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Samburgiſches
agazin,
oder
geſammlete Schriften,
Aus der Naturforſchung und den angenehmen | Wiſenſchaften uͤberhaupt. Era
Des —— — Ste. Mit Königl. Pohln. und Churfuͤrſtl. Saͤchſiſcher FZreybeit.
Hamburg und Leipzig bey Georg Chriſt. Grund und Adam Hein, Sl, 1754 —
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von einem
italieniſchen Herrn f vr —* ei
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ben Di der. Sarantuk
"the Geatlenun s — for Sept 1793, „Wein Herr! =
# hrem Belange zu ende ik #7 nen eine Nachricht von Der it ‘des Billes einer Taranful in bei
DR . menfchlichen Körper, Ich will ih⸗ hen aur *— genaue Nachricht von allen von mit be⸗ — obachteten Umftänden geben, indem ich einmal das Werkeug bey der Cur eines, armen Bauersmannes,
von dieſem SIR war ‚gebiffen Meer ge⸗ * —X a y 2° nass m; —
4 J 2 Bon der Tarantul ſelbſt will ich ihnen Feine Ber ſchreibung geben, weil ich verfichert bin, daß fie da . von vollfommen unterrichtet find. Ich mill ihnen nur erzählen, was fich in meinem $ande auf einem kleinen Dorfe, la Torre della Annunziata ges nannt, ungefähr zehn Meilen von Neapel, woicheben damals, als diefes gefchah, zugegen war, zuaetra gen hat. —* — Im October haben alle Studenten in Neapel, welche einige Bekanntſchaft auf dem Gate haben, - - . Erlaubniß, aufdas Sand zu geben. Sch hatte alfo auch die Freybeit, meinen Geburtsort zu befuchen, und weil ich mich damals in dem Collegio zu Neapel auf die Muſik legte, fo nahm ich allemal, wenn ich Auf das Sand gieng, meine Geige mit.” 7 ;. „? An einem Tage gefchahe es, daß einarmer -_ Mann auf der Straße krank ward, und man ſah gar ‘ bald, daß diefes die Wirkung einer Tarantul ſey, weil das Landvolk gewiſſe untruͤgliche Zeichen hat, woran es ſolches erkennet, und beſonders ſagen ſie, daß einen die Tarantul an den obern Rand des Oh⸗ res, oder an das Ohrlaͤppchen, und zwar, wenn man auf der Erde ſchlafend liegt, beißt. Der verwundete Theil wird drey Tage nach dem Biſſe ſchwarz, en | pi Stunde, da man gebiffen worden. Sie fagen * ferner, daß, wenn niemand da wäre, der den Ver— wundeten heilen Fönne, diefer die Wirfung des Bife ſes alle Tage zu eben der Stunde, drey bis vier Stun» · den hinter einander, fühlte, bis er fo toll würde, daß er in Zeit von einem Monate drauf gienge, Eini⸗ ge, ſagen fie, / haben drey Monate gelebt, nachdem fie-gebiffen worden. Aber diefes legtere kann ichniche ER * glauben.
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von dem Biſſe der Tarantul ‚ai
glauben. Denn man laͤßt niemals jemanden an fo _ einer Krankheit ſterben, ſondern der Prieſter mu a ihm vorgeigen, und ihn alfo heilen, und es kann fi ein. Menfch erinnern, daß irgend einer daran gefom ben ift. ‚Aber zur Sadıe. |
Ein armer Mann ward, tie oefagt 5; auf der
Straße franf, und weil der. Priefter nicht zu Haufe
war, fo bathen mich verfchiedene Perfonen , dem ars men Teufel vorzufpielen, Wenn idy nicht verſchiede⸗ ne gute Freunde beleidigen wollte, fo mußte ich ſchon Bingehen, Als ich bin kam, fahe ich einen Mann auf der Erde ausgeftrecft liegen, und es fhien, als wenn er eben in den legten Zügen läge. Als mid) das Volk zu Gefichte befam, rufete es: Spielt, fpielt die Carantella! Diefes iſt ein Stückchen, welches man bey folchen Fällen fpielet. Ich batte diefes Stückchen niemals gehöret, und konnte es alfo
nicht fpielen. Ich fragere: Was ift es denn für- ein
Stuͤckchen? Sie antrworfeten, es wäre eine Art von einer Gique. Ich verfuchte verfchiedene Giquen, aber es half nichts, und der Mann blieb einmal fo unbeweglich liegen, als das andere. Die Leute ſchrien immer fort, ich ſollte die Tarantella ſpielen. Ich ſagete, ich koͤnnte fie nicht ſpielen; aber wenn fie je» mand mir vorfingen wollte, fo wollte ich fie gleich lers nen. Ein altes Weib erboth ſich mir, diefes gute Werk zu verrichten, aber ſie ſang das Stückchen ſo unverſtaͤndlich, daß ich mir keinen Begriff davon ma⸗
chen konnte. Es kam aber eine andere Frau, wel.
che mic) es lehren wollte. Ich lernete es auch von.
ihr ungefähr-in Zeit von zehn Minuten, denn es war
* Ich habe es hier in Noten geſetzt beygefüge. A3 Indem
Indem ich diefes Stückchen Ternte, "und die erſten zween Tacte nad) und nach traf, fing der Mann eben fo allmählich an, ſich zu bewegen, fprung fo fhnell, mie der Buh / au, gleich als ob er Durch eine fehrec-
liche Erfcheinung wäre aufgemerfer worden, und fh
ſich überall wild um, und alle Gelenfe feines Körs pers waren in Beivegung. Da ich aber Hoch niche das ganze Stücchen konnte, fo hoͤrete ich auf zu fpie= fer weil ic) nicht glaubete, daß es dem Maine was helfen würde. ' Doch fobald ic) aufbörete zu fielen, fiel der Mantı nieder, fchrie fehr laut, Und verdrehte fein Geſicht, feine Füße, Armen und alle Theile ſei⸗ nes $eibes, kratzete mit ven Händen auf der Erde, und wandte und Frümmete fich fo heftig, dag man klar fehen konnte, er fen in großer Todesangft. ZH war außer mir felbft, und eilte fo fehr, als ic) Fonnte, den übrigen Theil von dem Stückchen zu lernen, Als ich es konnte, fpielete ich näher ben ihm, etwan zwölf Schuh weit von ihm. Den Augenblick, als er mich hoͤrete, fprang er wieder auf, wie vorher, und tanzete fo fehr, als man nur tanzen kann, aber fehr wild. Er beobachtete ven Tact beym Tanzen vollfommen, doch beobachtete er weder gewiffe Regeln, noch Geberden, fondern hüpfete und rannte bin und ber, und machte ſehr Fomifche Pofituren, welche einigermaßen den &inefifchen Tanzen glichen, welche wir zumeilen auf dem Theater gefehen haben. Ueberhaupt war alles, mas er that, fehr wild. Er ſchwitzete über und über, und dann fchrien die Leute: Befchwinder! ges ſchwinder! Ich follte nämlich das Stückchen ges ſchwinder fpiefen. Ich fpielere auch fo geſchwind, daß ich Faum länger fpielen konnte, da ne der
| — Mann
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bon dem Biſſe der Tarantiif, m 7
Mann immer fort tanzete. Ich war fehr abgemat⸗
tet, und ‚obgleich verfchiedene Perfonen : : hinter, mir waren, welche theils den Schweiß von meinem Ges Fichte abwifcheten, eheils mir mit einem Fächer fühle Luft zuwedelten, (denn es war ungefähr um zmey Uhr Nachmittags) theils das andringende Volk von mir Abhieleen, ſo ſtund ich doch bey meiner langen Geduld viel aus’y"denn'ich fpielte, ohne zu viel zu füs
en, ‚fiber‘ zwey Stunden, ohne im geringften *
en.
* "Ye der Mair ungefaͤhr eine Stunde — Harte, gaben ihm die Leute einen bloßen Degen, wel⸗ ‚chen er bey der Spiße in die Hand nahm, und aus Der einen Hand in die andere ſchleuderte, in welcher er ihn im Gleihgervichte hielt, und inzroifchen immer fort tanzete. Die Leute mußten, daß er einen Degen
verlangete; denn Fur; vorber, ehe er ihn befam, kratzete
er fich ſehr ſtark in die Hände, als ob er das Fleiſch 3 davon abreißen wollte. | Als er ſich die Hände brav BR Hatte, faffete
er den Degen bey dem Gefäße an, und flach auch i inden - |
obern Theilfeiner Füge, und ungefähr nach fünf Minus
' "ten bluteten feine Hände und Füße fehr ftarf. Er bebiele
den Degen ungefähreine Biertelftunde in den Händen, “und ſtach fich zuweilen in-die Hände, zumeilen in Die
‚Süße, indem er wenig oder garnicht inne hielt; worauf
er den Degen weglegere und fort tanzete, Als er ganzermüdee war, fingeran, fich langſamer zu bewegen: aber die Leute bathen mich, ich follteineben _ dem vorigen Tempo fort ſpielen, und als er ſich nicht “nad demſelben bewegen konnte, fo bewegete er nur ſei⸗
— nach dem NSeinpo. Endlich, nachdem er zwo
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8 DondemBiffederZarantuk
Stunden lang getanzet hatte, fiel. er ganz ohne Bewe⸗
gung nieder, und ich hoͤrete auf zu ſpielen. Die Leute 9
ben ihn auf, fuͤhreten ihn in ein Haus, ſetzeten ihn in ein
groß Faß Soll laulichtes Wafler, und, ein Wundarʒt
ließ ihm zur Ader. Als er.im Bade war, blutete er an
‚beyden Händen und Füßen ,.und es gieng eine große .
Menge Blut von ihm. Nachdem fie ihn hierauf verbun- den harten, legeten fieihn in ein Derte, und gaben-ihm eine Her ʒſtaͤrkung ein, welche fie ihm einzwangen, weil er die Zähne fehr zufammen biß, Fünf Minuten Demarp ungefaͤhr ſchwutzete er ſtark, ſchlief ein, und ſchlief 5 bis 6 Stunden. Als er aufivachete, war er vollfommen: ‚gen fund,aber ſchwach wegen des vielen von ihm gegangenen
Blutes. Vier Tage hernach war er völlig wieder herge⸗
ftellet ; denn ich ſah ihn auf der Straße geben. Es war merkwürdig, daß er ſich kaum auf irgend etwas befann,
was mit ihm vorgegangen war. Erempfand auch nies. mals feine Schmerzen wieder, welche aud) niemand in
folchen Fällen wieder fühler, ausgenommen , wenn er Re
von der Tarantul vonneuem gebiffen wird.
Soviel weiß ich von der Tarantul. Ich hoffe, es
ſoll ihrer Neugier Genuͤgen thunz und da fie ein großer Maturfündiger find, fo mögen ſie nach Gefallen darüber.
philoſophiren. Ich habe nicht noͤthig, meine ſchlechte
Schreibart zu entſchuldigen. Sie muͤſſen ſie mir verzei⸗
ben, weil ich nur ihrem Befehle habe gehorchen wollen.
Wenn ſie — mehr zu befehlen haben, ſo ſchreiben fie, 5 wer Ihrem
ueberſetzt Din 4 979 zu ** Ar —
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FRRBRNENTR N. Be ee ae err 11%, ed} J gr 2 * .#. J gr nn
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Theodor Tportefopn @Bating, * saenefenen. ‚Rectoris in Stalin
Abhandlung ietinıfgen iösersen
m Borberichte | 1; —— Begriffe, welchen man dem —
ligen Herrn Buͤrgermeiſter Anderfohn, und den
dieſer vornehme Gelehrte wiederum feinen deutſchen Landesleuten beygebracht hat, ſollte man wohl nicht glauben, daß es in dem kalten Island Leu⸗ te gaͤbe, die etwas beſſer als ihr Vieh waͤren, vielwe⸗ niger aber ſolche, die ihren Geiſt uͤber den Poͤbel zu erheben, und ihre Vernunft durch ſchoͤne, gruͤndliche und nuͤtzliche Wiſſenſchaften aufzuklaͤren ſucheten. Es wuͤrde uͤberfluͤßig ſeyn, hier etwas wider dieſe Schrift zu erinnern, da ſelbige ſchon hinlaͤnglich von einem gelehrten Dänen, dem Herrn Horvebow, welcher fich ſelbſt auf koͤniglichen allergnaͤdigſten Befehl ein Paar Jahre im Sande aufgehalten hat, zur Gnüge wider- leget worden. Vielleicht wird aber eine kleine Schrift, die wir hier unfern $efern mittheilen wollen, aud) et» was dazu beptragen, daß 8 ſehen Eönne, wie fehr man
10 0 Mbandlung — man ſich irren wuͤrde / wenn man ſolche Erzaͤhlungen etlicher Kaufleute, welche alles nur nad) der kurzen Elle ihres Verſtandes gemeſſen, vor der Zeit wuͤrdi⸗ gen eur) it einigem Glauben oder Benfalle zu beehren. D —9 Schrift iſt urſpruͤnglich in lateini⸗ —— — fuͤhret we a Differtatiimeula de Montibus iae Chryftallinis, auctore Theoddrd EN fcholae Scalholtenfis eo tempore Rectore. Es ift alfo eine handlung von. denisländifchen Eisbergen; aber a vl ekerläsekkkh Fahrt ul ide nsbefondere, die im aten $. genennet werben, Sie ift dem damaligen Commereienrathe und Amt - manne oder Gouverneur von Island, Heren Ehriftian Muͤllern, durch eine lateinifche Ode zugeeignet, wel.· che ſowohl von dem quten Geſchmacke des Bertaf
fers, als die ganze Schrift von feiner Gelehrfar 9 ein unfehlbares Zeugniß ablegt. Was aber fo den Dre en Cntel des berühmten isländifchen Schriftftellers und Prob ſtes Arngrim Johnſon, oder wie er gemeiniglicy ge⸗ nennet wird, Arngrimus Jonas geweſen; ein Bru⸗ der des Biſchofs John Widalin, deflen Lebenslauf in den Dänifchen gelehrren Zeitungen, N. 10. vom gten März 1752. befchrieben worden, und deflen recht de woſtheniſche geiftfiche Beredtſamkeit und Schriften. ihm in feinem Vaterlande ein unvergeßliches Denk⸗ maal errichtet; und ein Wetter des Oberlandrichters Paul Widalin, der fih um die Rechte, Alterehümer und Poefie feines Baterlandes eben fo verdient ge macht bat, als diefer leßtere Geiftliche umdie Kirche, Die Abhandlung felbft ift bisher noch nicht gedrude ser — gewe⸗
von den islaͤndiſchen Eishergen. m geweſen. Es iſt aber eine‘ Abſchrift davon, wenn es e felbft die Urſchrift iſt, einem Anverwandten des erfaffers , gleiches Zunamens, der ſich gegentoärtig auf der Univerſitaͤt in Leipſig aufhält, von ohngefahr in die ‚Hände gerathen nachdem ſie von einem Freun⸗ de 'deffelben “in einer Auction in Kopenhagen ' war gekauft worden, Weil man min nach dem 'Urthelle verftändiger Gelehrten, dieſes Eleine Werk für wwürs Dig, ‚gehalten ‚ Öffentlich im Drucke zu erfcheinen, und da man geglaubt’ hat, daß die deutſche Sprache es ejern nah beliebter machen Fönnte ,'fo: hat ſein obengedachter Beſitzer ſelbſt auf ſich gefiommen), es ins Deutſche zu überfegen, und mic einigeh”Anmers Fungen zu erläutern; und er hoffet dabey, daß der güs — Leſer Diejenigen Fehler‘, die ihm entweder in den Sachen ſelbſt, oder in der Schreibart vorkommen möchten, defto williger überfehen ‚werde, je feltener bisher eine deutſche Arbeit von isländifchen Ham en, feiner geneigten Beurtheilung dargeſtellet hat/ da ihn nichts ſo ſehr aufmuntern⸗ wird, mit der Zeit etwas beſſers zu liefern ; be en gute na. * ner erſten Bemühungen. NASSEN, Hans
#,;0 ! in.‘ ei de] K . 1777
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Is Kern "ER Söchfle Biene der Welt, dem Hiob feine unendliche Macht und Weis—
heit vor Augen ſtellen wollte, nahm er die Beweife nicht nur von der wunderbaren und die Gränzen aller menfchlichen Erkenntniß überfteigenden Grundlegung des großen Weltgebäudes her, fondern auch von den darinne befonders vorkommenden Fleinen Dingen, als dem Reg; dem. mc und dem Eife: " nft
20 ſonſt der die bloß.die Schalen der Sachen anzufehen gewohnt find, eben nichts fonderliches, das zur Darlegung der göttlichen. Bollfommenbeiten des allweifen Schöpfers dienen Fönnte, zu finden vermey⸗ | nen. Die Worte des heiligen Geiftes, Hiob 38, 22, find dieſe: Biſt du denmda gemefen , wo der Schnee herkonmt? oder. haft du gefehen, wo der ‚Hagel herkoͤmmt? u. ſ. w. Und der ‚Prophet Eſaias redet von eben deinfelben im 55. Cap; 10.0. Man kann | auch davon die alten und neuern Weltweiſen nachſe⸗ ben, als unter dieſen den. Olaum Magnıftp Lib. I. Hiſt. Septemtr. ıc.; 2. ‚und‘ die. große Zierde des ges lehtten Nordens den D. Thomas Bartholin de uf nivis Cap. 2. p-8. unter jenen aber den Plinius im 17. 3.2. Cap. und den Theophraftus in 5. B. de caufis plantarum.. Inſonderheit aber. verdiener bier: eine | Stelle des Pindarus augeführt zu werden „Olymp.3 3. Boexe Yewv Barıneus dweryäs. ygurdus vDadeu mo- Av aPaızou TE goWai. Der große König der „Götter :befeuchtete. die Stadt (Rhodus) durch die Kuͤnſte des Bulcanus, mit goldenen Schneeflocen. Dieſe Worte des ſinnreichen Pindarus, wird, wohl der gemeine Mann, für nichts anders als eine nichte bedeutende Erdichtung, einer verächtlichen Fabel aite _ ſehen, oder fich einbilden können , daß der Schnee et⸗ was nüßliches in ſich babe, Allein der durchdrinn gende Geiſt eines Borrichius, löfer diefen Knotenauf einmal —* wann * ſpricht*: * wird ER: fleife Er: - figen . Deortu & —— G p. m. IL. -Enim veroin
niiubus illis plebi calcatis oleum latere aurei coloris,.
‚quod terris as immulgeat non diffeulter Val.
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von den islaͤndiſchen Eisbergen.
af geh ui aufmerkſomen Chymiſten nicht ſchwer > | „wann e8 noͤthig iſt, zu zeigen, Daß in dem Schnee, das gemeine Volk mit Füßen tritt, ein, wie „Sol gefärbtes Del, Das die Erde fruchtbar macht, „verborgen ſey. Aus welchen Worten denn, fo wohl als auch aus den angeführten Zeugniffen. der - heiligen Schrift Flärlich erhellet, daß in der Natur nichts fo geringe fey, und wenn es dem Unverſtaͤndi⸗ gen noch fo veraͤchtlich vorkaͤme, daß es einen, der es recht und vernünftig betrachtet, nicht von der bes - wundernsmürdigen Weisheit des höchiten Wefens überführe. Uebrigens hat der große Maturfündiger Thomas Bartholin, von dem Nutzen des Schnees, (de vfu niuis) und diefes berühmten Mannes eben ſo berühmter Bruder, Eraſmus Bartholin, vonder Bildung des Schnees, (de forma niuis) geſchrieben. Und wenn ich mich gleich als ein Zwerg, mit diefen Kiefen gar nicht vergleichen darf; fo habe ich mir doch vorgenommen, von den islaͤndiſchen Eisbergen, eine kleine Abhandlung zu ſchreiben, wann ich zuvor von ihrem Namen und Lage, etwas werde geſagt haben: wuͤnſche aber dabey, ; daß dieſelbe erleuchtetern "Ges
lehrten, Gelegenheit geben moͤchte, ſich die Muͤhe zu
nehmen, meine Muthmaßungen von dieſem Eife, ku ihre gründliche —— * zu verbeſſern.
Dieſe Eisberge, * fo wohl i in unſern aͤte⸗ ſten Jahrbuͤchern, als in der itzigen gemeinen Spras H. mit dem it" Pt oder SUN: wann
von
age * ‚oftendet ee Bi mh
J necellitas;
14 Ang, 1. von mehrern geſprochen wird, genennet, und in der einzelnen Zahl, heißen fie. Joͤkull. Woher aber dieſes Wort feinen Urſprung babe, iſt noch nicht ausgemacht. HN
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von den islaͤndiſchen Eisbergen. 15
ſeyn, ſondern auch die erſte Haͤlfte ihres Namens, die andere aber von Hul erhalten, haben, ‚und fo viel ſa⸗ gen wollen, als Joͤrdkul, Erdkaͤlte; um des Wohle, klangs Willen aber, ſey das r und d aus der Mitte weggenommen, und das a in 6 verwandelt worden. Und da die heilige Schrift fetbft diefer Meynung bey- zupflichten fcheint, Hiob 38. v. 29. fo will ich ihren. Freunden niche widerfprehen*. ... — . N 2 N Mn j wi N n 2,8, BVielleicht Tiefe fich aber denoch wider diefe letzte Mey⸗ — Kar man. fie. eh! „ohne die hufdige areprsetietpung für die heilige Schrift zu verlegen, ver⸗ laſſen könne: da es derſelben Werf gar nicht-ift , und die Phyſik und 5 zu lehren, und alſo 3
+ 4 [2
„orientalische Ausdruck, bier nichts weiter beweife, als Wwas er beweifen fol, nämlich die Größe des Schoͤ⸗ ‚pferd: und BEE andern die Schrift von denen, die zu erſt dieſes Wort erfunden und gebraucht haben, ‚nicht bat Fönnen zu Rathe gezogen werden, weil die „Eiöberge mit diefem ihrem Namen viel eber , als die a in Norden befatınt gemefen find: Und daß die Naturlehre, eben fo wenig Theil an feinem Urſprun⸗ F haben möge, kann man leicht een man „bedenkt, daß alle, oder doch die meiften Sprachen, „and alfo auch ihre einzelnen Wörter, von dem unwiß ſenden gemeinen Volke ‚erfunden, und darnach erſt „von den Gelehrtern nur ind Reine gebracht worden; Er aber insgemein mehr auf dag, was in die Sinne „talk, als auf abgefonderte Begriffe, und ‚auf bie in „nerliche Natur, Befchaffenheit und. Herkunft eines Dinges zu fehen pflegen, Eben dieſes könnte niche ‚nur die legte, fondern auch die beyden mitteliten Her⸗ leitungen des Worts Joͤkull verdächtig machen. Sie ſcheinen alle auf gar zu.abgefonderte Begriffe, und fuͤr ‚Den gemeinen Mann gar zu tieffinnige, ober doch Ar „weitbergeholte Betrachtungen gegruͤndet zu ſepn e N | i PET: älte £ / —
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N — J ws: Abhandlung " R9G — “4 Kata # —* ’ all 26" sid un ad Rn, et ; Wir werden aber bier nicht von demjeni Schnee oder Eife Handeln, das auf den Spißen der
LUFT. ABO en "Berge
Kälte des Eiſes wird nur gefühlt, fat aber nicht im; ‚ die Augen, wieder Eisberg. Daß diefer mit der Beit zunehme, zeigt fich nicht gleich bey ap: erften Anblis, fe, da er doch vermuthlich, gleich einen Namen er> fordert. Und ehe man fagen kann, daß er aus der Erz de gekommen, muß man ſchon lange mie ihm, ‚ode zum wenigffen mit der Naturlehre, einige Befan ſchaft gehabt haben. Daher verwirft auch der V - faffer die Meynung, die den Berg will Eiskälte heifs fen laffen ‚nicht ohne Utfache. Die von der Erdkal⸗ te, ſcheint er dem heiligen Schriftfteller zu Gefal- len, aber wenn man fo fagen darf, ohne Norh, bey ihren , Würden zu laffen. Diejenige aber, Die zwifchen dies | “ fen beyden angeführt if, koͤmmt einem ver die Spra⸗ che verſteht, nicht nur um der oben gedachten Urſa⸗ chen , fondern auch um des wunderlichen Klanges und der Bebeutung willen, welche fie dem Worte beylegt, ungereimt vor: es würde namlich alsdann Joͤkull fo viel fagen , ald Jookkull, das if, er vermehrte die Kälte: und wer wird wohl einen Berg — denn eine ganze Gattung von Bergen ſo heißen? Die erſte Meynung ließe ſich alſo vielleicht noch am beſten vertheidigen wenn man fagt, daß die erſte Sylbe von Fake, die letzte aber nur nicht von Auf, ſondern "von ‚der Enöfplbe ull berfomme. Solche‘ Nenn⸗ "wörter, wie das Jake, verlieren mehrentbeils, füs wohl in einigen Fällen ihrer Biegungen, als auch in den von ihnen abftamnıenden Wörtern, nicht tur das e,al8 die Endfylbe , fondern werden auch in dem * o
> * — Ara %
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buchſtab der erften Gylbe,-etwag verändert. ( heißt Jake ſchon in der dritten und ſechſten Endu "der mehrern Zahl, Joͤkum. Alſo iſt hier aus um defto miehr klar, wie in einem abſtammenden Worte 9
Von den is landiſchen Eisbergen. | Pr
Berge liegt, wie das auf den Alpen welches Silius ya yt —* Clauſas niuibus rupes ſuppoſtaque cælo ar ı Saxa, | Mn ' mit Schnee umhuͤllte Kfippen, und Selfen darauf Ider Himmel ruht, „ nennetz auch von demjenigen nicht, welches" wir mit fo vielen andern Theilen des Erobodens gemein haben, das bald zufrierer, und - ! PONTITOR | bald der erftern Sylde, fich in ein 5 habe verwandeln koͤn⸗ "nen. Die letztere ull aber ift in den iSlandifchen Nenn⸗ woͤrtern und Beywoͤrtern, eine nichtfeltene Endfplbe. _ * Sn den leßtern giebt fie mehrentheils, wie die latei— „.. nifche ; ofus , eitten oft gar zu großen Ueberfluß gu er⸗ kennen, wie.in oͤrull, vofch, voller Feuer, vöfull, der: gerne ſtolpert, ſoikull, falfch und voller Betrug. Wenn man alſo annehmen wollte, dag Jokull ehemals. ein, Beywort gewefen, oder Doc) nach Art der Beywörter . gebildet worden, fo wiirde «8 fo viel, als voller Eis⸗ ” fchollen bedeuten, und der Berg würde ſtillſchweigend dabey verftanden. Will man aber diefed nicht, und wenn es num ein geborned Nennwort feyn muß or haben wir auch folche, die ſich auf ull endigen, als Dingull oder Digull, ein hangender Schleim, Höfull, ein Meßgewand, ir. a. m. Vieleicht ift im Anfange fo ein Berg, entweder al ein einziger ungeheurer Eid» klumpen, oder auch als ein Ganzes, das aus fo vies len Eheilen al8 zufammen gefrornen Stücken beſteht, angeſehen, und dabey nicht gefragt worden, ob dieſe von den Klüßen oder von der Erde waͤren erzeuget „worden. Weil aber der Verfaffer, bier eigentlich kei⸗ nen Wortforfcher, fondern nur einen Naturforſcher abgiebt, fo bat er bloß die verfchiedenen möglichen, Herleitungen dieſes Wortes anführen, und dem Leſer ſelbſt uberlaffen wollen, diejenige zu wählen, die ihm - am beften gefiele. Br } 13 Band. BB.
