(
S-S *01
M H
Jahrbuch
der
Königlich Preussischen geologischen La.ndesansta.lt und Bergakademie
zu
Berlin
f ü r (1 a s J a h r
<nrt-
1888.
Berlin.
In Commission bei der Simon SciiKOPP’schen Hof-Landkartenhandlung
(J. H. Neumann).
1884.
2! UZ
I n li a 1 t.
i.
Mittheilungen aus der Anstalt.
Seite
] . Bericht über die Thätigkeit der Königl. geologischen Landesanstalt im
Jahre 1883 vn
2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1884 ... xv
3. Mittheilungen der Mitarbeiter der Königlichen geologischen Landesanstalt
über Ergebnisse der Aufnahmen im Jahre 1883 xxi
4. Personal- Nachrichten lxxiii
II.
Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen Landesanstalt.
Die Orthocerasschiefer zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
Von Herrn Emanuel Kayser in Berlin. (Tafel I — VI.) 1
Das Liasvorkommen bei Eichenberg in Hessen in Beziehung auf allgemeine Verhältnisse des Gebirgsbaues im Nordwesten des Thüringer Waldes.
Von Herrn F. Moesta in Marburg. (Tafel VII — X.) 57
Beitrag zur Culm-Flora von Thüringen. Von Herrn Ernst Weiss in Berlin.
(Tafel XI -XV.) ' 81
Beiträge zur Kenntniss der Cephalopoden aus Silurgeschieben der Provinz Ost - Preussen. Von Herrn Fritz Noetling in Königsberg in Pr.
(Tafel XVI -XVIII.) 101
Ueber Echinosphärites und einige andere organische Reste aus dem Unter- silur Thüringens. Von Herrn H. Loretz in Berlin 136
Vergleichende Beobachtungen an isländischen Gletscher- und norddeutschen Diluvial -Ablagerungen. Von Herrn Konrad Keilhack in Berlin.
(Tafel XIX.) 159
Basaltische Gesteine aus dem Grabfeld und aus der südöstlichen Rhön.
Von Herrn H. Proescholdt in Meiningen 177
Ueber geologische Verhältnisse, welche mit der Emporhebung des Harzes
in Verbindung stehen. Von Herrn A. von Koenen in Göttingen . . 187
Beitrag zur Kenntniss des Keupers im Grabfeld. Von Herrn H. Proescholdt
in Meiningen 199
Petrographische Beiträge aus dem nördlichen Thüringer Walde. Von Herrn
E. Weiss in Berlin. (Tafel XX.) 1 213
a
Seite
Die südliche Verbreitungsgrenze des Oberen Geschiebemergels und deren Beziehung zu dem Vorkommen der Seen und des Lösses in Nord- deutschland. Von Herrn F. Klockmann in Berlin 238
Die Wachsenburg bei Arnstadt in Thüringen und ihre Umgebung. Von
Herrn E. E. Schmid in Jena. (Tafel XXI.) 267
Das Diluvium und seine Süsswasserbecken im nordöstlichen Theile der
Provinz Hannover. Von Herrn E. Läufer in Berlin 310
Ueber gemengtes Diluvium und diluviale Flussschotter im norddeutschen
Flachlande. Von Herrn F. Klockmann in Berlin 330
Ueber Chirotherium - Sandstein und die carneolführenden Schichten des
Buntsandsteins. Von Herrn W. Frantzen in Meiningen 347
Von Eisenach nach Thal und Wutha. Von Herrn J. G. Bornemann in
Eisenach. (Tafel XXII - XXVII.) 383
Beitrag zur Kenntniss der Diabas-Mandelsteine. Von Herrn E. Dathe in
Berlin (4 Zinkographien.) 410
Ueber Aufschlüsse älterer, nicht quartärer Schichten in der Gegend von Demmin und Treptow in Vorpommern. Von Herrn M. Scholz in
Greifswald 449
Ueber die Trias -Mulde zwischen dem Hunsrück und Eifel- Devon. Von
Herrn H. Grebe in Trier. (Mit einer Uebersichtskarte. Tafel XXVIII.) 462 Ueber die Anforderungen der Geologie an die petrographische Systematik.
Von Herrn K. A. Lossen in Berlin 486
Aus dem Gneissgebiet des Eulengebirges. Von Herrn F. M. Stapff in
Weissensee 514
Alluvial- und Diluvialbil dangen im Schlesischen Eulengebirge. Von Dem- selben 535
Das Profil der Eisenbahn Konitz-Tuchel-Laskowitz. Von Herrn A. Jentzsch
in Königsberg i. Pr 550
Ueber die Lagerung, petrographische Beschaffenheit und Gewinnung des
Unteren Diluvialmergels in Hannover. Von Herrn E. Läufer in Berlin 594 Der Deckthon und die thonigen Bildungen des unteren Diluviums um Heilsberg. Von Herrn Richarp Klebs in Königsberg. (4 Zinko- graphien.) 598
Studien an metamorphischen Eruptiv- und Sedimentgesteinen, erläutert an mikroskopischen Bildern. Von Herrn K. A. Lossen in Berlin.
(Tafel XXIX.) 619
Die märkisch- pommersche Braunkohlenformation und ihr Alter im Lichte
der neueren Tief bohrungen. Von Herrn G. Berendt in Berlin. (Auszug.) 643 Zechstein -Versteinerungen aus clem Bohrloche in Purmallen bei Memel. Nachtrag zu »Neuere Tief bohrungen in Ost- und Westpreussen«. Von Herrn G. Berendt in Berlin 652
I.
Mittheilungen aus der Anstalt.
1.
Bericht über die Thätigkeit der Königlichen geologischen Landesanstalt im Jahre 1883.
I. Die Aufnahmen im Gebärgslatide.
Im Mittelharz wurde von dem Landesgeologen Professor Dr. Lossen die Kartirung des alten Gebirges auf den Blättern Elbingerode und Blankenburg (G. A. 56 ; 15 und 16) ]) fortgesetzt.
Sekretär Halfar setzte seine Aufnahmen im Gebiete des Devon und Culm nordwestlich des Granethaies auf Blatt Zellerfeld (G. A. 56; 7) fort und suchte einen Anschluss an die westlich angrenzende Section Seesen (G. A. 55 ; 12) herzustellen.
Am nördlichen Fusse des Harzgebirges begann der Landesgeologe Dr. Branco die Aufnahme des im Gebiete der jüngeren Formationen liegenden Blattes Vienenburg (G. A. 56; 2) und vollendete dieselbe zum grössten Theile.
Professor Dr. Dames setzte die Bearbeitung der Blätter Blankenburg und Derenburg fort (G. A. 56; 16, 10).
In dem Gebiete westlich des Harzes setzte Professor Dr. von Koenen die von Dr. Speyer bereits begonnene Aufnahme des Blattes Gandersheim (G. A. 55; 11) fort und bearbeitete einen Theil des Blattes Göttingen (G. A. 55; 28).
Im nördlichen Thüringen war der Landesgeologe Dr. 2. Moesta mit einer nochmaligen Begehung des Kyffhäusergebirges behufs Fertigstellung der Erläuterungen zu der betreffenden
Der Harz.
Thüringen.
1) G. A. 56; 15 und 16 = Gradabtheilung 56, Section 15 und 16.
VIII
Kartenlieferung und zu den von ihm entworfenen beiden Profilen durch dieses Gebirge beschäftigt.
Professor Dr. von Fritsch setzte die Revision seiner Auf- nahmen der Blätter südlich von Halle fort.
Ingenieur W. Frantzen führte eine genaue Revision des durch Professor Dr. von Seebacii bearbeiteten Blattes Creuzburg (G. A. 55; 60) aus und stellte den Anschluss der geognostischen Grenzen auf Section Treffurt (G. A. 55; 54) mit denjenigen auf dem westlichen Nachbarblatt Eschwege her.
I111 mittleren Thüringen lieferte Geheimer Hofrath Prof. Dr. E. E. Schmid einige geologische Nachträge zur 2. Auflage der Section Jena (G. A. 71; 2), vollendete die Aufnahmen auf den Blättern Dietendorf und Stadt lim (G. A. 70; 4 und 17), revidirte diejenigen auf Section Arnstadt und Plaue (G. A. 70; 10 und 16) und setzte die Kartirung des Blattes Crawinkel (G. A. 70; 15) fort.
Professor Dr. Bauer führte die Bearbeitung der Section Ohrdruf (G. A. 70; 9) dem Abschlüsse nahe und nahm Revisionen im Gebiete des Blattes Gotha (G. A. 70; 3) vor.
I111 Thüringer Walde setzte der Landesgeologe Professor Dr. WEISS seine Aufnahmen auf den Blättern Brotterode und Friedrichsroda (G. A. 70; 7 und s) fort und bearbeitete auf ersterem die Umgegend von Ruhla. Ausserdem führte er auf den Sectionen Eisenach, Salzungen und Wutha (G. A. 69; 6 und 12; 70; 1) die vorläufig erforderlichen Anschlüsse der geognostischen Grenzen an diejenigen auf Blatt Brotterode aus.
Professor Dr. von Fritsch vollendete die Kartirung des ihm überwiesenen Theiles von Blatt Tambach (G. A. 70; 14) und nahm eine Schlussrevision der Section Suhl (G. A. 70; 21) vor.
Geheimer Hofrath Professor Dr. Schmid brachte Section Ilmenau (G. A. 70; 22) zum Abschlüsse.
Ingenieur W. Frantzen führte die geologische Aufnahme des Brandleite -Tunnels bei Gehlberg zu Ende.
Dr. Proescholdt vollendete das Blatt Themar (G. A. 70; 26) bis auf eine Schlussrevision seiner östlichen Grenze, sowie den ihm überwiesenen Antheil von Blatt Schwarza (G. A. 70; 20),
IX
stellte Blatt Rentwertshausen (G. A. 70; 3i) bis auf die Schluss- revision einzelner Theile fertig und begann die Bearbeitung des Blattes Römhild (G. A. 70; 38), sowie der Blätter Sondheim und Ostheim (G. A. 69; 35 und 36) innerhalb der Sachsen -Weimar- scheu Enclave.
Im südlichen und südöstlichen Thüringen bearbeitete Bergreferendar Dr. Beysciilag den Meiningen’schen Antheil der Blätter Rieth und Heldburg westlich von Coburg (G. A. 70; 44 u. 45).
Landesgeologe Dr. Loretz führte seine Aufnahmen auf den Blättern Masserberg, Gr. Breitenbach und Gräfenthal (G. A. 70;
28, 29 und 30) dem Abschlüsse nahe und setzte diejenigen auf Section Coburg (G. A. 70; 46) fort.
Professor Dr. Liebe unterzog die bereits von anderer Seite ausgeführten Aufnahmen der Blätter Saalfeld und Ziegenrück (G. A. 7 1 ; 19 und 20) einer genauen Revision und setzte unter Beihilfe des Dr. Zimmermann die Kartirung auf den Blättern Naitschau, Greiz, Probstzella (letztere zusammen mit Dr. Loretz) und Schönbach, sowie insbesondere auf dem südlicher gelegenen Blatte Hirschberg fort (G. A. 71 ; 23, 24, 25, 29 und 33).
Dr. Zimmermann nahm auf Blatt Liebengrün (G. A. 71; 26) die östliche Hälfte auf und führte auf Blatt Saalfeld im Buntsand- stein und Muschelkalk des »Hohen Kulm« eine revidirende Ex- cursion aus.
Im R egieru ngs bezirk Cassel setzte der Landesgeologe 3. Die Provinz I)r. Moesta die Arbeiten für die Blätter Altmorschen und He5,sen Nassau' Seifertshausen (G. A. 55; 56, 57) weiter fort und begann mit der Zusammenstellung: der Erläuterungen zum Blatte Aliendorf.
Im R egierungsbe zirk Wiesbaden führte der Landes- geologe Professor Dr. Kayser ^ine Begehung und z. Th. Schluss- revision im Gebiete der von dem verstorbenen Landesgeologen Dr. Koch aufgenommenen Sectionen Limburg, Eisenbach, Ketten- bach, Idstein und Feldberg (G. A. 67; 41, 42, 47 und 48; 68; 43) aus behufs Abfassung der erläuternden Texte zu denselben. So- dann setzte er die Aufnahmen auf Blatt Schaumburg (G. A. 67 ; 40) weiter fort unter gleichzeitiger Vornahme von Informationstouren auf den anstossenden Blättern Ems und Rettert (G. A. 67; 39
X
und 46) sowie auch auf dem von Dr. Angelbis bearbeiteten Blatte Montabaur (G. A. 67 ; 33).
Dr. Angelbis führte die Kartirung des Blattes Girod (G. A. 67 ; 34) dem Abschluss nahe und begann die Untersuchung des Blattes Hadamar (G. A. 67 ; 35).
4. Die Rhein- Behufs Veröffentlichung der Sectionen des Nahegebietes wurden
1 die Eruptivgesteine zwischen der Saar und dem unteren Nahethale
von den Landesgeologen Professor Dr. Lossen und H. Grebe einer gemeinschaftlichen vergleichenden Studie unterzogen. Ferner war letzterer au der Fertigstellung des Blattes Malberg (Kyllburg) G. A. 66 ; 56) thätig und begann die Aufnahmen auf den Blättern Neuerburg, Mettendorf und Waxweiler (G. A. 65; 60, 79 ; 6 und 66 ; 55).
5. Die Provinz Im Eulen gebirge setzte Dr. Dathe seine aus dem Gebiete
des Gneisses bis in das Mittel-Rothliegende reichenden Aufnahmen jener Gegend auf Blatt Neurode (G. A. 76; 26) fort und begann dieselben auf dem östlich angrenzenden Blatte Frankenstein (G. A. 76; 27).
Dr. Stapfe kartirte auf Blatt Schweidnitz (G. A. 76; 7) die krystallinischen Gesteine und das Diluvium an deren östlichem Rande, nahm den aus Gneiss, Carbon und Quartärbildungen etc. zusammengesetzten südwestlichen Theil des Blattes Charlottenbrunn (G. A. 76; l.s) auf und begann die Untersuchungen auf der südlich angrenzenden Section Rudolphswaldau (G. A. 76; 19).
II. Die Aufnahmen im Flachlande
mit besonderer Berücksichtigung der agronomischen
V erhältnis se.
1. Im Arbeitsgebiete westlich der Elbe
vollendete Professor Dr. Scholz zunächst die Aufnahme des Blattes Gardelegen (G. A. 43; 25). Alsdann setzte derselbe die Aufnahme des Blattes Stendal (G. A. 43; 22) fort und beendete dieselbe.
Professor Dr. Grüner brachte das begonnene Blatt Tanger- münde (G. A. 43; 28) zum Abschluss und begann die Aufnahme des Blattes Jerichow (G. A. 43; 29).
XI
2. Im Havelläiulisclien Arbeitsgebiete
begann und vollendete Dr. Klockmann nach völligem Abschluss des Blattes Arneburg (Gr. A. 43; 2:s) die Aufnahme des Blattes Schollene (G. A. 43; 24), in dessen weiten Niederungsflächen Culturtechniker Keiper theilweise Hülfe leistete und führte so- dann noch die Aufnahme des Blattes Sandau (G. A. 43; n) zur Hälfte aus.
Dr. Wahnschaffe bearbeitete in dem, die Verbindung mit den bereits veröffentlichten Blättern über die Gegend Berlins bil- denden Gebiete die drei Blätter Rathenow, Haage und Ribbeck (G. A. 44; 19, 20, 21) mit Hülfe des Culturtechuikers Lübeck, sowie zeitweise des Culturtechnikers Keiper. Die Aufnahme des ersteren Blattes wurde fertiggestellt.
3. Im Uckermärkisclien Arbeitsgebiete bewirkte Professor Dr. Berendt neben seinen Inspectionsreisen in die genannten und die folgenden Arbeitsgebiete mit Hülfe des Culturtechnikers Becker die fast vollständige Aufnahme des Blattes Eberswalde (G. A. 45; 9), sowie eines Theils des Blattes Ruhlsdorf (G. A. 45 ; 8).
Dr. Läufer gelang es mit Hülfe des Culturtechnikers Scholz und zeitweise auch des Culturtechnikers Keiper die Blätter Lieben- walde und Zehdenick (G. A. 45; 1, 7) ganz, Klein-Mutz (G. A. 44; 6) zum Theil in der Aufnahme herzustellen.
Dr. Keilhack begann und vollendete die Aufnahme des Blattes Wustrau (G. A. 44; 10).
4. In Westpreussen
führte Dr. Jentzsch die Aufnahme des Blattes Rehhof (G. A. 33 ; 10) zu Ende und setzte diejenige des Blattes Mewe (G. A. 33; 9) fort. Zwischendurch führte derselbe eine Begehung einiger neuer Eisenbahnstrecken aus.
Dr. Ebert begann die Aufnahme des Blattes Garnsee (G. A. 33; 22).
XII
5. In Ostpreussen
führte Dr. Klebs die Aufnahme des im Vorjahre begonnenen Blattes Heilsberg (G. A. 18; so) , sowie eine Begehung mehrerer neuer Eisenbahnstrecken aus.
Dr. Schröder begann im Späthherbste die Aufnahme des Blattes Krekollen (G. A. 18; 5i).
Dr. Noetling nahm die Kartirung des Blattes Bischofstein (G. A. 18; 58) in Angriff.
Stand der Publikationen.
Im Laufe des J ahres sind zur Publikation fertig gestellt worden :
1. Lieferung XXII, enthaltend die geologisch- agronomisch bearbeiteten Messtischblätter Ketzin, Fahrland, Potsdam, Werder, Wil- denbruch imd Beelitz der Umgegend Berlins 6 Blätter.
2. Lieferung XXIV, enthaltend die Blätter
Tennstedt, Gebesee, Gräfentonna und Andis- leben 4 »
3. Lieferung XXV, enthaltend die Blätter
Mühlhausen, Körner und Ebeleben ... 3 »
4. Lieferung XXVI, enthaltend die Blätter Mittenwalde, Friedersdorf, Alt-ITartmanns- dorf, Cöpenick, Königs -Wusterhausen und
Rüdersdorf der Umgegend Berlins ... 6 »
zusammen 19 Blätter.
Es waren vorher publicirt 109 »
Mithin sind im Ganzen publicirt . . . .128 Blätter.
Weiter gelangten folgende Abhandlungen und sonstige Ar- beiten zur Vollendung:
1. Abhandlungen, Band IV, Heft 3: Beiträge zur Kenntniss der Tertiärflora der Provinz Sachsen von Dr. P. Friedrich. 305 S. Text mit 2 Holzschnitten, 1 Uebersichtskarte und 31 Lichtdrucktafeln.
2. Abhandlungen, Band V, Heft 1 : Die geologischen Verhält- nisse der Stadt Hildesheim von Dr. H. Roemer. 85 S. Text nebst 1 Karte.
XIII
3. Jahrbuch der Königlich Preussischen geologischen Landes-
O O o
anstalt und Bergakademie für 1882. LIII und 692 S. Text und 23 Tafeln
Nach dem Berichte für das Vorjahr betrug der im Handel debitirten Kartenblätter .
die Gesammtzahl 1 2 305 Blätter.
Debit der Publikationen.
Im Jahre 1883 wurden verkauft:
|
von |
Lieferung I, Gegend von Nordhausen |
13 |
|
|
» |
» II, » |
» Jena . . . . |
26 |
|
» |
» III, » |
» Bleicherode |
9 |
|
» |
» IV, » |
» Erfurt . . . . |
22 |
|
» V, » |
» Halle . . . . |
17 |
|
|
» |
VI, » |
» Saarbrücken |
|
|
I. Theil . . |
35 |
||
|
» |
» VII, » |
» II. » . . |
45 |
|
» |
» VIII, » |
» Blechelsdorf . |
22 |
|
» |
» X, » |
» Saarburg |
27 |
|
» |
» XI, |
» Berlin Nordwesten |
|
|
(Nauen etc.) . |
21 |
||
|
» XII, » |
» Naumburg a. S. . |
53 |
|
|
» |
» XIII, » |
» Gera |
13 |
|
» |
» XIV, » |
» Berlin Nordwesten |
|
|
(Oranienburg) . |
18 |
||
|
» |
» XV, » |
» Wiesbaden |
84 |
|
» |
» XVII, » |
» Ti'iptis, Neustadt |
8 |
|
» |
» XIX, » |
» Querfurt . . . |
18 |
|
» |
» XX, |
» Berlin Süden, |
|
|
(Teltow etc.) . |
43 |
||
|
» |
» XXI, » |
» Frankfurt a. M. . |
329 |
|
» |
» XXII, » |
>> Berlin Südwesten |
|
|
(Potsdam etc.) 354 |
|||
|
» |
» XXIV, » |
» Tennstedt . |
217 |
|
» |
» XXV, » |
» Mühlhausen . |
144 |
|
» |
» XXVI, » |
» Berlin Südosten |
(Cöpeniclc etc.) 322
Bl.
»
»
»
»
»
»
»
y>
»
»
- 1840
so dass im Ganzen durch den Verkauf debitirt sind: 14145 Blätter.
XIV
Von den sonstigen Publikationen sind durch den Verkauf
debitirt worden:
Abhandlungen.
Band I, Heft 1. (Eck, Rüdersdorf) 3 Exempl.
» » »2. (Schmid, Thür. Keuper) .... 3 »
» » » 3. (Laspeyres, Rothliegendes bei Halle) 4 »
» » » 4. (Meyn, Insel Sylt) 7 »
Band II, » 1. (Weiss, Steinkohlen-Calamarien) . . 5 »
» » »2. (Orth, Rüdersdorf) 8 »
» » » 3. (Berendt, Nordwesten Berlins) 10 »
» » » 4. (Kayser, Devonfauna des Harzes) . 6 »
Band III, » 1. (Weiss, Flora von Wünschendorf) . 2 »
» » » 2. (Läufer und Wahnschaffe, Boden- untersuchung) 2 »
» » » 3. (Meyn, Schleswig-Holstein) ... 1 »
Band IV, » 1. (Schlüter, Echiniden) 62 »
» » »2. (C. Koch, Homalonoten) .... 55 »
Band V, » 1. (H. Roemer, Hildesheim) . . . .210 »
F erner :
Jahrbuch für 1880
» » 1881
» »1882
Weiss, Flora der Steinkohlenformation . . .
Geologische Uebersic.htskarte des Harzgebirges Höhenschichtenkarte des Harzgebirges
5 Exempl. 2 48 5 69 1 1
XV
2.
Arbeitsplan
für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1884.
I. Harz.
Im Mittelharze wird Landesgeologe Professor Dr. Lossen die Kartirung des alten Harzgebirges auf Section Blankenburg zu vollenden suchen und die Darstellung der ausserhalb der Elbinge- roder Mulde aufsetzenden Eruptivgesteine revidiren. Ausserdem wird derselbe die Arbeiten im Brockengebiete auf den Sectionen Elbingerode, Wernigerode und Harzburg fortsetzen.
Bergreferendar Koch wird bei der Untersuchung und Kartirung der Eruptivgesteine in den Sectionen Elbingerode, Wernigerode und Blankenburg Hülfe leisten.
Im Westharze wird Bergrath Dr. von Groddeck die Revision seiner früheren Aufnahmen auf der Grundlage der neuen Mess- tischblätter fortsetzen.
Sekretär Halfar wird die Ai’beiten in den ihm übertragenen Theilen der Sectionen Zellerfeld und Goslar zum Abschluss bringen.
Am Nordrande des Harzes wird Landesgeologe Dr. Branco die Kartirung des nicht paläozoischen Theiles der Sectionen Goslar, Harzburg und Wernigerode weiterführen und eine Schlussrevision
O O
des Blattes Vienenburg bewerkstelligen.
o o
Innerhalb derselben Blätter wird Dr. Läufer die Lagerungs- verhältnisse der Diluvialbildungen zum Gegenstände einer be- sonderen Untersuchung machen.
XVI
Professor Dr. Dames wird die Aufnahme der Section Deren- burg fortsetzen.
Westlich des Harzes wird Professor Dr. von Koenen die Bearbeitung der Sectionen Gandersheim und Westerhof und ausserdem diejenige der Sectionen über die Umgebung Göttingen’s weiterführen.
2. Im nördlichen Thüringen
wird Professor Dr. von Fritsch die Revision der Sectionen Halle, Gröbers, Kölsa, Merseburg, Kötschau, W eissenfeis und Lützen fortsetzen.
Dr. Bornemann wird die Aufnahme der Section Wutha mit Ausschluss des alten Gebirges fertigstellen.
Professor Dr. Bauer wird in der Section Ohrdruf die Glie- derung des Diluviums vollenden und die Regulirung der Grenzen gegen die anstossenden Sectionen zu Ende führen.
Ingenieur Frantzen wird die Revision der Section Kreuzburg und den Versuch einer Gliederung des unteren Muschelkalks in der Section Berka fortsetzen.
3. Im Thüringer Wald und südlich desselben
wird Professor Dr. Weiss die Aufnahme der Section Brotterode vollenden und innerhalb der Section Wutha den anstossenden südlichen Theil, soweit das alte Gebirge sich erstreckt, untersuchen und kartiren.
Professor Dr. von Fritsch wird die Revision der von ihm bearbeiteten Sectionen Suhl und Schleusingen fertigstellen.
Professor Dr. Bücking wird innerhalb der Section Tambach das von der Strasse von Schnellbach nach Steinbach - Hallenberg gegen Südwesten liegende Gebiet bearbeiten und innerhalb der Section Schwarza die Kartirung des nördlichen Theiles des Ge- bietes westlich des Schwarza -Thaies fertigstellen.
Dr. Proescholdt wird die Aufnahme der Sectionen Ostheim und Römliild fortsetzen und innerhalb der Section Schwarza den südlichen Theil des Gebietes westlich des Schwarza- Thaies an-
XVII
schliessend an die dortigen Arbeiten des Professors Dr. Bücking kartiren.
Geheimer Hofrath Professor Dr. Sciimid wird die Aufnahme der Section Crawinkel vollenden.
Landesgeologe Dr. Loretz wird die Kartirung im Bereiche des alten Schiefergebirges und des Rothliegenden in den Sectionen Grafenthal , Gr. Breitenbach und Masserberg fortsetzen und zu Beginn und gegen Ende der Aufnahmezeit auch die Kartirung im
o o o o
Bereich der jüngeren Formationen in den Sectionen Steinach, Oeslau und Coburg weiter führen. Derselbe wird die Darstellung des Grenzgebietes der Sectionen Masserberg und Ilmenau in Ge- meinschaft mit Herrn Geheimen Hofrath Professor Dr. Schmid bearbeiten.
Professor Dr. Liebe wird unter Hülfeleistung des Dr. Zimmermann die Neuaufnahme der Section Liebengrün, und die Revision der Sectionen Saalfeld und Ziegenrück vollenden, sowie die Kartirung der Sectionen Hirschberg , Lobenstein , Greiz, Naitschau und Schönberg weiterführen.
Bergreferendar Dr. Beyschlag wird die Aufnahme der Section Rodach fortsetzen.
4. ln der Provinz Hessen -Nassau
wird Bergreferendar Dr. Beyschlag die von Dr. Moesta in der geologischen Bearbeitung vollendeten Sectionen Ermschwerd, Witzenhausen, Grossalmerode und Aliendorf behufs der Bearbeitung der erläuternden Texte begehen.
Professor Dr. Bücking wird die Aufnahme der Section Kella fortsetzen.
Professor Dr. Bauer wird die Aufnahme der Section Tann weiterführen.
Professor Dr. Kayser wird die Section Schaumburg zum Abschlüsse bringen und die Aufnahme der Sectionen Ems und Rettert in Angriff nehmen.
Behufs der Untersuchung der Altersverhältnisse im Gebiete des Unterdevon im Westerwalde und im Siegeu’schen wird der- selbe eine Bereisung der von Dr. Angelbis bearbeiteten Wester-
b
XVIII
wald-Sectiouen in Gemeinschaft mit diesem vornehmen und eine Orientirungsreise in’s Siegen’sche ausführen.
Dr. Angelbis wird die Section Hadamar zum Abschluss bringen und eine Schlussrevision der von ihm bisher kartirten Blätter behufs der Veröffentlichung ausführen.
5. Sn der fRiieinprovinz
wird Landesgeologe Grebe die Aufnahme der Section Mander- scheid beginnen.
Derselbe wird in Gemeinschaft mit Professor Dr. Lossen eine erneute Untersuchung der Eruptivgesteine des Rothliegenden im Nahegebiet vornehmen und im Anschluss hieran in Gemein- schaft mit Professor Dr. Kayser die Unterdevonbild un^en des südlichen und westlichen Theils des Hunsrücks einer vergleichenden Untersuchung unterziehen.
6. Sn der Provinz Schlesien
wird Dr. Datiie zunächst in der Nordostecke der Section Rudolfs- waldau den Anschluss seiner Aufnahmen an diejenigen des Dr. Stapfe in dem nördlichen Theile dieser Section herstellen. Da- nach wird derselbe seine Untersuchungen in dem nördlichen Theile der Section Laugenbielau gegen den Nordostrand des Eulengebirges hin erstrecken , um die Zusammensetzung des Gneisses nordöstlich der Hornblendegesteinszone genauer fest- zustellen.
Dr. Stapff wird die Aufnahme der Section Charlottenbrunn weiterführen.
7. Sm Äufnahmegebiet des Flachlandes.
a) In dem Havelländischen Arbeitsgebiet
wird Dr. Wahnschaffe unter Hülfeleistung des Culturtechnikers Lübeck und des neu in die Arbeiten einzuführenden Cultur- technikers Woelfer die begonnene Section Haage beenden, so- dann auf Grund der vor Beginn der Aufnahmen durch den Cultur- techniker Lübeck hergestellten Copien der betreffenden Kataster-
XIX
karten die Section Tremmen (Gr. Belmitz) und schliesslich die Section Kibbeck bearbeiten.
Dr. Klockmann wird mit zeitweiser Hülfeleistung des Cultur- technikers Keiper die begonnene Section Sandau beenden, dem- nächst die Aufnahme der Section Strodehne betreiben und ge- eigneten Falls auf Blatt Rhinow übergehen.
Professor Dr. Scholz wird nach Vollendung der Section Hindenburg mit zeitweiser Unterstützung durch den Culturtech- niker Keiper die Aufnahme der Section Vieritz ausführen.
Professor Dr. Grüner wird die eben begonnene Section Jerichow zu vollenden suchen.
b) In dem Uckermärkischen Arbeitsgebiet wird Professor Dr. Berendt neben den verschiedenen Inspektions- reisen in sämmtliche Aufnahmegebiete des Flachlandes mit Hülfe des Culturtechnikers Becker die Section Eberswalde (geeigneten Falls auch Ruhlsdorf) vollenden und die Aufnahme der Section Joachi mstlial ausführen.
Dr. Läufer wird mit Hülfe des Culturtechnikers Scholz nach Vollendung der Section Kl. -Mutz die Aufnahme der Section Nassenheide ausführen.
Dr. Keilhack wird zunächst die Aufnahme der Section Lindow ausführen und demnächst mit Hülfe des neu in die Arbeiten einzuführenden Culturtechnikers Baldus diejenige der Sectionen Gr. -Mutz und Beetz beginnen.
c) In Westpreussen
wird Dr. Jentzsch die Section Mewe zum völligen Abschluss bringen und sodann die Aufnahme der Section Münsterwalde, über deren NO. -Ecke bereits Aufnahmen vorliegen, ausführen.
Dr. Ebert wird die begonnene Aufnahme der Section Garnsee zu Ende führen und demnächst auf Section Neuenburg: übergehen.
d) In Ostpreussen
wird Dr. Ivlebs die Sectionen Gr.-Teisten und Bartenstein in Angriff nehmen.
b*
XX
Dr. Schröder wird die Aufnahme der begonnenen Section Krekollen zu Ende führen und demnächst auf Section Siegfrieds- walde übergehen.
Dr. Noetling wird die Aufnahme des begonnenen Blattes Bischofstein fortsetzen und möglichst zu Ende führen.
Ausserdem wird Dr. Läufer bei Beginn der Aufnahmeperiode eine Bereisung des nördlichen Theiles der Provinz Hannover behufs der Aufsuchung von Mergellagern ausführen.
o o o
XXI
3.
Mittheilungeii
der Mitarbeiter der Königlichen geologischen Landesänstalt über Ergebnisse der Aufnahmen im
Jahre 1883.
Mittheilung des Herrn K. A. Lossen über eine gemeinsam mit Herrn H. Grebe im Sommer 1883 unternommene geolo- gische Untersuchung des sogenannten Eruptiv- Grenz- lagers im Ober-Rothliegenden zwischen Kirn und Ober- stein an der Nahe und St. Wendel an der Blies.
Die im zweiten Bande dieses Jahrbuchs von Herrn Grebe gegebene Darstellung der geologischen Gliederung des Oberrotli- liegenden zwischen der Saar und dem Glan konnte durch das einseitige Betonen basaltischer Melaphyre und ihrer Mandelsteine in dem Grenzlager leicht den Eindruck hervorrufen, als ob in jener Gegend saurere Eruptivgesteine porphyritischer Natur fehlten und Quarzporphyr und Melaphyr unvermittelt vorkämen. Dem standen indessen die von Herrn E. Weiss herrührenden, in J. Roth’s Beiträgen zur Petrographie der plutonischen Gesteine veröffent- lichten Resultate der Untersuchungen über die porphyritischen Gesteine der Horst bei Bettingen an der Prims, ganz im Westen des fraglichen Gebietes, entgegen; auch liessen die Untersuchungen der Herren Laspeyres und Streng über die saureren, zum Theil ganz ausgeprägt porphyritischen Grenzlager-Gesteine an der Unter- nahe, im Osten des Gebietes, erwarten, die Mittelregion, in der das Grenzlager seine ausgedehnteste räumliche Verbreitung zeigt, werde diese Gesteinstypen auch nicht ganz vermissen lassen, und dies um so weniger, als auch die mikroskopischen Diagnosen,
XXII
welche H. Rosenbusch’s Physiographie der massigen Gesteine in reicher Fülle aus jener Eruptivformation mitgetheilt hat, dem Orts- kundigen weitere Beweise dafür an die Hand gab.
Die einschlägigen Sammlungen der geologischen Landesanstalt, die von II. Laspeyres, E. Weiss, F. Rolle, II. Grebe her- stammen, gestatteten eine vorläufige Orientirung und unterstützten wesentlich die Vorbereitung aus der Literatur, die sich auch auf die Eruptivgesteine im Unterrothliegenden und in der Steinkohlen- formation erstreckte.
Da es nicht möglich war, in der zugemessenen Zeit die ganze geographische Ausdehnung des Grenzlagers zum Gegenstand ein- gehender Untersuchung zu machen, so musste die Umgebung von Baumholder vorläufig unbesucht bleiben; die Hauptbasis der Schritt für Schritt mit Hämmer und Lupe ausgeführten Durchmusterung bildete das trefflich aufgeschlossene Eisenbahnprofil von St. Wendel, beziehungsweise Namborn bei St. Wendel bis nach Oberstein und eine quer dagegen gerichtete Untersuchungstour von Oberkirchen (Weiselberg) über Freisen, Berglangenbach nach Heimbach und von Aulenbach über Reichenbach, Kronweiler nach Niederbrom- bach. Ein Blick auf die Weiss - LASPEYREs’sche prognostische Uebersiclitskarte des kohlenführenden Saar -Rhein -Gebietes lehrt, dass der an letzter Stelle angegebene Weg von Oberkirchen her aus deu Lebacher Schichten (Mittelrothliegeudes Weiss, Oberes Unterrothliegendes Grebe), als dem Liegenden des Oberrotli- liegenden, in das Grenzlager eintritt und bei Niederbrombach wieder in die Lebacher Schichten herausführt; das Eisenbalm- profil schneidet dagegen umgekehrt da, wo es zwischen Oberstein und Nohbollenbach das Grenzlager verlässt, in hängendere Sedi- mentschichten (Obere Söterner Schichten Grebe’s) ein, die sich liier in die Eruptivdecke (: nappe ) einmulden, und denselben hän- genderen Schichten begegnet man auf der entgegengesetzten Seite, wo dieselben als eine kleine Mulde in der Umgebung von Heister- berg längs der Eisenbahn zwischen Wallhausen und Namborn dem Grenzlager aufruhen.
