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Numismatisclie Zeitscliriffc.
Sechster und siebenter Band.
Jahrgang 1 8 »T^ — 18 »TS.
NUMISMATISCHE
ZEITSCHRIFT
herausgegeben von der numismatischen Gesellschaft in Wien durch deren
Redactions-Coinite.
Sechster und siebenter Band.
Jahrgang 1874 und 1875.
Mit X Tafeln und 8 Holzschnitten.
Wien, 1876.
Selbstverlag der Gesellschaft.
Druck der kaiserlich-königlichen Hof- und Staatsdrucke riei
In Cominission bei Wilhelm Braumüller & Sohn in Wien.
Berlin: Mittlers Sort. Buchh. Leipzig: K. F. Köhler.
CT 5
il FEBliJ1968
Vorwort.
Wie schon in der Vorrede zum fünften Bande dieser Zeischrift bemerkt wurde , hat die numis- matische Gesellschaft, nachdem Herr Professor Dr. Joseph Karabaöek wegen zunehmender Ueber- häufung mit Berufsge Schäften dieRedaction nieder- gelegt, in der Jahresversammlung vom 6. März 1875 ihren Vorstand beauftragt ein Redactions- Comit6 zu bestellen, welches vom Jahrgange 1874 ab das Unternehmen fortzuführen und die aus- ständigen Bände VI und VII (Jahrgänge 1874 und 1875) als einen Doppelband auszugeben habe.
Das Comitö wurde aus den Herren: Director Carl Ritter von Ernst, Gustos Dr. Friedrich Renner in Wien und Universitäts - Professor Dr. Arnold Ritter Laschin von Ehengrenth in Graz zasammen- gestellt.
Dieser Wechsel der Redaction schliesst eine Veränderung im Programme der Zeitschrift nicht in sich. Das Comit6 wird der Absicht des Gründers
VI
derselben, Chr. W. Huber, getreu, nach Kräften bestrebt sein, alle Abtheilungen der Münzkunde ohne zeitliche oder örtliche Beschränkung zu pflegen.
Dem Auftrage der Gesellschaft nachkommend legt es hiemit den Doppelband VI und VI! den Freunden der Numismatik vor und spricht die Hoffnung aus, dass sein Inhalt die gleich ermun- ternde Aufnahme linden werde, wie jener der früheren Bände.
Nachdem mit dem Erscheinen dieses Doppel- bandes die Rückstände der Zeitschrift, welche durch eine Verkettung von schwer zu beseitigenden Zwischenfällen herbeigeführt worden war, ein- geholt sind, kann für die Zukunft wieder ein regel- mässigeres Erscheinen derselben in Semestral- heften versprochen werden.
Schliesslich sagt das Comit6 Allen herzlichen Dank, welche durch ihre werthvollen Beiträge seine Bemühungen unterstützt haben und bittet sie um die Fortdauer dieser wohlwollenden Gesinnung.
Wien im Jänner 1876.
Das Redactions-Comitä der numismatischen Gesellschaft.
VII
Inhalt des sechsten und siebenten Bandes.
A, Nach der Reihenfolge der Artiicel.
Seite
h Dr. Otto Blau: Nachlese orientalischer Münzen 1
IL Joseph V. Kolb: Die Antoniniane des Kaisers M.
Aemii. Aemilianus 22
IIL Dr. G. Stickel: Ueber den biliuguen spanisch-arabi- schen Solidus im jenaischen Cabinet 43
IV. Prof. Dr. Joseph Karabacek: Der unmittelbare Einfluss der mongolischen Invasion (1241 — 1242) auf die Verhältnisse Ungarns 49
V. A. Luschin - Ebengreuth: Die Wiener Pfenninge.
Fundverzeichnisse und kritische Studien 58
VI. Dr. E. V. Hartmann- Franz ens hui d: Die Medaillen
der österreichischen Behem 142
VIL Dr. E. Rüppell: Beiträge zur Kenntniss der numisma- tischen Erinnerungen an Aerzte und Naturforscher, die sich nicht in Duisburg's "Werk über diesen Gegen- stand vorfinden 151
VIIL Joseph Alexander Freiherr v. Helfert: Oester- reichische Münzen und Geldzeichen von den Jahren 1848 und 1849 233
vin
B. Nach numismaUscher Eintheüung,
AltB Zeit.
Seite I. Dr. Otto Blau: Nachlese orientalischer Münzen 1
II. Joseph V. Kolb: Die Antoniniane des Kaisers M.
Aemil. Aemilianus 22
INXittelaltei:' und ^eue Zeit.
III. Dr. G. Stickel: lieber den bilinguen spanisch - arabi-
schen Solidus im jenaischen Cabinet 43
IV. Prof. Dr. Joseph Karabacek: Der unmittelbare
Einfluss der mongolischen Invasion (1241 — 1242) auf die Verhältnisse Ungarns 49
V. A. Luschin - Ebengreuth: Die Wiener Pfenninge.
Fundverzeichnisse und kritische Studien 58
VI. Dr. E. V. Hartmann-Franzenshuld: Die Medaillen
der österreichischen Behem 142
VII. Dr. E. ßüppell: Beiträge zur Kenntniss der numisma-
tischen Erinnerungen an Aerzte und Naturforscher, die sich nicht in Duisburg's Werk über diesen Gegen- stand vorfinden 151
VIII. Joseph Alexander Freiherr v. Helfert: Oester-
reichische Münzen und Geldzeichen von den Jahren 1848 und 1849 233
Numismatische Literatur 354
M i 8 c e 1 1 e n : Johann Gabriel Seidl f. — Domenico Promis f. — Paul Henckel f. — - Münzprägungen Oesterreich-Ungarns im Jahre 1874. — Oesterreichische und ungarische Me- daillen vom Jahre 1874. — Gefälschte serbische Gold- münzen 874
Sachregister 393
IX
Mitarbeiter des sechsten und siebenten Bandes.
Blau, Dr. Otto, kaiserl. deutscher General-Consul in Odessa.
Ernst, Carl v., Director der k. k. Bergwerks-Producten-Verschleiss- Direction in Wien.
Hartmann v. Pranzenshuld, Dr., Custos des k. k. Münz- und Antiken -Cabinets in Wien.
Helfert, Joseph Alexander, Freiherr, Präsident der k. k. Central- Commission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischer Denkmale.
Karabacek, Joseph, Dr., Professor an der Universität in Wien.
Kenner, Dr. Fr., Custos des kais. Münz- und Antiken-Cabinets in Wien.
Kolb, Joseph v., Verwaltungsrath des Museum Francisco-Carolinum in Linz.
Luschin-Ebengreuth, Dr. A. v., Professor an der Universität in Graz.
Rüppell, Dr. E. in Frankfurt a. M.
Stickel, G., Dr.
T. Nachlese orientalischer Münzen.
Von Oeneraloonsu.! Dr. Otto Blau.
I.
In öffentlichen Cabineten wie in Privatsammlungen liegt noch ein reiches Material zur muhammedanischen Münzkunde geborgen , welches der Wissenschaft schwer zugänglich ist, so lange es an gedruckten systematischen Katalogen fehlt. Besässen wir für Berlin, Italien, Paris, Wien nur annähernd ähnliche Publicationen, wie für Schweden Tornberg's Werke, für das Petersburger asia- tische Museum die Beschreibung und die Accessionsver- zeichnisse Dorn's und für das britische Museum seit kurzem Poole's Catalog bieten, so würden die überall fühlbaren Lücken in Einzelheiten der orientalischen Numis- matik und der Geschichte und Verwaltung des Chalifats «nd seiner Dynastien sich rasch füllen.
Ist es hierbei wenigstens ein Trost, dass die den ;gros8en öffentlichen Sammlungen zugeführten Schätze
Dr. Otto Blau :
doch im Wesentlichen der Gefahr des Untergangs ent- rissen und für die Wissenschaft, die sich früher oder später ihrer Nutzbarmachung betleissigen wird, gesichert sind , so gilt nicht ganz das Gleiche für den Bestand der Sammlungen, die sich in Privathänden befinden. Diese sind dem Verderben, der Zersplitterunng, dem Verlust und sonstigen Zufällen weit mehr ausgesetzt, und die Wissen- schaft hat daher in erhöhtem Masse die Pflicht, sich ihres Inhaltes zu bemächtigen, wo immer sie ihnen nahe treten kann.
Es muss da Jeder in seinem Kreise Hand ans Werk legen und Verstecktes und Abgelegenes ans Licht ziehen. Das Gebiet der muhammedanischen Münzkunde ist ohne- hin ein so umfängliches, dass auch der Berufenste mit seiner einzigen Kraft nicht das Ganze umspannen kann, und es ist bei der Bearbeitung dieses Gebietes überdies gegangen, wie etwa den alttestamentlichen Exegeten mit der Genesis oder den Docenten des Arabischen mit Lok- mans Fabeln, dass eine leicht in sich geschlossene Gruppe, hier die Periode der Umajjaden und Abbassiden, mit Vor- liebe tiefer und eingehender wiederholt behandelt und durchgearbeitet worden ist, als andere Partien.
Stickel's Handbuch der morgenländisclien Münz- kunde, das nun nach 25 Jahren sein zweites Heft erlebt hat, Ties en hause n's Münzen des orientalischen Chalifats sind vielversprechende Anfänge eines Thesaurus der muhammedanischen Numismatik, dessen Abschluss die jetzt lebende Generation kaum gewärtigen kann. Der Stoff wächst fortwährend, und schon jetzt weiss jeder Kenner des Gebietes, dass selbst die am besten und sorgfältigsten bearbeiteten Partien noch weit entfernt von absoluter Voll- ständigkeit sind.
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So weit meine Erfahrniigen reichen, zeichnet sich unter allen Hauptstädten Europas vorzüglich Constanti- nopel durch den Besitz der reichsten und am wenigsten gekannten Privatsammlungen aus. Die nahmhaftesten darunter waren und sind diejenigen Slibhi Pascha's, die des verstorbenen Ismail Pascha und die des fran- zösischen Antiquars Cayol. Auf einzelne Karitäten dieser Sammlungen aufmerksam zu machen, ist mir früher ver- gönnt gewesen i) ; an einem wissenschaftlichen Katalog derselben fehlt es leider noch immer.
Meine eigenen Bemühungen, mit jenen Männern in der Zeit, wo ich Constantinopel bewohnte (1852—1856), und später auf Reisen in Persien und der Türkei zu wetteifern, um eine Auswahl des Besten aus allen Partien der muham- niedanischen Numismatik zusammenzubringen, waren nicht ohne Erfolg. Ich brachte mit entsprechender Mühe und Aufwand über 800 Stück zusammen, unter denen nicht wenig Kostbarkeiten, welche der Meister dieser Wissen- schaft, Herr Hofrath Stickel in Jena, in wiederholten Mittheilungen an die deutsche morgenländische Gesell- schaft besprach 3). Den grössten Theil meiner Sammlung erwarb im Jahre 1857 Herr Hofsecretär Müller in Dresden ; einen anderen Theil habe ich den Sammlangen der deut- schen morgenländischen Gesellschaft einverleibt 3); Ein- zelnes ist mir — und darunter leider ein paar sehr kost- bare Stücke — durch Diebstahl in einem Nachtquartier in Armenien abhanden gekommen ; einige Hundert besitze ich noch selbst.
1) Z. D. Morg. Ges. IX, 835.
3) Z. D. Morg. Ges. IX, 249-255. X, 292-301. XI, 443—459. 3) Z. D. Morg. Ges.XIII, 531, XVI, 606, XVIII, 394.
1*
Dr. Otto BUu :
Ich habe vou allen StUcken, die ich erworben, ein Verzeichniss angelegt und dasselbe zu einem Kataloge geordnet.
Während eines mehr als 20jährigen Aufenthaltes im Orient ist mir ausserdem vieles durch die Hände gegangen, was schliesslich in andern Sammlungen seinen Platz gefunden hat. Wo es möglich war, nahm ich Notiz von »Seltenheiten, denen ich da begegnete. So bin ich im Besitz von mancherlei Aufzeichnungen, dank welchen ich zum Theil unwiederbringlich Verlornes für die Wissenschait gerettet habe.
Einen sehr herben Verlust hat z. B. die Münzkunde dadurch erlitten, dass die reiche, durch mehr als 30 Jahre gepflegte und durch Unica ausgezeichnete Collection Jaba, deren Besitzer im russischen Consulardienst in Kleinasien, vorzüglich in Smyrna und Erzerum sein Leben zugebracht und seine Mussestunden der Wissenschaft mit seltener Hingabe geweiht hat, durch eine Feuersbrunst, welche sein Münzcabinet sammt Katalogen und einen grossen Theil seiner Handschriften vernichtete, zu Grunde gegangen ist. Jaba war ein Schüler Fraehn's, und Fraehn selbst hatte einen Theil seiner kufischen Münzen in Händen gehabt und bestimmt. Aus Fraehn's Notizen darüber in seinem Conspectus und anderem handschrift- lichen Material sind die spärlichen Erwähnungen der Jaba'schen Sammlung in Tiesenhaus ens grossem Werke i) geflossen.
») Z. B. Nr. 1468, 1683, 1727, 1737, 2076, 2140, 2153, 2175, Ü188, 2195, 2243, 2267, 2271, 2284, 2287, 2549, 2578 u. a. m.
Nachlese orientalischer Münzen. »^
Während meines Aufenthaltes in Erzerum im Sommer 1857 nahm ich die Sammlung des Herrn Jaba, derzeit russischen Consuls in gedachter Stadt, in Augenschein. Sie bestand damals aus circa 1000 Nummern katalogi- sirter und fast eben soviel nicht katalogisirter und unbe- stimmter oder als Doubletten abgelegter Münzen. Die ins Cabinet eingelegten zeichneten sich durchgängig durch vorzügliche Erhaltung aus. Auf beigelegten Zetteln und am Rande des Katalogs fanden sich zahlreiche eigenhän- dige Bemerkungen Fraehn's; am häutigsten seine be- kannten Marken: rar. rariss. inedit. notabilis u. dgl., jedoch nur in Bezug auf die beiden ersten Serien, Umajjaden und Abbassiden.
Mit der Liebenswürdigkeit, die Jaba auszeichnete, gestattete er mir, tagelang mit Müsse seine Sammlungen zu benutzen und aus seinem Katalog zu excerpiren, was mir beachtenswerth schien. Eine grosse Zahl derer, die Fraehn als „rarissimi ine diti" bezeichnen konnte, sind zwar inzwischen anderweit bekannt geworden »). Immerhin aber finde ich noch in fast allen Classen meiner Excerpte Inedita, die der Jaba'schen Sammlung aus- schliesslich eigen sind.
Eine unerwartete Ausbeute an muhammedanischen Münzen habe ich endlich auch in Odessa gefunden. Zwar, dass es an Dschutschiden und Krim-Gireis hier nicht fehlen würde, war vorauszusehen; aber die ältere Numis- matik, des Chalifats und der Dynastien, geht keineswegs leer aus, sondern ist namentlich im Museum der kaiser-
2) Zum Theil ohne Nachweis, wo sie sich befinden. So z. B. die Unica T. 301, 609, 770, 872 hat Fr ahn in Jabas Samrahmg gesehen.
6
Dr. Otto Blau :
liehen Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskiinde recht ansehnlich vertreten. Dasselbe besitzt circa 2000 orientalische Münzen, deren Katalogisirung ich übernom- men habe. Einzelne Raritäten dieser Sammlung habe ich vorläufig in den Schriften der Gesellschaft (Zapiski OdecckagoObschtschestwa istorii i drebn. etc. etc. IX. Bd. 1875) so kurz besprochen, als bei dem Mangel arabischer Typen in hiesigen Druckereien möglich war.
Auch in Privathänden in Odessa findet sich manches schätzbare Stück. So erhielt ich z. B. eines Tages durch den im Gebiet der pontisch -griechischen Numismatik rühmlichst bekannten Herrn J. Lemme einige 20 arabi- sche Goldmünzen zur Ansicht, die ein hiesiger Kaufmann, Herr Gregor Horowitz, besitzt, und unter denen sich mehrere Novitäten fanden.
Nachdem nun in letzter Zeit durch die grossen Publi- cationen von Tiesenhausen undPoole wenigstens für die älteren Classen der arabischen Münzen ein so umfang- reiches Eepertorium geboten ist, dass alles, was in diesen Werken nicht enthalten ist, den Anspruch erheben darf, mit Fug und Recht als Seltenheit zu gelten, habe ich eine kleine Nachlese in meinen Collectaneen gehalten und darf den Freunden dieser Partie im Folgenden eine Reihe zum Theil sehr merkwürdiger Stücke vorführen, aus deren Betrachtung man wenigstens die Folgerung ziehen wird, dass — wenn somit bloss in einer einzigen Hand sich schon so viel Stoff zu Nachträgen vereint — in jeder grösseren Sammlung unbedingt ein gleiches und noch grösseres Quantum von solchen vorhanden ist, die nur auf das Auge des Kenners harren, um ans Licht zu kommen.
NachlesG orientalischer Münzen.
Mit T. bezeichne ich im folgenden Tiesenhausens Monnaies des Khalifes Orientaux; mit Br. M. den von Stanley Lane Poole gearbeiteten ersten Band von Cata- logue of oriental coins in the British Museum Lond. 1875.
Die Grössenzahlen (Gr.) sind nach Mionnet's Münz- messer zu verstehen.
1.
?L. Gr. 4. I: i <OJl J_y-.j| ji«si<dllhl <dlU, darüber ein fünfstrahliger Stern. II: in geperltem Ringe: I (Olli Asir^ j 1 J^*«,-^ I ^y J^si ; Spuren einer Rand- legende.
Odessa Mus. 12.
Dieser Fuls, nächstverwandt und vielleicht identisch mit dem bei Tiesenhausen 2547 aus Wellenheims Katalog beschriebenen, darf als unedirt und sehr selten bezeichnet werden. Der ganz primitive Typus des Gepräges weist das Stück in die früheste Zeit muhammedanischer Präge.
— Muhammed ben Said aus dem Hause Umajja (WUstenf. Tab. 11, 24) war Statthalter von Medina und Syrien als unmittelbarer Nachfolger seines Bruders Amr, welcher im Jahre 69 oder 70 H. starb ; also Zeitgenosse und Vetter des Chalifen Abdnlmelik. Vgl. Beladori 119.
— Die Formel -OJl i<^\ kommt hier zuerst vor ; unter abbassidischen Statthaltern kehrt sie T. 2552 f. (s. Nachtr. p. 309) und 2763 wieder.
2. iSi. Gr. 4. I: In geperltem doppelten Ringe: UH ^ djfi.-j|AÜl ^1. II: Granatapfel 0 mit der Umschrift
Dr. Otto Blau:
äÜI Jjwj Jutsi, das Ganze in geperltem dop- peltem Ringe.
Odess. Mus. 13.
Unedirt. Eine ähnliche Pietr. 253 = T. 2515, die ebenfalls im Od. Mus. vorhanden ist, • zeigt den Granat- apfel (Pietr. gemma florens tulipae)in umgekehrter Richtung liegend, und der Ring ist dort einfach. — Syrische Fabrik; nächstverwandt dem Fulse von el-Rakka (s. Brit. Mus. tab. VIII, 50)., von dem in Odessa vier Exemplare vorhanden sind.
3. ?L. Gr. 6 — 7, dünn mit breitem Rande. I: 1^1]^ AJo-j aÜI V[, darunter ein starker Punkt. II:
<OJl Jj*üjLx«<, darüber -<w, links aÜI, unten
^j^, rechts 6^^^, „im (District) Urdunn" ; die ganze Legende umgeben von Perlring. Odess. Mus. 22.
Von Soret Elem. p. 95 n. 24 wird dieser seltene Fuls als bei „Millies inedite" erwähnt und danach der Prägort bei Tiesenh. p. XXIII, 7 verzeichnet. Beschrieben ist er bisher nicht, mir auch sonst nirgends vorgekommen. Dem primitiven Habitus nach gehört er sicher in das erste Jahrhundert. Graphisch interessant ist die Form des schliessenden Nun 3. Ueber den administrativen Bezirk el- Ordonn (Jordan) s. v. Kremer, Culturgesch. 348 ff. Seine Hauptstadt warT ab aria und in der Technik erinnert unser Stttck allerdings an die seltenen älteren Stücke von Tabaria z. B. T. 2600, von dem eine Variante ebenfalls im Odess. Museum Nr. 11.
Nachlese orientalischer Münzen. »^
4.
iR. Gr. 9. Dimaschk Jahr 103. Annuli: ooooo In meiner Samml. Bl.
Sehr selten, da dieser Dirhem bei T. noch fehlt. Jetzt hat auch Poole denselben in Gutlirie's Sammlung (Nr. 91) gefunden. Ausser dem dort bemerkten Punkt unter «^-j^ ist auf meinem Exemplar auch einer im Centrum der Vor- derseite unter j^\ zu sehen.
5.
/^. Gr. 5. I : Im Mittelfeld ^r^-a*? umher zwischen zwei
Ringen: ^y<l^Ji\ j<^\ Oj^ aÜI Jut y,\. II: Im
Mittelfelde s^y\ innerhalb eines Perlenringes;
äusserer Ring: o = =j = ^y J^ &ViS> = s Odess. Mus. 35.
So unverkennbar die Aehnlichkeit und Zusammen- gehörigkeit mit T. 655 ist, von welchem Odessa ein gutes Exemplar besitzt, so auffallend ist die Abweichung. Wäh- rend nämlich der Avers ganz mit den von Abdulmelik b. Merwan um 132 in Misr-el-Fustat geschlagenen Über- einstimmt, steht auf dem Revers ein anderer Prägort und anscheinend auch ein anderer Statthaltername. Den Orts- namen stehe ich nicht an >— ^^i zu punktiren und für Athrib, ^'AJ^pißig zu erklären. Quellenmässige Nach- richten über Athrib zur Zeit der muhammedanischen Eroberung gibt z. B. Quatremere Mem. sur. l'Egypte I, p. 1 — 25, insbesondere p. 8 auch tiber den Antheil, den eine Expedition des Chalifen Merwan an der Eroberung dieser Stadt hatte. In der späteren administrativen
10
Dr. Otto Blau :
Eintlieiliing haftet der alte Name an dem District, dessen Hauptort ^^^.^ jjs- Heliopolis wurde (Jaqut M, B. III, 762). Der Name des Statthalters kann, so wie er dasteht, v.j)Ülo a^Iju nicht Abdulmelik gelesen werden ; und doch ist es andererseits nicht denkbar, dass zu derselben Zeit, wo Abdulmelik in Fustat münzte, ein anderer Statthalter den gleichen Avers in Athrib verwenden konnte. Dürfte man etwa Bod - ala-melik sprechen, so wiese die bekannte libysche Verkürzung Bod aus Abd, und der arabägyptische Artikel ala über den ich unter besonderem Hinweis aufAtiiribisZ.D.M.G.XXV, S.531 gehandelt habe, vielleicht auf einen einheimischen, des koreischitischen Arabischen nicht eben mächtigen Stempelschneider, und Bodalamelik wäre eine Art vulgärer Form des Namens des erwähnten Statthalters. Doch ist es am Ende ein- facher dann anzunehmen , dass der Stempelschneider einen Lapsus des Griffels beging und in Anlehnung und Erinnerung an das aJJI Jup der anderen Seite sich in ein Abdul-lah statt Abdul-melik verloren hatte. Auch wäre es möglich, in Ju ein Stück von ^ Ju ic zu finden , zumal unter dem Dal ein feiner langer Strich, wie ein zurück- gezogenes Finaljod vorhanden zu sein scheint. Es wird sich ja wohl irgendwo ein zweites Stück von Athrib ent- decken lassen, das diese Zweifel aufklärt.
6.
i^. Gr. 4. I: 1 aUI 1 J^j i j^^ mit starkem Punkt über dem letzten Lam. Aussenherum Spuren von Schrift oder Annuli? II: ^jwc jIiUw^^Ii A)^1 If
Od es 8. Mus. 57.
Nachlese orientalischer Münzen.
11
Aus Jaba's Sammlung notirt T. 2543 ein ünicum, das mit unserem zusammenzustellen ist. Frähn hat dort den Eigennamen ^j->^ ^J^ ^* ^ gelesen, womit indess schwerlich etwas anzufangen ist. Es mlisste wenigstens am Ende der Zeile noch ^ stehen, da sonst nicht ^j-**c- jil Abt Isa folgen könnte. Mir scheint ein Name wie etwa ^jwJl jJU- (Beladori 305 Jaqut IV, 406) darin gesucht werden zu müssen. Dem äusseren Ansehen nach gehört die Münze in die letzte Zeit der Umajjaden oder unter die ersten Abbassiden.
7. N. Gr. 4. Dinar vom Jahre 152 ohne Ort. Coli. Horowitz, Odessa.
Von T. 803 und Br. M. 18 dadurch unterschieden, dass nicht ^yp^\ , sondern (j^ gravirt ist. Diese Ortho- graphie findet sich in demselben Jahre nur noch in Arminijja (Br. Mus. Nr. 30) wieder. Das berechtigt zu der Vermuthung, dass auch dieser Dinar in Armenien geprägt wurde.
8. A^. Gr. 4. Dinar vom Jahre 155 ohne Ort.
Coli. Horowitz. Bei T. 804 noch nicht sicher belegtes Jahr. Jetzt auch Br. M. 21.
9. A^. Gr. 3, 5. Stark beschnitten. Dinar vom Jahre 160; deutlich ,yZ^ l'*^. Coli. Horowitz. Unedirt. Fehlt bei T. und Br. M.
12
Dr. Otto Blau:
10. ]R. Dirhern geschl. zu Beda'a im Jahre 161.
Coli. Jaba. Chalifenmttnzen kannte man bisher aus diesem Ort nur zwei, vom Jahre 164 und 165 (T. 959 und 980).
11.
A^ Gr. 3, 5. Dinar vom Jahre 165; über J^^ ein starker Punkt. Coli. Horowitz.
Von dem Dinar Br. M. 86 „no point" = T. 965, von welchem Herr Horowitz ebenfalls ein prächtiges Exemplar ä fleur de coin besitzt, ist dieser nur durch viel körnigere Schriftztige und den Punkt oder Circellus über J^^si unter- schieden.
12. N. Gr. 3, 5. Dinar vom Jahre 166 ohne Ort. Coli. Horowitz (2 Ex.).
Unedirte Variante von T. 983. Herr Horowitz besitzt vier Dinare vom Jahre 166. Einer ist mit der Abbildung Br. M. Tab. III, Nr. 87 identisch; einer ganz ohne Punkte, wie anscheinend T. 983. Die beiden anderen unter- scheiden sich von jenen durch Abweichungen in den Zwischenräumen der Legenden, einen Punkt über ^i und zwei Punkte unter Jy-jj.
13. A'. Gr. 4. Dinar vom Jahre 167 ohne Ort. Ein Punkt unter Jj^j.
Coli. Horowitz.
Nachlese orientalischer Münzen.
13
Gleich dem im Br. M. 88 ; aber von anderem Stempel als der Z. D. M. G. 23, 245, Nr. 7 publicirte (== T. 1010).
14.
.V. Gr. 4. Dinar vom Jalire 168 ohne Ort. Ueber Vi ein Punkt.
Coli. Horowitz.
Unter drei Dinaren von diesem Jahr haben zwei den erwähnten Punkt, das dritte = T. 1038 ist ohne Punkt und von anderem Stempel, sowie gröberen Schriftzligen.
15.
N. Dinar vom Jahre 1 70. II : unten ,j-^y>- Coli. Jaba.
Nach Jaba's Katalog von El-Hady. Alle andern Dinare des Jahres 170 von diesem Chalifen (T. 1094. Br.M. 135) haben unten den Namen At, während ,j^^ bis jetzt erst im Jahre 171 vorkam (Br. Mus. 142).
16.
M. Dirhem von Armin ij ja Jahr 177. II: oben jli^^-=aj Bekkär oder^,-aJ Nasr; unten ^\ ^y^y Coli. Jaba.
Der Name des Statthalters dürfte derselbe sein, der auf Dirhems von Adherbeidschan Jahr 169 (T. 1063 und 1064) jl^ oder ^,>-aJ gelesen wird. Das Jahr 177 ist durch kein anderes Stück aus dieser Provinz vertreten. Der Vatersname ist jedoch zweifelhaft.
14
Dr. Otto Blau:
17. M. Gr. 6, 5. Dirhem von M edinet - Zerendsch, Jahr 1 84 : a*^j 0**0 ^-^ ^* Ode SS. Mus. 78. In der Beschreibung; des nächst ähnliclien Dirhenis T. 1364 ist der Orthographie ^jj statt äjjI keine Er- wähnung gethan. Ringe : Ooo Ooo Ooo.
18. jR. Gr. 6. Dirhem von Medinet-es-Seläm, Jahr 198, deutlich C/^f^^ J^. II. oben: aÜI ^jj^ unten Cy:^'^\ darunter drei Punkte • • . Annuli : I. oo oo oo oo oo II. o o o o o Odess. Mus. «4.
Beachte nsvs^erth als drittes bekannt gewordenes Exemplar dieses historisch merkwürdigen Gepräges (Zapiski Odessk. Obsch. IX, 354), vgl. T. 1622. Die Anordnung der Anniili und der, wie mir scheint, vom Avers etwas verschiedene .Schnitt der SchriftzUge des Revers dienen vielleicht zur Lösung des Problems durch die Annahme, dass fUr I ein alter Stempel (T. 1666?) benutzt worden ist.
19. M. Gr. 6, 5. Dirhem geschl. in Serrmenraa, Jahr 226 iJ^^IjUj ^jJts-^ cXü il^ ^y^j^s^. II. oben:
aD, unten aÜL xs^al«ll Odess. Mus. 88. Das Jahr 226 ist überhaupt eines der am wenigsten vertretenen in allen bekannten Sammlungen. T lesen-
Nachlese orientalischer Münzen.
15
hausen 1863 und 1864 kennt nur M. aus Medinet-es- Selam und von einem problematischen Münzhof h\ aIjJu nach Tychsen (vielleicht eben unser c5^^„r-'^)- Poole hat dazu einen Dirhem von Merw (Br. Mus. 312) und einen Dinar von Medinet-es-Selam (303) gefügt. Ich habe daher unser StUck als rarissimus ineditus in Zap. Od. Ob. IX, 254 um so mehr hervorgehoben , als die älteren Jahr- gänge des später so fleissigen Münzhofes von Serrmenra von 224 ff. an noch Lücken aufweisen, die nur durch so zufällige Funde ergänzt werden zu können scheinen. Uebrigens ist unser Dirhem ein Geschenk des grossen Numismatikers General Bar tholomaei, der ihn im Caucasus erwarb.
20. M. Dirhem geschlagen in Aderbeidschan, Jahr 258; II. unten: ^^^ä. jedoch ohne folgendes p, welches in der Beschreibung Tornbergs. Num. Cuf. 382 bemerkt ist; sonst gleich T. 1990. Odess. Mus. 90.
Stammt ebenfalls von General Bartholomaei , und ist von mir besprochen Zap. Od. Ob. IX, 254.
21. .¥. Dinar geschlagen in M i s r , 5ahr 264. I. unten :
Aus meiner Sammlung in die des Herrn Hof- Secretärs Müller in Dresden übergegangen.
Weder bei T. noch Br. M. — Aehnliche aus den Jahren 260, 265, 278 sind T. 2028, Br. M. 353, 365, 366.
16
Dr. Otto Blau:
22. M. Dirhem geschlagen in Arminia, Jahr 269; I. unten: ^^^ä««?-., was Tiesenhausen in der Be- schreibung von 2052 nicht angibt. Odess. Mus. 92. Vgl. Zapisk. Od. Ob. IX, 254.
23. M. Gr. 7, 5. Gewicht 4-75 Gramm oder 51-7 Par. Gran ; gehört sonach zu den schwersten Dirhems, die wir überhaupt kennen.
I. All
aUI
Innere Randschrift : aLj Iju)1j >;jJI Ua ^^.^
Aeussere Handschrift, unleserliche Entstellung anscheinend eines Koranverses.
s = = J J^!
Randschrift: Kor. 42, 22: i\ \^\ Up XU i Ji Odess. Mus. 93.
Nachlese orientalischer MÜDzen.
17
Diese höchst merkwürdige Münze, von der noch kein zweites Exemplar bekannt ist, enthält für mich noch mehr als ein Räthsel. Die Legenden kehren in der gesammten numismatischen Literatur, soweit sie mir zugänglich, nicht zum zweiten Male wieder. In der äusseren Umschrift des Avers sind nur einzelne Buchstaben deutlich; der Koran- vers am Rande von II aber ist klar und 'bis auf >^jS^i
statt «-J^ correct, derselbe, dessen erste Hälfte bis ^^ bekanntlich auf den Dirhems des Abu-Muslim vorkommt (Sorot Elem. S. 58, 59). Die sinnige Bedeutung dieses Spruches: „Siehe, ich fordere von Euch keinen andern Lohn als Liebe zu den Nächsten: wer eine gute That vollbringt, dem werden wir es reich vergelten", und der ganze Habitus der Münze macht den Eindruck, dass wir es hier mit einer der Revolutionsmünzen zu thun haben, die in den politischen Wirren unter den Chalifen Mutadhid-billah entstanden; und zwar lehnt sich unser Stück im Schriftcharakter mehr an den sofffiridischen, als an den samanidischen Typus an. Wie aber der Name des Prägherrn zu lesen ist, und wer er war, vermag ich n'cht zu sagen. Er Hesse sich etwa zu jl5^ jud! jj <^\^\ El-Ghorab b. Es-Sejjid Bekar
(oder ^^^ ) verbinden; doch ist auch da der Conjectur viel Spielraum gelassen. Ebenso ist der Prägort IaaII problematisch. Das Jahr 285 habe ich neben manchen andern Möglichkeiten, die die barbarischen Züge zulassen, als die wahrscheinlich richtigste Lesung festgehalten, obwohl ^jaJx und ,yS^ am Ende verstümmelt sind. Wenig- stens stimmt die Datii'ung so zu dem Namen des Chalifen aÜI» jui*m — Bartholomaei , aus dessen caucasischer
18
Dt. Otto Blau:
Sammlung- das Stück stammt, hat auf der Enveloppe bemerkt: „Abbasidisch? Merkwürdig; zu näherer Prüfung fehlt es mir an Zeit."
