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^

ber

üon 1494 bis 1514.

©efd)i(l)tm

ber

Miraililitn iiiili pniifliii|il)£ii plte

t)on 1494 16i§ 1514.

^xxitc ^ufta^e.

35 erlag üon S)un(ier & .^umBlot. 1885.

Sog ^tä)i ber Uefierfeftunö hJ^c öKc anbeten Diente borte^alten.

Sie SSerlagg'^onblunä,.

DO R3

(?. 7.5-7

3?orrebe pr erften ^u^pBe. DctoBer 1824.

^egentt)ärtige§ S3ud§ tarn mir freiließ, toie itf) nur Befennen tüill, e^e gebrückt toarb, öoEfommener t)or, qI§ nun, nac^bem gebrutft ift. ^nbeffen retfjne i(^ auf geneigte Sefer, bie toeniger auf feine 5JlängeI, at§ auf feine ettoaigen S^ugenben aufmer!fam ftnb. Um ni($t gana feiner eigenen äöirfung anjuöertrauen, tüiE i^ nic^t üerfäumen, eine furje Erläuterung über feine 5(Bfid§t, feinen Stoff unb feine f^orm t)orau§3ufd)i(!en.

S)ie 5lBfi(^t eine§ .&iftori!er§ ^ängt t)on feiner 5lnfic§t aB; tJon biefer ift ^ier gtoeierlei p fagen. Sitöörberft, ba^ i'^r bie romanifd^en unb germanifd^en 5^ationen al§ eine @in§eit erfd^einen. (Sie entfd^Iägt \xä) brei analoger begriffe: be§ S3egriffe§ einer aEgemeinen ßl§riften= :^eit (biefer toürbe felBft bie 5lrmenier umfaffen); be§ S5egriffe§ öon b er Einheit @uro|)a^§ : ^enn ba bie 2;ür!en ?Iftaten ftnb, unb ha baö ruffifi^e 9teic§ ben gangen 5^orben tion 5lfien Begreift, !önnte i^re !Gage nid)t o^ne ein S)urc§bringen unb ^ereinjiel^en ber gefammten aftatif(i)en S5erl)ä(tniffe grünbli($ öerftanben toerben; enblic^ au($ be§ analogften, be§ S5egriffe§ einer lateinifc^en ß'^riften^eit : flaöifc^e, (ettif(^e, magi)arifd§e Stämme, meiere gu berfelBen ge'^ören, ^aBen eine eigentpmlicöe unb Befonbere 5^atur, toeld^e ^ier nid^t iuBegriffen toirb.^er 5lutor BleiBt, inbem er baö f^rembe, nur too fein mu^, a{§ ein llntergeorbneteg unb im S5orüBerget)en Berü!)rt, in ber ^^ä'^e Bei ben ftammöertoanbten ^Jlationen enttoeber rein germanifd^er ober germanif(^=romanif(^er 5(Bfunft, bereu ^efd§id§te ber ^^ern aEer neueren. @ef(^itf)te ift, fte§en.^3n ber folgenben Einleitung foE üerfud^t

X

VI UJorrebc.

tüerben, T^auptfäd^tid^ an bem gaben ber äußeren Untetne'^mungen m^ ßid^t äu fe^en , intüiefem biefe S5ö(!er fid§ in (Stn^ett unb g(ei{^= artiger Seh)egnng enttüidelt T^aÖen. S)a§ ift hit eine 8eite ber 3ln= fid^t, auf toeld^er gegennjärtigeS S8ud§ Berul^t; nun bie anbere, bie fid§ burd^ ben Sn^alt beffelBen unmittelBar au§f^ric^t. umfaßt nur einen üeinen 2;i^ei( ber @ef(f)i(^te biefer Nationen, ben man tüo^l au(^ ben Einfang ber neueren nennen !önnte; nur @e= jc^id^ten, nid§t bie @efd§i(i)te; Begreift einerfeitS bie ©rünbung ber fpanifd^en ^onari^ie, ben Untergang ber italienifd^en fyrei^eit, anbererfeitö bie S5i(bung einer ^tüiefad^en O^^ofition, einer ))oIitifd§en burd§ bie fyrauäofen, einer ürd^tid^en burd^ bie üteformation , genug jene ©^jaltung unferer ^flationen in ^toei feinbfelige 2:T^eile, auf tt)e(= d^er alle neue ^iftorie Beruht. X^^ ge^t öon bem S^^t^^i^^t aus, n)o Italien in fid^ geeinigt toenigfteng äußerer fyreil^eit geno§ unb öieEeid^t felBft l^errfd^enb genannt werben barf, ba ben ^apft gieBt ; bie Spaltung beffelBen, baö ©inbringen ber ^^^'an^ofen unb ber ©panier, ben Untergang in einigen (Staaten atter grei^eit, in anberen ber SelBftBeftimmung , enblid§ ben ©ieg ber Spanier unb ben 5ln= fang i^rer §errf(^aft fud^t baräufteEen.y^erner fängt e^ öon ber politifd^en 5^id^tig!eit ber fpanifc^en ^önigreid^e an, unb get)t ju iT^rer SJereinung, ju ber ütid^tung ber S5ereinten toiber bie UngläuBigen unb nad§ bem Snnern ber ßT^riften^eit fort; |ud§t beutlid^ ju mad^en, toit auS jener bie ©ntberfung t)on 3lmeri!a unb bie feBe= rung großer ^önigreid^e bafelBft, bod§ öor aEem, toie au§ biefer bie fpanifd^e §eri-|d^aft üBer Stauen, 2)eutfc^lanb unb bie ^^ieberlanbe l§ert)orgegangen. ^S)ritten5 gel^t öon ber 3^itf tüo Äarl VIII. al§ ein Sl^orläntpfer ber ©l§riften^eitjmber_bie^.^ür!en aug^ie^t, burd^ atteg n)ed^felnbe ®(ücf unb UnglücC ber gran^ofen Bi§ ju ber fort, n)o grana I. 41 Sa^re fpäter eBen biefe 3:ür!en toiber ben ^aifer 3U §ülfe ruft. 3^nbem enblid^ ben @egenfa| einer politifd^en ^Partei in 5Deutfd^lanb toiber ben ^aifer unb einer ürd^lid^en in Europa toiber ben ^apft in il^ren ?lnfängen Uei-folgt, fud^t ben äöeg einer tJoEftänbigeren ©infid^t in bie @efd§id§te ber großen Spaltung burd^ bie üleformation ju Bal^nen. 2)iefe Spaltung felBft foltt in ii^rem

Söorrcbe. VII

lerften ^ang betrad^tet tt)erben. OTe biefe unb bte übrigen l^iemit äufammen^ängenben @efd§id§ten ber tomantyc^en unb germanifd^en ^iationen fud^t nun bte§ S5ud§ in il^rer @in^eit 3U ergreifen. Man l^at ber ^iftorie ba§ 5lmt, bie S5ergangen^eit 3U richten, bie TOtUJelt 3um ^u|en juütnftiger Sa^re ju 16ele:§ren, Beigemeffen : fo ^o^ex Remter untertoinbet fid§ gegenwärtiger S3erfu(^ nid§t: er toiH BId§ z-

geigen, U^ie etynfitcf) getppfptL

SBoltier aber !onnte bie§ neu erforfd^t n)erben? ®ie @runblage öorliegenber ©d^rift, ber Urf|)rung il^rel ©toffeg finb Memoiren, 2ageBüd§er, SSriefe, ^efanbtfd^aftSberic^te unb urf:|3Ünglid§e (^x^at)= lungen ber SCugenaeugen ; anbere (5d§riften nur al^bann, too fie ent= toeber au§ jenen unmittelbar abgeleitet, ober burd§ irgenb eine origi= nale ^^enntniß il^nen gleid§ geworben fd^ienen. Sebe Seite geigt an, tt)eld§e§ biefe Söerfe gehjefeu; bie 5lrt ber ^^orfd^ung unb bie !riti= fd^en 9tefultate toirb ein gtoeite^ SSud^ öorlegen, ba§ mit gegen= tüärtigem 5ugleid§ ausgegeben toirb.

^u§ 5lbfid§t unb ©toff entfielet bie gorm. Man ton t)on einer ^iftorie nid§t bie freie Entfaltung forbem, toeld§e toenigftenö bie X^eoxk in einem :|joetifd§en Söer!e fud§t, unb i^ toeig nid^t, ob man eine fold^e mit 9fted§t in ben Söerfen gried^ifd^er unb römifc^er Meifter gefunben gu ^aben glaubt. f©trenge 2)arftellung ber St^at^ f fad§e, toie bebingt unb unfd^ön fie aud§ fei, ift o^ne S^^^i^t '^^^^ oberfte @efe^. (Sin gmeiteS toar mir bie ©nttoitfelung ber (Sinl^eit unb be§ Fortgangs ber SSegeben'^eiten. ©tatt ba^er, tt)ie ertnartet toerben !ann, eine aEgemeine ^arfteEung ber öffentlid^en S5er^alt= niffe ^nxopa'^ t)orau§aufd§icten , ttiaS ben @efid^t§^un!t toenn uid[)t tjertoirrt, bod§ gerftreut l^aben toürbe, ^abe i^ öorgegogen, üon jebem ^ , i S^olf, jeber Mad^t, jebem Einzelnen, toie fie getoefen, erft bann au§= ' füT^rlid^er gu geigen, toenn fie öorgüglic^ tl^ätig ober leitenb eintreten :<5^ imbefümmert barüber benn toie l^ätte i^re ^i-ifteng immer un= beiü^^rt bleiben !önnen? ba§ fd§on iJorT^er l^ie unb ba il^rer gebadet merben mugte. §ieburc^ fonnte toenigfteng bie ßinie, hie fie im aEgemeinen ]^alten, bie ©trage, bie fie nel^men, ber gebaute, ber fie betoegt, befto beffer gefaxt toerbenT] «^

VIII Söotrebe.

©nblid^, tt)a§ lüirb man tion ber SSe^anblung im ©inaelnen

jagen, einem ]o n)efentli(^en ©tüd l^iftorifc^et 5lr6eiten? SÖirb fte

nid^t oft f)axi, aBgebroij^en, fatbloS, ermübenb erf(^einen? giebt

für biefelbe eble 5Rnfter, oltc unb man tjerfenne nidöt

anä) mm; bod^ ^aBe iä) fie nid§t nad^jual^men gesagt: i^re Söelt

/ njar eine anbere. (5§ gieBt für fie ein erl§al6ene§ 3bea(: ha^ ift bie

^öegeBen'^eit felBft in xf)xex menfd^lid^en f^a^Iic§!eit , i^rer @in^eit,

t§rer SüHe; \f)x todre beiäufommen : id§ ftjeig, toie toeit id§ baöon

entfernt geBIieBen. ?[Jlan Bemü'^t fid^, man ftreBt, am @nbe ^at

vv man'S nid§t erreicht. S)a^ nnr niemanb barüBer nngebnibig merbe!

v/ 5)ie ^anpt]aä)t ift immer, moöon toir l^anbeln, tüie 3a!oBi fagt,

^enfd^fieit toie fie ift, ntVdxii^ ober uner!tärlid§ : ba§ ßeBen be^

(Sinjelnen, ber @efd§le(^ter , ber Sßölfer, ^umeilen bie .gSanb (Sjotteß

X üBer il^nen.

S?orrebe jur pciten ^luögak. Dctokr 1874

Söenn ba§ unternommene äÖerf nii^t in bem but(^ SJorrebe unb 2^{tel bei* etften 5lu§gaT6e angegeBenen Umfang (e§ foHte Bis 1535 ge^en) auggefü^rt Sorben tft, fo tü^rt ba§ auä) ha^n, ba§ für bie f^ortfe^ung eine gana^nbere ^et^obe ber (Stubien nöt^ig gen)orben tüäre, aU bie Big ba'^in Befolgte. S)enn für bie Be^anbelte @^od§e reid^te ber in gebrutften 2öer!en öorliegenbe ©toff fottjeit "^in, nm eine fefte 5lnfid§t ^n Begrünben. ^ic^t fo für bie fotgenbe ^^^t. ^ie Betont getüorbenen 5^a(^ri(^ten erliefen ftc^ fel^r unjureid^enb ; bie 5lr(^it)e ber öerf(^iebenen Nationen unb i^rer Regierungen ober au(^ ber eBen emporfommenben ürd^lii^en unb )3olitif(^en S5i(bungen mußten neu bur(^forfc§t n)erben, n)a§ benn nur na($ unb naä), ben iebe§maligen ©tanbpunften ber ©tubien unb be§ SeBen§ gemä^ , gefdie^en !onnte.

©oBalb nun aBer biefe 5lrBeit Begonnen unb ber reiche ©d§a^ unBefannt geBUeBener S)en!ma(e Berüfirt mürbe, ermeiterte fid^ aud^ ber @efi($t§!rei§ : bie mannic^faltigften neuen i^nformationen üBer bie @rfd§einungen unb ©reigniffe Boten ft(^ bar. 3öie märe mög= Ii(^ gemefen, ^umal ba fi(^ biefe in ben öerfd^iebenften 9li(^tungen Bemegten, fie aEe in eine einzige ^arftettung ju öermeBen. S)ie aU= gemeine 5lnfd^auung märe in S5ermirrung gerat'^en, ben S5efonber= Reiten ^ätte man nid§t geredjt merben fönnen. S)er ©runbBegriff felBft zeigte fic^ nid§t me'^r umfaffeub genug, um ber ferneren gef(^id§t= liefen (^ntmirfelung äu genügen. ^u§ biefen @rünben mürbe bie ^ortfe^ung be§ 2öerfe§ in ber BeaBfic^tigten ^uSbe^^nung aufgegeBen.

2)er erfte Streit, mie er nunmehr öortag, in feinem Befc^ränften Umfang , erfc^ten aU ein Befonbere§ ©an^e , mie er aud^ urf|)rüng(idö aBgefa^t unb aufgenommen Sorben mar. 3n ber Sammlung ber äöerfe

durfte er nic^t festen. 5S){e ätüanatg ;Sa§re, bie barin Be^anbelt tüxrben, Bitben gletc^fam ben S^orbergrunb ber neueren @e(c^id)te; ba§ ^ud) enthält eine ^rt öon SJorbereitung ^u ben meiften f^äteren Söerfen beö 5lutor§. erfd^eint wie ber ältefte (Stamm in einer bo^ äiemlid^ umfanörei($ getoorbenen ^flan3ung : aKem anberen üertoanbt unb boc§ toieber babon öerfc^ieben. ^tmmerme'^r tt)äre ju ratzen gewefen, feinem Sn^alt nad^ njefentlid^ nmauöeftaüen unb ettoa Sorfc^ung unb ^et^obe ber f:päteren SlrBeiten auf biefe an^utüenben. S)a5 tt)üTbe äu einem neuen SSuc^e gefül^rt T^aBen, nid§t jur äöieber^olung eine^ alten. Unb bie feit ber erften 5lu§gabe be§ 3öer!e§ erfd§iene= neu $uT6licationen üBer bie ß^jod^e n)aren nid^t fo gar er^eBüc^, um eine neue S)ur(^arT6eitung tjon @runb au§ erforberlid^ ober aud^ nur möglid^ 5u madöen. @d^on genug, menn ^ie unb ha, tüo 6efon= ber§ nötljig erfdC)ien, ütüdtfid^t auf fie genommen n)urbe.

5lod§ eine anbere (SrU)ägung toar nid§t aBäun)eifen. ^ä) mu§te Beforgen, ba§ bie urf|)rünglid§e f^orm ber S)arfteEung unb be§ 5lu§= bruc^§, bie an mand^erlei S)un!ell^eiten, au§ bem ^lltert^^um ^erüBer^ genommenen ß^onftructionStoeifen unb anberen ^Jlängetn leibet, ba§ fSnä) öerT^inbern Würbe, Eingang 3U finben. 5(Ber nid^t aU eine Blo^e 5lntiquität backte iä) Ooraulegen: iä) Wünfd^te bie barin enthaltenen S)arfteEungen 5U einem ßJemeingut , id§ toiE ni(^t fagen ber Station, aber be§ t^eilnel^menben ^uBIüumS 5u ma(^en. S5ei einem Sanbaufenf^alt , fern t)on anberen SSüc^ern, mit biefem aEein 16efc^äftigt, glaubte iä) 3U finben, ha^ man bie ^Jlängel Wegräumen fönne, o^ne bem urf^rünglid^en ^e^räge be§ Sud^eg ^u na^e ju treten. 3)er ßefer Wirb barüBer nic§t öergeffen, ba§ i:^m eine SCrbeit be§ 3a^re§ 1824 öorliegt. ^^lur in ber fritifd^en ^Bt^eilung Würbe burd^ neue Bebeutenbe ^ublicationen not^Wenbig, ba§ Ergebnis Weiterer ©tubien ^in^uaufügen. ©o nun Wirb ba§ alte 3öerC auf§ neue bem ^ublüum bargeboten: in attem äöefentUd^en ift eg baffelBe geblieben. ift ba§ 3öer!, mit Weld^em ber 5lutor nunmehr t)or fünfzig :^a^ren feine literarifd§e 2;^ätigfeit begonnen ^at; burc§ bie äöieber^erau^= gäbe beffetben feiert er gleid^fam ein fd^riftftetterifd^e§ S^ubildum.

3nl)alt

(Seite ^x\x Umleitung. Xlmtiß einet Slb^anblung öon ber ©in^eit ber tomas nifdjen unb germanijc^en 3Jöl!er unb t)on i{)rer gemeinjd^aftlidien

(Jnttotrfelung XV

erW ^«(^: 1494-1501.

etfteg ßapitel. Sage bon Sranfrctc^ unb ^taliett. äqi;1§ VIII.

3ug noci) ^^eopel , 3

1) gtanlreid^ mh Äarl Vlll 3

2) Sage Stalien§ 11

3) ÄQtl VIII. in Sftalien 26

3 e i t e § 6 Q p i t e (. Spanien «nb ßiga im Kampfe gegen Äorl VIII.

1495. 1496 . 40

1) 2Sereinigte§ ©ponien 40

2) S3etbinbung äU)ijt^en ©panien unb Italien 48

3) gtüdfaug ^ar(§ VIII 51

4) ^rieg in Tteopel 1495-96 63

2)tittc§ Kapitel. 2Jiaj;imiUan auf bem 9iei(^§tagc 3U 2öorm§

unb in Italien 69

1) SOlojimilian bon Defterteid) unb ba§ 9teic^ 69

2) «ma$imilian§ erfter ^ug nad^ Sftalien 80

3) ©rtoeitcrung unb (Srtjebung ber Siga :....... 98

Sßicrtc^ ßapitcl. Untergang be§ jfor^ifd^'oragonefijdien f)auje§ 103

1) Subn?ig XII. unb ^ßenebig gegen 5Jiailanb 103

2) ©c^toeiäer uub @d|U3aben in ben .^rieg berniidfelt ... 109 o) ^apft 5llej:anber VI. unb fein ©o^n gegen bie SSafaEen ber

Äird)e 133

XII 3n^alt.

©eite

Smxm ^n^: 1502-1514.

Einleitung , ^'^^

etfteS Gapitcl. (Sreignific im füblid^cn ^ialkn 154

1) 2)er f^rieg in Stapel unb 9{ontagna 154

2) 2)ic ©ntfrfjeibung in Stapel 163

3) SBcd^jel im ^Popftt^um 168

3n)citc§(5apttcl. entätDciung bc§ f panifdti-öftetrctc^iidjen ^auje§. 177

1) 3Jiaj;imiUQn burc^ bie (Sintuitfung bc§ franaöfijd^en S3un«

bc§ ©iegcr unb ^err in 2)cutfd^tanb 178

2) Umfaffenbe ^läne «majimiliong. W^iPP öon 6aftilicn . 184

3) fj^crbinanb .^err in ^eapd unb ©afliUen 198

4) ^leu^ete Unternehmungen gferbinonbB 204

2)ritte§ ßapitcl. SSon SSenebig unb i^utiu^ II 207

1) ^anbel, erobetungen, SSerfaffung ber SSeneaianer. Eingriff

auf bie ütomagna 207

2) 3^uliu§' IL erfte 2:f)aten unb boppeltc 5lbfi(^ten .... 213

3) entbecEungen ber ^^ortugicfen. Umfd^lag be§ t)cneatQnijd§en ^QnbeU 219

4) Eingriff 3Jioi'imiUani. SBilbung ber Siga bon ßornbra^ toibcr

bie Eroberungen ber SSeneaianer 229

5) i^aU ber Sanbmoj^t unb be§ ^anbeU ber SSeneaianer im 3Qt)rc 1509 236

5) ^rieg ber SSene^ianer jur Errettung i^rer ©tabt unb eine§

2:t)eiie§ ber Sanbjd^aft 244

7) S)te Unternct)mungen be§ 5^apfte§ aur SSefrciung ^tolienS 249

SJioralijetie 33etrad^tung 263

33iertc§ Eapitel. Erhebung beö fpani|(i)«Dfterreid)ij(f)en |)aufe§

big nat)e aur t)5d^ften ©etoalt in Europa 266

1) 3^uliu§ II. im S3unbe mit ©panicn. ©ditad^t öon ^ftaPenna 266

2) SBilbung einer neuen Siga. Sage unb Eintritt (Snglanb§ . 280

3) Eroberung bon ^Raitaub 285

4) Eroberung Don ^obarra ............ 290

5) Otebolution in gflorena- 5lnbere Erfolge in ^tolien ... 293 G) ßampf ber Qrranaofen unb (&cf)toeiaer um 3Jiailanb . . . 301

7) Zusammentreffen ber bciben europäifd^cn ^Bereinigungen . 305

8) ^Ittgemeine ßricgSbetoegung 307

9) Söeiterc 5lbfic^ten ^nx Ert)ebung be§ .^aufc§ Deftcrreidt)- ©panien 317

(£ct)lufetDort ber neuen (2.) 3lu§gabc 322

lux Jinfcifittig.

Umrif einet 916^anb(ttng Don ber @in^eit ber rontanif^en

mi getmanifc^en ^Uttv nnb bon %er gemeinfc^aft(i(^en

gntmiifeJttng.

;^m 5lmang feinet @lü(ie§ , nic^t lange naci^ betn Anfang ber S5ö(!ettt)auberuTig, backte ber tDeJtgotjifc^e ^önig Htaulj, au§ 9floma= nien ein @ot^ten unb fic^ äum Säfar" äunmd^en ; bte römifc^en @e= fe^e tooEte er erhalten ^). S5erfte^en lotr if)n xeä)i, ]o ^atte er ben (S5eban!en, ^unäc^ft bte abenblänbifc^en 9tömer, bte, oBgleid§ au§ t)te= (en unb ntanc^ertet Stämmen entfproffen, bennoc§ buri^ ja^r5unbert= lange S)ereintgung in ©in üteid^ ^u @inem S5oI!e getoorben toaren, mit germanif(^en ^efd^tec^tern ju einer neuen ©in^eit ^u öerfnüpfen. @r fetbft öerätoeifelte fpäter, bie§ aug^ufüfiren ; aBer bie @efammt^eit ber germanifd^en ^lationen ^at äule^t unb in einem größeren Sinne in§ äöerf gerichtet. 5Hc^t lange, fo marb au§ bem lugbunenfifc^en ©aEien ^tuar nid£)t ein @ot§ien, aber ein lugbunenfifi^eg Germanien ^). ßänger bauerte e§, bi§ bie äöürbe eine§ ßdfar auf bie germanifc§en ©efd^lei^ter , auf Äaii ben (S)ro§en überging, ßnblic^ fiaben bie= jelben auä) ba§ römifc^e SHec^t angenommen, ^n biefer ^Bereinigung l§aben ]id) |ec^§ gro§c 9lationen, brei, in benen ba§ rontanifd§e Clement bor^errfc^t: bie fi'anjöfift^e , f^anifd^e, italienifd^e ; brei, in benen bag germanische: bie beutftfie, cnglifdje , jcanbinabifd^e , au§= gebilbet.

Söorin fann fii^ bie ©in^eit biefer fec^e ^}lationalitäten, bie jebe tüieber in Befonbere 5l^eile ^erfaEen, bie nie ©inen Staat ausgemacht, bie beinahe immer ^rieg miber einanber geführt, offenbaren unb !unb= t^un? Sie finb t)on bemfetben ober bon na^ öertoanbtem Stamme, in Sitten ä^nlic^, in bieten i^nftituten gleicE); i^re inneren ^efrfjid^ten fangen auf^§ genauefte ^ufammen einige gro^e Unternehmungen finb

1) Orosius VII, 34. Sei 3Jla§cow, ©efc^ic^te ber 3)eutf(i^en btS aur frönfijt^en 2Jlottat(i)te. @. 369.

2) Sidonius Apollinaris bei ^Jiaicoto 480.

II >

XVI (Einleitung.

i^nen inggefammt gemein. S)a§ rolgenbe (SJefd§i($t56ud§ , ba§ am bicyem @eban!en Benil^t, tüürbe unöetflänbltd^ Bleiben, tüenn berjelBe nid^t biivd^ eine turje Betrachtung ber äußeren Unterne:§mungen, bie au§ bemjelben geiftigen @runbe ftammenb eine öon Einfang bt§ je^t fortlaujenbe gnttüicEelung be§ romanififien unb germanifd^en ßeben^ Bllben, erläutert tüürbe.

2)tefe finb bie SDölteüanbenm bie_^reuä3üge, bie_^anjimgen in fremben aQSeItt§ejIen.

1.

5Die S5öl!ertt)anberung ^at bie ßin'^eit, bon ber tüir reben, ge= grünbet. ^ie S3egebenl^ett, bie SSetüegung ging öon ben Germanen auS; aber bie rontanifd^en Sanbfd^aften toaren nid^t ettoa (ebiglid^ leibenb; für bie SBaffen unb ba§ neue öffentti(f)e SeBen, tüeld^e fie em^)fingen , t^eilten fie ben (Siegern i^re ^leligion unb il^re ©^rad^e mit. f^reilid^ mufete 9teccareb erft !at^oIifd^ tüerben, e^e in Spanien toed^felfeitige |)eirat]§en 3roi|d§en ben tceftgof^ifd^en unb romanifd^en @efd^(cd^tem gefe^Iid^ erlaubt tuerben fonnten^). hierauf aber Traben fid^ bie ©tämme unb bie ©prad^en öoEfommen öermifd^t. ^n S^talien üertüud^jen bie ©emeinben tombarbijd^er unb römifi^er ^erfunft auö anfdnglid^er 5trennung fo eng, ha^ i^^re (Elemente !aum metjr unter= jd^ieben tuerben !önnen. ift unbertennBar , toeldC) einen großen (Sinftu§ bie 33ifd^öfe auf bie ©rünbung ^^ranfreid^g gehabt ; aber biefe Ujaren anfangs burdf)au§ tion romanifd^er 5lB!unft ; Aft im ^atjxc 566 finbet fid^ ein fränüfd^er SBifd^of in ^ari§^)./ ©inb nun in biefen Stationen Beiberlei Elemente in furaem in eii(anber berfd)mol= Jen, fo tjerl^ielt fid^ aEerbingg mit ben 5lngelfad^fen , auf SeBen unb 2ob gpinben ber S5riten , tjon benen fie toeber üteligion nod^ Sprad^e annahmen, unb mit ben übrigen Germanen in il^rer beutfd£)en unb fcanbinabifd^en §eimat]^ anber§; aber aud^ biefe !onn= ten fid^ jute^t bem (ateinifd^en 6f)riftent^um unb einem großen %^di ber romanifc^en Bilbung nid^t entjietien. 3^ifd§en beiben S5eftanb= t^eilen biefc§ S3ölfercomptereg bilbete fid^ eine enge ^emeinfd^aft t)er= n^anbten Bhiteö, öermanbter ^^teligion, ^nftitute, ©itten, ^en!unge= art. 2)en 6influ§ frember S3ö(!erftämme tüe'^rten fie glücfüd§ ab. S5on

1) Lex Flavii Reccaredi Regis, ut tarn Romano etc. in : Leges Visi- gothorum III, 1,1. Hispan. Illustr. III, 88. Sind) bei 3JiQ§cotD unb Mon- tesquieu, de l'Esprit des Lois XXVIII, 27.

2) ^Innf, ®efenfd)aftiberfaffung ber c^riftlic^cn Äird^e II, 96.

©inlcttung. XYII

t)en Stationen, bie aufeer t^nen an bei* 3}ölfertt)anberung %^iii ge= nommen, brofiten Befonbeig 5lraber, Ungarn unb Stauen, ftövenb, ja öernid^tenb ein^nmirfen. 5lBer bie ^Iraber njurben burd^ ben t)oE= fommenen (Segenfa^ ber üteligton abgetoenbet, bie Ungarn in i'^re ^ren^en getoiefen, bie Benachbarten ©taöen 3ute|t bernid^tet ober nnterUJorfen.

äöa§ !ann ^in^etne unb tva^ ^^ationen ju engerer S5erh)anbtfd§aft tjerlnüpfen, at§ %f)^xlndi)m^ an ben nämlichen ©d^idfalen, atö eine ge= Tneinjd^aftlid^e @ef(^i(^te? ^n ben S3egegniffen biefer erften S^it, inneren unb äußeren, lägt fid^ Beinah bie ©inl^eit einer einzigen abgefc^ (offenen SSegebenl^eit erlennen. S)ie germanifc^en 5^attonen, üon Einfang ^n^aber €ine§ großen ganbe§, ^ie^en ou^, erobern ba§ römifcfie Sfleirf) im ^benb= lanb unb bel^aupten überbie§, tüa^ fie f(^on inne l)aben. Um ba^ ^a1)x 530 fe^en toir fie im S5efi^ aller Sänber öon jenfeit ber SCßafferfäEe 1)er S;onau bi§ an ben 5lu§flu§ be§ 9lt)eine§ unb l^inüber bi§ an bie 5tn)eeb, nid^t minber aEer ^od) bon §aEin .^atogalanb U^ ^u jenem SBätica, ba§ t)on ben SJanbalen feinen 9Mmen em^fangerf, unb l§in= über, big tt)o fic^ bie Gebirge be§ ?lt(a§ gegen bie Söüfte fenfen. äöenn fie einig n^aren, !onnte il^nen niemanb biefe Sauber entreißen ; aber il^ie SOereinjelung unb ber @egenfa| arianifd^er unb fatl^olifd^er Se^re gereicf)te ^uerft ben S5anbalen jum SJerberben. S)en S3er(uft, ber Ijierauf burd^ ben Untergang be§ oftgot^ifd^en 9teid§e§ erlitten marb, er= festen jttjar einigermaßen bie Sombarben, al§ fie ^^talien einnal^men, nid^t gana, benn niemals :^aben fie Italien tJöEig, gefd^n)eige ©icilien ober i^E^ricum ^), mie bie @otl§en, inne gcl^abt; aber burdC) eben biefe Sombarben, h)eld§e juerft <g)eruler unb ©e^iben öernid^teten, barauf aber i^re ererbten unb i^re eroberten ©i^e einem farmatifd^en S5olf über= ließen ^) , ging bie 2)onau bi§ na^e an il)re OueEen öerloren. @in neuer SJerluft n?ar bie ä^^ftörung be§ t^üringifd^en 9teid^e§ ; ha^ S5or= bringen ber ©laöen big toeit^ieffeit ber (5lbe ^üngt ma^rfd^einlid^ mit berfelben ^ufammenA^ber bie größte ^efa^^r broljte öon ben ^Jtrobern. (5|)anien nahmen fie im f^^ug, brangen in f^ranh'eic^ unb "Stalten ein, unb ptten fie nod^ eine (S^lad^t gemonnen, fo n)äre eg mo^l toenigfteng mit bem romanifc^en ^^^eil unferer ^^ationen aug gen)efen. Söa§ n)ar ju ermarten, ba ^-raufen unb Sombarben, g^^anfen unb <5adf)fen , ringeln unb S)änen in töbtlid^er geinbf(^aft gegen einanber lagen? ^an tjerfenne nic^t, baß in biefer . ®efal)r bie @rünbung beg

1) «monfo, ®cjd^id)te ber Oftgotl)en in 3^talien Seil. V, 321.

2) Paulus Diaconus, de rebus gestis Longobardorum II, c. 7.J

II*

XVIII einteitung.

^apftt:^um§ unb beg ^ai(ert:§unig gerettet f)at S)arf ic^ fagen, tüte e^ mir fd)eint , fo tft bic eigentliche ^ac^t be§ $a))ftt]§um§ , biejenige, toeld^e SSeftanb gehabt, nirf)t öor bem fiebenten ^a^r^unbert gegrün= bet n?orben. S)ama(§ jiierft erfannten bie ^ngelfad)fen in bem ^a^ft, bon bem i^re SSele^rung unmittelbar ausgegangen, i^ren lüa^ren Patriarchen, nahmen einen $rima§ bon feiner 5öeftaEung unb jaulten i^m ben Dtomfc^og^). S5on (gnglanb ging ber St^oftel ber S)eutf(^en ^onijaciuS a\i^. 51id)t nur jc^ttmr biefer felbft, al§ er ju bem ©tul^l öon 5D^ain5 erl^oben ttjarb, bem ^eiligen ^eter unb beffen ^lad^jolgem 2;reue, unberfälfc^teS 5ln]^angen unb §ül|e; aut^ bie übrigen Sifc^öfe f(^tt)uren, ber römi|cC)en ,^irii)e bi§ ^um Xoh untertoorfen p bleiben unb bie S3erorbnungen ber ^lac^folger ©t. 5^eter§ äu galten. 5lber er tT^at nod§ me^r. §unbert ;3a^re lang bor il^m finbet man fein ein^ 3ige§ ©(^reiben eine§ römifd^en ^a^fte§ an bie fränüfd^e @eiftü(f)!eit, fo unabhängig erl^ielt fid^ biefelbe; S3onifaciu§ brac£)te auf 5)3i^in§ 5ln= trieb auc§ fie jur Untertüerfung, unb bie ^[Jletropolttane, bie er je^te, nalimen baS ^aEium bon 9flom^). S)a§ maren bie brei 9iationen, au§ tüelc^en, mit ben Sombarben, nac^ bem fpanifd^en Unglüd W ß]§riften^eit im 5lbenblanbe beftanb. 5lud§ bon ber ^einbiäiaft ber Öombarben befreite ^arl ber @ro^e ben ^ap]t] er mad^te benfelben äum frän!if(f)en ^atriciuS, fo ba^ er aufprte, feine S3ullen nad§ ben 9flegierung§ial)ren grieifiifd^er ^aifer gu batiren, unb 50g i^n böEig in ben ^reig ber neugebilbeten Söelt. |)ieburc^ nun toarb ber ^^a^ft ha^ fird)lid)e Oberliaubt ber romanifc^=germanifc§en ^flationeu; er marb in eben ben Qeiten, in toelc^en bie 5lraber mäd^tig mürben unb tiorbrangen; fein neueS ^Infe^en befänftigte ben §a§ ber ent= ätüeiten ©tämme unb ftiftete ^mifd^en i^nen eine mefentlid^e S5er= einigung. äöiber ben f^einb^ aber tourben biefelben aEein burd^ bie @emalt ber ^i^iuiben unb/bog^ g^nifertj^umgarl bej (S5rofeen ftar!, y^^ßüxi_he^_^^xj^^ baf er aEe 7omanifd§=germanifd§ en

5^ationen beS Kontinents, fofern fie ß^l^riften toaren ober tourben, Vereinte auc^ Egbert übrigens, ber bie §cptard)ie ber Slngeln jur ^IRonarc^ie gemad^t, toar fein äögliug , boJjrjJnerLeinc jum ilrieg unb ^rieben gleich tüo^l geeignete |2^tia{{imö-4ab , ha^ er fie gegen i^re ^einbe bie S)onau entlang, im Often ber ©aale unb @lbe unb jenfeit ber ^^renäen toieber borrüc^en leierte. ^o(^ ^iemit toar nod^ ni^t aEeS gefd^elien. 3" glßid^er ä^tt erfd^ienen auf ber einen ©eite an

1) ®(^tßcff), ^lird^engcjd^id^te XIX, 1 35.

2) ^ott^en bei 5]ßlanf, «8b. II, 680 f.

GinCcitung. XIX

cHen ©renken untüiberfte^tic^, 3U ^ferb, mit tf)ren Gleiten bie Ungarn, unb auf ber anbern an aEen lüften; Qletd§ in1)n m @ee unb ßanb, 3ugleic§ Söiünger unb ^§!emänner, (ke^ ^Jtorntannen. [ (Sben aber toar ^arl beö (SJro^en ütegiment an ben ife'^Iern fetner ^lac^folger, bie mft nur Don i^ren ©(^n^ac^en ^Beinamen empfingen, p ^runbe gegangen, |o ba§ fic§ bie ©efa^r erneute. 50^an !ann fagen, bag bie S5öl!er= tüanberung nic^t e^er geenbet, äU U§> biefe ^etoegungen 16eru!)igt iüaren. ^e Ungarn Ujurben prücf getrieben unb tourben ßl^riften; au berfetben Q^xt tourben auä) bie Benachbarten fIaüifc|en_Jlatio= neu; bie einen unb bie anberen ^aben eine ^exi lang atoifd^en ber römifc^en unb ber griec^ifd^en Äird^enform gefd^ujanft, e^^e fie fid^, oinb o^ne ä^üeifel burd^ ben @inf(u§ ber beutfd^en ^aifer, für bie Tömifdfie entfd^ieben. ^Jlan Ujirb nid^t fagen, ha^ aud^ biefe fSölUx äur ©in^eit unferer Aktionen ge"^ören; i:§re ©itte unb S5erfaffung l^at fie öon berfelben immerfort entfernt; felbftdnbige @inn?ir!ungen :^aben fie bamalS eigentlid^ nidf)t ausgeübt, nur bienenb ober miber= ftrebenb erfd^einen fie: bie SöeEen ber aEgemeinen SSetoegungen laufen, fo ju fagen, 3un)eilen in i:^nen ab./ ^ji^ormannen aber. germanifd^eg Geblüt, tourben in ben ^rei§ ber übrigen S5öl!er ge= 3ogen unb tiatoen in ?Vran!reid) nnh (^jiglniib (^i|^e^ (Sie Vergalten bieg gtei(^fam, inbem fie im eitften 3^aT)r:^anbert germanifd^eS Seben nad§ 5^ea|)el unb ©icilien :^inüb ertrugen. 5lud§ i^re 2anb§leute 5U ^au§ Ujaren inbeffen S^riften gehjorben unb in biefen ^rei§, bem fie öon ^'latur ange^^örten, big auf unbebeutenbe tiefte tJoEfommen eingetreten.

|)iemit , in ber 5}litte be§ eilften ^a^x^nxxhexi^, enbeten bie ^e« lüegungen ber S^ölfertoanberung. 2)ie ßnttoid^elung ber ©^jrad^en, eine geiftige grud^t biefer ftürmifd^en i^a^r^unberte , War in i^rer ©inl^eit unb ^Jlannid^faltigfeit gegrünbet. Söirft man einen Mxd auf bie fran^öfifd^e ßibegformel M bem @d§tt)ur bon ©trapurg, fo glaubt man barin bie ©puren ä^gleid^ ber italienifd^en , ber frati= abfifd^en unb ber fpanifd^en 5Jlunbart ju entbec^en. 2öie bieg öon ber ©in^eit ber romanifd^en, eben fo unb nodf) beffer jeugt bon ber ^in^eit ber germanif(^en ^Jlunbarten , ba§ eg oor htr^em gelungen ift, fie fämmtlid§ in eine eiuäige ©rammati! 3u bereinigen, ^ie ©runblage aEer neueren SHeic^e unb i^re S5erfaffungen ttjaren gelegt. ^aifert:^um unb ^apftt^um ftanben in aEgemeinem 5lnfe§en; jeneg fteEte gleid^fam bag germanifd^e, biefeg bag romanifd^e $rincip beg großen 35öl!erbereineg bar: eineg unterftü^te bag anbere.

XX Einleitung.

.gieraui ndf^m ber uiflJrünajUcfie %x\tb ^ux SBanberunö baburc^^ ba^ er mit ber böHigen .Im^föebung gegen ba§ ßl^riftent^um ein^ toarb, eine nene 9iid6tuna :/fe tou^^üge laffen ficf) betna'^e aU eine f5rortfe^ung ber S5öI!ertt)aTiberung betraifiten. S)a§ nämli(^e fSolt, roelc^eg bieje gefd^loffen, ba§ normanmfc^e, na'^m in bemfelBen ^a1)x= ^unbert nit^t aEein burd§ brei t)oraüglic^e f^ürften, üloBert öon ber ^ormanbie, tDeId)en alte ßl^ronifen in 3Ibet unb 9ftei(^tl§um, ja felbft in geiftigen S^or^ügen über ben oberften ^nfül^rer fe^en^), SBoemunb öon 2arent, beffen 2;^citnat)me ^leid^aeitige mit 9fled)t an feine frü^e= ren Unternehmungen miber bie ^riec^en fnüpfen, nnb 2ancreb, fon= bem überbieS bur(^ fo öiel ©inaelne^), bafe ein Ä\ieg, in bem man lag, au§ ^Ulangel an ftrettluftigen Männern aufhören mugte, an bem erften ^reua^ug bon aEen 3]öt!erf(f)a|ten ben leb^afteften ^Int'^eiL 33ieEei($t ift ein ^^ortneger, ber ^eilige Dluf, ber @rfte getoefen, ber äu einem ^iW^fid^ nnb 'fein «&eer mit bem ^reu^ meid^net ^at^). ^ie yo^tij^affneten SSaEfa^rten nad) ^ernfalem/im eilften P^aBr^ ^unbert fd^nen perft t)on ben Normannen au^^eggna£ii_4JL4lin ; biefen öor aEen f(^reibt Ü^oger §obeben ben glücfü^en gortgang berfclben ju*). ^nbiefer_ neuen %egeifterung nun nahmen _aEi.j:o= nianifd^j_^ermanil^ @Ieid§ Bei bem erften 3ug m'aren ©panier, bie trafen bon ßerban unb ßanet ^) ; Sope be S5ega ^at ein gro§e§ ßJebic^t gefc^rieben, ba§ S^erbienft ber ßaftilianer um ba^ ^eilige Sanb 3U ber^errlid^en ; in bem ^a^fe 1121 bereite ber^ bleute Sigurb bon Norwegen ben ^Jlamen i^örfalafar, SetufalemfaT^rer ; Don ben anbcren ift o^ne^^in befannt. 9liemal§ f)at eine frembe Nation, nur einmal etn^a ein frember f^ürft, n)ie 5lnbrea§ bon tln= garn, boc^ biefer al§ ba§ ,!paupt eine§ oberbeutfd^en SH^^ ^^^ ii^^^= jc§ ber 6o^n einer franaöfifdien 5}lutter, baran 5t]§eil genommen, m ganzen finb_bii_gxeuMügp pittp 11t}ternel)mung_ber_romanif(f)en unb germantfd^en__gnl^er inggpfnmmf iinh nEgiit

^un betraute man, tt)ie fie ju einer ^uSbel^nung berfelben nad^

1) Stelle QUi Radulfus Cadomensis bei 2ßilfen, ^leu^aügc I, 80.

2) Gaufredus Monachus de acqiiisitione Siciliae IV, 24.

3) ©eb^Qtbi, @ejd)id^te bon ^iorluegen unb ©änematf I, 380.

4) 23ei ^ugo ©rotiu2, Prolegomena ad Histor. Golhorum, p. 60.

