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DIE GRIECHISCHEN
CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER
DER
ERSTEN DREI JAHRHUNDERTE
HERAUSGEGEBEN VON DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION DER KÖNIGL. PREUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ORIGENES
ERSTER BAND
LEIPZIG J. C. HINRICHS’SCHE BUCHHANDLUNG 1899
Druck von August Pries in Leipzig.
HERMANN UND ELISE GEB. HECKMANN
WENTZEL-STIFTUNG
oRIGENES WERKE
ERSTER BAND
DIE SCHRIFT VOM MARTYRIUM BUCH I—IV GEGEN CELSUS
HERAUSGEGEBEN IM AUFTRAGE DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION DER KÖNIGL. PREUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN VON
Dr. PAUL KOETSCHAU
PROFESSOR AM GROSSHERZOGL. GYMNASIUM IN JENA
LEIPZIG J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 1899
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Inhalt von Origenes Band I.
Einleitung. , Seite A. Die Schrift vom Martyrium. l. Zeit, Orb und Zweck der Abfassung . . . . . . . . . . IX II. Inhalt und Gliederung . . . .. T ER: XI III. Textgeschichte. Handschriften und Ran Wc PR NOM XV B. Die acht Bücher gegen Celsus. I. Zeit, Ort und Zweck der Abfassung . . . . den s. XXII IL Origenes’ Kenntnis der griechischen Litteratur und dis grie- chischen Altertums . . . ITI TI N T. v XXIV III. Origenes! Kenntnis der Bibel Er d altchristlichen Litter atur . XXXI IV. Origenes und die griechische Philosophie . . . . . . . XXXVI V. Das theologische System des Origenes . . Dare Ne Tt XLII VI. Inhalt und Gliederung . . uU sr a Sp Me XLIX VIL Textgeschichte. Ἔα sd noo Murs CM ES LVII C. Die Schrift vom Gebet. I. Zeit, Ort und Zweck der Abfassunz . . . . : tu Ue LXXV IL Inhalt und Gliederung . . ο΄. JEN CT EU, 120 THNSIONCTEE III. Textgeschichte. Handschriften N Abs bbs $c cx S δ}: Mehlüasweorb des Herausgebers. 3... 2-8 XC Berzeichnis,der AbkürzungeB . . - «s ..« u ul pe s XCI Text. Die Schrift vom Martyrium . . ee PR T s 1— 47 Gegen Celsus Buch I—IV . NW Er duum sooo ME
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Einleitung.
A. Die Schrift vom Martyrium. I. Zeit, Ort und Zweck der Abfassung.
Eusebius schreibt in seiner Kirchengeschichte (VI 28): τότε (d. h. unter Maximin| xai Ὡριγένης τὸν περὶ μαρτυρίου συντάττει, Au- βροσίῳ καὶ Πρωτοχτήτῳ πρεσβυτέρῳ τῆς ἔν Καισαρείᾳ παροικίας ἀναϑεὶς τὸ σύγγραμμα, ὅτι δὴ ἄμφω περίστασις οὐχ ἡ τυχοῦσα ἐν τῷ διωγμῷ κατειλήφει, ἐν ἡ καὶ διαπρέψαι κατέχει λόγος ἐν ὃμο- λογίᾳ τοὺς ἄνδρας κτλ. Die Verfolgung hat zu Anfang der Regierung Maximins stattgefunden und nur kurze Dauer gehabt. Da der Kaiser schon im Winter 235 nach Pannonien aufgebrochen ist, Origenes aber mit seinen beiden Freunden noch in Germanien! gerichtet zu werden erwartet, so lässt sich mit K. J. Neumann die Abfassung der Schrift vom Martyrium bestimmt in's Jahr 235 verweisen? Ferner ersehen wir aus der Schrift selbst, dass sie zu Beginn der Verfolgung? geschrieben ist, die zwar zunüchst nur den Diakonen Ambrosius und den Presbyter Protoktetus betroffen hatte, aber auch Origenes bedrohte !.
Als Ort der Abfassung ist mit Sicherheit Caesarea Palaestina zu nennen. Denn Origenes hat während der Jahre 233—238 ungestört daselbst gelebt und gelehrt; wir haben nicht den geringsten Anhalt dafür, dass er seinen Wohnsitz der Verfolgung wegen gewechselt habe.? Ferner unterliegt es keinem Zweifel, dass der Presbyter Protoktetus von Caesarea inmitten seiner Gemeinde zugleich mit dem Diakonen
! Vgl. Exhort. 41 a. E. (I 39, 7). 2 Vgl. K. J. Neumann, Der römische Staat u. die allgem. Kirche I 228 Anm. 3. 3 Vgl. z. B. Exhort. 32 (28, 4£.): ἤτοι μάρτυρας ἢ εἰδωλολάτρας ποιήσει [seil. 6 249008] τοὺὶς πειραζομένους.
4 Vgl. Exhort. 5 (6, 12). 14 (14, 21). 18 (17, δ). 29 (26, 16). 41 (39, 1. 6). 42 (39, 22).
5 Vgl. Neumann a. a. O. S. 228 Anm. 4 und meine Ausgabe der Dankrede des Gregorius Thaumaturgus an Origenes, Freiburg i. B. und Leipzig 1894, S. XII.
x Einleitung.
Ambrosius verhaftet worden ist!. Dies ergiebt sich teils aus allge- meinen Erwägungen, teils daraus, dass sonst Origenes das Citat 11 Kor. 6, 3.4 nicht, wie er es durch Einfügung der Worte: ὑπὸ ὑμῶν τὸ πρε- σβυτέριον 7 thut?, auf seine beiden Freunde bezogen haben würde; denn durch die Flucht aus Caesarea hätten sie eben schon „Anstoss“ gegeben.
Origenes dachte, im Gegensatz zu der milderen Auffassung des Clemens von Alexandria?, sehr streng von der Pflicht des Christen, sich dem Martyrium zu unterziehen. Wie er als Jüngling, da er selbst nieht für seinen Glauben sterben durfte, seinen eingekerkerten Vater Leonidas mit den bekannten Worten: ἔπεχε, μὴ δι ἡμᾶς ἄλλο τι qQo- γήσῃς ὁ zum Ausharren aufgefordert hatte, so richtet er jetzt als ge- reifter Mann und gefeierter Lehrer der christlichen Wahrheit die dringende Mahnung an Ambrosius und Protoktetus, sich angesichts des drohenden Todes als wahre Jünger Christi zu bewühren und den Aposteln gleich zu werden, denen der Herr das Martyrium angekündigt habe?. In der Aufforderung, die Mártyrerkrone zu erwerben, liegt also der Zweck, den Origenes bei der Abfassung des Sendschreibens an Ambrosius und Protoktetus verfolgte.
Man kónnte nun fragen, warum Origenes eine solche ausführliche und dringende Ermahnung für nötig gehalten habe; er hebt ja selbst hervor, wie viel Gefahren ünd Schmach die beiden Freunde um Christi willen schon erlitten hätten“. Hier ist zweierlei zu bedenken. Origenes erwähnt Cap. 45 und 46 nicht ohne Absicht gewisse laxere Anschauungen in christlichen Kreisen über den Dämonendienst: dass das Dämonen- opfer ein ἀδιάφορον sei, und dass man unbedenklich den Höchsten auch unter einem andern Namen als dem richtigen anrufen könne®, Anschauungen, die denjenigen des Origenes schroff entgegenstanden,
! Vgl. Exhort. 22 (20, 13 £): ὑμᾶς παρὰ ταῖς ϑύραις τοῦ ϑανάτου ... ytvo- μένους. Dass Ambrosius damals Diakon war, beweist Exhort. 42 (40, 2).
? Exhort. 42 (40, 1 ff), nur in M nicht in P. Die von Neumann (a. a. O. S. 218 Anm. 7) citierte Stelle (Exhort. 42, S. 39, 28 £) scheint mir dagegen für den gemeinsamen Aufenthaltsort nicht beweiskrüftig zu sein, da von Z. 23 ab von dem Märtyrertod die Rede ist, also 7 ἡμέρα τῆς τοιαύτης ἡμῶν ἐντεῦϑεν ἀπαλλαγῆς auch nur vom Abscheiden aus dieser Welt (vgl. c. Cels. III 22, I 219, 4) verstan- den werden kann.
3 Vgl. Strom. IV 10, 76 p. 597 P. VII 11, 66 p. 871 P. und Redepenning, Ori- genes I 186 f.
^ Eusebius, Hist. eccl. VI 2, 6.
5 Vgl. Exhort. 34 (29, 4 ff. 30, 10 f£).
$ Exhort. 39 (36, 16f.).
7 Vgl. Exhort. 45 (41, 20 £.).
$ Vgl. Exhort. 46 (42, 6 ff.).
A. Die Schrift vom Martyrium. XI
und die er als gefährlich für den Bestand des Christentums bekämpfen zu müssen glaubte. Ambrosius und Protoktetus befanden sich in diesem Punkt sicherlich auf Seiten des Origenes. Seine Ausführungen mógen also wohl für Schieksalsgenossen! jener beiden Männer bestimmt ge- wesen sein, deren Gesinnung schwankend war, die in der Meinung, es genüge καρδίᾳ ziortvsup.?, das von der Obrigkeit verlangte Opfer für kein schweres Verbrechen ansahen, und die der Stütze und des Zuspruchs bedurften, wenn sie standhaft den schmalen Weg, der nach dem óffent- liehen Bekenntnis des christlichen Glaubens zum Märtyrertod führte, gehen sollten.
Ferner fällt es auf, dass Origenes den Diakonen Ambrosius nicht nur bei Erwähnung der beiden Namen vor den Presbyter Protoktetus stellt?, sondern auch sonst mehr berücksichtigt als jenen. Dies erklärt sich teils aus dem freundschaftlichen Verhältnis, in welchem Origenes zu Ambrosius stand, teils aber auch aus der Befürchtung, der reichbegüterte! Diakon könne sich schwerer von seinem Besitz und seiner Familie trennen, als der ärmere und wohl kinderlose Presbyter. Deshalb verweist Origenes den Ambrosius auf die Verheissung Jesu: πᾶς ὅστις ἀφῆχεν ... τέκνα ἢ ἀγροὺς ἢ οἰκίας ἕνεκεν τοῦ ὀνόματός μου, πολλαπλασίονα λήψεται xci ζωὴν αἰώνιον κληρονομήσει" und fügt hinzu, er wünsche selbst 50 reich zu sein wie Ambrosius und Kinder zu hinterlassen wie dieser, um jenes hóchsten Lohnes teilhaftig zu werden. Móge daher Ambro- ' sius, so heisst es an einer andern Stelle, seinen Kindern ein leuchten- des Vorbild werden, dass man diesen sagen könne: οἶδα ὅτι σπέρμα "Auß900iov ἐστὲ καὶ τό" εἰ τέκνα τοῦ ᾿Αμβροσίου ἐστὲ, τὰ ἔργα τοῦ "AuBoooíov ποιεῖτε, Ambrosius werde ja auch als verklärter Märtyrer seinen Kindern dureh Liebe und Gebet mehr nützen, als wenn er auf Erden bei ihnen bliebe *.
II. Inhalt und Gliederung.
Das an Ambrosius und Protoktetus gerichtete Sendschreiben zeigt uns áusserlich zu Anfang die Form einer Homilie. Origenes stellt ein Sehriftwort (Jes. 28, 9—11) voran und bezieht es auf die zum Marty-
1 Vgl. Exhort. 36 (33, 19), wo die von Neumann (a. a. O. S. 222 Anm. 1) ge- äusserten Bedenken durch Einschiebung von χαί (S. 33, 20) zu heben sind.
2 Vgl. Exhort. 5 (7, 7 ff).
3 Exhort. 1 (3, 5£). 36 (33, 16 ff.).
^ Vgl. Exhort. 14 (14, 17 f. 23).
5 Matth. 19, 29. Exhort. 14 (14, 14 ff.).
$ Exhort. 38 (36, 2—4).
7 Exhort. 38 (36, 4—7).
XII Einleitung.
rium berufenen Männer. Sie sind schon bewährt im Glauben, also gilt für sie die Aufforderung, Drangsal zu ertragen; nach kurzer Drangsal leuchtet ihnen die Hoffnung auf ewigen Lohn. An die Auslegung dieser Sehriftstelle werden dann die einzelnen Gründe angereiht, welche das Ausharren 1m Martyrium für den wahren Christen zur Pflicht machen. Man sieht hier deutlich, dass die Schrift im Drang der Zeit und der Umstände eilig hingeworfen ist und einer strengen Disposition entbehrt. Es finden sich öfter Nachlässigkeiten und Härten in Stil und Ausdruck, ähnliche Gedanken werden in etwas veränderter Form an mehreren Stellen ausgeführt, und Zusammengehöriges wird getrennt, z. B. einmal durch eine Erörterung über die Dämonen (Cap. 45. 46), die durch die Eingangsworte deutlich als Excurs bezeichnet wird. Immerhin lässt sich der Gedankengang der Schrift im allgemeinen nach Hauptgesichts- punkten angeben.
Das Original des Sendschreibens hat wohl ausser der Adresse keine Überschrift enthalten. Der später, vielleicht schon vom ersten Heraus- geber gewählte Titel ist nach Exhort. 34 (30, 10. 31, 19) und vielleicht e. Cels. VIII 47 (II 262, 13) gebildet und lautet m P: 2gıy&vovg cic μαρτύριον προτρεπτιχός, scil λόγος, wührend der Schreiber von M die Überschrift und den Initialbuchstaben weggelassen und später ver- säumt hat, beides in Rot nachzutragen. Der in P erhaltene Titel be- zeichnet das Thema der Schrift klar und ersehópfend und ist jedenfalls dem zu allgemeinen und unbestimmten Titel bei Eusebius (Hist. ecel. VI 28): Περὶ μαρτυρίου vorzuziehen !. Im folgenden versuche ich eine Übersicht über die Gliederung der Schrift zu geben?
I. Der Eingang der Schrift enthält die dringende Aufforderung zum Martynum. Denn
1. überwóge die nach Jes. 28, 9—11 verheissene Hoffnung alle Drangsal (Cap. 1. 2),
2. fordere die wahrhaftige Liebe zu Gott die Vereinigung mit ihm (Cap. 3. 4),
3. könne man nur dureh tapferes öffentliches Bekenntnis das Heil erlangen und zur Seligkeit eingehn (Cap. 5).
IL Der zweite Teil fügt die naehdrückliche Warnung vor Abfall und Abgótterei hinzu. Die Verleugnung des wahren Gottes und die Verehrung (selbst die erheuchelte, Cap. 6) der falschen Götter sei die grösste Sünde. Denn
! Vgl. Exhort. a. A., Apparat zur Überschrift. ? Vgl. die kurze Inhaltsangabe von Wetstein p. 30 der Praef. zu seiner Ausgabe.
A. Die Schrift vom Martyrium. XIII
1. habe Jesus überhaupt das Schwören verboten (Cap. 7),
2. sei es sinnlos, die Geschöpfe anstatt des Schöpfers zu verehren (Cap. 7), |
3. suche Gott die Seelen vor Abgötterei zu bewahren (Cap. 8. 9), deshalb trenne sich
4. von Gott, wer Abgötterei treibt, werde eins mit den Götzen und sei nach dem Tod der schwersten Strafe verfallen (Cap. 10).
III. Hieran schliesst sich eng der dritte Teil, der die direkte Aufforderung zur Standhaftigkeit im Martyrium enthält (Cap. 11). Denn
1. wird nur derjenige die Seligkeit erlangen, welcher Christi Kreuz auf sich nimmt (Cap. 12. 13),
2. wird der Lohn desto reicher sein, je mehr irdischen Besitz der Märtyrer zurücklassen muss (Cap. 14. 15. 16),
3. darf man nicht wortbrüchig werden, da schon jeder Katechumene den fremden Göttern absagt (Cap. 17),
4. wird das Verhalten der Märtyrer von der ganzen Welt beurteilt werden (Cap. 18). Darum müssen wir, schliesst Origenes,
5. unbeirrt durch Schmähungen anderer (Cap. 19), um nicht den gefallenen Engeln zu gleichen (Cap. 18), jedes Martyrium auf uns nehmen (Cap. 20. 21).
IV. Als leuchtende Vorbilder der Standhaftigkeit stellt Ori- genes im vierten Teil hin:
1. den Eleazaros (Cap. 22),
2. die sieben Märtyrer mit ihrer heroischen Mutter, von welchen das II. Makkabäerbuch berichtet (Cap. 23—27).
V. Im fünften Teil spricht Origenes, wie die Worte: ὁποῖον δ᾽ ἐστὶ τὸ μαρτύριον (1 24, 7) zeigen, von der Notwendigkeit, dem Wesen und der Art des Martyriums. Dasselbe wird gefordert
A. Gott gegenüber, da wir
1. nur durch das Martyrium die von Gott uns erwiesenen Wohl- thaten vergelten (Cap. 28. 29) und
2. nur durch die Bluttaufe von den nach der Wassertaufe be- gangenen Sünden gereinigt werden kónnen (Cap. 30);
3. erlangen die Seelen der Mürtyrer, die den Verlockungen des Bösen widerstanden (Cap. 32) und sich selbst als reines Opfer Gott dargebracht haben, nieht nur die Seligkeit (Cap. 31), sondern vermögen auch den Bittenden Sündenvergebung zu erwirken (Cap. 30);
XIV Einleitung.
4. wird, wie einst den drei Männern im Feuerofen und dem Daniel in der Lówengrube, so auch den Märtyrern Gottes Hilfe nicht fehlen (Cap. 33). Das Martyrium wird aber auch gefordert:
B. Christo gegenüber, den wir
1. nieht verleugnen dürfen, da wir sonst von ihm im Himmel ver- leugnet werden (Cap. 34. 35), der
2. die Bekenner in's Paradies führen wird (Cap. 36), denn
3. nur wer das Irdische hasst, wird das Himmelreich ererben (Cap. 37.39) und wird den auf Erden zurückgelassenen Kindern reichen Segen bringen (Cap. 38),
4. wer den Sohn verleugnet, der verleugnet auch den Vater (Cap. 40);
5. geben wir aber nach Christi Vorbild unser Leben dahin, so ist uns auch sein Trost bereit (Cap. 41. 42). Darum ergeht
6. die dringende Mahnung an die Christen, sich zum Martyrium bereit zu halten, da ihr besserer und bleibender Besitz im Himmel sei (Cap. 43. 44). Es folgt nun
VI. als Exeurs eine Erörterung 1. über die Dämonenverehrung (Cap. 45) und
2. über die Frage, mit welchem Namen man Gott anrufen solle (Cap. 46).
VII Im letzten Teil werden die Mahnungen zum mutigen Ausharren in Trübsal und Gefahr unter Hinweis auf das Gleichnis vom Sámann nochmals zusammengefasst, indem Origenes
1. die Pflieht des Christen betont, sich in der Verfolgung zu be- wühren (Cap. 47—49), und
2. zum Trost darauf hinweist, Gott werde das im Martyrium ver- gossene Blut rächen, die Märtyrer aber würden durch ihre Leiden sich selbst und Gott erhóhen und auch einige andere loskaufen kónnen (Cap. 50).
In einem kurzen Schlusswort wünscht der Verfasser, dass
1. das Gesagte den beiden Freunden nützen, oder vielmehr
2. bei der Bereitwilligkeit derselben, die Märtyrerkrone zu erringen, überflüssig sein móge.
Aus der vorstehenden Inhaltsübersicht erkennt man die Bedeutung der Schrift. Sie ist zunächst ein beredtes Zeugnis für die Bekenntnis- ireue, die glühende Liebe zu Christus und den Mannesmut des Origenes, sie zeigt uns, wie dieser grosse Lehrer der Kirche gesinnt war, nach welchen Grundsätzen er selbst lebte und wie er andere zu belehren, zu trösten, zu ermahnen, zu begeistern verstand; in keiner andern erhaltenen
A. Die Schrift vom Martyrium. ΧΥ͂
Sehrift spiegelt sich so wie in dieser das innerste Leben des Origenes wieder, hier finden wir die Erklärung für sein Verhalten als Jüngling und als Greis während der Verfolgungen des Septimius Severus und des Decius!. Die Exhortatio ist aber zweitens auch eine wichtige Ge- schichtsquelle, da fast ausschliesslich aus ihr das zu entnehmen ist, was wir über den Beginn der Verfolgung Maximins wissen? Wir lernen hier die Befürchtungen kennen, die man damals in christlichen Kreisen wegen der Ausbreitung der Verfolgung hegte, und zugleich die Forde- rungen, welehe an die Christen gestellt wurden?. Es handelte sich im wesentlichen um das Abschwóren des Christentums: der neue Nabu- chodonosor verlangte die Anbetung seines Bildes und den Schwur bei seiner Tyche‘. Die Verfolgung traf nur die Vorsteher einiger Gemein- den und ging — wohl z. T. infolge der auswärtigen Verwickelungen 5 — noch in demselben Jahre zu Ende, in dem sie begonnen hatte ®. Ambrosius und Protoktetus waren nicht genötigt, der Mahnung des Origenes zu folgen und ihren Glauben mit dem Tod zu besiegeln. Endlich ist die Exhortatio auch wegen der zahlreichen Schrifteitate, die sie enthält, für die Bibelkritik von Wichtigkeit. Freilich darf man nicht übersehen, dass Origenes meist aus dem Gedächtnis eitiert. So umfassend nun auch sein Gedächtnis, so bewundernswert seine Bibel- kenntnis gewesen sein mag, so wird man bei kleineren Abweichungen stets die Möglichkeit offen halten müssen, dass Origenes ungenau citiert habe; je weniger Zeit aber Origenes auf die Abfassung der Schrift verwenden konnte, als desto grösser muss auch die Möglichkeit solcher Versehen angenommen werden.
IIl. Textgeschichte. , Handschriften und Ausgaben.
Die Ermahnung zum Martyrium ist wahrscheinlich nicht nur von Ambrosius und Protoktetus und ihren Schicksalsgenossen, sondern auch noch in den Zeiten der Decischen und Diocletianischen Verfolgung eifrig gelesen worden. Pamphilus?, Eusebius? und Hieronymus? er-
1 Vgl. Eusebius, Hist. eccl. VI 2, 3—6. 39, 5.
2 Vgl. Neumann a. a. O. S. 218.
3 Vgl. Neumann a. a. O. S. 219 ff.
4 Exhort. 33 (28, 18 f. 29, 2f). 7 (8, 14. 21).
5 Vgl. Exhort. 45 (41, 22).
$ Vgl. Neumann a. a. O. S. 228.
7 Vgl. Apol. 8 (XXIV 397 ed. Lomm.)
$ Hist, eccles. VI 28.
9 Im Brief an Paula unter den Schriften des Origenes; vgl. E. Klostermann, Sitzungsber. d. Kón. Pr. Akad. d. W. 1897 XXXIX S. 865.
XVI Einleitung.
wähnen sie als vorhanden, und man darf annehmen, dass sie ihres In- halts wegen längere Zeit zu den bekannteren Schriften des Origenes gehórt hat. Sogar Nicephorus Callisti! scheint die Exhortatio selbst gelesen zu haben, da er sie nicht unter dem von Eusebius gebrauchten, sondern unter dem handschriftlich — und wohl richtig — überlieferten Titel eitiert? und mit dem hinzugefügten Wort ‚„yevvazog“ ein wohl bei eigener Lektüre gewonnenes Urteil ausspricht. Durch ein günstiges Geschick ist die Exhortatio handschriftlich erhalten geblieben; sie ver- dankt die Erhaltung wohl teils dem interessanten Stoff, den sie be- handelt, teils ihrem geringen Umfang.
Drei Handschriften (abgesehen von den zwei unten zu erwäh- nenden Fragmenten) liegen uns vor:
1. Codex Basileensis Nr. 31 (A III 9) saec. XVI. in fol. (— Bas), der a) die Philokalia, b) die acht Bücher gegen Celsus, c) die Exhor- tatio enthàált ?.
2. Codex Parisinus Suppl. Gree Nr. 616 a. 1339 1n 4? (— P), ent- haltend a) die Dankrede des Gregorius Thaumaturgus an Origenes, b) die acht Bücher gegen Celsus, e) von fol. 3457r—3067" die Exhortatio 4.
3. Codex Venetus Marcianus Nr. 45 saec. XIV. in 4? (— M), am Anfang beschädigt. Inhalt: a) die zweite Hälfte der Dankrede des Gregorius Thaumaturgus, b) die acht Bücher gegen Celsus, e) von fol. 315"—334r die Exhortatio ohne Überschrift, d) von fol. 335"—337r Ex- cerpte aus Eusebius, Hist. ecel. V 22°. Endlich finden sich auf fol. 334v von Bessarions Hand (von der auch die meisten Randnoten im Codex herstammen) 9! schwer lesbare Zeilen, die ich im October 1893 bis auf wenige unklare Stellen richtig entziffert zu haben glaube und ihres interessanten Inhalts wegen hier unten abdrucken lasse ®.
1 Hist. ecel. V 19, 31 a. E.
2 Vgl. Exhort. App. zur Überschrift, S. 3.
3 Die genauere Beschreibung dieser und der folgenden HSS. findet man in meiner „Textüberlieferung der Bücher des Origenes gegen Celsus (— Texte u. Untersuchungen, her. von v. Gebhardt u. Harnack VI 1); vgl. dort S. 43 ff.
^ Vgl. meine ‚„Textüberlieferung“ S. 53 ff. Ich trage nach, dass dieser Codex identisch zu sein scheint mit dem Codex, welchen das Vatican. HS.-Verzeichnis des Laskaris (Vatic. gr. 1412 chart. saec. XV., vgl. Centralbl. f. Bibliothekswesen 1 1884 Heft 9 u. 10 S. 397) erwähnt. Demnach würde Par. 616 aus dem Athos- Kloster Watopedion stammen.
5 Danach ist in meiner ,Textüberlieferung* S. 25 Z. 5—0 v. o. zu corri- gieren. Die Erwähnung der Exhortatio — worauf mich KE. Preuschen aufmerksam gemacht hat — war dort infolge eines Versehens in meinem MS. ausgefallen.
? Ich habe die Interpunktion und Jota subscr. hinzugefügt und die Ab- kürzungen aufgelóst, sonst aber nichts geündert.
A. Die Schrift vom Martyrium. XVII
+ σὺ μὲν τὰς ἁπανταχοῦ γῆς ἐκκλησίας χριστοῦ τῷ τε τῆς ἐνυπ- ἀρχούσης σοι χάλλει σοφίας καὶ τῇ τῶν συγγραμμάτων πλήϑει, | ὧν οὐδὲ μέρος τις ἂν καὶ τῶν πάνυ σπουδαίων δύναιτο διελϑεῖν, ἔτε δὲ καὶ τῷ καϑαρείῳ τοῦ βίου τό γε σὸν μέρος χκρατύνας ἐπιεικῶς | καὶ οὐδενὶ [3] ἐς τὸν τοιόνδε ἀγῶνα τοῦ παύλου ἔλαττον σχὼν τριε- τῶν [3] διὰ καὶ τῷ ὑπὲρ τοῦ ποϑουμένου χριστοῦ σεαυτὸν ὑπέσχες ϑα- νάτῳ, | τὸν πατέρα ἐς τὸν τοιόνδε ἀγῶνα πρῶτον ἀλείψας ἐχείνῳ δὲ τῶν προσηκόντων μελήσει πρὸς σὲ ἀμοιβῶν καὶ ἑαυτῷ πάνυ συνή- ϑῶν [Ὁ] | cé γάρ σου τῆς βιοτῆς ἐκείνης γένοιτ᾽ ἂν ἢ καϑαρότερον ἢ ἀγιώτερον, παραδειγμα σοφοῦ σεαυτὸν ἀκριβέστατον ἐκϑεμένου; ἐγὼ δὲ | διασύρωμαι 3], ὅς σου τῶν συγγραμμάτων ὑπὲρ πάντα ποϑῶν, ὡς di αὐτῶν τῇ γεν(ν)ησαμένῃ wur οἰόμενος συνέσεσϑαι ἂν, οὐκ E10 οὐδαμοῦ | τούτων τυχεῖν πάντῃ τῶν ἐνταῦϑα ἐκλελοιπότων. χάρις δέ σοι καὶ τῆς πρὸς τὸν ἐπικούρειον κέλσον ταύτης πραγματείας" | ταύτην γὰρ ἔχων τε καὶ ἐγκολπιζόμενος σέ τε αὐτὸν xc τὰ σὰ πάντα οἴομαι ἔχειν τε χαὶ ἐνστερνίζεσϑαι, πολλά τε ἐνταῦϑα | ἀνιμώμενος ἀγαθὰ καὶ τὸ περιόν σοι σοφίας καὶ ἀρετῆς ὡς ἐν διειδεστάτῳ κατόπτρῳ 007 μοι δύναμις ἐνορῶν᾽ ἀλλὰ | διασύρωμαι[3] αὖϑες, οὐρί- γενες ορίγενες ὠρίγενες: +
Diese Worte sind der Ausdruck begeisterter Verehrung für den grossen Kirchenlehrer Origenes, sie zeigen uns, dass Bessarion eifrig bemüht war, Handschriften von Werken des Origenes zu sammeln, und dass er die Exhortatio und vor allem die acht Bücher gegen Celsus fleissig gelesen hat. Wir werden mit ihm in die Klage einstimmen, dass so wenig von den Werken des Origenes gerettet ist, aber zugleich auch jenem hochgebildeten und feinsinnigen Cardinal Dank wissen, dass durch seine Bemühungen um Handschriften des Origenes der ursprüng- liche Text der Exhortatio uns im Cod. Ven. 45 vorliegt.