Indem nun die Eruptivgesteinstypen au der oberen oder hangenden Grenze, wie sie z. B. längs des Bahnhofs und in den
XXIII
Burgfelsen von Oberstein, auf dem Tiefert bei Kirn und von da gegen die Einmündung des Beiden- und Dickesbachs in die Nahe hinzu, ebensowohl als südlich Wallhausen, bei Heisterberg, Mosberg, Steinberg u. s. w. anstehen, unter sich wesentlich über- einstimmend gefunden wurden, ergab sich ein Normaltypus der Deck- oder Dachgestein-Zoue im ' Grenzlager, der entweder von dem Oberen Thönstein Grebe’s (z. B. Krebsweiler Thal, Tiefert) oder da, wo dieser fehlt, direct von den Oberen Söterner Schichten überlagert wird.
Untersuchungen dagegen, welche östlich von Burg Birkenfeld gegen den Staffelhof hinzu, östlich von Hoppstädten bis über die Mausemühle hinaus, am Krausberge bei Schmisberg, ferner OSO. von Veitsrotli, sowie im Krebsweiler Thale bei Kirn angestellt wurden, wo überall der Untere Thonstein Grebe’s, sei es als solcher (Gegend von Kirn), sei es als Porphyrconglomerat (Gegend von Birkenfeld) das unmittelbare Liegende des Grenzlagers x) bildet, haben in eben so constanter Weise einen besonderen Gesteinstypus dieser tiefsten oder Sohlgestein -Zone erkennen lassen.
Einen dritten Typus bilden die Gesteine der Mittelzone zwischen Sohl- und Dachgestein, welche die Hauptmassen des Grenzlagers zwischen Kirn und Namborn zusammensetzen und örtlich, da wo das Sohlgestein fehlt, wie bei der Namborner Mühle, direct auf dem Porphyrconglomerat ruhen. Das Eisenbahnprofil zwischen Heimbach unterhalb der Mausemühle und Enzweiler oberhalb Oberstein besteht ausschliesslich aus diesen Gesteinen der Mittelzone, die auch, wenige Stellen abgerechnet, längs des bald über die Plöhen, bald über die Thalsohlen führenden Quer- profils zwischen Freisen und Niederbrombach anstehen; nur bei Berg -Langenbach und Reichenbach auf einer, das Querprofil kreuzenden, Längslinie, welche das bei Oberstein eingemuldete Oberrothliegende der Winterhauch mit der Heisterberger Mulde verbindet, wurde Dachgestein angetroffen. Auch die unbesucht gelassene Gegend von Baumholder scheint nach den Handstücken
x) Das also hier, wie an den übrigen Orten, wo diese zum Oberrothliegenden zählende Conglomerat- oder Thonsteinbildung entwickelt ist, nicht mehr genau auf der Grenze zwischen Mittel- und Oberrotkliegendem lagert.
XXIV
der Sammlung und nach den Diagnosen des RoSENBUSCH’schen Werks vorzüglich der Mittelzone anzugehören.
Diese Beobachtungen bestätigen also die bereits von Laspeyres ausgesprochene Anschauung, dass das Eruptiv- Grenzlager nicht sowohl einem einzigen deckenförmig ausgebreiteten Ergüsse, als vielmehr mehreren über- einandergeflossenen Lavaformationen entspricht; sie widerlegen aber auch die Befürchtung desselben Autors, als ob der Geolog auf die petrographisch - geologische Gliederung dieser classischen Eruptivformation Ver- zicht leisten müsse.
Die Gesteine der ältesten Ergüsse in der Sohlgestein-Zone waren bereits Herrn Grebe nach ihrer äusseren Erscheinunff auf-
O
gefallen und machen einen Theil dessen aus, was derselbe als »basaltischen Melaphyr« auf seinen Messtischblättern vorläufig aus- geschieden hatte. Die dunkel schwärzlichgraue Farbe des noch nicht oxydirten Gesteins und das der Grösse und Zahl nach auffällige Zurücktreten aller porphyrischen Einsprenglinge in die durchaus vorwaltende feinkrystallinische oder in selteneren Fällen ganz dichte Grundmasse erklären die Anwendung jenes Namens, der indessen für andere Gesteinstypen bezeichnender ist, als für das Sohlgestein. Eine aufmerksamere Betrachtung der Grundmasse lässt häufig schon das unbewaffnete Auge eine durch die annähernde Parallellagerung der darin vorwaltenden Feldspathtäfelchen (Plagioklas, vorwaltend von geringer Auslöschungsschiefe, darunter wohl auch etwas Orthoklas) bedingte feinkörnig- schuppige Struktur erkennen, ähnlich jener, welche viele Phonolithe und manche Trachyte (z. B. Kühlsbrunnen im Siebengebirge), aber auch Melaphyr genannte Gesteine, so z. B. ganz ausgezeichnet ein »Melaphyr« vom Forst- berge bei Landeshut in Niederschlesien, zeigen. Auch die plattige Absonderung im Grossen, die dem Phonolith ehedem den Namen »Porphyrschiefer« eingetragen hat, kehrt bei dem Sohlgestein im Gefolge jener charakteristischen, zuweilen mit einer eutaxitischen Flaserung gepaarten Grundmassenstruktur wieder. Typische Feld- spathbasalte besitzen andere Strukturen, indem selbst die sauersten darunter, wie die Gesteine der Löwenburg im Siebengebirge und
XXV
die An desin- haltigen olivinarmen hessischen Anamesite viel mehr zur divergentstrahlig-körnigen Struktur mit krystallinischer Mesostasis (Diabas- oder Ophit - Struktur) oder zu derselben mit Intersertal- Basis (Dolerit- Struktur) neigen. Vergleichbarer sind Zirkel’ s untypische, dem Augit- Andesit strukturell angenäherte Basalte (Dunglass, Heckla-Lava von 1845, Truckee Valley, letztere beide mit 56,68 und 56,53 pCt. Si02); doch ist das Eruptivgestein in der I iecrenden Region des Grenzlagers meist basisärmer und oft geradezu vollkrystallinisch, und Olivin-Kryställchen finden sich nur spärlich zwischen den wenigen, oft knäuelartig verbundenen Ein- sprenglingen darin, während braune oder grüne Hornblende und brauner Glimmer sich hier und da neben dem allermeist ganz in der feldspathmikrolithenreichen Grundmasse versteckten Augit an deren Aufbau betheiligen; Apatit fehlt darin nicht und von Eisen- erzen herrscht Magnetit in zahlreichen mikrolithischen Kryställchen oder Krystallkörnchen in der Hegel über die spärlicheren, aber zuweilen schon mit blossem Auge sichtbaren Titaneisenerztäfelchen vor. Mandelsteinbildung fehlt ganz oder stellt sich erst gegen das Hangende der Sohlgesteinszone ein, wo allmählich der Typus der Mittelzone Platz greift.
IvOSENBUSCH 1) hat das Gestein vom Mausemühl -Tunnel zu der Abtheilung seiner »wirklichen Melaphyre mit mehr oder weniger reichlicher Zwischenklemmungsmasse« gestellt; legt man nicht so einseitiges Gewicht auf die Anwesenheit des auch nach diesem Autor »spärlichen« Olivin, so fühlt man sich eher gedrängt, einen relativ basischen Augit-Porpliyrit darin zu erkennen, entsprechend manchen olivinhaltigen Augit- Andesiten, wie beispielsweise Oebbeke solche von den Philippinen, Kloos solche aus Oregon (Mt. Hood) beschrieben und Marx dergleichen aus Nicaragua analysirt hat (Gesteine mit mehr als ,56 pCt. Si02, während das Solilgestein des Grenzlagers vom Staffelhof bei Burg Birkenfeld 57,73 pCt.., das OSO. von Veitsroth bei Idar 56,92 pCt. Si02 enthalten).
Geht man von der Mausemühle das Eisenbahnprofil die Nahe abwärts, so kommt man schon vor der Station Heimbach in die
*) Massengesteine, S. 400.
XXVI
mächtigste und zu Tag am weitesten verbreitete, aus einem Wechsel compacter und porös-mandelsteinartiger Massen zusammengesetzte M ittelzone des Grenzlagers. Im oxydirten Zustande, welcher weitaus vorherrscht und für die Mandelsteine geradezu die Regel bildet, besitzen die typisch porpliyritischen Gesteine dieser Zone meist röth lieh -graue, violett- oder rothbraune, seltener licht fleischrothe Farbe, an deren Stelle im frischeren Zustande Grünlichgrau oder Grau bis Schwärzlichgrau und in glasreichen Gesteinen das Pechschwarz des Weiselberg- Gesteins tritt. Was diese Porphyrite besonders charalcterisirt , sind kleine schm al- uadelförmige säulige Augit- oder Bronzit- Einspreng- linge, die jedoch nur in selteneren Fällen, ausgenommen in den pechsteinartigen Varietäten, frisch glasglänzend, von gelb- bis graugrüner Farbe angetroffen werden. Meistens sind es messing- gelbe Bastit- oder lebhaft bläulichgrüne delessitartige bis schwärzlichgrüne melanolithähnliche Pseudomorphosen *), die als solche weit besser aus der Grundmasse hervortreten, als das uuzersetzte Mineral; nur Kalkspath-Pseudomorphosen, die sich manchmal statt dessen einfinden, rufen das Gegentheil hervor. Die chloritischen Augit -Pseudomorphosen gleichen solchen aus den substanziell mit den Gesteinen der Mittelzone verwandten Augit- Dioriten und Kersantiten oder auch aus den augitführenden Grani- titen und den Keratophyren und weisen durch ihre intensive Färbung, namentlich aber durch ihren deutlichen, aus Bläulich- oder Braungrün und Braun in Gelb übergehenden Pleochroismus auf ihren relativ hohen Eisenoxydgehalt und darüber hinaus auf den Eisenreichthum ihres Mutterminerals hin, das zur Gruppe der Malakolithe oder Fuukite oder eines damit nahe verwandten, ganz licht weingelb oder schwach pleochroitisch grün-röthlich durchsich- tigen monoklinen Augits gehört. Ueberdies zeigen diese Pseudo- morphosen lebhaftere Polarisationsfarben , als sie bei den aus Diabantachronnym oder Subdelessit (Weiss) bestehenden eisen-
1 ) Beide letztere Pseudomorphosen nach Angit oft mit Hornblende ver- wechselt, wie in einem namhaften Antheil der Ilfelder Porphyrite, für welche Girard und Bantsch bereits den Augitgehalt betont hatten, ebenso in einem Tlieil der Gesteine vom Luganer See.
XXVII
oxydarmen Chloritpseudomorphosen nach den nelkenbraunen oder ledergelben Augiten im typischen Diabas oder im normalpyroxe- nischen Melaphyr gefunden werden. — Neben diesen Einspreng- lingen angitischer Mineralien sind fast ebenso regelmässig solche von oft gruppenweise vereinigten Plagioklasen (Labradorfeldspath nach E. E. Sciimid und Teall) vorhanden und als sehr charakte- ristisch solche von oft rundlich begrenzten dicken Titaneisenerz- täfelchen, alle diese Einsprenglinge nicht gross und nicht dicht gedrängt, so dass die Grundmasse vor denselben vorwaltet. Olivin wurde bislang nicht beobachtet und spielt keinenfalls eine be- achtenswerthe Rolle; wenn Rosenbusch’s vortreffliches Buch über die Massengesteine1) einzelne, dein Vorkommen nach wohl nur in die Mittelzone gehörige Gesteine auf Grund eines Olivingehalts zu seinen basisreichen Melaphyren stellt, wie z. B. ein Gestein zwischen Körborn und Baumholder, so führen gerade dann seine scharfen Diagnosen sonstige Eigenschaften an, die viel besser zum porphyritischen Gesteinscharakter passen, so die »ungewöhnlich gut krystallinisch ausgebildeten Augite« und den »sehr sicher nach- weisbaren Orthoklas« neben dem herrschenden Plagioklas; auch ist anderweitig, wie bei den Gesteinen von Eckersweiler und Bersch- weiler, geradezu von »Annäherung« oder »Uebergang« zum »Diabasporphyrit« die Rede, unter welchem Namen eine Anzahl recht charakteristischer Vorkommen aus der Mittelzone beschrieben sind, darunter das Weiselberg-Gestein und verwandte als »Diabas- pechstein«.
Der Berichterstatter hat gegenüber dieser Nomenclatur bereits an anderer Stelle (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1883. Februar- sitzung S. 211 ff.) seine Auffassung entwickelt, die einen Begriff Aug it-P orphyrit als Vorläufer des Augit- Andesits ver- langt, beide Gesteinstypen jedoch nicht als Aequivalente des olivin- freien Diabas, Norit 2) und Gabbro, sondern des Augit-, (bezw.
!) S. 399 und 400.
2) Wenn J. Petersen in seinen lehrreichen Untersuchungen über den Enstatit- porphyrit aus den Cheviot-Idills (Kiel 1884) schlechthin den »Norit (im Sinne Rosenbusch’ s)« als Aequivalent des Enstatitporphyrits auffasst und den ganz eng mit Quarzdiorit verbundenen »Norit vom Yildarthal« mit 59,97 pCt. SiOa nach
XXVIII
Bronzit.-) Quarzdiorits 1). Er zählt also die Gesteine der Mittelzone zum Augit-Porphyrit. Die seither ganz allgemein gemachte Erfahrung, dass nicht nur, wie Foüquje gezeigt, in dem Augit-Andesit der Santorin-Lava, sondern in den Augit-Andesiten zahlreicher Hauptverbreitungsgebiete vulkanischer Eruptivgesteine (Ungarn, Californien u. s. w.) ein rhombischer Augit (Hypersthen oder Bronzit) neben dem monoklinen, öfters ebenfalls pleochroiti- sclien Augite (Malakolith u. s. w.) vorkommt, findet sonach in den Porphyriten der Mittelzone ihre vollständige Parallele, wozu die nach den Begehungen im Sommer 1883 kürzlich bekannt gewor- denen Untersuchungen von Teall und Jon. Petersen über die Cheviot -Porphyrite und deren Aequivalenz 2) mit einem Hand- stücke vom Steinernen Mann bereits eine Bestätigung bringen. Auf eine kartographische Trennung solcher Gesteine, in welchen die rhombischen Augite vor den monoklinen vorherrschen, von solchen, in denen das umgekehrte Verhältniss statthat, wird man indessen verzichten müssen.
Teller und v. John als Beispiel citirt, so hat er seihst das, meiner Erinnerung nach übrigens bereits von Teall ganz richtig gewürdigte, Unzureichende seines Vergleichs dargethan, denn alle diese quarzhaltigen südtyrolischen Gesteine sind keine Norite (Rosenb.).
Vergl. auch dieses Jahrbuch, Jahrgang 1882, S. XX.
2) Diese Aequivalenz darf um so mehr geltend gemacht werden, als beide Vorkommen, das schottische und das aus dem Westrich, mesoplutonischen Alters sind, obwohl ersteres zur Devonzeit, letzteres zur Zeit des Rothliegenden sich ergossen hat. Denn, wenn ich mehrfach die mesoplutonische Eruptionsaera als postculmiseh und antetertiär bezeichnet habe, so gilt diese Zeitschranke selbst- verständlich nur für die in Deutschland herrschenden Verhältnisse. Im Ver- breitungsgebiet des Old Red in Schottland beginnt das Elotzgebirge im älteren tectonischen, nicht im neueren paläontologischen, Sinne mit dieser Formation, als der ersten, die nach der grossartigen , von cler Protusion des Granits begleiteten Faltung und Metamorphosirung der sibirischen Schichten des schottischen Hoch- lands zum Absatz gelangt ist. Eine absolute Zeitschranke werden wir auch nicht für die neoplutonische (vulkanische) Eruptivaera geltend machen dürfen, die wir gewöhnlich mit der Tertiärzeit beginnen lassen. Dagegen streiten entschieden die bald der Kreidezeit, bald dem Tertiär angehörigen deckenförmigen »Diabase, Serpentine und Gabbro’s« in Süd- und Südosteuropa, namentlich aber die ausser- ordentlich mächtigen und viele Tausend Meilen weiten Basaltergüsse der Kreide- formation Ostindiens (Deccan- traps).
XXIX
Die Ivie sei säur eprocente der Gesteine schwanken nach 9 Analysen zwischen 60,09 nnd 54,61 pCt. ; letzteren Werth gab E. E. Sciimid für den Pechstein aus der Gegend von Mambächel an; alle anderen Werthe liegen über 56 pCt. , die Mehrzahl dar- unter über 58. Die stets über die Einsprenglinge vorherrschende Grundmasse ist danach beträchtlich saurer, als die porphyrisch daraus ausgeschiedenen Labradore von 52,03 bis 53,41 pCt. Kiesel- säuregehalt. Mit dieser sauren Grundmassenbeschaffenheit stimmt die Mikrostrnktur wohl überein; dieselbe erweist sich bald mosaikartig und dann, bei stets vorherrschendem Feldspath- pflaster, oft deutlich quarzhaltig, bald mehr unbestimmt fleckig und zum Theil mikrofelsitisch , ähnlich der der Quarzporphyre; bald ist der vorwaltende Feldspathgehalt in leistenförmigen Mikro- lithen ausgeschieden , sei es in dichtem , echt porphyritischem, quarz-, glas- oder basisgetränktem Mikrolithenfilze , sei es nur locker eingestreut in eine mehr oder weniger überwiegende, glo- bulitisch gekörnelte oder trichitisch getrübte oder auch in beiden Erstarrungsweisen ausgebildete bräunliche oder grauliche Glas- basis. Letztere Ausbildungsweise waltet bei der Pechstein- Varietät vor, die sich keineswegs auf den, übrigens als Ero- sionsrest über oder als Intrusivmasse in den Lebacher Schichten vom Grenzlager räumlich getrennten, Weiselberg beschränkt, son- dern recht häufig in der Mittelzone vorkommt, so zu Niederbrom- bach im Dorfe selbst1), um Kronweiler, Mambächel, Frohnhausen, Eckersweiler, zwischen Nohen und Hoppstaedten, Riemsberg und Schmisberg, auf der Platt bei Aulenbach u. s. w. An letztge- nannter Stelle zeigt der Pechstein eine ganz ausgezeichnete Kugel - struktur, indem sich etwa haselnussgrosse Ballen von etwas stärker entglaster Masse dichtgedrängt in der als Bindemasse dienenden Pechsteinmasse ausgeschieden haben. Ebenso lehrreich ist eine varioli tische Abänderung, die neben dem Pechstein von Niederbrombach ansteht und überdies noch durch das Vor- kommen jenes roth- und gelbdurchsichtigen Epidots (Withamits)
x) Das Himmelsköpfchen bei Niederbrombach verhalt sieh dagegen räumlich dem Weiselberge analog: an beiden Ort.en kommen indessen neben dem Pechstein auch steinig entglaste Porphyrite vor.
XXX
bemerkenswerth erscheint, den der Porfido rosso antico Aegyptens und der Porpliyrit von Glencoe in Argyleshire beherbergt.
Unter den steinig entglasten Porphyriten sind noch beson- ders lichtere, härtere, beim Ritzversuch den Stahl zum Theil angreifende Abarten zu erwähnen, die auch hie und da ein por- phyrisch ausgeschiedenes Quarzkörnchen oder ein braunes Glimm er blät tchen erkennen lassen, während die augitischen Einsprenglinge darin mehr zurücktreten. Solche Gesteine stehen im Eisenbahnprofile unterhalb Kronweiler in der Umgebung von Frauenburg an, desgleichen zwischen Oberstein und Idar im Idar- thale u. a. und scheinen ungefähr in der Mitte zwischen der Sohl- und der Dachgestein-Zone zu lagern, denn bei Hammerstein und Enzweiler findet man wieder Bastit-Gesteine und die verwandten Typen wie oberhalb Kronweiler.
In den zu diesen Augit- und Bronzit-Porphyriten gehörigen Mandelsteinen erkennt man dieselben Einsprenglinge und Um- bildungsprodukte, zumal Delessit, Kalkspath und Achat, wie in den zugehörigen compacten Gesteinen, während die Zersetzungs- produkte des Olivins darin fehlen. Rundblasige Formen der Män- delchen sind selten darin zu finden, hingegen die schlauchförmig gewundenen, nach der Flussrichtung gedehnten vorherrschend.
Die inneren Absonderungen und die dadurch mitbeding- teu äusseren Reliefformen der nicht blasig aufgetriebenen Augit- und Bronzit-Porphyrite erinnern an diejenigen des Quarz- porphyrs; es sind schalig-plattige Strukturen, die den Felsformen eine von Vertikalklüfte u beherrschte Pfeilerung verleihen oder auch in ganz krummflächigen, gewölbeartigen Formen auffallend her- vortreten.
Diese Formen, welche man bei Heimbach, Nohen, Kronweiler, Frauenburg seil ist im flüchtigen Anblick vom Eisenbahnzuge aus in scharfer Ausprägung leicht wahrnimmt, verschwinden bei Ober- stein, in dessen Umgebung die Burgfelsen und die benachbarten Felswände plumpere Gliederung mit starker Betonung, der Hori- zontallinien und sichtlicher Neigung zu einer roh-kugeligen Ab- sonderung zeigen. liier also ist man in der Region des Dach- gesteins, welches den basischsten Typus (52,5 — 44 pCt. Si02)
XXXI
im Grenzlager darstellt, der durch das constante porphyr- artige Hervortreten scharf begrenzter Olivin- Krystalle oder deren Pseudomorphosen in allen seinen sonstigen Abände- rungen gut charakterisirt ist. Diese Abänderungen lassen sich, wenn man von den durch die verschiedenen Umbildungsprocesse bedingten absieht, auf zwei Hauptgruppen zurückführen: typi- sche Melaphyre mit oder ohne Mandelsteinbildung und Melaphyre von porphyritischem Habitus. Die Gesteine der ersten Gruppe walten in der Umgebung von Oberstein und Reichenbach, auf dem Tiefert bei Kirn, sowie im Eisenbahndurch- stiche zwischen Wallhausen und Heisterberg vor und sind im Hauptausbreitungsgebiete des Grenzlagers innerhalb der Dach- gestein-Zone überhaupt die herrschendere Abänderung. Am be- kanntesten ist das Vorkommen in dem Eisenbahndurchstiche des Bahnhofs Oberstein. Hier kann man relativ frische Gesteine schla- gen, aus deren schwarzer basaltähnlicher, basisreicher Grundmasse wasserhell glasige Labradore von langleistenförmiger Form und einer oft zur divergentstrahligen Struktur neigenden Anordnung, gründurchsichtige, im Dünnschliff lichtgelbe Augitkrystalle von mehr breitsäuliger als nadelförmiger Gestalt und Olivine porphy- riscli hervortreten. Schritt für Schritt lassen sich die Umwand- lungserscheinungen an diesen Wänden verfolgen. Carbonatbildung färbt das Gestein schliesslich grau, Hämatitbildung roth oder braunroth bis röthlichgrau , je nach dem Verlauf des Processes, den auch die Abscheidung der gelösten Kieselsäure der Silicate auf Spältchen oder in Hohlformen begleiten kann. Der Ausschei- dung dieser End- und Restprodukte des Zerlegungsprocesses zuvor geht aber die Umbildung des Augits und des offenbar eisenrei- chen Olivins in delessitische, chloritische, bastitische, serpentinöse oder auch chlorophaeitische Substanzen, die unter Aufnahme des Eisenoxyds selbst zur Neubildung von Biotit führen können ; denn die lebhaft tombakglänzenden, sechsseitigen, ungleichkantigen Glim- mertafeln, die, zumal in stark angegriffenen Gesteinen, auffallen, zeigen die Form des Orthopinakoids, bezw. der Querfläche, augi- tischer Mineralien und sind ganz sichtlich durch die klinopina- koidalen oder der Längsfläche folgenden Spaltrisse durchrissen
XXXII
oder treppenförmig abgestuft. Ganz besonders charakteristisch sind die metallisch spiegelnden, nach den Pinakoiden des Olivins ge- spaltenen und die Maschentextur des voraufgegangenen Umwand- lungsstadiums vererzt darbietenden, blutrot h durchscheinenden Eisenglanzpseudomorphosen nach Olivin ; vereinzelte darunter mögen auch dem Bronzit angehören.
Dieser vorherrschend porphyrischen Ausbildungs- weise der typischen Melaphyre der Dachgestein-Zone entsprechen häufig relativ basisreiche Grundmassen mit dunkleren Basis- farben und zahlreichen globulitischen und krystallitischen Ausschei- dungen. Damit steht dann in Einklang eine reichlichere Betheili- gung des Augits und des Eisenerzes (sowohl Magnetit als barren- förmiges Erz) an den basisärmeren, besser auslcrystallisirten Grund- massen, in denen die mikrolithischen Feldspathleisten der Aus- löschungsschiefe nach manchmal saurer als Labrador siud. Ganz oder fast körnige Melaphyre mit Dolerit- oder Diabasstruktur kommen kaum vor.
Die in häufigem Wechsel mit diesem Gesteinstypus anstehen- den Mandelsteine sind oft auffällig rundblasig blattersteinartig und an den Umbildungsprodukten des Olivins neben Kalkspath, Quarz und Achat, Delessit, Zeolithen u. s. w. kenntlich.
In den Uebergangs gliedern zwischen diesen Melaphyren und den Gesteinen der zweiten Gruppe von mehr porphyritischem Habitus stellt sich neben Augit Bronzit ein, der ganz ähnliche blutrothe Hämatit- und auch Glimmerpseudomorphosen nach einem bastitischen Umwandlungsstadium erkennen lässt, wie sie oben kurz charakterisirt wurden. Zugleich nimmt die globulitisch-kry- stallitische Basis an Menge und Intensität der Färbung ab ujid die Krystallinität zu (Heisterbei’g u. a.).
B Gewöhnlich sind solche hlutrothclurchsichtige Pseudomorphosen nicht pleo- chroitisch, doch hat Rosenbusch bereits in einem zum Dachgestein zählenden Melaphyr von Asweiler solche Pseudomorphosen mit Pleochroismus bemerkt und daraus auf Biotit geschlossen. Die Erscheinung ist in Pseudomorphosen nach Olivin wie nach Bronzit recht häufig und beruht wohl auf der Anwesenheit beider Substanzen , indem das Eisenoxyd zum Theil als dilutes Pigment vorhanden
sein mag.
XXXIII
Der Gesteinstypus der zweiten Gruppe bekundet seine Annäherung an den Porphyrit des Weiteren durch eine oft ganz ausgezeichnet entwickelte feinschuppig-körnige Paral- lelstruktur der Feldspathtäfelchen in der Grundmasse, ähnlich, aber nicht gleich derjenigen, die wir bereits im Sohlgestein kennen gelernt haben. Damit ist denn öfters ein Zurücktreten der Basis bis zur vollkr y stallinischen Beschaffenheit be- merklich, so dass Rosenbusch solche Gesteine Olivindiabase oder Enstätit-haltige Olivindiabase in seiner Ausdrucksweise nennt, an- dere dagegen Melaphyre. Echte (ophitische) Diabas- Struktur geht aber diesen fast oder ganz vollkrystallinischen Gesteinstypen gänz- lich ab. Die in der Grundmasse vorhandenen Augitchen und Bastitchen zeigen vielmehr oft eine ganz regelmässige Begrenzung und reichen ihrer Quantität nach nebst den Eisenerzen nicht hin, um ein echt divergent-strahliff-körnGes Gefüge zu bedingen. So sind es vorzugsweise die constant und zahlreich porphyrisch aus- geschiedenen Olivine, bezw. deren Pseuclomorphosen, welche zu einer für die Kartirung jedenfalls gebotenen Zusammenfassung mit den Dachgesteinen der ersten Gruppe hindrängen; strukturell da- gegen umschmiegt der wohl auch etwas orthoklashaltige Feld- spathmikrolithenfilz jene Olivin -Einsprenglinge ebenso sichtlich fluidal, wie in den Augit-Porpliyriten die Augit.e oder Bronzite, von welchen die letzteren auch hier oft gar nicht so spärlich neben den Olivinen erscheinen, während der Plagioklas und der Augit nicht aus der Grundmasse hervorzutreten pflegen, der Olivin umgekehrt als Grundmassengemengtheil fehlt.
Es vermitteln also diese Gesteine sichtlich den Uebergang der melaphyrischen Dachgesteinzone zu der porphyritischen Mittel- zone in der Hauptausbreitung des Grenzlagers und stehen natur- gemäss auch vorwiegend zwischen beiden an. Ebenso natürlich ist, dass local einmal der Bronzit den Olivin in diesem, dem Porphyrit ähnlichen Gesteinstypus fast oder ganz verdrängt, und damit zugleich eine grössere Annäherung an die echten Bronzit- Porphyrite herbeigeführt wird.
Vorläufige Untersuchungen haben ergeben, dass die melaphy- rischen Dachgesteine neben den Hornblendeporphyriten, Glimmer-
c
XXXIV
und Bastit - Porphyriten im Primsgebiete eine weite Verbreitung besitzen, wogegen im Grenzlager r) an der Unternahe sichtlich die saureren Porphyrit- Typen prävaliren, darunter aber Angit- und Bronzit-Porphyrite nicht fehlen; am Welschberge bei der Burg- spolmheimer Mühle kommen braune Hornblende, lichtgelb -durch- sichtiger Augit und Bronzit und auch brauner Glimmer in ein und demselben Porphyrite porphyrisch ausgeschieden vor. Viel- leicht lehrt die weitere Untersuchung, unbeschadet der ganz er- sichtlich jetzt schon hervortretenden Unterschiede in den einzelnen geographischen Grenzlagerbezirken, jene typischen Hornblendepor- phyrite der Unternahe auch im Hauptverbreitungsbezirke der Augit- und Bronzit-Porphyrite, der hier beschrieben wurde, noch kennen.
Mittheilung des Herrn A. IIalfar über Aufnahmen im nord- westlichen Theil des Messtischblattes Zellerfeld.
Das betreffende Gebiet südwestlich von Goslar und nord- westlich des Granethaies besteht ganz vorwiegend aus Oberdevon und Culmschichten , während die unter ersterem auftretenden Goslarer Schiefer in der neuerlichst kartirten Partie sehr unter- geordnet erscheinen und das ganz vereinzelte Vorkommen der noch tiefer folgenden Calceolaschichten nordöstlich von Hahnenklee hier nicht weiter berücksichtigt werden soll.
Die Goslarer Schiefer lassen sich mit Sicherheit durch den Einschluss verkiester Petrefacten und einiger sehr unter- geordneter Quarzitbänkchen nur im Kleinen Hühnerthale nord- östlich unterhalb des letztgenannten Dorfes und gegenüber von der Ausmündung des Lange- in das Granethal durch nicht näher bestimmbare verkieste Orthoceren erkennen.
Die Oberdevon-Schichten, welche sich in ihren unteren Thon- schiefern den Goslarer Schiefern ohne jede scharfe petrographisclie Grenze anschliessen , erscheinen im nördlichen Theile des unter- suchten Gebietes, abgesehen von ihrer abweichenden petrogra-
Q Die Biotit-Augit-Quarzporphyrite und andere Porphyrittypen des Lemberg- Massivs gehören nicht zum Grenzlager, stehen vielmehr in inniger Beziehung zu dem Kreuznacher Quarzporphyr. Auch die Porphyrite des Welschberges bei Burgspohnheim und die der Horst bei Bettingen an der Prims scheinen stock- förmig das Unterrothliegende zu durchbrechen.
XXXV
plüschen Ausbildung, auch iu eiuer geradezu auffälligen grösseren M ächtigkeit, als iu dem südöstlichen.
Das Oherdevon ist, wenn auch kaum auf der Karte, so doch systematisch in zwei Abtheilungen zu gliedern, nämlich eine untere, welche man allgemein als » Intumescens-Schichten« zusammenfassen kann, und in eine obere, welche am zutreffendsten als »Cypridinen-Schichten« bezeichnet werden möge. Beide werden aus Thonschiefern mit ganz vorwiegend hellen , bisweilen einander auch sonst petrographisch ähnlichen Kalkstein - Einlage- rungen zusammengesetzt.
o o
Für die erstgenannte Abtheilung kann, wie oben und schon im letzten Jahrbuche S. XXIV angedeutet, eine scharfe Grenze nach unten nicht gezogen werden; doch dürfte eine solche an- nähernd richtig unterhalb des Auftretens compacter dickschieferiger, meist grünlichgrauer und oft kalkhaltiger Thonschiefer angenommen werden, welche auch hier fast immer mit dem Intumescenz-Kalkstein (A. Roemer’s Kramenzelkalk z. Th.) vergesellschaftet sind. In dieser unteren Oberdevon-Stufe ist ausser genanntem Kalksteinvor- kommen noch ein sehr untergeordnetes zweites zu erwähnen, welches besonders deutlich an der Ostseite des Hühnerthalskopfes nördlich der quer über ihn aufgehauenen Schneise an dem neuen Forstwege aufgeschlossen ist, der von der Ausmündung des Kleinen Hülmer- thales in die Grane über das Grosse Flühnerthal hinweg nach dem forstliclierseits »Schünenthal « genannten Berge hinauf- führt. Dasselbe stellt einen sehr dunklen, bis blauschwarzen, höchst unreinen, besonders thonigen und eisenhaltigen, bisweilen schieferigen und auf den Schichtflächen unebenen Kalkstein dar-, der in einigen, etwa 1 — 3 Centimeter dicken Bänkchen wenige Meter im Liegenden des sogenannten »Kramenzelkalksteins« auf- tritt. Derselbe wird durch die Verwitterung zu einer bräunlich- grauen bis lichtockergelben, feinporigen, weichen bis mulmigen Masse zersetzt, die sich iudess ihrer Zähigkeit wegen mit dem Hammer schwer bearbeiten lässt. Er ist nicht arm an Petrefacten. Leider treten diese aber erst in dem zersetzten Gestein hervor und sind alsdann ihrer schlechten Erhaltung wegen, mindestens der Species nach, kaum bestimmbar. In durchgehends sehr
c
XXXVI
kleinen Individuen wurden als Steinkerne oder Holddriicke beob- achtet: das Kopfschild eines Phacops , ein Bruchstück der linken Seite eines Kopfschildes von ? Proetus, ein fein quergestreiftes, etwa 6 Millimeter dickes Orthoceras ( — - Kammerweite fast gleich dem halben Röhrendurchmesser — ) mit einer Schale, welche sich im Längsschnitt abwechselnd wellenförmig verengt und erweitert, eine Locconema mit zierlicher, schräg gitterförmiger Oberflächen- Sculptnr, winzige Tentaculiten, eine Cardiola mit höchstens fünf deutlichen, starken Radialrippen ohne alle Querstreifung; eine Nucala; eine im Umrisse nahezu halbkreisförmige ? Orthis in leider nur der einen, fast ebenen Schale mit geradem Schlossrand und haarfeinen , nach dem Rande dichotomirenden Radialrippchen, endlich zahlreiche, Cypridinen täuschend ähnliche Lamellibranchien- Brut.