5) Mariana, Hist. Hisp. X. c. 3. Capmany, antigua marina de Cata- luna I, 124.

ginleitung. XXI

aden Seiten, naä) aEen 9fli($tunöen fül^tten. SBomefimlic^ ätoar öingen fte naä) bem^Migen ganb. boc^ ay& an .bie ffüfte be§ gjlittelmeerg^j. feine^wegl ba^in aEetn. ^$a§ (ateinifc^e ^aifei-tl^um 5u gonitaiiii=^ no|)el ]§ätte Bei längerem Seftanb ba§ ganäe^grted^ifcfte 9tei(^ in ein römanif(^=germanif(^eg umtoanbeln muffen. D^ne ba§ unertnattete TOBgefd^id ßubtoig be§ ^eiligen mürbe 3leg^))ten eine Kolonie öon f^ranfreid^ gemorben fein; unb ift ein öerftänbigeö, über bie S5er= ^ältniffe be§ Oriente jnm Occibent in biefer 3^^* ot)ne 3^^^?^^ i)ö§ bele^renbfte fSuä) an§brü(flii^ in ber 3lBfi(^t gefcCirieBen morben, npi^^ ,^u einer Unternehmung miber 3legt)pten nod)mal§ anäuieuertT)^ .^önig Otnggieri uon ©iciüen ift ^flogier ;3örl ber üteid^e 6n feinen alten ßanb§leuten ^atte im i^a^re 1150 bie afrüanifc^en ften öon 5tuni§ big Xripoli§ unb l^atte 50^al§abia inne^). 2)o(^ ag §^i(^ticyte unb ^leibenbfte^jn__be^ füblidten fBeli gefr&afe o^ne gtoeifel burd|_bie©^anier. ^^x ßam^eabor, ber 6ib, 1)at no(^ bie Seiten ber Sreuj^üge erlebt. ;^n benfelben Seiten behaupteten fie 5U= erft 2olebo unb ba§ 2^agotl|al, ba§ 3llbefong ^m|)erator eben er= obert, miber ben l^eftigen 5lnfaE ber 3tlmorat)iben , gingen t)ormärt§ unb nal^men unter Sllonf o üiamon ba§ %^al be§ ^uabiana ; (an ber magren ^renje feiner Eroberungen, benn bie übrigen gingen mieber öerloren, auf bem Gebirge ^Jluratal, unter einer bii^tbelaubten (Sic^e, ftarb 5llonfo); in benfelben gemannen fie unter 5llonfo bem @blen bie grofee @(^la(^t tjon 5^aba§ be 2;olofa, unb faxten f^u^ am (Buabalquitjir ^) ; eben bamal§ enbli(^, !ur3 t)or Submig beg ^eiligen erfteni Ärenajug, übermanb ^^^^'^inanb ber <&eilige Sf^en, ß^orboöa unb 6et)iEa unb, ba Öranaba il^m ^inSbar mar, ganj 5lnbalufien, !ur3 t)or bem ^meiten 5llonfo ber äöeife ^Üflurcia. ;^n eben biefen Seiten ift Portugal gegrünbet unb aufgeri(i)tet morben ; bie ^Bereinigung öon ^^ragon unb Katalonien, bie ^@roberung__öon_^a^^ bie S^T^aten be§ Sonquiftabor 3at)me faEen in biefelben. Unb nun §ängt bie§ aEeÖ mit ben 3^9^^ ^^c§ bem ^eiligen Sanb genau pfammen. S)en @r3= bifc^of 9lid§arb bon Stolebo , ber mit einer ©c^aar Äreuäfal^rer nad^ ^om !am, fd^irfte ber ^ap}i äurürf, meil er unb fie in i^rer .^eimatl^ nöt^iger feien, unb ftatt toiber i^erufalem führte er biefelbe nun miber 5llcala*). äBir miffen, ba§ öorne§mli(^ auf einem .^reu3= äug begriffene 5^ieberbeutfc§e , (Snglänber unb f^lanbrer maren, bie

1) Marini Sanuti liber Secretorum fidelium Crucis bei S5ongar§.

2) 9ioumer, @ej(i)itl)te ber ^ol)enftaufen I, 557.

3) 5inei au§ Rodericus Toletanus, de rebus Hispaniae.

4) Rodericus VI, 26.

XXII Einleitung.

bem f^ürften , ber ft(^ juerft einen ^önig öon ^^ortugal nannte, feine $au|jtftabt eroberten 1), bag aiiä) 70 i^a^re fpäter monjo bes Snjetten öornel^rnfte Eroberung nur burc^ biefelbe «g)ülie gefd^a:^^). Ueber= l^aupt ift bie S5e|i^na:§me ber pljrenäifrfien ^albinfel nur burd^ 531tt= n)ir!ung ber bertoanbten ©täntme gelungen; au§ ber S3eute bon ?l(= meria gab 3llonfo 9tamon ben ^enuefen gum 2)an! für i^re 2)ienfte ein f(^öne§ Metnob; auf ben ^aba§ bon 2:oIofa ftritten btele 2:au= fenbejjatt jenfeit ber ^t)renäen im §eer ^lonfo be§ ©blen^).

5£)iefen Unternel^mungen unb_ f^oj:t|d^4;it4m-axn|£reM?ktion£^ an

^ üften hg^ ^Jlittelmeereg, imgüben übertäubt, gingen, anberemr

Sdtejnt Sorben, bie au§ bemflrbeiT^eiftentf^angen. i^ener @igurb :^örfalafar lie^ bei feiner Ütürffunft fein erfte§ @ef(^äft fein, bei Palmar au lanben unb bie fmalänbifd^en Reiben, 5Jlann bei 9)lann, 3um etiriftent^um au nöttjigen. ;Sn^.bmlßI6en_.^inn^^ ber

i^e4%e mit__ben @(j§meben Uji^er bi^ ginneg. @r meinte, al§ er''5tr @d§lad§t faf|, aber er lie§ nid^t ab, bi§ bie ginnen in ber £}uelle !^ubtfala getauft morben. S^x S^it be§ atoeiten Äreuaauge§ auf eine f&uUi ^a^ft @ugen§ a^erft öerbanben fic^ S)änen, ©ad^fen unb äöeftfalen au einem gemeinfd^aftlid^en S^^ mtber hk benod^barten ©laben, fntf d^loff en , fie entmeber auntA^rtftent^um au brii^en ober au^aurotten*). ^id()t biel fbäter fany^ifd^of ^leinbarb n^V§anbeI|= Wpn^t^h .<g\nnhvnprfn'n V"n gSi^btL n^aj__g[t^Ianb; mn ^ :brebtg£iL S)iefe brei Unterne'^mungen fül)rten, mmn nid^t fogletd^, aber nai) unb nad^ ju einem glänaenben ßrfolg. C^ieffeit ber Ober mürben bie glaüeix nod^ in ben ^Seiten _bir touaaMe fogut mie böEig au§ge= fo'ttei^ "beuifcSr JIM, beüH^e^ür^^ maren ber etggRt=

tt^£%tanun ber neuen ^emo^ner bon gedttenburg unb Sommern, bon ^ranbenmirg unö i&d)lefien; birbörberen ^ommern liieren hti ben l^interen feitbem nidf)t anber§ aU ©ad^fen^). ginnlanb marb nad§ langen ^ämbfen, im ^a^re 1248, enblid§ gana d§riftlid§ unb fd^mebifd^ ^) : feitbem mo^nen ©c^meben längs ber ganaen Äüfte unb in ben feften $lä|en bafelbft. ?Xu§ ber unf(^einbaren Kolonie bon "9;L'futt ging bie .f)errfrf)aft ber S)eutfd§en über alle§ ßft^lanb , ß{ef=

1) Dodechini Appendix ad Marianum Scotum. Pistor. I, 676.

2) Gotefridi Monachi Annales 284.

3) Epistola Alfonsi VIII. ad Pontificem de bello etc. in: Continuat. belli sancti, Basel 1549, p. 246.

4) Anselmi Gemblacensis Abbatis Chronicon. Pistor. I, 965.

5) ßanaotü, Poinerania I, 216.

0) ©djöning in Sdjtb^er'« 5lltgem. 9forb. ©cfd). 474.

Einleitung. XXIII

lanh unb ßurlanb ^eröor; ia.iittbem bte ütitter t)om (Stfitpai. bic man bafelbft geftiftet, eine getotffe g-efte n)iber bie ^i-eugen ju öer= t^eibigen üer^toeifelten ^) nnb bo($ trefftid^e groben ber Zap]txUxt %dbm, trngen fie ni(i)t tDenig baju bei, bafe bie beutfcfien bitter ^nr .^ütfe gerufen tomben. bie benn ba^ lettifd^e Sanb gan^ j\u einem beutjc^en mad^ten. ^n fnr^em reid^Ten bie S3eft|ungen Beibex 9flittet= fd^ayten bereinigt öon S)an3ig bis 9larma; bort ftie§en fie an bie ^Pommern, meldte enttoeber gan^ ober buri^ hu Unterm erfung unter ^aifer unb üteid§ bod§ 3um X1)dl germaniftrt maren; l^ier mürben fie am finnijd^en ^Jleerbufen bie ^J^ai^barn ber ©d^meben: ber germa= nifd^e ^ame umfaßte ben ganzen ^elt.

:^n ben ^rei§ biefer @reigniffe ge!)ören bie Unternef)mungen ^peinrid^ ^lantagenet§ in Urlaub. @r bemirfte, ba§ in ;^rlanb fortan gleid^fam ^toei 5^ationen gemolfjut l^aben, bie eingeborene irifc^e unter= morfen, bie englifd§e germanifdfie , bie bur(^ i^n, menn nid^t äuer)\ üBergefüT^rt , bod§ feft gegrünbet morben, ]^errfd§enb ^) ; eben bamalS ]§at S5enebig bie S)almatiner italienifd^ reben gelehrt. 3lud§ ba§ ift l^iemit ^ujammenäufaffen , ift eine neue Ausbreitung unferer 5la= tionen ; unb ^xlanh anzugreifen, reifte ebenfaES ber $apft, htm baS= felbe nie ge^ord^en moEen. S)od§ um nid£)t bon bem ^rincip ab5U= iommen, mu§ man ^auptfäd§Iid§ jene beiben Unternehmungen im Singe behalten, bie nörblii^e unb bie füblid^e, bie auS berfelben 9ti(^tung beS @emüt^e§ ftammen, burd^ biefelben äöaffen, imter benfelben !S^id)tn unb oft mit bem SSeiftanb ber nämlid^en 5Jlenfd)en gefd^el^en finb. ©ie zeigen bie (Sint)eit unferer 5^ationen in Sbee, 3:i§at, (SntmicEelung.

5lm t)oE!ommenften aber f^rid^t fid§ baS ^rincip in ben l^reuä= fa^rtSäügen im ©üben unb 9lorben au§. S)ie§ t)on einem geiftigen eintrieb auSge^enbe, burd^ unb burd§ regfame, nad^ allen ©eiten ^inauöftrebenbe ßeben fanb in eblen ^nftituten unb ©rzeugniffen, hu eben benfelben unb ä^ar auSf(^lie^enb angehören, einen angemeffenen SluSbrud. '^Inx je ^meier moEen mir geben!en. 3&enn ber .^rieg au jebem 5lu§bru(^ ber ßeibenfd^aft , ber üto^^eit unb ber t^ierifd^en ^flatur reist, fo ^at ba§ 9littertt)um bie S3eftimmung, ben magren 9Jlenf(^en zu retten, bie gemalt burd^ Sitte unb (Sinflu§ ber f^rauen ZU mäßigen, bie ^raft burd^ bie Ütid^tung auf baS ©öttlid^e zu t)er= flären. ©ein Urfprung in biefem ©inne trifft mit ber iBilbung ber beiben erften geiftüc^en 9litterorben , feine SSlütl^e o^ne 3^^if^^ mit ber ©rünbung be§ britten z^fammen. 5^a(f) ben ^reuzzügen ift

1) 5Du§burg in Script, rer. Pruss. I, 35 (51. b. n. 31.).

2) .g)ume, ®ei(i)id)te öon (Snglanb I, c. IX, p. 281.

XXIV (Sinteituucj.

ätt)ar mä)t untergegangen, aber ^at eine anbere, in ben üerfd^ie= benen ßänbern eine üerjd^iebene @nttt)i(ielung genommen. 9Hemal^ §at fid§ über anbere Aktionen erftretft; jelBft ^o^anniter unb iempet^exTen ^^aben in einer anbern niemals eine ^roöinj unb nie me!)r aU einige SSeft^ungen ge:§al6t; bie beutfd^en bitter ftanben gegen ßetten unb ©laöen in einem fteten ®egenja|. (Sine eble mu^t be§ ritterlichen ßeBenS ift bie ^oefte biefer Reiten, ^ft in ber Z^ai, toie benn getoi^ fd)eint, bie eraä:§Iung S5e(^aba§ öon @ottfrieb üon SSouitton ber erfte 9loman getnefen^), unb tnüpfen ft^ bie ^abeÜreife t)on ^art bem ©ro^en unb 5lrtl§ur, wie aEerbing^ fel^r toa^rjd^einlij^ ift, unmittelbar an biefen, jo Ijaben bie ^reu3= jüge an ber SSegrünbung ber neueren ^oefie, man fie^t lüelc^en 5lntl)eil. Uebrigens fnü^ft biefelbe atte unfere Nationen au§fc§lie§enb aufammen. S)ie S5orreben ber äßilüna unb ^fliflungafaga gefte^en, ba6 bieje in ^§lanb beutfc^en S[^orbilbern na(^gebi(^tet morben ^). ^ein anbereg 33olf ^at X^eii an i^r.

^i(^t aEein SHitter fü'^rten ben ^rieg, auc^ bie ^^reitjeit ber ©tdbte ift !riegerif(^: i^r Urfprung fäEt bei aEen unferen S5öl!em in bie nämlidje, in biefe g^it- 2)ie erften ßonfuln ber italienifdien (SJemeinben, bie fie felbft gemä^lt, auf mel(ä)er 3Ba^l il^re gan^e j^xd= ^eit berul^t, erfc^einen mit bem ^a^r 1100, gerabe mit bem erften ^reu35ug ; unätoeifel^aft finben mir fie juerft in @enua h^i einer Unter= ne^mung im Ijeiligen Sanbe. Sie ^aben fid^ im ßaufe unfereS Qtii= raume§ bie ganje bemalt ber alten !öniglid^en trafen öerfd^afft ^). 35ereit§ in bem ^af)x^ 1112 finben mir biefelben ^nftitute, freie 6om= munen unter 8d)ö)5^en unb 5Jlajoren il^rer eigenen SBa^l, in gran!= rei(^; fomie ber ^önig unter ber Oriflamme, ber f^a^ne öon (5t. S)em§ ein SSejug, meldjer ber toa^re Urf^jrung biefe§ 9lei(i)§= bannerS 3u fein fd^eint, fo ^ie^en aEe Kommunen, jebe unter ber Saline i^re^ Drt^l^eiligen, mit il^m in§ f^elb*). ^n ßaftilien Ratten bie ©tobte f(^on im ^a^r 1169 um ilirer @treitbar!eit miEen ©i^ in ben 6orte§, unb bei ber Sd^lad^t öon ^aüaS erfd^eint i^re §ülfe ni^t ol§ bie geringfte. S)ie beutfd^en ©täbte enttoidelten fid§ burd^

1) «Stette au§ ©ottfticb t)on SÖigcoig b. 6id^I)otn, ®ejc^. ber Kultur unb Sitetatut b. neuern Europa L, ©. 82.

2) ^Prooemium abgebrurft in @id^l)orn, @ejd^. ber ßultur, ©rlöuterun^ gen, ©. 125.

3) ©abignt), ©ejc^ic^tc be§ gjömijd^en 9f{cci)t§ im ^Mittelalter III, 100. 121. Sismondi, Histoire des röpubl. ital. I, 373 au§ Caffaro.

4) Ordericus Vitalis bei Du Gange s. v. Commune. Velli, Hist. de France III, 93.

Einleitung. XXV

bie ^Befreiung öom S5ogt im !Oaui berfetben S^it bt§ ju felbftänbiöen ^ünbniffen^). Unter $eini-ic^ III. tüurben bie ettglifd^en ins ^arla= ment berufen^), gu @ot§(anb auf fd^toebiftfiem @runb uitb 35oben btü^ete 3Bi§bt). @enug, äugleiif) mit 9littettl§um unb Äreua^ügen ent= toirfette ]\ä) öom ^totben U^ 5um ©üben ber romamf(^=germanif(^en ^Jlationen gtei^eit unb SSebeutung ber ©täbte. Sßie bem 9littert:^um unfere eigentT^ümlidie ^oefie, fo fd^eint ben ©täbten unfere eigent!|üm= (id§e S3au!unft anjugel^ijren. ^n ber nämlichen S^^t ^<it fie fic§ öon bem flatteren ^ad^ unb bem ^aXbtxex^ ju jenem fd^önen ßbenma^ im (5|)ipogenftt)l burd^gebilbet , ber in bem ^Portal be§ 3)lünfter§ 3U Strapurg, in bem ^1)ox be§ S)ome§ p (ibln, in bem X^nxm 5u ^reiburg, in ber gan3en Äird§e ^u Harburg tjon 1235 unb in ben ßat^ebralen au 6iena, üiouen, ^urgo§ fid^tbar ift.

SGßeber an bem 9ftittertf)um , nod§ on ber ©nttoicfelung ber Stäbte ^aben anbere Nationen X^tÜ genommen. 5^od^ im Sfa'^re 1501 baten bie ütuffen ^u 5}lo§!au, i^nen einen ütitter, einen eifernen ^Tfiann, toie fie jagten, 3U fenben , unb ftaunten i^^n aU ein SBunber an. 2)ie 2;]§üren an ber ^^omgorober ßat^ebrale finb bon 5}kgbe= burger 50^eiftern.

^ebenfen tüir nod^ einer anbern @rfd§einung. äÖie bie S5öl!er= tüanberung bon ber SSilbung be§ ^aifert^^umS unb be§ $apftt^um§ begleitet toarb, fo ^at fid§ mit ben ^reu^aügen ber ^am^jf biefer beiben (Seujalten enttüicfelt. ift nid^t aEein ein ©treit be§ ^aifer§ unb be§ ^apfte§; er ^at augenf(^einlid^c ^ejietiungen auf alle S5e!enner be§ römifd^en ^lauben§. S)ie ©ntatoeiung <g)einrid§§ II. bon @nglanb mit 2;^oma§ SBecfet ift ilim in bem ^fntereffe ber ^äm^fenben unb in ber 5lrt ber SSaffen au^erbem böEig analog; bie Beiben f^ürften, bie beiben @eiftlid§en toaren berbünbet. 2lud§ übrigen^ ge^^t er aEe unfere 51ationen an. ^riebri(^ I. '^atte Sd^toeben in bem §eere, mit bem er 1158 nad^ S^talien äog^); ^aubtfäd^lii^ burd§ englifd§e§ Öelb tüurben bie ^ö^fte ^u i^ren ^äm^jfen in 5^ea^el in ben ©taub gefe|t ; mit ben (i5efd^id§ten ^onrabing greifen aud^ bie ein^eimifd^en S3er5ält= niffe bon ß^aftilien genau aufammeu^); ^arl bon ^njou, ber biefe Kriege enbete, tt)ar ber trüber be§ fran^öfifd^en ^önig§. fonnte nid^t anber§ fein, al§ bafe ber innere ^am^jf ben äußeren ftörte. ^it ^ed^t fefjute fid^ f^^'i^^i^i«^ !• ntitten in feinen italienifd^en Kriegen

1) Utfunbc öon 1255 in Sßogt'§ «R^cinifd^cr ©efd^id^tc I, 426.

2) QBoltmann, ©nglild^e ©ejd)id)te II, 121.

3) Stalin, @(^hjebijd)e ©ejd^id^tc II, 88.

4) 3'tQumer, ^ol)enftQufen IV, 586.

XXVI Einleitung.

mä) %]kn, tüo il^m bie Äraft, bie er in jenen üerfc^ttienbete , einen nja^r^arteren dlu1)m unb ein t)oEftänbigere§ (^iM genjä^rt :^ätte^). 'ahn anä) bie inneren @en)alten ^erftörten ftd^ felbft. S)a^ ^apftt^um glaubte fälfc§lid§ burc^ ben gatt ber ,g)o:§enftaufen an ^Jlad^t öen)on= nen ju §aben ; (sonrabin n^ar nod§ nid^t öier^ig ^ai)xt tobt, all in bie ©efangenji^ait ber jranaöfifc^en Könige fiel; feitbem ift el nie njieber ba§ alte ^^^apftt^um getüorben. äÖeld^e üon nnfern 9lationen toäre §iet)ön unberüi^rt öeBlieben ?

^lan !ann 6ei ben äußeren Unternehmungen atoei 3^iträume unterfd^eiben : ben einen, too fte in erfter i^rifi^e beginnen unb i^r ®eban!e aEe ^emüt^er bel^errfc^t, ben anbern ber fyortfe^ung, ber 91ac§n)ir!ung, ber Erfolge. SBirb bte§ bem ^unbigen bei ber ^öitn-- toanberung auj ben elften ^licf einleuchten, fo ift hd ben ,^reuä= ^ügen beinah nod) beutlic^er.

""Mä} bem S5erfaE ber beiben großen (Sett)alten, nac^ bem all= mäl)lic^en ©rialten be§ ^ntereffeg -Mer nacl) au^en in bem 14ten imb löten i^f'i'^^^unbert, entftanb in bem i^nnern unferer ^lationen, fo ju fagen, ein aUgemeiner ^rieg ^Eer gegen Wie. @ben bie 3ufammen= geljörenben ent3tt)eiten fic^ am ^eftigften. ^roben^alen unb Katalanen finb bon ßinem ©tamm; burc^ bie ^nf|)rü(^e t^rer dürften, ber Käufer ^njou unb SSarceEona auf 51ea^el verfielen fie bamall au? J3^a]§r^unberte in geinbfd^aft; in eben biefem ^am^fe trennten fic^ 9lea^el unb ©icilien. Portugal mar anfangt ein ßelien ber cafti= lifc^en ,^rone; feit ber 5luflöfung biefeg Sel^nüerbanbel fa^te burd^ ben ©tol^ beiber Sööl!er ein unbertilgbarer gegenfeitiger §a^ in il)nen SBur^el. Ueberbie§ ging bie ^artei ber ^^lunea unb Öamboa burc^ ganj (5|)anien : bie bürgeiiid^en Kriege mürben nur bann unb mann fonft mar umgefe^rt burd§ einen maurifdfjen unterbrodfien. ^n ;^talien bilbeten fid^ (S^uelfen unb ^ibeEinen^ bereu Flamen fd^mer= lic^ tjor bem Einfang bei brei^eT^nten ^af)x^nn't>ext^ entftanben finb^), ju jener (Sntsmeiung au§, bie ba§ gan^e ßanb, @tabt für ©tabt, beinal^ ^au§ hei §au§, trennte. S)urc§ ben S^^ft ber föniglid^en 6Je= fd^lec^ter, nid§t mie frülier über einige Selben, fonbern über bie .^rone felbft, mürben f^ranfreid^ unb @nglanb ju ben l)eftigften Kriegen ent^ünbet; ba tüarb anfangt f^ranfreid^ bur(^ bie englifd^en Söaffen unb eine grofee englifd^e Partei, barauf @nglanb unter ben geid^en

1) ^aumn an^ Ricobald. II, 411.

2) Muratori de Guelfis et Gibellinis, Antiquität. Ital. IV, 607, 608.

Einleitung. XXVII

ber rotten unb tcei^en 9tofe zerrüttet, ^n 3^eutf(^lanb ftritteii Stämme unb @ef(^Ie(^ter nid^t minber. ©rfjtüaben unb ©c^toeiaer finb Beibe 5l(emannen; nun verfielen fie in eine töbtlii^e ^^einbfc^aft. Ceftreic^er unb S3aiern finb beffelben ©tamme§: bie (5(^lad)t öon ^}Jlüf)lbor| geigt, tüie tnenig fie beffen eingeben! tnaten. f^ranfen ^tx= fiel in ben @egenfa| ritteflii^en unb geiftlic^en S5eft^t^ume§. Kriege um bie ©rBfolge, Mege ber Minber gegen ifiren Sßater, ^rubet!riege öertüüfteten 2;§ütingen unb 5[Rei§en. SSranbenButg unb ^ommem waten Beibe t)on fäc^ftfc^en ß^oloniften Betno^nt; aBer bie Sln^Drüc^e ber BranbenBurgifd^en f^ürften an ha^ ßanb ber ^ommern n)urben än)if(^cn i:§nen sunt großen 5lnfto§, unb in ipommerfdjen ß^ronüen mirb ber 9Jlär!er ftet§ mit 5lBneigung gebac^t. ^iegu !am bie @r= ^eBung ber f^ürften toiber bie !öniglic^e ^etoalt, ber ßanbfaffen toiber bie fürftlic^e; tüo man reic^gunmittelBar toax, ber ütitter wiber bie Btähk, in ben ©tobten ber Sünfte toiber bie (S^efiiilei^ter. €ft toar bie ^rone ftreitig. S)a finb nid^t aEein S5öl!er unb ©tämme/ Staaten ober ÄaBinette, toeld^e öffentlid^ l^anbeln, fonbem @e|(^led)ter, 6or|)orationen, bie ^ingetnen, an feinem ^^'^eil auf jebent $un!t ein jeber, fo gut er !ann.

^n biefem 3uftanb , follte man glauBen, toerbe fid» bie ©in^eit faum eine§ Üteic£)e§, biet Weniger ber ^efammt^eit unferer ^Zationen, erhalten ^aBen. 2)ie Partei trennt, aBer fie öerBinbet aud^. S5or= 3ügli(^ greifen bie englifd§=fran5öfifd)en Kriege in bie üBrigen S5er= ^ältniffe ein unb !nü|)Ten fie 5ufammen. 3öa§ fd^eint Weiter t)on einanber, al§ ber 5Iufru^r unterbrüctter ©(Rotten miber bie @ng= länber unb ber .^ampf 5UBred^t§ unb Slbolfg um bie beutfd^e Ärone? 2)ie ©d^lad^ten öon ^amBug ,^ennet§, in ber bie ßnglänber unter= lagen, unb üom ^afeuBül^el , in ber 5lboIf fiel, Beibe 1298, l)ängen bennot^ genau gufammen : 3IlBred§t War mit ben f^ran^ofen unb bur(^ fie mit ben ©(Rotten, Slbol} mit ben ©nglänbern üerBünbet. S)ie englifc^e ^artei in ßuro^a unterlag in Beiben ©d^lad^ten. 3)er ©treit awifc^en ßubwig bem ^aiern unb l^arl t»on ßu^emBurg um biefelBe beutfcfie Ärone Warb nid§t foWo'^l in S)eutfd^Ianb , al§ burd^ bie Sc^lad^t t)on trefft) entfc^ieben. >^ura öor berfelBen ift ^arl t)on iJier 6f;urfürften in aEer ^racf)t auf ben ,^önigftu]§l er^oBen Worben; gleid^ na dl) berfelBen feine Partei, bie fran^öfifd^e, :§atte Verloren fe^en Wir i^n of)ne 5lnfe^en unb Gewalt nad^ 35öf)men aurürfeilen; ÖubWig aBer ftfiiÄt unb empfängt feierlid^ englifd^e (Sefanbtfd^aften^).

1) Albertus Argentinensis ap. Urstisium II, 139.

XXVIII einlcitung.

^n bem i^ntereffe biefer Beiben ^arteten unb l§au|)tfä(^(t(^ mit i^rer .^ülfe fül^rten ^^eter bei* ©taufame unb §e{nrtd§ tjon Sra^tamar il^ren Ärieg über bie ^öniggtoürbe t)on (^aftilien. ^a $eter§ ^eij ben jc^njaraen ^rin^en, ber il^m ge'^olfen, ju bem ^^oagtum nötl^igte, bas f^oagium abtx beffen S^afatten 3ur Unäufrieben^ett antrieb^), tüorans ber SBerfatt ber englifd^en 5Jlac^t in ^ronfreic^ !am, |)einri(^ bagegen mit ben gran^ofen in @t)anien fiegte, fo tann man fagen, ba^ ber Um= fd^Iag be§ englifd§en ^Iürfe§ in ©Manien erfolgte. S)ui:(f) anbere fyäben fangen biefe ©efd^id^ten mit T§oEänbifd)en unb gelbrifc^en, mit aragonifc^en unb farbinifc^en, mit tienetianifd^en unb genuefifdien 5U= fammen ; an eine S^folirung ber S^ölfer im 55littelalter, t)on ber man jo öiel rebet, ift l^ienad^ nic^t ju glauben.

©elbft gro§e geiftige ^emegungen ge^en mitten burd^ fie ^inburi^ unb sengen bon i'^rer inneren ©inl^eit; um ba§ Sa'^r 1350 finbet man, faft ti»ie in unfern Sagen, ein aEgemeine§ (Streben nad^ erneuten S5er= faffungen. 3Jlan Bemerfe, ba^ bamal§ mar (1347), ba^ 6ola ütienji, ber Eiferer S^talienö, ben guten alten Quftanb, toie er nannte, ba§ ift eine 5lrt repubütanifc^en ütegimente^ 5u 9tom, in ber %f)ai T^erftettte; bamal§ (1356), t>a% fid^ Pebejer unb 5Doge bon 35enebig ^u einer S5erfd^toörung miber ben 5lbe( bereinigten, um in einer ^orbnad^t i^re alten 9ted§te l^er^uftetten, unb 3U berfelben S^it (1355) , ba§ in f^ftanfreidC) eine erfte ©tänbeberfammlung ^mar mit bem ^önig ju leben unb äu fterben berf^rad^, aber feine Üted^te nid^t menig befd^ränfte, eine ^meite üteformen »erlangte unb eine ßifte bon 22 ab3ufe|enben ^oT^en ^erfonen eingab , eine britte enblid^ eine böEige üiebolution einleitete unb ben S)au)j]§in t:^re rotl) unb grüne ^ü^e aufäufe^en amang^). S)iefe SBemegungen maren gefe^mibrig unb borübergel^enb. 5lnbere, ^u ber nämlid^en Seit, l^ielten fid^ in engeren ©d^ranfen unb l^atten bleibenbere folgen. ;^n 3lragon er= l^ob fid^ (1348) ftatt ber gemaltfamen ^ad§t ber Union 'i>a^ gefe^= mäßige 5lnfe^en eineg S^ufticia^). S)amal§ auerft (unter ©buarb III.) brangen bie Gemeinen t)on ©nglanb auf eine S5erantmortlid^!eit ber föniglic^en Sflät^e, unb bieEeid^t maren eg ä^nlid^e geiftige SSemegungen in S)cutfd^lanb, meldte (1356) .^arl ben IV. ba§ ©runbgefe^ be§ beut= fd^en 9lieid^e§ auf ^a^rl^unberte ]^inau§, bie golbene ^utte, ju geben beranla^ten: menigftenS fallen bie erften S^ereine ber ßanbfd)aften 3U ßanbftänben, in S3raunfd^meig , in <Baä)]tn (1350), in anberen

1) Le Premier volume de Messire Jehan Froissart f. 186.

2) Villaret, Histoire de France. Tom. IX. bon ©. 147 an.

3) Hieronymi Blancae Rerum Aragon. Commentarii, p. 810.

Einleitung. XXIX

Sierritorien in biejelbe S^tt^). 6oEte bieg 3ufammentreffen 3u= fäEig fein? 3)ie gemeinfc^afttic^e ©nttrirfelung unferer ^lationen tüirb biefelben ^been mit 5^ot^tt)enbig!eit in i^nen ^erborgernfen l^aben.

bitten in biefen S5elt)egungen gebadete man inbeg immerfort fo= tüie nod^ äutüeiten ber alte 3ioift ätüifd^en Ifaifer unb $a|)ft nad§= toirfenb ert) ortrat , be§ ^orgenlanbeg unb einer aEgemeinen Unter= ne:^mung gegen bie Ungläubigen. Oft ermunterte ber $apft baju; burd^ 9ftomane, ^Jlä^rd^en unb S5olf§Büc§er tüarb bie aEgemeine 5^ei= gimg äugleic^ auägef^roc^en unb genährt; im 14ten;^a5r5unbert glaub= ten bie ^aftoureauj: in f^ranfreid^ unb (Snglanb , bie Eroberung bee ]^eiligen ßanbe§ fei an bie §irten unb S5auem gefommen, unb Brachen baäu auf^); nod^ äu @nbe be§ fünf3e:^nten, im ^a1)xt 1480 ^^efteten ftd§ biele 39ürger öon ^arma ein rotl^eg Äreuj auf bie Sd^ulter, mit ber S3er^flidf)tung gegen bie Reiben ju fäm^jfen^). Sßorne^mlid^ in ©|)anien unb Portugal, n)o ber ^aurenlrieg in getüiffen 3^if(^en= räumen fortgefe^t tuarb unb enblid§ p einem Eingriff auf 5lfri!a fül^rte, blieb ber @eban!e ber ^reu^^üge lebenbig.

3.

Slu§ eben biefem @eban!en entf^rangen bie ^flanaungen. S)a^ nad^folgenbe ißuc^ tüirb jeigen, mie bie erften (Sntbedungen unb Kolonien mit bem ^aureuMege auf atoeierlei 2ßeife ^ufammen^angen, @ten§ burd) bie Unternei^mungen auf Wixita. tion foeldj)en Jter ^lan aufj^nbien au^ng^^^meiteng burd^ ben ^ban|en^ hn^ (^'^riftej^t^^uffl ^u__bertl)etbTgm imh ang^ufireifm ^TjpJjT^lijStfH bpv ^prtltQJpfpn U- gießen fid^ unmittelbar auf ben TOttelbunIt beg arabtfdlien.@lauben§ : fie tüoEen ^erufalem an ^O'leüa rädfien; i^re ©iege finb nod^mal§ in bem (Snt^ufta§mu§ ber S^erufalemfal^rer erf ödsten morben*). S)ie fpanifd^en Unternel^mungen bagegen, ba fie miber .Reiben unb nidf)t toiber ^O'lu'^amebaner gingen, l)aben me^r bie S^bee ber norbifd^en ^eu33üge erneuert; eine ©d^enfung be§ $a))fte§, eine @r!läxung, „ber f^feinb muffe jum ß^riftentl^um Belehrt ober ausgerottet merben", entl^ält ba§ ganje 9ted^t ba^u'*^). 5lud^ bie dauern, tüeld§e SSartolomeo

1) ei(^l)otn, 2)eutfd^e Btaai^-. unb 9lec[)t§9ejd)ic^tc III, §. 424 not. d. f.

2) 5Liefe§ 35ud^ ©. 43.

3) Diarium Parraense b. Muratori, Scr. Rer. Ital. XXII, 349.

4) Chronicon Monspeliense bei Du Gange s. v. Pastorelli.

5) (Itflärung ^oieba'i bei 9lobettfon, @efd)id^te t)on ^atmerifo 1, ©. 516.

XXX (Sinlcitung.

be Ia§ (^afag-au einer irieblic^eren Unternehmung md) 6:nmana führen n^oHte, trugen ein jeber ein rot^eS Äreua^).

^^ ^n ber Zt)at Bilben in ©Manien unb Portugal S5ölfertt)anbe= rung, ^reujsüge unb ^flanjungen nur ein einziges in feinem ^ange aufammen^ängenbeS ©reignig.'^ 5£)ie ^oBIacionen, tüie fie öon ben afturifd^en SSergen bis an bie anbatuftfc^en unb afrifanifd^en ,^üften gebogen, n)ie fie noc^ 1507 in 5llmeria, 1512 in Dran t)orgenommen toorben , beginnen nun jenfeit be§ atlantif(^en 5[Jleere§ ^) ;'^ie ©panier rü:§men nid§t§ fo feT^r, aU bag fie bafelbft ftatt barbarifd^er fSölUx, tüie fie fagen, bie @öl^ne unb ^b!ömmlinge erlauchter caftilifd^er Käufer angepflanat Traben ^)/ ^ie fünf TOttionen meiner ^enfc^en. bie man bafelbft gä^lt, finb n)al§re' ©^}anier. ^ine ^iEion ^ortuctiefen tPol)nt in ^raftlien ; eine nid^t biel minbere ^Inja^l, obtt)o]§l entartet, fonn man n^d^ an ben afri!anifd§en unb oftinbifd§en lüften unter= fdl)eiben. (@o ftarle j^an5un£en_ lönnen mol^l al§ äöanbeningen angefelien toerbHT^gtl^ianjere ^vbee ,"'m^ Solbmfationen be=^

(eStmibbie fie muSen^reu^^ügen gemein hoMi, ift ^biejli^^^xe^ tung beg 6^riftentl)umg.X@in^britte ift jl^nen eigen unb unter= ' f'i^eibenb für fie: bie ;g^bee ber gBeltentbecfung .^ an unb für fid^ einer ber größten , %a^ menfd^lid^e (^ef(^led§t unb bie 6rbe umfaffen= ben @eban!en; gefDrb£ci^^unbgenä^ murhe er bon ber ^egier^. Tw^^J^PTr__g^t^ljtr3pn ."^tiWtPns nocf) bem ^olbe ^merifa*g. na(^ ben $erlen ber unbefannten ^eere. bon bem fmtereffe be§ ^anbelg^).

" märe unnötT^ig, bie allgemeitie 2:!§eilna§me unferer S5ölfer an biefen S)ingen (ber Italiener menigftenS an ber ßntbecfung) ju ent= micfeln ; unnötl)ig, meitläufig ju bemeifen, ba^ fie i^nen auSfd^lie^enb eigen finb. ?lnbere 5^ationen ^aben biefe ^eftrebungen bann unb mann berührt, in ber 2:§at aber anbere TOffionen berfolgt. S)ie ©in^eit eineS 35ol!e§ !ann fic§ nid^t beffer äeigen, al§ burd^ eine gemein= fc^aftlid^e Unterne^^mung ; moburd§ !onnte hk (Jin^eit unb 3ufammen= geljörigfeit mehrerer SBölfer, mie ber unfrigen, fi(^ beffer betl^ätigen? ^ie Unternehmungen, bon benen l^ier gerebet morben, burd^ mie lange ;3[al)rl^unbcrte fie fid^ aud^ äie^en, finb iljuen aEen gemein: fie üerfnü^jfen beibeS, bie 3ßüen unb bie S^ölfer; fie finb, ba§ iä) fo fage, mie brci groge ^It^em^üge biefeS unbcrgleicl)(id§en 3^ereine§.

1) Oviedo, dell' historie dell' Indie Hb. XIX.

2) Oviedo, Historia de la conquista y poblacion de Venezuela. SBgl. ©d^äffer, 23rafilien, ©. 32.

3) Sandoval, Historia del Emperador Carlos I, 189.

oSi|ic5 '^udß.

ö. 3lonfe'§ aöerle XXXIII. XXXIV. «Rom. u. gei-m. SSoIter. 3. Slufl. 1

Säße tson ^xmlvtxäi itnb bon Stttlien. Äotfö VIII.

1. f^ranlreic^ unb Äarl VIII.

SBä^renb be§ TOttelalterS falben bie ßa^ettngen gran!reid§ Stüetmal erobext. S5on intern .^er^ogt^unt grance Gingen fte au§; fie blatten mit ben (Subonen bon SBloi§, mit ben $Iantagenet§ t)on ^Injou gn !äm^fen unb toaten einmal auf aEen ©eiten öon ber @ee!üfte aBgefd^nitten ; aBer ^^ili|))) Stuguft nal^m bie norbfran3öfi= |(^en, Subtoig ber |)ei(ige hk :^)roben5aIifd^en Sefi^ungen ein, unb $:^i(i^|) ber @d§öne untertoarf feiner tone ben ^apft. S)a§ tft bie erfte (SroBerung: burd^ ben geraben ©tamm §ugo (^aptt^. 51I§ berfelBe auggeftorBen Ujar, tüurbe ba§ üteid^ 5mif(^en feinen männ= lidfien 5lB!ömmIingen , ben S^aloig, unb ben toeiBIid^en, ben Königen tion ^nglanb, ftreitig. Äönig ©buarb III. öon ©nglanb Befa§ einmal l^alB gran!rei(^; ein anber 5D^al ^atte einer feiner ^lad^folger, §ein= ri^ V., ^arig unb bie ^rone felBft inne. !ann aU eine ^toeite ^oBerung Be^eic^net n:)erben, ba§ ^arl VII. bon 5ßaloi§ ber @ng= Idnber toieber ^eifter tüurbe. S)ie Jungfrau öon Orleans ift getüefen, toelc^e bemfelBen ben 2öeg jum Sieg eröffnete; fie ^at xf)m ßt)am|)agne mieber öerfd^afft; aBer bie §au^tftabt, bie 5^ormanbie, ^uljenne unb bie boEfommene OBerl^anb öerban!te er ben ^erjogen t)on ^urgunb unb ^Bretagne.

^erabe bie ,g)ülfeleiftung ber großen S5afaEen l^atte bie Sotge, ba§ ber ^önig bod^ nic^t ööEig ^önig tüarb. Subtoig XI. , ber ba§ ju füllen Befam er mu^te einft !ommen unb bie Betüaffneten

1*

4 ©tfteS S5uc^. erfte§ Kapitel.

SBarone um ^rieben Bitten , 16efd§lo§, ftc§ in öoEen S5efi| ber fönig- Itd^en 6ett)alt ju fe^en. ©r toar fe^r argtüöl^nifd^ , fe^r !Iug unb fd^arf genug baju; bieg i^ätte i:§n abex nid^t 3um ^^ide geführt, toenn nid^t toie burd§ ein göttlid§e§ @efdf)i(f bie §eraoge t)on Sperrt), bon S3urgunb, öon ^Injou unb bon S3tetagne fämmt(i(^ o:§ne ©ö^ne geftotben toären. 2)en erften, feinen SStuber, Beerbte er ol^ne 2öiberfprud§. gür bie @rBin be§ ^tüeiten !onnte iT^r @ema^l ÜJlayimilian bon Defterreid^ S5urgunb unb bie ©ommeftäbte nidi)t Be'^aulJten; um f^rieben ju ^aBen, mu^te er üBerbie§ bie SSermä^lung feiner 2^od§ter ^argaret^e mit bem S)au|)!)in Betoittigen unb 3uglei(^ aU <g)eiratl§§= gut berfelBen 5lrtoi§ unb bie freie @raff(f)aft ben granaofen üBer= liefern. S)er britte nun, |Ren6 öon ^Injou, ber fid^ ^önig bon brei ^önigreid^en , -^erjog bon brei .g)er(^ogt^ümern , (55raf bon brei @raf= fd^aften nannte^), ^ätte too^I bie Sauber, bie er in ber 2;^at Befa^, unb feine 'iRzä)k auf bie übrigen an feinen @n!el Sftene ton 2oVt}= ringen Bringen !önnen; aBer er felBft toar nid^t bafür. (Sinft ^atte er ßot^ringen an 5lnjou 5u Bringen ge'^offt unb nur, toeit er ge= fangen toorben , jene t&eirat^ feiner Sod^ter jugegeBen , bereu grud^t fein @n!el toar. ©oEte er nun fogar feine angeftammten ßdnber an ßot^ringen fommen laffen? 5£)iefer junge gürft tooUte ja nid§t ein= mal fein lot^ringifd^eg 3Ba|)|)en mit bem bon ^Injou b ertauf (^en^). ^DH^t) ergnügt hierüber, fe|te 9tene feinen 5^effen Äarl, toeli^er 5flamen unb äöapben öon ^Injou trage, p feinem (SrBen ein^); biefer aber, ber aud^ !eine SeiBe§erBen ^atte, 1)ai fieBen ^df)Xi barauf, toie bie Ur!unbe fagt, um Öotte§ unb ber ßiebe miHen, bie er 3U ^önig Subtoig, bem ©ol)ne feiner S5aterfdf)iDefter , ^abe, eBenbem= felBen bie ©rbfd^aft aEer feiner ^önigreid^e, ißeft^tpmer unb 9ftedf)te übertragen*), fo ba§ bie Gebiete bon ^robence unb ^Injou unmittel= Bar an bie ^rone !amen.