Der Vollstándigkeit wegen erwühne ich noch, dass
4. Codex Regius Parisinus Gr. Nr.945 saec. XIV. auf fol.3157—315v zwei Bruchstücke der Exhortatio enthält. Da der Hauptinhalt des Codex, die acht Bücher gegen Celsus, wie ich nachgewiesen habe, von Cod. Par. Suppl. Gr. Nr. 616 abgeschrieben ist !, so darf man dasselbe für die beiden Bruchstücke behaupten. Sie sind auch so unbedeutend, dass sie für die Herstellung des Textes nicht berücksichtigt zu werden brauchen.
Der bisher bekannte Text der Ausgaben beruht lediglich auf Cod. Bas. 31 und ist lückenhaft. Der Schreiber des Cod. Bas. hat nämlich, wie ich früher dargelegt habe?, die Bücher gegen Celsus vom Cod. Par. 616
! Vgl. meine „Textüberlieferung‘“ S. 49—52. ? Vgl, meine „Textüberlieferung“ S. 44 f. Origenes I. B
XVIII Einleitung.
abgeschrieben. Dass für die Exhortatio, die in beiden Handschriften nieht nur den Büchern gegen Celsus folgt, sondern auch von derselben Hand wie diese herrührt, dasselbe gelten muss, ist an sich klar und wird auch dadurch bewiesen, dass Bas. fast alle Randnoten von P bietet und Fehler begeht, die sich nur aus der eigenartigen Schreibung von P als seiner Vorlage erklären!. Cod. Bas. ist aber nicht einmal eine — abgesehen von solchen Fehlern — correcte Abschrift von P, denn der Schreiber hat an etwa 15 Stellen kleine Wörter, wie χαί, δέ, po» u. dgl, ausgelassen und einmal sogar eine ganze Zeile seiner Vor- lage aus Flüchtigkeit übergangen?. Derartige Fehler konnten die Heraus- geber nicht verbessern, da ihnen weder Cod. P, der erst vor der Mitte dieses Jahrhunderts von Minoides Mynas aus dem Morgenland mach Paris gebraeht worden ist?, noch eine andere Handschrift zu Gebote stand. Dazu kommt, dass die Abschrift* des Bas., nach der Joh. Rodolfus Wetstenius die editio primceps?, Basileae 1674 in 4°, hat drucken lassen, Fehler enthalten hat, oder dass der Druck nicht sorg- fältig genug revidiert worden ist®. Die zweite vorhandene Ausgabe, die von C. Delarue (Origenis opera omnia, tom. I Parisiis 1733 p. 274—310, mit einer ursprünglich für Huet angefertigten lateinischen Übersetzung von Claudius Fleury) beruht nach Delarue’s Angabe (Praef. p. IX) eben- falls auf der von Wetstein benutzten Abschrift des Cod. Bas. Delarue hat aber, wie die Noten zeigen, offenbar auch Wetsteins Ausgabe be- nutzt und bietet z. T. dieselben Fehler wie diese, ja er übersieht sogar Correcturen Wetsteins. Im ganzen ist aber der Text Delarue's besser gedruckt und durch eine angemessene Capiteleinteilung übersichtlicher
1 Exhort. 14 (I 14, 26) liest Bas.: ἑχατονταπλαόνων, P: ἑχατονταπλασϊόνων, doch die Punkte über Jota etwas zu weit auseinander, so dass σὲ expungiert zu sein scheint. Exhort. 15 (I 15, 3) wird der Ursprung der Lesart von Bas.: yervr- σονται klar, wenn man sieht, dass in P das Endsigma so geschrieben ist, dass es leicht in Jota verlesen werden konnte.
2 Exhort. 42 (I 40, Sf.) die Worte: zul ἐν πληγαῖς καὶ £v φυλακαῖς zei ἀχαταστασίαις" καί.
3 Vgl. meine ,,Textüberlieferung* 5. 57.
4 Diese scheint identisch mit derjenigen zu sein, die, wie Wetstein (Praef. p. 3sq., vgl. auch p. 6 u. 25) sagt, auf Ersuchen des französischen Gesandten de Labarde von Wetsteins Vater angefertigt worden und für Huet (vgl. Delarue I Praef. p. IX) bestimmt war. Nachtrüglich hat Wetstein wohl den Cod. Bas. selbst eingesehen, aber nur an einigen Stellen.
? Die Ausgabe enthült 1. Origenis Dialogus contra Marcionitas, 2. Exhortatio ad martyrium, 3. Responsum ad Africani epistolam de historia Susannae. Allen drei Stücken hat Wetstein eine lateinische Übersetzung und Noten beigegeben.
6 Wetstein hat (nach Praef. p. 32) die HS. einfach abdrucken lassen und dann am Rand der Ausgabe einige Fehler nach Bas. verbessert.
A. Die Schrift vom Martyrium. XIX gemacht, auch durch einige beachtenswerte Vermutungen bereichert. Lommatzsch hat in seinem Abdruck der Delarue'schen Ausgabe (tom. XX p. 231—316 seiner Gesamtausgabe des Origenes, Berolini 1831 sqq.) manchen offenbaren Fehler verbessert!; sein Text ist aber natürlich mit denselben Hauptmängeln behaftet, wie der seiner Vorgänger.
Meine Ausgabe, die auf Cod. Ven. 45 (— M) und Cod. Par. 616 (— P) nach meinen eigenen Collationen beruht, bietet zum ersten Male den vollstándigen Text der Exhortatio, wie ihn zuletzt Bessarion gelesen hat. Beide Handschriften haben denselben Inhalt (Dankrede des Gregorius Thaumaturgus, Origenes gegen Celsus, Exhor- tatio) und sind eng mit einander verwandt, wie aus folgenden Stellen, die leicht vermehrt werden kónnen, hervorgeht:
Exhort. 4,15 πρέπῃ M! πρέποι P! Ἄ 9,22 ἀπογινώσχωμεν aus ἀπογινοώσκομεν corr. M2P? 5 9,22 τῶν übergeschrieben M?P? 280159: 4 ἐπεεῖ ME P Enz eorr.. Mt ,. 23, 2f ἄλλαις ἐφόδοις) ἀλλ᾽ g007* M (in marg. ἄλλαις M!)
ἀλλ᾽ ἐφόδοις P » 206,18 τινα] τινὸς M*P (τινὰ aus τινὸς corr. Μ[") , 93,17 συμπορευϑεὶς]) εἰ auf Rasur M!P! » 38,23 xoouoc] κύριος M* xG P (xóóuoc M corr. auf Rasur) » 42,298. περὶ οὐσίας] περιουσίας M* περὶουσίας P (περὶ οὐσίας corr. M?)
Diese auffälligen Übereinstimmungen lassen sich nieht dureh An- nahme der Abhängigkeit der einen von der andern Handschrift erklären, sondern weisen auf eine gemeinsame Vorlage der beiden Handschriften hin. Dasselbe ergiebt sich daraus, dass beide Handschriften folgende ; offenbaren Fehler bieten:
Exhort. 15, 13 ἀετὸς] αὐτὸς MP " 19, 9 δὲ μόνο») δαιμόνων M*P (δὲ μόνον» corr. M?) „ 25,19 Seg] τῇ MP » . 29,13 δοϑήσεται — λαλήσητε om. MP » 80, 4 τί λαλήσητε om. MP.
Endlich aber kann aus entscheidenden Gründen weder P von M, noch M von P abgeleitet werden. Das erstere ist deshalb ausgeschlossen, ! z. B. Wetsteins Fehler (p. 195 sq.) ἀντισϑῆναι: Del. 1 295 D u. Lomm. p. 279 Anm. 7; ferner ἕν om. Wetstein p. 205, Del. p. 300D, von Lomm. p. 290 Z. 2 richtig eingeschoben. p*
xx Einleitung.
weil M allem Anschein nach die jüngere Handschrift ist; aber selbst wenn man sie für ülter als P halten wollte, würden mehrere Sonder- lesarten und einige Auslassungen in M, die sich nicht in P finden (vgl. z. B. Exhort. 14, 1. 36,19. 39, 27. 41, 10. — 9, 8f. 13, 221. 16, 18. 27, 15. 30, 23—25. 32, 30), dies verbieten. Andererseits kann M unmöglich von P her- stammen, da M nicht nur einzelne Worte, sondern eine Anzahl grósserer Stücke im Text mehr bietet als P, sodass wir in M den relativ voll- ständigen, in P einen lückenhaften Text vor uns haben. Die Lücken in P lassen sich teils aus Flüchtigkeit, teils aus Absicht erklären. Um von den zahlreichen kleineren Lücken abzusehen, so finden sich solche von grösserem Umfang (von 1 bis 10 Zeilen) in der Exhort. 6, 27. 7, 13. 8.94. 19, 0. 14, 3. 26.. 16,13: 13,7. 20: 14.. 24, 1. 19.13, 28, 25 315 32, 15. 34, 15. 38, 8. 40, 13. Dass P absichtlich Stücke seiner Vorlage ausgelassen hat, ergiebt sich z. B. aus Exhort. 13, 6—9, wo der Schreiber eine allegorisehe Erklärung als unverständlich oder anstóssig weglässt und die Verbindung mit dem Vorhergehenden 13, 9 durch ein einge- fügtes ovr» herstellt. Dieselbe Willkür und Unzuverlässigkeit zeigt der Sehreiber von P auch in der Dankrede des Gregorius Thaumaturgus. Diese Sehrift umfasst etwa 1184 Zeilen in der Ausgabe von Lommatzsch, davon fehlen etwa 100 in P aus denselben Gründen! Auch in andern willkürlichen Änderungen tritt das Bestreben des Schreibers, den Text seiner Vorlage umzugestalten, deutlich hervor, vgl. z. B. Exhort. 18, 21. 19, 2. 24, 15—17. 25, 13. 26,2. 34, 22f. 36, 26. Dem gegenüber zeigt sich der Schreiber von M viel sorgfältiger und zuverlässiger, giebt fast immer den Text seiner Vorlage genau wieder und sucht nur offenbare Fehler — und meist glücklich — zu verbessern. Die oben erwähnten Auslas- sungen in M können durch Homoioteleuton erklärt werden und sind im Verhältnis zu dem Umfang der Schrift nicht zu zahlreich. Ich bin daher in meiner Ausgabe zunächst dem Consensus von MP und da, wo M und P differieren, in der Regel dem Text von M gefolgt, habe aber da, wo dieser fehlerhaft oder lückenhaft ist,.P zur Correetur und Er- gänzung herangezogen. Alle Varianten beider Handschriften, auch alle wesentlichen Abweichungen des Textes Delarues (soweit sie nicht auf falschen handschriftlichen Lesarten beruhen) und einzelne Conjecturen Wetsteins sind im Apparat angegeben.
Für das Urteil über die Beschaffenheit des durch M. und P über- lieferten Textes ist die Frage, auf welchen Archetypus beide zurück- gehen, von grosser Wichtigkeit. Nun finden sich die zwei ersten von den drei in M und P überlieferten Schriften, nämlich die Dankrede und Origenes gegen Celsus, in derselben Reihenfolge im Cod. Vat. Nr. 386 saec. XIII. (= A), dem Archetypus aller Handschriften der Bücher
A. Die Schrift vom Martyrium. KXT
gegen Celsus, wie unten im zweiten Teil unter Nr. VII nachgewiesen werden wird. Sollte diese Handschrift als drittes Stück ursprünglich auch die Exhortatio enthalten haben? Meine Vermutung wird wahrscheinlich gemacht durch folgende Erwägungen. Cod. A ist nicht vollständig, fol. 41 fehlt und ist durch ein weisses Blatt ersetzt, und hinter fol. 216 hat mindestens noch ein Blatt gestanden, da die von einer Hand des XV. saec. geschriebenen Excerpte aus Galen auf fol. 216Y mitten im Wort abbrechen. Ferner sind, als der Codex nach 1481? eingebunden wurde, mehrere Blätter gegen Ende lose und beschädigt gewesen und haben deshalb durch Falze befestigt und ausgebessert werden müssen. Auch die ersten Blätter des Codex beweisen, dass derselbe ursprünglich einer schützenden Einbanddecke entbehrt hat. Es war also möglich, dass die letzten Quaternionen sich allmählich lösten und verloren gingen; gerade am Ende einer Handschrift pflegten ja derartige Verluste häu- figer einzutreten. Der gemeinsame Archetypus von M und P ist nun, als P im Jahre 1339 abgeschrieben wurde, noch überall unversehrt, bald darauf aber, als M abgeschrieben wurde, an einzelnen Stellen be- schädigt gewesen, wie die Lücken in M (Exhort. 16, 18. 27, 15) zeigen. Nach M, aber vor 1499 3, ist Cod. Ven. 44 saec. XV. von A abgeschrieben worden, er enthält zwar die Dankrede und die Bücher gegen Celsus, aber nicht die Exhortatio. Ich vermute also, dass die Exhortatio ur- sprünglich das dritte Stück in A gebildet hat und zwischen ca. 1350 und 1400 verloren gegangen ist. In meiner Vermutung werde ich be- sonders durch zahlreiche Eigentümlichkeiten bestärkt, die A und dem Archetypus von MP gemeinsam sind. Auf gleiche Schreibungen, wie μεταταῦτα διατοῦτο μὴδὲ, und häufige Verwechslung von ὑμεῖς und ἡμεῖς ist weniger Gewicht zu legen; dagegen ist Folgendes bemerkens- wert. Exhort. 28, 12 hat M richtig πηλοῦ P .dagegen πολὺ, diese Differenz lässt sich nur dadurch erklären, dass πηλοῦ in der Vorlage so aussah, dass es in πολὺ verlesen werden konnte. In A ist aber 7 öfters so geschrieben, dass es mit o, und o? (8) so, dass es mit ὺ ver- wechselt werden kann. Ähnlich liegt der Fall Exhort. 28, 26 bei ἀγῶ- voc, was P richtig wiedergegeben, M aber in αἰῶνος verlesen hat.
Ist meine Vermutung nieht unwahrscheinlich, so würde das aus inneren Gründen gewonnene Urteil über die Güte des überlieferten Textes der Exhortatio auch durch den Hinweis auf die anzunehmende Vorlage von MP eine gewisse üussere Stütze erhalten. Denn die bei-
! Vgl. meine „Textüberlieferung“ 8. 54 f. ? Vgl. meine „Textüberlieferung“ S. 35 Anm. 1. 3 Vgl. meine ,,Textüberlieferung** S. 26.
XXII Einleitung.
den Schriften, die A jetzt noch enthält, zeichnen sich durch relativ guten Text aus und gehen ohne viele Mittelglieder auf die Recen- sion des Eusebius saec. IV. zurück. Dasselbe wäre von der Exhor- tatio anzunehmen, wenn meine Vermutung irgendwie zur Gewissheit erhoben werden könnte.
B. Die acht Bücher gegen Celsus.
1. Zeit, Ort und Zweck der Abfassung.
Fast alle Forscher, die sich mit der Frage nach der Abfassungs- zeit der Bücher gegen Celsus beschäftigt haben, von Delarue! und Mosheim? an bis in die neueste Zeit, gehen mit Recht von den Worten des Eusebius? aus: ἐν τούτῳ καὶ τὰ πρὸς τὸν ἐπιγεγραμμένον xcd ἡμῶν Κέλσου τοῦ Ἐπιχουρείου ἀληϑῆ λόγον ὀχτὼ τὸν ἀριϑμὸν συγ- γράμματα συντάττει κτλ. Danach sind die acht Bücher gegen Celsus unter der Regierung des Philippus Arabs von dem über 60 Jahre alten Origenes verfasst worden. Das Verdienst, den Termin der Abfassung genau bestimmt und damit diese Frage endgilig zum Abschluss ge- bracht zu haben, gebührt K. J. Neumann. In dem zweiten Stück seiner kritischen Ausführungen zu „Staat und Kirche* (I 265 ff) hat Neumann überzeugend nachgewiesen, dass kein anderes Jahr als 248 n. Chr. in Betracht kommt. Er zeigt zunächst, dass der Ansatz des Eusebius aus inneren Gründen richtig ist, da das Werk nicht vor der Maximinischen Verfolgung* und der Exhortatio?, aber auch nieht naeh dem Ausbruch der Deeischen Verfolgung geschrieben sein kann, sondern, da es eine längere Friedenszeit® voraussetzt, in die Regierung des Philippus Arabs
! Origenis opera omnia I 313.
? Origenes wider Celsus, Hamburg 1745, Vorrede S. 57.
3 Hist. eccl. VI 36, 2.
! Ich füge hinzu, dass die Worte: διὰ τοὺς ὠμότερον καὶ τυραννικώτερον ἄρξαντας ἢ τοὺς &x τοῦ ἄρχειν ἐπὶ ϑούψιν xal τρυφὴν ἐξοκείλαντας (VIII 65, II 281, 17 f£) mit grosser Wahrscheinlichkeit auf Maximin (235—238) und Elagabal (218—222) gedeutet werden können; vielleicht ist Maximin auch II 32 (I 159, 24 f.) gemeint.
5 Eine direkte Verweisung auf Exhort. 29 (I 25, 3 ἢ.) scheint mir VII 55 (II 205, 16) vorzuliegen.
6 Vgl. III 15 (1214, 4 £). VII 26 (II 177, 23 f£). VIII 44 a. A. 70 (II 258, 26 ff. 287, 10).
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXIII
fällt (S. 266—268). Auf dieselbe Zeit führt uns die Erwähnung bereits verfasster Schriften durch Origenes. Da der Commentar zum Römer- brief, der wahrscheinlich 246 entstanden ist!, als vorhanden genannt wird ?, so haben wir einen terminus post quem. Das Werk muss aber vor 249 abgeschlossen worden sein, da Origenes die Christenverfolgung in Alexandria noch nicht kennt (S. 269—270). Endlich führt eine zu- erst von Neumann (S. 270£) richtig gedeutete Stelle (7 ἐπὶ τοσοῦτο νῦν στάσις III 15, I 214, 7) auf das Jahr 248, in welchem drei Gegen- kaiser, Jotapianus, Pacatianus und Uranius Antoninus, gegen Philippus Arabs auftraten.
Die acht Bücher hat Origenes bei seiner grossen Belesenheit und Bibelkenntnis wohl verhältnismässig schnell verfasst, besonders wenn er sie, wie Neumann (S. 271) annimmt, dictiert hat. Darauf weist der doppelte Eingang beim 1. Teil (I 28, I 79, 15 f£) hin, ein Versehen des
. Origenes, das beim Dictieren leicht vorkommen konnte. Ich füge noch
hinzu, dass Origenes, um das Prooemium zu schreiben, die Arbeit nach I27 unterbrochen hat?; vermutlich waren damals die ersten Zeilen von I 28, d. h. der erste Übergang, auch schon dietiert, Origenes hatte dies aber vergessen, als er nach der Niederschrift des Prooemiums die Widerlegung mit einem zweiten Übergang in anderer Form wieder aufnahm.
Als Ort der Abfassung lässt sich nur Caesarea Palaestina denken, da kein Grund vorliegt, um für Origenes im Jahre 248 einen Wechsel seines Wohnortes anzunehmen. An einer Stelle? spricht Origenes von den Gemeinden in Athen, Korinth und Alexandria in der Weise, dass wenigstens seine Anwesenheit in einer von diesen drei Stüdten als aus- geschlossen gelten muss. Genaueres lässt sich nicht sagen.
Mit grösserer Sicherheit können wir dagegen die Veranlassung und den Zweck der Abfassung des Werkes feststellen. Ambrosius, der reiche Gönner und Freund des Origenes?, hat von ihm eine Wider- legung der Schrift des Celsus gewünscht®, und Origenes hat diesen Wunsch, wenn auch widerstrebend, erfüllt. Dass für Ambrosius, der an den Pforten des Märtyrertodes? gestanden hatte, die Zurückweisung
! Vgl. Redepenning, Origenes II 70 Anm. 7.
2 V 47 (II 52, 9 £). VIII 65 (II 281, 10£.).
3 Vgl. Prooem. 6 (I 54, 29 ff.).
4 III 30 (I 227, 13 f£).
5 Vgl. oben S. XI.
6 Vgl. Prooem. 1 (I 51, 5 ff). 4 (I 54, 5f). II 20 (I 148, 18—20). 7 Vgl. Exhort. 22 (I 20, 13).
XXIV Einleitung.
des heidnischen Angriffs aus persönlichen Gründen wertvoll war!, ist natürlich; aber warum hat er sie erst zwölf Jahre nach dem ihm drohen- den Martyrium erbeten? Die Erklärung liegt nach Neumann? darin, dass Ambrosius von dem bei der Feier des tausendjährigen Bestehens des römischen Reiches 1. J. 248 gesteigerten Selbstgefühl des Heidentums Gefahren für das Christentum befürchtete und deshalb gerade in jenem Jahre eine umfassende Apologie des christlichen Glaubens wünschte. Origenes bestimmt daher sein Werk im wesentlichen für die Ungläubigen und für die Schwachen im Glauben, wenn er auch überzeugt ist, dass es bei den ἐξεταστικώτεροι ὃ nicht geringere Beachtung finden werde. In dieser Erwartung hat er sich nicht getäuscht. Schon der Umstand, dass die umfangreiche Widerlegungsschrift unversehrt bis auf unsere Zeit gekommen ist, beweist das grosse Interesse, das man ihr entgegen- brachte, selbst dann noch, als ihr Verfasser nicht mehr zu den Recht- gläubigen gezählt wurde. Man erkannte eben mit Recht in den acht Büchern gegen Celsus nicht nur die inhaltreichste aller Apologieen, die eine Fundgrube von Verteidigungsmitteln gegen heidnische Angriffe bildete®, sondern auch die nach Form und Inhalt reifste Leistung des grossen Alexandriners, aus der uns sein Wissen, Denken und Fühlen am deutlichsten und unmittelbarsten entgegentritt.
II. Origenes Kenntnis der griechischen Litteratur und des griechischen Altertums.
Unter den grossen Lehrern der Kirche, die gründliche theologische Studien mit umfassender griechischer Bildung vereinigten, stehen die Alexandriner Clemens und Origenes, der grosse Lehrer und sein noch grósserer Schüler, an erster Stelle. Die weltgeschichthehe Bedeutung der beiden Männer liegt darin, dass sie in Wort und Schrift eine mög- lichst harmonische Verbindung hellenischer und christlicher Gedanken erstrebten und den Gegensatz zwischen griechisch-philosophischer Gnosis und christlicher Pistis jeder nach seiner Art auszugleichen suchten, um dadurch eine einheitliche hellenisch-christliche Weltauffassung anzu- bahnen. Diesem hohen Ziele konnten sie aber nur dann nahe kommen, wenn sie, mit ihrem Geist Griechentum und Christentum gleichmässig
1 Vgl. Neumann a. a. O. S. 267. 272. 2 2.2.0. S. 272 f.
3 Vgl. II 20 (I 148, 18—20).
4 Vgl. Prooem. 4. 6 (I 54, 1f. 31f£). $ Vgl. V 28 {Π 90: 14 f).
% Vgl. Redepenning, Origenes II 153.
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXV
umfassend und durchdringend, das Schónste und Edelste, was griechischer Geist hervorgebracht hatte, auswühlten und mit den Lehren des Christen- tums in Einklang brachten. Dies Bestreben lässt sich, wie in den Stromata des Clemens, so in dem Hauptwerk des Origenes, den Büchern gegen Celsus, deutlich erkennen; beide Werke zeugen zugleich für die ausgedehnte griechische Bildung der beiden Verfasser.
Celsus gehörte, wie die Fragmente seiner Schrift beweisen, zu den gebildetsten Männern seiner Zeit. Die alten Historiker, Dichter und Philosophen sind ihm wohlbekannt, besonders vertraut zeigt er sich aber mit den Werken Plato's; ferner ist seine Sprache meist rein attisch und immer original und treffend. (Origenes hatte schon deshalb keine leichte Aufgabe, aber er fühlte sich seinem Gegner in genauer Kenntnis der griechischen Litteratur und des griechischen Altertums gewachsen. Von Geburt ein Grieche, war er zuerst von seinem Vater Leonidas, dann von andern alexandrinischen Lehrern in den griechischen Schulwissen- schaften! unterwiesen worden und hatte es durch Lerneifer und unaus- gesetztes Selbststudium bald dahin gebracht, dass er als Lehrer der sogenannten encyklischen Wissenschaften seinen Unterhalt verdienen? und eine ganz bedeutende Wirksamkeit entfalten konnte. Redepenning? hebt mit Recht die Kraft und Vielseitigkeit seines Geistes hervor, die ihn befáhigte, die verschiedensten Gebiete des Wissens zu durchmessen und aus allen das Wichtige und Wesentliche zu entlehnen. In dem Werk gegen Celsus bietet sich ófter als in andern Schriften des Ori- genes Gelegenheit, den Umfang seines Wissens festzustellen.
Die Rhetorik und Dialektik werden mehrfach erwähnt, ohne dass ihnen Origenes hóhern Wert beimisst*. Sein Stil entbehrt auch durchaus der rhetorischen Ausschmückung, man sieht, dass Origenes die schlichte Form für den Ausdruck seiner Gedanken bevorzugte. Daneben zeigt sich Kenntnis der Geometrie, ihrer Synthesis und Analysis?, der Astro-
! Vgl. Porphyrius bei Euseb., Hist. eccl. VI 19, 7. Hieronymus, De viris inl. Cap. 54 (p. 34 ed. Bernoulli, und Redepenning, Origenes I 46 ff.
2 Vgl. Euseb., Hist. eccl. VI 2, 15.
3 a. a. O. I 40.
4 Vgl. c. Cels. I 18 (I 70, 3). II 13 (I 141, 24). 20 (I 149, 4f. 150, 10 f£). III 39 (I 235, 2011). V. 58 (11 61, 12). VI 57 (11.188, 7). VII 60 61 210, 1).
5 Vgl. Redepenning, Origenes I 48f. und mein Sachregister. Gelegentlich finden sich in der Sprache des Origenes Platonische Wendungen; wie weit der Einfluss Plato's hier reicht, muss eine besondere Untersuchung feststellen. Ganz singulär ist ein Scherz, wie der von den süssen Engelthrünen V 55 (II 59, 17 f) und von Momus IV 47 (I 320, 5).
6 Vgl. c. Cels, Prooem. 5 (I δά, 23 ff). VII 44 (II 194, 26 f).
XXVI Einleitung.
nomie!, der Mediein und ihrer Vertreter. An historischer Gelehrsam- keit mag Origenes hinter Clemens zurückstehen, er mag auch das rein Geschichtliche gering geschützt haben?, doch fehlt es ihm weder an historischem Blick, wie z. B. sein Urteil über die Bedeutung des Augusteischen Weltreichs für die Entwicklung des Christentums be- weist*, noch an reichem geschichtlichen Wissen. Den Angriffen des Celsus begegnet er häufig durch Hinweis auf gewisse Göttermythen, deren sich die Griechen schämen müssten’, und nicht minder vertraut zeigt er sich mit der griechischen Heldensage . Gelegentlich deutet er selbst seine Kenntnis der griechischen und nicht-griechischen Geschichte an”, und historische Beispiele, wie die von Leonidas und Lykurg$, sind ihm sofort zur Hand. Auch für die Culturgeschiehte der Griechen und Barbaren zeigt er Interesse’; auf seinen zahlreichen Reisen lernte er Gebräuche und Einrichtungen fremder Länder kennen und suchte interes- sante geschichtliche Orte auf!9, Sein chronologisches System beruht auf dem A.T. Hiob ist älter als Moses !!, dieser aber hat lange vor Heraklit, Pherekydes, Homer, der Erfindung der griechischen Buchstaben und dem trojanischen Krieg gelebt!?, und David ist über 14 Menschenalter früher anzusetzen, als Cyrus!?. Ebenso liegt die Zerstórung von Sodom und Gomorra zeitlich vor dem Sturz des Phaéthon!4 Die Ansetzung von Christi Tod auf das 42. Jahr vor der Zerstórung Jerusalems ist wohl aus Clemens Alex. entlehnt!?, Origenes teilt ferner mit seinen Zeitge- nossen die Vorliebe für Naturgeschichte. Wir begegnen auch bei ihm der
! Vgl. c. Cels. 1 58. 59 (I 109, 311ff.) und Redepenning, Origenes I 222. Vgl. e. Cels. VIII 72 (II 289, 2—4). III 12 (I 211, 27 ££). Vgl. Redepenning, Origenes I 223. e. Gels. TI*50: (E^158, 9*8). Vgl. e: Cels, P ΤΟ 17 (I 69, 4 ΠῚ 25. (173, 048). 25 (1003, 99:89) RE (I 286, 12 1E). 48 (I 320, 28). VIII 66 (II 282, 23 f£). 68 (II 284, 27 f£).