24. ]R. Dirhem geschlagen zu Mosul, Jahr 315.
Coli. Jaba. Bei T. und Br. M. nicht vorhanden.
25.
A\. Dirhem geschlagen in Ha ran, Jahr 323.
Coli. Jaba.
Unedirt, sofern aus der Zeit des Chalifen el-Radhi-
billah dieser Prägort nur durch das Jahr 327 belegt ist
(T. 2432).
26. iE.. Gr. 5, 5.
I: :iUU • II: All
d. i. Rustem ihn Bereke in Tarsus. Coli. Jaba und Blau.
27-
Eä. Wie 26 in doppeltem Ringe :
I: "iUU II: aL
J^AÜ] = = = =
N. N. ibn Bereke in Massisa. Coli Jaba.
Nachlese orientalischer Münzen.
19
Die beiden Stücke 26 und 27 gehören sichtlich einer und derselben Dynastie cilicischer Fürsten oder Statt- halter an, die in Tarsus und Massissa (alt Mopsuestia) residirten. Dem Schriftcharakter nach gehören dieselben dem III. Jahrhundert der Hidschra an.
Der Hauptname auf 27 ist nach den Spuren sicher nicht Rustem; der Vatersname in beiden aS^ , vielleicht derselbe, der auf Mosuler Münzen (T. 2637 und 2638) erscheint. In der ausführlichen Chronik von Tarsus und Massisa bei Beladori (S. 164 — 173) bis auf den Chalifen ei-Mutassim herab (218 H.) kommen die Namen nicht vor. Aus dem IV. Jahrhundert kennen wir als Valy von Tarsus, um 319 den berühmten Helden Thuml Ji, dessen Kupferprägen Tornberg inZdmg. XI, 736 entzifferte; dann um 335 als Statthalter in jy^\, dem cilicischen Grenz- lande, denNasr-et-Thumli, aus derselben Familie, der 20 Jahre später (355) der Befehlshaber von Antiochien Tanog'et-Thumli angehörte (Z.D.M.G.XI, 183, 210); ferner um 350 als Befehlshaber von Tarsus den Ibn-al- Z aj jat (Z. D. M. G. a. a. 0. 198), und endlich haben wir auch die Gewissheit, dass in Massissa im Jahre 353 die Hamdaniden Silber münzten (Dorn Additamenta p. 259). Nach diesen Daten ist es am wahrscheinlichsten, dass unsere Kupfermünzen in die zweite Hälfte des III. Jahr- hunderts fallen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit er- wähnen, dass der Prägort el-Harunijjah in der Gegend von Tarsus und Massissa zu suchen ist, da der Ort auf dem Zug des Leo Phokas im Jahre 348 zerstört wurde. Ausser den Nachweisen bei Juynboll zu Mara§id III, 302 sehe man über das Jahr ihrer Gründung Beladori S. 171, und Z. D. M. G. XI, 187 Note 1.
20
Dl-. Otto Blau:
28. I^. Gr. 5. I: a1 J.^^ ^&j^_^ AÜl|il a11 ^ unten sechs- strahliger Stern ; innerer einfacher , äusserer geperlter Ring; dazwischen Annuli: o o o o o- Aeussere Randschrift abgebrochen , doch ist ungefähr in der Mitte der Legende der Schluss des Prägortes ä^^.^= ' ' (•^) (Muhammedia?) zu erkennen. — II: j^^si aDI Jj*üj ; Punkt im Cen- trum, darunter, wie mir scheint, ^j>s£ Jahja nicht ^ Aly); darüber ^^j, zusammen Jahja- Rust emi.
In meiner Sammlung,
Dorn Addit. p. 258 hat diese Münze dem Rustem b. Schirweih zutheilen wollen. Ich meine jedoch, dass der sich nicht Rüste mi, was einen Nachkommen Rustems bezeichnet, nennen konnte. Vielleicht ist T. 1169, wo mit dem Prägort Muhammedijja die Eigennamen Jahja- Behlul vorkommen, zur Vergleich uug geeignet.
29.
Ä. Buweihidischer Dirhem geschlagen zu Sind- schar, Jahr 346. I : AiyJl Jj II : aI^jjJI juiac
Coli. Jaba (2 Exx.)
Der Ortsname sieht auf dem einen Exemplar so aus: jLfLu 7 anf dem anderen las Jaba iscC j^. Ich halte Sindschar für das richtigere, zumal diese Stadt jetzt (Br. Mus. 434 ff.) für die Jahre 319—321 H. als Münz- stätte nachgewiesen ist. Unedirt.
Nachlese orientalischer Münzen.
21
30. .R. Desgleichen geschlagen zu Ramhormuz, Jahr 349. I: wie Nr. 29. II: aI^jJIJ:«* h^ ü^^ y}- Coli. Jaba.
Sehr meriiwUrdig wegen des seltenen Prägortes, der seit dem Jahre 134 H. nicht mehr vorzukommen schien.
Odessa, October 1875.
22
Joseph V. Kolb : Die Antoniniaue
II.
Die Antoniniane des Kaisers M.Aemil.Aemilianus.
(Hierzu Tafel I.)
Von Joseph von X£olb.
Aemilianus obscurissime natus , obscurius imperavit, ac tertio mense extinctus est.
Eutropius Lib. IX.
Diese überaus kiiize Notiz des Epitomator wird durch andere Quellen i) wohl etwas erweitert, jedoch ist durch die Lücke der Historia augusta, welche von Philipp bis Aemilianus reicht, diese Periode in ein vielleicht niemals ganz aufzuhellendes Dunkel gehüllt.
Am ausführlichsten behandelt noch Zosimus I. 28 die Regierungsdauer des Aemilian.
Die kurze Herrscherzeit von wenigen Monaten bedingt nothwendigerweise wohl ein selteneres Vorkommen der Münzen dieses Kaisers, obgleich nicht in dem Masse als ältere Sammler glauben mochten 2).
1) Aurel. Victor cap. XXXI ; Zosimus Lib. 1, cap. 28.
8) L. Patarol, Series Augustorum Venetiis MDCCXXII et Brevis Notitia Numismatum Imperialium p, 218. „^myliani omnes rarissimi." Job. Seivert. Die Münzen des röm.-kaiserUcben Hauses, Wien 1765, p. 9. Alle Münzen desselben (Aemilianus) sind von grosser Seltenheit.
des Kaisers Aeniiliauus.
23
Die Antoniniane des Aemilianus lassen sich nach Styl «nd Umschrift der Kopfseite in zwei Classen scheiden.
Was den Styl der Münzen der späteren Kaiserzeit anbelangt, so ist es wohl am Platze, einer irrigen Ansieht, die in neuester Zeit aufgetaucht ist, entgegen zu treten t).
Welchem Sammler, geschweige denn Mlinzforscher oder Specialisten, ist nicht die eigenthümliche Art des Oepräges der Münzen des Postumus, ihre Aehnlichkeit mit allen in Gallien geprägten Münzen aufgefallen, z. B. mit denen des Aurelianus Rs. PACATOR ORBIS; denen des Tacitus Rs. TEMPORVIVI FELICITAS und jenen des Oarinus Rs. SALVS AV66 Abschnittt LVG-
Ebenso bekannt ist die zu Verwechslungen leicht Gelegenheit bietende Aehnlichkeit zwischen den aus der italienischen Officin hervorgegangenen Münzen des Clau- dius II. und jenen der ersten Periode (vor der Reform) des Aurelianus. Ein in Kyzikus erzeugter Antoninian des Florian z. B. hat im Porträt und Charakter der Schrift mit denAntoninianen desselben Kaisers aus anderen Officinen nicht die geringste Aehnlichkeit, jedoch sehr viel Aehnliches mit denen des Tacitus und Probus derselben Prägestätte. Es gibt jedoch auch Münzen des Tacitus , Florianus und Probus ohne jedwedes Beizeichen, aber der Styl weist deutlicher als jede Aufschrift auf den betreffenden Erzeu- gungsort.
Dieses Zutheilen nach dem Styl wird nur durch grosse Uebung möglich, und die letztere erlangt man eben nur
1) P. Brock, Numismatiske ündersÄ-gelser betraeffende den »euere romerske Keisertid. p. 20. „Stilen niaa nemlig, naar den ikke «r ligefrem barbarisk eller barbariserende , i Keglen benyttes med nogen Varsomhed ved üuders^gelser om de senere rom. Keiser- luanters Prsegsteder.
24
Joseph T. Kolb : Die Antoniiiiane
durch grosses vorliegendes Material, sei es nun in Original oder guten Copien i).
Wie schon bemerkt sind die Antoniniane des Aemilian in zwei Classen zu theilen.
Zur ersteren jene mit den Umschriften:
IMP CAES AEMILIANVS P F AVG und
IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG
Zur zweiten Classe die sehr seltene Legende IMP M AEMIL AEMILIANVS P F AVG
Die Münzen mit den beiden ersten Umschriften sind aus einer Prägestätte hervorgegangen, sind von gleichem Style und die Stempel der Rückseiten wiederholen sich ; doch gehören dieselben zwei verschiedenen Emissionen an, und zwar ist j ene mit „PIVS FEL" die spätere.
Die Umschriften und Vorstellungen der Rückseiten jener Antoniniane, die auf der Kopfseite die Umschrift
' I Verfasser dieses sammelt, mm seit mehr denn sechs Jahren Münzen der Kaiser Tacitus und Florianus und besitzt dermalen von «rstcrem 2070, von letztcrem 502 Stücke.
des Kaisers Acmilianus.
25
IMP CAES AEMILIANVS P F AVG tragen, erscheinen sämmtlich wieder mit der Kopfseiten - Umsclirift IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG, während dies umgekehrt keineswegs der Fall ist, indem bei dieser Umschrift der Kopfseite sechs andere Umschriften und Vorstellungen der Rückseiten bis nun bekannt sind; unter diesen ist besonders zu bemerken jene mit VOTIS DECENNA- LIBVS.
Dies ist aus nachstehender Zusammenstellung er- sichtlich. IMP CAES AEMILIANVS IMP AEMILIANVS PIVS
P F AVG FEL AVG
APOL CONSERVAT APOL CONSERVAT
APOLL CONSERVAT
APOLL SALVTARI DIANAE VICTRI DIANAE VICTRI ERCVL VICTORI ERCVL VICTORI lOVI CONSERVAT lOVI CONSERVAT MARTI PACIF MARTI PACIF
MARTI PROPVGT
PACI AVG P M TR P I PP P M TR P I P P
ROMAE AETERN SPES PVBLICA SPES PVBLICA
VICTORIA AVG VICTORIA AVG
VIRTVS AVG VIRTVS AVG
VOTIS DECENNALIBVS Von diesen Umschriften finden sich bei früheren Kaisern sammt den Vorstellungen, welche auf den Antoni- nianen des Aemilian vorhanden sind, folgende:
APOLL SALVTARI bei Treb. Gallus und Volusianus. SPES PVBLICA sowie
26
Joseph V. Kolb: Die Antoniiiian
VICTORIA AVG bei mehreren Kaisern.
VOTIS DECENNALIBVS bei Sept. Severus und Maximinus^ vonBalbinus undriipieniis an ununterbrochen.
Mit veränderten Vorstellungen:
10 VI CONSERVAT bei Domitianus, Hadrianus und dem jüngeren Philipp.
PACI AVG bei Luc. Verus.
VIRTVS AVG bei den meisten.
Alle übrigen Umschriften erscheinen zum ersten Male auf den Antoninianen des Aemilianus.
Besonders zu bemerken ist die ungewöhnliche Um- schritt P Nl TR P I P P; hiezu wären als analoge Fälle zu betrachten COS 1 bei Sept. Severus i) und IMP I von demselben Kaiser 8).
Die zweite Classe der Antoniniane des Aemilian kenntlich durch die Umschrift der Kopfseite : IM P M A EMIL AEMILIANVS P F AVG ist von der vorher be- sprochenen Classe durch ihren verhältnissniässig schlech- teren Styl gänzlich verschieden, und zweifellos das Werk einer Provinzial-Münzstätte; die Annahme, als wäre diese Classe im Feldlager zum Bedarf des Heeres ausgebracht, ist der grossen Seltenheit der Exemplare wegen , unhalt- bar, da bis jetzt nur drei bekannt sind und jedes zur Zeit noch als Unicat gilt.
1) Cohen Nr. 145, 211, 407, 424 sämmtlich aus dem kaiserlichen Cabinet zu Wien.
Cohen Nr. 431 ohne Angabe der Quelle. VII. 7. nach dem Pariser Cabinet.
2) Cohen Nr. 88. Wiczay, Nr. 15Ö0.
Nr. 135, nach dem Pariser Cabinet.
Nr. 178, dänisches Cabinet Ramus Nr. 0.
Nr. 207, ohne Angabe der Quelle.
des Kaisers AemlUanus.
27
Ausserdem ist noch zu bemerken, dass diese drei Münzen die einzigen des Reichscourants sind, auf welchen der vollständige Name (M AEMIL AEMILIANVS) erscheint.
Die Antoniiiiane des Aemilianus.
APOL CONSERVAT Appollon nackt von vorne,
das bekränzte Haupt rechts wendend; in der
Rechten einen Zweig gesenkt haltend, mit der
Linken die Lyra auf den Felsen aufstützend i).
Taf. L 1.
1. INIP CAES AEMILIANVS P F AV6 Brust- bild des Aemilianus von rechts, mit Strahlen- krone und Paludamentum.
Cohen 3, nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
2. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG «). Brust- bild von rechts mit Strahlenkrone und Paluda- mentum.
Kaiserliches Cabinet Wien; Cohen 2 nachdem Pariser Cabinet; Kolb.
1) Mioimet führt diese Münze irrig mit APOLLO CON- SERVAT an-, die Nachahmung Becker's hat nach Steinbüchel irrig APOLLO- CONSERVAT-, nach Pinder richtig gelesen APOLL CONSERVAT; Wellenheim Nr. 13205 scheint entweder irrig gelesen oder ein Becker'sches Falsum gewesen zu sein.
*) Im Numophylacium Sulzerianum werden zwei Stücke (Nr. 3131 und 3132) mit „IMP AEMILIANVS PIVS F AVG" beschrieben. Weitere irrige Lesearten , wie APOLL CONSER- VAT Cat. Sabatier Nr. 2825 (Apollon debout, lögende inedite) und APOLLO CONSERVAT Auctionscatalog der Sammlung Koch, Nr. 2724.
28
Joseph V. Kolb : Die Antoniniane
APOLL CONSERVAT Apollon das Haupt bekränzt, auf einem Sessel sitzend, von links, das Himation um die Ftisse geschlagen, mit der Rechten einen Zweig aufrecht haltend, die Linke auf die Lehne des Sessels stutzend. Taf. l. 2.
3. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild von rechts, mit Strahlenkrone undPaludamentum.
Kolb.
APOLL SALVTARI Apollon nackt, von vorne das bekränzte Haupt rechts wendend, in der Rechten einen Zweig gesenkt haltend, mit der Linken die Lyra auf den Felsen stützend. Taf. L 3.
4. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild von rechts mit Strahlenkrone undPaludamentum.
Kolb 1).
1) Diese Münze wurde von dem früheren Besitzer Dr. C. L. Grotefend beschrieben und abgebildet, leider ist letzteres in höchst unvollständiger Weise geschehen. Nach dem im Jahre 1874 erfolgten Ableben des Dr. C. L. Grotefend kam dieses Stück in die Samm- lung des Verfassers. Cohen bemerkt gelegentlich der Darstellung des „Apollo salutaris" auf Münzen des Treb. Gallus, Volusianus und Valerianus, dieselbe habe Bezug auf die Pest, welche während der Regierung des Gallus ausbrach.
Hier wäre einzuschalten Cohen 4 nach dem Pariser Cabinet.
des Kaüers Aemiüanu$.
29
DIANAE VICTRI Diana im geschürzten Chiton stehend, von links, die Füsse mit Jagdstiefeln
CONCORDIA AVG6 Zwei verschlungene Hände.
IMP CAE AEMILIANVS PIVS F AVG Brustbild
von reclits mit Strahlenkrone und Paludamentum. Cohen 4 nach dem Pariser Cabinet.
Der Gefälligkeit Mr. Kollin's verdanke ich einen Abdruck dieser seltsamen Münze.
Ohne im Geringsten ein Vorurtheil gegen die Echtheit dieser Münze zu haben, obwohl die Umschrift beider Seiten abnorm, berechtigt die Ansicht des Abdruckes zu gerechten Zweifeln.
Wie die Schrift durchwegs von dem Charakter jener auf den Münzen des Aemilianus verschieden ist, so zeigt auch das Brustbild keine Aehnlichkeit mit den Zügen dieses Kaisers.
Banduri erklärt das Wort A V G G als auf Kaiser und Kaiserin bezüglich.
Zu verzeichnen sind noch folgende irrige Lesarten :
CONCORDIA AVGG
IMP CAES AEMILiANVS PIVS FEL AVG,
Banduri nach Mediobarbo , welcher wieder Vaillant irrig citirt. Tom. IL f. 160.
CONCORDIA AVGG
IMP.CAES.AEMILIANVS.P.F.AVG.
So bei Vaillant Nuui. Imp. Rom. Tom. II, p. 160 be- schrieben.
CONCORDIA AVG
IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVGG
So bei Vaillant Num. Imp. Korn. Tom. II, p. 160 abgebildet.
0\J Jnspph V. Kolb : Die Antoniniane
bekleidet ; sie hält in der Rechten den Pfeil , in der Linken den Bogen i). Taf. I. 4.
5. IMP CAES AEMILIANVS PF AV6 Brustbild von rechts mit Strahlenkrone undPaludamentum.
Museo Borbonico (nazionale) in Neapel. Oberstlieutenant Turnau v. Dobczyc. Kolb.
6. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild von rechts mit Strahlenkrone undPaludamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 6, nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
ERCVL VICTORM) Hercules nackt, stehend von rechts, mit der Rechten die Keule aufstützend.
1) Nachstehende irrige Lesarten mögen in der mangelhaften Erhaltung der vorgelegenen Münzen ihren Ursprung haben.
DIANAE VICTR Cat. Gabelenz Nr. 1143 ;
DIANAE VICTRICI Banduri (nach Le Roy); Mionnet;
Cat. deMestreNr. 607; DIANA VICTR und
DIANA VICTRI Banduri (nach Mediobarbo) ; DIANA VICTRIX Banduri (Farnese); Numophyl. Sulze- rianum Nr. 3133.
2) Irrige Lesarten :
ERCVLI VICTORI Banduri (nach Fontaine).
Mionnet. Mus. Münterianum Nr.6838.
Cat. de St. Croix Esq. Nr. 384.
Cat. Sedlmaier Nr, 3101. HERCVL VICTOR Cat.duCtePourtales-GorgierNr.486 HERCVL VICTORI Banduri (nach Mag. Etruriae Duc.
und Mediobarbo). Wiczay Nr. 2563.
des Kaisers Aemilianus-
31
in der Linken den Bogen, vom linken Arme hängt die Löwenhaut herab, mit deutlich sicht- barem Löwenkopfe. Taf. L 5.
7. IMP CAES AEMILIANVS P F AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Stvahlenkrone und Paludamentum.
Kaiserliches CabinetWien; Cohen 9 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
8. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Kaiserliches CabinetWien. Cohen 8 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
lOVI CONSERVAT Jupiter stehend, von vorne gesehen das Haupt gegen die Rechte wendend, in letzterer den Blitz, mit der Linken das Hcepter aufstutzend, um die Schultern die Chlamys; rechts zu Füssen der Kaiser verjüngt stehend, von vorne mit dem Paludamentum bekleidet, die Rechte ausstreckend i). Taf. I. ß.
Lavy Nr. 3755. Cat. Bentinck Tom. II, p. 895. HERCVLI VICTOR Cat. F. B. Parot Nr. 10G4. HERCVLI VICTORI Banduri (Brandenburg).
Beger Thesaur. Brandenburg. T. II,
p. 738 dort abgebildet. Cat. Perrier Nr. 629. Cat. de Mestre Nr. 607. 1) Die wirklich ausgezeichnete Beschreibung bei Banduri ver- dient hier bemerkt zu werden : Jupiter nudus cum pallio ex humeris
32
Joseph V. Kolb : Die Antoniuiane
9. IMP CAES AEMILIANVS P F AVG 0 Brust- bild von rechts , mit Strahlenkrone und Paluda- mentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 10 nach dem Pariser Cabinet ; Kolb.
10. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild von rechts mit Strahlenkrone undPaludamentum.
Cohen 11 nach dem Pariser Cabinet ; Kolb.
MARTI PACIF^) Mars pacifer von links schreitend mit Helm, Panzer und Caligae, in der Kechten einen Zweig aufrecht haltend, mit der Linken Schild und Scepter tragend s). Taf. T. 7.
11. IMP CAES AEMILIANVS P F AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone nnd Paludamentum.
pendente, vultu dextrorsum converso stans, fulmen tenet dextra, hastae vero purae adnititur sinistra : a dextris Aemilianus typo longe minori togatus, vultu dextrorsum converso stans, dextra extensa, sinistra toga involuta, ut videtur.
Mionnet führt neben dieser Vorstellung noch folgende leider ohne Angabe der Quelle an „Jupiter presentant un globe ä l'em- pereur." Cohen gibt als Nr. 12 diese Münze ohne Angabe des Avers mit Berufung auf Mionnet.
Als irrige Lesart ist noch zu verzeichnen lOVI CONSER- VATORI bei Banduri (nach de Vulois).
1) Mus. Lefroyanum p. 142 irrig : IMP CAES AEMILIA- NVS PIVS FEL AVG.
8) Mediobarbo und nach demselben Banduri führen die irrige Umschrift „MARTI PACIFERO"an.
') Es ist hier deutlich ein Scepter, dasselbe beweist der am oberen EndO' sichtbare Knopf, wahrscheinlich zum Unterschiede des Mara pacifer vom Mars propugnator.
des Kaisers AemilianuB.
33
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 15 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
12. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 14 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
MARTI PROPVGT i) Mars stehend, von vorne ge- sehen, das behelmte Haupt nach rechts wendend, mit Panzer, Kriegsmantel und Caligae , stützt die Eechte auf den Schild und die Linke auf den mit der Spitze nach abwärts gekehrten Speer. Taf. I. 8.
13. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG ^ Brust- bild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 16 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
1) Die Abkürzung- „PROPVGn aTori" hat zu folgenden irrigen Lesearten Anlass gegeben :
MARTI PROPVG Mediobarbo und nach demselben Banduri. MARTI PROPVGN Cat. Gabelenz Nr. 1140; Lavy Nr. 3757. MARTI PROPVGNAT Mionnet.
M A T R I (sie) PROPVGNAT Cat. numism. Musei Lefroy- ani p. 142.
MARTI PR0PV6NAT0RI Mediobarbo und nach dem- selben Banduri.
2) Banduri führt eine Münze an mit „IMP C A E S AEMI- LIANVS P F AVG" nach Begers Thes. Brandenburg. Da jedoch Laur. Beger in seinen Thes. Brand,enburg. Tora. II, p. 738
3
34
Jooeph V. Kolb: Uie Antoniniane
PACI AV6 Stehende Fax von vorne, das Haupt gegen die Rechte wendend , im Chiton und Mantel i), die Beine verschränkt, in der Rechten einen Zweig 2) , mit der Linken , in welcher sie das Scepter schräg hält, auf eine Säule stutzend. Taf. I. 9.
14. IMP AENIILIANVS PIVS FEL AVG ») Brust bild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentura.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 17 nach dem Pariser Cabinet ; Kolb.
PAXS AVG*) Eilende Fax von links im Doppel- chiton, mit der Rechten einen Zweig aufrecht tragend, mit der Linken das Scepter schräg haltend.
15. IMP M AEMIL AEMILIANVS P F AVG Brust- bild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Faludamentum.
Cohen 1 8 nach dem Pariser Cabinet.
nur eine mit „MARTI PACIF* und nicht „PROPVGT" erwähnt , scheint das Citat Banduris auf einer Verwechslung zu beruhen. Museum Lefroyanum p. 142 irrig :IMP CAES AEMI- LIANVS PIVS FEL AVG.
1) Zu vergleichen Th. Hope Costume of the Ancients I. 91 und Real Museo Borbonico Tom. III, tav. VI.
8) Die Stellung des Zweiges ist verschieden auf manchen Exemplaren wagrecht, auf manchen gesenkt.
3) Banduri (nach Mediobarbo) ohne nähere Beschreibung: IMP CAES AEMILIANVS P F AVG.
*) Mediobarbo und Mionnet lasen irrig: „PAX AVG".
des Kaisers Aemilianus.
35
P M TR P I P P Der Kaiser stehend, von vorne, das bekränzte Haupt zur Rechten wendend, im Panzer und Paludamentum mit Caligae; mit der Rechten eine Schale über einen flammenden Altar haltend, in der Linken das Scepter, über den linken Arm hängt das Ende des Paluda- mentum herab, rechts vom Altare ein Feldzeichen (getheilt durch die vom Kaiser in der ausge- streckten Rechten gehaltene Schale). Taf I. 10.
16. IMP CAES AEMILIANVS P F AV6 Brustbild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Cohen 20 nach dem Pariser Cabinet ; Kolb.
17. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 19 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
P M TR P I P P Der Kaiser stehend, von vorne, das bekränzte Haupt zur Rechten wendend, im Panzer und Paludamentum mit Caligae, mit der Rechten eine Schale über einen flammenden Altar haltend, in der Linken das Scepter, tiber dem linken Arme hängt das Ende des Paluda- mentums herab, zwischen dem Kaiser und dem Altare ist ein Feldzeichen sichtbar. Taf. LH.
3*
ob Joseph V. Kolb : Die Antoniniane
18. IMP CAES AENIILIANVS P F AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkroiie und Paludamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen ad 20 nach dem Pariser Cabinet ; Kolb.
19. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Kolb.
P M TR P I P P t)er Kaiser stehend, von vorne^ das bekränzte Haupt zur Rechten wendend, im Panzer und Paludamentum mit Caligae; in der Rechten eine Schale, in der Linken den Speer, über dem linken Arm hängt das Ende des Palu- damentum herab ; rechts ein Feldzeichen (ge- theilt durch die vom Kaiser mit der ausgestreck- ten Rechten gehaltenen Schale). Taf. I. 12.
20. IMP CAES AEMILIANVS P F AVG Brustbild des Kaisers von rechts , mit Strahlenkrone und Paludamentum,
Cohen 21 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
PMTRPIPPC Der Kaiser stehend , von vorne, das (bekränzte?) Haupt zur Rechten wendend, im Panzer und Paludamentum mit Caligae; mit der Rechten eine Schale über einen flammenden Altar haltend , in der Linken das Scepter, über dem linken Arme hängt das Ende des Paluda-
des Kaisers Acmllianus.
37
nientum herab, zwischen dem Kaiser und dem Altare ist ein Feldzeichen sichtbar. Tat. I. 33.
21. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Straiilenkrone und Paludamentum.
Beschrieben und abgebildet in den ,,Publica- tions de la section historiqne de I'institut du Grand-Duch6 de Luxerabourg" durch Dr. Elber- ling „ die wichtigsten Münzen meiner Sammlung" V. Planche X.
ROMAE AETERN *) Roma stehend, von vorne, im Doppelehiton, das behelmte Haupt zur Rechten Avendend, in der ausgestreckten Rechten die Kugel mit dem Phönix 2)^ mit der Linken das Scepter schräg haltend und auf den Schild stützend s). Taf. I. 14.
22. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG*) Brust-
bild von rechts , mit Strahlenkrone und Paluda- mentum.
1) Irrige Lesarten:
ROMAE AETERNAE Mediobarbo; Ennery Nr. 1825; Wiczay Nr. 25G7; Cat. Fiere Nr. 1012.
2) Bei L. Beger Thes. Brandenburg. Tcnn. IL Nr. 738 hält die Roma statt des Phönix eine Nike.
3) A. Senckler, Darstellungen der Roma auf Münzen, p. 75. Dr. Friedrich Kenner , die Roma-Typen in den Sitzungsb. der kaia. Akad. d. W. XXIV. Bd., zweites Heft, p. 289.
*) Banduri (nach Mag. Etr. Duc) führt eine Münze an mit: IMP CAES AEMILIANVS P F AVG.
38
Joseph V. Kolb: Die Antonininne
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 22 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
SP ES PVBLICA 0 ^P^s bekränzt, im Doppelchiton linksbin schreitend 2), in der Rechten die Granat- blttthe 3), mit der Linken Gewandfalten haltend. Taf. I. 15.
23. INIP CAES AEMILIANVS P F AVG Brustbild von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Cohen 25 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
24. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 24 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
VICTORIA AVG Victoria im Doppelchiton , linkshin schreitend, hält in der vorgestreckten Rechten einen Kranz, mit der Linken einen Palmenzweig. Taf. L 16.
25. IMP CAES AEMILIANVS P F AVG Brustbild von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Cohen 27 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
1) Zu erwähnen ist hier die von Cohen (Nr. 23) angezweifelte Münze mit: SALVS AVG. Sie stammt aus der Sammlung Tie- polo p. 257, beschrieben in Arneths Synopsis (p.l62), ist eine echte antike Münze, jedoch nicht des Aemilianus, sondern des Valerianus, wie schon ein flüchtiger Blick auf den Kopf des Kaisers zeigt, die Umschrift ist I M P Valerl A N VS P AVG.
2) Die Spes auf den Münzen Acmilians schreitet immer mit dem linken Fnsse aus.
3) V. Steinbüchel, Abriss der Alterthumskunde p. 279.
des Kaisers Aemllianus.
39
26. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild von rechts, mit Strahlenkrone undPaludamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 26 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
VICTORIA AVG Nemesis geflügelt, stehend, von vorne, das Haupt gegen die Rechte gewendet, mit der sie eine Waage hält, in der Linken die Geissei; zu ihren FUssen vor ihr das unver- rUckt rollende i) Rad 2). Taf. I. 17.
27. IMP M AEMIL AEMILIANVS P F AVG Brust- bild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Kolb.
VIRTVS AVG Hercules nackt, von vorne, das Haupt zur Linken geneigt, die Rechte auf der Hüfte ruhend, mit der Linken die Keule auf einen Felsen aufstützend, um den linken Arm Spuren der Löwenhaut 3) . Taf. L 18.
') Dr. Fr. Kenner : Phrygische Münzen, Hierapolis. Numismat. Zeitschrift Bd. IV, p. 238.
Die Attribute „Waage, Geissei und Rad" sonst noch auf Münzen von Deultum, Nicomedia Bithyniae und Serdica. Fröhlich quat. Tent. p. 450.
2) Sed Dea, quae nimiis obstat Rhamnusia votis Ingemuit flexitque rotam ;
Cl. Claudianus, de bello Getico v. 632.
3) J. Winkelmanns Geschichte der Kunst des Alterthums Bd. II, p. 744 der farnesische Hercules und Museo diNapoUNr. 1504
40
Joseph V. Kolb : Die Autoniniane
28. IMP M AEMIL AENIILIANVS PFAVGBrust- bild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentiim.
Dr. Elberling.
VIRTVS AVG Mars pacifer i) stehend, von vorne, das behelmte Haupt rechtshin gewendet , mit Panzer, Kriegsmantel und Caligae; in der er- hobenen Rechten einen Zvy^eig aufrecht haltend, mit der Linken einen Scepter stützend, mit dem rechten Fusse auf einem Helm stehend.
Taf. I. 19.
29. IMP CAES AEMILIANVS P F AVG Brustbild von rechts, mit Strahlenkrone undPalndamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 30 nach dem Pariser Cabinet ; Kolb.
30. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Kaiserliches Cabinet Wien. Cohen 29 nach dem Pariser Cabinet; Kolb.
VIRTVS AVGG Mars stehend, von vorne, das behelmte Haupt nach rechts wendend, mit Panzer, Kriegs- mantel und Caligae, stützt die Rechte auf den
Ercole farnese. Diese Münze wurde von ihrem früheren Besitzer Dr. Elberling in Luxemburg in den Publications de la soci6t6 historique du Grand Duchc veröffentlicht, jedoch leider ungenau beschrieben.
1) Orelli inscr. 1353.
de« Kaiser« Aeniilianus. 1 rt
Schild und die Linke auf den mit der Spitze nach abwärts gekehrten Speer <). Taf. I. 20.
31. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG Brustbild des Kaisers von rechts, mit Strahlenkrone und Paludamentum.
Trau.
VOTIS DECENNA LIBVS In drei Zeilen getheilt, innerhalb eines Kranzes.
Taf. I. 21.
32. IMP AEMILIANVS PIVS FEL AVG 2) Brust- bild von rechts, mit Straklenkrone und Paluda- mentum.
Cohen 31 nach dem Londoner Cabinet; Kolb.
1) Die Rückseite dieser Münze gehört offenbar einem früheren Kaiser an.
Michael Gottlieb Agnethler beschreibt aus dem Schulzischen Münzcabinet eine Münze des Aemilianus (Nr. 1191) mit gleicher Umschrift, jedoch folgender Vorstellung:
Eine gehelmte Heldin stehet rechtwerts , mit erhabener Rechten hält sie einen grünen Zweig empor, und stützet ihre Linke an eine mit der Spitze unterwerts gekerte Lanze.