3ll§ ba§ ^iftorifd^e ßreigni^ !ann man Betrad^ten, ba^ bie großen ße:§englanbe im ©üben unb Often im ®egenfa| mit ben Be= nad^barten t^ürften, bie bem beutfd^en 9fteid^e angel)örten, mit ber franjöfifd^en Ärone bereinigt tourben. 5^ur nod§ SSretagne toar übrig; unb Bereite ^atte Subtoig bie 9fted§te ber ^ent^^ieore an ba§

1) Pasquier, Recherclies de la France VI, p. 557.

2) Garnier, Histoire de France T. 18, p. 462, qu§ le Grand MS.

3) Jeflament in ben Preuves ju Comines II, 118.

4) Extraits du Testament ebenba 182.

gfranftetd^ unb Äarl VIII. 5

Sant) , biefelBen , toeld^e fd^on einmal einen großen englifd^en ^rieg 3um 2;i§eit öeranta^t, feinem ^efd^lec^t burd^ ^au] ertoorben^).

5(ber biefe le^te ^urg ber S5a|attenma(%t 5U bett^eibigen , t)er= einigte fid^ Submig bon Orleans, be§ minberjä^rigen ÄönigS ^ar( näd^fter 5lgnat, mit ben S3retagnetn unb aEen inneren unb au§mäx= tigen f^-einben beffelBen. S3ei @t. 3lubin ^atte er jebod^ Bereits ba§ f^elb Verloren unb fa§ in S5ourge§ gefangen; fo toeit toar e§: ber 5lufru^r 3tt)ar 16efd§tt)ic§tigt, hoä) nxä)t erfti(it, SSretagne jtoar befiegt, aber auf§ neue au ben Söaffen fertig unb mit ben brei mäc^tigften IRad^bam ber ^ran^ofen in ©ngtanb, 5lieberlanb unb Spanien im «Bunbe, at§ Äart 19 ^a^xe alt marb (1491) unb ein ^ex^ äu faffen unb fein eigner .^err fein 3U tüoEen anfing. @r Bezeichnete feinen 9ftegierung§antritt mit einer unertü arteten großartigen ^anblung. @ine§ 5lBenb§ ritt er bon ^(effi§ gegen ben 3:i^urm bon S5ourge§: er ging, ben gefangenen ^er^og p Befreien, unBelümmert barüBer, baß berfelBe bie Söaffen gegen i^n getragen; er na^m i'^n mitfic^^). ©ie frf)tt)a^ten unb lachten Bei 2;if(^e ^ufammen unb fd^liefen bie 5lad§t auf ßinem S5ett^). @r ^atte ha^ too^l ertüogen: „fo toerbe er ein guter S^ürft ^u nennen fein, fo toerbe er treue 2)iener l^aBen/' Unb bamit machte er bem alten Mege ber SBarone mit ber ^xone ein @nbe. @ogleid§ l^ierauf t)erBanben fic^ Orleans, ber ßonnetaBIe unb t)iele @roße, nid^t me^r, toie einft, 5U bem öffentlid^en, ba§ ift bem Söo^le ber S5afaEen, fonbern bem Könige ^u @ute unb 5U 5Dienften. S)a§ aber Bahnte ^arl ben äöeg jur ßroBerung bon S5re= tagne. £)unoi§ unb anbere f^reunbe be§ Söefreiten ^ogen t)or Orleans unb tüanbten fid§ an 5lnna, bie (SrBin Don Bretagne, bie mit ^aji= mitian öerloBt mar unb fi(^ fd^on .Königin ber Sftömer nannte*), „©ie fteEten xf)X üor, baß feit Maximilians erfter S5ermäl)lung mit Maria öon 23urgunb im Sanbe berfelBen feinen 3:ag f^riebe getoefen unb fein 3fleid§t^um ben S)eutf(^en äum SflauBe getoorben fei; nod§ größeres Unglüdf Bei fo meiter Entfernung fte:§e ben S3retagnern Be= tjor.'^ ©ie Betüirtten, baß ^nna an ^arlS §of 5U ßangeaiS !am, bie Urfunbe unter^eid^nete , burd^ meiere au etoigem SSunbe unb ^rieben atoifdfien ^rone unb ^er^ogt^um fie i^m aEe i^re üled^te an le^tereS übertrug unb er il^r bie feinen. S)urd^ S5ermäT^lung mit bem Könige

1) Garnier au§ le Grand Ms. XVIII, 452.

2) Extrait d'une histoire de France bi§ 1510 bei Th. Godefroy, Charles VIII, p. 165.

3) Extrait d'une histoire de Louys b. Godefroy, p. 375.

4) Ms. t). Brienne bei Daniel H. d. F. IV, 478.

6 @rftc§ 33ud^. erfteg (Kapitel.

tourbe fte Königin öon gxanfreid^ ^). 2)en Xag, a(§ bieg q,t]ä)a1), unb e^e man eg erfa^^ren, fa:^ man, toie erää^lt toirb, ^Jlargaret^e, U^^tx Äatl§ iBraut, traurig im Slmboifer ©arten ein^ergel^en. Sie fagte il^ren 3ungfrauen , fie ^abe im SIraume einen fe^r glän^enben unb fe^r großen ©betftein ju Verlieren geglaubt^). 5^un toar fretlid^ für fie ein großes ^ifegefd^itf, aU fi(^ geigte, ba| ber @belftein bie Ärone öon f^ran!rei(^ bebeutete; aber toa^ !onnte bieg ben 9ftat^ t)on f5ran!rei(j§ fümmern , toelc^er fanb , bafe auf ber S^ermäl^lung ^arlg, nid^t mit il^r, fonbern mit ?lnna ber innere i^iuht beg ^önig= reid^eg beruhe? S)ie ^erfönlid^en SJer^flic^tungen traten t)or bem ©e= banfen ber S5oIIenbung be§ fran^öfifcfien üteid^eg unb feiner ©in^eit 5urü(f. S)ie terle|ten 5flad§barn traten gleid^tool^t ni(^t§ bagegen^): ber erneuerte ©ebanfe ber ©in^^eit Don ^xantxtiä) tarn i^mn in ge= ttjiffer äöeife felbft ju gute. 5Jla jimitian f(^Io§ feinen Srieben ^u ©enlig, aU er 5(rtoig unb bie freie ©raffd^aft mit feiner Soc^ter mieber be!am. .^einricC) YII. ging, huxd) eine ©elb^a^lung befrie= bigt, nac^ ßnglanb prütf. 5l(§ au($ ^önig gerbinanb bon (Bpa= nien benn Äarl, öieEeid^t ben l^eiligen Subtoig öor klugen, tooHte ni(^t mit frembem @ut belaben fein Ütouffillon aug ber S5er)3fänbung toieber empfangen unb ]§ierauf berfproc^en ^tte, er tooEe fein <&aug toeber mit .&einrid§, noc^ mit 5!}lajimilian, nod) mit bem nea^)olitani= fd§en öerbinben *) , aud) biefeg, vorbehalten ber Mxäjt Ütec^t, !eine§= toegeg unterftü^en; a(g ber alte ^unb ßaftilieng mit i^ran!reid^ er= ncut toar, Äönigg mit ^önig, ßanbeg mit ßanb, 5)lanneg mit ^Ilann^), blatten bie gran^ofen ^um erften ^al mieber tJoIIen ^rieben. 9}lan !ann fagen, ba§ nun erft \)k gtoeite Eroberung beg gefammten Sanbeg burd§ bie S5aIoig üoEbrac^t toar.

S)a äog .^arl in f^reuben burc^ bie Ortfd^aften , bie fid§ aug tt)üften ^(ä|en öerjüngten, nad^ ben ©täbten, bie aud& toieber au^er= l^alb ber ^Jlauern anzubauen toagten. ^n ben erften 30 3a^ren nad^ ßubtoig XI. ift faft ber britte %1)dl ber Käufer im ^önigreid§e neu gebaut morben, äugteid^ mit S5orrid§tungen für beninnern SJerfel^r^).

1) Contrat du mariage in ben Preuves 5U Comines II, 278.

2) Pasquier, Recherches, p. 586.

3) ^tc politijdjen 93erl)ältniffe, toie fie im ©ommer 1492 eintraten, tjai biß ältefte benetionifc^c 'ütdaiion üon S^^^^^^(^ ßontarini gcfd^ilbert. SicTgt <B. m. S3b. XII, ©. 34. (5lnmerfung ber neuen 3Iu§gabe.)

4) Zurita, Historia del Rey Don Hernando f. 6, 13, 18.

5) Comines, M^moires ann. 1682. I, p. 581. Corio, Milanes. Ge- schichte, p. 899.

6) Claude Seyssel: Louanges du bon Roy Louys XII, p. 128.

I

^xantxiiä) unb Äarl VIII. 7

3toar ber arme SSauer, ber Bei großer f^mditBarfett nid^t treuer t)er= faufen fonnte, l^atte 5!Jtül§e, toenn ber ^inne^mer !am, ben ^fenniö aufäuBringen , auf ben er gef($ä|t toar^); inbe| brauchte er bod§ tüeber t)or ©nglänbem nod^ öor Betüaffneten ^^i^anjofen, tote früher, feine <g)abe in bie ^ird§e ju ftüi^ten unb fein S)orf au öerlaffen. 2)iefen getoä^rte ber ^önig (Siefe| unb 9te(^t; mit bem 5lbel in feinem 2)ienfte lebte er. toaren bie ^äupter ber großen Käufer, bie am §ofe erlogen n)orben^), neben i^^nen pufig bie än)eiten @ö^ne au§ bem nieberen 5lbet, fo t)iete toeber erbten noc^ @eiftli(^e merben moEten^), bie in einem Vornehmeren §aufe, bei einem guten bitter, ben fie fi(^ gemä^It, Bei einem ^au^tmanne, bem fie ber ^önig übergeben, nid§t eben 2Cßiffenfd§aften , bie fie nid^t acfiteten, aber laufen, ringen, werfen, reiten, SBogen fc^ie^en, über^au:bt hit Sßaffen fül^ren gelernt*), ^n i^nen entmidelte fii^ ba§ freie 9flitter= mefen p regelmäßigem, fc§on jum 2;^eil folbatifd^em 2)ienfte. äßir finben fie t)orne:^mlic§ in ben @ren3plä|en, in ©efeEfc^aften bon 30, 50, 100 5Jlann, unter einem ^rin^en ober §errn, ber bem 5lufmanbe gen)ac^fen mar unb, toenngleic^ er einen ©olb empfing, bo(^ ge= möl§nli(f) fein S5ermögen im Siienfte öermanbte; ein jeber ^atte ätoei (5d§ü|en, einen jüngeren SBurfd^en, ber bei i^m ertt)uc§§, unb einen Wiener. 2)iefe gingen aEe mit 5U j^dht^). ©ie gießen §omme§ b'5lrme§. ^m fV^'i^^ß^ f^^te einer ^äufig, feiner S)ame ju @^ren, einen $rei§ au§ unb lub aEe ^lai^barn ju einem furnier ^ufammen. Man ftritt babei lieber in ganzen Raufen, al§ einzeln; faßen ütic^ter: nac^ 2;ana am Stbenb unb ^Jleffe am Morgen marb ber ^rei§ ert^eilt. Rubere burd^^ogen mo^l 6|3anien unb Portugal, ^nglanb unb ©d^ottlanb , um bie %ap]txtdi i^rer 5^ad§barn 3U erproben. 6ie !amen fid^ eben t)or mie ein San^elot ober Sriftan melt^e fie mo^l !annten , il^r Äönig mie ein Slrtug, ober mie ber große ^arl ber ©age^); biefe geiftige unb frifd^e QSemegung gab bem fran^öfifd^en ^bel einen neuen ©d^mung. Unter i^nen

1) gottfelung be§ «Uionflxelet, 2:1). III, p. 249. MacchiaveU, Ritratti della Francia, p. 161.

2) XtentouiUe'S Seifpiel in ben 3Kemoiten, p. 121.

3) S3Q^atb8 SBeifptel beim loyal serviteur, eh. 2.

4) Chartier l'Esperance, p. 316. ^Inmetfungen gu Strem. 5Jienioiren, p. 265, unb Castiglione Cortegiano, ed. Venet. 1587. I, 81.

5) .^auptfteHen Ui Marineus Siculus Hb. 13, p. 428, unb bei ^Jion* ftrelet, III, 32.

6) SBeifpielc in SBa^orb unb 6rpitt^'§ Supplement ä l'histoire du Che- valier, p. 443.

I

8 erfte§ S5ud^. ©rfteS (§.apM.

50g ber .^önig öon 5lumter ju jlufmer: in tl^tem ©inne nannte er feinen ©o^n .^art ütolanb; unb tou fte benn 5lEe Suft p neuen Unternehmungen Tratten unb @r aud§, fing man i)on einem 3uge nacf) 51ea))el 3U ftjred^en an^).

§atte nämli($ ^arl öon S^ugenb an gel^ört unb geglaubt, 9leapel, burd^ bie ^b Option Beiber ^ol^annen ein ©rbt^eil be§ ^aufe§ ^Injou, fei ifim öon 9tec§t§toegen mit ber ^rotience 3ugefaEen, fo !am bamal§ ein @enue(e an feinen .!pof, 5lamen§ ß^alöo, ein Wiener ber Königin, mit bem Steftament ber jüngeren ^o^anna, ba§ er in ber 35erlaffenf{^aft feineg S5ater§ gefunben, n)e(^e§ jeben Stt'eifel t}oh^). 35or boEer S5erfammlung ber ^rin^en öon Geblüt, ber @ro§en be§ üleid^eg erfc^ienen einige Ferren öom Parlament, einige S)octoren ber ütet^te unb Beftätigten feine @ültig!eit^). S)er SSaftarb be^ aragonefif(^en Eroberers, ber ben nea^3oIitanif(^en Stl^ron inne= ^atte, mürbe al§ llfur|)ator angefel^en. (5c§on lange mar f^ürft 5(ntoneEo öon ©alerno , t)on ^Zeapel flüchtig , im Flamen öieler an= bereu ©eflüd^teten am fi-'a^äöfifd^en §ofe; fagte er nur bie 3ßa^r= ]§eit baöon, mie graufam unb tnie t)er^a§t ber 5lragonefe fei, fo mu^te ba§ ben jungen ^önig 3U ^3}^it(eiben unb Hoffnung Bemegen. Seit einiger 3^^t mar auc§ ber ßarbinal Sfulian Stöbere zugegen, ber bor bem ^ap^t unb ben 3lragonefen geftol^en, aber no(^ f^eften unb ^luT^änger im ^irc^enftaate ^atte; aud^ er trieb ben jungen Äönig 3U ber Unternehmung gegen 5'leapel an. ®en 5lu§ftf)lag gaben be§ S3ermefer§ bon 5Jlailanb, ßobobico^g be§ 5Jlol§ren, SSoten unb S3riefe. „SBie lange miEft bu" , fd^reibt er*), „ba§ (^xU^dl beiner ^rone al§ eine Seute in frember §anb unb ben fran5öfi= fc^en 9tamen in S5erad)tung laffen? 3)ein fSolt ^u ^leaptl ift unter= brüctt unb ruft bid§ ; i(^ fte^e bir mit ^elb unb SBaffen, mit Wann unb 9to§ bei; §alb Italien ]§ilft bir, (Bott felbft. (Bürte bid^, SSer^ug ^at immer gefd^abet. Unb gebenfft bu nid^t, ,^arl, beineö großen 3}orfa^ren, ber bon biefem .^önigreid§ au§ ben ^rieg miber bie dürfen p beginnen riet^? 2)u fe^eft bon S3rinbifi na(^ 5lmlon; bu erbrüdfft bie .dürfen, bie eben miber bie Ungarn 3U gelbe liegen, el^e fie nur toiffen, ba^ bu !ommft; bu eroberft hu l^eiligen ßänber, mo beine 3ll)nT§erren einft gefiegt, 2txu]aUm felbft, gu ber 6;i§riften=

1) Histoire de Charles VIII bei Godefroy 172.

2) Senarega, Annales Genuenses Ui Muratori XXIV, p. 537.

3) Carl Balbiano an Lodovico bei Rosmini: Vita di Gian Giacomo Trivulzio 1815, Bd. II, Monumenti inediti, p. 194.

4) Literae Ludovici bei Corio 891.

gfranttcid) unb Raxl VIII. 9

]§eit unb betttem üleid^e; bu erfüHeft bie @rbe, ba§ 5}leer, ja bie ^immlifd^en mit beinern Flamen."

2öa§ Äarl bon ^Injou im brei^e^nten ^df)xf)unhtxi unternom= men, mit ni(f)t geringer 5lu§fi(^t auf (Srfolg, fdjien bur{^ einen 91a(^= fotger beffelBen, ber über bie ©treit!räfte bon ^ran!reid§ gebot unb bon bem gleichen ritterlid^en Reifte Befeett tüar , ausgeführt toerben 3U !önnen. Söenn bie ^rone öon Neapel, ju tneldiec 5titel unb ^fled^t t)on ^erufalem gehörten, einmal getüonnen mar, |o mar .^arl VIII. bur(f) ben ^ang biefer SSegeben^eiten , bie SSemegung ber @emütT§er, fein ^Jted^t unb feine Tlaäji aum S5or!äm^fer ber ß]§riftenf)eit miber ben attgemeinen f^einb berufen. 3lnbr^ be la S5igne bid^tete, bie ^^tiften^eit !omme pc^tig über ben ^ont ßeniS in ben harten ber @§re, mo fie ben ,^önig unb feinen 3lbel ftnbe, i'^r ßetb !iage unb bie Söeiffagung bon einem jungen ^arl erneuere, ber im breiäe^nten ;Sa^re gefrönt morben unb fie mieber mit etoigem Sobe frönen merbe^). ©affelbe maren bie ^efid^te be§ 5D^önc§§ ©pagnuoü, be§ 5lr3te§ i^oan Tliä)^l^), 5)leifter ^uiÜod^e t)on S5orbeauj ging meiter: im tjierunb^toanaigften i^a^^re merbe Äart 9lea^?el, im brei= unbbrei^igften ganj Sftalien untcrtoorfen '^aben; bann merbe er über 5!yieer ge^en, ^önig t)on ^ried^entanb ^ei§en unb enblid^ in ;^ein= fatem ein^ie^^en unb ben Oelberg befteigen^). 9lo(^ toaren bie alten 2:räume ber ßT§riften!)eit tjon einem öfttid^en unb einem meftlid^en .Könige, bie aHe äßelt gläubig matten mürben, nid^t bergeffen, jene Xräume, meiere bie 2)eutfd)en auf ben legten römifi^en Äönig beu= teten: berfelbe merbe nadf) feinem ©iege über hu fyeinbe be§ @Iau= ben§ auf @oIgat^a bor bem erfd^einenben ßrucifij feine ^rone nieber= legen unb fterben, morauf mit ber 5Cnfunft be§ 5lntid§rift§ unb 6nod^§ unb @IiaS' gegen i^n bie S^oHenbung aEer £)inge erfolge*).' 2)ie

1) Andre de la Vigne im Vergier d'honneur; r\a6) t^^onccmagnc's 5lu§3uge.

2) Foncemagne in Histoire de rAcademie des inscriptions XVI, p. 246, unb 9«emoiren XVII, 548. (21. b. n. 31.) (Sinen toietoot)! unboü^ flänbigen Slbbrucf biefet $top'^e3etunQ btingt Pilorgerie, Campagne et bul- letins de la grande armee d'Italie commandee par Charles huit , ©. 431 : la Vision divine revelee ä Jehan Michiel trös-humble prophete de la prosperite du tres-crestien roy de France, Charles VIII, de la nouvelle r^formation du siecle et la recuperation de Hierusaleme ä lui destinee, et qu'il sera de tous les roys de terre le souverain et dominateur sur tous les dominants et uuique monarchie du monde.

3) g^oncemagne in ben ^ülemoiten ber 5lcabemie XVII, 845.

4) Sebastianus Brandt: Revelatio Methodii. SSafel 1516. 33ortebe bon 1497.

10 @tfte^ SBud^. erfte§ ßapitcl.

Italiener Belogen ba§ auf ben ^önig t)on granfretc^: in S^erufalem toerbe er bie Ärone tiieberlegen unb mit bem 2obe gen Fimmel fahren ^).

^aii VIII. toar für biefe ^been iüie öon 5^atur em|)fänglid§. ©c^on in |rül)en ^a^ren, al§ er einmal in 2:rot)e§ mit bem ^t)fte= rium tjon ^oliatl^ imb S)aöib em:pfangen tüarb, ja^ er barin feinen Äampf miber bie Surfen üerfinnBilbet; er na^m beibe *2;itel tJon ^ea^ei unb ^erufalem an: „Befonber^ ber le^te fei i^m bie fd^önfte SSorbebeutung" 2) ; unb gleid§ al§ gelte bie §erfteEung be§ latei= nifd^en ^nä)e§, im Orient, liefe er fic^ aEe ütec^te ber ^aläologen auf ßonftantino^el unb 2:ra^)eaunt abtreten^). S)en italienifd)en .^öfen unb ©täbten mürbe ^acfirid^t t)on bem 3ugß gegeben, 3U bem man fid^ in fyran!reic§ anfd^idCte. S)a§ §eer, ba§ ^arl VIII. rüftete, beftanb nid^t aEein au§ feinen f^ran^ofen unb ben italienifcfien giüd^tlingen , fonbern aud§ öiele ©enoffen au§ anbern ßänbern nal^= men am 3uge Sl^eil. ülobert b^Slubignl^ , ^[Jlatt^äuS ©tuart§ i8ru= ber, ber öor furjem gegen ^acob IV. t)on ©(^ottlanb im .Kriege geftan= ben*), unb fc^ottifd^e ©d^ü^en maren ^erbeigefommen. S)ie §öf§ ton ben ^^lieberlanben, $^ili^^ öon 9ftabenftein, ber eben 8lui§, @ngel= bert bon 6let)e , ber Utred^t an 5Jlaiimilian ijerloren ^) , brachten flamlänbifc^e (Sefd^ü^meifter «) unb beutfd§e§ gufeüol!^). S)er SSaillif öon 2)iion führte 9ftubol|)^ ©d^menb öon QüiiiS)^) unb einige taufenb Sc^tüei^er ^erbei. 5lm gufee ber ^t)renäen fammelten fic§ \>k @a§cogner; üon ben lüften SBretagne'g unb öon Portugal lamen bie ^ferbe^). ^n 5D^arfeiEe unb @enua mürben bie ©c^iffe ge3im= mert unb mit jenem (SJefd^ü^ geruftet, ba§, mie man bon ber S^ar= lotte fagte, ^Iccorbe au§ ber |)öEe finge ^^). 2)er ,^önig inbefe t)er= gnügte fid^ in ß^on. ^er^lid^ gut gegen ^ebermann, gotte^fürd^tig, fo bafe er nur in !teinen S)ingen einen ©d^mur auf fid§ na^m ^^),

1) Alexandro Benedetto: Diarium Expeditionis bei Eckardus. Sb. Script. Medii Aevi II, p. 1579.

2) Söatbian an Soboöico bei Sfto^mini II, 194.

3) 2:TactQt bei g^oncemagne ^Dflemoiten ber Slcabemie XVII, 572—578.

4) Buchananus Rerum Scoticarum bist. lib. 13, p. 457, ed. ö. 1624.

5) äßagenaar, aflgem. ©efd^ic^te ber ^flteberlonbe II, 265.

6) Sitteneuföe, 2Jiemoiren, S3b. XVI.

7) Ferronus, Rerum Gallicarum lib. I, p. 20.

8) ©tumpf, (5rf)rt)eiäer 6l)ronif III, p. 256.

9) Corio, p. 899.

10) Vergier d'bonneur in Foncemagne, p. 588, Georgias Florus.

11) Bayard, p. 14. Symphorian Cbampier b. Godefroy, p. 314.

Sage ^talienS. 11

lebte et gan^ in jugenblid^en 2;räutnen üon großen 5i:^aten unb einem eloigen ütu^me burd^ offene SCßaffen; toenn er \\ä) in feiner ©eele mit biefem S5or^aBen befc^äftigte , erfd^ien feine ©tirn ^oä) , fein Singe grog unb feurig, feine SSrauen ergaben ^). i^nbem er fi(^ aber ber S^ertüidelungen ber äöett untunbig geigte, fd§rieben Stiele ba§, n)a§ er befc§(o§ unb t^at, feinen S)ienern p^). 6r ujar t)on ^erfon mager unb übel geftaltet ^) , aber ^u attem Sftitterfpiel unb SBaffenbienft gleid§ fe^r aufgelegt. S^toeilen jagte er mit feinem ©))erber*); bann fa'^ er etma auf ber äÖiefe einen Jüngling fid^ t)er= fuc^en, ben man in feinen S)ienft brachte. @r befi^enlte bie 9ftitter, bie bann au(^ mieber felbft freigebig maren, unb naT^m an ben 3öaffen= f|)ie{en 2;^eil, melcC)e burd^ bie ©trafen gehalten mürben, mä^renb an ben Men bie grauen auf 9lu^eplä|en unb SSü^nen fa^en, gan^, toie bie 9littergefdf)id§ten t)on Äönig 5lrtu§ ^u Sarlion erää^len^).

Sn Italien traten inbe§ Stiele @elübbe unb lebete für feine 5lnfunft®); fie nannten i^n gern ben aEerd§riftlid)ften ^önig; fie fagten: „©efegnet fei, ber ba !ommt im 5^amen beg §errn!"

2. Sage ^talien§.

@tma feit fünfzig Sauren ^errfc^ten ^mei .^öufer, in f^olge tDed§fel= feitiger S5ermäl)lungen faft ein ein^igeg, über einen guten 2;^eil öon Italien : hu ©forja au ^üflaiknb , bie 5lragonefen ju 9lea|)el. 3^ gleidfier Seit maren Sllfonfo t)on Slragon unb g-ran^ ©for^a in S^talien emporgelommen. 5^i(f)t lange ^atte jener ^ea|)el inne, al§ biefer ^aitanb einnal)m. ©eitbem l)atten fie il)re @efd£)led§ter öerbunben unb in vielfältigen S5ermanbtfc§aften burc^ Italien ausgebreitet. i^rer S5ermanbtfd^aft gehörten bie @fte 3U f^errara, bie ©on^aga ju ^IJtantua^), ferner bie SSrüber SBentiöogli , bie dürften ju Urbino, ^efaro, lyorli, faft aEe §äu|)ter be§ ^irdfienftaate§, felbft einige nea= politanif(^e SSarone^).

2)ie ^a(^t ber ^ragonefen, mel(^e 5llfonfo I. gegrünbet, be^au:p= tete !(ug unb gemaltfam fein natürlirfier ©o^n ^^errante. ßinft, aU

1) Prophetie du Roi Charles bei Foncemagne, Hist. XVI, 245. Brantome nad) bem 3^ii9"ife fi"^^ 2 ante Eloge, p. 22.

2) Comines, Guicciardini, Andre.

3) Passero, Giornale, p. 72.

4) Zurita, Historia del Rey Hernando f. 90.

5) St. Gelais, Louis XII, p. 79. Histoire de Charles bei Godefroy, p. 172.

6) Benedictus bei Eckardus II, p. 1579.

7) Diario Ferrarese bei Muratori XXIV, p. 253. 279.

8) Porzio, Congiura dei Baroni di Napoli, p. 29.

12 etfte§ aSud^. (StftcS ßa^itel.

bie großen S3arone 3ot)ann t)on ^Injou Beriefen unb il§m bo§ ganje Sanb bi§ auf bie ,g>au|jtftabt überlieferten, fd^ien ba§ aragonlfi^e ^au§ berloren ju fein. 2)a mu^te einmal bie Königin mit i^ren üeinen ^inbem am ^lofter ©t. ^piero in g^leapel bor einer Süc^fe fi^en unb bie ^anbmerter um freimiUige 5lrbeit, anbere SBürger um ein S)ar= le'^n anreben \). S)a§ ^au§ unb ber 2:^ron n)urben nur baburcf) ge= rettet, bafe bie großen SSarone mieber ju i^m übertraten, ^er t)or= ne^mfte tnar x^txxanit'^ ©d§njager @raf 5[)larfico bon ©anfeberin, ben er gleii^ in feinem S5ertrage ben @rlaud§ten, ben ^äd^tigften nannte, njeld^er i^n au§ bem tiefften ßlenb errettet ^abe; er überließ il§m (Salem mit aEem ^e(^t be§ f^i§cu§ unb ber ^Jlünae^). 5Dem folgten nun aurf) bie übrigen nac§, bie aber !eine§n)egg feine (^nabe n\üax= ben. Einiger feiner S5ertrauten, bie eben ben 5lufrul)r begonnen Ijatten, n)ie feines ©d^toagerS Sal^o bon Slarent, entlebigte er fi(^ getoaltfam^). ^ai^bem Äönig gerrante n)ieber feft auf feinem S^^rone tvax, meinte er fid^ beffelben borjüglid^ burd^ auswärtige S5erbinbungen 5u berfid^ern. ©einen @ol§n 3llfonfo bermäT^lte er mit ber S^od^ter granj ©for^a^S; bie ^päbfte ^iu§ unb Sii'tuS geUjann er, inbem er ben 9leffen beS einen mit ^malft, ben beS anbern mit ©ora bele^nte^). ^n bem Snnern beforgten gmei if)m unfd^äpare 5!)länner bie (Se= f dfiäftSleitung , 5lntoneEo ^etrucci unb grana ßo:)3pola. Steuer toar fein ge^eimfter ütat^, an ben er ;Sebermann ju toeifen pflegte; ber= felbe mußte oft ju il§m auf bie ;^agb ^inauSlommen unb in ©taub unb ©d^mu| ju ben übrigen 9tät^en n)ieber in bie ©tabt jurürf; er l)atte ^umeilen !aum ben guß in fein §au§ gefegt, als i^n fd£)on neue SSoten äurücEriefen , obmo^l eS 5^ad^t mar; bafür mürben benn auä) bon feinen ©öl§nen ^mei gu trafen unb einer jum @räbifdf)of er= l^oben ; ^etrucci felbft, ber anfangs ganj arm mar, fonnte anlegt Äirdjen unb ©d§löffer bauen. Wit bem anbern, gran^ ^obbo'ta, einem ^auf= manne, ^atte ber J!önig Gom^agnie gemad^t. Snbem er 5^iemanben ein= laufen ließ, biefer ^ätte eS benn jubor getlian, unb !einem §anbelS= fdl)iffe einaulaufen geftattete, biefeS l^ätte benn juüor berfauft, inbem er ben Waxti mit £)el unb Söein faft als ein 5}lono|3ol belianbelte, fteigerte er ben @eminn inS Ungemeine; gran^ ^atte in fur^em eine (S5raffd^aft unb für feine ©d^iffe ein eigenes 5lrfenaP). S)urd§

1) Pontanus, de bello Neapolitano, Haganoae 1530. 33ogen N, 4. S, 2.

2) Pontanus ibid. Dd, 4, Gg, 2.

3) Urfunblid^ in Angelo di Costanzo, Istoria dl Napoli XIX, 440, 467.

4) Costanzo 466.

5) Caracciolus, de varietate fortunae bei Muratori, Scriptores R. I. XXIV, p. 69.

Sage StoUen§. 13

beten 9flati^fd§Iäge nun unb feine eigene SSe^arrtit^lett warb ber Äönig öötCig pm 5)leifter be§ ßanbe§. S)ie SSarone mußten feine (5tute= men unterhalten; feinem ^alfner gab er eine 5lbtei unb bem ©o^ne eine§ Stuben um @elb ein 33i§t^um^); man mar i^m gan^ unter= tl^an. (Sr führte hu Kriege ^tatienS. ©eine Waä)t mar in fteter ^lufna^me begriffen.

2)er öerftetften Ätug^eit f^errante'S 3ur (Seite, entmidelte fid§ fein ^o1)n 5llfonfo 3u einem Söefen gauä anberer 3lrt, mie ben italienif(i)en ^yürften biefer S^^t über^au^t eigen mar. (Sie hielten @raufam!eit unb SöoKuft für erlaubte S)inge; immer in (SJlanj er= fd^einen auf ber ;3agb mit <Bptxbexn unb f^alfen, bie in (Sammet unb @olb i^r 2Gßa^|)en in hu ßuft trugen, p §aufe in |)räc§tigen 3immern, bon ^ele^rten, 3Jlufi!ern unb allerlei .^ünftlern umgeben, öor bem S5ül!e mit befe'^lS^aberifc^er 5}liene, Bebedt öon ßbelfteinen , äöo'^Irebenl^eit unb 3[ßi| ^aben, über eine ftarfe 5lru))|)enma(f)t ge= bieten, ^efa'^r t)orau§fe^en unb abmenben: bie§ ]ä}un if)nm rü^m= lid§ unb münfc^ensmert^. S5on ben guten ©igenfc^aften ber menf(^= liefen 5^atur ift ni(^t§ in i'^nen; fie finb unrechtmäßig, unb Don bem maliren f^üxftentlium miffen fie nid§t§; @eredl)tig!eit galten fie für ^nei^tfc^aft^). S)iefem 3beal, ha^ ftatt ber .^raft unb ber 9Jla(^t, bie miE, nur il^ren (Schatten unb i^ren @($ein ergreift, lebte aud§ Sllfonfo nac^, unb tcenn bie anbern freigebig feigen moEten, fo galt er überbie§ für geizig ^). 6r ließ mo^l bemer!en, baß er bie 9leid)tpmer ^etrucci'g unb go:bl'ola'§ für bag !öniglid§e .gau§ in 5lnf|)rudj ne^me. ^etrucci gmar piite nur bie 5l(^feln, menn er batJon l^erna^m, unb fuc^te ben ^önig burc§ 5^euia^r§gefc§en!e gu begütigen^), ^nber§ toar ®o^]3ola gefinnt^); er tjerbanb fic^ mit bem mäi^tigften ber SSarone, ©anfetjerino t)on (Salerno, ber fic§ eben= falls fel)r bebrol)t fü§lte. ^an ^atte ^Ifonfo fagen :^ören, (Sanfeöerino felje beinahe jenem SSalp öon Sarent gleid§. ©ie famen bei ^Zac^t an einfamen Oertern pfammen, entmarfen ^läne 5U i^rer ©ic^erung unb gemannen Rubere ^). S)enn atte 35arone fingen an, ^Ifonfo p fürd^ten, ha er aEe bie bebrol^te, meldte i^m etma in einem .^rieg§= 3uge nid§t eifrig genug beigeftanben.

1) Comines VI, eh. XI. Porzio, Congiura 116.

2) Corio, p. 839. Castiglione Cortegiano p. 388 unb fonft.

3) Laurentii Medice! Epistola apud Fabronium II, 269.

4) Caracciolus, p. 28.

5) Porzio, Congiura, p. 28.

6) Porzio, Congiura 39—49.

14 erfte§ 33ud). etftc§ ßapttel.

©0 öerBanben fte ft(^ mit bem $at)ft ^nnocens VIII., ber HeBet (Stgentt)ümer al§ ße^ng'^err öon Stapel getoefen toäte, unb festen fid) auf§ neue bem aragonifc^en §aufe in offenem Kriege entgegen. eg toaren brei ©anfeöerine, ^mei f^ürften unb ein @raf, brei S^aljen, ätoei trafen unb ein gürft; biefe§ bie §äu^tex^); biete 3lnbere, unb aud^ ßaraccioto bon ^etfi, traten na^ ber .ganb i^nen bei. (Sie öerfprad^en einanber mit ^eiligen @ibf d^müren , ba§ ©acrament in ber <g)anb, 3u|ammen ault)alten 3U motten. 5lber fie toaren o^n= miicfitig unb unentfcf)toffen ; bei einem erften ungünftigen Erfolge geigten fie fid§ 3um S5ertrage geneigt -) ; Bei einem günftigen ergriffen fie in§= gefammt bie SBaffen mieber^). ^^xt %\)aim maren gering. 5ll§ nun 5ll|onfo ben ^a|)ft gefdjtagen unb hk ©tabt 5lquila, bie ju ber Partei ber 33arone l^ielt unb i^re befonbere 3itberfid)t au^mad^te, umlagert ^idt, inbem er jugleid^ im ^önigreii^e öorrütfte, tJerga^en fie ben ©c^mur, öerfprac^en ©iner nad§ bem 5lnbem, mag man forberte, unb ergaben fic^^).

^o(^ entf(^iebener l^atten je|t bie 5lragonefen bie OBer^anb ]6e= l^auptet, al§ frül^er, unb ^mar mit eigenen .Gräften: fie Befi^loffen nunmetir, S5ater unb ©o^n, an i^ren geinben 9lad§e px nehmen.

ßo^^üla unb ^etrucci Ratten nur einen ^meifel^aften unb auf jeben gatt fe^r geringen Slntl^eil an bem Kriege genommen; aber fie mürben bie erften 0:pfer be§ fyrieben^. f^errante berf^rad^, eine feiner ^i(^ten mit einem ©ol^ne ßoppoIa^§ 3U bermä^ten unb bie ^od^jeit auf bem neuen ©d§loffe au§3urid^ten. 6o|):|)ola unb ^etrucci ritten baju l^inan, jener auf einem :parfümirten 5Jlault^iere unb in atter feiner ^rad^t; aber fomie fie famen, mürben fie, mürben il^re ©öl^ne gefangen; fie mußten atte fterben^). ^'lod^ Ratten bie anbem SSarone auf amei 35ar!en entfliegen tonnen^), unb bie gürftin bon SSifignan riet^ baju; aber ben @inen ^iett bieg, ben Slnbern jeneg jurütf, unb inbem fie blieben, mürben aud§ fie auf @inen 2;ag atte gefangen^). @g maren brei ©anfeüerine , brei SSal^en unb ein äaracciolo. 5Jlan ]df) it)nen täglid§ bag @ffen in§ @efängni§ tragen; aber a(g fid§

1) Lodovico de Raimi, Annales Neapolitani, hti Muratori 23, 231.

2) Macchiavelli , Istorie Fiorentine VIII, 343. Pontanus, bellum Neapol. H. h.

3) Porzio 80. 90.

4) Porzio 186.

6) Caracciolus 1. 1. Raimi 239.

6) Literae Lutotii de Nasis in Fabronii Vita Laur. Med. II, 352.

1) Passero, Giornale Napolitano, p. 50.

Sage a^toaenS. 15

bei* §en!er mit ber ^ette be§ f^ürften öon SBtftgnan fe^en lte§, gtauBte man , fei aEe§ <Bä)em : in ber ^irc^e <Bt ßeonarb , eben be§ ^atrong ber befangenen, ^aBe ber -^er^og feinen S5ater jum ^Jlorbe üBerrebet, biefer genfer ober ein Sflabe, ein ^o^r, i'^n t)oE= bracht ^). ,^aum !)örte ^errante no(^ bie Mage be§ :|3ä^ftlid§en (S$e= fanbten l^ierüBer an. ,,§at ni(^t anc^ $apft ©ijtnS mit feinen SfteBeEen get^an, tnie i^m gefiel? S)a§ toerbe iä) avai) mit ben meinen." 3)ie§ fagte er, ni(^t§ toeiter, tie§ bie §örner Blafen unb ritt jur ;2^agb^). S^ebod^ gerabe toag er für feine Sid^er^eit l^ielt, bro^^te i:§m ^ux ^efaT^r p toerben. Stiele toaren nad^ ^om geflol§en nnb f(^i(ften naä) ^pankn, na^ f^rantreidi nm ^iilfe. ^n granfreid^ erregte i^m f^nrft Stntonelto öon ©alern, ber i'^m noc§ enÜommen, feinen toa^ren ^einb. S)ie im Sanbe Siii-'ücEöeBIieBenen inarteten nur be§ S^ageS, too fie nod§mal§ bie Söaffen toiber liju erl^eBen fönnten. ©eine gan^e ©orge mn^te fein, ba§ fie nie @elegenl§eit ba^u Be!ämen. ©o n)ar bie ©teEung ber 5lragonefen in '^eaptl in ^Infe^en. %uä) ßobobico ber ^JJto'^r ju 5[Railanb berbanfte tl§nen fein mU.

^ad^bem ber ältefte öon ben ©ö'^nen granj ©foraa^g, ^alea^^o ^Jlaria, ^er^og ^u ^ailanb nnb §err öon @enna, ermorbet mar, ^atte beffen äöitttoe, .^er^ogin SSnona, in i^re§ minberjä^rigen ©ol^= ne§, ;^ol§ann (5)atea3äo, Flamen feine Sänber nnb ©tobte in Sflu^e üBernommen. Sobobico, bem SSruber (Salea^^o'g, ber in ber ß^orte bett' 3lrengV Beim Bürgerlid^en ütat^e SSefe^le au§ bem ©d^loffe nnb au§ bem ©taatSrat^e annehmen mn^te, nnb bem britten SSruber 3l§= canio mißfiel ba§^). 5lBer fomie fie fic§ bagegen regten, mnrben fie berjagt. ^ur inbem f^errante einen ^rieg gegen f^Ioren^ anfing, mit toelc^em ^nona im S3unbe mar, nnb mit f^errante'g ^ülfe !onnten bie @eflü(^teten an \)m ^renjen erfd^einen, 2:§al miber jl'^al em= ipören, Big nad§ ^ertona Vorbringen ^), tooranf an ßinem 2;age fieBen= unbbier^ig ©d^löffer ber Un^nfriebenen 3u il^nen üBergingen. S5orro= meen, ^nfterten, 5!Jlarlianen , aEe ^iBeltinen erl§oBen fi($ an ifiren fünften. S)er §of SSnona'g felBft ent^tneite fid§. ^n biefer Sßer* tütrrnng fe^rte SobotJico ^nrüdE^) nnb üBerna^m bie ßeitnng ber

1) Angelo di Costanzo 479.

2) Infessura, Diarium Romanum, p. 1980.

3) Corio, Istoria di Milano, p. 840.

4) Diarium Parmense hti Muratori 22, p. 319.

5) Diarium Parmense, p. 351. Corio, p. 850. Macchiavelli , Istor. Fiorent. VIII.

16 etfte§ aSud^. erfteg ßapitel.

