegenziehen; fiegt es, ſo erhältit du alsbald Nachricht da— von, wird es in die Flucht gefchlagen, fo kann es fich wieder an deiner Seite fummeln und dur deine Gegenwart von Neuem fo erftarfen, das ihm der mächtigfte Feind gering erſcheint. Alt miß— billigte aber diefen Ruth; ziehft du die Truppen aus Syrien zurüd, fagte er, fo gibſt du es einem feindlichen Einfalle preis, entfernft du dich. mit der arabijhen Armee aus Medina, jo fegeft du Die Hauptftadt einer Pünderung und Verwüftung von Geiten der Be: duinen aus, darum iſt es rathjam, fowohl die Armee in Semen, als die in Syrien an ihrem Plage zu laſſen und den Gtatthaltern von Kufa und Bafra zu jchreiben, daß fie zwei Dritttheile ihrer Truppen zum Feldzuge gegen die Perſer hergeben. Du felbft darfit aber nicht zur Armee, denn dies würde die Perjer nur zu größern Anitrenguns gen anjpornen, wenn fie hoffen könnten, unjere ganze Macht, mit dem Chalifen an der Spitze, auf einmal zu vernichten. Omar wollte dann noch Abbas’ Anſicht vernehmen und da diefer mit Ali überein- ſtimmte, entſchloß er fih, in Medina zu bleiben,
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ner Armee zu ftellen, um den letzten Saffaniden zu vertilgen und viele Gefährten des Propheten beftärften ihn in dieſem Borbaben, in der Ueberzeugung, daß dann die Zahl ber Kämpfer viel größer fein würde. Als aber fünf taufend Dann aus Medina und der Umgegend beifammen waren, 309 er doch wieder vor, der Stimme derjenigen zu folgen, die ihm rietben, in Medina zu bleiben, obgleich ſelbſt Othman eg für zweckmäßig fand, daß er die Armee bis Hulwan oder wenig- ftens bis Kufa anführe, um nad) einem erften unglücklichen Gefechte gleich ſelbſt mit der Nachhut weitere Niederlagen zu verhüten. Atd Allah Ibn Mufein, welcher in Ahwas fand, erhielt den Dberbefehl über fünf und zwanzig taufend Mann, welche nicht ohne Mühe aus den verfchiedenen Städten Iraks zuſammengebracht wurden und mit diefen vereinigten ſich bie fünf taufend Medinenfer, welche an Omar's Etelle fein Sohn Abd Allah anführte.
Abd Allah Ibn Mukrin war nicht wenig erftaunt, ale er in das Herz von Perften über Hulwan hinaus drang, ohne einem Feinde zu begegnen. Die Perfer hutten fich nämlidy in Nehawend, einem Städtchen ſüdlich von Hama— dan, in der Provinz Diebel (Gebirgs- oder Hochland) an dem Südweftabhange des Wendgebirgs, verfammelt, weil dort der alte Krieger Feiruzan wohnte, zu dem fie troß feinem hohen Alter doch am meiften Vertrauen hatten. Diefem Städtchen gegenüber hatten die Derfer, wahrſcheinlich öſtlich von dem in der Nähe entfpringenden Kerhafluffe, in der Stadt Chesf !) eine fefte Stellung eingenommen, in welder
1) Da die Lage von Nehawend noch immer nicht genau ermit: telt ift (Bergl. Ritter IX. ©. 95), jo will ic hier die Worte Taba- ri's anführen, aus denen fih die im Terte angenommene Stellung der beiden Heere ergibt: „Von Hulman zog Nu'man nad Merdj, von Werd) nah Tur. Die Armee der Perſer war aber immer noch in Nehawend. Als dieje von dem Heranrüden der Muſelmänner Kunde erhielt, beſchloß ſie, Nehawend zum Kuampfplage zu wählen. Die ganze Armee, 150,060 Mann ftark, bejeste die Stadt Cheöf.