2) Banduri (nach Fouconerie) erwähnt eine Münze mit: I MP CAES AEMILIANVS P F AVG.
42
Joseph V. Kclb : Die Antoniniane des Kaisers Aemilianus.
UebersicM.
APOL CONSERVAT (1, 2) Hs. A, B. APOLL CONSERVAT (3) Hs. B.
APOLL SALVTARI (4) Hs. B.
DIANAE VICTRI (5, 6) Hs. A, B.
ERCVL VICTORI (7, 8) Hs. A, B.
lOVI CONSERVAT (9, 10) Hs. A, B.
MARTI PACIF (11, 12) Hs. A. B.
MARTI PR0PV6T (13) Hs. B.
PACI AVG (14) Hs. B.
PAXS AVG (15) Hs. C.
P M TR P I P P (16, 17) Hs. A, B.
P M TR P I P P (18, 19) Hs. A, B.
P M TR P I P P (20) Hs. A.
P M TR P I P P C (21) Hs. B.
ROMAE AETERN (22) Hs. B.
SP ES PVBLICA (23, 24)H8. A, B.
VICTORIA AVG (25, 26) Hs. A, B.
VICTORIA AVG (27) Hs. C
VIRTVS AVG (28) Hs. C
VIRTVS AVG (29, 30) Hs. A, B.
VIRTVS AVGG (31) Hs. B. VOTIS DECENNALIBVS (32) Hs. B.
43
III.
Ueber den bilinguen spanisch-arabischen Solidus im jenaischen Cabinet.
Von 23r. O. Stickel.
In seinen kritischen Beiträgen zur lateinisch-arabi- schen Numismatik hat Herr Dr. Karabacek (II. B. S. 470 if. dieser Ztschr.) auch einen bilinguen spanisch-arabischen Solidus in Untersuchung genommen, welchen das hiesige Cabinet als ein Unicum bewahrt und der einen geschicht- lichen Anachronismus zu enthalten schien. Denn während die Araber erst im Jahre 92 der Hedschra Spanien eroberten , soll diese Münze laut der arabischen Umschrift schon im Jahre 90 der Hedschra in Spanien geprägt sein. Ich las die Legende : Geprägt wurde dieser Dinar in al- Andiqaru im Jahre 90. (Vgl. mein Handb. z. morgl. Münz- kunde II, S. 73) und bemühte mich, durch die niercantilen Verhältnisse des christlichen Spaniens zu dem von den Arabern unterworfenen nördlichen Africa den Widerspruch einer solchen Datirung gegen die politische Geschichte einigermassen begreiflich zu machen.
44
Dr. G. Stlckel: Lieber den liilingnen spanisch-
VoUständig befriedigend war mir eine solche Lösung keineswegs; ein sicherer Ausweg blieb mir immer er- wünscht. Auch die Lesung des Ortsnamens galt mir nur als ein Nothbehelf in Ermanglung eines Bessern, nach einer Lautähnlichkeit vorgeschlagen, Dass ein Ortsname an dieser Stelle aber wirklich geboten sei, kann nach Analogie anderer Münzen gar nicht anders gedacht werden, und zwar entweder Spaniens selbst oder wenigstens in Spanien. Sowohl das 2 P A N in der lateinischen Umschrift, wie das al-Andalus auf den entsprechenden Walis Hessen ^jJil erwarten ; auch stimmen die ersten Elemente der arabischen Legende genau mit dem jJil, aber eben so gewiss lassen sich die folgenden, welche ich^jU» wieder- gab, nicht mit dem Schluss von al-Andalus in Einklang bringen. Ein Blick auf die meinem Handbuche beigegebene Abbildung (Band II, Taf. Nr. 40) wird dies darthun.
Als mir von Petersburg aus durch Hrn. v. Tiesenhausen die Ansicht mitgetheilt wurde, es möge statt des vollen Stadtnamens al-Andalus nur eine Abkürzung jJil, dann das Numerale ^ü^ geboten sein, das der Stempelschneider
vor statt nach Äl*- gesetzt habe, trug ich Bedenken, mich dem anzuschliessen, weil mir keine Analogie für zwei solche Anomalien bekannt war, habe aber nachmals auf eine Mittheilung des Herrn Pascual de Gayangos, Pro- fessors der orientalischen Literatur an der Universität Madrid, welcher auf arabischen Münzen vor dem Jahre 100 in seiner reichen Sammlung dieselbe Abkürzung Jo% statt j^jj^lj wahrgenommen zu haben versichert, mein Bedenken aufgegeben. Durch ein al-Andalus und Jahr 98 ist zugleich die chronologische wie geographische
arabischen Solldus im jenaitclien Cabinet. 40
Schwierigkeit gehoben. In der deutsch- morgenl. Zeitsch r XXIV, S. 632 f. wurde diese Berichtigung von mir ver- • öffentlich t.
Herr Dr. Karabacek hat a. a. 0. mit gutem Recht jenes von mir vorgeschlagene Andiqaru, wie ich es selbst in meiner Berichtigung aufgegeben habe , abgelehnt; wo- gegen aber seine eigene Lesung Ot**-^" ^ ^J^-^^^ ebenfalls unzulässig ist. Es sei hiebei kein Gewicht auf seine Annahme eines ^ gelegt, obwohl die Bemerkung al-Maqqaris, worauf verwiesen wird, dass j^Jjo^lbei den j^ den Namen ^^^\ führe, keine genügende Recht- fertigung sein möchte, wozu ausserdem noch -eine Ver- wechslung des ^ mit J statuirt werden muss ; aber ein Blick auf die Abbildung, meinen wir, müsste vor jener Annahme bewahren. Das Original, dem auch die treueste Nachbildung nicht ganz gleich kommt, widerstrebt ihr noch mehr durch die injFrage stehenden Buchstabe nzüge . Wir beginnen mit dem letzten. Dieser kann kein i dar- stellen, sondern ist ein völlig deutliches j. Wer daran
zweifeln könnte, braucht nur auf das ^ in J^-y zu sehen, um isich von der völligen Identität zu überzeugen. Wenn Herr Dr. Karabacek für sein gefordertes i bemerkt, aur gleichzeitigen Münzen fehle die zu li^ gehörige Präposi- tion j fast niemals, so ist das unrichtig, wenigstens in Beziehung auf die Münzen aus al-Andalus. Diese unter- scheiden sich vielmehr gerade durch das, Fehlen jener Präposition von den in den Ostländern geprägten. Mir liegen ausgezeichnet schöne Tafeln über spanisch- arabi- sche Münzen von Herrn Delgado vor; auf der^ ersten sind zwei verschiedene bilingue Wali aus dem Jahre 98
46
Dr. G. Stickel: Uebei den bilinguen spanisch-
abgebildet, die beide die Legende ot**-^ ^^ *^ ^^^jJ^Ij also ohne i, tragen. Auch von den übrigen, auf derselben Tnfel enthaltenen 13, vom Jahre 102 — 175 herabreiehen- den Münzen derselben Prägstätte in Gold, Silber und Kupfer hat keine , so weit sie eine Jalirzahl enthalten, — es sind deren acht — die Präposition , sondern den blossen Aceusativ. Diese Wahrnehmung konnte Herr Dr. Karabacek nicht machen, weil jene Tafeln meines Wissens noch nicht veröflFentlicht sind. Aber auch unter den Prägen Andalusiens, welche von Frähn, Marsden, Castiglioni, Delgado (Cabinet de Garcia de la Torre), Soret publicirt sind, erinnere ich mich nicht eine gefunden zu haben, die das i enthielte. Sonach kann man schon dieses einen Umstandes willen , weil etwas dieser Münzsorte Fremd- artiges hereingetragen würde, jener Lesung nicht bei- stimmen.
Es widersprechen ihr aber auch die übrigen Buch- stabenzeichen. Dieser sind nicht nur drei J^, sondern vier; wenigstens dem Originale gegenüber lässt sich das nicht verkennen. Das letzte derselben, welches dem be- sprochenen^ vorhergeht, habe ich früher als j genommen,
womit das J des Herrn Dr. Karabacek graphisch gleich berechtigt ist. Wie aber nun die Lesung controvers geworden ist und die Untersuchung der einzelnen Buch- staben sich schärft, sehe ich, dass die noch dreimal vor- kommende Figur des j doch etwas von der fraglichen abweicht; diese letztere ist länger gestreckt als in J^wj und geht weiter unter die Linie mit einer kleinen Biegung nach links als in^jJi und ^j^. Das Final-Nun in ^>*«-j auf unserer Vorlage ist unserem fraglichen Zuge ganz
arabischen Solidus im jenaischen Cablnef.
47
ähnlich und auf einem Dirhem des hiesigen Cabinets aus Kufa vom Jahre 81 kommt das C) in ö^j^\ genau in derselben Gestalt vor. So lässt sich vom graphischen Standpunkt, wenn andere Gründe eine Fassung als 0 ^wahrscheinlicher machen, nichts dagegen einwenden. Die vorhergehenden Züge sind U. Ueber das Klif kann kein Zweifel obwalten ; es ist eine breite, ein wenig über das x aufsteigende und unten ganz dünn mit diesem verbundene, feste Linie. Dass diese beiden Elemente U für^ gehalten werden konnten , mag durch den zu starken Verbindungs- strich in der Abbildung veranlasst sein , obschon auch bei dieser Gestalt durch Vergleichung mit dem ^ in J^ die Unzulässigkeit eines ^ einleuchtet.
Die vorhergehende, über die Linie aufsteigende Schleife kann Ä oder i, aber auch ♦ darstellen. Letzterer An- nahme könnte die in der altern kufischen Schrift nicht über, sondern in Mitten der Linie gezeichnete Figur des Mim entgegengestellt werden; allein unsere MUnzlegende bietet in dem Mittel-Mim des J^^ eine ziemlich nahe kommende Bildung des ♦ und eine völlig mit der frag- lichen übereinstimmende liegt mir auf einer Münze aus Damascus vom Jahre 83 im hiesigen Cabinete vor, wo das Mim in CS^ ebenso über die Linie emporragt. Endlich aber kann die kleine, dem ♦ voranstehende Zacke ganz unmöglich für ein Lam gelten, wie bei einer Lesung J^ beansprucht wird. Was Herr Dr. Karabacek über ein Grössenmissverhältniss der einzelnen ihres Charakters entkleideten Buchstaben bemerkt, scheint mir doch der Einschränkung zu bedürfen, kann wenigstens leicht eine falsche Vorstellung erregen, und darf nicht auf eine solche
^" Dr. G. Stjckel; Ueber den bilinguen spao.-arab. Solidus im jeu. C.
Degeneration der Schrift gedeutet werden, wonach das J zu einer so winzigen Zacke verkürzt worden wäre. Es liegt vor Augen, nach dem Graphischen wird die Zacke richtiger für ein vi» als J genommen.
So komme ich zu dem Schlüsse, dass die Lesung j^ofc-j iL-»^ oW JüiL graphisch wohl zulässig sei, nicht
aber ^J^-^^^; nach jener datirt das MUnzstück aus dem Jahre 98 , wodurch alle historische Schwierigkeit gehoben ist, und es ergibt sich eine vollständige Ueber- einstimmung in der arabischen wie lateinischen Datirung mit dem bilinguen Wali auf Delgado's Tafel. Einen Unter- schied der beiden Stücke macht nur die Abkürzung des Namens al-Andalus auf unserer Präge und die Versetzung des einen Numerale, eine Curiosität, über deren Entstehung wir den jedenfalls nicht arabischen und dessen, was er gravirte, unkundigen Stempelschneider nicht mehr abhören können. — Uebrigens bieten die kritischen Beiträge des Herrn Dr.Karabacek soviel Anregendes und Förderliches, dass ein Abzug davon ihrem Werthe keinen grossen Ein- trag thut.
49
Der unmittelbare Einfluss
der
mongolischen Invasion (1241 — 124-2) auf die Münzverhältnisse Ungarns.
(Hierzu Taftl IT.)
Von I*rof. Karabaceb.
Unter diesem Titel hielt ich vor längerer Zeit in einer Sitzung der Numismatischen Gesellschaft in Wien einen Vortrag , welcher das ungarische Münzwesen der bezeich- neten Epoche zum Gegenstand hatte. Es sei gestattet auf dieses Thema hier zurückzukommen um den Lesern dieser Zeitschrift in bündiger Zusammenfassung weitläufiger Untersuchungen gewissermassen das Programm für eine künftige grössere Arbeit über denselben Gegenstand zu bieten.
In der gesammten Numismatik giebt es fast keine Münzgattung die mehr widerspruchsvoll Forscher und Sammler geärgert^ als die zu Tausenden aus der Erde
4
50
Dr. J. Karabacek :FDcT unmittelbare Einfluss der inoiigolischea
Ungarns kommenden sogenannten „tatarischen'^ Kupfermünzen. Sie entzogen sich bisher trotz ihrer greif- baren Gestalt gespensterartig jeder genügenden Definition und man braucht nur zu wissen, mit welcher Scheu selbst die- einheimischen Gelehrten seit der oberflächlichen Prüfung durch Szechenyi und Rupp die Hand von diesen ihren „Tataren" zurückgezogen, um sich dann nicht mehr mit Goethe über die zu Räthseln gemachten einfachen Erschei- nungen zu verwundern.
Einfach in der That ist nämlich die Erscheinung dieser Münzen, nur muss man sie schärfer ins Auge fassen und gewissenhafter prüfen als es bisher geschehen. Heute noch gelten sie ganz allgemein als Erzeugnisse, welche die in Ungarn von 1241 — 1242 hausenden mongolischen Horden als bleibendes Andenken zurückgelassen. Und worauf stutzt sich diese Annahme? Auf drei sehr schwache Gründe: 1. weil Niemand bisher die offenbar verderbten Inschriften dieser Münzen zu lesen vermochte. Jedermann aber an ihnen etwas „orientalisches" fand; 2. weil die- selben oft zusammen mit den gemeinschaftlichen Kupfer- stücken Belas IV und Stephaus V gefunden und dadurch ungefähr in dieEpoche der mongolischen Invasion gewiesen werden, und 3. weil im Pester National -Museum ein in wahrhaft tatarischem Latein abgefasster mongolischer Jarlik (Befehl) bewahrt wird, in welchem der tatarische Gouverneur von Ungarn, der Kaimakam, die mongolischen Münzen gleich den byzantinischen im Handel und Wandel anzunehmen befiehlt.
Alle diese Gründe sprechen aber nicht für, sondern eher gegen den mongolischen Ursprung der beregten Münzen, selbst wenn man davon absieht, dass die Kritik
Invasion (3241—1242) auf die Münzverhältiiissc Ungarns. öl
die genannte, für den vorliegenden Fall übrigens ganz harmlose, Urkunde als plumpes Falsifikat abweist. Der Numismatiker vom orientalischen Fache hat indess schon allein aus münzgeschichtlichen Gründen gegen die obige Zuweisung der Kupferstücke Einsprache zu erheben: waren es doch die Heere der Fürsten aus dem Geschlechte Dschingis Chans, welche Russland und Ungarn unter- jochten; die Dschingisiden aber besassen damals solch ein geregeltes und entwickeltes Münzwesen, dass die Umkehr zum sinnlosen Gepräge im neueroberten und wahrscheinlich mongolisch verwalteten Ungarn umsoweni- ger angenommen werden darf, als die vollständig abweichenden Typen an den zierlichen Prägen der Heerführ er Möngkö und Batu Sa'in eben den sprechendsten Beweis dagegen liefern.
Die Lösung des Räthsels ergiebt sich nun leicht bei genauerer Betrachtung der fraglichen Stücke. Im Ganzen besehen erweisen sie sich unbestreitbar als Nachprä- gungen asiatischer Münzen mit arabischen Inschriften, und zwar sind sie offenbar verunglückte Nachbildungen turkestanischer Kupfermünzen (der Ilek Chane) aus der ersten Hälfte des XI. Jahrhund erts.
Schon diese einzige Thatsache vernichtet den angeb- lich mongolischen Ursprung. Wie sollten auch die Eroberer auf die bereits vor zwei Jahrhunderten geprägten, damals doch nur mehr einzeln auftretenden, fremden Münz- typen zurückgegriffen haben , um sie in unverständlichen Nachahmungen neben ihr eigenes, den ganzen Osten beherrschendes, Geld zu stellen?
Aber noch mehr. Die Vergleichung grösserer Mengen dieser Münzen weist eine bedeutende Zahl verschieden-
4*
52
Dr. J. Karabacek : Der unmittelbare Einfluss der mongolischen
artigster Stempeln auf; jeder Stempel für sich betrachtet deutet auf eigene Emissionen, die sich wiederum verfolgen lassen, wenn man die allmählige Verkünstelung des Gepräges in Betracht zieht. Dadurch gelangen wir zu den folgenden wichtigen Thatsachen , welche bisher, so oft auch diese Münzen besehen wurden , immer wieder übersehen blieben:
1. Eine erste Emission, zugleich einen Haupttypus vertretend, trägt auf der Vorderseite bei roheren, gedräng- ten, Schriftzeichen eine ununterbrochen fortlaufende Handschrift, wenn man die willkürliche Verstümmlung von Schriftzeichen so nennen darf. Zwei Varianten davon habe ich auf Tafel 11, Nr. 1 und 2 abgebildet.
2. Eine zweite Emission, einen zweiten Haupttypus einleitend, kennzeichnet bei zierlicher Gravirung, am linken Rande in einem durch Abbrechung der retrograd laufen- den Umschrift frei gewordenem Felde ein 4«, das Symbol des christlichen Ursprungs. Varianten davon haben dasselbe Kreuz, aber mit Keilen in den Ecken, wie solches genau die ungarischen Silbermünzen des XHI. Jahrhun- derts aufweisen. Vgl. Tafel H, Nr. 3.
3. Nun folgen die Emissionen, welche Serienweise an der Stelle des Kreuzes mit den Buchstaben des lateini- schen Alphabets bezeichnet sind. Ich kenne bis nun die folgenden :
ÄBCDePhlKLMSOPaR^HV;^ Also fast das ganze Alphabet. Einzelne Buchstaben erscheinen in verschiedener Zeichnung, z. B. das 9 auch retrograd, ebenso p, was offenbar daher rührt, dass diese Buchstaben aus Vergesslichkeit des Graveurs nicht ver- kehrt in den Stempel geschnitten wurden. Das liegende
Invasion (1241 — 1242) auf die Münzverhältnlsse Ungarns.
53
H ist zuweilen Ton Klammern eingeschlossen. Auf Tafel II, Nr. 4 giebt die Abbildung den Serienbueh- staben D.
4. Hieran schliessen sich die Serienbuchstaben des griechischen Alphabets. Diese merkwürdige Erschei- nung ist sichergestellt durch die auf Tafel II, Nr. 5, 6, 7 abgebildeten Stücke. Nr. 5 ist 0, aus der grossartigen Sammlung des Prinzen Philipp von Sachsen -Coburg in Wien i), Nr. 6 ist 5, aus dem National Museum in Pest und Joanneum in Graz, Nr. 7 zweifellos ein n, aus dem Pester National-Museum. Das 5 ist vom M der lateinischen Serie genügend unterschieden, da es gleich dem ^ des lateinischen Alphabets umgelegt erscheint, das M aber durch seine parallelen Schenkel gekennzeichnet ist.
5. Als die überraschendste Thatsache folgen nun die Serienbuchstaben aus dem uigurisch- mongolischen Alphabet. Obwohl eine fremde, in den Schriftzeichen wenig geübte Hand verrathend, sind diese Buchstaben doch auf den ersten Blick erkennbar; sie erheben, wie wir sehen werden, unsere Münzen zu schriftgeschicht- lichen Merkwürdigkeiten. Mir gelang es bisher neun solcher Serienbnchstaben zu constatiren:
4 za, Tafel II, Nr. 8. ^ sa, Tafel 11, Nr. 9. -f*" sm, auf den Münzen y\.
^ khä (?)
J a (oder n).
1) Das Stück hat s ch ii ssel t'ö iiui g^e s Gepräge.
54
Dr. J. Karabacek : Der unmittelbare Einfluss der mongolischen
f* a. ^ i (wie5>), Tafel II, Nr. 11.
a> u (oder h), Tafel II, Nr. 10. G. Endlich haben wir nach Erschöpfung- aller mög- lichen Serienbuchstaben — hebräische und cyrilli- sche finden sich vielleicht noch — den Wechsel verschie- dener anderer Beizeichen zu erwähnen. Ich kenne bis jetzt nur
X, V.X^, >0<; O ,
zweifle aber nicht an reichlichen Nachträgen.
So viel im Allgemeinen über die verschiedenen Emissionen, welche in ihrer Mannigfaltigkeit Stauneu erregen. Sie zeigen zur Evidenz , dass es sich dabei um christliche Prägen handle. Freilich könnte das hier zum ersten Male beobachtete Auftauchen mongolischer Schrift- zeichen leicht als Gegenbeweis benützt werden, zumal sich die Mongolen in Ungarn zum Stempelschnitt der für sie in Anspruch genommenen Kupferstücke einheimischer oder überhaupt christlicher Hilfe bedient haben könnten, woraus dann Kreuz und christliche Alphabete erklärlich würden.
Die Haltlosigkeit einer solchen Annahme ist leicht zu begründen. Die Fabrik dieser Münzen ist sicher keine orientalische oder eine unter asiatischem Einfluss entstan- dene, sondern eine abendländische der byzantinischen Münztechnik entsprechend. Beweis dafür liefern die gemein- schaftlichen Kupfermünzen Bela's IV. und Stephan's V. die, wie bemerkt, oft auch zusammen mit jenen Stücken gefunden werden. (Vgl. Tafel II, Nr. 12). Beide Münz- sorten zeigen die charakteristische byzantinische Strichel- und Punkttechnik und beide kommen auch nach byzan- tinischer Manier in sc hüss eiförmiger Prägungy vor.
nvasion (1211—1212) auf die Münzverhältnisse Ungarns.
55
Ja, Bela's und Stephan's gemeinsame Kupferstücke tragen aus den früher notirten Reihen der Buchstaben und Bei- zeichen, so viel ich bis jetzt weiss, zuweilen auch die im sechsten Absatz erwähnte Sigle o — (vgl. Taf. 11, Nr. 12), das lateinische K, M, 0 und T, das griechische H und mongolische c/ä. Aus dem letztern etwa diesen Münzen gleichfalls eine mongolische Abkunft vindiciren zu wollen, geht aber nicht an, da sie ihren Inschriften zu- folge unter der Mitregentschaft Stephan's (1254 — 70) also längere Zeit nach der Invasion geprägt wurden: wohl aber wird man im Gegentheil die unläugbare Zusammen- gehörigkeit jener sechs Serienzeichen für die gleich- zeitige Ausmünzung beider Gattungen als beweis- kräftig anerkennen dürfen.
Ist diese Voraussetzung richtig, so müssten also den christlichen oder jüdischen Münzpächtern Ungarns einige mit den Mongolen zufällig ins Land gekommene turkesta- nische Prägen der Ilek Chane vorgelegen sein, aus denen sie sich die Muster zu den beiden ungarischen Kupfer- nominalen geliehen. Für die erstere, kleine Gattung habe ich den Nachweis bereits beigebracht; für die letztere das heisst für die gemeinsamen Kupfermünzen Bela's und Stephan's, fällt er nicht schwer. Diese Stücke tragen ins- gesamrat im Abschnitt der Vorderseite das bisher uner- klärte Zeichen 'jj]^ (vgl. Tafel II, Nr. 12). Nun entspricht die Grösse dieser Münzen eben die Grösse einer zweiten Gattung turkestanischer Kupferprägen , die über der Reversschrift das in einem Halbkreis gestellte ^ „für Gott" in der Gestalt von ^ oder 41I, tragen. Wir finden darin das unbezweifelbare Vorbild zu unserem 'jjj^, welches als Imitation nur desshalb umgestürzt erscheint, weil die der arabischen Schrift unkundigen Münzmeister die Gruppe
56
Dr. J. Karabacek: Der unmittelbare Einfliiss der mongolischen
verkehrt betrachtet und sie, wie so manche andere Worte der turkestanischen Vorbilder, an vermeintlich correspon- dirender Stelle, also am untern Randsegment, orna- mental behandelt haben.
Die Gleichzeitigkeit beider in Rede stehenden Münz- gattungen findet endlich zum Ueberfluss auch noch in einem palaeographischen Momente ihre Bestätigung. H<ält man nämlich die entsprechenden lateinischen Serienbuch- staben der erstem mit den Aufschriften 7TJ38[ K3H und R 6 X 8 T S oder >\5 H ch der zweiten zusammen, so wird die geradezu überraschende Conformität des Schriftductus keinen Zweifel lassen, dass diese Nominale einer und derselben Zeit angehören. Jeder, welcher die Gelegen- heit hat , grössere Mengen von Stücken aus beiden Gattungen zu vergleichen, wird von selbst in der frappi- renden Identität zusammengehöriger Buchstaben die Belege zu dem Gesagten finden.
Das Resultat der vorstehenden Untersuchung Juhrt uns demnach zu dem folgenden Schlüsse : die fraglichen Kupfermünzen, welche man bisher mit dem Namen der „tatari sehen'' zu bezeichnen pflegte und unter dem Einflüsse mongo lisch er Verwaltung entstanden glaubte, gehören in die Zeit der Kupfermünzen Bela's IV, und Stephan's V. ; sie repräsentiren mit diesen die erste national-ungarische Kupfer sc heidemünze, und zu beiden Gattungen hat die mongolische Invasion den unmittelbaren Anlass gegeben »).
') Das k. k. Münzcabinet in Wien besitzt indess auch ein (un- zweifelhaft achtes) Exemplar der ersten Gattung von Gold (Taf. II, Nr, 11). Es wiegt 1-28 Grm. und dürfte, als untermünzter Triens, wohl nur der gleichzeitige Versuch der Einführung eines Gold-
Invasion ('.241 — i212) auf die Miinzvcrhältnisse Ungarns. ö7
Eine weitere erschöpfende Bearbeitung dieser merk- würdigen Münzen ist, wie ich eingangs bemerkt habe, hier nicht in meiner Absicht gelegen. Erst nach der PrUfung eines noch reichlicheren Materiales werden wir die Auf- hellung so mancher dunkler Punkte erwarten dürfen und vielleicht Fragen gelöst sehen, welche sich auf die locale Erscheinung dieser Münzen beziehen.
Nur noch eine festgestellte Thatsache möge zum Schlüsse besonders hervorgehoben werden : die zum ersten Male hier bemerkte Erscheinung uigurisch-mongo-* lischer Buchstabenzeichen auf ungarischem Gepräge und Territorium erhebt unsere Stücke zu schriftgeschichtlicher Bedeutung. Sie gehören demnach zu den ältesten uns bis- her bekannten Denkmälern, welche die uigurischen Schrift- formen seit ihrer Entlehnung durch die Mongolen über- liefern. Bekanntlich ward die genannte Schrift (mit gering- fügiger Veränderung) von dem Eroberer Dschingis Chan (t 1227) bei den Mongolen eingeführt. Da der Einbruch dieser Horden in Ungarn 1241 — 1242 stattfand, so finden wir also die Schreibkunst bei ihnen so schnell eingelebt, dass sie schon im zweiten Decennium nach Dschingis Chän's Tode selbst in Ungarn durch Nachbildung Spuren zurücklassen konnte.
nominals nach byzantinischem oder mongolischem Fusse gewesen sein. — Ein winziges Silber stück, welches mir durch die Güte des um meine Untersuchungen hochverdienten Herrn I g n a z v. Doböczky aus einer Buda- Pester Privatsammlung im Abdruck raitgetheilt wurde , trägt gleichfalls einige von den oben beschrie- benen Kupfermünzen entlehnte arabische Schrift-Imitationen; doch möchte ich dasselbe schon auf Grund innerer Kriterien als eine Fälschung bezeichnen.
— ~>ot
58
A. Luschin-Ebengrouth:
V.
Die Wiener Pfenninge.
Fundverzeichnisse nnd iiritische Stndien.
(Hierzu Taf. III -VII dieses, und Taf. III— V des folgenden Jalirgangs.)
Von A.. Luscliin. - ISbena:reuth.
I. Abtheilung. Fundbes chreibung*
§. 1. Einleitung;.
Die Literatur über Wiener Pfenninge ist während des letzten Jahrzehends stark angeschwollen. Während jedoch die weitaus grössere Zahl der Abhandlungen, von urkund- lichen Nachrichten ausgehend, denWerth zu ermitteln strebte, welcher dieser MUnzsorte in verschiedenen Zeit- räumen zukam, ist für die Beschreibung der mannigfachen Pfenninge ungleich weniger geschehen.
Wie es scheint, ist die von mir in der Studie: Zur österreichischen Münzkunde des XIII. und XIV. Jahrhun- derts (Archiv für österr. Geschichte Bd. XLI, S. 241 ff., 1869) , versuchte Classificirung der Wiener Pfenninge nicht ernstlich angefochten worden, womit allerdings nicht gesagt ist, dass deren Schlüsse durchaus unbestreit- bar seien. Immerhin gewährt uns dieselbe einen Ausgangs- punkt , auf den wir — in Ermanglung eines besseren —
Die AVitner Pfenninge.
59
zurückgehen dürfen. Ich wiederhole darum hier die S. 288 (S.48ff. des Sonderabdriicks) angeführten Endergebnisse, füge jedoch einige mir nöthig erscheinende Erläuterungen sogleich bei.
1. „x\us der Zeit der Babenbergischen Herrschaft sind bisher noch keine sichern Münzen österreichischen Ge- präges bekannt. Die gewöhnlich als Babenberger bezeich- neten Pfenninge gehören einer späteren Periode an. Appels und Welzls Bestimmungen sind grösstentheils will- kürlich und darum zu verwerfen."
Hierzu ist gegen Gersdorf, der eine sehr freundliche Besprechung in den Blättern für Müuzfreunde Nr. 30 (achter Jahrgang, April 1872, Sp. 218) veröffentlichte, zu bemerken , dass ich bei dieser Behauptung nur jene gewöhnlich vorkommenden Pfenninge im Auge hatte, deren Classificirung ich in obgedachter Studie versuchte und hinsichtlich welcher ich sie noch immer aufrecht erhalte. Die Ansicht, als seien uns überhaupt gar keine öster- reichischen Pfenninge aus der Babenberger Zeit überliefert worden, wäre freilich unhaltbar, sie war und ist mir aber fremd. Beiläufig gesagt, vermuthe ich nach dem mir bisher zugänglich gewordenen Materiale die ältesten „Wiener Pfenninge" in einer Münzsorte, welche durch ihren 22 bis 25 Mm. grossen, unregelmässig runden oder eckigen Schrötling, das Gewicht von 0-52— 0-90 Grm., die fein- linige, selten erkennbare Gravirung der Rückseite u. s. w. den Uebergang zu den baierischen Geprägen des XII. Jahrhunderts vermittelt , von welchen das österreichische MUnzwesen seinen naturgemässen Ausgang nahm. Einige ^ Stücke dieser Gattung hat Welzl II/l, Nr. 6486 ff. be- schrieben.
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A. Luicliin-Ebengreuth
2, „Unter diesen MUnzen lassen sieh — von einer Anzahl unbestimmter abgesehen im Allgemeinen drei Haupt- grnppen unterscheiden, die so ziemlich den Regierungs- perioden A. Ottokars und Rudolphs!., B. Rudolphs I. und seiner Nachkommen bis auf Friedrich den Schönen (1308), C. Friedrich des Schönen bis Rudolph IV. (f 1365) ent- sprechen."
3. „Als etwas allen diesen österreichischen Münzen EigenthUmliches, erscheint das auf einer Seite aufgeschla- gene Viereck, der Vierschlag."
Gegen meine a. a. 0., S. 255 (Separatabdruck S. 15), entwickelte Ansicht, dass dieses unregelmässige Viereck durch vier Hammerschläge entstanden sei, hat Grote brief- lich die in seiner schwäbischen Münzgeschichte i) aus- gesprochene Vermuthung geltend gemacht, dass es durch den Druck mit einer Zange erzeugt wurde, und da ich trotzdem bei meiner Annahme verblieb, gegen dieselbe unlängst in Nr. 46 der Blätter für Münzfreunde Sp. 352 „protestirt". Ich muss daher, damit die Sache über das Verneinen einerseits, und starres Festhalten andererseits hinaus, einer endlichen Entscheidung entgegengeführt werde, hier etwas weiter ausholen. Grote meint, die Schrötlinge der schwäbischen Heller seien mit einer Zange von dem zu dünnem Bleche gehämmerten Metalle abge- rissen worden. Diese Zangen seien nicht nach Art der Kneifzangen, mit denen man die Nägel auszieht, sondern etwa wie Feuerzangen gestaltet gewesen. Ein oder auch beide Zangenbacken seien in der Mitte mit einer vier- eckigen Oeffnung versehen gewesen , innerhalb deren 'Umfanges das Metall dann ungepresst und daher weich
1) Münzstudien VI, S. 89 flf.
Dio Wiener Pfenninge.
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genug blieb, um den Typus deutlich darauf prägen zu können. Diese fragliche viereckige Durchbrechung habe nicht nothwendig eine regelmässige Gestalt gehabt, und überdies mögen die inneren Seiten der Zangenbacken, um das Anfassen und Festhalten des Metalls zu erleichtern, mittelst Feilstrichen eingekerbt worden sein. Die anschei- nenden und vermeintlichen vier Randschläge, seien also in Wirklichkeit nur Zangenbisse, welche nebst d e m Q u a d r a t u m s u p e r c u s u m d u r c h e i n e n einzigen Druck erzeugt wurden. Der Einwand, dass diese viereckigen Löcher und die vier eingefeilten Kerben auf allen Exemplaren dieser MUnzen so verschiedenartig sich zeigten , lasse sich durch die Menge der Zangen, die sogar gleichzeitig in einer und derselben MUnz-Officin im Gebrauche gewesen seien, leicht beseitigen.