©efc^äfte. ©el^t unertüartet aBer tüar bte Gattung, bte ei* einnahm. 2)ur^ bie ^ibeEinen geförbert, mit ben @uelfen in gutem (£int)er= nel^men, tooEte er hoä) toeber t)on ben einen nod§ öon ben anbern dbi)änQtn, ober i:§re OBerT^äu^ter mäd^tig neben fic^ fe^en. 2)ie ^ibeEinen, burd^ toelc^e bie ^ad^t ber S5i§conti in aEen ©täbten gegrünbet toorben, tüelc^e ßorio gerabeju bie ^eraoglic^en nennt, beraubte er ber SBaffen unb i^reS ^aupU^ , feineS Sruber§ ^§= canio ^) ; er fd^onte \)k nid^t einmal, bie il^n auf feiner f^lud^t unter= ftü^t; bagegen umgab er fid§ mit S5iragen, Ser^agen, 2:ritjuläen, h)elrf)e il^re guelfifc^e 5^eigung burd§ ;Sal)r§unberte betoa^rt :^atten, unb gab i:§rer Partei feine (SJunft, feine @d§löffer^). S)oc^ %^]^o.1) bie§ nid^t auSfd^lie^lid^ genug, um bie ganje ^artei p gewinnen; aud§ if)x borne^mfteg OberT^au^t, ^o^ann i^acob Möula, mu^te fliel^en. 5Jlit bem aragonefifd^en §aufe trat er in bie engfte bt)= naftifd^e S5erbinbung; bem entftammte bie ^ema^tin feinet 9leffen, in beffen ^amen er regierte; ben $a^3ft @ii'tu§ fnü^fte er baburd§ an fein ^an^, ba§ er bem Steffen beffelben, ©irolamo, ßatl^arina ©forja 3ur (SJemal^Iin gab; ber ^te^ubli! S5enebig öerfdfiaffte er, al§ gauä Italien tt)iber fie ftanb , ben ^rieben öon S3agnolo , tooburd^ er fie größer unb firf) geneigt machte. 5luf biefe S5erbinbung traute er: benn üon au^en mar feine ^ad§t entf^^rungen. Unter biefem ©d§u|e ergriff er ©d^ritt für ©d^ritt bie ^^ödfifte ©etoalt im ;3[nnem. ^m Einfang !am mo^I ber ©ünftling ^uona^S, um etn)a^ burd^äufe^en, nur in ben ©taat^rat^ unb fagte: „2)ie bur(i)Iaud)tige grau |)er3ogin toiE fo"^). 5luf 2obot)ico'§ S^eranlaffung begab ftc^ eines 2;age§ ber ätnölfjä^rige ^er^og in ba§ (Bä)lo^ , lie§ bie 3w9= brücfe auf^ie^^en unb ben ^ünftling gefangen fefeen. „^c§ tüiE felbft regieren" , fagte er bann , „unb meine Butter mag i^rer 2öittnien= fd^aft |)f(egen"*). hierauf tl^eilte ßobotiico bie ©etoalt noc^ eine Seitlang mit ©uftac^io, bem S5efe:§l§l§aber be§ ©d^loffeS; nad§ bem öene^ianifcfien .Kriege ^alf ber junge ^erjog, ber fid^ bem £)l)eim o^ne S3orbebadf)t t)oE!ommen Eingab, ba§ er aud^ beffen lo§ toarb^). 2)ergeftatt in ben aEeinigen SBefi^ ber ^lutorität gelangt, geigte fid^ ßobobico milb unb leutfelig gegen i^^bermann, unb t)ieEeid§t mad^te ber @ebraud§ feiner (Setoalt ben Urf^rung berfelben gunäd^ft t)er=

1) Corio, p. 848. Diarium Parmense, p. 354.

2) Corio 869.

3) Diarium Parmense bei Muratori, p. 351.

4) Ibid.

5) Senarega, Annales Genuenses, p. 523, Comines, Corio.

Soge Stalten?. 17

geffcn. @r trug 6orge, Sa^aret^e ^u Bauen, ßanäfe p graben, •»ölünfter unb Älöftcr ju grünben, ba§ Sanb t)or ütäuBereien unb öor ^^J^angel ^u ftd^ern. S)em ©inne ber Q^^t gemä^ ))flegte er ^unft unb ßiele^rfamteit. @r Berief ßeonarbo ba S5tnci pm Unterrid)t ber abeügen Jünglinge nad^ ^atlanb ^) unb gaB i^^m (^e'^alt. @r ^uerft (iefe öffentlich) ^Dlufi! lehren ^). ^afon be 53laino, nat^ 5llciat§ Urt!)ei{ einer öon ben fünf größten ^uriften ber mittlem S^it, tag in ^at)ia bie ^tec^te üor 3000 (Schülern. Sobot)ico etjrte felBft bie @rammati!er : S)emetriug ^^alfonbljtaS , ber in $ifa öor ^oli^ianS tüo^ltönenberem 2[^ortrage feinen -£)örerfaal teer tüerben fa§, tarn mit feiner florentinifd§en f^rau unb feinem getreueften ©d^üler ;^ot)ann Sfteuc^lin, bem ße^rerbeS ße^rerg öon S)eutf(^tanb, 5u i§m^). 9}lan tann nid^t fagen, ha% ber ^ür|t bie fieBent^alB^unberttaufenb 2)ucaten, bie i^m ba§ ßanb gaB, fc^lerfit an= gcraanbt ^aBe. ^ ©einen .ipof Vergnügten S3eEin^ona^§ ^efte unb Sc^tDänfe, in benen man be§ f^m'ften ^anb felBft 5U erfennen glauBte, unb @afpar S5i§conti, ben man bem ^etrarca gleic^^ielt*). ^in tanbtt)irt^f(^aft(ic§e§ 5}|eifterftü(f mar feine Meierei 5U 33iget)ene. §ier mu(^§ einft nic§t einmal fyutter für ba§ S5ie^, unb Uim ^flan^e trieB äum Stengel; nur ba§ äÖilb fc^lug fein Sager in niebrigem ©efträud) auf. Soboöico , ber ^^uerft burii) bie ^agb ba'^in gefü!§rt tourbe , Brad)te bafelBft burc^ ©raBen Söiefen für bas S5ie^ , barauf burrf) ben S)ünger ein Stderlanb ^erüor, ba§ mit jebem anbern mett= eiferte^); ^ernacl) pflanzte er ^aulBeerBäume in langen 3llleen; enbli(^ Baute er um einen meiten reinlichen <^of ^a^lrei(^e 6täEe mit ©äulen für 1800 ©tuet <g)ornt)ie:§ , für 14,000 (Bind ©c^afe, unb Befonbere für bie <g)engfte unb für bie ©tuten ^). <!pier im ©d)loffe toarb il)m ein ©ol)n geBoren; §ier ^atte er ju ^agb unb SSei^e ein= ge"^egte (^e^öl^e^). UeBer bem Sanbe lag bie Uep^igfeit be§ f^'rie= ben§; tägliif) tarnen neue 931oben unb ^Vergnügungen , ©ioftren unb ^^ixät auf^). ^l)m mu^te 5ltte§ baran liegen, folange man i^n Beftel)en lie^, ben ^rieben öon Stalten unb bie S}er^ältniffe 3U er= galten, beren ßrfc^ütterung il§n leidet öerberBen tonnte.

1) Vasari, Vita di Leonardo da Vinci, III, 21.

2) :3agemann, ®efd)i(^te ber ilünfte unb 2ötffenfd)aftenin ^ftalien III, 650.

3) Jovius, Vitae Virorum DD. p. 37. Reuchlini Praefat. ad Gr. Hebr.

4) 23outerlüef, Italien, ßitetatur I, 339. Oiofcoe, Seben Seo'^ X., I, 113.

5) Carpesanus: Commentarii suorum temporum IX, 1363.

6) Desrey am Monstrelet 239.

7) Comines, Memoires, p. 507.

8) dorio, le^te§ S3uc^. Einfang.

D. gtanle'ö Sßerfe XXXIII. XXXIV. 3iom. unb germ. S5ölfer. 3. 3lufl. 2

18 @rftc§ SSud^. erfte§ (§,apm.

35or attem beru^^teit biefe barauf, ba^ Soren^o bei ^J}lebict, ba§ ,"paupt ber ^Florentiner, mit bem Könige üon ^ea^el unb bem 5fJla(^t= ^aber in ^J^ailanb im beften ginberftänbnife lebte.

grona ©for^a mar burd) bie «^ülfe be(onber§ (Sofimo'g bei 5Ke= bici §err au 5Jlai(anb gemorben, unb aum S5erbru§ bon SJenebig maren ^Jlebici unb ©foraa feitbem ^^reunbe geblieben. ?ll§ bie ertoä^nte @ntatt)eiung ber <B\ox^a nad^ ©aleaaao'g Zoh eintrat, l)ielt So= renao mit 35uona; aber bie mailänbifdlien ^ßrüber unb ^errante griffen i'^n an; fie Brad^ten xf)n fo ^ßni, ba§ er fid) entfd^lo^, au§= fu^r, nac^ ^ea^el fam unb mit i^nen in ^reunbfd^aft trat^). ©eitbem mar ber Äönig fein näd^fter, Subobico fein atüeiter S3unbe§geno§ ; mit Reiben ^ielt er eine fe^r gefäl^rlid^e Se^be gegen ^errara au§ unb unterftü^te bann ben ^önig in bem ameiten nea^olitanifd^en Kriege , beffen mir gebadeten, '^ati) bem= felben fagte fyei-rante: „^db^ iä) i^n gerettet, fo 1)at er mir'g tüieber getl)an"2).

TOt biefem 3luggange toar jebodf) ^a|)ft Snnocena VIII., ber fi(^ ber ©at^e ber SSarone angenommen ^atte unb felber gefcl)lagen toorben mar, ^ilnfangö felir unaufriebem (Sr ^roteftirte fogar in feinem ge^^eimen ©arten am ^alaft, „er erfenne gerrante nid^t al§ Äönig, menn er il^n aud^ fo nenne ^); er fagte: „^d) merbe il^n in SSann t^un. Reifen mir bann bie i^taliener nid^t, fo miE id§ über bie SSerge geljen, toie bie alten ^ä|)fte getrau, unb bie ^enfeitmol^nen= ben aufrufen, unb iä) toei§, id^ tüerbe il§re g^iftiö^ßiten ftitten, unb fie tüerben mir l^elfen" *). Sorenao übernahm, liju au begütigen, tt)a§ i^m baburc^ gelang, ba^ er feine 2^0(^ter bem ©o'^ne be§ ^apfte§, ^ranceSd^etto ßibo, aur ©emal)lin gegeben^). trat ^ier= auf ein burdligreifenber Söedlifel ein. ^Ite ^reunbe, ;^ulian bella stöbere unb hit ßolonna, fielen hei ^nnocena in Ungnabe, unb bagegen toanbte er ben Crfinen, ßorenao^§ S5ertoanbten, feinen alten ^einben, feine ©nabe au. ßnblic^ mürben audt) bie nea|)olitanifd^en Errungen gefd^lid^tet, unb ber ^önig befannte, in Mem er!enne er ßorenao^§ Irene unb @üte^). 5}tan fielet, inmiefern ßorenao burd§ feine @tel= lung ber S5ermittler ;3lalien§ rourbe: eben barauf 'i)at \xä) hit ]pättxt

1) Macchiavelli VIII. Diarium Parmense, p. 335.

2) Fabronii Vita Laurentii Medicis II, p. 369.

3) Literae Petri Victorii ap. Fabronium, II, p. 344.

4) Literae Philippi Pandolphini, ibid. p. 353.

5) Ibid. p. 313. «riefe unb Urfunben.

6) Ibid. p. 351.

Sage 3?talten§. 19

(Hiröge fetneä §aufe§ gegrünbet; benn huxä) ba§ 3ufammentt)ir!en ber :Dret tDurbe 3^ot)ann, fein ©ol^n, 3um ^bt au TOramonbo im 5Jlai= ldnbif(^en, äu Saffinoim Äönigreid^e, ^um ßarbinal berÄirc^e er§oBen^).

Unb fo ttjo^nen fie in fyrieben neben einanber, jömmtüc^, aufeer bem ^a^^ft, in angemaßten ^errfd^aften, ein ^teber öon eigenen Unterbrütften Bebrol^t nnb nur Beforgt, ba§ biefe Bei feinem ^ac^bar .öülfe finben, aber ßiner auf ben 5lnbern geftü^t. finb n)eber 3}öl!er, nod§ ©tämme, U)eber ©täbie, noc§ üteid^e, finb bie erften (Staaten ber äöelt, unb it)r llrf|)rung ift fotgenber. (Staat nannten fie anfangt bie einer Familie am nüc^ften jugetl^anen (^reunbe; unb toir finben, baß goligno bei ^ebici !(agt, i^r (Staat ijaht abgenommen: er 5a§(e ftatt 100 nur 50 Männer unb biefc fc^Ied^t mit ^inbern t)erforgt^). S)ie S5ornef)mften be§ <Biaak^, meldt)e mit ben 5lbgeorbneten ber (Stabt 5U ßorenao famen, tüie er fagt, um it)m bie allgemeine Sorge ^u übertragen, toaren nii^t ettoa au§ ber ßanb= jcfjaft benn biefe ^eißt S)ominio unb t)atnid)t ben minbeften Einfluß , fonbern maren bie greunbe, ber alte Staat, o:§ne ben ßorenao für fc^mer p(t in gloreuä p leben ^). i^nbem fid^ nun an biefe Mtäd^ften bie ^^partei fc^loß unb bie ^artei über bie Stabt .g)err luarb , bie Stabt über ba§ ßanb , marb ber ^^lame be§ urf|)rüng= liefen S5erl)ältniffe§ auf ba§ ©an^e übertragen. 5flirgenb§ mar tDir!= lidje f^reil^eit. Söo^er entf|)ringt nun bie lebenbige Erregung gu attem Sd§önen, burc§ toeli^e bie§ S5ol! au biefer S^it ein ^Inftoß unb DOftufter für aEe f^äteren gemorben ift, mo^er ber Schein, ja bie 2Bir= fung ber f^rei!§eit? Sie !ommt befonberg au§ bem @egenftreben ber bunfel ober offen immerfort üor^anbenen Parteien, au§ bem 5Cßaci)fein atter menf^lid^en Gräfte im ^ampf, au§ ber aKgemeinen (Siferfu^t, bie fid§ auf ^unft, lebenbige 2:ptig!eit, SSiffenfc^aft unb ^Itert^um getüorfen, au§ ber SSerel^rung, in ber barum bie ^unbi= gen fte^en.

mar feit ben Reiten ber Söölfertuanberung aum erften ^al, 'i^cii Italien für fid§ felbft beftanb unb eine ibeale @in^eit "bn ber größten 5[Rannigfaltig!eit bilbete. ®iefe auf^etoaltfamfeit unb^^artei ge-- grünbeten Staaten Ratten bod^ bie allgemeinften SSe^iel^ungen. S^enebig

1) Ibid., p. 374, unb bei Roscoe, Leo X., btc Briefe im ^^Ippenbij öon pag. 486 an.

2) Foligno dei Medici, Notizia bei Fabroni II, p. 7.

3) Lorenzo dei Medici, Ricordi ibid., p. 42. (51. b. 2. 21.) ©inen ferneren S3etüei§ giebt: Varchi, storia Fiorentina II, p. 8: andavano cer- cando che lo stato si ristringesse e a minore numero si riducesse.

2*

20 etfte? SucE). (5rfte§ gapitel.

Beruhte auf bem 3iöc(t^anbc( , ^ylorenj auf ^unftflet§ unb 5)lanu= factuv, bae «^önigrcid^ ^^lea^el auf ben großen euro|)äifrf)en @egcn= fd^en, bie je^t einen 50^oment ber S3eru!)töung gefunben l^atten, ba§ t^er^ogtl^um 5JlaiIanb auf bem Ärieg^getnerBe au fi(^, trie öon ben Gonbottieven au§geüBt lüurbe, ber .^irt^euftaat auf ber ^bee ber oBerfteu ^rieftei-fc^aft. S)ie ^^lation tüar in ber ^{üt^e i§rer (Kultur, äöäre ni(^t möglich geirefen, ba§ fie fic^ fo weiter au§= gebilbet unb fortenttoidelt, auC§ in ben fpäteren ;^a'^r^unberten me^r ^influ§ auggeübt al§ erfahren I)ätte?

5Iber in biefe aögefcfjloffene unb eigentümliche SBelt fam eine grofee unb getoaltfame iöetnegung. S)a§ ^eer ift ru'^ig unb f^iegelt ben .'pimmel; ha ftürmt einmal: tüenn abgeftürmt ^at, ift baS 53leer baffelbe. Jlommt eine ^etnegung unb ein (Sturm in bie ©emüt^er ber 9}lenftf)en, fo toirb au($ einmal toieber ru^ig; aber inbe§ ift bie äöelt öeränbert.

3m ^at)X 1480 :^attc gerrante 3n)ei ßnfeünnen an feinem .pofe, bie fic§ oft au feinen f^ü^en fl^ielenb entatoeien mocfjten, ^]a= BeEa, 10 ^af)x alt, mfonfo^§, feine§ (5o^ne§, unb SSeatrice, 7 3a^r, Seonora'g feiner Soi^ter, ,^inb, au§ i^rer @^e mit @rcole öon ß^ftc^). 3n feinen 5lnfängen Verlobte Soboöico hu ältere mit feinem 9leffen Sodann ^aUau, ber ^er^og fein foUte, fid) felbft mit ber Jüngern. ^Ulad) einiger 3^^^ toarb SfaößÄa na(^ 531ailanb gefüljrt; aber fie mugte fe^^en, ha% ber O^eim i^ren 6)ema^l n)ie einen Knaben lentte unb meber i^m noc§ \^x bie geringfte bemalt lie^; fie ertrug ha^ inbe^. S)a !am bie Qdi, ba^ au(^ ^eatrice nad§ 9Jlailanb gefül^rt roarb^), unb mie benn in ber X^at Sobobico ber fyürft mar, mürbe biefe al§ bie gürftin bere^^rt unb nic^t SfabeEa. äöenn nun hu jüngere, in ber greube ber Sugenb jebeö äöunfd^eg tfjeilljaft, boEer .ipoffnungen , balb in ben (Bpukn unb 3:urnieren p 9JiaiIanb a(g <t)errin fa§ , balb äu ^enua mo^in fie ingge^^eim gelommen , um ftc§ p üergnügen , fomie fie entbecft marb , in ber ^rac§t biefer Äaufleute fürftlid^e @:^re geno^^), balb mit i^^ren ^amen, bieten äöagen unb 50^au(tl}ieren ju il^rem S5ater nac§ ^errara ful^r, inbem bie Strafen mit Sa^eten unb grünen S^^iö^^t gefrfimüiit maren unb ba§ 23oI! i§re§ manm^ 9kmen rief^), Ijatte bie ältere, bie boc^ bie red^tmä^ige C^ei'äogin mar, ben ©d^merj, an einen 9Jlann

1) Diarium Parmense, p. 311. Diarium Ferrarense, p. 254.

2) Diarium Ferrarense, p, 279.

8) Folieta, Historia Genuensis, lib. XI. 4) Diarium Ferrarense, p. 283.

Sage 3^talien§. 21

i^cTcffelt p fein, ber fo öiel tüie nic^t§ Bebeutete, bem O^eitn jogar luieber fagte, tt)a§ fte il)m anvertraute, unb Wenige Hoffnung für il}re eigene ^ufunft ober bie i^rer ^inber: benn |(^on lie§ ßoboöico Hernehmen , it)m , ber geboren n)orben , alg fein Spater ^er^og ge= luefen, gebühre bie -iJeiTfd^aft e^^er a(§ bem @o^ne eine^ ^rül^er= geborenen^), unb unter^^anbette um bie 35ele:^nung. toäre ein gottli^eg .^er^, ba§ in ber SSetrad^tung ber @efa^r für fein gefammteS Ajauö bennoc§ fttll gebutbet ^atte. ^faBeEa :^anbelte menf(^ü($, "l^ci fie nid^t ertrug, fonbern perft in ^31aitanb batb ftagte, batb bro^te ^) unb 5u(e^t i^ren S3ater 5l(fonfo in ^leapet um 5lbp(fe angingt). „Söä^renb fein neugeborene^ Üinb 5um (trafen t)on ^^aüia beftimmt „tüirb, finb xoxx unb bie Unfern ftet§ in S5erai^tung, ja in Seben§= „gefa!)r, unb \6) bin einer Söittrtie, einer §ü(flofen gteic^. ^n un§ ift „5!}lut^ unb 3}erftanb, in bem 35olfe ift @unft unb Erbarmen. §aft „%Vi nun ein S^ater^er^ unb ßiebe unb @ro§mut^ unb merfft auf „2;!§ränen, fo rette unö."

2öir müßten i§nen Reifen, fagte 5l(fonfo, felbft toenn fie ^rembc für un§ n)ären. (Sr rebete mit 'feinem alten Spater, feinem ^eran= toadjfenben ©o^ne. £>ann forberte er ßobotJico auf, nac^ fo treff= li(^en Staaten bie trefflic^fte ,5U öoEbiingen unb öor feinem ^leffen au§ ber 9*tegierung ^u tt)ei(f)en. @r er'^ielt feine 5lnttDort. 5lber barin tag ber Srud^ ber 5reunbf(^aft unb be§ fyrieben§ jtoifc^en i^m, ja be§ ^-riebenS öon S^talien felbft*). 5llfonfo'§ f^-reunbe fagten: für ßoboöico muffe genügen, ^obefta in ^ai(anb 3U fein; fie toetteten, er werbe feinen ^])lonat me^r befielen ^); ber aber meinte, bie TOttel p l^aben, fi(^ felbft 5U fid^ern unb Vielmehr ben (Gegner p gefa^rben.

;Snbem nun bamal§ ßoren5o 53tebici unb i^nnocenj VIII. batb \\Qi6) einanber ftarben, mußten 3llfonfo foUJo^l tt)ie Soboöico bereu 9k(^folger ,^u geniinnen fuc^en. S)er ©o^^n ßoren5o'§, pero, toar ben ^Iragonefen, üon benen er im großen ©aale ^n fd^iDuem fyeft 5llfonfine Drfina, feine (Bemal)lin, embfangen ^atte*^), gänjtid^ 5ugett)an. ßinen entgegengefe^ten ©inn ^egte ber ^lad^folger be§ $apfte§ :3nno= cenj. ^n bem aEgemeinen 3}erberben ift mol^t ein aEgemeine§ Un= glüif getoefen unb nit^t e^renüoll für 'tid^ gan^e menfd^lii^e ^efc^lcc^t,

1) Comines unb Georgius Florus, p. 3.

2) Marcus de la Cruce an Trivulzio bei Rosmini II, 192. 8) Literae Isabellae toörtüc^ bei Coric, p. 884.

4) ^ne5 bei Coric.

5) Cruce an Trivulzio 191.

6) Oricellarius bei Fabroni II, 316.

22 @rfte§ 33uc^. etfte§ ßQ^itel.

t>a% in biefen, t)on ber äöelt jurücfgesogenen 3eEen be§ ^ur ^apft= toa^l öetfammelten ßottclaüe bei fo tt)oi)l erbac^ten unb :^eiligen ^e= 16räuci)en, unter 5!)lännern , bie fein SSebür|mB toeitet nnb ^liemanben 3U öerjotöen Ratten, ni(i)t ba§ Söo^t ber (^-^riften^eit , ber fa auöenf(^einlid§ baran lag , noä) einer ^flation , nid^t einmal Voafjxt ßeibcnf(i)ajten bie 2öal)l Beftimntten. 5!)lan fa^ bie l)öd)fte S5Jürbe dl§ ein (Srbe atter ßarbinäle an, 'i>a^ man, tüeil leiber unt^eilbar, bem gab, ber ben 5lnbern ba§ 50^eifte tjerfprac^. 2)er SBruber ^llbug ton S5enebig, 95 ^(i1)x alt, ber !aum niel)r reben tonnte unb immer mit bem ^op]e nidCte, nal)m boc^ 5000 2)ucaten^). S3on 9Hoberi(^ 35orgia (SSorja) öon jltatioa in S^alencia empfing er fie, em= ^fingen bie 5lnbern äi§nlic§e ^efd^ente. S)a§ ©infommen beffelben t)on breien 6atl)ebralen, bielen Möftem, benen er öorftanb, ber ©rtrag be§ S5icecanceEariat§, ^a^ er betleibete, fomie mancherlei S5erbinbungen mit fremben ^^ürften getoöljrten i:§m bie 5Jlittel baau^). 5lo(^ l^ielten i:^m ^gcanio ©foraa unb :^ulian beEa 9ftot)ere bie Söiber^jart. ^ener, ber felbft 5lnfprüd§e machte, gab fie auf, al§ i^m SSorgia öier mit ©ilber belabene ^Jlanlt^iere in baö .^au§ fanbte unb ba^ SBicecanceEariat äufagte; biefer na^m nid§t§ an, flagte immer, ba^ bie Italiener au§gef(^loffen mürben, gab ^ule^t bodö au(^ nac^^). ^an a^nte Ungtüd t)on ber Söa^l. ©inibalb be Sinibalbig ftarl^ au§ ©rf)mer5 barüber. 5ln bem alten gerrante, ben nad§ fo fielen Uebelt^aten biefe 2öal)l mit bottem Unglütf bebro^te, mU man eine Xf)xäm bemertt ^aben*). 3)ie früheren großen ^ä:pfte forgten in il^rem ©inn für bie .^irdfie; fpätere Ratten 5^effen p öerforgen, ba=

1) Infessura, Diarium, p. 2007.

2) Jacob Volaterranus, Rom. Diarium, p. 130.

3) Infessura, p. 3008, unb Corio.

4) Infessura 3009. Zurita I, 15. (51. b. 2. 91.) ^m Codice Arago- nese öon Xtinc^eta tnirb bieje Uebetlieferung auf ©uicciarbini 3urücfgefül)tt unb in Slbrebc gefteEt, o'^ne örtüQt)nung ber aubertäjfigen Slutoren. 5lu^ ben 2Jiitt^eilungen, bie bann folgen, ctgiebt fic^ aber bod^ hu feinbjelige ©tettung äroifdt)en bem neuen ^apii unb bem .Rönige öon 5Reapel, bie fogleid) t)ert)ortrat. Sappiate, 'Reifet in einem SSriefe be§ ilöntg§ bom 7. ^uni 1493 an 5lntonio b'^lleffanbro (Cod. II, 2, 43), che'l pontifice succedendo in pontificato, con la maiore pace in tutta Italia: et con lo maiore reposo che mai altro pontifice: stando tutti li potentati in summa amicitia: ipso pontifice non guardando al ben publico, ma sequendo el suo na- turale. (Söergl. ©regoroöiuS, ®ejd)id)tc ber Stabt 9iom, 23b. VII, <B. 329.) 2)ie 3Jiittt)eilungcn be^ Codice finb für bie ©pod^e üon 1493 unb 1494 Don tiielem Söelang; bod) gel)en fie fo tief in ba§ ©ingelne ber mannigfaltig jd^tonnfcnbcn ^-Politi! jener Sage, ha^ it)r S^n^alt l)ter auf feine 2öeife eingejc^altet rocrben tonnte; bie "^ier oufgcfteüte allgemeine 2lnfic^t »irbbaburt^nid^talterirt.

malige fogar ©ö^ne, SSorgia, ber fid) 5llejanber IV. nannte, t^^rer brei, ^uan nnb S^offreb n)ett(id^en, ßefar geiftlic^en Stanbe§, unb eine öerl^eirat^ete ^oc^ter ßucrcäia^). 5Jlan fagte : 5£)er al§ ©axbinal feinen ©o^n jum <g)er5og öon (Sanbia gemocht, toag tüirb er al§ ^|>apft t^un? £){e ©foraa gewannen \1)n, inbem fie ^o^ann ©fotaa, •Oerrn 5u ^efaro, fetner Slod^ter gum Ö5ema^( pgeftanben; er löfte bie Q:^t mit il^rem früheren @emaf|(, ben er mit ®elb Befriebigte, auf. ;^m Seifein öon 150 römifd^en ©amen, benen biefe @eiftlid^en in (eid^tfertigem <&^iel öon bem ßonfect jutoarfen, ben man in mel^r aU ^nbert filbemen ©dualen auftrug, gefd^a^ bie neue Verlobung ^). .^ieranf ernannte ber ^a^^ft brei ßarbinäle jum 25or= ttjeitber ©foraa^) ; er fud^te bann ^önig 2Blabi§latt) öon Ungarn t)on ber Jod^ter §errante'§ ju fd^eiben, bamit er fid^ mit einer ©forja t)ermä!)(e ; iinb mie benn Soboöico mit aEen feinen 3}ermanbten 3U ^^errara unb 5Jtan= tua, 3U t^orli, ^efaro unb SBologna öerBünbet mar, mie er fe(bft S5enebig getoonnen*) unb feine ^efanbten unb fein ©(^reiben an ^arl YIII. gefd^i(ft, fo trat nun aud^ Sllejanber mit i^m in S5unb; bie ^IBfid^t marb gefaxt, ein .g)eer unter einem gemeinfd§aftli(^en §au^3tmann in§ gelb 3U fteEen; ber ^ap]t prte auf ßoboöico'§ S5orfd§läge, ba^ er .^arl Belehnen möge^), nnb forberte biefen auf, ^u fommen^).

äBenn bie 5ln^änger ber aragoneftfd^en S)t)naftie in fold^er Öefa^r nid^t üerätüeifelten , fo red^neten fie nod§ auf bie oft i6emä!)rte .^lug= ^eit be§ alten ^önig§ gerrante. ^ber fd^on fd^ien biefer alle ßeBen§= freubigteit üerloren ^u ^aben. @r mochte meber jagen, nod) f|)ie(en, !aum ^a^rung ju fic§ ne^^men. ^iemanb !onnte i^m in ben !teinen S)ienften be§ ßeben§ red^t mad^en ^). (Sr mar öon ben ;^al^ren gebeugt unb öon ber gnri^t üor biefem britten Kriege, bei meitem bem gefä^rüc^ften, ba ber ^önig t)on gran!rei(^ an bemfelben t^eilna^m, unb Oon feinen Sharonen beängftigt. Man fagte, in S^arent ^abe fi(^ ein uralte^ S3uc^ gefunben, aEein an ben ^önig unb feine öertrauteften @e= treuen gerid^tet ; ba§ fSolt glaubte, barin fei bem @ef(^led^te gerrante^g ber

1) iSannoa^gJijLJu^aneL^Qr bie Butter Sefarg, 3^uan§, 3foffreb§ unb Sucrejta'g. ©ie|at ein Ssenfmot tn f&anta ^J)iarta bei popolo. ^-Petro 8uig, ^etjog öon ©onbia, ftammt oui einer anbetn 23etBinbung. SSergl. ^ieumont, ©efd^.'üon diom III, 2. ©. 838. (51. b. 2. 91.)

2) Infessura 2010, 2011.

3) Senarega, Annales Genuens., bei Muratori 24, p. 534.

4) Alegretto Alegretti, Diarj sanesi, p. 827.

5) Zurita I, 26.

6) Infessura, Diarium, p. 1016.

7) Caracciolus, de varietate fortunae, p. 72.

24 6tfie8 «ud). t£tfte§ ßapitel.

Untergang getüeiffagt^). ^loä) gab er feine ©a(f)e ntd^t auf. @r badete baran, Äar(§ ße]^n§mann, i^m jingBar ju tüerben; aBer feine @e= fanbten Brad^ten jelBft bie il^nen ntitgegeBenen @efd§en!e ^urüd ; er backte Sllfonfo burc§ eine f^janifd^e S5ermä!)(ung ju ftd^ern ; ,^önig gerbinanb aBer tüiä} au§ ; feine einzige Otettung fa^ er barin, fi(^ nai^ 5[}lailanb 3U BegeBen unb SffaBeEa mit jurütf^unefimen. ?lBer ©Camera unb gurd^t Bradt)en x1)m ba§ ^er^, n)o"^[ auä) bie Erinnerung an alle§, tt)a§ er getrau, ^n großen (iiefettfd^aften ^örte man i^n tief unb tt)ieber= ^oÜ feuf^en, mitten in§ @efprädf) mifdf)te er finnlofe äßorte, boc^ bie fid^ auf feine ^efa^r Belogen ^). ^n biefem guftanbe ift er jn^ei S^age, nad^bem er in ))u ©tabt jurürfgetommen toar, am 25. Januar 1494, geftorBen.

äöie nun 5llfonfo fogIeid§ auf einem 9la|)pen buri^ bie ©trafen ritt unb mut^ig au§fa^ unb ein SeBel^odf) be§ ^olU empfing, hofften bod^ (Sinige. 5tBer bie UeBerlieferung ift, Stiele I)aBe man mit Bloßem ©d^ttiert mit^urufen jtoingen muffen; unb inbe§ fa^ bie alte Königin mit iljrer 16 jdl^rigen 5lodf)ter ^o^anna in einer bun!(en Kammer; fie !{ag= ten: ^ie Söeig:§eit ift tobt, bag ßic^t t)erlofd§en. 2öie :§at er une 5urü(igelaffen? unb toem? Sitte ^ad^t ]§in, ba§ l?önigreid§ T^ütfloe, tjerloren! 5lIfonfo trat au i^nen: 3((^ tnerbe ba§ ^önigreid^ erl^alten, fo gut mie mein S5ater. «Sie fürchteten feine @raufam!eit unb Baten i^n nur, be§ 3}oI!e§ ^u fd^onen^).

Sllfonfo Bemül^te fid§ t)or attem, ben ^a|)ft 5(tei-anber ^u ge= minnen, ttJoBei i^^n ber ^önig öon Spanien tnfofern unterftü^tc, ba§ er^ßnrique ©nricjue^, feine§ O^eimS 2;od§ter, mit 3uan SSorgia öermä^tte*). Sllfonfo fagte biefem einen ^efi| bon 12,000, bem jüngeren, Soffreb, Don 10,000 S)ucaten unb baju feine Xoc^ter ©ancia ju , fo ba§ bie 23orgia§ in hk 35ertoanbtfd^aft be§ ed^ten fo gut h)ie be§ unechten «&aufe§ t)on 5lragon aufgenommen toaren. UeBer fo großen 33ort^eiIen üerga^ Sdejanber bie früljeren S5er= pftid^tungen , ad^tete bie ^roteftationen in bem ßonftftorium nii^tö unb öerBanb fid^ mit 5llfonfo^). Eine S5ereinigung , bie auerft ben ßarbinat ;3^ulian fd^recfte. Einmal frü^^er ^atte er ben ^apft nad^ ^lagliano eingelaben. S)erfelBe !am; aBer al§ er einen jufättigen ©d^ug

1) Giacomo, Cronica di Napoli, (S. 173.

2) Senarega, Annales Genuenses, p. 538, unb Caracciolus, de varie- tate fortunae.

3) Zurita unb Passero, Giornale, p. 57.

4) Zurita I, 29. 34.

5) Diarium Burcardi bei Eccardus 2036. 2040.

l'age i^talien^. 25

Ijörte, fürcfjtete er, fei ein ä^^*-"^^^^ toiber i{)n, unb !e§rte nüt^tern um \). ©eitbcm f)ielt fic^ ;^uüan mit ben 5!}li§öergnügten in Oftia. ^Jtun, a(§ au(^ bie Orfini mit bem ^apii berfö^nt tcaren, f(^iffte er mit 3tt)ei ßaratjeüen mitten burc^ bie ütaubja^r^euge S}iKamarino^§ fjintneg unb nad^ f^ran!reid§ , !am in feine Öegation ^Äöipon unb nerbanb fic^ mit ^arl^). Sogteii^ Befe|ten bie ßolonna unter rot)e= reiferen, fran^öfifc^en unb i^ren fya^nen Cftia, fcfjloffen bie 5til6er, achteten nictjt, ba§ il)re ^päufer ^erftört tnurben, unb karteten be§ .ßönig§^).

^tfonfo (ie§ ]iä) am 8. 9}lai frönen, ©ein ^rönungSfc^mud reidjte an Sßert^ bi§ über anbert^alb TOttionen S)ucaten; botf» mitten in ber ']3rad)t fal) er traurig unb in firf) ge!ef)rt au§*); an biefem 2;age nerna^m er bie getniffe 9ta(^ric§t bom ^u%z ber fyran^ofen. ©ein ilBerner ©(^itb tonnte if)n nid^t erfreuen, ba er einen ehernen drautfjte. S)enno(^ badfite er niäit, ben Angriff abt^utnarten, tüie fein '^ater i^m gerat^^en ^atte. ©oE it^ mid) berftecten, fagte er, tüie ein 2Bi(b im ^ot^e ? ^lai^bem er bie (Befi^ente ^u feiner Krönung, gan^e ;3a^re§ein!ünfte S3egüterter unb bie Sehnten eingetrieben, nac^bem bie güEen feiner ©tutereien ^um S)ienft im Mege taugtid^ gemad^t tnorben unb feine ©d^iffe mit neuerfunbenen S3ombarben gerüftet toaren, Bef^ra(^ er fii^ mit ^llejanber ^u S3icot)aro; im ßinberftänbni^ mit bemfelben befd^to^ er, ßobobico bon ^toei ©eiten anzugreifen^): mit ber ©eemai^t in (Benua, ^u Sanb im eigentlii^en Gebiete bon TOtano. @egen (Benua 'Ratten fid^ i^m ^tbei S5erBannte, ber ßarbinal gregofo unb Dbietto f^ieSco, angeboten, ©ie toaren berjagt toorben, bamit bie ©tabt ßobobico ge^^ord^en möd^te, unb festen nun xf)xe Hoffnung auf ben J!önig bon i5^-ran!reid^ ^). ^n ^Jlilano badjte er burd^ bie |)ä|)ft(id^en SJafaEen, bie i^rem Se'^ngfjerrn ju folgen ber= ))flic£)tet toaren, Eingang, burd^ bie kneifen, bereu <&au|)t, Sribul^io, er bei ft(^ l^atte, bie Öbertianb, burc^ hie 9leigung be§ S5oI!e§ ju feinem angeborenen fyürften , i^o^^nn ^aleaj^o , ben boEfommenen ©ieg p erlangen, ^m 5luguft 1494 brachen 38 Üteitergefd^maber au§ ben ^bru^aen auf; fie tt?ottten il^ren Söeg burd^ bie Ütomagna

1) Infessura 2010.

2) Senarega, Annales, p. 539. Zurita 34. Infessura 2016.

3) Burcardus, p. 2048.

4) Passero 61. Caracciolus, de varietate fortunae 43. (ä. b. 2. 21.) Diurnale di Giacomo Gallo 7.

5) Benedict! Diarium. Corio 919. Oricellarius, de hello Italico, p. 10.

6) Senarega, Annales 520. Folieta 263.

26 @rftes 35uct). fötftei (Sapitel.

ne]§men, um ben jungen ^er^og üon ^Ulatlanb gu Befreien ^). f^u^öölfer Ratten fie ntd§t, aber ßonftabel, i^rer 3U toerben. ®a§ Sanbl^eer führte f^errantino , ber ©o^n , bie glotte , toeld^e ju berfelben 3^tt in ©ee ging, f^^berigo, ber S5ruber 3llfonfo^§. <Bo brad^ ber ^rieg in 3talien au§.

ßoboüico wartete feiner f^einbe bereite nid^t o^ne fran^öftfi^e .^ülfe; toiber bie Sanbung§tru^)^3en , toeld^e bie nea^3otitanif(^e f^^otte an SSorb genommen, foEte i^m ^er^og Subtoig tjon Orleans, ber mit einigen fd^toei^erifc^en i^ä'^nlein nod^ @enua ge!ommen toar, ^ülfe leiften. (Jnblic^ leuchteten bie geuer bon (^ap ju ^ap , ber geinb fomme; bie ^Iragonefen lanbeten bann an ber 9flit)iera unb befe^ten mit i^rem ^u^üol! '^apaU^). ^ber ma§ mar biefe§ guSboI!, o^ne 2öal§l unb Uebung, ba§, ^eute geUJorben, morgen au§einanber= ging unb feine @]§re barin fanb, toenn im Srott ein^erlief unb immer ben tarnen be§ §errn fd^rie^), üon bem gebungen mar, gegen bie ©t^Iad^torbnung ber ©(^mei^er? (S§ fonnte fi(| in ber genommenen ©teEung nid^t "be^aupkn. Den Sru^pen, bie p Sanbe heranrückten, fteEten fid§ 5lubignt) unb ein ©anfeöerin bon ben ferrarifd^en Mengen in ben 3Beg: f^errantino toarb menigften^ abgeme^rt.

3. Äarl VIII. in :StaIien.

3u berfelben S^tt, al§ ber italienifd^e S3unb , mie er nunmel§r mar, 5!Jtai(anb unb @enua ju ßanb unb gur ©ee angriff, befahl Äönig ^arl, für feinen ©ieg über bie ©aragenen in aEen .^ird^en Umäüge 3u galten unb au beten*). (Sr lie§ bie Seid§en ©t. 2)eni§' unb feiner ©efäl^rten nad^ ber alten ©itte franjöfifd^er Könige au§ i:§ren ^emölben in hie Äird^e l^eraufbringen 5) ; am 29. 5luguft 1494 §örte er in ^renoble bie ^effe, na:§m 5lbfd§ieb bon ber Königin unb brac§ nad§ Stalien auf. @r l^atte berorbnet, mer in feiner 2lb= mefenl^eit ha§> Äönigreid^, mer jebeg .g)er3ogt:§um bermalten foEte; öon bem §aufe ©auli in (SJenua :§atte er 100,000 S)ucaten aufge= nommen^); öon ben .&au§meiftern mar ber 2Beg bereitet, unb fo äog er in großen Hoffnungen bon SSriangon 5[Jlont ©eneöre :^inan,

1) emilia pa on ©ibctt ^io, bei Rosmini 202.

2) Georgias Florus, de hello Italico 7. St. Gelais, Louis XII, p. 82. S) Nardi, Vita di Tebalducci.

4) Baudequin Ms. bei Foncemagne, 2Jiemoiren ber Slcab. 17, p. 572.

5) Desrey am Monstrelet, p. 228.

6) Desrey 214. 215.

^orl VlII. in ^ialkn. 27

ha^ 2:]§al tjon ßefanne ^inaB, bie X^äUx ber äöalbenfer Vorüber, bi^ iiac^ Surin; Wanli^kxe trugen bem .J)eere ba§ (S5e|)ä(f nai^. 3ln ben Sporen öon 5lurin empfing fte bie S)ame öon ©at)ot)en, Bianca, auf i^rem 3elter unb ber junge ^er^og, nod^ ein ^inb, ben man aber gele:^rt, artige Sßorte au fagen^). ^enn na^^e S^ertoanbtfd^aft unb häufige @ntf (Reibungen in t)ormunbfd§aJtIi(i)en (Streitigfeiten ]§atten ben franaöfifd^en .Königen in ^iemont ba§ ^Infe^^en tva^xn ße:^n§^erren t)er= jc^afft. Unter Slarinen unb 2rom|)eten jog man bie Waffen entlang, n)0 ^arl§ be§ (SJrofeen fabelhafte Saaten in ^^fterien bargeftettt würben 2). 2)ie gürftin gab al§ $fanb einer !(einen ^Inleil^e i'§r ^e= ft^meibe. ^f)xl\pp be SSreffe, be§ <&eräog§ O^eim, fc^lo^ fic^ bem 3uge an. ^n f^reuben 50g man auf 5lfti an bie ^renjen 5}lailanb§^).

^uxtam Sobobico ju bem Könige, „^n ;Stalien, fagte er, „3ä"§len tt)ir brei gro^e 5[flä(j§te. @ine ]§abt ;S^r für ßud^, 5!)lailanb; eine fi^t ftiE, SSenebig. Söie n)oHte '^taptl £)em aEein tüiberfte^en , beffen S^orfa^^ren un§ aUe aufammen befiegt? äöenn ;^:^r mir folgt, toiU id§ ^nä) größer machen, aU ^arl ber ^ro^e gewefen. Söir tnoEen biefe 3:ür!en fd^on au§ (Sonftantino^el jagen*)."