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Numan fie nicht anzugreifen wagte. Nachdem er zwei Mo- nate dem Feinde gegenüber gelagert war, gab er daher plötz— ih den Befehl zum Rückzuge und lieg Alles, was nicht zu
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Als Numan jah, dag die Verfer ihm nicht entgegen ziehen, brady er von Tur, welches 25 Pharaſangen von Nehamend war, mit feinen 30,000 Mann gegen Nehamend auf und lagerte vor der Stadt zwei Monate lang. Die Perſer famen nicht zu ihm herüber und er ging nicht zu den Verfern hinüber. Dies verftimmte die Mujelmänner ſehr, auch Omar ward jehr betrübt, als er von ihrer Lage benach— richtigt ward .. . . (hier folat die Klage der Kufenjer gegen Suad). Nahdem Nu'man lange Zeit vor dem Thore von Mehamend ge: lagert war, fandte ihm Feirus einen Boten, um ihn einzuladen, ihm einen Gejandten zur Unterhandlung zu ſchicken. Nu'man ſandte Mughira Ibn Schu’da, „welher in die Stadt Chesk eingelajfen wurde.” Feirus fagte num dem muſelmänniſchen Gejandten unter Anderm: „Sn meinem Heere find fo viele Pfeilſchützen, daß fie auf meinen Befehl in einer Stunde eure ganze Macht aufreiben mwür: den, ich will aber nicht, daß euer Blut in meiner Stadt ver: goffen werde.“ Als die Mufelmänner fih zurückzogen, heißt es ferner, „braben die Perjer von Chesk auf“ und verfolgten fie. Bor der Stlaht fagte Feiruzan zu den Truppen „wer entflieht, der flüchte fih nah Chesk, aber nicht weiter.” Ferner: „Ald die Per: fer den Rüden Behrten und fih nah Chesk flüchteten, folgten ihnen die Mufelmänner auf dem Fuße nach und ein jeder von ihnen töd— tete fünf bis zehn Feinde. Feiruzan entfam jedoh und ergriff den Weg, der nah Hamadan führt u. f. m.“ Auf der folgenden Seite heißt e3 dann noch: „Als die Muſelmänner den Flüchtlingen in den Bezirf Hamadan nachſetzten, fchloß der Präfeft von Dinamer Frie- den mit ihnen „fo ward Hamadan durch Vertrag und Nehbamend durch das Schwerdt unterworfen, Legtere Stadt ward dann Mal: Albaßrah und Dinamer, welche in ihrer Nihe lag, Mah-Kufa ges nannt u. ſ. w.“ (Mah heißt nimlih nad) dem Kamuß in der Veh: lewi-Sprache fo viel ald Stadt), Aus der Vergleihung diejer Stellen aeht offenbar hervor, daß Chesk und Mehamend eine und diefelbe Stadt find, Chesf aber den ditlih vom Kerah gelegenen befeitisten und Nehawend den weitliben Theil bezeichnete, den, mie aus der Unterredung Feiruzans mit dem Gejandten erhellt, die Mu— felmänner ſchon vor der Schlacht bejegt hatten, nur war ihr Haupt: lager natürlich außerhalb der Stadt.