Inwiefern dieser Erklärungsversuch für das aleman- nische MUnzwesen zutrifft, kann ich nicht so genau beur- theilen, dass er jedoch mit den Vorschriften für dieWieuer Münze nicht in Einklang steht, dürfte folgende Erwägung lehren :
Quadrata supercusa erscheinen bekanntlich schon auf den breiten alemannisch- burgundischen Denaren des XI. Jahrhunderts. Ein Blick auf die von H. Meyer in seinem Werke „Denare und Bracteaten der Schweiz", auf Taf. IV und V abgebildeten Stücke Nr. 3, 5—13, 15-17, 32-42 belehrt uns aber über die abweichende Technik. Hier erscheint nämlich das Viereck, auf welchen das unvollkommene Gepräge ersichtlich wird, noch von meist bald parallel, zuweilen aber auch winkelig laufenden Umfangslinien eines zweiten, dritten u. s. w. Vierecks umschlossen. Auch die Entstehung dieser Quadrata supercusa scheint Grote durch seinen Zangenbiss erklären zu wollen. Dem stünde
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A. Luschin-Ebengreuth :
freilich ebenso wie in den andern Fällen eine technische Schwierigkeit entgegen, die nicht leicht zn beseitigen ist: der Kraftaufwand den es brauchen würde, um durch einen blossen Zangendruck den Schrötling nicht bloss vom Zaine abzureissen, sondern auch mit diesen zahlreichen Kerben zu versehen. Ohne Anwendung von Maschinen, für welche ein eigener Motor, wie etwa die Triebkraft des Wassers nöthig gewesen wäre, durch blosse Menschenkraft also, dürfte, wie Fachmänner mir erklärten, eine solche Opera- tion selbst bei grosser Wucht der Zange kaum an einem weissglühend erhitzten Zaine, geschweige denn an einer kalten Silberplatte vorzunehmen sein. Wahrscheinlicher ist, dass man den Zain zu diesen breiten und dünnen Denaren durch Hämmern zu gewinnen suchte, dass man jedoch hier im Gegensatze zu dem späteren Gebrauche der Wiener Münzstätte, welche erst den Zain auf die erforderliche Dicke aushämmerte und dann stückelte, mit der Stückelung früher vorging und dann das zu dicke Münzplättchen durch 3 — 5 und mehr längs jeder Seite des sichtbaren Vierecks geführte Hammerschläge auf die ge- wünschte Grösse streckte.
Während ich also die Quadrata supercusa auf den alemannisch-burgundischen Pfenningen des XI. Jahrhun- derts dadurch erklären möchte, dass man die an dem Zaine nicht durchgeführte Streckung durch Hammerschläge an jedem einzelnen Münzplättchen zu vollenden sachte, lässt sich ein Gleiches von den breiten und stummen baierischen Geprägen des XH. und XIH. Jahrhunderts nicht behaupten. Die Einkerbungen bilden hier nicht nothwendig ein Viereck und wechseln nach Zahl, Stellung und Ausdehnung. Nicht selten kommen bloss drei Kerben vor, welche nur einen stumpfen Winkel einschliessen, anderemale ist durch 5,
Die Wiener Pfenninge.
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6 und mehr derselben eine Art Viereck in der Mitte aus- gespart. Maders Ansicht, dass durch diese Procednr die bei der Stückelung- aufgebogenen Känder des Schrötlings wieder platt und glatt gemacht werden sollten, erfährt durch Stücke an denen geradezu die Ecken um den Schröt- ling etwas abzurunden , umgeschlagen wurden , neue Bekräftigung. Ich selbst besitze z. B. ein Exemplar des bei Obermayr, Taf.V, Nr. 74, abgebildeten Pfennings, bei welchem die Ecken rechts vom Bischöfe abgerundet, links gegenüber aber eingeschlagen und dann erst zum Theile Uberprägt sind.
Dass diese baierische oder vielleicht specifisch Regensburger Münztechnik — auch in den Gebieten zur Anwendung kam, welche erst allmälig durch Zertrümme- rung des baierischen Stammes-Herzogthums zu politischer Selbstständigkeit gelangten, kann nicht überraschen. So ging es auch in Oesterreich, wo Herzog Heinrich gar bald eine Münze zu Krems eingerichtet hatte, ohne dass dieselbe, oder die schon unter seinem Nachfolger erweisliche Wiener Münze besonders schnell, zu irgend einem Ansehen gelangt wären. Man dürfte sie im Verkehre mit den Regensburgern zusammen geworfen haben , nach deren Vorbilde , wohl auch Schrot und Korn , die ältesten öster- reichischen Pfenninge, meiner Ansicht nach, geschlagen wurden, mindestens nennt ein zeitgenössischer Bericht über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I. als die im Kreuz- heere während seines Durchzugs durch Ungarn gangen und geben Münzen nur Regensburger, Friesacher und Kölner Gepräge «).
8) Ansbertus, Historia de exped. Friderici imp. ed. Paugerl in Fontes rer, Austr. Scriptores V, S. 19.
fi4.
"^ A. Lusehin-Ebongreuth:
Hoffen wir, dass Funde in der Zukunft über diese Dunkelheiten in der österreichischen MUnzgeschichte genügendes Licht verbreiten werden. So viel ist jedoch gewiss, dass die österreichischen Pfennings- undHälblings- Gepräge spätestens seit dem Jahre 1250 bis gegen Ende des XV. Jahrhunderts ohne Rücksicht auf ihre Gestalt und Dicke, regelmässig mit diesem Vierecke versehen sind. Nun habe ich schon weiter oben der Bedenken erwähnt, welche von Münztechnikern gegen die Erzeugung der Münzplättchen durch Zangendruck erhoben wurden , doch mochte dies rücksichtlich der eckigen Schrötlinge noch angehen , wiewohl kaum Jemand eine solche Stücke- lung gleichmässig und ökonomisch finden dürfte, und die Abschroten in der Wiener Münze nicht einmal 10«/o des Gusswerkes betragen sollten. Wie man aber die zugerun- deten Platten für die Hälblinge mit Zangen der von Grote beschriebenen Art von dem oft mehr als 1/2 Millimeter dicken Zaine hätte „herabreissen" können, wenn deren Backen nicht mindestens noch eine kreisförmige Kneip- fläche besessen hätten, um nach Art eines Locheisens zu wirken, das ist mir völlig undenkbar. Und selbst ange- nommen, dass mit einem unverhältnissmässigen Kraftauf- wande der Schrötling so aus dem Zaine Latte herai.s- gepresst werden können . so steht dem doch der weitere Umstand entgegen, dass die Form der Hälblinge selten völlig rund ist, sondern nur eine durch Abstumpfen der Ecken dem Kreise angenäherte Gestalt hat. Mit anderen Worten , die Stückelung der Hälblinge kann nur mittelst derBlechscheere erfolgt sein, und es ist hinsichtlich dieser Münzsorte unmöglich, dass der Schrötling durch einen einzigen Act, etwa durch einen Zangendruck, sowohl seine abgerundete Gestalt, als sein quadratum supercusum
Die Wiener Pfenninge.
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erhalten habe. Das Gleiche muss aber auch von den unregehnässigen Pfenningen behauptet werden, denn auch hier verräth die Gestalt der Ränder in den meisten Fällen unverkennbar die Anwendung der Blechscheere. Noch stünde die Annahme frei, die mit der Blechscheere ge- stückelten Schrötlinge seien hinterher durch den Druck mit einer, wie Grote angibt hergerichteten, Zange zu der erforderlichen Flachheit der aufgequollenen Ränder und zum Quadratuin supercusum gekommen. Eine solche Pro- cedur mag unserer an Hilfsmittel aller Art verwöhnten Anschauung einfacher und flinker als das Niederhämmern erscheinen, stünde jedoch mit den erhaltenen Anweisungen für die Wiener Münzstätte in offenem Widerspruche. Hier hielt man zähe an den von altersher überkommenen Gebräuchen und befand sich nicht einmal um die Mitte des XV. Jahrhunderts, geschweige denn früher im Besitze derartiger Zangen. Es ergibt sich Solches aus Vorschrilten für die Wiener Münzstätte aus dem XV. Jahrhunderte (Karajan XHI) , welche in manchen Hauptsachen genau mit der um ein Jahrhundert älteren Ordnung für die Grazer Münze (a. a. 0. LXVI) stimmen, in anderen aber nicht unwesentlich abweichen.
An beiden Orten wird nun zwischen den verschiedenen Münzarbeitern, den Giessern , welche den Guss der Zaine zu besorgen hatten, den Zainmeistern, welche dieselben durch Hämmern und abwechslungs weises Glühen auf die erforderliche Dicke auszuschmieden hatten, den Schrot- meistern, welche die Stückelung besorgten, den Setzern, welche mit den vom Eisenhüter von Fall zu Fall ausge- folgten Prägeeisen das Gepräge lieferten u. s. w. unter- schieden. Die Herstellung der Münzplättchen und die Erzeugung des fraglichen Vierecks auf denselben fällt nun
5
'-'O A. Luschln-Kbengreuth:
in den Bereich der Thätigkeit desSchrotmeisters. Ihm werden- die von den Zainmeistern ausgeschraiedeten Zaine zugewo- gen, die er gestttekelt ebenso an denjenigen Hausgenossen abliefern musste, dem gerade die Beistellung des erforder- lichen Rohmateriales oblag, bei ihm wird das Verbot „plos gelt", d. h.Münzplättchen ohne Gepräge auszugeben, zuerst ausgesprochen, wogegen dem Setzmeister andererseits untersagt war, „plos gelt", das ihm Jemand brachte ohne Vorwissen des Mtinzmeisters und Anwalts zu „setzen", d. i. durch Aufsetzen der Prägestempel auszuprägen. In den Händen des .Schrotmeisters mUssten sich darum jene Zangen befunden haben, auf welche Grotes Hypothese beruht. Nun wird allerdings den Grazer Schrotmeistern vorgeschrieben, die Pfenninge kleiner als bisher auszu- stUckeln, „dauon werden sy dickher und angriffiger und soll man sy wellen mit dem welleysen , so zerschrikchent sy dester mynner vnder dem eysen vor dem setzer", für die Wiener aber lautet die Vorschrift mit Weglassung dieses Welleisens dahin, dass die möglichst gleichmässig und sparsam gestückelten Plättchen, um Betrügereien im Ge- wichte zu vermeiden, gut abzutrocknen seien, „vnd soll darnach (das Münzplättchen) beslagen werden als man es von alter gearbait hat, dass es gerottund werde", „was wohl soviel heissen mag, als: dass die einzelnen Metall- scheiben leicht in grösserer Anzahl an- und auf einander gereiht werdes konnten."
Es wurden also die Zaine in der Wiener Münze von dem Schrotmeister nicht mit einer Zange, sondern mit der Schrot- oder Benehmscheere ausgestückelt, die noch auf einem Holzschnitte des „Weisskunigs" sein Abzeichen ist und auch in mittelalterlichen Verordnungen für die Regens-
Die Wiener Pfenninge. Dl
burger MUnze vorkömmt 3). Der justirte Schrötling wurde dann, um das Aufschlichten zu erleichtern, durch vier vom Schrotmeister mit einem Hammer (nicht mit dem MUnz- stempel, wie Obermayr und Mader angeben) geführte kräftige Schläge erzeugt, so dass die Bezeichnung Vier- schlag völlig zutreifend ist. Ob man in Schwaben diesen Vorgang wie Grote vermuthet „crutzen" hiess, scheint mir nicht erwiesen, der Oesterreicher nannte ihn „beslagen«, der Franke „vieren« *). Mit der verbesserten Technik seit den Tagen Maximilians verschwindet der eigentliche Vier - schlag, dagegen lebt er als rein decoratives Moment (d. i. als ein in den MUnzstempel eingegrabenes Quadrat, welches, auf eine Spitze gestellt, den Wappenschild um- fängt) auf den österreichischen, speciell auf den steieri-
3) MnfFat Beiträge z. Gesch. d. baier. Mtinzwesens in der Abh. der m. Cl. d. k. Akad. d. Wiss. XI, 1. Abthlg. S. 268. — Der im Texte erwähnte Hans Burgkmair'sche Holzschnitt findet sich in dem Exemplare des Weisskunig, der Wiener Universitätsbibliothek Seite 81, als Tafel 32 und stellt das Innere eines Münzhauses dar. Im Hintergrunde werden Münzen gewogen, rechts davon stehen Tiegel in dem Schmelzofen. Im Vordergrunde nimmt die Mitte der Zainmeister ein , welcher den Zain auf dem Ambosse zu einer dünnen Platte aushämmert, rechts von ihm beschneidet der Schrot- meister mit einer Blechscheere, von welcher der untere Schenkel auf der Bank aufliegt, oder befestigt ist, die Münzplättchen, ihm gegenüber vollzieht der „Setzer" durch kräftige Schläge die eigent- liche Prägung. Ein Instrument, welches den von Gi-ote vermutheten Zangen entsprechen würde, sucht man hier vergebens.
*) Münzrecess zwischen Brandenburg, Bamberg, Würzburg und ßaiern vom Jahre 1434, Hirsch E. M. Archiv I, 78. „Auch wollen wir slachen lassen Pfenning die sullen ge viert werden und darauf geschlagen vf jeglichen Pfenning der obgenannten Fürsten ir zweyer Schilt" u. s. w.
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A. Luscliin-Ebengreuth:
sehen Pfenningsgeprägeii bis gegen das Ende des XVII. Jahrhunderts fort s).
4. „Die Münzen der ersten Periode (A) sind entweder:
a) Von annähernd runder Gestalt mit ziemlich zierlichen Geprägen auf der Vorderseite, und Spuren einer fein- linigen Darstellung auf der Rliokfl<äche. Ihr Gewicht beträgt bei einem Durchmesser von 15—16 Mm. durchschnittlich 0-69— 0-725 Grm., oder
b) Hälblinge von runder Gestalt und nettem Gepräge, das oft an beiden Seiten sichtbar ist. Der Durchmesser beträgt 13 Mm., das Gewicht ziemlich regelmässig 045, 0-55, 0-62 Grm.
Häufig findet mau auch ganze (viereckige) Pfen- ninge, deren Hauptseite mit den Hälblingen überein- stimmt. Diese haben einen Durchmesser von 14 — 15 Mm. und ein Gewicht von fast regelmässig 0-72 Grm."
Ein aus Ungarn stammender Fund von Hälblingen denH.v.Doboczky mir zu überlassen die grosse Güte hatte und welcher weiter unten beschrieben werden soll, hat mein Beobachtungsmateriale nicht wenig erweitert, und zeugt, dass die runde Gestalt des Schrötlings für die Wiener Hälblinge der hier beschrie- benen Art — jene des XV. Jahrhunderts sind vier- eckig — wirklich charakteristisch ist. Zugleich ergab sich hinsichtlich der Darstellungen die wichtige That- sache, dass jene Hälblinge durchaus mit gewissen Pfen- ningsgeprägen stimmen. Auf etwa ein halbes Hundert
5) Das erste Beispiel dieses decorativ angedeuteten Vierschlags, das sich in meiner Saminhing befindet, ist ein Görzer Pfenning vom Jahre 1505, das letzte, ein steierischer Pfenning Kaiser Leopolds L, vom Jahre 1686.
Die Wiener Pfenninge.
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verschiedener Hälblinge , welche mir nun bekannt sind, könnte ich im Augenblicke höchstens ein bis zwei Sorten nennen, zu welchen mir die entsprechen- den Pfenninge noch nicht vorgekommen sind. Das Gepräge auf der Rückseite , wenn auch oft sichtbar, ist, von den Einfassungslinien abgesehen, leider selten deutlich zu erkennen, die durchschnittliche Grösse und das Gewicht meist geringer, als ich oben ver- muthete. Ohne der späteren Begründung vorzugreifen muss ich darum schon hier erklären, dass ich jetzt die meisten der früher (4, b) als Hälblinge erklärten Stücke für eine eigene Gattung von Wiener Pfenningen halte, welche vorzüglich in Münzfunden aus Ungarn vorzukommen pflegt. c) „Sie sind von rohem, fast immer nur auf einer Seite sichtbarem Gepräge, unförmlich dick, etwa 14 Mm. ins Gevierte haltend. Die Durchschnittsgewichte dieser rohen Münzen schwanken zwischen 0-65 bis wenigstens 0-68 Grm.
Die unter a) und b) beschriebenen Unterarten von Münzen der ersten Periode können mit grösster Wahr- scheinlichkeit und beinahe ohne Ausnahme König Ottokarvon Böhmen (1251 — 1276) zugewiesen werden. Die Pfenninge, auf welche die Beschreibung c) passt, dürften von Rudolph I. in den ersten Jahren seiner Verwaltung geprägt sein; da jedoch die Bestimmung derselben auf w^eit unsichereren Merkmalen als bei den vorhergehenden Münzsorten a) und b) beruht, so wird man im Zweifel, woferne man es nicht vorzieht sie unbestimmt zu lassen, gut thun, auch sie dem Böhmer- könige zuzutheilen, nachdem es erwiesen ist, dass die grössere Anzahl der als „Münzen der ersten
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A. Luschin-Ebeugreuth :
Periode'^ bezeichneten Pfenninge von diesem ausge- gangen ist."
5. „Die Münzen der zweiten Periode (B), obgleich eben- falls unregelmässig eckig, nähern sich infolge der besser abgestumpften Ecken weit mehr der runden Form, als die vorhergehenden. Ihr Durchmesser ist grösser und beträgt gewöhnlich 16 — 17 Mm., das Einzelgewicht 0-60— 0-82, das Durchschnittsgewicht 0-71 — 0-76 Grm. Von Wichtig- keit ist die Rückseite, sie zeigt fast immer einen einfachen Adler in einem Kranze von Ringelchen, Sternchen u. s. w., der selbst wieder von zwei Perlenkreisen in- und aus- wendig umschlossen wird. Münzen dieser Gattung dürften (mit einzelnen Ausnahmen) König Rudolph I. und seinen Nachfolgern zugehörcn und bis an die Zeiten Friedrich des Schönen gehen."
Diese Münzen, obgleich in den Münzfunden den Ge- prägen der hier als erste und dritte bezeichneten Perioden gewöhnlich in einigen Exemplaren beigemischt, sind im Ganzen seltener als die beiden anderen. In welchem Umfange sie in einem zu Dölsach im Pusterthale gemach- ten Funde vertreten waren, aus welchem ich einige Stücke durch die Gefälligkeit des Hrn. Oberhuber in Lienz erhielt, konnte ich nicht erkunden. Hälblinge scheinen sehr selten vorzukommen.
6. „Die Münzen der dritten Periode (C) sind ebenfalls viereckig mit etwas abgestumpften Ecken, jedoch von dünnerem Bleche, so dass sie trotz des vergrösserten Durchmessers (17 — 19 Mm.) selbst bei vorzüglicher Erhal- tung einzeln selten 0*70 Grm., im Durchschnitte (also, wenn mehrere zusammengewogen wurden) nie 0-60 Grm. übersteigen. Wegen des erhabenen Gepräges, das ihnen ein bracteatenförmiges Ansehen gibt, ist die Rückseite
Die Wiener Pfenninge.
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nur selten zu sehen. Diese MUnzgattung reicht erweislich von Friedrich dem Schönen bis Rudolph IV. (etwa 1315 bis 1365)."
Hälblinge, welche dieser Sorte von Pfenningen ent- sprochen hätten, sind mir bisher fast gar nicht vorge- kommen.
7. „Der ungemeine Wechsel in den Darstellungen der Vorderseite erklärt sich zum guten Theile schon durch das bei der häufig geübten Miinzerneuerung entstehende Bedlirf- niss, neue, von den früheren Jahrgängen möglichst ab- v^eichende Gepräge zu schaffen , deren nähere Auslegung -dann oft gar nicht mehr gegeben werden kann."
8. „Der auf den Rückseiten österreichischer Pfenninge häufig vorkommende Adler dürfte als das Zeichen der Prägestätte Wien zu betrachten sein.*^
§. 2, Die Miinzfiinde im Allg^emeinen.
Im Gegensatz zu den Eingangs erwähnten mehr auf flie Preisgeschichte abzielenden Arbeiten, ist die Aufgabe, welche ich mir diesmals ^ orgesteckt habe, eine wesentlich mtinzbeschreibende. Die Funde der sogenannten Wiener Pfenninge, der „Viannarii" wie sie die Italiener nannten, haben ein wüstes Material überliefert, das der Aufzeich- nung und Sichtung dringend bedarf. Ein umfassendes Fundinventar mit möglichster Vollzähligkeit der in jedem Funde vorgekommenen Gepräge zu geben, und mit Angabe der Stückzahl, in der sie vertreten waren , soll nun hier versucht werden.
Dies schloss in doppelter Weise eine Abweichung vom Haupttitel der Abhandlung ein , da gar manche
75»
•^ A. Luschin-Ebengreuth:
bekannte Wiener Pfenninge übevjs^angen werden mussten^ weil sie den betreffenden Münziiinden fehlten, anderseits auch nichtösterreichische Münzsorten , soweit sie mit Wiener Pfenningen vereint vorkamen , zur Beschreibung gelangten. Obgleich nun das Bestreben darauf gerichtet war, diese erwiesenen oder muthmasslichen Gäste auszu- scheiden und abgesondert zu beschreiben, so mag trotz- dem noch mancher Fremdling derzeit unerkannt unter den ,, Wienern« zurückgeblieben sein, ein Umstand, der bei dem heutigen Stande der Vorarbeiten, wohl unvermeidlich war. Die Funde, denen ich das Material für diese Studie entnahm, nach den Fundstellen geordnet, wurden ge- macht in :
Niederösterreicli.
1. Zu Absdorf; von 1100 Stücken, welche 1861 da- selbst beim Graben eines Kellers anderthalb Fnss tief in der Erde in einem Topfe gefunden wurden, hat Dr. Fried- rich Kenner in dem 7. Hefte seiner ebenso mühsamen als verdienstlichen Fundchronik «) die Beschreibung von 50 an das k. k. Münz- und Antikencabinet zur Probe einge- sandten Münzen mitgetheilt. Wir wollen den Fund der Kürze wegen in der Folge mit F bezeichnen.
Oberösterreicli.
2. Jaxberg bei Weizenkirchen ( 1 835), 70 Sorten, welche die Leitzmannische Numismatische Zeitung im Jahrgange 1837 ohne Angabe der Stückzahl und ohne Beschreibung zur Anfrage veröffentlichte, hier als A bezeichnet.
«) Archiv f. Kde. österr. Geschichtsquellen, XXIV, S.209 (S. A.
S. 25).
7^
Die Wiener Pfenninge. • "
2\ (14) Palting bei Mattighofen (1842) an 2500 Stück, welche Jiil. Schilling in den österr. Bl. f. Lit. und Kunst 1844, 6. Juli S. 221 ff. kurz aber sehr zutreffend beschrieb. — 0. — Da ich auf diesen bedeutenden Fund erst dann ganz zufällig aufmerksam wurde, als bereits der Druck der ersten Abtheilung abgeschlossen war, so muss rlicksicht- lich desselben auf die in der zweiten Abtheilung folgenden Fundtabellen verwiesen werden.
Steiermark.
3. Zu Leoben, nach Mittheilung des Herrn Majors Kupel wieser durch Dr. Kenner im 8. Heft seiner Fund- chronik beschrieben ") 12 Stück, hier — H.
4. Marburg. Im Frühjahre 1866 wurden an 2000 mittelalterliche Münzen aufgedeckt, von denen 1865 Stücke durch meine Hände wanderten, und theils an das Münzcabinet des landschaftlichen steierischen Joan- neums , theils an das germanische Museum zu Nürnberg, theils in meine Sammlung gelangten. Der Rest wurde durch die Arbeiter verschleppt. Kurz bezeichnet — B.
5. Ein im genannten Joanneums-Cabinete von früher- her vorhandener, wahrscheinlich gleichfalls aus Steiermark stammender Fund von etwa 600 Stücken D, vielleicht ein Bruchtheil des 1 853 zu Alpen am Bacherngebirge gemach- ten Fundes von mehr als 400 Stücken, von welchen die 238 nach Wien gesandten Exemplare, wie Seidl berichtet »), höchst interessante, die verschiedensten Varietäten dar- bietende Denare aus der Zeit des Interregnums 1250 bis 1280 waren.
7) a. a. 0. XXXIII, S. 40 (S. A. S. 40). ») a. a. 0. XIII, S. 90,91.
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A. Lusohin-Ebengrcuth:
liigarn.
6. Sär - Szent - Mihäly (Htuhlweisseiiburger Comitat) Sommer 1857. 753 kleine SilbermUnzen von Dr. Kenner, in seinem 7. Fundberichte specificirt und theilweise auch abgebildet »). Sie wurden durch eine Kuh aus einem trocken gelegten Moore (Sär-Retye) herausgescharrt und befanden sich in einem dickwandigen Topfe von grobem Thon. — E.
7. Zalavär (Zalaer Comitat). 12 verschiedene Stücke 1861 (?), in den Fundamenten der einstigen Abteikirche daselbst gefunden und von Dr. Kenner in seinem 7. Fund- berichte beschrieben lo). — G-
8. Ein Fund von der steierisch - ungarischen Grenze, welcher mit dem Marburger Funde auifallend genau llber- einstimmt, wurde mir von Herrn S. Egger in der bereit- willigsten Weise zur Verfügung gestellt. Er bestand aus G86 Stücken, welche 392, vor der Reinigung 400 Grm. wogen, und bildet zugleich den nächsten Anlass zu dieser Arbeit, da dessen Beschreibung nach dem Wunsche des P^insenders in der Wiener numismatischen Zeitschrift erfol- gen soll. — C.
9. Ein Fund, der nebst ungarischen Geprägen aus den Zeiten Karl Roberts und Ludwigs fast nur aus Hälb- lingen bestand , wurde mir von Herrn Ignaz von Doboczky gütigst überlassen, eine Gefälligkeit, welche um so höher anzuschlagen ist, als gerade die Zusammensetzung dieses Fundes vieles zur Berichtigung früher gehegter Ansichten beitrug. — J.
9j a. a. 0. XXIV, S. 290 (S. A. 106). »«) a. a. 0. XXrV, S..299 (S. A. 115).
Die Wiener Pfenninge.
Unbekannter Fundort.
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10. Durch die Vermittlung des seither verstorbenen k.k. Generals von Wächter wurde mir ein von einem Grazer Goldschmiede erkaufter Fund zur Durchsicht anvertraut, in welchem sich neben etwa 400 Geprägen des XV. Jahr- hunderts mehr als 100 Wiener Pfenninge der Gattung A befanden. — K.
Von diesen eilf verschiedenen Funden, welche der Kürze halber in der Beschreibung mit den von mir bei- gesetzten Buchstaben A — K und 0 bezeichnet werden, fallen die ersten Nr. 1 — 9 der Vergrabungszeit nach sämmtlich vor das Jahr 1400 und bilden insofern ein grösseres Ganze, das besondere Aufmerksamkeit verdient. In anderer Hin- sicht ist der Fund Nr. 10 merkwürdig, der keinerlei neue Wiener Typen enthält, aber eine starke Fortdauer des Umlaufes von Münzen des XTII. Jahrhunderts neben Ge- prägen des XV. Jahrhunders nachweist, und mit diesem Zeugnisse nicht allein steht. Ihm schliessen sich nämlich noch mehrere kleine Funde an , deren Münzen in den unruhigen Zeiten Kaiser Friedrich III. verscharrt wurden : 11 zu Steinamanger L, — ]2. zu Gleisdorf (M) und 13. zu ? (N).
So theilen sich also die Münzen der zur Besprechung gelangenden Funde in zwei grosse Gruppen, von denen die eine uns hauptsächlich mit der Mannigfaltigkeit der Gepräge bekannt machen , die andere über die Fortdauer ihres Umlaufes belehren soll. Je nach dem beabsichtigten Zwecke wird* auch die Behandlungs weise des Fundes eine verschiedene sein müssen.
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A. Luschin-Ebengreuth :
§• 3. Das Schema.
Wären die österreichisch - baierischen Pfenninge mit Aufschriften versehen , was bekanntlich hier während des XIIL/XIV. Jahrhunderts die seltene Ausnahme bildet, oder Hessen sie sich mindestens nach anderen Kennzeichen den Prägestätten und Münzherren zuweisen, so läge die Sache so ziemlich einfach. Da jedoch die grosse Mehrzahl stumm ist und sehr häufig überdies bestimmender Bei- zeichen entbehrt, so ist nur hinsichtlich einer geringen Menge einerseits baierischer, andererseits österreichischer Gepräge eine sichere Aussonderung möglich, während der grosse Kest zwischen beiden zunächst unbestimmt ver- bleibt, und ausserdem die genauere Ermittelung der Ent- stehungszeit sehr erschwert. Wir mussten darum nach einem anderen Eintheilungsgrnnde suclien und haben desshalb nach Ausscheidung der sicheren oder vermuth- lichen fremden Eindringlinge, für die zurückbleibenden Wiener Gepräge vorläufig die im §. 1 fornuilirten drei Hauptclassen A, B und C aufgestellt. Innerhalb derselben ist dann die weitere Anordnung bei der ungemeinen Man- nigfaltigkeit der Vorstellungen auf der Hauptseite — denn mit wenigen Ausnahmen ist nur diese deutlich erkennbar — nicht wenig erschwert. Es blieb darum nichts Anderes übrig, als die Zeichnung der Hauptseite zur Untertheilung der Hauptclassen zu benutzen, und zwar geschah dies mit Anlehnung an das von Otto Titan von Hefner in seinem Handbuche der Heraldik (I, S. 69) bezüglich der gemeinen Figuren aufgestellte System, da eigentliche Herolds- figuren, von Beizeichen abgesehen, fehlen, und ebenso- wenig geschichtliche oder religiöse Bilder, wie auf baie-
Die Wiener Pfenninge.
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Tischen, böhmischen, polnisclien u. dgl. Geprägen, vorzu- kommen pflegen.
I. Figuren aas dem Natarreiche.
Ä. Aus dem T hierreiche.
1. Menschen.
2. Vierflissige Thiere.
3. Vögel.
4. Fische, Amphibien, Insecten.
B. Aus dem Pflanzenreiche. Bäume, Kräuter und Blumen,
C. Aus dem "Welt- und Erdreiche. Erd- und Himmelskörper.
II. Phantasiegestalten.
Dieselben lassen sich wegen ihrer Mannigfaltigkeit nur als eine Classe an sich betrachten. Hieher gehören:
1. Engel.
2. Ungeheuer mit menschlichen Gliedmassen.
3. Vierfüssige Ungeheuer.
4. Drachen, Greife u. dgl.
IH. Künstliche Figaren.
1. Werkzeuge, Geräthe, Fahrnisse.
2. Waffen.
3. Kleidungsstücke.
4. Bauwerke.
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A. Liischin-Ebengreutli
5. Marken. '
6. Verschiedene Zieraten.
Innerhalb jeder der so gewonnenen ünterabtheihingen ist die Darstellung des Ganzen, der Darstellung seiner Theile vorangestellt. Es wird darum mit den Pfenningen begonnen, welche auf ihrer Hauptseite die ganze Figur des Menschen zeigen, hieran schliessen sich folgerichtig jene mit einer Halbfigur, die Köpfe u. s, w. an. Unter sonst gleichen Umständen entscheidet die Beigabe des Binden-, richtiger Balkenschilds für den Vorrang.
Die Hälblinge sind, da ihre Typen von jenen der Pfenninge abhängig erscheinen, in der Beschreibung den Pfenningen unmittelbar angeschlossen, in der Abbildung soweit es möglich war getrennt. Die ausgeschiedenen fremden Bestandtheile sind sowohl in der Beschreibung als in der Abbildung, als Anhang zu den Wiener Pfen- ningen behandelt.
§• (ft. Beschreibung; der IViener Pfenniiig^e der Haupt^rnppe ^4.
Allgemeine Bemerkungen.
Bei den Wien er Pfenningen ist, obgleich sie zweiseitig geprägt sind, in der Kegel nur die stärker erhaben ge- arbeitete Hauptseite zu erkennen. Selbst bei dieser geht es nicht ohne Schwierigkeiten ab, weil die Unterbrechun- gen der Zeichnung, die an den Stellen eintreten, wo der Stempel auf die niedergehämmerte Randfläche traf, zum öftern dem Bilde die bezeichnendsten Theile rauben. Gar
Die Wiener Pfenninge.
79
häufig entstehen dadurch ganz verschiedene Beschreibun- gen eines und desselben Pfennings, je nach dem Erhal- tungsgrade des Stückes und dem Standpunkte, den der Beschauer einnimmt <i). Ein lang geUbtes Auge wird jedoch unter Zuhilfenahme verschiedener Beleuchtungseffecte schliesslich in den meisten Fällen auch aus den verstüm- melten Bruchstücken die beabsichtigte Darstellung bestimmt entnehmen können la).
In der Beschreibung wird der Vierschlag als eine allen Wiener Geprägen zukommende Eigenthümlichkeit, der Kürze wegen übergangen, ebenso und aus gleichem Grunde die Erwähnung des unregelmässigen, hoch auf- getriebenen Randes, welcher das Bild der Hauptseite um- gibt. Bei Pfenningen ist, wenn nichts Näheres angegeben wird, eine viereckige oder unregelmässige, bei Hälblingen eine runde Gestalt vorauszusetzen.