* F
RR
18 +19 Sbhandlung a # ie . ) |
—— he wieder aufgeldſt wird; auch nicht von demjenigen,
as manchmal der Wind und die Wellen von Groͤn⸗ land auf unſere Kuͤſten treiben, und welches unſern Landesleuten nicht wenig Schaden thut; fondern von denjenigen, welches auf dem flachen Sande von fic) felbft entſteht, bis es fehr hoben Bergen gleich koͤmmt in die Hoͤhe ſteigt, und beſtaͤndig da bleibt. Dieſes Eis iſt es, wie ich dafür halte, welches Silius im 3. D. glaciem aeui, ein immermwährendes Eis nen» net. Wir aber wollen ihm gegenwärtig den Namen
der Eisberge beylegen, welcher ihrer Geſtalt und A |
fur am gemäßeften zu feyn ſcheint. Dieſe Eisberge nun ſind in dem öfflichen Theile Sslands, in dem Amte Skaptafells-ſyſla befind« lid), mo zwifchen andern von folchem Eife mehren» theils freyen Bergen, mwüfte und unfruchtbare Sand» bänfe oder Hügel liegen, Die von denen in der Nach⸗ barfchaft wohnenden Skeidar aar joͤkull und Brei⸗ da⸗merkur⸗ joͤkull genennt werden, und ohngefaͤhr fuͤnf Meilen, oder eine Tagereiſe lang ſind. Ihre eite aber iſt noch ungewiß, weil man es gemeinig⸗ lich, wegen der entſetzlichen tiefen und breiten Kluͤf⸗ te die darinne find, für unmöglich hält, darüber zu gehen. Zwar hat vor etlichen Fahren, ein ————— ger Mann, John Ketelſon mit Namen, gelebet,
deſſen noch lebende Dienſtbothen mir folgendes; wels
ches fie aus feinem eigenen Munde gehoͤret, erzäblet haben: Es habe nämlich) diefer Mann einmal verfus chen wollen, ob es nicht möglicy feyn ſollte, die Brei⸗ te dieſer Berge zu erforſchen. Er waͤre aber, nach⸗
dem er darauf zween Tage zugebracht, is a
-
von den islandiſchen Eisbergen. 19
men und hätte gefagt, daß er hinter dem einen Eis. berge, eine ſehr weite fandichre Gegend , und in der Mitte: einen einzelnen, von allen andern abgeſonder⸗
ten und ziemlich mit: Graſe bewachfenen Berg, allwo
auch eine, Heerde Schafe und Hauch, der (mie er glaubte) aus einer Feuerftäte hervor fliege, gefehen hätte: welches Letzte er aber, wegen des gar zu hohen und fleilen Eifes, das ihn verhinderte ‚herunter zu fteigen , nicht zur Gnuͤge unferfuchen Ffonnen, Was aber von dem Kauche, welcher nach) feiner
Meynung aus einer Feuermäuer gekommen ‚zu bala
ten ſey; Davon moͤgen feharffichtigere Leute urtheilen. Denn ich gehe hier mit Fleiß die Maͤhrchen des ges ‚meinen Volkes, ‚als wenig glaubwürdig borbey *, Ma IR RE Ana a * Dieſe Maährchen, die aber bey den wenigſten unter dem Poͤbel ſelbſt geglaubt, aber Doch, weil fie fpaße haft find, erzablet werden, fagen, daß an folchen Dre "ten, die fich wohl bemohnen ließen, und dabin doch ni® mand Fommen Fanıı, noch alte heidnifche Niefen und Rieſenweiber, bald wie Die im Heldenbuche vorkom⸗ men, wohnen, die mit den Leuten die in ihre Gewalt kommen, allerhand Theil! grauliche, Theils luſtige Sdtreiche vornehmen. Wielleicht ıff die game Sache im Anfange darum erdichtet worden, damitfie junge
. Beute abfchrecken follte, fich in die Gefahr zu begebett, . Welche derjenige allerdings laufen muß, der fich auf folche wegen des Eifed und der Witterung, der großen fuffe, und der ſchrecklichen Klufte, und am allermeis
ſten wegen der innerlichen Bewegung, davon wir une
. ‚ten etwas weiter fehen werben, fürchterliche Berge zu wagen unterfanat? Weit wabrfebeinlicher iſt die Meynung derer, Die da glauben, daß in folchen Eine oͤden Mifferhater , die ihr Leben verbrochen, und der Gerechtigkeit entflohen oder auch ihre Nachkoͤmmlin⸗
2 ge
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20 Albhandlung A
um nur dey dem zu bleiben, was ich amartigcu meiner Hauptſache erwaͤhlet. Dieſes aber iſt, nicht hier die Beſchreibung einer Landſchaft zu liefen; ſon⸗ dern nach meinem wenigen Vermoͤgen, einige Ders ‚borgene Wirfungen, weiche die allgemeine Mutter,
die Erde, die ſich mit dem Himmel vereiniger, in
unferm Eife —— Bar: ‚ etwas |. zu Wilkejnchen. Kuna
J r 3 gi: * 8 13107 J Die gemeinſte und von den ice angenomme:
‚ne Meynung, von dem Urſprunge diefer Eisberge, ift,
daß fie von dem Schnee, der fich auf den Bergenim
Winter gehäufet habe, und im Sommer nicht wie⸗ der aufgelöfet worden , entftanden find; weil die Ber⸗
ge allezeit Fälter als das platte Land find,und im Herbite
aa mit AR bedeckt, im. Fruͤhjahre aber. fpäter
davon
ge ſich aufhalten moͤgen. Denn wenn wir gleich hiervon in den neuern Zeiten keine zuverlaͤſſige een haben; fo finden wir doch in unfern alten Gefchich etliche Erempel davon, bie wirklich Glauben ver * nen. ES würde überflüßig ſeyn, zu fragen : wiefie denn dahingekommen waren ? Denn ein Menſch, dem es um
ſein Leben zu thun ift, findet wohl Wege, die hundert andere nicht finden. Und wie follte er dieſes nicht fönnen, da wo es auch die Schafe gekonnt haben? Ich will aber-bierdurch nur die Moͤglichkeit, und nicht
die Gewißheit diefer Meynung behaupten. Es koͤnn-⸗
te auch ſeyn, daß der Rauch aus einer Deffnung | der
Erde, von unterirdifchem Feuer hergekommen waͤre:
da dieſes ſich nicht felten in ſolchen Eisbergen ſpuͤren
laͤßt. Sonſt ſollte man wohl nicht denken, daß ſich
Feuer und Eis, an einem Orte mit einander vertragen | RER: denn es hier die Erfahrung nicht lehrte.
von den tlindiſthen Eisbergen. 21
davon befrehet werden, und alfo habe fich dieſes Uebel von denſelben auch auf das flache fand ohne Maaf
und Ziel ausgebreiter. Wir wollen aber: bald feben,
wie wenig diefe Meynung, fo wahrfcheinlich fie auch ‚vorfömmt, der Wahrheit gemäß fe.
Daß iefes Eis aus dem auf den höchften Ber⸗ gen zufammen gehaͤuften Schnee nicht entſtanden ſeyn
muͤſſe, erweifen felbft ihre fo unterfchiedene weſentli—
- Schnee fchäumende vder dem Schaume ähnlihe
ir
‚che Eigenfchaften: Denn folhes Eis, wie das auf,
den Eisbergen, davon wir hier reden, iſt durchfichtig,
blaulicht, derb und hart, und giebt dem Pferdehufe
‚nichts nach, wann er nicht mit Eifen befchlagen ift. Dev Schnee hingegen ift weißer, locferer und wei— “her. Daher fpeicht Sambertus Danäus *: „Er „fey nur eine aus einander gefallene zerfallende Wol—
fe, welche fich, wegen der gar zu ftarfen Kälte, die
„fie zuſammen haͤlt, zwar nicht in Tropfen, ober
„doch in etwas dichtere und weißliche Theile oder
„Schneeflocken, welche die Kälte an einander gebun-
„den, zertheilet, und alsdann auf die Erde fälle. ,, Diefem fälle auch) Comenius in vem Hauprftücke von -
den Lufterfcheinungen (de meteoris) bey, wann erden
Tropfen (fpumefcentes guttas) nennet. Und warum folfte er ihm dieſen Namen nicht mit Rechte gegeben baben? Da der Schnee, fo fange er Schnee ift, von der Luft ausgedehnet wird: welches Plutarchus in ſei⸗
33 u
%
1 ER nubis diffolutio, quae in guttas quidem propter.
nimium frigus cam konfhüngens eliquari non poteft, . fed in. floccos et denfiores. quasdam paärtes a u compactas et albicantes adeo, rumpitur et in terram decidit. Phyficae Chriftianae Cap. 23. 9. 10
!
—
—
u "Abhandlung:
nem Gaftmahle durch die vortreffliche — daß der Schnee, wann er zerſchmelzet, einen Laut und ind, den er in ſich gehabt, von ſich gaͤbe, nicht wenig bekraͤftiget. Hiervon kann man auch den be⸗ ruͤh nten Thomas Bartholin de ufu nivis Cap. 3. den Seneca Natural. Quaeſt. Cap. 13. den Macros
bius lib, 7. Saturmal. Cap. 12. den Magnenius
Difput. 3. de Atomis Cap. 2. Propof. 47. nachfeben. Daß aber im Gegentheile das Eis nicht ſchneeweiß, ſondern blau ſey, hat then längft — in acht genommen, Georgi. J. viniel Quinque tenent coelum zonae, quarum vna ik „semper fole rubens et torrida femper abigne, „Quam circa extremae dextraque leuaque trahuntur '„Caerulea glacie coneretae atque imbribus atris.
Und daß es hart und derb fey, lehret ohne alle Des weile die Erfahrung felbft; imgleichen, daß der Schnee, er ſey nun von dem Froſte ſo derb geworden,
/
als ee wolle, dennoch mehrentheils dem Pferdehufe
nachgebe; und daß er fich nicht in durchfichtiges Fig verwandeln laffe, wenn er nicht vorher zu Waſſer ges
worden, . Denn wer hat wohl jemals durchfichtiges '
Eis, das aus lauter unumgefhmolzenen Schnee ent. fanden waͤre, gefehen? Zwar ſieht der Hagel Dem Schnee in etwas ahnlich, aber er ift doch unmittel— bar vorher Fein Schnee gewefen, fondern, nad) des „ben angeführten Danaͤus Meynung, welchem auch Comenius in dem 6 Cap, von den $ufterfcheinungen beyfaͤllt, ein Waſſ ertropfen, der im Herunterfallen von dem Froſte in Eis verwandelt worden, koͤmmt aber — wegen der Marian yo
| | ‚hen
' J von den islaͤndiſchen Eisbergen. 23 chen Luft, felten dem ordentlichen Eife an der Härte gleich *. | i “ Woollte man mit dem Ariſtoteles fagen, daß bende im Grunde oder in der Haupfquelle einerley wären, , B 4 naͤmlich Der Unterſchied zwiſchen dem Urſprunge (der Erzeu⸗ ung) des Schnees und des Hagels ſcheint dieſer zu Fun: daß der. Schnee aus den. feineften Waffertros pfen entitehet, die fo Klein und fo leichte find, als die Luft felbft: der Hagel aber aus den größten. Wann dieſe in den Wolfen zerftreuete Eröpfchen zugefroren, das ift, wann fie von der Warme, die fie ſonſt aus⸗ dehnet, und flüßig machet, verlaffen worden, und alsdann an einander ſtoßen; bleiben ihrer fo viele beyfammen bangen, als Die Luft und ihre eigene Schwere, die fie wieder von einander bringen koͤnnen, e8 zulaffen. Da aber die auf folche Weile zufammen- gefügten Theilchen wegen ihrer unendlich verfchiede- nen runden oder ecfichten Geſtalt nicht Teicht fo auf einander paffen fönnen, daß nicht zwifchen den Theis len, die einander berühren, vielmals einleerer Raum bleiben follte; fo wird diefer durch die Luft gefüller. Und alſo ift leicht zu erratben, woher e8 Eomme, daß der Schnee weich iſt, und daß er, wann erzerfchmel- jet, Luft von fich giebt: denn bier wird er wiederum durch die Warme in feine Eleinften Theile aufgelöfer, welche alddann weit naher zufammen rücken, und nicht einmal den vierten Theil des vorigen Raumes - einnehmen. Daber Eönnte man vielleicht mit befferm Rechte fagen, daß der Schnee darum fo viele Luft in fich enthalte, weil er fo locker iff, ald daß er darum locker fey, weil er von der Luft ausgedehnet werde. Der Hagel hingegen ift von zweperley Art, und wird „auf zweyerley Weife erzeuget. Denn entweder wer- „den ein oder mehrere große Waffertropfen , Die fich in der Rufe vereiniget haben, in Eleine Eisftücken ver⸗ “wandelt, melche dann durchfichtig find, und fonft eben die Eigenfchaften wie anderes Eid haben, aus⸗ — Bl genom⸗
J
nämlich Waffer, und daher müßte ſich Teiche das ein ne in das andere verwandeln: fo räumen wir diefes willig ein, wann man nur zum voraus fegef, daß fie erft ihre vorige Geſtalt verloren haben, und run nihe mehr Schnee und Eis, fondern Waffer find. So lange aber ein jedes ſeine vorige Geſtalt behaͤlt, ſind fie doch in ihren übrigen weſentlichen Eigenſchaften gar ſehr uncerfchieden: da der Schnee leichter, weis cher und lockerer, das Eis aber fhwerer, härter und dichter ift. Und wie nimmermehr ein Glas. in feis nen vorigen Teig zerfallen, oder aus einen ‚Becher, von ſolchem Eezte, das ſich nicht Falt mir dem Ham» mer ziehen läßt, eine Schüffel werden wird, ohne genommen daß fie, mann zwey oder mehrere Hagel: > Förner wiederum an einander. frieren, nicht fo _derb und hart find, als die-einfachen, und als fonft ordent⸗ liches Eis, weil mehrentheild noch Fleine Zwilchen- "räume da bleiben: oder auch, eg fallen große Schnee- Flocken, die von der Luft und der Kalte ſchon dichte zuſammen gepreffee worden, durch einen waͤrmern Luftſtrich, welcher ihre Außerften Theile oder fo zu fa: gen Oberfläche einigermaßen in Waffer aufzulöfen an⸗ faͤngt, wiederum in eine kalte Gegend, mo dieſe ihre halbgeſchmolzene Oberfläche nochmald vom Froſte er⸗ griffen, und gleichfam in eine Rinde oder Nuß von - Eife, deren Kern der noch unverfehrte Schnee aus⸗ macht, verwandelt wird. Allein, diefe Gattung 5 kann, wegen des enthaltenen Schnees weder durch- fichtig, noch fo hart feyn, als die erſte. Ben bey: den aber wird der Schnee eben fo wenig unmittelbar zu Eife, als umgekehrt, das Eis zu Schneefloden. Doch fallt oft Schnee ind Waffer, und wann ihm „die Kälte keine Zeit laßt, fich aufzulöfen, nass es mit ein: folches Eis aber hoͤret dadurch auf, durch⸗ nn 43 ca ee
J
*
von den islaͤndiſchen Eisbergen. 25 Huͤlfe des Feuers sound wie ein Weizenkorn Feine
ft uchtbare Aehren vom ſich giebt, wenn es nicht zuvor in der Erde durch die Faulung gehoͤriger maßen da» zu vorbereitet worden; ſo iſt es auch klar, daß das
Eis ſich niemals in Schnee verwandele, wenn es
nicht. erſt durch die Wärme aufgelöfer, "und. in die
‚Höhe gezogen wird, und alsdann in der Luft Die. Ges -
ftale des Schnees oft. ‚nger: und ebenfalls, daß aus dem Schnee Fein Eis werde, went er nicht zuvor durch die Waͤrme serfehntelzet , in einem geſchickten Behaltniſſe aufgehoben, und endlich vom Frofte zu Eife gemacht werde, ' Ein ſolches Behaͤltniß aber iit unumgänglich noͤthig. Denn das Flüßige und Naſſe will, wie Ariſtoteles ſpricht, nicht gern in feinen eis
genen, wohl aber in fremden Graͤnzen bleiben :. wie
das Wafler, das für ſich allein nicht ſtehen kann, ſondern zerfließt, aber ſich ohne alle Mühe. in einene Gefäße aufbehalten laͤßt.
Wir geben alfo zwar zu, Daß es auf den Bergen
"ale fen, als auf dem flachen Lande; nicht aber,
daß dieſe Kälte unaufgelöften Schnee in Eis vers wandeln fönne, Wenn aber diefes Eis von den
Bergen auf das flache Land foll gefallen ſeyn, wo ſollte das Waſſer / wohl auf ihren hoͤchſten Spitzen
ein Behaltniß gefunden — darinn es haͤtte ſtille ſtehen und zufrieren koͤnnen? Wäre es nicht der Na— tur und Vernunft gemaͤßer, zu glauben‘, daß der zer ſchmolzene Schnee oder Eis gleich aus einander ges
floſſen wäre? Und wo follten die großen Klippen, R
die hier und Dort aus dem Eife hervorragen, und von demſelben auf allen Seiten umgeben find, hergekom⸗ men Km? Be NOR wird man tagen; —* "e Men |
Ü 17 ur i di & dig
J *
26 Abhandlung
dig im va — und von den Re mit forte geriffen worden. Wie find. fie denn ‚aber über das Eis gekommen? denn fie find ja ſchwerer, und wür« den nicht leicht mic herunter. gefallen feyn, wenn fie nicht fbon vorher ganz und gar im Eife gefteckt haͤt⸗ ten. Denn eg ift.niche zu glauben, daß diefes Eis folche Klippen drey bis vier Meilen auf dem flachen Lande wie ein Keil fortgefchoben hätte, da man nicht ſieht, daß es durch Die Enge des Raumes dazu ges nöthiget worden,
Man könnte einwenden, daß unter dem Eife weit größere Haufen von folchen Klippen ftecken, und daß bie hervorragenden Steine nur durch die Hiße der Sonne eneblößet worden. Allein, wenn diefes wäre, fo müßten aud) alle die übrigen "eneblößr wer⸗
den, ſobald ſich die erſte Grundlage unſern Augen darſtellete. Aber die Erfahrung zeiget das Gegen⸗ theil. Dieſes Eis iſt auf dem platten Lande zu Ber⸗ gen geworden, und faſſet in ſich große Klippen, fo- wohl in feiner Oberfläche, als in der Mitte und in dem unterften Grunde. Und es fälle daſſelbe nicht nur von den Bergfpigen, fondern oft aus den tiefften Klüften heraus, und hat eben das Eis wiederum hinter fid) liegen: welches ganz anders feyn müßte, wenn es die Klippen bloß durch die Gewalt des Fal⸗ les einen fo weiten Weg von ihrer urfprünglichen Wohnung gebracht hätte. Selbſt die Geftalt diefer Steine fcheinet unfere Meynung zu beftätigen: denn die meiftenfind, ‚obgleich nicht gänzlich, doc): einiger maßen rund, wie man e8 an ſo vielen und ‘großen . Haufen, die unter den Bergen liegen, wahrnimmt: dahingegen diejenigen, Die aus andern Bergen weggeriſ⸗ fen werden, länglicht oder eckicht zu-feyn — fe’ 3iel-
| von denisländifchen Eisbergen. 27
WViuirlrielleicht möchte auch jemand+denfen, daß die in diefen fandichten Gegenden befindlichen Fluͤſſe fo vie'e Eisſtuͤcken an ihre Ufer. geworfen hätten, daß daraus dieſe Berge, enrftanden wären. Wenn wie aber die Sache genauer betrachten; fo finden wir, daß diefe unreinen und fchlammichten Slüffe ſehr ſchnell laufen, und daher niemals oder ſelten zufrieren, wann ie nicht durch eine gar zu große Menge Schnee uͤber⸗ ältiget werden. Nun ift Dasjenige Eis, das uns aufgelöften Schnee in fich enthält, niemals; und däs Bingegen dasjenige, Das aus lauter reinem Waſſer be⸗ ſteht, allezeit durchſichtig. Denn je einfacher und reiner ein durchſichtiger Koͤrper iſt, und jemehr er von allen fremden Theilchen frey iſt, deſto leichter laͤßt er die Strahlen des Lichts durchfallen. Man kann alſo durch die erſte Gattung des Eiſes alles ſehen, was unten im Waſſer iſt: die letztere aber, die aus Schnee zerbrochenen Eisſtuͤcken und Waſſer zuſammen ge⸗ froren, iſt ſo beſchaffen, daß es dem Auge nicht moͤg⸗ lich it, es durchzudringen. Nun wollen wir bende ‚Gattungen, die einfache-und die zufammengefegte, ‚gegen das Eis unferer Eisberge halten, fo werdet wir fehen, daß diefes mit dem reinen einfachen Eife gänzlich) überein fommt. Und alfo glauben wir aus diefen und oben angeführten Gründen zur Gnuͤge er⸗ wieſen zu haben, wie wenig wahrſcheinlich es ſey, daß ſolche ungeheure Berge aus unaufgeloͤſtem Schnee, oder aus zuſammengehaͤuften Eisſtuͤcken entſtanden ſind, welches doch die gemeine Meynung behauptet. Nunmehr wollen wir uns denn allmaͤhlig vorbereiten,
unſere Muthmaßungen davon an den x | zu legen. * Senn folget —— m 1. Sch
Von der Zubereitung der wilden I. v 9
Schreiben
77 pa
dr Zubereitung. der
witdenCafanen Bien ä Aus dem ne. —— Octobr. 1751.
enn ich ihnen, mein herr, nach ſo * * bisher vergeblich gemachten Verſuchen, die indianiſchen Marronen einiger⸗ maßen u nußen, meine eigenen erzähle, ja was noch mehr ift, wenn ich ihnen auch die Berficherung. gebe, daß fie mir glücklich von ſtatten gegangen ſind, ſo weiß ich eben ſo wenig, ob ſie meine Freyheit geneigt aufnehmen, als ob fie mir Glauben beymeſſen wer den. Koͤnnte mein Verfahren nicht ohne viele Muͤhe und ſonderliche Koſten ausgefuͤhret werden: ſo wollte ich ſelbſt nicht daran denken, es bekannt zu machen. Allein, da weder das eine, noch das andere dazuerfor⸗ dert wird; ſo koͤnnte ſichs vielleicht jemand einfallen laſſen, den Berfuch nachzumachen, und diefe Hoffnung berechtiget mich um deftomehr zu meinem Entſchluſſe, je gewiſſer ich weiß, daß mich andere, die die Probe weder anſtellen koͤnnen, noch wollen, wenigſtens kei. ner Neigung, das Publiam zu hintergehen, oder je⸗ manden unnoͤthige Koſten zu beng werden be⸗ Bodgen koͤnnen.
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Ich
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Caſtanien zur Viehmaſt. 29
Ich bin nicht gleich mir meinen erften Verſuchen glücklich gemefen. Anfänglich hoffte ich ein Brenmoͤl aus dieſen Marronen heraus zu ziehen: allein fie ga⸗ ben deſſen ſehr wenig, und fein Geſtank iſt unertraͤg⸗ lich. Sein einziger Vorzug beſteht darinn, daß es ſich in der ſtrengſten Kälte haͤlt, ohne zu gerinnen Weil alſo dieſer erſte Verſuch ungluͤcklich ablief; ſo gedachte ich dieſen Fruͤchten ihre Bitterkeit zu beneh⸗ men, damit ſie zu einer guten Maſt fuͤr — nd: Schafe dienen fönnten.
Ich ſchuͤttete in Diefer Abſicht eine Sage angel Sf ten‘ Kalk auf die Erde, und legte einige mit- einer Pfrieme drey bis viermal durchbohrte Marronen dar⸗ uͤber her. Sie lagen etwa drey bis vier Finger hoch über: einander, und wurden mit einer neuen Lage von! ungelöfchtem Kalke bedeckt. Diefes alles befprengetel
ich nach und nach mit Waffer, bis fich der Kalk völd _
fig aufgelöfer hätte, Nachdem es Falt geworden, zog ih) Die Marronen mit einer weiten Harke heraus, und‘ that fie in ein Faß, an deſſen Boden ein Zapfen be= findlich var. Ich ließ friſches Waſſer darauf ſchuͤt⸗ ten, und alles mit einem hoͤlzernen Spatel gemaͤchlich durch einander ruͤhren, bis ſich aller Kalk abgeſondert hatte, da denn das Waſſer abgelaſſen wurde, Dieſes
Berfahren roiederholte ich zwey bis dreymal, und
ließ endlich die Marronen vier und zwanzig Stuna - den. im frifchen Wafler fteben, um ihnen alle ihre Bitterkeit zu benehmen. Endlich ließ ic) das Waſ⸗ ſer ab, und die gefchälten Marronen wurden dem Viehe unter anderem Futter vorgeworfen. "Anfangs ließ ich ihm nur wenig, nach und nach aber mehr geben, damit er das Vieh erſt daran N und ich
fchreia 3,
30 Von der Zubereitung der wilden ꝛc.
ſchreibe es dieſem Futter ee zu daß «sin kur⸗ zer Zeit dick und fert wurde... nn 69 Dieſes gluͤcklichen Foreganges: ungößßhtet, ſchien mir doch das Verfahren etwas zu langweilig und be⸗ ſchwerlich. Daher ſuchete ich es folgendermaßen zu ver⸗ kuͤrzen. Ich ver fertigte Kalkwaſſer. Ich goß auf: unge · faͤhr ein Achtel eines Scheffels ungelöfchten Kalfs) den ich in einen Eleinen, am Boden mit dichter Leinwand bes legten Laugenbottich, tragen ließ, zwanzig bis vier und zwanzig Maaß (pintes) Waſſer. Als der Kalk wohl ges löfchet war, zog ich das mie dem Salze des. Kalks ange⸗ füllte Waſſer durch die Röhre des Bortichs ab, und ließ die, durchbohrten Marronen 'eine Zeit lang in dieſem Waſſer kochen. Wenn ſie weich genug waren, wurden ſie geſchaͤlt, alsdann vier und zwanzig Stunden i in fri⸗ ſchem Waſſer geweicht, und endlich dem Viehe mit vie lem Vortheile und Nutzen zur Maſtung gegeben. Das von den Marronen bitter gewordene Kalkwaſ⸗ & habe ich. auf ein StuͤckLandes tragen laſſen worauf ich kuͤnftiges Fruͤhjahr Kohl zu pflanzen gedenke, um durch dieſes bittere Salzwaſſer vielleicht die, meines Willens, bisher noch unübermindlichen Erdflöbe zu vertreiben... © Sch willindeffen doch niemanden rathen, Die fo zubes - reiteten Marronen frächtigem oder fängendem Viehe zu geben, denn ob ich aleich nie bemerfet habe, daß fie de= nen, die man zum Schlachten damit mäftet, den gering« | ſten Schaden getban hätten, fo wollte ichs doch in den beyden erwähnten Fällen um defto weniger mager, je weniger man noch bis ißt die Krankheiten der Thiere und ihre Mittel Fennet, und je behurfamer man mit ih» nen umgehen muß, um ihre Geſundheit, befonders im critiſchen Umſtaͤnden, keiner Gefahr yo | |
— u. Pop
j x N . i ⸗ u = Yu * an Ze Ada Er — a 2 ae e - 1) . v —* J rer t EHER \ i i e IFEUET er x
WR eg a Mr J — 98 N. Br Phyoſikaliſche Abhandlung von denen in Ban vorhondenenEſencheueen
durch
fe chymiſche Verſuche derethm und 3 nebſt einem beygefuͤgten Verſuche 1* mit dem | | eiien in der blauen Garde, Herausgegeben R ‚©. © "m OR
' De Georg. L. II. 490. * „Felix qui potuit rerum — cauſas.
ME? Hat zwar in Bi älteften Zeiten Leute gege⸗ ben, welche dem edlen Triebe gefolget, ihre Aufmerffamfeit auf die Reiche der Natur zu
— die wenigſten aber haben das Vermögen bes ſeſſen, in das Innerſte der Natur einzudringen, die Art der Zufammenfeßung eines jeden Dinges zu enfe wickeln; die Theile deffelben genau zu, beftinnmen, und endlich die Wirfung eines jeden derfelben insbee fondere zuverläßig anzugeben. Der ——— der ier⸗
32 Von den im Blute vorh. Eiſentheilen, hier zu gehörigen Huͤlfsmittel, der die Anzahl i Beobachtungen ziemlich verfeinern mußte, lege
"Meg, ihren, gehofften Zweck nad Wunſche zu erhal⸗ ten. Nehmen wir vollends dazu, daß fie "eben nicht
—
—
die groͤßten Helden in der Chymie geweſen, und ih⸗ —2 gruͤndliche Kenntniß von den Verhätrniflen v auflöfenden mineraliſchen Geiſter gegen einat
bengewohnet: fo wird man fic) in diefem Felde we⸗
f
nen meines Erachtens die größten Hinderniffe in e
nig Zuverlaͤßiges von Ihnen verfprechen fönnen. Dem fey nun wie ihm wolle: fo würde es dennoch ein ftrafz
barer Undank feyn, womit man ihre Afche. fehändere,
wenn man alle ihre hierauf verwendete Mühe mit
ganz verächtlichen Augen anfehen wollte. Dem zu geithweigen, daß wir öfters aus. ihren Fehlern Gele⸗
genheit nehmen koͤnnen, kluͤger zu werden, und die
Naturen der Dinge genauer und forgfältiger ‚ als fie gethan haben, „zu unterfuchen: fo find doch auch Als le ihre Berdienfte um die Naturkunde fo gar geringe
nicht, daß es uns gleich viel gelten Fönnte, ob fir je⸗ mals hierinnen einige Verſuche gerhan, oder nicht. Gewiß, wir wiirden ohne fie in eben diejenigen Feh⸗
Ier verfallen, die wir iho an ihnen verbeffern koͤnnen. Die Naturfunde nämlich, har dieſes Schickſal mit als
len andern Wiffenfchaften gemein gehabt, daß in ih⸗ rem erſten Anfange Licht und Finſterniß mit einander
rungen, und die Klarheit und Deutlichkeit derſelben
mit dem dickeſten Nebel der Vorurtheile und des Aberglaubens angefuͤllet lagen. Die Zeit zog allmaͤh⸗ lig den gluͤcklichen Nachkommen dieſe Decke von ih—
ren Augen weg, und man fieng nunmehro an, die
Natur und ihre Geſetze nicht * wie — nach einen
/
und dein Eiſen in der blauen Farbe— 33.