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“einer Schlacht dienlich ift, im. Lager zurüd, um Feiruzan glauben zu Laffen, er fliche vor ihm und ibn fo aus feiner Feftung berauszuloden. Diefe Lit gelang. Feiruzan ließ den vermeinten Flüchtlingen nachlesen. Diefe waren aber bereit, dem Feinde die Stirne zu bieten. Feiruzan mußte nun eine Schlacht wagen, welde am folgenden Tage zu Gun— ſten der Mufelmänner entfchieden ward. Zwar blieb Numan im: Gefechte, er hatte aber vorher ſchon Hudſeiſa zum Nach⸗ folger ernannt, welcher ſogleich die Fahne ergriff und die ſchon im Weichen begriffenen Perſer gänzlich aufs Haupt ſchlug. Feiruzan, welcher gegen Hamadan floh, fiel auch in die Hände der Muſelmänner, weil eine Karawane mit Honig den Engpaß verſperrte, der dahin führt, und er genöthigt war, abzuſteigen, um den Berg zu erklettern; daher das Sprüchwort: „Auch Honig gehört zu den Schaaren Allah's.“ Nach der Eroberung von Nehawend, ſchloß der Statt— halter von Dinawer, damals die bevölkertſte Stadt im Be— zirke Hamadan, Frieden mit den Muſelmännern. Dieſe Stadt und ihr Gebiet erhielt dann den Namen Mah Kufa (Kufa-⸗ ſtadt), weil die kufaniſchen Truppen dahin verlegt wurden, welche Nehawend nicht alle faffen fonnte. Letztere Stadt ward aber Mah Baßra genannt, weil die Truppen von Baßra dort einquartirt wurden. | Omar, der bisher feinen Statthalpaltern in Hulwan und Ahwas ftets anempfohlen hatte, die Grenzen ihres Gebiete nicht zu überfchreiten und fid) gerne mit dem Beſitze des ara— biihen Iraks begnügt hätte, war durch diefen neuen Verſuch der Perjer, die verlorenen Provinzen wieder zu erobern, zur Neberzeugung gelangt, daß, jo lange er nicht das eigentliche Perfien unterjocht, er immer neuen Angriffen von diefer Seite her würde ausgefeßt bleiben. Er beſchloß daher, den Schreden, welchen. die Niederlage bei Nehawend in Perfien verbreitet, zu meitern Croberungen zu benügen. Auf feine Frage an den befehrten Fürften Hormuzan, der in feiner Nähe zu Me: dina lebte, nach welchem Theile des perfiihen Reichs er den
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94 Zweites Hauptftüd,
Kern feiner Truppen ſchicken follte, antwortete ihm jener: nad Jspahan, weldes gleihfam das Haupt des perſiſchen Reichs bildet, während Fars und Kerman nur als deifen Hände, Net und Adferbidjan als deifen Füße angefehen wer— den fünnen. Schneideft du die Hände oder die Füße ab, fo bleibt der Kopf unbefchädigt und wendet fih ben noch übrigen Theilen zu, wird aber das Haupt abgefchnitten, fo löſt fich Alles auf ). Dmar folgte diefem Rathe und fandte Fleinere Truppenabtheilungen gegen Norden. Nueim Ibn Mufrin mußte gegen Hamadan aufbrechen, welches den mit Hubfeifa gefhloffenen Frieden gebogen, andere follten theilg über Hul- wan, tbeils über Moßul gegen Adferbidjan, die Hauptarmee aber, unter dem Dberbefehle des Abd Allah Ibn Attab, gegen Ispahan aufbrechen 2). Dieſer drang nach einem Treffen bei Ruſtak Eſſcheich 2) bis vor die Thore von Ispahan, wo ein perjiicher Fürft mit Namen Kadisfan lag, der ſich mit einem großen Heere ihm entgegenftellte und ihn felbft her— ausforderte. Nach Tangem unentfchiedenem Zweikampfe ver:
"einigten fie fi dahin, daß die Stadt Ispahan den Mufel-
männern überliefert, Kadisfan mit feinen Truppen aber freier Abzug geftattet werden follte,
Nah der Eroberung von Ispahan, im Jahre 22 der Hidjrah, wendete fih Abd Allah, vereint mit Abu Mufa Al- aſchari, der drei Tage nad) dem Friedensichluffe von Ispa—
1) So bei Tab. ©. 129, bei Djahabi ©. 156 heist es: Ispahan ift das Haupt, Fars und Adferbidjan find die beiden Flügel.
2) Tab. ©. 130. .
3) Von Nehawend nad Sepahan, fagt Tab. a. a. 9. find fieben Tagereifen. Kadiskan, welcher jelbit viele Truppen hatte, zu denen ſich noch viele Flüchtlinge von Nehawend gefellten, ernannte einen Feldherrn mit Namen Schehr Ifar, welber den Muſelmännern bis Ruſtak Aſſcheich, ein noch zum Gebiete von Ispahan gehörendes Dorf, entgegenzog. Nach einem blutigen Kampfe ward er von Abd Allah’3 eigner Hand erichlagen, worauf Isfendiar, der Herr diejes Bezirks, mıt Abd Allah Frieden fchloß.