$ Vgl. e;"Cels. T 37 (1 89, 1f). 42 (1 92; 6). I 20-(T-149; 9. 22) 1922; 23 (I 219, 5 ff). IV 46 (I 319, 18). VII 54 (II 204, 11).
12e: Gels. ΠῚ 21 (I 151,:23).
$ Vgl. c. Cels. II 17 (I 146, 23). VIII 35 (II 250, 29 f£).
9 Vgl e..GCels. V 27 (1122, 27 8} 29' 1729122 5) 35 (11-39; THE)! VM Τὰ (II 235, 11 f£).
19. Vgl. e; Gels; T 51 (I 108, 1211). IV-44 (I 317, 4). VI 24 (IT 94,328):
11 Vgl. Ὁ. Cels. VTO432* a4):
12 Vgl. e. Cela. VI.43 (401 113, 14-£). TV 21 (1:290, 51} VE ΠΡ ΞΘ IV 36 (I 307, 6).
15 Vgl.ce, Gels: VIL 5 (P5) AR):
14 Vgl. c. Cels. IV 21 (I 291, 8 £).
15 Vgl. c. Cels. IV 22 (I 291, 25—27) und Clemens Alex., Strom. I 21, 145 p. 407 P. ;
m Ὁ mw
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXVII
Ansicht, dass Parthenogenesis bei Tieren vorkäme!, dass aus dem Rückgrat toter Körper Schlangen, aus dem Aas der Ochsen Bienen, aus dem der Pferde Wespen, aus dem der Esel Käfer, aus fast allen Leichen Würmer entständen?. Die Bienen und ihre Wohnungen hat er genau beobachtet? und weiss ebenso wie Celsus wunderbare Dinge von einigen Tieren zu berichten‘.
A]I dieses reiche Wissen auf den verschiedensten Gebieten des grie- chischen Altertums hat sich Origenes durch unausgesetztes Studium der ülteren und neueren griechischen Litteratur erworben und durch sein be- wunderungswürdiges Gedächtnis festgehalten ?. Wir haben ein urkund- liehes Zeugnis von Gregorius Thaumaturgus? dafür, dass in der Schule des Origenes in Caesarea die Werke der griechischen Dichter und Philo- sophen, nur mit Ausschluss der Atheisten, gelesen wurden; ein Überblick über die in den Büchern gegen Celsus citierte und benutzte Litteratur"' kann dies Zeugnis nur bestátigen. Von den Dichtern stellt Origenes den Homer am höchsten; er nennt ihn den besten unter den Dichtern? und rühmt besonders, dass er den Charakter seiner Helden consequent durch- führe?. Zahlreiche gróssere und kleinere Citate aus der Ilias und Odyssee, oft mitten in einer Erörterung und ohne dass der Name Homers genannt ist, beweisen die innigste Vertrautheit mit diesem Dichter!9, Origenes scheint wie von der Bibel so von Ilias und Odyssee grosse Stücke seinem Gedächtnis eingeprügt zu haben. Von Hesiod kennt er, wie längere Citate beweisen, nicht nur die beiden Hauptwerke, sondern auch ver- lorene Schriften und weiss, dass einige Schriftsteller Homer und Hesiod allegorisch zu deuten versucht haben 11. Über Archilochus den Parier, dessen Jamben ihm wohlbekannt sind, spricht er ein strenges Urteil aus'?; ferner erwähnt er, dass Aristophanes den Euripides getadelt habe, weil er Lehren des Anaxagoras Sklaven in den Mund lege ?. Den Tragódien-
1 c. Cels. I 37 (I 88, 23 f£).
2 e, Cels. IV 57. 59 (I 330, 16 ff. 331, 27 ff.).
3 Vgl. ὁ. Cels. IV 82 (I 352, 13 ff).
4 Vgl. e. Cels. IV 86. 98 (I 357, 14 ff. 371, 5f. 372, 8) und Redepenning, Ori- genes I 222f.
5 Vgl. Epiphanius, Panar. I 44 (64), 3. Suidas s. v. Ὠριγένης.
6 Dankrede Cap. 13 (S. 29, 5 ff. meiner Ausgabe).
7 Vgl. für das Folgende im allgemeinen das Stellenregister S. 4511f.
8 c, Cels. VII 6 (II 158, 12); vgl. IV 91 (I 363, 17).
3 e, Cels. VII 36 (II 187, 11 ff).
10 Vgl. z. B. c. Cels. I 31 (I 83, 9. 12. 15). II 61 (I 183, 30 ff). II 76 (I 198. 17—27). IV 91 (I 363, 19 ff).
tt Vgl. e. Cels. VII 6 (II 158, 14 f£). IV 38 (I 308, 30).
12 Vgl. c. Cels. II 21 (I 151, 24 ff). III 25 (I 221, 18 ff.).
13 Vgl. c. Cels, VII 36 (II 187, 14 ff.).
XXVIII Einleitung.
diehtern, besonders dem Euripides, dem damals bekanntesten und be- rühmtesten, misst er von seinem Standpunkt aus keinen Wert bei!, be- dient sich aber doch gelegentlich seiner Aussprüche, um eigene Ansichten zu begründen? Dass endlich dem Alexandriner Origenes die Hymnen des Callimachus nicht unbekannt waren, ist selbstverständlich ®.
Mit den älteren Historikern scheint sich Origenes weniger ein- gehend beschäftigt zu haben, abgesehen von Herodot, von dessen Ge- schichtswerk ihm ein Exemplar zur Hand war, aus dem er ein langes Stück eitiert‘. Auch die Geschichte von den lacedämonischen Gesandten kann direkt aus Herodot entlehnt sein? Dagegen ist das Citat aus Thucydides (I 70 a. E.) wohl einer secundären Quelle entnommen, da es mit den Worten: ὥς φῆσι τὶς καὶ τῶν Ἑλληνικῶν σοφῶν einge- leitet wird. Unter den späteren griechischen Prosaikern sind als Ge- wührsmünner des Origenes zu nennen: Diodor, z. B. für die Geschichten von Phalaris und Alexander von Pherá?, Apollodor, z. B. (neben Homer, Il. II 547. 548) für den Mythus von Athene und Hephästus®, Phlegon für die Ereignisse beim Tode Jesu?, Moeragenes für Apollonius von Tyana!9, vor allem aber Plutarch, dessen verlorene Schrift: τὰ περὶ ψυχῆς c. Cels. V 57 (II 60, 11) eitiert wird. Plutarch ist sicher mehrfach benutzt, z. B. in der Geschichte von Lykurg und von Zeno!!, für Solons Ausspruch 12, vielleicht auch für den Mythus von Isis-Osiris 13. Auch ent- legnere Litteratur ist dem Origenes bekannt, z. B. die Schrift des Hera- elides περὶ τῆς ἄπνου 1} und die Bücher der Physiognomiker Zopyrus, Loxus, Polemo 15, Unter den jüdischen Schriftstellern hat Philo die wichtigste Quelle für Allegorieen gebildet. Origenes nennt zwar den Ge-
1 6]. Ὁ: ΒΞ: ὙΠ (15:154; 81:8.) 2 e. Oels. V 23 (TI 24, ΠΡ VIII 44 (II 259, 15 f.). 3 Vgl. c. Cels. ΠῚ 43 (I 239, 6). c. Cels. III 26 (I 222, 16 ff). 5 c, Cels. VIII 6 (II 225, 15 f£). Cels. VIII 21 (II 239, 4). . Cels. IV 67 (I 337, 14 ff). V U 22, 12 f£). Cels. VIII 66 (II 282, 25 ff.). . Cels. II 14. 33. 59 (1.143, 34. 160, 9. 182, 8f).
10 e, Cels. VI 41 (II 110, 4). Das Buch des Philostratus scheint also damals dem Origenes entweder noch nicht vorgelegen zu haben, oder was wahrschein- licher ist, absichtlich ignoriert zu sein; vgl. Neumann, Staat und Kirche I 205, Anm. 2.
11
(oO o -1 0 Ct ἂν ooooco
c. Cels. VIII 35 (II 250, 29 ff). 120, Gels; IN II 20722): 13 c, Cels, V 38 (II 42, 19 f£). — Vgl. auch I 29 (I 81, 2f). c. Cels. II 16 (I 145, 19 f.).
extGels. ^ T3133 (1485; 9E):
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXIX
wührsmann für die allegorische Auslegung von Gen. 6, 2 nicht, unter dem τῶν πρὸ ἡμῶν ttc! kann aber nur Philo (De gigant. Cap. 2—4) verstanden werden; und wenn er berichtet, dass ,einige* die Lehre vom doppelten Gesetz vorgetragen hätten ?, so meint er gewiss in erster Linie Philo (De migrat. Abr. Cap. 16), in zweiter vielleicht den vor jenem lebenden? Aristobulus. Nur einmal wird eine Schrift Philo's! rühmend erwähnt, doch ist wohl die genaue Kenntnis aller seiner Schriften bei Origenes anzunehmen. Deutlicher und augenfälliger wird Josephus? in der Apologie des Origenes benutzt und eitiert. Besonders wichtig ist hier die Frage, was für ein Josephus-Text dem Origenes vorgelegen habe 5.
Einen sehr breiten Raum nimmt in den Büchern gegen Celsus die Benutzung der philosophischen Litteratur der Griechen ein. Wir müssen dem Porphyrius? völlig beistimmen, wenn er (wohl in erster Linie dureh die Lektüre der Bücher gegen Celsus hierzu veranlasst) sagt: συνῆν τε γὰρ ἀεὶ τῷ Πλάτωνι, τοῖς τε Νουμηνίου... καὶ τῶν ἐν τοῖς Πυϑαγορείοις ἐλλογίμων ἀνδρῶν οἡμίλει συγγράμμασιν" ἐχρῆτο δὲ καὶ Χαιρήμονος τοῦ Στωϊχοῦ .. ταῖς βίβλοις κτλ. Von Plato fehlt in dem Verzeichnis der benutzten Schriften? fast kein wiehtigeres Werk, einzelne, wie der Staat, die Gesetze, Timáus?, Phädrus, sind an vielen Stellen erwähnt, auch die unechten Briefe wie bei Celsus besonders be- vorzugt. Dass Origenes kürzere Stücke aus dem Gedächtnis eitiert hat, ergiebt sich aus der Art und Weise der Anführung !%; grössere Stücke dagegen!! sind wohl aus der von Origenes benutzten Plato-Handschrift entnommen. An zweiter Stelle steht bei Porphyrius der Pythagoräer Numenius. Seine Schriften werden von Origenes der darin enthaltenen Allegorieen wegen gerühmt!?, seine Kenntnis und verstündige Prüfung
ie, Cels. V 55 (II 58, 25).
2 e. Cels. VII 20 (II 171, 31—33).
3 Vgl. c. Cels. IV 51 (I 324, 128.
4 Περὶ τῆς κλίμακος Ἰαχώβ c. Cels. VI 21 (II 91, 26 £.).
5 Antiquit. Jud. und c. Apion., vgl. das Stellenregister S. 428. Auch c. Cels. I 15 (167, 27ff.) u. V 50 (IL 54, 20#f.) ist Josephus Quelle, wenn auch nicht citiert.
6 Vgl. Fl. Josephi opera omnia ed. B. Niese (ed. maior) vol. I p. XXX sqq.
7 bei Euseb., Hist. eccl. VI 19, 8.
$ Vgl. das Stellenregister S. 435f.
9 Genaue Kenntnis des Timäus beweist z. D. der Umstand, dass Origenes sofort sieht, dass Celsus eine Stelle des Timäus benutzt: c. Cels. IV 54 (I 326, 21f.).
10 7, B. 117 (I 69, 19ff.) und 29 (I 80, 8011), wo Origenes nach Plato citieren will, aber dabei den Plutarch als Nebenquelle benutzt.
11 z, B. IV 39 (I 311, 17f.).
12 e, Cels. IV 51 (I 324, 18ff.).
EON Einleitung.
fremder Lehren wird dem Celsus gegenüber hervorgehoben’, aus ihm schópft Origenes seine Kenntnis des Sarapisdienstes? und nennt ihn neben Chrysipp, Pythagoras und Plutarch als Quelle für παράδοξα πράγματα. Zu den von Porphyrius erwähnten Pythagorüern gehört auch Sextus, von dem eine Gnome citert wird?, und ein Anonymus περὶ τῶν ἐν ὑπονοίᾳ παρ᾽ Ὁμήρῳ AsAtyué£vor?. Ferner zeigt sich Origenes in der Litteratur der Stoiker ausserordentlich belesen. Nicht nur das Buch des Stoikers Chäremon über die Kometen ® (das wohl Porphyrius im Auge gehabt hat) und das Hauptwerk des Zeno, sondern auch die zahl- reichen Schriften des Chrysipp sind ihm, wie die Citate? zeigen, durch Studium bekannt. Die griechischen Werke περὶ προνοίας" hat Ori- genes gewiss mit besonderem Eifer gelesen. Wenn nun auch Origenes die Platonischen und Stoischen Schriftsteller vorzog, so versäumte er es doch nicht, sich mit ferner stehenden oder anders denkenden zu beschäf- tigen. Unter die φευδοδοξοῦντες φιλόσοφοι rechnet er Sophisten, Epi- kuräer und Peripatetiker ! und hält ihre Bekämpfung vom christlichen Standpunkt aus für nótig!!; man wird also annehmen müssen, dass er auch deren Schriften, besonders die des Aristoteles!?, sorgfältig studiert hat.
Damit sind die wichtigsten Autoren genannt, deren Bekanntschaft bei Origenes auf Grund seines Werkes gegen Celsus vorausgesetzt werden muss; wie viele ihm ausserdem als Quellen gedient haben, und in wie weit sie ihm direkt oder indirekt bekannt gewesen sind, lässt sich, da er meist aus dem Gedächtnis und nicht wörtlich eitiert, entweder gar nieht, oder nur durch genaue Specialuntersuchungen, für die hier nicht der Ort ist, feststellen. Ebensowenig kann man die interessante Frage, woher die Nachrichten über das Leben der einzelnen Philosophen bei Origenes stammen, mit vólliger Sicherheit beantworten. Denn in
te. Cels: 1715. (1.67, 2111).
7 e. Cels. V 38 (II 42, 261.).
9^6, Cels. V. 57 {ἘΠ᾿ ΟΣ 1 ΤΩ:
1 Ὁ, Cels. VIII 30 (11:245, 13).
5 e, Cels. VII 6 (II 158, 17). Vgl. auch II 12 (I 141, 16 f£). HE 5L (I 247, 208% Sogar Schriften des Pythagoras selbst citiert Origenes: V 57 (II 60, 9).
6 c. Cels. I 59 (I 110, 6f.).
7 Vol. ec. Be Tao:
$ Vgl. das Stellenregister S. 432,
9 Vgl. c. Cels. IV 3 (I 276, 20).
10.6, Gels; ΜΠ ΡΠ ΠΌΘΟΣ
11 e, "Cels, II 75 (1266; 20ER).
1? Vgl. das Stellenregister S. 432; z. B. V 45 (II 48, 11). VII 3 (II 154, 268). VI 62 (II 132, 16$.)
τατος
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXXI
dem von Origenes erwühnten Bios des Plato! darf man nicht die Com- pilation des Diogenes Laértius vermuten, sondern vielmehr Quellenschrift- steller, die dieser und Olympiodor im Leben Plato's benutzt haben. Dies Resultat ergiebt sich teils aus der Vergleichung der parallelen Stellen bei Diogenes und Origenes?, teils daraus, dass Origenes ausdrück- lich als Quelle für die an die Geburt Plato's angeknüpften Wunderge- schichten den Aristandros (mit dem Zusatz οἶμαι) nennt?, teils aus dem Fehler Augıztiovn statt Περικτιόνη für die Mutter Plato's. Bei andern Nachrichten über Plato kann man die Gewährsmänner noch feststellen. Wenn Origenes als die Ansicht einiger Schriftsteller angiebt, dass Plato in Ágypten von Juden manches gelernt habe?, so kann er damit nur die Ansieht des Aristobulus und Numenius meinen, die uns Clemens von Alexandria im Wortlaut erhalten hat. Auf dieselben Autoren dürfen wir demnach auch eine zweite Stelle? zurückführen, wo Origenes die Be- hauptung einiger eitiert, Plato habe im Phädrus Redensarten von Hebräern entlehnt oder gar die Schriften der Propheten gelesen. Im übrigen aber werden wir uns bescheiden und gestehen müssen, dass uns die Mittel fehlen, um alle Quellen des Origenes zu ergründen.
II. Origenes! Kenntnis der Bibel und der altchristlichen Litteratur.
Origenes war als Grieche mit Homer und Plato, als Christ mit der Bibel aufs innigste vertraut. Unter Anleitung seines frommen Vaters Leonidas hatte er schon als Knabe täglich Abschnitte der Bibel aus- wendig gelernt und vorgetragen, dabei aber sich nicht mit der einfachen Wiedergabe der Stellen begnügt, sondern tiefer zu dringen versucht und seinem Vater durch Fragen Schwierigkeiten bereitet*. So war ihm einerseits die Ehrfurcht vor der Schrift, andererseits die Neigung zur
Erforschung und Erklärung schwieriger Stellen schon frühzeitig einge-
1 xal ἄλλοι δὲ πλείονες τῶν Πλατωνικῶν ἐν τῷ Πλάτωνος βίῳ τοιαῦτ᾽ εἰρή- xac: c. Cels. VI 8 (II 78, 61).
2 c, Cels, 137 (1 89, 10££). VI S (II 78, 4ff.) und Diogenes Laért. III 1, 2; VI 8 (II 78, 1881) und Diog. L. III 1, 5. Dasselbe gilt für die Notizen über Phädon und Polemo, vgl. c. Cels. I 64 (I 116, 2011). III 67 (I 260, 884).
3 e, Cels. VI 8 (II 78, 4).
4 e. Cels. I 37 (I 89, 10) und VI 8 (II 78, 6). e, Cels. IV 39 (I 312, 27 f£). Strom. I 22, 150 p. 410 sq. Potter und V 5, 29 p. 062 sq. P. c. Cels. VI 19 (II 90, 4ff.). Vgl. Euseb., Hist. eccl. VI 2, 7—9 und Redepenning, Origenes I 50f.
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XXXI Einleitung.
pflanzt. Nach dem Tode seines Vaters betrieb er das Bibelstudium, besonders zur Nachtzeit!, weiter, er hat es bis zum Ende seines Lebens fortgesetzt und ein Buch der Bibel nach dem andern in verschiedener Art bearbeitet. Daher rührt seine für alle Zeiten ganz ungewöhnliche Bibelkenntnis?, die sieh auch in den Büchern gegen Celsus in direkten Citaten und in Anspielungen äussert. Die Citate sind, wie das Stellen- register zeigt, so zahlreich, dass sie für die Kritik des Bibeltextes Alten und Neuen Testaments erheblich in's Gewicht fallen; doch darf man nicht vergessen, dass Origenes bei seinem eminenten Gedächtnis die Schriftsteller mit wenigen Ausnahmen aus dem Gedächtnis citiert, und sieh in Kleinigkeiten nieht streng an den Wortlaut seiner Hand- schriften gebunden hat. Wie weit er hierin gegangen ist, muss durch Specialuntersuchungen klargelegt werden.
Über die Stellung des Origenes zur Bibel im allgemeinen kann ich hier nur wenige Andeutungen geben. Die Bücher der heil. Schrift werden meist mit ϑεῖα βιβλία, γραφή (γραφαί) oder γράμματα, die des A.Ts. mit -βιβλία, παλαιὰ γραφή oder παλαιὰ γράμματα bezeichnet. In den Büchern gegen Celsus findet sich der Name παλαιὰ διαϑήκη für das A.T. nicht, dagegen zweimal in der Schrift vom Gebet*. Das A.T. wird vom N.T. so unterschieden, dass das erstere παλαιά und ’Iovdaiza γράμματα, das letztere τὰ μετὰ τὸν Ἰησοῦν γραφέντα καὶ ἐν ταῖς xxAm- σίαις ϑεῖα εἶναι πεπιστευμένα genannt wird?. Als Teile des Ganzen zühlt Origenes auf: εὐαγγελικαὶ παραβολαί, ἡ (rov) νόμου καὶ τῆς Ἰουδαϊκῆς ἱστορίας γραφή, ai τῶν ἀποστόλων φωναί". Einmal werden die Evangelien ρεώτεραι γραφαί genannt”, offenbar im Unterschied von den παλαιαί.
Die ganze Bibel, von Moses bis zu den Evangelien, ist nach Ori- genes von Gottes Geist eingegeben?, also frei von Irrtümern und Wider- sprüchen. Dass die Bücher des A.Ts. vom heiligen Geist geschrieben selen, darin stimmten Juden und Christen, die über die Auslegung des Einzelnen stritten, überein?. Die Bücher Mosis seien von dem in Moses
1 Vgl. Euseb., Hist. eccl. VI 3, 9.
? Deshalb kann er z. B. so bestimmt behaupten: οὐδαμοῦ τῶν γνησίων καὶ ϑείων πεπιστευμένων γραφῶν ἑπτὰ εἴρηνται οὐρανοί: c. Cels. VI 23 (II 94, 9—11).
3 Vgl. das Sachregister unter diesen Worten.
2 Cap..22, 1 (Hl 346, 13) 29. 51 Π| 5358. 5):
5 c. Cels. III 45 (I 240, 19—21).
6 c. Cels. I 12 (I 64, 20£.).
7 c. Cels. VI 43 (II 114, 8).
$ Vgl. c. Cels. I 44 (I 94, 221f.) und Redepenning, Origenes I 259.
3 c. Cels. V 60 (II 63, 22ff.).
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXXIII
wohnenden göttlichen Geiste verfasst!. Der ganze Pentateuch, auch das Deuteronomium, sei auf Moses als Autor zurückzuführen?. Die Apo- kryphen benutzt und eitiert Origenes ebenso wie die übrigen Schriften ?. Nur einmal, in der Schrift vom Gebet!, kommt ihm wegen des Buches Tobias und des Gesangs der drei Männer (im Buch Daniel) ein Be- denken: beides stehe nicht im Kanon der Juden?; deshalb fügt er den daher entnommenen Beispielen andere aus kanonischen Büchern hinzu. Die Differenzen zwischen dem hebräischen und dem griechischen Text des A.Ts. sind ihm wohlbekannt; an mehreren Stellen zieht er den hebrüischen Text zur Vergleichung heran, wenn ihm auch der griechische Text der Septuaginta der inspirierte und massgebende bleibt‘.
Ebensowenig wie an den Schriften des Alten, übt er litterarhisto- rische Kritik an den Schriften des Neuen Testaments. Dieses schätzt er noch höher als jenes, da im A.T. die Wahrheit verhüllt, im N.T. aber in hellem Lichte erscheint”. Die von der Kirche als kanonisch anerkannten Bücher sind es auch für ihn, und alle sind ϑεῖα γράμματα, d. h. von göttlichem Geist erfüllt. Wenn er aber von den in den Kirchen geltenden Evangelien® redet, so hat er sicher auch ausserkano- nische gekannt; wenigstens führt er Aussprüche Jesu an, die nicht in unsern vier Evangelien verzeichnet stehn?. Man sieht, wie fliessend damals noch der Unterschied zwischen kanonischem und ausserkanoni- schem Material war. Auffällig ist es, dass Origenes in der Schrift vom Gebet!? berichtet, er habe das Markusevangelium darauf hin durchge- sehen, ob das Vaterunser oder ein ähnliches Gebet darin enthalten sei. Das beweist geringe Vertrautheit mit diesem Evangelium, das ihm wohl
1 c. Cels. IV 55 (I 328, 24).
2 e. Cels. 118 (I 70, 4£). IL 54 (I 178, 4£). III 6 (I 207, 29). IV 33 (I 303, 17£.).
3 z. B. sind in der Schrift vom Martyrium die Citate aus dem II. Makkabäer- buch sehr zahlreich, und die Weish. Sal. wird überall von Origenes mit Vorliebe benutzt; vgl. das Stellenregister und Redepenning a. a. O. I 238.
4 Cap. 14, 4 (II 332, 2—4).
5 ἐπεὶ δὲ τὸ uiv ἐν τῷ Δανιὴλ ῥητὸν ᾿ὠβέλισαν, ὡς μὴ κείμενον ἐν τῷ Ἑβραϊχῷ, τῇ δὲ vov Τωβὴτ βίβλῳ ἀντιλέγουσιν οἱ ἐκ περιτομῆς, ὡς μὴ ἐνδια- ϑήζχῳ, χτλ. a. a. O. II 332, 28
6 τὰ zow& τῶν ἀντιγράφων [d. h. die LXX] gegenüber dem Egoeixov: V 48 (II 52, 23f.); über Gehenna im A.T.: VI 25 (II 95, 20ff.); hebräischer Text von Psal. 103, 24—26: VI 25 (II 95, 10£); hebrüische Namen: VI 32. 43. 44 (II 102, 25 f. 113, 24f. 115, 8£); Bedeutung von ἀαλμά: I 34 (I 80, 2ff.).
7 Vgl. c. Cels. V 60 (II 63, 26ff.) und Redepenning a. a. Ὁ. I 281f.
8 τῶν ἐν ταῖς ἐχκλησίαις φερομένων εὐαγγελίων c. Cels. VI 36 (II 106, 4f.).
9 Vgl. Stellenregister S. 427 unter Agrapha.
19 Cap. 18, 3 (II 341, 9—11).
Origenes I. C
XXXIV Einleitung.
aus mehreren Gründen weniger sympathisch als die drei andern war. Dazu kommt noch ein Umstand. Celsus! behauptet von Jesus, dass er ein τέχτων gewesen sei. Origenes entgegnet: ὅτε οὐδαμοῦ τῶν ἐν ταῖς ἐχκλησίαις φερομένων εὐαγγελίων ,«τέχτων“ αὐτὸς ὃ Ἰησοῦς ἀναγέγραπται". Sollte Origenes vergessen haben, dass Mark. 6,3 die Juden fragen: οὐχ οὗτός ἐστιν ὃ τέχτων χτλ., worauf eben Celsus wohl seine Behauptung gründet? Die Bibelhandschriften des Origenes haben an jener Stelle gewiss nicht anders als die uns jetzt bekannten gelautet; Origenes aber hat die Markusstelle übersehn, da ihm lediglich die Parallelstelle bei Matth. 13, 55: οὐχ οὗτός ἐστιν ὁ τοῦ τέκτονος υἱός vorschwebte. Von den Briefen werden naturgemüss am häufigsten die Briefe des Apostels Paulus, zu denen nach Origenes auch der Hebräer- brief? gehört, erwähnt. Der I. Johannes-Brief wird in der Schrift vom Gebet zweimal und zwar (was nicht unwichtig ist) ohne Angabe der Zahl als ἡ χαϑολικὴ τοῦ Joavrov ἐπιστολή citiert*.
Auf die Bibelstudien und die Art der Exegese des Origenes im einzelnen einzugehn verbietet der Raum; ich beschrünke mich deshalb auf wenige Bemerkungen. Origenes unterschied, wie Redepenning? richtig ausführt, zwiefachen Schriftsinn, den buchstäblichen und den tieferen; der letztere aber kann entweder moralischer oder pneumatischer Art sein. Wenn er auch überzeugt ist, dass die heiligen Schriften als solche im allgemeinen einen geheimen, tieferen Sinn enthalten müssen ®, so sucht er diesen doch besonders in schwierigeren Stellen’; er gebraucht die allegorische Auslegung oft als letzte Ausflucht, wenn andere Erklä- rungen versagen. So gelingt es ihm, selbst die grössten Schwierigkeiten zu beseitigen®. Die Berechtigung zu allegorischer Auslegung entnimmt Origenes aus Worten des Apostels Paulus und der Psalmisten?; als Vorbilder und Lehrmeister der allegorischen Exegese haben ihm Aristo- bulus, Philo und Numenius gedient!‘ Die damals vorhandene exege-
1 c, Cels. VI 34 (II 103, 22).
2 c. Cels. VI 36 (II 106, 4f.).