Die Ausdrücke um die Stellung einer Figur zu bezeichnen: „nach rechts, nach links" sind im heraldischen Sinne, d. h. von einem dem Beschauer gerade entgegen- gesetzten Standpunkte, angenommen.
11) Vgl. darüber beispielsweise das von mir in der Nura. Ztschr. V, S. 134, Anm. 9 über den von Beischlag missdeuteten Taf. III, Nr. 42 abgebildeten Pfenning mit dem Steinbockkopfe. Auch in der öfters citirten Fnndchronik sind einige Zeichnungen nach schlecht erhaltenen Exemplaren verunglückt, z. B. die fragliche Harpyie mit Krone Fig. 47, aus dem Funde von Sär-Szent-Mihäly, welche nach besseren Stücken als bethürmter Elephant richtig zu stellen ist,
12) Ich habe darum überall dort, wo mir die Beschreibung oder Abbildung bei Leitzmann, oder in den anderen Fundberichten nach reiflicher Erwägung gegründeten Anlass zu Richtigstellung gab, dieselbe ohne weiters veranlasst, und dies nicht besonders hervorgehoben.
80
A. I.uschin-Ebengreuth :
Münzen, deren Werth nicht näher angegeben ist, sind Pfenninge, doch war es im einzelnen Falle nicht immer leicht, bestimmte Grenzen zwischen Pfenningen und Hälb- lingen des gleichen Gepräges herauszufinden, weil es einer- seits sichere Hälhlinge gibt, welche über 0-5 Grm. wiegen, andererseits das Gewicht einzelner Pfenninge wegen Abnützung oder zu dünn geschlagenen Schrötlings bis auf 0-4 Grm. und vielleicht selbst tiefer sinken konnte. Den besten Anhaltspunkt bietet noch die Grösse, welche bei Hälblingen gewöhnlich 11 Mm. (10 bis höchstens 12 Mm.) beträgt, weshalb ich jetzt in Stücken mit grösserem Durch- messer, auch wenn das Gewicht nur 0-40 Grm. beträgt, nicht mehr Hälhlinge, sondern lieber abgewetzte oder zu leicht ausgebrachte Pfenninge, oder endlich die schon Eingangs genannte Sorte von kleineren Pfenningen erkenne, für welche letztere im Allgemeinen das zierlichere Gepräge und der abgerundete Schrötling bezeichnend sind.
Im Uebrigen wird auf die in dem Vorbericht des Auf- satzes „zur österreichen Münzkunde des XIII. und XIV. Jahrhunderts" entwickelten Grundsätze verwiesen.
I. A. Figuren aus dem Thierreiche.
1. Der Mensch und seine Gliedmassen.
1. Hs. GekrönterReiter nach links, den österreichischen Balkenschild in der erhobenen Linken. Unter dem galloppirenden Pferde als Beizeichen eine kleine Lilie.
Rs. Innerhalb eines Perlenkreises ein Dreieckschild mit undeutlicher Vorstellung. Oberhalb desselben R, an den Seiten zwei Ringelchen.
Die Wiener Pfenninge.
81
D. 15/15 Mm. w. 0-57, 0-58, 0-65, 0-68, 0-70, im Durchschnitte (52 Stücke = 33-5 Grm.) = 0-65 Grm., hält 0-490 oder 7 Loth 15 Grän fein
— A, B, C, D, K. ~ Abbildung Nr. 41.
2. Variante mit dem Reiter nach rechts.
D. 13/14 Mm. w. 0-45 ist aber etwas ausge- brochen. — C. — Abb. Nr. 41*.
5. Geharnischter Herzog bis zum halben Leibe, mit blossem Kopfe nach links , in der Rechten ein gezücktes Schwert, in der Linken den Balken- schild.
D. 14/14 Mm. w. 0-53, 0-57, 0-62, 0-70, 0-85 im Durchschnitte (22 Stück = 13 Grm.) = 0-60 Grm. - A, B, C, D, K. — Abb. Nr. 42.
S''. Aehnlicher Pfenning von feinliniger Zeich- nung.
H 8. Das Brustbild des Herzogs erscheint ober einem Bogen, welcher eine Rosette einschliesst.
Rs. Der Panther nach rechts.
D. 15 Mm., abgebildet bei Mader krit. Beitr.H. Taf. I, Nr. 9 und Archiv f. Kd. Ost. Gesch. XXIX, S. 293, Nr. 46. — E.
4. Kleiner Pfenning von ähnlicher Darstellung, nur ist der Herzog in ganzer Figur.
D. 13 Mm. w. 0-40, 0'45, 0-63 Grm. — B, D,E.
— Abbildung Nr. 132.
82
A. Luschin-Ebengreuth ;
5. Hs. Zwischen den gegenaneinder gekehrten Brust- bildern eines Königs und einer Königin, die senkrecht herab gestellten Buschstaben W-I-R.
Rs.
(+) ÄVSTRIÖ der österreichische Balkenschild,, das Ganze von einem glatten und einem geperl- ten Kreise umgeben.
D. 17/17 Mm. w. 85Grm. Vgl. den Holzschnitt und Num. Zeitschr., 1872, IV. Jahrgang S. 40 flF. - E.
6. Hs. Der Balkenschild zwischen zwei von einander
gekehrten Mönchsbrustbildern mit spitz auf- ragender Kapuze.
Rs. Von einer Perlenlinie umgeben?
D. 14/15 Mm. w. 0-50, 0-60, 0-64, 0-69, 0-82, durchschnittlich (24 Stück = 15-2 Grm.) = 0-63 Grm. — A, B, C, D. — Abbildung Nr. 43.
7. Hs. Gekröntes Brustbild von vorne, mit Lilienscepter
und Reichsapfel.
Rs. Zwei von einander gekehrte, aufgerichtete und mit ihren Hälsen verschlungene Drachen.
D. 16/16 Mm. w. 0-70 Grm. Laut Feuerprobe 0-680 oder 10 Loth, 15 Grän fein. — D, H. — Abbildung Nr. 44.
Die Wiener Pfenninge.
83
8. Hs. Gekröntes Brustbild nach links, mit Sehwert und
Reichsapfel. Rs. In einer Bogeneinfassung (vgl. Nr. 98) gekrönter jugendlicher Kopf von vorne.
D. 15/15 Mm. w. 0-53, 0.63. — A, B, D, E — Abbildung Nr. 45.
9, Hs. Ebenso nach rechts gekehrt und von gröberer
Zeichnung. Rs. Undeutlich.
D. lG/16 Mm. w. 068 Grm. — D, E. — Ab- bildung Nr. 46.
Ein ziemlicli bedeutender Fund von Pfenningen, welche eine gleiche, nur feinlinigc Darstellung auf der Haupt- seite und einen nach rechts schreitenden gekrönten Greif innerhalb eines Perlenstabes aufweisen, wurde im October 1873 nebst mehreren 20/26 Mm. im Durchmesser haltenden Bracteaten mit dem böhmischen Löwen, zu Pfaffenmünster bei Straubing gemacht, und ist im Anzeiger für Kunde deutscher Vorzeit, 1874, Sp. 63 beschrieben.
10. Brustbild nach rechts, mit hochkrämpiger Mütze, in der Rechten?, in der Linken eine Fahne? D. 15/15 Mm., 0-55 Grm. — E. — Abbildung
Nr. 49.
11. Hs. Drei Mönchsköpfe mit aufragender Kaputze in Dreipass gestellt. Rs. Ein Kreuz (nach einem Exemplare des k. k. Münz- und Antikencabinets in Wien).
D. 14/15 Mm., stark abgenützt, w. 0-45 Grm. C. — Abbildung Nr. 8.
6*
84
A. Luschiii-Ebengreuth :
12. Hs. Gekrönter Kopf ober einem laubartigen Zierat.
Rs. Von einem Perlenstabe umschlossen : gekrönter Greif nach rechts.
D. 14/15 Mm., w. 0-60, 0-69, 0-70, 0-73, 0-80 Grm. — B, D. - Abbildung Nr. 50.
12*. Gleiche Pfenninge aber auf kleinerem Schrötling, und daher früher als Hälbling betrachtet.
D. 13 Mm., w. 0-50, 0-53 Grm. — Abbildung Nr. 134. Laut Feuerprobe 0-650 oder 10 Loth, 7 Grän fein.
12''. Hs. Kleiner Pfenning. Gekrönter Kopf ober zwei Lilien.
Rs. Gekrönter Greif, wie frliher.
D. 13 Mm., w. 0-53 Grm. — D. — Abbildung Nr. 134».
13. Hs. Aehnlich, doch ist der Kopf mit einem Hute
bedeckt. Rs. Ein Adler?
D. 15/15 Mm., w. 0-64, 0-68 Grm. — A, C, D. — Abbildung Nr. 47.
14. Gleicher Hälbling.
D. 11 Mm., w. 0-30, 032 Grm. — J. - Ab- bildung Nr. 135.
15. Hs. Gekrönter Kopf nach rechts.
Rs. In einem von Rös'chen umgebenen Kreise die Majuskel R.
D. 15/16 Mm., w. 0-60, 0-62, 0-63, 0-71 Grm. E. — Abbildung Nr. 48.
Die "Wiener Pfenninge.
85
16. Hälbling. Hs. Gekrönter Kopf mit herabwallendem Haar.
R8. Unter einem mit Seitenthtirmehen versehenen Bogen ein gekrönter Kopf.
D. 12 Mm., w. 0-45, 0-46, 0-50 Grm. — B, D. Abbildung Nr. 133.
Anmerkung: Ein Pfenning gleichen Gepräges, den ich be- sitze, hat einen Durchmesser von 16/17 Mm. und wiegt 0-76 Grm.
17. Kopf mit lockigem Haar und einem in drei Spitzen auslaufenden Hute.
D. 15/15 Mm., wiegt bei starker Abnutzung 0-50, 0-53, 0-60 (5 Stück = 2-8) Grm., bei guter Erhaltung 0-70 Grm.
Ein im k. k. Münz- und Antikencabinete zu Wien verwahrtes Exemplar zeigt auf der Rs. den Greif, wie bei Nr. 12.
A, B. — Abbildung Nr. 51.
18. Ebenso, aber Hälbling.
D. 11 Mm., w. 0-30 Grm. — C, J. — Ab- bildung Nr. 136.
19. Lockiger Kopf, mit dem Herzogshute von vorne.
D. 15 Mm., w. 0-52, 0-53, 0-54, 0-55, 0-64, 0-70 Grm. durchschnittlich (22 = 11-88 Grm.) = 0-54 Grm. — A, B, C, D, K. — Abb. Nr. 52.
20. Ebenso, aber Hälbling.
D. 11 Mm., w. 0-32, 0-35, 0-37, 0-42, 0-44, 0-47, 0-50 im Durchschnitte (7 Stück = 2-8 Grm.) = 0-40 Grm, _ B, J. - Abb. Nr. 137.
86
A. Luschin-Ebengreuth :
21. Kopf mit lockigem Haar und einem aus zwei Oehsenliörnern gebildeten Hauptschmuck.
D. 14/15 Mm., w. 048, 0-55 Grm. — C, D, E, G. — Abbildung- Nr. 1.
22. Bärtiger Kopf nach rechts, mit rundem Hute und grob gezeichnetem lockigem Haar.
D. 15/16 Mm., w. 0-45, 0 50, 0-52, 0-54, 0-58, 0-70 durchschnittlich (55 Stück = 34-03) = 0 62 Grm., hält nach der Feuerprobe 0-630 oder 10 Loth, 1 Grän fein. - A, B, C, D, K. — Ab- bildung Nr. 03.
23. Grobgezeichneter Kopf, mit lockigem Haar nach links.
D. 14/15 Mm., w. 0-47, 0-56, 0-57, 0-60, 0-83 im Durchschnitte (56 Stück = 37-83) = 0-68 Grm. — A, B, C, D, K, M. — Abbildung Nr. 54.
24. Kopf einer Nonne mit runder Kaputze nach links.
D. 13/15 Mm., w. 0-49, 0-62, 0-64, 0 65, 0-70 im Durchschnitte (25 Stück = .U-98) = 0-60 Grm. — A, B, C, D, K. — Abbildung Nr. 55.
25. Ebenso, aber Hälbling.
D. 11 Mm., w. 0*30 Grm. - J. - Abbildung Nr. 138.
26. Gesicht innerhalb eines mit Knorren besetzten Reifens. (Vollmond?)
D. 15/16 Mm., ziemlich rund, w. 0-46, 0-50, 0-63, 0-70 im Durchschnitte (19 Stück = 1072) = 0-56 Grm. — A, B, C, D, F, K. — Abbildung Nr. 56.
Die Wiener Pfenninge.
87
27. Hälbling-, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-33, 0-34 Grm. - J. — Ab- bildung Nr. 139.
28. Ungestalteter Kopf , ober demselben ein Stern- chen und ?
D. 15/15 Mm., w. 0-53 Grm. — B. — Abbildung Nr. 57.'
29. Bärtiger Kopf nach links , vor demselben ? oberhalb?
D. 13/14 Mm., w. 0-38 Grm., stark abgenützt.
— B. — Abbildung Nr. 58.
2. Vierfüssige Thiere.
30. H s. Der Balkenschild zwischen zwei auswärts ge-
stellten , aufgerichteten und mit dem Kopfe zurückgewandten Löwen.
Rs. -I- DVX OThTtChGR Gekrönter Kopf von vorne. Abgerundet oder eckig.
D. 16 Mm., w. 0-49, 0-60, 070, 0-71, 0-74 im Durchschnitte. (9 Stück = 6-23) = 069 Grm. Nach der Feuerprobe 0-800, oder 12 Loth, 14 Grän fein. — B, D. — Abbildung Nr. 59.
31. Hs. Der Balkenschild, über welchen ein Kreuzscepter
aufragt, zwischen zwei aufgerichteten und aus- wärts gestellten Löwen.
Rs. In einem mit Kleeblättern besetzten Dreibogen ein grosses V. Abgerundete Ecken.
D. 16 Mm., w. 0-71, 0-77, 0.84 Grm. — D, E.
— Abbildung Nr. 29.
88
A. Luschin-Ebengreuth :
32. Hs. Seil reitender Löwe nach links, über demselben
der Ralkenschild K s. In einer feinen Kreiseinfassnng ober einem Halb- bogen ein wachsender Adler, unter demselben ein schreitender Panther nach rechts. Abgerun- dete Ecken.
D. 16 Mm., w. 0-67, 068, 0-71 Grm. Nach der Feuerprobe 0-680, oder c. 10 Loth, 16 Grän fein. — D, H. - Abbildung Nr. 61.
33. Hs. Schreitender Löwe nach rechts, mit zurück-
gewandtem Kopfe. Rs. Ein aus Bögen, welche in Kleeblätter endigen^ bestehender Zierat.
D. 16/17 Mm., w. 0-52, 0-56, 0-68 Grm. — B, E. — Abbildung Nr, 60.
34. H s. Zum Streite gerichteter Löwe nach rechts, mit
emporgesträubtem, an der Spitze getheiltem Schweife, den Balkenschild auf der verdeckten linken Vorderpranke. Im Felde ein Kreuzchen. Rs. Unter einem mit zwei Seitenthürmen versehenen Kirchengiebel , ein nach rechts schreitender Wolf (?), über welchem ein Stern schwebt. Das Ganze von einer feinen Kreislinie umgeben.
D. 15/15 Mm., w. 0-68, 0-71, 0-75 Grm. — D, E. — Abbildung Nr. 62.
35. Aufgerichteter Löwe nach links, mit zurück- gewandtem Kopfe,
D. 15/16 Mm., w. 0-73 Grm. — B. — Ab- bildung Nr. 63.
Die Wiener Pfenninge.
89
36. Ebenso, aber ruhend.
D. 14/14 Mm., w. 0-40, 0-47, 0-53, 0-55 Grm.
A, B, C, E, F, K, L. - Abbildung Nr. 65.
37. Hälbling, wie Nr, 36, aber der Löwe gekrönt.
D. 12/12 Mm., w. 0-36, 0-41 Grm. - D, E, J. — Abbildung Nr. 141.
38. Aufgerichteter Löwe nach rechts.
D. 16/17 Mm., w. 0-55, 0-60, 0-70 Grm. — A,
B, CD, E, F, H? — Abbildung Nr. 64.
39. Hälbling, ebenso.
D. 12 Mm., w. 0-35 Grm. — J. — Abbildung Nr. 140.
40. Wachsender Bär (?) nach rechts gekehrt.
D. 15/15 Mm., w. 0-53 Grm. — B, E. — Ab- bildung Nr. 66.
41. Kleiner Pfenning. Der Oberkörper eines Bären und die Hälfte eines Adlers, Rücken an Eücken gestellt.
D. 12/13 Mm., w. 0-67 Grm. _ D, E. - Ab- bildung Nr. 142.
42. Hs. Elephant nach rechts, einen Thurm auf dem Rücken tragend.
90
A. Luschln-Ebengreuth:
R s. Vier Schilde ins Kreuz gestellt, zweimal einen Balken, zweimal ein Kreuz enthaltend, das Ganze umgibt ein glatter innerer, und ein geperlter äusserer Kreis.
D. 16/17 Mm., w. 0-8 (bei anderen Exemplaren 0-73, 0-74, 0-75) Grm. _ E, J. — Vgl. Num. Zeitsehr. IV, S. 42.
43. Hirsch nach rechts.
D. 15/15 Mm., 0-59 Grm. — D. - Abbildung
Nr. 67.
44. Hirschkopf von vorne.
D. 14/15 Mm., w. 0-46 Grm. abgewetzt. — A, C, E, G. - Abbildung Nr. 19.
45. Steinbockkopf nach rechts.
D. 14/15 Mm., w. 040, 0-52, 0-56, 0-57, 0-60, 0-82 im Durchschnitte (10 Stück = 6-52, 6-55, 6-62, 100 Stück = 64-00, 65-8) 0-64 Grm., hält laut Feuerprobe 0-580 oder 9 Loth, 5 Grän fein. A, B, C, D, K, L, M. — Abbildung Nr. 15.
Anmerkung. Es gibt auch gleichzeitige Falschmünzer- producte.
45*. Variante mit einem Punkte als Beizeichen vor dem geöffiieten Maul,
D. 14/16 Mm., w. 0-50, 0-55, 0-58, 0-59, 060, 0-62, 0-63, 0-64, 0-65, 0-66, 0-87, im Durch- schnitte (je 10 Stück 5-45, 6-00, 6-02, 6-32, 6-40 [4 Mai] 6-42, 6-50, 100 Stück =62-5 Grm.) 0-62 Grm. Ist nach der Feuerprobe 0-574 oder 9 Loth, 3 Grän fein. — A, B, C, K.
Die \Vieiier Pftiniingo.
91
46. Hälbling. Steinbockkopf nach rechts.
• D. 11/11 Mm., viereckig, w. 0-20, 0-38 Grm. B, C. — Abbildung Nr. 143.
46* . Hälbling, ebenso, aber mit dem Punkte als Bei- zeichen.
D. 11/11 Mm., viereckig, w. 0-17, 0-23 Grra. - B.
47. Hs. Osterlamm nach rechts.
Rs. In einer aus vier Ecken und vier Bögen bestehen- den Einfassung ein rechtssehender Adler.
D. 14/15 Mm:, w. 0-52 Grm. - A, B, C, D, E,F, G. — Abbildung Nr. 68.
48. Hälbling, ebenso.
D. 12 Mm., w. 0-46 Grm. — J. — Abbildung
Nr. 144.
49. Nach links schreitender Widder, mit zurück- gewandtem Kopfe.
D. 15/15 Mm., w. 0-70 Grm. — D. — Ab- bildung Nr. 69.
50. Kleiner Pfenning. Ebenso, doch zierlicher in der Zeichnung.
D. 12/13 Mm., w. 0-48 Grm. — D, J. — Ab- bildung Nr. 145.
51. Widderkopf nach rechts .
D. 13/14 Mm., w. 030, 0-35, 0.45, 0 52 Grm. K, L, M. — Abbildung Nr. 17.
92
A. Luschin-Ebengreuth :
52. Aufrechtsitzendes Eichhörnchen nach links.
D. 15/16 Mm., w. 0-43, 0-47, 0-50, 0-63, durch- schnittlich (19 Stück = 10-47) = 0-55 Grm. — A, B, C, D, G, K. — Abbildung Nr. 70.
53. Hälbling. Ebenso, auf der Rückseite ein Adler, wie bei Nr. 47.
D. 11 Mm., w. 0-34, 0-36, 0-40 Grm. — J. — Abbildung Nr. 147.
54. Hase nach links schreitend.
D. 15/15 Mm., w. 046, 0-50, 0-70 Grm., im Durchschnitte (19 Stück = 11-57) = 0-55 Grm. - A, B, C, D. - Abbildung Nr. 71.
55. Hs. Hase nach rechts schreitend.
R 8. In einer Bogeneinfassung, aufgerichteter Panther nach rechts.
D. 15/16 Mm., w. 0-53, 0-59, 0-63, im Durch- schnitte (8 Stück = 4-37) 0-55 Grm. — A, B, C, D, E. — Abbildung Nr. 72.
56. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-35, 0-36, 0-50 Grm. — J. — Abbildung Nr. 142.
57. Kleiner Pfenning. Hs. Nach rechts springender Hund, oberhalb der Balkenschild, unterhalb ein Blatt?
Rs. Gekrönter Kopf, ober?
^ D. 13/14 Mm., abgerundet, w. 0-50, 0-55, 0*57,
0-63 Grm. B, D, E. — Abbildung Nr. 148.
Die Wiener Pfenninge.
93
58. Brackenkopf nach rechts.
D. 14/15 Mm., w. 047, 0-60, 0-64, 0-69, 0-82, 0-84 Grm., durchschnittlich (53 Stück = 34-06) = 0-62 Grm. - A, B, C, K. - Abb. Nr. 73.
3. Vögel.
59. Hs. Gekrönter nach rechts blickender Adler, den
Balkenschild (?) auf der Brust.
Rs. -I- IH^Tlljöi In einem Kreise zwischen zwei Ringelchen F(ridericus II.)
D. 15/15 Mm., w. 0-50, 0-62, 0-66, 0-69, 0*70, 0-80, durchschnittlich 0-67 Grm. ist 0-690 oder 11 Loth fein. _ D, H. — Abbildung Nr. 74.
Anmerkung. Es gibt von diesem Stempel auch gleichzeitige Falschmünzerproducte, deren eines ich besitze.
60. Hs. Nach rechts blickender Adler, den Balkenschild
auf der Brust.
Rs. Panther (?) nach rechts.
D. 15/16 Mm., w. 0-93 Grm. — E. — Ab- bildung Nr. 76.
61. Hs. Nach rechts auffliegender Adler.
Rs. Wie es scheint, identisch mit der bei Nr. 33 be- schriebenen (Nr. 60 abgebildeten) Rückseite.
D. 16/17 Mm., w. 0-87 Grm. — D. — Ab- bildung Nr. 75.
62. Hälbling, ebenso.
D. 10 Mm., w. 0-30 Grm. - D, J. — Ab- bildung Nr. 150.
94
A. Luschin-Ebengreuth :
63. Adler nach rechts auffliegend , mit zurück- gewandtem Kopfe.
D. 14/15 Mm., w. 0-52 Grm. -. C, E.— Ab- bildung Nr. 10.
64. Wachsender Adler nach links blickend , ober einem bezinnten Thurme.
D. 15/15 Mm., w. 0-40, 0-50, 0-52, 055, 0-57, 0-60, 0-62, 0-66 durchschnittlich (27 Stück = 16-89) = 0-62 Grm. — A, B, C, E. — Abbildung Nr. 77.
65. Hälbling, ebenso.
D 11 Mm., w. 0-35 Grm. — J. - Abb.Nr.l51.
66. Adler nach links schreitend, im Flügel den Balkenschild.
D. 14/14 Mm., w. 0-47, 0-53, 0-54, 0-62, im Durchschnitte (18 Stück = 10-83) = 060 Grm. — A, B, C, D, G. — Abbildung Nr. 78.
67. Hälbling, ebenso, auf der Rückseite ein Kopf?
D. 11 Mm., w. 0-33, 0-34, 0-37, 0-38, 0-52, im Durchschnitte (7 Stück = 2-76) = 0-39 Grm. — B, J. — Abbildung Nr. 152.
68. Hälbling. Adler nach rechts schreitend.
D. 11 Mm., w. 0-26 Grm. — B, D. - Abbil- dung Nr. 149. Es gibt auch kleine Pfenninge von diesem Stempel, welche 13 Mm. im Durchmesser haben und 0*65 Grm. wiegen.
69. Kleiner Pfenning. Wachsender Adler, zwischen den zum Fluge erhobenen Flügeln Halbmond und Stern.
Die Wiener Pfenninge.
95
Rs. Ein Baum, nn dessen Fiisse zu beiden Seiten je ein Adler erscheint (?)
Viereckig und rund. D. 13/14 Mm., w. 0-51, 0.54, 0-82 Grm. — B, D, E. — Abbildung Nr.79.
70. Adlerflug, darüber der Balken schild.
D.14/15Mm., w.0-50, 0-55, 0-56, 0-62, durch- schnittlich (17 Stück = 10-24) = 0-60 Grm. — A, B, C, D. — Abbildung Nr. 81.
71. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-31, 0-32, 0-36, 0-38 Grm. — J. — Abbildung Nr. 153.
72. Schwan nach links schreitend.
Rs. In einer Bogeneinfassung der Panther (?)
D. 15/16 Mm., w. 0-69, 0-84 Grm. — A,\, E.
— Abbildung Nr. 82.
73. Hälbling, ebenso.
D. 12 Mm., w. 0-35 Grm. — B, C. — Ab- bildung Nr. 167.
74. Drei Vogelköpfe im Dreipass.
D. 14/15. Mm., w. 0-46, 0-49, 0-60, 0-64, 0-70, im Durchschnitte (46 Stück = 29-58) = 0-64 Grm. — A, B, C, D, K. - Abbildung Nr. 80.
75. Hälbling. Vogelkopf nach rechts.
Viereckig. D. 12/12 Mm., w. 0-30 Grm. — C.
— Abbildung" Nr. 154.
96
A. Luschln-Ebpngrcuth:
4. Fische.
76. Hs. Drei Fische um ein Kleeblatt hn Kreise herum- schwimmend.
«
Rs. Einfacher Adler in einer aus vier Winkeln und vier Bögen gebildeten Einfassung, welche aussen von Kreuzchen umgeben wird,
D. 15/16 Mm., w. 0-57, 0-67 Grm. — A, ß, D, E. — Abbildung Nr. 83.
77. Hälbling, ebenso.
D. 12 Mm., w. 0-37 Grm. — J. — Abbildung Nr. 1.55.
78. Der Balkenschild zwischen zwei einwärts ge- kehrten Fischen.
D. 14/14 Mm., w. 0-44, 055, 0-57, 0-59, 0-62, im Durchschnitte (12 Stück= 6-87) = 0-56 Grm. — A, B, C, D. — Abbildung Nr. 31.
79. Hs. Hälbling, ebenso.
Rs. Gekröntes Brustbild im Vollgesicht.
D. 11 Mm., w. 0-35, 0-36, 0-37, im Durch- schnitte ^J Stück = 2-5) = 0-36 Grm. — J. - Abbildung Nr. 156.
80. Thurm zwischen zwei auswärts gekehrten Fischen.
D. 14/15 Mm., w. 0-50, 0-51, 0-62, 0-65, 0-66, 0-74 Grm. im Durchschnitte (79 Stück = 5080) = 0-62 Grm. — A, B, C, D, K, M. —Abbildung Nr. 84.
Die Wiener Pfenninge.
97
81. Säule? oder schlanker Thurm zwischen zwei nach einwärts gekehrten Fischen.
D. 15/16 Mm., w.0-.55Grm. — B. — Abb.Nr.85.
.82. ZusammengekrUmmter Fisch (?)
D. 14/15 Mm., w. 0-60, 0-64 Grm. — B. — Abbildung Nr. 86.
I. B. Figuren aus dem Pflanzenreiche.
83. Drei grosse Kleeblätter (?) im Dreipass, rohe Arbeit.
D. 15/15 Mm., w. 0-45, 0-47, 0-65, 0-70, im Durchschnitte (46 Stück = 29-67) = 0-64 Grm.
— A, B, C, D, K. - Abbildung Nr. 87.
84. In einem Dreibogen , den aussen drei Kugeln umgeben, drei Kleeblätter im Dreipass.
D. 14/14 Mm., w. 0-44, 0-50, 0-56, 057, 0-70, im Durchschnitte (18 Stlick= 10-49) =0-58 Grm.
— A, B, C, D, F. — Abbildung Nr. 88.
Sb Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w.0-29, 0-35, 0-37,0-39, im Durch- schnitte (5 Stück = 1-85) = 0-37 Grm. — J. — Abbildung Nr. 157.
:85». Drei geschweifte Blätter im Dreipass.
D. 14/14 Mm., w. 0-60 Grm. — B. — Ab- bildung Nr. 116.
86. Dreigetheiltes, gezacktes Blatt, mit kurzem Blatt- stiel, in den oberen Winkeln zwei Kugeln.
7
98
A. Luschin-Ebengreuth :
ü. 14/15 Mm., w. 0-46, 0-51, 0-52, 0-55, 0-68^ 0-70, 0-71, 0-73, im Durchschnitte (38 Stück = 23-83) = 0-62 Grm. — A, B, C, D, K. — Ab- bildung Nr. 89.
87. Drei Lilienscepter und drei Balkenschilde ab- wechselnd im Dreipass gestellt.
D. 15/15 Mm., w. 0-47, 0-54, 0-57, 0-60 0-61 Grm., im Durchschnitte (32 Stück = 19-25) = 0-60 Grm. Nach der Feuerprobe 0-670 oder 10 Loth 13 Grän fein. — A, B, C, K. — Abbildung Nr. 37.
Anmerkung. Existirt auch als gleichzeitiges Falschmünzer- produet.
88. Balkenschild ober zwei Lilien.
D. 15/16 Mm., w. 0-57, 0-84 Grm. — C — Abbildung Nr. 90.
89. H 8. Stern aus sechs Liliensceptern.
Rs. "i- HER der böhmische Löwe nach links.
D. 15/15 Mm., w. 0-65, 0-68, 0-73, 0-75 Grm. im Durchschnitte (20 Stück = 14-5) = 0-72 Grm. Hält laut Feuerprobe 0-710 oder 11 Loth 6 Grän fein.— D, J. — Abbildung Nr. 91.
90. H s. Stern aus sechs Linien.
Rs. Aufgerichteter Panther nach rechts.
D. 15/15 Mm., w. 0-60, 0-71 Grm. — D. — Abbildung Nr. 92.
91. Hs. Sechsblättrige Rose, in deren Mitte der Balken -
Schild erscheint.
Die Wiener Pfenninge.
99
Rs. Nach Maders Abbildung (Beiträge II, Taf. II, Nr. 8) identisch mit der Nr. 6 beschriebenen, Nr. 44 abgebildeten Rückseite : zwei auswärts gekehrte und mit den Hälsen verschlungene Drachen.
D. 14/14 Mm., w. 0-42, 0-64, 0-65, 0-70 Grm., im Durchschnitte (22 Stück = 12-42 Grm.) = 0-55 Grm. — A, B, C. — Abbildung Nr. 39.
92. Blume? (Granatapfel?)
D. 15/15 Mm., w. 0.49 Grm. — B. — Ab- bildunir Nr. 93.
I. C. Figuren aus dem Welt- und Erdreich.
93. Der Balkenschild aufeinem sechsspitzigen Sterne.
D. 15/15 Mm., w. 0-37, 0-41, 0-48, 0-50, 0-51,
0-55, 0-63, 0-70 im Durchschnitte (21 Stück =
11-48 Grm.) = c. 0-55 Grm. (abgewetzt). — A,
B, C. — Abbildung Nr. 94.
94. Hs. Hälbling, ebenso.
Rs. Greif? nach rechts.
D. 11 Mm., w. 0-32, 0-35, 0-37 Grm. — J. — Abbildung Nr. 158.
95. Hs. Sechsstrahliger Stern, in den Winkeln unge-
stielte Kleeblätter, in der Mitte einen Punkt, welchen ein vertiefter Ring umgibt.
Rs. Adler nach rechts blickend, in einer aus vier Halbbögen und vier Winkeln gebildeten Ein- fassung. Vgl. auch Nr. 47, 53, 76.
7*
100
A. Luscliin-Ebengreuth :
D. 15/16 Mm., w. 0-56, 0-77 Grm., im Durch schnitte (7 Stück = 4-05 Grm.) = 0-58 Grm.— Ist nach der Feuerprobe 0-663 oder 10 Loth 11 Grän fein. — A, B, C, D, E, F, G. — Ab- bildung Nr. 95.
96. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-35, 0-44 Grm. — B, J.
97. Kleiner Pfenning. H.s. Aehnliche Darstellung, doch sind die Kleeblätter gestielt, und in der Mitte erscheint statt des Ringes und Punktes ein ver- tiefter sechsstrahliger Stern.
Rs. In einem Kreise, den aussen Sternchen umgeben, ein gekrönter Kopf,
Rund. D. 13 Mm., w. 055, 0-59 Grm. — D, E.
— Abbildung Nr. 159.
II. Phantasiegestalten.
1. Engel.
98. Hs. Brustbild eines Engels, einen Herzogshut auf dem Kopfe und den Balkenschild auf der Brust.
Rs. Aufgerichteter Panther nach rechts in einer sechsbögigen Einfassung. Kräftige Zeichnung, und Seitenstück zu Nr. 8.
D. 14/15 Mm., w. 0-59, 0-74 Grm. - B, C, E. - Abbildung Nr. 97.
Die Wiener Pfenninge.