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han mit neuen Truppen zu ihm ſtieß, gegen die ſüdöſtlichen Provinzen des perſiſchen Reichs. Zuerſt ward Kerman T) er: obert, dann ein Theil der an Hinduſtan und Candahar gren— zenden Provinzen Sedjeitan ?) und Mefran, obſchon letzterer Provinz aud Truppen von Sind zu Hülfe kamen. Abd. Allah wollte noch weiter nad) Oſten gegen den Indus drin- gen, Omar fette aber feinen Zügen eine Grenze, denn als er den Boten, der ihm die Siegesnadhricht brachte, nach der Beichaffenbeit der Provinz Mefran fragte, erhielt er zur Ant— wort: „Es ift ein Land, deifen Ebenen gebirgig und deffen Bewohner Friegerifch find; es ift arm an Quellen und Früch—
ten, jo daß eine Fleine Armee vom Feinde und eine große von Hunger und Durſt aufgerieben würde, und hinter dieſer Provinz iſt es noch ſchlimmer 2).“ Bor dem Feldzuge nad dieſen entlegenen Ländern #) ward die an Chuſiſtan und dem perſiſchen Meerbuſen grenzende Provinz Fars von verſchiede— nen Feldherrn angegriffen, deren jedem, wie früher in Syrien, die Statthalterſchaft des zu unterjochenden Bezirks angewieſen
1) Zn dieſem Gebirgslande, ſagt Tab. (S. 141) hatten die Mu: felmänner ein Volk zu bekämpfen, das die Perfer Kufedj nennen, die Nraber aber in Kufeß verwantelt haben.” Auch Ritter (VII, 722 ‚nennt nah Ibn Haufal das Gebirge im füdlihen Kerman, das ſich dann weſtwärts nah Farftıtan zieht, Kefesberg. Auf die Verſchie— denheit der Vokalen kommt es befanntlich bei orientaliihen Gigen- namen nicht an.) Eine der Hauptitidte Kermans wird bei Tabari Djireft genannt, ferner-Zisfun an der Grenze von Kuhiſtan.
2) Die Hauptftadt von Sedjeftan, die Abd Allah Son Amru einnabm, wird Sirenf genannt. Der Fürft von Sedjeftan übergab diefe Feſtung und fchloß Frieden mit ihm, nachdem er fah, daß die Mufelmänner ſich des ganzen Landes bemeiftert hatten. Tab. a. a. D.
8) Tab. ©. 142 nennt die zwei Städte, welche die Mufelmäns: ner eroberten, Tis und Hoſch. Der König von Sind, welder im Gefechte fiel, heift Rutbil (Zenbil), was aber fo viel ald Kisra bei den Perſern und Kaiſer bei den Griechen bedeutet und kein Eigen— name iſt.
4) Mekran ward nach Tab. im 28ten J. der 9. erobert, Fars aber. im 22ten begonnen und im 23ten vollendet.
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ward. Mudjafcht' Ibn Masud, Bruder des tapfern, in der Brückenſchlacht gefallenen Abu UÜbeiv, bemächtigte ſich ber Stadt Tus oder Tudj ), welde an der Grenze von Chu— fitan lag, und der Stadt Schapur 2). Othman Ibn Abu P Ang nahm die Stadt Iſtachr, fein Bruder Hafam Scirag, nach einer blutigen Schlacht 3), in welder er Schehref, den Fürften von Fars, mit eigner Hand erfchlug. © ;
Sariah Jon Sanim zog gegen Saba und Darabgerd, an der. Grenze von Kerman, belagerte aber letztere Stadt ver- gebens drei Monate lang. Wenig fehlte fogar, fo wäre er mit feinem ganzen Heere aufgerieben worden, denn die Be— lagerten machten einen Ausfall in demfelben Augenblide, als andere perfifhe Truppen aus der Gegend von Schiras zum Entfaße berbeieilten, fo daß Sariah zu gleicher Zeit von zwei Seiten angegriffen wurde, Nur eine raſche Wendung gegen einen Berg, an den er feinen Rüden Ichnte, rettete ihn )
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1) Tudj, ſagt Tab. ©. 139, welches die Perſer Tus nennen, lag an der Örenje von Ahwas.