^oä) e^e man aber an ben §einb !am, na^m Sobobico ■»ntailanb t)ollenb§ in S3efi|. @Ben lag ^o^ann ^aUa^o tobtlranf; bagegen ^atte ßobobico bon bem römifc^en Könige, ber fid§ bor einigen Monaten mit feiner 5^ic§te bermäl^lt, bie S3ele^nung mit bem '&^i^8t)öt^um erhalten ^). äöenn nun jener ftarb , toä^renb ba§ franaöfifd^e .g)eer gerabe im ßanbe tvax , toer foEte bann i^m tt)iber= ftreben? ^n ^abia fa^ Äarl ben ^ran!en, beffen ^Jlutter bie (5(^n)efter ber feinen getoefen, ber firf) nod§ entfc^ulbigte, ba^ er i'^m ni(^t entgegengefommen , benn er fei aEaufran!; aber er Biete i^m fidf) unb feine Äinber bar^). @in |}at)efifd)er 5lrat, ber ben ^önig begleitete, :^at SfluceÜai öerfid^ert, fei offenbar gertjefen, ba^ er ^ift befommen :§atte ^). ^nbe^ Ijieg \fy\ ^arl gute§ 9}lut^e§ fein,

1) Georgius Florus 6.

2) Philiberti Pignoni Chronicon Augustae Taurinorum, p. 41.

3) Comines unb Desrey 216. 3lin 1. «September !ant i?atl nad^ S3ri: an^on, am 5. nac^ Surin, am 9. noc^ 3lfli.

4) Comines, p. 444.

5) Urfunbcn hn ßorio 900. 912. 935.

6) Georgius Florus, de expeditione Caroli, p. 9. (Slnmextung ber btitten Qlu^gabe.) Marino Sanuto, La spedizione di Carolo ottavo in Italia, pubblicata per cura di Rinaldo Fulin, ©. 671. ^otl hjar am 7. Oftober üon ^2lfti aufgebrod)cn unb traf om 14. in ^^abia ein.

7) Oricellarius, de bello Italico, p. 33.

28 @tfteö Sud). (Srflei Kapitel.

ttatim feine ^ette t)om ^alje unb ^ing fie if)m um. ^aum njar er in ^iacen^a, fo öema^m man ben %oh be§ ^^üngUngg^). 5(Ege= mein war ba§ ^^litöejü^l mit bem unfd^ulbig geo^^ferten ßamm, tt)ie ba§ Kranen öor bem, ben fie für ben 5Jlörber hielten. SBätirenb nun ber ^önig bie S3ürger 5ur 2^obtenfeier lub unb bie 5(rmen 6e= fc§en!te , flog ßoboöico na($ ^aitanb , öerfammeÜe ben (5taat§= rat^ unb fc§(ug be§ S}erftorBenen So^n ^u feinem ^ad^fotger öor^). „6in ^Jlann ift un§ nöt§ig, fein Äinb", entgegnete ber 8($a^meifter 531arliano. %IU ^itgüeber ftimmten barin ^ufammen, ba§ ßoboüico if)r .f)er3og fein muffe; fie gaben i^m ba^ ©cepter, man Brachte ein ^leib öon @olbftoff l^erbei, ba§ er anlegte; bann ritt er im @eleit ber S5ornel)men nad) @t. ^mbrofio unb toarb bort öom fSolU 3um ^er^og aufgerufen ^). äöenn ^fabella fd^on burc^ i^ren Srief ben gefd^rlid^ften ^rieg für i^ren Spater, il^reg ^anne§ jlob öeranla^t ju ^aben glaubte , toie ttjarb i^r je^t ju "iDlutlie , al§ man i^r fagte, ßobobico fei <&er^og, aud) i^re ^inber feien T^off= nung»lo§ unb beraubt! 2)a§ 5lnbere Ijatte fie ertragen: bie§ brüdte fie 3U SSoben*).

S)er Äönig ftanb an ben ^ren^en pnöd^ft be§ florentinifc^en unb be§ römifd^en @ebiete§. ©d^on in ^siacen^a famen jmei ^iebici, 5?iiero^§ S^ettern bon bem Jüngern <&aufe, freigebiger, leutfeliger, bem S^olfe lieber unb nid§t minber reidC) al§ er, aber öerbannt, tneil fie fid§ bei einem ^puU mit ^iero ent^tneit unb fran^öfifd^e ^efinnung gezeigt Tratten ^). ©ie fagten bem Könige: er möge nur nad^ %o^= cana üorrüifen, in giorena ^aht er ^reunbe. Unter ben alten 5ln= Rangern b"er 5^ebici toaren bod^ biete un^ufrieben mit $iero. (Sein ^akx T^at i^m einmal gefdtirieben : „Ob bu too^^l mein ©o^^n bift, bift bu bod^ nid^tg anbere§ al§ ein ^Bürger bon gioren^, wie aud^ id^^)." 5lber ber (So^n einer Orfina, beffen S5ruber ßarbinal mar, beffen S5ater ber 5Dlebiator ^talieng geUjefen, ber fid^ biefem felbft an Seibeöftörfe, ©d^ön^eit unb anmut^iger Gegenwart, üietCeid^t auc^ an claffifi^er Silbung überlegen füllte benn er erflörte mo^l feinem S3ruber ben SSirgil unb Ujufete geft^idft 3U improbifiren ^) , tonnte

1) Desrey 218. ^Äm 18. Dttober tarn ßart md} ^iacenaa; am 21. ftatb 3^of)ann ©aleaj^o. <

2) Florus Navagero bei Muratori ^3, 201.

3) Corio, p. 936. Lodovico an Aubigny in Rosmini, Trivulzio II, p. 206.

4) Petrus Martyr, Epistol. XI, 193.

5) Corio unb Comines.

6) Literae Laurentii bei Fabroni, Vita, p. 264.

7) Literae Petri bei Fabr., Vita Laur., p. 298.

^Qtl VIII. in Stalten. 29

biefe ©rma^nimg (cic^t öevgeffen; ba§ ina^r^ft SoBenStüürbige t)er= ga^ er, lt)ie titele 5(nbere, üBer äu^erlicfjettt ©latt^. @rt)attemd^t3ußanb= bau unb ^anbel Suft, ti^ie feine Später, aber ju äöeibtoerf, S}ogelbet3e, bem to§catttf(^en 35aEfpiet trtit i^ug unb <&anb, :t3räd£)tiöen 5Xufaügen am 2;age, ^u näc§t(td)en (Belagen ^); er lie§ fid§ im §arnifc§ malen ^). ^n ben ß^efd^äften ber ©tabt bagegen ^te^ er gut, tcaS fein ülat^ SSiBBiena i§m tJorfd^lug. @rft aU ^axl über ha^ ^o^e (Gebirge nad§ ^ontre= moli gefommen, \a'f) ^iero, toie tDeuig bte ^Florentiner i^n gegen ben= felBen 3U iinterftü|en geneigt feien. „5^Ue ^ötte iä) in biefe dloi^ 3u !ommen geglaubt," f(f)rieb er, „nie l^abe i(^ fo großen ^^reituben biefer ©tabt mißtraut; aber \ä) bin öon aEen öerlaffen unb ^abe ttieber (i5elb, noc^ ßrebit, uoc§ Slnfe^en, ben ^rieg auSäU^alten" ^). ßr fc^rieb ba§, al§ er bereite auf ber Steife nact) $ifa ju ^arl tüar, um \iä) o^ne S3ebingung in beffen ©ettjalt au geben*). 5lur burd^ be§ Königs §ülfe tüar eg möglich, \xä) in ber 8tabt ^u ^alten^. ©0 tpcnig überlegt, toie man behauptet ^at^), iDar ni(^t, toenn er bem

1) Nardi, Istorie Fiorentine, p. 9.

2) Jovii Elogia virorum illustrium, p. 187.

3) ©eiti 33rief an SBibbiena bei O^abroni, ßeo X., p. 262.

4) ^toeiter SBricf ebcnb. 5lin 23. Cftober betliefe ^axl ^Piacenäa unb [gelangte nm 29. nac^ ^ontxemoU. 3lm 26. hjar ^iero üon ^loxena obgeteift.

5) Georgius Florus, p. 9. Nerli, Commentarj, p. 61.

6) 5lod) in ben neueften ©d)tiften mitb bem 5piero una stoltezza vera- mente incredibile (Villari, storia di Girolamo Savouarola) äugefdjticben. äöir burften eine folc^e in einem ^J-torentinet, einem ^Jlebiceer nic^t gerabeju öorau§je^en. Sllle» U)Qt ©egenfa^ ber Parteien, mel)t ober minber folfdje SBe* rectjnung, ^Igitotion beS 3!JJomente§. Hnenblid) merltoürbig finb bie in ber ©omm* Inng bon Desjardins, Negociations diplomatiques de la France avec la Toscane, mitgetl)eilten Briefe au§ ber ^eit ber Ärifi§. ^Jion \k\)i, bofe $iero huxd) feinen Söunb mit 5llfonfo unb fein 5ßerl)Qlten übetl)Qupt mit feinem «Staate in y^lorena verfallen mar. S^enn bie Florentiner tüaren an fid) fran- jofifc^ gefinnt; fie fal)en bie öon ben f^ranjofen brol)cnbe ©efa'^r mit um fo größerem Unmutt), bo nid^t bie 5Politif be» ©emeinbetoefen§, fonbern eine fe^r perjönlid)e beä Dbcrt)auptc§ ii)rer SfJcpublif tnar, toa§ fie in biefelbe t3ertoi(felte. g^lorenj felbft mar gegen bie öon ber ©ee l)er brot)enbe Uebermai^t ber t^ranjofen nid^t 3U öerttjeibigen. 23on feinen ©egnern im Innern be* brängt unb bon oufeen gefäl)rbet, entfc^lofe fid^ 5piero, hk ®nabe be§ Äönigi t3on 9^ranfrei(^ perjönlicl) 3U iudjen. @r tl)at bie§ nidjt ol)ne SBeforgnife für fid) felbft unb bat feine Mitbürger im t)otau§ um ^ürforge für feine Familie, menn il)m ein Unglüd gefc^el)e. ^nbem er fid) aber äugleid) aU Cibetl)an:j)t ber 9iepublit unb il)r ©efanbter nac^ bem fran3Öfifd)en gelblager begab, regten fid) feine ©egner in ber ©tabt ; fie ernannten eine ©efanbtfd)aft, bie mit 5piero ober aud) o'^ne i^n 23erl)anblungcn mit J^arl VIII. anfnüpfen föune; bie Fotberungen ber g^-anäofcn ju erfütten, tnaren aud) fie bereit. 5^id)t gerabe tiiit üieler (5d)n)ierigfeit ^atte 5piero unterbeffen Unter^anblungen

30 ^ftc§ S3uc^. erftc§ Kapitel.

Röntge atteg getüä^rte, tüa^ er toünfd^te, bie geften bon ©ar^ana, ©ar^aneEa, ^ietrafanta, $ifa unb ßbomo, toeld^e ben ^ebirgStüeg unbbte Mfte öon ber ^:))lagra Big äum 3lu§ftuffe be§ 5ltno bel^errfc^en^). ^ meinte, baburd^ i^ feinen greunben ju entfremben unb für fid^ 3U getüinnen. 5lber fel^Ite biel, bag er beffen fidler getoefen tüäre, aU er öerna^m, man table ju .gaufe fein S5er:^alten. @r eilte nad^ ^lorena ^uxM. Um bie ^etoalt 3u be:^au|)ten, lie§ er feine Srup^en unter ^agolo Orfino aufammentreten unb begab ftc^ mar am 9. ^oöember 1494, einen ©onntag 5lbenb mit bemaffnetem befolge na(^ bem ^alaft. 3)ie üerfammelten ©ignoren toaren nirf)t einig, ©inen gab unter i^nen, 9Zamen§ ßorini, ber ^iero ]§ereinfü^rte unb fid^ meigerte, bie @df)lüffel 5ur ^(ocfe ^erau§äugeben , mit ber bie 5lnbern ba§ S5ol! pfammenjurufen badeten. 5lber biefe l^atten bie Dber^anb. ®em Äommenben traten ein ^erli, ein (S^ualterotti , beibe aus fonft ganj mebiceifd^ gefinnten ÖJefdCjlec^tern, entgegen : „?lttein unb o^ne Söaffen, anber§ bürfe er nid^t eintreten." 5lnbere ijffneten bie ^toifenflube^). 3ugleid^ mit ^iero mar f^ran^ S^alori, bisher ^efanbter bei ^önig ,^arl unb baöon überzeugt, ba^ btefer ^iero 5[Jlebici nid§t unter= ftü^en merbe, gurücfgefommen^). @r l^atte fic^ ^u ^ferbe gefegt, rief

mit ben Q-tan^ofen begonnen; et toot eigentlid^ ber 2Jteinung, feinem bi§t)eris gen Söerbünbeten 5llfonfo ben beften S)ienft ju teiften, tüenn et fid^ gonj in bie 2ltmc bon ^^tanfteidf) toetfe. 6t ttug !ein S5eben!en, bie ^eftungen, toeld^e bic^ton3ofenbeget)tten, hi^ t{)te©QC^e mit 51eapel auggcttagen fei, in bie <^änbe bctfelbcn ju übctltefetn; et etliefe beteit§ Sefet)le nod) 5|}ifa unb g-loten^, bem Äönige bon ^ftanheit^ tüegen feinet 2ßütbe unb bet alten 23erbinbung mit it)m ongemeffene Slufna'^me 3u getDät)ten. S)ie neuen ©efanbten l)atten feinen ge* tabep mibetfptedtienbcn ^lufttog; nut "^oben fie ba^ 23etl)ältnife bet 9flepublit alSfolci^et ^etüot. ^eben 3lugenblid U»u(^§ bet SCßibetftanb gegen 5pieto im ^n- nctn bet ©tobt, liefet ^ielt füt notbtoenbig, fid^ nad) O'lo^f "S autürfjubcgeben, um bet ©tobt 5D^eiftet ^u bleiben. 5lbet be§ ©d)u^e^ bon g^tanfteic^ toat et nod^ nid^t öoEfommen gefic^ett; in bem ftan^öfifd^en ^eetloget tnufete man biclme^t red^t too^l, bofe et bet etgentltdje (Segnet bon gtanfteid^ toax, md)t bie ©ignotta. (Sinet bet flöbtifd^en ©ejanbten, SSaloti, tarn bon bem Könige 3UtüdE, übetjeugt, ha% biejet bie tnneten 5lngelegen^eiten bet Otepublif it)t jelbet übetloffen tbctbe. 2)a gejd^a^ nun, ha% ^ieto, inbem et fid) be§ ^alaftei ju bemQd)tigen bad)te, äßibetftanb fanb unb bie Kopulation fi(i gegen it)n ctt)ob. 2)et 3Jioment ift bon gtöfetet Sötd^tigleit; loat eigentlid) bet entf^eibenbe füt bie fpäteten 3eiten bon jToicana. (?l. b. 2. 51.)

1) Comines 449.

2) Nerli 1, 1. Nardi, p. 13.

3) S)ie angebli^en Bulletins bon bet 2ltmee ^atl§ VIII. (Pilorgerie, Cam- pagne et buUetins de la grande armee d'ltalie commandee par Charles VIII.) finb metfmütbig, injofern fie bie potitifd^en 5üctl)anblungen, bk ben 3"« beä ,R5nig§ begleiteten, unb beffen 2lbfid^ten anbeuten; für bie inneten itatient« fdjen SBehjegungcn ^aben fie menig äßetf^. (ä. b. 2. 21.)

Äarl VIII. in ^iaiun. 31

\nx ^ret^ett auf unb mad^te ba§ S5ol! auöerfid^tlid^ in feinem S5e= c-^innen. ^tit öier ^a!§i*en Tratte §ieron^mu§ ©aüonaxola bemfelBen i>ol!e geprebigt: „ein ^önig n)erbe üT6er bie SSerge !ommen, ein großer ^önig, ben (Sott fenbe, bie Ungerechten ju ^üd^tigen unb bie Sirene 3u emeuein^)." 5£)iefer fd^ien nun ba ju fein. SBie pero üBer ben Pa| aurürfging, fa^ er 6teine um fid) fliegen, ba§ SJoIf 16eim (5c§aE ber ^totfe nad^ bem ^alaft äufammenlaufen unb feine ^äfc^er entn)affnen; er fa^ biefe Söaffen ber ^ned)tfc§aft unb bie tüenigen, Ujeld^e feiner 3luffi(^t entgangen Ujaren, für bie SSefreiung t)on feinem ^o^ fdjwingen^). @iot)anni, fein 33ruber, rief auf ber @tra§e: $aEe! (.^ugeln ndmlid; toaren i^^r ^tiö^tny) fie fud§ten i^re Sln^änger in ber S5orftabt ©t. @aEo in SSetoegung ju fe^en; aber 5ltemanb regte fic^, unb ^agoto^g Xxnppm toaxen in fyurd^t. ©0 öerlie^en bie ^Jlebici, Seltne ßorenao'S, ^toren^, o^ne irgenb etmaS p retten, i^re S(^ä^c, il^re ©belfteine, jene @efä§e bon ©arbon^j, bie toftbaren 5lltert^ümer, bie 3000 ^ebaiEen, bie .g)anb= fd^riften unb ©rüde, bie ben i^i-^emben p geigen i^r ß^rgei^ toar^), bie Härten, in benen bie ^orrigianen unb ^i(^et 2lngelo^§ erlogen maren ; fie liefen 3ltte§ bem S5oI!e pr ^lünberung ; fie midien bon ber fed§§3ig= jährigen bemalt i§rer Spater unb entflogen ; benn aud6 ^u ^arl tagten fie fidf) nidf)t; fie manbten fid§ über hu Slpenninen nad§ ^Bologna. S)effen ^3[n!unft, in bem bie ^ro|)^eten einen 9fletter gemeiffagt, ben man gern „-^eilige ^rone'' anrebete, mad^te an biefem ©onntage aud§ ^^ifa frei. 2öie ba§ gefd^el^en, ift nid^t au^er 3^^M<'t- ^^^ <Sefc^id§tfd^reiber mei§ biet tion 8imon Drtanb ^u fagen, meld^er auf ^ol! unb gürft eingetoirlt l^abe*). 5luf bem Söege bon ber ^effe ober ba^^in f)abe fid^ ba§ |)ifanifd§e S5ol!, alt unb jung, öor bem Könige niebergemorfen, über bie gro^e bemalt ge!lagt, hit feit 87 ;^a^ren üon ben Florentinern erbulbe^), unb motte frei fein unb unter il^m. ,^ierauf i^abe biefer f^ürft, ber ^er^Iid^ gut mar unb atte Unbittigfeit ]§a§te, gleid^fam einen fragenben ^üd auf einen ber ülät^e, bie i^n begleiteten, feinen ^O^leifter tjon ben S5ittfd§riften, ^ean Sflabot, gerichtet, unb al§ berfelBe geurt'^eilt, fie ]§ätten S^ted^t, unb al§ atte feine ütitter Erbarmen gezeigt , ^ahe er geminft unb fie in guter f^reiT^eit ^u erlialten berf^roc^en, morauf ba§ 35ol!, ^ran^a, Sibertä unb ^reube rufenb, ben florentiner ßömen in ben 3lrno ge=

1) ?lu§ <Sat)DnaroIa'§ ^rebigten bei Fabroni, Vita Leonis X.

2) Nardi, Nerli, Guicciardini.

3) Comines p. 451. 455. Vasari, Vita di Torrigiano. V. d. P. III, p. 136.

4) Jovius, Historiae sui temporis, fol. 19.

5) Desrey, p. 219. Nardi 12.

32 Srfte§ SSud^. ©rfteg ßopiteL

tüorfcn unb bie florenttner 33efe^I§^a]6er öerjagt ^aBe^). ©te fe^en :^tnäu , 5tüci grembe Ratten baran 5lntf)ei( gehabt : ein ^IRailänbcr tregen getüiffcr 5lnfprüc^e ber ©f^i'^a, @a(eaä3o Sanfeöerin, unb ein ©ienefe um bet toöcanifd^en ^reil^eit tüiEen, 35art^oIomäu§ ©o^^ini, ber bic ^cdfite in $tfa leierte unb einft lange in ^torenj gefangen gefeffen^).

©0 er^a^tcn fytorentiner unb f^-ran^ofen; pifaniftfje ^df)xbü^ex t)ai feit bcni 2:age i^rer Unterjochung nic§t gegeben^). Äart meinte biefe Stabt bem ^iero 3U entreißen; no(^ tonnte er nic^t miffen, toie bei-felbe 3U ben Florentinern ftanb.

S)iefc, gegen bie er nun 30g, Ujaren f)aib feine ^yeinbe, benn i§r CBer^aupt l^atte boc§ ^rieg toieber i^n geführt, ^aih feine f^reunbe, benn eBen bie§ i^r Oberhaupt Ratten fie berjagt. 5Xuf ben ^Ipügeln t)or Signa, bie unbefd§ü|te ©Bene ber ©tabt Oor fic§, tnarb eine Unter^nb= (ung angetnüBlt. SÖenni^n ßucca, ba§ if)m ni(f)t öer^flic^tet n)ar^),o^ne 33ebingung im beften ^alaft mit @ef(f)en!en em)3fangen, fo berlangte er baffelbe bon Storenj, ein unbebingteg SDertrauen, ein böEigeg @r= geben in feinen guten Söitten^). ^an fc^ien barauf einpge^en unb brad^te i^m (am 17. 9lobember) bie ©c^tüffel ber X^ore. Süngünge in franaöfifc^en .Kleibern trugen ben 33a(bact)in über feinem tlpau^t unb fü'^rten i^n, gan^ in äÖaffen, toie er n)ar, ba§ 53tt)fterium ber S5er!ünbigung borüber nai^ t^rcm S)om unb nac^ ben Käufern ber ^^Jlebici^). 5^id§t fo Ieicf)t aber ging mit ber ferneren Unter^anblung. ©oEte mo^t tDai)x fein, ma§ man mittlieilt, ha^ ^iero ßa)))3oni im ©ruft S)ie in ben ^Jlauern ^u offenem Kampfe t)erau§geforbert t^abe , bie man brausen nic^t p befte^en ge= magt §atte^)? ^etoi§ ift, ba^ bie ^Bürger unb bie gran^ofen fiC§ f(^le(f)t bertrugen ^), ba^ ber ^önig S5errat^ füri^tete, bie ©tabt aber $(ünberung ®). 3ule|t tourbe eine Uebereintunft getroffen. 2)er

1) Comines 452. Ferronus, p. 10.

2) Alegretto Alegretti, p. 836.

3) Sismondi, 5lnmettung 3U 1406.

4j Chronicon Venetum Murat. 24, p. 8.

5) Unterl)anblungen bei Oricellarius, de belle Italico.

6) Desrey 219. Nardi 15.

7) Macchiavelli, Decennale. Oricellarius.

8) Macchiavelli, Clizia Commedia. Atto I. Sc. I.

9) @ine fct)v lebenbige ©d)ilberung bes ^tüiic^en ben gtaiijofenutibgioren^ tinern obtootteuben ^ifetrauenB ftnbet fid) in bem Diario Fiorentino dal 1450 al 1516 be» Luca Landucci, ba§ Don ^oboco bei Sobia im Sal)re 1883 ebirt tüorbcn ift. 2;a bcifet unter bem 24. DU. (©. 85) : che ognuno attese a riempiere le case di pane e d'arrne e di sassi e aiforzarsi in casa quanto era possibile, con propositi e auimi ognuno volare morireco l'arme inmano e ammazzare ognuno, se biso- gnassi, al modo del vespro Siciliano. (5tnmetfung ber 3. %n^%abi.)

Äorl VIII. in Italien. 33

tjorne^mfte ©treit^unÜ Bettaf bag §au§ 5!Jleb{c{§, \>a^ ber ^önig tüteber^ergefteHt toünft^te. @t Brachte jeboc^ nur fo toeit, ba^ bie fi^ärfften, gegen bie 5!Jlebict, it)r ßeBen unb xf)x <g)au§ erlaffenen ©biete ^nrüdgenommen tüurben. 5ttte§ 5lnbete Behielt man ber Qu= !unft bor. ^ifa, Siöomo unb bie öon ^iero aBgetretenen geftungen foHten Big 3ux S5oIlenbung bet nea^oütonifc^en ©jpebition in fxon= 5öftfd§en Rauben BleiBen; auf ^oliti! unb Söaffen Behielten \xä) bie gtan^ofen einen großen @influ§ tjor^). 5^ad^bem bie§ Befd^tooten ttjotben, läutete ntan 'i>k @(o(fen unb mad^te f^reubenfeuer auf ©trafen unb ^la^. S)ex ^önig Iie§ äßorte be§ ^riebeng, günftig für bie @r= neuerung ber f^i^ei'^eit, an bie 3Jlauern anf(^tagen; bann fd^idte er fic§ an, feinen 3w9 ^öd§ 9flom unb ^Jlea^jel toeiter fortäufe^en^). ©atjonarola trat ^u t^m : er möge bie Seit nic^t tjerlieren ; @ottfenbexl§n , ba§ fei gett)t§; aBer ba§ t^m nur ntd^t ber UeBermut^ feiner ßeute ha^ S5oEBringen unmöglii^ mad^e^)! 3tt einer 5lrt öon 5!Jlanifeft öerfünbete bann ^arl VIII., er ^aBe feine ©ema^lin, feinen 2)au^jl)in unb einzigen So^n, fein üteid^ t)erlaffen; er !omme nii^t, 3emanben 3u tjerle^en, fonbern 5^ea^el einaune^men, beffen feine S5orfa^ren unb er burd^ öierunbätoauäig SSele^nungen römifc^er ^ä^fte unb ^eiliger Soncitien öerfi(^ert n}orben, ba§ i'^m, bie UngläuBigen ansugreifen, huxä) bie Drte am ^Dfleere bie Befte @eIegenT§eit geBe. 6r forberte freien S)urc§3ug, fonft ttjerbe er il^n erstoingen.

5^a(^bem f^lorenj burd^ feine 5ln!unft umgeftaltet tnorben, äog er fort toiber feinen ätneiten f^einb*). ^apft ^llej-anber geriet!^ me]^r in S5er(egen:^eit al§ in f^urd^t. (5r fagte au 9tuboI:|3l§ t)on 5ln:^alt, ber bamal§ in 3tom toar: „S)iefer Äönig tüirb, toie bie (Behalt, fo ben 5flamen be§ ^aifert^um^ öertangen. 5lBer, berfic^ert Mai-imi= lian, id^ UJoEte mir e^^er ba§ ©d^toert an bie ^ti)U fe|en laffen, alg barein toittigen^)." SBo^l rücfte auf ber einen ^eite f^errantino gegen 9ftom ^eran; längft Ratten i^n bie ^Florentiner , barauf bie Surften tjon UrBino unb $efaro ^) unb, foBalb er 5luBign^ nid^t me^r

1) Petrus Parentius, Za^ihnä) Bei Fabroni, Leo 263. (31. b. 2. 21.) D^sjardins, Negociations I, ©. 601. 5Der Ztjci be§ SSertrageS ift öon ®ino ßopponi im Archivio Storico Italiano, Ser. I. vol. 1, <B. 362—375 pubti- citt tootben.

2) Petri Criniti Carmen, cum Carolus ad urbem tenderet, b. Roscoe, Sebcn Seo'§, I. Appendix 510.

3) Nardi.

4) ßatl üetliefe f^lotetta «wi 28. S^obemBet.

5) Burcardus, Diarium, p. 2050.

6) Baldi Guidobaldo,- p. 135.

t). gianle'ä 2ßerle XXXIII. XXXIV. 0{otn. u. gem. »öWet. 3. Stuft. 3

34 <Stftc§ S3ud^. erftc§ ßa^Jitel.

loiberfte^en !onnte, aud§ ßatl^arina ©foraa öertaffcn. S)a§ Söol! fagte, tooEe leinen ^rteg mit ben ^^tanäof en ^) ; zeigte fid^ fogar feinbfelig gegen iT^n unb !t) erlegte il^m bie «Strafe. £)]§ne fid§ ben ^anjer ju löfen^), naT^m et buri^ bie 9flomagna ben ülömettoeg. 3ßir!(i(^ meinte bann ber ^a^ft mit ^ülfe ber 5^ea^olitaner bem öon 2:o§cana anrncfenben Könige Don gran!tei(j§ tniberfte^en jn !ön= nen^); et l^ötte anf !eine S5etfi(^etungen bet ©fotja nnb il^tet 5ln= l^änget. ^atl VIII. toat in Siena bntd§ Beftän^te Xf)oxe einge= jogen *) ; et \pxaä) bott feinen SSann toibet bie S5etttiebenen an§ nnb lie^ einiget fSolt ^umä; in 6a§ciano emt)ftng et ^ifanifd^e 3üng= linge, bie i^m ^le^^e, .^afen unb toag fünft hk 3agb getoö^^tte , ^nm @efdöen! batBtad^ten^). <Bo langte ^atl VIII. anf bem ^oben bet ^itd^e an^); bet ßatbinal ^ettanlt üBettebete bie ©intoo^net bon 5Jlontefia§cone , ben ^önig ftieblid§ auf^nnel^men : benn ba§ fei ba§ alte nnb toaste S^etf^ted^en be§ 5pa^fte§. 5lm 10. S)ecem]6et Betete et Beteit^ t)ot ben üleliqnien ©t. Sftofa^g in S5itetBo ^) ; ba üBet= liefette felBft ein Otfino, beffen @efd§led§t mit ^ieto unb 5llfonfo nal^e öetBunben toat, aEe feine ©d^löffet unb S5ottät]§e; öon aEen ©eiten, aud§ auf bet 2:iBet, geigten fid^ bie geinbe; ja, 6omine§ et= ää^lt, ein 2:T^eil bet ©tabtmauet fei gefaEen, nid§t§ fei ma]^tet^). S)agegen Tratte gettantino, aU et bie UeBetlegenl^eit be§ Äönig§ inne toatb , Sftom Beteit§ öetlaffen. S)ann fanbte htx ^ap^i feinen 6e= temonienmeiftet , um ben ^önig in bie 6tabt ^u fügten ^). 5Xm 31. ^ecemBet 1494, Bei f^a(ielfd§ein butd§ etleud^tete ©tta^en, untet bem gteubengefd^tei be§ fSolM gefd^a^ e§i<^). ^atl§ 5lBfid§t tonnte nid§t fein, eine ütefotmation bet ^itd§e mit ©etoalt butd^^ufe^en, obct H^ ^aifettl)um an fid^ 5u teilen; inbem et bie geinbe ber ß]§tiftenl§eit angteifen tooEte, butfte et nid^t bie gan^e ßl^tiftenl^eit

1) Passero, Giornale, p. 63.

2) Zurita f. 52.

3) Burcardus 2058 unb Zurita p. 50.

4) Desrey 218. (Slnm. ber 3. 21.). ©anuto, Spedizione dl Carolo ©. 144.

5) Allegretto Allegretti 835—837.

6) Burcardus, Diarium 2051.

7) Desrey fol. 220. 2lm 22. 2)ecember btadt) ßarl t)on SJiterbo auf.

8) Comines 462. (2lnm. ber 3. 51.) eben ba^ berichtet oudb ©anutö? a. 0. D. <B. 163.

9) Burcardus Dom 31. ^ecember. 10) jTremouiae'g 2J?emoiren 147. 148.

Äarl VIII. in ^ialien. 35

I itJiber ftd§ reisen^). 5l6er toenn er ßefar, 5llejanber§ ©o^n, al§ (iJeifel

1 in feinem befolge ]§atte, toar er be§ ^a^3fte§ fidler; toenn er %txxa=

cina unb 6it)ttaöec(^ia befe^te, ge^orditen i^m bte öomel^mften ^(ä^e

j Don ber fran^öfifd^en bi§ 3ur neo^olitanifd^en ,^üfte. 3n ^llejanberS

I S5ertt)aljrung tDar hainaU Sl^^^ , ^^^ SBruber SSqaaet^g, ber öor

biefem ju ben (il^rtften geflogen tt)ar, aber no(^ einen großen 5ln^ang

unter ben 3:ür!en ^atte, ein 9}lann ungebrochener @e[tnnung, tüelc^er

bem ^apfte nid^t bte f^üfeß Mgte, fonbern nur ben 5lrm; inbem ^ar(

1 biefen mit fid§ fü:§rte, ^ielt er ftd^ eineg glüdüd^en ®rfolge§ tt)iber

! bie 2;ür!en fo gut aU getüi^ ^). 5(I§ er bieje S5ortT§eiIe, toeld^e mägig,

aber mid^tig maren, erlangt, fagte er, auf ben Stufen be§ :pä^ftlic§en

3:()rone§ fte^enb: ,,§eiliger Söater, id^ bin gelommen, @ud^ meine

Dbebiena p bereifen, tt)ie meine S5orfa^ren^)." @r \a^ hu @e=

braud^e be§ aEgemeinen 5lblaffe§, em^^fing ben 8egen unb t)erlie§

^)iom am 28. i^anuar 1495 *).

5^un iDar 5llfonfo aEein übrig. 5flod§ in 9tom l^atte er burd§ ben ^apft mit bem Könige öer^anbeln laffen; er ^atte i§m gro^e öjelbanerbietungen gemad^t: eine 50^iEion S)ucaten auf einmal unb aEe Sal^r 100 000 grauet al§ eine 3lrt bon Tribut; bie ^tpnUil S^enebig unb ber ^önig bon Spanien foEten bafür gutfagen. 5lber (cine§ @rbred^t§ fidler unb bon bem ^lane gegen bie 2^ür!en erfüEt, l)atte ^arl YIII. 5lEe§ bon ber §anb gettjiefen^). 5lud§ bann gab ^{fonfo no(^ nid^t aEe Hoffnungen auf. S5or bem grü^ja^r, meinte er, !önne ,^arl nid^t nac^ 5^ea^el borbringen; inbe§ befeftige man bie (Srenaen, inbe§ fomme bie <g)ülfe^). ßr ern)artete fold§e augleid^ bon bem Könige bon (Spanien, ber, für gerrantino um feine jüngfte jlod^ter gebeten, \xä) geneigt zeigte unb burd§ 9tam ©gcriba 500

1) S)urd) ein©d)teiben be§ ©täbifd^of^ tjon ©t.SJJolo an bie Königin 3lnna crfät)rt man mit SBeflimmttieit, ha^ t)on einer 5lbfe|ung 5pa^ft 9ltejanbcr§ unb einet butdjgteifenben ^itd^entefotm bie 9tebe getoefen ift. „Si nostre roy eust voulu obtemperer ä la plupart de Messeigneurs les Cardinaulx ilz eussent fait ung autre pappe en Intention de reflformer l'eglise ainsi qu'ilz disaient. Le roy desire bien la reformacion, mais ne veult point entreprandre de sa depposicion. ©. Pilorgerie 1. 1. @. 135. (21. b. n. 21-)

2) Infessura 2060. ^llcjanbet an 3J?aj;imilian bei ®att, Söotmfer bieten, p. 852.

3) Desrey 220.

4) Burcardus 2064.

5) 53rief be§ er^bifdiofg öon <Bt Tlalo an Königin 3tnna bei Pilorgerie, ©. 138. (21. b. n. 21.)

6) Zurita f. 49. f. 50.

8*

36 @tfte§ 33u(^. etfie§ ßapitel.

Sanjen, ja ein giogeg §eer mit einem ©rattben unter getoiffei bingungen antrug. SBon SSaja^et^, gegen ben ber 3ug ber g^an= 3ofen |o offen öerlünbet mar, mu^te man, ba^ er eine gro^e ^In^a^t @aleeren in ßonftantino^el feefertig mad^te unb anbere auf ben Söerften ^atte unb ba^ bag natolifc^e <g)eer Befe!)Iigt mar, mit bem erften Wdx^ üBer bie 9Jleerenge äu !ommen, unb ba§ griediifd^e, untjerpglid^ 3U ruften^). 8ein ©efanbter Begleitete OTonfo öon bem ^eere nad^ ber ^auptftabt ^).

tiefer Sßinter mar aber mie ein Srü^ling: fein 9tegen, felbft in ber Sombarbei !ein ©i^nee: ber 3ug ber f^ran^ofen ot)ne bie ge=^ ringfte S3efd§merbe^). Unb nirgenb^ fanben fie äöiberftanb, mie fid^ 5(quila ergab, foBalb bie f^ranjofen nur erfd^ienen. 2)ie 5^ea^olitaner fragten einanber felBft, mo^^er baö aEe§ fomme. 5}land§e fagten: „@^ ift ein ^e^eimni^ @otte§;" 5lnbere: „3^r ßatein unb @ried§ifd^ mad§e fie feig*)."

Ueber biefe allgemeine ©ntmut^igung mar nun aud^ ?llfonfo felbft betroffen. Unb ba ba§ fSolt fid§ er^ob man mu^te nid§t^ marum unb nur gerrantino'S (Begenmart not^ einmal ftiEte^), erfannte er, bafe er fid§ nid§t bel^au^ten !önne, unb gebadf)te ber ^ro^^e^eiungen , bie iT§m gefd^e^en maren. (Sr ^ielt fid^ brei 2^age lang verborgen: ha^ SSemu^tfein feiner Uebelt'^aten lähmte i^n. 2öie fid^ aber ba§ S3ol! nod§mal§ er^ob: ber ^önig fei tobt, mer f)ahe x1)n benn gefe^en? mie 5lIfonfo für fid^ 5lEe§ berloren fa^, ixi bem ^efül^l, er metbe ge'^a^t unb man muffe i^n Raffen, aber fein ©o^n , unfd^ulbig, unbeflecft, jung, ta|)fer, hu 2iebe be§ S5ol!§/ ber merbe fi(^ galten, entfagte er bem 9^ei($e^). ©ie meinten aEe, mie 3obian ^ontan bie Urfunbe ausfertigte^); 5llfonfo ^ie§ feinen ©o^n 3U $ferbe fteigen unb im Geleite be§ O^eimS geberigo burd^ bie ©tabt reiten. S)a§ ©ntfe^en berlie^ i^n felbft bann nid§t; er ]af) bie ©chatten ber unfd§u(big ^emorbeten beS ^aä)i^; über i^m lag ber 5luöf^rud§ feinet S5ater§, bon bem man nad§ beffen 3:obe miffen moEte, 5IEe§ ge:§e au ßnbe: „^a§ S5erbre(^en loctt bid^ mie mit rei^enbem (iJefid^t, t^t bu getrau; ift t)oEbrad§t unb

1) Chronicon Venetum, p. 11.

2) Passero, p. 63.

3) Diarium Ferrarense, p. 290.

4) Romoncine, Tesoro politico, bei Vecchione, p. 107.

5) Passero 64.

6) Passero. (51. b. n. 51.) Gallo 8. Cronica di Napoli di notar Giacomo 185.

7) Bembus 32. 33.

Raxl VIII. in a^talien. 37

Tolgt ein Unglütf, fo Behält feine S^ge; aBer fte toetben jum Sd^retoBilb : ftatt ber ^aare ]§at bie 8d§Iangen; ift ba§ tua'^re ^ebuf en]§au|)t. " „Sßtr tooEen fort'', f^rat^ 5ltfonfo äu feiner Stiefmutter nnb, aB fie nod§ ein hJenig Bleiben tooEte: „3^d§ [türje mid§ 3U bem genfter I)inau§. .^örft bu nid§t, tote Sitten ben ^'tarnen ber f^^anjofen ruft?" ör toartete nic^t länger: nad§ ^Jla^^ara fio^ er in ein Olioetanerflofter^).

SöiEeng, nic^t au toeid^en, !am inbe^ gßi^öntino ^u feinem .^eer an ben ^a^ tjon ©t. @ermono. DeffelBen 2ötEen§ I)ielt 5llfonfo iDaOalog t)or xf)m ben unüBerfteiglid^ gead^teten f^elfen 8t. 3ol§ann^). Söenn fie fid§ nur eine Söeile an ben ^renjen Be^au^jteten , fo Ujar baö S5ol! nocf) 5U getoinnen, fo toar nod§ .g)ülfe mögltd^. 5116er fie t)crmo(^ten ftd^ nic§t ^u l^alten. @ine§ Sageg nad^ Sifd^e langte Xtarl t)on S5auco t)or 8t. i^o^ann an unb befal)l ben ©türm. @r Xnaud§te nid§t ^toeimal 3U fagen; benn i^eber iooHte t)or feinen l'iugen ßl^re ertoerBen^). 5ll§ fie ba^ britte 3Jlal anliefen benn fie fanben guten Sßtberftanb , l^atten fie ben Reifen unb f(^onten iUiemanben, fie geigten ftd^fel^rgrauf am; ^arlaBerftanb am @artgliano*). Xie 8c§neEig!eit unb 3Butl§ biefer (SroBerung fc^retfte ^enantino^g ?vreunbe unb mad^te feine i^einbe mut^ig. 5flun n)oEten bie SSürger non 8t. @ermano ni(^t toiberftel§en. S3ei Seano einft in ber 5^ad§t tarn Keffer S^tenaubo ^u f^^^^^^ntino : „<&err, ^iel^t t)on Irinnen! fonft liefert @ud^ @uer eigene^ ßager au§^)." ^eine Hoffnung mel§r, al^ bie S3ürger t)on (^apua unb ^ea|)oli§. 5lm 16. geBruar badete gerrantino ber 6a|)uaner geUji^ ^u fein ; er eilte ju ben ^Jlea^) olitanern, um aud^ biefe 5U getoinnen; er lie§ fie in 8t. S^iara 3ufammen= fommen. „^^r Ferren, meine Später unb SSrüber", f^rad^ er, „!ennt ^^x mid^? Unter @ud^ Bin id^ ertoac^fen unb erlogen. 51un mid^ 5ltte öerlaffen, nun id§ auf 5^iemanben trauen !ann, tooEt S^r mid^ xiud^ öerlaffen? ^oä) nid^t! ^lux 14 Sage lang nid^t. §aBe iä) bann !eine ^ülfe, fo tT^ut, toa^ ^^x moEt." @r ftanb tttit Z^xämn; fie fd^toiegen , benn Stiele l^atten il^n lieB. „Unfer §err" , fagte ein <5belmann, „toir l^aBen meber SeBenSmittel nod^ @efd^ü|." Serrantino t)erfe|te: „S)a l^aBt 3^r bie 8d§lüffel bom neuen ßafteE: gel^t unb m1)mi, toa§ 3'^r Braucht; ift auf ein Qa^r für gan^ 9^ea|)el ha^

1) Comines 462—467. Tranchedin an Lodovico Bei Rosmini II, 207.

2) Passero 65.

3) Villeneufve, Memoires, p. 4.

4) Chronicon Venetum, p. 13. Desrey.