101
99. Hälbling. Hs. ebenso; Rs. undeutlich.
D. 11 Mm., w. 0-34, 0-35, 0-40 Grm. — J. — Abbildung Nr. 160.
100. Hs. Rühgezeichnetes Brustbild eines Engels.
Rs. Nach rechts schreitender Schwan.
D. 16/16 Mm., w. 0-45, 0-50, 0-57, 0-64, 0-68, 0-72 im Durchschnitte (29 Stück = 18-2 Grm.) 0-63 Grm. - A, B, C, K. — Abbildung Nr. 96.
2. Ungeheuer mit menschlichen Gliedmassen.
101. Gekrönter Meermann von vorne, in zwei Fisch- schwänze endigend, welche er mit beiden Händen festhält.
D. 15/15 Mm., w. 0-47, 0-50, 0-54, 0-60, 0-62, 0-66, 0-70 Grm., im Durchschnitte (14 Stück = 7-98 Grm.) = 0-57 Grm. — A, B, C, F, K. — Abbildung Nr. 98.
102. Hälbling, ebenso.
D. 11—12 Mm., w. 0-31, 0-32, 0-37 Grm., im Durchschnitte (6 Stück = 2-05) = 0-33 Grm.— J. — Abbildung Nr. 161.
103. Meermann nach links , mit Mönchskapuze und Fischschwanz.
D. 15/16 Mm., w. 0-50, 0-54, 0-60, 0-77 Grm.. im Durchschnitte (5 Stück = 2-69) = 0-54 Grm. - A, B, C, D, E, K. - Abbildung Nr. 6.
104. Hälbling, ebenso.
D. 1 1 Mm., w. 0-32, 0-40 Grm. — J. - Ab- bildung Nr. 169.
109
^^^ A. Luschin-Ebengreuth :
105. Hs. Harpyie mit gekröntem Kopfe und drachenarti- gem, empor geringeltem Schweife, nach rechts.
Rs. Bogeneinfassung, darin ?
D. 15/16 Mm., w. 0-40, 0-53, 0-60, 0-63, 0-66 Grm., im Durchschnitte bei ziemlicher Abwetzung (9 Stück = 4-86) = 0-54 Grm. - A, B, C, D, E. - Abbildung Nr. 99.
106. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-33 Grm. — J. — Abbildung Nr. 162.
3. VierfUssige Ungeheuer.
107. Panther mit Balkenschild nach rechts.
D. 16/17 Mm., w. 0-71, 0-75 Grm. - B, E. —
Abbildung Nr. 105.
108. Kleiner Pfenning. Panther nach rechts, in der rechten Vorderpranke ein Schwert.
D. 12—13 Mm., w. 0-52 Grm. — D, E. — Abbildung Nr. 168.
109. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-43 Grm. — J.
110. Zurücksehendes Einhorn, nach links schreitend, unter dem Hörne der liegende Balkenschild.
D. 15/15 Mm., w. 0-52, 0-53, 0-55, 0-63, 0-70, 0-75, 0-83 Grm., im Durchschnitte (22 Stück = 13-33 Grm.) 060 Grm. — B, C, D, K, M. - Abbildung Nr. 12.
Die Wiener Pfenninge
103
111. Nach rechts schreitendes üngethUm, mit langen Ohren und zurlickgebogenem, struppigem Halse.
D. 15/15 Mm., w. 0.57 Grm. — C. — Ab- bildung Nr. 25.
4. Drachen, Greife u. dgl.
112. Drache nach rechts, mit zurückgewandtem Kopfe und emporgeringeltem Schweife, ober dem Rücken der Balkenschild.
D. 15/16 Mm., w. 0-48, 0-50, 0-56, 0-57, 0-70 Grm., im Durchschnitte (45 Stück = 27-87 Grm.) 0-62 Grm. — A, B, C, D, E(?), K. - Abbildung Nr. 100.
113. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-4 Grm. — J. - Abbildung Nr. 163.
114. Hs. Wie oben, doch von zierlicherer Arbeit und ohne
den Balkenschild.
Rs. Nach rechts schreitender Hirsch.
D. 15/16 Mm., w. 0-73 Grm, — A, B, D, E, F.
— Abbildung Nr. 102.
1 15. Hs. Aehnlich, doch von roherem Schnitte, und der
Kopf des Drachen wolfsartig gestaltet.
D. 14/15 Mm., w. 055 Grm. — B, D, E (?) — Abbildung Nr. 103.
116. Drache nach rechts, mit wolfsartigem Kopfe und emporgehobenem Schweife.
D. 15/14 Mm., w. 0-47, 0-49, 0-52, 0-58 Grm.
- A(?), B, C, D, F, G. — Abbildung Nr. 23.
-•^^ A. Luschin-Ebengreuth :
117. Draohe nach rechts, der zurückblickende Kopf ist vogelartig, der dicke Schweif eingezogen.
D. 15/16 Mm., w. 0-65, 0-72, 0-80 Grm., im Durchschnitte (5 Stück = 3-67 Grm.) = 0-73 Grm. — A, B, C, D, K. — Abbildung Nr. 27.
118. Hs. Drache nach links, mit dem Kopfe zurückblickend nach einem Zinnenthurm, den er auf dem Rücken trägt, den Schweif emporgeringelt.
Rs. Fünf Lilien zu einem fünfspitzigen Stern zusam- mengestellt und von einer feinen Kreislinie ein- gefasst.
D. 16/16 Mm., w. 0-72, 0-75 Grm. — D. — Abbildung Nr. 101.
119. Drache nach links, mit aufgeringeltem Schweife.
D. 15/16 Mm., w. U-42, 0-52, 0-66, 0-71 Grm., im Durchschnitte (13 Stück = 7-27 Grm.) = 0-56 Grm. — B, C, D, K. - Abbildung Nr. 21.
120. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-31, 0-37 Grm. - J. - Ab- bildung Nr. 164.
121. Hs. Ein sich umsehender gekrönter Drache nach links, mit aufgeringeltem Schweife.
Rs. Der österreichische Balkenschild von einer Blät- tereinfassung umgeben.
D. 15/16 Mm., w. 0-72 Grm. — D. - Abge- bildet Archiv für österr. Geschichte XLI, Taf I, Nr. 21, als grosser viereckiger und ebendort Nr. 20 als kleinerer abgerundeter Pfenning.
Die Wiener Pfenninge.
105
122. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-42 Gm. — J. — Abbildung Nr. 165.
123. Drei Drachenköpfe im Dreipass.
D. 14/15 Mm., w. 0-50, 0-52, 0-60, 0-65 Grm., im Durchschnitte (15 Stück = 9-39 Grm.) = 0-62 Grm. — A, B, C, D, G. K. — Abbildung- Nr. 104.
124. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-32, 0-37, 0-43, 0-44 Grm., im Durchschnitte (8 Stück = 3-1 Grm.) = 0*38 Grm. Hält nach der Feuerprobe 0-600 oder c. 9 Loth 11 Grän fein. — J. — Abbildung Nr. 166.
125. Unter einem Adlerfluge ein oder zwei räthsel- hafte Ungethüme.
D. 15/15 Mm., w. 0-49 Grm. — B. — Ab- bildung Nr. 106.
III. Künstliche Figuren.
1. Werkzeuge, Geräthe, Fahrnisse.
2. Waffen, Schmuck.
126. Gekrönter Helm, mit herabwallendem Federbusch zwischen den Buchstaben R — V.
D. 14/15 Mm., w. 0-57, 0-62, 0-69, 0-75, 0-76, 0-80 Grm. im Durchschnitte (6 Stück = 4-19 Grm.) = 0-70 Grm., hält nach der Feuerprobe 0-584 oder 9 Loth 6 Grän fein. — B, K. — Abbildung Nr. 33.
^^^ A. Lusehin-Ebengreuth:
127. Der Balkenschild, von drei gegeneinander ge- stellten Kronen umgeben,
D. 15/15 Mm., w. 0-50,, 0-57, 0-67, 0-70 Grm., im Durchschnitte (20 Stück = 12-25 Grm.) = 0-61 Grm. - A, B, C, K. — Abbildung Nr. 119.
3. Kleidungsstücke.
4. Gebäude und Theile von Gebäuden.
128. Zinnenthurm ober einem Thorbogen, in welchem ein Kleeblatt sich befindet. Zu beiden Seiten des Thurmes je ein Balkenschild.
D. 15/15 Mm., w. 0-50, 053, 0-75 Grm., im Durchschnitte (14 Stück = 7-93 Grm.) = e. 0-57 Grm. — A, B, C, D. - Abbildung Nr. 35.
129. Hälbling, ebenso.
D. 11—12 Mm., w. 0-42, 0-52 Grm. — J.- Abbildung Nr. 170.
130. Thurm (neben welchem im Felde ein grosses Kreuz schwebt) aus einer Zinnenmauer aufragend,
D. 14/14 Mm., w. 0-42 Grm. — B. - Ab- bildung Nr. 108.
131. Kreuzsäule zwischen zwei auswärts gestellten Halbmonden, unterhalb?
D. 15/16 Mm., w. 044 Grm. — B. — Ab- bildung Nr. 109.
5. Marken.
6. Verschiedene Zieraten.
132. Hs. In einem Blätterzierat ein freischwebendes Kreuz.
Die Wiener Pfenninge.
107
Rs. Der gekrönte böhmische Löwe (mit einfachem Schweife) nach rechts. Das ganze umgibt eine feine Kreislinie.
Kleiner Denar, abgerundet. D. 13 — 14 Mm., w. 0-51, 0-55, 0-56 Grm. - D, E. — Abbildung Nr. 110.
133. Hs. Stern aus fünf laubartigen Zieraten an geboge- nen Stielen.
Rs. Gekrönter Kopf, das Uebrige undeutlich.
D. 15/16 Mm., w. 0-44, 'O-bb, 0-65, 0-66, 0-72 Grm., im Durchschnitte (7 Stück = 4-06 Grm.) = 0-58 Grm. — A, B, C, D. — Abb. Nr. 111.
Anmerkung. Ich besitze auch ein gut gerathenes gleichzeitiges Falschmünzerproducl.
134. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-30, 0-32, 0-38 Grm. — J. — Abbildung Nr. 171.
135. Kreuz aus vier herzförmigen Blättern, mit Ringen in den Winkeln.
D. 14/15 Mm., w. 0-40, 0-44, 0-52, 0-62, 0-65, 0-67, 0-75 Grm., im Durchschnitte (44 Stück = 27-23 Grm.) = 0-62 Grm. — A, B, C, K. — Abbildung Nr. 112.
136. Ebenso Variante, welche innerhalb des von den ausgeschweiften Blattstielen freigelassenen ver- tieften Kreuzchens einen Punkt hat.
D. 15/15 Mm., w. 0-44 Grm., siehe Abb. Nr. 113; ein missrathenes Falschmünzerproduct aus dem Funde C siehe Abbildung Nr. 115.
108
A. Luschln-Ebengreuth :
136*. Hälbling:, ebenso.
W. 0-27, 0-28, 0-35, 0-37, 0-39 Grm.
137. Kreuz aus vier Blumenkelehen gebildet.
D. 13/14 Mm., w. 0-42, 0-55, 0-58, 0-61 Grm., im Durchschnitte (38 Stück = 22-37 Grm.) = 0-59 Grm. — A, B, C, D, F. — Abbildung Nr. 114.
138. Hälbling, ebenso.
D.llMm., w.0-32, 0-35, 0-37, 0-44, O-öOGrm., im Durchschnitte (7 Stück = 2-75 Grm.) = 0-39 Grm. — B, C, J. — Abbildung Nr. 172.
139. Blätterkreuz mit widergekreuztem ünterbalken, in den Winkeln Eingelchen.
D. 15/16 Mm., w. 0-42, 0-63, 0-64, 0-65, 0-69 Grm., im Durchschnitte (9 Stück = 5*71 Grm.) = 0-63 Grm. — A, B, C, D, E, G. - Abbildung Nr. 117.
140. Hälbling, ebenso.
D. 11 Mm., w. 0-40 Grm. _ B, J. — Ab- bildung Nr. 173.
141. Ankerkreuz, dessen Enden durch eingeschobene Kleeblätter zu einem Ganzen verbunden sind.
D. 15/16 Mm., w. 0-56, 0-57, 0-64, 0-65 Grm., im Durchschnitte (13 Stück = 7-89 Grm.) = c.0-61 Grm. Hält laut Feuerprobe 0-630 oder 10 Loth 1 Grän fein. — A, B, C, D, E, F. — Ab- bildung Nr. 118.
142. Hälbling, ebenso.
D.llMm., w.0-32, 0-35, 0-37, 0-38, 0-40 Grm. — B, J. — Abbildung 174.
Die Wiener Pfenninge.
109
143. Der Balkenscliild von drei Blätterzieraten umschlossen.
D. 15/15 Mm., vv. 0-50, 0-56, 0-65, 0-67 Grm., im Durchschnitte (22 Stück = 12-52 Grm.) = 0-57 Grm. — A, B, C. — Abbildung Nr. 120.
144. Hälbling, ebenso.
D. 11/12 Mm., w. 0-30, 0-32, 0-43 Grm. — J. — Abbildung Nr. 175.
§. 5. Beschreibung; von IViener Pfenningen der Hauptg^ruppe B,
Allgemeine Bemerkungen.
Obgleich mir bisher im Ganzen schon an 40 hieher einschlägige Gepräge bekannt sind, so kommen doch Münzen dieser Art in den Funden A — K nur selten und nur in wenigen Exemiolaren vor. Funde , in denen sie die Hauptmasse gebildet hätten, wie etwa den weiter oben erwähnten zu Dölsach im Pusterthale gemachten, habe ich bisher noch nicht untersuchen können.
Die allgemeinen Merkmale dieser Münzsorte sind in §. 1, Absatz 5 angegeben und erläutert.
I. A. 3. Vögel. 145. Hs. VITVS Einfacher rechts sehender Adler.
Rs. Von einem Kranze von Ringelchen umgeben?
D. 15/16 Mm., w. 0-60, 0-76 Grm. — B.- Abbildung Nr. 121.
-'■-'■^ A. Luschiii-Ebengreuth :
146. Hs. Nach rechts gekehrte sitzende Eule, neben dem
Kopfe zwei Ringelchen.
Rs. Einfacher rechtsblickender Adler von einem Kranze kleiner Kreuzchen umgeben.
D. 15/15 Mm., w. 0-50, 0-71, 0-72 Grm. - C.
— Abbildung Nr. 122.
I. B. Bäume, Blumen, Gesträuche.
147. Hs. Fünfblättrige Rose, darüber eine Lilie zwischen
zwei Kreuzchen.
Rs. Einfacher Adler, wie oben, von einem Kranze kleiner Ringelchen umgeben.
D. 16/16 Mm., w. 0-45, 0-48, 0-51, 0-53, 0-71 Grm. - B. -- Abbildung 124.
147*'. Variante mit grösseren Kreuzchen und kleinerer Lilie.
D. 16/17 Mm., w. 0-50, 0-53 Grm. - B. —
Abbildung Nr. 123.
148. Hälbling, ebenso (?).
D. 11/12 Mm., viereckig, w. 0-22 Grm. - B.
— Abbildung Nr. 125.
IL 1. Engel.
149. Hs. Brustbild eines Engels ober einem mit fünf Knorren besetzten Sparren, welcher ein Kreuzchen bedeckt. Rs. wie Nr. 147.
D. 15/16 Mm., w. 0-56 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. V2.d.
Die Wiener Pfenninge. All
IL 2. Uc geh eil er.
150. Hs. Befiedertes Ungeheuer mit Klauenfüssen und
Vogelschwanz, nach rechts schreitend, im linken FlUgel den Balkenschild (?).
Rs. wie Nr. 146.
D. 17/17 Mm., w. 0-20, 0-35, 0-54, 0-56 Grm., im Durchschnitte (5 Stück = 2-21 Grm.) = 0-44 Grm. — B. — Abbildung Nr. 126.
II. 3. Drachen.
151. Hs. Aufwärts gestellter Drache zwischen den Hälften
einer heraldischen Lilie.
Rs. wie Nr. 146.
D. 17/17 Mm., w. 0-55 Grm. — B. — Ab- bildung Nr. 127.
III. 4. Bauwerke.
152. Thorbogen mit zwei aufragenden Thürmen, zwischen welchen eine Rosette und ein Punkt angebracht sind.
Rs. wie Nr. 147.
D. 17/17 Mm., w. 0-50, 0-64 Grm. - B. — Abbildung Nr. 128.
153. Hs. Ober einem Thorbogen ein Thurm zwischen zwei sechsblättrigen Rosetten. Im Thorbogen selbst ein Punkt.
Rs. wie Nr. 147.
D. 17/17 Mm., w. 0-74 Grm.
i l^ A. Luschin-Ebengreuth ;
153* . Hälbling, ebenso, doch fehlt der Punkt im Thor- bogen, und die Rosetten sind durch Kleeblätter ersetzt.
D. 13/13 Mm., w. 0-22 Grm. - B. — Ab- bildung Nr. 1.30.
III. 5. Marken.
154. Hs. Zwischen zwei sechsblättrigen Rosetten ein kurzes Kreuz, das auf einen Bogen aufsitzt, der seinerseits ein Kreuzchen umschliesst.
Rs. wie Nr. 146.
D. 16/17 Mm., w. 0-45 0-85, Grm. — B. — Abbildung Nr. 131.
§• 6. Beschreibung der ll^iener Pfenning^e der Haupt^ruppe V,
Allgemeine Bemerkungen.
Von der sicheren Ausmittelung des Zeitraumes, in welchem diese MUnzsorte geschlagen wurde, wird es zu- meist abhängen, ob die im §. 1, Absatz 2, C und 6 ange- gebene Einreihung aufrechterhalten werden kann, oder geändert werden muss. Nachdem redende Gepräge in dieser Gruppe noch seltener als in den beiden vorher- beschriebenen vorkommen, namentlich ganz ausgeschrie- bene Namen fehlen, und die Anfangsbuchstaben F oder F — R, dann R — V, auch auf Babenberger oder die ersten Habsburger bezogen werden könnten, die Typen ferner,
Die Wiener Pfenningi'. 110
wie die auf der ersten Tafel Nr. 1 — 40 abgebildeten Pfen- ninge erweisen, oft eine mehr minder vollkommene Wieder- gabe von Geprägen der ersten Hanptgruppc zeigen, so wäre die Versuchung nahe, sei es die Gleichzeitigkeit der hier als Gruppe A und C geschiedenen Pfenninge zu behaupten, sei es unsere bisherige Anreihung geradezu umzukehren.
Das erstere wäre entschieden falsch, hinsichtlich des zweiten sei, ohne den am Schlüsse folgenden Untersuchun- gen vorzugreifen, die Thatsache hervorgehoben, dass diese Mtinzsorte in dem Funde D, welcher die grösste Anzahl von sicheren Pfenningen aus der Zeit des Zwischenreichs enthält, gänzlich fehlen , während sie in den um 1380 bis 1400 verscharrten Funden B und C ziemlich zahlreich auf- treten. Die Hauptschwierigkeit bei der Zntheilung liegt aber darin, dass bisher noch keine redenden Gepräge der Landesfürsten nach Rudolph IV., namentlich aus der Regie- rungszeit Albrecht III. nachgewiesen sind , wir darum die Kluft zwischen den grossen dünnen , hohlpfenningartigen, Pfenningen der Hauptgruppe C und den kleinen unschein- baren Geprägen aus dem Anfange des XV. Jahrhunderts überspringen müssen.
Zu der in §. 1, Absatz 6 gegebenen Charakteristik dieser Pfenningsorte ist noch nachzutragen, dass der hoch- aufgetriebene Ring, welcher das jeweilige Münzbild um- schliesst, soweit ich dies an den vorliegenden Exemplaren verfolgen konnte, nahezu immer, noch von einem grob- körnigen Perlenstabe umschlossen wird, der jedoch wegen der unzureichenden Grösse des Schrötlings nie vollständig, sondern nur bruchstückweise sichtbar ist. Auf Geprägen der Hauptgruppe A scheint derselbe immer zu fehlen, einige
8
114
A. Luschin-Ebengjeutti :
wenige Stücke ausgenommen (vgl, z. B. Nr. 42 und 114 Abbildung Nr. 102), welche vielleicht eben wegen dieses Merkmals später, wenn ein ausgedehnteres Materiale der Beobachtung vorliegen wird, richtiger in die Gruppe C zu stellen sein werden.
1. A. Figuren aus dem Thierrelche.
1. Der Mensch und seine Glliedmassen.
155. Mit dem Herzogshut bedecktes Brustbild im Voll- gesicht, zu beiden Seiten die Buchstaben: F — R.
D. 18/18 Mm., w. 0-44, 0-63 und ein stark mit Metallrost bedecktes Stück 0-77 Grm. — B, C. Abbildung Nr. 177.
Diese Münze wurde Herzog Friedrich dem Schönen von Oesterreich, dem späteren römischen Könige zugetheilt. Die Buchstaben Hessen sich auf Fridericus Rex deuten, allein die Analogie mit den Nr. 126 und 156 empfiehlt die Leseart FR(ridericus).
156. Brustbild des Herzogs nach links, mit kronen- artigem, geschlossenem Herzogshute der in ein Kreuz endet und von dem ein langes Band nach rückwärts herabwallt, zwischen den Buchstaben
R_Y(dolphus).
D. 17/17 Mm., w. 0-47. 0-50, 0-52, 0-54, 0-56, 0-57, 0-73, im Durchschnitte (43 Stück = 23-89 Grm.) = 0-55 Grm., hält nach der Feuerprobe 0-650 oder 10 Loth, 7 Grän fein. — B, C. — Abbildung Nr. 180.
Die Wiener Pfenninge.
115
157. Brustbild von vorne, mit herabw^allendem ge- locktem Haar, auf der Brust den Balkenschild, in der Rechten einen Scepter, auf dem Haupte eine flache dreigetheilte Krone. Im Felde links R, darunter ein Rös'chen.
D. 19/20 Mm., w. 0-45, 0-48, 0-52, im Durch- schnitte (5 Stück = 2-28 Grm.) = 0-46 Grm. — B, C. - Abbildung Nr. 176.
158. Gekröntes Brustbild von vorne , in der Rechten ein Schwert, in der Linken einen Zweig haltend.
D. 16/17 Mm., w. 0-52 Grm. — A?, C. — Abbildung Nr. 183.
159. Nach links blickendes Brustbild, in den erhobe- nen Armen zwei Hämmer haltend.
D. 16/17 Mm., 0-36, 0-38, 0-50, 0-53, 0-66, im Durchschnitte (9 Stück = 4-12 Grm.) = 0-46 Grm. _ B, C. — Abbildung Nr. 178.
160. Hälbling ebenso. Eckig.
D. 12/13 Mm., w. 0-27 Grm. — B. .- Abbil- dung Nr. 179.
161. Bärtiges Brustbild eines Mönchs mit spitzen- digender Kapuze nach links.
D. 16/18 Mm., w. 0-36, 0-39, 0-42, 0-54, 0-56, 0-60 Grm., im Durchschnitte (20 Stück = 9-43} = 0-47 Grm. _ B, C. — Abbildung Nr. 5.
Anmerkung: Als Beizeichen erscheinen zuweilen im Felde aieben dem Barte zwei Punkte, häufiger nur einer.
162. Gekröntes weibliches Brustbild im Vollgesicht, zwischen zwei nach abwärts gekehrten Fischen.
D. 18/18 Mm., w. 0-53, 0-55, 0-74 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 181,
>■ ^^ A. Luschin-Ebengreuth :
163. Hs. Salvatorkopf im Vollgesicht, mit lang herabwal- leiidem Haar, an drei Seiten von den kurzen zierlich ausgeschweiften Schenkeln eines Kreuzes überragt.
ßs. Sind einige feine Krenzchen erkennbar, welche über die Fläche zerstreut sind. Vgl. Nr. 176.
D. 18/19 Mm., w. 0-50, 0-60 Grm. - B. — Abbildung Nr. 182.
164. Vier Köpfe ins Kreuz gestellt.
D. 16/17 Mm., w. 0-50 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. 187.
165. Drei Mönchsköpfe mit aufragender Kapuze im Dreipass gestellt.
D. 17/17 Mm., w. 0-48, 0-55, 0-63, im Durch- schnitte (7 Stück = 3-6 Grm.) = 0-51 Grm. — ß, C. — Abbildung Nr. 9.
166. Rohgezeichneter Kopf einer Nonne , mit in den Nacken herabhängender Kapuze nach links. Im Felde hinter der Kapuze erscheint als regel- mässiges Beizeichen ein kleiner auswärts ge- krümmter Fisch, der überdies zuweilen von 1 oder 2 Punkten begleitet ist.
D. 17/17 Mm., w. 0-47, 0-54, 0-55, C-56, 0-57, 0-58, 0-61, im Durchschnitte (42 Stück = 22-94 Grm.) = c. 0-55 Grm. — A, B, C. - Abbildung Nr. 185.
167. Hälbling ebenso.
D. 13/14 Mm., w. 0-30 Grm. — B.
Die Wiener Pfenninge.
117
168. Bärtiger Kopf mit lockigem Haar und einem aus schwach gezähnten Hörnern (Geweihen?) gebil- deten Hauptschraucke. Im Felde zu jeder Seite zwei Punkte, und zwischen den einwärtsgekehr- ten Hörnern ein Kreuzchen.
D. 17/17 Mm., w. 0-43, 0-46 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 2.
169. Jugendlicher Kopf mit straffem Haar und einem aus zwei einwärts gekehrten Ochsenhörnern gebildetem Hauptschmucke. Im Felde zwischen den Hörnern ein Kreuzchen.
D. 16/17 Mm., w. 0-39, 0 43, 0-44, 0-48, 0-49, 0*55 Grm., bei ziemlich abgegriffenen, oder doch im Gepräge undeutlichen Exemplaren. — B. — Abbildung Nr. 3.
170. Kopf mit rundem Käppchen im Vollgesicht. An den Seiten zwei aufgestellte Schwerter, ober dem Kopfe eine Lilie.
D. 17/18 Mm., w. 0-37, 0-47, 0-50, 0-51, 0-53, im Durchschnitte (12 Stück = 5-57 Grm.) = 0-46 Grm. _ B, C. — Abbildung Nr. 184.
171. Von einem siebenstrahligen Sterne umschlossen, ein Kopf nach rechts, mit lockigem Haare, das ein kleines Barett deckt. Die Zwischenräume zwischen den Strahlen sind mit sieben kleinen Kleeblättern gefüllt.
D. 18/19 Mm., w. 0-57 Grm. — C(?). — Ab- bildung Nr. 186.
1 1 Q
-* ' ^ A. Luschin-Kbengreuth:
2. Vierfüssige Thiere.
172. Aufgerichteter Löwe (?) nach'rechts.
D. 18/19 Mm., w. 0-53 Grm. — C. - Abbil- dung Nr. 188.
173. Hs. Vordertbeil eines aufgerichteten Löwen nach rechts, mit dem schief gestellten Balkenschilde unter der linken Vorderpratze.-
Ks. Spuren eines feinen Gepräges.
D. 18/18 Mm., w. 0-35, 0-50, 0-67 Grm. — B. — Abbildung Nr. 189.
174. Drei Löwenköpfe mit drei Lilien abwechselnd^ um ein Kleeblatt im Dreipass gestellt.
D. 19/20 Mm., w. 0-41, 0-65 Grm. — B. — Abbildung Nr. 191.
175. Hs. Aufgerichtetes Schwert zwischen zwei auswärts
gestellten Wolfsköpfen.
Rs. Spuren eines feinlinigen Gepräges.
D. 17/18 Mm., w. 0-50 Grm. — B. Abbildung Nr. 30.
176. Hs. Ochsenkopf zwischen zwei Ringelchen, mit den
schwach ausgezahnten Hörnern den Balkenschild umschliessend.
Rs. Spuren eines feinen Gepräges, erkennbar sind einige Kreuz chen im Felde. Vgl. Nr. 163.
D. 18/19 Mm., w. 0-73 Grm., hält nach der Feuerprobe 0-854 oder 13 Loth, 12 Grän fein. — C. — Abbildung Nr. 190.
119
Die "Wiener Pfenninge. -^ ^ ^
177. Hirschkopf mit dem Geweihe den Balkenschild umfassend.
D. 17/17 Mm., w. 0-35, 0-36, 0-41, 0-42, 0-52, 0-54, im Durchschnitte (18 Stück = 8-57 Grm.) = 0-47 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 20.
178. Hs. Vordertheil eines Widders nach rechts.
Rs. Spuren eines feinen Gepräges.
D. 19/20 Mm., w.0-82 Grm.— C. —Abbildung
Nr. 18.
179. Zwei Balkenschilde und zwei Widderköpfe kreuz- weise gestellt, mit vier kleinen Rös'chen in den Zwischenräumen.
D. 18/19 Mm., w. 0-46, 0-48, 0-50, im Durch- schnitte (7 Stück = 3-19 Grm.) = 0-45 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 194.
180. Grosser Widderkopf den Balkenschild zwischen den Hörnern.
D. 17/18 Mm., w. 0-44, 0-47, 0-50, 0-52, 0-54, 0-57, im Durchschnitte (17 Stück = 8-28 Grm.) = c. 0-49 Grm. _ B, C. — Abbildung Nr. 192.
181. Variante: Zierlicheres Gepräge, der Kopf be- findet sich zwischen zwei Kreuzröschen und ist gleich dem Balkenschilde viel kleiner als bei der vorhergehenden Nummer.
D. 18/18 Mm., w. 0-43, 0-70 Grm. — B. — Abbildung Nr. 193.
i-^v A. Luschin-Ebengreuth :
182. Steinbockkopf (mit einem Hörn) nach links.
D. 16/16 Mm., w. 0-50, 0-52, 0-55, 0-65 Grm. im Durchschnitte (40 Stück = 22-3 Grm.) = 0-56 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 16.
Als Beizeichen erscheint öfters ein Punkt im Felde unterhalb der Schnautze.
Anmerkung. Die geringere Grösse des Schrötlings, das Fehlen des äusseren Perlenstabes und das bedeutendere Gewicht scheint dies Stück nebst dem dazu gehörigen Hälbling, welches ich bisher der Gruppe C zugetheilt hatte, richtiger in die Gruppe A (vgl. Nr. 45) zu verweisen. In jedem Falle ist die Altersbestimmung dieser sogenannten „Stainpöckhe" nicht ohne Schwierigkeiten.
183. Hälbling, ebenso. Eckig.
D. 12/12 Mm., w. 0-28 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. 195.
3. Vögel.
184. Einfacher, nach rechts blickender Adler.
D. 15/17 Mm., w. 0-53 Grm. - B. - Abbil- dung Nr. 196.
185. Adler, nach rechts schreitend, mit etwas gehobe- nen Flügeln.
D. 17/17 Mm., w. 0-44, 047, 0-54, im Durch- schnitte (8 Stück = 3-82 Grm.) = 0-48 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 11.
V 186. Ungestalteter, nach rechts schreitender Adler mit geöffnetem Schnabel und emporgesträubten Flügel.
D. 16/17 Mm., w. 0-44 Grm. — B. - Abbil- dung Nr. 203.
Die Wiener Pfenninge.
121
187. Nach rechts blickender Adler ober eiuem Bogen, welcher eine Rosette einschliesst (?).
D. 18/18 Mm., w. 0-48 Grm. - B. — Abbil- dung Nr. 197.
188. Wachsender Adler ober einem Zierat.
D. 15/16 Mm., w. 0-55 Grm. — B. - Abbil- dung Nr. 198.
189. Ebenso ober einem abwärts gekehrten Halbmond, unter welchem der wagrecht liegende Balken- schild sich befindet.
D. 16/17 Mm., w. 0-35, 0-36, 0-38, 040, 0-41, 0-47, 0-50, im Durchschnitte (18 StUck = 8-22 Grm.) = 0-46 Grm. — B, C. -Abbildung Nr. 200.
190. In einem aussen mit Kugeln besetzten Dreibogen, ein rechtsblickender, gekrönter, wachsender Adler mit dem schief gestellten Balkenschilde auf der Brust.
D. 17/18 Mm., w. 0-42 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. 199.
191. Halber wachsender Adler, der auf dem Fusse einer Lilie aufsitzt, und halbe Lilie nebenein- ander.
D. 18/19 Mm., w. 0-48, 0-50 Grm. — A?, B. — Abbildung Nr. 201.
192. Behelmter Balkenschild und halber gekrönter Adler neben einander.
D. 17/18 Mm., w. 0-46, 0-51, 0-59, im Durch- schnitte (7 Stück = 3-68 Grm.) = 0-52 Grm. — B, C. - Abbildung Nr. 202.
122
A. Lasehin-Ebengreuth :
193. Reiher mit zurUckgewaiultem Kopfe und halb-
geöffneten Flügeln, nach links schreitend.
D. 15/16 Mm., w. 0-50 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. 204.
194. Schwan, nach rechts schreitend. Im Felde ein kleines Kleeblatt als Beizeichen.
D. 17/17 Mm., w. 0-48, 0-49 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 205.
195. Hahn, nach rechts schreitend.
D. 18/18 Mm., w. 0-43, 0-54 Grm. - B. — Abbildung Nr. 206.
I. B. Figuren aus dem Pflanzenreiche.
1 96. Im Dreipasse drei Lilien, mit drei Balkenschilden abwechselnd, und mit den Spitzen nach innen gekehrt.