3 Vgl. c. Cels. III 53 (I 248, 28 f£).
4 Cap. 22, 2. 4 (II 347, 121. 349, 5); vgl. dazu Redepenning a. a. O. I 249.
5 a. a. O. I 8008, Moses z. B. hat nach Origenes absichtlich doppelten Sinn in seine Bücher gelegt: c. Cels. I 18 (I 70, 4fl.).
6 Vgl. Redepenning a. a. O. I 299 u. z. B. c. Cels. IV 71 (I 341, 7£.).
7 Hier kommen in erster Linie die Propheten in Betracht, vgl. c. Cels. I 12 (I 64, 188.
IV gl. UB. ıc. Gel 2 V TTE
9 c. Cels. IV 49. 50 (I 322, 10ff).
19 Vgl. δ. Gels; TV. 1 (02894. 1157),
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXXV
tische Litteratur kennt er genau und polemisiert mehrfach gegen falsche Auslegungen !.
Infolge der Gewohnheit des Origenes, seine Quellen nur selten mit Namen anzuführen, lässt sich direkte Benutzung der älteren christlichen Schriftsteller nur an wenigen Stellen sicher nachweisen. Dass aber Origenes auch mit der altehristlichen Litteratur vertraut gewesen ist, darf nieht bezweifelt werden, denn dies ergiebt sich schon aus den wenigen gelegentlichen Citaten in den Büchern gegen Celsus. Zunächst finden wir I 63 (I 115, 211£) ein wörtliches Citat aus dem Barnabas- brief, das mit den Worten: γέγραπται δὴ ἐν τῇ Βαρνάβα καϑολικῇ ἐπιστολῇ eingeleitet wird. Gleich darauf folgt ein Citat aus dem Lukasevangelium und eins aus dem I. Timotheusbrief; demnach ist der Barnabasbrief hier als γραφή und auf gleicher Stufe mit εὐαγγέλιον und ἀπόστολος stehend von Origenes angesehn worden, und das Adjec- tivum χαϑολικός bedeutet dasselbe? wie bei der Anführung des I. Jo- hannesbriefes?. Ferner hat Origenes den von Celsus erwühnten Dialog des Jason und Papiskus über Christus gelesen und referiert kurz über seinen Inhalt*. Von den jüdisch-christlichen Apokalypsen ist ihm das Buch Henoch wohlbekannt. Er bezeichnet es als Quelle des Celsus, fügt aber hinzu, dass Celsus das Buch selbst nicht gelesen zu haben scheine und aueh nicht wisse, οὔτε ἐν ταῖς ἐκκλησίαις οὐ πάνυ φέρεται ὡς ϑεῖα τὰ ἐπιγεγραμμένα τοῦ Ἐνὼχ βιβλία “ὃ. Auch in der gnosti- schen Litteratur zeigt sich Origenes bewandert; das von Celsus genannte Diagramm der Ophiten weiss er sich zu verschaffen und beschreibt es genauer als Celsus. Von den Apologeten ist in dem Werk gegen Celsus nur Tatian als Verfasser des λόγος πρὸς Ἕλληνας genannt; ferner wird Tatians Auslegung von Gen. 1, 3 in der Schrift vom Gebet’ mit Nennung des Namens, in dem VI. Buch gegen Celsus? ohne Be- zeichnung des Autors zurückgewiesen. Wenn nun auch kaum bezweifelt werden kann, dass Origenes mit der gesamten christlich-apologetischen
! Vgl. z.B. c. Cels. II 25 (I 155, 6ff.). VI 55 (II 126, 1ff.) und die Polemik
Schrift vom Gebet Cap. 24, 5 (II 356, 61f.).
? Anders urteilt Redepenning, Origenes I 249f., vgl. auch Harnack, Gesch. d. altchristl. Litt. I 60.
3 S. oben S. XXXIV Aum. 4.
4 c, Cels. IV 52 (I 325, 5. 21jff.); vgl. Harnack a. a. O. I 92.
5 c. Cels. V 54. 55 (II 58, 10ff. 59, Sff.).
6 c. Cels. VI 30f. (II 100, 510),
7 Cap. 24, 5 (II 356, 601).
8 Cap. 51 (II 122, 23ff.); vgl. Harnack a. a. O. II 489.
XXXVI Einleitung.
Litteratur vertraut gewesen ist, so kónnen wir jedoch direkte Benutzung derselben sonst nicht nachweisen; auch für die Bemerkung !, dass die früher von den Juden gegen die Christen erhobenen schweren Beschul- digungen damals fast aufgehört hätten, lässt sich, da jene Beschuldigungen zu allgemein bekannt und verbreitet waren, keine bestimmte Quelle angeben.
Endlich hat Origenes auch, wie es natürlich ist, von seinem Lehrer Clemens teils Gedanken und Meinungen, teils Ausdrücke übernommen. Wie weit diese Abhängigkeit reicht, ist noch durch besondere Unter- suchungen festzustellen; ich notiere hier nur einige Beispiele. Origenes folgt dem Clemens in der Verwendung und Erklärung der oft eitierten Stelle I Kor. 3, 1—3, wo vom Unterschied zwischen γάλα und βρῶμα die Rede ist?. Ferner hat Origenes die Ansicht, dass Sonne, Mond und Sterne den Heiden von Gott zur Verehrung gegeben seien, um dadurch zur Erkenntnis der Gottheit zu gelangen, dem Clemens entlehnt?. Mit Clemens stimmt Origenes in der Überzeugung überein, dass der Mensch einen innern Sinn für die göttliche Wahrheit habe*. Endlich findet sich der von Origenes in der Schrift vom Gebet? ausgesprochene Ge- danke, dass das ganze Leben ein Gebet sein müsse, schon bei Clemens ? vor. Derartige Parallelen werden sich durch genauere Vergleichung der Schriften des Clemens und Origenes noch sehr vermehren lassen.
IV. Origenes und die griechische Philosophie.
Die oben gegebene Übersicht über die von Origenes in dem Werk gegen Celsus benutzte philosophische Litteratur hat bereits den Umfang der von Origenes betriebenen philosophischen Studien angedeutet. Das, was er über die griechische Philosophie gelegentlich bemerkt, und die Art, wie er es thut, zeigt uns, dass er über das Leben der einzelnen Philosophen, ihre Schulen und ihre Lehren genau unterrichtet gewesen ist. Wir dürfen ihm daher vollen Glauben schenken, wenn er erklärt,
1 e, Cels. VI 27. 40 (II 97, 24ff. 109, 81f.).
? Vgl. Clemens Alex., Pádagog. I 6, 35. 36 p. 119 ed. Potter. Strom. V 10, 66 p. 685 P. und Origenes, Stellenregister S. 423.
3 Vgl. c. Cels. V 10 (II 9, 22f£) und Strom. VI 14, 110 sqq. p. /95sq. P. Dies hat schon Mosheim, Origenes wider Celsus S. 503 Anm. 3 bemerkt.
4 Vgl. e. Cels. VII 34. VIII 20 (II 184, 26. 238, 2) und Redepenning, Origenes I 130. 156. 259.
5 Cap. 12, 2 (II 325, 2£).
6 Strom. VII 12, 73 p. 876 P. (VI 12, 102 p. 791P.)
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXXVII
dass er nicht nur die christliche Lehre und die verschiedenen Lehr- meinungen, sondern auch die Ansichten der Philosophen nach Kräften und der Wahrheit gemäss zu erforschen sich bemüht habe !.
Am häufigsten spricht er von dem Leben und dem Ende des Sokrates?, ferner erwähnt er die Verurteilung des Aristoteles? und sein Verhältnis zu Plato, das Schicksal des Pythagoras’, Kleanthes® und Zeno? und giebt. von Demokrit, Krates, Diogenes? und Epiktet? kurze Notizen. Um dem Vorwurf, dass sich die Christen in zahlreiche Sekten spalteten, zu begegnen, weist Origenes auf die vielen griechischen Philosophenschulen 19 hin, die sich unaufhörlich wegen ihrer Lehren be- kämpften !!. Die Stoiker, sagt er, bestreiten die Platonische Lehre von der Unsterblichkeit, die Peripatetiker verspotten die „regeriouare“ Plato's, die Epikurüer machen ihren Gegnern „dersıderuovie“ zum Vorwurf; vor allem gübe die Seelenlehre immer wieder Anlass zu Streitigkeiten 12, Anstatt die einzelnen Schulen auf ihren Wert zu prüfen und sich dann der besten anzuschliessen, pflegten, sagt er, die Griechen ohne Prüfung oder von einem einflussreichen Lehrer überredet die eine Lehrmeinung anzunehmen und die andere zu verwerfen!?. Dass Origenes die Differenzen der einzelnen Schulen genau kannte, zeigt z. B. die Er- wühnung der verschiedenen Definitionen der Gerechtigkeit bei Epikur, der Stoa und Plato!!, die Bemerkung, dass die Aristotelische Lehre von dem fünften Element, dem ἄὔῦλος αἰϑήρ, von Platonikern und Stoikern ,00x ἀγεννῶς“ bestritten worden sei!5, endlich der Hinweis darauf,
1 c, Cels. V 62 (II 66, 2f£).
2 c. Cels. I 3 (157, 25£.). IL 17 (1146, 19 8). 41 (L 164, 29). ΠῚ 13 (1213, 3f.).
V 90 (II 21, 988).
Cels. I 65 (I 118, 158).
Cels. II 12 (I 140, 294). III 13 (I 213, 5f.).
Cels. I 3 (I 57, 27£.). II 12 (I 141, 1082): III 54 (I 250, 4f.). Cels. II 12 (I 141, S£).
Cels. III 54 (I 250, 5).
Cels. II 41 (I 165, 18). VI 28 (II 98, 26).
Cels. III 54 (I 250, 6).
Cels. III 12 (I 212, 5).
11 e, Cels. I 13 (I 66, 211). Über Lehrstreitigkeiten im allgemeinen vgl. die schönen Worte: χαχία δὲ 7 μεγίστη ἐν λόγοις ἐστὶν, ὅτε ἐγκαλεῖ τις τοῖς ἕτερο- δόξοις περί τινων δογμάτων ὡς οὐχ ὑγιῶν, πολλῷ πρότερον αὐτὸς ἔχων τὰ ἐγκλή- ματα ἐν τοῖς ἰδίοις δόγμασιν. VI 53 (II 125, 5ft.).
ῶ o -ἰὦὸῷὸ ὦ »» ὦ φροριρρρρθρ
12 e, Cels. IV 30 (I 800, 7ff.)., vgl. δεισιδαιμονία u. τερέτισμα im Sachregister 13 c, Cels. I 10 (I 63, 118).
14 c, Cels. V 47 (II 51, 18ff.).
15 e, Cels. IV 56 (I 329, 13ff.).
XXXVIII Einleitung.
dass Stoiker und Epikuräer den Ehebruch, aber nicht aus denselben Gründen, missbilligten 1.
Die Stellung der griechischen Philosophie gegenüber ist dem Ori- genes durch sein Christentum vorgezeichnet. So sehr er auch selbst ein Grieche und von griechischem Geiste erfüllt ist?, so lehnt er es doch bestimmt ab, sich mit den Griechen oder den griechischen Philosophen zu identifieieren?. In seinen philosophischen Grundanschauungen steht er zwar den Platonikern am nächsten, trennt sich aber auch von diesen überall da, wo ıhm sein christlicher Glaube eine unüberschreitbare Grenzlinie zieht. Es würde also falsch sein, ihn einer bestimmten Philosophenschule zuzuweisen®. Er stimmt allen bei, sofern ihre Lehren seinen christlichen Anschauungen entsprechen, und er be- kämpft alle, sofern sie im Gegensatz zu diesen stehn. Sein Grundsatz lautete: „prüfe alles, und das Beste behalte“. Die Verfasser der heiligen Schriften bilden für ihn die oberste Autorität, deshalb rühmt er die jüdischen Propheten im Vergleich mit den griechischen Philo- sophen *.
Seine Hauptgegner? sind die Epikuräer, weil sie einen falschen Gottesbegriff haben, die Vorsehung verwerfen und die Lust als das höchste Ziel bezeichnen?. Zu ihnen gesellen sich die Peripatetiker, weil sie zwischen dem Menschlichen und Göttlichen nicht das richtige Verhältnis annehmen und die Wirksamkeit der Gebete und Opfer und die Vorsehung leugnen?, während sie doch, ebenso wie die Anhänger des Epikur und des Demokrit, aus Rücksicht auf die Menge gegen ihre Überzeugung an der Bilderverehrung festhalten 10, A die Stoiker
! c. Cels. VII 63 (II 213, 5ft.).
? Vgl Porphyrius bei Euseb., Hist. eccl. VI 19, 7: χατὰ uiv τὸν βίον Χρισ- τιανῶς ζῶν καὶ παρανόμως, κατὰ δὲ τὰς περὶ τῶν πραγμάτων xol τοῦ ϑείου δόξας ἑλληνίζων κτλ.
3 Vgl. z.B. c. Cels. III 37 (I 234, 1). VI 2 (II 72, 6 £) und I 12 (I 141, 6).
4 Origenes ,hat sich an kein bestimmtes philosophisches System gehalten, sondern wie Clemens und die Neuplatoniker den ganzen Ertrag der Arbeit der idealistischen griechischen Moralisten seit Sokrates aufgenommen und bearbeitet“. Harnack, Dogmengesch. I 516.
5 Vgl. z.B. 6. Cels. VII 46 (II 197, 14 £).
6 c. Cels. VII τ (II 159, 7 f£).
7 e. Cels. II 27 (I 156, 9 £). III 75 { 266, 20 ff. 267, TIER).
9 e, Cels. 1,21. (1 72, 11 } 43. (E 93,11)... 13 (1:142; 7 £). ZIERBrE 266, 22). IV 14 (I 284, 21 ff).
9 c. Cels, I 21 (I 72, 11 £). 43 (1 93, 11). II 13 (1142/8 f£). HI 75 (1 266, 261).
10 e. Cels. VII 66 (II 215, 18 ff.).
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XXXIX
sind zu tadeln wegen ihrer Lehren von der Kórperlichkeit Gottes! und von dem Untergang und der Wiedererneuerung der Welt?, ebenso die Pythagoräer wegen ihrer Seelenwanderungslehre? und Platoniker und Pythagoräer wegen der Annahme gewisser Weltperioden!. Den Sokrates schützt zwar Origenes hoch, er sieht in ihm das Vorbild unerschütter- licher Überzeugungstreue und erhabener Gesinnung?; aber er macht es ihm zum Vorwurf, dass er vor seinem Ende dem Asklepios einen Hahn zu opfern gelobt, sich also nicht vom Polytheismus losgesagt habe. Denselben Vorwurf erhebt Origenes kurz vorher auch gegen Plato: er habe es für vereinbar gehalten, über die hóchsten Dinge zu philosophieren und dann der Artemis ein Opfer zu bringen®. Damit hat Origenes aus- gesprochen, was ihn von der griechischen Philosophie, auch von der Platonischen, trennt”.
Auf der andern Seite billigt Origenes auch Lehren der von ihm bekämpften Gegner, wenn sie mit dem Christentum vereinbar und für seine Polemik nützlich waren. In der Frage, ob die Namen ϑέσει oder φύσει entstanden seien, entscheidet er sich mit den Epikurüern und Stoikern gegen Aristoteles für das letztere®, er beruft sich auf die Auto- rità des Demokrit, Epikur und Aristoteles, um die Verwerflichkeit der Orakel darzuthun?, ja er zieht sogar die Stoische Lehre von den ἀγαϑά, xcxc und ἀδιάφορα heran, um die Frevelthat der Töchter Lot's zu ent- schuldigen 10, Überhaupt steht er der Stoa, die er als αἵρεσις οὐκ εὐκαταφρόνητος (oder οὐκ ἀγεννής) 11} bezeichnet, im allgemeinen freundlich gegenüber. Nächst den Schriften Platos und seiner An- hänger hat er wohl die Hauptwerke der Stoiker, des Zeno und Chrysipp, am gründliehsten studiert. Um den Celsus zu widerlegen, wendet er einmal eine Stoische Schlussform (διὰ δύο τροπικῶν) an!? und stellt
ἴσο ΡΊΞΕ 1-21 (T. 727 1241). LII 75 (0 267; 3E.). IV. 14 (E 284, 218). V T (UH 7, 10£). VI 71 (II 141, 15 f£). VIII 49 (II 265, 4 ff.).
2 e. Cels. V 20 (II 21, 23 f£). 23 (IT 24, 6 ££). VIII 72 (II 288, 22); vgl. IV 67 (I337, 6 f£). Da hier dieselben drei typischen Beispiele wie V 20 gebraucht sind, so hat vielleicht dem Origenes eine schriftliche Quelle vorgelegen.
3 c. Cels. III 75 (I 267, 11). VIII 30 (II 245, 24 ff).
4 c, Cels. V 21 (II 22, 20 ff).
5 e. Cels. VIII 8 (II 226, 22 ff).
€ e, Cels, VI 4 (II 73; 15 £.).
7 Vgl. Harnack, Dogmengesch. I 518.
8 c. Cels. I 24 (I 74, 12 £). V 45 (II 4$, 10 ἢ).
9 c, Cels. VIII 45 (II 260, 15 ff.).
10 e, Cels. IV 45 (I 318, 4ff.).
11 c, Cels. IV 45 (I 318, 17 £). 54 (I 327, 1).
12 e, Cels, VII 15 (II 166, 18 ff.).
XL Einleitung.
ein ander Mal Chrysipps Ansicht, dass das Böse sich im Lauf der Zeit eher vergrössere ! als abnehme, den Worten des Celsus entgegen?. Indem er den von Celsus aus Plato's Timäus eitierten Satz, Gott habe nur Unsterbliches, aber nichts Sterbliches geschaffen, bekümpfen muss, giebt er hier der Ansicht des Stoikers Zeno den Vorzug vor der Platonischen ?. Nach Origenes finden sich bei den Stoikern manche Anklänge an's Christentum. Die Lehre der Stoiker, dass die vernünftigen Wesen edler als die unvernünftigen seien, sei zugleich die christliche‘; man müsse ihnen beistimmen, wenn sie meinen, dass die wilden Tiere zur Übung der Menschen geschaffen worden wären. Auch sei ihre Lehre, dass der Weise gleiche Glückseligkeit wie die Gottheit geniesse, der christlichen von der engen Vereinigung des vollkommenen Menschen mit dem Logos ähn- lich®. Wie viel überhaupt von der Stoischen Ethik in das Christentum » auch von Origenes herübergenommen worden ist, das zeigt schon äusser- lich der ausgedehnte Gebrauch der Stoischen termini, z. B. χαϑῆκον χατόρϑωμα προχύπτων σπουδαῖος φαῦλος u. s. w., in den Büchern gegen Celsus. Fassen wir zusammen, so ergiebt sich, dass Origenes sehr vieles von den Stoischen Lehren billigt, aber gerade ihre Grund- lehre von dem Wesen der Gottheit immer von neuem als verwerflich bezeichnet. Origenes erkannte eben ganz richtig, dass diese pantheis- tische Gottesvorstellung der Stoa nicht nur der christlichen schnurstracks zuwiderlief, sondern auch die Logoslehre modificieren und zu Häresieen Veranlassung geben konnte. Diese Gefahr suchte er abzuwenden.
Die engsten Beziehungen hat Origenes zu Plato und seiner Schule; seine philosophischen Grundanschauungen von Gott und Welt sind Pla- tonisch, und es unterliegt keinem Zweifel, dass sein theologisches Sy- stem vom Platonismus stark beeinflusst worden ist. Aus dem Werk gegen Celsus ergiebt sich im allgemeinen Folgendes über das Ver- hältnis des Origenes zum Platonismus. Zunächst bezeichnet er den Plato und seine Schüler als „EAAnvov oí μὴ εὐχαταφρονήτως φιλο-
! Das Gegenteil behauptet Origenes an einer andern Stelle (c. Cels. IV 62, I 333, 29 ἢ.) nach Plato im Theätet.
2 c. Cels. IV 63 (I 334, 15ff.). Bald darauf (1V 66, I 336, 27 ff.) stellt er seine christliche Ansicht auf, dass unser eigenes Herz die Quelle des Bösen, ja das Böse selbst sei. Da aber die Stoiker eine That danach beurteilen, ob sie aus der rechten Gesinnung hervorgeht, oder nicht (vgl. c. Cels. IV 45, I 318, 48), so liegt der Stoisehe und christliche Standpunkt nicht allzu weit von einander ab.
3-6; Gels; IV 54. {Π 226, 314.)
4 c. Cels. IV 74 (I. 343, 2311).
5 c. Cels. IV 75 (I 345, 21£.); vgl. IV 76 (I 346, 5f£.).
6 c. Cels, VI 48 (II 119, 16#.).
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XLI
cog7oartsc ^! und macht einen Unterschied zwischen den Philosophen, die sich nur mit den niederen Dingen, den αἰσϑητά, und denjenigen, die sich mit den höheren Dingen, den rozr&, ἀόρατα, αἰώνια be- schüftgen?. Die letzteren, d. h. die Platoniker, rühmt er und sagt von ihnen: φιλαλήϑως δὲ περί τινων μαρτυροῦμεν Ἑλλήνων φιλοσόφων ὅτι ἐπέγνωσαν τὸν ϑεόν", Dem Plato weist er, wenn er auch die Verfasser der heiligen Schriften vorzieht, doch eine ganz besondere Ehrenstellung an, wenn er sagt‘, er wolle nur die Anklagen des Celsus gegen das Christentum, aber nicht das bekümpfen, was dieser an Ci- taten aus der Philosophie vorbringe, παρέϑετο γὰρ πλείονα, μάλιστα Πλάτωνος“. Dieser Verzicht auf Bestreitung der nun folgenden Pla- tonischen Stellen, auf die ich hier nicht näher einzugehen brauche, be- deutet eben dasselbe wie Anerkennung. Aber auch die Bekämpfung des Celsus wird ihm hier besonders schwer, weil er gern die That- sache, dass er die angeführten Ansichten Plato's genau ebenso wie sein Widersacher billigt, verbergen móchte? und doch gelegentlich gar nicht anders kann, als seine volle Zustimmung zu erklären®. Dies gilt be- sonders von der Platonischen Gottesvorstellung, gegen die er nichts einzuwenden hat’; bildet doch gerade der Gedanke von der Unverän- derlichkeit Gottes die Norm seines Systems$. Auch das Verhalten, das Plato der Gottheit gegenüber vorschreibt, findet seinen Beifall?.
Im einzelnen hebe ich noch hervor, dass Origenes die von „Griechen“ vorgetragene d. h. Platonische Ansicht von der Materie ausdrücklich billigt 1%. Ferner verteidigt er die Lehre vom ewigen Leben durch Hin- weis auf die verwandte Seelenlehre des Plato und Pythagoras!!, πρὸς οὺς κοινά τινα ἔχοντες“ xr4.1?, und nimmt zwar die Seelenlehre des
! e, Cels. VI 58 (II 129, 9f).
2 c. Cels. III 47 (I 243, 15ff.). Unter der ersten Gruppe sind vor allem die Stoiker zu verstehn, da bei ihnen jedes Wissen auf sinnlicher Wahrnehmung be- ruht, vgl. c. Cels. VII 37 (II 187, 23—25).
3 c. Cels, IV 30 (I 300, 26f.).
4 c. Cels. VI 1 (II 70, 11); vgl. auch VI 2 (II 71, 21£.).
5 Vgl. Overbeck, ThLZ. 1878 Sp. 535 und Harnack, Dogmengesch. 1 521.
6 c. Cels. V 24 (II 25, 4f£). VI 3 (II 72, 20); vgl. auch die Worte (VI 2, II 72, 6£): ἵν᾽ οὖν ἐπί τινων δοϑῇ τὰ αὐτὰ δόγματα εἶναι “Ἕλλησι καὶ toig ἀπὸ τοῦ λόγου ημῶν, die „Griechen“ sind natürlich die „Platoniker“.
7 e. Cels. VII 38 (II 188, 11ff). 42 (II 193, 4f.).
8. Vgl. Harnack, Dogmengesch. I 522.
9 c. Cels. IV 48 (I 321, 17£f.).
10 e, Cels. III 41 (I 237, 121£); vgl. IV 60. 61 (I 332, 9 8).
11 c. Cels. III 80 (I 270, 168).
12 c, Cels. III 81 (I 271, 16f.).
SGT Einleitung.
Plato in ihrer Form nicht an!, redet aber über die Seele?, ihre feine Hülle und den beides umgebenden Leib ganz in Platonischer Weise ?, auch glaubt er im Anschluss an Plato, Pythagoras und Empedokles, dass jede Seele aus unbekannten Ursachen ihren bestimmten Leib er- hält* Hierzu kommt, dass Origenes seine Lehre von den gefallenen Geistern mit Hilfe von Platonischen Gedanken und Ausdrücken formu- liert° und in der Frage nach dem Ursprung und Wesen des Bösen ganz auf der Seite Plato's steht; er hebt hier sogar tadelnd hervor, dass Celsus die Ansicht Plato's veründere ὃ,
Dieser grossen Übereinstimmung mit Plato im allgemeinen und in einzelnen Gedanken und Ausdrücken stehen bei Origenes nur zwei er- heblichere Differenzpunkte gegenüber. Origenes tadelt an ihm, dass er an der Verehrung der Staatsgötter festgehalten”, und dass er seine Werke nur für wenige, aber nicht für die grosse Menge geschrieben habes. Daher werde Plato nur von gelehrten Leuten gelesen, während z. B. Epiktet auf's Volk wirke?. Viel richtiger hätten also die Ver- fasser der heiligen Schriften ihre Aufgabe begriffen!? als Plato. Dieser zweite Vorwurf klingt etwas seltsam aus dem Munde eines Theologen wie Origenes, dessen Schriften z. T. auch nicht für die Menge, sondern für einen kleinen Kreis von Fortgeschrittenen und Gebildeten bestimmt waren; der Tadel ist also wohl nicht allzu ernst gemeint.
V. Das theologische System des Origenes.
Es dürfte passend sein, an die Erórterung der Stellung des Origenes zur griechischen Philosophie eine kurze Übersicht seines theologischen Systems anzuschliessen. Zu einer ausführlichen Darstellung desselben ist hier nieht der Ort. Ich beschrünke mich darauf, die wichtigsten Stellen aus den Büchern gegen Celsus nach den von Harnack!! ange-
e. Cels. IV 17 (I 280, 24). 56 (I 329, 12). 83 (I 354, 13ff.). Über die abgeschiedenen Seelen vgl. c. Cels. VII 5 (II 156, 25ff.). c. Cels. II 51. 61 (I 174, 19f. 183, 29). VII 32. 33 (H 182, 208). c. Cels. I 32. 33 (I 84, 20f.). c. Cels. VI 43. 44 (II 114, 15ff.). c. Cels. IV 62 (I 333, 2311); vgl. Harnack, Dogmengesch. I 523f. Anm. 2 c. Cels. V 43 (II 47, 1f£). VI 4 (II 73, 15f£). VII 44 (II 195, 22 f£); auch die Annahme, δαίμονας εἰληχέναι τὴν ἀνθρωπίνην ψυχήν“, weist Origenes zurück, an die Stelle der Dämonen treten die Schutzengel; vgl. c. Cels. VIII 34 (II 249, 2S#f.). 8$ c. Cels. VI 2 (II 71, 12ff.). VIE 59. 60 (II 209, Sf). 3 c, Cels. VI 2 (II 71, 17£). 10 c, Cels. VII 60 (II 209, 211}. 11 Dogmengeschichte I 528ff.
B. Die acht Bücher gegen Celsus. XLIII
gebenen Gesichtspunkten zu ordnen, und verweise im übrigen auf Harnack’s mustergiltige Behandlung des Gegenstandes und die dort angeführte Litteratur.
Da für Origenes „alle Theologie „im Grunde methodische Exegese der heiligen Schriften*! ist, so bilden die beiden Testamente als Gefässe der góttlichen Offenbarung die Grundlage seines Systems; da aber Gottes- offenbarung auch in der griechischen Philosophie, d. h. vor allem in der Platonischen, gefunden wird?, so zieht er deren Lehren zum Ausbau seines Systems mit heran. Die Notwendigkeit derartiger Speculationen ergiebt sich ihm aus seiner Auffassung der christlichen Religion. Diese ist in der Form der Glaubenslehre, wie sie der Menge dargeboten wird, nieht die absolut beste, sondern die für das Volk passendste. Die „wenigen“ geistig höher stehenden Christen haben also die Aufgabe, tiefer in den Sinn der heiligen Schriften einzudringen und der exoterischen eine esoterische Lehre (die von Christus selbst? ihren Ursprung hat) hinzuzufügen*. Das bezeichnet Origenes mit den Worten: φελοσοφεῖν τὰ κατὰ τὸν )0Y0v5. Von wem dies gilt, der steigt vom Glauben zum Erkennen und Schauen empor *.