5) Passero. Martinellus an Ascanio hti Rosmini 208.

tt^

38 erfte§ S3u{^. erftc§ ^apM.

rtn." 8^od§ rebete er, ]o tarn ein S5ote, ber geinb greife (^ap an; in S5erätt)eiflung rife er fic^ Io§ unb nal§m ben 2öeg ba^in 3n 5lt)erfa fd^on erful^r er, ba§ t)on feinen brei oberften §au, lenten ^^ribnl^io mit ber ganzen @($aar, bie man il§m fo lan Befolbet l^atte, am erften 2;age, ba er ba§ mit feinem S)ienft ern)ibem fonnte, jn ^arl übergegangen^), bie beiben anbern gef(o:f)en tcaren,. ha^ bie Bürger, too nid^t am 16., boc^ fd^on am 17. frn^ ^efanbte an ^arl gefrfiitft, bie i^n mit gefalteten §änben um @nabe gebeten^). ®enno(^, fagt man, n^agte er fi(^ Bi§ an bie dauern tjon ßa^ua; ^ier aBer Begegneten i^m bie aEein getreuen S)eutf(i)en, ßaf^arg unb« @ottfiieb§ gäl^nlein; fte toaren nad^ ber anberen ©eite toiber beit geinb au^gerüdft, aber öon ben Stalienem öerlaffen morben. ^aum l^atte man i^nen erlaubt, ju je je^n toieber buri^ bie ©tabt 3urürf= äu^ie^en^). 5!Jlan fa^, \>a% 3lEe§ berloren n)ar. S5ietteid§t ]§offte fyerrantino nod§, al§ er nad^ '^eapd um!eT§rte; benn l)atte fid^ nid^t: I)ier fein @ro§t)ater toiber aUt feine f^einbe gehalten? aber er mu^te fe^en, bafe bie ©beEeute, ftatt fid^ au ruften, bie Suben ^lünberten,. ba§ ba§ S5o(!, n?ie er in ben 5!JlarftaE ging, feinen 2)ienern ^ferbe 5U geben, i^m nachlief unb bie ^ferbe raubte. 2)a Wax 5lEe§ au§,. er Ujurbe inne, ha^ ber ^afe toiber feinen SSater unb ^ro^tjater auä) ttjiber i^n fid§ !e^rte. S5oE S5erämeif(ung griff er an fein ©d^toert unb- manbte fid§ um: „2Ba§ 1)abe id^ (Sueren Äinbern getT^an?" 2)od§ ein^ getreuer 5)lenfd^ führte il^n au^ bem Getümmel, tüorin fie i^n ge= morbet Tratten, nad§ bem ©d^(offe^). äßdT^renb nun 5llfonfo ^abalo^ ba§ @d§lo§ mit 400 ^eutfd^en befe|te, UJöl^renb man bie Käufer ringS^er, ba§ 5lrfenal unb einige ©i^iffe tjerbrannte^), tnä^renb^ bie 3llt!önigin Eagte: „O^efd^idf, feine San^e gebroi^en, unb bu öer« birbft bieg ^önigreid^!" unb ^Ee au ©d^iffe fa§en, fie unb if)xt %oä)kx unb ber junge ^önig, um na(f) S^d^ia ju fliei^en, öffnete, 9Iie= manb gefragt, 3acob ßaracciolo bem franaöfifd^en §erolb ba§ 2:!^or unb rief : Sranja ! ;Snbe§ traten atüan^ig 5Ibgeorbnete ber ^fleapolitaner 3U ^arl: „^eilige Ärone, 3^r feib ^^unbert 3a^re in biefem Äönigreid^e ^eapd crtoartet. ^'lun feib ^^x angefommen. giel^et ein aU unfer

1) Passero 66. (21. b. n. 51.) Giacomo 185.

2) Florus, hjogcgen Rebucco in Rosmini, Trivulzio I, 227, untoaf)r- fd^cinltd^.

3) Desrey.

4) Jovius, Historiae sui temporis, fol. 30.

5) Passero. Johann. Juvenis, de fortuna Tarentinorum, p. 127.

6) Chronicon Venetum, p. 13. Navagero, p. 1202.

Siaxl VIII. in stalten. 39

Ä^önig unb §err^) V ^axl aber, bem ba§ @rfte im gluge gelungen, ber bieg ^önigreid^ töie bie franaöfifc^en §eraogtpmer ju feiner Ärone öcreinigt fa^, 50g ein aU in fein ßrbe. ^oä) in ßa:|3ua :^atte er fi(^ an feinen Sürfenpg tounberBar erinnert gegtauBt; noi^ leBte 3jemi. 5[}lan fagte, ber Sftnf ber franäöfif(^en ^Jlad^t ^aBe ben S3affa t)on 5ltr)lon änrüdge^alten, üBerjufe^en, bie 2^ür!en öon öielen ;^nfein t)erf(^eu(^t; unb felbft t)on 5^egro:|3ont flü(^tete man fi(^ nac^ ßon= ftantino|)et. Söie @rimani mit S^enesianern 2e|3anto öorüBerfUi^r, glaubten fte, feien grauäofen, unb toid^en t)on ßafteE unb Ufer, ^ie §albtnfel, ba§ fefte Sanb faxten Hoffnung ^).

1) Diarium Ferrarense, p. 294.

2) Corio 939. Bembus 34 b. Benedictus, p. 1583. Chronicon Vene- tum, p. 8.

:^i»eiU$ f apttef.

©Flamen mi fiiga im Äaui^fe geflen Äatl VIII. 1495. 1496.

1. S5eteintgte§ 8))anten.

^u biefcr Seit l§örte unb tebete man guerft öon ©ganten, ba§ au§ ätüei uneinigen unb o^nmä(i)tigen ,gerrfd§aften , ßaftilien unb 5lragon, feit lutjem 3U einem einzigen unb möd^tigen üleii^e gettjorben Ujar. S5on ßaftitien l^at bie ^anbfd^rift 5llonfo'§ be ^aleuäia auf6e= Italien, ba^ butc^ ^einvid^ öon jlra§tamat ein Öefe| Beftanb, „o^^ne bie ©rlauBni^ be§ ^önig§ öon granfreid^ bürfe n^eber ein ©nglänber nad§ ©aftitien gelten, nod^ ein ßaftilier naä) @ngtanb." ^nen fo f(^im^)flic§en S5ertrag hielten biefe fc^toad^en Könige ^). Sol^ann ber ßtfte traute felBft in ber ©d^Iac^t mel^r auf bie gran^ofen, al§ ouf feine ßaftitier; SoT^ann ber 3^^^*^ fi^^en fielen öon feinem @ünft= ünge 5l(t)ar be ßuna faft begauBert ^) ; bie ^ortugiefen, $ad§eco unb @iron, ttjeld^e 5llt)ar geftür^t, bel^errfd^ten §einrid§ ben Stierten, .^einrid^ nun, ^toar ein Säger unb ein geinb t)on SSäbem unb äöein, aber burd^ frül^e Süfte um ben eblen S^xn unb W 5!Jlanne§= !raft gebrad^t^), Ujanbte fid^ !aum einmal öon i]^nen ab, nid^t um fein eigener §err 3U fein, fonbern ju einem anbem ©ünftlinge; fo empörten fie fid^, empörte fid^ ber ganae 3lbel; fie erllärten: „3oana, feine Xod^ter, fei uned^t." Sie festen il^m feinen trüber entgegen unb, aU biefer ftarb, feine ©d§n)efter 3fabeHa; bod§

1) Ofctreta'S fpanijd^e ©efd^id^tc au§ biefet ^anbfd^rift. VII. B. p. 47.

2) Rodericus Santius, Historia Hispanica IV, c. 31.

3) Hernando Pulgar, Claros Varones, p. 4.

Sercimgtcg ©panten. 41

tnollte fte md)t Königin l^et^en unb toax jufrieben, ba^ man ii)x bie ^3iac^iolge äuftc^erte^).

^n 5lragon regierten bie na!)en S5ettern biefe§ ^efd^Iei^t^, aber ni(f)t t)iel glücEUd^er, oBtüo^^l i:^nen f^f^^binanb I. eine \^m butd§ bie brei ©raffd^aiten , an§ benen 5lragon Beftanb , frei ^nerlannte ^rone, gro§e @üter in ßaftilien unb gute 5lnf|)rüd)e auf 5^ea|)el ^interlaffen. 5i^ie ?lnfprü($e übemal^m 5llfonfo t)on feinem <Bo^n unb führte fie au§; bo(f) gaB er barauf ^^eapel feinem unechten <Bo^m unb trennte CS t)on ^iragon. S)ie @üter in ßaftilien !amen an §einri(^; aBer bei Olmebö , too biefer bie Sßaffen tüiber 3fOi§ann II. trug unb ge= fc^Iagen tüarb, gingen fie bem .g)aufe Verloren unb famen in bie glaube jener portugiefifc^en ^ünftlinge. ©etBft bie ^rone marb ge= fdl^rbet, al§ ber aragonifd^e ;So!§ann, an ben fie gelangt toar, öon feinem älteften 8o^n unb öon aEen Katalanen betriegt marb.

^lan tjergegenttJärtige fid§ nun, tnie jur SSereinigung , jur ^r^ebung biefer üteid^e gefommen ift. 2)iefel]6en Wdnmx, toeld^e bie S3erauBer ber aragonifc^en Sefi|ungen tüaren, l^atten S^faBeEen in (saftiüen bie X^ronfolge öerfcCjafft. 5^un, aU ^o^ann burd^ ben 2^ob feiner ^einbe, eine§ nad^ bem anbem, ©ieger geblieben unb fie fi(^ fcf)on äu für(i)ten begannen, öerlobte fid§ ^fabeEa mit bemfelben, ben fie fürchteten, mit ^^erbinanb, bem jüngfien ©o^^n unb @rben 3^ol^ann§. '}iu] bem 5Jlaultl§iere, öerfleibet, !am gerbinanb nat^ SJaEaboIib, bie S^ermd^Iung 5U iJoE^ie^en^); ba na^^men fie feinen 5lnftanb, ju Soanen ^u fd^tüören unb bie §anb berfelben fammt bem W.eif^^ bem Könige tjon Portugal anzutragend), «hierüber begann ber .^rieg, ein Ärieg, weld^er auf aEen ^uncten ätt)ifd^en fyuenterrabia unb (Gibraltar äugteid^ Ö^fii^^*^ toarb, in treldfiem ^o^ann UEoa tüiber ^Roberiif) IXEoa*), feinen SBruber, $eter gunisa tüiber feinen Später ^), ber @raf üon ©alinaS tüiber feine ©d^tüefter ftritt^), tüo bie ©täbte, aragonifd§, unb i^re @df)löffer, :|)ortugiefifd^ gefinnt, mit einanber fd^Iugen. ßnblid^ aber fiegten gerbinanb unb ^fabeEa bei 2:orü unb brachten tüenigften§ ben fyeinb au§ bem ßanbe; fie ftifteten ba§ Mofter <Bt granj in 2;olebo unb gingen nad§ ^tüei ©eiten, ba§

1) Antonius Nebrissensis, Eerum a Fernando et Elisabe gestarum Decades, p. 801.

2) gerbinotib felbft bei ^urita.

3) Antonius Nebriss., p. 802. *

4) Antonius Nebriss., p. 821.

5) Idem 835.

6) Idem 895.

42 etfte§ SSuc^. 3toette§ ßapitel.

Sfleid§ 3u beruhigen : bte Königin toiber bie anbaluftfd^en 8täbte, ber . ^önig gegen hk ©c^Iöffer am S)uero. SSibet bie ©(^(öffer Ralfen j benn in ber 2;:^at ^atte man t)on i§nen au§ ba§ ßanb ge« | ^(ünbert , nnb atte OtäuBer l^atten fic§ au i^nen ge:öarten bie ' ©tdbte unb i^^re ^ermanbab, toelc^e, '^aub nnb ^otb auf ©trafen, ^lä^en unb in Käufern au rächen, 2000 ^^ii^x unb ein öer^^ältnife» mö^igeg fyupol! im gelbe :§ielt^). Sie :^al|en, al§ fei eg nur aum aEgemeinen 3mecE ber ^u1)^; boc^ toar auc^ ein ^olitifd^er aum S5ortt)eil gerbtnonbg ; er entriß bie (5d)Iöffer feinen geinben. ;3fa« | BeEa inbefe fa^ in ©eöiEa atoifc^en S3ifd§öfen unb üledjt^gelel^rten, | öor fid§ bie ©d^reiber, aEe Freitag ^u (Sjerid^t; aber ^ier, tno bie | ^parteiung be§ §eraog§ öon ^ebina ©ibonia unb ;Sol§ann§ be (Jor* boöa für, be§ 5Jlarque§ Don ßabia unb ^lonfo'S b'^lg'^ilar tt)iber fie, tt)o bie geinbfdöaft ber alten 6:§riften, ber 5^eube!e:§rten , bet :3^uben unb ber benachbarten 5!Jlauren ©trafen unbgamiüen gef^alten^), mar if)re ©trenge unmir!fam; fie entfc^lo^ fi($, aEe S5erbred§en au Deraei§en , nur ni(f)t bie ^e^erei. S)iefe, bem @eri(^t ber §ermanbab fo menig untermorfen, al§ einer bominicanif(^en 3nquifition, bie f(^on lange ^ier nid^t me^r beftanb , ertnartete ein anberer ütic^terftut)!. j ^m ©e|)tember 1478 tierlie^ fie ©eöiEa; am 1. 5^ot)ember gab' @ijtu§ IV. , ber aur nämlid^en geit bie 2)i§^3enfation be§ :|3ortugie= : fifc^en ^önig§ aur @^e mit ;^oanen miberrief ^) , ben Königen , unter \ melt^em 2;itel man je^t ^erbinanb unb ;^fabeEen augleic^ begreift, j ba§ 9ftec§t , miber ^e|er , abtrünnige unb i^re Gönner i^nquifitoren \ ein= unb abaufe^en^). Unl;)ermerf(id§e 5^a(^ri(^ten beaeugen^), ha^ XfjO- ; ma§ 2^orquemaba^§, $rior§ t)om ^eiligen ,^reua, S5orfteEung: „hu einft SSefe^rten gingen 9la(^t§ in bie 6t)nagoge , hielten ben ©abbat^, i feierten bie jübifdjen Oftern unb barfüßig ba§ ^ebä(^tni^feft i^rer Söäter", bie @infüf)rung be§ (Serid§t§^ofe§ befonber§ öeranla^t; ein be= üagen^mert^eS @efcC)i(f , menn bie SorquemabaS urf^rünglicC) aud§ : Suben maren , mie ^ulgar fagt ^) , unb alfo be!e§rte ^uben im , Streite toiber bie noc^ unbefe^rten 3uben bie ^uquifition über i ba§ S5ot! öon ßaftilien unb Slragon gebrad^t ^aben. ßrinnem mir un§ aber, ba§ ber ©infCu^ ber 3uben auf bie @ro§en, burc§ , bie $a(^t il^rer 6in!ünfte, eigene ^teid^f^ümer unb Oermanbt« |

1) Antonius 851.

2) Antonius 861.

3) gettera's ©cjd^id^te tjon (Spanien. S3anb XI, § 235.

4) Llorente, Histoire de l'Inquisition. Söanb I, p. 145.

5) Marineus Siculus, p. 481.

6) Claros Varones, p. 24.

S5etcttiigte§ ©fönten. 4B

fcCjaftltc^e SSeätei^ungett gegrünbet, ben Königen insgeheim unb überaE entgegentrat^), ha% ber etfte SBefe^t ber S^nqutfitoren ben 5Jlarqne§ t)on 6abt5, einen Gegner ber Könige, bebro^te, toenn er bie geflüd§= teten ;3nben fc§ü|e, bag ein jübifc^eS S3n($ toiber bie ülegierung ben 5(u0fc^lag gab^), |o tritt in allebem ein altgemeiner Sufammen^ang t)or bie Singen. S)ie ;^nquifition entft)ra(^ ber ^ermanbab, toie in ber 5orm benn eine jebe ^atte nrfprüngtid§ ^toei 9tic§ter unb einen j^i^tal , fo ^auptfäd^lid^ im S^eif , ber S5oEenbnng biefeg .iTriegeg nnb ber S5egrünbnng ber föniglidien 9Jla($t, nnter \)^m «Schein eine§ meit aKgemeineren ; bod§ ift bie geiftlid^e ^Jlai^t ber einen toeit tüiEfüiiit^er , a(§ bie bürgerlii^e ber anbern. 5lac^ einigem Sögern lie§ ^fabeEa auf bem getbe tor SebiEa 3tr)if(^en ben öier ^rojj^eten ben Qnemabero ergeben ^); ba mar Balb ba§ S)ominicaner!(ofter in ber @tabt ^n !(ein, bie 5lnge!Iagten ^n faffen*), nnb 5000 Käufer in 5lnbalnfien ftanben leer^); aber man fing an, px ge^ordjen. äöie ficf) nun ^ai^eco bequemte, einem guten Sl^eite feiner @üter p ent= fagen, mie ber ^önig bon ^Portugal auf feine 5lnf^rü(^e berjic^tete, mie fic^ ;^ebermann ergab , toar ber innere ^am|)f beenbet , tüar bie !önigli(^e ©etoalt 3ugtei(^ auf§ neue gegrtinbet. 2)enn biefe ;ynftitute blieben unter bem @d§ein bei allgemeinen 3^ecfe§ befielen, unb anbere tamen ba5u. Söie bon jmeien ber f^anif(^en Sftitterorben bie @ro§meifter geftorben unb ber britte ^ur 5lbban!ung geftimmt tuar, übernahm gerbinanb aEe brei ju tiermalten, ßine getoi^ be= beutenbe 5Jtac^t; benn ber Orben ©t. ^ago fteEte aEein 1000 fc^mere '}veiter in§ i^elb, unb eine XabeUc au§ bem 15. Sa^r^unbert gä^lt ben @ro§meifter beffelben mitten unter ben Surften unb unabpngigen .^äu^tern bon @uro:pa auf^). Ueberbiel, feitbem ber ^a^ft in einigen Streitigfeiten über bie bif(^öfli(^en Stühle bon Saragoffa, (iuenca, 5tarragona nachgegeben, galt bie S3eftimmung, ba§ 5liemanb eine bifc§öf[i($e Söürbe belleiben !önne, bem ber ^önig eine foli^e an^ubertrauen nic^t im borau§ fi(^ bereit erlldrt ^abt'^). S3ead§ten tüir nun: bie ^ermanbab toar ba§ 5^ad§bilb einer frül^eren, bon hen

1) Caracciolus, Epistola de Inquisitione, bei Muratori Scr. ©t. 22, 97. C2(. b. n. %.) ^ergl. über hit jübifd^en 3"ftä^be Palacios, Reyes Catolicos, hd ^Ptegcott, History of the reign of Ferdinand and Isabella the Ca- tholic. I, ©. 243.

2) Llorente, p. 148, 149.

3) Llorente, p. 152. f.

4) Ferrera XI, § 320.

5) Marineus Siculus, p. 483.

6) ^n ganuto'g beneäianijdier ®ef(^id)te bei aJluratori XXII, 963.

7) Mariana, de rebus Hispaniae XXIV, c. 16.

44 @tfte§ aSud^. 3tüette§ ^Q^ttet.

H

^Bürgern felBftänbig gegen ben 5lbcl gejc^Iojfenen 35et]6tnbung uitb {egte je^t eine Bürgerlicfie ^etoatt in bte §anb be§ ^ömg§ ; bie @ro§= metftert^ümer Banben tuxä) bte 6ncomtenba§ fo bie Flitter, bie bereit empfangen, toie atte abeligen ^efd^ted^ter burc^ S)an!bat!eit ober Hoffnung an ben ."^önig; burd^ S^nquifition unb S3if(f)0t§n)a^l inurbe berfelBe beinahe ber S^orfte^er ber @eiftli(^!eit. ^an er!ennt, ba^ f^erbinanb nnb S^fabeEa bie föniglid^e @ett)alt nid^t fotoo^l in bem äöefen, tt)ie fie biefelbe öon ben 5Iltt)orbern ent^jfangen, erweiterten, fonbem ba^ fie i^x eine neue ^runblage gaBen, inbem fie fii^ felbft an bie ©pi^e ber @tänbe fteHten, bie i^nen Ratten n^iberftel^en !önnen, unb bie i:§ren SSorfa^ren miberftanben , il^re ^raft in fid^ vereinigten unb bie n)a5ren .^äupter berfelBen Würben, ^n aEebent leiftete il^nen bie .^irc^e, bie i^nen i^nquifition unb 5?lat)oraägen übertrug, bie il^nen felbft bon bem geiftlid^en Reimten bie Serdag nac^ unb nad^ auf immer gewährte, bie größten £)ienfte, unb fie Ratten feine gefährlicheren f^einbe, al§ bie f^einbe unb ^Ibtrünnigen ber ^ird^e ju itom. 80 beftanben ^tüar bie ^erlömmlidjen ^^rei^eiten; felbft in ßaftilien burfte ber 5lbel bem Könige fein Sel^n prütfgeben^) unb ben ^e'^orfam auffünbigen, ber SBürger bmfte fein tg)au§ bem !öniglid§en Beamten berfd^lie^en ^) ; aber burc§ biefe S)inge fam ber ^e^orfam 3ur^flid§t; bie ftrenge^fabeEa, biebem©o^nebe§5llmiranten, f^abrique, ber i^r ©eleit gebrocfien unb geflogen, felber nad^ritt, bie ben 5l(cal= ben, ber einen föniglid^en S)ietter gefd§lagen, eben ba, Wo er getl^an, auf]§ängen unb bem anbern, ber nur gelitten, bem ©rofealcalben S5ittena§, bie §anb abbauen lie^^), bewirfte balb, ba§ bie üleifenben, bie Don (Spanien !amen, al§ ba^ ^Jlerfmürbigfte er^ä^lten, l§ier bürfe ^iemanb UnredCit t^un, felbft feine Dbrigfeit, Werbe benn fogleicf) geftraft*). Unb fo fa^ ^fabeEa bor il)rem au§ ßaftaE, ©tab, Söwe unb 5lbler bereinigten 3öa)j|)en, jwifd^en ben §eiligenbilbern il^rer e^apeEe , ßarbinäle, eräbifc^öfe, S3ifd§öfe, Oratoren auf ber einen, ben ßonnetable, 5llmirante, .^er^oge, 5Jlarque§ unb trafen auf ber an= bern «Seite, bie ^priefter in i^rem Ornat bor i^r, alle i'^rem Söinfe bienenb^). ^^xt ©taat§funft WoEte über ein re(^tgläubige§ ^önig= reirf) boEfommene 55tac§t.

^fladibem bie Unruhen geftiEt Waren, Wä^renb hk SJerfaffung

1) Mariana XIII, p. 599.

2) Hallam au§ Marino, Ensayo critico in The State of Europe during the middle-ages I, p. 762.

3) Ferrera VIII, p. 92.

4) Senarega, Annales Genuenses, b. Muratori XXIV, p. 534.

5) Marineus Siculus, p. 506.

auSgebilbet toarb, richteten bie Könige unauggefe^t i^re ^Mt mä) bem 5lu§en , anä) bent d^tift(i($en , juerft aber bem ungläubigen. ^aä) ber Söeife if)Xtx f8ox]ai)x^n, be§ großen unb be§ ^eiligen x^ix= binanb, ber öier 5llfonfo§, be§ (Smperabor, D^amon, be§ ©bleu unb be^ Elften, bie feinen ^aurenfrieg unternehmen burften, o^ne in einem innern gefiegt ju ^aben, aber jenen fofort unternahmen, fo* Balb il^nen mit biefem gelungen, nai^ biefem SSeif^iel gingen fie, mit ben ^a^nen be§ ^reu^eS, jebe 6d^aar unter einem ßrucifij, toie ba§ ßieb jagt, in bie 5lue t)on @ranaba^); fte fc^tüuren, biefelbe ni(^t 3U üerlaffen, bi§ fie bie Stabt genommen, richteten bie klugen, ben ©e^orfam ber ganzen 5^ation auf biefen $un!t unb eroberten fie enblic^. äöie \iä) aber bie öerfd^iebenen ^önigreid^e immer in ba^ get:§ei(t, U)a§ fie no(f) erobern toottten, barauf beinahe nii^t tneniger ei|erfü{^tig , al§ auf ba§ fd^on Eroberte, fo nahmen fie gegentoärtig für bie aragonif($e Ärone bie afri!anif(i)en 9ftei(f)e Dran unb Sllemfan, für ©icilien Znni^ unb ben Oftab^ang be§ 5lt(a§ in 5lnfpru(^. 5lu($ biefe 3lnf^rüc^e :§atte ber $a:bft beftätigt, unb fie ^^offten mit i^nen immer öftüd^ bi§ 5legt)pten, bi§ ;^erufalem au gelangen. Sm SÖeften forberte ßaftilien aEe§, toa^ ^auritanien unb 3:ingitana getüefen toar. (S§ geriet^ hierüber in einen ^rieg mit Portugal, ©nblid^ tarn man überein, au^er 5[Relita unb (Eagaga foEte Portugal ganj ^^ erobern bürfen. 2)0(^ toar bie§ baS 9)linbertDid§tige. Sene iSd)ifffa^rten , burc^ toelc^e bie ^ortugiefen, i^re 3[Rale unb ^Pfeiler immer toeiter ^flanjenb, ^^ai^rid^ten öon einem öftlid§en, d§riftlic§en Könige, bem abeffinifc^en, em)3fangen 2) , burd^ toeli^e fie benn f(^on toar einer in @oa getoefen unb ba§ S5orgebirg entbetft, biefen unb mit feiner §ülfe, immer bie Äüfte entlang^), ba§ toal^re Snbien, ba§ Sanb ber ©^jejereien p entbeiien hofften, toaren bebro^t, al§ $apft 5llejanber bie Eroberung t)on gana 5lfri!a Un Vereinten fronen suf^jrai^. ^od) am @nbe blieben bie älteren S5er= träge, bie ©c^ifffal^rt nac^ Guinea unb bie Mfte abtoärtS foEe ben $ortugiefen ge'^ören*), in i:§rer ^raft, unb biefe brandeten nii^t 3U leiben, ba§ ein 5lnberer beSfelben SöegeS fu^r. ^ott tooEte aber, bafe au^btefen @treitig!eiten ettoa^ gan^ Unermartete§ entftjrang: toa^ figTegab, ging toeit über bie S^orfteEungen ber ^enfd^en l^inaug. ^n Siffabon fa^en oft atoei S3rüber öon (SJenua aufamnten,' S3art:^olomeo

1) Guerras Civiles de Granada t)on Perez de Hita. Tom. III, p. 145.

2) Barros, Asia III, c. 2, 3, 4.

3) Sommario Pietro Martir's bei Ramusio 3, 1.

4) Mariana XXIV, c. 10.

46 ®i^fte§ S3ud^. 3lt)eitc§ dapiid.

3§neteV

6o(on, tüeld^er hatten aum @ebraud§ ber ©d^ifffal^renben ^etd^ttete unb 6]^nfto|)l§, ber ältere, ber ba§ innere 3Jleer nnb ba§ äußere t)on ben ßanarten Bi^ nad§ 3§Ianb in ^lü(i unb Unglüdt burd^fd^ifft toax^), überlegten, tt)a§ ein ;3^eber tonnte, mit einanber unb tüurben überaeugt, am fit^crften fei ba§ Sanb ber ©belfteine, perlen unb Öe= toür^e^), jeneg (5t)pango, öon bem 5Jlarco $olo fcl)reibe*), ein ßanb, tüo man bag ß^^riftent^um einführen fönne, ju entbedten, nid§t an ber ^fte öon 5lfri!a entlang, fonbern tt)enn man, immer nad^ Söeften fegelnb, bie (Jrbe umfdfjiffe. 5116er !ein Äönig, fein ^er^og, feine ©ignorie UJoEte ben S5rübern glauben. S)ie Beiben Könige enblid§, in ber greube be§ granabifd^en ©iege§, brei Wonak barauf, nod§ in ©antafö, auf be§ nämlid)en 5llonfo GuintaniEa Sftatl), ber bie neue ^ermanbab ^uerft erbad^t ^) , tagten unb liegen für ben älteren ßolon brei ßarabeEen meift au§ ben ^kd^barn t)on $alo§ Be= mannen^). S)ie Ueberlieferung ift, bag biefe .ßüftenfal^rer, al§ fie 2öod§e auf SBod^e ^tüifd^en §immel unb Söaffer n)aren unb nur 9)leergra§ unb fein ßanb erblicften, ben §au)3tmann fogar ^u ermorben bro^ten, er aber , Bei Sage mit bem ©enfBlei , Bei 5^ad^t bie fyijfterne im 5luge unb felBft im Sltaume boH @efid^te t)om Gelingen, immer feinet ©inneg BlieB unb bie SßiberftreBenben feft^ul^alten tnugte, Bi§ enblid^ leidste Sßolfen eitüa^ l^offen liegen unb in ber 51ad§t ein 5[Hatrofe „ßid^t unb ßanb" rief unb mit bem 55]orgen bie ^erge unb bie l^ol^en iööume unb ba§ grüne ßanb fid§ entpEten ; ba fanf er mit 2;i§ränen auf \>u Änie unb f^rad§ : „Te deum laudamus" ; ba errid^teten fie an ber ^üfte ein ungel§eure§ Äreu3 , 1^ orten bie erfte 5^ad§tigaE f dalagen, fairen bie f dienen guten 5!}lenfd^en ^) unb feierten um, il)rem

1) Antonius Gallus, Commentariolus de navigatione Colombi, p. 300.

2) S^ogemonn, ©efdjid^te ber itot. ßiteratur III, III.

3) Petrus Martyr, decas Oceanea I, f. 1.

4) Barros, Asia III, c. 9.

5) Oviedo, Sommario, bei Ramusio III, f. 80, berglid^cn mit Antonius Nebrissensis p. 847.

6) Oviedo, p. 81, unb Dillons jpon. mi]t II, 102.

7) ^lIIeB Qu§ ben ©ommarien bon 5^tettD unb Obiebo, p. 16, p. 810, unb au§ ber S)eca§ I, 1. (51. b. n. 51.) (S§ üerfteljt fid), ba§ bei biefer furaen erhJä'^nung be§ großen ©teigniffeS luebet beffen toeUi)iftorifd)e 33ebeutung 3ur 5ln|(^auung gebradjt, nod) oud^ fein Söetlouf im ^inaelnen fritijd) er» örtert lüerben foEte; erfdjeint nur gleidiforn in feinem lofalen Urfprunfi in 23e3ug auf bie Unterneljmungcn, bie bomol? bon ber iberijd)en .^albinfcl ausgingen.

bereinigtet ©panien. 47

Äönigc t)on bem Sanbe ^u fagen, ba§ fie für if)n in S5eft^ genommen^). 3unäc§ft rührte @otteg ^aBe unb hit @ntbe(fung be§ trefflichen ^anneg 5ur ^ortfe|ung caftiIif(^=^3ortngieftf($er 3tütfttg!eiten. S)er SCßinb trieb bie 3urüdt!el§renben nac^ SiffaBon. 51I§ nun ber |)ortugiefifc^e ^öni^ bte mitgebrachten Seute ben ^nbtanern, toie man fie i|m befd^rteBen, ä^nlid§ fal§ nnb öon ßolon ^örte, man l^aBe i^m bort t)on einem Sanbe ©t)Bang gefagt^), fürchtete er, man fei i^m 3ut)orge!ommen. @r Bat bie Könige, nii^t nac^ ©üben, fonbern nat^ 5^orben fd^iffen ju laffen, tüie i^r alter S5ertrag fei^). S)tefe glauBten auc^, toie er, fie feien ftfion an bem fünfte, too if)x Cften unb i^r Söeften fid^ Berül^re; fie tüu^ten toenig, toie gro§ bie @rbe gef (Raffen tüax; fie bangen lange mit ein= anber unb Beftimmten enblid§ eine ^ar! für ben, ber 370 2egua§ tjon ben canarifc^en ^nfeln, öon "i^a nad§ Often Portugal, nad§ äöeften ßaftilien entbeden foEte*). tüar gan^ ein anberer @egenftanb getoorben, aU ifjx i^t^ unb i^r 2;ingitana; bod^ BlieBen fie in i!)rer alten äÖeife.

2)a§ toaren hu 9flt($tungen ber tiereinten Äönigreidfie toiber bie UngläuBigen ; unb toar fi^on bie @roBerung Don ÖJranaba in aEen rf)riftlid§en Säubern mit f^eften unb ©fielen gefeiert worben, fo er= füEte ber 9fluf öon einer neuen @rbe unb t)on neuen 50^enfd§en guro^a nod§ mel^r. @ine ^toeite 9tid^tung nahmen fie nun jurücE nai^ bem Innern ber ßl^riften^eit. ^ie ^ro^en l)atten bie .^ron« guter ^erau^gegeBen , ju benen fie feinen gefe^lid^en Sitel BeiBringen tonnten, nad§ bem milbeften Urtl^eil gegen 30 5)liEionen^arabebiU)ert^. ßabij unb bie ;^§la toaren au§ ber .g)anb ber $once ^urürfgeBrad^t toorben unb 9touffiEon in @m|)fang genommen. toar bie 3^^^, in toeld^er bie ^bee Oon @|)anien 5um erften 5}lale in ©Oiben^ trat. S)er ^a|)ft Brad§te ben bittet: „S)urd^Iaud^tige Könige ber ^tfpanien" auf, inbem ba§ bie§feitige, ha^ Bätifd^e unb ein 2:^eil be§ lufitanifd^en §if|)anien bereinigt feien, ein ©inn, in toetd^em ^nfangg au(^ ber •titel „!at^oIifd§er ^önig" gefaxt toorben fein foE^). äöte nun bie erneuerte ©in^eit be§ franjöftfd^en 9fieid^e§ ^arl ben YIIL, fo Betoog bie pm erften ^Jlale ]§ert)ortretenbe ©in^eit bon Spanien fyerbinanb unb ;^faBeEa, i^re Slidte auf 5^ea|)el ju rid^ten. S)ie 9ted^te be§ einen ftie^en l^ier mit ben 9led§ten ber anberen ^ufammen.

1) Christophori Columbi Epistola in Hisp. Illustr. II, 1282.

2) Barros, Asia III, 9.

3) Zurita, Historia del Key Hernando I, f. 30, 31.

4) Zurita f. 36.

5) Marineus Siculus, p. 164. Franz Tarapha, de Regibus Hispaniae. Hispan. Illustr. I, p. 567.

48 @tfic» 53ud^. 3tDeite§ ßopitel.

2. SBerBittbung ätoifd^en ©:panten unb Stalieti

Um bte Beiben ©iciüen toar ein uraltet Streit ätnifc^en f^ani» fd^en unb fransöfifd^en @efd§Ie(^tetn, mit bem 2:obe be§ legten §o§en= [taufen begonnen unb no($ nid)t au§gefod§ten. @r tt»ar baran, 3u Beiben Seiten an bie britten Käufer 3U !ommen. guerft fül^rten i^n bie 3lniou§, bie bet $apft gerufen, mit bem Barcelloner <g)aufe t)on Aragon, ben ©rBen Sonrabin§: ^roöen^alen alfo mit Katalanen, bie ja im @runbe ©in Stamm, beffelBen Urf|)rung§, berfelBen S^rad^e finb; jene nahmen 5^ea^el, biefe Sicilien, unb BlieBen feitbem immer im Kriege. 3ii^ ShJeiten !am er an ^Ifonfo I. au§ bem caftilifc^en .gaufe unb bie jüngeren ^InjouS; ba fiegte 5lIfonfo mit ben 6ata* lauen unb erlangte aud^ 5^eapel. SSerief fii^ berfelBe t)or ben ßeuten auf ba§ neue 9fled§t einer gett)iffen, oBgleid^ mibenufenen 5lboption, fo Befannte er bod^ nad§ bem Siege: ba§ er ben S3efi| feiner 5i:§nen tüieber ^aBe, ba§ fei feine größte greube^). .^ier^u gehört nun ber Ärieg gerrante'^ mit i^o^ann t)on ^Injou. 3u^ dritten, toie ba§ fRec^t ber ^njoug enblid^ an bie .^rone ^u $ari§ ge!ommen, fc^ienen bie bereinigten ^önigreid^e , i^r gegenüber, ba^ catalanifd)e 3ntereffe aufnelimen p muffen. Oft UJar aud§ g^i^^inanb öon ben Sharonen miber i^exxante aufgeforbert tüorben; bod§ l^atte er immer gefagt: „6§ ift mein Sd^toager^)." Sßfet aber, menn ^arl fiegte, öerlor er eine 5lu§fidöt, feine Sfted^te, unb fa^ fogar Sicilien gefäl^rbet; hk fpanifd^en Könige maren burd^ ben S^ertrag tjon ütouffiEon geBunben, niemals aber mit ben Unternehmungen ^arl§ YIII. einberftanben.

5ll§ ^arl rüftete, fd^lugen fie i]§m eine afrifanifd^e Unternehmung mit il^rem Ütec^te bor; al§ er an ben 3ll|)en UJar, rüfteten fie eine glotte in 33i5cat)a ; al§ er fid^ nad^ 2;o§cana manbte, mad^ten fie ben SJerfud^, ßobobico'§ ©^rgei^ anzuregen, inbem fie i^m i^re S3ertüanbt= f^aft unb ben !önigli(^en 2:itel antrugen, ^arl toar in glorena; fo fi^irften fie, um bieEeid^t aud^ o^ne ßrllärung einen SBunb äu Staube 5U Bringen, ßorena gigueroan nadC) Benebig ^). 5lBer al§ ber fran= 3öfifd^e Äönig in äöaffen in "Siom mar unb bie Stäbte ber ^ird^e eingenommen §atte, ergriffen fie bie ©laufei i^re§ S5ertrage§: „S}or= Behalten ber Äird^e ^fted^tl" eine ©laufei, bie ^arl bamal§ cingel^en fonnte, a(§ 5llejanber fforaif(^ unb bon feiner ^Partei mar; gerbinanb

1) Marineus Siculus, de Vita Alfonsi V.

2) Zurita „casado con su hermana".

3) Zurita f. 38, 41, 46, 47.

SSerbmbungen mit S^tolien. 49

madjk fie erft toic^tig, inbem er benfelBen getoinnen ^al]. .Ratten bie fat^oltfd^en Könige eine (Sorge iür bie gefammte ßl^riften^eit, fo fiel biefelBe mit i^rem befonberen SSort^eil äufatnmen. 5lui bie CUaufet geftü^t, gingen i'^re ^efanbten^), einer für 5lragon, einer für gaftilien, nacf) bem ^ird^enftaate, ereilten ^arl nnfern 9lom§, unb tüie fie geforbert, er foEe bie ©täbte äurürffteEen unb SJertrag an= neljmen, er aber öertoeigerte, ^erriffen fie ben S3rief i^reö S5unbe§. ift ni($t gerabe^u 5lreulofig!eit ; boc§ S5unbe§trene ift rüa^x= ]§aftig au(^ ni(f)t. 9lun nahmen fi(^ f^^tbinanb unb ;3fa]6eHa 5llejanber§, beffen 6o^n bem fran^öfifd^en .Könige lange entflogen tüax, unb ^yerrantino^g an, ber ficf) mit i^rer 5^i(^te S^oana, mit ber er bon ^^eapel geflü(^tet, öerloBt i^atte unb i^nen einige nea= |)olitanif(^e ©d^löffer al§ ^fanb für i^re ^riegSfoften öerf|)ra(^: ie|t burjten fie einen neuen Sunb tüiber Äarl fu^en.

toar aber Soboöico ber '^o^x, feit ^arl t)on i^m gebogen, toegen einiger Öefc^äfte in 2;o§!ana, S^tom unb ^^leapel mit bemfelben in 3^i^f^öit ge!ommen. (Seresane unb ©ere^aneEa, um toeld^e @e= nuefen unb glorentiner Big auf Äarl§ 5ln!unft geftritten, Tratte er üergebli(^ öon ^arl für feine ©tabt ^u erlangen geT^offt. @r tabelte ben ^rieben mit ^llejanber, tneil er fic^ felbft barin ^u toenig berüii= fic^tigt fanb^). berbro^ i^n, al§ er feinen mailänbifi^en 9tebeEen 2rit)ul3io , feine genuefifd^en , ben gregofo unb ben gieSco, ^u 9lea^el in ^arl§ ©ienfte aufgenommen fa:§; unb hierauf lie§ er ein= mal frauäöfifrfie Sd^iffe ni(^t in @enua einlaufen^). ^nbe§ gab für i^n noc^ eine nähere ^efa^r. «^erjog Soui§ b^OrleanS, auf htn öon einer edf)ten %oii)kx au§ bem §aufe S5i§conti beffere ^nfprüd^e auf 5[Ftailanb gefommen^), al§ bie toaren, meldte bie ©forjen öon einer unechten ^herleiteten, fa^ au 5lfti, aB tnarte er nur be§ günftigen 5lugenblict§ , um biefe 5lnfprüd^e burd§3ufe|en. (Seine S)iener fagten öffentlid§, balb U)erbe er ^erjog au 5Jlailanb fein; unb ba er 2;ru^pen fammelte, ba er öon Äarl n:)enigften§ !einen Sßiberftanb au beforgen l^atte, fing Sobobico für feine 9)lad§t a^ fürd)ten an^). @r toanbte fid) auerft an Maximilian, ber i^m öor furaem feierlid§ bie S^ntJeftitur ertl^eilen laffen^), unter aEen gürften faft feinen näd^ften

1) Argensola, Annales, p. 50. Florus, p. 15.

2) Lodovico an Ascanio bti Rosmini 11, 208.

3) Lodovico an Caii bei Kosm. 213.

4) Extrait d'un discours, touchant le droit sur le Buche de Milan, öon Tillet. Comines, Preuves II, 321.

5) Instructio Casati Rosmini.

6) Sanseverin an Lodovico Rosmini.

ö. 3fianfe'§ 2ßetfe XXXIII. XXXIV. 9tom. u. germ. Jöolfer. 3. ?lufl. 4

50 ßKftc§ S3uc§. 3tüeite§ Kapitel.

j

S5ertt)anbten. g^ar l^atte btefer ^(ejanber§ S3otfd§aft unb fonnte für bte !atferlt(^e Sßürbe Bange fein; feine ^efanbten burd^ Stauen besagten fid§ and^, too fie hk ßilien ftatt be§ 5lbler§ angefd§lagen fa^en: benn bem beutfd^en Könige gebühre bie DBer^errfd^aft ^) ; aber am nteiften ]6en)egte il^n bod§ bieg, unb ben Surften be§ 9liei(^e§ toieberl^olte er immer: ^arl bebro^e @enua, Souig 5)lai(anb, fo ba^ eine eilenbe .^ülfe gegen fie notT^ttjenbig fei. 3n einer bringenberen ©efa'^r aU Maximilian, in einer gleichen mit ßoboöico toaren bie SBenegianer. (Sie fürchteten für fid§ felbft, feit 5lubignt) nad§ gorli gebrungcn; fie brachten @elb ^ufammen, al§ .^arl in glorenj tüar; nac3§bem er o^ne Sßiberftanb 9lom erreicht l^atte, Farben fie einige taufenb leidste 5llbanefen ju ^ferbe, il^re ©trabioten ^) ; tüie er nun Neapel l^atte, iüie aui^ bie ©c^Iöffer fielen, tüie man öon Souig' planen l^örte, tt)urben fie t)on ber äu^erften S3eforgni§ ergriffen. ^ine§ 5!)lorgen§ fa^en fie fo, il^rer fünfaig bi§ fed^gig, in bem S^i^^^i^ be§ S)ogen, aU ber fran3öfif(^e Söotfd^after ^erein!am; fie fa^en, bie klugen jur ßrbe gefen!t, ben ^op] auf bie §änbe geftü|t; deiner rebete, deiner fal^ i^n an. S)er S)oge fagte: „^uer §err l^at bie 6d§löffer bon Neapel; toirb er unfer Sreunb bleiben?" £ier 6efanbte be= tT^euerte e§^). 3öa§ fie ängftigte, toax nid^t gerabe aEein bie 3^^= ftörung ber ©in^eit 3talien§, fonbern i^re eigene Öefal^r. Senn man mu^ toiffen, baß biefelben 5lnfprüc^e, toeld^e ßoui§ b'£)rlean§ auf 5Jlailanb mad^te, aud§ auf einen guten %f)exl ber öenetianifd^en SSefi^ungen, bie einft in Sfol^ann ^aleajao ^iUoniV^, feinet %^n= l^errn, ©etnalt gen)efen , hu erft ]päkx t)on ber üle|)ubli! erobert toorben , auSgebel^nt toerben fonnten : tüenn ha^ @ine genommen toürbe, fo tt)ar aEerbingg aud§ für ba§ 5lnbere ju fürdCjten.