ſeinen Begriffen und Gutachten zu bilden; fondern durch emfige und genaue Unterfuchung derſelben feine Begriffe der Einrichtung und Wirfungsart ver Ra - tur gemäß einzurichten, Cine Bemühung, die dem menfchlichen: Sefchlechte Ehre macher! Die Kennts niß der Natur weiſet uns die Lage, in welcher wir an dieſes Ganze angepaſſet ſind. Dieſes Ganze zeiget eben ſo wohl, als der geringſte ſeiner Theile, auf das herrlichſte von der Weisheit und Macht feines große | fen Werfmeifters, und ein Naturforfcher ift deswe⸗ gen am gefchiekteften, Gott nach feinen Eigenfchaften und Volikommenheiten zu erfennen, zu loben und zu preifen, Der Nußen der Naturkunde breitet ſich auch endlich bis auf die $ehre von dem gefunden und
- franfen Zuftande unfers Körpers aus; Sie zeiget
die wefentlichen und zufälligen (heterogenen) Theile unfers Baues, und folglich, was demſelben nüglih oder ſchaͤdlich ift, und ich werde nicht zu ‚weit: geben,‘ - wenn ich fage, daß fich ohne fie fein rechtſchaffener Arʒt denken läßt. Da ich nun die Arztneygelahrtheit zu’ meiner Hauptbeichäfftigung gemacht habe: ſo für che ich diefelbe, in diefer Abfiche mit der Naturlehre x auf das genauefte zu verbinden. Denn nichts ift mieiner Meynung nach rühmlicher, als die Ehre Got« tes, und. den Mugen des Nächften zu befördern. Ges
genwärrige Abhandlung mag meine Leſer urtheilen
laſſen, mit mas für gluͤcklichem Erfolge. ich diefer Wiſſenſchaft obgelegen, und ob ich Zeit und Fleiß auf dieſelbe ganz vergeblich gewendet. Ich habe mir itzo vorgeſetzt, einen Beſtandtheil des Blutes zu un⸗ terſuchen, der in einer gewiſſen chymiſchen Arbeit ei⸗ ne beſondere Wirkung hervor bringt, und von wel⸗ * Dand, C | cher
34 Bon den im Blutevorh. Eifentheilen, cher unfere Vorfahren feine genaue Kenntniß ‚befeffen haben. Meine Leſer werden mir erlauben, einen Fleis nen Vorbericht dießfalls zu ertheilen, der mich veran⸗ laſſet, mein Augenmerk auf dieſe Materie zu richten. Ich werde mich ſowohl hierinnen, als’ auch im fol- genden, aller möglichen Kürze und Gründlichfeit bes dienen. Durch einen ungefähren Zufall murde uns vor - jenen vierzig Sgabren eine blaue erdigte Farbe entdecket. Sie hielte die Proben der ſtaͤrkſten ſauern Geiſter, ohne dadurch etwas von ihrer Schönheit zu verlieren. Man konnte nunmehro in der Mahlerfunftdie theure Ultramarinfarbe gänzlich entbehren. Zum Färben aber konnte man ſie wegen ihrer erdigten Theile niche gebrauchen *, Dem ungeachtet wurde anfangs die Art ihrer Zufammenfegung fehr geheim gehalten. Es widerfuhr ihr aber ein gleiches Schickſal aller andern. Künfte. Man kam dahinter, daß fie aus zwey Theie ' Ien Blut, zwey Theilen MWeinftein, und eben fo vielen Theilen Salpeter im Feuer geſchmolzen und. alfalifie vet, bernach mit Waſſer . aufgelöfet und wiederum mit fauren Salzen nfedergefchlagen wurde; und fie ift nunmehro unter dem Namen Berliner Blau übers all bekannt. Hieruͤber entftunden nun bey den Na⸗ turkuͤndigern verfchiedene Meynungen, was eigentlich das Blaue bey diefem Mengfel verurfache. Mit eis nem bloßen Niederfchlage von alfalifhen und ſauren
Salzen onnten fie es nicht bewerfftelligen ; ; Daher 2 macheten:
* Ich habe aber auch nachhero bey angeſtellten Verſu⸗ | chen bemerket, daß fie die Laugenſalze nicht verträgt, und von denfelben augenblicklich, ohne das geringfte
ee behalten, in eine ii Sarbe verwan⸗ delt wir
J
und dem Eifen in der blauen Farbe. 35
een e Schtuß, daß der, run iu un
mittelbar im Blute ſey. Diefen Theil ſelbſt aber in dem Geblüte aufzuſuchen, es von den andern gehörig ‚Abzufondern, war ihnen zu weitläuftig, oder fie wuß⸗ ‚ten eg nicht recht anzufangen, zumal da fie in den al ‚wen $ehrfagen von _dem Blute feine Spuren fanden, die ſie auf den rechten Weg geführet hätten.” Und alfo blieben ſie hierbey ftehen. Ich babe: zwar diefe Farbe felbit zum öftern gearbeitet, ohne mein Abfehen
auf die im Bluͤte hierzu nüglichen Theile zu haben.
u. —
Als ich aber einige Zeit an einer andern blauen Far— be gearbeitet hatte, und dieſelbe auf keinerley Weife zu einer beftändigen Dauer bringen Eonnte, ſo lenkete ich meine Aufmerffamfeit einzig und allein auf die im
Blute verhandenen Theile, welche bey dem berliner
Blau den fanern -Geiftern fo heftigen Widerftand thun. Da mir diefe Theile aber annoch unbekannt waren, fo hatte id) auch zugleich vonnoͤthen, auf al- Te andere Begebenheiten, fo hierbey vorfommen, gleiche Aufmerkſamkeit zu verwenden, an:
Ich nahm alfo zwey Theile getrocknetes Ochſen⸗ blut, und zwey Theile reinen Salpeter, und vermifch- te folches mit gnugſamen Kohlenftaube, verpufte es
gehoͤrig, und erhielt ‚es fo lange im Feuer, bis es zum -
{
ne re Hal ET 2
Sluffe Fam: bierinnen ließ ich es eine Weile ftehen, damit es vecht alfalifch wurde, fodann aber ließ ich es erfalten. 23 ea
Erſte Beobachtungen dieſer Arbeit. r
Er Bey dem Berpuffen bemerkte ich -erfllich: da, wenn der Salperer ſchon laͤngſt abgebranne war, Das sr — | ‚ea Blur
36 Zentenim tee Et, ; |
Blut dennoch. beſtaͤndig mit einer ſehr b Ko Zlamme und ſtarkem Schwefelgeruche brannte. ir
Zmwente Beobachtung,
Daß ſich diefer Schwefeldampf, da die ie . in Fluß Fam, fo ftarf vermebrere, wie bey den Men fallen, wenn man’ ſolche abtreibet , geſchieht dieſes waͤhrete ſo lange, als die Materie im Fuſte ſtund. Und je groͤßer die Hitze war, je groͤßet war der Rauch.
Dritte Beobachtung.
Wenn man etwas filbernes über diefen. Rauch
hielte, ſo wurde ſelbiges augenblicklich wie verguldet,
hielte man es etwas laͤnger daruͤber, ſo wurde es fu.
pferfarbigt, endlich aber ſchwarz.
Ich nahm diefe Begebenheiten alle zufammen, und Take den Schluß , daß nothwendig bierinnen ein. Schwefel vorhanden ſeyn müffe, und daß ber fange Aufenthalt defielben bloß von dem alfalifchen Salze herrühre, von welchen derfelbe (figirer) gebuns ‚den, und nicht gleich weagelaffen wuͤrde. Das An Taufen des. Silbers aber war ohne dem ein unftreitie ger. Beweis des Dafenns oder der Wirfung eines Schwefels. Um aber hinter die Gewißheit diefer Sache zu kommen, ſo ſtellete ich IE ER
Erfier Verſuch. Ich nahm ein Theil Schwefel ,. und ‚vier Teile
‚Of, mengte ſolches fehr zart unter einander, ‚gab ihnen die ftärffte Hige, daß es gleich i in Fluß gerieth,
und bn ließ ich es kalt werden N, . Hierauf le
S ſete
* Hierbey verſpuͤhrete ich eben dieſe Yhanomena , mie bey der Alkaliſirung des Blutes mit dem ——
iſen in der blauen Farbe, 37: ſete ich dieſe Maſſ e mit warmen Waſſer auf, und filteiete fie gehörig, da befam ic) eine, der aus dem’ Blute gemachten (außer dem bittern Geſchmacke) an Geruch und Farbe ganz ähnliche Lauge. Endlich ſchritte ich mit diefer auge zu dem Niederſchlage mit der Alaune vsque ad punctum ſaturationis. Dieſer Niederſchlag war nicht blau, ſondern weiß, und Ana; — u das Lac Sris. |
Zweyter Verſuch ES.
Ich — wiederum mit diefer Sauge, und mit einer Solution von (Blum gFtis) Eifenvitriof, einen andern Berfüch. Ich goß nurteinige Tropfen von: diefer. Solution hinzu, und da befam ic) fogleich ei⸗ nen fehr fhönen grünen Niederſchlag. Und jemehr ich von dem aufgeloͤſten Vitriole jugoß, jedunfelgrüs „ner derfelbe wurde, Fam ich aber gar zu-ftarf damir, ſo wurde es endlich ſchwarz. Dieſer getrocknete und auf Kohlen geworfene Niederſchlag, gab einen ſchwe⸗ felichten Geruch und blaulichte Flamme. Ich ſah alſo daß meine Meynung falſch war; daher ließ ich ſie fahren, und ſuchete nunmehr bieſe Theile lieber ſelbſt aus der vorher geſchmolzenen —— zu er⸗ forſchen.
ala Dritter Verſuch
Ich loͤſete demnach mein obiges eh, Mengfel mit warmen Waffer auf, filtrirte es gehö- - rig, nahm einen Theil davon, und praͤcipitirte ihn, wie gewoͤhnlich, mit einem aufgeloͤſeten Alaun, und — Eiſenvitriol, um zu fehen, ob fie fattfam
Baus C3 geſchinol ·.
38 Von den im Btuteosrh hEiſentheiler geſchmolzen war. *, und ich befam ein fe * und dunkeles Berlinerblau. ne Nunmehro aber war, ich. vielmehr. obacht, die Urfache von diefer Blaue zu euforfchen, Hier u ſchie⸗ ne mir nun nichts geſchickter zu ſeyn, als ein reiner (piritus Otri) Salpetergeiſt, welcher ſich mit dem alkaliſchen Salze wiederum vereiniget, oder ein ſoge · nanntes Otrum Regeneratum ausmachet, das jenige aber was nicht zu der Natur des alkaliſchen * gehoͤret, fahren und zu Boden fallen laͤßt. | *
Vierter Verſuch. Ich nahm alſo wieder einen Theil ie Den | J und goß hierzu ſo viel reinen Salpetergeiſt, bis das Vorwallen auf beyden Seiten gehoben war, de; ſchlug ſich ſogleich eine ziemliche Menge eines ſehr hell⸗ braunen und zarten (Croci) Pulvers ju Boden, das Aluidum hingegen blieb heil und Flar. ch ließ es erſt recht ſetzen, ſodann aber. goß ich es ab, evaporirte es vsque ad cuticulam, und ließ es anfchießen, da ben, Fam ich einen fehr zarten Salpeter, welcher auf. dem; Feuer fehr hurtig brannte, und dieſes wollte ich eben. haben. Den: ‚erhaltenen Präcipitat: edulcorirte ich vorher etliche mal mit reinem Waſſer, un) ließ ihn bernad) trocken werden. —— Fuͤnfter Verſuch. — Nun verſuchete ich, die Natur dieſes getrockneten
— von allem ar —— —— ae et⸗ was
© ch habe — daß, je —— das Mengfel ge⸗ —* je heller um weißer die Lauge ah
iii weil der Schwefel endlich nach und - verbrens
| Ssahäßee Pre zu lerrien.) Zu dem Ende: nahm ich alſo ein gutes Aquafort ‚und goß es darauf, da loͤſete ſich derſelbe mit einer kleinen Erhitung des Glaſes, worinnen er war, vollkommen auf *; Hier» aus nahm ich eine‘ metalliſche Natur diefer Theile | ‚wahr , id) präcipitirte fie daber wieder mit einem reis nen und aufgelöfeten alfalifchen Salze, und da fielen ‚eben dieſe vorhero aufgelöfeten Theile roieder zu Bo⸗
den, und die Lauge war wieder a einem —* ge J—
worden.
Sehfter Verſuch. —
Weil ich nun bemerket hatte, daß dieſe Theile — Natur waren, fo machte id, um die Nas tür diefes Eroci noch näher Fennen zu lernen, "einen Verſuch mit einem guten Magnete. Hier wurden die zarten Theile alsbald ſehr begierig von demſelben angezogen), und ic) wurde nunmehro verſichert, daß 5 a. u wirklich aus Eiſentheilen beſtehe. |
Bi | Siebenter Verſuch.
36 Keen ‚abermals ‚mit diefem getrockneten, —* ausgelaugten Niederfchlage einen neuen Verſuch. Ich goß naͤmlich zu dieſer Materie etwas deſtillirten Weinepig, rübrete es wohl unfer einander, und ſetzte es einige Tage, in gelinde : Digeftion; hier 5 er fi SE ein pri vitriolifcher Ges
17 ins 3 RO ſchmack.
— tele As wann ei nah darinnen vorhan⸗ ift, fich mit au fer, und Die Lauge gelblich färbet.
iefes pflegt gemeiniglich bey den metallifchen Kir
pern Ba fen ie mit ſauern ‚Seilern, aufgelöfe t ei werden, au geſchehen |
40 Von den im Blute 0 |
ſhmack. ¶ Ich ooh nachgehends nochsetivas Waffe darzu, ließ es durch einen Filz laufen, rauchete es
ein wenig ab, und ſetzete es hernach in die Kaͤlte zum Anſchießen. Als ich nad) einiger Zeit wieder zu dem Glaſe kam, fand ich in demſelben einen ſehr ſchoͤnen and hellgruͤnen Bitriol, welchen, angefchoflen war. Von diefem löfete ich etwas in warmen Wafler auf, und goß es zu einer. wohl: faturirten. folutione Galla-
zum; davon wurde fie augenblicklich" ganz. Kowan wie von allem Bitriol gefchieht. Pe: on
Achter Verſuch
Weiter verſuchete ich dieſen Eiſencroeum nun⸗ in auch in einen feiner Natur gemäßen und dich- ten, Körper zu reduciren. Ich that zu dem Ende eis ne gewiſſe Duantirät in einen Schmelztiegel,gabibm recht. ftarf Feuer und ſetzete ihm ein gewiſſes Phlogiſton zu. *, trieb. es mit dem Balge fo lange, bis es anfieng zu fließen, darnad) goß ich es in ein Gieß zeug aus, und ließ es kalt werden. Ich verſu⸗ chete es nachmals mit dem Hammer, ‚allein es ließ ſich nicht recht Hämmern, fondern war mehr brüchig. Uebrigens wurde es.von dem Magnete ſehr ſtark ans gezogen., Hier fieht man nun, daß die Eifentheile einzig und allein die Grundurfachen find, welche bey — Dir ge * * — 9
|
wer ar
* Es if — daß die Käfig und Befehmeidigei der Metalle einzig und allein von dem principio in- " Rammabili abhangen, und erbellet fol ches Ha klar a öRe- dudtio des Calcis metallorum durch tigen ı Körper Siehe hiervon Bechers , Phyf, fubt., —— en Heren Stahl, Neumann, und abe ns 3—
+
und dem Eiſen in der blauen Farbe. 41 Es zeiget dieſes ſchon ein Niederſchlag mit dem bloßen Laugenſalze und Vitriol, welcher, fo man mit dent Vitriole nicht zu ſtark Emm, ſchon etwas ins Blaue fällt. *, und bey der Schmelzung des Laugenſalzes mit dem Blute, wird daſſelbe, mit den darinnen vorhandenen zarten Eiſentheilen erſtlich recht ſtark ge⸗ ſchwaͤngert, und verurſachet alſo bey dem Niederſchlage mit dem Alaun und Virriol, das Blaue.
el Ne ——— Neunter Verſuch.
Endlich trieb mich die Begierde, das Berbältif | in Abficht auf die Vielheit derer ſowohl im Ochſen⸗ als Menfchenblute vorhandenen Eifentheile zu beftime men. Ich nahm alfo zwey Pfund gerrocnetes Och⸗ ſen⸗ und eben ſo viel getrocknetes Menſchen⸗Blut, ſchmelzete jedes insbeſondere in einem Schmelztiegel, und verfuhr übrigens in allem fo damit, wie ich bes veits im vierten Berfuche gemeldet habe. ° Der Pro» duet des Eifenfaffrans war aus dem Ochfenblute am Gewichte 23 art, 3 Gran, aus dem Menſchenblute * © Diefes find nun: meine — mit dem Blute wodiec ich die in irn ea —— Eiſentheile,
en Ai E „ rare ‚und * Niemand wird! Jugnen, daß jeder Vitriol etwas von "meta ige non ey fi ab re. Denn ee, ; weiſet die 16 Eimfliihe Werfertigung des Eifen- und Rus pfervitriols aus feinen eigenen Metallen, undiwieders unm die Scheidung diefer metalliichen Theile aus den “men natürlichen Arten des Vitriols.
—* —— alle dem kann man die eigentliche Quantitaͤt ſo nicht beſtimmen, weil allemal von: Dem "ges
“ ——— zurück Babe fo, ch mche
—
42 Bondenim Blute vorh Eiſentheilen,
|
und das, bey der Verfertigung des berliner Blaues
hieraus. entſtehende Farbeweſen klar genung entdecket
habe. Im Folgenden werde ich noch einen Beweis aus dem Eiſen ſelbſt führen,‘ daß aller Zweifel, den meine. Leſer etwan hegen dürften, „gänzlich über den Haufen fallen muß. - Benläufig muß ich nod) erin⸗ nern, daß, weil man ftatt des Blutes, auch Knochen, Horn, Haare, und dergleichen, welche. insgefammt
‚erftlich aus den flüßigen Theilen ihre Nahrung und
Wachsthum erhalten, zu der blauen Farbe gebraucht, hieraus zu ſchließen ift, daß in benfelben ebenfalls folche Eiſentheile vorhanden. ſeyn müflen, und daß man folche auf vorerwähnte Art, ſowohl in diefem, als auch in dem Pflanzenreiche (wenn anders melche in denfelben vorhanden find) entdecken koͤnne. Ich Fönnte bey diefer Gelegenheit: etwas von den Wirfuns gen diefer Eifentheile i in dem Geblüte, und von dem Nutzen des Eiſens in der Arztneykunſt, außer dem,
was wir fehon von dem Gebrauche der eröffnendenund
ftärfenden Eifenmittel wiffen *, mit. einfließen laffen. Allein da diefes wider meinen "vorgefeßten Endzweck
iſt, ſo verſpare ich ſolches zu einer beſondern Abhand⸗ lung von dieſer Materie, und werde deswegen zu dem im Vorhergehenden verſprochenen, und aus dem Ei⸗ ſen ſelbſt zu fuͤhrenden Beweiſe meiner Verſuche
ſchreiten. Um der Deutlichkeit willen werde ie die
Erfahrungen, fo wie ich. fie aus. meiner Arbeit erlan ⸗
get babe; — — ae a ee
yo
4 ” Ber die Lehre des — PN Bocrbanvend ‘de » Tono ſtricto et laxo viſcerum vecht verſteht/ der wird Ach der Eiſenmittel mit Bug bedienen win
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| Pen der siauenSnehe; 43 aa Verſuch
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Mo eifeni in der — *
Bey dieſer Arbeit habe ich alle Vorſicht gebrau.·
Ba deren man fich zu bedienen hat, wenn man in _ eine Sache gewiß gehen will. In dieſer Abſicht nahm ich ſehr reine Feilſpaͤne von Eiſen, beſprengete dieſelben mit reinem Waſſer, und ließ ſie ſtehen, bis fie zuſammen geroſtet und trocken waren; alsdenn ſtieß ich ſie im Moͤrſel, ſchlug ſie durch einen Flohr, und auf dieſe Weiſe wiederholete ich dieſe Arbeit, bis ich genung von dieſem Roſte hatte. Er ſchien mir aber noch etwas zu harte zu meinem Vorſatze zu ſeyn; deswegen that ich denſelben in einen Schnehtegen ſetzete ihn ins offene Feuer, und ließ ihn einige Stun⸗ den recht durchbrennen, nach diefem brachte ich den’ Eifenroft auf einen Keibeftein, machete ihn ‚fo Flar,: als möglich war, und ließ ihn hierauf wieder trocken: werden, nahm zwey $oth davon, und verſetzete dieſel⸗ ben mit zwölf Loth Salpeter,, etwas rohem Schwe⸗ 9 me J——— — verpufte ſolches DOM — FODeEN ‚JR
Ben Diefe Arbeit wobl von fatten ‚geben ſoll ſo
oͤmmt es darauf an, daß man die rechte Quantitat "vom Schwefel teifft.. Ohne denfelben geht es gar nicht an, weil die Eiſentheile vor ſich mit dem Raus genſalze wicht recht vereiniger werden; iſt im Gegen: theile gar zu viel von ſelbigem darunter, vereiniget ſch das, Eiſen fo ſehr mit dem Schwefel‘, und die
Lauge von Bine gefehmolzenen Mengſel wird von ber en Farbe des Schwefels und dem blauen Farbe: Ye des Eiſens ganz, ſtahlgrůn / wenn fie d di ‚den
Silz
44 Von den im Blute baren,
zuſammen, und brachte es hernach zum Fluſſe, wor« _
"innen id) es eine gute Weile erhielte, Nad) diefem ließ ich ſolches kalt werden, loͤſete es mit reinem warmen Waſſer auf, und goß es durch Loͤſchpapier.
Sch koſtete dieſe Eiſenlauge erſtlich und da ſchmeckte
ſie nebſt dem alkaliſchen Geſchmacke ſtark, bitter und etwas (cauſtiſch) etzend, und war alſo von der Blut⸗
lauge, davon ich noch etwas ſtehen hatte, hierinnen nicht das geringſte unterſchieden. Endlich ſchlug ich
dieſe Eiſenlauge mit aufgeloͤſetem Alaun und etwas Eiſenvitriol nieder. Er wollte anfänglich nicht recht
dunkelblau werden, und das Waſſer auf dem Nie⸗
derſchlage war nd) ſehr truͤbe; alleinich merfetebald, moratı eg fehlete, und feßete derohalben noch etwas. Vitriol zu der Alaune, weil derſelbe nicht genug zu» fammenziehend war, und goß es nad) und nach zu
dem Miederfchlage. Hierauf, änderte es fich bald, mein Niederfchlag wurde fo dunfel, daß er ganz ſchwarz
ausſahe, und das Waſſer darauf war nunmehr hell
und klar. Ich mar daher fehr vergnügt, dag ich. in:
diefer Arbeit eben fo glücklich gervefen war, alsindem Vorhergehenden, ob fie aber den Verſuch mit den ſau⸗
rren Geiſtern halten wuͤrde, konnte ich itzo noch nicht gewiß wiſſen. Deswegen ließ, id) dag Waſſer davon
erftlich durch Papier laufen,und goß ſodann zu ein wenig dieſer Farbe, eh etwas Vitrioloͤl we einem andern "Sr ls
J seen if, nachmals aber * eh Nied er⸗
ſchlage mit dem Vitriole ſchwarz. Dieſe Quanti itaͤt
aber habe ich um deswillen nicht eigentlich beffimmet, weil ich fie annoch vor mich hen ih, Pi ie ch überdieß nicht einem Lichte: Haie ‚verzebret, indem ed andern d —*
und dern Eifen inder b blauen Farbe. 45 Salpetergeiſt, und wieder zu einem andern den ſauren
rieb jede ins eſondere recht unter einander, und da wurde I 8 ‚brennend davon an Farbe, daß es ‚Die Yugen recht blendete, ich ſtrich etwas auf Papier, da vertrieb es fich ganz unendlich weit, ‚ohne daß man den 1 Grund, des Papieres. fahe, und ic) konnte von der Dauerhaftigkeit und Schönheit diefer Farbe nichts ‚mehr verlangen. Wer fiehr hieraus nicht die Gewißheit und Wichtigkeit der Entdeckung, von den im Blute vore andenen Eifentheilen, dadurch man zugleich zu der Era en gelanget , daß das Be elinerblau ſowohl aus Blut als Eifen gemachet werden Fann *, und zwar mit letztern noch mic weniger Arbeit undKoften, des Nutzens annoch zu gefchweigen, der uns ferner in der Arztney⸗ kunſt hieraus erwachſen duͤrfte. Auf dieſe oder eine aͤhn⸗ liche Weiſe, kann man auch mit andern metalliſchen Kor⸗ pern Verſuche anſtellen, vielleicht ſind in einem und dem andern beſondere Farbeweſen enthalten, von welchen wir ebenfalls noch keine Kenntniß beſitzen. Ich habe es demnach nicht fuͤr ganz unnuͤtze J halten, diefe angeftellten Berfuche mitzutbeilen, und - ‚vielleicht werden wir durch einen fortgefegten Fieiß in dieſer Arbeit von geſchickten und gründlichen Natur⸗ forſchern noch mit mehrern Wahrheiten bereichert, deren Nutzbarkeit an uns ſelbſt angepaſſet werden kann. Uebrigens habe ich das gute Vertrauen zu meinen Leſern, daß fie mich nicht anders, als auf eis ne vernünftige Art beurtheilen, und von dem Gegen⸗ J theile, * Das Anlaufens des Stahls leget ſchon ein Zeugniß
hiervon ab, daß das Eiſen in das Blaue geht, went man mit felbigens gehörig amgeht
‘46 I EUR ein ee Öfheite, weidhee ich sen er Sin de
a rfüchen u finden getraue anders als wach, und alfo eben, if ich ale babe, ‚ überzeugen werden:
weder ch, noch ſonſt jemand Dadurch volltame 4
ac A * mener werden duͤrfte. u. m /
Be s. €. 8. Sei — Abhandlung —
von
— Suserofe
J ME TR Se
ie Tuberofe ift unftreitig eine der vortrefflich⸗ @ ſten Blumen. Sie gehoͤret zu den auslaͤn⸗ diſchen, und zwar zu den indianiſchen Ge⸗ waͤchſen Aus Indien brachte man ſie zuerſt nach Wälfhland, alwo fie il lacinto Indiano tuberofo ge · nannt wurde. Don da kam fie in unfere deutfche Gegenden. Ihr entlegenes Vaterland iſt es aber nicht allein, ſondern vornehmlich das Durchdringen- de ihres füßen Geruches, wodurch fie bey ung ſchaͤtz⸗ bar wird; Einigen Derfonen gefällt daneben die que te weiße Farbe der Blüte; ingleichen, daß Ddiefe an« genehme Blume den Herbit zieret, auch langfam ver⸗ bluͤhet, ‘indem fich eine, ED —— Di: — an dem Stengel öffnet, — | Man |
⸗
vom der Tuberofe. 47 Man hat zwo Arten von EN ‚Bine eins —— eine gefuͤllte * Beyde tragen. weiße Blur men, die Fleinere und jartere Blaͤtter, auch einen ans mutbigern Geruch, wie die großen weißen Lilien has ben/, ſonſt aber diefen fegtern fehr ahnlich find... Ob es noch eine gefüllte vorhe Tuberofe giebt, kann ich nicht beftimmen. Herr Arnold Friedrich von Har⸗ tenfels bezeuget ** ſie ſey von ihm nicht gefehen, it fommt meine Erfahrung: überein, ungeachter ich folche Pflanze ſehr gefuchee babe. ‚Sollte diefels be vorhanden ſeyn: fo müßte man fie, ihren. großen Seltenheit wegen, der. weißen gefüllten: vorziehen, Daß fonft diefe letztere den Preis vor der weißen ein ww behaupte, ift leicht zu erachten.
Es erfordert unſer Gewaͤchs viele Wartung. Ich finde mehr als eine Perfon 'gleich in meiner. Nach⸗ barfchaft, die daſſelbe bisher in feinem: Fahre zur Blüte bringen Fann. Die Urfache davon ift bloß dieſe daß man die hinlaͤngliche Aufſicht fehlen laͤßt.
Beſagtes Knollengewächfe mag durchaus keine Kälte leiden. Es verlanget daher, in-einen Blu⸗ mentopf gepflanzer zu ſeyn, damit man denfelben, wenn Nachtfroͤſte, oder andere rauhe Witterungen
einfallen, in Sicherheit bringen, und allenfalls zu
fich ins Haus nehmen könne, Leget man die Knol⸗
Ien in den ordentlichen Gartenboden „ ſo geſchieht
es gar zu ante ; *— im Fruͤhjahre nach dem Her⸗
| vorſchießen
* Myadirkhlim ——— ZT RER “ flore Amplici, et pleno,
* Sp dem eriten Theile feines neuen Garten les Frankf. am Mapnu 1746. 8. a. * 1086. un —
-
vorfchießen des * — EN m Herbfte, ehe die Blüte vorbey, und das Laub
geworden ift, ein eintreffender — ——
Schaden zufuͤget. BR. en
Der Frühling ift bie Zeit, da man 5.6 Blumen» töpfe zur. Hand nimmt, und die Knollen: einlegen, Am füglichften thut man dieſes im Maͤrz. Will man aber die Pflanzen fruͤher, als ordentlicher Weiſe
geſchieht, zur Bluͤte treiben, mag man ſchon im
Februar ſolche Verrichtung vornehmen
" Bey dem Einlegen verfaͤhrt man —— maßen: Man wirft in den Topf, unten auf den Bo⸗ den etwas Sand, damit das Waſſer fünftig defto
eher abziehe. Ueber den. Sand bringet man eineffeis-
fche, Kun fette, aber zugleich leichte und lockere Er» be... Eine zähe, thonichte und Freidigte Erde; tauget gar eiche teil, ihrer Steifigfeit und —9* wegen, in derfelben vornehmlich. die Würzelchen des Knollen
mit größter Schwierigkeit die Nahrung fuchen muͤß⸗
ten. Je lockerer und leichter hergegen die Erde ift,
deſto wenigern Widerftand finden Wurzeln, Keim, WRegen, Luft und Sonne, von derfelben, und deſto
eher und beffer fönnen folglich die Pflanzen fortfoms men, en — Erde zu unſerm — iſt Die
. Die — Bartengebeimniffe, wovon zu rain bera 1738. 800 die erfte, und 1752 8vo die neuefte beutfche Yusgabe bervortrat, weifen auf der 8 Geite -
dreſn Jenner zum jährlichen Pflanzen der Knollen an.
‚Allein diefe Schrift ift nach dem — Horis : zonte eingerichtet, und überdieß von fchlechtem Ins > halte. . Man findet. bier. Geheimniffe,, die keines Durchleſens werth, und J ein kauderwaͤlſches von eingefleider find.
ji —* von der Zube. 4
—R man ein Drittheil von wohlberweſetem | Küpmifte, ein Drittheil von vermoderter Weidener⸗ dey und ein Drittheil on guter Gartenerde, mit ein⸗ ander vermenget. Hat man dieß Voermengete im den Topf heworfen ſo bringet man daruͤber, in er Mitte ein wenig Sand, worinn man: den Knollen pflanzer, fo, daß der Sand denfelben und feine Wur⸗ zeln unmittelbar: umgiebt. Um den Sand herum druͤcket man von neuem jene vermengte Erde. Mit ſolcher bedecket man endlich den Knollen oben zween Queerfinger body. Der Sand, den man auf gedachte Urt angebracht hat, ift das ficherfte Mittel wider die Faͤulung des Gewaͤchſes. Doc) brauchet er niche (die auf den Wurzeln zu liegen. Darneben fies bet man waͤhrend / des Setzens dahin, daß dieſe letz⸗ tern nach allen Seiten wohl ausgebreitet werden, das mit ſie allenthalben ihre Nahrung auffaffen mögen. Auf daß ſich auch die Knollen nicht unter einander die Mahrung entziehen, fo bringet man in jeden Blu⸗ mentopf nur ein einzig. Stuͤck. Und. die Erfahrung | bekraͤftiget, daß fodann die Blumen am größten und ſchoͤnſten ausfallen. Ehe man das Stück in den Topf ſetzet, werden die Wurzeln bis auf die Halb» feheide ihrer Länge abgeftuger , auch wo fih noch alte Erde an denfelben befinden follte, wohl von ſolcher gereiniget, Die dürren Fafern bricht man gänzlich. ab; Vermoderte Stuͤcke, die, wenn man fie unten ein wenig mit dem Meffer fchabet, allda Fein weißes Fleiſch mehr zeigen, find untüchtig, von neuem ges Pilänigee zu.mwerden. Gleich nad) dem Einlegen begießet man hen Topf + nie laulichtem Waſſer, damit fic). bie Erde deſto Dh. - - -D beſſer
Zr 3 Abhandichg beſſer anſetzet. Darauf ſtellet man J einen war⸗ men, aber auch luftigen Ort. Eine Stube, die mit⸗ gelmäßig geheizet ift, ſchicket fi wohl hierzu, wen man nur zuweilen bey fchöner Witterung, die Senfter öffnet. Iſt die Wärme des Zimmers gar zu ſtark und anhaltend, ſo grünet und fchießet das Kraut zw ſchnell hervor, und dag weichlich gemöhnte Gewächfe any nachmals, wenn es völlig draußen ftehen: foll, nich gewohnt werden, die, geringfte. kalte: Luft zu erfragen. Aus der Stube bringe. man. den Topf, fobald draußen die Witterung warm wird, täglic) in den Mittagsſtunden an die freye Luft. Nimmt die warme Witterung weiter zu: fo ftellet man das Ges fhirre ganze Tage binaus, Kommen feine Nacht⸗ feöfte mehr, fo läßt man es endlich, nad) der Mitte des Manmonate, auch die Mächte hindurch, draußen. Es ift aber nicht nochtoendig, daß man den Topf nach dem Pflanzen eben in eine warme Stube ftellen müffe, fondern man fann ihn auch bis oben an den Rand in ein Miſtbeet, oder in lautern frifchen Pfer- demift, fenfen, und Fenfter Darüber decken, auch des: Nachts, um den Froft abzuhalten, Strohmatten über die Senfter legen. Es verftehee fich, von felbft, daß der Topf fodann ebenfalls zum öftern: freye Luft haben müffe, und die Pflanze hiedur ch nachau vach zu einiger Haͤrte zu gewoͤhnen ſey.