Nichts findet sich in allen Schichten des Unteren Oberdevon häufiger, als Tentaculiten. Leider wird ihr schlechter Erhaltungs- zustand nur bei grösserem Zeitaufwand ihre specifisclie Bestimmung gestatten.
Die als Cypridinen -Schichten zusammen zu fassende obere Stufe des Oberdevon tritt an der NO. -Seite des Culm in einer noch geringeren, nur wenige Meter betragenden Mächtigkeit auf, als die untere, wogegen sie sich nördlich des Culm- Vorkommens ■ — freilich nicht ohne Unterbrechungen — von der westlichen Blattgrenze her bis zur Grane ausdehnt. Als eine leitende Gesteinszone ist in ihr nur eine Wechsellagerung von auffälligen kirschrothen mit berggrünen, bisweilen ziemlich hell werdenden Thonschiefern aufzufassen, welche in ihren Schichten lagenweise über einander, oft nur sparsam vertheilte, unregelmässig geformte, kleine Kalksteinknauern und nur bei fast vollständigem Zurücktreten der sonst ganz vorwaltenden Thonschiefermasse auch mächtigere Kalk- steinaussonderungen von derselben petrograpliischen Beschaffenheit wie der tiefere, sogenannte »Kramenzelkalk« einschliessen. Ein solches Vorkommen trifft man in einem alten Steinbruche an der Grünen Kappe nördlich vom Langeweth - Gipfel dicht neben dem chaussirten Wege, welcher zuletzt in einer scharfen Umbiegung nach dem Weidenthale hinabgeführt ist. Bisweilen zeigt dieser Kalk-
XXXVII
stein licht rothe, ins Weisse bis hell Grünlichweisse völlig unmerk- lich übergehende Färbungen. — Dieses förmliche Verschmelzen oder Verschwimmen der Farben in einander von unten nach oben ist auch bei der Wechsellagerung der rotlien und grünen Schiefer zu beobachten, so insbesondere unfern nordnordöstlich von der letztgenannten Stelle in einem alten hohlen Waldwege, welcher aus der Mitte der Grotenbergskappe in nordnordöstlicher Richtung ziemlich steil bergan führt. — Hauptsächlich an lichtberggrünen bis lauchgrünen Schiefern dieser Stufe ist bisweilen eine Neigung zu wetzschieferartGer Ausbildung' wahrzunehmen. Damit ist alsdann gewöhnlich eine langgriffelförmige Absonderung verbunden sowie stellenweise grosse Petrefacten - Armuth , wie beispielsweise in der nordwestlichen Wegeböschung im Varleythale zwischen beiden Schneisen des Langelieth -Berges. — Ein rascher Wechsel von heller, oft bei beginnender Verwitterung bräunlicher, mit dunkler, bis tief blaugrauer Färbung zeichnet an anderen Stellen die oberen Oberdevonschiefer aus. Anfangs zeigt sich nur eine feine dunkle Bänderung auf dem Querbruche, alsbald nimmt aber der compacte Thonschiefer in dicken Bänken ganz das dunkle Aussehen von ge- wissen Culm- Thonschiefern an und kann dann nur durch den Nachweis von Cypridinen von diesen unterschieden werden, welche darin in der Regel zahlreich ^n sehr dünnen, lichter gefärbten, bräunlichen Einlagerungen Vorkommen, die erst auf dem Quer- bruche als Schmitzen deutlicher hervortreten.
Ausnahmsweise nehmen die oberdevonischen Schiefer bei grosser Dickbänkigkeit durch grössere Härte und vollständige Zerklüftung in kurze Parallelepipede durchaus den Habitus ächter Kieselschiefer an, zumal in den tief dunkel gefärbten Lagen; doch bleibt es bei der fast unglaublichen Zerrissenheit des ganzen Ge- bietes fraglich, ob die bisher beobachteten wenigen Vorkommen dieser Art nicht schon dem Unteren Oberdevon angehören, so u. A. dasjenige westlich der Varley und der beiden höchsten Gipfel des Weth- Berges am Fusse der nordöstlichen Fortsetzung des Unteren Sommerberges.
Cypridinen, welche übrigens nicht in allen Gesteinen dieser oberen Stufe auftreten, finden sich in ihrer südöstlichen Partie
XXXVIII
besonders zahlreich in einem meist völlig zn einem ockergelben Mulm zersetzten Knoten- oder Nierenkalk, und zwar am Hühner- thalskopfe dicht im Liegenden des Culm-Kieselschiefers, sowie in grauen bis blauschwarzen compacten, rauhflächigen Thonschiefern unmittelbar unter diesem. Am neuen unteren Forstwege an dem nördlichen Abhange des Schünen-Berges, etwa 50 Schritt südlich des Schünenthal-Baches, konnte in einem ganz ähnlichen Gestein unter diesen winzigen Schalenkrebsen die Cypridina serrato-striato Sanixb. recht deutlich erkannt werden. In dem nördlichen Theile der Cypridinen- Schichten trat dieselbe Species in einem dunkel grünlichgrauen, dickschiefrigen Thonschiefer in der Grotenbergs- Kappe auf, etwa 180 Schritte ostsüdöstlich vom Weidenthalbache. Von anderen Petrefacten wurde nur noch Posidonomya venusta MÜNST. (= Avicula obrotundata Sandb.) in hierher gehörigen kalk- haltigen Schiefern an der nordöstlichen Abdachung des kleineren nördlichen Berges der Neuwerker Klosterforst beobachtet.
Hinsichtlich der Culm -Schichten ist hier nur Weniges zu erwähnen, obschon dieselben den räumlich grössten Theil des kartirten Gebietes einnehmen. Hervorzuheben dürfte blos sein, dass über den eigentlichen Posidonomyen-Scliiefern zunächst eine Wechsel Lagerung von dickbänkigen Grauwacken mit Thonschiefer - Zwischenlagen folgt, und dass nördlich von dem Lautentlial- Hahnenklee’er Gangzuge Culm- Conglomerate keineswegs gänzlich fehlen1), wenn sie auch sehr untergeordnet, vereinzelt und höchstens an der nordöstlichen Abdachung der Langelieth, etwa 150 Schritt westlich des Weidenthals, in einer merklicheren Verbreitung auf- treten. Sie sind zusammengesetzt aus rundlichen und eckigen Ge- rollen von bis fast Haselnussgrösse, und zwar vorherrschend aus Milchquarz, wenig Thonschieferbröckchen und ganz ausnahmsweise einem Kieselschieferstückchen.
Lagerungsverhältnisse. Da das Culm concordant auf dem Devon liegt, so stehen die Lagerungsverhältnisse beider im innigsten Zusammenhänge mit einander. Das erstere bildet im Grossen und Ganzen eine Mulde mit einer dem allgemeinen
) Vergl. v. Groddeck, Abriss der Geognosie des Harzes, 2. Aufl., S. 115, 2.
XXXIX
Schichtenstreichen entsprechenden Hauptausdehnung von SW. nach NO. und von grosser Breite. Diese Culm-Mulde ist in sich wiederum aus Schichtenfalten von kleinerem Querschnitte zusammengesetzt und durch Zerreissungen mannigfaltig verunstaltet. Ihr nordöst- liches Ende fehlt. Die Culmgesteine , welche offenbar die heute in der nordöstlichen Muldenfortsetzung allein nur vorhandenen Devonschichten einst überlagerten, wurden, nachdem das Nordost- ende der Mulde durch eine ganze Reihe von bedeutenden Ver- werfungen von ihrer südwestlichen Hauptmasse abgetrennt war, im Laufe der Zeit, und zwar zugleich mit ihrer fortschreiten- den Verwitterung, allmählich gänzlich fortgeführt. Der aus vielen Einzelverwürfen mit nicht ganz gleichbleibender Richtung zu- sammengesetzte Hauptverwurf, welcher jetzt Culm und Devon trennt, erstreckt sich, mehrfach unterbrochen, in seiner durch- schnittlichen Richtung von WNW. nach OSO. mindestens von den Altarklippen (Blatt Seesen) bis nach dem Weidenthale unterhalb der Einmündung der sogenannten Steilen Kappe in letzteres und setzt von da • — ■ nun durch Culm — wenigstens bis in den oberen Theil des Schünenthalbaches fort, hier den schon auf der General- Gang -Charte des nordwestlichen Oberharzes von E. Borciiers verzeichneten »Eisensteins-Gang« bildend. Die Trennung zwischen Culm und Devon in der kurzen letztgenannten Erstreckung erfolgt erst weiter nordöstlich von hier, und zwar durch eine Verwerfung, welche auf der genannten Gang -Karte ebenfalls bereits als ein Gang, obschon ein tauber, nämlich als (Quarz-) »Gang an der Langen Weth« angegeben ist. — Annähernd parallel zu diesen be- deutenden spiesseckig-querschlägigen Verwerfungen auf der Grenze von Culm und Devon treten noch innerhalb des Culmgebietes wieder- holt Schichtenstörungen auf, die sich bei näherer Untersuchung sehr wohl als erzführend, also als »Gänge«, erweisen könnten und von denen die eine, welche den Langeliether Graben zwischen dem Langeliether und auf der Karte als Hahnenklee’er verzeichneten Berge durchsetzt, durch eine grell ockergelbe Färbung des stagni- renden Grabenwassers förmlich auf den »eisernen Hut« eines Ganges hindeutet. — Aber auch streichende Verwerfungen kommen ausser den genannten , mehr querschlägigen vor. Nur einer
XL
solchen ist es zuzuschreiben, dass im Yarleythale am unteren Ende der nordöstlicheren der beiden Schneisen von der Langelieth herab, unmittelbar auf Culm - Grauwacke am linken Gehänge, an dem rechten in querschlägiger Richtung oberdevonische Schiefer folgen, so dass sich an dieser Stelle die Posidonomyen- und Kieselschiefer des Culm an der linken Thalseite in der Tiefe befinden müssen. Auch im Granethale dürfte zwischen dem Grossen Hühner- und Hüttenthale eine streichende Verwerfung entlang gehen. Während nämlich nordwestlich von diesem Theile desselben die Culm- Schichten (Posidonomyen- Schiefer , Kieselschiefer) sowie die an die letzteren fast angrenzenden Bänke der Kramenzelkalkstein-
O
Klippen insgesammt nordwestlich einfallen, zeigt die Calceola- schichten - Zone an der SO. -Seite des Granethaies und ebenso der alsdann folgende Spiriferen-Sandstein plötzlich ein südöstliches Fallen.
Mittheilung des Herrn von Koenen über Untersuchungen in dem Gebiete westlich des Harzes.
Auf den Messtischblättern Gandersheim, Westerhof, Nörten, Lindau, Göttingen, Waake, Reinhausen, Gelliehausen, Jühnde und deren Umgebung ist zunächst die Lage und das Verhalten der wesentlichsten Dislocationen und Spalten untersucht worden, um vor Beginn der Specialkartirung einen genaueren Einblick in den geologischen Bau der Gegend westlich und südwestlich vom Harz zu gewinnen. Die Resultate sind zum Theil in einem Aufsatze in den Abhandlungen des Jahrbuches mitbenutzt worden.
Auf den meisten Blättern wurden hierbei nur kleinere, nicht zusammenhängende Theile kartirt, nur von Blatt Göttingen und Blatt Gandersheim wurden grössere Flächen fertiggestellt, und zwar von Blatt Gandersheim etwa die Hälfte.
Das Gebiet dieses Blattes wird in der Mitte von einer breiten, mit Tertiärgebirge und Diluvium erfüllten, nach Westnordwesten laufenden Sattelspalte Ildehausen - Gandersheim durchschnitten, welche durch schmale Spalten über Ildehausen fort und das Thal des Rodenberger Baches mit einer complicirten , vom Törenberg
XLI
(südlich von Kirchberg) nach Süden, parallel mit dem Harzrande, verlaufenden Versenkung zusammenhängt, in welcher ,die verschie- denen Etagen des Muschelkalkes und Keupers und selbst Tertiär- gebirge bis über 400 Meter tiefer liegen, als sie gleich westlich davon über dem Buntsandstein liegen würden.
Am Törenberge biegt sich diese Versenkung um ca. 90 Grad nach Osten um.
Bei Ildehausen, wo die Sattelspalte aufhört, wird sie von einem südnördlichen Spaltenzuge, Düderode -Engelade, gekreuzt, durch welchen der Buntsandstein nach Westen abgeschnitten wird. Nach Westen divergirende Ausläufer dieses Spaltenzuges laufen aber auch über Dannhausen nach dem »Heber«. Da, wo alle diese Dislocationen sich treffen, zwischen Ildehausen, Dannhausen und Harriehausen, ist einerseits ein ausgedehntes Thalbecken ein- gesunken, andererseits liegen südlich bis östlich von Dannhausen bunt durcheinander, mit ganz verschiedenem Streichen und Ein- fallen, Fetzen der verschiedenen Etagen des Lias und oberen Jura, des Muschelkalkes, Keuper, und Tertiärgebirge.
Der nördliche Flügel der Sattelspalte, dessen unterstes, sicht- bares Glied bei Dannhausen der mittlere Muschelkalk ist, erhebt sich nach Gandersheim immer mehr und fällt stärker nach Nord- westen ein, so dass hinter Gandersheim zu unterst der ganze mittlere und vielleicht auch noch unterer Buntsandstein sichtbar wird. Umgekehrt verhält sich der südliche Flügel, auf welchem als ältestes Glied südöstlich Harriehausen mächtiger Buntsandstein mit stärkerem Einfallen, bei Gandersheim nur noch etwas Röth mit schwächerem Einfallen auftritt.
Nördlich von der Sattelspalte liegt, von Keuper und Lehm erfüllt, das Muldenbecken Ackenhausen -Dankelsheim.
Bei Gandersheim wird die Sattelspalte von den Ausläufern eines Spaltenzuges gekreuzt, der nach Süden über Sebexen-Cale- feld bis Nordheim etc. zu verfolgen ist.
Zwischen dieser Bruchlinie und der von Düderode-Ildehausen ist die grosse, bekannte Jura- und Lias -Masse des Kahleberges eingesunken, nördlich begrenzt durch eine Verwerfung Sebexen-
XLII
Wiershausen, an welcher oberster Jura neben Gypskeuper liegt, während an der südlichen Grenze des Blattes östlich von Calefeld, vermuthlich dem Keuper aufgelagert, der Lias in grösserer Aus- dehnung zu Tage tritt, in welchem die Eisensteine mit Ammo- nites brevispina zeitweilig ausgebeutet wurden.
Eine grössere Zahl streichender oder quer resp. schräg gegen das Streichen laufender Verwerfungen gesellt sich zu den erwähn- ten Haupt-Störungen. Da aber fast alle niedrigeren Rücken und flacher geneigten Abhänge bis weit hinauf mit Lehm bedeckt sind, so lässt sich der genaue Verlauf der Spalten oft nicht feststellen.
Unter dem sehr sandigen Lehme liegt vielfach Fluss-Schotter einheimischer Gesteine; dieser enthält in der Kiesgrube nahe der Mühle am Ostende von Gandersheim Einlagerungen von Sand mit
O ö
»Löss-Schnecken«, besonders Helix, leider in mehr als zerbrech- lichem Zustande.
Stellenweise von Fluss- Schotter, sonst von Lehm bedeckt, liegt sehr verbreitet in einer Meereshöhe von ca. 160 — 185 Meter in dem Thale Bilderlahn-Ildehausen-Schachtenbeck und nahe den »drei Linden« südwestlich Gandersheim Glacial-Schotter und Sand mit transversaler Schichtung. Nordischer Granit, Gneiss, Glimmer- schiefer etc. treten darin natürlich gegen Gesteine des Harzes und
o o
des nördlichen Harzrandes einigermaassen zurück.
Nördlich von Kirchbach ist endlich, von Lehm anscheinend mantelförmig umlagert, auch Geschiebethon (Sandmergel, Blocklehm, Grundmoräne) in einer Meereshöhe von 200 Meter vorhanden.
Da auf diesem Blatte mindestens 25 verschiedene Horizonte unterschieden werden müssen, so wird es, selbst abgesehen von den vielen Störungen, eins der bunteren werden.
Mittheilung des Herrn H. Loretz über die Aufnahmen im Bereich der Sectionen Masserberg, Breitenbach, Gräfen- thal und Coburg.
Von den genannten Sectionen enthalten die drei ersteren altes Schiefergebirge und Masserberg ausserdem Rothlie- gendes mit Porphyren, während bei Coburg besonders Stufen des mittleren Keupers zur Darstellung zu bringen sind.
XLIII
Vom Schiefergebirge des aufgenommenen Gebietes sind die ältesten Schichten in der Gegend von Ernstthal, Unterneu- brunn, Giessiibel und Heubach auf Section Masserberg ver- breitet. Es sind phyllitisch glänzende Schiefer, in der Hauptsache aus Phyllit und Quarz bestehend und meist als »Quarzphyllit« mit den bekannten engen Windungen und Fältelungen ausgebildet. Will man diese Schiefer nicht einer besonderen »Phyllitformation« (wie in Sachsen) zutheilen, so wird man sie als ältesten Theil des Cambriums aufzufassen haben, mit dessen jüngeren, bereits organische Spuren aufweisenden, aus Thonschiefer und Quarzit gebildeten Theilen sie allerdings durch unmerkliche Uebergänge verbunden sind. Als schmale, häufig sich wiederholende Zwischen- schichten finden wir in den phyllitischen Schiefern der genannten Gegend schwarze, mit Kohlenstoff bezw. graphitischen Tlieilchen imprägnirte Schiefer, welche entweder quarzreich und sehr hart sind, so dass sie eine Art Kieselschiefer darstellen, oder aber sich weich und abfärbend verhalten und leicht verwittern; beide Varie- täten können als Abarten der gewöhnlichen phyllitischen Schiefer aufgefasst werden. Derartige graphitische Zwischenschichten wieder- holen sich auch noch, wenn auch weniger häufig, in den nach unserer Auffassung nächst jüngeren, weniger phyllitischen Schiefern östlich und südöstlich von Masserberg. Von sonstigen Einlage- rungen finden sich in den phyllitischen Schiefern jener Gegend in beschränktem Maass Amphibolite, reichlicher Porphyroide; letztere wurden besonders auf der östlichen Seite des Rennsteigs, nördlich bis nordöstlich von Masserberg beobachtet, wo sie sich meist als dichte, felsitische, einzelne Feldspathkrystalle führende und mit phyllitischen Flasern verwachsene schiefrige Gesteine verhalten.
Einem jüngeren Theil des cambrisch - phyllitischen Schiefer- systems angehörig ist dasjenige Gebiet, welches weiter nordöstlich, auf Section Breitenbach zwischen Schwarzathal und Ober- weissbach aufgenommen wurde. Die hier entwickelten Schiefer gehen aufwärts schon in die obersten cambrischen Thonschiefer, die sogenannten Phycodenschiefer über, während nach der anderen Seite mehr phyllitischer Glanz sich einstellt und jene eigentüm- lichen Schiefer sich entwickeln, welche durch halb phyllitisches,
XLIV
halb klastisches Aussehen (»phyllitische Grauwackenschiefer«) eine Zwischenstellung zwischen den höheren cambrischen Thonschiefern und den tieferen Phylliten einnehmen. Einlagerungen von porphy- roidischen und noch mehr von amphibolitischen und granitischen Gesteinen erlangen in diesem Gebiet besondere Bedeutung. Die festeren, dioritähnlichen Theile der amphibolitischen Einlagerungen bilden am Viehberg, am Birkicht, Sachsenstein und besonders an der Kehre bei Mellenbach Felsriffe und ausgedehnte Block- anhäufungen. Granit- und gneissartiges Gestein findet sich in ansehnlichen Einlagerungen, die sich vom Ausgang des Laubthals (im Schwarzathal) nach Meuselbach und Mellenbach ziehen; an einigen Stellen werden die hierher gehörigen Gesteine gewissen Porphyroiden höchst ähnlich. Im Uebrigen sind Porphyroide hier weniger verbreitet.
Die auf Section Gräfenthal in beträchtlicher Verbreitung vorhandenen cambrischen Schichten gehören ausschliesslich den oberen und obersten , nicht selten Phycoden enthaltenden , hierher gehörigen Thonschiefern und damit verbundenen Quarziten an. Auf das Cambrium folgen in dieser Gegend die jüngeren paläozoi- schen Systeme bis zum unteren Culm einschliesslich. Schwierigkeit bereitet hier in vielen Strecken die Abgrenzung des Cambriums vom Untersilur, indem in dieser Zone sehr gewöhnlich quarzitische Schichten entwickelt sind, welche sich einerseits von den älteren, dem Cambrium eingelagerten Quarziten, andererseits von den jüngeren, mit oolithischem Eisenstein zusammen vorkommenden Untersilurquarziten kaum unterscheiden. Zum Anhalt kann dann nur einerseits das Vorkommen von Phycoden, welches für Cambrium entscheidet, andererseits das Erscheinen sehr dunkler Thonschiefer und oolithischer Eisensteinschichten dienen, welche für Untersilur bezeichnend sind. Letztere, die oolithischen, dem Cliamosit nächst verwandten Roth- und Brauneisensteine bilden in mindestens zwei Horizonten Zwischenlager, haben vielfach zu Bergbau Anlass o-eg-eben und sind besonders bei Schmiedefeld und Reichmannsdorf stark entwickelt. Bemerkenswert!! ist der Fund verschiedener, in Quarzmasse übergegangener organischer Reste, namentlich einer Echiuosphäritesform, im Untersilurschiefer der Gegend von Plohen-
XLY
eiche und Kleingeschwenda, worüber vorliegender Band eine be- sondere Mittheilung enthält. — Ueber die höheren Theile des Silurs, sowie die aufwärts folgenden Systeme der Gräfenthaler Gegend haben wir an dieser Stelle nichts zu bemerken ; der sehr gestörten Lagerungsverhältnisse, sowie der Eruptivgesteine dieser Gegend ist bei früherer Gelegenheit bereits gedacht worden; nur die Bemerkung sei hier noch eingefügt, dass die Ansicht Liebe’s von der oftmals übergreifenden Auflagerung des Unterdevons auf die nächst älteren Stufen an manchen Stellen der Gegend von Gräfenthal sich den natürlichen Verhältnissen besser anzupassen scheint und weniger zu gezwungenen Constructionen führt als die Annahme von Verwerfungen.
Das Roth liegen de, welches mit den ihm angehörigen Porphyrgesteinen auf Section Masserberg eine ansehnliche Ver- breitung besitzt, gelangte besondei's im südöstlichen Theile dieser Section zur näheren Untersuchung, wo es dem Schiefergebirge unregelmässig deckenförmig au fließt. Zunächst auf den Schiefer- köpfen liegt hier, östlich längs dem Rennsteig, ein aus Schiefer- trümmern und Quarz gebildetes Conglomerat, bezw. Breccie, welchen aufwärts feiner gemischte, sandige Sedimente und rothe Schiefer- letten, dazwischen aber auch wieder Conglomerate, folgen; bald mischen sich diesen Sedimenten auch schon porphyrische Bestand- theile bei, es folgen deutlich tuffige Schichten und Thonsteine ; auf diesen ein vorwiegend aus Porphyrmaterial gebildetes, für ein Eruptivconglomerat gehaltenes Trümmergestein, welchem aufwärts bis zum Rennsteig wieder ein sedimentäres Conglomerat folgt, dessen grobe Trümmer mehr dem Schiefergebirge als den Porphyren entnommen sind. Westwärts vom Rennsteig, nach Heubach und Fehrenbach hinab, wird die ganze angegebene Schichtenfolge durch ein derartiges, ganz vorwiegend aus Schiefergebirgsgesteinen ge- bildetes Conglomerat ersetzt, welches zunächst dem Grundgebirge in eine mächtig entwickelte Breccie aus scharfeckigen Schiefer- trümmern übergeht.
Weiter nördlich, in der Gegend von Giessübel, treten mächtige Massen eruptiver Porphyrgesteine auf, deren Stellung im Roth- liegenden eine derartige zu sein scheint, dass sie, beziehungsweise
XLVI
die Enden ihrer Ergüsse, deckenartig zwischen die oben an- gegebene Folge von Sedimenten eingreifen können; womit denn auch das erwähnte Eruptivconglomerat (Porphyrconglomerat) und ein grösseres Vorkommen eruptiven Porphyrs (Glimmerporphyrit) zwischen den Sedimenten bei Masserberg in Verbindung zu bringen sein dürfte. In den eruptiven Porphyrgesteinen lassen sich petro- graphiscli verschiedene Typen, namentlich Glimmerporphyrit und Orthoklasporphyr erkennen, während eine noch zu untersuchende dunkle Art vielleicht einen dritten Typus (? Melaphyr) abgiebt; ausserordentlich schwer aber ist es, diese, sichtlich durch Ueber- gänge verbundenen Typen von einander abzugrenzen, sowie auch das Altersverhältniss derselben zu erkennen.
Orthoklasporphyr und Glimmerporphyrit, der Epoche des Roth- liegenden angehörend, sind auch in den das Schiefergebirge der Gegend von Unterneubrunn, Giessübel, ITeubach etc. durch- setzenden Eruptivgesteinsgängen vertreten; während ein drittes Gestein dieser Gänge, der Kersantit, in den zum Rothliegenden gehörigen Bildungen sich nicht wiederfindet. Sehr bemerkenswerth ist das gemeinschaftliche Auftreten zweier dieser Eruptivgesteine, des Glimm erporphyrits und des Kersantits, in derselben Gang- spalte, wie es bei Unterneubrunn an verschiedenen Stellen deutlich nachzuweisen war; in den beiden an der Landstrasse zwischen Ober- und Unterneubrunn aufgeschlossenen Gängen nimmt das erstere Gestein die Mitte ein, das letztere die Seiten, zunächst an den Salbändern. — Es scheint sogar, dass alle drei genannten Gesteine in derselben Gangspalte aufsetzen können.
Für den mittleren Keuper bei Coburg (Section Coburg), der in seiner Entwicklung seine Zugehörigkeit zur fränkischen Trias erkennen lässt, hat sich nach vorhergehendem Studium dieser Schichtenreihe die im Folgenden aufgeführte Gliederung von unten nach oben als den natürlichen Verhältnissen entsprechend, und bei den ungestörten Lagerungsverhältnissen dieser Gegend in dem Maassstab der Aufnahmekarten gut durchführbar ergeben; es ist dieselbe Gliederung, welche bereits von Gümbel eingeführt und auf dem Atlas zum dritten Band der geognostischen Beschreibung des Königreichs Bayern zum Ausdruck gebracht worden ist, nur
XLVII
dass die hier aufgezählten Stufen im Einzelnen etwas weiter oder enger gefasst sein mögen.
o O O
1 ) Bunte Mergel mit Gyps und einzelnen Steinmergelbänkchen, entsprechend dem fränkischen »unteren Gypskeuper« ; besonders ausgedrückt können in dieser Stufe beim Maassstab 1:25 000 noch werden: ein Steinmergelbänkchen mit Bleiglanz; ein zweites mit undeutlichen Bivalven und Fischzähnen; eine an dünnen Thon- quarzitplatten , welche zahlreiche Bivalvenabdrücke (? Corbula keuperina) enthalten, reiche Zone, und gegen die obere Grenze Lagen mit Estherien.
2) Feinkörniger Sandstein, hier und da als Baustein benutz- bar, der fränkische »Schilfsandstein«.
3) Rothe Mergel, entsprechend dem fränkischen »oberen Gyps- keuper« , hier indess kaum Gyps führend, an der oberen Grenze die »Lehrbergschicht« mit Turbonilla Theodorii.
4) Bunte Mergel und sandige Lagen mit einzelnen Sandstein- bänken, welche sich weiterhin stärker entwickeln können und dann dem fränkischen »Blasen- und Plattensandstein« entsprechen.
5) Coburger Bausandstein oder Semionotus-Sandstein ( Semio - notus Bergeri ).
6) Bunte Mergel und sandige Lagen, welche hier und da zu stärkeren Bänken werden ; stellenweise schieben sich Gypsmergel ein.
7) Stufe der Arkose: Arkosesandsteiu, meist grobkörnig und kalkhaltig; kann in Kalkstein übergehen, wenn das kalkige Binde- mittel des Arkosesandsteins rein für sich hervortritt; dazwischen rothe Mergel und Steinmergel.
8) Grobkörniger, lockerer, leicht zerfallender Sandstein, bezw. Arkosesandsteiu, der »Stubensandstein« Frankens.
9) Oberste rothe Mergel oder Letten, welche vom oberen Keuper (Rhät) bedeckt werden.
Mittheilung des Herrn Proescholdt über Untersuchungen in Süd -Thüringen.
Es wurde zunächst das Buntsandsteingebiet im nördlichen Theile der Section Themar revidirt. Innerhalb desselben konnten Bruchlinien mit dem charakteristischen thüringischen Streichen in
XLYIII
Stunde 9 — 10 ermittelt werden, an denen die gleichalterigeü Sedi- mente in Terrassen zu dem Thüringer Wald hinaufsteigen, wie das auch anderwärts beobachtet wurde.
Dann wurde eine Ueberarbeitung des Keupers auf Section Rentwertshausen vorgenommen und in Anschluss hieran ein Theil der Section Römhild, namentlich der Grosse Gleichberg und dessen Umgebung kartirt. Die Aufnahme beider Sectionen besitzt in- sofern einiges allgemeines Interesse, als auf denselben die letzten Ausläufer der grossen fränkischen Keuperablagerung in der Richtung nach Thüringen zu Tage treten und zwar in vollständiger Ent- Wickelung, so dass hier das beste Material zur Vergleichung ge- wonnen werden kann. Es wurde nachgewiesen , dass die den fränkischen Keuper auszeichnenden Sandsteinlagen sich zum grossen Theil bereits bei Römhild auskeilen oder durch Aufnahme von Kalk allmählich in Steinmergelbänke übergehen. Bezüglich der weiteren Details wie auch der Basalte in der Umgebung des Grossen Gleichberges wird auf die im Jahrbuch enthaltenen Mit- theilungen verwiesen.
In der übrigen Zeit wurde die Kartirung der weimarischen Euclave Ostheim an der Abdachung der südöstlichen Rhön in Angriff genommen. An der Zusammensetzung des Gebietes nehmen ausser Buntsandstein und Muschelkalk auch unterer und oberer Keuper Antheil, ferner Braunkohlenablagerungen, Basalte in Kuppen und Decken und in den Thälern mächtig entwickelte Diluvialmassen. Die Lagerungsverhältnisse der Triasschichten sind sehr eigenthümlicher und verwickelter Art. Drei Systeme von Spalten und Versenkungen von offenbar verschiedenem Alter durchsetzen das Gebiet. Am deutlichsten landschaftlich ausgeprägt sind eine Anzahl paralleler Spalten, die in der Richtung des Thüringer Waldes, also in nordwestlich -südöstlicher, verlaufen. Das zweite Spaltensystem streicht nordsüdlich, das dritte nord- östlich-südwestlich. Die beiden letzten durchsetzen sich gegenseitig, das andere dagegen springt an ihnen, so weit bis jetzt Beob- achtungen vorliegen, ab. Das Auftreten dieser drei Spaltensysteme bedingt eine vollständige Zerstückelung des Gebirges, die fast unentwirrbar wird, wo dieselben zusammenstossen. Die Graben-
XLIX
bildungen, die den Rand des Thüringer Waldes in so charakte- ristischer Weise begleiten und über denselben hinaus nach Hessen sich fortsetzen, sind anf dem Gebiet nicht so deutlich erkennbar, aber verwandte Erscheinungen kann man auch hier herausfinden. So liegt die Stadt Ostheim auf einer weiten Versenkung, die von zwei sich lang hinziehenden, nordwestlich - südöstlich verlaufenden Verwerfungsspalten eingefasst ist. Zwischen hoch aufragenden Buntsandsteinbergen sind mittlere Triasschichten eingebettet. Die eingesunkene Gebirgsmasse scheint nun, bevor sie an den er- wähnten Spalten herunterglitt, bereits durch eine Anzahl von nordöstlich-südwestlich streichenden Brüchen zerrissen gewesen zu sein. Diese abgesunkene Partie wird in Ost und West von den nord - südlichen Spalten scheinbar abgeschnitten, in Wirklichkeit aber durch diese nach S. und N. verschoben, so dass ein eigen- artiger, bajonettförmiger Verlauf hervorgerufen wird. Ganz ähn- liche Erscheinungen wurden bekanntlich auch am Feldstein auf der Section Themar beobachtet. Weiter nach W. und SW. , nach der langen Rhön hin , wurde bisher Aehnliches nicht coüstatirt.
Mit diesem derart verwickelten Gebirgsbau stehen gewisse Oberflächenerscheinungen sowie bemerkenswerthe hydrographische Verhältnisse im engsten ursächlichen Zusammenhang. Die Thäler sind fast insgesammt Spaltenthäler und laufen vorwiegend in nord- westlich-südöstlicher Richtung, eine Anzahl von Abflüssen arrs den Mooren auf den Plateau s der langen Rhön verlieren sich plötzlich während des grössten Theils des Jahres offenbar in Spalten und vermögen nur bei Hochwasser einen Theil ihres Wassers der Streu und damit der fränkischen Saale zuzuführen, während an anderen Orten aus durchaus wasserdurchlässigen Schichten, Wellenkalk, Schaumkalk, heraus ungewöhnlich starke Quellen hervorspringen, die der Volksglaube gern in Zusammenhang mit dem eben er- wähnten plötzlichen Verschwinden mancher Bäche in Verbindung bi'ingt. Auch manche Weiher (Frickenliäuser See), denen ein sichtbarer Zufluss fehlt, verdanken wohl sicherlich ihre Existenz den Druckwirkungen, die die südliche Rhön durchkreuzt und die Gebirgsmassen zu Schollen zusammengebrochen haben.
O o
d
Ueber die Basalte ist am anderen Ort berichtet worden. Ueber die Beziehungen derselben zu den Tertiärablagerungen sind mancherlei Beobachtungen gesammelt worden, die indess erst dann zu allgemeinen Resultaten führen, wenn die Specialuntersuchungen von anderen Theilen der hohen Rhön vorliegen.
Mittheilung des Herrn E. Datiie über Aufnahmen in der Gegend von Silberberg.
Der östlichste Theil der Section Neurode und der westlichste des Blattes Frankenstein gehören dieser Gegend an. Es haben dort folgende Formationen oder deren Abtheilungen ihre Ent- wickelung gefunden: 1) die Gneissformation, 2) das Silur, 3) das Oberdevon, 4) das Carbon, a. Untercarbon (Culm), b. Obercarbon. 5) das Rothliegende, 6) das Diluvium und 7) das Alluvium.
Die Gneissformation dieser Gegend zählt der oberen Ab- theilung der Formation zu (vergl. den vorjährigen Bericht) und gehört demnach der Abtheilung der zweiglimmerigen Gneisse an. Die in der Gegend von Hausdorf durchgeführte Gliederung dieser Gneissabart hat sich auch in der Umgebung von Silberberg ungezwungen ausführen lassen. Von West nach Ost konnten somit folgende Gneisszonen unterschieden werden : a. schiefrige Gneisse, b. knotigflaserige (Augen-) Gneisse und c. flaserige Gneisse mit Einlagerungen von Amphiboliten und Serpentinen. — Die schieferigen Gneisse, zum Theil auch reich an Fibrolith, sind am Lager-, Johns- und Pressberg entwickelt; an letzterem Orte enthalten sie dünne Einlagerungen von Glimmerschiefer.