5Jlan fielet: 5!)lajimilian , Soboöico unb SSenebig toaren natür* lid§e S^erbünbete. ^erbinaubS S5ort]§eil mar e§, biefer S5erbinbung unb ätoar 5ugleid§ mit feinen S5unbe§genoffen, ^errantino unb bem ^ßaipfte, beizutreten. 6oEte aber ßobot)ico 5llejanber trauen, ber ben S5unb mit il^m fo öor furaem gebrod^en? (Suarea brang barauf: nid^t feiner ^ad^t, aber feine§ 5^amen§ bebürfe man*). SoEte ferner gerrantino aufgenommen n^erben, ber nichts me^r befa§ noc§ leiften !onnte ? 5lber U^ nad§ 2öorm§ gingen feine 5Botfd§aften unb erfd^ienen

1) AUegretto Allegretti, Diarj di Siena, p. 838.

2) Chronicon Venetum bei Muratori XXIV, p. 8, 9 f.

3) Comines.

4) Zurita f. 61.

9lücfäU3 Äarl§ VIII. 51

ijor bem beutfd^en ^önig unb Baten i^n um bie ^lufna'^me^). ßnblid^,

i am 29. Wäx^ 1495, nadCjbem man oft l§eimüc§, ja Bei ^^lad^t unter*

! l^anbelt, Ujar man einig ; (Suarej rief au§: „^arl fd^lug bie äöunbe: tüir

I ^aBen i^re «Teilung gefunben" ^). ^un luben hu Ißenetianer ben

I franäöfif(^en ©efanbten toieber ein. „SCÖir l^aBen einen SSunb ge=

[ jd^Ioffen", f^rac^ ber S)oge, »tniber bie 2:ür!en, für bie ülu^e Stauend,

! für bie @i(i)erung unjerer 35efi|ungen". §unbert ^^loBili toaren ba,

: bie ^ö^jfe 1)oä) , mut^ig unb frö^lid^ ; benn fie tou^ten , ba| ein

i §eer bon "me^r al§ 50,000 ^ann n)iber ^arl inl Selb rüden

: tt)erbe^). 2)er 25ot|(^after ging, tnie man erjä^^It, üBerrafd^t unb'

i Betreten. 5luf ber %xz)^)^t fa^ er ©^inetto , ben nea|)oIitanif(^en

I C^efanbten, mit frö^Iid^em ©efid^t in fd^önem, neuem bleibe \x6) Be=

1 gegnen. Sßie er l^inaB!am, Bat er ben ©ecretär, ber i^n Begleitete,

I i^m bod^ 3u n)ieber5olen , iüa§ ber S)oge gejagt*). ift ßomineg,

I t)on bem man ba§ er^ä^It ; er felBft gefielet batjon ni(^t§ : er Be^au^tet,

^IIe§ geteuft ju ^aBen. 5lm ^^ac^mittag fuhren bie ©efanbten ber

SSerBünbeten auf öier^ig, feftli(^ unb mit ben äöa^j^jen unb f^a^nen

i^rer Ferren gefd^müÄten SSarlen, unter (SJefang unb ©))iel, ben großen

(Sanal ^tüifd^en ben marmornen <&äufem hinunter; fie famen hit genfter

t)on 6omine§ öorüBer, unb menigfteng ber mailänbifi^e ©efanbte

tl^at, al§ !enne er i^n nid§t ; am 5lBenb öerfünbigten ^atfeln, @efd§ü^

unb @rleud§tung ben gefd^loffenen S3unb^). ^t^xi 2^age barauf ^atte

S5enebig 21,000 3!Jlann im ^elbe; am ^almjonntage U^arb ber SSunb

in ben ßänbern ber S^^eilnel^mer aufgerufen. S)a fd^rieB 6omine§

unb, in fed§§ S^agen fed§§mal, Soui§ b' Orleans nad^ gran!reid), man

Bebürfe neuer 2:ru|)t)en; ber ^önig ^arl U^arb öon ber ^efa^r

unterrid^tet.

3. fHüdesug ^arl§ VIII.

\ ift ba§ ßeBen unb ba§ ^IM ber germanifd§ = romanifd^en SBölfer, ba§ fie nie jur ßin^eit gelangend ®iefe Unterl^anblungen, biefe ütüftungen, mit U)eld§en ber toa^re'^^Streit ber ©panier unb gran^ofen feinen Urf^rung na^m, toaren ber Einfang einer burd^=

1) Datt, De pace publica, p. 523.

2) Peter Justinianus, Historica Veneta qu§ Hieron. Donatus, Apo- logia, p. 148.

3) Comines, Memoires I, p. 490.

4) Bembus, Historiae Venetae, p. 34 36.

5) Comines. Carraciolas, Vita Spinelli, Cariati Comitis, p. 43.

/

52 @tfte§ 23ud^. ^toeitcS ßopitel.

[M

ge^enben unb langtoiengen ^arteiung , tüetd^e Sage unb ©eftc @uro:pa^§ gänältc^ umänberte. guerft tnugten fie freiließ, toenn Äarlg. 3ug eine (SJefa^r für bie 2;üT!en toar, biefen p ftatten fommen. 3lu(^ Si^tt^^ ^öi^ tobt. ijt eine ^fnftruction ^IteyanbetS an feinen tür!if(^en iBotfd^after , finb ^Briefe SSajaaet^S an ben ^apft üBrig, aEerbing§ entfe^Iirfien ^nl§alt§ : „ber ^apft möge Sjemi Don ben @ngen biefer Söelt in eine anbete erT^eBen, tno er beffere 9ftu§e f)aT6en n)erbe, bafür er, 8nltan SSaja^et^ 6^an, i^m 300,000 3)ucaten au§aa!)(eii tootte" ^) ; unb ift ein Q^IM , ba§ man an i:^rer @d§t^eit au ^toeifeln @runb ^at ; aber toie in ber Z^ai Sjemi ^lö^lid^ ftarb, unb toie aEe d§riftlid§en ©d^riftfteEer öon @ift toiffen, fo ent^^alten fel6ft bie türüfd^en 5lnnalen ^) : „^uftap^a S5et) ^Cibt mit ^ülfe be§ Sranf- unb ütumbeg (b. i. be§ ^a^fte§) S]m\ getöbtet". äßenn nun ,^ai( ben 3ug nid^t unternal^m, ber feine ^bfic^t gen)efen, ^u bem er fc^on ben S3ifd)of öon S)ura350 unb bie 2)e§poten t)on ^orea t)orauö= gefd^itft^), fo ift er tooljl barum am tüenigften ^u tabeln. @r i^ätte gern mit gerrantino S]ertrag ge^bt. ^lurf) fam f^ebertgo , e^e bie Slga gefd^loffen mar, einmal mieber, fanb ben ,^önig unter einem Olibenbaum ^zi bem neuen ßaftett unb bat für gerrantino um eine S3e= fi^ung unb ben föniglid^en Flamen; bod^ ^arl fagte mit gutem S3e= bad^t: „^n granfreic^, aber ni(j^t ^ier" , unb barüber trennten fie fi(^*). @r begnügte fid§, 5lbel, SSürger unb S5ol! t»on 9lea|)e( in grieben gu fe^en. 5lEe Marone !amen, i^m ^u ^ulbigen, unb em=- ^jfingen bie @üter ivaM , meldte fie burd§ bie Slragonen t)er=^ loren. S3i§ auf menige, bie fid^ no(^ hielten, fanbten aEe ©täbte i§re ©tmbifen mit ben ©d^tüffeln unb em|3fingen S5egünfti=

1) Burcardi Diarium, p. 2056.

2) Leonclavii Annales Turcici, p. 154. Daru, Histoire de Venise III, 164 tkVil Saadud-Din-Mehemed-Hassan.

3) Oricellarius, p. 66.

4) Desrey 223. Passero 70. (31. b. n. 51.) Giacomo 188. «Ulan lernt h\i Unter'^Qnblungen au§ einem ©(^reiben be§ J?öntg§ t)om 28. Wäx^ 1495 an Sourbon fcnncn, in hjelc^em 'Reifet: Frederic (Federego) me supplia et requist, que je voulusse bien laisser ä son nepveu (Ferrantin) le tiltre du royaume et quelque pension pour vivre teile qu'il me plairoit ad- viser. 2)er ^önig antttjottete: Dor feiner 5lbreije fei fein ^z6^i auf ba§ ^önig= teic^ in granfteic^ unterfuc^t unb feietlid) anerfonnt tnotben, unb bann ferner: je n'estois point delibere de riens laisser ni quitter de mon heritage et dudit tiltre que s'il s'en vouloit venir en France, je luy donne- roye pour son etat XXX mille livres de rente et XXX mille livres de pension chacun an, et des gensd'armes, avecques ce que je le marye- rois en quelque lieu de mon royaume de maniere qu'il auroit cause de se contenter. (Pilorgeric, Campagne et bulletins, ©. 212.)

I

md^nq ^axU VIII. 53

gungen^), bie ^^arentinet 3. 35., ba^ fie it)ren ©t)nbi!u§ au§ ben tntttteren bürgern, ben Onoraten ^), bie '^tapoliiamx, ba§ fie einen ßletto an§ i^rer lUitte mit 12 ^lät'^en tüä^len burften^). S)em befi^enben Steile be§S5ol!e§ irlieB er 200,000 Ducaten iä!)rti($ an ^IBgaben, bent nid§t§ be= [i^enben t)erf|)rad§ er 12,000 S)ncaten iäi^rlid^ gum ^efd^en!; er f^eifte bie 3lerniften am grünen S)onner§tage*). SBenn er nnn bie äönnber bcg ßanbe§- Befal^, bie trotte be§ ^ofilip|30, bon ber man iT^m fagte, S]irgit ^abe fie !ünftli($ gegraben, hu tounberbaren OueEen, bie @rb= Öffnungen üoE ^ei^en Sßinbeg^) unb Dor aEem bie güEe biefeg reichen Sanbe§ im ^rü^ial^r; toenn er in ben 2:urnieren fa§ unb fa:^, mie fid§ Italiener unb granaofen im Bpui öerfuc^ten, ober bie ?;ürftin bon 5D^elfi, bie fo gerabe, toie ein IRitter, 5U ^ferbe fa§ unb ein^ertrabte bie rotten unb meinen ^ebern toe^ten l3on il^rem -öut, bie §aare flogen in ^ierlic^en Söffen um i^re Traufe unb ba§ ritterlicfie Meib t)on grünem ©otbftoff^); in biefen ^Vergnügungen unb SSefd^äjtigungen fü!)Ite er fi(^ o^ne Steifet aufrieben unb glü(I= Ulf). 9Jlit Öenugt^uung bemer!t er in feinen ^Briefen hu «g)erfteEung ber guten Orbnung unb @ered)tig!eit in bem bi^^er unterbrütften Sanbe unb bie |)ulbigungen , bie er t)on aEen ©eiten bafür em= prangen. Sie atfimen ba§ @efü^I, ba§ er eine gro^e tlnterne!)mung glüiilicC) 5U ©übe geführt ^abe. ^n bem trafen itju bie ^ladjric^ten t)on ber ßiga unb i^rer 9ilüftung. S)ie Sftüdgabe Don 9touffiEon unb 5lrtoi§ toar boc^ tergeblid^ getüefen: toie :§ätten bie ftarlen geinbe in feinem ütüta, 5U ^aitanb, S5enebig unb JRom, einen 2:ür!en5ug öerftattet? Um nid^t t)on f^rantreii^ abgefd^nitten ju toerben, mu^te er ba^er 3urü(f= teuren. ^0^ einmal 30g er mit ^rone unb 9fteic§Sa^fet in bie ©tabt ein, ben @d§tt)ur gu leiften unb 3U empfangen ^) ; ba l^oben bie S3ürger i()re @ö:^ne t)on 5 , 10, 12 3a:^ren empor, bafe er fie mit Ieic£)tem ©daläge 3U Sftittem mad^te^): bann fe^te er SSourbon 5Jlontpenfier t)em ü^eid^e ^um S5ice!önig, .gerrn unb SSefe^lS^aber ; unb hierauf nalim er bie §älfte feiner 2;ruppen unb ^og bie ©tra^e, bie er ge= lommen^). @r eilte, um nid^t öon ber |)i|e überrafd^t au tüerben.

1) Passero 71.

2) Job. Juvenis, de fortima Tarentinorum, p. 127.

3) (21. b. Tt. 21.) Giacomo 204. Gallo 67. SSergl. 9{eitmont, bie ßaroffa Don ^mobbaloni I, <B. 124.

4) Lettre ä la Duchesse de Bourbon bei Godefroy 739.

5) Desrey 224.

6) Lettre ibid.

7) (2L b. n. 21.) Giacomo 190.

8) Andre de la Vigne, Histoire du Voyage de Naples, bei Godefroy, p. 200.

9) ^ixl u. Desrey, p. 224 b.

54 @tfteS SSud^. 3tocitc8 6a^itel.

S5on 9lom totd^ ber ^a))ft tjor tl^m mä) einem feften ^la|e^ Unterrid^tete Beljaupten, fonft toürbe ^atl bte§mal ettüag mel§r tötj U)n unternommen 1)dben^). ^n ©iena ^örte er bie klagen ber formatoren üBer bie 5lot)e ba§ ftnb bie ^Parteien ber ©tabt unb Öegünftigte bie ^tagenben, bie i§n i^ren ,^önig unb i^ren §t nannten: er liefe eine SSefa^ung gurüd^). 3n $ifa Begrüßten i^n" om erften 3:age bie Äinber, in tüeifee 8eibe mit ßilien geÜeibet, qt^ jtoeiten bie Männer fie Sollten feine UntertT^anen fein , ^| britten bie S)amen unb SSürgerinnen , aBer biefe Barfufe unb Ti Xrauer: „er möge fie in feine §anb unb in ©d§u^ nehmen"*), ^iefe guten 5[Jlenf(^en liefeen faft fein ©tüd feinet Znä) in i^ren ßdben, ba§ fie nid^t ben S5efeT^I§]§aBern be§ .geereS gefd§en!t l^ätten^); öomel^mlid^ geUjannen fie bie ©(^n^eijer, bie ben ^önig, bie 5lejte üBer ben ^aU, Beim @^iel um bie greil^eit ber ©tabt Baten, unb toenigftenS fagte Äarl 3U i^nen, er toerbe foöiel t§un, bafe ein :Seber aufrieben fei^). Unb fo ftanb er n)ieber am gufee ber 5lpenninen, | tüo bie Barbonifd§e 5ll^e, öon ber 5[Jlagra jum 5taro ^inüBer, ein $a§, f(j§on t)on ben SongoBarben toert^ gel^alten, mit ©d^löffern unb 5!Jlünftem Befeftigt 3U toerben ^) , 5to§cana unb SomBarbei fd^eibet. 3n 9lea^el l^atte man in einer ^omöbie bie ßiga berf^ottet^); ; no(^ ]§atte ^arl feinen Qdnh gefeiten unb fürd^tete feinen. ?lBer \ ©abonarola ^atte if)m gefagt: ^toax @ott, ber il^n l^ereingefü^rt, ' toerbe iT^n l^inauöfü^ren ; boc§, n)eil er feine ,^ird§e nic^t öerBeffert, toerbe er einen 9luti§enfd§lag empfangen.

S)ie ßiga Befe|te toirfüd^ Bereite 51ea|jel, ba§ er öerlaffen, unb ba§ ^eBiet bon 5[flailanb bor i]^m. ^ort erfd^ienen unter ^on^al b^3lg^ilar bie Sßijcatier, ^allisier unb Gleiter gerbinanbS. 2)a em* i ^jörte fid§ ^aeta unb rüd^te gerrantino in ßalaBrien bor. ^^ax \ btefen erften Eingriff fd§Iugen hu granjofen aB, nahmen @aeta, ttjo j fie felBft berer nid^t fd^onten, bie ein Srucifij 3U i:§rem ©d^u^ er^ ' griffen^), unb trieben gerrantino ^uxüä. ^nx @in 5^ea|3oIitaner aeigte eine gute Haltung: i^ol^ann TOabilla, ber ben^önig mit bem ^ferbe \

1) Navagero, Historia Veneta, p. 1204.

2) Oricellarius, de bello Italico, p. 68.

3) AUegretto AUegretti.

4) Andre de la Vigne 204, 205, 206.

5) Nardi, p. 24.

6) Comines 501.

7) Paulus Diaconus V, 27. VI, 58.

8) Burcardus, Diarium Roman., p. 2067.

9) Passero 74.

IRücfaug Äottg VIII. 55

ftüraen ]af), abfaB, if)m ha^ feine gab unb nun mit bem ^obe ben eroigen ütul^m ber Sreue ertüarb^); aEe anbeten flo^^en: aBer f($on cr^oB Ctranto öon freien ©tüden ben aragonifc^en 9tuf „f^ieno''^)^ in 5^ea|jel ^örte man, toenn ^toei einanber Begegneten: „SSrubet, tt)ann fommt ber ^eöatter?" ein äöort, n)omit fte gerrantino meinten; man ertrartete in lur^em hk große ßntfd^eibung ; am 4. ^nli leuchteten bie geuer t)on ßa^ri, er !omme tüixtli^^). 5lud§ bie ßom= Barbei mar in tjotter SSemegung unb ^mar öon entgegengefe^ten Seiten; ber .^eraog öon Orleans mar Bei bem ^^nSBmd^ ber Strnng mit ben Sanken, @a§cognern unb ©d^meiaem, ^k man bem .Könige p §ülfe fd^itfte, fogteic§ in§ ^^elb gerücft*); er marb nad^ 5Jlailanb imb ^atjia eingelaben benn bie neuen Auflagen, bie Soboöico ]um Kriege ber ßiga au§f(^rieB, l^atten bie ßintoo^ner aufgeregt ; rotgenb ben Beiben Opi^inen, mar er in 5^ot)ara mirflic^ anfgenom= men unb aU ^er^og Begrüßt morben. S3ei biefer ^ad^rii^t ging l^oboöico 3u bem t)enetianif(^en @efanbten, i^n um fein gürmort Bei ber ^ftepuBli! ^u Bitten; er ftedte i^m einen foftBaren ©maragb an bie §anb^). gtir fxä) felBft nal^m er aUe Gräfte pfammen, ben geinb lo§ ju toerben. 5luf ha^ emftUd^fte regte fid^ S5enebig, ba§ tro| feines ftar!en §eere§ im f^elb üBerbie§ burd§ bie ßanb= ic^aft Befahl, öon jeber ^^omilie foEe fid^ ©in ^ann ^u ben SÖaffen Bereiten^). !S)ie S5erBünbeten f(^loffen äugleid^ 5^ot)ara ein unb fteEten ficB ^arl in ben Sßeg. @g mar unma^rfd^einlid^ , baß er über Bologna !ommen mürbe; hoä) audö bort [teilten fie fi(^ auf. (Sr mußte enttoeber ben 3Seg t)on ^arma ober öon @enua nehmen. 3m 3uni Bereits ftanb ein ftarfeS §eer am iparmefanifd^en @eBirge, unb l^obobico f(^rieB na(^ @enua : „2öir finb öerma'^rt. SSerma^rt aud^ ^1)1 @uc^" , morauf aud^ ^ier ßonrabin ©tanga 5ltte§ pr @egenmet)r öorBereitete ^). äöenn .^arl ben äöeg üBer bie ütibiera nal^m, fo BlieB Soui§ öon Orleans öerlaffen; fd^Iug er aBer ben erften üBer baS ^eBirge ein, bann gaB er bie Hoffnung auf, @enua,

1) Jovii historia sui temporis 48.

2) Galateus, de situ Japygiae, p. 14.

3) Passero 72, 76.

4) St. Gelais, Extraict d'une histoire, bei Godefroy, p. 180. (51. b. n. 51.) ©eine ©timmung ergtebt fid) aul einem SBriefe üom 23. 2lpri(, ber bei Cherrier, Histoire de Charles huit, ^b. 2, ©. 491, mitget^eiU ift: je pense faire ung tel Service au roi, que en long temps en sera parle.

5) Corio 941 und Jovius 38.

6) Chronicon Venetum, p. 23.

7) Chronicon Venetum, p. 23.

56 ®tflc§ «u(^. 3tt)eite§ eopitel.

fein ßefjen, baS Soboüico je^t bertüirÜ !)atte, ju eroBem. ^x tDai)H ba§ ©(^ttjerfte: felbft über bie ^erge 3u ^ietien^), tüä!§renb gtegof^ S^ulian unb $^ilt^^ be 33reffe einen S5erfud§ auf @enua maä)i foHten. S3ei feinem 3^0^ ^^i^^ ^^ öuf§ neue inne , bag ©dötüeijer Bei fic^ f)aiU. 2)iefe Ratten i:^m fc§on immer öiel ©orc gemad^t. ^leid^ im Einfang, Bei bem .^in^uge nad^ ^ea^jel, Brad^l i^re ^tünberung t)on üta^jaE beina!)e gana ©enua n)iber fte in Söaffen; in (Siena füt)tte mau i^re §anb ; in ütom fe^^tte U>enig, ba^ smifd^en i^nen unb ben anmefenben ©paniern ein offener ^ampf au^gebrod^en märe ; in 5^eapet fc§lo§ man einmal bie Saben öor il^rem Tumult ^). ;^e|t, auf bem Sftürf^uge, fielen fie in ^ontremoti benn fie glaubten, fei i'^nen ettnag bon il^rem erften S)urc§äuge ^u räd^en übrig miber bie B^fagen ber x^tl^exxen mit ^(ünberung unb 5}lorb über SSürger unb @tabt l)er^). S)ie güEe bon (Sefunb^eit unb ^raft reifte fie aud§ bei einer tieinen i8eleibi= gung ju unber^ättni^mägiger ^ad)e. S)iefelbe fyülle bon gefunber j^raft mad^te fie aber auc^ offen für jeben guten ©inbrurf. äöenn fie fic^ früher erboten Ratten, i^rem ©olb, um ben fie ausgesogen maren, ^u entfagen, toofern .^arl ^ifa in grei'^eit 5U galten t)er= f^red^e , fo reute fie gegenmärtig balb , ha^ fie S5orrät^e ^erftört, bie man nun entbehre, unb fie fteEten fid§ bem .Könige bar: toenn er i'^nen ber^eil^e, fo trauten fie fid^ too^l, ba§ @efd^ü|, ba§ man nid^t über bie ^erge ^u bringen toiffe , mit iT^ren Slrmen em:|3or= 3ufdf)affen*). 3t)re gü^rung übernahm ein ta|)ferer Ütitter au§ bem befolge be§ ^önig§, be la jlremouiEe; ber ]§atte mo^l einft, nod^ ein ^nabe, al§ ^önig Soui§ XI. mit ben Sharonen ftritt, in ünbifd^em ©ruft bie (Seite be§ ^önig§ gehalten unb toar in erfter i^ugenb feinen Altern einmal babongeritten , um bem .Könige ^arl 5u bienen ; er marf je^t feine £)ber!(eiber ab ; unb toie nun bie ©d^meijer, au 100 U^ 200 beifammen unb an ba§ @efd^ü| gebun= ben, auf einmal anaogen, eine ©trede fort im 2;act, fid§ bann db= löften unb mieber a^gen, griff er felbft mit an, ermunterte fie immer mit guten Söorten unb lie§ S^rom^eten unb Slarinen blafen, bi§ fie Ijinan unb barauf bie iaf)t %k]e, mo 5!}lenfd§en unb ^^ferbe ben Sauf anhielten , mieber l^inunter toaren ; bann fteEte er fid^ , öon ber äu§erften ©onnen^i|e gana fd^toara, tior ben ^önig. S)er f^rad^:

1) Chronicon Venetura, p. 21. Comines.

2) Florus, Allegretti, Burcardus unb Passero.

3) Comines. Spazzarini, Frammenti Storici, bei Rosmini II, 217.

4) Comines 608.

md^nq S^axU VIII. 57

„:;^^r T^aBt get^n, tüte |)anntbat; iä) tt)ill ßuc^ Belol^nen, ba^ aud§

ein ^Inberer mir gern bienen ]otL" ^). Müt)felig !amen fie öon ben

Cuellen ber 5Jlagra, bie nac§ bem einen ^eere, 3U bem 2aro, unfern

jber Cuelten beffelben, ber nad§ bem anbern fliegt. @nbti(^ tüar bie

jte^te ^ö'^e erreicht. S)a fa'^en fie bie ßombarbei, mit bem eBen

reifen betreibe, mit ^rüc^ten unb Söein überbeut, bon ^^ftüffen unb

btü^enben Ottfd^aften lebenbig; aber bor benfelben erbliciten fie nic^t

tneit bom ^^u^e be§ @ebirge§ un3ä:§tige Seite unb bie f^a:§nen bon

,S5enebig unb 5[Flai(anb , ein |)eer bon beinalie 40,000 ^ann. Un=

angegriffen bennod§, ftiegen fie i^ren Söeg l^inab, unb ber ^önig afe

am 5. ^uU p gornobo^).

@r tt)ar entfd^ieben, feinen S5ertrag anpnei^mm, fonbern bie

3cl}fad§t. 3u Beiben ©eiten be§ 2aro ^ie^^t ]id) , bon ^ügeln um=

gekn unb immer breiter, 'ta^ 2:]§al 3}ergerra bem ^0 p. ^m

rechten Ufer ftanben bie Sombarben. Sßag mar tooT^t ber @runb,

ha^ fie nid^t beibe einnal^men unb ficC) bem f^einbe gerabe^u gegenüber=

ftcllten? <Sie moEten l^aubtfäd)ti(f) ba§ mailänber ÖJebiet, ha^ immer

aiifrü^rerifd§e ^arma bor einem (SinfaE fc^ü^en ; ja, ßobobico toar über=

Ijaupt gegen eine Bd}laä)t^). ^n 9 ©dCiaaren unb 140 ßJefd^tüabern

ftanben fie: benn fie |)flegten in i'^ren ©c^lacfjten, toie in ettoaS ernft=

IiaHeren furnieren, toä^renb bie ^enge im Sager Blieb unb äufalj,

eine Sc^aar na<^ ber anbern anzugreifen, ju fämpfen unb fid§ aB5u=

löfen^). OBtoo^I ganj in Söaffen, liefen fie bod§ gefc£)el^en, ba§

J!arl§ §eer ba§ lin!e Ufer be§ feid^ten ^(uffe§ einnal^m. Sd^on fügten

|bie 3000 ©(^tüei^er bie @rbe, fteEten ftc^ mit ben S)eutfc^en @ngi(=

|Bert§ unb mit be§ ÄiDuigS riefen^aften ©c^ü^en in bie S5orl§ut unb

jrüctten bem f^einbe gegenüber bor. ^ie 91ad§!)ut unb bie SSataille mit

jber großen ga^ne Bei bem Könige Beftanb au§ ben .g)omme§ b^5lrme§^).

'2)iefe be^eid^neten i^re ©tirn mit bem ^reu^ unb tuaren freubig 3ur

; Sd^lad^t. S)er ^ijnig fa§ auf feinem einäugigen 9ta|)|)en, ©abot)e, bem

|fd)önften S^ier; ber .^elmbufd^ toe^te in ben f^arben bon granfreid^

unb Bretagne, bie ^reu^e bon ^erufatem fd^mücften feinen 3öaffen=

rorf; ^eute toaren feine @tirn unb fein 5luge unb fein ganzes 3lnge=

1) Jean Bouchet: Histoire de Mons. de la Tremouille, in ben ^h- moiren XIV, p. 150.

2) Desrey 225.

3) Benedictüs, Diarium, p. 1589. ßalt. Visconti an Lodovico bei I Rosmini II, 218. Carpesanus, Commentarii 1213.

4) Excurs in Porzio, Congiura dei Baroni di Napoli, p. 138.

5) Comines 521. Desrey 226.

i

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58 ®tftc§ S3ud§. 3tDcitc§ ßopttel.

fic^t Megerifd^. @r fprac^: ,3a§ fagt S^^r fetten? SßoEt 3^§r mit mir leben unb fterben? f^ürd^tet nic§t§, weit fte ae^nmat me:§r ftnb, at§ toir. @ott l§at un§ :§ietlöer öW^^t unb fü^rt un§ hjieber ,; :^intoe9" ^). 5flo(^ fd^Iug er Flitter, fo fielen einige ©d^üffe, brei feil lid^e ©(paaren festen in öottem Stegen über ben ^tu§, bie 9Jtaitäi tüiber bie Söor^ut. 2öie bie 5!Jlailänber bie gefenüen (Speere 2)eutfc§en unb <B^mmx fallen, l^ielten fie ein, anjugreifen; bie ^e= neaianer unter ©onaaga auf öro^en, gana ge:|3anaerten ^engften, felBft | nod^ beffer ge^^arnifc^t al§ bie ^ranaofen, in ber fd^önften Orbnun|| bie ©trabioten, toeldje Beftimmt n)aren, bem !öniglid§en ^eerc^Jj bie (Seite au faEen^), riefen: „^arco S5ictoria!"^) ßin eigentlid§eg ' ^ujammentreffen fanb nur a^^ifd^en ber regelmäßigen üteiterei ber S5eneaianer unb ber ber granaojen ftatt. %U bie erften §eran« j rütften, fd^rieen bie franaöfijd^en Sßai^en: „Ser geinb ift ha\" man fagte aum Könige: „SöortoärtS, §err!" @r aog ^itteltreffen unb ^a(^^ut aufammen, lehrte um, ftanb ^art an bem ^^einbe unb l^ielt feinen erften Eingriff au§*). ©er Eingriff ging gerabe auf feinen redeten f^lügel unb tnar gefäi§rlid§, folange man mit ben ßanaen ftritt; benn bie italienifd^en toaren länger. 51I§ man au ben ©dCitoertern griff, fiel bie ßin!e be§ Äönig§, bie 20 ©c^ilbe, unter ben ^a^^nen 5lt)mar§ be $rie, bie ©betleute tjon feinem §aufe, einige ftar!e ^eutfd§e^), in bie glanfe ^onaaga^g, tüeld^e immer fc^mäler angeben unb feine genugfame f^ronte bilben mod§te, toie il^re (Sitte tt)ar. (5o toanbte fid§, ba nun bie 5^1ailänber, bie ben ^ut^ öerloren, gebrochen UJaren unb ba§ Ufer mit blan!em S)egen ^inabjagten, aud^ @onaaga bem f^Iuffe au^). ^in tt)ir!lid§e§ Getümmel entftanb, toorin felbft bie franaöfifd§en SroPuben mit i^rem §a!en um bie @e|)anaerten ^erftanben, tiier ober fünf um 6inen, unb i^nen ben §arnifd^ auf^od^ten; aber ein italienifd§er Zmpp brang nod^ einmal öor unb gelangte bi§ aunt «Könige');

1) Andre de la Vigne, p. 209.

2) Comines, lr)orau§ Guicciardini. Oricellarius, p. 70.

3) Navagero, Storia Venet., p. 1206.

4) Symphorian Champier, Trophaeum Gallicum, bei Godefroy 306. Graville an Bouchage bei Rosmini 218.

5) Memoires t)on de la Tremouille, p. 153.

6) Benedictus, p. 1597.

7) ^adj ber ©raäljlung t)on ©ilbctt 5Pointet toar hu 2lbfici)t ber SSerbün-- beten, ben Äönig gefongen au neljmen (Pilorgerie, Campagne et buUetins, ©. 356): „nous rompre et prendre ledit seigneur aussi fierement que vindrent lesdits ennemis, aussi fiörement furent-ils recueilliz, tellement

ütüdfäug SiaxU VIII. 59

bod^ biejer toeT^tte ben 5lnfaE mit feiner Üled^ten unb burd^ bie ,g)ülfe feinet ^ferbeg aB. 2)a§ föniglic^e §eer blieb o^ne Stüeifel im fSoxi^til. S)o(^ tüar berfelbe fein entfc^iebener. ^itiglian, ber au§ ber fran= 3öfif(^en ©efanöenfd^aft in§ ßager ber S^taliener ritt, rief immer: „3^r ^abt ia gefiegt!'' bi§ fie ftanben; ba bie granjofen biete ßanjen em)3orgere(it fa^en, magten fie nid^t, i^ren Sieg fort^ufelen^). S)er 2aro flo^ üon S5Iut. 2;ribul3io lie^ feinem Knaben, meldten burftete, eine f^lafdie SGßaffer barau§ bringen, al§ tüäre rotier SGÖein^). S)er Änabe fprad^: ,,3Bie fataig ift biefer Söein!'' „^ein Botjü" , berfe^te ber Später , „er ift in biefem Sanbe nid§t anber§." ^ie f^ranaofen :§atten einen nid^t einmal fe^r ernftlid^ gemeinten 5lnfaE abgeme'^rt; einen eigentlichen Sieg Ratten fie nii^t erfochten, aber fie fonnten iT§ren Qn^ fortfe^en. 2)ie Sd§Iad§t ^at am 6. ^uli ftattgefunben ; am 7., nod^ bor 5tage§anbrud^, al§ bie 5[Jleffe get)ört mar, mä^renb bie äÖad§tfener brennen blieben, er^ob fi(^ ber ^önig, o^ne einen 2;rombetenfto§ , o^ne einen ^rieg§ruf, nnb na'^m einen 2öeg, mo aEe feften pä|e befe^t maren nnb i^n au§fd§loffen , too bie ütitter oft felbft mit einer §anbbott §en famen, benn me^r ]§atten fie nid§t, nm i^^re ^ferbe ju füttern, tüo biefel S5ol! bon frü^ biö in bie 5^ad)t 30g, oft fo burftig, ba^ man fid§, too fid^ ein 2eid^, eine ^fü|e fanb, bi§ an ben @urt l^ineintoarf^). Ueber hen ganzen äÖeg T^in liefen fie frifd£)e Gräber ^urürf. 3n benfelben Sagen er- folgten nod^ amei anbere @ntfd§eibungen.

^m 6. ;3uli rndtte Julian gegen bie f^ranjofen auf bie (Sbene St. S^irito, @enna anzugreifen. S)ie Spinola unb 5lborni mad^ten einen 5lu§faE^), ber jeboi^ abgefc^lagen tourbe; aber am 7. griffen bie ^enuefen ütapaEo, ba§ bie gran^ofen innel^atten, an unb 3u= gleid^ ilire Sd^iffe in ber S3ai, ba§ eine unb ba§ anbere mit gutem Erfolge, fo 'tiai Julian ben ^ui^ berlor, bon @enua ablief unb ben SGßeg einfd^lug^), ben ber Äönig gebogen toar. ^a§ Sßid^tigfte gefd^al^ in 5^ea^el. ?lm 6. 3uli mar aud^ f^errantino mit 69 Segeln

que quasi tous furent tuez." 2öol)l unter jc^eib et er l)iett)on ben 6t)oc auf ben 5lönig, bex nur bret 5?ampfgenoffen um ftd) l^attc: „11 avait son espee tralcte combattant contre les ennemys." (31. b. n. 21.)

1) Bembus, p. 44. Jovlus 43. Coric 949. Nicole Gilles, Chronlques de France f. 117.

2) Rebucco bei Rosmini I, 268.

3) Comlnes 537. Vlmercatus an Lodovlco bei Rosmini II, 221. Gilles.

4) Senarega 553.

5) Folieta, p. 270. Senarega 554.

60 6tfte§ Sudt). 3tt)eite§ Kapitel.

in bem @oIf ton 51ea)3el erfi^tenen; hoä) aeigte et ft(^ raeber en| fc^lofjen nod§ rofcf). 51I§ et abet am 5}lotgen be§ 7ten öon 2:oi :^et, gleid^ aU tooHe et nad§ ^uäpolo, ^^eapel öotübetfn^t, l§ötte ))lö^lt(^ t)on innen auftül§tetifd§e§ (Sefd^tei, l^telt an nnb tarn nöT^t S)a fa^ et bie atagonifd^e ^^a^ne anf bem ßJlotfent^ntm öon ßai melo , bann ptte et fie getoattfam läuten ; l^tetauf !am eine S3at!c tjon bet man tief: „<&ett ^önig, bie 6tabt ift @uet" ^). @in getoifft ^JletcuUan, et^ä^lt ^ot)iu§^), i)abe fidj ben Stag ptiot t)on be trotte ^eteingef(^(id§en nnb bie ^teunbe berfammelt; aU man biefe feftneT§men moHen, fei bet 5luftuT^t auSgebtoi^en , inbem ©inet eil atagonifd^e ^^a^ne untet bem ^od ^etöotgejogen , tootauf aEgt meinet ©efd^tei, fyat)nefd)men!en nnb ßöuten. (Sinige liefen nac^ ^abba*" lenna, mo bet Äönig au^ftieg, fielen i^m ^u f^üBen imb hxaä)kn il)m ein $fetb; et titt gmifd^en 5llonfo ^e§cata nnb feinem @e:§eim= fc^teibet ß^atiteo^), bet no(^ iptoöenjalifd^ bid^tete, nad§ ben 2^1^oten; aEe§ fSolt tarn l§etau§; fie faxten an fein 8rf)mett nnb öettnun^ beten fid^ getn, menn fie i^m nut bie <&anb obet ben 'üoä füffen fonnten, nnb immet fd£)tieen fie „^^ietto", fo ba§ et fid^ 3U ßl^atitec manbte nnb au§ bem ^utienal fagte: „S)a§ @ifen ift, mag fie lieben."*) ©0 !amen fie in bie Stabt, roo nun bie ^^^-an^ofen flüd^teten, betäubt unb etfc^lagen mutben^): man fa^ @aetanen baö ^et^ eineg gtan= 3ofen 3mifrf)en bie gä^^ß Tuffen ; ^ean ütabot, bet in ^^ülte be§ 9teid§= t^umg lebte, behielt !aum füt ha^ .^au§ unentbe^tlid^fte Meibungg= ftüde übrig ^); bem Könige abex tü^te ba§ S5ol! bie gü^e, mifc^ten bie 2)amen ben ©dlimei^ ab unb toatfen bie :^ungftauen ^tän^e au ; fie fd^tieen aEe: „@§ lebe unfet malztet ^önig." Um biefelbe ä^it fielen bie S^enetianet auf ^onopoli unb nahmen eg, etobette gßbe= tigo ©tabt, |)of unb @d^lo§ bon 2:tani unb matf ben Hauptmann, bet fid§ mit ac^t 5lnbern aEein öettlieibigte, auf ben S5oben feinet @aleete; in bem ganzen .^önigteid^e matb bie atagonifd§e ^attet lebenbig^). 5Zad^ biefen 33egegniffen , mie enblid§ ,^atl übet ben 2)amm bon Sottona nad^ 5lfti gefommen, !onnte et nic^t me^t batan beuten, etmag 3U etobetn, menn et mit ben §et5og bon

1) Passero 75.

2) Historia sui lemporis, f. 49, 50.

3) Edictum Friderici b. Vecchioni jum Passero, p. 106.

4) Passero 77. Juvenalis VI, 112.

5) Villeneufve, Memoires, p. 13.

6) Lettre in Godefroy, p. 717.

7) Villeneufve, p. 873.

9lürf5U9 Statu VIII. 61

Orleang errettete, ber inbeffen in 5^oi)ara eingef(i)Iof|en unb in grogc '43ebrängni§ gerat^en toar.

2luf ^ai'imitian§ ©rtaubni^ :§atten griebrid^ ea|)|)eter öon $firt unb (Seorg t)on äöolfenftein 10,000 Deiitfc^e, t)ermut:^lic5^ Siroter unb (5d)tt)aben, bie 5lt^en {)eraT6gefü^rt ^) ; unb biefe lagen, feit ßobo= Dico mit feiner @emapn fte gemuftert, in i^ren Selten öoE llel6er= fing, t)or beren jebem Beina^^e ein Brunnen mar, too^lBefolbet unb aufrieben ^), mit ben S5enetianern in ßinem Säger. äÖiber foldie eine angemeffene §ülfe für bie f^ranaofen 3U n)erBen, BegaB fic^ ber 3BaiUif bon ^ijon in bie <Bä)m\^. km 24ften 5(uguft faf) man i:^n mit großen ©d^iffen, unter pfeifen, S^rommeln unb frö^Iid^em @efi^rei, öon ben Säubern, mo er eine gute Antwort em|)fangen, ben ©ee entlang nac^ Supern fa:§ren^). <g)ier l^ielt er täglid^ 2;afet mit feinen greunben, fparte ba§ (^elb nid^t unb tt)ar tnie ein ^^ürft angefe^en. 2)a t)erga§ man ber jüngfien 5lbfcf)iebe, toelcfie frembe güge Verboten. Söo bie OBrigfett an benfelben feftl^ielt, ftieg bie ^ugenb über bie dauern; mo man gefd§el§en lie^ benn fei mie im 2öalb= n)affer , flogen bie ^ä^ntein in ben 2^t)oren unb toaren an ben 33runnen auggeftetft. ©elbft 5llte, bie ben <g)eräog .^'arl bei 5^anc^ gefe^en, brachen auf; unb fo ^ogen fie, Zxvip\) für Xxupp, t)on 5Rar= tina^ auf unb ^inab naä) ;3brea; am 7. (5e:t)tember erfd^ien ber erfte, bie f(^önften !rieg§Iuftigften Wänmx, t)or ^önig S^axl YIII. in 5Jlon= cagliere*). ^n ber ^^'^at mar nöt^ig. S)enn <g)eraog ßoui§ in 9lot)ara, ber am viertägigen {yieber litt unb bocf) aEe 2age bie äöad^ten be= fe^en mu^te, unb feine tapfern Seute, meldie an bem SSrob erfranft, ba§ man au§ bem groben ^e^l ber ^anbmü^len öon au frü^ ge= mattem J?orn gebaden ^), liegen aum S^t^^^n, ha^ fie in groger ©efa^r fid§ noc§ :§ielten, aEe 'üad)t breimal auf ben ^öc^ften X^rmen i^re Sacfeln ^eben unb fenten. ^uc^ jene^ 5)le§l fepe i:§nen bereite, unb auf ben ©tragen fa^ man ©terbeube^). Einige ©(^meiaer nun fc§i(fte ^arl nad§ ber ^robence, um öon ha au ©rfjiff nad^ 5^ea|)el überaufe|en; hk meiften behielt er in feinem ßager au S5erceEi; biefe

1) Acta öon Worms bei ^ait 873.

2) Benedictus, Diarium.

3) ßubtoig öon 3)ie§ba(i)§ SBxief an Sujetn bei ®lu|blo|'^eim, ©c^tDeiaer= gejd)ic^te, p. 51G.

4) Tschudi, Supplementum ms. bei Fuchs, mayländische Feldzüge I, p. 212. Stettier, Schweizer Chronik 325.