Je groͤßer die Knollen ſind, die man pflanzet, deſto ſchoͤner wachſen Kraut, Stengel und Blumen hervor. Nicht nur anfanges in der Stube, feßet ‚man den Topf gerne an ein Fenfter, wodurch ihn die Sonnenftruölen wohl £reffen ‚fondern auch nachge⸗ hends in dem Garten, mu Am ein —
ad
— Zr F
0 monde Tuberoſe. 51
Pag zu ſeiner ordentlichen Stelle angewieſen werden. Am beſten iſt es, wenn er die Sonne den ganzen Tag it, indem die Tuberoſe ungemein viel Waͤrme lies ‚be. Dieß leßtere ift eine neue Urfache, warum fie eher im Topfe, als in dem Gartenboden gedeyet. ‘Denn wenn die Sonne auf den Topf ſcheint; fo iſt
die Hitze flärket, als wenn die Strahlen auf das: platz
te and fallen. Ganz vecht verfaͤhrt man .mmttider -Tuberofentopf noch dazu an eine Mauer "gejiclet
wird, wo die von derſelben —— eg
ie gleichfalls ergreifen. ls: ST Unfere Blume lieber, nebft der ie, — die Nie. Man muß fie auf. das fleißigfte begießen. Es iſt eine thoͤrichte Kegel, wenn Andreas de la Croix * feßet: Man folledie gepflanzten Knol⸗ len nicht eher begießen, bis die Erde ganz trocken ſey. Vielmehr iſt gleich von dem Pflan- zen an, bis nach der Blütezeit, immer dahin zu fer ben, daß die Erde niemals ganz frocfen werde, In den heißen und duͤrren Sommertagen verlanger das
Gewaͤchſe fogar alle Abende eine neue Befeuchtung,
Doch gießt man freylich jedesmal ganz gelinde, gleic) als wenn ein fanfter Regen darauf file, damit ein heftiger Stoß des Waſſers nicht die Erdtheilchen, die es in die Pflanze zur Nahrung führen foll, wies der mit ſich fortreiße. Beſitzt man aufgeſammletes Regenwaſſer, , fo ift daffelbe zum Begießen dag beftes Verurſachet das öftere Begießen, daß fich die Obers “er der Erde harte — ſo ruͤhret man
dieſelbe
In feinen Deliciis et arcanis Siorum. "Ein 1697: 8. auf der 42 ‚Seite,
—
52 Abhandlung I. dieſelbe ein wenig auf ‚damit. $uft und Feuchtigkeit | von neuen defto feichter eindringen mögen. Will die Erde oben ſchimmlicht werden; fo räumer man das Schimmlichte hinweg , und bringet, ſtatt deflen, friſche Erde herzu. Bey dickem Nebel und Duͤn⸗ fen den Topf aus der freyen Luft zu entfernen, iſt fo nothwendig nicht. Denn was die Pflanze von ders gleichen Dünften einfauget, verdünnee die nachmalige Sonnenmwärme in: ihr wieder, fo, Daß es allenthal« ben durch die Dunftlöcherchen der Blätter, Bluͤte und Stengel herausgeht, Mn —
Hat man den Topf nad) dem Pflanzen an einen Ort gefeget, wo ihn zwar Fein Froft, aber doch auch feine binlängliche Wärme treffen kann; fo pflegen mehr als zweene Monate zu verftreichen, ehe man etwas Grünes auflaufen ſieht. In dem mittelmäf fig.geheijten Zimmer, oder in dem Miftbeete, trei- ben die Knollen weit eher. Ein DBerpflanzen ver aufgelaufenen Stüde, welches andere* verlangen, ift ganz unmig, und hemmet auf eine Zeitlang das Wachsthum. NEE 4 Der in der Mitte des Krautes aufſchießende Stengel waͤchſet zweene bis drey Fuß, ja wenn der Topf eine außerordentliche fette Erde und guten Platz hat, vier Fuß hoch. Waͤhrend des Fortwachſens ſtecket man einen Stab dabey, und befeſtiget den Stengel hieran mit Baſte, damit ihn der Wind nicht einbiege. Schon im Auguſt, wenigſtens im Herbſt⸗ monate, ſtellet ſich die Blüte ein. Eine Blume bricht nach der andern an dem Stengel auf, und giebt
* 3. €. die gedachten Gartengebeimniffe, Ey & |
vonder TZuberofe. 53
‚den angenehmften Geruch. Am ſtaͤtkſten führer man ſolchen des Abends. Bringt man den Tubero⸗ ſentopf in ein Zimmer, wo Fenfter und Thuͤren ver · ſchloſſen werden; fo erfuͤllet der ſuͤße Geruch der Bluͤ⸗ te das ganze Zimmer ungemein, Ja er iſt fo durchs Dringend, daß er verfchiedenen Perfonen Mare wird, ' af ihr Kopf vertragen kann.
Im Herbft oder Weinmonate —— fi die Bim Daher laͤßt man keine Feuchtigkeit weiter auf die Pflanze kommen, ſondern ſtellet ſie an einem: Dre, wo fie für Regen und Thau Schuß hat. So ‚dann wird der Stengel trocken. ft er vertrocknet; fo ſchneidet man ihn nahe an der Erde weg. Wenn hierauf das übrige Laub gleichfalls duͤrre geworden; fo nimmt ınan die Knollen aus der Erde, reiniget fie von diefer, und verwahret fie, den Winter über an ‚einem luftigen, trockenen und ein wenig warmen Orte. Die ift beffer, als wenn man fie im Topfe bis zum Fruͤhjahre ſtehen laͤßt, wie Timotheus von Rol* und Here von Hartenfels ** wollen Denn warum foll,man die alte Erde den Winter hin- durch aufheben? Sie hat ihre Kraft, verloren, und». pfleget doc) im Fruͤhjahre weggefchüctet zu, werben, weil fie zum Wiedereinlegen- der Knollen nicht fo tüche Ä eig iſt, wie eine andere gute Erde. Ja, wo fie im SE — een | in big behalten bat; 12 |
an D3 beein 77 Seite feines neuen‘ lamenbleine, von 1687. 12. 4 *
In dem LT —— & al a we er Seite. pi * aueyſe nach
rn abi nr
wird fie den Knollen ganz ſchaͤdlich, indem dieſe des · wegen zu ſchimmeln und zu faufen’anfangen. Ed einige Perfonen die Tuberofe zwey Jahre hindurch ohne Umſetzen, in demſelben Topfe ſtehen, fo ni‘ daher die Blume nie beſſer, wohl aber fehlechter, -
Hat man es gewager, das Gewächfe in den *
dentlichen Gartenboden zu pflanzen, und- allda Sommer über gebührend zu warten; ſo muß man es vor dem Winter frühzeitig , ehe ein.eif eintritt, her⸗ aus nehmen. Sind Stengel und: Kraut alsdenn noch nicht trocken genug; ſo hebt man: den: Knollen‘ mit den Wurzeln fo aus, daß fie noch mit genugſamer | Erde umgeben bleiben, und feger fie fürs erfte in eis nien Topf, den man für Reif und Soft in Sicherheit bringt. So erfolget: denn bald Die nörhige Dürre
des Stengels und Laubes, daß man jenen wegfchneis;
den), und den — wüig von eo Ey —— hr Tann. 4 Den Winter Aber ſi nd die — * vor den |
| Mäufen zu bewahren. Man leget fie deswegen gang“
loſe in eine Schachtel, oder, man bindet fie mit einem Bindfaden ati einander, und haͤnget fie unter der Decke einer Stube fo auf, daß bie Bee öben, 3 und das $aub unten, fich zeigen.’
Es traͤget die Tuberoſe in un fern faken Ceg en⸗ den nicht leicht Saamen. Sondern wenn die vorbey iſt, ſo vertrocknen die Huͤlſen, worinnen das Saat kommen ſollte, und fallen nach und nach ab. Der beſte Saame iſt ſonſt der, welcher am naͤheſten
em der Erde, und in ben Hulſen am eg am Sten-
55
Stengel fich RR Wenn alfe der. Stengel bey» nahe ‚alle Blumen: hervorgebracht hat, fo ſchneidet man bie: ‚obern insgefammt weg, und läßt nur drey ober viere der unterjten zum Saamen ſtehen. Wollen ſich nachmals die Huͤlſen bald oͤffnen, ſo nimmt man fie ab, und aus denſelben die ſchwarzen Saamenförs ner Beraus. "Solche fäet man im Weinmonate, ganz duͤnne in ein Geſchirre mit guter Gartenerde, und laͤßt fie zwey Jahre unverändert darinnen ftehen. Doc) hat man fie, während diefer Zeit, vor der Käls te zu verbergen, auch mit Begießen, und fonft, wohl zu warten. In den zweyen Jahren entfpringen denn, aus dem geſaͤeten Saamen kaum ſolche Knollen, die zum Berpflanzen tuͤchtig find; - Sie haben noch nicht alle — einer kleinen Eichel erhalten.) =»
Wa” mah zen, Jahre hindurch unausgenom⸗ men ftehen läßt, es ſeyn nun die ganz jungen, oder auch alte fragbae Knollen, das hat man in dem ano dern Yahte, und vornehmlich, im Fruͤhlinge/ dadurch zu erfriſchen dag man gute feifehe Gartenerde oben auf die vorigjährige ftreuet. Hiermit hilfe man die» fer leßtern, die zumal durch das öftere Begießen fehr abgenußet worden, zu ziemlichen Kräften wieder,
In Indien und Italien kommt der Tuberoſen⸗ ſaame gewiſſer und beſſer zur Zeitigung ‚als bey uns. In Deutſchland geſchiehet die Vermehrung dieſer Blume gemeiniglich durch die jungen Knollen, die
fi) an die Mutter feßen, und gerne von derſelben abſondern laſſen. Wenn man alſo die Mutter in die Erde bringen will, fo nimmt man die Nebenknol⸗ — D 4 len
6 Abhandlung on Ä 2 uberoſe.
len gelinde von ihr eg, und pflanzet jedes: Stuck derſelben beſonders. In dem andern Jahre find fie ſchon tragbar. Ja noch in dem erſten gruͤnen ſie ſchoͤn hervor, und eines und das andere der groͤßern Stuͤcke koͤmmt wirklich zur Bluͤte. Demnach ge⸗ het die Vermehrung aus den Nebenknollen weit ger ſchwinder fort, als Die aus dem Saamen. WVerwahret man die Knollen den Winter ins durch ‚in einer Schachtel, fo darf dieſe weder an ei⸗ nem feuchten, noch gar zu warmen Drte, ihren Pla oben. Steher fie an dem erflern, fo faulen. die. Knollen leicht. Befindet fie fich an dem legten, fo keimet unſer Gewaͤchſe, ehe man fichs verfieht, zu⸗ mal gegen den. Fraͤbling. Thut es dieſes, fo * man am ſicherſten, wenn man es gleich nunmehr pflan⸗ zet. Will man die Knollen uͤbers Land verſchicken; ſo wickelt man fie in Baumwolle, und. Biernächft i in Papier. Man bevecker fie, nachdem ihre Reife weit * ai, auch mit mehrern Dingen , damit MN Froſt und —*T7 ſi icher RR wi | m Ögen, — saisahieyte
* = > N EEE At hl DH Minen, Bf a DS a a Zr ae 2 Zu a2 | U ERS BT 22 1 4
were ee Er ah DENN IT Ir Ic? —M N a * 333 Ira TE TEE * VI. 2
ünlerſuchung
» (4 8. Lebens - und
fr Sof des Homer |
u Aus dem Engliſchen überfegt: u EFT
m Epriftian item Agricola, F—
Poſoren zu Fienftäde in der —— Mannsfeld.
Dritter Abſchnitt.
Hoi ein jeder," der auf das. Steigen und | Fallen: der ‚Staaten Achtung giebt, finden, daß, nebft.den Sitten auch ihre Spiache Biefelben bendes.in ihrem Wachsthume, als in ihrer Abnahme begleitet... Die Sprache. ift Die, Ueberliee ferung unferer Gedanken; und. wenn dieſe edel, frey, und ruhig ſind, fo wird ihnen auch unſere Rede bey» des im Schwunge, als ihrem Inhalte nach, gleich· kommen. Auf dieſe Weiſe wird eine Zufammer kunft von geiſtvollen und verſtaͤndigen Männern, welche. die Angelegenheiten einer gs ‚oder‘ eines. Staates 7 zu
— uUnterſuchung des Lebens | zu beſorgen haben, - wofern fie: anders: ihre Befehle
nicht etwa unter der Hand von einem Höheren erhal ten, natürlicher Weife Redner und Beredtſamkeit | bervorbringen. Eben dieſe Maͤnner werden, wenn ſie ihre Stadt verlaſſen, und ſich außer derfelben um» ſehen, mit-eben. den freyen und ‚glücklichen Ausdrü- en vor den Gegenftänden fprechen, die ihnen ber Anblick der Natur darſtellet; und wenn in einem weis ten Sande viele dergleichen — ** ſind, die eine Sporache, aber in verſchiedenen fo wird vie Sprache —* den Fer —S erndten, und mit neuen Woͤrtern, Redensarten, und verblümten Ausdrücen bereichert werden, nachdent die Gemuͤthsart oder natuͤrlichen Neigungen der ver⸗ ſc iedenen Voͤlker beſchaffen ſind; da zu "Heicher Zeit ein jedes feine eigenen wird: genehm halten, weil fich ihre Vorſteher in ihrem freyen Staate derſelben be⸗ dienen, Man kann es nicht ohne ein Fleines Erſtaunen bemerfen, was der Anfang des menſchlichen Geſchlech⸗ tes vor eine veraͤchtliche Figur auf den Gemaͤ lden vorſtellet, die die Alten davon entworfen
9 . Cum prorepferunt primis Animalia terrie, i f „Mutum- et ie ad glandem atque propter, 50.51 V —** et pugnis, Abi fuftibus, atque ita * vrutnabant armis, quae poſt fabricauerat vſusz "Donec Verba, quibüs voces a nötarent, F
Nominoguei inuenere * — A 1 on ar en; inf | Dnapi ih A lo Si
u —*8 Sat. IM. 2 * eu’
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und den Schriſten des. Homerus. 59
WW ‚glaubten, allem Anſehen nach, dag die Sprache. die erſte Bezaͤhmerinn der Menſchen geweſen ſey, und ihren Urſprung von gewiſſen rohen zufaͤlligen - $äutten befommen: ‚habe, welche dieſe nackete Gefells ſchaſt von herumkletternden Sterblichen von unge⸗
fäbe ı ‚von fich gab. **,
Dieſes zum: Grunde gefege, fo. wird folgen, baß
fie diefe Laute anfaͤnglich in einem weit hoͤheren Tone
ausſtießen, als wir itzt unſere Worte thun. Sie wurden vielleicht veranlaſſet, wenn ſie in irgend eine Leidenſchaft, in Furcht, Verwunderung, oder Schmer⸗
zen *** gerierhen; und fie gebrauchten alsdenn eben
vieſen Laut, wenn entweder der Gegenſtand oder Zu⸗
fall wiederfam, oder wenn fie nicht wußten, wie fie.
at beſchreiben was ſie von ſeiner Gegen⸗ wart
er — *, 2 un @rANmAgS ; zadnsı 7272 as aulas wer mv av BurnIaun, 8 Moor TE OHPIQ- "ANZ ZHN ‚annAAuynuer „AA | x ounuadovrss zoarus SWEITAE , x vous sdrusde , "ua TaXvds avgoumy zu ex⸗de⸗ aan sa On wi Hapngapevd ‚AOTOZ sun as
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zearloırus auras, x va IIAOH xus rss DAZXONTAZ - Rare * xæ⸗ —Ao——— — ul. — Meran —
60 unterſuchung des Lebens
wäre fühleten. Es konnten auch nicht —
oder der Ton gewiß ſeyn; ſondern wenn ſie, durch die Wiederkunft der Leidenſchaft, in der ſie dieſelben erfunden hatten, angereizet, ihren Schlund weit auf⸗ thaten, und verfchiedene von dieſen lautenden Zei chen sufammenfeßeten, fo ſchienen fie felbige alsdenn zu fingen, Daher bedeutete avdzew anfänglich nur bloß fprechen , oder eine Stimme von ſich geben, welches ißt, mit: einer kleinen Verkuͤrzung, &dew; fingen heißt. Und daher rühren auch die alte Mey⸗ tung, die uns fo ſeltſam vorkoͤmmt daß die Poeſie „eher, als die Profe geweſen ſey ,, ; m — Der Erdbeſchreiber Strabo, ein: —— und mit dem Alterthume wohl bekanmer ‚Mann, ergäßlet | uns, daß Radmus, Pberesydes und‘. am erften den Wohfklang von der Rede — und das in eine Proſe verwandelt haͤtten, was her allezeit Poeſie geweſen wäre... Und der ſoſe bewunderte Beurtheiler des Erhabenen, hat in * Ueberbleibſeln einer Abhandlung, die wir unglücflicher Weiſe verloren haben, folgende merkwuͤrdige Gedanken: „Die Abmeſſung der Wörter, ſaget er, koͤmmt | „eigentlich der Dichtkunſt zu, weil dieſelbe die ver · ſchiedenen Leidenſchaften und ihre Sprache vorſtel⸗ „let, ſich der Erdichtungen und Fabeln bedienet, wel⸗ ‚che natürlicher. Weife MWopiklang u und Harmonie her⸗ „vorbringen. Aus dieſer Urſache erklaͤreten ſich die Alten in ihren gewoͤhnlichen Unterredungen lies Det in I DORt, als in — > ——
* Marder‘ * weis 70 ER vn —— en. J ELLE ar war Aubesı. . Kar Mu mas mudos aa mie Wars
und der Schriften des Homerus. -6ı
Haͤtte ich es mit einem andern zu thun, fo wuͤrde ich mir die Mühe nehmen müffen, den Zufammen- “hang zwiſchen dem erſten und. legten: Theile diefer Meynung zu zeigen: allein Zw, Hochgebornen ‚werben leichtlich einfehen, daß et dafuͤr hielt, daß das geben der Alten weit mehr allerley-Zufällen und Ges fährlichfeiten ausgeſetzet geweſen ſey, als da die Staͤdte erbauet waren, und die Menſchen von der Geſellſchaft und einem gemeinen Weſen befchüger wurden; und daß folglich ihre Reden auch weit hitzi⸗ ger und verbluͤmter geweſen ſeyn muͤſſen. Erlauben ſie mir nur hinzu zu ſetzen, daß die Zuſammenſetzung der Namen, Tragödie und Comödie, Tex ywdıaz'Ko- pudız, welche Vorſtellungen der alten Lebensart ma» ven, unftreitig beweiſen, daß fie urfprünglich gefüns gen worden, da fie: gefpielet, und nicht mwiederholet wurden, wie fie itzt geſchehen. Ich zmeifle auch im geringften nicht, daß nicht die erften Dinge, melche in Griechenland der. Schrift anvertrauet worden, als Drafel, Gelege, Zauberzertel, Weißagungen, in Verſen abgefaffer gewefen, Und doch hießen fie nur . bloß, Eren, Worte oder Neden *; wie fie aud) die a u sank Sof Mei, de ar apuoın zaraczwalerau. " Tavrapa zaı 0 was Sumargss MaAdor Tas oixsıss way Aoyns n aalat. — Aovyus #egı METPOT, awoszasuar. 6Es ſind noch ei Spuren von dieſem poetifchen Schwunge in den Abfchilderungen der morgenlandi: ſchen Sitten geblieben, welche in den alteften Nach: .. Fichten der Mauren und Spanier aufbehalten find; wo auf jeder Geite Mährchen vorkommen, und die Geſpraͤche von verliebten Materien in einer frepen Versart fortlaufen. Als zum Erempel:
Abena-
‘62 Unterſuchung des ebeus | erſten Rsmer;; saus eben demi-Grunde,; FATA nannten, von einem Worte; runde Er von ſich geben, oder ſprechen bedeutet deutet sr
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anc 3 Abenainar! ; — 20 Moro de la Moreriat its: re — 134 13332 id 0 >El dia que tu ‚nacifie al aan nd 57 Ghandef’ fennales avia: Mur I N
u. 2. Bflava Ja: Mar en Calma di no dl 2. Ba: Luna;Eftava — men
Maoro que en tal figno — nn san 137 Ne deve dezir Mentira. —— And in eben dem Geiſte: Ahr ı mariepe = Reduan! fife te acuerda *8 lg > 0. que me difte la Palabra, —— In — 5. Que me darias a Jar— 1 en una noche ganada: ‚ ara "2%. Reduan! di tu lo cumples ° ° .lny - darede paga doblada: II SPRITZEN E J fi tu no lo cumplieffes vls
defterrarte he de Granada, J— Hiſtor.de las Guerras eiviles ——
Dieſe Romane ſind ſo alt, daß ſie von den Arabern | als Beweiſe ihrer Gefihichte gebrauchet werden. |
® FARI: Das hiervon abgeleitete Wort war anfangs in der. einzelen Zahl nicht gebräuchlich ; fondern fie nannten diefe Dinge gemeiniglich Fata Jovis , ich glaube von dem alten Drafel zu Dodona, dag. dem Juviter geheiliget war. So ſaget Virgil der große Nachahmer der alten Sprache: Et fic Fata Jovis poſeunt. Aeneid. VI. Jedoch nach der Zeit erhielt es, vonder Wichtigkeit des Inhalts, die gegenwaͤr⸗ tige — Die wrichen machten, da ß e ſi ch
doch dem fen, wie ihm: fen, fo ift fo viel gewiß, daß die erften Theile der Sprachen, die fuͤt Mutter⸗ ſprachen gehalten werden, größtentheils raube, uns abgeaͤnderte, unperfönliche einfplbichte Wörter find, welche gemeiniglich die -heftigften Leidenſchaften und Gegenſtaͤnde ausdruͤcken, die am meiſten ruͤhren, und ſich in einem einſamen wilden Leben von ſelbſt |
EzR,: 52 Pr . 2 1?) 4 sis 3,4 3 J u I
Nun ' 3 Dit: % U 33% IE "Aus einer genaueren Nichtigkeit zu -befleißigen anfiengen, ein zufammengefegted Wort von dem einfachen Sara, und nannten es Orrpara; nicht nur Reden, fondern Reden Gottes, ©xos Dara: Gate yıntı m ° Ha.diefer Weg den Urſprung einer Sprache aufzu⸗ „‚fpüren, diefelbe in ein ungemeines Licht feget, fo wird es nicht undienlich ſeyn, dieſes mit ein paar _folchen Exempeln zu erläutern, die am meiſten mit‘ der or⸗ dentlichen Art zu leben verbunden find. Die beyden gebraͤuchlichſten Wörter, die im Sebraͤiſchen Speife und Nahrung bedeuten, Lechom und Terepb, bedeus . ten ju gleicher Zeit dag eine Sechten, und das andere Raub oder Gepluͤndertes. Gur heißet auswärts geben reifen, und die beygefügte Net deffelben, ers ſchrecken, in Surcht feyn: und Ger oder Gur, ein _ Seemder, und ein junger Loͤwe. Das alte Wort im Sriechiſchen, daß Reichthum bedeutete, Ana, bedeu⸗ . tet urfprünglich nicht8 anders ald Raub, die Frucht - des Krieges und der Geeräuberey , und koͤmmt von Aaw, abigo, her, von welchem das noch gebräanchliche Wort ano feine Zeiten bildet: und die vielen ver> Beisein Wörter, die fie haben, Gutes und Befferes mit anzuzeigen, baben\.ihren Urfprung von der Staͤrke und GBemeltibätigkeit bekommen.‘ Dieſe verſchiedene Bedeutungen eines und eben deffelben _ Worts, welche bey allen Mutterfprachen wahrzuneh: men find, muffen denenjenigen, Die mit ber befondes | sen
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64 Hnlinterfuchung des Lebens Aus ei ‘Folgerungen: erheller, daß —— Sp die auf Die oben, befchriebene Art gebilder worden, voll’von Metaphern, und zwar der fühnften, vermegenften und nactuͤrlichſten Metaphern bat ſeyn muͤſſen. "Denn Wörter, die gänzlich von der rohen ie nein r und: in Een * Leiden⸗ Br fehft,
— Art und — derſelben betann find, zu einer ſtarken Heberzeiigung dienen. Die ausnemachte Urſache davon iſt die: Berbindung ‚welche, dieſe ver: ſtchiedenen Bedeutungen mit den damals: herrſchenden Sitten hatten. Einige von diefen Verbindungen find in einer wohleingerichteten Lebensart, und bey der Veraͤnderung der Sitten verloren gegangen : . andere - aber bleiben noch beftändig,, als zum Erempel: 30: ..nab, Caupona, Hofpita, und Sonab, Scortum, er retrix, Hhasbar, reich werden, und Bhaſar, Zehenden bekommen, ein, Hrieſter ſeyn nebſt dert andern von eben der Art. Allein es giebt. —* einen Begriff von einer ſehr abſcheulichen Lebensart, wenn mir finden, daß das Wort RKarab, welches fo - „viel. heißer, lg ſich naͤher zu jemanden mad * Er binzumachen, zu gleicher Zeit fo viel eek er "ald .. Fechten Brieg fuͤhren; und davon. koͤmmt das Wort RKerab, eine Schlacht, ber. Diefes. erinnert mich - an das erfchreekliche Bild, ‚welches uns —— re bat. ;
u De
Hr xgoras nina Gurss ar 'arandar la PR ‚Bene ngsıccw de Tor nTroVA dare. Ku —* nn Zehen Emmsigıns gas Madnn. BB. %
Der Bater- Ricci ſaget in feinem. chriſtlichen Zuge nach China ausdruͤcklich daß ihre Sprache bloß in
‚einfplbigten Wörtern beſtehe. Eben dieſes ſcheint auch bey den alten Aegyptern ſtatt gefunden zu haben, fo, wie wir es ſelber an dem größten Theile der Bor: | — Sprachen bemerken: hnunen. AIR,
-
und der Schriften des Homerus. 65
ſchaft, als: Schieden, Zorn ; odverMangel;! (welche gar leichte'den Menſchen einen Laut auspreſſen, ) erfunden worden, werden dieſes fanatiſche Weſenund Schrecken ausdruͤcken, seine Geſchoͤpfen begegnet, die wild und wehrlos leben *.Wir muͤſſen uns ihre Rede, als gebrochen, ungleich und ſtuͤrmiſch vor⸗ ſtellen. Ein Wort oder Laut vertrat, nach) Befchaf- fenheit feiner Gleichförmigfeit mit vorfchiedenen Des griffen, die Stelle fuͤr ſie alle, eine Eigenſchaft, die wir oͤfters faͤlſchlich fuͤr Staͤrke und Nehdruck hal⸗ ten, da fie doch ein wirklicher Mangel fr Jedoch laſſet uns nunmehro «einen aber Weg nehmen, und ſetzen, daß die Umſtaͤnde der rohen Ges ſellſchaft ein wenig beſſer geworden; daß ſie anfangen ihre kauderwelſche ſelbſt gemachte ·Sprache zu ver⸗ ſtehen, in einer ertraͤglichen Sicherheit leben, und ſich in Freyheit befinden, ſich rund und ſich herum umzu⸗ ſehen: in Be a wird die — und RE ——— das *At varios Lnure — —;X kübegit Mittere; et —2 — nomina rerum. 9 rg — — —J x Nam fnit ——— tempus, cum in agris 'homings . . paflim, — more vagabantur, et — —— ferino vitam propagä ant; nec ratione Animi quicquam, ſed pleraque viribus Corporis adminiftrabant. Nondum
diuinae religionis, non humani offieii ratio colebatur. —
Nemo legitimas viderat muptias; non certos quisquam
infpexerat Liberos: hon jus aequabile, quid vtilita-
tis haberet, acceperät. Ita‘propter errorem atque
infeitiam, caeca ad temeraria dominatrix animi cupi- nouditas ; ad fe explendam viribus * ——
— —— Satellitibus.
* =» we .:M, T. Ciceronis ———— Lib, 1.
3 Band, E
66 . Unterfuchung des Lebens das Erftaunen nachfolgen. ‚Die Verwunderung ift
die eigene Leidenſchaft roher und unerfahrner Sterbli·
chen, wenn fie von Furcht befreyet find. Der große
„Kunftrichter unter den Alten hat fie den jungen
‚Leuten zugefehrieben : ein mwißiger Kopf von den
-Meuern leget fie dem Frauenzimmer bey, und einer ‚von den feineſten Aufſaͤtzen, die in unferer Sprache
geſchrieben find, fehränfer fie auf die YTarren ein. ‚ der Kindheit der Staaten etwas ähnliches von der Öffentlichen Berfaflung an fich haben: fie haben nur diejenige Art, ſich auszubrücen, welche ihnen die rauhe Berbefferung der Zufälle, die vielleicht erſchreck⸗ lich’ genug geweſen, und die fie ausgeftanden, erthei- len Eann. Sie find unwiſſend und ohne Endzwecke, und werden von der Furcht regieret, unddem Gefähr- ten derfelben, vem Aberglauben. Es ift eine unge * Leere in ihrem Verſtande; ſie wiſſen weder, was ſich zutragen wird, noch auch nach was vor ei⸗
ner Ordnung die Dinge ihren Lauf nehmen werden.
Ein jeder neuer Gegenftand frifft fie unbereitet an;
fie ftarren und fperren das Maul auf, wie Kinder, melche die erften deutlichen Borftellungen befommen. Se Worte druͤcken dieſes ‚was fie fühlen * aus; nd rg menla no — —RX — Kivorrss un nxosor aA one ——— J * Artyaıoı neg@aıcs » Toy mungor KW EQvpov sin Farra. Au). ‚IPOMHO@ETE: Diefe Nachricht von den erften Eterblichen iſt von dem gelehrten und fcharffinnigen Weltweiſen beſtaͤtiget:
Üınos va Tas mewrus, sure yayanıs yon, ar un DIo-
GE
Es ift gewiß, daß die Menfchen überhaupt in
Ps
und der Schriften des Homerus. 67 und gleichwie die Entfernung von dieſen Laufſchran⸗ ken der Unwiſſenheit und Verwunderung bis zu dem Stande eines weiſen und erfahrenen Mannes, den wenia Dinge in Verwunderung fegen, und dem: die Schickfale der Völker , und die Gefege und Schranfen unferes Zuftandes befannt find, fehr groß ft: ſo iſt auch nach Proportion die Sprache beſchaf⸗ ‚fen, und trägt die Zeichen von den dazwiſchen aufge fürten Schaufpielen an fich.