Die so charakteristischen Augengneis se besitzen eine überaus schöne Ausbildung; sie sind auf dem Gipfel der Hahnenkuppe, an Felsen an deren westlichstem Abhange, an der grossen Strohhaube beobachtet und verfolgt worden. Grobflaserige Gneissschichten wechsellagern mit denselben; eine Abtrennung der ersteren von den letzteren wurde hier nicht durchgeführt. — Die weiter östlich folgenden flaserigen Gneisse führen reichliche Mengen von Fibrolith (Hahnenkuppe und Hahnenvorwerk); sie sind ihrer Struktur nach schwacliflaserige Gesteine; doch fehlen grobflaserige Gneisslagen namentlich in der Nachbarschaft der Augengneisse
LI
nicht gänzlich. — Die Amphibolite erscheinen in dieser Zone in grösserer Zahl, aber meist in kleinen und wenig starken Lagern; nach ihrem Mineralbestande sind es feldspathige Amphi- bolite, welche meist arm an Granat sind.
Die Lagerungsverhältnisse des betreffenden Gneissgebietes sind insofern als gestörte zu betrachten, als die schiefrigen Gneisse scheinbar das Liegende der Angengneisse und flaserigen Gneisse bilden; sie fallen statt nach W. bezw. SW. nach O. resp. nach NO. ein. Die weitere Untersuchung auf der Ostseite des Gebirges wird lehren, ob diese anormale Lagerung blos eine Folge von grossartiger Faltung ist oder ob sich an dieser Ueber- kippung sehr bedeutende Verwerfungen betheiligen.
Die Frage über die Stellung der zweiglimmerigen Gneisse im Eulengebirge zu klären, wurde eine Exkursion in das Erlitz- und Mensegebirge unternommen und die Gneiss- und Glimmer- Schieferformation daselbst studirt. Die Ergebnisse dieser Studien- reise mögen hier eingeschaltet werden.
Es wurden die Gneisspartieen bei Voigtsdorf, bei Kaisers- walde und bei Reinerz besucht; die wichtigsten Resultate lieferte die Umgebung von Kaiserswalde und der böhmische Kamm.
Die Gneisspartie zwischen dem Kiessengrunde und dem Erlitzthale, in welch’ letzterem Kaiserswalde liegt, besteht aus zweiglimmerigen Gneissen; ihre Struktur ist eine grobflaserige und zugleich enthalten sie hasel- bis wallnussgrosse Einsprenglinge von Orthoklas in reichlicher Menge; sie sind demnach typische Augengneisse. Die Lagerung dieser 6 Kilometer breiten Gneiss- partie ist fast eine schwebende ; die Gneissschichten fallen im All- gemeinen 10 — 15° gegen W. ein; die grosse horizontale Verbreitung derselben lässt sogar auf eine kuppelförmige Lagerung scliliessen. Westlich der Erlitz folgt ein schmaler Streifen von Pläner der Kreideformation, wodurch die Verbindung zwischen Gneiss und Glimmerschiefer, welch’ letzterer den Ostabfall des böhmischen Kammes zusammensetzt, unterbrochen wii’d. Ueber die Be- schaffenheit des überdeckten Gneisses erhält man durch ein Profil, das von N. nach S. von Kaiserswalde über Friedrichs- grund nach Langebrück gelegt wird, Aufschluss. Dasselbe lehrt,
d*
LII
dass der Augengneiss allmählich in faserigen, oft stengeligen und schliesslich in schieferigen zweiglimmerigen Gneiss über- geht, und ferner, dass letztere Gneissvarietät hei Langebrück von Glimmerschiefern überlagert wird.
Die Glimmerschiefer- und die Urthonschieferfor- matiou, welche durch ein Profil von Friedrichswalde bis Padol erschlossen wurden , folgen in gleichförmiger Lagerung auf die vorher beschriebene Gneissformation. Die liegendsten Schichten der Glimmerschieferformation werden aufgebaut von Quarzit- schiefern, quarzigen Glimmerschiefern, Grapbitschie- fern und Graphitglimmerschiefern, letztere führen Granaten. Auf der Höhe des Kammes, dem Letzenberge, stehen grobflaserige Glimmerschiefer, deren bis haselnussgrosse Quarzkörner die Be- schaffenheit des Milchquarzes besitzen und deren seidenglänzende Glimmerhäute aus Schuppen von Muscovit und Blättchen von Eisenglanz zusammengesetzt werden, an. Hier stellen sich Gneiss- lagen von flaseriger Struktur und mit Milchquarz und röthlichem Feldspath neben Muscovit und Eisenglimmer ausgestattet, ein. Am Westabhang des erwähnten Berges vermehren sich die Gneiss- einlagerungen im Glimmerschiefer allmählich und überwiegen den letzteren zwischen Anna- Hütte und Bassdorf; demselben sind oft reichlich Granaten eingesprengt. Zwischen Bassdorf und Padol ist Gneiss herrschend; dann folgt eine Zone von Glimmerschiefern, die westlich des letzteren Ortes allmählich in Urthonseliiefer übergehen. Die Vertreter des letzteren sind Flornblendeschiefer, die sich nach S. verbreitern und in dieser Bichtung weit ausdehnen.
Die Gneisspartie von Beinerz unterteuft die dortige Glimmerschieferformation; sie wird gleichfalls von zweiglim- merigen Gneissen aufgebaut. Die hängendsten Gneissschichten sind schieferig; weiter in’s Liegende ist der Gneiss dagegen gestreckt - flaserig und nimmt derselbe auch einzelne Feldspath- augen auf. Die Glimmerschieferformation ist der des böhmischen Kammes ähnlich zusammengesetzt. Bei quarzitischem Plabitus enthält sie Einlagerungen von Hornblendeschiefern und Graphitschiefern. Mehrere Verwerfungen durchsetzen diese Formation in der Nähe (südlich) des Beinerzer Bades in nordwest-
LIII
licher Richtung. Gleichen Verlauf zeigen alle gehissten Quellen dieses Bades und dürften dieselben einer oder inehrereu gleich verlaufenden Spalten daselbst entspringen.
Die Gneisspartie bei Voigtsdorf, westlich von Habel- schwerdt, besteht tlieils aus schieferigen Gneissen, in welchen sich in höherem Niveau eine mächtige Zone von Augengneissen ein- stellt, die von einer schmalen Zone von schieferigen Gneissen über- lagert werden ; darauf folgt die Glimmerschieferformation. Alle Gneisse zählen zur Gruppe der zweiglimmerigen Gneisse.
Aus den Beobachtungen dieser Exkursion geht hervor, dass unter der Glimmerschieferformation stets zwei gl immer ige Gneisse lagern, die als schieferige, flaserige und Augen- gneis se ausgebildet sind. Daraus folgt, dass die Gliederung der Gneissformation im Eulengebirge in eine untere Abtheilung (die Biotitgneisse) und in eine obere (die zweiglimmerigen Gneisse) festzuhalten ist.
Zu den unzweifelhaft sil urischeu Ablagerungen bei Silber- berg zählen die längst bekannten Kiesel- und Alaunschiefer von Herzogswalde und Wiltsch. Nach den gesammelten Graptolithen ( Monograp tus prioclon Bronn, Monogr. vomerinus Nich., Cyrtograptus Murchisoni Carr. und Retiolites Geinitzianus Barr.) sind diese Schichten als die mittlere Stufe des Obersilurs aufzufassen.
Ueber die Herzogswalder Silurschichten folgen röthliche Schiefer mit eingelagerten graugrünlichen Quarziten. Auf den letzteren, welche meist gewunden und dachziegelförmig gestaltet sind, wurden wurmförmige und rundliche, erbsengrosse Gebilde beobachtet, von welchen die ersteren Körper sich mit den Nereiten vergleichen lassen. — Wegen der Beschaffenheit der Quarzite und dieser fraglichen organischen Spuren wurde der Schichteii- complex vorläufig zum Uuterdevon gestellt; uähereu Aufschluss über seiue Stellung im System wird jedoch erst die Gegend von Wiltsch liefern , wo die gleichen Schichten angetroffen worden sind.
In das Aufnahmegebiet fiel auch der Kalkberg von Ebersdorf mit den daselbst in Abbau begriffenen oberdevonischen Kalk- steinen; bezüglich deren Lagerung werden die gewonnenen
LIV
neuen Ansichten gelegentlich der nachfolgenden Betrachtung des Culms hervorgehoben werden.
Die unterste Abtheilung des carbonischen Systems , der Culm, hat im untersuchten Gebiete die weiteste Verbreitung gefunden und sind folgende Glieder in demselben unterschieden worden: a. Gneissbreccien und - Conglomerate , b. Gabbro-Con- glomerate, c. Kohlenkalkstein, d. Thonschiefer mit Grauwacken (Sandsteine und Conglomerate) und e. Kieselschiefer. — Als liegendste Stufe des Culms haben sich in der Gegend Breccien
o o
und Conglomerate von Gneiss und arkoseartige Sandsteine er- wiesen. Ihre Verbreitung ist auf die Gegend Silberberg -Volpersdorf einerseits im 0. und andererseits auf den Kalkberg bei Ebersdorf im W. beschränkt und hängt das zweimalige Hervortreten mit der deutlichen Muldenbildung des Culms in diesem Striche zusammen. Auf dem Stellberge, dem Lagerberge und Pressberge sind die Gneissbreccien, hier riffartig hervorragend, besonders schön aus- gebildet. Durch Aufnahme von abgerollten Gneissfragmenten gehen sie allmählich in Gneiss conglomerate über, welche Kalk- knauern mit Thierresten bergen und die Kohlen kalk st eine unterteufen.
Die Gabbro-Conglomerate sind im unteren Niveau des Culms nicht selten, sie halten sich aber nicht an einen bestimmten Horizont; sie finden sich bald auf der Grenze zwischen Devon und Culm (Kalkbruch Ebersdorf), bald in der Gneissbreccie (Stellberg), bald auf der Grenze zwischen Kohlenkalkstein und Thonschiefer (Ostseite des Kalkberges), bald endlich in letzterem selbst (Südseite des Kalkberges bei Ebersdorf).
Die Grauwacken und Thonschiefer sind jünger als die Gneissbreccien und Kohlenkalksteine; sie sind durch vielfache Wechsellagerung eng mit einander verbunden und bilden eine besondere und zwar hier im Gebiete die hängendste Stufe des Culm. Die Thonschiefer führen zahlreich kleine, aber meist un- bestimmbare Pflanzenreste. Nach der Korngrösse lassen sich die Grauwacken, je nachdem das klastische Material fein- und ziemlich gleichkörnig oder grob- und ungleichkörnig ist, in zwei Gruppen trennen; jene sind als Sandsteine oder Grauwacken - Sandsteine,
LV
diese als Conglomerate zu bezeichnen. — Sandsteine und Con- glomerate wechsellagern in der Regel, wo letztere auch auftreten, mit einander. Die Conglomerat- Sandsteine gehören nach den bisherigen Beobachtungen den höchsten vorhandenen Schichten im Culm in der Regel an.
Das Vorhandensein von Kiesel schiefem im Culm wurde nachgewiesen, und zwar an folgenden sechs Punkten: Im Magnis’- scheu Forst östlich der Neudorfer Kirche an zwei Punkten; ein Lager südöstlich derselben bei den Abbauen zu Neudorf; ein Lager am östlichen Abhange des Waldberges; ein Lager am westlichen Abhänge des Königsberges und im Kalkbruch an der Nordseite des Ebersdorfer Kalkberges. An letzterem Punkte ist Kiesel- schiefer in faustgrossen Linsen und in dünnen , kaum 1 Dec. starken Schichten dem Kalkstein eingelagert; er ist theils von hornsteinartiger Beschaffenheit, theils ist er achter Lydit. Die bis jetzt bekannten anderen Vorkommnisse liegen im Thon- schiefer; beide Abänderungen, nämlich die lichtgrünlichen bis graugrünlichen und die schwarzen sind in diesem Vorkommen entwickelt; sie gehen theilweise in harte, graugrüne Schiefer über.
Interessant und für die Beurtheilung ihrer Entstehung wichtig ist die Führung von mikroskopisch nachweisbaren Resten von Radiolarien und Diatomeen in den Culm - Kieselschiefern ; die nähere Bestimmung derselben steht jedoch noch aus.
Bezüglich der Lagerungsverhältnisse des Culms, der südlich bis gegen Wiltsch und westlich bis zum Waldberge kartirt wurde, lässt sich der Satz aufstellen, dass der Culm eine Mulde, deren Ost- resp. Nordostflügel nach W. einschiesst und deren West- resp. Westflügel nach N. oder NO. gerichtet ist, bildet. Den besten Einblick in den Bau dieser, meist sehr complicirt gelagerten Mulde liefert das Profil von der grossen Strohhaube über Neudorf bis zum Steiner Wald. Da ohne Karte die Lagerungsverhältnisse schwer verständlich sind, wird deren Schilderung hier unterlassen; bemerkt mag indess werden, dass namhafte Verwerfungen zwischen Pressberg und Königsberg im Culm nachgewiesen werden konnten.
Ueber die Lagerung am Kalkberge von Ebersdorf gilt der Satz : Der südwestliche Culmflügel nimmt sammt dem obei’de-
LVI
vonischen Kalke an einer Sattelbildung theil. Den Kern des Sattels bildet das Oberdevon, nämlich die schwarzen Kalke und die rothen Clymenienkalke. Am Nord- und Südende fallen beide Flügel gleichmässig von einander ab; im mittleren Theile aber fallen beide Flügel gleichsinnig und zwar nach NO. ein. Die über dem Oberdevon folgenden Culmschichten bestehen auf dem Nordflügel aus Sandsteinen, Gneissbreccien, Kalksteinen und Thon- schiefern mit Grauwacken etc. ; auf dem Südflügel beginnt der Culm mit Gabbro-Conglomerat, auf welchen dann Sandstein und Gneissbreccien folgen, die nur noch in sehr schmalem Streifen vorhanden sind. Discordant lagert sich Porphyrtuff (?) des mitt- leren Rotliliegenden und zwar in derjenigen Stellung, wie solche der betreffenden Rotliliegenden Stufe auf weite Strecken zukommt, an. Demnach ist 1) das Gabbro-Conglomerat (»Gabbro« anderer Autoren) nicht älter, sondern jünger als der devonische Kalkstein ; 2) dem Porphyr resp. Porphyrtuff, der mit 15 — 30° concordant dem Rotliliegenden eingeschaltet ist, darf man die Bildung des Sattels am Kalkberge nicht zuschreiben; 3) lässt sich kein sicherer Schluss über das Alter des Gabbro- zuges Ne urode-Sc lilea:el aus den Lagerungs Verhältnissen am Kalkberge ziehen.
In der südöstlichen Fortsetzung des Devonsattels macht sich gleichfalls eine mehrfache Aufsattelung im Culm bemerklich, indem zwei Culmkalklager mit den sie begleitenden Schichten gut ent- wickelte Sättel dar stellen.
Im Ober carbon wurde am Nordwestende des Gabbro- zuges an der Eisenbahn bei Kohlendorf eine bedeutende Ver- werfung, durch welche das Rothliegende mit den Ruppersdorfer Kalken in das Niveau des Obercarbons gerückt worden ist, con- statirt.
Im Rotliliegenden wurde der Nachweis geführt, dass das Porphyrgestein des Steinberges bei Ebersdorf lagerartig dem Roth- liegenden eingeschaltet und dasselbe mit dem Gesteine am Kalk- berge identisch ist; dass ferner Ruppersdorfer Kalkstein das- selbe auf der ganzen Strecke, nur getrennt durch eine einige Meter starke Lettenschicht, unterteuft.
LVII
Mittheilung des Herrn Scholz (Greifswald) über Aufnahme der Section Gardelegen.
Es ist bezüglich dieser Section das Vorkommen von tertiären Schichten unter dem die Oberfläche bildenden Diluvium und zwar zunächst des durch von Koenen s. Z. beschriebenen oberoligo- cänen Wiepker Mergels hervorzuheben. In der genannten Section findet sich derselbe unter diluvialem rothen Geschiebemergel von 1 — 2 Meter Mächtigkeit in zwei Gruben südlich von Wiepke auf- geschlossen. Ferner waren an einem angeblich über 60 Meter tiefen Brunnenbohrloche im östlich davon gelegenen Dorfe Estedt noch Spuren dieses sehr charakteristisch anssehenden Mergels zu finden. Ueber Estedt, welches unmittelbar am westlichen Rande des Mildethaies liegt, hinaus sind Vorkommnisse des Wieper Mer- gels nicht mehr zu entdecken; es scheint daher hier dieses Thal, ebenso wie in der nördlicher belegenen Section Calbe a. M. , die Ostgrenze des Wiepker Mergels zu bilden, womit der Charakter des ersteren als eines vermuthlieh zur Diluvialzeit schon vorge- bildeten Thals harmoniren würde.
Auf der entgegengesetzten Seite der Section Gardelegen, süd- lich von der Schäferei Sadenbeck, ist die Tertiärformation in der Mitte der 70er Jahre in Form dünner, nicht bauwürdiger Braunkohlenflötze erbohrt worden. Nach den Mittheilungen des damals die Bohrung leitenden Ingenieurs Frauendobf ergab sich folgendes Profil:
1. Sand 2 Meter (Spathsand).
2. Gelber, plastischer Thon 3 Meter (kalkfrei).
3. Grauer Thon 2 — 2,5 Meter (ist in feuchtem Zustande
schwärzlich, kalkfrei, plastisch, sehr glimmerreich).
4. Kohliger Sand 2 — 2,5 Meter.
5. Weisser Sand 13 — 16 Meter.
6. Feste Braunkohle ca. 0,3 Meter.
0 von Koenen, Das marine Mittel- Oligocän Norddeutschlands. Palaeonto- graphia XVI, 2, I, S. 3. Derselbe, Ueber Oligocänschicliten der Magdeburger Gegend. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. XV, 5, 615. Derselbe, Ueber das Ober- Oligocän von Wiepke. Archiv des Ver. d. Fr. cl. Naturgescb. in Mecklenb. 1868, S. 106.
LVIII
Die am Bohrloche noch auffindbaren Spuren der erbohrten Kohle erweisen sich als ein erdiges, leicht zerreibliches, mit Glim- mersand untermischtes Material. Eine Altersbestimmung; war nicht möglich, da Petrefacten oder auch Septarien nicht aufzufinden waren, indessen ist bei der Aehnlichkeit des Sadenbecker Thones mit den Septarienthonen anderer Gegenden vielleicht auf die Iden- tität desselben mit den bei Wiepke im Liegenden des Oberoligo- cäns auftretenden Thonen zu schliessen. — Erwähnung verdient es, dass am Nordrande der Section Klinke bei den Dörfern Seethen und Lotsche ebenfalls kohlige Sande und dunkelgefärbte Thone in schmalen Streifen unter Geschiebemergel (vielleicht selbst nur geschiebeartig eingelagerte Tertiärthonbrocken) Vorkommen.
Mittheilung des Herrn Wahnschaffe über die Aufnahme im westhavelländischen Arbeitsgebiete.
Das im Sommer 1883 in Angriff genommene Arbeitsgebiet stellt eine Verbindung her zwischen den bereits im Druck vor- liegenden Blättern aus dem Nordosten Berlins und dem noch in Bearbeitung befindlichen Gebiete östlich und westlich der Elbe. Der nördliche Theil dieser die neun Kartenblätter Rhiuow, Frie- sack, Brunne, Rathenow, Ilaage, Ribbeck, Bamme, Garlitz und Tremmen umfassenden Gegend wird von den ausgedehnten Niede- rungen des grossen Havelländischen und Rhin-Luches eingenom- men, welche im Nordosten dem alten Oder- oder Berliner Haupt- Thale und mit dem Aufhören des Ländchens Bellin dem vereinigten Oder-Weichsel-Thale angehören. Eine Verbindungslinie der Orte Lietzow, Berge, Ribbeck, Selbelang, Braedikow, Warsow, Vietz- nitz, Friesack, Klessen, Stölln und Rhinow bezeichnet den Süd- rand des alten Oder- und vereinigten Oder- Weichsel-Thaies. Die
O
Ortschaften Dechtow, Carwesee, Betzin und Brunne sind am Nord- rande des alten Oderthaies gelegen.
Während der südöstliche, auf den Blättern Garlitz, Ribbeck und Tremmen liegende Theil des Arbeitsgebietes ein verhältniss- mässisc in sich geschlossenes Ganze bildet und sich im Osten an ein grösseres zusammenhängendes Diluvialplateau anschliesst, wird der westliche Theil dadurch Charakter isirt, dass die Diluvialhoch-
LIX
fläche in verschiedene, mehr oder weniger grosse Inseln zerfällt, welche durch die als Verzweigungen des grossen Havelländischen Luches sich darstellenden Niederungen getrennt werden. Diese alluvialen Thäler besitzen im Allgemeinen eine südwest -nordöst- liche oder südost-nordwestliche Richtung und stellen eine Verbin- dung zwischen dem alten Oderthaie und der Elbniederung her an der Stelle, wo sich die letztere mit der Ausmündung des Baruther Thaies zu einer grossen Thalebene vereinigt. Der Beweis dafür, dass die Wasser der Elbe die Gebend von Rathenow ehemals überfluthet und in verschiedenen Richtungen die Diluvialhoch- fläche durchnagt haben, liegt einerseits in dem Vorkommen von Kieselschiefergeröllen in dem dortigen Thalsande, andererseits in dem Auftreten von Schlickbildungen daselbst, welche in jener Ge- gend fälschlich als »Hävelthone« bezeichnet werden, jedoch mit den Schlickabsätzen des Elbthales petrographisch völlig identisch sind und nicht von der Havel abgesetzt sein können. Die Be- gründung dieser Ansicht habe ich in einer brieflichen Mittheilung in dem Jahrbuche der K. geolog. Landesanstalt für 1882 nieder- gelegt und muss auf die dortigen Ausführungen verweisen.
Von besonderem Interesse ist das Vorkommen einer Süss- wasserfauna in dem Unteren Diluvium der Umgegend von Rathe- now, deren Bearbeitung jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Eine kurze Mittheilung darüber habe ich gleichfalls in genanntem Jahr- buche bereits veröffentlicht.
Soweit sich die geognostischen Verhältnisse bis jetzt über- sehen lassen, kommt auf den östlichen Sectionen Ribbeck und Ti ■emmen der Obere Diluvialmergel in ausgedehnter Verbreitung an der Oberfläche vor. Ebenso sind auch die Diluvialinseln des Blattes Haage zum grössten Theile von demselben bedeckt, wäh- rend er weiter nach Westen zu mehr und mehr verschwindet, so dass auf Blatt Rathenow nur noch die Kuppe des Hohen Rott eine Decke von Oberem Mergel besitzt. Der Untere Diluvial- mergel, dessen Hervortreten unter dem Unteren Diluvialsande auf Blatt Rathenow nachgewiesen werden konnte, gewinnt im Osten dieses Blattes bei Stechow und Ferchesar eine etwas grössere Ausdehnung an der Oberfläche. Weiter nach Westen zu über-
LX
wiegt im Diluvium der Untere Diluvialsand, welcher meist eine dünne Bestreitung mit Geschieben des Oberen Diluviums besitzt und zu ziemlich bedeutenden Höhen ansteifft.
Mittheilung des Herrn Klockmann über seine Aufnahme- thätigkeit im Eilt- und Havelgebiet zwischen Stendal, Rathenow und Havelbera:.
Die grössere Hälfte des betreffenden Arbeitsgebietes wird von alluvialen Bildungen erfüllt, deren nähere Verhältnisse und die darauf gebauten Schlüsse an dieser Stelle nur kurz referireud behandelt werden sollen, während eine eingehendere Darlegung einer späteren Arbeit Vorbehalten bleiben muss.
Die ausgedehnte Niederung des heutigen Elbthals und des unteren Havelthals besteht in der oben bezeichneten Gegend im Wesentlichen aus einem thonigen Gebilde, dem Klei oder Schlick. Derselbe ist fluviatilen Ursprungs und verdankt seine Ablagerung in den heute von Flüssen verschiedenen Namens durchflossenen Niederungen ausschliesslich der Elbe und ihrer einstigen vielfachen Gabelung. Eine Landseebildung, an die ältere Autoren, auch noch Girard, glaubten, ist durchaus ausgeschlossen. Compakte Be- schaffenheit ohne Schichtung, grosse Plasticität, das Fehlen aller organischen Reste (auch Diatomeen sind nach einigen vorläufigen Prüfungen nicht vorhanden), sowie der Mangel jeglichen Kalk- gehalts, ferner die humose Oberkrume sind die hauptsächlichsten Eigenschaften, die den Elbschlick für die Ackerwirthschaft wie für die Technik (Ziegeleibetrieb; Ratheno wer Ziegelsteine) in gleicher Weise geeignet machen. Uebergänge, namentlich nach dem Lie- genden zu, in äusserst feinkörnige, Wasser schwer durchlassende Sande finden statt, ebenso solche durch humosen Schlick in reinen Humus, nach dem Hangenden zu. Seine Mächtigkeit variirt von 3 — 25 Decimetern, im Mittel beträgt sie etwa 12 — 25 Decimeter An dem Elbklei sind somit dieselben Eigenschaften entwickelt, wie an den Schlickabsätzen unserer übrigen grossen Flüsse.
Local und dann oft in grösserem Umfange wird der Schlick von Sauden bedeckt , die von der Elbe bei früheren Hochfluthen über ihn und oft weit landeinwärts (bis Rathenow) geworfen sind.
LXI
Diese Sande, petrographisch übereinstimmend mit den hent im Bett der Elbe liegenden, haben beträchtliche Strecken des frucht- barsten Bodens zu einer Wüste gemacht. Beträgt deren Mäch- tigkeit weniger als ein Meter, so lässt sich zwar durch Kaj ölen der unterliegende Thon wieder an die Oberfläche ziehen, aber zumeist ist die Mächtigkeit bedeutender (3 — 5 Meter) und alsdann ist das Sandareal nur durch Aufforstung mit Kiefern zu verwerthen. Die Chaussee von Genthin nach Havelberg führt über mehrere dieser Sandinseln, von denen einige eine grösste Ausdehnung von 5 — 6 Kilometern haben.
Gehören schon diese Sande einer relativ jungen Zeit in der Geschichte des Stroms an und ist ihre Ablagerung unter thätiger Beihülfe des Windes erfolgt, wovon hohe Dünenzüge Kunde ab- legen, so lassen sich doch noch jüngere Sande unterscheiden, welche erst nach geschehener Eindeichung der Elbe bei Deich- brüchen nicht unbedeutende Flächen übersandeten. Diese sind durch das Fehlen dünenartiger Anwehungen, ihre geringere Mäch- tigkeit und ihre nahe Lage am Fluss leicht kenntlich und ver- schwinden bei rationeller Ackerwirthscliaft immer wieder.
Die Unterlage des Elbschlicks bilden zumeist Flusssande und Grande vom Alter des Thalsandes, die sich stellenweise auch in höher liegenden Inseln (Horste) und als Säume der Diluvial- plateau’s aus ihm herausheben; vielfach jedoch zeigt sich unter dem Klei eine humose, torfartige Schicht, welche trotz ihrer geringen Mächtigkeit und ihres sporadischen Vorkommens von besonderer Bedeutung ist, da sie uns von beträchtlichen Wand- lungen erzählt, welche in geologisch kurz verflossener Zeit in dem Charakter der Landschaft vor sich gegangen sind. In Verbindung mit analogen, an allen übrigen Flüssen und auch an der Küste Norddeutschlands zu beobachtenden Vorkommnissen deutet diese torfartige Schicht eine bestimmte und allgemeine Periode im Alluvium an.
Ueber die Natur des den Elbschlick unterteufenden Torfes geben am wenigsten Aufschluss die mit dem Bohrstock heraus- geholten Proben. Zu Tage geht er nicht aus und an tieferen Aufschlüssen fehlt es, weil er nicht als Brennmaterial gewonnen
LXTI
wird, wohl aber wird derselbe und damit auch der Zustand der Gegend, in der er sich bildete, hinreichend charakterisirt durch gelegentliche Funde von menschlichen und thierischen Resten, von Kunstprodukten, mehr aber noch durch zahlreiche Baumstämme im Bett der heutigen Elbe und Havel, die dieser Torfschicht ent- stammen. Das Vorhandensein solcher Baumstämme, namentlich von der Eiche, aber auch von der Birke und der Erle ist in der Eli De und der Havel ein so allgemeines, dass es der Schifffahrt oft Hindernisse in den Weg legt und ebenso werden solche bei der Anlage tieferer Gräben, die den Schlick durchsclmeiden, meist noch mit ihren Wurzeln häufig zu Tage gefördert.
Der hangende Schlick ist der Schlammabsatz eines strömenden, jedenfalls nicht seichten Gewässers; in einem solchen können weder Bäume wie die eben genannten -wachsen, noch Torf sich bilden. Es muss also eine Zeit gegeben haben vor der Ueberfluthung der in Rede stehenden Gegend durch die Elbe, zu welcher die meilen- weite Niederung das Bild eines seichten stagnirenden Landsees darstellte, welcher von mehr oder minder ausgedehnten, mit Wald- bäumen bestandenen Inseln und Landzungen unterbrochen wurde. I) arauf weisen auch die Untersuchungen, die schon vor langen Jahren von Ad. v. Chamisso, Fr. Hoffmann und Poggendorff (1823, Ueber das Torfmoor von Linum) über die organischen Bestandtheile der liegenden Schicht des Torfes aus dem Havel- ländischen Luch angestellt wurden. Danach gehören die im Torf eingeschlossenen Pflanzen nur dem Lande an. Es sind Blätter und Stengel von Typha latifolia und Arundo Phragmites , ferner sehr reichliche Samenkörner von Menyanthes trifoliata , seltener von Scheuchzeria palustris und verschiedener Carex- Arten. Von sonstigen Körpern schliesst der Torf ein : Stämme, Wurzeln, Rinde von Eiche, Birke, Erle, Kiefer und Haselnuss; Zähne und Knochen vom Elch, Pferd und Schwein. Auch ein Menschen- schädel mit überaus niedriger Stirn wurde gefunden , daneben Feuersteinwaffen. An der Grenze zum unterlagernden Sande kamen Schalen, resp. Operkel, von Cyclostoma , Valvata , Planorbis , Limnaeus , Succinea vor.
Durch diese Erfunde ist der Charakter der Gegend als einer sumpfartigen Landschaft zur Genüge erwiesen. Wenn dann in
LXIII
der Folge aber die Finthen der Elbe einen grossen Theil des vertorften Gebietes langdauernd überschwemmen und mit einer mächtigen Schlickdecke überlagern konnten, so deutet das auf eine eingetretene Land Senkung und wir gelangen damit hinsichtlich des Elbgebietes zu einem Resultat, das für das nord europäische Küstengebiet schon längst von deutschen und ausserdeutschen Autoren ausgesprochen ist.
Aber auch in den Thalniederungen unserer übrigen nord- deutschen Flüsse ist die Erscheinung einer späten Landsenkung nachweisbar. Von der Weser und Oder wissen wir, dass ebenso wie bei der Elbe unter dem dortigen Schlick Baumstämme und Toi’f gefunden werden, und von der Weichsel machte noch jüngst Jentzsch in seiner interessanten Arbeit: »Geologische Skizze des Weichseldeltas, Schriften der physikalisch -ökonomischen Gesell- schaft zu Königsberg, 1881« auf ähnliche Verhältnisse aufmerksam. Halten wir damit das Vorkommen submariner Torfe und Baum- stämme längs der norddeutschen Küste zusammen, so führt uns die Analogie der Verhältnisse zu dem Schluss der Gleichzeitigkeit in der Bildung aller dieser Ablagerungen, der noch dadurch be- stätigt wird, dass auch unter dem Schlick der nordwestdeutschen Marschen sich die torfartige Bildung wiederfindet. Ein weiteres Eingehen auf diesen Gegenstand kann ich mir aber ersparen, da J. Geikie in mustergültiger und erschöpfender Weise dieses Thema behandelt hat (cf. Prehistoric Europe, Chapter XIX — XXI), es möge mir hier nur noch gestattet sein, die einzelnen Stadien in der Entwicklungsgeschichte der unteren Elbe in postglacialer Zeit kurz aufzuführen.
Erste Periode. Ausfüllung der gesammten, orographisch ausgeprägten Thalniederungen, d. h. des Baruther, Berliner und Eberswalder Hauptthals sammt ihren Vereinigungen durch stark strömende Wasser, als Folge des abschmelzenden Inlandeises. Ablagerung von Flusssanden (Thalsanden).
Zweite Periode. Der Zufluss der Schmelzwasser hört mit gänzlicher Freiwerdung Norddeutschlands vom Inlandeise auf. In den weiten Thälern bewegen sich nur Flüsse untergeordneter Grösse. Bedeutende Abschnitte der Niederungen werden zu stagnirenden Landseen. Die Elbwasser gelangen nicht mehr in
LXIV
die durch die Vereinigung der drei Hauptthäler bezeichnete Nie- derung zwischen Burg, Rathenow und Havelberg, sondern werden von Wohnirstedt abwärts durch das Ohrethal nach NW. weiter- geführt. ln der Niederung, die durch das Herauftauchen aus- gedehnter Thalsandinseln auf weite Strecken trocken geworden ist, haust der (neolithische) Mensch und leben Elch, Pferd, Rind und Schwein etc. In den Sümpfen selbst siedelt sich eine reiche, noch jetzt in der Hegend lebende Flora an, während auf den sandigen Horsten Eiche, Kiefer, Birke und Haselnuss üppig gedeihen.
Dritte Periode. Eintreten einer Landsenkung'. Durch- bruch der Elbe zwischen Burg und Wolmirstedt. Mehrfache Gabelung derselben, ein Arm fliesst über Stendal im heutigen Uchtethal, ein anderer über Rathenow im Thal der unteren Havel. Schlickabsatz, soweit das Elbwasser die Niederung überströmt. Ausserhalb des Zuges der Elb wasser setzt sich die Vertorfung der Niederung fort wie im Havelländischen Luch, dem Fiener Bruch etc. und auch in den tieferen Buchten und Einschnitten der von den Elb wassern umflossenen Diluvialinseln vertritt Ver- torfung die sonst allgemeine Verschlickung.
Vierte Periode. Eintritt der heutigen Verhältnisse. Durch den Schlickabsatz ist das Bett der Elbgewässer so beträchtlich erhöht worden, dass letztere während der trockenen Jahreszeit nicht mehr im Stande sind, das ganze, früher inne gehabte Gebiet zu überfluthen. Einschneiden besonderer Strombetten in den Klei- boden und Trennung der einzelnen Elbarme in gesonderte Flüsse (heutige Elbe, Havel, Stremme, Tanger, Uchte etc.). Bei Hoch- flutlien Uebersandung grosser Strecken des Schlickbodens.
Mittheilung des Herrn A. Jentzsch über Aufnahmen im Weicliselthale bei Mewe und Rehhof (Westpreussen).