In der Darlegung des Gottesbegriffs folgt, wie gesagt, Origenes dem Plato. Gott ist seinem Wesen nach unveránderlich 7, einfach, un- sichtbar, kórperlos, ein Geist oder jenseit alles Geistes und Wesens*; er umfasst alles, wird aber nieht umfasst als sehrankenlos?. Anthro- pomorphistische Vorstellungen sind unbedingt abzulehnen!?, aber die Identität des Juden- und Christengottes ist nicht zu leugnen !!. Gottes Thätigkeit als des Schöpfers und Regierers der Welt!? erscheint nur insofern beschränkt, als er nichts thun kann, als was ihm seine Gott- heit, Güte und Weisheit zu thun erlaubt 15, Durch πρόνοια und οἰκονομία
1 Harnack, Dogmengesch. I 515.
2 c. Cels, VI 3 (II 72, 201).
3 e, Cels. VI 6 (II 76, 121).
4 e. Cels. III 79 (I 270, 48).
5 c. Cels. III 79 (I 270, 15).
$ Harnack, Dogmengesch. I 526.
7 e, Cels, IV 14 (I 284, 17ff.).
8 c. Cels. VI 69 (II 139, 10). VII 27.38 (II 178, 13ff. 188, 11f).
9 c, Cels. VII 34 (II 184, 15f£); daher ist die ganze Welt der Tempel Gottes: VII 44 (II 195, 28).
10 e, Cels. VI 61—04 (II 131, 9 ff).
11 e, Cels. II 6 (I 132, 21£). VI 29 (II 99, 3582].
12 e, Cels. IV 26 (I 295, 9ff.).
13 c, Cels, III 70 (I 262, 24 f£). V 23 (II 24, 148).
XLIV Einleitung.
wirkt er auf die menschlichen Dinge ein! und züchtigt die Sünder durch Leiden und Strafen?. Gott kann nur geistig erkannt? und nur mit reinem Herzen geschaut werden?. Freilich geht die wahre Erkenntnis über menschliche Natur, nur Gott allein kann sie verleihen?. Den sündigen Menschen ist Gott unbekannt‘, dagegen zieht er die Buss- fertigen zu sich heran’. Eine engere Vereinigung mit der Gottheit ist nur bei den Auserwählten möglich 8,
Die Offenbarung Gottes erfolgt durch den Logos. Dieser hat schon vor Anfang der Schöpfung existiert”, denn als «προσεχῶς δημιουργός“ hat er die Welt im Auftrag des Vaters geschaffen !%. Er ist der Sohn Gottes 11, daher gleichen Wesens mit Gott und als δεύτερος ϑεός 12 von dem πρῶτος ϑεός zu unterscheiden. Gott hat nun seinen Logos zu allen Zeiten in gewisse heilige Seelen (φίλοι ϑεοῦ, προφῆται) herabgesandt!? und durch ihn Prophezeiungen vermittelt!* Durch Christus aber und die in ihm erfolgte ἐπιδημία τοῦ λόγου führt Gott die Menschen zur Gemeinschaft mit ihm 15, Durch den Sohn sind des- halb auch die Gebete an den Vater zu richten!®. Sohn und Vater sind eins; wer also den Sohn durch frommen Wandel ehrt, ehrt auch den Vater!”. Daher kann auch der Logos nur so wie der Vater erkannt werden!5; den Klugen und den Einfältigen zeigt er sich in verschiedener Gestalt und zwar so, wie jeder es ertragen kann 719.
. Cels. IV 14 (I 284, 17—19).
. Cels. ΠῚ 75 (I 267, 16 £). IV 12 (I 282, 15 f£). . Cels. VII 38 (II 188, 11 ff).
Cels. VI 69 (II 139, 10 f£).
Cels. VII 44 (II 195, 3£).
Cels. IV 6 (I 278, 21 f).
. Cels, III 71 (I 263, 8 f£).
8 c. Cels. IV 5 (I 277, 20 £): ἐπιδημεῖ δὲ δύναμις καὶ ϑειότης ϑεοῦ di οὗ βούλεται xal ἐν ᾧ εὑρίσκει χώραν κτλ.
9 c. Cels. II 9 (I 136, 182.
10 c, Cels. VI 60 (II 130, 21 ff).
11 c. Cels. V 24 (II 25, 23 f£). Die Differenz zwischen Celsus und Origene: besteht hier darin, dass 6 τῶν πάντων λόγος nach Celsus αὐτὸς ὃ ϑεός, nach Ori- genes ὃ υἱὸς αὐτοῦ ist.
12 e, Cels. V 39 (II 43, 22 ff).
Cels. IV 8 (I 275, 26£). 4 (I 277, 7 ££). 7 ( 279, 15%). 81 (I 351, 118). Cels. V 12 (II 14, 3); vgl. die im Apparat angeführte Randnote in A. Cels. IV 6 (I 279, 1 f£).
Cels. VIIT13(II230,20f£.). 26 (I1 242, 25f£.); vgl. das Sachregister unter εὐχή. Cels. VIII 9. 10 (II. 227, 20 ff. 228, 3 f£).
Cels. VI 69 (II 139, 10 ff).
. Cels. II 64. 65 (I 186, 17 f. 187, 1 ££.). IV 16 (I 285, 251} 18 (1 287, 18#.). ὙΠ τ 78 (STET jmd 150, 4 ff).
-1 0 Qv P5 ὦ tw 2 (Ὁ (ἡ COR Ὁ C AX Ὁ ἔν
or loooncoonoseo
B. Die acht Bücher gegen Celsus, XLV
In Jesus hat sich der μονογενὴς ϑεὸς λόγος der Welt deutlich geoffenbart!; er hat sich mit Jesus so vereinigt, wie Christus mit der Kirche vereinigt ist?. Jesus ist demnach σύνϑετος: denn der unsterb- liche Gott-Logos, der zugleich δύναμις τοῦ 0:00, σοφία τοῦ παντός und ἀλήϑεια ist, hat σῶμα ϑνητόν und φυχὴν ἀνϑρωπίνην ange- nommen , ist aber in seinem Wesen unverändert geblieben 5, leidet also nieht, was τὸ σῶμα 7) ἡ φυχή leidet®. Auch ist er nicht ganz und gar in Jesus eingeschlossen zu denken, da er als Gott nicht an die Schranken des Raums gebunden ist”. Origenes betont also bei Jesus bestimmt den Unterschied zwischen dem menschlichen σῶμα und der animalischen vy einerseits und dem Göttlichen in ihm (= 6 λόγος ϑεὸς καὶ $509 τῶν ὅλων vioc)? andererseits, ohne dadurch aber in doketischer Weise? Jesus von dem Logos trennen zu wollen, denn λύγος ϑεοῦ und σῶμα καὶ ψυχὴ Ἰησοῦ bilden eine Einheit!?. Für die Gottheit Jesu zeugen: ἐκκλησίαι, προφητεῖαι, ϑεραπεῖαι ! !.
Das Verhältnis des Vaters zum Sohne wird auf Grund von Joh. 10, 30 als das der Einheit bestimmt, wobei aber die zwei Hypostasen, Vater und Sohn, festgehalten werden!?, Also sind die beiden δύο τῇ ὑποστάσει πράγματα, ἕν δὲ τῇ ὁμονοίᾳ xci τῇ συμφωνίᾳ καὶ τῇ ταυτό- . τῆτι τοῦ βουλήματος“, sodass man im Logos Gott selbst sieht!?, Die hierbei entstehende Frage, ob der Vater grösser sei als der Sohn!*, wird nach Joh. 10, 29 und 14,28 deutlich beantwortet: σαφῶς γὰρ ἡμεῖς,
1 e, Cels. VIII 34 (II 249, 17 f.).
2 e. Cels. VI 48 (II 119, 22f. 120, 6 f£). V 2 (II 13, 2f); vgl. aber Exhort. 35 (1 32, 15—25).
3 e. Cels. I 66 (I 121, 1f). II 16 (I 146, 11).
4 e, Cels. II 79 (I 201, 19). III 41 (I 237, 6 f£). IV 15 (I 285, 16—18). VII 17 (II 168, 19 £.).
5 also: υἱὸς ϑεοῦ ϑεὸς ἐν ἀνθρωπίνῃ ψυχῇ καὶ σώματι c. Cels. III 29 (I 226, 26 f), vor und nach der Menschwerdung υἱὸς ϑεοῦ: III 14 (I 213, 23 f£).
6 c. Cels, IV 15 (I 285, 17 f).
7 e. Cels. VII 17 (II 168, 20 ff).
8 c, Cels. II 9 (I 135, 14 ff. 25).
9 Der Doketismus ist zu verwerfen: c. Cels, II 16 (I 145, 12). IV 19 (I 258, 30.
19 e, Cels, II 9 (I 136, 30 f£). In Jesus ist Göttliches und Menschliches ver- eint: II 70 (I 193, 2). III 28 (I 226, 13 f£). VII 17 (lI 168, 24ff); vgl. über den Leib Jesu: I 69. 70 (I 123, 11 ff. 124, 13). II 23 (I 152, 23 ££); auch VII 16 (II 167, 27 f. 168, 16).
11 c. Cels. III 33 (I 229, 27ff.).
12 c, Cels. VIII 12 (II 229, 16 ff). Also sind V 1 (II 1, 12£) nur scheinbar Gottes und Christi Geist getrennt. Die Zweiheit auch: VIIT 4 (II 223, 31 fF).
13 e, Cels. VIII 12 (II 229, 32 ff.).
14 c, Cels, VI 64 (II 135, 9 8...
XLVI Einleitung.
οἱ λέγοντες τοῦ πάντα χτίσαντος xci τὸν αἰσϑητὸν χόσμον εἶναι, φαμὲν τὸν υἱὸν οὐκ ἰσχυρότερον τοῦ πατρὸς ἀλλ᾽ ὑποδεέστερον ".
Neben diese Dyas des Vaters und Sohnes stellt Origenes nach der Glaubensregel als dritte Hypostase den heiligen Geist und erhält also die Trias: ϑεὸς παντοχράτωρ ... 0 υἱὸς τοῦ ϑεοῦ ... τὸ πνεῦμα TO ἅγιον, Doch steht der heil Geist insofern eine Stufe tiefer als der Sohn, als er später als dieser vom Vater gesandt ist”, Wie sich Ori- genes die Wirksamkeit des heil. Geistes als gesondert von der des Logos gedacht hat, ist nicht klar; bei seiner Logoslehre musste die dritte Person der Trinität naturgemäss zurücktreten. Die Dreiheit wird daher auch nur an jener einen Stelle erwähnt. Von der Wirksamkeit des heil. Geistes handelt folgende Stelle: σημεῖα de τοῦ ἁγίου πνεύ- ματος xat ἀρχὰς uiv τῆς ’Imoov διδασκαλίας μετὰ δὲ τὴν ἀνάληψιν» αὐτοῦ πλείονα ἐδείκνυτο, ὕστερον δὲ ἐλάττονα πλὴν xci νῦν ἔτι ἴχνη ἐστὶν αὐτοῦ παρ᾽ ὀλίγοις, τὰς ψυχὰς τῷ λόγῳ καὶ ταῖς κατ᾽ αὐτὸν πράξεσι κεκαϑαρμένοις. Hier wird deutlich zwischen dem Logos und dem heil Geist unterschieden, letzterer findet sich aber nur da, wo ihm gleichsam vom Logos Wohnung bereitet ist.
Zu den Geschöpfen gehören ausser den Menschen die Engel und Dämonen, auch Sonne, Mond und Sterne®. Die Engel sind Wesen, geringer als Gott, doch über die Himmel erhöht”. Sie vermitteln (nach Hebr. 1, 14) den Verkehr zwischen Gott und Menschheit als Boten. In den Psalmen werden sie zwar ϑεοί genannt, dürfen aber nicht angebetet werden?; ihnen gebührt eine Art von Verehrung, die durch die Worte εὐφημεῖν und μακαρίζειν angedeutet ist?. Bei ihnen ist eine bestimmte Rangordnung, also wohl auch Entwicklung von den unteren zu den hóheren Stufen, anzunehmen; die frommen Menschen aber dürfen hoffen, nach dem Abscheiden ihnen ähnlich zu werden!‘ Die Thätigkeit der Engel auf Erden besteht darin, dass sie nicht nur als Schutzengel!! die
c. Cels. VII 15 (II 233, 6 f£).
c. Cels, VII 10 (II 161, 21—23).
c. Cels, I 46 (I 96, 238£).
e. Cels. VII 8 (II 160, 24 £); vgl. I 2 (I 57, 17 ££). 46 (1 96, 4-6). II 8 (I i
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e. Cels. VIII 15 (II 233, 16). c. Cels. V 10. 11 (II 11, 13 f£. 12, 11 ff). VIII 66 (II 282, 20ff.). τ 24. {ΠῚ 210. ΟΕ): e. Cels. V 4. 5 (II 4, 12 f£). c. Cels. VIII 13 (II 230, 7 €). 57 (II 274, 13 f£), dazu Mosheim, Origenes wider Celsus S. 822 Anm. 2. 10 c. Cels, IV 29 (I 298, 16 ff). 1! e, Cels. V 57 (IL61, 4f£). VIII 34. 64 (II 250, 1ff. 280, 6ff.) nach Matth. 18, 10.
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B. Die acht Bücher gegen Celsus. XLVII
frommen Menschen behüten und mit ihnen beten!, sondern auch Auf- seher über irdische Dinge, wie Luft, Wasser, Nahrung sind. Den Dämonen dagegen ist höchstens das Böse, wie Hungersnot, Dürre, Seuchen, überlassen, das zur Prüfung der Menschen dient ?.
Wie nun alle Leiber aus einer Materie bestehn?, so sind auch alle vernünftigen Seelen von einer Art, keine ist als böse geschaffen, keine, auch die Jesu nicht, einer Veränderung des Wesens fähig. Wie bei den Engeln, so ist auch bei den Menschen eine Entwicklung und Rangordnung anzunehmen. Hoch stehen die Propheten (Noah, Isaak, Jakob, Moses, Jeremias, Daniel)* da, denn schon in ihnen hat der später
in Jesus erschienene Logos geweissagt?, auch ist ihr Leben wegen der
Liebe zur Wahrheit, Einfachheit und Armut vorbildlich für alle”. Ähn- lieh den Propheten sind nur die wahrhaft Weisen und Frommen; auch sie stehen Gott nahe*. Dagegen sind Gott entfremdet alle sündigen Wesen, die gefallenen, bósen Engel? ebenso wie die gefallenen Menschen. Wenn auch der innere Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen ist 10, so kann er doch der Sünde erliegen, da alle Menschen von Natur zur Sünde neigen !!,
Das Bóse ist seiner Natur nach unendlich!?, kommt aber nicht von Gott!3; Gott verhängt nur leibliche Übel und Strafen zur Besserung !, er muss die Welt gelegentlich vom Bösen reinigen !s. Das Böse kann nicht endgiltig siegen, denn: τὸ τέλος τῶν πραγμάτων ἀναιρεϑῆναί ἐστι τὴν κακίαν 156. Da der Mensch einen freien Willen hat, so ist der
! e, Cels. VIII 64 (II 280, 11 ff.).
2 e. Cels. IV 65 (I 336, 12f.). VIII 31. 32 (II 246, 24 ff. 247, 2 ff. 248, 1.8); auch Celsus denkt gering von den Dämonen: VIII 60 (lI 276, 11 f£.).
3 c. Cels. IV 56 (I 329, 5f.).
Cels. IV 18 (I 288, 11f). Cels. VII ? (II 159, 17 ff). Cels. VIII 54 (II 270, 23f.). Cels. VII 7 (II 159, 17 f£). Cels. IV 96 (I 369, 14 ἢ).
9 c. Cels. VI 43 (II 114, 16 f). VIII 25 (II 241, 30 ff). Die bösen Engel sind von den Dämonen zu unterscheiden: VIII 25 (II 242, 3—5).
19 e, Cels. IV 30 (1 299, 9f). VI 63 (II 134, 518)
11 e, Cels. ΠῚ 61—66. VII 50; kein Mensch (ἀρχῆϑεν ἄγευστος κακίας γε- γενημένος“ IV 40 (I 313, 14), und: καχίαν γὰρ ὑφίστασϑαι ἀναγχαῖον πρῶτον ἐν ἀνθρώποις“ III 62 (I 256, 24).
12 c, Cels. IV 63 (I 334, 7 f.).
13 e, Cels. VI 55 (II 126, 10 ff.).
14 c, Cels. VI 56 (II 126, 32 57).
15 e, Cels. IV 69 (I 338, 29 ff).
e. Cels. VIII 72 (II 289, 8 f).
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XLVIII Einleitung.
Sünder verantwortlich und strafbar!. Dieser aber kann die sündige Ge- wohnheit aus eigener Kraft nicht besiegen, die Zahl derer, die mit Sündigen aufgehört haben, ist überhaupt gering?. Wenn nun auch die Vernunft, die vom λόγος παρὰ ϑεοῦ ihren Ursprung hat, kein vernünf- tiges Wesen ganz Gott entfremdet werden lässt®, so gilt doch der Satz: χωρὶς γὰρ λόγου xci ταῦτα τελείου ἀμήχανον ἀναμάρτητον γενέσϑαι ἄνϑρωπον". Das Werk des Fleisch gewordenen Logos ist also die Er- lösung der Menschen. Er hat alles gethan zum Besten des Menschen- geschlechts?; selbst sündlos® ist er zu den Sündern herabgekommen, um diese zu Gott zu führen? und die Welt zu bessern. Er ist deshalb mit einem Lehrer und Arzt? zu vergleichen. Sein Tod hat den Men- : schen reichsten Segen gebracht, denn er dient uns zum Vorbild, ist für die Sünde der Welt erlitten, dass die Menschen selig würden, und ist Anlass zum Sturz des Bösen und der Herrschaft der Dämonen ge- worden®. So ist den Menschen die Erlösung ermöglicht. Sie wird durch den eigenen, auf Vervollkommnung gerichteten Willen!? und durch die Mithilfe des Logos bewirkt. Die zu Gott zurückgeführten und in der Erkenntnis Gottes stetig wachsenden Menschen kónnen wahre Weise werden!!, Damit ist das Ziel des Menschen: innigste Wiedervereinigung mit Gott, von dem jede vernünftige Seele ausgegangen ist, erreicht. Der Erlósung durch Christus sind auch die schon gestorbenen Menschen teilhaftig geworden, denn als γυμνὴ σώματος γενόμενος ψυχή ist Christus in die Unterwelt hinabgestiegen und hat dort einen Teil der γυμναὶ σωμάτων ψυχαί zu sich hingezogen !?,
Die Auferstehung des Fleisches hat Origenes nicht buchstäblich
Cels. IV 3. 67. 70 (I 276, 10 ff. 337, 6. 339, 25 ff.).
Cels. III 69 (I 262, 13 f£).
Cels. IV 25 (I 294, 20—22).
Cels. III 69 (I 262, 16 f.).
Cels. VII 17 (II 168, 28 f).
Cels. III 62 (I 256, 18 ἘΠ
Cels. II 71 (I 193, 25). IV 9. 28 (I 280, 131t. 297, 25 5):
: 3 Oels; DV. 15 (12285, 84E):
c. Cels. I 54. 61 (I 105, 6—8. 113, 3 f£). II 16. 40 (I 145, 4. 164, 15). III 29 (I 226, 31 f£). IV 32 (I 302, 13 ££). VII 17 (II 168, 17 f£). VIII 43 (II 258, 5 ff.). Auch die Seelen der Märtyrer schwächen die Macht der Dämonen: VIII 44 (II 258, .26 ff.).
10 οὐ πάντες ἄνϑρωποι ἀπαράδεχτοί εἰσι τῆς παντελοῦς μεταβολῆς, darin stimmen nach Origenes alle wahren Philosophen überein: c. Cels. III 66 (I 259, 181. 28 f£); vgl. III 62 (I 256, 28 ff).
1! e, Cels. VI 68 (II 138, 3 ££). VIII 4 (II 224, 1ff.); vgl. III 45 (II 240, 18).
12 c, Cels. II 43 (I 166, 8 ff).
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B. Die acht Bücher gegen Celsus. XLIX
oder sinnlich verstanden. Er will die Lehre zwar nicht verwerfen, aber (nach I Kor. 15, 35ff.) richtig deuten!. Zur Läuterung der abgeschie- denen Seelen dient ein Reinigungsfeuer?, ihm entgehen nur die schon genügend gereinigten Seelen?. Auf das Weltende folgt das Gericht Gottes*, wo Belohnungen und Strafen festgesetzt werden’. Die Höllen- strafen sind nicht ewig®. Die geläuterten Seelen kehren, da sie unsterb- lich sind 7, schliesslich alle zu Gott als dem Urquell alles Geistigen zurück.
VI. Inhalt und Gliederung.
Eines der gróssten Verdienste des Origenes besteht darin, dass er uns durch seine Apologie eine Geschichtsquelle ersten Ranges, das Wahre Wort des Celsus, wenn auch nur in Bruchstücken, erhalten hat. Keim's Reeonstruetionsversuch?, so unvollkommen er in mancher Hinsicht ist, zeigt uns doch, dass der Gedankenzusammenhang der Schrift des Celsus im allgemeinen wieder hergestellt werden kann. Von K. J. Neumann werden wir in Kürze eingehende Untersuchungen über Celsus und Origenes und eine Fragmentsammlung nebst Reconstruction des griechi- schen Celsus erhalten?. Indem ich auf Neumann Arbeit verweise, hebe ich hier nur das Nótigste zur Orientierung hervor.
Origenes sieht in Celsus den von Hass und Vorurteilen gegen das Christentum erfüllten, von einem bösen Geist getriebenen!? Gegner und ist anfangs fest davon überzeugt, dass er zu der Schule der Epikuräer gehöre. Über seine Person ist er im unklaren. Er kennt zwei Epikuräer dieses Namens; den einen unter Nero, den andern (den er mit seinem Gegner identifieiert) unter Hadrian und spáüter!!. Ob der letztere aber identisch ist mit dem Celsus, der mehrere Bücher gegen die Magie ge- schrieben, wagt Origenes nicht zu entscheiden!?. Nach und nach steigen
1 e, Cels. V 18. 19 (II 19, 12 ££). 22. 23 (II 23, 9 &).
2 e, Cels. IV 21 (I 291, 10£). V 15 (II 16, 5f).
$e; Cel. ΛΓ 17, 27 ff).
4 e, Cels. III 16 (1 214, 24 £). 31 (I 228, 20f). IV 9 (I 280, 18 ff). 5 c. Cels. VIII 48 (II 263, 13 ff). 52 (II 268, 2 ft.).
6 c. Cels. IV 10 (I 281, 8f).
% ox Cels. 11622702219, Ef).
3 Celsus Wahres Wort. Zürich 18:3.
9 Vgl. Neumann’s Artikel „Celsus“ in der Realencykl. f. prot. Theol. 3. Aufl. III 773, 49; S. 772£. ist auch die ganze Litteratur zu Celsus verzeichnet. 10 e, Cels. VII 56 (II 206, 18 ff.). 11 e, Cels. I 8 (I 61, 6—8). 12 c, Cels, I 68 (I 122, 17 f£); vgl. Neumann a. a. Ὁ. S. 773, 51 ffl. Origenes I. D
L Einleitung.
ihm auch Zweifel auf, ob sein Gegner wirklich Epikuräer sei!; Celsus folge in vielen Dingen dem Plato? und lasse nirgends merken, dass er sich zu den Epikuräern rechne?. Je deutlicher nun Origenes erkennt, dass Celsus viel mehr der Platonischen als der Epikuräischen Schule zugehóre und im allgemeinen dieselben philosophischen Grundanschau- ungen wle er selbst habe, desto schwieriger wird seine Lage als Apo- loget. Er hilft sich meist damit, dass er in semen Entgegnungen die Hauptsachen beiseite lässt und dem Celsus Nebensächliches zum Vor- wurf macht!. Gelegentlich billigt er aber auch die Worte des Celsus? und verwahrt sich dagegen, dass er bestreiten wolle, was Lob verdiene 5; wenn eine Lehre nützlich und gut sei, so sei es gleichgiltig, woher sie stamme *.
Es ergiebt sich nun aus zwei Andeutungen des Celsus$, dass er seine Schrift nach dem Reseript Mark Aurels 177 (oder 176), aber wührend der gemeinsamen Herrschaft zweier Kaiser, d. h. des Mark Aurel und seines Sohnes Commodus, also zwischen 177—180 geschrieben hat?. Die Identitát dieses Celsus mit dem Freund des Lucian, der Epi- kurüer war, ist nach Neumann !? nicht anzunehmen.
Über das specielle Verfahren, das Origenes bei der Widerlegung einschlägt, ist Folgendes zu bemerken !!. Zunächst darf man als sicher ansehn, dass Origenes die Bitte des Ambrosius: ἐσεὶ βούλει καὶ τοῖς ἐμοὶ φαινομένοις εὐτελέσι τοῦ Κέλσου ἐπιχειρήμασιν ἀπαντῶν 13 überall zu erfüllen bemüht gewesen ist und nichts Wesentliches von der Polemik des Heiden übergangen hat!?. Lässt er aber unwesentliche Dinge, wie lüngere Citate und Wiederholungen des Celsus aus, so pflegt er dies deutlich zu sagen !*. Demnach wird man Neumann's !? Ansicht,
f e. Cels. IV 80: 54 (I. 307; 17 386, 288),
? e. Cels, IV 83 (I 354, 11).
3 e. Cels, V 3 (IL 3, 21 f£). Trotzdem nennt ihn Origenes noch IV 86 (I 357, 10), Ἐπικούρειος“.
^ Vgl. oben S. XLI.
5 e, Cels. IV 99 (I 373, 6—8). V 24 (II 25, 26 ff). VIII 63 (II 279, 11 ££).
6er Cels VII 46:(HI 197, 314 ft:
7T e, Cels, VII 59 (II 208, 11 ff.).
$ c. Cels. VIII 69. 71 (II 286, 6—8. 287, 24f.). Vgl. Neumann a. a. O. S. 773, 46—22.
10-a7-2. Ὁ: S2 009,102.18:
!! Vgl. meine Abhandlung „Die Gliederung des ἀληθὴς λόγος des Celsus* im XVIII. (letzten) Bd. der Jhrbb. f. prot. Theol. S. 604—632.
12 e. Cels. II 20 (I 148, 18—20).
13 Vgl. z. B. I 41 (I 91, 25 f£). II 46 (I 168, 22). V 53 (H. 56, 241);
14:7, B.- 11. 79: (I. 202,5).
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B. Die acht Bücher gegen Celsus. LI
dass von dem Wahren Wort „allerhöchstens der zehnte Teil verloren ist“, nur billigen können; da aber Origenes meist wörtlich eitiert, so „be- sitzen wir etwa drei Viertel des Erhaltenen im Wortlaut“. Ferner hat Ori- genes sicher erst das Buch seines Gegners durchgelesen ! und dann die Widerlegung in der Weise begonnen, dass er die Hauptpunkte der Polemik notierte und seine Entgegnungen kurz hinzufügte, um zum Schluss das Ganze nach gewissen Gesichtspunkten auszuarbeiten?. Nach dieser Methode sind die Fragmente I 1—27 behandelt. Von 128 ab ist dann Origenes aus Zeitmangel? zu der Methode übergegangen, dass er die einzelnen Abschnitte bei Celsus der Reihe nach sofort ausführlich wider- legte‘. Das nach Abschluss von I 27 dem Anfang vorgesetzte Prooe- mium? hat den Zweck, den Wechsel der Methode anzudeuten und zu entschuldigen. Wir können dem Origenes für die Änderung nur dankbar sein; denn nach dem ursprünglichen Verfahren wäre eine Reconstruction des Wahren Wortes, wie sie jetzt möglich ist, ausgeschlossen gewesen ®. So aber passt Origenes seine Ausführungen den einzelnen Teilen der Schrift des Celsus auf's engste an und verzichtet vollständig auf eigene und von der Anordnung bei Celsus abweichende Gliederung des Stoffes.
Es scheint mir daher passend, um einen Überblick über den Inhalt der acht Bücher gegen Celsus zu geben, die Gliederung des Wahren Wortes, wie ich sie im Jahre 18927 festgestellt habe, etwas | verkürzt und mit wenigen Änderungen hier zu wiederholen.
Einleitung. 1 1—27. A. Den Christen ist vorzuwerfen, dass 1. ihre Organisation gesetzwidrig (1 1 vgl. VIII 17), 2. ihre Lehre barbariseh (I 2), willkürlich (I 3) und nieht neu ist (E9475), 3. Ihre Stärke auf Zauberei beruht (I 6), 4. dass sie vernunftlosen Glauben fordern (I 9).