Es wäre etwas leichtes , Diefe Mennung mit vie⸗
fen grammatifalifchen Erempeln zu bemeifen; allein fie koͤnnen nur von Männern verftanden werden, die, wie Ew. Hochgebornen, e8 in ihrer Gewalt ha⸗ ben, ſich derſelben nach ihrem Belieben wieder zu er⸗ innern. Ich will nur bemerken, daß die Türken, Araber, undı Indianer, und überhaupt die meis ften Einwohner des Orients, eine ein einfames $e- - ben führende Art von Volk find. Sie reden nur fel« ten, und niemals lange ohne Bewegung; wenn fie aber, nach ihrer Art zu reden, ihren Mund aufthun, und einer feurigen Einbildungskraft freyen Lauf laß fen, fo werden fie poetiſch und voller Metaphern. Das Sprechen ift unter fo einem Volke eine Sache von Wichtigkeit, wie wir aus ihren gewöhnlichen Ein: leitungen abnehmen fönnen; denn ehe fie ihre Ge danfen zu eröffnen anfangen, fo berichten fie, daß fie ibren Mund auftbun; daß fie das Band ih⸗ ver uch loͤſen; — ihre — erſchal⸗ 2 len
eus Tıyog u, euuus sa" was FES Fugovras na
TUR BIANTUS , WE% na Atysraı xaTa Toy Yayava. en Torırin. Br
63 Unterfichung des Lebens‘
len — und mit ihren Lippen ſprechen
wollen *Dieſe Eingänge haben eine große Aehn⸗ lichfeit mie den alten Arten der Vorreden in dem Homer, Hefiodus ımd Orpheus,/ worinnen nn nen Dirgil zuweilen ‚nachfolget. = = Wenn demnad) eine unverbrüchliche und hoth⸗ 5 Verbindung zwiſchen der Gemuͤthsbeſchaf⸗ fenheit einer Nation und ihrer Rede ſtatt findet, ſo
muͤſſen wir glauben, daß in dem Anfange einer je⸗
den Sprache eine Vermiſchung von Einfalt und Verwunderung angetroffen werde; und daß ſich die Mundart mit den Umſtaͤnden und Neigungen eines Volks zugleich verbeſſern muͤſſe. Wenn wir die, welche chomer redete, naͤher betrachten, ſo finden wir, daß ſie keine urſpruͤngliche iſt, ſondern von ‚andern weit älteren abgeleitet worden‘. Doch. fehei>
net. fie von einem ſehr Eleinen Stamme , den die
‚Pelasger ** und alten Einwohner der mitternädht-
lichen Theile von Griechenland redeten, entiproß
fen zu ſeyn. Den größten Theil ihrer Zufäße befam fie von Afien, ram REN >
* Man fehe die arabifchen Dastschräße, ) nee aus
diefer Sprache uͤberſetzet ſnd.
** Te yaynızss yap cm eyw was EU
Ins TIEAAZTOY, runs de yns AERNYETRS 1 mar
Eus Ö” Avaxtos suAoyus szaWwuo ihr
Tevos TIEAASTDON' nv Te xagreras —
Kaı wacay Aluν us de AAyos egxeras
Zrguum TE mwgos Qvrovros mAıs ngurw. * Aα. IKETIAEZ.
«
und der Schriften des Homerus. 69 die Vermittelung von Cypern und Rrera *% Dies fe; amd andere Inſeln, welche vornehmlich unter der Bothmaͤßigkeit Der Rarier flunden, wurden am erften bevölkert ‚und im den zum geben norhmwendis gen Künften unterrichtet. | Sie liegen den Kaufleus ten,’ die aus den itzt benamten Laͤndern ſeegelten, am bequemſten; und es waren entweder Aandelsleute, oder Perſonen, die ſich wegen irgend einer verwege⸗ nen That, die ſie zu Hauſe **verüber hatten, ges nörhigee ſahen, auswaͤrts zu reiſen, welche die erſten Unterweiſer der alten Griechen abgaben **8.. Dieſe Zufaͤlle begegneten einer Himmelsgegend, welche die Menfchen eben nicht zur Einfamfeit ges neigt macht, und den Müßiggang verbietet.‘ Die Mothrvehbigfeif der: Arbeit und Erfindung ; ein wachfender Handel, und, mehr denn fonft irgend et⸗ was, Die Menge von niemanden‘ abhangender Res gierungen, und aufeinander eifrigen Städte, brachte gar bald eine edlere Sprache auf, als irgend eine von den Müttern war, Sie war ap eins u ae RRLEHZ RR fälig, * (Kenn n 2 warn erıurdı 74 Yaraoon PB web van
„EAAHNEN aögunera zegı ıuı Iaraccay warlar. Agısoreri. ‚Hörırix. PB.
* Danaus, Kadmus, u. f. w. Siehe die Marmora Arundel. Epoch. 9. betreffend Neyraxoyrogos: UND die Bee Anmerkung. h
* To⸗ PTTEEL 2777777 xeovor, 7; Kyle ev rois Baedapois
Toy —R& — ngievv apxev: Kaı Aavaos ner 4 „Aryualıs Geuyan, Aepyos xæ ⁊ x. Kudlos ds 0 Zudwvog "ou eßaoıravos. Kages TE Tas Nuoss narwusr. TleAo- — de ovuracns o Tayızıs Hero) autalnce.
ö . -Iroxgal. EAsın; Eyrwwıov,
— a — und — wie =“ * Ihre politiſche Schreibart wuchs mit ihrer buͤrger⸗ lichen Verfaſſung, und war in ihrer Groͤße, als ſie die meiſten Angelegenheiten von dieſer Art, und von der aͤußerſten Wichtigkeit zu beſorgen hatten: und wenn ſie ein wuͤſtes kriegeriſches Volk ihrer Frey⸗ heit beraubt hatte, ſo nahmen ſie ihre Zuflucht zu der Weltweisheit und Gelehrſamkeit. Die Rathsver⸗ ſammlungen eines freyen Staates werden vermittelſt des Sprechens unterhalten, und dieſes fuͤhret gar bald die Wohlredenheit und die Kuͤnſte zu uͤberreden ein. Wenn dieſelben —* oder in dem gemeinen Weſen gefaͤhrlich werden, ſo legen ſich die Menſchen auf minder ſchaͤdliche Gegenſtaͤnde. Dieſes waren die merkwuͤrdigen Zeitpunfte, mel
che die griechifche Sprache durchgangen if. | ‚gieng ganz gemächlich durch Diefelben „ und * Zeit von einem jeden einen Eindruck zu bekommen. Sie daurete lange , und überlebte die lateinifche weit, wie fie auch vor derfelben ihren Anfang nahm, Die Urfache war, daß die Griechen, mitten unter allen Unruhen ihres Landes, dennoch beftändig Frey⸗ beit und Befchäfftigung genug hatten, entweder mit öffentlichen Angelegenheiten oder mit der Gelehrſam⸗ feic, um etwas von ihrem Geifte und ihrer Sprache am $eben zu erhalten, welche allemal unferen Glüdsfällen folgen, und ſich nach unferen Umftänden und Zuftande richten wird *. Denn wovon reden wir denn wohl anders? Aus — Grunde muß
eine
e Format enim ı Natura prius nos Zune ad omnem Fortunarum habitum — Horat. —
und der Schriften des Homerus. 7r eine blühende und gluͤckliche Nation, die im Anfange Feine übertriebene Zucht gehabt hat, und nad) einer ‚fangen Bemühung und vielen Berfuchen zur Boll kommenheit in’ allen Friedens, und Kriegesfünften gelanger ift, eine ſolche Nation muß die edelfte Sprache reden; fie hat aber auch Dagegen wegen der Unbeftändigfeie der menfchlichen Dinge, für ihre Dauer feine Sicherheit,
Nach fo einer: Ausführung erwarten Ew. Zoch» gebornen fonder Zweifel, was endlich zulegt here aus kommen wird? Es iſt diefes, mein Lord! „Da die griechifche Sprache, Durch den oben er- „wähnten Fortgang, fo weit gebracht war, daß fie „alle die beſten und vortrefflichften Empfindungen
„der Menfchen ausdrücken Fonnte, und einen hins SR Vorrath von ihrem urfprünglichen,
„in Erftsunen fegenden, metaphor iſchen er⸗ ſten Anfange behalten hatte; in diefem zeitpunkte Achrieb Homer.
Sch weiß nichts, das uns von der Wahrheit diefes glücklichen Umftandes beſſer überführen fönnte, als wenn wir die Erſcheinungen der Gottheiten betrachten, die er in fein Gedichte eingeführet hat. Der größte Theil derfelben ift natürlich , und fie find, wenn mir die ägyprifchen Allegorien, welche er ges meiniglich feinen Göttern * in den Mund legt, auss ‚nehmen, in der herrſchenden Sprache des Landes er⸗ sähler. Es ift in der J— iu einer Regel ges
macht, ua
* Wenn der Dichter — in ſeiner eigenen Perſon erwaͤhnet ; fo führt er fie gemeiniglich mit gar, fie ſagen, ein.
72 Unterſuchung des Lebeng
F I: man den gemeinen Begebenheiten, bes. Lebens ihre einfaͤltige Tracht ausziehen, und ſie „einer höheren Gewalt zuſchreiben ſolle, damit ihre
„Wuͤrdigkeit unterſtuͤtzt werde; dem; lebloſen Dingen „aber muͤſſe man ein: Leben ertheilen, ‚und fie. mit
„einer Perfon und‘ ſich dazu ſchickenden Eigenfchafe Iten bekleiden: Allein es glauben wenig, daß die gewoͤhnliche Sprache zu der damaligen Zeit se taphoriſche Kleivung getragen habe. Indeſſen wür>
de es fonft nicht zusentfchuldigen feyn, wenn man poe ⸗
tiſche Ausdruͤcke in den Mund eines andern, als des
Dichters ſelbſt legen wollte; Es wuͤrde wirklich eine
falſche Schreibart ſeyn, und es iſt ein gemeiner 3
Sehler in vielen vortrefflichen Werfen, Den große Abichreiber des Homerus, welcher ein.
würdiges. Gedichte aus den: zwey ‚andern. verfertiget hat, ſcheint einem recht aufrichtigen Richter, in die⸗
ſem Stuͤcke ſeiner Urſchrift nicht, gleich gekommen zu
ſeyn. Es iſt der ſinnreiche Monſ. de la Motte,
von dem ich rede, welcher den Aeneas für einen bey
weiten zu großen‘ Dichter: hält und geſteht, daß er nicht umbin gekonnt: habe, ‚biefe uneigentliche Urt fich auszudrücken, Durch das ganze andere und dritte Buch der Aeneis zu fühlen ; allwo der Held in feiner Erzählung niche minder verbluͤhmt und figuͤrlich iſt, als der Dichter ſelbſt in der übrigen u 50. |
Daß Virgil fo lange nad) dem Feldzuge Des
— und in einer, für die- damals üblichen Sit⸗ ‚ten
* Siehe Boileaus Dichtkunſt.
* Difcours fur P Ode: et Refponfe "4 Refle&ion de
Monf. Defpreaux fur Longin.
/
und der Schriften des Homerus. 73.
ten viel zu ausgeputzten Sprache gefchrieben hat, das Bias Sebler nur deſto merklicher. Allein, in dem trojanifchen Zeiten hatte ihre, Sprache. ſowohl, als ihre Sitten, noch vieles von der morgenlandiſchen
rt am ſich Ihre Gottesgelahrtheit war, eine Fa⸗
l, und ihr moralifcher Unterricht, ‚eine allegoriſche Erzählung. Wenn Drismus um den $eichnam feines erfchlagenen. Sohnes „bath,,. forteöftete ihn - Achilles mit einer parabolifchen Geſchchte von den Gefaͤßen, aus welchen Jupiter einem jeden Men⸗ ſchen feinen Theil von Gluͤck und Ungluͤck austhei— let*; und Glaukus erzaͤhlet dem Diomedes: „Wie die Blaͤtter der Baͤume erſt hervorſprießen, „und hernach abfallen; 6 find Pie — der sfterhlichen Menſchen rn. ren sh
Vierter Abſchutt Jet der Mütter, von welcher Seife, —
abſtammet, den gemelnen Sitten, unter wel⸗ hen fie gebildet ift, und dem Ecitifchen“ Zeitpunkte br Dauer, hat den vornehmſten Einfluß in dieſel⸗ be die Keligion des Landes, und die Sitten der Zeiten. Dieſe letzteren Härten mir unter den ges meinen Sitten der Nation begriffen werden fon> nen; allein ihr Einfluß, vornehmlich) in die Art und den Geiſt der Sprache, iſt groß genug, um eine Pefondere Betrachtung zu verdienen.
Ich werde bald Gelegenheit haben, * ler fprung beydes der oe Zee als Be: J az
* Dias Pr Kai ir
uUnterſuchung des ebens
ur te näher zu unterfuchen. Vorige ift es hinlänglid) zu fagen, daß fie von der großen Murter beiliger und bürgerlicher Stiftungen, dem Rör nigreiche Aegypten herfamen. Diefes weife Volk ſcheint die Zuͤgel der menſchlichen Leidenſchaften, und die Art, eine weitlaͤuftige Geſellſchaft zu he ren, fehr zeitig bemerket zu haben. Sie fahen die allgemeine Neigung der Menfchen, dasjenige zu bes wundern, was fie nicht verftehen, und eine Ehrfurcht für unbefannte Kräfte zu hegen, von denen fie fü ch einbiſden, daß ſie ihnen viel Gutes oder Boͤſes zus, fügen Fönnen, Sie richteten ihren gottesdienſtlichen Glauben, und ihre feyerlichen Ceremonien nach die⸗ ſer Gemüchebefchaffenheit ein ; machten ihre Gebräus ‘che gebeimnigvoll, und: überlieferten ihre allegoris fehen $ehren unter vielen Binden einer tiefen und frommen Heimlichkeit. 3973
Q TEKNON!ZYAETOIZI NOOIZIL DIEAAZEO, TAOZEHN
EYMAA’ BIIIKPATENN ZTEPNOI2I A"ENSEO OHMHN”.
So fomm, mein Sohn! berbey mit achtfamem Ge: muͤthe,
Die Bun halt im Zaum; bewahre in der Bruſt
Den Goͤtterſpruch —
Daher koͤmmt jene Menge von zen En zahlungen die Götter betreffend, welche die erften griechiſchen Weifen, die nad) Aegypten reiſeten,
gewiß verſtunden und * Juͤngern auslegten **, si unter
Bi Oepeus we Meseuier. In fragment. Oehınoı Erur. ** Diodorus, der Sicilier, füget, nachdem er die na⸗ gürliche Bedeutung der Allegorie, daß —— * ohn
\ N
* ax
und der Schriften des Homerus. 75
unter welche ich, nach einigen Gefchlechten, : den. Heſiodus und Homer rechne, Allein da ſie nach⸗ bero indie Hände gewiſſer, mit einer: hißigen Ein⸗ bildungskraft begabter Menfchen geriethen, welche, glaubten, daß fie fo gut erfinden: fönnten,, als ihre: Lehrmeiſter, wurden: den erftern-wiele muͤndlich übers lieferte Erzählungen angebänget ; Die zumeilen unges ſchickt genug/ zuweilen 'aber fo befchaffen waren, dag fie in einer buchftäblichen Erzählung ein ertraͤg⸗ liches Stuͤck ausmachten, aber; lauter Berwirrung anrichteten, wennman fie. bey der Allegorie an- - wenden. wollte. Dergleichen find alle die IPOI AOTOI, (heiligen Weberlieferungen.) deren fo ofte von dem Herodotus gedacht wird, mit der Er⸗ Flärung, daß er es nicht wagen wolle, fie bekannt zu machen; und von’ eben Diefer Arc ift auch der ©EIOZ. AOTOZ, die göttliche Ueberlieferung, die Drpbeus feinem liebften Schüler empfiehler, und von dem erften Vater zu einem ganz anderen Endzwecke angeführet war *, S. ; Dieſer allegorifche Gottesdienſt fand, da er nach Griechenland verpflanzet wurde, an demſelben ei-· —— nen Sohn des Jupiters und der Ceres, oder daß der Wein die Frucht der Erde und der Feuchtigkeit ſey, dieſe merkwuͤrdigen Worte hinzu: ovußarn de vera awah Ta Ta dmzuna, dia zwr OPÖIKNN TIOIHMATDN, xaı TE FAGNCAYOUNE NAT Tas TaAITAS, wur ar 5 Sans weis anugreis ssopew va ala magos. Buß. y. Welches die eigentliche Befihaffenheit und Abficht der orpbis ſchen Sebrauche deutlich zu erkennen giebt. "_# Eis da @EION AOTON PArlas, Turw wgoredeme. Iuftin. Martyr. O Aoyos wapawsTinos areos EAAyvas,
nen ” eine chen" Beähfeifehe — Boden.) Erſchlug in den: Gemuͤchern der Grie⸗ chen. tiefe Würze, "als welche graͤulich unwiſſend/ und von keinen Nebenmeynimgen worher eingenom⸗ men waren Sie machten von ihrer eigenen Art Zuſatze jr demſelben Hund er war in wenig Men⸗ ſchenaltern ihren Sittenreinverleiber, mit der Spra⸗ che verwiſcht, und gewann einenallgemeinen Glau⸗ ben.“ Sdo war er befehaffen, ais Homer in der Belt erſchien Er hatte feine: munterſten Kräfte serreicher, und die Anmuth der Neuigkeit und Ju⸗ „gend noch nicht· verlorenDas iſt die Kriſis, Werte ſich (ein jeder befleißiget, in der herrſchenden Schreibart zu reden; und dieſes mit der fruͤhzeitigen metaphoriſchen Art der Sprache zuſammen genom⸗ men / macht einen: wichtigen Grund aus, warum wir in den’ alfen Schriſten —* a. Allegorie — 3 la rl man Wir haben Bänfige ——— wie * der feſte Slaube einer Sekte macht, daß die Menfchen im der genehmgehaltenen Redarr fprechen und ffhrei- ben. Sie’ führen diefelbe in ihre Angelegenheiten ein, fpielen auf fie an in ihren Ergoͤtzlichkeiten, und enthalten. fich ihrer in feinem Theile des, $ebens; vornehmlich. wenn fid) Die DR in ihrer Blüche, und gluͤcklichſtem Zuftande zeiget. Denn Ew. Hochge⸗ börnen wiflen, "daß dieſe Dinge bey. den Alten ih⸗ ren Frühling und Sommer ſowohl halten, als. die natüiclichen Gewaͤchſe; und daß, fie nach einer ges wiſſen Zeit, gleich, den alt gewordenen Pflanzen, die Schönheit und Leben verloren, nicht geaghret wur⸗
den, und zuletzt gar vergiengen. Was
chri ten des Homerus. 77
Was die Dichtkunſt weiter vor Vortheile von einer ſo gebildeten Religion einerndten kann, das wird weiter ‚unten zu erſehen ſeyn. Laſſet uns nuu⸗ mehro die. Sitten der Zeiten betrachten, darunter ich die Handthierungen und Studien. verſtehe, die im Schwange I find, Fund denenjenigen, die fie in ein nem vor zuͤglichen Grade; befigen, ‚bie meie eo gumeg? vbringen, 4 Sie folgen benfalls den: Stäcsumftänden einer Marion, Bey dem obengedachten Foregangte find Diejenigen Künfte, ‚die dem menfchlichen, Leben. den ‚größten Nutzen verfchaffen, ich meyne die, fo-unfere natürlichen Mängel erſetzen, die erſten, welche ihre
‚Erfinder berühmt machen ; mit der. Zeit aber, wenn.
ſich der Reichthum eingefunden hat, ziehen die Aus⸗ beſſerer des Bergnuͤgens und die, Spfinber der Pracht unfere Aufmerkfamfeit auf fichs -,
Aus den Nachrichten, die wir allbereite von dem
Zuftande Griechenlandes gegeben haben, iſt leicht
‚zu ſchließen, daß, „da; Homer lebte, die Erſte⸗ „ten noch beftändig die vornehmften gervefen ſeyn „muͤſſen. Ein gluͤcklicher Umſtand, der ihn für zwey Laſtern bewahrete, welchen der vortreffliche Londgin den Verfall der Dichtkunſt ſchuld giebt; für einer unerſaͤttlichen Begierde nad) Reichthum, und was cr aryevesarov Tla$os nennt, eine. nieder-
trächtige Muth benebmende Leidenſchaft, für
Die Liebe zu en Be au ıffen waren zu der Zeile in der &tar die
gehe aaa — und der Ei für ð das
3* gemeine A
E; Di ryes Trnun nd. cin Aauger. | |
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78° Umterfirhung des Lebens 1.
gemeine Beſte der geliebteſte Charakter. Ein Mann , der feine Stadt tapfer verttheidiget ihre Herrſchaft erweitert, oder fein Leben für ihre Sache eingebuͤßet hatte, ward als ein Gott verehret: die Siebe zur Freyheit und Verachtung des Todes, nebft
ihren edelften Folgen, der Ehre ’ Reduchkeit und Maͤßigkeit/ waren Wirklichkeiten. Die Noth
erforderte, wie ich geſagt habe, dieſe Tugenden *,
Ohne fie fand feine Sicherheit des Lebens oder Gluͤck⸗ feligkeie ftatt. Denn da ein jeder Staat, das will
fo viel fagen, beynahe jede Stadt, von ihrer krie⸗
‚gerifchen und anwachſenden Nachbarinn beneidet wur⸗ de, fo mußte man eines von beyden erwählen, ſich entweder mit der Schärfe der Waffen zu vertheidi-
gen, oder auf eine fchimpfliche Art der Untevorügtung |
Und Sklaverey zu unterwerfen. „Und es ift fein Wunder, wenn ein Menfch, der dieſe Tugenden von der TTorh und den Dingen \ \ „felber lernet, felbige beſſer verſteht, als ihn die ' „Schulen oder — darinn — ——— ——
„nen;
*0 * * xbeo⸗ axeiroc, Cdie Seiten des Thefeus, |
Eurz vor. dem trojaniſchen Kriege) nreyner arsgwna sh,
.xugw AV EEYoIS, x Kwodeo vaxgını „.x0 cunaTw e@- “Mais pas eoınav zmeeQuns xaı RramaTEs. mpas der va
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xaporlas vmegndara, naı amoAavorras 705 dvranews e ow=
Farı mas minpin , amı Tw agaren , ‚Amledas Ti, as - Napaıgn vo wagarınla. Ada de xaı dinaservm xaı A 70 ı0or as vo PiAartpmmeor , ws ‚wroiun TB adınem, na bobm 75 Adna, Tu worin swansıras N "ı-00plyug wegen To wm augen durauevss.
Mwragge @HBETZ. ., «
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und der Schriften des Homerus. 79
„nen; und daß die Borftellungen folder. wirkli⸗ „hen Charakter die Kennzeichen der Wahrheit. an ſich fragen, und jene, fo von erdichteren Ver⸗ ‚ „bienften und erfonnenen Muftern bergenommen „ſind, weit verdunkeln.
So ſehen wir alſo, daß die Gluͤcksumf aͤnde, die Sitten und die Sprache eines Bolts genau zuſammen verbunden find, und nothmendig einen Einfluß in einander haben. Die Menfchen erhals
ten ihre Empfindungen von ihren Gluͤcksumſtaͤnden; find diefelben fchlecht, fo ift es ihre beftändige Bes mühung, wie fie felbige verbeffern, find fie.aber gu, wie fie diefelben genießen wollen: Und
diefer Neigung richten fie beydes ihre Auffühe
* als ihren Umgang, und nehmen die Sprache, Mine, und Art an, welche der Beſchaffenheit der verſchiedenen Charakter eigen ift.
In den meiften gtiechifcben Stätten gewon⸗ nen eben die bürgerlichen Berfaflungen und Geſetze gleich eine ordentliche Geſtalt, als Homer auf. die Welt kam *. Die erſten Entwürfe derſelben waren uͤberaus einfältig ʒ indem ſie ihren Urfprung von
—— den © Gie hatten feine wohleingerichtete ‚Sammlung vom Geſetzen, ober ordentlichen Plan einer bürgerlichen * Berfaffung, vor dem Onomakritus. So ſagt Ari⸗
‚ ftoteles, Ovouaxpurs Yaronays agurs da L£i7) Noyo= Serum. Daul.o.
* —E yag wexass Nouxs Aay amABS Mas wo Aupßapızas. „, Rridngopogsrre yag 0 EAAnın, za Tas yuraszas —
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Agınor Ha. 8.
a Unterſuchung des Lesengtnn
oh Bein ſen der damals herrſchenden rohen Le⸗
bensart erhielten,’ Das große Geſetz der Gaſtfrey⸗ | beit machte den vornehmſten Theil der Unterweiſung aus. Einem Fremden Leid zuzufuͤgen, der feine
Zuflucht unter euer Dach genommen, an eubem· Ti⸗
ſche mit geſpeiſet / oder ſich ben euren Feuer nieder⸗ gelaſſen hatte, das ward zur groͤßten und allerverab⸗ ſcheuungswuͤrdigſten Gottloſigkeit gemacht. Die übrigen waren don gleicher Art; allgemeine Verbote der Gewaltthaͤtigkeit, oder ſich Anordnungen von Sitten die wir für unnoͤthig oder barbariſch halten twirden. Die Stämine fiengen nur erſt an, inner» Halb ihrer Mauren’ und neuen umzäunten Städre in Sicherheit zu feben, und hatten noch weder Zeit noch Geſchicklichkeit gehabt, ‚eine. häusliche gute Verfaſ⸗ fang over yunftmäßige Gefege einzurichten; und noch vielweniger ‚ an öffentliche gute Anordnungen zu den⸗ fen, wie ſie ihre Bürger aufziehen wollten. Sie iebten nach der Natur und wurden von dem natuͤrlichen Gewichte der Leidenſchaften regieret, fo vie es in eine jede menſchliche Bruſt gelegt iſt. Dieſes machte‘, daß fie ohne allen andern Zwang res Deten und bandelten, als den ihnen ihre eigenen an⸗ gebornen Begriffe von dem Guten oder, Boͤſen, Rechten oder Unrechten anthaten, nachdem ein jeder von innen getrieben wurde." Dergleichen „Sitten geben die narirlichften Gemaͤhlde, und be⸗ „queme Worte an die Hand, fie zu ſchildern, Sie häben eine ganz befondere Wirfung auf, die Sprache nicht nur in fofern als fie natürlich, fon- dern auch in ſofern, als fie aufrichtig und Auf, ſind. So lange als- eine. Nation einſaltis und nn, eibt,
und der Sthriften des Homerus. gu
bfeiber, fo bekoͤmmt alles, was fie fagen, von der
Wahrheit ein Gewichte. Ihre Empfindungen find
ſtark und redlich; und dieſe bringen allemal gefchickte
Worte hervor, fie auszudrücken *. Ihre Leidenſchaf⸗ ten find aufrichtig und vechefchaffen, nicht verfälfchee - oder verftellt, und brechen in ihren eigenen und unge»
kuͤnſtelten Redensarten und ungezwungenen Ausdruͤ⸗ ‚den aus. Gie; find nicht zu der Plauderhaftigfeie und ‚den kleinen artigen Manieren gewoͤhnet, die eine
gefünftelte Rede entkräften. Sie find auch nicht mie Spisfündigkeit und falfhem Wiße angefüller, als welche ſich beyderfeits in einem jeden Sande erſt fpäte zeigen, und in Griechenland lange nach den troja. nifchen Zeiten zum Borfcheine kamen. Und dieſes ift, nach meiner Meynung, die Urfache, „.mwarum Die
„meiſten Nationen an ihren alten Dichtern ein fo " „großes Vergnügen finden *,,, Wir fühlen, be
fie eine zierlihe Schmeicheley und eine geſchminkte
Falſchheit an fid) nehmen, den Nachdruck ihren
Worte, und die Wahrheit ihrer Gedanken. In dem gemeinen eben ift der wißige und ats tige Mann anigo, fonder Zweifel, der vorzüglichfte
Charakter: allein,er ift nur eine mittelmoͤßige Per,
fon und fein Held f; weil er eine Perfon vorſtellt, N: | fuͤr —3 Quin ipſe (Tiberius) compoſitus alias, et velut elu- -
‚&tantiuın Verborum, folussus promtiusque loquebatur, quotiens fubveniret. I) Tacitrus.
—— Graecorum ſunt antiquiſſima quaeque Scripta vel Optima — — 8 1Y | Horat.ad Auguftum Ep I. Lib. III.
. + Bellus Homo, et Magnus vis idem Cotta vidıri:
Sed qui beilus Homo eft, Cotta prfil/us Homo eft. “ Martial. Epigramun. Lib. 1. 10, 13 Dand.
!
82» Unterfuchung des Lebenß
für welche ſchwerlich ein Pag oder Raum in einen ; epiſchen Bedichte zu finden iſt. Bey einer Sache von Wichtigkeit, da die Gefahr erheblich ift, und die Ausführung Behutfamfeit und Much erfodert, witzig thun, das iſt pofienveißerifch und abgeſchmackt. Virgil roußte die Wichtigkeit diefer Nachahmung » der alten Sitten fehr wohl; und borgte von dem | Ennius feine altgewordenen Ausdrücke, und. den ftarfen veralteten Schwung feiner lehrreichen Gedan⸗ ‚Een. ga er hat fogar viele alte Gebräuche angenom» men, die bey Opfern, Spielen, und Einweihungen üblich waren, ja felbft Gefeßformeln, nachdem es die: Einrichtung feines vortrefflichen Gedichtes zulaffen wollte, Kt Kate we « 4 ⸗ Fünfter Abſchnitt. Ondem wir die Urſachen entwerfen, die den größten Einfluß in eine Sprache haben, werden wir auf einen Gedanfen gebracht, welcher den wahrhaftig. Tugendhaften Vergnügen erwecen muß. Wir < finden, daß ohne Tugend Feine wahre Dichrkunft ftatt finden kann. Sie hängt von den Sitten einer Nation ab, welche ihren Charakter bilden, und ihre . Sprache befeelen. Sind ihre Sitten. rechtfhaffen und aufrichtig, fo wird ihre Rede denfelben ähnlich feyn, und ihnen Gerechtigkeit wiederfahren laſſen. Und wenn wir höher- fteigen, und fie nicht nur als rechtſchaffen, fondern auch als edel und beldenmäfs fir vorausfegen, wie wir thun müffen,. wenn mir von Sitten reden, die ſich für die Dichtkunſt ſchicken ſol⸗ len, was iſt dieſes anders, als die Tugend ſelbſt, in — | aller
und der Schriften des Homerus. 83
aller ihrer Hoheit und Glanze? Ew. Hochgebornen muͤſſen dieſelbe zuweilen in dieſer herrlichen Kleidung geſehen haben, und werden es mir vergeben, wenn ich mich in die Unterfuchung eines fo liebenswürdigen Ge genftandes einlaſſe. ft dasjenige, was wir. den Hel⸗ denmuch nennen, ‚wohl in der That etwas anders, als eine uneigennuͤtzige Liebe zu dem menfchlichen Ger
ſchlechte und unſerm Baterlande, die feine Befabs .