2) Bei Tab. a. a. D. Niſchabur.
3) Er ward, während er Sciras belagerte, von Schehrek ange: griffen, welcher von Tudj her kam.
4) Suriah, fo erzählen die Mufelmänner, vernahm mitten im Gefehte Omar's Stimme, welcher ihm zurief: „Sariah! an den Berg, an den Berg!“ Es wird binzugejegt: Omar ſah in der Naht vor dieſer Schlacht im Traume Sariah’s Armee, von der er jchon drei Monate ohne Nachricht war, in Gefahr. Am folgenden Tage, es war ein Freitag, ald er die Kanzel beitieg und die Chutba ſprach, hob Gott gleichſam einen Schleier von feinen Augen, fo daß er Sariah im Gefebte mit den Perjern erblickte und erfannte, daß er nur durch eine Wendung gegen einen Berg gerettet werden Fonnte. Gr rief dann nad einigem Schweigen, mitten in der Chutba: „O Sariah! an den Berg! an den Berg!” dann fuhr er in der Chutba fort. Gott der Erhabene ließ Omar's Stimme von Medina bis zu Sariah gelangen... Als fpäter die Siegesnachricht nad Medina kam, ftellte fi heraus, daß die Armee zur felben Stunde Omar's Stimme vernommen, ald er von der Kanzel aus dem Sariah zurief? ?
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und am folgenden Tage erneute er die Schladht, welche mit der Einnahme von Darabgerd endete,
Gleichzeitig mit der Eroberung des Südens von Perfien durch Abd Allah Fon Attab und andere arabijche Feldherrn, ward der Norden und Nordoften, big gegen die füdweftliche Küfte der kaspiſchen See auf der einen und bis gegen den Drus auf der andern Seite, theild mit Gewalt unterjecht, theils durch Friedensichlüffe zur Entrihtung eines Tributg verpflichtet. Nueim Fon Mufrin wendete ſich nach der Ein- nahme von Hamadan, welder eine Schlacht vorangegangen, die, wie die von Nehawend, drei Tage gedauert, über Sawa gegen Rei H, einige Stunden fürlih von der fpätern Stadt Teheran. Diefe Stadt beherrſchte damals Sijawuſch, der Sohn Bahram’s, ein fehr angefehener perfiiher Fürft, um den fid alle Flüchtlinge von der Schlacht bei Hamadan vers fammelten, zu denen fid) bei der Nachricht von dem Herans rüden der Araber aud) viele andere perſiſche Truppen aus den an Rei grenzenden Provinzen Chorafan und Ghilan ges fellten. in anderer perfiiher Großer aber, Zein genannt, welcher fhon längft mit Siawufc in Hader lebte, befriedigte fein Rachegefühl auf Koften feines Baterlandes, Er begab fi) nämlich heimlich in das mufelmännijche Lager, Tieß ſich von Nueim einige taufend Mann geben und führte fie in der Naht auf Umwegen in die Nähe der Statt. Als am fol- genden Morgen verabredetermaßen Nueim von Südweſt ber gegen die Stadt rüdıe und Siawuſch ihm entgegenzog, drang Zein von der entgegengefekten Seite her mit den Mufelmän- nern in die Stadt 2). Sobald die flüchtigen Bewohner von
1) Von Hamadan nad Rei find ſechs Tagereijen, Sawa liegt in der Mitte diejer beiden Städte. Tub. 9.132. Nlerander brauchte befanntlih 11 Tage, als er mir feinem Heere den flüchtigen Darius von Hamadan (Ekbatana) bis Nerv (Rhagan) verfolgte. Keppel, welcher im 3. 1524 ohne Gepicd reijte, legte auch dieſe Etrede in ſechs Tagen zurück. Vergl. Ritter IX. 75.
2) Rad) Dſahabi ©, 138 im 3. 22 der 9, in demfelben Zahre
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Rei diefe Schreckensnachricht ins Lager brachten, wollten viele Truppen der überrumpelten Stadt zu Hülfe eilen und eg entftand eine folhe Verwirrung, daß es Nueim Leicht ward, das ganze Heer der Perfer aufzureiben.