D. 18/18 Mm., w. 0-49, 0-56 Grm. _ B, C. — Abbildung Nr. 38.
197. Lilie mit dem Balkenschilde belegt.
D. 15/17 Mm., w. 0-44, 0-48, 0-50 Grm., im Durchschnitte (4 Stück = 1-84 Grm.) = c. 0-46 Grm. — B. — Abbildung Nr. 207.
II. Phantasiegestalten.
1. Engel.
198. Engelskopf mit hochaufragenden Fitigeln, zwi- schen welchen der Balkenschild erscheint.
D. 17/17 Mm., w. 0-30, 0-34, 0-35, 0-48, 0-50, 0-53, 0-54, im Durchschnitte (17 Stück = 8-92 Grm.) = 0-52 Grm. - B, C. — AbbildungNr. 208.
Die 'Wiener Pfenningo
123
199. Brustbild eines Engels, darüber ein Dreibogen mit einem Thttrmchen , zu dessen beiden Seiten eine Rosette und ein Vogel (?) erscheinen.
D. 16/17 Mm., w. 0-38 Grm. - B. — Abbil- dung Nr. 209.
2. Ungeheuer mit menschlichen Gliedmassen.
200. Ungeheuer mit menschlichem Kopfe auf einem, zweiThierleibern gemeinsamen Halse. Unterhalb als Beizeichen ein Kleeblatt.
D. 17/17 Mm., w. 0-48, 0-50, 0-57, 0-73, im Durchschnitte (5 Stück = 2-73 Grm.) = 0-54 Grm. — B. — Abbildung Nr. 210.
201. Zweifüssiges geschwänztes Ungeheuer mit langem Halse, auf welchem ein bärtiger Kopf mit spitzer Mütze (Judenkopf) aufsitzt, nach links.
D. 16/17 Mm., w. 0-50, 0-53, 0-59 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 211.
202. Ungeheuer nach links, mit menschlichem, bebar- , tetem Kopfe und einem Drachenleibe mit auf- geringeltem Schweife.
D. 16/17 Mm., w. 0-39, 0-54 Grm. _ B, C. — Abbildung Nr. 212.
203. Ziegenbock nach rechts , mit menschlichem, gehörntem Kopfe und zwei Füssen (Teufel).
D. 17/18 Mm., w. 0-43, 0-51 Grm. - B. — Abbildung Nr. 213.
204. Hs. Teufelskopf ober einer gespalteneu und halb- aufgeklappten Lilie. (Vgl. Nr. 13.)
194
■L^^ A. Lu^chin-Ebeiigreuth
Rs. Spuren eines feinen Gepräges,
D. 16/17 Mm., w. 0 46 Grm. — B. - - Abbil- dung Nr. 214.
205. Meermann nach links , mit Mönchskapuze und Fischschwanz. Als Beizeichen erscheint gewöhn- lich ein Punkt im Felde bald ober, bald unter der erhobenen linken Tatze.
D. 17/18 Mm., w. 0-42, 0-49, 0-53, 0-55, 0-56, 0-70, im Durchschnitte (33 Stück = 20-38 Grm.) = c. 0-61 Grm. — B, C, K. — Abbildung Nr. 7.
206. Hälbling, ebenso. Viereckig.
D. 14/14 Mm., w. 0-25 Grm. — B.
3. VierfUssige Ungeheuer.
207. Einhorn ohne Vorderfüsse, mit umgewandtem Kopfe, nach links schreitend.
D. 17/17 Mm., w. 0-51 Grm. - B, C. — Ab- bildung Nr. 14.
'x08. Vordertheil eines ruhenden Einhorns nach links. Im Felde neben dem zurückgedrehten Kopfe F(ridericus).
D. 16/16 Mm., w. 0-46, 0-48 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 13.
209. Vordertheil eines zum Sprunge gerichteten Ein- horns nach links.
D. 16/16 Mm., 0-43, 0-50, 0-52, 0-54, im Durchschnitte (9 Stück = 4-49 Grm.) = 0-49 Grm. _ B, C. - Abbildung Nr. 215.^
Die Wiener Pfenninge.
125
210. Balkenschild im Dreipasse, umgeben von drei Einhornköpfen mit langem Halse.
D. 17/17 Mm., w. 0-45, 0-47, 0-67 Grm., im Durchschnitte (27 StUck = 13-08 Grm.) = 0-49 Grm. ~ ß, C, J. — Abbildung Nr.. 216.
211. Vierfüssiges Ungethüm mit Vogelschnabel und Hörnern, nach rechts schreitend.
D. 17/17 Mm., w. 0-45, 0-46, 0-50, 0-58 Grm., im Durchschnitte (17 Stück = 7-96 Grm.) = 0-46 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 26.
212. Hälbling(?), ebenso.
W. 0-25 Grm. - B.
213. Zum Streite gerichteter Panther nach links, im Felde zuweilen als Beizeichen Punkte oder Klee- blätter.
D. 16/17 Mm., w. 0-47, 0-51, 0-52, 0-55, 0-57, 0-60, 0'62, 0-63, 0-90 Grm., im Durchschnitte (35 Stück = 20-21 Grm.) = 0-58 Grm., hält nach der Feuerprobe 0-700 oder 11 Loth4Grän fein. — B, C. - Abbildung Nr. 217.
214. Zum Streite gerichteter Panther nach rechts.
D. 17/17 Mm., w. 0-45, 0-46, 0-48, 0-60, 0*65, 0-68, 0-70 Grm., im Durchschnitte (2 1 StUck = 10-82 Grm.) = 0-51 Grm. ~ B, C. -Abbildung Nr. 218.
215. Hälbling, ebenso.
D. 12/12 Mm., viereckig, w. 0-30 Grm. — B.
Anmerkung. Die Zuweisung der hier unter Nr. 213—215 be- schriebenen Pfenninge ist etwas schwierig. Nimmt man den Panther als Wappenbild , so könnten dieselben ebenso gut nach Steier- mark , als nach Niederbaiern gehören , ziehen wir jedoch das
126
A. Lusehiii-Ebeiigreuth !
Gewicht in Betracht, und berücksichtigen wir, dass der Panther sowohl auf der Hauptseite (Nr. 107 Abbildung- Nr. 105) als auf der Rückseite zweifelloser Wiener Pfenninge vorkömmt (vgl. z. B. Nr. 98, dann Nr. bb, 90 oder Abbildung Nr. 97, 72, 92) , so werden wir sie wohl vorläufig der Wiener Münzstätte zuweisen und dem Panther keine besondere Bedeutung zuerkennen müssen. Denn die Orazer Pfenninge , über deren Aussehen im XIV. Jahrhundert wir vorläufig nahezu gar nichts wissen, müssen schwerer oder minde- stens feinhältiger gewesen sein, da man z. B. noch 1349 anderthalb Wiener Pfenninge auf einen Grazer Pfenning rechnete und der Fein- gehalt 1339 mitl4Loth 4Grän (0-890) vorgeschrieben wurde. Eben- sowenig passen die Verhältnisse von Schrot undKorn zu den nieder- baierischenGeprägen. Jene Herzog Heinrichs I. (1253 — 1290, Beier- lein Nr. 20/21) haben zwar ungefähr den gleichen Gehalt, wiegen aber im Durchschnitte (9 Stück = 8-2 Grm.) = 0-90 Grm. oder so- viel, wie hier nur ein einziges Stück von Nr. 213 ganz ausnahms- weise erreichte, und die Ingolstädter aus den Tagen König Ludwigs des Baiers (vgl. Nuni. Zeitschrift V, 126) haben bei schlechterem Gehalte — sie sind 0-628 oder 10 Loth 1 Grän fein — gleichfalls $in viel höheres Durchschnittsgewicht (11 Stück = 7-95 Grm.) = 0*72 Grm. Weniger sicher lässt sich das Alter dieser Pfenninge bestimmen.
216. Geflügelter Kopf eines Löwen, darUber ein grosses schwebendes Kreuz.
D. 18/18 Mm., w. 0-50 Grm. - B. — Abbil- dung Nr. 228.
4. Drachen, Greife n, dgl.
217. Seepferd nach rechts , mit emporgeringeltem Fischschwanz. Im Felde zuweilen ein Punkt als Beizeichen.
D. 16/16 Mm., w. 0-47, 0-50, 0-51, 0-52, 0-53, 0-55 Grm. im Durchschnitte (1 1 Stück = 6-3 Grm.) = 0-57 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 219.
127
Die Wiener Pfenninge. j.^ •
218. Vordertheil eines Seepferdes nach rechts.
D. 19/19 Mm., w. 0-70 Grm. - C. — Abbil- dung Nr. 220.
219. Kopf eines Seeungeheuers mit grossen Flossen (oder herabhängenden Flügeln?) nach links.
D. 17/17 Mm., w. 0-50, 0-52 Grm., im Durch- schnitte (7 Stück = 3-44 Grm.) = 0-49 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 221.
220. Zwei auswärts gestellte Drachen mit ihren ein- wärts gekehrten Köpfen , ein seehsblättriges Rös'chen einschliessend.
D. 17/17 Mm., w. 0-54 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. 224.
221. Zwei gegen einander gekehrte Drachen.
D. 16/16 Mm., w. 0-60, 0-62 Grm. — B, C. — • Abbildung Nr. 225.
222. Zurücksehender Drache(?) nach rechts schreitend.
D. 17/17 Mm., w. 0-49 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. 222.
223. Zwei neben einander und auswärts gestellte Drachen, von denen der eine mit aufgerissenem Eachen nach abwärts, der andere, der mit einem Vogelkopfe versehen ist , nach aufwärts ge- richtet ist.
D. 17/17 Mm., w. 0-40, 0-44, 0-49. 0-50 Grm. — B, C. — Abbildung Nr. 226.
224. Geflügelter Drache nach links.
D. 17/17 Mm., w. 0-45, 0-47, 0-48, 0-49, 0-53, 0-54 Grm., im Durchschnitte (17 Stück = 8-05 Grm.) = 0-47 Grm. - B, C — Abbildung Nr. 22.
1 98
^^^ A. Luschic-Ebengreuth:
225. H s. Geflügelter und gekrönter Drache nach links. Im Felde hinter der Krone ein Kreuzchen. (Vgl. Nr. 119, Abbildung Nr. 21). Rs. Spuren eines feinen Gepräges.
D. 16/17 Mm., w. 0-45, 0-62 Grm. — C. — Abbildung Nr. 223.
Die Zutheilung dieses Stückes ist nicht ausser Zweifel. Vielleicht gehört es besser zu den Nr. 243 ff. beschriebenen Geprägen.
226. Drache nach rechts mit geringeltem Schwänze. D. 17/18 Mm., w. 0-37, 0-40, 0-52, 0-53 Grm., im Durchschnitte (14 Stück = 6-64 Grm.) = 0-47 Grm. _ B, C. - Abbildung Nr. 24.
227. Hs. Nach rechts auswärts gestellter und aufgerich- teter Drache mit zurückgewandtem Kopfe, und nebenan eine halbe Lilie. Es. Feinliniges Gepräge. Eine Lilie.
D. 17/18 Mm., w. 0-74 Grm. — B. - Abbil- dung Nr. 227.
228. Vordertheil eines Drachen nach links, mit zurück- gewandtem Kopfe.
D. 15/15 Mm., w. 0-49 Grm. - B, C. — Ab- bildung Nr. 28.
III. Künstliche Figuren.
I.Werkzeuge, Geräthe, Fahrnisse.
229. Schachroch mit zwei Pferdeköpfen , zwischen welchen ein Fuchskopf schwebt.
D. 17/17 Mm., w. 0-55 Grm. — C. - Abbil- dung Nr. 230.
12Q
Die Wiener Pfenninge. j.*'«/
2. Waffen, Schmuck.
230. Gekrönter Stechhelm mit kleiner Helmdecke nach rechts, und aufragendem Pfauenwedel, da- neben R — V. Im Felde ausserdem zuweilen Punkte als Beizeichen.
D. 16/17 Mm., w. 0-40, 0-58, 0-60, 0-63, 0-82 Grm., im Durchschnitte (15 Stück = 8-93 Grm.) = 0-59 Grm., hält nach der Feuerprobe 0-672 oder 10 Loth, 13 Grän fein. — B, C. — Abbil- dung Nr. 34.
231. Stechbelm nach rechts, mit kleiner Helmdecke und einem gekrönten wachsenden Adler als Kleinod. Im Felde neben dem Adler erscheint zuweilen ein Bing als Beizeichen.
D. 16/17 Mm., w. 0-40, 0-42, 0-43, 0-46, 0-50, 0-52, 0-53, 0-54 Grm., im Durchschnitte (22 StUck = 10-71 Grm.) = 0-48 Grm. — A, B, C. — Ab- bildung Nr. 229.
3. Kleidungsstücke.
4. Gebäude und Theile von Gebäuden.
232. Ober einem Bogen, welcher einen Kopf (?) ein- schliesst ein Thurm zwischen zwei auswärts ge- stellten Halbmonden.
D. 16/16 Mm., w. 0-55 Grm. — C. — Abbil- dung Nr. 231.
233. Ober einem Bogen, welcher eine Rosette ein- schliesst ein Thurm (?), daneben links im Felde ein geneigter Balkenschild.
D. 14/15 Mm., w. 0-45 Grm. Schlecht erhal- ten. — C. - Abbildung Nr. 234.
9
130
A. T.uschln-Ebengrcuth:
5. Marken.
234. Hs. Dreidorn von drei Kreuzchen umgeben.
Rs. Kopf, zwischen zwei einwärts gekehrten auf- rechten Fischen. Feinliniges Gepräge.
D. 17/17 Mm., w. 0-56 Grm. — C. — Abbil- dung Nr. 233.
6. Verschiedene Zieraten.
235. Hs. Zwischen zwei Balkenschilden und zwei Punkten
ein hohes auf einem Bogen aufruhendes Kreuz.
Rs. Spuren eines feinen Gepräges.
D. 18/19 Mm., w. 0-40, 0-70 Grm. _ B, C. — Abbildung Nr. 36.
236. Kreuz in jedem Winkel ein Rös'chen.
D. 16/17 Mm., w. 0-42 Grm. — C. — Abbil- dung Nr. 232.
237. Der Balkenschild von einem Laubkranze um- schlossen.
D. 18/18 Mm., w. 0-46, 0-55, 0-69 Grm. — B.
— Abbildung Nr. 40.
238. Zwischen zwei abwärts gestellten Hirschstangen (Sägen?) der Balkenschild.
D. 16/17 Mm., w. 0-47, 0-51, 0-62 Grm., im Durchschnitte (12 Stück = 5-62) = 0-47 Grm.
— B, C. — Abbildung Nr. 32.
Die Wiener Pfenninge. lOl
Anhang.
239. Ungeprägte , aber bereits mit dem Vierschlag versehene Mlinzplättchen, zu Pfenningen der HauptclasseA, gehörig, kamen in den Münzfunden Bunde vor. Sie hatten im Durchmesser 13/14 Mm. und wogen 045, 0-50, 0-57, im Durchschnitte (31 Stück = 17-3 Grm.) = 0-56 Grm. Der Feuer- probe nach ward ein Stück 0-550 oder 8 Loth 14 Grän ermittelt.
Ausserdem befanden sich im Funde B noch 53 klei- nere Bruchstücke und 6— 7 verwischte Stücke imGesammt- gewichte von 30-5 Grm.
Um den durchschnittlichen Feingehalt zu ermitteln, wurde eine grössere Anzahl schlechter erhaltener Gepräge des Münzfundes B nebst den Bruchstücken und unkennt- lichen Wiener Pfenningen im Jahre 1868 im Münzamte eingeschmolzen und als 0-600 oder 9 Loth, 10 Grän fein eingelöst.
Das ganz gl^iche Resultat ergab auch eine an 40 verschiedenen Stücken des Fundes C im Jahre 1872 eben- dort veranstaltete Gesammtprobe, so dass man zu dem Schlüsse berechtigt ist, dass der durchschnitt- liche Feingehalt von Münzfunden, welche eine den Funden B und C analoge Zusammen- setzung haben, 0-600 oder 9 Loth, 10 Grän betrajire.
132
A. Luschin •Kbengri.uth :
§. 7. Freitide Bciiiieiig^iiiig^c^ii*
Allgemeine Bemerkungen.
Die Beschreibung- der Funde von Wiener Pfenningen hat sich in den §§. 4—6 mit denjenigen Geprägen be- schäftigt, welche ich mit mehr minderer Sicherheit den niederösterreichischen Münzstätten zuweisen zu können glaubte. Sie erfährt jedoch ihren Abschluss erst dann, wenn auch jene fremden Gepräge besprochen werden, welche ihnen in den Funden blos beigemengt erscheinen. Von der Vervollständigung abgesehen, die dadurch unser Wissen über den mittelalterlichen Geldverkehr erlangt, hat man im vorliegenden Falle sogar einen ganz besonders grossen Vortheil iür die Zeitbestimmung zu erwarten, indem uns fremde aber redende Gei)räge bessere Anhalts- punkte über die Zeit der Vergrabung des Fundes u. s. w. geben, als es die stummen einheimischen Typen ge- währen.
Die Funde A, B und C, z. B., deren späteste Wiener Pfeiniinge mit Schrift Herzog Kudolph IV. augehören, könnte man in Hinblick darauf ganz gut als vor i365 ver- scharrt ansehen und damit stillschweigend aussprechen, dass Münzen der Nachfolger Rudolphs darin nicht mehr enthalten seien. Allein die in den drei Funden gleichmässig vorkommenden Heller König Wenzel IV. von Böhmen nöthigen uns, die Vergrabung frühestens um 1380, ja eher noch später anzusetzen. Dass damit die Berechtigung gegeben ist, in einzelnen der stunmien Wiener Pfenninge auch Gepräge von Herzog Rudolphs Nachfolgern zu ver- muthen, liegt auf der Hand.
1 l>tJ
Die Wiener l'feiiuinjje. ' ^^
Die Zahl und Bcschaifenheit der Beimengungen ist natiirlieli in den Funden wechselnd und hängt nicht blos von der Zeit, wann, sondern auch von den) Lande, wo der Schatz versteckt wurde, ab. Es wird darum gut sein, bei Beschreibung der fremden Beigaben theilweise verschie- dene Gesichtspunkte anzuwenden.
I. Eine Anzahl von stummen Geprägen, welche ich den Wienern nicht anzureihen wage, welche aber sicher den deutschen Nachbarlanden Baiern, Salzburg, vielleicht a,uch der Steiermark angehören, schliessen unmittelbar an. Sie stammen vorzugsweise aus dem Funde D.
II. Sichere baierische, kärntner und l)öhmische Ge- präge aus den Funden A — D.
in. Folgen in theilweise abgekürzter Beschreibung die ausser deutschen Gepräge (Aquileja, Ungarn) aus den Funden A — J.
Hinsichtlich der Funde K — N, welche sämmtlich erst tief im XV. Jahrhunderte vergraben wurden , und daher eine von den vorhergehenden Funden sehr abweichende Zusammensetzung zeigen, wird auf die später folgenden Fundtabellen verwiesen.
IV. Säramtliche Stücke von Nr. 240—247 haben das Bild der Hauptseite von einem breiten Ringe, und diesen überdies von einem Perlenstabe umschlossen. Der Vier- schlag erscheint mit Ausnahme der böhmischen, ungari- schen und Friauler Gepräge auch auf allen fremden Bei- mengungen, die neben den Wiener Pfenningen in den Funden A— J vorkamen.
1^4
-"-'^ A. Luschin-Eliongreuth :
240. H s. Gekrönter nach rechts blickender Adler.
Rs. Nach rechts schreitendes Thier, umgeben von einem Kranze lilicnartiger Zieraten, der seiner- seits von zwei Perlenstäben eingekreist ist.
D. 17/18 Mm., w. 0-75, 0-80, 0-90 (4 Stück = 3-4 Grm.) — D. — Abbildung Nr. 235.
241. Hs. Auffliegender Adler' nach rechts, mit zurück-
gewandtem Kopfe.
fls. Keiter mit gezücktem Schwerte, nach links. Das Ganze umgeben zwei einfache Perlenstäbe.
D. 16/16 Mm., w. 0-75, 0-92 Grm. — D. — Abbildung Nr. 236.
242. Hs. Trabendes Pferd nach rechts. Im Felde oberhalb
des Rückens ein Liliensceptcr. Rs. Lamm mit dem Kreuzstabe nach links gewandt, umgeben von einem zwischen zwei glatten Linien laufenden Kreise von fünfstrahligen Sternchen. D. 17/18 Mm., w. 0-85 Grm. — D. — Abbil- dung Nr. 237.
24;;. H s. Einhorn nach links, mit zurückgewandtem Kopfe. Im Felde unterhalb des Horns ein Kreuzchen, ein zweites auf dem linken Vorderfusse. (Vgl. Nr. 225). Rs. Zurücksehender Hirsch nach links, umgeben von einem zwischen einer glatten und einer Perlen- linie befindlichen Kranze von flinfblättrigen Rös'chen.
D. 15/16 Mm., w. 0-70, 0-80 Grm. — D. — Abbildung Nr. 238. — Vgl. auch Num. Zeit- schrift V, S. 135, Nr. 10.
1 RfS
Die Wiener Pfenningo. x »-»«_»
244. Hs. Einhorn nach rechts mit zurückgewandtem
Kopfe.
Rs, Undeutlich.
D. 16/17 Mm., w. 0-63 Grm. — A, B, E. - Abbildung Nr. 240.
245. H s. Ober Thurmzinnen das Brustbild eines ge-
ki'önten Engels, die Rechte erhoben, in der Linken eine Keule.
Rs. Gekrönter Engelskopf, mit den Flügeln zwei von einander abgekehrte aufsteigende Thiere, rechts einen Hirsch, links einen Panther bedeckend.
D. 16/16 Mm., w. 0-70, 0-74, 0-77 Grm., im Durchschnitte (50 Stück = 36-1 Grm.) = 0-72 Grm., hält nach der Feuerprobe 0-728 oder 11 Loth, 11 Grän fein. — Abbildung Nr. 241.
246. H s. Lamm mit Kreuzfahne nach rechts.
Rs. Brustbild eines gekrönten Engels, die Hände flach auf die Brust gelegt.
D. 17/17 Mm., w. 0-78, 0-80 Gito. — E. ^ Abbildung Nr. 242.
247. Hs. VierfUssiges Thier (Lamm?) mit gekröntem
Menschenkopfe, eine Fahne haltend und nach rechts schreitend.
Rs. G In einem Blätterzierat, welchen ein zwischen einfachen Kreislinien laufender Kranz sechs- zackiger Sternchen umgibt.
D. 16/17 Mm., w. 0-63, 0-77, 0-80 Grm., im Durchschnitte (75 Stück = 54-2 Grm.) = 0-72
136
A. Luscliin-Ebengreuth ;
Grm., hält nach der Feuerprobe 0-764 oder 12 Loth, 4 Grün. — C. —Abbildung,' Nr. 239.
248. Hs. Löwe mit einem Kreuzstabe nach rechts sprin-
gend. Ks. Spuren eines feinen Gepräges.
D. 16/16 Mm., w. 0-51 Grm. - B. — Abbil- dung Nn 246.
Baierische Gepräge.
249. Hs. töwe mit starker Mähne nach rechts. Rs. Undeutlich.
D. 16/17 Mm., w. 0-79 Grm. — D. - Vgl. Obermayr, Taf. IX, Nr. 4 und Cappe Kaiser- münzen I, Taf. X, Nr. 163 von beiden, König Otto IV. zugeschrieben.
1'50. Hs. Zwölfblättriger Blumenstern. Rs. Gekrönter Löwe nach rechts.
D. 15/16 Mm., w. 0-77 Grm. - D. — Abbil- dung Nr. 248.
Baiern, Herzoge. Münchner Pfenninge.
251. Mönchskopfmit übergezogener Kapuze nach links. D. 14/14 Mm., w. 0-48, 055, 0-60, 0-65, 0-70, 0-85 Grm., im Durchschnitte (46 Stück = 28-81 Grm.) = 0-63 Grm., der Feingehalt soll nach Beieriein (baierische Münzen des Hauses Wittels- bach S. 13, Nr. 16—19), der das Stück Ludwig II. von Oberbaiern (1253 — 1294) zuweist, 10 Loth, 9 Grän betragen. — A, B, C, D. — Abbildung Nr. 4.
Die Wiener ITenuinge. -'•^ '
252. Variante mit anders geformter Giigel.
D. 14/14 Mm., w. 0-52 Grni. — C. — Abbil- dung Nr. 256.
253. H s. Nach rechts gekehrtes Brustbild des Münchner Mönchs, ein vertieftes Kreuz auf der linken Schulter, den Pilgerstab in der Rechten.
Es. Der gekrönte pfälzische Löwe nach rechts.
D. 14/14 Mm., w. 0-52, 0-54, 0-63 Grm., im Durchschnitte (37 Stück = 20-27 Grm.) = c. 0-55 Grm. — A, B, C, F. — Abbildung Nr. 257.
. Wird von Beierlein a. a. 0. S. 24, Nr. 39, 40, Rudolph L, 1294-1317 (f 1319) zugeschrieben.
254. Hälbling, ebenso.
D. 12 Mm. rund, w. 0-32, 0-37 Grm. — J. — Abbildung Ni'. 258, fehlt bei Beierlein.
255. Brustbild des Mönchs nach rechts, in den Händen ?
D. 13/14 Mm., w. 0-48 Grm. — C. — Abbil- dung Nr. 255.
256. Mönchskopf mit aufragender Kapuze, nach links.
D. 15/15 Mm., w. 0-69 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. 255.
257. Hs. Frauenkopf mit Schleier und Blumen (Kopf einer Nonne?) nach links.
Rs. Innerhalb einer einfach tn Kreislinie ein rechts- sehender Adler. — Schwaches Gepräge.
D. 15 Mm. rund, w. 0-62 Grm. - A, B, D, E. — Abbildung Nr. 253.
138
A. Luschin-Ebengreuih ;
258. Hälbling, ebenso.
D. 10 Mm. rund, w. 0-32 Grm. — J. — Abbil- dung Nr. 254.
Ingolstadt er Pfenninge. Rudolphl., 1294-1317 (f 1319) und Ludwig f 1347.
259. Hs. Schreitender Panther nach rechts, ober dem Rücken: RL.
Rs. Der Weckeuschild zwischen Zweigen von einer. Kreislinie und sechsstrahligen Sternchen umgeben.
D. 15/15 Mm., w. 0-43, 0-52, 0-63 Grm., im Durchschnitte (17 Stück = 8-78 Grm.) = 0-51 Grm. - A, B, C, D, F. — Abbildung Nr. 252.
260. Häbling, ebenso.
D. 11 Mm. rund, w.0-29, 0-32, 0-33, 0-42 Grm. B, J. — Abbildung Nr. 249.
Landshuter Pfenninge.
261. Hs. Kopf mit spitzem Hute nach rechts.
Rs. Der baierische Weckenschild.
D. 14/15 Mm., w. 0-53, 0-56, 0-57, 0-58, 0-62, im Durchschnitte (25 Stück = 15-05 Grm.) = 0-60 Grm. — B, C, K. — Abbildung Nr. 250 (fehlt bei Beierlein).
Baierisch-Oettinger Pfenninge.
262. H 8. Nach rechts schreitender Hund. Im Felde ober
seinem Rücken erscheinen drei gestielte Rös'chen.
19Q
Die Wiener I'feimiuge. -* "-"-^
Rs. In einem Vierbogen fünf Rös'chen.
D. 15/1{) Mm., w. 0-42, 0-58, 0-62, 0-70, im Durchschnitte (8 Stück = 4-68 Grm.) = 0-58 Grm. — A, B, C, H. — Abbildung Nr. 251, Beierlein S. 16, Nr. 27.
Passauer Gepräge.
263. Hs. Der aufgerichtete Wolf nach rechts, hinter ihm ein Krummstab.
Rs. Gekrönter Löwe nach rechts, die rechte Vorder- pranke theilweise durch einen eiförmigen Schild gedeckt, welcher einen Scepter? enthält.
D. 15/16 Mm., w. 0-45, 0-47, 0-53, 0-57, im Durchschnitte (71 Stück = 34-46 Grm.) = c. 0-49 Grm. — A, B, C, D, K. — AbbildungNr.247.
264. Hälbling, ebenso.
D. 12 Mm. rund, w. 0-34, 0-40 Grm. — B, J. — Abbildung Nr. 247^
265. Hs. Kopf eines Bisehofs zwischen zwei durch einen kreuzgeschmtickten Bogen verbundenen Thür- men.
R s. Löwe nach rechts.
D. 15/16 Mm., w. 0-47, 0-57, 0-60, 0-63, 0-64, im Durchschnitte (5 Stück = 2-9 Grm.) = 0-58 Grm. - A, B, C,K. — Abbildung Nr. 245.
Ein Stück zeigt statt der Hauptseite das ver- tiefte Gepräge der Rückseite mit dem Löwen, so dass es ein den Hohlpfenningen ähnliches Ansehen gewinnt.
140
A. Luschin-Ebensrreuth
266. Brustbild eines Bischofs, in jeder Hand einen Schlüssel haltend.
D. 16/16 Mm., w. 0-60 Grm. — B. — Abbil- dung Nr. 244.
267. Aehnlich, doch ist der Kopf mit einem Biret, anstatt der Bischofsmütze bedeckt.
D. 15/15 Mm., w. 0-49 Urm. — B. — Abbil- dung Nr. 243.
Friesach.
268. Eberhard IL von Salzburg. 1 '200—1246.
Welzl. II/l, Nr. 9646. Abbildungen in Grote Münzstndien I, Taf. IV, Nr. G. — E.
Unbestimmter Heller.
269. Hs. Hand.
Rs. Kreuz. — B, F.
Böhmen. Wenzel IV., 1378 — 1419. 270. Hs. + Wanae (SL-aVA)RT die böhmische Krone. Rs. (BOe[)MI(e) - R0X Gekrönter Kopf nach links.
D. 15/17 Mm., w. 0-50 Grm. Heller — A, B, C. Abbildung Nr. 260. Voigt II, 174, Nr. 2.
Aquileja.
271. Petrus, de Guerra. 1299—1302.
Welzl II/l, Nr. 9447. - D.
272. Bertrand. 1334—1350.
Welzl II/l, Nr. 9455. — B.
Die Wiener Pfenning!
141
Ungarn mit seinen Nebenlanden.
BelalV., 1235-1270.
273. Bupp. Species XIX, B. (Taf. VII, Nr. 196) für Slavonien — J.
Ladislaus Cumanus. 1272 — 1290.
274. Rupp. Species XXXV (Taf. X, Nr. 268) für Slavonien. — J.
Karl Robert. 1308-1342.
275. Rupp. Sp. X (T. XII, Nr. 346) Denar. — J.
276. Rupp. Sp. XIX (T. XIII, Nr. 356) Denar — J.
277. Rupp. Sp. XXI (T. XIII, Nr. 359) Denar. — J.
278. Rupp. Sp. XLIV (T. XIII, Nr. 383) Denar. — J.
279. Rupp. Sp. XLV (T. XIII, Nr. 385). - J.
280. Rupp. Sp. XL VIII (T. XIV, Nr. 389) für Slavo- nien. — J,
281. Rupp fehlend, aber schlecht erhalten. — J.
282. Slavonischer Denar des Banus Nicolaus. — J.
Ludwig L 1342-1382.
283. Rupp. Sp. XXII (T. XV, Nr. 420). — B. Graz.
(Fortsetzung folgt.)
142
Dr. K. V. HaitmrMin-Franzcnshulii :
VI.
Die Medaillen der österreichischen Behem.
Dr. K. V. tra,rtiTi»nn-l^"'ranzenshuld.
I.
Behem von Behemstein.
Einseitige Portraitmedaille, rechte Seite; innerhalb eines etwas erhöhten Kandes das Brustbild eines Mannes in gesetzten Jahren mit kurz geschorenem Haar, Schnur- und langem Zwickelbart, hoher gefurchter Stirn, regel- mässiger Nase und leicht gefurchter Wange; das Gesicht erinnert etwas an Wallensteins Physiognomie. Schulter und Hals sind bekleidet mit einem eng anliegenden Leibrock, dessen aufgestellter Halskragen mit einer kleinen Krause besetzt ist, und der, auf der Brust ein Unterkleid sehen lassend, durch eine Querspange zusammengehalten wird.
üio Medaillen der österreichischen Behem.
143
Anf dem stark prononcirten Sehulternabschnitt ist das Mo- nogramm \M eingravirt, nämlich das Zeichen des Gold- schmieds Valentin Maler aus Nürnberg, dem wir schon auf der Medaille des Heinrich Thenn ») begegnet sind. Umschrift: EllH ARDT-BEHEM-.^T AT- XXXIX ANNO- 1571-
Grösse (14) 1 Zoll 2 Linien, Gewicht s/s Loth in Silber, gegossen, doch nicht ciselirt, von sehr gelungener aus- drucksvoller Arbeit.
Der Name Behem, Behaim, Peham etc. war in früheren Jahrhunderten sehr verbreitet, und es existirte auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl von adeligen und wappen- mässigen Geschlechtern dieses Namens, welche nicht mit einander zu verwechseln grosse Aufmerksamkeit und genaue Kenntniss der diversen Wappen erheischt.
So lebten in Niederösterreich die landständischen Behem von Friedesheim ^) (siehe den nächsten Artikel), und die Beheim von Haggen berg 3), einerlei Stammes mit den altbayerischen Behem von Khager, des Wappens mit dem niederen Stulphut *).
1) Archiv für österreichische Geschichte, herausgegeben von der kais. Akademie der Wissenschaften, 49. Bd., 2. Hälfte, Wien 1872, p. 489, Taf. Vfl. 19 a., wo jedoch durch ein Versehen das im Text angegebene Monogramm auf dem Schulternabschnitt nicht erscheint.
=') Alter Siebmacher, I. 37 und III. 111 als Freiherrn.