. ren erfchreden, und feine Beſchwerlichkeiten er. miüden ? Wenn er diefeg nicht iſt, fo. muͤſſen die gefel« tigen Seidenfchaften, und die. edeljten. Neigungen, in einem epifchen Gedichte die Dberhand haben. Es iſt wahr, ſie koͤnnen ſich veraͤndern, und in verſchiedenen Charaktern auf eine verſchiedentliche Art zeigen: Sie koͤnnen ferner. ihre Schatten haben, und muͤſſen zumei-
n auf einem dunklen Grunde entivorfen werden, um &. eine Erhöhung zu geben; allein fie müffen doch allemal Die vornehmſten F Figuren auf dem Ges mälde fenn, wenn fie anders ein wirkliches und dauers haftes Bergnügen verfchaffen follen. Jedoch es biethet fih ein anderer Schluß dar, wel⸗
der fo feltfam zu feyn fcheint, daß man nicht weiß, was man damit machen fol. Denn Elinge.es nicht
etwas verrätberifch an dem Hofe des Apollo, zu ſa⸗ gen, daß ſich eine ausgezierte Sprache für einen : großen Dichter: nicht ſchicke? Und doch befürchte ich, wenn anders der Sag wahr ift, „.Daß niemand etwas „fchön befchreibt, als was er gefehen, und in Feiner „Sprache und Mundart mit Fertigfeit und als. ein „Meifter vedet, als in der, an die er fich gewoͤhnet „bat, ,, wir werden Demfelben benpflichten müffen.
Wem es nur bekannt iſt, was man eigentlich fuͤr die
3 Auss
—
uUnterſuchung des Lebens J—
ie der Schreibart hält, und welches die Ge genſtaͤnde find, die gemeiniglich i in diefer Art abgehan⸗
belt werden, ber wird es mir leichtlich vergeben, wenn ich mir Fein Bedenken mache, diefen Schluß daraus zu ziehen. Ich will nur bemerfen, daß das, was wir Auszierung nennen, eine Sprache verringert. Es machet manche Wörter veraltet; es fperret uns in einen Winfel ein, erlaubet uns nur eine einzige Gat⸗ tung von artigen Redensarten, und beraubet uns mancher vielbedeutender Wörter, und ftarfer fhönee Ausdrüde, welche wir, wie Dirgil, auf die Gefahr wagen muͤſſen, altoäterifch und baurifch zu feheinen.
Eine Sprade, die durch und durch nach dem heus tigen Verſtande ausgezieret ift, wird niemals zu der Einfalt der Sitten herabfommen, die zu der epi⸗ ſchen Dichtkunſt unumgaͤnglich nothwendig erfor⸗ dert wird: und wenn wir die Sitten erdichten, muͤſſen wir uns auch ebenfalls bemuͤhen, die Schreib⸗ art nachzuahmen. Ich habe allbereits gezeiget, was vor einen ſchlechten Fortgang wir von einem ſolchen
Verſuche erwarten koͤnnen; und es wäre etwas leichtes,
mit Exempeln zu beweiſen, daß weder Gelehrſamkeit noch Witz hinreichend iſt, uns fuͤr Vergehungen in dieſem Stuͤcke zu bewahren. Allein es iſt eine un—⸗ - angenehme Arbeit: Saffer ung dahero lieber ein Bey⸗ fpiel erwählen, wo wir eher loben, als tadeln, koͤnnen.
Der Name Kenelon ftellt uns das Bild eines
Mannes vor, der fi ich durch alle liebenswürdige Eigen fhaften bervorgethan bat. Gleich einem mächtigen
Zauberer, erweckt er in unferer Einbildungskraftächte Tugend, fürftliche Wiffenfchaften, und anmurbige
Sirten. Seine vollfommene Kenntniß des Alter⸗
’
\
” und der Schriften des Homerus. 85
thums, und ſeine reiche Einbildungskraft ſchien ihn geſchickt zu machen, die Folge der einfaͤltigen und lehr⸗ reihen Odyßee zu fchreiben. And doch wiffen wir, daß fein bezauberndes Werk der Eritif * nicht entgans gen iſt, und daß nur folche Theile davon derfelben auss
geſetzt find, die eine Dermifchung der alten und
neuern Sitten verfuchen, das ift, wenn er den alten Heldenmuth mit Staatstünften vereinigen, und die Dichtkunſt Staatsgruͤnde predigen laffen wollen.
Man wird es vielleicht nach dieſem für überflüßig halten, wenn ich bemerfe, daß ein mit einer unum« fchränften Gewalt verfehener Hof, einen fchädlichen Einfluß, beydes auf die Verfchiedenheit der Charaktere in einer Nation, als auf den Umfang ihrer Ausfprache haben muß. Wir dürfen uns nur rund um uns hers um umfehen, wenn wir gewahr werden wollen, wie
manche von den feinften Sändern in Europa unter -
betrüglichen Geſetzen, und einer willkuͤhrlichen Regies rung feufzen, und unfelige Bemweife von der Wahrbeit dieſer Anmerfung abgeben, Unter ſolchen Regieruns
gen werden niche nur Sachen von Wichtigkeit nach *
Gefallen regieret, ſondern es muß ſich auch jedermann; in dem gleichguͤltigſten Umſtande des Lebens, nach dem Muſter des Hofes richten. Exempel haben
eben ſo viel Macht, als Befehle; man darf nur nach einer Kopey beydes reden und ſchreiben, und kein —— Wort darf die Ohren des ſich irrenden J 53 Großen
* — * Avantures de Telemaque. Eine eben fo
grauſame als unbillige Schrift ;_ ohne eine andere Ge: ‚ Iegenheit zu haben, als die das Feuer. einer. erhabenen — und die Unvertraͤglichkeit der Sitten
| dargereichet
.
86 Unterſuchung des Lebens
Großen berühren. Auf diefe Weiſe verlieren manche
- Dinge ihren Namen, over werden Durch uneigentliche
Benennungen gemildert; und wo man dieſe gun haben kann, fo rufet man Umſchreibungen herb unſere Furch zu bezeugen, daß wir jemanden — gen möchten, wenn wir die klare Wahrheit * * *
Es iſt mich außer dieſem etwas erſtaunliches daß * in ſo einem Lande einen durch die Geſetze beſtaͤtigten
Zwang in Abſicht auf das Schreiben giebt; welches
noch weit aͤrgere Folgen nach ſich ziehen muß. Was
vor ein beweinenswuͤrdiger Anblick ſind nicht dieſe
Laͤnder heutiges Tages, die vor Zeiten die Muͤtter der
Gelehrſamkeit und Scharfſinnigkeit waren? Wie uns
fruchtbar find fie an aͤchter Gelehrfamkeit! Wie ger Dreher iſt das wenige, das fie: hervorbringen, und
das die Kennzeichen’der Gewaltſamkeit und des uns
natuͤrlichen Zuftandes an fich trägt, in welchem es einpfangen und zur Welt gebracht iſt! Anftatt diefer männlichen Öefinnungen, welche-der Tugend und dem. $after Gerechtigkeit toiederfahren laſſen; anſtatt die⸗ ſer kuͤhnen Abſchilberungen von Meuſchen und Dine gen des — nee (des Jahr⸗
hunderts,
* Da # " Cardinaf Richelieu die Ei une Akademie ; genoͤthiget hatte, den Cid, ein Stuͤ des berühmten Corneille, in die Cenſur zu nehmen, fchrieb der Ders faſſer einen Brief an den Liebling des Cardinals, M de Boisrobert, darinn er ihm meldet: Jattens avec
beaueoup d’Impatience les ferttimens de PAcademie,
afın d’ En ce que dorefenavant-je dois — Ausques la, je ne pnis travailler — — & nolſe einployer un Mot en feurete M. Peliffon. Hift * — rnit.
—
* und der Schriften des Homerus. 37 .
|
hunderts, daran wir am meiften Antbeil nehmen, ) muͤſſen fie ſich damit begnügen, daß fie die überbfies bene Stüdfe von Wiönchshiftsrien durchſehen
‚ ‚und ausbeflern, und die fegenden der Heiligen ſamm⸗
den. Oder wenn fie es wagen, vernünftig zu res
‚den, fo muß es von weit hergeholten Dingen und
von allgemeinen Säßen feyn, die von ihrer Zeit ent, ferne find, ohne daß fie eine Vergleichung anftellen,
“oder. die geringfte Anwendung machen dürfen.
So iſt ihr Zuſtand beſchaffen; da wir mittler⸗ Toeile unfere Inſel mit einer innigen Freude, als eis
nen glücklichen Beweis von der Verbindung jwifchen
der Freyheit und Gelehrfamkeit anſehen koͤnnen. Wir finden unſere Sprache maͤnnlich und edel, von einem weiten Umfange, und zu einer groͤßern Ders fehiedendeit | der‘ Shhreibart, und der Charaktere ges ſchickt, als eine von den heutigen Sprachen. Wir
ſehen, wie unfere, Kuͤnſte verbeſſert werden, unſere
Wiſciſchaflen hoͤher ſteigen, und alles von einem ſo großmuͤthigen und ſo feeyen Geiſte befeelet wird,
daß e8 den deuflichiten Beweis von der glückfeli-
gen Beſchaffenheit unſerer burgerlichen Berfoffung
abgiebt. Vergeben ſie es mir, mein Lord, wenn mich ein fo
angenehmer Gedanfe, an deffen Anmuch Sie felbft ſo
ni Antheil haben, von einem traurigen Gegen:
ande abgezogen hat. Man kann niche ohne Mit leiden an einen armen Dichter denfen, Der unter den Schrecken der Inquifi tion fhreibt. Er weiß nicht, ob nicht diefer Vers einem ehrwürdigen Vater In⸗ quificor, ein anderer einem ehrwuͤrdigen Water PERF Inſpector, verdächtig vorkommen; ob nicht
DZ J 5 4 a” 55 dieſes
g8 Unteeſuchum des Lebens
dieſes Gleichniß den verordneten Vater Rebiſor ſtutzig machen, und dieſe ag dem — ſelbſt gefaͤhrlich ſcheinen moͤchte. Es iſt alſo Fein Wunder, wenn der in Shchrecen geſetzte Verfaſſer, den, anſtatt der Muſen, ſo ſchwar⸗ ze Geſpenſter beſuchen, von einer ungeſtalten Frucht entbunden wird. Ihtle geiſtige Erſcheinung jeden freyen Gedanken daͤmpfen. Das Gemuͤt
darf ſich nicht empor heben, ſondern muß ſich unter dem paniſchen Schrecken einer Cenſur beugen, die von dem weltlichen Arme, zu ihrer deſto groͤßeren Gewalt, vertheidiget wird. Und koͤnnen wir wohl einige Anmurh oder einigen Wis in einem Werke erwarten, das in fo erb&cmlichen Umſtaͤnden em- pfangen und gebildet wird, Mein, gewiß nicht ; ja wir dürfen in einer Furzen Zeit gar Feine Schriften mehr erwarten. Denn bie Vater erhalten uͤber⸗ haupt ihren Endzweck, und in einer Nation, wo ih⸗ nen einmal die Macht, diefes thun zu koͤnnen, anver⸗ trauet iſt, richten ſie die Sachen in kurzer Zeit ſo ein, daß ſelten jemand etwas anders ſchreibt, als ſe al % Et nie Dinge find der Ga gen» |
“ En — 4 ein Buch durch ſechs Gerichtshoͤfe geben, ehe es bekannt gemacht wird." 7) Wird ed exa⸗
miniret von den Examinador Synodal des Erzbil thums, welchen der Dicsrins dazu verordnet hat 2) acht ed zu dem Berichtäfchreiber des Königreichs, darinn es bekannt gemacht werden fol, Chronifta de Caſtilla, Arragon, Valencia &c. 3) Wenn ed von die⸗ ſem gebilliget worden, fo erhält es die Erlaubniß von bem Vitecins felbft, die ein Notarins — muß ein Zrepheitsbrief von Seiner Majeſtaͤt dazu
—
und der Schriften des Homerus. 89
genſtand fehon mancher Abhandlung geweſen: ich
erwähne derfelben bloß darum, um den Grund der Antipathie zwiſchen denſelben und den höhern Arten
der Schriften zu zeigen. ° Es würde fehr unnörbie
feyn, wenn man fich im eine -weitltuftige Befchreie
. bung des toͤdtlichen Einfluffes der Torannen einlaffen
wollte: da fo gar ein Mann, der unter einer auf das Beſte eingerichteten, Regierung lebt, zu fehr nach den Sitten derſelben gebilder wird, als daß er in die: fer urfprüngfichen und uneingefchränften Abbildung Der Menfchen, der epifchen Dichtkunft, vortreffs
lich fenn Eönnte,
Es fönnte, als ein Einwurf: gegen dieſe Mens nung, von denen, welchen der Wacherhum und die
Zeitläufte der Gelehrfamfeit befannr find, angefühs
vet werden : „Daß man gleichwohl‘ bemerfet habe,
„daß die Zwifchenzeit, zwifchen der höchften Freyheit
„und der Sclaverey eines Staates, der Welt einige „edle Früchte gezeiget habe. Die Sache ift un ſtreitig; und wir dürfen, wenn wir die Urfache davon
entdecken wollen, nur die Stufen betrachten, nach
F5 wel⸗
erhalten werben; und ein Secretaͤr unterzeichnet den⸗
ſelben. 5) Wenn es gedruckt iſt, fo kommt es zu dem
Corrector General por, fu Mageſtad, welcher es mit der
von dem Picarius unterfchriebenen Copey vergleichet,
damit nicht etwas eingefchaltet oder verändert werde,
Br Und 6) fihäßen 68 die Herren im großen Ratbe, wie
hoch ed roh verkauft werden ſolle. In Portugallivird ‚ein Buch fiebenmal überfehen, ehe es öffentlich bekannt i E werden darf. Sch habe bey einigen Titel- « blättern derſelben lachen müffen, auf welchen zu defto giPhexer, Sicherheit des Kaͤufers, Die Worte kunden:
m todas as Licencas neeeflarias, : - RE LIETEF.NFE R u
J
90Unterſuchung destebeng un
‚ welchen eine-Regierung ihre Rechte werlieret, und det Willkuͤhr einer einzigen Perfon ausgefegt wird. ., .. Es wird dieſes Ungluͤck überhaupt an Die Thüreder Derdeibniß geftellet, und das mit dem größten Rechte. Hochmuth und Ueppigkeit ermangeln fels ten, wenn fie ihren völligen Wachsthum erreicher, einen Staat in Verzuͤckungen zu fkürzen, und für eis nen Beherrfcher reif zu machen, Sie machen die Menfchen geneigt, unter gewiſſen Abfichten, zu geben und zu nehmen, welche nach und nach, wichtig genug werden, bey jedermann ein Verlangen darnach zu er» wecken; allein es ift auch zu gleicher. Zeit Feine Zeit auf der Welt, da man die Menfchen fo vollfommlih kennen lernen kann. Wenn die Anerbiethungen ver» führerifch find, und die Beftechungen hoch fteigen '*, fo entdecken alsdenn die Menfchen, was fie werth, und um welchen Preis fie ſich feil zu biethen und zu verkaufen, Willens find. Die wahrhaftig tugend» haften zeigen fich nach ihrer Weigerung, mit einem ern sera sr. nA * Biduo per vnum ſeruum, et em ex gladiatorio Iudo, - confecit totum negotium. ’Accerfiuit ad fe, promifit, ‚interceflit, dedit. , Iam vero o Dii boni, rem perdi- tam! etiam Nodes certarum Mulierum. atque "Adole-.. fcentulorum nobilium Introdudiones nonnullis Iudici- bus cumulo fuerunt. Cicero,da er die Befchichte von : der Befreyung des Clodius durch’ den Beyſtand des Craſſus an den Atticus ſchreibt. Lib-I. Ep. XIII. Die Beftechungen des Curio, um die Parteyen zu verändern, und fein Vaterland ju betrügen, beliefen ſich ‚auf bundert H-S,, oder. 80729 Mund Gterlinge, 3 Schillinge, 4Pf. : Er brauchte diefes und noch fünfs . mal mehr, wenn er ſich von. feinen Schulden befreyen wollte: denn diefelben beliefen fich auf ſechsn Don“ dert H-S, das iſt, 48437 5 Pfund.
m: ?
und der Schriften des Homerus. 91
doppelten Glanze; und derjenige, welcher einer Ver⸗ ſuchung miderftanden hat, giebt, wenn feine Schwäs che entdecket und gehörig angeivender worden, der ans dern nach, und beftimmt feinen Werth. Die Mens fehen find in dieſem Stücke gewiſſen indianifchen Fe- dern gleich: fie zeigen fich nicht in einem Lichte alleie _ ne zu ihrem Vortheile; fondern die Unordnung und die Gefahren, die in dergleichen Zeitlauften häufig ſind, bringen alle. ihre. Leidenſchaften in Gang, und Drehen fie in alle Geftalten, deren fie nur fähig find. Und diefe Befchaffenheit der Zeiten, und der Menfchen liefern ung, wenn fie wohl beobachtet, und richtig ab« conterfaiet- werden, die vortrefflichen Stüde, deren ‚wie oben gedacht haben: A Außerdem haben die Zeiten folcher heftigen Bes ftrebungen. eine Art von Freyheit, die nur ihnen eigen it. Sie erwecken einen freyen und gefchäfftigen Geift, der ſich über das ganze Sand ausbreiter, Jedermann ht fich, bey dergleichen Gelegenheiten, als Herrn von ſelbſt, und daß er dasjenige werden kann, wozu er ſich nur zu machen im Stande ift. Er weiß nicht, wie hoch er feigen koͤnne, und es halten ihn Feine ‚ Gefege in Ehrerbiethung, als die fich zu der Zeit ohne Kraft befinden. Er entdecket feine Wichtigfeie, verfucher feine Stärke, und wenn fich verborgene Ber: dienſte, oder eine bishero im Zaum gehaltene Herz⸗ haftigkeit, bey ihm befindet, fo zeige er fie gewiß, und laͤßt fie öffentlich, ausbrechen. Und diefem zu folge ſehen wir, daß die Köpfe, welche in folchen Zeiten hervorgebracht werden; große Beweife von ihrer Ge⸗ ſchicklichkeit und Fähigkeit ablegen, * vornehmlich in politiſchen Verrichtungen und Bürgerlichen Angeles N - ANA | i gene
%
92, Unseeflrhng des gobens
genheiten, i ın dem weiteften Berftande z Br Die abs firaften Wiffenfchaften find die Frucht der Muße
und der Ruhe ** ; aflein Diejenigen, weldye ſich auf den Menfchen beziehen, und ihre Abſicht auf das
menfchliche Herz richten, werden am beften i in Der
dienungen und Gefhafften erlernet.
Es war zu der Zeit, da fich Griechenland i in. einer ſehr ſchlechten Ordnung und Ruhe befand, mitten une ter den Kinfällen und der Verwirrung ber wanderne ben Stämme, als Homer ſein unſterbliches Gedich⸗ te hervorbrachte. Und da Italien zerruͤttet, da die kleinen Staaten wider einander verbunden waren, mit einem Worte, in der Hiße des gegenfeitigen Ei fers und. Blutvergießeng dee Guelfen und Bibel’ Iiner, da nahm Dantes von feinem Baterlande Ab- riffe, und machte die ftärfften Abſchilderungen von den Menſchen und ihren Leidenſchaften, die in der Ge⸗
fhichte der neuern Dichtkunſt ftehen. Der Berfafe
fer der Aeneis lebte zu der Zeit der Unordnung und des Unterganges feiner Republik. Er fahe die Bes herrſcherinn der Welt zweymal der gefeglofen Macht
A Kaube werden ;. er fahe ihre bürgerliche Vers -
faſſung
— Thucydides, —— * Demoſthenes unter den Griechen, und Cicero, Virgil und Horaz unter den
Roͤmern, waren Zeugen von den en —5 |
ober Verſuchen, die man auf die öffentliche Freybei ‚wagte. Einige überlebten diefelben, und einige blieben in ihrer Vertheidigung.
** Kay zpwrov supuYucar (sy BErısnuay) rarois roi⸗ some * — —— vonror Berg ‚sunshoaV sum yalındaın %ralen core vepeav eHyos ·
Apior. wera ra Qurin.a.ro *
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und der Schriften des Homierud, 93
faſſung zerſtoͤret, und auf die Köpfe ihrer tapferſten ar Preife gefeßt, * fie mr ber Be *
und noch mehr, mein Lord, es war zu der Sei da. das ungluͤckliche Britannien i in alle Trübfale der‘ bürgerlichen Wuth verfunfen war, als unſer geift- volles Gedicht zur Welt kam. Es ift wahr, der Grundriß des verlounen Paradiefes hat wenig mit unfern ‚gegenwärtigen Sitten zu thun. Es han» delt von einem höhern Inhalte, und läßt fid) nad) dem Maaßſtabe der menfchlichen Handlungen nicht abmeſſen. Dem allen ohngeachtet aber hat es doch einige Aehnlichkeit mit den Verrichtungen der Men⸗ ſchen; und der Verfaſſer, (welcher den Fortgang un⸗ ſers Elendes gefehen,) hat es mit. alle den geſchick⸗ ten. Bildern ausgefehmücker, die ihm feine Keifen, feine Gelehrfamfeit und Erfahrung an die Hand ge ben fonnten. |
Jedoch, da wenige na, denen bie Se lehrſamkeit ausgeſetzt gemwefen, der Kenntniß Ew. HSochgebornen entwiſchen, fo werden Dieſelben ver- muthlich fragen : Wenn eine ausgezierte Sprache „und der Gehorfam, mit welchem man fid) einem uns „umfchränften Hofe unterwerfen muß, mit den ed» „lern Arten der Dichtkunſt nicht beftehen fann, wie „koͤmmt es denn, daß die neuere Lomödie die alte „übertrifft, die doch alle Freyheit der Sprache und „der Sitten genoß, da die andere im Gegentheil un« „ter dem Einfluffe der Ueppigfeit und der KAMEN, für „der macedonifchen —— in die Hoͤhe wuchs7?
Ein
* — — gelehrter und ſinnreicher Scrifeh ler will es nicht zugeftehen, daß dieſes wahr. Je
*
Unterſuchung des Lebens ni
„der alten Comoͤdien bediente man fich, nach feiner
„Meynung, die Gitten zu verbeflern „die Tugend ' „beliebt zu machen, und die Misbraͤuche in dem
— da die neuere hingegen damit „ufrieden ift, ſich mie Kupplern und garſtigen Hus „ten, mit dem alten groben Kerl, dem Davüs, oder
„ge oder ſchalkhaften Poſſen; und eine art
„Auſt, oder alberne Kurzveie vor!
Jedoch wenn wir auch iefes, was man voraus ſetzt, als gewiß annehmen; fo wird ung die verfhies
dene Natur der Schriften eine Erläuterung hierinn
‚geben. Nichts kann einander mehr entgegengefegt ſeyn, als die Schreibart, die Sprache und die Sitten der Comödie, der epifchen Dichtkunft if. Das, was ſich für die eine auf das beite ſchickt, das fcheir nee für die andere am menigften zu taugen; und der
am mindeften comifche Charakter ift wohl der Cha⸗ rafter einer ‚erhabenen Seele unb eines großmuͤthi⸗ gen Mannes. Es ift wahr in einer fo vollkoͤmmli⸗
hen Democratie, als die zu Arhen war, Eonnten die Schranfen des Luft: und Trauerfpieles nicht gar
zu gewiß beftimmet, und von einander abgefondert werden. Ob gleich das Trauerfpiel die erhabenen Charaktere, und das Luftfpiel die niebrigen Ri
N)
verſchitztem Knechte des Haufes, “und feinem jungen | Herrn aufzuhalten. Der Schauplag fagt er, iſt allemal zu Achen, und der ganze Inhalt befteht i in „einem kleinen Hiftörchen von einem liſtigen Betru⸗
und der Schriften des Hemerus. 95
war —
ſolchen Staate, beſtehen konnte; und welche ſonder Zweifel den Vorzug Haben muß, wenn ein unmaͤßi⸗ ges Gelächter, wenn Die, Freyheit, in den Tag hin⸗ ein reden, und der hoͤchſten Wuͤrden, und beſten Maͤnner in der Nation ſpotten zu duͤrfen, dieſer Art von Schriften vortheilhaftig iſt. Wenn aber dieſe Freyheit oft gemisbrauchet worden, und wenn das Drama eines edleren Schwunges faͤhig, und ein feineres Vergnuͤgen zu verſchaffen im Stande iſt; wenn mehr Wahrheit in die Sitten gebracht, und die Menſchen und ihre Naturen auf eine —— BEA re
* Pinxit et Demon (AHMON) Athenienfium Argu« mento quoque ingeniofo. Volebat namque varium, ‚iracundum, injuftum, inconftantem, eundem exo- ‘ rabilem, clementem, mifericordem, excelfum, glo- ‘ riofum, humilem, ferocem, fugacemque, et omnia ‚ pariser oftendere. w
Plinus, de Parrhafio, Lib. XXXV. . 10.
4 I Poeti Comici, per farci accorti de gli Andamenti del mondo, piacevolmente, Nozze, Fefte, Conviti, - . Roffianefimi, Putanefmi, Ladronezzi, Truffe, Men-
. sogne, Amori et Odii, tali appunto fü per le Sec-
“ ne rapprefentano, quali folete fare et fofferire voi
Huomini,
Speron. Speroni. delle Ufüre.
—
6 unterſuchung dee eben
Ait vorgeſtellet (werden konnen/ ſo muß fie rn f Bale” der neuern —— weichen ·
alt: I 1 va ß 5 f
Ich muß‘ aber‘ doch geſtehen daß / da die —
— zu Athen die Oberhand hatte, und der Poͤbel ſich in dem Beſitze dieſer unbeſchraͤnkten Ge⸗
walt fahe, die ihm Perikles in die Hände gegeben
hatte, und Kleon ausuͤbte, daß waͤhrend dieſer Zeit
Ariſtophanes und ſeine Nachfolger Urbilder hat⸗ ten, von denen ſie ihre Abriſſe nehmen konnten; und in dieſer Abſicht waren ihr Witz und ihre Schriſten
die uns theatr aliſch und falſch vorkamen, * |
und wahr, Allein dieſe wilde und freche Regies
rungsart wurde nicht fo bald durch Die Furcht von
außen (melde allemal eine ordentliche Einrichtung zu Haufe zumege bringt,) im Zaume gehalten, als die
Karo K' AryaIcı, die Männer von Fähigkeit und‘
Verdienſten ſich hervorzuthun und in ihrer Groͤße zu
zeigen anfiengen. Es wurde eine Abſonderung ger
macht. Die Sitten wurden gebildet, und die ſchoͤnen — beobachtet und geehret. SET
Hier kam die neue Comödie empor. Die unflärie gen Zoten «wurden verbannet, und Wienander
fehrieb.. Das iſt zu einer Zeit, "da die Freyheit noch nicht verloren, fondern nur die Auswuͤchſe derfelben
befchnitten ; da die feurige Gemuͤthsbeſchaffenheit die ⸗
fes witzigen Volkes nicht unterdeücker, fondern nur ordentlich angeführet war, Go wahr ift es, „daß „alle Arten der Schriften, vornehmlich aber die poes
en, fh — den Sitten der Zeiten richten,
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und der Schriften des Homerus. 97 in welchen fie an das Licht gebracht werden „. Die beſten Dichter nehmen ihre Abriffe von der Natur, und liefern uns Diefelben fo, als fiefie finden. Wenn ſie einmal diefes große Urbild aus dem Gefichte ver. lieren, fo fehreiben fie falſch, ihre natürlichen Gaben mögen auch noch fo groß feyn. Laſſet uns den Tors quato Taſſo, und den reißenden Ariofto, als Zeugen von der Wahrheit diefes Sages, anfehen. Beyde waren mit einem fruchtbaren Wige und glück lichen Ausdrüdfungen begabt: Beyde aber verließen dag Leben, beyde wenderen ſich zu Iuftigen : Wefen und uropifchen Charaftern, und füllten. ihre Werke mit Herereyen und Erfcheinungen an, welche bey den Neuern die Stelle des Wunderbaren und Erhas benen erfegen, j !
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13 Band, G VII.
>) Auszug der neueſten
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Auszug Be der neueften pboffatifhen RE —
Natuͤrliche Beſchaffenheit der andſdaß ten an der Hudfonsbay*, _
ie Engländer Haben von den Sandfhaften an
ü R der Hudſonsbay viere im Beſitz, wo fie | Niederlagen haben, und die fi) auf achte-. Halb Grad erftrefen. Herr Robfon, welcher fich einige Jahre dafelbft aufgehalten, hat nur die beyden nordlichften gefehen, und. ftellet. diefelben gar nicht fo fehlecht vor, als man fie ſich fonft wohl einzubilden pfleget. Die Natur ift gegen feines ihrer Kinder - eine Stiefmurter; und Die, fo fie am meiften verlaf- fen zu haben fcheint, haben ſich öfters nur allein über ſich felbft zu beſchweren. Die Einwohner diefer nor difchen Gegenden würden fie nicht mit andern weit angenehmern vertaufchen, und die Engländer gewoͤh · nen In; rot IE dafelbft zu — Die, ſo auf dem
” Aus — Soſerb Robſons: Account of (ik Years Re- ‚fidence in Hudfons-Bay, from 1733 to 1736, and 1744 to 1747. In Detav 1752. —— verlegt von Dayne und ?