Die hier etwa eine Meile breite Thalsohle ist ausschliess- lich von Jung- und Altalluvium bedeckt. Ersteres hat eine Grundlage von Sand, bedeckt von schlickigem Sand bis san- digem Schlick, auf welchen reiner mehr oder minder thoniger Schlick folgt, der an vielen Stellen bei 2 Meter Tiefe noch nicht
LXV
durchsunken wird. Durch Aenderung des Stromlaufes und durch Deichbrüche entstehen Uebersanduugen und schliesslich complicirte Wechsellagerungen von Sand mit Schlick. In grösserer Entfernung von der Weichsel wird die Mächtigkeit der Schlicklage geringer, die Oberfläche ist dort schlechter entwässert, und Torfbildungen, z. Th. reich an Moormergel -Einlagerungen, entwickeln sich zu einem breiten, zusammenhängenden Streifen, der den Aussenrand der Jungalluvialfläche bezeichnet, und nach der Thalmitte zu von Schlick überlagert wird. Die Fauna der Schlickschichten besteht fast lediglich aus Süsswasserconchylien (am häufigsten Vivipara fasciata Müller, Bythinia tentaculata L. und Planorbis sp. var.); ganz untergeordnet finden sich Feuchtigkeit liebende Landschnecken, wie Succinea Pfeifferi Rossm. — Im Moormergel hingegen treten neben Bythinia tentaculata L., Ldmnaea stagnalis L., L. palustris Müller, Planorbis corneus L., Valvata piscinalis Müller und anderen Süsswasserbewohnern gar nicht selten Landschnecken auf, namentlich Succinea Pfeifferi Rossm. und kleinere Helices.
Altalluvialer Thalsand und Dünensande verschiedenen Alters bezeichnen die breite Randzone des Thaies, doch nur an der Ost- seite. In Schwärmen von Inseln und Halbinseln tauchen sie auch aus der westlich dieser Zone gelegenen Torfregion empor. W ährend viele dieser kleinen flachen Rücken der Thalrichtung mehr oder minder parallel verlaufen, springen die erwähnten Halbinseln cpier zur Richtung des Thaies wie Riegel in dasselbe vor und vereinigen sich bisweilen mit Längsrücken zu T -förmigen Gestalten.
Auch das rechte (östliche) von der Kgl. Rehhofer Forst ein- genommene Thalgehänge ist vorwiegend mit Flugsand bedeckt, der indess meist nur geringe Mächtigkeit erreicht, und sowohl dem Zweimeterbohrer des Geologen, wie den Wurzeln der Weissbuchen vielorts bis auf unveränderten Diluvialboden hinabzudringen gestattet.
Es wurde rechts der Weichsel, auf Section Rehhof folgendes Profil (von oben nach unten) beobachtet:
a) Oberer Grand mit Blöcken (besonders bei Neudorf).
b) Diluvialmergel.
c) Obere Thonmergelbank (am besten aufgeschlossen hei
Ileinen).
e
LXVI
cl ) Spathsand mit zwei Bänken gemeinen Diluvialmergels, von denen indess die eine infolge mangelnder Aufschlüsse nicht überall nachgewiesen werden konnte. Den Ab- schluss nach oben und unten bildet stellenweise Grand. Das obere Grandlager (bei Neudorf 180 Fuss Höhe) enthält eine Mischung meist zerbrochener Nordsee-, Eismeer- und Süsswasserconchylien ; das untere Grand- lager, bei Haidemühl, eine Mischung von Nordsee- und Eismeerconchylien ; beide Grandschichten lieferten auch Knochenreste von Elephas und anderen Landsäugetliieren. Die untere ist reich an Phosphoriten, die aus einheimischem Tertiär umgelagert sind.
e ) Untere Thonmergelbank; allgemein verbreitet, bei Rehhof im Hangenden in Mergelsand übergehend, stellenweise relativ reich an Geschieben.
/) Geschiebefreier Spathsand, nur an zwei Punkten in 80 bis 90 Fuss Meereshöhe nachgewiesen.
Links der Weichsel wird unsere Aufmerksamkeit zunächst durch die Schwarzerde gefesselt, welche das mit 100 Fuss hohen Steilgehängen zum Strome abstürzende Plateau von Mewe wie ein Schleier überzieht, Bodenwellen und Torfniederungen oberflächlich zu einem wie homogen aussehenden Humusboden verschmelzend. Sieht man von den ihrem Ursprung nach leicht zu erklärenden Torf- und Humusansammlungen der erwähnten Einsenkungen ab, so hat der übrig bleibende eigentliche Höhenboden im engeren Sinne nur eine keineswegs überraschend mächtige Humusdecke von durchschnittlich etwa 0,5 Meter, häufig nur 0,2 — 0,3 Meter, selten über 1 Meter Tiefe. Die Grundlage ist stets schwer durch- lässig, fast immer diluvialer Thonmergel. Der Wechsel von Frost und Hitze, Trockenheit und Nässe, aufwärtstreibendem Wind und abwärtsschlämmendem Wasser haben zusammengewirkt, um Humus- stofle verschiedenen Alters und Ursprungs durcheinander zu arbeiten, so dass dieselben Höhen und Senken scheinbar gleichmässig über- ziehen und mittelst der häufig, zahlreich und tief aufreissenden Klüfte sogar schlieren - artig in den diluvialen Untergrund hinab- dringen konnten.
LXVII
Die Schwarzerde enthält in massiger Menge humussauren Kalk, der sich oberflächlich zu Kalkcarbonat oxydirt, und nur hier und da in den obersten Schichten in Folge stattgehabter Aus- laugung fehlt.
O O
Das Unter -Diluvium gliedert sich links der Weichsel nörd- lich von Mewe (von oben nach unten) wie folgt:
a) Thonmergel.
b) Gemeiner Diluvialmergel (Geschiebemergel).
c) Spathsand, der stellenweise durch Mergelsand, ander-
wärts durch eine Wechsellagerang von Thonmergel mit Sand bezw. sandigem Grand vertreten wird.
d ) Geschiebemergel.
e) Mächtiger Spathsand mit einzelnen grandigen Lagen,
stellenweise in tiefem Niveau Thon bis Fayence- mergel einschliessend.
/) Geschiebemergel, meist bis zum Niveau der Ferse herabreichend.
g) Spathsand.
Diluvialfauna wurde in c, d, e gefunden, am reichlichsten in dem von Berendt bereits 1865 entdeckten Fundort Jacobsmühle; doch sind noch zahlreiche andere, z. Th. wohl nicht ärmere Fund- punkte in der Umgegend vorhanden, die jedoch weniger günstig aufgeschlossen sind. Neu für die Weichselgegend sind: Mytilus edulis L., Litorina litorea L., Astarte borealis und Pisidium sp. ; durch die erstgenannten zwei Formen wird die Uebereinstimmung mit der diluvialen Nordseefauna Schleswig -Holsteins von Neuem verstärkt. Bis heute hat sich in den grossen bei Jacobsmühle gesammelten Conchylienmassen die Eismeerform Yoldia arctica ebenso wie Dreissena polymorpha nicht gefunden; doch fand ich diese in Ostpreussen gemeinen Diluvialconchylien in vereinzelten Exemplaren an mehreren anderen Punkten bei Mewe und Rohhof.
Sande der Braunkohlenformation sind auf Section Mewe durch einige tiefe Wasserrisse bei Thymau biosgelegt; am Ostende der Section Marienwerder finden sich dieselben in einem Hügel links der Liebe bei Kamiontken.
e*
LXVIII
Behufs Besichtigung der vorübergehenden Aufschlüsse wurden die Eisenbahn-Baustrecken Hohenstein-Schöneck, Ma- rienburg - Graudenz, Kornatowo - Kulm und Konitz- Laskowitz bereist. Das Profil der letzteren Linie, welches neue Tertiäraufschlüsse an der Brahe und am Schwarzwasser sowie eine für diese Gegend bisher unbekannte mächtige Ent- - Wickelung des unteren Diluvialmergels ergab, ist in diesem Bande des Jahrbuches abgedruckt.
Die Profile der übrigen Linien gedenkt Verfasser später im Zusammenhänge mit anderen Beobachtungen zu veröffentlichen. Vorläufig erwähnt sei ein kleiner, aber charakteristischer Aufschluss von erdigem Grünsand mit Phosphatknollen, bedeckt von circa 1 Meter Diluvialmergel, auf Bahnhof Stulim, östlich der Schienen, nahe dem Südende, sowie die Auffindung anstehenden Tertiärs in unmittelbarer Nähe des auf Section Dirschau der geologischen Karte der Provinz Preussen bei Klempin am Wege nach Uhlkau von mir verzeichneten, Phosphorite führenden Grünsandes, wo- durch derselbe sich als anstehend mit Sicherheit ausweist.
Die Aufschlüsse der Ziegeleien von Succase, Lenzen und Reimannsfelde bei Elbing wurden wie in vielen vorher- gehenden, so auch in diesem Jahre besucht. Nur ein Theil der dortigen Tlione führt Yolclia und Cyprina. Die Schichten sind aber, in Verbindung mit Sand und Geschiebemergel, durchweg derart gestört, dass eine endgiltige Gliederung nur durch jahrelang fort- gesetzte, sorgfältige Studien festgestellt werden kann. Erwähnt sei jetzt, dass Verfasser aus den genannten Thongruben ausser den früher publicirten noch recht zahlreiche andere Knochenreste erhielt, darunter solche von Elephas, Rhinoceros, Sus, Bos und Equus.
In Ergänzung der Feldbeobachtungen hat Verfasser im lau- fenden Jahre zahlreiche Bohrprofile aus Ost- und West- preussen gesammelt und untersucht. Aus den Ergebnissen sei vorläufig: Folgendes mitgetheilt :
An drei Stellen wurde Diluvialfauna erbohrt:
a) Im Landgestüt zu Marienwerder Nordseefauna im Sand unter Diluvialmergel 36 — 50 Muter unter der Oberfläche.
LXIX
b) An der östlichen Wasserstation des Bahnhofes Elbing:
Dreissena polymorpha im Spathsand 60— 79 Meter unter der Oberfläche, d. h. 54—73 Meter unter dem Ostseespiegel.
c) In der Kaserne zu Allenstein bei 30 Meter Tiefe
(-f- 91,5 Meter über NN.) im Thonmergel ein abgeroll- tes, aber deutlich erkennbares Exemplar von Yoldia sp. und im selben Bohrloch bei 45 — 47 Meter Tiefe (circa 76 Meter über NN.) im groben Grand Dreissena poly- morpha. Beide so verschiedene Faunen liegen also hier vertikal übereinander. Da indess der Thon bei vorläu- figer Untersuchung keine Diatomeen (die Begleiter der Yoldia bei Elbing) erkennen liess und Diluvialfauna im Grand meist umgelagert ist, so müssen beide Conchy- lien auch hier als auf secundärer Lagerstätte vorkom- mend betrachtet werden. Auch der vorliegende, schein- bar so klare Befund beweist nichts für die Altersfolge der Eismeer- und Süsswasserfauna, sondern zeigt nur das Vorkommen beider in tiefliegenden Schichten des 'Unterdiluviums. Wegen der Wichtigkeit des Fundes sei das betreffende Bohrprofil hier mitgetheilt:
3 Meter Abraum bis 3 Meter Tiefe
8 » Geschiebemergel ....... »11 » »
12 » Spathsand, unten einzelne Ge- schiebe führend ..... »23 » »
2 » Grand » 25 » »
14 » Thonmergel (mit Yoldia ) ... »39 » »
10,5 » Grand (mit Dreissena ) ... » 49,5 » »
3,0 » Geschiebemergel ..... » 52,5 » »
Ein anderes Bohrloch in derselben Kaserne traf unter dem Geschiebemergel nochmals 2 Meter Thonmergel, dann 44,5 Meter Braunkohlenformation.
Vordiluviale Schichten wurden ausser den genannten Punkten erbohrt :
in Westpreussen zu Kreftsfelde bei Kossakau auf der Ox- höfter Kämpe in 48 — 67,5 Meter Tiefe Braunkohlenformation;
LXX
in Ostpreussen auf Bahnhof Kobbelbude (südwestlich Kö- nigsberg) bei 34,96 — 44,72 Meter Tiefe Quarzsande verschiede- ner Art;
in Fort Kalgen, südwestlich Königsberg, bei 55 — 79 Meter die untersten Schichten der tertiären (eocänen?) Glaukonitforma- tion Ostpreussens, darunter von 79 — 85 Meter Obersenon;
in der Schlosskaserne zu Königsberg bei 60 — 69 Meter das- selbe unterste Tertiär, von 69 — 208,5 Meter Kreideformation. Die Schichten entsprechen genau den im vorigen Bande des Jahr- buches aus anderen Bohrlöchern Königsbergs geschilderten , ge- statten aber, eine wichtige palaeontologische Bestimmung hinzuzu- fügen. Weisse Kreide wurde bei 96 — 100 Meter angetrofien. Aus 152 Meter Tiefe ward ein Actinocamax eingeliefert, den ich als jugendliches Exemplar von A. verus Miller nach der von Schlüter gegebenen eingehenden Beschreibung erkannte. Zwar sind beide äusserste Enden abgebrochen. Nach der keulenförmigen Gestalt, der Grösse und Schlankheit, der Andeutung der lateralen Zusammendrückung am Alveolarende, den deulich vorhandenen, nach dem Alveolarende convergirenden Dorsolateral-Furchen, ins- besondere aber der Oberflächen - Skulptur dürfte bie Bestimmung hinreichend begründet sein. In dieser Tiefe, 52 Meter unter der Sohle der weissen Kreide, ist mithin die Etage des Em scher anzunehmen.
In petrographisch gleichen Schichten ist das im Vorjahre be- schriebene Bohrprofil Herzogsacker in Königsberg weiter vertieft worden. Aus 223 — 225 Meter Tiefe kam ein feiner glaukoniti- scher Sand herauf, der im Gegensatz zu den darüberliegenden Schichten sich als reich an Petrefakten erwies. Bryozoen, Serpeln, Terebratulinen, Fragmente von Inoceramus und anderen Bivalven, sowie von Echiniten kamen zahlreich zu Tage, harren jedoch noch der Bestimmung. Immerhin dürfte es von Interesse sein, diesen petrefaktenreichen Horizont als solchen zu charakterisiren, 120 Meter im Liegenden der weissen Kreide, mithin circa 68 Meter im Liegenden der an der Schlosskaserne als Emscher bestimmten Schicht.
LXXI
Mittheilung des Herrn Ebert über die wichtigsten Resultate der Aufnahme auf Section Garnsee.
Die Aufnahmearbeiten des Herrn Ebert auf Section Garnsee (Westpreussen) ergaben folgenden Aufbau des Diluviums daselbst. Zu unterst findet sich Sand, dessen Liegendes weder aufgeschlossen war, noch erbohrt wurde. Darüber folgt Geschiebemergel (in einer Grube bei Sedlinen von 3,5 Meter Mächtigkeit), überlagert von geschiebefreiem Thonmergel, dessen Mächtigkeit sehr wechselt, theilweise 3 Meter übersteigt. Das Hangende des Thonmergels besteht aus einer sehr mächtigen Sandschicht, welche an ih rer Basis zuweilen grandige Ausbildung zeigt und im »Feklchen« bei Rüden marine Conchylien enthält. Dieselben sind jedoch meist mir in Bruchstücken vorhanden, und es liessen sich mit Sicher- heit nur Cardium edule L., Nassa reticulata L. und Venus sp. be- stimmen. Auf den Sand folgt ein Schichtensystem aus wechseln- den Lagen Geschiebemergel und Sand, über dessen Aufbau weder Aufschlüsse noch die Bohrungen Genaueres ergaben, auf dieses wieder eine mächtige Sandschicht und darüber endlich der Obere Geschiebemergel.
Die Aufeinanderfolge der Schichten ist also im Grossen und Ganzen dieselbe, wie sie JentzSCH x) bei Marienwerder beob- achtet hat. Die im »Feldchen« gefundene Fauna entspricht der- jenigen an. der Basis seiner Schicht 7i, während der den Thon- mergel unterlagernde Geschiebemergel bis jetzt keine Conchylien lieferte.
Unter den alluvialen Ablagerungen ist der Torf der Umge- bung von Treugenkohl in der Weichselniederung von Interesse. Von Moormergel bedeckt nimmt derselbe nach der Tiefe an Kalk- gehalt so zu, dass er in Folge der massenhaften Anhäufung von Kalkkügelchen zwischen den Pflanzenfasern in trockenem Zustande hellgraue bis weissliche Färbung zeigt. Im Volksmunde heisst derselbe deshalb »weisser Torf«.
D A. Jentzsch., Die Lagerung der diluv. Nordseefauna bei Marienwerder. (Jahrb. der K. geol. Landesanstalt für 1881.)
LXXII
Mittheilung des Herrn Klebs über Aufnahme der Section Heilsberg (Ostpreussen).
Das Aufualimegebiet der Section Heilsberg bot in so weit viel Interessantes dar, als sowohl der Deckthon als auch das Ter- tiär eingehend studirt und letzteres an die bereits genau bekann- ten ostpreussischen Tertiärgebiete von Samland und Heiligenbeil angeschlossen werden konnte.
Die Untersuchungen über den Deckthon sowohl als diejenigen über das Tertiär werden in separaten Abhandlungen in diesem Jahrbuche zur Veröffentlichung gelangen.
Ausser Granden, welche Diluvialfauna in der gewöhnlichen Art des Vorkommens enthalten, sind auf Section Heilsberg noch Sande und Mergelsande verbreitet, in welchen sich z. Th. in grösserer Menge marine Schalthierreste finden, bei welchen beide Schalen noch Zusammenhängen. Vorkommen und Lage berechtigen zu dem Schluss, dass man es hier mit einer Fauna zu thun hat, welche an Ort und Stelle des Vorkommens auch gelebt hat1). Diese Schichten gehören den tiefsten Lagen des dort beobachteten Unterdiluviums an. Nachgewiesen wurden dieselben an dem linken Ufer der Alle und dem rechten der Simser; sie zeichnen sich durch Gehalt an Kalk und Glaukonit aus. In wie weit sie sich mit anderen glaukonitischen unterdiluvialen Sanden, die sich häufig auf Section Heilsberg finden, und in denen bis jetzt noch keine Fauna beobachtet wurde, in Zusammenhang bringen lassen, dürfte wohl durch die Nachbarsectionen entschieden werden.
:) Unter den ausserst zahlreichen Stücken, welche ich sowohl 1883, als auch 1884 an Ort und Stelle zu untersuchen die Gelegenheit hatte (das Sammeln der Conchylien ist äusserst schwierig, und konnte nur nach einer Tränkung des Sandes mit ätherischen Harzlösungen bewerkstelligt werden), gehören sämmtlieke Formen zu Tellina und Cordium, von welchen namentlich das erstere bedeutend vorwaltet. Yoldia und Dreysena scheinen vollständig zu fehlen.
LXXIII
4.
Personal - Nachrichten.
In dem Laboratorium der Bergakademie sind die für die Landesuntersuchung beschäftigten Chemiker Starck und Dr. Ja-
O O
COBS ausgeschieden und die Chemiker Bärwald und Dr. Böttcher eingetreten. Als dritter Chemiker für die Landesuntersuchung ist Dr. GrREMSE hinzugekommen.
Bei der mit der Bergakademie verbundenen Chemisch- technischen Versuchsanstalt sind der Chemiker Sieber und der Hüttentechniker Lorenz ausgeschieden und an deren Stelle die Chemiker Dr. Benas und Dr. Hofferichter eingetreten.
Bei der geologischen Landesanstalt sind als Mitarbeiter der Bergingenieur Geologe Dr. Stapff in Weissensee bei Berlin, der Bergreferendar Dr. Beyschlag in Berlin und der Dr. phil. Zimmermann in Gera, letzterer zunächst als Assistent des Pro- fessors Dr. Liebe daselbst, für die Aufnahmen im Gebirgslände, ferner Dr. Ebert in Berlin, Dr. Schröder und Dr. Noetling, letztere beide in Königsberg i. Pr., für die Aufnahmen im Flach- lande, eingetreten.
Ferner werden bei den geologisch-agronomischen Aufnahmen im Flachlande die Culturteclmiker Becker, Keiper, Lübeck und Scholz, sämmtlich in Berlin wohnhaft, beschäftigt.
\
II.
Abhandlungen
von
Mitarbeitern
der Königlichen geologischen Landesanstalt.
Die Orthocerasscliiefer zwischen Balduinstein und Lanrenburg an der Lahn.
Von Herrn Emanuel Kayser in Berliu.
(Hierzu Tafel I bis VI.)
Einleitung.
Unter allen bis jetzt in der Rheingegend bekannt gewordenen Vorkommen von Orthocerasschiefer steht, sowohl was Versteine- rnngsreichthum als auch treffliche Aufschlüsse betrifft, entschieden dasjenige obenan, welches in der Gegend von Balduinstein ent- wickelt ist und vom bekannten Rupbachthal durchschnitten wird.
Die Brüder Sandberger hatten, als sie zu Anfang der fünf- ziger Jahre ihr bekanntes Werk über das Rheinische Schichten- system abfassten, von dem genannten Vorkommen nur eine be- schränkte Kenntniss. Sie besassen zwar bereits eine kleine Zahl von bezeichnenden Versteinerungen aus den damals noch in Betrieb befindlichen Dachschiefergruben von Balduinstein und Cramberg; allein der jetzt so schwunghaft betriebene Schieferbergbau im Rupbachthale war zu jener Zeit noch nicht eröffnet — derselbe begann Ende 1856 — und damit auch die vielen schönen, allein dem Bergbau zu verdankenden Versteinerungen noch nicht bekannt geworden.
Carl Koch war der Erste, der seit Anfang der sechziger Jahre auf mehreren Versammlungen des nassauischen und des rheinisch- westfälischen naturforschenden Vereins die ihm durch den da- maligen Bergmeister Wenkenbach zugestellten Versteinerungen
Jahrbuch 1883.
1
2
Emanuel Kayser, Die Orthocerasscliiefer
ans dem Orthocerasscliiefer des Rupbachthaies vorlegte und da- durch zu allgemeinerer Kenntniss brachte *), ohne indess etwas Ausführlicheres über die Fauna und Schichtenfolge des Rupbach- thaies zu veröffentlichen.
Der Erste, der eine genauere Beschreibung der fraglichen Versteinerungen und Schichten gab, war vielmehr F. Maurer, der im Jahre 1876 einen längeren Aufsatz über das Rupbachthal erscheinen liess * 2) und auch in zwei späteren Arbeiten auf dasselbe Thema zurückkam. Maurer hat das Verdienst, im Rupbachthale das Vorhandensein von drei getrennten Faunen (nämlich derjenigen der Gruben Schöne Aussicht, Königsberg und Langscheid) nach- gewiesen, und ausserdem in einem Kalkknollenschiefer an der Fritzemnühle den wichtigen Fund von Pentamerus rhenanus ge- macht zu haben, einer Versteinerung, die man bis dahin nur aus dem Quarzit von Greifenstein kannte. Was die Lagerung der Schichten im vorderen Rupbachthale betrifft, die in Wahrheit eine Mulde bilden, so sah Maurer in denselben eine einfache Folge vom Liegenden zum Flangenden, und erklärte demgemäss die an der Fritzemnühle, im scheinbaren Flangenden der Orthoceras- schiefer auftretenden kalkknollenführenden Schiefer mit Pent. rhe- nanus für jünger als die Orthocerasscliiefer 3 4), während er die versteinerungsreichen Schiefer am Ausgange des Thaies, welche in Wirklichkeit denen der Fritzemnühle gleichstehen, nicht nur für älter als diese und die Orthocerasscliiefer, sondern sogar für sehr tief- unterdevonisch ansprach Q.
Im Jahre 1877 hatte ich selbst Gelegenheit, das Rupbachthal zusammen mit meinem verstorbenen Freunde Koch zu besuchen. Wir überzeugten uns damals, dass die von Maurer an der Fritzemnühle beobachteten Kalkknollenschichten auch weiter tlial- abwärts vorhanden seien, und fanden darin, sowie auch im Vor-
x) Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturkunde, Heft 19, 20. 1864 — 66. — Verhandl. d. naturhist. Vereins f. Rheinl. -Westf. 1872. Corr.-Bl. S. 84.
2) Neues Jahrbuch f. Min. u. s. w. 1876, S. 80S. — Ebend. Beilageband I, 1880, S. 1. — Ebend. 1882, Bd. I, S. 1.
3) Neues Jahrbuch 1876, S. 848 und Beilageband 1 (1880), S. 80.
4) Neues Jahrbuch, Beilageband I, S. 83 ff. — Ibid. 1882, I, S. 28.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
3
kommen von versteinerungsreichem Spiriferensandstein sowohl im N. wie auch im S. der Orthocerasschiefer, einen Beweis dafür, dass die Schichten des Rupbachthaies nicht sowohl eine einfache Folge vom Liegenden zum Hangenden, als vielmehr eine Schichten falte mit gleichsinnig einfallenden Flügeln darstellen 1). Ob diese Falte als Mulde oder Sattel anzusehen sei, dafür vermochten wir damals noch keine entscheidenden Beweise aufzufinden; wohl aber neigten wir Beide, entsprechend unserer damaligen Ueberzeugung vom hohen Alter des Orthocerasschiefers, der Ansicht zu, dass die frag- lichen Schiefer als ein sich aus dem Spiriferensandstein heraus- hebender Schichtensattel aufzufassen seien.
Erst in den folgenden Jahren gelangte Koch auf Grund fort- gesetzter eingehendster Studien im unteren Lahngebiet zur Ein- sicht, dass die Orthocerasschiefer des Rupbachthaies keinen Sattel, sondern eine Mulde bilden. Er sprach diese Ansicht mit Bestimmt- heit in seiner Abhandlung über die Gliederung des nassauischen Unterdevon aus, indem er zugleich darauf hinwies, dass das Centrum der fraglichen Mulde 'von Schalsteinen und Diabasen eingenommen werde, auf welche sich im O. des Rupbachthaies die Ausläufer des mitteldevonischen Kalksteins von Balduinstein auflagerten 2). In derselben Arbeit wies Koch auch den Pentamerusschiefern der Fritzenmühle ihr richtiges Niveau unter den Orthocerasschiefern, und ebenso den Schichten an der Mündung des Rupbachthaies ein solches in seiner Oberen Coblenzstufe an.
Koch war indess in der genannten Arbeit noch nicht zur Erkenntniss gelangt, dass die Schichten an der Fritzenmühle und an der Thalmündung einem und demselben Niveau angehören. Auch war es ein Irrthum, wenn er meinte, dass die Orthoceras- schiefer sich nach W. noch weit über das Rupbachthal hinaus fortsetzten und hier zwischen zwei Züge der viel älteren Pterineen- scbiefer (Singhofer Aviculaschiefer) hineinfielen ; und ebenso, wenn er den im Wasenbacher Thal oberhalb der Fritzenmühle gelegenen Dachschieferzug der Gruben Herres und Scheibeisberg,
B Zeitschr. cl. Deutsch, geol. Ges. 1877, S. 411.
2) Jahrbuch d. Königl. preuss. geol. Laudesanstalt für 1880, S. 232.
1*
4
Emanuel Kayser , Die Orthocerasschiefer
der eine zweite, südliche Nebenmulde von Orthocerasschiefer dar- stellt, der Oberen Coblenzstufe zurechnete und in nicht ganz ver- ständlicher Weise als zerrissene Stücke der Pentamerusschichten von der Fritzenmühle und als Gegenflügel der am Ausgange des Rupbachthaies anstehenden Schichten der Gruben Schöne Aussicht und Königsberg deutete.
Diese und einige andere kleinere Irrthümer der früheren Autoren sollen in der vorliegenden Arbeit, die auf meinen Auf- nahmearbeiten in den Sommern 1882 und 1883 fussend, in erster Linie eine eingehende Darstellung der Zusammensetzung , des Fossilinhalts und der Lagerungsverhältnisse der Schichten im Rupbachthale und zwischen diesem und Balduinstein zu geben beabsichtigt , berichtigt werden. Im Anschluss an diese den grössten Theil der Arbeit einnehmende Schilderung will ich in einem weiteren Abschnitte nachweisen, dass eine ganz ähnliche Gliederung der Orthocerasschiefer wie im Rupbachthale, auch bei Wissenbach und, wie es scheint, auch bei Olkenbach vorhanden ist, und sodann die Frage nach der Classification des rheinischen Orthocerasschiefers berühren. In einem besonderen palaeontolo- gischen Anhänge sollen dann endlich noch eine Reihe von Versteine- rungen besprochen werden, die bisher unbekannt waren oder an denen ich neue Beobachtungen gemacht habe. Leider habe ich die Fauna des Rupbachthaies nicht vollständig behandeln können. Ich musste mich vielmehr wesentlich darauf beschränken, die Arten zu berücksichtigen, die in der allerdings sehr ausgezeichneten, ursprünglich von Koch zusammengebrachten und in den letzten Jahren von mir vervollständigten, im Besitze der Landesanstalt befindlichen Suite von Rupbachthaler Versteinerungen vertreten sind. Ausser dieser Suite habe ich nur noch die schöne Privat- sammlung des Herrn Bergrath Ulrich in Diez benutzt, dem ich für die Erlaubniss dazu, sowie auch für seine vielfache sonstige Unterstützung und Belehrung zu grossem Danke verpflichtet bin.
Die der Arbeit beigegebene Karte der geologisch so ausser- ordentlich interessanten Gegend zwischen Balduinstein und Lauren- bürg ist ein Ausschnitt aus dem Messtischblatte »Schaumburg« und wird das Verständniss der nachfolgenden Mittheilungen wesentlich erleichtern.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
5
Ich habe zu derselben nur noch zu bemerken, dass bei den grossen Schwierigkeiten, mit denen die sich wesentlich auf Versteinerungsfunde stützende Abgrenzung der Oberen von den Unteren Coblenzschichten verknüpft ist, die auf der Karte ge- zogenen Grenzen nur als annähernde zu betrachten sind. Die Dachschieferlager der Hauptgruben im Rupbach thale, südöstlich von Cramberg und bei Balduinstein sind durch in die Karte ein- getragene Buchstaben ausgezeichnet worden, und zwar bezeichnet:
S. A. das Lager der Grube Schöne Aussicht,
|
L. |
» |
7) |
7) |
Lahnberg, |
|
|
K. |
7> |
y> |
7> |
7> |
Königsberg, |
|
M. |
7) |
t> |
3> |
7> |
Mühlberg, |
|
La. |
7> |
y> |
7> |
» |
Langscheid, |
|
0. |
7> |
7> |
» |
Oscar, |
|
|
H. |
t> |
7> |
» |
Herres, |
|
|
S. |
t> |
7> |
Scheibeisberg, |
||
|
G. |
t> |
7> |
» |
Gabelstein (bei Cramberg), |
|
|
G. G. |
»■ |
7> |
» |
7> |
Gnade Gottes (bei Balduinstein). |
Zusammensetzung , Versteinern ngsfiilirung und Lagerung* der Orthocerasschiefer im Rupbachthale und zwischen diesem und Balduinstein.
Wir befinden uns in der fraglichen Gegend am Westrande der grossen, aus Mittel- und Oberdevonschichten bestehenden, so- genannten Lahnmulde, welche sich aus der Gegend von Wetzlar mit nordost -südwestlichem Verlauf — der herrschenden Streich- richtung der Schichten im rheinischen Schiefergebirge — bis hier- her erstreckt. Wie dies auch an den Endigungen anderer grösserer Mulden der Fall zu sein pflegt-, löst sich die genannte Mulde hier in eine Anzahl grösserer und kleinerer, durch dazwischenliegende Sättel von Unterdevon getrennte Specialmulden auf. Unter diesen letzteren sind namentlich drei durch grössere Breiten- und Längs- erstreckung ausgezeichnet. Es sind das von S. nach N. : die Hahnstätten - Katzenellnbogener, die Birlenbach- Balduinstein - Rup- bachthaler und die Hadamar - Niedererbacher Mulde. Von diesen
6
Emanuel Kaysek, Die Ortliocerassehiefer
ist es die zweitgenannte, mit der wir uns hier zu beschäftigen haben und von der ein ansehnlicher Theil, und zwar das westliche Ende, in den Bereich unserer Karte fällt. Die Axe dieser Mulde verläuft aus der Gegend südlich Birlenbach über Schloss Schaum- burg nach dem Dorfe Steinsberg (im O. des Rupbachthaies). Auf dieser Linie treten als jüngste Schichten Cypridinenschiefer, ober- devonische Schalsteine (im S. von Schloss Schaumburg mit Phillips astraea) und Knollenkalke (gut entblösst in der zweiten Windung der vom Thalhof nach dem Schloss führenden Fahr- strasse) auf. Unter diesen Schichten liegen mächtige und aus- gedehnte mitteldevonische Schalsteine mit zahlreichen lagerförmigen Einschaltungen verschiedener Grünsteine (Diabasmandelstein, dichter Diabas, Labradorporphyr) und keratophyrartiger. Porphyrgesteine (Lahnporphyr) und hie und da auch mit kleinen Kalksteinlagern. An einigen Stellen (wie besonders gleich im O. der Ruine Balduin- stein) schliessen diese Schalsteine zahlreiche Fragmente von mittel- devonischen Korallen ( lleliolites- , Favosites-, Alveolites -, Aulopora- Arten) und Stromatoporen ein. Unter diesen Mitteldevonschichten liegt sodann die mächtige Dachschieferfolge der Orthocerasschiefer mit zahlreichen Einschaltungen von lagerhaften Grünsteinen, die nicht nur das Westende der Mitteldevon - Mulde rings umgiebt, sondern auch an deren Nordrande ein schmales, sich bis Balduin- stein erstreckendes Band zwischen den mitteldevonischen Schalstein- und Coblenzschichten bildet. Die Oberen Coblenzschichten bestehen überwiegend aus milden Grauwackenschiefern, die nicht selten in reinen Thon- oder auch (beim Ausgange des Rupbachthaies) in Dachschiefer übergehen, während compaktere Grauwacken selten sind; die Unteren Coblenzschichten dagegen bestehen überwiegend aus solchen letzteren. Quarzite, die in diesem Niveau anderweitig sehr entwickelt sind, fehlen im Gebiete unseres Kärtchens voll- ständig. Der unteren Grenze der Unteren Coblenzschichten oder vielleicht auch dem obersten Theil der Hunsrückschiefer gehören ein paar Züge der merkwürdigen, sericit- und feklspathführenden Porphyroidgesteine an. Sowohl in den Oberen als auch in den Unteren Coblenzschichten wurden an mehreren Stellen charakte- ristische Versteinerungen beobachtet, die weiter» unten am be-
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
7
treffenden Orte genannt werden sollen. Das älteste im Bereiche unserer Karte entwickelte Glied des Unterdevons bildet der Hunsrückschiefer, der hier, wie auch in weiterer Umgebung, ein mächtiges, verhältnissmässig sehr reines Thonschiefersystem darstellt.
Zur Vervollständigung dieses kurzen Ueberblieks über die geologische Zusammensetzung der Gegend sei endlich noch auf das Vorkommen einiger grösserer Basaltkuppen, sowie auf die tertiären Geröll- und Sandablagerungen und die diluvialen Schotter- und Lehmbildungen hingewiesen, welche letztere auf den Plateaus überall eine mehr oder minder mächtige, noch heutzutage weit ausgedehnte und ehemals jedenfalls fast ohne Unterbrechung über die ganze Gegend verbreitete Decke bilden.