! Vgl. c. Cels. III 16 (I 214, 28).
2 Vgl. c. Cels. Prooem. Cap. VI (I 55, 1—3).
3 c. Cels. Prooem. Cap. VI (I δῦ, 4); vgl. oben S. XXIII.
A near Ὁ ΠΟΥ Dt
5 a. a. O. I 54, 29—31.
6 Vgl. Patrick, The Apology of Origen in Reply to Celsus, Edinburgh and London 1892 und meine Besprechung ThLZ. 1893 Nr. 18 Sp. 449—452. Patrick hat die einzelnen Teile der Apologie des Origenes nach sechs Hauptgesichtspunkten angeordnet und damit ein apologetisches System hergestellt, wie es Origenes — nach Patrick’s Meinung — hätte construieren können, wenn er seinem ursprüng- lichen Plane treu geblieben würe.
τ Vgl. meine oben S. L Anmerkung 11 citierte Abhandlung S. 614 ff.
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LII Einleitung.
B. Eine Prüfung des Inhalts und Ursprungs der christlichen Lehre (1 12) ergiebt, dass 1. das Judentum wegen seiner Separation zu verurteilen ist (1 14—26), 2. das Christentum als neuerdings von Jesus gestiftet und fast nur von Ungebildeten angenommen keine Existenzberechtigung hat (1.26:27),
Erster Teil. 128—1I 79. Die Einwendungen des Celsus gegen die christliche Lehre vom Standpunkt des Judentums aus. A. Der von Celsus fingierte Jude sucht nachzuweisen, dass Jesus der erwartete Messias nicht sei (I 28—71). Denn er sei 1. nicht göttlich geboren (I 28—39), 2. nicht von Gott anerkannt (I 41— 5$), 3. nicht durch Thaten bewährt (I 61— 9658), 4. körperlich nicht wie ein Gott beschaffen (1 69— 71). B. Der Jude macht den Judenchristen den Abfall vom väterlichen Gesetz zum Vorwurf (II 1—73). Denn 1. sei Jesus, wie sein Leben beweise, nicht der Messias (ll 5—13 2. seien die Weissagungen Jesu von seinem Tode von seinen Schülern erdichtet (Il 13— 27), 3. passten die prophetischen Weissagungen nicht auf Jesus (ll 28—32), 4. Jesus habe weder seine Messianitüt erwiesen noch treue Anhänger gewonnen (II 33—46), . die vorgebrachten Gründe für den Übertritt: Jesus sei a. des Satans wegen bestraft worden (II 47), b. habe Heilungen vollbracht (II 48. 49), | c. habe seine Auferstehung vorausgesagt und sei wirklich auf- erstanden (II 54— 73), kónnten mit Leichtigkeit als nichtig erwiesen werden. C. Der Jude behauptet in einem Epilog, dass 1. die Christen aus ihren Schriften widerlegt seien (ll 74. 75), 2. Jesus selbst seine Ohnmacht eingestehe (II 76— 79).
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Zweiter Teil. III. IV. V. Die Einwendungen des Celsus gegen die Grundlage der ehristlichen Lehre. A. Allgemeine Einwendungen (III 1—$81). Die christliche Lehre sei zu verwerfen, weil sie
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B. Die acht Bücher gegen Celsus. LIII
1. einen Abfall von der jüdischen darstelle und zu weiterer Zer- splitterung führe (III 1— 14),
2. nichts Neues oder Wichtiges, sondern nur Entlehntes und Trü- gerisches bringe (III 16—43),
3. nur für die Dummen (Ill 44—55) und Sehlechten (III 59— 71) bestimmt sei,
4. von Lehrern vorgetragen werde, die Verführer und Betrüger
. seien (III 72—81).
B. Speeielle Einwendungen (IV. V).
I. Die Aunahme einer Herabkunft Gottes oder seines Sohnes und da-
mit die jüdisch-christliche Teleologie sei falsch (IV 1— V 2). Denn
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lasse sich kein Grund für die Herabkunft Gottes angeben (IV 3—11. 79), i
. widerspräche es dem Wesen der unveränderlichen und guten
Gottheit, sich zum Sehlimmern zu verändern und die Materie zu berühren (IV 14—18),
. seien die speciellen Gründe der Juden und Christen für diese
Lehre
a. an sich hinfällig und ein Beweis von grosser Anmassung (IV 20—23),
b. zurückzuweisen der unglaubwürdigen Gewährsmänner (IV 31—35) und der mit unsinnigen Erzählungen angefüllten Schriften wegen (IV 36—47), die nicht einmal allegorisch gedeutet werden könnten (IV 48—52).
. Die jüdisch-christliche Ansicht von der Naturordnung sei
grundfalsch (IV 52—V 2), denn
a. Gott habe nichts Sterbliches geschaffen (IV 52—61),
b. das Böse im Seienden bleibe quantitativ gleich (IV 62—73),
e. Gott habe, wie die Naturgeschichte lehre, nicht alles für den Menschen geschaffen, sondern damit diese Welt als Gottes Werk vollkommen sei in allen Stücken (IV 73—99);
d. die Engel, von denen die Christen redeten, seien weiter nichts als Dämonen (V 2).
IL Weder Juden (V 6—41) noch Christen (V 51—65) seien einer solehen Bevorzugung durch die Gottheit würdig.
5
Die Juden deshalb nicht, weil sie
a. eine mangelhafte Gottesverehrung (V 6),
b. eine verabseheuungswürdige Lehre vom Gericht und von der Auferstehung des Fleisches (V 14) hütten,
e. zwar nach dem Gesetz der Väter lebten (V 25—34), aber sich aus Anmassung für heiliger als andere Völker hielten,
LIV Einleitung.
von denen sie doch teilweise ihre Sitten entlehnt hätten au 2. Die Christen seien noch unwürdiger, da sie
a. vom Judentum abgefallen, der vaterländischen Gesetze und Sitten entbehrten (V 33. 51),
b. widerspruchsvolle Angaben über Boten und Engel Gottes machten (V 52. 54),
c. die allerverschiedensten Vorstellungen von der Gottheit hätten und deshalb die grössten Gegensätze darstellten (V 59—64); sie seien nur einig in der Überhebung über die andern Völker, auch über die Juden (V 64. 65).
Dritter Teil. VI 1—VII 58.
Einwendung des Celsus gegen die christlichen Einzellehren, dass sie Entlehnungen und Verfälschungen aus der griechi- schen Philosophie seien.
1. Die Forderung der Christen, dass man ihren Lehren unbedingt glauben solle, sei Missverständnis und Verfälschung der Plato- nischen Ansicht, dass das höchste Gut nicht aussagbar und nur wenigen erkennbar sei (VI 3—11).
2. Die Christen hätten die Lehre, dass die Weisheit unter den Menschen Thorheit bei Gott sei, von Heraklit und Sokrates entlehnt, um Ungebildete an sich zu locken (VI 12—14).
3. Die christliche Mahnung zur Demut, Busse und Armut sei von Plato entlehnt (VI 15. 16).
4. Die christliche Hauptlehre vom Reiche Gottes verdiene gar nicht aufgezeichnet zu werden (VI 17), denn a. die Lehre von einem überhimmlischen Gott sei eine miss-
verstandene Platonische,
b. die Lehre von den sieben Himmeln sei von den Persern oder Kabiren entlehnt; ;
c. das christliche Mysterium über die Schicksale der zu Gott emporsteigenden Seele sei nach dem Mysterium des Mithras erdichtet;
d. damit hänge die christliche Magie zusammen (VI 17—41).
5. Die christliche Lehre von einem Gegner Gottes (Teufel, Satan oder Antichrist) stamme aus dem Missverständnis der allegori- schen Erzählungen von einem gewissen heiligen Krieg bei Heraklit und andern und aus ägyptischen Mythen von Typhon, Horus und Osiris her (VI 42—46).
B. Die acht Bücher gegen Celsus. LV
6. Die christliche Lehre von der Weltschópfung sei widerspruchs- voll und von den Juden übernommen (VI 47— 65).
7. Die christliche Lehre von der. Offenbarung Gottes auf Erden fände sich ähnlich schon bei den Stoikern und sei wegen der inneren Widersprüche unhaltbar (VI 66—81).
8. Die jüdischen und christlichen Prophezeiungen über Christus seien a. nicht besser als heidnische,
b. an sich falsch, da dem Gott hässliche Dinge zugemutet würden (VII 2—1S).
9. Die eschatologischen Lehren der Christen seien leicht zu wider- legen, denn a. habe Gott keinen menschenähnlichen Körper, könne also von
den Frommen nach dem Tod nicht sinnlich erkannt werden (VTL 27-94);
b. die christliche Vorstellung von einer bessern Erde sei ein Missverständnis der Platonischen Lehre von der reinen Erde (VII 28—31),
c. die christliche Auferstehungslehre aber beruhe auf dem Miss- verständnis der philosophischen Lehre von der Seelenwande- rung (VII 32).
10. Wenn die Christen das Leiden und Sterben Jesu mit der Vor- schrift: dass man Unrecht geduldig ertragen müsse, entschul- digten, so sei auch diese Vorschrift aus Platos Kriton entlehnt
(VII 36—58). Vierter Teil. VII 62— VIII 71.
Verteidigung der heidnischen Staatsreligion durch Celsus. A. Die Christen sind nicht berechtigt, den heidnischen Cultus zu verwerfen (VII 62— VIII 49); denn 1. würden sie nur dem Beispiel der Skythen, Libyer, Serer und Perser folgen (VII 62); 2. dürfen die Christen Götterbilder deshalb nicht verschmähen, weil sie selbst von Gott nach seinem Bilde geschaffen zu s>in sich rühmen (VII 62. 66. 67); 3. müssen die Dämonen verehrt werden a. weil sie Vollmacht von dem hóchsten Gott haben (VII 68), b. weil ihre Verehrung zugleich dem |hóechsten Gott zu gute kommt (VII 68—VIII 2), c. weil die Annahme eines Gegensatzes zwischen Gott und ihm feindlichen Dämonen gottlos ist (VIII 11); 4. haben die Christen um so weniger Grund, den Dümoneneultus
LVI Einleitung.
zu verwerfen, je massloser sie selbst neben Gott, ja über ihm, dessen Sohn verehren (VIII 12—16);
. giebt es keine Entschuldigung für die Christen, wenn sie den Opfermahlzeiten fern bleiben, denn der Berührung mit den Dà- monen können sie sich nirgends entziehen (VIII 17—37);
6. hat sieh die Macht der heidnischen Götter bei Christenver- folgungen, Weissagungen und Heilungen, im staatlichen und privaten Leben schon genug bethätigt (VIII 38—48).
B. Celsus betont den philosophisch gebildeten Christen gegenüber,
mit denen er sich auf einer gemeinsamen Grundlage (VIII 49,
II 264, 12f.) zu verständigen hofft, dass man
1. die Dämonen verehren müsse, um nicht undankbar und unge- recht gegen sie zu sein (VIII 53— 58), aber auch
2. in der Verehrung der Dämonen Mass halten und niemals und
nirgends von der Verehrung des hóchsten Gottes ablassen solle (VIII 60—63); unbedingt sei endlich
. der Kaisercultus von den Christen zu fordern, denn a. seien die Könige durch dämonische Kraft der Herrschaft teil-
haftig geworden,
b. müssten die Christen andernfalls gerechte Strafe fürchten, dürften sich auch
c. nicht auf ihren Gott verlassen, der weder die Vertreibung der Juden aus Palästina noch die Verfolgung der Christen
verhindert habe (VIII 63—71).
Schlusswort. VIII 72— 75.
Wenn Celsus auch den Wunsch, dass alle Bewohner der Erde sich in einer Form der Gottesverehrung vereinigen móchten, als unerfüllbar be- zeichnet, so hofft er doch 1. auf Verständigung mit den gebildeten Christen 2. auf Teilnahme derselben am Staatsleben, besonders in Zeiten der Not (VIII 72. 75).
In welcher Weise nun Origenes die Angriffe des Celsus auf das Christentum. zurückzuweisen versucht, welchen Standpunkt er dabei ein- genommen und welche Mittel er angewendet hat, um besonders im dritten Teil seine teilweise Übereinstimmung mit den Platonischen An- sichten seines Gegners zu verdecken, dies alles in einer eingehenden Analyse der Apologie des Origenes darzulegen, würde ein ganzes Buch (ähnlich dem oben eitierten von Patrick, aber in anderer Anordnung) erfordern und muss deshalb hier übergangen werden.
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B. Die acht Bücher gegen Celsus. LVII
VIL. Textgeschichte. Handschriften und Ausgaben.
Wenn man auch die Apologie des Origenes ihrer Veranlassung und Entstehung wegen mit K. J. Neumann! als Gelegenheitsschrift bezeich- nen muss, so darf man doch nicht verkennen, wie gross ihre Bedeutung nieht nur für die Zeit ihrer Entstehung, sondern auch für die Folgezeit ge- wesen ist. Denn die umfangreichen acht Bücher, die der Reihe nach, aber wohl in rascher Folge, kurz vor dem Ausbruch der Christenverfolgung des Decius entstanden sind, enthalten die eingehende Widerlegung aller der Vorwürfe, die Celsus im Namen des Heidentums gegen das Christen- tum erhoben hatte, und die später Anlass zu Verfolgungen gaben. Wie die Schrift vom Martyrium den damals lebenden Christen Trost in der Drangsal gewühren konnte, so bot ihnen die Widerlegung des Wahren Wortes des Celsus Waffen zur Verteidigung dar; die Nachwelt aber besitzt in diesem Hauptwerk des Origenes das schönste Denkmal seiner Gelehrsamkeit und Bildung und die reiehste Quelle seiner theologisch- philosophischen Anschauungen. Dies hat der Cardinal Bessarion tief empfunden und in den Worten ausgesprochen, die oben (S. XVII) ab- gedruekt sind. Dass das Werk eben seines innern Wertes wegen auch noch in den Zeiten, als die christliche Kirehe gesiegt hatte und ähnliche Angriffe wie der des Celsus nicht mehr zu befürchten waren, eifrig von den Verehrern des grossen Alexandriners gelesen worden ist, das be- weist schon die Thatsache seiner Erhaltung trotz seines grossen Um- fangs und trotz der Verketzerung seines Verfassers durch Justinian.
Wie weit bei den späteren Autoren die Benutzung der Bücher gegen Celsus reicht, muss noch dureh Specialuntersuchungen nachge- wiesen werden. Hier begnüge ich mieh mit der Bemerkung, dass Ba- silius der Grosse und Gregor von Nazianz das Werk des Origenes genau studiert haben müssen, ehe sie daraus die passende Auswahl für die Philokalia treffen konnten. Diese ist, wie die zahlreichen Hand- schriften zeigen, viel gelesen worden, und aus ihr allein hat man wohl auch in weiteren Kreisen die Apologie des Origenes auszugsweise kennen gelernt Die bequem zusammengestellten Excerpte, für deren Unver- fángliehkeit die Namen der rechtgliubigen Excerptoren bürgten, liessen wohl das Originalwerk etwas in den Hintergrund treten. Ferner darf man dem Eusebius, der mit Pamphilus die Werke des Origenes neu herausge- geben hat, eine genaue Kenntnis des ganzen Werkes zuschreiben. Einmal wenigstens lässt sich, wie Neumann gesehen hat, die Benutzung deutlich
1 Realencykl. f. prot. Theol, 3. Aufl. III 773, 21.
LVIII Einleitung.
nachweisen!. Auch Chrysostomus ? und Hieronymus? haben ihre Kenntnis von dem Wahren Wort des Celsus und der Gegenschrift des Origenes wahrscheinlich aus der Lektüre der letzteren geschópft. Ob auch von dem christlichen Scholiasten zu Lucian* (Pseudomantis Cap. 1) das Gleiche gilt, oder ob er die acht Bücher gegen Celsus nur aus Eusebius kennt, lässt sich nicht sicher entscheiden.
Von dem VI. Jahrhundert ab wird die Zahl der griechisch erhaltenen Schriften des Origenes immer kleiner. Die erste Stelle nimmt aber — wenn auch seltener abgeschrieben — das Werk gegen Celsus ein. Unsere handschriftliche Tradition geht, wie das wichtige Rubrum am Ende des I. Buches in A beweist’, auf die Recension des Pam- philus und Eusebius, diese aber auf die Originalausgabe zurück. Da wegen der Erhaltung jener Notiz und der Subseriptionen® in A die Annahme nur weniger Mittelglieder zwischen der Eusebius-Recension und A geboten erscheint, so dürfen wir hoffen, gerade bei diesem Haupt- werk des Origenes durch kritische Arbeit den ursprünglichen Wortlaut fast vollständig wieder herstellen zu können.
Das grösste Verdienst um die Erhaltung der Apologie des Origenes hat sich Papst Nicolaus V. erworben. Auf Veranlassung des Theodor von Gaza liess er in den Jahren 1450—1455 in Konstantinopel den wahrscheinlich im Besitz des Theodorus Sophianus befindlichen Codex kaufen’, von dem alle vorhandenen Handschriften der Bücher gegen Celsus abstammen. Es ist dies:
1. Codex Vaticanus gr. Nr. 336 bombye. saec. XIII. 0,305><0,215 (— A in meiner Ausgabe, = δὲ in Robinson's Philokalia-Ausgabe), ent- haltend a) von fol. 1"—12” die Dankrede® b) von fol. 131—216" die
1 c. Cels. VII 26 (II 177, 23) und Euseb., Hist. eccl. VI 36, 1; vgl. K. J. Neu- mann, Staat u. Kirche 1 268 Anm. 2.
? Vgl. Hom. VI in Ep. ad Cor. (tom. X p. 47 E ed. Montfaucon): ἱχανοὶ δὲ zul oi xa9' ἡμῶν εἰρηχότες τὴν ἀρχαιότητα μαρτυρῆσαι τοῖς βιβλίοις, οἱ περὶ Κέλσον χαὶ τὸν Βατανεώτην τὸν utt ἐχεῖνον χτλ.
3 Vgl. Ep. LXXXIV ad Magnum (tom. IF p. 219 E ed. Frankof. et Lips. a. 1084): Seripserunt contra nos Celsus atque Porphyrius, priori Origenes, alteri Me- thodius, Eusebius et Apollinarius fortissime responderunt. Quorum Origenes octo scripsit libros etc.
* IV 139 rec. Jacobitz, ed. maior, vgl. Keim, Celsus Wahres Wort S. 196.
? Vgl. c. Cels. I 71 (I 125, 10 Apparat) und meine ,,Textüberlieferung* S. 66 f.
5 Vgl. meine ,,Textüberlieferung* S. 67 ff.
7 Vgl. meine „Textüberlieferung“ S. 37. Die genaue Beschreibung der HS. findet man dort S. 33—36.
$ Vgl. meine Ausgabe (Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmengesch, (Juellenschriften her. von G. Krüger 9. Heft 1894) S. XXX f. Die Dankrede ist nur
-
B. Die acht Bücher gegen Celsus. LIX
acht Bücher gegen Celsus c) auf fol. 2167 Excerpte aus Galen (tom. XI p. 798, 17 bis 814, 16 oder 815, 5 ed. Kühn, wie K. J. Neumann 1591 fest- gestellt hat) von einer Hand des XV. Jahrhunderts. Die zwei ersten Stücke sind im XIII. Jahrhundert von zwei Schreibern, die abwechselnd das Geschriebene sorgfältig nach der Vorlage! corrigiert haben, ge- schrieben. Von der Hand der Schreiber ist eine andere Hand zu unter- seheiden, von der einige Randnoten in plumper, dicker Schrift herrühren. Dass diese vor 1339 entstanden sind, beweist ihr Vorhandensein in PMV?. Endlich finden sich einige Correcturen und Bemerkungen von dritter Hand, nach der Abschrift von M und vor der Abschrift von V, also ea. 1400 anzusetzen, vor’, die nicht überall mit Sicherheit von einer vierten Hand unterschieden werden kann, welche, nach den Schrift- zügen zu urteilen, die des Cardinals Bessarion ist.
Ich habe oben (S. XX£) die Vermutung ausgesprochen, dass ur- sprünglich die Exhortatio das dritte Stück des Codex A gebildet habe. Meine Vermutung erhält eine weitere Stütze, wenn die zuerst von J. Armitage Robinson? vertretene und später auch von mir? gebilligte Ansicht richtig ist, dass
2. Codex Parisinus Suppl. Gr. Nr. 616 a. 1339 (= Ρ)" von A her- stammt. Die Beweisstellen hat K. J. Neumann bei der Collation von A gesammelt und mir seine hier folgende Abhandlung „Vaticanus und Parisinus“ zur Veröffentlichung überlassen.
„Der Behauptung gegenüber, dass sämmtliche Handschriften eines Autors oder eines Werkes direkt oder mittelbar aus einer und derselben, noch erhaltenen Handschrift geflossen seien, verhält die heutige Philo- logie sich etwas skeptisch; sie bestreitet nicht, dass es solche Fälle giebt, hat aber mehrfach nachgewiesen, dass die früher beliebte Zurückführung auf einen erhaltenen Archetypus nicht Stich hält. Während Koetschau’s Ordnung der grossen Masse von Origeneshandschriften im Jahre 1589 für die Bücher gegen Celsus neben dem Vaticanus 386 (A) wenigstens dem
in Verbindung mit den Büchern gegen Celsus überliefert; diese Verbindung scheint nicht ohne Absicht vorgenommen worden zu sein, vgl. meine Ausgabe der Dank- rede S. XXXI.
1 An einer Stelle (I 149, 22—150, 12) könnte man an eine zweite Vorlage denken, da dort im Text von A eine Lücke gelassen ist, in der nur /” Zr’ von I. Hand steht, wührend spüter das fehlende Stück am untern Rand nachgetragen worden ist.
2 Vgl. z. B. c. Cels. IV 83 (I 354, 12).
| VeL z. B. e. Cels. I 25 (177, 0).
1 Vgl. dessen Philokalia-Ausgabe p. XXVIII sq.
5 Vgl. die Einleitung meiner Ausgabe der Dankrede 8. XXXIII.
9 Die Beschreibung s. in meiner „Textüberlieferung“ S. 531, vgl. auch oben S. XVI Anm. 4.
LX Einleitung.
Parisinus Suppl. Gr. 616 (P) selbstándige Bedeutung lassen wollte, hat Robinson 1890 auch diesen Parisinus als Abschrift des Vaticanus zu erweisen unternommen. Ich selber habe in der Zeit vom 2. März bis zum 12. Mai 1891 zu Rom Buch 4—8 des Vaticanus mit der Ausgabe von Lommatzsch verglichen und meine Collation einer vollständigen Revi- sion unterworfen; die von Robinson anders als von Koetschau behan- delten Stellen sind eigens für sich nachgeprüft worden, auch die aus Buch 1—3. Die Ergebnisse dieser Prüfung für die Lesungen des Vati- canus hat Koetschau’s Apparat bereits verwertet. Die endgültige Ent- scheidung der Frage nach dem Verhältnis von Parisinus und Vaticanus wurde mir dadurch wesentlich erleichtert, dass Koetschau in das durch- schossene Exemplar der Lommatzsch’schen Ausgabe, das ich für die Ver- gleichung des Vaticanus benutzte, seine Collation des Parisinus ein- getragen hatte; sehr bald überzeugte ich mich von der Abhängigkeit des Parisinus und gewann eine Fülle von Lesungen, von denen viele bereits für sich allein die Frage zu entseheiden im Stande würen. Es ist gar nieht zu bestreiten, dass in der That alle Handschriften der Bücher gegen Celsus, direkt oder mittelbar, aus dem Vatieanus geflossen sind, und dass dieser — abgesehen von den in die Philokalia aufgenom- menen Stücken — die einzige Grundlage des Textes ist. Es scheint, dass man nicht einmal in Verbindung mit der Widerlegung des Origenes das wahre Wort des Celsus abschreiben und eonservieren wollte. Richtig ist, dass nur Origenes uns den ἀληϑὴς λόγος erhalten hat; für sein Fortleben hat sieh Celsus bei seinem Gegner zu bedanken. Aber diesen hätte er fast in seinen eigenen Fall fortgerissen; ohne die eine Abschrift, die das 13. Jahrhundert von den Büchern gegen Celsus nahm, wäre auch das Werk des Origenes untergegangen. Die folgenden Jahrhun- derte mit ihrer grossen Anzahl direkter und mittelbarer Abschriften des Vaticanus zeigen aber ein wachsendes Interesse an dem Werke, dem nun gerade zu gute kommen mochte, was ihm so lange geschadet hatte: dass es ein so rares Stück wie diese Streitschrift gegen das Ur- christentum vor dem Untergange bewahrt hat.
Der Nachweis der Abhängigkeit des Parisinus vom Vaticanus hat weniger auf die Fälle zu achten, in denen die ursprüngliche Schreibung des Vaticanus im Vaticanus selber verändert wurde, und in denen der Parisinus uns diese Veränderung bietet; wo die Correcturen des Vati- canus aus seiner eigenen Vorlage stammen, könnten die Lesungen des Parisinus aus der Benutzung derselben Vorlage erklärt werden, d. h. Vati- canus und Parisinus wären Geschwister, beide neben einander für die Reconstruction der verlorenen Vorlage zu benutzen. Aber dass der Parisinus vielmehr aus dem Vatieanus selber stammt, lässt sich durch
B. Die acht Bücher gegen Celsus. LXI
eine ganze Reihe von Lesungen des Parisinus erhärten, welche auf Besonderheiten des Vaticanus zurückgehen, die dem Schrei- ber des Vaticanus, die dieser Handschrift individuell eigen- tümlich sind. Individuelle Zufälligkeiten hat der Parisinus aus dem Vatieanus übernommen oder ist durch sie zu Irrtümern geführt worden, die aus ihnen ihre sichere Erklärung finden. Beispiele sollen aus ver- schiedenen Büchern angeführt werden, um zu zeigen, dass diese Ab- hängigkeit des Parisinus für das ganze Werk gilt; besonders reichlich ist das 4. Buch bedacht, bei dem sich meine Überzeugung zuerst fest- stellte. Auf die beweiskräftigen Stellen aus Buch 2 und 3 hat mich Koetschau hingewiesen, der im Herbst 1891 zu Rom seine Collation von Buch 1—3 vollendet hat.
II 20 p. 150, 3 σὸς A, aber leicht in 60: zu verlesen: 6o: P.
III 6 p.206, 22 ἀμφοτέρας A, doch ας leicht in ous zu verlesen: ἀμφοτέροις P.
III 22 p. 218, 16—19 ὑπὸ τῶν ἰδίων ϑιασωτῶν ὠφϑαί φαμεν" προσκατηγορεῖ δ᾽ ἡμῶν χαὶ ὡς λεγόντων αὐτὸν ὦφϑαι καὶ ταῦτα σκιάν. καὶ πρὸς ταῦτα δὲ φήσομεν ὅτι δεινῶς ὁ Κέλσος οὔτε σαφῶς παρέστησε κτλ. A! hat ὠφϑαί φαμεν bis “λεγόντων ausgelassen und am Rande in drei Zeilen nachgetragen: * ὠφϑαι φαμὲν
; που ΟΣ δ᾽ ἡμῶν xc o6 λεγόντων.
Im Texte bietet A! das Zeichen - hinter idiov ϑιασωτῶν und über οὔτε das Zeichen 7^. P hat nun verkannt, dass die Zeilen des Mar- ginalnachtrages von A zusammengehören, und dass Alles hinter idio» ϑιασοτῶν einzuschieben ist. Hinter ἐδίων ϑιασωτῶν schiebt P daher nur die erste Zeile des Marginalnachtrages von A ein, also ὠφϑαι φαμὲν. und lässt, um eine Construction zu gewinnen, nun das ὠφϑαι hinter αὐτὸν fort. Ferner wird P durch das von A über οὔτε gesetzte Zeichen verleitet, die dieser Textzeile beigeschriebene zweite Marginal- zeile von A, also προσχατηγορεῖ, vor οὔτε einzuschieben, was dann wieder aus Constructionsgründen den weiteren Einschub eines xat ver- anlasst. So ist folgender Text entstanden, den P bietet: ὑπὸ τῶν» ἰδίων ϑιασωτῶν ὦφϑαι φαμὲν αὐτὸν xci ταῦτα σκιὰν. xci πρὸς ταῦτα δὲ φήσομεν ὅτι δεινῶς ὃ κέλσος προσχατηγορεῖ. καὶ οὔτε σαφῶς παρ- ἕστησε κτλ.
III 23 p. 219, 14 αὐτοὺς A*, über otc hat A? oder A? ein fast wie » aussehendes οὔ geschrieben: αὐτὸν P, dann aber das » radiert.
IV 3 p. 276, 16 ὑποστάσης A, aber zc tachygraphiseh über dem o6: P hat das zu ὑπόστασις verlesen.