* *
phyſikaliſchen Merkwuͤrdigkeiten. 99 dem Fluſſe Churchill, zehn Meilen von feiner Muͤn⸗ dung an hinauf geſchiffet find, haben daſelbſt anmu⸗ thige Wieſen, ein fettes und fruchtbares Erdreich, und Gebuͤſche voller Beeren und Fruͤchte angetroffen. Selbſt die Landſpitze der Kequimaur in Norden und Mordoften bringe allerhand Arten von Rüben, Lactuken, und verfchiedene andere Saamengewaͤchſe hervor. Die Englander haben in ihrer nordlichen Veſte im Winter Pferde und Kühe erhalten, und im Srühlinge zieht der Schnee eine Art eines Gewölbes über das Erdreich, worunfer die Pflanzen zween big drey Zoll hoch wachſen Fönnen. Die Veſte YXRork, die zwiſchen den Fluͤſſen Hayes und Nelſon, in eis nem um zween Grade füdlicher, als der Fluß Chur⸗ chill, liegenden Landſtriche, gelegen ift, gewaͤhret noch viel größere Vortheile. "Das Erdreich ift dafelbft befier, Das Vieh befindet fich wohl darauf, und die Pflanzen, befonders die Erbfen und Bohnen, gedeyen vollfommen. Es giebt dafelbt verſchiedene Gegen. den, die den Winden nicht ausgefegt find, und arbeite fame Leute würden fich in diefen Gegenden alle Noth⸗ wendigkeiten des Lebens um defto leichter verfchaffen fönnen, je mehr. der Landbau die Strenge des Wins ters vermindern, und das Aufthauen befördern würs ‚de. Die Abwechfelungen der Witterungen find in der ganzen Bay allgemein und befrächrlih. Sie ‚rühren von den Winden her, die bald nordlich, bald ſuͤdlich find, und folchergeftale die ſchnelleſten Abwech⸗ felungen von Sommer und Winter verurfachen. Man darf auch in diefem Sande nicht ausgehen, ohne fi) wider die ftärfften Anfälle der Kälte zu vermah« ven; und ein Fremder thut wohl, ſich niemals allein | G 2 einer
Aus zug der neueſten
einer aus zuſetzen. Wenn im — * 4 Wind Weſtſüdweſt iſt, ſo iſt die Hitze außerordent · lich, und je ſtaͤrker der Wind wehet, deſto ſtaͤrker ſetzt die Hitze an. Wenn hingegen der Wind anderwaͤrts herwehet, fo iſt die Winterfälte fehr ftrenge. In- deffen verfichert doch. Herr Robfon, daß er bey der - gleichen Witterung öfters ‚unter. ‚freyem Himmel am Feuer gelegen, und ſich nur bloß mit Gefträuche von 4 den Bäumen wider den Wind bedeckt habe. Defe ters findet man. Fröfche und andere Fiſche in Eis» fchollen eingefroren, die aber, wenn es thauet, wieder aufleben und ganz munter ſind. Wenn nun.das Clima in diefen Eisgegenden, mo bie Engländer ihre Niederlagen baben, ‚von folder Befchaffenbeit: ift, » wie muß es nicht. weiter Iandeinwärts fen? Man. follte nur den Indianern nachahmen, mit. ihnen ‚die _ ſchoͤnen Fluͤſſe hinauf ſchiffen, deren Muͤndungen be kannt find, und ein Land anbauen, das die Unwiſſen beit und Faulheit unangebauet liegen läßt. Diefe Fluͤſſe find alle auf einige Hundert Meilen, ober bis auf den ysften Grad ſchiffbar. Ihre Ufer ftehen | - voller Bäume; fie wimmeln von Fifchen , und. die fruchtbaren Felder, die fie bewäffern, ſollen niemals, wie die Ufer, von Schnee bedeckt ſeyn. Die Heer- den würden darauf die vortrefflichfte Weide finden, x Korn und Saamen würden ſchoͤn wachen, und das Wild und Gevögel würde den Jaͤgern zu thun genug geben. Bielleicht würde man aud) in dieſem Lande verſchiedene Mineralien entdecken koͤnnen. Eine ganze indiſche Nation hat ihren Namen von dem Kupfer, woraus ſie ihre Werkzeuge zubereitet. Es wi eine Bleygrube, und man hat auc) zwiſchen den
phyſikaliſchen Merkwuͤrdigkeiten. 101 den Fluͤſſen Churchill und Nelſon Zinnober ge⸗ funden. Noch weit vortheilhaftere Schaͤtze aber, die dieſes Land geben koͤnnte, ſind die Pelʒwerke. Eben diejenige Hand, welche die Thiere in Norden dem cofte ausfeßet, befleidet fie auch mit Pelzen, welche. die. Menfchen eben fo gut nugen fönnen, als fie, . Die ‘Biber, Baͤre, Fuͤchſe, Marder, Hermeline, find häufig in diefen Gegenden, und der Vortheil, den man daraus zieht, hat kein Verhaͤltniß mit dem, den ein erweiterter und beſſer eingerichteter Handel ver⸗ ſchaffen wuͤrde. Auch die Gewaͤſſer geben ihre Reich⸗ thuͤmer. Außer den ſchon gedachten Fiſchen in den
Fluͤſſen, ſind ihre Muͤndungen ſowohl, als das Meer, voller Wallfifhe und Meerfübe. Man dürfte nur, die Esquimaur Dazu gebrauchen, um weitlaͤuftige Magazine mit Thran und allerhand Elfenbeine an⸗ zufüllen. Diefes Sifchervolf, das die Indianer, wel⸗ chen die, Engländer den Gebrauch der Waffen gelehe vet, von ihren. Küffen vertrieben haben, wofelbft fie. ehedem wohneten, lebt igt mehr nordwaͤrts, gewiſſer⸗ maßen zerftreiet. Der Vorrath von Fiſchen und Thrane, den dieſe Wilden in den neun Wochen, die im Sommer zum Fiſchfange taugen, anſchaffen, erhaͤlt un ganzen Winter, und fie koͤnnen noch dazu den.
Kiffen, die ihnen. begegnen, von ihrem Ueberfluſſe 2” abgeben, , Herr Robſon glaubt, wenn man fie. nur. aufmunterte, und fie in ihren alten Wohnungen, befchüßte, Daß der Vortbeil, den man alsdann von ihrem Fiſchfange ziehen Eönnte, den Vortheil der Grönländifchen und den in der — Davis weit en wuͤrde.
Heat 4 FEN N at 7770 re ie, { }, © 3 II. ‚oe
12 | Auszug der AR
u. Medicinifche Anmerkungen von- den mineralifchen Waſſern zu Bearn*.
Die Quelle der warmen Waffer zu. Bearn, lege
‚in dem Thale Oſſau, ſuͤdwaͤrts Bearn, in den py⸗
renaͤiſchen Gebirgen, vier Meilen von Pau. Die-
| ſes Thal iſt ſehr weitläuftig und eines der. ſchonſten
im ganzen Sande. Die Waſſer fallen endlich in ein, kleines, wuͤſtes, mit hohen Gebirgen umzaͤuntes Thal.
Sie ſind lau, riechen wie bebruͤtete Eher, und ſind öligt, feifenartig und geiftreich. . ‚Man pflegte ſich fonft der warmen Geſundbrunnenwaſſer nur wider die Wunden und Gefdywüre, aber ſehr ſelten wider innerli⸗ — kheiten zu bedienen. Da aber gleichwohl bey, ſolchen Krankheiten auf ihren innerlichen ı oder außerli
chen Sizz nichts ankommt; ſo iſt es der Mühe werth,
Beobachtungen, die in diefer Sache ein gewiſſes Sy» ftem veranfaffen Fönnen, zu ſammlen und zu vergleis
hen. Her —— hat hierinn einen Verſuch ger macht. Die Gewaͤſſer reinigen Die Wunden, ‚und erleihtern die Heilung derfeiben, gleichwie fie das,
Abblaͤttern der „Knochen umd Kuorpel beſſer, als i ita gend eine andere Arjtney befördern. “Sogar die aͤl teften Geſchwuͤre, von welcher Beſchoffenheit und,
as fie auch feyn mögen, widerſtehen der heilfamen,
iefung diefer Gewaͤſſer ſehr felten. Herr Dar
deu vieth deren Gebrauch einem Kinde, deffen & e
ſicht, ‚Schenkel, Beine a Aerme und re Sn
Ge⸗
* Aus folgender Scpeife Differtation WR * —— nerales du Bearn; parM.de Bordeu;,Pere; D. en Med. de la Faculté de Montpellier, & Medecin de Pau, en Bearn, 1750. In Duodez, Paris, bey Guilleau.
rn !
I
phyſikaliſchen Merkwuͤrdigkeiten. 103 Geſchwuͤre ſaßen, und das zugleich ein ſchleichendes Sieber Hatte, Diefes Kind ward durch den Ges brauch diefer Bäder und das Einfprigen in die tief⸗ ften Höhlen der Geſchwuͤre, in fehr kurzer Zeit da» von befreyer, Nachdem Here Bordeu einige ns cifionen hatte machen, und das Kind von dem Waſ⸗
ſer trinken laffen, fo hörte das Fieber auf, und Die Geſchwuͤre fihloffen ſich völlig. Durch den innern Gebrauch diefer Waffer find auch verhärtete, filtus löfe und andere alte offene Schäden geheilet worden, woraus erhellet, daß fie diegenigen Ausführungen wieder berftellen muͤſſen, deren Stellen dergleichen fließende Schäden vertreten haben. Herr Horde fchließt daraus, mit einer Einficht, die die Contradi⸗ ction des DVerftandes der Wundärzte genennet zu werden verdienet, daß es bey vielen Geſchwuͤren nicht fo fehr darauf anfomme, an den verfegten Theil, als vielmehr an die Wiederherftellung derjenigen untere brochenen Ausführungen zu denken, die fie veranlaffet hatten, Bloß die vortrefflichen Wirfungen haben es endlich dahin gebracht, daß Herr Bordeu das alte Borurtheil wider den innern Gebrauch diefer Waſſer, bey vem gemeinen Haufen hat überwinden ‚Können. ' Eben fo ift es ihm auch mit den Eiterbeus fen, die einen Siftelfchaden zum Grunde haben, und mit völligen Fiftelfehäden, die fehr alt und tief gewe⸗ fen, gelungen. Man Fann von den Fifteln eben das behaupten, was vorhin von den offenen fließenden Schäden überhaupt gefage worden ; denn die mei⸗ ften rühren von einer Unterdrückung gewiſſer Aus⸗ führungen ber, die die Fiftel nur erfegen fol. Man muß alſo dabey zu folchen Arztneyen feine Zuflucht — %- - | \ G 4 neh⸗
104. YHuszug der neueften
nehmen, wie diefe mineralifchen Waſſer, innerlich ges braucht, find, die die Ausdünftung befördern und die Ausführungsgänge eröffnen. Eine Menge anderer Geſchwuͤre nad) higigen Krankheiten, auch folche in den Gelenfen, wobey die Knochen angegriffen ‚ge weſen, alte Gefchwüre in der Blafe und den Gedärs men allerhand. Gefchwulften, Flechten und. mehr Krankheiten der Haut, find durch diefe Waſſer befe fer, als durch andere Arztneyen erleichtert worden, Sie ftillen, während des Bades, Die reißenden Schmerzen und felbft die Convulfionen. Durch Auf ferlichen Gebrauch und Gurgeln haben fie Zahn. fhmerzen geftille, und find in. den Krankheiten eines gefchroächten Magens, in der Colif, dem Erbrechen, der Unverdaulichfeit, dem gefchwollenen Magen in hart» - nädigen Durchfällen, und der Bleichfucht, die fo ſtark vom Magen herrühret, fehr dienlich befunden worden.
Die Geſchwulſten der Eingemweide des Unterleibes- find davon gewichen, und in der Krankheit eines Sohnes des Herrn Sordeu bat diefes Wafler ein rechtes Wunder gethan. Dieſer Knabe hatte, nach einem faulenden Fieber, Eiter im Urine, wie aud) durd) den Auswurf und Stuhlgang von ſich gegeben. Er war abgematter bis zum Sterben: allein unter dem - Gebrauche diefes Waſſers kamen, mit der Bermins derung des Eiters, der Appetit und die Kräfte wie - der. Diefe Waſſer find der Bruft ganz -ausneh» mend heilſam, indem fie nad) der: Haut zu freiben, die Yusdünftung der Lunge befoͤrdern und einen flare ken Auswurf verurſachen. Daher hat ſich Here Bordeu endlich gewaget, ſie fo gar wahren Schwindſuͤchtigen einzugeben, und iſt mit dem ge⸗ — 8 N \ met»
1
phyſikaliſchen Merkwürdigkeiten. 105
meinen Verfahren. der. Aerzte in diefen Krankheiten, da fie nur ſtillende, befänftigende Arztneyen, und Milch und Syrupe verordnen, ſehr ſchlecht zufrieden, Hiervon und. vom Erfolge der Kur wird in folgen⸗ | “ Auffage, vom Mh der Mil, mehr ger | ag —2
werden.
. IM. Vom Gebrauche der Milch bey Kranken *. -
— de Borden beſchwert KR ch fehr über den seöben Misbrauch, den man in der Prari mit der Milch treibt. Er hat die Praris der Arztnenfunft in einem Lande getrieben, wo jedermann bloß von Milchſpeiſen lebte, und hat angemerkt, daß: fie eben denjenigen Krankheiten unterworfen :gewefen, die den Weintrinkern eigen find,und daß fie erfchlaffer, weich" lich und zu irgend ftarfen Arbeiten unvermögend gemes fen find. Wenn man durdy den Gebraud) der Mitch nie Eingeweide von Spannungen. befreyen und fchlaffer machen: will, fo ift: zu bedenfen, daß man dadurch zugleich den: Magen ſchwaͤche, moher öfters Efel, Schwachheit und Gefchmulften ihren Urfprung nehmen.; Man: muß das zarte Tempera« ment der Kinder, die die Mitch fo gut verdauen, nicht mit dem, trockener und gaflfüchtiger, vom Stus Dieren oder von Ausfchweifungen entkräfteter Perſo⸗ nen, oder unftäter und unruhiger Srauenzimmer ver» werhfeln, die allerhand Eigenfinne haben. ‚ Herr de Sorden iſt überzeugt; ud or —* gleich anfangs
iim
ig des Herrn de Rose Differtation fur * Eaux Wenig du Bearn. pa ris, in Duodez 1750. u
ws
1060. Auszug der neneffen 7
im Magen: faft eben fo gerinnen müffe, toie wenn fie ' in einem Gefäße ftehen bleibe, und er fehließe diefes unter andern aus der geronnenen und zähen Mil, welche die Kinder ausbrehen. Da nun der Ma: gen eines Erwachſenen viel trocfener und ſtaͤrker ift, als bey Kindern, fo hat die Milch nicht Zeit genug, darinn zu gerinnen, und made alfo, da fie zuge ſchwind fortgehr, oder auch, meil fie ſich ſchuͤttet und fauer wird, allerhand Uingelegenheiten. Herr Bor⸗ deu merfer außerdem an, daß in der Prari diejenis gen Fälle gar felten:vorfommen, wo die beglaubteften Shriftfteller seine durchgängige Erfchlaffung‘ oder eine durchgängige Spannung: aller: Theile unfree Mafchine annehmen. Er behauptet, daß eine fehr ſchwachſcheinende Perſon einen erftaunlich. ſtarken Magen babe, daß das Gleichgewicht der verfchiede nen Theile aufgehoben, und einige erfchlaffet, andere - zufammengezögen feyn Fönmen, welches verurfachet) Daß die Milch nicht fo, wie bey einem Kinde durchs gehe. Die Natur hat den Kindern in ihrem erften Alter eine fehr wäfferichte und Teichte Mitch beftimmt,. die aber dicker wird, nachdem die Kräfte des Kindes zunehmen, und die endlich zu ſchwach fir daffelbe wird. Daher muß man ihm alsdann feftere und ſchwerere Nahrungsmittel reichen + denn felbft die Schwere oder das Gewichte der Nahrungsmittel träge etwas zu einer guten Verdauung bey, indem es der Wirfung des Magens einen gewiſſen proportios nirten Widerftand entgegen ſetzet. Wenn die Milch, wie man gemeiniglich fage, ein fchon fertiger Milch- ſaft wäre, warum würde fie fi denn, wenn fie lange + m den Brüften einer Amme verweilei, nicht in Blut a ee ee bver⸗
—
phyſitaliſchen Merkwuͤrdigkeiten. 107
| verwandeln, j anſtatt darinn ſauer zu werden und zu ? Wie oft wiederfaͤhrt nicht eben dieſes Me Milch auch im Magen ?: Weldhe Huͤlfe ann man bey Inmphatifchen Gefchtwulften und bey Vers, | ſiopfungen, von welchen. doch die meiſten langwieris gen Krankheiten entftehen, von der Milch Hoffen ? Daher fümmt es, Daß man fie. mit magenflärfenden, fchweißtreibenden und dergleichen Arztneyen ver miſcht. Wenn fie alsdann einige gute Wirfung, thut, fo fcheint diefes vielmehr von dem mwirffamen Mittel, das man dazu gethan hat, als von der Milch felbft herzurühren. Endlich merke Herr de Bor⸗ den auch an, wenn man bey alten Gefchwiiren oder - Sontanellen Milch verordnet, daß davon der Aus. fluß der Materie oder der Säfte vermehret, und das Fleiſch blaß und ſchwammigt wird, ja endlich derge⸗ ſtalt erſchlaffet, daß kaum die Wunde zuheilen kann. Es gehört fi), etwas wirkſames zu verordnen, das die flüßigen Theile unfers Leibes bis in die teten Haarroͤhrchen hinein freibt, Damit fie die unterdrück- ten Ausführungen wieder, erſetzen: allein dieſes kann man von einem fo. ſchlappen Siqueur , als die Milch iſt, gar nicht erwarten. Herr Bordeu wendet die⸗ ſes alles auf die Geſchwuͤre in der Lunge an, die er mit Williſio fuͤr Arten von Fontanellen hält, Er bemerfet, daß die Haut der meiften ſchwindſuͤchtigen duͤrr und trocken iſt, und daß die Ausduͤnſtung gleich» ſam durd) die Wunde der: unge forrgeht. Daher, meynet er, ſollte der Arzt auf die Wiederherftellung diefer Ausduͤnſtung am meiſten feine Gedanken rich. ten, und bedenken, daß ſich das Geſchwuͤr ſelbſt zu⸗ heilen wuͤrde, wenn dieſe ne ‚von Feuchtigkeiten, die
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die es hindurch laffen muß, ſich nicht mehr dahin zies ben koͤnnte, und daß eben um deswillen die groͤßten Aerzte ſolchen Kranken oͤfters das Reuten und andere leichte Leibesübungen anpriefen *. Dieſen Betrach⸗ tungen zu Folge findet Herr de Bordeu, daß die Milch den Auswurf nur vermehre, daß die Lunge öfters damit ganz überladen werde, der Magen in J BET A Eee
* Mie alicklich wurden wir in der Praxi feyn, wenn zur „Eur der Schwindfucht dieſes als die Hauptfache, erz fordert würde, daß man die Ausduͤnſtung wieder her⸗ ſtellete! Herr de Bordeu giebt aber hier ohne Zweifel der Vergleichung der Lungengeſchwuͤre mit den Fonta⸗ nellen zu. viel nach: denm es iſt falſch, daß alle Schwindſuͤchtige Feine freye Ausdünftung haben fol ten, vielmehr iff das langfame Fieber der Schwind⸗ “ füchtigen eben fo, wie das, bey andern Verlegungen der Eingemeide, mit baufigen Schweißen verbunden. 2) Es wird umfonft angenommen, daß die Natur die Materie der Ausduͤnſtung durch das Loch in der Lunge führe... Die Natur der Sache bringt es ſchon mit fich, dag ein Geſchwuͤr Materie von fich giebt, wenn auch gleich alle Ausführungen vollfommen gut von flatten gehen. 3) Es iſt falſch dag ein Lungengeſchwuͤr durch | ‘die wieder hergeſtellte Ausduͤnſtung follte geheilet wer⸗ den koͤnnen. Es gehoͤret nicht allein die Reinigung, ſondern auch das Zuſammenwachſen der Wunde bazu; und da dieſes letzte die beſtaͤndige Bewegung der Lunge hindert; fo kann die Ausduͤnſtung ſo viel als nichts Jur Befoͤrderung der Heilung beytragen. 4) Ich weiß eben nicht, ob es ein guter Rath waͤre, Leuten, deren - Bunge ein Geſchwuͤr hatte, das Reuten zur Leibesuͤbung zu empfehlen, noch weniger iſt zu glauben, daß dadurch große Dinge gethan worden wären. Man muß alfo Diefen Ausipruch des Herrn de Borden mit vieler Ein? ſchrankung annehmen ©’ Anm. desikeberf
2
phyſikaliſchen Merfwirdigfeiten. 109
Unordnung gerathe, die Verdauung ſchlecht von ſtat. ten gehe, nnd der Kranfe nach und nach ſchwach werde. Alle diefe Zufälte zeigen ſich beſonders un- ter. dem Gebrauche der Milch, wenn das Fieber nur ein wenig lebhaft iſt. Es folgt alſo, daß, wenn e8 ja Fälle giebt, wo die Mitch gute Dienste thut, doch auch viele ftatt finden, mo fie fehr ſchaͤdlich iſt, Daher alfo wenigftens der Misbrauch derfelben von Rechts: megen vermieden werden follte, | Man fieht wohl, daß. alle diefe Betrachtungen darauf abzielen, die guten Wirfungen der besrnis eben Waller in ver Schwindfucht auf eine fiegreis ehe Art zu erheben, wie denn auch verfchiedene hieher gehörige Beobachtungen beygebrache worden find. Herr de Bordeu will damit eine angehende $ungen» ſucht, Zehrungen nach Blutſpeyen, $ungengefhmüre, die mit Berftopfungen der Eingeweide verbunden gemwefen, ja endlich auch Schwindſuchten im höchften Grade, wobey die ‘Beine gefchmwollen, die Haare aus⸗ gegangen, und alle die ſchrecklichſten Zufälle vorhan⸗ den geweſen, glüclid curiret haben. Die Wafler haben in allen diefen Fällen auf die Art zu wirfen gefchienen, daß fie die verlohrnen Ausführungen, ents weder der Ausdünftung, oder der Galle, oder des Urins, oder des natürlichen Geblüts, wieder herges fteller, am öfterften aber, daß fie den Magen in beſ⸗ fern Stand gefest, und einen fo ftarfen Appetit era reger haben, daß es gefährlich gemefen feyn würde, demfelben völlig genug zu thun. Da aber diefe - Kranfheiten ſich von Zeit zu Zeit wieder einftellen, fo muß man aud) den Gebrauch diefer Waffer zu verfchiedenen Zeiten wiederholen, ja Herr de m
—
Ausʒug der neueſten ———
deu iſt ſelbſt ſo guͤtig, zu geſtehen, daß es Sthwind· füchtige gebe, denen die Waſſer nicht helfen wollen; und daß alfo fein Mittel nicht allgemein ſey. Ohne diefes Geftändnig mürde es auch in der That ſchwer fallen, den Herrn de Bordeu zu vertheidigen, wenn feine gefer mit einem Credat Judaeus. — bi ng Buch zufchlügen,
IV, Urfachen. der heutigen teen # Handlung auf Minorca. ie |
» Jedermann weiß, mie, ſchlecht die Handlung « auf Dice Inſel getrieben wird. Herr Armftrong * hat ung die vornehmften Urſachen hiervon mitgerheiler; er fagt, wie folget: Die Kupfermünen, welche bey den Einwohnern diefer Inſel im Gange find, find ihnen nicht wenig nachteilig; allein fie haben diefe Ungele⸗ genheit bloß ihrer eigenen Unentfchlüßigkeit suzufchrei« ben. Die einzigen Waaren, fo fie verhandeln, find "eine gewiſſe Art Käfe, welche die Italiener ſehr lieben, ferner Wolle, Wein, Honig, ? Wachs und Salz. Here Armftrong ſchaͤtzet die ganze Summe dieſer verfcies denen Stücfe auf 18100 Pf. Sterling. Dahingegen müffen die Einwohner der Inſel alle ihre vornehmiten Rothwendigkeiten von auswärtigen Orten herfommen Iaffen. Getreide, Rindvieh, Branntwein, Tabadk, Leinwand, Stoffe, Bücher, Reliquien, Agnus Dei,und eine Menge von Etcätera J von andern Orten
| ‚ber, 8 In einer — zu London in — le Schrift, welche den Titel führer: The Hiftory of the Island of_Minorca, by John Arimftrong, Efqu. Engineer in ördinary t6 His Maiefty; nebſt einer Charte vonder Inſel, und zwo Kupfertafeln. ‘
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phyſitaliſchen Merlwuͤrdigkeiten. zu
err Armſtrong rechnet Das, was ihnen jaͤhr⸗ 5 Sie Waaren koſten auf 71200 Pf. Sterling, mo»
von, die erfte Summe abgezogen ‚wird, 53100, Se. übrig. bleiben. Sie müßten alſo nothwen⸗ dig banquerout machen, wenn fie nicht das, mas, Die Engländer bey ihnen perthun, ſchadlos hielte. re zroilchen erhellet doch) hieraus, daß fie fich unmöglich bereichern koͤnnen, da fie befonders ſo viele Taren zu bezahlen haben, und die Geiftlichen ihnen fo viel Auf⸗ lagen abfordern. Sie müßten, um. ſich aus dieſem lende zu erretten, mehr Fleiß und Geſchaͤfftigkeit, we⸗ niger Unwiſſenheit, Proceſſe und Feſte der Heiligen haben. Sie vermehren jährlich ihre Weinſtoͤcke; allein die ihnen den Wein abfaufen, lehren fie, ihn eben fo gern, als fie, zu trinken. Sie fönnten ſich fonft auf verfchiedene Art eine vortheilhafte Handlung jumege bringen. Der Baummollenbaum, der den Malthe⸗ fern fo vortheilhaft ift, Fönnte zu Minorca eben fo gut fortfommen. Es koͤnnten Maulbeerbäume das felbft wachſen. DieDlivenbäume find Häufig ; allein fie werden vernachläßiger. Der Hanf, der $ein, die _ Roͤhre, die Schiefer, der Thunfiſch an ihren Küften, deffen die Einwohner in Languedoc und Provence fo viel verfchiden, alles diefes bierhet ihnen umfonft Neichthümer dar, Man hatte eine ergiebige Bley⸗ grube auf der Inſel entdecket; allein ihre Trägheithat fievernachläßiger. Der Selsftein fönnte vielleicht wohl werth feyn, wenigftens für Ballaft nach England übergefchiffet zu werden, und die Marmor, die an Schönheit und Mannigfaltigfeit die aus andern Laͤn⸗ dern übertreffen, würden gewiß daſelbſt fehr geſuchet werden. Die ng könnten mehr Taback ziehen, oder
oder boch Hefe fo dick, als fie — IT
Maftir, die-Darten, befonders aber das Wachs, det Honig und dus Sal, würden in andern. Häfen be
betraͤchtliche Sachen feyn. Die Einwohner von Ma⸗
ſorca zeugen ihren Saffran ſelbſt; —5 die von Minorca, die ihn eben fo, wie Ne ihren Ragouts
Brauchen, wollen! dieſe Pflange nicht anbauen. Was
kann man endlich wohl von Leuten hoffen, die, wenn man ihren was vom Pfropfen ſagt, ‚antworten, daß
niemand beffer wiſſe, als — — ein Baum wachſen
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N) Ein aͤchter Brief. von einem, ialienifipen Seren, über i
den Biß der Tarantul 2) Theodor Thorkelfohn Widalins Abhandlung ı von den islaͤndiſchen Eigbergen 9) — von der Zubereitung der * Caſtanien ur
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af Ealilche, Abhandlung. von denen im Bfute ee |
bandenen Fifentheilen, durch gewiſſe chymiſche Ver⸗ ſuche dargethan, und nebft einem Rh Verſu⸗
che mit dem Eiſen in der blauen Farbe —
J ne Abhandlung vonder Tuberofe 46 6) Unterfucbung des Lebens und der Schriften des Ho—
| merus, aus bem Englifchen überfegt von C. W. Agri⸗
57 2 Aucng der neueften phyfi iEalifchen —— 4
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HSamburgiſches
Wiuheſin,
geſammlete Schriften,
—*— und den angenehmen | Wiſſenſchaften ragen
Des dreyzehnten Bandes zweytes Stück, Mir Königl, Pohln. und Churfürftl. Saͤchſiſcher Frepbeit. Hamburg und Leipzig,
mom Chriſt. Grund und Adam Heinr. Holle, 1754
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je. on eiher ekonbet und 6 neh * Eſchriebenen ſchwammartigen Pflanze, die ‚auf den Oberflächen von Pre — jeninfufinen erfcheint.
» 0 Sch habe in dem vorigen Verſuche emnte daß wir die Rn die wir unterſuch⸗ * cn,
16 Fortſetzung der, microfeopifehen
‚gen; gedoppelt gehebt. Die eine Art derſelben ließe en wir offen, und dem freyen Zugange der Luft bloß ge⸗ ſtellet, die andere aber ward fo gur, als möglid), "ber decket, und mit einer naßgenrächten Blafe zugebuns den. Wir funden, daß. fo wohl die al en als auch die bedeckten Gefäße mit lebendigen Einwohnern gleich ftarf bevölkert waren. Wir hatten verfchier dene Tage mit der Unterfuchung dieſer fonderbaren Greaturen zugebracht. Der Topf, welchen wir ges öffnet hatten, ward, fo bald ſich die lebendigen Crea⸗ turen in den offenen Töpfen zeigten, wieder zugebun« den, und blieb eine Zeitlang ganz ftille beftehen. Die - Einwohner unfers offenen Gefäßes behielten alle ihre lan] ‚und wir waren nunmehro bögierig zu ehen, ob es denen, die fi) in dem vermacht en Ge⸗ faͤße befunden, eben fo gut ergangen waͤre.
Als wir daſſelbe öffneten, geriethen wir in eine an⸗ genehme Verwunderung über eine neu hervorges brachte Sache, die ihre Schönheit über die ganze Oberflaͤche der Infuſion verbreitet hatte... Der Sefer wird zum $achen bereit feyn, wenn er höret, d die ganze Schönheit. darinn beftanden, daß die Infuſion ſchimmlicht geworden. Allein was ein unachtſames Auge wie ein Nichts uͤberſieht, oder mit tauſend an⸗ dern Begriffen unter dem Namen einer Faͤulung vermiſchet, das unterſuchet ein philoſophiſcher Be⸗ merker bis auf den Grund, und es ſchlaͤgt ihm gar ſelten fehl, fuͤr die Muͤhe feiner Unterfuchung dur) Die Entdeckung einer Schoͤnheit oder Seltenheit be⸗ 5* zu werden.