5) Benedicti Diarium 1603. Notizie di Novara hii Rosmini 222.

6) Benedictus 1619.

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62 ßtftei Su(^. 3tt)eite§ ßapitet.

tüud^fen aEe 2:aöe an 3^^^^ i^^^ mad^ten ben ^einb bange tjor ©d§tad§t unb fo geneigter junt SSertrage^). ©d§on toax öon ei 5lb!unft ätüifd^en ^arl VIII. unb Soboöico bie 3ftebe; ben erften 51: la^ 3U einer S5er^anblnng gab ber %o\> ber 5)larqui|e t)on 5)lon fenat, aU ^arl bie (SrBfd^aft äu orbnen an ©onjaga fd^idte, um fein 58eileib 3U Bejeigen; fo begannen bie 5lbgeorbneten SSeiber ^ufättig t)om f^rieben ju reben. 3"ß^ft ^^ii" gingen <g)eroIbe l^inüber, b einen ©tiEftanb fd^toffen, Ujorauf ber «^erjog t)on £)rl6an§ ^'loöa' berlaffen burfte unb für fein S5ol! ©)3eife be!am. hierauf began bie Unterl^anblung über ben ^rieben felbft. ^uf ber einen ©eitc fa|en in ßobot)ico'§ 3^1««^^^ ^^ wnb feine 6emal§Iin unb bie @e= fanbten beg S3unbe§, auf ber anberen ©eite bie grauäofen, unten an 5tr)ei ©d^reiber für beibe %^dU unb beibe «Sprachen, unb biefe unterl^anbelten. Oft, tnenn ätüei, brei gran^ofen auf einmal rebeten, fagte ßoboöico: „^o^o! @iner nad§ bem 5lnbern/' nal^m ba§ 3Bort unb fül^rte ba§ @efpräd§ toeiter. @r bemirfte, ba§ man nad^ 14 Etagen, am 9. Dftober, einig n)ar^). @r t)erf|)rac§, bie gran^ofen aus @enua, aU einem ße^en ^arl§, aud§ tüiber Neapel au unter= ftü^en, Ujenn fein Sanb ujieber gan^ i^m gelpre. 5luf biefe 58e= bingungen tourbe bann ber griebe gefd^loffen. 5lm lOten frü^ brannte ha^ ßager ber S^ene^ianer, unb il^r §eer 50g ab^). Söie foHte biefen fo unangenehm gemefen fein, Ujie SSembo fagt, ba^ bie (Sefa^r, bie fte fürd^teten, gel^oben unb ber ^lufmanb geenbigt toarb, ben fie ungern ertrugen? S)er S5ertrag Ujar ja unter i^ren ^ugen gef(^Ioffen. S)er ^er^og öon Orleans, ein 2^^eil beS fran^öfifc^en ^belS man jä^lte 800 Sanken, toeli^e er gewonnen "^abe fort)ie bie ©d^toei^er, hk, um reid§ 5U toerben, ausgesogen Ujaren, fügten fid§ ber 5lb!unft nur ungern; ^arl VIII. jebod^ fagte immer: „@S ift befd§tt)oren, unb id^ toerb' eS Tratten." ©ein ©inn toar. Ob er=3f tauen 3u beruhigen, um ^fleaipel für fid^ 5U retten*). @r nun !am nad§ ßt^on unb löfte fein (SJelübbe in ©t. S)eniS unb fanb f^ran!reid§, toie er eS öerlaffen; aber ber 5lnfto§, ben er in S^talien gegeben, beujegte eS fort^). Äaum jemals l^at eine friegerifd^e Hnternel^« mung ftattgefunben, bie nad§ rafc^em Gelingen fo loenig unmittelbare f^olgen ^^erbeigefü^rt l^at, bagegen mittelbare öon ber größten S3e*

1) Andre de la Vigne 226.

2) Comines 553—557.

3) Andre de la Vigne 227. Benedictus 1622—1624.

4) Comines 553—557.

5) Desrey 227—223.

Ärtcg in ^eaptl 1495-1496. 63

beutung rür bte Söeft. S)er 3ug ^axU VIII. !ann al§ ba§ le^tc j Unternehmen in bem ritterlichen Reifte ber ^reuj^üge , toetd§e§ ixbtx= ■f^aupi t)orge!ommen ift, Betrachtet tüerben. tiefer ©eift terfd^tüanb

öon ber SÖelt. 5l6er au§ biefem 3^9^ entf|)rang ber groge ^egenja^ ;5tüif(^en ber f^anifd^en unb fi^anaöfifd^en ^onard^ie, toeld^er fortan i bie 2öelt erfüEte, unb äugleid§ toar Stauen au§ feinen gugen geriffen. i 3ene ibeate @inT§eit ber <g)albinfel, bie it)ir oBen fd^ilberten, ift nie= ' mat§ tüieber^ergefteEt tüorben. i^talien tüurbe ber .^ampf^Ia^ ber

Benad^Barten ^^ationen, hk ^errfd^aft bafelBft ein Äam^f^reiö, um I ben fte forttoä^renb rangen. 3lud^ in ben ^eutfd^en leBten tüieber ' bie ^tömerjüge auf, bie faft öergeffen 3U fein fd§ienen.

4. ^rieg in Stapel 1495—1496.

^n ^eaptl toai)xU ber ^rieg. ©eine @runb(age tüar bie @ro= Berung ber ©tabt. S)tefe gelang burd^ bie @unft ber ^enge, toeld^e ben geinb in bie 8d§Iöffer jagte, tüetd^e, inbem ein S^eber, foöiel er woUU, in ein S5edten tüarf, i^rem Könige 500 5!Jlann Befolbete, tüeld^e fogar ben ©d^toeiäem Bei Samo entgegenging unb fie 3urüc£fd)lug. 6ie gelang ferner, toeil ber geinb in feinen Sd^löffern an aEer ,§ülfe ber^tneifelte. '^af^ bem f^i^ieben öon 91oöara !amen einmal 3tr»ei genueftfc^e ©d^iffe, unb bie f^ranjofen l^offten, fie feien il^nen i)on ßoboöico gu §ülfe gefanbt^). ßoboöico l^atte bie§ jebod^ niemals t^un tüoEen. %l^ bie SSene^ianer ben genuefifd^en Seemännern 5u= riefen: „3Ber leBt?" fc^rieen biefe : „8t. (i^eorg unb gierro! gierrol" «hierauf unten 2rom|)eten , fliegenbe Sahnen unb SSegrü^ungen ber (5o:pracomiti , oBen lauter @ntmut^igung^). S)ie ©c^löffer ergaBen fid^. ©o t^at aud^ (^apm, ^ola nnb ber größte %1)txl ber 3Beft!üfte; burd^ bie Kolonnen aBer, tceld^e üB ergetreten , t^at ^quila unb ein X^eil ber ^IBru^^en. i^nbe^ tüar aud^ @on5al

I tüieber t)on üteggio ausgegangen. S)ie gan^e füblid^e SßergeBene (SalaBrienS , ©ila , bie , ben ^^IpujarraS ä'^nlic^ , burd§ biefelBen Hinterhalte, ^riegSliften unb UeBerrafd^ungen Befiegt tüarb (bort

i l^atte fie fein fBolt gelernt), immer nad§ ^florben Bi§ au bem SlBfa^ be§ @eBirge§, too' eine üBerauS fteile, im SBinter ganj untoegfame

I f^elfentre^|)e ijon 9totigliano ju ben cofentiner S)örfern emporfül^rt,

! unb bie Orte aBtoärtS ju Beiben ©eiten l^atte er burdfi ©etoalt ober

1) Passero 78—90.

2) Villeneufve 43—45.

64 6tfte§ Sudt). ^toeiteg Caputh

Partei toeggenommen. §ter l^ielt er inne^). toat ^eäeml 2x0^ biefer :|)Iö|li(^en SJeränberung ]§at man bod) nid)t ganj 9te( toenn man über ben Unbeftanb bteje§ SBol!e§ üagt. SGßenn eine $ai bie i^re ^^eignng burd^ bte ©ebnrt empfangen, bie ftd§ |)lö^li(^ uni brüdt gefe^en, tebenbig tüirb, fotoie \xä) bie erfte Gelegenheit tt)irb bie§ me^r §artnäffig!eit ^u nennen fein. finb ^toei na^e gleiche Parteien tjor^anben, nit^t burd^ bie Meinung aEein, burd^ ben S5efi| öerbunben: benn bie eine !)at i^re (Süter oft an anbere Verloren ober i!^r entriffen. 5Da Oermag ein gtüdlic^er ^elbpg, eine gen)onnene ©c^Iad^t, eine günftige ^^lad^ridit bie eine em^or^us Bringen , ein S^f^^^' ^^^^ S^erbrec^en eine§ ©innigen bie anbere nieber= jubrütfen unb ^n entmut^igen, fo ba^ fie, ni(^t, nm fid^ jn unter= n)erfen, fonbern um anbere 3^^^ 3^ ertoarten, burdf) einen S5ertrag, foüiel fie !ann, fid) für biegmal 3U fidlem eilt, ^^liemanb n)irb bie (Snglänber natürlicher geig^eit anflagen; aber bamalg ^anbelten fie au§ benfelBen (SJrünben, auf biefelbe Söeife. @e^t nun bie (5|)altung felbft mitten burd^ bie SSermanbtfd^aften, eine f^einbfd^aft, tDeldf)e nur einen anerfannten SSor^ug, ein Uebergemid^t be§ ©inen, nid)t ba§ ööttige S5erbirben be§ Zubern toiE, fo toirb mit bem §a^ aud§ bet .^rieg^mutl) gefd^toäd^t. Oft, toenn man 3U gelbe lag, um gu fd^lagen, ba(i)ten bie ^Iragonefen an hu 25erlufte il^rer angioinifd)en S5ettern, tooEten nid^t baran unb galten für feig^). 3n fold^er Sage fonnte biefer ^rieg nid^t ben 5lugenblic£ geenbet toerben.

S5on bem SCßeften manbte er fid^ nad§ bem Often über hu Serge. §ier erftredft fid^ steiferen einigen flaren ©etoäffern bie bennod§ überaus bürre ©bene oon 5l|)ulien, too menigftenS bamal§ fein SSaum toud§§, fonbern f^end^elftangen äum SSrennen bienen, too felbft fein S)orf "wax, fonbern gur S^^t ber @rnte bie SSefi^er mit äßagen unb Od^fen au§ i^ren Stäbten unb ©afteEen famen, aud^ bie ^aä)i auf bem treibe blieben unb erft, toenn fie 5lEe§ öoEbrad£)t, 3urücffe:§rten. ^a toeibete auf ber, 60 ^iglien langen, föniglid^en SBiefe 2:at)oliera nur eine 3^itlang ein nid^t einl)eimifd§e§ S5ie:^^). Gegen ben äöinter trieben nämlid§ au§ ben ftbru^aifdCien Gebirgen ijiele :^unberttaufenb Schafe, Siegen unb Slinber, ©erra 6a:|3reola Vorüber, 3U ii§r ^erab, blieben ba, unb mit bem grü^ja^r gingen fie nad^ ben jungen kxäu=

1) Zurita, f. 72, betglic^en mit Sejours d'un officier en Calabre 1821, geogxaptiifc^ befjer aU Sortel^.

2) Zurita, f. 86. 95.

3) Leander Alberti, Descriptio Italiae.

Äricg in ^tapil 1495—1496. 65

tern i^rer S5erge äurüct. Siann äal§(ten fte ber ^Jlaut^ in goösia einen guten S^U, be§ ^önigg, faft toie einft ber römifc^en üle^jublid, Befte @innaf)me, bantatS an 100,000 2)ncaten. 2)te|e ©inna^me ^u ge= toinnen, eilten Beibe j^on im ^^ebruar 1496 ^inüBer, ^ertantino nad^ ^oßgia, 5?lont))enfter naä) ©t. Seöero. S5on bem ftreifenben, fteinen .Kriege, ben fie ba begonnen, ift eine mer!tt)ürbige 3::§at aufgezeichnet: |ettna 700 S)eutfc^e ^enanttno^g Serben auf bem SBege öon S^roja \mä) i^oggia tjon me^^reren taufenb f^ran^ofen umgangen unb ptö^= lixä) angef^rengt. ©ie, foglei(^ in einen üting gefteEt, tne^ren juerft ben ^einb mit i^ren S5ü(i)fen ab; batauf benn fie tt)oHen au(^ n^eiter öffnen fie, unb 200 f^ringen öor, ben 2Beg p bal^nen. 5lber i1)x «Hauptmann, ^eberlin, ift gefaEen: feine ßeid^e binben fie auf ein ^}erb, ne^^men fie in bie 5}litte unb xüden tjortoättg. 2)a tücren fie tt)ot)l unöerle^t geblieben, Ratten fie nid§t über einen t5lu§ ziehen muffen. S)abei trennten fie fic^, toag bem f^einbe ben Eingriff Iei(i)t mad^te. Ueber ba§ ganje ^^elb 5[Raffaria f)m, auf bem äöege, lagen bie Seiber, tt)ie S3lut unb ßeben fie öerlaffen. ©ie ftarben aEe. Italiener unb ©jjanier ^aben i^rer feitbem ein ober ^tnei 5RalC gebadet, fein 2)eutf(i)er ^). ^erlmürbig nun ift biefe S|at il^rer iugenb, nid^t i^re§ @rfolge§ njegen. (Bleid^ barauf toar ^errantino bennoc^ im S5ort§eil. @r Tratte ber ©ignorie öon S^enebig fünf ^lä^e in ^buüen für il)re ^rieg§!often öer^fänbet, W too^lgelegenften ^^lä|e, unb SSer^fänben toar beinahe S^eräu^ern. S)ie ©trabioten, toeld^e i^m bafür zuzogen, führten ben gran^ofen unter anbern fogar ba§ S5iel^ ^intneg, ba§ p i^nen nac§ ©t. ©eöero getrieben tourbe^). ©ie Imad^ten ben Äönig burc^ üjx UeberaE unb 5^irgenb§, überaE burd^ ben eigenen, nirgenbS ^ti bem fremben Eingriff, jum Reiftet ber ßbene, fo ha%, toie Sobobico im Söeften, fo S5enebig im Often jum ©iege fyerrantino'§ beitrug , boc^ ha^ le^te toeitem am fräftigften. \^m ©üben ^atte ^on^al f(^on im f^ebruar hu §ö^en ber cofentiner |2)örfer erftiegen, ßofen^a bi§ auf ba§ ©(i)lo§, aEe geften be§ ßrato= ;t^ale§, gern ober ungern, unb ba§ gan^e (Sebirge bi§ an bie ^toeiten ^^äffe, n)o fid§ öon ßaftroüiEare na(^ €am^o ^emeffe toieber l§in= iabfenft, eingenommen unb überaE aragonifc^e Sflid^ter eingefe^t^). j S)en 5^orben , bie ^Ibrua^en , Ratten bie ßolonna inne , SGßeft=

lunb Oftabl^ang be§ @ebirge§ toar aragonif d^ *) ; ba mußten bie ^xan=

I

I 1) Joviiis 71. Passero, p. 97. Zurita 73. I 2) Bembus 57. 5lu(^ ©uicciarbini II, 149.

3) Zurita 84. 96.

4) Tarfia : Historiae Cupersanenses, bei Graevius. Ital. Thes. IX, p. 48. b. 9lanle'§ Söerfe. XXXIII. XXXIV. 9tont. u. gem. SJölfer. 3. Sufl. 5

66 etfte§ a3u(^. 3njeitc§ ßa^itet.

gofen fid§ in bte TOtte beffelBen sielten, in bie @raff(^aft ^ol^ obtoo^I nnein§, ol^ne @elb, be§ @e]6irg§!riegeg nnfunbig. Sofort fut fyetrantino fie bafelBft anf. S3ei ^orcone ftanben Beibe tüt^ber einanbi Bei f^tangete trennte fie nur ein @raBen. ©in 2:reffen jd^ien nnöj meiblid); in ^Jleajjet l)ielt man ^toei Xage ^roceffionen : benn ^önig njerbe Bei Seneöent fd^tagen muffen. 3lu(^ in ßalaBrien er notf) nidfjt fidler, ^n Saino ftanben bie t)or Ö^on^al flü(^ti( S3arone unb gebadeten mit 5lnBignt), ber fid^ nod§ in 2^ro^ea ^i( bereinigt ßofen^a jn entfe^en. @l§e fie fid^ entfd^loffen^), ^og 5^arf)t5eit ^onaal au§, üBertoanb bie ^äffe, Befe^te bie SriicEe ^njifc ©tabt unb ©d^lofe ßaino, Bemäd§tigte fid§ be§ einen unb be§ anbei unb na^m 14 S3arone unb biete Splitter gefangen^). Sßäl^renb er nun öom ©üben ^eranrürfte, trieB f^eiTantino ben ^eini) bon ^ox= ben l§er üBer 3lriano unb ^efualbo bon Ort p Ort, Big er il^n in 5IteEa ^atte^) unb bie Serge einnahm, bie bon brei (Seiten, reBeu= unb toalbBetteibet, bag %'^ai umgeBen. (Sr Iie§ aEein ben 2öeg bon S5enofa offen. S)iefen 3öeg na!)m ^on^at ein*), ©ud^ten nun bie gran^ofen burdt)äuBred)en, fo tnar ^^errantino ber erfte, ber feine ßan^e gegen fieBrac^, unb menn man i^^m fagte: „§err, n)ie tnagt ^^x ^nä) fo fe^r", berfe^te er: „@§ ift aud^ meine <Bad)e". ^aburd^ ent^ünbete er ben 2öett= eifer ber ©einen unb trieB bie f^einbe Balb jurüc^^). S)iefe !)offten nod§ immer auf i^ren ^önig unb feine .^ülfe; bodf) aEaufern toar er unb fie bom junger Be^mungen. ©o Baten fie um breigig Sage grift: fönnten fie bann nid§t im f^elb erfd^einen, fo bJoEten fie bag 9tei(^ berlaffen unb i^re geften üBergeBen. Die S^age bergingen ; bie §ülfe BlieB au§ : enblid^ mürben fie aEe benn aud§ ^uBign^ :§atte fid§ ergeBen 5ur ^üfte geleitet. .&ier liefen §i^e, junger unb uner= l§örte Äran!:§eiten bon 6000 ^ann nur nod^ 1500üBrig; unb biefe gingen fo entfröftet an Sorb, ba§ man fie faft :^erau§^eBen mu^te, menn fie fid§ mieber an ber Suft be§ ßanbeg erfrifd^en foE= ten^). „5lnbere toaren in ^efangenfc^aft geraf^en, fa^en ^inter '^ölaernen unb eifernen Gittern, in bunflen ^emäd^ern, mo fie ^^liemanben fa^^en, aU dtoa ben Mooren, meld^er i:§nen ba§ ßffen Bradjte^). @nblid§

1) Passero 100.

2) Jovius, Vita Consalvi Magni, p. 220.

3) Baldi Gundubaldo, p. 156.

4) Zurita 91—95.

5) Passero 101. Unreft, £)efterteid)ifdöe 6f)roni!, p. 798.

6) Schodeler bei Fuchs 111, Anshelm.

7) Villeneufve, Mem., p. 74.

Ärteg in S^eopel 1495—1496. 67

!amen fie (o§. S)a fa§ man biefe Entronnenen, tüol^I noc^ ba§ ©ijen i^rer @efangenf($aft um ben ^aU, nac^ ^^eiltgen Orten unb Big an ben .&of be§ ^ön{g§ gleiten. (5§ mar il^nen genug, ba§ fie beffen 3lntli| mieber erBlictten; fie nahmen feine @efd§en!e imb münfd^ten i^m langet ßeBen^).

'üad) biefem großen ©iege über bie f^ran^ofen am 5. OctoBer 1496 !am i^errantino mit feiner jungen ^ema^Iin nad^ ^ca|)el ^uxM ^). S)a§ fSolt, bem er einen äöalfer al§ Eletto öerftattet l^atte, toeld^er bann beim gro^nteic^nam^fefte, ba§ fonft ein S3onec§t ber ©bedeute mar, bie ^a)3pa tragen burfte^), metc§e§, menn er lebte, fid^ noc§ t)iele§ anbere öon il§m t»erfpre(f)en !onnte, liebte x^n t)on .g)er5en. 5Jland)e al)mten i^^m nac^, mie er ben ^op] erl^ob unb fin!en Iie§ *) , unb man glaubte einen «gelben an i^m p ^^aben. 5^un !am er; boc^ er mar tobtiran!. S)a§ S5ol! lag bie 5^a(^t bor feinen ^eiligen auf ben Änieen, füljrte mit bem '»ülorgen ein munbertl)ätige§ 3}larienbilb burd^ bie Straßen unb brad^te il)m, folgte am ^Ibenb in großem Umzüge, ©eiftüd^e unb äöeltlid^e, Söeiber unb Männer, bie ©belleute felbft, bem ^op'^ unb bem S3(ute be§ l)eiligen ;^anuariu§ nadf), ba§ i^r ©rjbifd^of burd§ bie ©tabt trug, bi§ fie an ba§ ©d^lofet^or famen, mo bie alte Königin nieberlniete unb aEe§ S5ol! 9Jlifericorbia fd^rie. @r ]pxaä) : „35oEbiingt euere (lebete: @ott mirb t^un, toie er toiE", unb ftarb i^nen. „D unfer .g)err", f^jrai^en fie, „toarum l^aft bu un§ fo balb öerlaffen? S)ein ^lut^, bcin 5!}lut^ im ^am|)fe, bem lein alter §elb gleid^ mar, mo ift er nun? 2)urd^ beinen 2;ob ift er ba^in." Ein 5lnberer fagte : äÖie foE ict) nun leben, mein .^err, ber ic^ um Euere ßJunft fo öiel ^ü:^e erbulbet." Einige erinnerten: man ^abe i^n oft bergiften motten; bem fei er entfommen; nun fei er füß entfd^lafen am 3^^^^ l^^^er ©iege^), geberigo, fein O^eim, folgte iljm nad^.

Unb je^t fottte eg faft fd^einen, al§ l^abe ^arl§ 3ug, ber freilidf) bie iürfen nid^t bejmungen unb ^f^i-'ufölem nii^t erobert, aud§ auf i^talien feine bleibenbe äÖir!ung l^erüorgebrad^t ; Sobo= bico unb geberigo toaren fogar tJerfö^nt. 2)0(^ mar bem nii^t fo. 5^od^ bilbeten bie florenttner $o|)olaren, bie Drfinen, bie je^t ftatt ber Eolonna \xä) bem ^apfte mibeife|ten, unb bie uneroberten ©täbte im Äönigreid^e, Sarent, SSitonto, ©ora, 9iiocca ©uilielma, eine ftarfe

1) Villeneufve, Memoires, p. 87.

2) Passero 105. 107. (31. b. n. 51.) Giacomo 205.

3) Passero 101, 102. Giacomo 209.

4) Cortegiano öon Castiglione, 33u(^ I.

5) Passero 107—110.

es ®rfic§ aSud^. 3hjeitc§ 6Q|)itcI.

spartet, unb aEe Sage badete Äarl, i^r £)16erl§au))t, ä« i^tten 3U1 ^uUf)xtn. S)tefen gegenüBer Beftanb bte ßiga. S)ie italientfd^en ©lieber berfelben ^^ätten ftc^ too^^t mit einem ©iege über it)Xt ^eittbe in Italien aEein begnügt; bie auStoärtigen tooEten me:^r. ^erbinanb badete fd^on an feine ülec^te anf ^ea^jel nnb Iie§ beim ^a^fte barum an= fragen 1). ^Oflajimilian ^offte mit §ülfe biefer ßiga toiber Stanheid^ felbft einen 6df)Iag au§3uiü:^ren.

1) Zurita I, 101—103, tüOtouS Mariana 26, 14.

1. ^ai-tmiltan Don Oefterretd^ unb ha^ ffteid^.

om ß^runbe tooEte 9Jtaj-tmilian erft in ;3ftalten ber ßiga ftegen ]§elfen unb hierauf an t^^ret 8^i^e f^ranfretc^ angreifen.

@r toar §ert übet Oefterreid^ unb bie ^^lieberlanbe. mochte cttoa 600 Sa'^re fein, ba^ in bem S)onaut^ale, ^tüifd^en ben 5tl^3en unb bem bö^mifd^en Gebirge um bie SSutgen ^rem§ unb 5Jlel! ]§er ^) W ^ar! Defterreic^ auerft gegrünbet UDOtben. ©eitbem ^atte fie fic^, anfangs im S^ale gegen S3aiern unb Ungarn, barnac^ burd^ ba§ ^auS ^abSburg, über ben ganzen ^florbab^ang ber 5ll^en bon bem Äarft bi§ l^inanf, n)o fid§ ftatoifd^e, italienifd^e unb beutfd§e jungen fcfieiben, unb l^inab nad^ bem @Ifa§ au§ einer ^ar! 5um ^x^^tx^o^= t^um ertüeitert. 5^ad^ aEen ©eiten Ratten bie ©ra^^eraoge 3lnf:|3rüd§e : nac§ ber beutfd^en auf bie ©d^toeia, nad^ ber italienifd^en auf bene= 3ianifd§e S5efi^ungen, nadi) ber flatoifd^en auf SSö^men unb Ungarn.

^ier^u brad^te 5Jlajimilian burd§ feine S^ermä^Iung mit 5Jlaria tjon SBurgunb 'Oa^ @rbe ^arl§ be§ ^üt)nen. 2öie i^n bie 5^ieber= Idnber mit ber Snfd^rift über i^^ren St^oren begrüßten: „S)u Bift unfer ©er^og, fc^Iage unfere ©d^Iad^t", fo toar bom erften 5lugenblid£ ^ieg fein @efd§äft. @r trat ganj in ba§ feinbfelige S5er]§ättni| Äarl§ be§ ^ü^nen gu ^5ran!reid§: er errettete ben größten X^til feines (SrbeS bor ben ßnttoürfen SouiS' XL 2:ag unb 9^ad§t toar fein @eban!e, eS ganj p erobern.

5lber inbem fid^ i^m, nad§ bem aE^ufrül^en 2;obe ^aria^S, 6m= ))örung auf Empörung entf^ann, inbem fein Später ^^riebrid^ ju alt tüarb, fid^ felbft ju befd^ü^en, begab fid^, ba§ im ^a^x 1488 ber

1) Äutj, SBeittage aut @efd)td^tc öon Deftcrreid^ III, 226. (31. b. n. 21. SSetgl. S3übingcr, Defterxctc§. ®efd)id^te I, ©. 167.

70 erfte§ S3u(^. ®rtttc§ ßapttel.

S5ater t)on ben Ungarn au§ Oeftetreic^ f erjagt, ber ©oT^n in SSrügge t)on ben bürgern gefangen gehalten tt)ar unb fte felbft bie @nt= frembung öon 2iro( |ürd§ten mußten. 6te Verloren ben ^nt:§ nid^t. eben in biefen Seiten be^eit^nete ber Später ntit ben S5ocaIen %(B^OU, ba§ ift, aEe§ ©rbreic^ ift Oefterreid^ untert^an, ben Umfang beffen, tt)a§ er ^offte ; in bemfelben ^df)xz unter^anbelte ber ©o^n nm eine f|)anif(^e S5emiä:^tung. ^^x toal^rer Befonberer ^lüd^alt lag in ber faiferlid^en äöürbe f^riebrid^S, in ber föniglic^en 5(Jlajimilian§, bie fie tiom ^eidfie ber S)eutfd^en ^^atten. 5ll§ beffen ^raft \\ä) Beftjegte, tnarb 5Jlajimi= Itan frei; al§ fie i^m in ber @egenn)art auc§ nur njeniger 9teid§§= fürften jur §anb Blieb , hjarb er .&err in feinen 5flieb erlauben ; bie f^a^ne ber .^ennemer ntit .^äfe nnb SSrot flog t)or Set)ben jum legten ^al, ber le|te §ö!, ^1)ilipp t)on ülaöenftein, üBergaB i^m (5lut)§ ^). n)ar !eine anbere .&ülfe, burc§ hu er fid§ 2:irol fixierte unb Defterreic^ toieber eroBerte^).

©eitbem gingen feine ^läne auf Ungarn unb Säurgunb. ^n Ungarn fouute er nid§t§ erlangen, al§ ba^ feinem §aufe bie 5^a(f)= folge 5ugefi(^ert toarb^). ^fliemalS aBer, fo oft er auc^ grieben f(^lo§, lie§ er öon feiner 5lBfid§t auf SBurgunb. @r ^ätte i^offen bilrfen, fie ju erreit^en, märe 5lnna t)on SSretagne feine Öema'^lin ge= toorben. 2)en 2;ag, al§ er erfuhr, ba^ fie nid§t mürbe, marf er fid^ in bem Unmut^ einer fc^merälid^en @nttäufd§ung auf ba§ ^ferb unb erfc^ien immer auf§ neue in ber ÜtennBa^n*). 5lBer bamal§ !am ba§ Sfleid^ feinem 3om nid§t 3u .^ülfe. ^lunme^r, al§ er fid^ mit einer ©forja tjermä'^lt unb in bie ßiga getreten, ha fein ^akx tobt unb ba§ 'Ütii^ öer^flid^tet mar, i^n üBer bie iöerge ju Begleiten, ba bie italienifd^en S5ermidfelungen .^arl BebroT^ten, ^offte er auf§ neue, unb in biefer Hoffnung Berief er einen 9fteid§§tag nad§ 2öorm§.

^ajimilian mar ein Surft, öon bem mir ^mar t)iele SSilbniffc ^aBen, bod^ fo, ba§ feiten eine§ bem anbern gleid^t; fo unBefangen unb gauä ergaB er fid^ ben 3)ingen; fo meuig ^errfd^te in il^m eine 35efd^äftigung , eine 5fleigung bor; ein f^ürft, tion bem feine ^dt- genoffen ^mar auSfii^rlid^e «Sittenfd^ilberungen , bod§ 5^iemanb eine

1) Pontus Heuterus, Rerum Austriac. Hermanni bellum Gelri- cum 530.

2) IRcbe »crt^olbg t)on «Ulaina t). ^. 1492 in «müacr§ Oteic^gtagSs tlieatrum.

8) Urfunbc bei Sarabucus, Appendix ad Bonfinium. 4) e^renfpiegel, p. 1368.

3Wajtmilian unb ba? Oleid^. 71

genügenbe @e|{i^t(^te ^intertaffen ^at. ©eine ©eele tft lauter i8e= tüegung, ^reube an ben S)ingen unb (Snttoutf. gteBt faum etmag, ba§ er n{d)t !ann. ^n feinen S3ergtt)er!en ift er ein guter ©deiner, in feiner 9ftüft!ammer ber Befte ^latner, ber 5lnbere in neuen ^rfinbungen äu unterrichten n)ei§; bie S5üc§fe im %xm, übertoinbet er feinen beften 8c^ü^en Öeorg ^ur!f)arb; mit bem groben @ef(^ü^, ba§ er bofiren gele!)rt, ba§ er auf üläber gef(^afft, trifft er meift am näd^ften ^um 3^^^^)^ ^^ befe'^Iigt 7 |)auptleute in i^ren 7 ©prad^en; er Watjit unb mift^t feine ©^jeife, feine ^r^nei felbft^). ^n gelb unb i^lur erft befinbet er fid§ toa^r^aft tt)ot)l. ßaufc^enb reitet er ba§ ^ebüfc^ üorbei, tüo er eine 5^a^tigatt fciilagen ^ört, ettüa nat^ ben brabanter f^orften, ben @ber gu jagen, ober na(^ bem tiroler Gebirge, Ujo er bie ©teinböÄe, al§ i^rer buri^ ha^ ©(^ie§gen)e^r nur nocf) menige übrig geblieben, äu fd^ie^en Verboten ^at^). .&ier Id^t er ba§ $ferb :§inter fic^ unb fteigt i^nen bie ^o^en gel§toänbe em|)or nai^, too er 400 bi§ 500 Mafter faEen !ann, Ujenn er einmal fel^ltritt, U)o i^n ^uUJeilen, menn bie f^ugeifen lo§gelaffen, nur noc^ eine ©taube, ein f^^i^er ©tein errettet ^at, mo er einft im ©aEt^ale f(i)on bie Salinen hinter fic§ braufen gel)ört^). S)a§ S5ol! mei§ biel äu er^ä^^len, toie man i^n an großen ©eilen au§ ber <g)ö^e in ba§ 2:l)al gelaffen, ja toie il|n, ba aud§ bie§ unmöglid) getoefen, ba man iljm au§ ber 2:iefe fc^on ba§ ßrucifij al§ jum legten @ebet ent* gegenge'^alten, noc^ ein ©ngel t)on ber ^JJlartinSUJanb errettet Ijabe^). Äommt er nun aurüd , fo bringt i'^m fein SBogler aEe Wirten bon ©ingöögeln in feine ©tube, fo ba^ man !aum fein eigen äöort ^ört; ober er befurf)t einen S)iener auf feiner §od§3eit, ober er l)ört 3U= traulid^ bie Sitten feiner Untertl^anen, ober er eraä'^lt feinen ütdtT^en, feinen ©c^reibern eine ©efd^id^te, bictirt i^nen ein ©tüd feiner rät^fei:§aften unb faft unergrünblid^en Sucher ^), eine ^flotia in fein ^emorienbud^, etma, toie ^riefter ßa§la"bie gl^ronüen aufammen« ftimmen foEe ^) , eine feiner ganj genauen i^nftructionen, jum S3ei= f^iel, tüie man bei SBeutelftein mit einer ^ot^büc^fe übered fd^iefeenb,

1) 2ßct§!unig 83, 90, 99.

2) ©tünbedE: ^iftoxta gftiebrid^B unb ^aicmiUan%, p. 84. Cuspinianus, Vita Maximiliani in Vitae Imperatorum, p. 613.

3) 2Bei§funtg 91, ferner.

4) ©rünbecf, (5l)renfpiegel 1381.

5) Pontus Heuterus 343 unb bie ©agen.

6) ©rünbec! 90. Henric. Pantaleon, de viris illustribus, p. 1. Roo, Annales rerum ab Austriacis principibus gestarura, 316.

7) ein ©tüdE barau§ in .^ormo^rS öftert. Putaxc^ V, 159.

72 6tfte§ S5ud^. 2)tttte§ Kapitel.

in bie ^ä(^e treffen !önn e ^) , einen S3rief. ©o ift fein 2Befen. ben 3ufammen^ang ber @ef(^i(^te geT^t bieg minber an. 2öa§ fein öffentüd^eg ßeben eigentlich au§5eid§net, ift ba§ S5orgefül^l öon ber lünftigen ©röge feinet -ÖaufeS, ba§ er öon feinem Später geerbt ]§at, unb ba§ raftlofe ©treben barnad§, bQ§ bom §aufe SBurgunb auf t:§n übergegangen ift. '^iä)t auf ba§ üteid^, für beffen n)a:§re SBebürfniffe er ttjenig h)efentlid§e Sorgfalt aeigt, auc^ nid^t auf ba§ äöol^l feiner ©rblanbe unmittelbar, fonbern auf bie S5ertt)ir!lii^ung jener ;3bee ge^t feine ganje ^politü, gelten aEe feine $läne. <g)ierbon finb alle feine (Schriften unb Üteben tJoU. S)o(^ jeben einaelnen ©nttnurf l)ält er anwerft geheim. giebt SJorl^aben, t>k er feinem feiner ^'dt^e mitt^eilt^); bann toeift er ben fremben ©efanbtfc^aften einen $la^ an, tt)o fie nichts erfaliren, unb öon bem fie hoä} nic^t n}eid§en foÜen; bann fd^itft er feinen 50^unb= toä) nur eine ©tunbe, e^t er felbft aufbricht, borau§^). Söenn er glaubt, man burciifd^aue i'^n boci), laufen xi)m bie 5lbern am |)alfe auf, unb er fteHt fic^ felbft jornig an*); ba gefi^iel^t nun frei= lid^, ba^ 'tu öorliegenbe (5ad§e xf)m unertoartete unb nic^t in @r= toägung gezogene ^inberniffe ^eigt, menn er fie unternimmt^). ^n= be§, ha er immer anbere ^nttnürfe l§at, bie atte 3U bemfelben QieU fül^ren, bergi^t er leirfit, tDa§ i^m mißlingt. @r ift aud^ l^ier mie ein i^äger, ber etma einen fe^r fteilen ^erg ^inan miE, balb ba, balb bort, unb, toenn nid^t ge^en toitt, ol^ne gro§e S5e!ümmerniB einen anbem unb mieber einen anbern Söeg t)erfud§t; nod^ ift frül^ am ^tage; attmä^lid^ tommt er i)'ö^ex empor; unb er ift nur be= forgt, bem Xl)iere feine (Bpux ju Verbergen.

^m Wdx^ 1495 !am ^ajimilian auf ben üteid§§tag 5U 2öorm§. Qx erfd^ien in feiner ganzen ^itterlid§!eit, al§ er felber einem ^ran= jofen, ber aEe S)eutfd§en l^erauS^uforbem gefommen, an ben ©c^ilb fd^lug unb il^n befiegte. (gr geigte fid^ in bem Collen ^lan^e feiner Ärone, toenn er auf offenem ^la|e, jmifd^en ben ^r^bifd^öfen , " feinen banalem fa§. S)ann fa§ il^m ber ^faljgraf red)t§ unb Ijielt il§m ben 5lpfel; lin!§ ftanb ber ^er^og öon ©ad^fen unb ^ielt fein ©d^mert; Oor feinem 5lngefid^t ftanb ber @efanbte Oon SSranbenburg mit bem ©cepter, ]§inter if)m ftatt iööl^meng ber ©rbfd^en! Oon Sim=

1) 3fnftxuction in ©öblcr§ 6t)ronifa ber Ätieg§l)Qnbel, f. 1.

2) Macchiavelli, Principe c. 23, p. 60, au§ bem 3Jiunbc Pre Luca's.

3) Macchiavelli, Legazione alla corte di Massimiliano, p. 193.

4) Hubertus Thomas Leodius, Vita Friderici Palatini, IIb. III. Nr. 7.

5) Histoire de Bayard 179.

^Jlajintinan unb bo§ ^tiä^. 73

Burg mit ber .^rone, unb nun bie übrigen 40 f^ürften, 67 trafen unb .^enen, fo öiete gefommen, bie SSotfc^qter ber ©täbte unb an= bere ^otjc^after, alle in i^rer Orbnung^). S)ann tarn toolit ein gürft, Berannte ben !öniglid§en ©tu^t mit feinen f^aTjnen unb em= fing feine Se^en. S)a em|>fanb man nic^t, ba§ biefe ^rt ber ^e= lel^nung gleid^fam einen S^^o^Ö Bebeutete, ba§ bie ^^nfignien ber föniglid^en 5Jlac§t in ben Rauben ber f^ürften lagen.

.^ier ertnarB ber ^önig jttjei toic^tige ^uSfii^ten. 3n bem ßanbe SöürttemBerg toaren t)on 3m ei Sinien gm ei trafen gan^ entgegen= gefegter 5^atur : ber ältere gütig , milb , immer entfc^ieben , unb ber ficf) getraute, in jebeg Untert^anen ©c^oofee ju fd^lafen^), ber jüngere unftät, ^in unb l^er, gemaltfam, ber immer Bereute, ma§ er getl^an^), Beibe mit Flamen ©Ber^arb ; aBer ber ältere öertoaltete Befonberg burd^ be§ faiferlidien §ofe§ SBegünftigung auc^ be§ jüngeren 5lnt^eil. £)afür gaB er 400 Üteiter ^um ungarif(i)en Mege unb fanbte §ülfe miber bie f^tanbrer. ^Dlit biefem älteren macf)te ^JJlajimilian ben SJertrag : äÖürttemBerg foEe ein ^er^ogtl^um fein eine (Sr^eBung, meldte bie meiBlic^e Sinie öon ber @rBfolge au^fc^lo^ unb, fterBe ber (Stamm au§, 5um 5flu^en ber !aiferlid§en Kammer ein äßittl§um§gut be§ üteid^eS merben*). ®a hu ganje Hoffnung biefe§ @ef(^led)te§ auf einem einzigen fcfjmac^en ,^naBen Beruhte, fo !onnte bie§ i^m ober feinen ^lac^folgem ein fd§öne§ ßanb öerfi^affen. S)od) mar nur ba§ geringere, ma§ xi)m gelang. 2)a§ (Srö^ere mar bie S5er= mä^lung feiner Äinber , $l^ili|3p unb ^Jlargaretl^e , mit ben Äinbem f^erbinanbS be§ ,^at:^oliftf)en , ^uana unb ;^uan, bie l^ier Befd^loffen tüar^). ©ie öerfrfjaffte feinem §aufe noc^ gan^ anbere ^lugfid^ten; fie Brachte il§n fogleid^ in ben engften ^unb mit ben Königen öon ©panien.

Snbe§ mären biefe 2)inge öieEeid^t aud§ mo anberg 3U erreichen gemefen. äöa§ Maximilian auf bem ütei(f)§tage ju 2öorm§ eigent= lic^ fud)te, mar bie §ülfe be§ üleic^eS miber bie f^ran^ofen mit feinen in aEer SBelt Bereite namhaft gemorbenen unb gefüllten Ärieg^leuten.

1) S3ernl). «^er^og, ©Ifaffcr 6{)tonif II, f. 150, bei 3)att, de pace publica 613. Linturius, Appendix ad Rotewinkii Fascicul. Tempor. bei Pistorius, Scriptt. Germ. II, 594.

2) ^^fiftet: (Sber^arb im U3art, @. 60.

3) klagen Ulric^^ bei ©attler IV unb in ©;)ittler§ ®ejc^. boir SBürttems Berg 46.

4) ^fifter 271, 297.

5) Zurita, f. 79. Petrus Martyr, Epp. 96.

74 @rfte§ 'Snä^. 2)nttc§ (Sapttel. ^^^^M

2)enn in aEen .Kriegen in ©uro^a fa!) matt bamalg htui]qt §üli§t)öl!er entfc^etbenb t'§eilne:^men ; bte Sru^^ett, auf toeld^e 2Ba* plietüitfdE) traute, tuenn er feine 5Jlo§con)iten tüiber bie $oIen führte ^), bie, tnelc^e ©d^toeben ber Union unterwarfen ^) , toaren S)eutfc^e, foiüie bie, toelc^e in ©nglanb für bie ©adie ber ?)or!§ auf berfelöeti ©teEe ftarben ^) , too fie bie ©cfdac^t erwartet ; fotDo:§t bie , toeld^c ^Bretagne für bie Ärone f^ran!reic^§ 5tüeifei:§aft mad^ten, al§ bie eg eroberten^), fotuol^t bie S5ert^eibiger aU hk S5efieger tjon ^tapd, bie UeBertoinber t)on Ungarn, folange fie tooEten, unb bie ret* teten, ba fie mit ber SSeute nad^ §aufe gingen^), fie tnaren fämmt* lid^ 3)eutfd§e. S)oc^ maren ha'a nur bie 9flauf^, bie üleifeluftigen ber 91ation, jene einfpdnnigen ^ned)te, miber meiere bie ßanbfrieben eifern. 3^ «&aufe gab no(^ dauern, tnie bie S)itmarfen, bie tin fiegreii^eg .^eer, einen ^önig breier Sfteid^e hinter i^ren (SrbtDäEen extoarteten unb f(i)lugen, bie ben S)anebrog in einer S)orf!ir(^e auf= gongten,