Von grosser Wichtigkeit für das Verständniss der geologischen Verhältnisse der Gegend ist die Auffindung einer grossen, im W. des Rupbachthaies verlaufenden Verwerfung geworden. Diese Bruchlinie, die sich mit nordwestlichem Streichen aus der Gegend von Katzenellnbogen bis über Holzappel hinaus hat verfolgen lassen und welche beim erstgenannten Orte den langen, aus Taunusquarzit bestehenden Rücken der Weisseier Höhe und Ring- mauer abschneidet, bei der letztgenannten Bergstadt dagegen dem bekannten, von hier aus über den Rhein bis weit in den Hunsrück fortsetzenden Holzappeler Gangzug ein Ende zu setzen scheint, bildet auch die Westgrenze der beiden Specialmulden von Katzenellnbogen und Balduinstein. Beide Mulden setzen in voller Breite an jener Spalte ab, in deren Westen durchweg ältere Gesteine, nämlich Taunus- quarzit (an der Weisseier Höhe Spirifer primae vus , Rensselaeria crassicosta , Avicula capuliformis) , Hunsrückschiefer und Untere Coblenzscliichten (im Thal der »verbotenen Hecke« westlich vom Oberen Rupbachthal und südlich von der Ruine Brunnenburg Strophomena laticosta , Rhodocrinus gonatodes , Pleuro dictyuni) herr- schen, als im Osten. Besonders deutlich tritt dieses Abschneiden bei der Balduinsteiner Mulde durch das plötzliche Aufhören der zahl- reichen, z. Th. sehr mächtigen, dem Orthocerasschiefer einge- schalteten Grünsteinlager hervor.
Wie die Orthocerasschiefer auf diese Weise im W. durch eine Bruchlinie begrenzt werden, so ist dies auch im O. der Fall,
8
Emanuel Kayser, Die Orthocerasschiefer
und zwar hier durch eine kleinere, östlich Balduinstein liegende, gleichfalls nordwestlich streichende Dislokation. Das ganze Vor- kommen liegt somit zwischen zwei parallelen Verwerfungen.
Wir wenden uns nun der genaueren Betrachtung des Ortho- cerasschiefers selbst zu, und zwar wollen wir zuerst die im Rup- bachthale, dann die zwischen diesem und Balduinstein liegende Partie ins Auge fassen.
1. Die Orthocer asscliiefer des Rupbachthaies.
Die Orthocerasschiefer treten im Rupbachthale in zwei ge- trennten Zügen auf: einem breiteren nördlichen, der von der Mündung des Thaies bis zum Trennungspunkte des (nach SO. gehenden) Wasenbacher Thaies von dem (nach S. gerichteten) Oberen Rupbachthal reicht, und einem schmäleren südlichen, welcher im Wasenbacher Thal liegt und über den Biebricher Kopf bis ins Obere Rupbachthal reicht. Zwischen beiden Zügen treten Grau- wackenschiefer der Oberen Coblenzstufe auf.
Dass der nördliche Hauptzug eine Mulde darstellt, lässt ein Blick auf die Karte sofort mit aller Bestimmtheit erkennen. Bei der Gasteiersmühle , wo Schalsteine und Diabase, die mit denen von Steinsberg und Balduinstein in unmittelbarem Zu- sammenhang stehen, bis ins Rupbachthal hinein und in einem sehr schmalen Streifen sogar noch über dasselbe hinausreichen, muss die Mitte dieser Midde liegen. Die nördlich von hier bis zum Ausgange des Rupbachthaies anstehenden Schichten würden dann als Nordflügel, die südlich liegenden bis in die Nähe der Fritzenmühle als Südflügel der Mulde anzusehen sein.
Ich habe aber noch eine besondere Beobachtung gemacht, aus welcher sich der ursprünglich normal muldenförmige Bau des in Rede stehenden Schieferzuges ergiebt. Während nämlich die Schichtenneigung im Rupbachthale, wie in der ganzen Gegend überhaupt, fast ausnahmslos nach S. (SO.) geht, so sind am Süd- rande unserer Mulde noch allenthalben Spuren eines ehemaligen Nordfallens vorhanden. Die ersten Andeutungen dieses von den früheren Beobachtern nicht erwähnten abweichenden Fallens beob- achtet man, das Rupbachthal aufwärts kommend, an der Biegung
zwischen Balduinstein und Lauten bürg an der Lahn.
9
der Chaussee kaum 100 Schritt unterhalb der Petersmühle. Die Schieferung fällt hier zwar, wie im ganzen Rupbachthale , steil nach S. ein ; daneben aber erkennt man noch eine flach nach N. geneigte, die Schieferung unter grossem Winkel durchschneidende Bänderung des Gesteins, und ebenso zeigt auch ein in geringer Höhe über der Chaussee anstehendes Diabaslager (welches eben- falls eine nach S. gerichtete Schieferung besitzt) flaches Nord- fallen , wie dies durch die folgende Skizze veranschaulicht wird :
Fig. 1.
ScJaefer Miabas
Folgt man der Chaussee weiter aufwärts, so fällen zwar zu- nächst — und zwar etwa bis zur Brücke, mit welcher die Chaussee den Rupbach überschreitet — Schichtung und Schieferung wieder zusammen, jedenfalls in Folge einer lokalen Umbiegung der Schichten im Fallen; weiter thalaufwärts aber, an der Grube Oscar, macht sich wieder ein deutliches Nordfallen geltend, durch dessen Kreuzung mit der nach S. gehenden Schieferung die Schiefer dieser Grube, ebenso wie die der gegenüberliegenden Grube Langscheid, ein sehr auffälliges gestreiftes bis gebändertes Ansehen erhalten. Dieses, sowie auch die Thatsache, dass die hier zahlreich vorkommenden verkiesten Goniatiten, die doch ur- sprünglich jedenfalls meist parallel der Schichtung eingebettet
10
Ejianuel Kayser, Die Ortliocerasschiefer
wurden, jetzt fast immer mit dem Rücken aus den Schieferplatten hervorragen, beweist, dass die Schieferung hier eine sekundäre sein muss. Auch an anderen Punkten am Südrande der Mulde kann man ähnliche Beobachtungen machen; so südsüdöstlich von Steinsberg, auf der Nordseite der oberhalb der Fritzenmühle ins Wasenbacher Thal mündenden Schlucht, wo ein durch einen kleinen Steinbruch aufgeschlossenes Lager von Diabasmandelstein neben einer mit 75° nach S. gerichteten Schieferung in der Lage der Mandeln und einzelner hellerer, schlierenförmiger Bänder noch deutliche Spuren des ehemaligen Nordfallens bewahrt hat.
Der muldenförmige Bau des in das vordere Rupbachthal fallenden Zuges von Ortliocerasschiefer kann damit als erwiesen gelten und ich gehe nun zur genaueren Betrachtung der Zusammen- setzung der beiden Muldenflügel über.
Besucht man, wie dies gewöhnlich zu geschehen pflegt, das Rupbachthal von Laurenburg aus, so sieht man auf dem etwa 20 Minuten weiten Wege von der Bahnstation bis zum Anfang des Thaies zunächst ziemlich reine, nur hie und da Bänke von grauem Quarzit oder Grauwackensandstein einschliessende Thon- schiefer, die längs der Fahrstrasse recht gut entblösst sind. Der petrographische Charakter dieser Schiefer, ihre V ersteinerungsfreiheit sowie ihr Zusammenhang mit den lahnabwärts sehr verbreiteten, noch mehr dachschieferartigen Thonschiefern, die wohl unzweifel- haft der Stufe der Hunsrückschiefer angehören, macht auch für die in Rede stehenden Schiefer ein gleiches Alter wahrscheinlich. Jenseits der grossen Verwerfung wird der Gesteinscharakter ein etwas anderer: die Schiefer werden unreiner und es stellen sich zahlreichere Grauwackenbänke ein, die hie und da Versteinerungen einschliessen. So wurden in der von der Verwerfung durch- schnittenen Schlucht südlich der Chaussee Crinoidenstielglieder und Spirifer paradoxus, auf dem gegenüberliegenden Lahnufer derselbe Spirifer, Meganteris sp., Grammysia , Orthis conf. circularis und andere Reste gefunden. Nach alledem ist es sehr wahr- scheinlich, dass wir uns hier in den Unteren Coblenzschichten Koch s befinden.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
11
In der Nähe der Ausmündung des Rupbachthaies gehen die beschriebenen Schichten allmählich wieder in reinere, milde, im angewitterten Zustande gelblichgraue Thonschiefer über. Man er- kennt in denselben vielfach, so namentlich dicht vor der Mündung des Rupbachthaies, Spuren von Versteinerungen. Dieselben sind hier indess sehr verdrückt und schwer aus dem Gestein heraus- zulösen. Dagegen liegt ein sehr guter Versteinerungsfundpunkt ein paar hundert Fuss über der Chaussee, an dem von der Justus- mühle nach Gutenacker führenden Wege, an der Thalecke, da, wo sich aüf der Karte das Versteinerungszeichen befindet. Es ist das die Stelle, wo schon Maurer und Koch gesammelt haben 1). Die milden, gelblichen, hie und da Knollen von unreinem Kalk einschliessenden Schiefer sind hier sehr reich an Versteinerungen, die zuweilen noch ihre Kalkschale besitzen, indess ebenfalls immer mehr oder weniger stark verdrückt sind. Ich selbst habe hier wiederholt gesammelt und folgende Versteinerungen gefunden:
Atrypa reticularis L. , in sehr zahlreichen grossen Exem- plaren
Rhynchonella Orbignyana Vern. , ebenfalls sehr häufig und typisch, mit stark entwickelter Furchung des Sattels Phacops fecundus Barr. ( latifrons bei Maurer u. Koch)2) Fenestella sp., sehr häufig
Chonetes dilatata F. Roem., sehr gross werdend Chonetes sp., eine ziemlich grosse, dickrippige Form Spvrifer aculeatus Schnur 2)
» paradoxus Schl. , nicht selten , in sehr grossen, langgeflügelten Exemplaren Cypricardinia crenistria Sandb.
Strophomena rhomboidalis Wahl.
Streptorhynchus umbraciduvi Schl.
Petraja sp.
N. Jahrb. f. Mineralogie 1876, S. 815. Ibid. Beilageband I, 1880, S. 83. Jahrbuch d. Königl. preuss. geol. Landesanstalt für 1880, S. 223 ff.
2) Vergl. den palaeontolog. Anhang.
12
Emanuet, Kayser, Die Orthocerasschiefer
Pleurodictyum sp. sp., eine kleine Form mit einigen wenigen, breiten Zellen, und eine andere, ebenfalls kleine, mit zahlreichen sehr schmalen Zellen *)
Cryphaeus sp.
Proetusf sp.
Pterinea sp.
Spirifer speciosus Schl.?
Ausserdem finden sich seltener:
Pcntarnerus Heberti Oehl. * 2)
Cyrtina heteroclita Defr.
Orthis hysterita Gmel. ( vulvaria Schl.)
Rhynchonella daleidensis F. Roem.
Orthoceras planiseptatum Sandb.
Microcyclus sp.
Panenka bellistriata Kays. 2)
Maurer giebt von hier noch an:
Spirifer curvatus Schl.
Wesentlich dieselben Versteinerungen finden sich auch auf der Dachschiefergrube Schöne Aussicht, welche gleich hinter der Thalecke auf der linken Seite des Rupbachthaies liegt und auf der unterirdischen Fortsetzung derselben Schichten baut, welche an der oben besprochenen Fundstelle zu Tage ausgehen. Die ehemals KoCH'sche Sammlung enthält aus den schwarzblauen Schiefern dieser Grube folgende Reste:
Spirifer paradoxus Sciil. ( = speciosus Koch). Die oben- genannte langflügelige Form, in zahlreichen sehr grossen Exemplaren
Phacops fecundus Barr., häufig in grossen Exemplaren Cryphaeus conf. rotundifrons Emmr.2), in zahlreichen sehr grossen Individuen
Cryphaeus Kochi Kays. 2), in grossen Individuen
D Die letztere ist abgebildet auf Taf. III, Fig. 1.
2) Vergl. den palaeontolog. Anhang.
zwischen Balduinstein und Lanrenburg an der Lahn.
13
Acidaspis sp., unbestimmbare Reste einer grossen Art Fenestella sp.
Petraja ? sp.
Pleurodictyum sp.
Rhynchondla Orbiynyana Vern.
Spirifer aculeatus Schnur Atrypa reticularis Linn.
Streptorhynchus cönf. umbraculum Schl.
Chonetes sp., die oben erwähnte grobrippige Form.
Aus den oberen, an der Grenze mit dem Schieferlager der Grube Königsberg liegenden Schichten der Grube Schöne Aussicht
ODO
giebt Koch noch an1):
Bronteus cameratus Maurer.
Ein mit der KoCH’schen Sammlung nach Berlin gekommenes, von Koch als Br. cameratus etikettirtes Bruchstück ist indess so unvollständig, dass selbst seine Zugehörigkeit zu Bronteus zweifel- haft erscheinen muss.
Es ist noch zu bemerken, dass nach Aussage der Bergleute die genannnten zahlreichen grossen Trilobiten sich vorzugsweise iu den hangenden Schichten der Grube Schöne Aussicht finden.
Koch zog, wie schon in der Einleitung bemerkt, die Schiefer der Schönen Aussicht zu seiner Oberen Coblenzstufe. Maurer dagegen nahm auf Grund des Fehlens von Spirifer cultrijugatus und, wie er glaubte, auch aller anderen für die Cultrijugatuszone charakteristischen Versteinerungen, ferner auf Grund der für die Oberen Coblenzschichteu ganz ungewöhnlich grossen, hier ver- kommenden Form von Spirifer paradoxus , sowie der relativen Häufigkeit von Pleurodictyum an, dass die betreffenden Schichten ein weit höheres Alter, etwa so hoch als die nach ihm zwischen dem Hunsrückschiefer und der Unteren Coblenzstufe Koch's stehenden Schiefer von Oppershofen (in der Wetterau) besässen. Nun ist Spirifer cultrijugatus ( auriculatus Sandb.) an der fraglichen Localität bis jetzt allerdings nicht gefunden worden; dafür sind indess andere, für das Obere Coblenzniveau sehr bezeichnende
!) 1. c. S. 227.
14
Emanuel Kayser, Die Orthocerasscliiefer
Arten vorhanden, wie Atrypa reticularis , Rhynch. Orbignyana, Sp. curvatus , Sp. speciosusf , Orth, planiseptatum ; und was den grossen, langflügeligen, vielrippigen, von Ivocii mit Unrecht als speciosus bestimmten Spirifer paradoxus betrifft, so habe ich selbst vor einigen Jahren bei Daleiden in der Eifel im Niveau der Oberen Coblenzschichten zahlreiche ebenso grosse Exemplare dieser Art gesammelt. Von grosser Wichtigkeit für die Alters- stellung der uns beschäftigenden Schichten ist ferner Pent. Hebert! , der, wie wir weiter unten sehen werden, sich auch an der Fritzen- mühle in Schichten findet, die von Maurer selbst mit vollem liechte für sehr jung -unterdevonisch angesprochen worden sind. Weiter darf auch auf das Vorkommen der Gattung Microcycius, die hier zum ersten Male aus dem Unterdevon angeführt wird, Gewicht gelegt werden, weil dieselbe Art bei Haintchen unweit Eisenbach (südöstl. Limburg) in einem unzweifelhaft der Oberen Coblenzstufe angehörigen Schiefer (in Begleitung von Spirifer cultrijugatus \_auriculatus\ , Atrypa reticularis , zahlreichen Fene- stellen, Cryphaeus , Phacops etc.) auftritt. Was endlich die ver- hältnissmässige Häufigkeit von Pleurodictyum betrifft, so kann diese nicht als Beweis gegen Koch’s Deutung der Schiefer der Grube Schöne Aussicht angesehen werden, da dies Fossil auch in den an der Basis des Orthocerasschiefers liegenden Schiefern bei Olkenbach häufig ist ') und ebenso auch noch auf Grube Königsberg vorkommt. Nach alledem darf das sehr jungunter- devonische Alter der fraglichen Schiefer als gesichert angesehen werden.
Auf die dunklen Schiefer der Grube Schöne Aussicht folgt zunächst eine Zone dunkler unbauwürdiger Schiefer, dann ein heller gefärbtes, blaugraues Dachschieferlager, welches auf den Gruben Königsberg und Mühlberg abgebaut wird. Die kalk- reichen2), hier und da auch grössere Kalkknauern und -Linsen
x) Vergl. Vollmann, Die unterdevon. Schichten von Olkenbach. Verhandl. d. naturh. Ver. für Rheinl. -Westfalen 1882, S. 164.
-) Nach einer mir durch Herrn Bergrath Ulrich imtgetheilten, vom Chemiker Dr. Muck in Bonn ausgeführten Anal)rse beträgt der Gehalt des Schiefers an kohlensaurem Kalk fast S'/a pCt.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
15
einschliessenden Schiefer enthalten zahlreiche, stets verkalkte Ver- steinerungen. Die geologische Landesanstalt besitzt von Grube Königsberg folgende Formen:
Orthoceras ? trianguläre Arch. Vern. häufig, in sehr grossen Exemplaren
Goniatites Wenkenbachi Koch x) — ein naher Verwandter von G. lateseptatus und subnautilinus — häufig
Phacops fecundus Barr.
Petraja sp.
Pleurodictyum sp.
Weniger häufig sind:
Orthoceras crassum A. Roem., sehr gross » ? Jovellani Vern. (?)1)
Cyrtoceras ventrali-sinuatum Sandb. ?
Cyrtoceras, Phragmoceras sp., verschiedene grosse Arten
Discinä sp.
Maurer führt 2) von hier noch einige weitere Orthoceras- arten an.
Abgesehen von den spärlichen Korallen haben wir es hier mit einer ausgesprochenen Cephalopodenfauna zu tliun, die un- zweifelhaft schon dem Orthocerasschiefer angehört, und auch von Maurer und Koch diesem zugerechnet worden ist.
Das beschriebene Läger wird bedeckt von einem anderen, blass- grün gefärbten Lager, welches besonders auf der Grube Mühlberg, ausserdem aber auch auf Lahnberg und Königsberg abgebaut wird. Thierische Versteinerungen sind in diesen Schiefern, die ihre Färbung einem Sericitgehalt zu verdanken scheinen, sehr selten. Um so häufiger finden sich pflanzliche Reste. Es sind meist Ueberbleibsel von Algen, die als dunkle Flecken im Gestein in solcher Menge auftreten, dass dasselbe als förmlicher Algen- schiefer bezeichnet werden könnte. Herr Bergrath Ulrich be- sitzt aber von hier auch ein schönes, über 3 Decimeter grosses
x) Vergl. den palaeontolog. Anhang.
2) Neues Jahrb. f. Min. etc. 1876, S. 818.
16
Emanuel Kayser, Die Orthocerasschiefer
Exemplar eines, wie es scheint, sich mehrfach verzweigenden, lange, schlanke walchienähnliche Aeste bildenden Lepidodendron.
Darüber folgt weiter ein dunkelblaues Schieferlager, auf dem die Gruben Mühlberg und Lahnberg bauen 1). Es finden sich hier vereinzelte Eisenkiesconcretioneu , aber — soweit bekannt — keine Versteinerungen.
Auf die beschriebene Dachschieferzone folgt im S. ein mächtiges Lager eines grünlichgrauen, dioritischen oder porphyri- tischeu , hornblendehaltigen Plagioklasgesteins, welches namentlich auf der Ostseite des Rupbachthaies in hohen, steilen Felsklippen ansteht 2).
Im Hangenden dieser grossen Eruptivmasse folgt, von der Justusmühle aufwärts, eine mächtige Gruppe dunkelfarbiger, mehr oder weniger dachschieferartiger Thonschiefer, in denen hie und da grössere Linsen von hellem oder dunklerem Kalkstein liegen. Versteinerungen sind mir aus dieser Schichtenfolge, speciell auch aus den Kalklinsen, bis jetzt nicht bekannt geworden.
x) Die Lage und die Abbaufelder der genannten Gruben sind aus bei- steliender Skizze, die ich der Güte des Herrn Ulrich verdanke, zu ersehen.
Fig. 2.
2) Es ist das von Schauf (Verhandl. d. naturh. Ver. für Rhein], -Westf. 1880) mikroskopisch untersuchte und von Hh.gkr (Neues Jahrb. f. Min. 1879, S. 128) analysirte Gestein.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
17
Ueber der genannten Schichten reihe trifft man weiter auf eine bis zur Gasteiersmühle anhaltende, aus Diabasmandelsteinen, Diabas- schiefern, Schalsteinen und dunklen Thonschiefern bestehende Zone. Auch hier enthalten die Thonschiefer nicht selten Kalkknauern und hie und da Tentaculiten. Mit dieser Zone haben wir die Mitte der in Rede stehenden Schichtenmulde erreicht, so dass die nun fol- genden Glieder bereits dem südlichen Muldenflügel angehören.
.Auf diesem finden wir, nach S. fortschreitend, zunächst eine Zone dachschieferartiger Schiefer mit vereinzelten Kalknieren und zahlreichen eingeschalteten Diabasmandelsteinlagern, die etwa bis zur Petersmühle reicht.
Dann folgt die Zone von typischen Orthocerasscliiefern, welche auf Grube Lang scheid einen schwunghaften Dachschieferbergbau veranlasst haben. Die dunkelfarbigen, wie bereits oben hervor- gehoben, in Folge, von transversaler Schieferung gestreiften Schiefer schliessen eine reiche verkieste Fauna ein, der das Rupbachthal in erster Linie seine geologische Berühmtheit verdankt. Auch in diesen Schiefern fehlt es nicht an Kalkausscheidungen; bemerkens- werth ist auch das Auftreten einzelner Sericitschieferlagen zwischen den normalen dunkelblauen Schiefern.
Die häufigsten Versteinerungen auf Grube Langscheid sind: Bactrites carinatus Mst., sehr gross werdend Goniatites verna-rlienanus Maurer *)
Orthoceras commutatum Gieb. (reguläre bei Sandb.)
Nicht selten sind weiter auch:
Goniatites vittatus Kays. *)
» occultus Barr. ])
» Jugleri A. Roem. x)
» circumflexifer Sandb.
» angulato-striatus Koch » annulatus Maurer Orthoceras rapiforme A. Roem.
» planicanaliculatum Sandb.
Siehe den palaeontol. Anhang.
Jahrbuch 18S3.
2
18
Emanuel Kaysee, Die Orth o eerasschiefer
Orthoceras planiseptatum Sandb.
Dannenbergi Arcii. Vern. (undato -lineatum Sandb.)
» Wissenbachense Arch. Vern. (cochleiferuvi Sandb.)
Baclrites Schlotheimi Quenst.
Rctzia nooemplicata Sandb., in einer bestimmten Schiebt in zahllosen Exemplaren.
Ausserdem sind in unserer Sammlung noch vertreten :
Cyrtoceras plano- excavatum Sandb.
Phracjmoceras bicarinatum Sandb.?
Orthoceras bicingulatum Sandb.?
? aff. trianguläre Arch. Vern., Bruchstücke eines jungen Exemplars
Pleurotomaria subcarinata A. Koem.
Nucula Krachtae A. Koem.
Spirifer linguifer Sandb.
Panenka sp. sp.
Dualina ? inflata Sandb. j)
» sp. sp.
Von Maurer werden endlich noch aufgeführt:
Nautilus vetustus Barr.
Nucula Krotonis A. Koem. und andere.
Diese Fauna ist von derjenigen der Grube Königsberg wesent- lich verschieden. Während wir in den dortigen Schiefern nur den einzigen Goniatites Wenkenbachi antrafen, so erscheinen hier eine ganze Reihe neuer Arten, wie G. Jugleri, circumflexifer, vittatus etc. Die auf Königsberg so häufigen grossen Orthoceren aus der Gruppe des trianguläre fehlen im Langscheider Schiefer so gut wie gänzlich ; dafür aber bilden wir eine ganze Reihe anderer Orthoceren, sowie die merkwürdigen Bactriten. Pleurodiciyum und Korallen über- haupt haben sich bisher auf Grube Langscheid ebenso wenig ge- funden wie Trilobiten; dagegen treffen wir verschiedene Brachio-
) Siehe den palaeontol. Anhang.
zwischen Balduinstein und Laufenburg an der Lahn.
19
poden, Gastropoden und namentlich Lamellibranchiaten an, die auf Grübe Königsberg zu fehlen scheinen. Kurz, 'wir haben es hier offenbar mit einem sowohl der Facies als auch dem Niveau nach von demjenigen der Grube Königsberg verschiedenen Schiefer- lager zu thun.
An die Zone der Langscheider Schiefer schliesst sich weiter südlich die der Grube Oscar, die etwa bis zur Steinsberger Mühle reicht. Die stark gestreiften, mehrfach kleine Lager von Diabas- mandelstein einschliessenden Schiefer enthalten zahlreiche verkieste Kerne von Orthoceren und Goniatiten ; da aber seit längerer Zeit kein Abbau mehr stattfindet, so ist etwas Genaueres über die Fauna nicht bekannt, wie denn überhaupt von den vielen schönen Versteinerungen des Rupbachthaies und von Wissenbach ohne den Dachschieferbergbau so gut wie Nichts bekannt sein würde.
Auf die Schieferzone der Grube Oscar folgen wiederum kalk- nierenführende Schiefer, die stellenweise zahlreiche Tentaculiten, aber keine sonstigen Versteinerungen einschliessen. Diese Schiefer reichen bis in die Nähe der Fritzenmühle und mit ihnen haben wir den Südrand der Mulde erreicht. Denn die weiter thalaufwärts auftretenden, mürben, graulichen, zahlreiche grössere Kalklinsen sowie Schnüre von kleineren Kalkknollen enthaltenden Thonschiefer sind diejenigen, in denen Maurer die Eingangs erwähnten Exem- plare von Pentamerus rhenanus F. Roem. mit noch erhaltener Kalk- schale auffand. Ausser dieser Versteinerung, die ich Dank der Freundlichkeit des Herrn Maurer seinerzeit selbst in Händen gehabt, die sich aber seitdem trotz allen Suchens nicht wieder- gefunden hat, giebt Maurer von der fraglichen Localität nur noch Atrypa reticularis Linn. und Bronteus cameratus Maur. an1). Ich selbst fand hier:
Pentamerus Heberti Oehl. in zwei Exemplaren, davon eines mit noch theilweise erhaltener Kalkschale Atrypa reticularis Linn., ziemlich häufig Rhynchonella Orbignyana Vern. , kleine, aber typische Exemplare
J) Neues Jahrbuch f. Min. 1876, S. 835.
20
Emanuel Kayser, Die Orthocerasschiefer
Strophomena rhomboidaUs Wahl.
Spirifer speciosus Sciiloth. ?
Fenestella sp.
Monticulipora ? sp.
Alveolites sp.
Phacops sp.
Das Auftreten von Pentamerus Heberti im Verein mit Rh. Orbignyana, Atrypa reticularis und Fenestella lässt keinen Zweifel, dass wir es liier mit den nämlichen Schichten zu tliun haben, wie am Ausgange des Rupbachthaies, und mit dieser Annahme steht auch die petrographische Beschaffenheit der betreffenden Schichten durchaus im Einklänge.
An die Schiefer der Fritzenmühle grenzen im S. Grau- wackenschiefer- und Sandsteine mit Spirifer cultrijugatus ( auricu - latus). Ehe wir indess zur Betrachtung dieser Schichten über- gehen, wollen wir einen Rückblick auf die im Vorstehenden be- schriebenen Schichtenedieder werfen.
O
Von N. nach S. gehend, haben wir folgende Gesteinszonen unterscheiden zu sollen geglaubt:
a. Schiefer der Grube Schöne Aussicht, zuoberst mit Trilobiten-
reichen Bänken.
1. Schiefer der Grube Königsberg; mit grossen verkalkten
o o o
Versteinerungen.
2. Helle algenreiche Schiefer der Grube Mühlberg etc.
3. Dunkle kiesführende Schiefer der Grube Mühlberg.
4. Kalknierenführende Schiefer.
5. Schalsteine und Diabase, mit Schiefern wechsellagernd.
6. Kalknierenführende Schiefer.
7. Typische Orthocerasschiefer der Grube Langscheid mit
reicher verkiester Fauna.
8. Schiefer der Grube Oscar mit verkiester Fauna.
9. Kalknierenführende Tentaculitenschiefer.
b. Graue Schiefer der Fritzenmühle.
Versucht man sich Rechenschaft zu geben, welche von diesen Gliedern als correspondirende Theile beider Muldenflügel anzusehen sind, so hat man davon auszugehen, dass die Mitte der Mulde von
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
21
5., ihre Unterlage aber von den als gleichwertig zu betrachtenden Gliedern a. und b. gebildet wird. In diesem Falle muss 1., der Schiefer von Königsberg, auf dem Südflügel ein Aequivalent im Gliede 9. haben. Diese Parallelisirung kann trotz des Fehlens der Königsberger Fauna auf dem Südflügel auf keine wesentliche Schwierigkeit stossen, da jenes Fehlen sehr wohl nur ein schein- bares sein und damit Zusammenhängen kann, dass das Glied 9. nicht Gegenstand des Bergbaues ist, wie 1. Schwieriger ist es, auf dem Nordflügel der Mulde ein Aequivalent für den Langscheider Schiefer ausfindig zu machen. Am ehesten könnte man ein solches in 3. erkennen; indess bildet der völlige Mangel von Fauna auf der Grube Mühlberg eine nicht unerhebliche sich dieser Ver- muthung entgegensetzende Schwierigkeit.
Wenn somit auch keine vollständige Uebereinstimmung beider Muldenflügel nachweisbar ist, so lässt sich doch andererseits ihre wesentlich ähnliche Zusammensetzung nicht verkennen. Besonders wichtig ist in dieser Hinsicht die Thatsache, dass die am Süd- rande der Mulde auftretenden Pentamerusschichten auch am Nord- rande vorhanden sind. Diese Thatsache zeigt zugleich auf das deutlichste, dass der Pentamerushorizont älter ist als die Orthoceras- schiefer. Ein anderes Resultat der obigen Betrachtungen ist, dass die dem Muldencentrum benachbarte Schieferzone der Grube Lang- scheid jünger sein muss, als die an der Basis der Orthocerasschiefer gelegene Zone der Grube Königsberg. Wir werden bald weitere, dieses Ergebniss bestätigende Thatsachen kennen lernen.
Wir wollen nunmehr auch den südlichen, vom Wasen- bacher Thale durchschnittenen Zug von Orthocerasschiefer betrachten und nehmen zu dem Zwecke unser obiges Profil da, wo wir dasselbe verlassen haben, wieder auf. Schon in ge- ringer Entfernung südlich von der Fritzenmühle machen die grauen kalknierenführenden Schiefer rauheren Grauwackenschiefern und Sandsteinen Platz. Maurer spricht hier von einem Nordfällen der Schichten 1). So wenig aber auch ein solches auffallen könnte, so vermochte ich doch nirgends Anhaltspunkte für dasselbe zu
) Neues Jahrbuch f. Min. 1876, S. 813, 814.
22
Emanuel Kayseh, Die Orthoeerasschiefer
finden. Herr Maurer kann hier wohl nur durch eine ganz be- schränkte, auf der rechten Thalseite, in geringer Höhe über der Thalsohle zu beobachtende Ueberstürzung der Schichtenköpfe irre geführt worden sein; denn am ganzen höheren Gehänge, nament- lich auch in einem alten, im Buschwalde versteckt liegenden Stein- bruche, herrscht überall entschiedenes Südfallen. Von Versteine- rungen will Herr Maurer in diesen Schichten unter Anderem Strophomena laticosta Conr. gefunden haben x) und erklärt sie daher, ähnlich wie die Schiefer am Ausgange des Rupbachthaies, für tief- unterdevonisch. Ich habe indess, zuletzt in Gemeinschaft mit Herrn E. Beyrich, in den fraglichen Grauwackenschiefern an verschiedenen Stellen Spirifer cultrijugatus, paradoxus, speciosus und curvatus, Orthis hysterita und Atrypa reticularis gefunden, so dass ihre Zugehörigkeit zu der Oberen Coblenzstufe Koci-i’s nicht fraglich sein kann.
Weiter aufwärts im Wasenbacher Tliale stösst man zunächst auf ein mächtiges Lager von normalem, mittel- bis grobkörnigem Diabas, der felsenmeerartig in zahlreichen kugeligen Blöcken das rechte Gehänge bedeckt. Unmittelbar hinter diesem Diabaslager tritt man in den ansehnlichen Dachschieferzug ein, auf dem die jetzt nicht mehr betriebenen Gruben Herres und Scheibeisberg bauten. Auch die Schiefer dieser Gruben sind meist transversal geschiefert und daher gestreift. Dieselben schliessen ein paar mächtige Diabaslager sowie zahlreiche Kalkknollen und -Linsen ein und sind stellenweise ganz erfüllt mit Tentaculiten. Koch hielt diese Schiefer nicht für Orthoeerasschiefer, sondern rechnete sie, ähnlich wie die Schiefer der Schönen Aussicht, seiner Oberen Coblenz- stufe zu* 2); man findet indess auf den Halden beider Gruben Braun- eisenstein-Kerne von Orthoceren, Goniatiten und Brachiopoden, so dass ich Herrn Maurer Recht geben muss, wenn er im Gegen- satz zu Koch die fraglichen Schiefer für Orthoeerasschiefer an- spricht 3). Immerhin aber wäre es denkbar, dass irgendwo mitten im Orthoeerasschiefer durch Faltung oder Verwerfung die Penta-
!) 1. c.
2) 1. c. S. 23-2.
3) Neues Jahrbuch f. Min. 18S2, I, S. 32,
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
23
merusschichten der Fritzenmühle noch einmal zu Tage träten. In diesem Falle würde es erklärlich sein, dass Koci-i1) von einem » petref actenreichen (der Oberen Coblenzstufe angehörigen) Lager auf der rechten Thalseite, bei der Grube Ilerres« spricht, welches ich vergeblich gesucht habe.
Unmittelbar am Südrande der Dachschieferzone, dicht unter dem dieselbe begrenzenden Diabaslager, stehen helle grünliche Schiefer an, die reich an verschiedenen Trilobiten ( Proetus , Pha- cops cnf. fecunclus , Cryphaeus ), Fenestellen und Brachiopoden - darunter auch Atrypa reticularis — sind und die ich daher für ein Aequivalent der Schiefer der Grube Schöne Aussicht halten möchte.
Noch weiter nach Wasenbach zu erscheinen Grauwacken- schiefer mit einzelnen compacteren Grauwackenbänken, in welchen ich etwas unterhalb Wasenbach Spirifer cultrijugatus und para- doxus , Orthis hysterita , Meganteris Archiaci , Pterinea lineata? etc. gesammelt habe. Damit ist der Beweis geliefert, dass auch diese Schichten der Oberen Coblenzstufe angehören.
Aus dem Mitgetlieilten ergiebt sich, dass auch der südliche, vom Wasenbacher Thal aufgeschlossene Zug von Orthocerasschiefer beiderseits von Schichten der Oberen Coblenzstufe begrenzt wird und demgemäss, ebenso wie der nördliche Zug, eine Mulde dar- stellt. Schwieriger ist es, sich über die speciellere Zusammen- setzung dieser Mulde klar zu werden und dieselbe mit derjenigen der nördlichen Mulde in Einklang zu bringen. Stellen die bleichen trilobitenreichen Schiefer am Südrande der südlichen Mulde in der That ein Aequivalent der Schiefer der Grube Schöne Aussicht dar, so läge darin eine wichtige Uebereinstimmung mit den Verhält- nissen der nördlichen Hauptmulde. Derartige Schichten sind indess bis jetzt nur am Südrande der Süd-Mulde nachgewiesen. Für die Beurtheilung der Zusammensetzung und etwaigen Gliederung der Schichten im Inneren dieser Mulde fehlen bis jetzt noch die erforderlichen faunistischen Anhaltspunkte.
x) 1. c. S. 224 und 232.