8) Alter Siebmacher V. 30. Ihr Wappen erlangte später der kais. Hoffourier und Reichsherold Amandus Kreidenhueber, dessen Grossmutter eine geborne Behaim war. Vide Alt. Siebm. V. 44,
*) Neuer Siebm. VI. Abgestorbene Bayrische Adelsgeschlech- ter p. 4, Taf. 1.
144
Dr. E. V. Harlmann-Franzensliuld:
Dann der famose Michel Behaim, welcher das „Buch von den Wienern" schrieb »), mit dem Meerweib im Schilde: die Wiener Bürger Behem mit Hirsch und Lilie im Wappen, der kaiserliche Reichspfenning- meisteramts- Verwalter Alb recht Beheini in Ulm ß) mit seinem gespaltenen Schild, vorn ein Löwe, hinten von Silber und Roth getheilt, und alle die verschiedenen Behem in Nürnberg, unter denen wieder die Bebe im von Schwarzbach die bedeutendsten sind, zu welchen auch der berühmte Seefahrer Martin Beheim gehört, und von denen ebenfalls Medaillen vorhanden sind , die Will in seinen Nürnbergischen Mtinzbelustigungen IL 81 — 88 beschreibt und tlieilweise abbihlet ^).
Was nun den vorliegenden Erhard Behem betrifft, so soll er nach Bolzenthal ») p. 179 ebenfalls einem Nürn- berger Geschlechte angehören. Quellenmässig sicher war nur Folgendes aufzufinden : E r h a r d, G e o r g und Philipp Beheim, Brüder, erlangen Wappenbesserung d. d. Speyer den 1. October 1570, und Erhard und Philipp Behem, Brüder, erlangen den Adel mit dem Prädikate „von Bebe m- stein'^ s. d. Prag, den 18. Februar 1579, wobei zugleich die guten Dienste hervorgehoben werden, welche Erhard
*) Herausgegeben von Theodor v. Karajan, Wien, 1843, mit Behaims Wappen am Titelblatt.
«) Alt. Siebm. IV. 31 und Acten des k. k. Adelsarchiva.
') Andere Familien führen die Wappen im alten Siebm. I. 64, m, 93, 130; IV. 25, 35; V. 89 und 95. Im neuen Siebm. V. Bürgcrl. Geschlechter I. p. 45, Taf. 61 und p. 59, Tat". 82
8j Skizzen zur Kunstgeschichte der modernen Medaillenarbeit. Berlin, 1840.
Die Medaillen der österrelcliischen Beliem.
145
■dem Erzherzog: Mathias zu Oesterreich geleistet hat 9). Die Anfertigung unserer Medaille fallt also in das Jahr nach der Wappenbesserung. Ihr altes Wappen war folgendes: in Blau ein goldener Löwe, in beiden Vorderpranken einen „verlengten" Stein haltend. Stechhelm mit blaugoldenem Wulst, dessen Enden abfliegen, und gleichfarbigen Decken. Kleinod: der goldene Löwe mit dem Stein, wachsend.
Durch die Wappenbesserung d. a. 1570 erhält nun das Wappen ein anderes Aussehen, nämlich : in Gold eine blaue Spitze, darin der goldene Löwe mit dem verlengten weissen viereckigen Stein in beiden Pranken; in den Oberecken wird die Spitze begleitet von zwei schwarzen Mohrenköpfen mit silbern-blauer Binde, einwärtssehend. Stechhelm mit gold-schwarzem und blau-goldenem Wulst und Decken. Kleinod: ein offener Flug, jederseits durch einen goldenen, mit einem Mohrenkopf belegten Sparren getheilt, rechts von Schwarz über Blau, links von Blau über Schwarz, inzwischen der gekrönte goldene Löwe wachsend.
Mit der Adelstandsverleihung d. a. 1579 war zugleich eine Wappenvermehrung verknüpft, indem zu dem Behem'- scheu Wappen dasjenige der Ehewirthin des Erhard, einer gebornen Dukhen (?) hinzugefügt wurde; so zwar, dass es nun derart erschien: Gespalten, vorn das alte Wappen, hinten getheilt: oben von Silber und Blau dreimal getheilt, unten gespalten von Roth und Silber, darüber ein schwarzer schräglinker Balken.
Auf dem gekrönten Turnierhelm mit gold- schwarzen und blau-silbernen Decken ein offener Kleinodflug; der rechte Flügel durch einen goldenen, mit einem Mohrenkopf
9) Reichsacten des k. k. Adelsarchivs in Wien.
10
146
Dr. E. V. Harlmaiin-KranKenshuld:
belegten Sparren von Schwarz und Blan getheilt, der linke durch einen von Roth und Silber gespaltenen Sparren, durch welchen ein schwarzer Strom geht, von Blau und Schwarz getheilt; inzwischen ein gekrönter goldener Löwe wachsend.
Dieses Geschlecht ist meines Wissens bisher noch nirgends verzeichnet worden.
II. Behem von Friedesheim.
Wappenjetton. Av. Zwischen dem innern und äussern Perlrand die Umschrift: HANNS BEHEM. Innen das Wappen der Familie, nämlich eine gespaltene Stechtartsche ; vorn von der Mitte des rechten Seitenrandes aus mit dem Schneckenschnitt dreimal getheilt, hinten ein Greif. Ge- krönter Turniorhelm, auf demselben als Kleinod der Greif waciisend und ein Fähnlein haltend, welches (von dem Fahnenende aus) wieder mit dem Schneckenschnitt drei- mal getheilt ist.
^. Zwischen eben solchen Perllinien wie am Avers: + FERDIPRINO- HISP-ARGH-AVST Innerhalb ein Schild mit dem Wappen des Erzherzogs Ferdinand : qua- drirt, und jedes Quartier wieder qua drirt. 1. Viertel: a) der
Die Medaillen der österreichischen Behem.
147
österreichische Bindenschild, b) die drei goldenen Lilien von Neuburg-und. c) die roth-goldenen Schrägbalken von Alt-Burgund. d) der Brabanter Löwe. Mittelschild ein Adler (Tirol?) — 2. und 3. Viertel: quadrirt von Kastilien und Leon. 4. Viertel: w^ie das erste, doch als Mittelschild den Löwen von Flandern.
Grösse (11) 11 Linien, Gewicht s/ie Loth in Silber, sehr schön geprägt, ziemlich flach. Das Behem'sche Wappen ist recht zierlich und correct gezeichnet, namentlich der Helm, auch die Figürchen des ISfeldigen erzherzoglichen Wappens .sind ganz deutlich erkennbar. Dieser Jetton ist wiederholt von Herrn Dr. J. v. Bergmann angeführt worden, und zwar in seinem Medaillen werke L 123, dann im 113. Bde. der Jahrbücher der Literatur, Anzeigeblatt p. 26 — 28 (Ueber den Bergsegen und die Bergleute Tirols und die Münze von Hall, vom J. 1450 bis 1809) und im 114. Bde derselben, Anzeigeblatt p. 2 und 6 (Ueber das Entstehen vieler Jettons und Medaillen auf Gewerken, Bergwerks- Kammer- und Buchhaltungsbeamte in den österreichischen Landen).
Han ns Beheim, Münzmeister zu Hall in Tirol, gehört jenem Geschlechte an, welches durch fast 300 Jahre in Niederösterreich ansässig war , und von seiner ursprünglichen Heimat, Friedesheim in Schwaben das Prädikat annahm i).
Wissgrill nennt zuerst Joachim Beham in den Jahren 1397 — 1441 und seine drei Söhne Wilhelm, A dam und Bernhard; letzterer war ao. 1435 oder 1436
1) Mit den Nürnberger Behem und Behaim haben diese vor- liegenden nichts gemein.
10*
148
Dr. E. T. Hartmann-Franzenshuld'.
geboren, kam von Schwaben nach Tirol, wurde des Erz- herzogs Sigismund Münzmeister zu Hall, machte sich um schönere MUnzpräge besonders verdient, und nannte sich zuerst V. F r i e d e s h e i m. Nachdem Tirol an den römischen König Max gekommen war, wurde Behem Münzmeister von Oesterreicli und Tirol, blieb jedoch beständig an der Münz- stätte zu Hall, wo er auch am 2. September 1507, im Alter von 71 oder 72 Jahren starb, und ein sehr schönes Grab- mahl aus schwarzem Marmor ihn verewigt.
Aus seiner Ehe mit Barbara v. Hönigl entsprossen fünf Söhne, nämlich Bernhard junior, Thomas, Hanns (der bei Wissgrill fehlt), Mathias und Berthold. Bernhard junior wurde vom Kaiser Maximilian I. ao. 1511 zum obersten Münzmeister in Oesterreich und Tirol an seines Vaters Stelle ernannt, wurde im gleichen Jahre in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen, gründete mit seinem Bruder Johann ao. 1516 die St. Veitscapalle auf dem Friedhofe zu Hall, erscheint hernach zwischen 1530—1536 als Eath der verwittweten Königin Maria von Ungarn und Böhmen, oberster Kammergraf auf der Kremnitz, Gespann und Hauptmann zu Altsohl, auch der sieben ungarischen Bergstädte. Anno 1535 erkaufte er die Herrschaft Lengen- feld im V. 0. M. B. (Langenfeld bei Langenlois), wohin er sich zurückzog und 1547 starb a). Sein Bruder Thomas war Münzmeister zu Wien des Königs Ferdinand (L) von Ungarn und Böhmen, und starb 1551.
Hanns Behem ist derselbe, dessen Jetton wir vor uns haben ; dem Stücke fehlt zwar die Jahrzahl, doch ist, wie Dr. v. Bergmann bemerkt, aus dem Titel Ferdinands zu
2) Ueber die beiden Bernhard, siehe auch die Notiz in Naglers Künstlerlexikon 1. 378.
7")ie Medaillen der östcrreichisclien Beliem.
149
sehliessen, dass es noch vor seiner Thronbesteigung von Ungarn (1516) nnd Böhmen geprägt wurde. Hanns w^ar desselben Königs Mlinzmeister zu Hall in Tirol und hat auch 1529 gelegentlich der Belagerung Wiens als Kriegs- mann unter einer ehrsamen tirolischen Landschaft gegen die Türken gedient.
Mathias B. war beider Rechte Doctor (nach Wiss- grill Dr. der kanonischen Rechte und Domherr des Hoch- stiftes Brixen).
BertholdB. war der verwittweten Königin Maria von Ungarn und Böhmen Diener und Verwalter der Kammer zu Kremnitz.
Diese fünf Bruder erhalten von Kaiser Karl V. eine Bestätigung des vom Kaiser Max I. verliehenen Adels nebst rother Wachsfreiheit d. d. Augsburg, den 11. September 1530 3). Aus dem bezüglichen Diplome entnehmen wir, dass schon Kaiser Friedrich III. ihrem Wappen eine Krone auf den Helm und das zweite Feld mit dem Greif, ihrem Stammschilde, hinzugefügt habe. Nun erlangen sie diese beiden Felder im quadrirten Wappen; 1 und 4 von Silber, rotli und schwarz schneckenweise getheilt; 2 und 3 in' Schwarz ein goldener Greif. Dazu zwei Helme, der erste mit silbern, rothen und (!) schwarzen Decken, trägt einen rothen hohen Kleinodhut mit Hermelinstulp, oben gold- gekrönt und mit drei Straussenfedern silbern, roth und schwarz besteckt. Der zweite mit golden-schwarzen Decken führt den goldenen Greif wachsend *).
8) Reichsacten des k. k. Adelsarchivs zw Wien. *) Alter Siebmacher, I. 37, sub Friedesheira.
150
Dr. E. V. Hartmann-Franzenshuld : Die Medaillen der österr. Behem.
Die Familie erwarb später den Freiherrnstand nebst Wappenvermehrung 5). Von Wilhelm BernhardBeheni V. Friedeshaim rührt das berühmte kunstvolle Wappen- buch der niederösterreichischen Landstände (aufbewahrt im niederösterreichischen Landesarchiv) her. Die ausführ- liche Genealogie des Geschlechtes findet sich bei Wissgrille), der aber unsern Hanns ausgelassen und den Kammergrafen Bernhard irrig den Behaim von Haggenberg zugetheilt hat.
5) Ibidem, III. 111.
«) Hier, sowie in allen anderen Werken ist die Familie aus- schliesslich unter ihrem Prädikate v. Friedesheim aufzufinden , da sie den Namen Behem ganz fallen liess.
151
VIT.
Beitrag zur Kenntniss der numismatischen Erinnerungen an Aerzte und Naturforscher,
die sich iiiclil in Diiisburg's Werk über diesen Gegenstand vorfinden.
Von Dr. Eduard Riippell.
Vorwort.
Mit dem Sammeln der Medaillen, die auf Aerzte und auf dem Gebiete der Naturwissenschaften thätige Personen geprägt wurden, habe ich mich seit 40 Jahren mit beson- derer Vorliebe beschäi'tiget; durch meinen längeren Auf- enthalt in Italien und Frankreich, durch die Gefälligkeit mir befreundeter Personen in England, Holland, Scandi- navien und Rüssland, und durch glückliche Einkäufe auf Münzauctionen ist es mir gelungen eine Reihenfolge dieser Medaillen und Jettons zu vereinigen, die sicherlich jede andere im Besitz eines Privatmannes weit tibertriift. Ich habe daher die Befähigung Beiträge zu dieser Specialität der Numismatik zu liefern, über welche bereits mehrere werthvolle Bücher veröffentlicht wurden.
■152
Dr. Eduard Rüppell : Beitrag zur Kenntnis^ der numismatischen
Der Berliner Arzt, Dr. J. C. W. Moehsen ist meines Wissens der erste Numismatiker, welcher es sich zur Auf- gabe gemacht hat, die zum Gedächtnis» berühmter Aerzte gefertigten Medaillen zu sammeln, und in einem eigenen Werke zu beschreiben und abzubilden i). Zweiundflinfzig Jahre später veröffentlichte der berühmte Dr. C. A. Ru- dolph i unter dem Titel: Index numismatum in virorum de rebus medicis vel physicis meritorum memoriam percusso- rumä), ein beschreibendes Verzeichniss aller ihmzurKennt- niss gekommenen Prägestücke oder Gussmedaillen auf Aerzte und Naturforscher, deren Zahl sich auf 523 Nummern belief; sie sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt, bei jedem, wenn möglich eine kurze Angabe über Geburt- und Sterbejahr, und des bevorzugten Wissenschaftsberufes. Im Jahre 1829 wurde eine zweite Auflage davon gedruckt, in welcher bereits 720 verschiedene Medaillen und Jettons beschrieben wurden.
Ein neuer Beitrag zur Specialkenntniss der zum Andenken auf Aerzte gefertigten Prägestücke erschien 1857 und 1858 in zwei Heften des in Paris gedruckten Magazin pittoresque a); es werden in diesem Aufsatz die in der Münzsammlung auf der kaiserlichen Bibliothek befindlichen Jettons beschrieben und abgebildet, welche auf die Decane der Pariser medicinischen Facultät seit
1) Berlin 1773 und 1781 in 40; iler erste Band mit den Bild- nissen und Biographien der Aerzte; der zweite Band enthält die Geschichte der Arzenei - Wissenschaft in der Mark Brandenburg', und am Ende desselben drei Tafeln mit Abbildungen von Aerzten.
2) Berlin 1825, Bändchen in H«, Widmungsschrift zu J. F. Blumonbach's Doctor- Jubiläum.
3) Gross 40, Band 25 (1857), pag. 255, 287, 327, 362, Band 26 (1858), pag. 55, 87, 136.
Erinnerungen an Aerzte und Naturforscher etc. etc. -it^tr
1638 bis 1790 geprägt wurden. Bedauerlich ist, dass diese Serie nicht vollständig vorhanden ist. Die Stempel einer nahmhaften Anzahl dieser Jettons befinden sich in der berühmten Sammlung der Mlinzstempel im Münz -Hotel in Paris; viele derselben sind zersprungen und ganz un- brauchbar; es scheint nicht mehr genau bestimmbar zu sein, welche Stempel zusammengehören; da in neuerer Zeit dieselben häufig zu Neuprägung verwendet wurden, so entstanden mehrere Zwitterstlicke i), welche den Samm- lern als unbeschriebene Münzen von den Händlern theuer verkauft werden.
Im Jahre 1858 publicirte der in Gent lebende Arzt H i p p 0 1 i t e K 1 u y s k e n s ein zweibändiges Werk , unter dem Titel:
„Des hommes celebres dans les sciences et les arts, et des medailles qui consacrent leur souvenir", in welchem er 1208 geprägte Medaillen, Jettons und theils gegossene, theils gravirte Kopfabbildungen, die er Glichet nennt, mehr oder weniger vollständig beschreibt und von vielen Abbildungen gibt. Es finden sich unter den beschriebe- nen Stücken, die in alphabetischer Ordnung sich folgen, alles was Eudolphi in der zweiten Ausgabe seines Index aufgeführt hat, ferner die sämmtlichen Jettons auf die Decane der Pariser niedicinischen Facultät, besprochen in dem Magazin Pittoresque, und mehrere zu Ehren von Künstlern und Gelehrten geprägte Medaillen. Nach der Vorrede ist der Zweck des Buches die Medaillen auf
1) Ich selbst erwarb uach und nach 80 verschiedene Exemplare dieser Jettons in Kupfer und Silber; sie gehören zu dem Decanat von38 Aerzten. In der Frankfurter Münzsammlung sind sechs dieser Zwitter- Jettons.
1^4
^'-'^ Dr. Eduard Unppell : lieitrag zui Kiuntniss der numismatischen
berühmte Männer zu beschreiben, mit welchen der Autor bei seinen Studien der Geschichte der Civilisation bekannt wurde; viele der besprochenen 8tllcke besitzt Kluyskens nicht selbst, hat sie sogar nie gesehen, und mitunter macht er die lächerlichsten Irrungen i).
Der in Danzig lebende Arzt Carl Ludwig v. Duis- burg, der sich thätigst mit dem Sammeln von Medaillen beschäftigte, namentlich mit solchen die als Belege zur Kunstgeschichte dienen, unternahm es eine nöthig gewor- dene neue Auflage der Rudolphischen NumismataViroruni zu besorgen; dabei hat er das ganze Werk nach einem neuen Plane umgearbeitet, indem er die Aerzte nicht wie Kudolphi in alphabetischer Ordnung aneinander reihete, sondern sie nach den Ländern, in welchem sie vorzugs- weisewirkten, abtheilt, und in jeder Abtheilung sie in chro- nologischer Ordnung sich folgen lässt. Das Duisburg'sche Werk, im Jahr 1862 in Danzig gedruckt 3), zu dem icli hier einen Nachtrag liefere, enthält die Beschreibung von 1130 Medaillen, Münzen und Jettons, die sich auf Aerzte beziehen. Die von Kluyskens beschriebenen und abgebildeten Clichets, die derselbe aus Liebhaberei für sich hatte fertigen lassen, wurden von Duisburg mit Recht
<) Band II, yag. 116 steht: Kreuth, Medecin de la Baviero. Jolie raedaille en argent de Sy^ centinietres. — Dieser angebliche Doctor Kreuth ist einfach der Badeort Kreuth, dessen Bewohner die Medaille aus Dankbarkeit tür den König Maximilian Joseph prägen Hessen, wie ausdrücklich auf dem Revers steht: Gewidmet in Kreuth 1828.
') C. A. Rudolphi recentioris aevi Numismata virorum de rebus medicis et physicis meritorum memoriam servantia denno edidit emendavit et auxit C. L. de Duisburg. Erster Band 8», Dan- tisci 1862.
105
Erinnerungen an Aerzte und Naturforscher etc. etc. xt/«'
iinbeiticksiclitiget gelassen; nur die schönen ausdrucks- vollen gegossenen Portrait-Reliefs (Toreuma), die theils in lierlin in Eisenguss, theils in Paris in Bronze von David und Anderen, theils in Rom, gleichfalls in Bronze, durch 0. Voigt gefertigt wurden, beschreibt er. Bereits im folgen- den Jahr (1 860) publicirte Duisburg ein Supplement, worin er 77 Medaillen und Jettons beschreibt, beinahe sämmtlich aus meiner Sammlung, wie er auch in einem Vorwort des Supplements angibt. Meine Reisen nach England, Paris und Italien, so wie briefliche Verbindungen mit Russland und Schweden, brachten mich in Besitz vieler Medaillen, die Rudolphi und Duisburg nicht gekannt hatten, und nach meinen Mittheilungen, veröffentlichte Duisburg 1868, wenige Monate vor seinem Tode 1), ein zweites Supplement mit Beschreibungen von 110 Stücken, welche abermals zum grössten Theil meiner Sammlung entnommen sind.
Duisburg hat in den Supplementen wie in seinem Hauptwerk, die Personen und jedes einzelne Stück mit lateinischen und arabischen Zahlen bezeichnet, und bei der Einschaltung neuer Stücke in der chronologischen Reihenfolge ein beigefügtes a, b .... gebraucht.
Seit dem Jahre 1868 habe ich meine Medaillen-Samm- lung durch neue Erwerbungen bedeutend vermehrt; in ihrer Eintheilung habe ich eine wesentliche Aenderung gemacht, indem ich in die Section der Aerzte und Natur- forscher die Stücke zum Andenken an Mathematiker auf- nehme, weil dieselben fast alle sich auch mit physica- lischen Gegenständen beschäftigt haben. Im Uebrigcn befolge ich die geographische Abtheilung und Nummern-
1) Duisburg starb auf einem Landsitz bei Danzig am 11. Sep- tember 1868.
156
Dr. Eduard Kiippcll : Beitrag zur Kenntniss der numisinatisclien
bezeiclmimg, deren sich Duisburg in seinen Publicationen bediente.
I. Italien.
XX!!**. Trotula oder Trottola dl Rogiero, geboren zu Salerno Anfang des XVI. Jahrhundert?. Sie beschäftigte sich schriftstellerisch und practicirend mit Medizin i), lebte theils in Neapel, theils in ihrer Vaterstadt.
Av. Brustbild mit Phrygischer Mütze, im Profil nach links, darunter : Catenacci f. Umschrift : Trottola medendi arte perita.
Rev. Verzierte niedere Büchse mit Deckel, dahinter Bündel von Molinkolben uud der Schlangenstab. Umschrift: Salerni nati floruit ann : XI (?) 2). Unter der Büchse: A. Arnaud f., L. Taglioni con. Neap. Bronzemedaille von 1 8 Linien Durchmesser.
XXV. Hieronymus Cardanus.
Die unter Nr. 2 von Duisburg beschriebene Medaille ist nicht 1 y^ Zoll gross , sondern hat 22 Linien Durchmesser.
XXXVI». Jacobus Z abare IIa, Professor der Physik und Astronomie zu Padua; daselbst geboren 1533, gestorben 1589.
1) Trotulas Werk: De raorbis miilierum wurde zum ersten Mal in Strassburg 1544 gedruckt.
*) Ich verniutlie hier einen Stempelfehler, soll heissen XL.
Erinnerungen au Aente und Naturforscher etc. etc. lOl
Av. Brustbild in einem mit Pelz besetzten Oberkleid, das Kopfprofil nach links. Umschrift : Jac. Zabar. Phil. Pat. Co. et Eq. Impe f.
Rev. Altar, auf welchem vier zu einem Knäuel ver- schlungene S sich befinden. Oberhalb ein Spruch- band, worin die Buchstaben HNOOOHBIS.
Original-Bronze-Guss-Medaille von 17 Linien Durchmesser. Das Stück stammt aus der Samm- lung Du Rosay in Dresden, in deren Catalog es die Nummer 3601 hat.
Abgebildet ist die Medaille: Mazzuchelli Tafel 91, 5.
XLI. Fridericus Caesi US.
Av. Brustbild nach rechts; auf dem Abschnitt des Halses ein unleserlicher Name. Umschrift: Fed. Caesius Princ(eps) I(n) S(ancti) A(ngeli) et S(ancti) P(^auli) Mar(chio) it M(ontis Cal(i) Br(?) Auf dem Abschnitt des Armes eine Jahres- zahl, vielleicht 1 633,
Rev. In einem Lorbeerkranz, den eine Krone abschliesst, ein nach links schreitender Luchs. Umschrift: Lynceis institutis. Auf beiden Seiten der Rand mit einem Perlenkreis.
Bronze Guss- Medaille von 15 Linien Durch- messer.
Mein Exemplar von Nr. 1 der Medaillen auf Caesius, das ich in der Duisburg'schen Auction erkaufte, in deren Catalog es mit Nr. 35 bezeich- net ist, stimmt in der Umschrift des Avers nicht mit der Beschreibung von Duisburg (pag. 15 der
'^ Dr. Eduard Utippell : Beifrag zur Keuntnlss der numismatischen
Numismata). Dieselbe ist: Fed. Caesius. Princ. J. S. A. Et S. P. Mar. 11. M. Cael. B. P. Am Abschnitt des Armes 1633. Grösse 15 Linien.
XLVr^. Bonaventura Cavalerius, berühmter Mathematiker, dem seine Gebm-tsstadt Mailand im Jahre 1844, ein Standbild in Marmor errichten Hess; geboren 1598, gestorben 1647.
Av. Brustbild im Profil nach links, darunter V. Nesti f. Umschrift : Bonaventura Cavalerius.
Rev. Drei Zeilen Inschrift: Pr. Id. Septemb. | An. xMDCCCXLIV I Mediol.
Bronze -Medaille von 20 Linien Durchmesser.
LIX". Peter Anton Micheli, Toscanischer Natur- forscher und Botaniker, geboren in Florenz 1679, starb daselbst 1734.
Av. Kopf im Profil nach links, mit lockigem, lang in den Nacken herabhängendem Haupthaar, darunter L. Gori ine; Umschrift: Esposizione internazio- nale di orticultura in Firenze 1874.
Rev. Lorbeerkranz mit leerem Raum im Inneren.
Bronze - Medaille von 22 Linien im Durch- messer.
LIV. J. F. Farisiani.
Die Initialen des Vornamens dieses Arztes habe ich nicht ermittelt; der Name des Stempel- fertigers, dessen Initialen F. C. F. stehen, ist: F. Cesarinus fecit.
Krinnerun^'en au Aerzte und Natin loi-sclier itc. etc.
159
LV. Johannes Galezius Man/J.
Die Namens - Ergänzung des Fertigers dieser Gussmedaille, I. D. F. auf dem Reverse ist: Johann Didier fecit.
LV*. Dominicus G u 1 i e 1 m i n u s, Professor der Hydrostatik in Bologna, geboren 1654, starb in Bologna 1710.
Av. Brustbild mit LockenperUcke im Profil nach links, Umschrift: Dominic. Gulielminus Bonon: hydro- staticor. princ:
Rev. Liegender Flussgott sich auf drei Töpfe stützend, aus welchen Wasser fliesst. Sein rechter Fuss ist durch eine Kette an einen Stein gefesselt. Ueberschrift : Coercuit.
Bronzemedaille von 30 Linien Durchmesser.
LVL Alexander Marcellus.
Als ich die Beschreibung einer mir gehörigen Medaille von 1701 auf diesen Gelehrten an Duisburg einschickte, war mir entgangen, dass bereits Mazzuchelli i) eine andere Medaille auf das Andenken dieses venezianischen Edel- mannes bekannt gemacht hatte, die mir nie zu Gesicht gekommen ist, und wovon die Beschrei- bung nachstehend folgt :
2. Av. Brustbild nach links. Umschrift: Alex. Mar- cellus.
1) Vol. II, Taf. CLX,Nr. IV.
i OU Dr. Eduard Knppell : Beitrag zur Kenntnis« der numismatischen
Kev. Baumstamm mit drei Aesten, welche tünf Zweige mit Blütheu und Frliebten tragen; darüber in einem Spruchband : Miscentur in unum. Durchmesser 23 Linien.
Mazzuchelli gibt das Todesjahr dieses Mannes als 1 747 an ') und sagt von ihm : „Personaggio in estremo amante di tutte le arti liberali, e massimamente delle matematiche, della storia; della chemica etc. etc.".
Das Geburtsjahr dieses Marcello finde ich nirgends fingegeben; da aber das Brustbild der ersten Medaille jugendliche Gesichtszüge hat, so kann man solches auf beiläufig 1680 annehmen.
Duisburg hat bei der gedruckten Beschreibung (pag. 21) zwei wesentliche Fehler begangen, 1. dass er Alessandro als den Namen und Marcello als den Vornamen gebraucht, und 2. in der Umschrift des Revers: Reget statt: Kegni schreibt.
LXVIII*. Gabriel Manfredus, Mathematiker und Astronom, geboren in Bologna 25. März 1681, starb da- selbst 13. September 1761; er war ein jüngerer Bruder des Astronomen Eustachius Manfredus, Professor in Bologna.
A V. Brustbild im geistlichen Gewände, im Profil nach rechts, darunter: Opus Joseph. Luccesini 1766. Umschrift: Gabriel Manfredus Bonon. Mathe- maticus.
1) Nagler : Künstler - Lexicon. Vol. VII, pag. 296 setzt seinen Tod irrig ums Jahr 1750.
Erinnerungen an Aerzte und Naturforscher etc. etc. iOl
R e V. Stehende Frau , mit der Rechten auf einen Altar sich stützend, auf welchem ein aufgerolltes Papier liegt ; in der empor gehobenen linken Hand hält sie ein Senkblei. Umschrift: Quaerit et invenit. Beide Seiten der Medaille haben längs des Randes einen Perlenkreis. *
Bleimedaille von 23 Linien Durchmesser.
LXXIV. Thomas Pu sei ni. Geburts- und Sterbejahr nicht ermittelt.
Auf dem Revers der Medaille sind nicht eine Frau und Mercur, sondern zwei Frauen. Rudolphi machte bereits diese Verwechslung; Duisburg war nie im Besitze der Medaille. DassKluyskens ohne weiteres (II. pag. 329) den Rudolphi abge- schrieben hat, versteht sich von selbst.
LXXV. Paulus Valearenghi.
Dieser Arzt war geboren in Cremona 1703 und starb daselbst 1775.
LXXVII. Josephus Prosper Graf Gin anni.
Bei der Beschreibung dieser Gussmedaille haben wie es scheint, Rudolphi, Duisburg und Kluyskens nicht ein Original, sondern nur die von Mazzuchelli (II. Taf. 190, Nr. 1) gegebene Abbildung derselben vor Augen gehabt.
Die auf dem Revers derselben befindlichen Genien reichen der als Herme stehenden Natura nicht ConfectkUgelchen (Cimelia) dar, sondern Nester mit Eiern, was sich auf Ginonis Werk be- zieht: Delle Uova e dei nidi degli uccelli, Venezia
11
1 O^ Dr. Eduard Itiippell : Beitrag zur Kenntniss der iiunüsiiiÄtischen
1737. 4» i). Die Ueberschrift des Revers: Invenit haben auch Rudolph! und Duisburg zu erwähnen vergessen.
LXXXI. Petrus Paulus Molinelli.
» Das Todesjahr dieses Gelehrten ist unrichtig
angegeben, er starb erst 1769. Die vier Initialen
F. B. —F. A. auf dem Avers der Medaille sind
zu ergänzen Francesco Brattini fecit Anno 1 769.
Ich besitze eine zweite Gussmedaille.
2. Av. Brustbild nach rechts , mit lang herabhängender Cravatte und geblümtem Kleid. Umschrift : oJ^^ Petrus Paulus Molinelli , Med. et Chirur. Doctor.
Taf. VIII, ].
Rev. In einem durch zehn Bogensegmente verzierten
Schilde, Schrift in sechs Zeilen: + | Civi |
optime clinico i incomparabili | amici | MDCCj
LXVIII. * Auf beiden Seiten ein Lorbeerzweig.
Bronzemedaille von 33 Linien Durchmesser.
LXXXV*. Cajetanus Antin ori, Staatsminister des Grossherzogs Peter Leopold von Toscana, welcher grosse Liebhaberei für Naturwissenschaften hatte; er ist geboren in Florenz 1705, gestorben
Av. Brustbild nach rechts. Umschrift: Caietanus Antinorius. Rev. Zwei Frauen und ein Genius mit einem Globus. Umschrift: Conjurante amicis. Unten L M W
1; Auf dem Titelblatt dieses Buches ist der Autor Zinanni genannt !
Erinnerungen an Aerzte unii Naturforsolifer etc. etc. lOO
(Lorenz Maria Weber, der Fertiger der Medaille) und im Abschnitt MDCCLVII.
Abgebildet Mazzuchelli. Vol. IL Taf. 203. 1.
Bronzemedaille von 3 Zoll Durchmesser.
Ich habe diese Medaille nie zu Gesichte bekommen und vorstehende Beschreibung ist nach Mazzuchelli gefertiget.
LXXXV*. Eiistachius Zanottus, Astronom, Pro- fessor in Bologna, geboren daselbst 1700, gestorben 1782. Av. Brustbild nach rechts, unter welchem G. R. Umschrift: Eustach. Zanottus, Bonon. Math. Instit. Praeses. Rev. Pyramide an deren Basis ein Genius liegt und eine Eule. Zur Rechten steht Minerva, einen Kranz haltend, zur Linken Mercur mit Caduceus und Hahn. Umschrift: Quaudo ullum invenient parem. Unten V. C.
Bronzemedaille von 2 Zoll Durchmesser.
XC. Xaverius Manetti.
Die biographischen Daten, die Duisburg angibt, (pag. 32) sind unrichtig. Manetti ist geboren 1723, er starb in Florenz bereits 1784.
XCI. Leonardus Ximeniu s.
In der Umschrift des Avers hat Rudolphi (Nr. 709), Duisburg (pag. 33) und natürlich auch Kluyskens (IL pag. 626) irrthümlich Ximenes statt Ximenius.
XCII. Jacobus Tatius Blancanus.
Eine Abbildung der Medaille auf Blancanus gibt Durant, Numismates, Taf. XVII. 7.
11*
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