Dasjenige, was Leute, ‘denen bie Werke der Par tur nicht, ſonderlich bekannt find, wuͤrden oben abge
nommen,
| und phufifali obachtungen. m
nommen, und weggegoſſen haben, ſchien uns eben der ſchaͤtzbarſte Theil zu ſeyn. Die Einwohner dieſer Fluͤßigkeit hatten wir vorhin ſchon zur Gnuͤge bes trachtet, und funden alfo hier ein neues Feld voll Wunder vor uns. Wir fuchten uns nur bloß zu überzeugen, daß die Greaturen in der Infuſion noch lebten, und darauf fiengen wir an, den neu hervor⸗ gebrachten Gegenſtand zu unterfuchen. | Gleichwie die. vorigen Ereaturen zum Thierreiche gehörten ; fo gehörte dieſe neue Sache augenfchein« lich zum Pflanzenreiche. . Was man mit dem bloßen Auge daran fehen fonnte, war eine duͤnne und glatte Rinde von einer grünlichten Farbe, die wie ein Stuͤck feines Leder ausfah, ſo ganz eben über die Oberfläche der Materie ausgebreitet war, woraus eine Menge Fleiner Stengel: bervorragete, welche Fleine runde Köpfe trugen. Diefe fchienen bey dem erften Anblide fehr Fleinen Nadeln ähnlich zu feyn, die in die Haut,
fo die Infuſion bedecfete, Hineingefchlagen wären. Da mir Bemerkungen von diefer, Art gar nicht ungewohnt waren, fo wußte ic) gar wohl, daß dasje⸗ nige, was wir hier fahen, einer fernern Unterfuhung: nicht unwuͤrdig wäre; allein es befand fid) in einem Zuftande, der zu einer folchen Unterfuchung nicht zum beiten geſchickt war. Ich war überzeuget, daß die: Rinde aus einem Haufen von Pflanzen beftünde,, wovon eine die Geftalt der andern verderben mußte, weil fie gar zu dicht an einander ftunden, ‘Der ges‘ ſchwinde Wachsthum diefer Fleinen Pflanzen war mir bekannt, und id) verfprach daher meinem edlen Freun«. de, dasjenige, mas wir wünfchten, den folgenden Tag: vollkommen und in eigentliche Geftalt zu fehen. Wir, Er; . 23 ſchnit,
ſchnitten etwa den —— Thell der Rinde ab, En: alſo fo viel wort der Oberfläche der Infuſion bioß/ und * das Gefaͤß wiederum, wie vorhin. Der Fortgang der Natur in ihren Dflanzennerfen iſt gewiſſermaßen der Größe derſelben gemag. Da die Eiche, wie die Naturforfcher uns fagen, hundert Jahre waͤchſt „hundert in ihrer Vollkommenheit bleibt, und eine eben ſo lange Zeit zu ihrem Verfalle Hr p gerathen diefe Eleinen zarten Dinger, unges fähr in fieben Stunden, aus dem Zuftande des Saas mens zu ihrem vollkommenen Wachsthume, bleiben etiva eine ober zwo Stunden in ihrer, Vollkommen⸗ “ beit, und alsdenn verwelken ſie, und machen ihren Nachkoͤmmlingen Pag, und es bleibt nichts als die Scale oder Rinde unten am Boden übrig, die der jungen Saat zum Grunde dienet. Ich hatte bemer« fet, daß ein jeder runder Kopf, den wir auf der ges. meinfehaftlichen Rinde fahen, mit reifendem Saamen beladen war, welcher gar bald würde abgefondert wer⸗ Den, und daß zivar einige von den Saamenförngen unmittelbar auf die Rinde fallen, und fich folglich mit: den übrigen Pflänzgen vermifchen, andere aber ohne Zweifel auf die entbloͤßte Oberfläche der Infuſion fallen, und uns daſelbſt die Pflaͤnzgen in einem ſolchen Zuſtande darſtellen wuͤrden, darinn ſie deutlich konn· ten bemerket werden.
Wie ich mir es vorher vorſtellete, fo gieng es — | Als wir den folgenden Morgen unſer Gefäß eroͤffne⸗ ten; war der Theil der Oberfläche der Infuͤſion, die wir bloß gelaffen Hatten, gleichfam mit weißen Flecken bedecket, und es war nicht ſchwer, einzuſehen, daß ein — von dieſen Flecken eine von den Pflanzen wäre,
die
yyſikaliſchen Beobachtungen. 19;
| bie wir — wollten.) Dem bloßen ‚Auge, ſchienen fie weiter nichts, als ſchlechte Klumpen von einer weißen Farbe zu feyn, Die nicht einmal fo. groß, als der dritte Theil des Durchmeffers des kleinſten Madelfopfes waren ; als wir fie aber vermittelfteineg. mäßigen Bergrößerungsglafes ‚betrachteten, fonnten wir Deutlich fehen, daß ein jeder Klumpen eine tunde, ‚oder beynahe runde Rinde wäre, worauf fich eine Menge Eleiner Spigen in die Höbe richtete. : Die - Dflanzen waren noch fehr frühzeitig, fie hatten den. gehörigen Umfang ihres Grundes noch nicht erreichet, auch ſtunden die Köpfe noch nicht auf den Stengeln, welche bey den andern eine fo artige Figur machten. Alles, was wir itzo entdecken fonnten, beftund darinn, Daß die Ecken dieſer Kinden, rundlicht eingeferber; und ihre Oberflächen zwifchen den Stengeln, die, eben, a bervorgefchoffen, einigermaßen Förnigt wetan a
7
Leute, die mit Bergrößerungsgläfern noch nice Br umzugehen wiffen, werden aus der Handhabung der verfchiedenen Dinge, deren in. diefen Verſuchen erwaͤhnet wird, fernen, die verfchiedenen Arten der ſelben auf das portheilhaftefte anzuwenden, Es iſt allezeit am beſten, bey der Unterſuchung eines Gegen⸗ ſtandes, der vieles verſpricht, mit einem Glaſe von einer geringen Vergroͤßerungskraft den Anfang zu machen, und fo ferner ſtufenweiſe zu dem Gebrauche der groͤßten zu ſchreiten. Auch iſt es am beſten, die Dinge zuerſt, wenn es angehen will, in ihrem natiir- lichen Zuftände zu befehen, und fie nachgehends ftufen» weile in andern Öeftalten und Stellungen zu betrach⸗
ten. Durch dieſes Mittel vermeiden wir die Irr⸗ H a4 thümer,
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120 Fortſetzung der micröfcopifchen . thuͤmer, welche den Werfen dererjenigen ihren Wer benehmen, die fonft eine Zierde diefer Wiſſen würden geweſen feyn; denn dieſe unterſuchen Air ehe fie, das Ganze betrachtet haben, und fehen Die Ges genftände in den willführlichen Berdrehungen derſel⸗ ben an, ehe ſie ſich ihren natuͤrlichen und ordentlichen Zuſtand bekannt gemacht haben, verfallen daher im Irrthuͤmer, die wir uns ſchaͤmen zu ſehen, und ver fehlen folcher Wahrheiten, die fie bey einem ordent⸗ lichen Verfahren nothwendig hätten entdecken muͤſ⸗ fen, wenn fie auch nut Vor fo forgfältig —* Due | fen wären: Nachdem i wir. alles sort — was ih bei Geſichte darftellete, fo wie die Pflanzen auf der Fluͤſ⸗ figfeic ſchwommen, in welcher ſie gewachſen waren; ſo brachten wir in dem Waſſer eines der hohlen Glaͤ⸗ ſer an, welche dazu gemacht ſind, Dinge, die im Woaſſer vorkommen, mit dem Waſſer um ſie herum unter dem foco des doppelten Vergroͤßerungsglaſes zu halten. Wir thaten dieſes an ſolchen Stellen, wo zwo oder drey von dieſen Pflanzen ganz nahe an ein⸗ ander ſtunden, und hatten das Gluͤck, ſie alle ganz und unverletzt mit dem Waſſer wegzunehmen, wel» ches ſich in dem hohlen Glaſe um ſie geſamm⸗ let hatte. Dieſe ſetzten wir auf die Platte des Mi-· erofcopii in dem Glaſe, und als wir nur ein kleines Vergroͤßerungsglas anbrachten, ſo konnten wir erken⸗ nen, daß dasjenige, was auf der Rinde das Anſehen von Koͤrngen gehabt hatte, in der That eine Art —* hohlen blaͤtterichten Erhebungen war, die aber m un Rinde einerley harbe un Einrichtung en
‚und
a und phyſikaliſchen Beobachtungen. 2
und in allem, ausgenommen in in der Figur/ ſchwam⸗ micht waren.
"Die becherförmigen: Schwänme, ‚erfihiebene, von den’Lichenibus, und: einige andere von den unvolls fommerern Pflanzen, wie fie mit Unrecht von den Schriftſtellern genannt werden, deren Werkzeuge des Fruchtbringens auf Stengeln figen, haben eine blät« terichte und rindenartige Materie zu ihrem Grunde. Die gemeinen — von ſo vielen Arten, die - an den Mauern und alten Bretern ſitzen, haben die— ſelbe, und in vielen von ihnen ift fie dieſem Schwam⸗ mie, beydes ihrer Natur und ihrem Urfprunge nad), vollkommen ähnlich; Sie ift gemeiniglichigeründer,
anden Enden eingeferbt, und.auf der Oberfläche fürs
nicht, oder, wenn man e8 deutlicher fieht, bläftericht. Es iſt in der That eine Nehnlichfeit zwifchen: diefen- Schwämmen, und die meiſten von den gewöhnlichen Arten zeigen ſich anfänglich in der Geſtalt eines gel⸗ ben oder grauen Fleckes an der Oberfläche des Stei⸗ nes oder Holzes, woran ſie wachſen, ‚eben fo als die Schwaͤmme auf der Oberfläche des Waſſers; ſie vers breiten in beyden Fällen ihren Diameter, und bringen nachgehends die Stengel hervor, worauf: die Werks zeuge des Fruchtbringens ſitzen.
Da das Herumſchwimmen dieſer Fleineh Pflans * uns Gelegenheit gab, fie in verſchiedenen Stel lungen nach einander zu ſehen, fo ftellten fie fich uns ein oder zweymal auf eine ſolche Art dar, vermittelſt welcher wir gar deutlich ſehen konnten, daß Wurzeln zur. Unterhaltung der Rinde in das Waſſer hinab giengen. . Diefe Eleinen Schwämme find in diefem von den Seepflanzen unterſchieden, die *
5 alle
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2 Sortfeging der mictoſtobiſchen I
afle von) einer flachen Rinde erheben⸗ die auf einem Steine, oder einem andern dichten Koͤrper verbreitet iſt, ohne daß ſich die gerihgften Wurzeln dabey zei: gen, die ſie mir NRahrung verſorgen Fönnten, > Bey den Seepflangen wird die· Mahrung durch die klei⸗ nen $öchergen eingendmmen;, die in alfen Theilen ih». rer Dberfläche offen find 5!’ Hier aber wird die Rinde durch ordentliche: Wurzeln, wie die gemeinen Pflans jen, oder um noch eine genauere Bergleichung zu mas chen, wie die Waſſerlinſen, die Fleinen Nymphae, der Waflerfoldate, oder Die: andern Pflanzen ernaͤh⸗ ret, die häufig oben auf dem Waffer ſchwimmen, und: wiewohl fie durch) die Wurzeln ernähret werden, for faffen fie doch dieſe Wurzeln nicht in den Schlamm hinab, fondern fie empfangen ihre Nahrung unmite: telbar von dem Waffer. Da wir Gelegenheit hat- fen, diefes zufälliger und unvollkommener Weiſe zu ſehen, fo machte ung ſolches eifrig, die ganze Sache, fo genau, als möglich, zu entdecken. Es koſtete uns einige Mühe, ehe wir Gelegenheit befamen ‚unfern Endzweck nad) Wunfch zu erreichen; doch. vermite telſt eines Pferdehaares, davon wir das eine Ende an der Seite des hohlen Glaſes feſt klebten, das andere aber an eine der Pflanzen befeſtigten, fanden wir ein dittel ‚fie in eine ſolche Stellung zu bringen, in wel⸗ cher wir die Einrichtung der unterften Theile volle kommen betrachten konnten. ° Die äußerfte Fläche des Untertheiles war viel glätter, als die Oberfläche, und war einigermaßen der äußerften Fläche eines di⸗ fen Pergaments ähnlich. Aus verſchiedenen Thei ⸗ len derſelben giengen in kleinen Entfernungen die rg heraus, Es waren folches weiße, ſchoͤne und
—*
und phyſikaliſchen Beobachtungen. 123: und durchſichtige Faͤſergen. Sie waren ſehr kung
und zart, doch an den aͤußerſten Enden mit einer Art von Furteralen verſehen, in. welche ſie, wie Degen in) die Scheide, , geſtecket wurden. Es kamen allezeit ihrer drey von einem Flecke — und giengen nicht
perpendiculaͤr ins Waſſer hinab, ſondern wurden von dem Mittelpunete bis zu den aͤußerſten Enden vers breitet. *
Wir Bis wärend bieſer ——— wie denn ſolches denenjenigen, die die Einrichtung der;
Dinge: in der Welt bemerfen, niemals fehlen Fantt,; -
7
eine vortreffliche Gelegenheit, die Vorſorge der Nas
tür für alle ihre, Werke zu bemundern.: Wir hatten:
von Zeit zu Zeit Mengen von den thierifchen Eins
wohnern des Waffers , fo wie wir es damals einfar ⸗
ben, um die Pflanze, die wir betrachteten, herum
fpielen fehen, wodurch uns denn öfters das Geſicht
war benommen worden. Wir hatten bemerfer, daß dem Getuͤmmel diefer Creaturen um fie herum die Bewegung zuzufchreiben wäre, die fie langſam nach
| verfchiedenen Theilen des Waffers berumtrieb. Kaum
hatten wir aber diefe Pflanzen in fo weit fennen ges fernet, als ihr gegenwärtiger unvollflommener Zu⸗ ftand e8 ung erlaubete, fo entdeckten wir, bey Unter⸗ fuchung der Iebendigen Einwohner des Waflers, daß Dasjenige, mas wir fürseinen Zeitvertreib und ein Spiel gehalten hatten, eine weit wichtigere Befchäff- tigung gewefen war, indem dieſe Thierchen auf die
| gedachte Art von den Pflänzcyen ihre Nahrung fuch
ten. Wir fahen nunmehro, daß jie Stüden von als fen Seiten der Pflanzen abriff jen, und fie mit eben: der MRROINEDe verzehrten, die wir an ihnen bemerket
hatten,
⸗
124 Fortſetzung der mickofeopifchen hatten, als ſie die Stuͤcken von dem Saamen ver⸗ jehreten, von welchem fie ihren Urſprung zu "haben. ſchienen. Es iſt eine. Sache, die ſich noch nicht be⸗ ſtimmen laͤßt, wie diefe Thiere oder diefe Pflanzen,
die ihnen Nahrung verfchaffen, in das Waſſer foms
men. Wir fehen, daß die eine Art in gleicher Anzahl ſo wohl in dem vermachten, als in dem offen ſtehen⸗ den, die andern aber allein in dem vermachten Wafe fer Hervorformmen „daß alfo ihr Urfprung von Eyern oder Saamen, deren erftere: von alten Thieren bins ein geleget worden, der andere! aber iin wer. Luft ge⸗ fhmommen ‚ auf feine Weiſe anzunehmen: iſt. Sie mögen indeſſen hinein kommen, wie fie wollen, fo ſe⸗ hen wir doch, daß die Natur dafuͤr ſorget, daß ſie von ſolchen Arten ſeyn moͤgen, die einander nutzen koͤnnen, indem die Pflanzen ſehr geſchwinde hervor⸗ kommen, und die Thiere mit Mahrung verſorgen.
Die Natur brachte die Theile dieſer Rinden zum wenigſten eben fo geſchwinde wieder hervor, als. die zahlreichen, wiewohl nur Eleinen Berderber, fie ver⸗
zehren konnten; und da die allgemeine wachſendma⸗ chende Kraft beftändig fortwährte, fo nahmen fie
von Stunde zu Stunde an Größe zu, bis fie den ber flimmten Grad derfelben erreicher hatten, und fo groß, als der Kopf einer mittelmäßigen Nadel mas
ren. Diefe ganze Zeit zeigte ſich nichts, fo zum Jubes
hör des Fruchttragens dienen konnte, als die Sten« gel, worauf folches ftehen ſollte. Diefe fiengen wir nunmehro an, mit einer forgfältigen Aufmerkfamfeit
zu betrachten, und funden, daß fie allmählig größer
wurden. Als fie ihre beftimmte Höhe ar ats
+
und phyſitaliſchen Beobachtungen. 125
„hatten, und nicht eher, Fonnten wir die erfte Er ‚fcheinung der runden Köpfe bemerken, die in den reis * Pflanzen zuerſt unſre Aufmerkſamkeit auf fi hatten. Es war leicht zu ſehen, daß ſie J Dichte Körper, und auch nicht ‚vollfommen gle auf ‚der. äußerften Flähe waren. Sie fihienen ſchwammigt und raub, und wir fahen mit der Außer» ſten Berwunderung, daß fü fie von dem Augenblide an, da fie zuerft erfchienen, in einer kurzen Zeit mehr, ‚als dreymal fo groß wurden, als. fie zuerft geweſen ‚waren. Mun fonnten wir deutlich feben, daß fie aus einer Menge Dinner Körper zufammengefegt waren, bie wie Strahlen aus einem Mittelpuncte heraus ſchoſſen, in einer ziemlichen Entfernung von einander Funden, und weil fie.alle von einer Länge waren, die Figur rund madıten. : | Das gedoppelte Microfeopium. tar nicht. fo bes quem- zu diefer Unterfuchung, als ein ſtark vergroͤßern⸗ des einfaches Glas. Wir brachten an dem zur Uns terſuchung undurchſichtiger Koͤrper gewoͤhnlichen Zus behoͤr ein fehr ftarfes Bergrößerungsglas an, und eis nen noch unreifen Kopf dieſer Pflanze in den Focum deffelben. Der Stengel, worauf derfelbe fund, war ein ſchoͤner glaͤnzender flebrichter Cylinder, hohl und vollkommen durchſichtig. Die Farbe deſſelben war blaͤulichtweiß, und; feine aͤußere Flaͤche vollkommen eben. Der Kopf ſahe nicht anders aus, als eine große Kugel von der ſchoͤnen, weißen, ducchfichtigen und Flebrichten Materie, die, wiewohl in nicht fo ‚großer Menge, die Seiten des Stengels bebeckte Daß wir nur einige-fehr Pleine runde — ‚einigen Theilen davon, wie kleine Klumpen entd
konn ⸗
Fonnten. Während der Zeit, daß wir unſre Augen darauf gerichtet Hatten, Fonnten wie dieſe Rfintpeh oder Puͤckelchen fih auf der Fleinen Kugel immer ar erheben fehen, und es folgfen venfelden iriimer ‘andere Fugelförmigte Koͤrperchen. Als nun dieſel.
mmes niche ſo Aue 11: 1
und phyſikaliſchen Beobachtungen. 127
dicht ft, und daß die Strahlen deſſelben an daB gen viel weiter auseinander ftehen. >
Bey genauer Unterſuchung funden tie, daß * jede derſelben ohngefaͤhr bler ig runde Kuͤgelchen aus · machte, die alle von derſelben Groͤße, von derſelben blaͤulichtweißen Farbe, und mit der Flebrich. ' ten Materie, die den Körper der Kugel ausmachte, bedecket, durch nichts anders als durch ihre Kies brigkeit verknuͤpft waren Der Strahlen waren un« „gefahr 26 an der Zahl ; an ihrem Grunde ftunden fie etwas näher bey einander, doch nicht fo, daß fie ‚fi 5 beruͤhrten an den eeſten Enden
— —
*
Hben an dem Stengel zwiſchen dieſem und rund herum auf ihrem Grunde ſtand auch eine große Ans zahl kurzer und fehr Fleiner Stengel, die gleichfalls "mit einem Kopfe gefeönet waren. ‚Diefe Stengel ‚ftiegen nicht höher, alg die zwey unterften Glieder
‚der größern Strahlen, und ihre Köpfe: waren von - einer länglichten, efigten Figur und flunden aufge _ richtet... Die Stengel waren eben fo bläulicht-weiß, ‘als der allgemeine Stengel, und mit derfelben durch» ſichtigen klebrichten Materie bedecket; die Köpfe aber waren blaßgelbe und trocken. Die wir unfere Beobachtung fortfegten boeſt einer von dieſen Koͤpfen mit Gewalt auf· Der ganze Umfang des Kopfes warb nunmehro von einer Wolfe eines ‚auffteigenden Staubes non derfelben gelbichten Farbe bedecket, ſo daß er nicht deutlich konnte geſehen werden. Indem wir dieſes bewunderten, folgte noch ein anderes Berſten von derſelben Art, wobey eine: friſche ——— 1979 Stau
128 Fortſetzung der microfcopifthen Stauberfolgte. Darauf kam noch ein anderes; und das gieng fo weiter: fort, ſo daß es in.einer Zeit von zwo Minuten, oder länger, nicht möglich war, etwas von bem Kopfe zu erfennen, und man Eonnte weiter nichts.fehen, denn daß er.in einer Wolfe von fo fei⸗ nem Staube N eher einem Kaus che, als einer Materie, die aus dichten — | ſtuͤnde, ähnlich fabe. A Als diefe Verwirrung vorbey war, Fonnten wir fehen, daß alle länglichte, winflichte Köpfe, die an den kürzern Stengeln faßen, nach einander, fo wie ‚der erfte, geborften waren, und. daß ein jeder Derfel« ben beym Berſten eine Duantirät feines Staubes von ſich gegeben hätte. Der Staub felbft war nut. mehro theils herab gefallen, theils aber lag er auf den Kugeln, die an den Strahlen des Kopfes waren. Diefe waren nunmehro, an ſtatt, daß fie vorhin eine glarte Dberfläche zeigeten, über und über mit diefem Staube bedeckt, und die Elebrichte Materie, womit fie befeuchtet waren, machte, daß der. Staub an allen Theilen ihrer Oberfläche feſt ſitzen blieb. Dieſe Kuͤ⸗ gelchen ſahen nunmehro auch gelb aus. "Die kleinen winklichten Körper an den kurzen Stengeln hatten nunmehro ihre Geſtalt gaͤnzlich veraͤndert. Sie waren bis an den Grund an den Fugen ihrer verſchie· denen Ecken geborften, und machten nunmehro ein jeder die Figur eines regelmäßigen Sternes von acht Spitzen aus. Brei Aus dieſem Berichte erhellet deutlich, daß dieſer kleine Schwamm zu der Anzahl derer Pflanzen gehoͤ⸗ re, die männliche und weibliche Werkzeuge des Frucht- tragens, oder wie man gemeiniglidy zu reden pflegt, EIER maͤnn⸗
J
m hi \ und phyſikaliſchen Beobachtungen 129 maͤnnliche und weibliche Blumen haben, die an dieſer einzelnen. Pflange ganz unterſchiedlich zu bemerken ſind. Die Koͤpfe, welche auf den kurzen Stengeln ſtunden, waren augenſcheinlich die ‚Antberae; oder Apices, und die Stengel die StamminoDieſe mach⸗ ten alſo die ganze maͤnnliche Blume aus; denn hier iſt kein Kelch,/ noch Krone, oder des — zu ſehen. Als dieſe nun aufbrachen, ward ihr fruchtbar machen · des Mehl, in der Geſtalt des feinen Staubes, der einer Wolke von Rauch ähnlich war, Herausgelaffen; und hatte fih auf die Rügelhen der langern Strah⸗ len feſtgeſetzt, um das Werk Der Schwaͤngerung da⸗ durch zu vollziehen. In ſo fern kam alles mit der Natur und dem Endzwecke des Mehles in den groͤßern Pflanzen überein, allein daß die,Antherae in eine ſo regelmäßige Figur eines Sternes mit acht Ecken auf⸗ brachen, war eine ſonderbare Schoͤnheit, die ſich bey keiner Art der groͤßern Pflanzen findet. Denn in den ſchoͤnſten Blumen brechen die Aurkierae auf eine unbeftimmte Weite, und geben ihr Mehl; in einem . eben fo, woͤlkichten Staube von ſich, fiesnehmen aber nachgehends Feine-befondere Figur au: Diefe-aber werden, wenn fie das; gethan haben, wozu fie beſtimmet ſind, ‚Die ſchoͤnſten und anſehnlichſten Theile der "Pflanze, und ein jeder, der fie in ihrer erſten Geſtalt nicht geſehen ‚hätte, würde! fie. natürlicher Weile für ordentliche Blumen gehalten haben, die aus acht re lichten Blättern beftünden.. Die männlichen: Fortpflanzungstheite dieſer — Pflanje waren nunmehrd zur Genuͤge betrachtet wor⸗ den, und es blieb noch uͤbrig, auch die Beſchaffenheit hen weiblichen zu unterſuchen. Dieſe behielten noch 43 Dandı x. - Ämmer
130 Fortſetzung det mieroſcopiſchen
immer ihre urfprüngliche Eugelförmige Geſtalt, ni wurden aber durch. den Staub, der aus den maͤnnli⸗ chen Blumen: auf fie gefallen war, und fie über und über bedeckte, ganz rauh. Wir brachten das aller« färffte Vergrößerungsglas dabey an, und zwar ein - weit ftärferes, als gemeiniglich bey dieſem Bergrößes rungsgeräche verfauft wird. Es war in der * von der erſten Groͤße der wilfonifeben-Gläfer, und furz, das ftärkfte einfache Vergrößerungswerfzeug, das die menſchliche Kunſt nur faͤhig geweſen iſt, zu⸗ wege zu bringen. “Die Area, die diefes Glas ein: nimmt, ift fo klein, und die gehörige Entfernung feines Foci iſt fo ſchwer zu treffen, daß es fich eben nicht mit großer Bequemlichkeit gebrauchen läßt; doch einer accuraten und geübten Hand falle nichts fo fchwer, oder fo unmöglich, als einer folchen, die in dergleichen Dingen niche ſo geuͤbt iftz und wiewohl das Geſicht dadurch ziemlich beſchwerlich iſt; ſo erſetzet doch die Staͤrke und Deutlichkeit alle Befehtwerlichkeiten. Es . vergrößert ganz erſtaunlich/ und zeiget alles mit einer ſolchen Richtigkeit, als wir noch niemals unter dem gedoppelten Vergroͤßerungsglaſe angetroffen haben, wo das Bild durch drey Glaͤſer gehen muß, ehe es zu dem Auge gelanget, und folglich niemals ſo accurat oder rein iſt, weil es durch die Unvollkommenheit aller dieſer Glaͤſer nicht gaͤnzlich richtig vorgeſtellet wird. Soo viel habe ich fuͤr noͤthig gehalten, von dem Nu⸗ gen der einfachen ſtarken Bergrößerungsgläfer bey den allergenaueften’Unterfuchungen zu fagen; denn ic) weiß, daß die Befchwerlichfeit, die mit dem Ges brauche derſelben verfnüpfet ift, verurfacher hat, daß fie
unverdienter Weiſe i in eine fchlechte — geraden + find,
und phyſikaliſchen Beobachtungen. 13 find, welche. Hintähfegung aber allen künftigen Untere fuchungen fehr nachtheilig feyn wird. Das Heels
wenboefifche Microfeopium, und die Microfeopia
aller andern. Autoren, die die kleinſten Dinge der Nas eur fo erftaunlich genau gefehen, und der Welt eine Begierde zur Unterfuchung derfelben eingeflößer has ben, find, wie wir vernommen, einfache Gläfer von diefer Arc geweſen. Faſt alle große Entdeckungen, dadurch diefes Inſtrument berühme geworden, find vermittelſt einfacher Glaͤſer gemacht. Dieſe ſind die
‚eitzigen, durch deren Huͤlfe man den genauen Wegen
der Natur in ihren Fleinften Werfen nachſpuͤren kann Es muͤſſen fih auch diejenigen, denen bloß der Ges brauch des Spieljeuges des gedoppelten Microfcopit befanne ift, nicht wundern, daß fie’ den Entdeckungen ſolcher Männer nicht folgen Eönnen, die fich der ein⸗ fachen Glaͤſer bedienet haben; auch müffen fie Leute feines Betrugs oder einer Ausſchweifung der Einbil⸗
dungskraft befchuldigen, die bey ihren Unterfuchungen
ein Werkzeug gebrauchet, welches dasjenige, wodurch fie fich vergeblicher Weiſe bemühen, ihren Fußſtapfen folgen, am wirklichen Werthe fo fehr übertrifft: a8. doppelte Microſcopium ift ein Inſtrument für diejenigen, die ſich an den Bergrößerungskräften bei luſtigen wollen ; dieſes aber müffen diejenigen Fennen und gebrauchen, die wirkliche Entdeckungen zu ınde chen millens find. Die Verſchiedenheit des Lichts, fo bey dem. Gebrauche der gedoppelten Vergroͤße⸗ rungsalaͤſer auf die Objecte fällt, giebt den Dingen öfe ein fo verfchiedenes Anfehen, daß daffelbe Ding kaum daſſelbe u ſeyn fcheint. Bey dem ’einfachen BE ifE das Geſicht zwar dunkel, doch J2 gewiß;
132 Fortſetung der microſcopiſchen mi
gewiß; ‚es iſt allezeit daſſelbe, und wiewohl ein Auge,; das nicht dazu gewoͤhnet iſt, kaum weiß, was es aus einem Objecte machen foll, fo-fehlet es doch einem ges übten *Bemerfer niemals, alles mit einer zureichenden . Deutlichkeit, und fo richtig und. accurat zu fehen,daß : es ihn vergnügen muß. Ich hoffe, Die Bemerfun« gen, die in diefen verfchiedenen Berfuchen befannt ges macht find, werden von vielen mwiederholet werden. Ich felbft Habe ſie ſo oft wiederholet, daß ich feſt über. zeuget bin, daß ein jeder Theil derſelben ganz genau und richtig ſey; und ich wollte gern ein Werkzeug anpreiſen, welches itzo zwar wenig gebrauchet wird, das doc) aber, weil ich fo vieles Damit entdecket habe, muß gebrauchee werden, wenn man mir mit, einiger, Hoffnung eines glücklichen Ausganges folgen will. . Die Wahrheit Diefer Anmerkung von dem verſchie⸗ denen Nutzen des einfachen und geboppelten Ders größerungsglafes Fann fich nicht deutlicher zeigen, als bey der. gegenmärtigen Unterfuchung. Als das. gen Doppelte Bergrößerungsglas. mit, allen feinen Vor⸗ theilen und mit allen feinen Kräften. gebraucher ward, fonnte es doch von den weiblichen Sortpflanzungs« werfzeugen dieſes Fleinen Schwammes en jeigen, als daß Die verſchiedenen ee able, len von Kugelchen wären, die durch keinen Stengel, oder durch Feine Haut mit einander, verfnüpft wurden, fon.