24
Emanuel Kaysee, Die Orthocerasscliiefer
2. Die Orthocerasscliiefer zwischen dem Rupbachthal und Bai dui ns t ein.
Wie aus der Karte ersichtlich, treten die Orthocerasscliiefer in der bezeichneten Gregend in Form eines nicht sehr breiten, aber trotz einiger, durch Querverwerfungen bedingten Verschiebungen ununterbrochenen, auf der Grenze zwischen Coblenzschiehten und Mitteldevon liegenden Bandes auf. Wenn dieses Band nach O. zu allmählich immer schmäler wird, so hängt dies nur mit der immer steiler werdenden Schichtenstellung, aber nicht mit einer Abnahme in der Mächtigkeit der Schichtenfolge zusammen ; denn auch im NO. von Balduinstein, unmittelbar vor ihrem Verschwinden, be- sitzen die fraglichen Schiefer — wie die hier liegenden alten Dach- scliiefergruben (Gnade Gottes) Q zeigen — noch eine recht ansehn- liche Mächtigkeit, die weit entfernt ist »nur noch wenige Meter zu betragen«, wie Herr Maurer meint1 2).
Sehr auffällig ist das plötzliche vollständige Verschwinden der Schiefer im O. von Balduinstein. Ueber die Umstände, unter denen dasselbe stattfindet, ist es schwer, etwas Genaueres zu ermitteln. Der Schichtenbau ist in dieser Gegend ganz besonders stark ge- stört. Vermuthlich sind ausser den grösseren, auf unserer Karte verzeichneten Querverwerfungen noch weitere kleinere Dislocationen, darunter wahrscheinlich auch Ueberschiebungen vorhanden. Denn gleich im O. der Linie, an welcher die Orthocerasscliiefer ab- schneiden, trifft man im N. des Schalsteins keine Spur mehr von den milden gelblichen Schiefern, aus denen die obersten Coblenz- schichten in dieser Gegend sonst zu bestehen pflegen, und ebenso wenig eine auf jenes Niveau hinweisende Versteinerung, sondern statt dessen herrschen weithin rauhe Grauwackensandsteine, die ganz den Charakter der Unteren Coblenzschiehten tragen.
Während wir oben gesehen haben, dass am Ausgange des Rupbachthaies im Liegenden der Orthocerasscliiefer zwar un-
1) Auch der Dachschiefer der Grube Gnade Gottes ist, ähnlich wie derjenige der Grube Königsberg, durch hohen Kalkgehalt (über S Proc.) ausgezeichnet. Yergl. Muck: Vergleichende Werthbestimmung der Dachschiefer durch die che- mische Analyse, »Berggeist« No. 27, 1868.
2) Neues Jahrbuch f. Min. 1882, I, S. 29.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
25
zweifelhafte Obere Coblenzschichten, jedoch ohne Spirifer cultri- jugatus ( auriculatus ) entwickelt sind, so ist in den Schiefern und Sandsteinen, die in der Gegend von Cramberg und Balduinstein das Liegende der Orthocerasschiefer bilden, auch die genannte Leit- versteinerung vorhanden. Schon Koch hat dieselbe von Balduin- stein und Cramberg angeführt J). Namentlich unterhalb Balduinstein, auf der rechten Thalseite, da, wo der Fahrweg nach Langenscheid das Lahnthal verlässt, ist die Art in grossen, z. Th. noch mit Kalkschale versehenen Exemplaren sehr häufig. Hier sowie auf der gegenüberliegenden Thalseite, am Thalrande östlich Cramberg beobachtete ich ausserdem noch :
Cryphaeus sp.
P/tacops sp.
Spirifer curvatm Schl. 1
^ /in Riesenexemplaren
(Jrthis hystenta Gmel. 1
Spirifer paradoxus Schl.
( ’honetes dilatata F. Roem.
» sarcinulata Schl.
Rhynchonella Orbignyana Vep«n.
» daleidensis F. Roem.
Streptorhynchus umbraculum Schl.
Pterinea costata Golde.
» laeois Golde.
G rammysia conf. Ramiltonensis Veen.
Ueber die Zusammensetzung der Orthocerasschiefer in der in Rede stehenden Gegend geben Petrefactenfunde, die auf den früheren Schiefergruben bei Cramberg und in der Gegend von Balduinstein gemacht worden sind, Aufschluss. Beim Bau der Balduinsteiner Schleuse fanden sich grosse Ortboceren, von denen eines in der Sammlung des Herrn Bergrath Uleich aufbewahrt wird. Ebenso besitzt Herr Ulbich auch ein grosses schönes verkalktes Exemplar von Orthoceras trianguläre , welches bei Anlage des Cramberger Eisenbahntunnels gefunden wurde. Auch auf der ehemaligen Dachschiefergrube Gabelstein südöstl. Cramberg
x) 1. c. S. 255.
Emanuei, Kaysek, Die Orthocerasschiefer
26
haben sich zahlreiche grosse Exemplare von Orthoceras trianguläre und planiseptatum und Goniatites Wenkenbachi , alle in verkalktem Zustande gefunden, von denen einige mit der KoCH'schen Samm- lung in den Besitz der Landesanstalt gelangt sind. Aus diesen Mittheilungen ist ersichtlich, dass die durch die Fauna der Grube Königsberg ausgezeichnete Zone auch auf dem ganzen in Rede stehenden Zuge von Orthocerasschiefer nachweisbar ist. Dass aber auch die obere, durch die Fauna der Grube Langscheid charakte- risirte Zone vorhanden sei, dafür spricht die Thatsache, dass die ehemals Koch sehe Sammlung mehrere verkieste Exemplare von Goniatites Jugleri aus den alten Schiefergruben südöstlich Cramberg besitzt, sowie auch der Umstand, dass schon die Brüder Sand- berger aus denselben Gruben eine Anzahl Versteinerungen an- führen, die ausserdem nur von der Grube Langscheid bekannt sind. Es sind dies:
Goniatites circumflexifer » vittatus B actrites carina tus Cyrtoceras plano-excavatum Retzia novemplicata.
Bemerkungen über die Gliederung der nassauischen Orthocerasschiefer und ihre Stellung in der devonischen
Schichtenfolge.
Wie wir oben gesehen haben, lassen sich im Rupbachthale und bei Balduinstein zwei verschiedene Zonen von Orthoceras- schiefer unterscheiden: eine ältere, welche durch das Auftreten grosser Formen aus der Gruppe des Orthoceras trianguläre , von Goniatiten aus der Verwandtschaft von subnautilinus und latesep- tatus sowie grosse Cyrtoceras- und Phragmocerasarten ausgezeichnet ist, und eine jüngere, welche die typische verkieste Fauna von Wissenbach mit zahlreichen Bactriten, kleineren Orthoceren und besonderen Goniatiten (darunter Jugleri , circumflexifer, vittatus etc.) einschliesst.
Diese Eintheilung erhält dadurch Bedeutung, dass sie sich auch auf die Schiefer von Wissenbach anwenden lässt. Ich bin
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
27
hierauf durch eine ältere Arbeit von R. Ludwig1) aufmerksam geworden, in der mitgetheilt wird, dass man nach Koch: bei Wissenbach folgende Aufeinanderfolge der Schichten von oben nach unten beobachtet:
5. Schiefer mit Goniat. Decheni (== Jugleri ), G. circumßexifer, Bactriten, verschiedenen Orthoceren.
4. Schiefer mit Korallenresten.
3. Schiefer mit Goniat. mbnautilinm und lateseptatus , Nautilus-, Cyrtoceras- und Phragmoceras- Arten, OrtJioc. trianguläre , Phacops (wohl feeundus).
2. Schiefer mit Goniat. compressus, Orthoceren, Trochoceren.
1 . Schiefer und Sandsteine mit Cryphaeus, Homalonotus obtusus.
Man ersieht daraus unschwer, dass das oberste dieser Glieder dem oberen Versteinerungsniveau des Rupbachthaies, der Zone der Grube Langscheid2 3), das Glied 3. dagegen der Zone der Grube Königsberg entspricht. Was Goniatites compressus an- geht, so fehlt er zwar im Rupbachthal nicht gänzlich; es ist mir aber nur eine einzige Angabe über sein Vorkommen da- selbst (bei Steinsberg) bekannt, und diese ist zu unbestimmt, um einen Schluss auf das Lager zu erlauben, dem jene Art im Rupbachthal angehört s). Was aber das unterste Wissen- bacher Glied betrifft, so kann es kaum zweifelhaft sein, dass dasselbe im Rupbachthal durch die trilobitenreichen Schiefer der Grube Schöne Aussicht vertreten wird. Eine wesentliche Stütze erhält diese Vermuthung noch durch die Herrn Koch zu ver- dankende Auffindung von Pentamerus rhenanus in diesem Niveau (an der Basis der Orthocerasschiefer, über den Schichten mit Spirifer cidtrijugatus ) bei Wissenbach4).
b N- Jahrbuch f. Min. 1869, S. 661.
2) Auch verna- rhenanus, die häufigste Gcmiatitenart der Grube Langscheid, scheint bei Wissenbach vorzukommen, und zwar auf der Grube Escheburg, wo- selbst auch G. Jugleri auftritt.
3) Yergl. Sandberger, Rhein. Schichtensyst. Nassau, S. 481, Anm. — Auch Herr Professor F. Sandberger selbst konnte mir leider keine genaueren Angaben über den Fundpunkt der fraglichen Versteinerung machen.
4) 1. c. S. 232.
28
Emanuel Kayseu, Die Orthocerasschiefer
An den wenigen übrigen Punkten, wo bis jetzt in Nassau die Wissenbacher Fauna nachgewiesen ist, scheint nirgends eine Ver- mengung der Langscheider und Königsberger Fauna vorzukommen. Ich beschränke mich, in dieser Hinsicht auf die Orthocerasschiefer von der Aumühle bei Eutingen hinzuweisen, wo nach Koch1) Orthoceras trianguläre , 0. crassum, Goniatites compressus, Phacops fecundus , also lauter bezeichnende Arten des unteren Rupbacher und Wissenbacher Horizontes, aber keine solche des oberen Niveaus vorhanden sind.
Wie die Verhältnisse bei Olkenbach liegen, wo sowohl cha- rakteristische Arten der tieferen Zone (Gon. compressus, subnauli- linus, lateseptatus ) als auch solche der oberen Zone (G. Jugleri, vittatus , circumflexifer, verna-rhenanus ) sich finden, müssen künftige Untersuchungen lehren; so viel glaube ich indessen auf Grund eines früheren Besuches dieser Localität und der damals von einem eifrigen Sammler, Herrn Lehrer Gemmee eingezogenen Erkundi- gungen schon jetzt aussagen zu können, dass auch dort — überein- stimmend mit den Verhältnissen bei Wissenbach und im Rupbach- thale — • unter den eigentlichen Orthocerasschiefern eine besondere, durch grosse Homalonoten, Phacops und Cryphaeus und zahlreiche Pleurodictyen ausgezeichnete Zone entwickelt ist2).
Ich benutze die Gelegenheit, um zum Schluss noch die Frage nach der Stellung der nassauisclien Orthocerasschiefer zu berühren. Bekanntlich haben über kein anderes Glied des rheinischen Devon so lange Zweifel und Unsicherheit geherrscht, wie über die Ortho- cerasschiefer. Die Brüder Sandberger und Herr von Dechen haben dieselben zwar schon seit den fünfziger Jahren an die obere Grenze des Unterdevon gestellt3); trotzdem aber fand diese Ansicht, die sich darauf stützte, dass die Orthocerasschiefer bei Wissenbach und Balduinstein zwischen den Coblenzschichten und mitteldevoni- schem Schalstein liegen, keineswegs allgemeinen Eingang. Viel- mehr neigten bis in die neueste Zeit eine Anzahl von Gelehrten —
*) 1. c. S. 236.
2) Vergl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1881, S. 620.
3) N. Jahrb. f. Min. 1855, S. 50. Rhein. Schichtensyst. Nassau 1850 — 56, S. 56.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
29
darunter auch F. Roemer — auf Grund der eigenthiimlichen, noch viele alterthümliche Züge aufweisenden Fauna der Orthoceras- schiefer der Ansicht zu, dass dieselben ein weit höheres Alter be- sässen und wahrscheinlich an die Basis des Unterdevon zu ver- setzen seien. Der in dieser Beziehung herrschenden Ungewissheit machten erst die genauen Untersuchungen Koch’s ein Ende, der an der Hand zahlreicher von ihm beobachteter Profile nachwies, dass die Orthocerasschiefer überall, wo sie auftreten, über den Schichten mit Spirifer cultrijugatus (auriculatus) liegen.
Wenn auch somit die Frage nach dem alt- oder jung-unter- devonischen Alter der Schiefer von Wissenbach, Olkenbach und Balduinstein jetzt als gelöst gelten darf, so ist doch die weitere Frage, ob die genannten Schiefer mit mehr Recht dem Unter- oder dem Mitteldevon zuzurechnen seien, noch unerledigt. In neuerer Zeit ist es allgemein üblich geworden, die rheinischen Orthoceras- schiefer ins Unterdevon zu stellen. In früheren Jahren herrschte darin keine solche Uebereinstimmung; vielmehr hat nicht nur R. Ludwig — ähnlich wie A. Roemer dies schon früher für die Wissenbacher Schiefer des Flarzes gethan hatte — die rheinischen Orthocerasschiefer zum Mitteldevon gezogen, sondern auch C. Koch hat in seiner Arbeit über die palaeozoischen Schichten der Aemter Dillenburg und Herborn* 2) es als wahrscheinlich bezeichnet, dass die fraglichen Schiefer ein Aequivalent der westfälischen Lenneschiefer darstellen möchten.
Meine ausgedehnten, im letzten Jahre ausgeführten Begehungen im Taunus und im unteren Lahngebiet haben mich zur Ueber- zeugung geführt, dass diese Ansicht, obwohl Koch dieselbe später vollständig aufgegeben hat, viel für sich hat, und zwar aus folgenden Gründen :
Am ganzen Südrande der mittel- und oberdevonischen Lahn- mulde und, wie es scheint, auch im Dillenburg’schen und im hessi- schen Hinterlande, ist eine mächtige Folge von Thonschiefern mit untergeordneten Einlagerungen von Plattenkalken, Kiesel- und
J) N. Jahrbuch f. Min. 1869, S. G71.
2) 1. c. 1S59, S. 129.
30
Emanuel Kayser, Die Orthocerasschiefer
Alaunschiefern entwickelt, welche früher z. Th. den Coblenz- schichten, z. Th. den Orthocerasschieferu 2) , z. Th. endlich — die Kieselschiefer — dem Kuhn zugerechnet worden sind. Koch sieht die ganze Schichtenfolge als mitteldevonisch, und zwar als ein Aequi valent der Eifeier Calceolaschichten an, und hat diese gewiss durchaus begründete Ansicht auch auf den Blättern der demnächst erscheinenden dritten nassauischen Lieferung der geologischen Spe- cialkarte von Preussen und den thüringischen Staaten zum Aus- druck gebracht. Nun erinnert aber die genannte Schichtenfolge schon äusserlich durch die grosse Reinheit ihrer vielfach als Dach- schiefer entwickelten Schiefer und den fast nie fehlenden, sich im häufigen Auftreten von Kalklinsen und -Platten aussprechenden Kalkgehalt in hohem Grade an die Orthocerasschiefer. Aber auch die Fauna der fraglichen Schiefer — soweit man sie kennt — ist derjenigen der Orthocerasschiefer ähnlich, da sie (z. B. auf Grube Morgenstern bei Oberbrechen südöstlich Limburg) vorwiegend aus Ceplialopoden (Gouiatiten, Orthoceren, Cyrtoceren) und da- neben aus Trilobiten ( Phacops , Harpes ), becherförmigen Eiuzel- korallen, vereinzelten Brachiopoden und namentlich Tentaculiten besteht, welche letztere hier oftmals in noch grösserer Anhäufung erscheinen, als im Orthocerasschiefer. Endlich aber — und darauf ist das meiste Gewicht zu legen — ist auch die stratigraphische Position der in Rede stehenden Schiefer durchaus dieselbe wie die der Orthocerasschiefer, d. h., sie treten überall über den obersten, durch Spirifer cultrijugatus ( auriculatus ) ausgezeichneten Coblenz- schichten und unter dem typischen, in dieser Gegend meist durch Schalsteine vertretenen Mitteldevon auf. Alle diese Gründe drängen, wie mir scheint, darauf hin, die Orthocerasschiefer nur als eine besondere Ausbildungsform der Band- und Tentaculitenscliiefer zu betrachten und sie demgemäss in derselben Weise zu classifi- ciren wie diese.
Was die Fauna des Orthocerasschiefers betrifft, so lässt diese sich als ganz überwiegende Cephalopodenfauna begreiflicher Weise
x) Dies gilt von den Dachschiefern der Langhecke unweit Aumenau. Vergl. Sandberger, Rhein. Schichtensyst., Nassau, S. 482.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
31
nur schwer mit einer der bekannten normalen cephalopodenarmen Unter- und Mitteldevonfaunen näher vergleichen. Ein seiner Zeit1) von den Brüdern Sandberger vorgenommener Vergleich ergab 8 mit dem Spiriferensandstein und 2 mit dem Mitteldevon gemein- same Arten; nach einer etwas späteren Zusammenstellung Koch’s2) dagegen würden von 100 Species des (Wissenbacher?) Orthoceras- schiefers 15 mit dem Spiriferensandstein und 22 mit dem Mittel- devon gemeinsam sein. Beide Zählungen beruhen indess auf älteren, der Revision bedürfenden Bestimmungen, und ich will daher nicht versuchen, sie hier zu verwerthen. Mehr Gewicht dagegen möchte ich auf die sowohl im Rupbachthale als auch bei Olkenbach be- obachtete Thatsache legen, dass schon in der tiefsten, noch an der Basis der eigentlichen Orthocerasschiefer liegenden (trilobiten- reichen) Dachschieferzone einzelne im Unterdevon sonst unbekannte Mitteldevonarten auftreten, wie Kayseria lepida, Spirifer aculeatus , Orthis striatula. Ueberblickt man die Fauna der rheinischen Orthocerasschiefer, so scheint nur ein einziges Element vorhanden zu sein, welches der Zurechnung dieser Schiefer zum Mitteldevon unter Umständen ernstliche Schwierigkeiten bereiten könnte. Es ist das die mit Recht als typisch unterdevonisch geltende Gattung Homalonotus. Erinnert man sich indess, dass diese Gattung bei Wissenbach und, wie es scheint, auch bei Olkenbach nur in der tiefsten, den Uebergang zu den Coblenzschichten vermittelnden Zone vorkommt, in dem typischen Orthocerasschiefer aber dort ebenso wenig vorhanden ist als im Rupbachthale, so fällt jene scheinbare Schwierigkeit weg: man braucht nur, wie Koch dies bereits für das Rupbachthal getlian hat, die Grenze zwischen Ortho- cerasschiefer und Coblenzschichten so zu legen, dass sie über die genannte Trilobitenzone fällt, um die Gattung Homalonotus nicht mehr im Orthocerasschiefer zu haben. Andere irgend erhebliche, sich der Zurechnung der Orthocerasschiefer zum Mitteldevon in den Weg setzende faunistische Schwierigkeiten aber kenne ich nicht. Vielleicht könnte man eine solche Schwierigkeit im ver-
x) Rhein. Schichtensyst., Nassau, S. 484.
2) Palaeoz. Schicht, der Aemter Dillenburg und Herhorn, S. 129.
32
Ejianuel Kay. sek, Die Orthocerasschiefer
hältnissmässig häufigen Auftreten von Pleurodictyiim im Orthoceras- schiefer finden; diese Form hat indess die Bedeutung, die inan ihr früher beilegte, verloren, seitdem sie nicht allein in den belgischen und neuerdings auch in den Eifeier Calceolaschichten, sondern in einer sehr analogen Art sogar im westfälischen Kuhn nachgewiesen worden ist.
Alle oben entwickelten Gründe scheinen mir dafür zu sprechen, dass die nassauischen Orthocerasschiefer beim Mitteldevon zu klassi- ficiren sind. Wenn mir nach allen unseren heutigen Erfahrungen diese Stellung der fraglichen Schiefer sehr wahrscheinlich er- scheint, so lässt sich die weitere Frage, welche Glieder in der devonischen Schichtenfolge der Eifel und Westfalens als zeitliche Aequivalente der Orthocerasschiefer zu betrachten sind, noch nicht mit genügender Sicherheit beantworten. Was einmal die west- fälischen Lenneschiefer betrifft, so sind ihre Beziehungen zum Unterdevon einerseits und zu den hangenden Schichten andererseits lange nicht mehr untersucht worden. Eine genauere Kenntniss dieser Beziehungen aber, ebenso wie der Verhältnisse, unter denen der Contact von Lenne- und Orthocerasschiefern stattfindet, ist durchaus erforderlich, um die stratigraphische Stellung der Ortho- cerasschiefer zu den verschiedenen Gliedern des westfälischen Devon feststellen zu können. Besser als mit unserer Kenntniss der devonischen Schichten Westfalens steht es mit derjenigen der Eifel; doch werden auch hier noch genauere Untersuchungen der Grenz- schichten von Luter- und Mitteldevon abzuwarten sein, ehe ein ganz sicheres Urtheil über den Parallelismus eines bestimmten Schichtengliedes mit den Orthocerasschiefern möglich ist. Alles, was ich für jetzt in dieser Beziehung sagen kann, ist das, dass auf der linken Rheinseite das letzte, bereits sehr seltene Vor- kommen von Homalonotus in den Horizont des oolithischen Roth- eisensteius zu fallen scheint — aus diesem besitzt die geologische Landesanstalt ein von der Grube Schweicher Morgenstern stam- mendes Pygidium - — . Dürfte man auf Grund dieses letzten
Vorkommens von Homalonotus annehmen, dass das genannte Eisen- steinlager dem an der Basis der nassauischen Orthocerasschiefer liegenden, ebenfalls die letzten Ilomalonoten beherbergenden Trilo-
.zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
33
bitenhorizont gleichsteht, so würde sich daraus für die Ortho- cerasschiefer selbst eine Aequivalenz mit den Calceolamergeln ergeben.
Wollte man die Ergebnisse der vorstehenden Untersuchungen und Folgerungen kurz zusammenfassen , so könnte dies etwa in folgenden Sätzen geschehen:
1. Die Orthocerasschiefer lagern in der Gegend von Lauren- burg und Balduinstein über den Oberen Coblenzschichten und unter mitteldevonischen Schalsteinen und bilden im Rupbachtliale eine grössere und eine kleinere, durch einen Sattel von Oberen Coblenzschichten getrennte Mulde.
2. An der Basis der eigentlichen Orthocerasschiefer liegt im Rupbachtliale , bei Wissenbach und, wie es scheint, auch bei Olkenbach eine trilobitenreiche, noch den Oberen Coblenzschichten zuzurechnende Schieferzone, in der grosse Pentameren ( rhenanus , lieberti') und die letzten Homalonoten auftreten.
3. Im Rupbachthale und bei Cramberg lassen sich innerhalb der Orthocerasschiefer zwei verschiedene, durch besondere Gonia- titenarten ausgezeichnete Zonen unterscheiden. Diese beiden Zonen sind auch bei Wissenbach und, wie es scheint, auch anderweitig vorhanden.
4. Ausser den bereits bekannten haben sich in den Ortho- cerasschiefern des Rupbachthaies noch einige weitere interessante liercynische Typen ( Panenka , Dualina ) nachweisen lassen.
5. Stratigraphische, palaeontologische und petrographische Thatsachen scheinen darauf hinzuweisen , dass der nassauische Orthocerasschiefer zum Mitteldevon gehört, als Theil einer mäch- tigen kalkig -schiefrigen, aus verschiedenartigen Thon-, Dach-, Alaune und Kieselschiefern und untergeordneten Kalklagern zu- sammengesetzten Schichtenfolge, welche im SO. des rheinischen Schiefergebirges sehr verbreitet ist und eine Parallelbildung der Calceolaschi eilten darstellt.
Jahrbuch 1883.
3
34
Emanuel, Kayser, Die Ortkocerasschiefer
Palaeontologischer Anhang.
I. Versteinerungen aus dem Schieferlager der Grube Schöne Aussicht.
1. Phacops fecundus Barr.
- Koch, Jalirb. d. Königl. preuss. geol. Landesanstalt für 1880, S. 226.
— — Maurer, N. Jalirb. f. Mineral. 1876, S. 10.
In dem hängendsten Theile der an der Mündung des Rupbach- tliales auf der Grenze zwischen Coblenzschichten und Orthoceras- schiefer liegenden Schieferzone kommt als häufigste , sich sowohl auf der Grube Schöne Aussicht als auf Grube Königsberg findende Versteinerung eine grosse , bis 10 Centimeter lang werdende Phacopsart vor. Die meisten Exemplare sind leider flach ge- drückt und stark verzerrt, so dass es nur an der Hand eines so reichen Materials, wie es mir vorliegt, gelingt, ein einiger- maassen vollständiges Bild unserer Art zu erlangen.
Das Kopfschild ist an der Stirn ein wenig zugespitzt und besitzt auf jeder Seite der Glabella drei Seitenfurchen, die indess nur an den verhältnissmässig selten vorkommenden verkalkten Exemplaren wahrnehmbar sind. Die Augen sind gross, reichen weit zurück und erheben sich nicht über das Niveau der Glabella. Am Rumpf fällt die oft ziemlich starke knotenförmige Anschwellung der Axonringe an beiden Enden auf. Das Schwanzschild ist hinten abgestutzt und zugleich in der Mitte etwas eingebuchtet. Die stark entwickelten Seitenrippen sind — wie zwei Exemplare des Universitätsmuseums zeigen — durch eine Furche getheilt.
Aus Obigem ergiebt sich, das unser Phacops nicht mit der gewöhnlichen Art des Mitteldevon, dem sogenannten Ph. latifrons vereinigt werden darf, sondern zum böhmischen Ph. fecundus
.zwischen Balduinstein und Launen bürg an der Lahn.
35
gehört, der sich von latifrons eben durch die genannten Merk- male unterscheidet, unter welchen ich einen besonderen Werth auf die Furchung der Glabella und der Seitenrippen des Pygidiums legen möchte.
Schon in früheren Arbeiten habe ich hervorgehoben, dass die von älteren Autoren als Ph. latifrons aufgeführte kleine Form von Wissenbach sowie diejenige aus dem Hercynkalk von Greifen- stein und Bicken zu fecundus gehöre. Aber auch die Form aus dem Dachschiefer von Niedererbach unweit Hadamar und von Olken- bach gehört zu fecundus , und ebendasselbe gilt von drei schönen, mir von Daleiden vorliegenden Steinkernen, an deren einem die charakteristischen Seitenfurchen der Glabella in aller Deutlichkeit zu erkennen sind, sowie von zwei Exemplaren aus den Oberen Coblenzschichten von Braubach. Ich bin daher jetzt der Ansicht, dass nicht nur die gewöhnliche Phacopsart des Orthocerrasschie- fers, sondern auch die der Oberen Coblenzstufe zu Ph. fecundus gehört.
Am nächsten scheint unserer rheinischen Form unter den böhmischen Abänderungen von Ph. fecundus Barrande’s var. de- gener zu stehen. Denn nur dieser besitzt, wie die erstere, einen in seinem ganzen Verlaufe sehr deutlich entwickelten Mundsaum — bei den übrigen böhmischen Abänderungen ist derselbe in der Mitte rudimentär — und ähnlich schwach gefurchte Schwanzrippen. Bei der rheinischen Form ist die Furchung der Schwanzrippen so schwach entwickelt, dass sie nur an gut erhaltenen Schalen- exemplaren oder ausgezeichneten Abdrücken zu erkennen, an Stein- kernen dagegen nicht sichtbar ist.
In einer früheren Arbeit1) habe ich hervorgehoben, dass im Eifeier Kalk zwei ganz verschiedene Phacopsarten existiren, eine kleinere, möglicherweise durch den ganzen Eifeier Kalk hindurch- gehende — die bisher als Phac. latifrons bezeichnete Form — und eine grössere, auf den Stringocephalenkalk beschränkte, für die ich den Namen Eifliensis vorgeschlagen habe. Der Hauptunter-
*) Jalirb. ck Königl. preuss. geol. Landesanstalt für 1881, S. 56.
36
Emanuel Kayser, Die Ortliocerasscliiefer
schied beider Arten liegt darin, dass die Glabella bei der grösseren Species nicht, bei der kleineren dagegen beträchtlich über den Stirnrand vorspringt. Bei der erwähnten Gelegenheit bezeichnete ich es bereits als möglich, dass von den beiden Phacopsspecies, die Bronn schon im Jahre 1825 für die Eifel unterschied, nämlich Schlotheimi und latifrons , der erstere sich auf die weit verbreitete kleinere, der letztere dagegen auf die grössere Eifeier Localform beziehen könnte. Ich war indess damals in dieser Hinsicht noch unsicher, und sowohl darum als auch, weil ich Bedenken trug, den Namen der jetzt allgemein als latifrons bezeichneten Art zu ändern, machte ich den Vorschlag, die Bezeichnung latifrons für die jetzt so genannte Art beizubehalten, die Art des Eifeier Strin- gocephalenkalks dagegen mit dem Namen Eifliensis zu belegen. Nachdem ich aber neuerdings die Beschreibung und Abbildungen Bronn’s noch einmal verglichen habe, kann ich kaum mehr daran zweifeln, dass Bronn in der That unter latifrons meinen Eifliensis, unter Schlotheimi aber den jetzt als latifrons bezeichneten Trilo- biten gemeint hat. Ich sehe mich daher genöthigt, den Namen Eifliensis einzuziehen und durch die ältere Bezeichnung latifrons zu ersetzen; dann wird es aber zugleich unab weislich , auch den Namen der weitverbreiteten Mitteldevonform zu ändern: dieselbe darf fortan nicht mehr latifrons, sondern Schlotheimi heissen.
2. Cryphaeus rotundifrons Emmr.?
Kayser, Abkandl. z. geol. Specialkarte v. Preussen etc. Bd. II, Heft 4, S. 34.
Schlüter, Verli. naturhist. Ver. Rheinl.-Westf. Bd. 38, 1881, Corr. Bl. S. 144.
Zu den häufigsten Versteinerungen der Grube Schöne Aussicht gehört eine Cryphaeusform, die bis 70 Millimeter Länge und 48 Millimeter Breite erreicht. Leider aber sind die mir vorliegen- den Abdrücke nicht vollständig genug, um eine ganz sichere Be- stimmung zu erlauben. Die Axe unseres Trilobiten ist merklich schmäler als die Seiten. Das 20 Millimeter lange Kopfschild scheint vorn flachbogig begrenzt, die Hinterecken nicht zu Hörnern ver- längert zu sein. Das 18 Millimeter lange Schwanzschild besitzt eine breitlappige, fast 5 Millimeter lange und an der Basis 3^2 Milli-
Zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lalin.
37
meter breite Mittelspitze, während die Seitenspitzen schlank, etwas einwärts gebogen und durch weite Zwischenräume getrennt sind und eine Länge von 20 Millimetern bei einer Breite von circa 21/2 Millimetern erreichen.
Soweit das mir vorliegende Material ein Urtheil zulässt, scheint die rupbacher Form mit der genannten EMMRlCu’schen Art übereinzustimmen, die bei ähnlich beschaffenem Pygidium ein an der Stirn ebenfalls flachbogig begrenztes und an den Hinterecken nicht zu Hörnern verlängertes Kopfschild besitzt. Emmrich ’s
Originalexemplar, von dem das Berliner Universitätscabinet einen Gypsabdruck besitzt, soll aus dem Unterdevon des Westerwaldes herstammen. Ich kenne die Art in typischer Ausbildung von Daleiden, wo sie nicht selten ist.
Möglicherweise ist auch die von Oehlert vor einiger Zeit ]) ans dem unterdevonischen Kalk von La Baconniere im Departement de la Mayenne als Cr. Jonesi beschriebene Form mit rotundifrom zu identificiren.
3. Cryphaeus Kochi h. sp.
Tat. III, Big. 6.
Aus dem Dachschiefer der Grube Schöne Aussicht liegt mir ein bis auf das Kopfschild gut erhaltener Abdruck einer, wie es scheint, noch unbeschriebenen Gryphaeusart vor. Die Form ist circa 45 Millimeter lang und 30 Millimeter breit, die Axe schmäler als die Seiten. Das reichlich 12 Millimeter lange Pygidium be- sitzt eine sehr breite, aber kurze Mittelspitze. Auf jeder Seite derselben liegen 5 ähnlich kurze, zackenförmige Spitzen. Auch die Pleuren laufen in analoge, aber schwächere Spitzen aus.
Durch die zackige Gestalt der breiten, sehr kurzen Spitzen- anhänge erinnert unsere Art an Cr. Abdullahi Vern. aus dem Unterdevon des Bosporus. Bei der türkischen Art ist indess die Mittelspitze nahezu ebenso breit wie die Seitenspitzen, und darin liegt ein sofort in die Augen fallender Unterschied von unserer Art.
!) Bull. Soc. geol. de France, 3. ser., V, 1877, p. 582, t. 9, f. 2.
38
Emanuel Kaysei:, Die Orthocerasscliiefer
4. Panenka bellistriata n. sp.
Taf. II.
Zu den interessantesten Versteinerungen des Rupbachthaies gehört eine prächtige grosse Cardiacee , von der ich durch Herrn Lehrer Klöss in Gutenacker zwei etwas verdrückte Steinkerne — eine isolirte rechte (die abgebildete) und eine linke Klappe — erhalten habe.
Die Muschel war, wie es scheint, gleichklappig, beide Klappen nicht sehr stark gewölbt und im Umriss der Kreisform genähert, indess doch etwas schief- oval, mit kurzem, geradem Schlossrand. Die Wirbel erheben sich ziemlich hoch über den letzteren und waren nur schwach nach vorn gekehrt. Unter denselben sieht man eine kleine Area, aber keine Spur von Zähnen. Die Länge der abgebildeten rechten Klappe beträgt etwa 50, ihre Breite etwas über 40 Millimeter. Die ganze Oberfläche ist mit einfachen, schon au der äussersten Wirbelspitze deutlich vortretenden, am Rande eine ansehnliche Stärke erhaltenden, leistenförmigen Radialrippen bedeckt, zwischen denen sich nach dem Rande zu hie und da neue Rippen einschieben. Auf der abgebildeten Klappe sind am Rande mindestens 70 Rippen vorhanden. Ihre Stärke und ihr Ab- stand sind etwas ungleichmässig; im Allgemeinen sind indess die flachen Zwischenräume der Rippen etwas breiter als die Rippen selbst. Ausserdem sind noch einige schwache concentrische, von Anwachszonen herrührende Querfurchen vorhanden.