LXII Einleitung.
IV 19 p. 289, 3 σωφρονήσωσι A, aber das 7 konnte sehr leicht für ı gelesen werden: σωφρονίσωσι P. .
IV 20 p. 289, 18. 19 διὰ βραχέων A. A macht aber den tachygra- phischen Bogen für die Endung -ὧν auffallend gross, wie z. B. auch IV 21 p. 291, 4 in γομόρων; IV 32 p. 302, 25, wo σύγκλητον und συγ- κλήτων dasteht, da bei der Correetur in σύγκλητον die Streichung des Accents auf dem © und des or-Bogens vergessen wurde; IV 44 p. 317. 17 in λαβὼν; IV 66 p. 366, 33 in δυναμένων; V 1 p. 1, 8 in τειτρωσχόν- των; V 36 p. 39, 18 in ϑήλεων u.s. w. Das hat zur Folge, dass IV 20 p. 289, 18. 19 der o-Bogen den Gravis von δεὰ durchfährt, ohne damit eine Streichung dieses Gravis zu beabsichtigen. Ebenso wie Koetschau im Apparate zu dieser Stelle meine Zeichnung, so hat auch P seine Vor- lage A dahin verstanden, dass A die Correctur von διὰ βραχέων in διαβραχέων beabsichtigt habe. P hat erst δεὰ βραχέων geschrieben und dann den Gravis auf διὰ getilgt.
IV 21 p. 290, 12 τοῦτο A, aber unter dem zweiten o ein ausradierter punktartiger Fleck: τοῦτο P, aber das Schluss-o radiert.
IV 22 p.292, 12 ἐλήλυϑεν A, aber sehr leicht in ἐλήληϑεν zu ver- lesen: ἐλήληϑεν P.
IV 42 p. 315, 20 προσαγαγεῖν A, doch das 6 von A? expungiert und am Rande ἔτ΄: προαγαγεῖν P, aber mit Rasur zwischen o und a. 5
IV 43 p. 316, 11.12 καμήλους A, aber leicht in χαμήλας zu ver- lesen: χαμήλας P.
IV 44 p. 316, 24 μὴ ganz klein übergeschrieben, so dass es leicht übersehen werden konnte A!: μὴ om. P.
IV 49 p. 322, 10 ószíZat A, aber & in Correctur: δέξαι P mit Rasur zwischen € und &.
IV 51 p. 324, 19. 20 ἄνδρα πολλῷ χρεῖττον διηγησάμενον πλάτωνα A, über πλάτωνα das Zeichen * und am Rand ἔτ΄ Α΄; das hat P dazu bestimmt, πλάτωνος zu schreiben.
IV 56 p. 329, 20 ἑλίξεις A, aber & leicht in 2 zu verlesen: ἐλέξεες P.
IV 75 p. 345, 1 τὸν A, bei genauerm Zusehen nicht in τὴ» zu ver-
lesen; aber allerdings macht A das ἡ oft klein und dick: τὴν P. Vgl. “ Robinson p. 290.
IV 82 p. 352, 13 σίμβλοι A, aber sehr leicht in σύμβλοι zu verlesen: σίμβλοι aus σύμβλοι corr. P.
IV 86 p. 356, 21 πλεῖον A, aber der Circumflex so gross, dass er wie der tachygraphische o»»-Bogen aussieht: πλειόρων P.
V1 p.2, 2 ἀνεπαισχύντους dureh Rasur und Hinzufügung eines Striches aus ἀνεπαισχύντως corrigiert A!, doch so, dass sehr leicht averaıogivroc gelesen werden konnte: ἀνεπαισχύντος P.
B. Die acht Bücher gegen Celsus. LXIH
V7 p.7, 10 στωικοὶ A, doch sehr leicht in óroxxoc zu verlesen: στωιχὸς P.
V 7 p. 7, 26 stand offenbar τὸν τοῦ μωυσέος νόμον in der Vorlage von A. A hat zunächst τοῦ ausgelassen und τὸν μωυσέος róuor ge- schrieben, dann aber aus Versehen τοῦ an falscher Stelle nachgetragen, eben zwischen umvo£os und νόμον. Die Art der Schreibung von τοῦ hat P für ein Umstellungszeichen gehalten und τὸν νόμον» umvolos geschrieben.
V9 p.9, 11. 12 λέγοντα αὐτοὺς. A hatte ursprünglich λέγοντας, hat aber dann m. 1. aus dem 6 das a von αὐτοὺς gemacht. In der Vor- lage stand natürlich λέγοντα. P hat die Schreibung von A, was leicht möglich war, in λέγοντας verlesen.
V 12 p. 13, 18 eiornxeı A, aber & in Correetur und trotz der Cor- reetur leicht in & zu verlesen: ἑστήχει P.
V 19 p. 20, 18 εἰρημένα hat A! erst ausgelassen und dann ganz klein ein- und übergeschrieben: darum hat P es übersehen und aus- gelassen.
V 24 p. 25,4 τοῦτο οὐ Α΄, aber o? nachträglich so eingeschoben, dass P dies leicht für τοῦτ᾽ οὐ lesen konnte.
V 47 p. 51, 19 ἄλλη A, aber leicht in ἄλλο zu verlesen: ἄλλο P.
V 50 p. 55,1 διὸ hat A! aus δύ οὖν corrigiert, aber so, dass es leicht zu de 0» verlesen werden kann: di’ ov P.
V 53 p. 56, 32 zai ὅτι A, aber die Abbreviatur von καὶ mit ὅτι SO verbunden, dass es leicht zu διότε zu verlesen, was P bietet.
V 53 p. 57, 10 ἤγγελλε A, aber das eine 2 übergeschrieben und erst unter der Lupe sicher von ı zu unterscheiden: ἤγγείλε P.
V 55 p. 59, 4 γεγενημένων A, aber die erste Silbe γε etwas getrennt voranstehend und ἡ leicht in o zu verlesen: γενομένου» P.
VI 8 p. 78, 14 ovvoraosı A, aber σὺν ganz undeutlich geschrieben und das Stigma von v nicht ganz sicher zu unterscheiden: P kann mit dem Worte nichts anfangen und lässt darum an seiner Stelle leeren Raum.
VI 14 p. 84, 25 περὶ τοῦ λόγου A, aber das Ó von πρότροὸ πάδην in der Zeile darunter geht so an das v heran, dass man bei flüchtigem Hinsehen ohne weiteres λόγον liest: περὶ τὸ» λόγον P.
VI 34 p. 104, 2 βαυχαλῆσαι A, aber das ἡ undeutlich: βαυκαλίσαι B.
V155 p. 126, 17. 18 bietet P die Worte οἱ xai ταῦτα bis ἀποδεῖ- set τῆς γραφῆς nieht da, wo A sie richtig hat, sondern erst hinter ἁμαρτάνοντας p. 126, 19. Wie ist das zu erklären? Im codex A enthält eine Zeile γραφῆς οἱ xci bis γεγονέναι μὴ, die zweite δυνάμενοι bis ἁμαρτά, die dritte beginnt mit rorr«c, das ebenso viel Raum einnimmt, wie γραφῆς in Zeile 1. Zuerst war P bei seiner Abschrift von A von
LXIV Einleitung.
γραφῆς p. 126,17 zu γραφῆς p. 126, 18 geirrt, hatte dann weiter ge- schrieben αἰτεωμένης μὲν τοὺς ἁμαρτάνοντας und war dann mitseinen Augeninseiner Vorlage AgenauzweiZeilenaufwärtsgegangen, um mit οἱ καὶ ταῦτα fortzufahren. Man schreibe sich den Text von A in der angegebenen Zeilenordnung, und das Versehen von P wird klar.
VI 76 p. 146, 11 παραδέξασϑαι Philokaha: παραδέ und Yaı A, da- zwischen eine Lücke für zwei Buchstaben. Diese Schreibung von A verleitet P zu der falschen Conjeetur παραϑέσθϑαι.
VI 78 p. 158,3 ἐπικληρώσαντα A fol. 165Y, € und x durch Ausbruch durehlóchert, da der Schreibstoff durch eine grosse vor der Schrift vor- genommene Rasur auf fol 165" Z. 7—18 v. o. hier dünner geworden war. Es sollte also durehaus nicht angedeutet werden, dass ἐπεὶ zu streichen sei, es liegt lediglich ein Zerfall der Handschrift vor. P hat den Sachverhalt nicht erkannt, sondern missverstanden, hat in- folge dessen sz gestrichen und χληρώσαντα durch Conjectur in πλη- ρώσαντα verwandelt. Diese Stelle beweist für sich allein die Abhängigkeit des Parisinus von unserem Vaticanus. Robinson p.293 hatte den Thatbestand noch nicht richtig festgestellt.
VII 36 p. 186,14.15 τί χωρὶς mit Fleck links oben am y. In dem Fleck erkennt man deutlich ein mit ganz blasser Tinte hinzugefügtes 6: τίσ χωρὶς P.
VII 45 p. 196,26.27 γίνεσϑαι xai u und dahinter Raum für 1—2 Buchstaben, radiert A: P kann mit dieser Vorlage nichts anfangen und lässt daher hinter γίνεσϑαι einen leeren Raum an Stelle von xci u.
VII 58 p. 208, 2 ἀμύνεσθαι mit verschmiertem & A: ἀμύνεσϑαι aus ἀμύνασθαι corr. P.
VII 62 p. 211,23 χρεομένους A, aber leicht in χρεομένοις zu ver- lesen: χρεομένοις P.
VII 66 p. 216,5.6 ὅτε... ὅτε A, aber leicht in ὅτε... ὅτε zu ver- lesen: ort... ott P.
VIII 4 p. 223, 12. 13. lässt P die Worte ἐξομολογεῖσϑε τῷ xvoio bis τὸ ἔλεος αὐτοῦ aus, d. h. eine Zeile des codex A, fol. 1917 Z. S. Das Versehen des Parisinus ist um so leichter erklärlich, als im Vaticanus fol. 191r Z. 7 mit dem ἐξομολογεῖσϑε p. 223, 10 beginnt.
VIII 14 p. 232,5 von τοιοῦτον οἱ sind in A die Buchstaben » οὗ ausgebrochen, vor dem Loche ist τοιοῦτο erhalten: P conjiciert τοιοῦτοι.
VIII 16 p. 234,1 ist von ἀληϑές in A die Silbe es durch Ausbruch versehwunden, doch die Spur des Acuts noch erhalten: P hat die Lücke irrg zu ἀληϑῆ ergänzt.
VIII 48 p. 263,25 τῶν vor 2x A, aber leicht in τὴ» zu verlesen: τῇ» P.
B. Die acht Bücher gegen Celsus. LXV
Bei der grundlegenden Bedeutung, welche die Würdigung von P für die Gestaltung des kritischen Apparates besitzt, habe ich die An- führung einer solehen Fülle von Stellen nieht gescheut, um für immer jeden Zweifel auszuschliessen und den Nachweis für die ganze Hand- schrift zu führen. Specifische Individualitäten der Schreibung von A haben wir in P wiedergefunden; sogar mechanische Verletzungen von A haben ihren Einfluss auf die Lesungen von P geübt, und Stellen wie VI 78; VIII 14 und VIII 16 genügen bereits zum Be- weise. Die Aufnahme von P würde den Apparat in unnützer Weise belasten. Aber sie wäre nicht nur unnütz, sondern sogar schädlich und irreführend; denn P macht mutig Conjeeturen und setzt sie mehrfach ohne weiteres in den Text. Dass P conjiciert, ergab sich schon aus Stellen wie IV 51; VI 76; VI 78; VII 14; VIII 16. Öfters sieht man noch in der Handschrift selber die Spuren seiner kritischen Bemühungen: VIL 3 p. 155,21 hat A λέγεται überliefert, was P! zunächst übernimmt und dann durch übergeschriebenes o$a richtig zu λέγεσθαι ändert; auch VII3 p.155,24 hat P! die aus A übernommene Schreibung μαγικὴν durch Überschreibung in μανικὴν verbessert; V 12 p. 13, 24 hatte ihm ein kritisehes Zeichen von A? den Anstoss zum Nachdenken und zur sachgemüssen Correetur der von A zunächst übernommenen Lesung σχεπτέον in σεπτέον geboten. Ohne Anzeichen der Änderung finden wir sodann IV 41 p. 315,1.2 das ἀσφαλτωδεστέρως von A richtig in ἀσφάλτω δὲ στερρῶς aufgelöst. Verbesserungen, die jeder Herausgeber mit leichter Mühe selber findet, gelingen ihm. Aber dem steht eine Fülle falscher Conjecturen gegenüber, die sich dabei als Überlieferung gerieren. Dahin gehóren bereits Fülle wie IV 51; V 7; VI 76; VI 78; VIII 14; VIII 16. Besonders dreist verfährt P aber VIII 38 p. 253,4, wo A ὅτου δὴ 9: und dahinter'Raum für zwei Buchstaben bietet. A hat nicht mehr wiedergegeben, als er in seiner Vorlage lesen konnte; wahrschein- lich hatte ὅτου δὴ ϑεοῦ dagestanden. Aufjeden Fall hat die Ergänzung der Lücke von dem sicheren $ auszugehen; P aber conjiciert in's Blaue und schreibt ὅτου δή ποτέ τινος, als ob so überliefert w ui Ebenso verwischt P die Spuren der echten Überlieferung VIII 63 p. 279,2, welche die verdorbene Schreibung von A o6 τὸ εἶναι noch bewahrt, und die zu der richtigen Besserung ᾧετο εἶναι geführt haben, wenn er (6 τὸ εἶναι einfach und flach durch 7r» ersetzt. Und VIII 72 p. 288,16 hat er weil er den richtig überlieferten Text und die Construction von vereun- μένους nicht verstand, ohne jede Grundlage κατοικοῦντας hinter “ιβύην interpoliert.
Doch ich beabsichtige durchaus nicht, alle Sonderlesungen von P
zu behandeln; das Angeführte genügt zu seiner Charakteristik. Hätte Origenes 1. E
LXVI Einleitung.
vor der vollständigen Collation von.P seine Abhängigkeit von A fest- gestanden, so hätte es sich nicht gelohnt, um seiner gelungenen Con- jecturen willen diese Vergleichung vorzunehmen; da diese Collation aber emmal vorlag, so hat das Gerechtigkeitsgefühl des Apparates ihnen ihr Mass von Anerkennung nicht vorenthalten. Im übrigen hätte die Belastung des Apparates durch die Aufnahme von P den Text selbst gefährdet.“ — Soweit Neumann.
Etwas später als P, aber noch im Morgenland, sind von A abge- schrieben worden:
3. Codex Venetus Marcianus Nr. 45 saec. XIV. m 49? = M)!, der Archetypus einer grösseren Anzahl von Handschriften, und
4. Codex Venetus Marcianus Nr. 44 saec. XV. (wahrscheinlich vor 1439 entstanden) in fol (— V),:der ebenso wie M die Dankrede und die Bücher gegen Celsus, aber nicht wie M die Exhortatio enthált. Die genannten drei Abschriften von A sind zur Ergänzung des in A jetzt fehlenden fol. 41 und zur Ausfüllung einiger Lücken und Verbesserung corrupter Stellen von Wert. Alle übrigen, direkt oder indirekt auf A zurückzuführenden Handschriften übergehe ich hier? und verweise auf die eingehende Besprechung derselben im ersten Capitel meiner „Text- überlieferung“.
Da also der vollständige Text der Bücher gegen Celsus fast aus- schliesslich auf A beruht, so würden wir nur aus inneren Kriterien ein Urteil über die Güte des uns überlieferten Textes gewinnen können, wenn uns nicht in der indirekten Überlieferung der Philokalia die erwünschte Gelegenheit geboten wäre, unser Urteil sicherer zu be- gründen?. In der von Basilius und Gregor aus den Schriften des Origenes zusammengestellten Blütenlese ist nämlich etwa der siebente Teil des
! Vgl. für Cod. Ven. 45 u. 44 meine „Textüberlieferung“ S. 24ff, und für Ven. 45 oben S. XVI f.
? Zu S. 77 meiner „Textüberlieferung“ trage ich nach, dass nach einer gütigen Mitteilung von W. Kroll vom 1. 3. 1893 der Codex Vaticanus gr. 1742 chartac. 22»«14!/, cm. saec. XV, auf seinen 75 Blättern c. Cels. I—III 25 enthält; Anfang fol. Ir ὠριγένους ἀδαμαντίου zat& χέλσου: — πρὸς τὸν ἐπιγεγραμμένον κέλσου ἀληϑῆ λόγον ὠριγένους τόμος πρῶτος: Ende fol. 75V zul μάλισϑ᾽ ὅτε διὰ τοῦ (I 221, 21). — Gelegentlich werden in meinem Apparat zwei von Delarue mit Vor- liebe benutzte Handschriften erwähnt: 1. Cod. Regius Parisinus gr. Nr. 945 saec. XIV. (— Reg) 2. Cod. Parisinus Suppl. Gr. Nr. 293 saec. XVI. (= Jol) Der erstere ist in meiner ,,Textüberlieferung* S. 49 ff. als Abschrift von P, der zweite ebenda S. 9f. als Abschrift von Ven. 46 (einer Abschrift von M) nachgewiesen worden.
* Vgl zu den folgenden Ausführungen das zweite Capitel meiner ,Text- überlieferung* (S. 78 ff.).
B. Die acht Bücher gegen Celsus. LXVII
Werkes gegen Celsus in unabhängiger, aber auch auf die Originalaus- gabe zurückgehender Überlieferung erhalten. Freilich scheint bereits das von den Excerptoren benutzte Exemplar nicht fehlerfrei gewesen, oder der Text von ihnen oder den späteren Schreibern der Philokalia- Handschriften an einigen Stellen geändert worden zu sein. Doch haben die Excerptoren in Zusätzen und Kürzungen Mass gehalten und im ganzen den Text ihrer Vorlage getreu wiedergegeben.
Die Philokalia ist von den beiden Redactoren dem Bischof Theodor von Tyana unter Beifügung eines Widmungsbriefes übersandt worden. Von dieser Originalausgabe muss man eine zweite, wahrscheinlich im VI. Jahrhundert! entstandene Ausgabe (— R) unterscheiden, auf die der Archetypus aller vorhandenen Philokalia-Handschriften (— ®) zurück- zuführen ist. Hier geht nämlich dem Text der Philokalia ausser der Überschrift noch ein Prolog voraus, der mit einem Fragment jenes Widmungsbriefes an Theodor von Tyana verbunden und in der Ab- sicht hinzugefügt ist, um die Zusammenstellung der Philokalia durch die zwei orthodoxen Väter urkundlich zu erweisen. Der Codex 4 ge- hörte vermutlich dem VII. Jahrhundert an. Denn da die Vorlage von Cod. Ven. 47 nach einer Randnote dieses Codex zwischen S62—866 ge- schrieben ist?, so muss weiter dessen Vorlage, in dem Prolog ,z«Aato- τάτη γε οὐσα" genannt’, doch wohl etwa zwei Jahrhunderte früher ent- standen sein. Demnach ist die Überlieferung der Philokalia an sich als recht günstig zu bezeichnen, da ® zeitlich nicht allzuweit von der Ori- ginalausgabe absteht.
Das Verwandtschaftsverhältnis der zahlreichen Philokalia- Handschriften * ist von J. Armitage Robinson und mir ungefähr gleich-
! Vgl. meine „Textüberlieferung“ S. 130 und ThLZ. 1894 Nr. 1 Sp. 23.
2 Vgl. meine „Textüberlieferung“ S. 120.
> Vgl. Robinson's Philokalia-Ausgabe p. 1 Z. 23.
4 Zu den 54 in meiner „Textüberlieferung“ S. 85—85 aufgezühlten HSS. kommen noch folgende hinzu:
1. Cod. Vaticanus gr. Nr. 1731 chartac. 21><15 em. a) fol. 1—136v Philo- kalia saec. XV., nur Cap. 1—20 wie Vat. 388 und Vindob. 246 enthaltend. b) fol. 137r—158r τοῦ ὁσίου πατρὸς ἡμῶν χκασιανοῦ λόγος περὶ τῶν ἢ λογισμῶν πε- ροἱεγκρατείας [so] γαστρὸς: -- saec. XV. c) fol. 1600r—171r εἰσαγωγὴ δογμάτων στοιχειώδης ἀπὸ φωνῆς Ἰωάννου τοῦ Δαμασχηνοῦ πρὸς Ἰωάννην τὸν ὑσιώτατον xal ἁγιώτατον ἐπίσκοπον Acodızeiag saec. XVII. [mitgeteilt von W. Kroll 1. 3. 1893].
2. Cod. Cahirensis Bibl. Patriarch. Orthodoxi Graecor. Nr. 348 in 4? min. saec. XVL—XVIL, von 4—5 Händen geschrieben. Capp. 21—27 gehen hier den Capp. 1—20 voraus. [Mitteilung von R. Reitzenstein 7. 12. 1898.)
3. Cod. Genuensis, Bibl. della Congregaz. della missione urb. di S. Carlo Nr. 28 saec. XV., vgl. O. Stühlin, Beiträge zur Kenntnis der HSS. des Clemens
E*
LXVIII Einleitung.
zeitig untersucht worden!. Unsere Resultate stimmen in den Haupt- punkten überein. Die massgebenden Handschriften, deren Consensus die Lesarten von ® darstellt, sind folgende:
1. Codex Venetus Marcianus Nr. 47 membran. saec. X]. in 4? (— B), nur die Philokalia enthaltend, von mir 1888 in Venedig verglichen ?. Dieser Codex bietet den relativ besten und dem Text von A (gegen Celsus) am nächsten stehenden Philokaliatext und zeichnet sich auch dadurch aus, dass er allein eine, in allen übrigen Handschriften der Philokalia vorliegende, durch eine Blattversetzung im Archetypus 7 entstandene Textverwirrung? im XXVII. Capitel nicht aufweist. Das Verhältnis zu A (gegen Celsus) und zu den übrigen Philokalia- Hand- schriften ergiebt sich deutlich z. B. aus folgenden Stellen.
I 235,24 καὶ πανοῦργον AB xai καχουργον Pat χαὶ πᾶν xa- χοῦργον CD — EH 248, 12 παρελϑεῖν AB προελϑεῖν Pat CDEH 346, 8 ἐπιδεὲς AB? ἐμδεὲς B! ἐνδεὲς Pat CDEH II 33,20 ἀνῆγε A ἂν ἦγεν B ἀνήγαγεν Pat ἀνήγαγε CDEH.
Von der ersten Hand ist eine zweite, etwa des XIII. Jahrhunderts, und eine dritte, etwa des XV. Jahrhunderts, zu unterscheiden. Die zweite Hand hat den Text der Handschrift durcheorrigiert, teilweise so gründlich, dass die ursprüngliche Lesart nicht mehr zu erkennen ist. Die Correcturen und Varianten der zweiten Hand stammen offenbar aus einer, Origenes gegen Celsus enthaltenden Handschrift. Wir haben hier also ein Beispiel dafür, dass der Philokaliatext nach dem direkt über- lieferten Text der Bücher gegen Celsus corrigiert worden ist. Nun ist aber die Übereinstimmung der Varianten von B? mit A (gegen Celsus) auch in fehlerhaften Lesarten von A so augenscheinlich, dass ich A Alex. S. 11. Inhalt: Protrepticus, Paedagogus II. III des Clemens. Philokalia des Origenes.
4. Cod. Vaticanus Palat. 205 soll aut fol. 266 ff. Fragmente der Philokalia enthalten, vgl. Codices mss. Palat. Graec. p. 107 [Mitteilung von E. Preuschen].
5. Cod. Sinaiticus Nr. 455 (Catal. eod. Graec. Sinait. ser. V. Gardthausen Oxonii 1886) membr. 18><14 saec. XIL—XIIL, an erster Stelle die am Anfang be- schädigte Philokalia enthaltend.
6. Cod. Holmiensis Petavianus [?], vgl. Origenis opera omnia ed. Lommatzsch I p. 163 Anm. 2.
! Vgl. das Vorwort zu Robinson's Philokalia-Ausgabe p. VllIlsq. und zu meiner „Textüberlieferung“ S. IV f.
* Bee, die ausführliche Beschreibung der HS. in meiner „Textüberlieferung“
? Vgl. die Einleitung zu Robinson's Philokalia-Ausgabe p. XVI sq. und meine Besprechung derselben in der ThLZ. 1894 Nr. 1 Sp. 22.
B. Die acht Bücher gegen Celsus. LXIX
selbst als Quelle von B? bezeichnen möchte!. Noch älter als B, jedoch geringer an Wert ist:
2. Codex Patmius Nr. 270 membran. saec. X. exeunt, in 4? (= Pat [= A bei Robinson])?, enthaltend a) von fol. 1—185" die Philo- kalia, am Anfang beschädigt b) von fol 185Y—230r σχόλια εἰς τὰς παροιμίας c) von fol 2317—435" ein Verzeichnis einiger Werke des heil. Gregor und Scholien zu einigen seiner λόγοι. Diesen Codex hat J. Armitage Robinson 1887 für seine Ausgabe verglichen und mir seine Collation für die vorliegende Ausgabe freundlichst zur Verfügung ge- stellt. Cod. Pat steht B näher als die übrigen Handschriften, stammt aber, da er die oben erwähnte Textverwirrung im XXVII. Capitel auch hat, nicht direkt, sondern durch ein Mittelglied y (etwa saec. VIII.) von ® ab. Jünger als B und Pat und etwa dem Codex A (gegen Celsus) gleichalterig ist:
3. Codex Parisinus Suppl. Grece Nr. 615 membran. saec. XIII. 276><195 mm. (— C), nur die Philokalia enthaltend. Der Codex ist von mir 1887 hier verglichen worden?. Leider ist eine grössere Anzahl von Blättern verloren gegangen, doch bietet Codex Basil. Nr. 31 (A III 9), eine Abschrift von C, Ersatz für das Fehlende. Nah verwandt mit C ist:
4. Codex Venetus Mareianus Nr. 122 bombye. a. 1343 in 4? maior. (— D) Inhalt: a) Cyril gegen Julian B. I—V b) Cynll gegen die Anthropomorphiten c) eine Schrift des Photius περὶ τῶν γνωμικῶν ϑελημάτων ἐπὶ Χριστοῦ d) Brief des Patriarchen Thomas an die Arme- nischen Ketzer e) von fol. 289"—3777 die Philokalia. Dies letzte Stück des Codex habe ich 1888/9 hier collationiert. Die beiden Handschriften C und D gehen auf denselben, ungefähr dem XI. Jahrhundert angehörigen Archetypus A zurück. Den genannten Handschriften ferner stehen die zwei folgenden unter einander,eng verwandten Handschriften:
5. Codex Venetus Mareianus Nr. 48 chartac. saee. XIV.—XV. in 40 (— E), nur die Philokalia enthaltend, und
6. Codex Parisinus Nr. 456 chartae. a. 1426 in 49 (— H)5, mit dem Inhalt: a) von fol. 2r—96* Philokalia b) Arrian's Anabasis und In-
!.Man vergleiche besonders den Apparat zu c. Cels. I 63 (I 116, 2). IV 83 (I 354, 2) und meine „Textüberlieferung“ S. 154 f.
2 Die genauere Beschreibung s. in meiner „Textüberlieferung“ S. 121 ff.
3 Vgl. die Beschreibung in meiner ,Textüberlieferung** S. 89—92.
4 [n den aus den Büchern gegen Celsus entnommenen Stücken fehlen in € nur wenige Blütter, sodass im Apparat Cod. Bas. nieht berücksichtigt zu werden brauchte. Cod. Bas, ist schon oben S. XVI erwähnt.
5 Vgl. die Beschreibung von H in meiner „Textüberlieferung“ S. 101 ff, und von E ebenda S. 111 f.
LXX Einleitung.
diea c) ein Fragment aus Diodor d) 26 sechsfüssige Jamben des Mönchs Bessarion. Ich habe die beiden Handschriften E und H 1887—1888 für den Philokaliatext hier verglichen. Sie sind die relativ besten Ver- treter einer dritten sehr grossen Gruppe von Philokalia-Handschriften, deren Archetypus x, der ungefähr dem XIII. Jahrhundert angehört, mit 4, dem Archetypus von CD, aber nicht wie dieser direkt, sondern durch Vermittelung eines oder mehrerer Zwischenglieder auf eine gemein- same, etwa dem IX. Jahrhundert zuzuweisende Quelle, die ich @ nenne, zurückgeht. Dieser Codex @ aber hat mit Cod. Patmius einen gemein- samen Archetypus y etwa saec. VIII. gehabt, dessen Vorlage 6, der Archetypus aller vorhandenen Philokalia-Handschriften (also auch der Archetypus von z saec. IX., der Vorlage des Codex B), gewesen sein muss. Danach lässt sich folgender Stammbaum! der für den Text der Philokalia wiehtigsten Handschriften aufstellen; die von Robinson ge- brauchten Abkürzungen füge ich in eckigen Klammern bei.