Nach der Einnahme von Rei und der Zerftörung der Gitadelle, ward die Provinz Tabarijtan mit den Hauptſtädten Boftam und Damaghan big gegen Gurgan an dem faspijchen Meere durd Suwerd Ibn Mufrin unterjocht I), welchen Nu— eim von Rei aus dahın fandte; einen andern Feldherrn, Sammak Fon Harith, ließ er gegen Nordweft ziehen, wohin ſchon früher andere Truppenabtheilungen zur Eroberung von Adſerbidjan fi) gewendet hatten, und auch dieſe an Georgien grenzende Provinz, nebft dem ganzen Lande bis an den Kau— kaſus, ward fhon unter Omar, wenn auch vielleiht nicht gerade dem Neiche der Chalifen unterworfen, Pod mit dem— felben gegen die angrenzenden Bölfer im Norden und Weiten eng verbünder 2). Auf gleiche Weiſe dehnte ſich die Herr—
auch vorher Hamadan und nachher Djordjan und Kumis. Kerman, Serjeftin und Mekran aber erit im Jahre 23. Bei Abulfeda ift merkwürdigerweiſe von der Unterwerfung der fürlihen Provinzen Perfiend gar feine Rede, eben jo wenig bei Glmafin. Daß Chora— fan nicht, wie Lesterer ©. 25 berichtet, vor der Schlacht von Me: hawend erobert worden, bedarf Faum einer Erwähnung.
1) Sie verpflichtete ſich zu einem jührlihen Tribut von 500,000 Drabmen. Tab. ©. 183.
2) Gleib beim Ginfalle der Mujelmänner in die Provinz Ad: ferbirgan, ſchloß Isfendiar, dem ein Theil derſelben unterthan war, Frieden mit ihnen, Bahram führte allein Krieg und ward bald bes fiest. Nach der Anfunft neuer Truppen ziehen fie gegen die Ge: birgspäſſe des Kaukaſus. Gin König, Schehrſad genannt, fchließt Frieden mit ihnen, doch will er. feinen Tribut bezablen, fondern ftatt deiten die Muſelmänner gegen die Angriffe der nordifchen Völ— fer vertbeidigen. Hierauf wurden die Gebirgepiffe von Muſelmän— nern bejegt, ebenjo die Städte Tiflis und Kofan. Suraka, welcher den Oberbefehl hatte, nimmt Derbend und ftirbt dujelbft. Abd Arrabman, der ihm nacfolgt, will noch weiter gegen Norden ziehen, Schehrſad jagt ihm; weiter gegen Norden beginnt Das Reich
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haft des Islams gegen Nord-Oſt über Chorafan und Bald) bis gegen die Ufer des Diihun oder Oxus aus. Diefe Pro— vinzen mußten um fo nachdrüdlicher befriegt werden, als fie nad der Schlaht von Nehawend Zufluhtsort Jezdedjerds geworden, dem Omar feine Ruhe gönnen durfte. Ahnaf Ibn Keis z0g daher von Jspahan aus durd die Provinz Kuhiſtan über Herat und Tus nah Meru. Aber Fezdedjerd hatte fich, ehe Ahnaf dahin gelangte, nad Merwerud I) geflüchtet und die Hülfe der Türken nachgeſucht. Ahnaf wartete in Meru neue Berftärfungen ab und als diefe anlangten, brach er ge= gen Merwerud auf, worauf Fezdedjerd nad Bald floh und als auch diefe Stadt von den Mufelmännern 2) befegt ward,
der Ruffen und Alanen, jene Gegend heist Balandjar, dann kommt die Mauer von Sadjudj und Madjudj. Abd Arrahman macht einen Streifzug bis Balandjur und befehrte viele Völkerſchaften, welche die Mujelmäinner für unjterbliche Engel hielten, bis einmal einer von einem Pfeile getroffen ward und ftarb. Dies iſt das Weſent— lichſte aus Tabari's Darftelung dieres Feldzugs, worauf dann noch fabelhafte Sagen von der Mauer