Durch ihre Grösse, die anscheinende Gleichklappigkeit, die Zahnlosigkeit und die einfachen starken Rippen giebt sich unsere Art als nahe Verwandte derjenigen Formen zu erkennen, die Barrande in seinem grossen Werke über böhmische Acephalen unter der generischen Bezeichnung Panenka vereinigt hat. Im böhmischen Silur und Hercyn besitzen diese Formen eine ausser- ordentliche Entwickelung; aber auch in den hercynischen Kalken des Harzes und der Rheingegend fehlen sie nicht, und auch im normalen rheinischen Unterdevon (Hunsrückschiefer und Obere Coblenzstufe der linken Rheinseite) haben sie einige interessante, noch unbeschriebene Vertreter. Unter den bis jetzt bekannten
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
39
harzer und rheinischen Arten steht P. bellistriata durch ihre dichte starke Berippung bis jetzt isolirt da; unter den böhmischen Arten lassen sich ihr in dieser wie auch in anderer Hinsicht eine ganze Reihe von Formen vergleichen, ohne dass indess mit einer der- selben eine vollständige Identität zu bestehen scheint.
5. Spirifer aculeatus Schnur.
— — Schnuk, Brachiop. d. Eifel, 1853, p. 35, t.b. 13, f. 2.
In den Schiefern der Grube Schöne Aussicht kommen nicht selten Steinkerne und Abdrücke eines kleinen kurzflügeligen Spirifer vor, der jederseits 5 kräftige, durch ebenso breite Zwischenräume getrennte Rippen besitzt. Die Schale ist mit sehr markirten zick- zackförmigen Anwachsstreifen bedeckt, auf denen sich Reihen von kleinen stabförmigen Papillen erheben.
Es ist mir nur ein Spirifer bekannt, der mit dem unserigen in allen angegebenen Merkmalen übereinstimmt, nämlich Schnur’ s aculeatiLS aus dem Mitteldevon der Eifel. Spirifer elegans Stein., an dem man sonst vielleicht noch denken könnte, besitzt keine derartige Papillen und seine Rippen stehen gedrängter.
Ich habe dieselbe Art auch in einem gelblichgrauen Schiefer gefunden, welcher die Basis der Dachschiefer von Niedererbach unweit Hadamar bildet.
6. Pentamerus Heberti Oehlert.
Taf. III, Fig. 1—5.
— — Oehlert, Bull. Soc. geol. de France, 3. sei’., V., 1877, p. 597, pl. 9.
Zu den seltensten Erscheinungen im rheinischen Unterdevon gehörte bis jetzt die Gattung Pentamerus , welche nur in einer einzigen Art, dem grossen P. rhenanus F. Roem. bekannt war. Um so erfreulicher war es mir daher, im vergangenen Sommer im Rupbachthale und bei Niedererbach noch eine zweite, ebenfalls sehr grosse Pentamerusart aufzutiuden. Im Rupbachthale findet sich dieselbe sowohl am Ausgange des Thaies, als auch über der Fritzenmühle, an derselben Stelle, wo Maurer Pent. rhenanus ent- deckt hat. Bei Niedererbach dagegen tritt die Art in einem milden
Ö O
40
Emanuel Kayser, Die Orthocerasschiefer
gelblichen Schiefer auf, der das unmittelbare Liegende des dortigen Orthocerasschiefers bildet. Mit ihr zusammen kommen Atrypa reticularis , Rhynchonella Orbignyana , Stropliomena rugosa , Spirifer acideatus , Spirifer paradoxus, Fenestella sp., Phacops fecunclus, Cry- phaeus conf. rotundifrons , Orthoceras etc. vor, also ganz dieselbe Fauna, wie an der Mündung des Rupbachthaies.
Ich habe an den drei angegebenen Stellen eine ganze Reihe von Exemplaren gesammelt. Dieselben sind indess sämmtlich iso- lirte, platt gedrückte Einzelklappen und mit Ausnahme eines ein- zigen, bei der Eritzenmühle gefundenen, noch einen Theil der Kalkschale besitzenden Exemplares Steinkerne oder Abdrücke. Ich bin daher zu meinem Bedauern nicht im Stande, eine er- schöpfende Beschreibung der Muschel zu geben.
Exemplare mittlerer Grösse sind 40 — 45 Millimeter lang und 50 — 60 Millimeter breit. Dass die Art indess noch erheblich grösser werden kann, beweist das Taf. III, Fig. 1 abgebildete Individuum vom Ausgauge des Rupbachthaies, welches gegen 90 Millimeter lang ist.
Der Schnabel der grossen Klappe war massig hoch, unter demselben ist bei dem einzigen mir vorliegenden Schalenexemplar eine ziemlich grosse dreieckige Stielöffnung sichtbar. Sinus und Sattel sind in der bei Pentamerus gewöhnlichen Weise, indess ziem- lich schwach entwickelt. Oberflächlich waren beide Klappen mit 16 — 20 oder noch etwas mehr ziemlich breiten, starken, dachförmigen, schon an den Buckeln deutlich hervortretenden Falten bedeckt, von denen 3 — 4 im Sinus und 4 — 6 auf dem Sattel zu liegen pflegen. Die meisten Falten sind einfach; nur hie und da beob- achtet man eine Theilung derselben.
Die grosse Klappe besass im Innern ein verhältnissmässig sehr kurzes Medianseptum, auf welchem sich zwei eine massig grosse Kammer bildende Zahnstützen erhoben. Im Innern der kleinen Klappe waren zwei sich sehr nahe liegende, etwa bis zur halben Länge der Klappe hinabreichende Septen vorhanden. In der Umgebung des Schnabels ist eine starke, von den Ovarien herrührende Körnelung zu beobachten.
Eine Vergleichung; der oben beschriebenen Form mit anderen
CT CT
devonischen Pentamerusarten führt zu folgendem Ergebniss: der mitteldevonische P. galeatus lässt sich mit unserer nassauischen
zwischen Balduinstein und Laurent) urg an der Lahn.
41
Form schon wegen seiner sehr viel geringeren Dimensionen nicht vergleichen. Aber auch die meisten unterdevonischen Species, von denen nur wenige eine ähnliche Grösse erreichen, zeigen keine nähere Uebereinstimmung. P. rhenanus weicht schon durch seine viel zahlreicheren und sehr viel feineren Rippen ab. Der böhmische und harzer P. Sieben v. Buch ist kleiner und hat auf Sinus und Sattel zahlreichere, stets ungetheilt bleibende Falten. Der von Halfar aus den Grenzschichten zwischen Unter- und Mittel- devon vom Oberharze beschriebene P. hercynicus unterscheidet sich äusserlich durch zahlreichere schmälere Falten und innerlich durch einen sehr viel kleineren Zahnstützapparat. P. costatus Giebel aus dem Hercynkalk des Unterharzes ist kleiner, länger, und hat ungetheilt bleibende Falten. Der grosse P. Oehlerti Barrois 1) aus spanischem Unterdevon , der sich nach Angabe des Autors auch in den Schichten mit Sp. cultrijugatus im Unter- devon der Ardennen und in der Bretagne findet, hat ganz ähn- lich gestaltete, indess fast doppelt so zahlreiche Rippen. — Eine grosse Uebereinstimmung mit unserer nassauischen Form zeigt dagegen Oehlert’s P. Heberti aus dem unterdevonischen Kalk von La Baconniere im Departement de la Mayenne im nordwest- lichen Frankreich. Das einzige bisher von dieser Art aufgefundene, verhältnissmässig kleine (35 Millimeter lange und gegen 50 Milli- meter breite) Exemplar ist — ebenso wie gleich grosse Exem- plare des nassauischen Pentamerus — erheblich breiter als lang, mit nur schwach entwickeltem Sinus und Sattel. Auf jeder Klappe liegen 15 — 20 ganz analog gestaltete, kräftige, dachförmige Falten, die nur ausnahmsweise dichotomiren und von denen 5 auf den Sattel, 4 in den Sinus fallen. Es ist mir daher wahrscheinlich, dass unser Pentamerus mit der französischen Ai’t ident sei. Leider ist das Innere bei dieser letzteren noch unbekannt, und daher kann die Zusammengehörigkeit beider Formen noch nicht als völlig gesichert gelten. Sollten weitere Funde in Frankreich einen inneren Bau kennen lehren, der von dem der nassauischen Art abweicht, so würde ich für diese letztere den Namen locla- nensis vorschlagen.
x) Terr. anc. Astur. Galice, 1882, p. 270, pl. 11.
42
Emanuel Kaysek, Die Orthocerasscliiefer
II. Versteinerungen von der Grube Königsberg.
1. Orthoceras? Jovellani Vern.
Taf. IV, Fig. 7.
— — Bull. Soc. geol. de France, 2. ser., II, 1845, p. 461, pl. 13.
? ■ — rwpbachense Maurer, N. Jahrb. f. Mineral. 1876, p. 819, tb. 14, f. 2.
Es liegen vier Bruchstücke eines Orthoceras aus der Gruppe des trianguläre vor, die ich auf die genannte Art des spanischen Unterdevon beziehen zu können glaube; leider aber sind alle vier Stücke stark verdrückt, so dass eine ganz sichere Bestimmung nicht möglich ist.
Die auszeichnenden Merkmale der Art liegen in der langsa- men Breitenzunahme des Gehäuses, den überaus niedrigen Kammern, der dreiseitig- ovalen Form des Querschnitts und in der Lage des von einer blätterig-strahligen Umhüllung umgebenen Siphos in der kleinen Axe des Querschnitts, in der Mitte zwischen dessen Centrum und dem Rande der Convexseite des Gehäuses.
In allen diesen Merkmalen stimmt die Rupbaclier Form gut mit der spanischen überein; nur sind bei dem einzigen von Verneüil abgebildeten, allerdings viel älteren Exemplare die Kammern noch niedriger als bei den mir vorliegenden jüngeren Stücken aus dem Rupbachthale.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch Maurers 0. rwp- bachense (Rupbachi) nur auf ein abgewittertes und verdrücktes Exemplar unserer Art gegründet ist.
2. Goniatites Wenkenbaclii Koch n. sp.
Taf. IV, Fig. 1—6.
— subnautilinus Maurer, N. Jahrb. f. Mineral. 1876. S. 817.
Zusammen mit Orthoceras trianguläre kommt auf Grube Königs- berg nicht selten ein grosser Goniatit vor, der sich früher noch häu- figer auf Grube Gabelstein bei Cramberg gefunden hat, an beiden Punkten immer in verkalktem Zustande. Die geologische Landes- anstalt besitzt von beiden Gruben eine grössere Anzahl von Exem- plaren, so dass ich trotz des meist verdrückten Zustandes, in dem die Art angetroffen wird, ein vollständiges Bild derselben gewonnen habe.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
43
Das bis 10 Centimeter Durchmesser erreichende, ziemlich dicke Gehäuse besteht schon bei mittelgrossen Individuen aus mindestens 5 Umgängen und hat einen weiten, offenen, aber nicht sehr tiefen Nabel. Die Windungen nehmen langsam an Dicke und Höhe zu, umfassen .einander etwas mehr als zur Hälfte und sind von stark niedergedrücktem, flach nierenförmigem, meist kaum halb so hohem als breiten Querschnitt. Die Form desselben ist übrigens kleinen Schwankungen unterworfen und ändert sich auch bei demselben Individuum mit fortschreitendem Wachsthum. Aeltere Exemplare werden — ähnlich wie bei lateseptatus — zuletzt verhältnissmässig hochmündig. Die Seiten sind in der Mitte schwach, nach dem Rücken zu stärker gewölbt, der Rücken selbst in der Mitte etwas abgeflacht und das dadurch entstehende Band beiderseits durch eine stumpf- gerundete Kante begrenzt. Grenze zwischen Seiten- und Internfläche nicht kantig, sondern gerundet.
Die dünne, glänzende, schwarze Schale ist mit matten An- wachsstreifen bedeckt, die auf den Seiten in schwach sichelförmig gebogenen Linien verlaufen , auf dem Rücken aber tief rückwärts gewandte, breit-zungenförmige Buchten bilden.
Die Wohnkammer ist an einem mir vorliegenden Exemplar etwa einen halben Umgang lang, indess unvollständig. Die Kammerwände sind stark gebogen und stehen einander ziemlich nahe (auf einen Umgang kommen ihrer etwa 20). Die Sutur zeigt einen steil-trichterförmigen Dorsallobus, der so lang ist, dass seine Spitze bis an oder noch in den vorhergehenden Dorsallobus hinein- reicht. Dorsalsattel breit. Laterallobus die ganze Breite der Seitenfläche einnehmend, von beträchtlicher Tiefe, wenn auch lange nicht so tief hinabreichend wie der Dorsallobus. Sein Extern- schenkel ist länger als der interne, beide stossen in winkelig gebrochener Curve zusammen. Lateralsattel mässig breit, gerundet- spitzig, sein Scheitel mit der Bauchgrenze zusammenfallend. Ein eigentlicher Bauchlobus ist nicht vorhanden ; an seiner Stelle macht sich eine leichte Aufbiegung der Kammerwand bemerklich.
Durch ihre Grösse, die breite, niedergedrückte Gestalt der Windungen, den weiten, offenen Nabel und die Schalensc-ulptur ist unsere Art mit Beyrich’s Goniat. lateseptatus verwandt; indess unterscheidet sie sich von dieser Art durch die nicht scharfkantige,
44
Emanuel Kayser, Die Orthocerasschiefer
sondern gerundete Nabelkante, das Rückenband und vor Allem durch ihre Sutur ( lateseptatus hat so gut wie keinen Laterallobus). Durch diese letztere steht G. Wenkenbachi G. subnautilinus Schl. nahe. Bei diesem wird indess der Dorsallobus nie so lang, wie bei unserer Rupbacher Form, und äusserlich weicht G. subnau- tilinus durch das flachere Gehäuse, die sehr viel höheren Win- dungen und den erheblich schmäleren Nabel so sehr von unserer Art ab, dass eine Verwechselung nicht möglich ist. Mit kurzen Worten lässt sich daher der Rupbacher Goniatit als äusserlich mit lateseptatus nächstverwandt, in der Sutur dagegen subnautilinus nahestehend bezeichnen.
Maurer hat unsere Aid zuerst beschrieben und zu subnauti- linus gestellt. Koch dagegen hatte schon ihre Selbständigkeit erkannt und sie mit dem obigen, zu Ehren des Herrn Berg- rath Wenkenbach in Weilburg gewählten Namen belegt, den ich gern beibehalten habe.
Ausserhalb der Rupbachgegend ist mir G. Wenkenbachi bis jetzt unbekannt.
III. Versteinerungen von der Grube Langscheid.
1. Goniatites Jugleri A. Roem.
Tat. V, Fig. 1 — 7.
— — A. Roemer, Harzgebirge, p. 34, pl. 9, f. 6.
— emaciatus Barr. Maurer, IST. Jahrb. f. Mineral. 1876, S. 80.
— Jugleri A. Roem. Maurer, N. Jahrb. f. Mineral. 1 SSO, II, S. 23.
Gehäuse von flach-linsenförmiger Gestalt, ganz involut, mit vollständig geschlossenem Nabel, in dessen Umgebung das Gehäuse seine grösste Dicke erreicht. Rücken bei Schalenexemplaren von schneidiger Schärfe, bei Steinkernen etwas gerundet. Seiten sehr schwach gewölbt, fast eben. Die Windungen sind im Querschnitt von pfeilförmiger Gestalt. Sie nehmen rasch an Höhe, aber nur sehr langsam an Dicke zu. Die dünne Schale war wesentlich glatt, mit matten Querstreifen, die sich zuerst schwach sichelförmig vor- wärts, dann aber, in ^ der Entfernung vom Rücken zum Nabel, stark rückwärts biegen. (Vergl. Fig. 2.)
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
45
Kammern sehr niedrig, besonders bei älteren Individuen, und in Folge dessen die Kammerwände sehr gedrängt stehend. Die Sutur zeigt einen einfachen, tief trichterförmigen Dorsallobus, dessen Schenkel zuweilen etwas ausgebuchtet erscheinen. Daran schliesst sich ein spitziger Dorsalsattel, an diesen ein breiter, tiefer, nahezu halbkreisförmiger Laterallobus. Dann folgt ein zweiter, niedrigerer, aber sonst dem dorsalen ähnlicher Lateralsattel, dessen innerer Schenkel endlich mit flacher Biegung zum Nabel verläuft und so einen zweiten, flachen halben Laterallobus bildet. — Die Form der Sutur unterliegt übrigens kleinen Schwankungen, die sich in der bald spitzeren, bald mehr gerundeten Gestalt der Sättel und in der etwas wechselnden Tiefe der Loben aussprechen. Bei deu meisten Exemplaren reicht der Laterallobus erheblich weiter zurück als der Dorsallobus; doch kommen auch hiervon Abweichungen vor.
Dieser ausgezeichnete, durch seine Flachheit, den scharf- kantigen Rücken und die Lobenlinie von allen ihn begleitenden Arten durchaus verschiedene Goniatit ist in den Schiefern der Grube Langscheid, und ebenso in denen der ehemaligen Grube Gabelstein bei Cramberg, nicht gerade selten und erreicht hier eine beträcht- liche, bis 150 Millimeter im Durchmesser betragende Grösse. Leider sind indessen die meisten Exemplare von Langscheid stark ver- drückt und zerbrochen, während mir von Wissenbach, wo die Art auf der Grube Escheburg zeitweise ziemlich häufig vorgekommen sein muss, eine grössere Anzahl vollständiger, verhältnissmässig wenig verdrückter Exemplare vorliegen. Ich habe daher neben einem kleinen Stück aus dem Rupbachthale auch ein grösseres Exemplar von Wissenbach abbilden lassen. Von Wissenbach kenne ich kein Exemplar von mehr als 100 Millimeter Durchmesser. Die meisten Individuen von dort erreichen aber nur 50 — 60 Millimeter Durchmesser bei circa 15 Millimeter grösster Dicke.
Ausser im Rupbachthal und bei Wissenbach kommt Gon. Jugleri auch bei Olkenbach vor1). Weiter kennt man ihn auch aus den Goslarer Schiefern des Harzes (Rammeisberg, Festenburg, Bocks- wieser Stollnort, mittlerer und oberer Grumbacher Teich, Lerbach),
x) Zeitschr. cl. Deutsch, geol. Ges. 1881, S. 620 Amu.
46
Emanuel Kayser, Die Orthocerasschiefer
fast überall verkiest, wie bei Wissenbaeh. Verkalkt dagegen kommt unsere Art im Hercynkalk des Harzes, bei Ballersbach, Bicken (hier in Bruchstücken von bedeutender Grösse) und Greifenstein und bei Hubocep in Böhmen (Zone Gg %) vor, von welchem letzteren Punkte sie von Barrande *) unter der Bezeichnung emaciatus beschrieben worden ist.
Maassangaben einiger Exemplare.
|
1. 2. |
3. |
4. |
5. |
6. |
7. |
|
|
Grösster Durchmesser des Ge- häuses (in Millimetern) .... |
22 32 |
38 |
50 |
76 |
57 |
80 |
|
Grösste Höhe des letzten Win- dungsstückes |
14 19 |
22 • |
30 |
44 |
35 |
45 |
|
Grösste Dicke des letzten Win- dungsstückes |
3 Vs 5? |
6 |
ca. 8 |
ca. 1 1 |
13 |
IG |
No. 1: Rupbachthal, No. 2, 4, 5: Wissenbach, No. 3: Harz (Gosl. Schf.),
No. 6, 7: Böhmen.
2. Goiiiatites vittatus Kays.
Tat. Y, Fig. 11 — 17.
— mbnautilinus Schi,, var. vittiger Sandb., Rhein. Sch. Nassau, p. 114, pl. 11, f. 3.
— rupbachensis Kayser, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1879, p. 803.
Gehäuse in der Jugend von sehr beträchtlicher Dicke, die aber mit fortschreitendem Wachsthum sehr viel langsamer zunimmt als die Höhe, so dass ältere Exemplare von 60 — 80 Millimeter Durchmesser nur noch von mässiger Dicke sind. Nabel ziemlich eng, tief und steilwandig. Die Windungen umschliessen sich nicht ganz zur Hälfte und nehmen anfänglich langsam, später immer schneller an Höhe zu, während das Breitenwachsthum bis zuletzt ein sehr langsames bleibt. Ihr Querschnitt ist dementsprechend in der Jugend sehr niedrig und breit und dem von lateseptatus ähnlich, während er später immer höher und schlanker und zuletzt dem von subnautilinus ähnlich wird. Die Seiten sind in der Jugend
) Syst. Sil. II, 1867, p. 43, pl. 3 u. 12.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
47
stärker, im Alter schwach gewölbt, der Rücken immer abgeplattet und mit einem breiten, flachen Bande versehen, über dessen Mitte, wie bei so vielen nautilinen Goniatiten, eine feine, fadenförmige, erhabene Längslinie verläuft. Auf beiden Seiten dieses Rücken- bandes liegt ein verhältnissmässig breiter, flach gerundeter, von zwei seichten Längsrinnen eingefasster Kiel, welcher die Grenze zwischen Seite und Rücken bildet. Beide Rinnen, namentlich aber die innere, noch auf dem Rücken selbst liegende, werden bei älteren Exemplaren allmählich undeutlicher. Der zwischen den Rinnen liegende Kiel dagegen wird mit dem Alter stärker und bildet zuletzt eine markirte Rückenkante. (Fig. 11«.)
Die Sculptur besteht aus schmalen, gerundeten Querrippen, die vom Nabel aus zuerst schräg rückwärts gehen, dann aber in starkem Bogen sich vorwärts wenden, um auf dem Rückenkiel wieder plötzlich umzubiegen und mit tiefer, zungenförmiger Bucht über das Rückenband zu laufen. An einem jüngeren Individuum konnte ich eine zwei- oder sogar dreifache Gabelung der Rippen auf den Seiten beobachten. Bei jüngeren Exemplaren ist die be- schriebene Sculptur, namentlich in der Umgebung des Nabels, meist deutlich ausgeprägt; mit zunehmendem Alter aber ver- schwindet dieselbe immer mehr, so dass man sie bei alten Indi- viduen nur noch andeutungsweise wahrzunehmen pflegt.
Die Schale ist aus abblätternden Lagen zusammengesetzt. Eine tiefere Lage ist mit gedrängten Reihen punktförmiger, z. Th. ineinander verfliessender Grübchen bedeckt (Fig. 12). Diese Punkt- reihen erscheinen als sehr feine Querstreifen, die auf den Seiten flachere, auf dem Rücken aber tiefere, mit ihrer concaven Seite der Mündung zugekehrte Bogenlinien beschreiben. Eine ganz ähnlich beschaffene, tiefere Schalschicht hat Barrande bei seinem Gon. ßdelis abgebildet x).
Die Kammern unserer Art sind ziemlich niedrig, die Kammer- wände daher ziemlich nahestehend. Das noch vorhandene Stück der Wohukammer ist bei den meisten mir vorliegenden Exemplaren über einen halben Umgang lang. Die Sutur zeigt einen ziemlich kurzen, trichterförmigen Dorsallobus; daran schliesst sich ein
) Syst. Sil. Bok. II, tb. 8, f. 20.
48
Emanuf.l Kavseh, Die Orthocerasschiefer
flacher, breiter Dorsalsattel, der in einen ebenso flachen, gleich- mässig gerundeten Laterallobus übergeht, dessen Innenschenkel sich in der Nähe der Bauchgrenze wieder etwas umbiegt und so einen ebenfalls flachen Lateralsattel andeutet.
|
Dimensionen einiger Exemp! |
are. |
|||
|
1. 2. |
3. |
4. |
5. |
|
|
Grösster Durchmesser des Gehäuses (in Millimetern) |
13 ! 22 |
42 |
52 |
GO |
|
Grösste Höhe des letzten Windungsstückes |
5 10 1 |
22 |
27 |
30 |
|
Grösste Dicke des letzten Windungsstückes |
9 i 14 |
2072 |
22 |
24 |
Der beschriebene Goniatit ist von den Brüdern Sandberger (1. c.) als var. vittiger zu subnautilinus gezogen worden. In der That wird, wie oben ausgeführt, die Gestalt der Windungen in späterem Alter derjenigen von subnautilinus ähnlich, so dass, zumal wenn nur Bruchstücke der letzten Windung älterer Exemplare vorliegen, eine Verwechselung mit jener Art leicht möglich ist. So hat auch Kocii in seiner Sammlung diese Verwechselung begangen, und auch ich habe mich derselben früher schuldig gemacht 1). Dennoch tritt selbst bei älteren Individuen, wenn sie einigermaassen vollständig sind, schon in dem viel engeren Nabel die Verschiedenheit von subnautilinus hervor; hat man aber ausser den älteren auch jüngere Exemplare, so ergiebt deren Vergleichung mit subnautilinus (in der sehr viel breiteren, niedergedrückten Gestalt der Röhre, dem breiten, flachen Rückenbande, den Querrippen und der noch flacheren Lobenlinie) so durchgreifende Unterschiede, dass eine Verwechselung nicht möglich ist. Unser Goniatit muss daher als eine gute, selbständige Art angesehen werden. Da der Name vittiger bereits durch Phillips für eine englische Carbonform vergeben war, habe ich für denselben schon vor einigen Jahren (1. s. c.) den Namen rupbachensis vorgeschlagen. Ich setze jetzt au dessen Stelle die Bezeichnung vittatus.
) Abh. z. geol. Specialkarte von Preussen etc. Bel. II, Heft 4, 1878, S. 55.
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
49
Ich habe schon früher (1. c.) auf die nahe Verwandtschaft unserer Art mit Barrande’s böhmischem Gon. crispus und dem eifeier crispiformis Kays, aufmerksam gemacht. Das treffliche, mir jetzt von vittatus vorliegende Material beweist indess, dass diese Art mit keiner der beiden anderen vereinigt werden darf, da sie von beiden durch den engeren Nabel und die rasche Höhen- zunahme der Umgänge ab weicht.
Gon. vittatus ist in den Schiefern der Grube Langscheid ziemlich häufig und liegt mir in einem kleinen typischen Exemplar auch von Olkenbach vor 1). Neuerdings habe ich ihn — allerdings nur in ganz jungen Exemplaren — auch unter den Goniatiten von der Grube Escheburg bei Wissenbach erkannt, woselbst er zusammen mit Gon. Jugleri vorkommt. Endlich habe ich in letzter Zeit auch ein schönes mittelgrosses, verkalktes Stück aus dem Hercynkalk von Ballersbach erhalten.
3. Goniatites occultus Barr.
Tat. V, Fig. 8 — 10.
— — Barrande, Syst. Sil. II, 1867, p. 36, pl. 9.
— — Maurer, N. Jalirb. f. Mineral. 1876, p. 823.
Gehäuse flach scheibenförmig, mit abgeflachtem Rücken und Seiten, daher von radförmiger Gestalt. Die grösste Dicke liegt in der Umgebung des sehr engen Nabels. Windungen fast involut, langsam an Dicke, aber rasch an Höhe zunehmend, mit sehr flach gewölbten Seiten und mehr oder weniger stark abge- plattetem Rücken. Ihr Querschnitt ist schmal, aber sehr hoch, von trapezförmig - parabolischer Gestalt. Zwischen Rücken und Seiten liegt eine markirte, kielförmige Kante, unter dieser auf der Seitenfläche ein flacher, aber ziemlich breiter Kanal,
Die Schale war, wie es scheint, sehr dünn und fast glatt. Auf der Mitte des Rückens liegt eine fadenförmige, aber doch recht deutlich hervortretende Kiellinie. Ausserdem ist auf der Seitenfläche des Steinkernes bei manchen Exemplaren noch eine Reihe matter Spirallinien wahrzunehmen. Die matte Sculptur besteht aus
x) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1881, S. 620, Anm.
Jahrbuch 1883.
4
50
E manuhl Kayser, Die Orthocerasschiefer
Querstreifen, die auf den Seiten mit flacli sichelförmiger Bogen- linie nach vorn gehen, auf der Rückenkante aber sich umbiegen und mit massig tiefen, breiten Bogen über den Rücken verlaufen.
Das noch erhaltene Stück der Wohnkammer ist bei einigen Exemplaren mehr als einen halben Umgang lang. Die Kammer- wände stehen gedrängt. Die Sutur zeigt einen sehr kurzen, trichter- förmigen Dorsallobus: daran schliesst sich ein enger, winkelig- gerundeter Dorsalsattel ; dann folgt ein massig tiefer, den grössten Tlieil der Seitenfläche einnehmender Laterallobus, dessen längerer Aussen -Schenkel durch einen nur sehr wenig gebogenen Verlauf auffällt, während der kürzere Innenschenkel sehr bald mit starker Curve zum flachen Lateralsattel umbiegt.
Dimensionen einiger Exemplare.
|
Bupbachthal |
Böhmen |
|||
|
1. |
2. |
1. 2. |
||
|
Grösster Scheiben durchmesser (in Millimetern) |
31 |
35 |
42 |
60 |
|
Grösste Höhe des letzten Windnngsstückes . . |
17 |
19 |
1 21 |
37 |
|
Grösste Dicke des letzten Windungsstückes . . |
7 |
10 |
— |
18 |
Dieser charakteristische Goniatit ist auf Grube Langscheid nicht selten. Maurer hat das Verdienst, ihn hier zuerst erkannt zu haben. Er hat auch eine gute Beschreibung, aber keine Abbildung der Art geliefert. Im Allgemeinen ist dieselbe durch ihre flach scheiben- förmige Gestalt, die fast ebenen Seiten, den flachen Rücken, die unter diesem liegende Längsrinne, die sehr rasche Höhenzunahme der Windungen und die überaus matte Sculptur, sehr bestimmt ge- kennzeichnet. Trotzdem kommen Individuen mit weniger stark abgeflachtem Rücken und Seiten vor, die — besonders wenn der Nabel verdeckt ist — nicht ganz leicht von verna -rhenanus zu trennen sind. Ist dagegen der Nabel sichtbar, so liegt in seiner grösseren Enge ein gutes Unterscheidungsmerkmal von verna.
Von Wissenbach und Olkenbach, und ebenso aus den rhei- nischen und harzer Hercynkalken, ist G. occultus bis jetzt noch unbe- kannt. Dagegen besitzt die geologische Landesanstalt ein deutliches
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
51
Exemplar von 40 Millimetern Durchmesser, welches seinerzeit von Halfae in den sog. Goslarer Schiefern am mittleren Grumbacher Teich nördlich Zellerfeld gefunden worden ist. (Taf. VI, Fig. 10.) In Böhmen, wo die Art als grosse Seltenheit in der BAREANDF.'schen Zone Gg g bei Hlubocep vorkommt, werden die Individuen fast doppelt so gross wie im Rupbachthale. Davon abgesehen aber stimmt, wie schon Maurer hervorgehoben hat, die rheinische Form in allen beobachtbaren äusseren Merkmalen, wie auch in der Sutur recht gut mit der böhmischen überein.
4. Goiiiatites verna -rhenanus Maurer.
Taf. VI, Fig. 1 — 7.
Goniatites bicanaliculatus Sandb., Rhein. Sch. Nass. p. 112, tb. 11 ex parte?
» verna-rhenanus Maurer, N. Jahrb. f. Min. etc. 1876, p. 821, tb. 14, f. 1. » evexus var. Kayser, Abhandl. cl. KÖnigl. preuss. geol. Landesanstalt Bd. II, Heft 4, 1878, S. 60.
Gehäuse eine massig dicke bis flache Scheibe bildend , mit einem ziemlich engen und tiefen, steil treppenförmig eingesenkten Nabel. Windungen erheblich höher als breit (bei Individuen mitt- leren Alters ungefähr 1/g so hoch als breit), von hoch hufeisen- förmigem, auf der Innenseite stark eingebuchteten Querschnitt. Ihre Höhe und Breite nimmt ziemlich gleichförmig zu, indess die Höhe etwas schneller als die Breite. Ihre Involubilität beträgt durchschnittlich etwas mehr als '2/%; doch kommen hierin, wie auch in der Dicke der Scheibe, kleine individuelle Schwankungen vor. Rücken und Seiten flach gerundet. Zwischen beiden liegt eine markirte, kielförmige Kante, die — wie bei vielen nautilinen Go- niatiten — von zwei flachen Längsrinnen eingefasst wird. Die innere, auf dem Rücken liegende, etwas schmälere Rinne ist immer schwächer ausgebildet und verschwindet im Alter vollständig; die unter dem Rücken auf der Seite liegende, breitere, tiefere Rinne dagegen erhält sich bis ins Alter.
Die dünne Schale ist mit feinen, aber scharfen Querrippchen bedeckt, die sich auf den Seiten sichelförmig vorwärts biegen, auf der unter dem Rücken liegenden Längsrinne aber plötzlich zurückwenden, um in mässig tiefen, schuppig hervortretenden
4
52
Emanuel Kayser, Die Orthocerasschiefer
Bogenlinien über den Rücken zu verlaufen. Mitunter treten ein- zelne Querrippen durch grössere Stärke vor den übrigen hervor, und zwar (an einem mir vorliegenden Individuum) jede fünfte. Auch glaubt man bisweilen eine 2 — 3 fache Gabelung der Rippen wahrzunehmen. Die beschriebenen Sculpturen treten je nach der Erhaltung bald stärker, bald schwächer hervor, sind aber in der Regel auf dem Rücken und der Mitte der Seiten am deutlichsten, während sie unter dem Rücken und am Nabel undeutlich zu werden pflegen.
Die Sutur zeigt in typischer Weise den Charakter der nauti- linen Goniatiten. Der trichterförmige Dorsallobus ist mässiir breit und tief, der Dorsalsattel wohlgerundet. Laterallobus tief gebogen, fast die ganze Breite der Seitenfläche einnehmend, mit steilerem Innenschenkel, der sich erst in der Nähe der Bauchgrenze zum Lateralsattel umbiegt, so dass von diesem letzteren kaum mehr als die Hälfte auf die Seitenfläche zu liegen kommt.
Dimensionen einiger Exemplare.
|
Rupbachthal |
Bicken |
Böhmen Gon. verna ) |
||||||||||||
|
1. 2. 1 |
3. |
4. |
5. |
6. |
7. |
8. |
9. |
10. |
1. |
2. |
1. |
2. |
3. |
|
|
Grösster Scheiben- |
||||||||||||||
|
clurchmesser (in Millimetern) . . . |
10 15 |
17 l/s |
22 |
22 |
30 |
35 |
47 |
? |
55 |
45 |
70 |
13 |
44 |
62 |
|
Grösste Höhe des |
||||||||||||||
|
letzten Win dungs- stückes |
5 ! 8 |
9 |
11 |
11 |
167, |
17Va |
23 |
24 |
26 |
23 |
38 |
6 |
20 |
31 |
|
Grösste Dicke des |
||||||||||||||
|
letzten W indungs- stückes |
5 ' 6 |
8 |
7 1 / 772 |
• |
10 |
10 |
? |
17 |
18 |
15 |
24 |
5 |
18 |
24 |
Die beschriebene Art ist weitaus der häufigste auf Grube Langscheid vorkommende Goniatit. Allein unsere Sammlung be- sitzt von demselben über 60 vollständige Exemplare in allen Alters- zuständen. Auch bei Olkenbach soll die Art nach Vollmann vorhanden sein, und ebenso liegen mir einige junge Exemplare von der Grube Escheburg bei Wissenbach vor, die sehr wahrscheinlich
zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.
53
hierher gehören, während mir von dort noch keine ältere, in jeder Hinsicht mit den Rupbachthalern übereinstimmende Exemplare zu Gesicht gekommen sind. Weiter bewahrt die Sammlung der Landesanstalt auch einige schöne verkalkte Exemplare aus dem Hercynkalk von Bicken, die z. Th. noch um die Hälfte grösser sind, als die grössten Ruphachthaler Individuen; und endlich liegen mir