Saec.
IV Originalausgabe
|
VI Recension mit Prolog und Brieffragment (R) vi —9 ld
XI Ven. 47 (B) i [s] u XII | | | XIII Par.618(C) \ x [d] XIV Ven. 122 (D)
Ven. 48 (E) XV Par. 456 (H)
Der Wert der indirekten Textüberlieferung in der Philokalia besteht darin, dass sie zur Beurteilung und Verbesserung der direkten
1 Derselbe unterscheidet sich von dem, meiner ,Textüberlieferung* beige- gebenen in dem Hauptpunkte, dass ich jetzt B und Pat nicht mehr direkt aus derselben gemeinsamen Quelle z ableite, sondern den Archetypus von B und den Archetypus von Pat mit Robinson (Philokalia-Ausgabe p. XXVI) auf Φ als den Archetypus zurückführe. I
B. Die acht Bücher gegen Celsus, LXXI
in À mit Nutzen herangezogen werden kann. Denn der Philokaliatext ist — abgesehen von den Correcturen der zweiten Hand in B — durch den direkt überlieferten Text nicht beeinflusst worden!, und anderer- seits finden sich auch in À nur wenige und spüte Correcturen nach der Philokalia vor?. Wir sind also im Stande, die direkte Textüberliefe- rung dureh Vergleichung mit dem Philokaliatext auf ihre Güte zu prüfen. Das Resultat der von Robinson und mir unabhängig geführten Unter- suchung lautet übereinstimmend, dass die direkte Überlieferung an Wert der indirekten voransteht?. Daher darf zwar an einzelnen Stellen der Text der Philokalia zur Correetur von offenbaren Fehlern oder zur Ausfüllung von Lücken verwendet werden, in zweifelhaften Fällen muss aber der Text von A den Vorzug erhalten. Zahlreiche Beispiele hierfür findet man im Apparat meiner Ausgabe, einige auch im dritten Capitel meiner „Textüberlieferung*. Zur Ergänzung meiner da- maligen Ausführungen und zur Correctur des dort auf S. 133 Bemerkten verweise ich auf meine Abhandlung: Ein Fragment des Origenes?, wo ich festgestellt zu haben glaube, dass ein längeres Stück des Textes von Origenes c. Cels. VI 77 (II 148, 1—149, 16) in A wohl infolge des Ver- lustes eines Blattes seiner Vorlage fehlt und uns nur durch die Philo- kalia erhalten ist.
Wenn wir nun da, wo A und $ zusammenstimmen, den Text von Origenes c. Cels., wie er in der Recension des Eusebius oder etwas spüter vorlag, erkennen müssen, so gewührt uns die Vergleichung der direkten und der indirekten Überlieferung auch die Möglichkeit, die Güte jener Recension zu prüfen. Im allgemeinen wird man behaupten können, dass der Text des IV. Jahrhunderts mit dem Originaltext iden- tisch gewesen ist; er hat aber doch auch Fehler und Varianten ent- halten, wie folgende Stellen zeigen.
! Vgl. meine ,,Textüberlieferung* S. 134 f.
2 Vielleicht stammt c. Cels. V 45 (II 48, 18) die Correctur ve» (von zweiter Hand) aus dem Philokaliatext; sicher sind Varianten desselben V 46 (II 50, 13—51, 2 von dritter (Bessarion's?) Hand beigeschrieben worden.
3 Vgl. Robinson's Philokalia-Ausgabe, Einleitung p. XXIX sq. und meine »lextüberlieferung* S. 155.
4 Vgl. z. B. die Variante der Philokalia βλασφημούμενοι für δυσφημούμενοι V 63 (II 66, 24). Nach wiederholter Prüfung halte ich es jetzt für wahrschein- licher, dass c. Cels. V 30 (IL 32, 6 £) die Worte: χατὰ τὰ ὑπεραιρόμενα ὑψώματα χατὰ τῆς γνώσεως toU ϑεοῦ doch ein Zusatz von y, und deshalb im Text zu streichen sind.
5 In der Festschrift des Jenaer Gymnasiums zur 350jührigen Jubelfeier des Eisenacher Gymnasiums am 18, October 1894, Jena Neuenhahn 1894, S. 51—958.
LXXII Einleitung.
I 61, 9 τὸ] τῶι A τῶ Φ 264, 11 ἂν hinter ἀμαϑίαν vielleicht — AD 351, 5 αἱρέσεις A αἱ αἱρέσεις Φ, vielleicht ἀναιρέσεις richtig 355, 18 vielleicht ist in AD δηλοῦσα ausgefallen 363, 11 wahrscheinlich ist xat in ἃ ausgefallen
Il 49, 9 τούτων A τῶν ὀνομάτων B, ursprünglich wohl: τούτων
mit der Correctur τῶν ὀνομάτων darüber oder am Rand
50, 2 μεταλαμβάνοντες uiv) uevcaAougavouev A ueralauße- νόμενον uir Φ
72, 11 o? EH (d.h. x oder u durch Conjectur) « A PatBCD
145, S οὐδὲ δόξα ... εἶχεν εἶδος wohl wegen Homoioteleuton im Archetypus von AB ausgefallen
210, 14 Πλάτων hat schon im Archetypus von A® gefehlt.
Andere Stellen sind zweifelhafter. So kann z. B. 1360, 7 τὰ ϑεῖα von Origenes geschrieben sein, während man nach I 371, 4 τὸ ϑεῖον er- warten sollte; und 1244, 12 haben die Worte: xai τὰ ἀσϑενῆ ... τὰ ἰσχυρά aus I Kor. 1, 27 wahrscheinlich schon in der Originalausgabe ge- fehlt, da sie Origenes auch an einer andern Stelle (II 74, 7) in demselben Citat übergeht.
Die bisherigen Ausgaben! der Bücher gegen Celsus beruhen auf direkten oder indirekten Abschriften von A. Da diese aber den Text von A im allgemeinen treu und ohne wesentliche Veränderungen wiedergeben, so weist auch der gedruckte Text nicht allzu viele und nicht allzu erhebliche Fehler auf. Der Hauptmangel besteht in der un- vollstándigen und unkritischen Heranziehung des Philokaliatextes.
1. Die editio princeps des griechischen Textes ist von David Hoeschel Augsburg 1605 besorgt?; Hoeschel hat als Druckexemplar den Cod. Mon. Aug. Nr. 517, eine Abschrift von M, und daneben Cod. Mon. Nr. 64, auch eine Abschrift von M, und Cod. Palat. Vat. Nr. 309, eine Ab- schrift von V, benutzt.
2. Ein Abdruck der Ausgabe von Hoeschel ist die von Spencer
! Vgl. Fabricius-Harless, Bibl. gr. vol. VII p. 207 sqq., Delarue, Origenis opera omnia I p. IX sqq., Redepenning, Origenes II 472 ff. und meine „Textüberliefe- rung“ S. 1f.
? Der Titel lautet: Origenis contra Celsum libri VIII et Gregorii Neocaesar. Thaumaturgi Panegyricus in Origenem. A Davide Hoeschelio, ex bibliothecis Elect. Palat. Boica et Aug. Graece et Latine nunc primum editi. Accessere notae et in- diees, Augustae Vindelicorum MDCV. (Als zweiter Teil folgt hinter dem griech. Text der beiden Schriften die lat. Übersetzung „Sigismundo Gelenio interprete* p. 1—456, als dritter: p. 467—496 Notae Davidis Hoeschelii ad Origenis VIII libros contra Celsum.)
B. Die acht Bücher gegen Celsus. LXXIII
(Origenis contra Celsum libri octo. Eiusdem Philocalia. Guilelmus Spencerus Cantabrigiensis ete. etc. recognovit ete. Cantabrigiae 1658, 2. Auflage 1677). Neben dem griechischen Text steht die lateinische Übersetzung des Sigism. Gelenius; der besonders numerierten Philokalia folgen „Spenceri Annotationes“ zu Origenes gegen Celsus und zur Philo- kalia, endlich ,, Notae Hoeschelii et Tarini“, aus deren Ausgaben abgedruckt.
9. Die bis jetzt massgebende Ausgabe des Benedictiners C. Delarue (Origenis opera omnia, tom. I Parisiis 1733 p. 315—799) bietet einen besseren Text als Hoeschel und Spencer. Delarue erklärt, die Collationen von acht Handschriften ! zu Grunde gelegt zu haben, stützt sich aber besonders auf Cod. Reg. Parisinus Nr. 945 (— Reg), Cod. Basil. Nr. 31 (A III 9), zwei Abschriften von P, und auf Cod. Jol. Parisinus Nr. 299 (— Jol) eine indirekte Abschrift von M, während A nur selten berück- sichtigt wird. Dem Text beigegeben ist eine lateinische Übersetzung von Vincent Thuillier2. Wertvoll ist Delarues Ausgabe wegen der Be- nutzung von Bouhéreaus ,Notae et Conjecturae ad Textum Origenis eontra Celsum“ (Anhang der französischen Übersetzung "desselben p. 365—452).
4. Ohne selbständigen Wert sind die Wiederholungen des Delarue- schen Textes von Oberthür (SS. Patrum opp. polem. vol. VII sqq.), Lom- matzsch (tom. XVIII—XX seiner Gesamtausgabe) unà Migne (Patrol. Gr. tom. XD).
5. Meine Ausgabe unterscheidet sich von den früheren dadurch, dass sie zum ersten Male einen — so weit dies bei unserer handschrift- lichen Überlieferung möglich ist — kritisch gesicherten Text bietet. Zu Grunde liegt der Text von Codex A, der für Buch I—llI in den Jahren 1888 und 1891 von mir, für Buch IV—VIII im Jahre 1891 von K. J. Neumann in Rom collationiert worden ist. Von den Abschriften von A habe ich PMV Reg vollständig, die meisten andern Abschriften teilweise verglichen, um das Verwandtschaftsverhältnis festzustellen und eventuell Conjeeturen und Verbesserungen der Schreiber verwerten zu können. Die Collationen der wichtigsten Philokalia-Handschriften für die aus den Büchern gegen Celsus entnommenen Stücke rühren — abge- sehen vom Codex Patmius, dessen Lesarten ich nur aus Robinson 5 Collation kenne — ebenfalls von mir her. Den oben angeführten Grund- sätzen entsprechend habe ich da, wo die Philokalia einen Parallel-
! Vgl. meine „Textüberlieferung“ S. 2f.
2 Vgl. Delarue's Praefatio tom, I p. XII.
3 Vgl. die Praefatio Delarue's tom. I p. XI. Die von Delarue auch benutzten Bemerkungen des Jesuiten Guiet stehen an Wert hinter denen von Bouhéreau weit zurück.
LXXIV Einleitung.
text bietet, in der Regel die Lesarten von ἃ bevorzugt. In meinem Apparat habe ich alle Varianten von A, auch offenbare Fehler, ab- weichende Aecentuation u. dgl. angegeben, dagegen bei den Philokalia- Handschriften Schreibfehler und unwesentliche Varianten weggelassen. , Trotzdem ist mein Apparat hier etwas reichhaltiger als der von Robinson in seiner Philokalia-Ausgabe; besonders über Cod. Pat habe ich, weil dieser Codex nur wenigen zugänglich ist, alles mitgeteilt, was die mir von Robinson zur Verfügung gestellte Collation enthielt. Ferner sind in meinem Apparat die Varianten der Ausgabe von Delarue vollständig, die der Ausgaben von Hoeschel und Spencer in Auswahl, endlich auch irgendwie bemerkenswerte Lesarten von Abschriften des Codex A auf- genommen worden.
Die Philokalia ist zuerst von Joh. Tarinus 1619 aus dem Codex Parisinus gr. Nr. 458 saec. XVI. sehr mangelhaft herausgegeben worden. Wir besitzen jetzt in der Ausgabe von J. Armitage Robinson (The Philoealia of Origen, Cambridge 1893 in 8°), die die wichtigsten Vari- anten im abgekürzten Apparat enthält, den durch sorgfältige kritische Arbeit hergestellten Philokaliatext, dessen wir zur Vergleichung mit dem direkt überlieferten Text bedürfen. Ich habe in meiner Ausgabe rechts am Rand an den betreffenden Stellen Robinson's Seiten- und Zeilenzahlen hinzugefügt.
Zum Schluss mögen noch die wichtigsten Übersetzungen auf- gezählt werden. Ausser den schon genannten lateinischen Übersetzungen von Gelenius und Thuillier sind drei zu erwähnen.
1. Die älteste, später fast unverändert in Merlin’s lateinische Ausgabe übernommene lateinische Übersetzung des Christophorus Per- sona, Rom 1481 in fol. min., ist nach Codex A angefertigt und deshalb von besonderem Wert.
2. Die französische Übersetzung von Elie Bouhéreau (Boherellus) mit dem Titel: Traite d’Origene contre Celse. Ou defense de la Religion Chretienne contre les accusations des Paiens ... A Amsterdam 1700 in 4° ist wichtig wegen der beigegebenen, von Delarue benutzten „Notae et Conjeeturae ad Textum Origenis contra Celsum* p. 365—452.
3. Die erste deutsche Übersetzung von Johann Lorenz Mosheim (Origenes ... Acht Bücher von der Wahrheit der Christlichen Religion wider den Weltweisen Celsus ... Hamburg 1745 in 49) die auch gute sachliche Bemerkungen enthält, ist immer noch die beste. Die Arbeit des gelehrten, gescheiten und geschmackvollen Theologen ist auch heute noch nicht veraltet.
>
C. Die Schrift vom Gebet. LXXV
C. Die Schrift vom Gebet. L Zeit, Ort und Zweck der Abfassung.
Während wir bei der Schrift vom Martyrium und den Büchern gegen Celsus die Zeit der Entstehung genau bestimmen konnten, sind wir bei der Schrift vom Gebet nur auf mehr oder weniger wahrschein- liche Vermutungen angewiesen. Die Schrift selbst, sowohl in ihrer ganzen Anlage wie im einzelnen, setzt offenbar langjährige und gründ- liche theologische Studien voraus; Origenes weist auch deutlich auf solehe Studien hin, z. B. mit den Worten: πολλάκις δέ μοι ἐπῆλϑεν ἀπορεῖν, συγχρούοντι δύο λέξεις ἀποστολικὰς, πῶς συντέλεια αἰώνων ἐστὶν xvA.|, und verrät an einer andern Stelle? genaue Bekanntschaft mit den griechischen Übersetzern des Alten Testaments.
Den ersten Anhalt zur Bestimmung des terminus post quem bieten uns folgende Worte3: οὐκ οἶδ᾽ ὅπως tavtoic τινες ἐπιτρέψαντες τὰ ὑπὲρ τὴν ἱερατικὴν ἀξίαν, τάχα μηδὲ ἀχριβοῦντες τὴν ἱερατικὴν ἐπισ- τήμην, αὐχοῦσιν ὡς δυνάμενοι καὶ εἰδολολατρείας συγχωρεῖν μοιχείας TE καὶ πορνείας ἀφιέναι, ος διὰ τῆς εὐχῆς αὐτῶν περὶ τῶν ταῦτα τετολμηκότων λυομένης καὶ τῆς ,z90c ϑάνατον“ ἁμαρτίας κτλ. Wer ist unter diesen τινές zu verstehn? Redepenning* denkt an Con- fessoren und Märtyrer, die sich eine derartige Machtvollkommenheit an- gemasst hätten; diese Ansicht ist aber falsch, da die Ausdrücke ἱερα- τικὴ ἀξία und ἱερατικὴ ἐπιστήμη nur von Priestern, die ihre Amts- befugnisse überschritten, gebraucht sein können. Mit Recht hat man daher in den Worten des Origenes allgemein eine scharfe Kritik des römischen Bischofs Callistus und seiner von Hippolytus bekämpften laxeren Auffassung von Busse und Sündenvergebung gesehn’. Sollte aber bei Origenes nur Callistus gemeint sein? Dann wäre doch anzu- nehmen, dass er ihn in ähnlicher Weise wie Tertullian ® angegriffen und bezeichnet hätte. Der Plural weg gestattet wenigstens, wie mir scheint, ausser Callistus (ca. 217—222) auch seine Nachfolger Urbanus
1 Cap. 27, 15 (II 374, 1 ff).
2 Cap. 27, 7 (II 367, 4 f£).
3 Cap. 28, 10 (II 381, 12 f£).
1 Origenes II 416 Anm. 5.
5 Vgl. I. Dóllinger, Hippolytus und Kallistus, Regensburg 1853, S. 256. J. Langen, Gesch. d. röm. Kirche, Bonn 1881, S. 244. Harnack, Dogmengesch. 1 332 Anm. 3. 333. 338 Anm.
5 De pudicit. Cap. 1 a. A.
EXE Einleitung.
(222—230) und Pontianus (230—235), unter denen das Hippolytische Schisma weiter bestand, mit einzubegreifen.
Die Abfassung der Schrift vom Gebet aber nach dem Jahre 230 anzusetzen legt uns folgende Stelle! geradezu nahe: περὶ τούτων [scil. Gen. 3, 8. 9] δὲ ἐπὶ πλεῖον διειλήφαμεν, ἐξετάζοντες và εἰς τὴν Γένεσιν. Da nämlich Origenes nur die vier ersten Capitel der Genesis? in drei- zehn (oder zwölf) Büchern? commentiert hat, zu Anfang aber so aus- führlich verfahren ist, dass er Gen. 1, 14. 16—18 erst im dritten Buche behandelte*, so dürfte die Exegese von Gen. 3, 8. 9 kaum früher als im neunten Buche gestanden haben. Die ersten acht Bücher sind nun noch in Alexandria?, also vor 231 (232) verfasst, die übrigen nach 231 (232) in Caesarea. Da aber Origenes in der oben eitierten Stelle von seinem Genesis-Commentar als einem abgeschlossenen Werk redet, so müssen wir die Entstehung der Schrift vom Gebet einige Jahre später als 231 annehmen. Dieses Resultat wird bestätigt durch folgende Verweisung des Origenes 6: εἰ γὰρ ἕτερος, ὡς ἐν ἄλλοις δείκνυται, κατ᾽ οὐσίαν καὶ ὑποκείμενόν ἐστιν ὃ υἱὸς τοῦ πατρὸς κτλ. Die Worte: oc ἐν ἄλλοις δείκνυται kónnen, da hier das Prüsens gesetzt ist, nur auf ein Werk, mit dem Origenes damals noch beschäftigt war, d. h. auf den Johannes- Commentar gedeutet werden. ‘Dort heisst es?: δηλοῦντα ἕτερον εἶναι τὸν ἐγείραντα παρὰ τὸν ἐγηγερμένον. .... μὴ διαφέρειν τῷ ἀριϑμῷ τὸν υἱὸν τοῦ πατρὸς, ἀλλ ἕν οὐ μόνον οὐσίᾳ ἀλλὰ καὶ ὑποκειμένῳ τυγχάνοντας ἀμφοτέρους χτλ., diese Worte scheint also Origenes un- gefähr gleichzeitig mit der Schrift vom Gebet oder nur wenig später geschrieben zu haben. Da nun die ersten fünf Bücher des Johannes- Commentars in Alexandria®, Buch VI—XXI aber in Caesarea zwischen 232 und 235 verfasst sind‘, so kann man für das X. Buch und für die Schrift vom Gebet etwa 233/4 als Entstehungszeit vermuten.
Aus einer andern Stelle 10 gewinnen wir ferner, wie Ceillier zuerst
1.Cap. 23, 4 (II 352, 7 £.).
2 Vgl. Origenes c. Cels. VI 49 (II 120, 20 f£).
3 Vgl. Redepenning, Origenes I 386.
^ Vgl. die Fragmente aus Buch III bei Lomm. vol. VIII p. 7 u. 44.
5 Euseb., Hist., eccl. VI 24, 2.
6 Cap. 15, 1 (II 334, 4 f.).
7 tom. X 21 (37) (I 350 ed. Lomm., I 231, 8 ff. ed. Brooke).
$ Vgl. Origenes, Comm. in Joh. tom. VI 1 (2) (I 175sq. ed. Lomm., 1 109 sq. ed. Brooke) Euseb., Hist. eccl. VI 24, 1.
? Vgl. Euseb., Hist. eccl. VI 28 und meine Ausgabe der Dankrede des Gre- gorius Thaumaturgus S. XIII f.
10. Cap. 3, 3 (II 305, 20—22).
on
C. Die Schrift vom Gebet. LXXVII
bemerkt hat!, einen terminus ante quem. Der in den Worten: δεὰ τί δὲ 00% εἴρηται, “καὶ ηὔξατο" Oc ἐπὶ τῶν προτέρων ἀλλ᾽ οἐξεπέτασε τὰς χεῖρας πρὸς κύριον“, εὐχαιρότερον ἐν ἄλλοις ἐξεταστέον angekün- digte Exodus-Commentar wird in dem Prolog zum Hohelied? als vor- handen erwühnt; das Hohelied begann aber Origenes 240 in Athen zu bearbeiten?; also ist der Exodus-Commentar vor 240, und noch früher die Schrift vom Gebet entstanden. Hierzu kommt endlich die Beobach- tung, dass in der Schrift vom Gebet nirgends vom Martyrium die Rede ist, obwohl mehrmals dazu Gelegenheit gewesen wäre. Wir müssen also vermuten, dass während der Abfassung der Schrift vom Gebet die Maximinische Verfolgung noch nicht begonnen hatte, und kommen damit zu demselben Resultat wie oben. Ich glaube also die Entstehung der Schrift mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit im Jahre 233/4 ansetzen zu können.
Ist diese Zeitbestimmung im allgemeinen richtig, so unterliegt es keinem Zweifel, dass die Schrift vom Gebet ebenso wie die vom Mar- tyrium und die gegen Celsus in Caesarea Palaestina, dem damaligen Aufenthaltsort des Origenes, entstanden ist.
Den Anlass für Origenes, dieses Thema zu behandeln, während er doch, wie wir oben gesehen haben, gerade mit Abfassung des Johannes- Commentars beschäftigt war, gab eine schriftliche Aufforderung seines Freundes und Gónners Ambrosius, ein Urteil über diejenigen auszu- sprechen, von welehen Erfolg und Wirksamkeit der Gebete geleugnet würde”. Die Antwort des Origenes erweiterte sich zu der uns vor- liegenden Abhandlung. Sie ist an Ambrosius und Tatiana, eine dem Ambrosius nahe stehende Christin‘, in deren Namen wohl Ambrosius
! Histoire générale des auteurs sacrés et ecclésiastiques, tom. II 653 (bei Rede- penning, Origenes II 32 Anm. 2).
? [n der Ausgabe von Lomm. tom. XIV p. 314.
3 Vgl. Euseb., Hist. ecel. VI 32, 2.
4 Vgl. II 359, 9 ff. 369, 13. 382, 5 ff. 20ff. Die Ausdrucksweise ist bier so farblos, dass Origenes die Gefahren der Maximinischen Verfolgung nicht eben erst erlebt haben kann.
5 Cap. 5, 1 (IT 308, 3—5): εἰ χρὴ τοίνυν μετὰ ταῦτα, ὥσπερ ἐχελεύσατε, ἐχ- ϑέσϑαι τὰ πιϑανὰ πρῶτον τῶν οἰομένων μηδὲν ἀπὸ τῶν εὐχῶν ἀνύεσϑαι καὶ διὰ τοῦτο φασχόντων περισσὸν εἶναι τὸ εὔχεσϑαι. . . Cap. 5, 6 (II 311, 8f): χείσϑω δὲ ἐν τοῖς παροῦσιν αὐταῖς λέξεσιν ἵπερ διὰ τῶν πρός μὲ γραμμάτων ἔταξας χτλ.
9 Gattin des Ambrosius kann sie nicht gewesen sein, vgl. II 295, 10 f£, wohl auch nicht seine Schwester, vgl. II 403, 4; denn der Ausdruck: ἐν ϑεοσεβείᾳ ἀδελ- φοί bezeugt nur die enge christliche Gemeinschaft der beiden; das geschwister- liche Verhültnis würde Origenes anders bezeichnet haben.
LXXVIII Einleitung.
mit angefragt hatte, gerichtet und verfolgt den Zweck, nicht nur die von Ambrosius erwähnte Ansicht vom Gebet als falsch und ketzerisch! zu erweisen, sondern überhaupt alle den Ursprung, das Wesen, die äussere Form und den Inhalt des Gebets betreffenden Fragen zu erórtern und in Verbindung damit das Muster aller Gebete, das Vaterunser, auszu- legen.
II. Inhalt und Gliederung.
Da die Schrift vom Gebet die Antwort auf eine Anfrage des Am- brosius bildete, so hat sie wohl wie die Schrift vom Martyrium äusser- lich die Form eines Sendschreibens gehabt, d. h. anstatt der Über- schrift nur die Namen des Absenders und der Empfänger aufgewiesen. Die Überschrift Περὶ εὐχῆς ist erst hinzugekommen, als das Send- schreiben — vielleicht auf Veranlassung des Ambrosius — in weitern Kreisen verbreitet wurde; sie ist von Origenes selbst in den Worten: περὶ εὐχῆς προχειμένου ἡμῖν τοῦ A0yov? angedeutet und wohl auch daraus von dem Herausgeber entnommen worden.
Die ganze Abhandlung zerfällt dem Inhalt nach in zwei Teile, die Origenes so bezeichnet: εἰς τὸ τῆς εὐχῆς πρόβλημα xci εἰς τὴν ἐν τοῖς εὐαγγελίοις εὐχὴν τά τε πρὸ αὐτῆς παρὰ τῷ ατϑαίῳ εἰρημένα. Der äusseren Anlage nach muss man aber drei Teile unterscheiden, da Origenes nach der Auslegung des Herrengebets noch einige Nachträge zu seinen Ausführungen über τὸ περὶ τῆς εὐχῆς πρόβλημα giebt!. Da- nach lässt sich die folgende Gliederung der Schrift aufstellen 5.
Einleitung. Cap. 1
Der Satz, dass dem ees das, was ihm allein unmöglich ist, dureh Gottes Gnade und die Mitwirkung Christi und des heiligen Geistes möglich gemacht wird, gilt auch vom Gebet. Paulus sogar sagt, dass wir nicht wissen, was und wie wir beten sollen (Röm. S, 26), giebt aber auch an, wer den Menschen hilft (Röm. S, 26. 27). Das Unzureichende menschlicher Kraft sah ebenso der Jünger ein, der den Herrn um Be- lehrung über das Gebet ansprach (Luk. 11, 1).
1 Vgl. Cap. 5, 1 (II 308, 19 ft.).
2 II 298, 21, vgl. auch die Worte: ἀρχτέον ovv ἤδη τοῦ περὶ τῆς tUyuc λόγου II 304, 1f.
3 Cap. 34 (II 303, 1—3).
^ Cap. 31, 1 (II 395, 13 f£): δοχεῖ δέ μοι μετὰ ταῦτα οὐκ ἄτοπον εἶναι ὑπὲρ τοῦ πληρωϑῆναι vo περὶ τῆς εὐχῆς πρόβλημα διαλαβεῖν κτλ.
5 Vom II. Teil giebt Redepenning (Origenes II 48 ff.) ein gutes Referat.
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C. Die Schrift vom Gebet. VIXSXPXI
I. Allgemeiner Teil über das Gebet. Cap. 3—17.
1. Der Name und die Bedeutung von εὐχή und προσευχή (Cap. 3. 4). Zweck, Notwendigkeit und Nutzen des Gebets (Cap. 5—13).
2.
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a.
b.
Wenn die Gegner des Gebets! einwenden: Gott kennt unsere Bedürfnisse auch ohne unser Gebet und: Gott hat alles vor- her bestimmt (Cap. 5), so stehen dem die Lehre vom freien Willen (Cap. 6—8, 1) und die Stellen der heiligen Schrift ent- gegen, die den Nutzen des Gebets beweisen (Cap. 8, 2—10, 2).
. Die Notwendigkeit des Gebets erhellt daraus, dass Christus
und die Engel, speciell der Schutzengel jedes einzelnen Menschen (II 324, 851), mit uns beten. Darum soll unser ganzes Leben, wie es das Leben Jesu war, ein Gebet sein (Cap. 11—13, 1).
. Von dem Nutzen des Gebets legt die Erfahrung der noch
Lebenden und die heilige Schrift in Berichten über heilige Männer und Frauen der Vergangenheit Zeugnis ab (Cap. 13,2—5).
. Inhalt und Art des Gebets (Cap. 14—17).
a.
Um was wir bitten sollen, sagt uns das Wort: αἰτεῖτε τὰ μεγάλα... καὶ αἰτεῖτε và ἐπουράνια (Cap. 14, 1. 16, 1—17, 2). Wie wir beten sollen, zeigt uns eine an I Tim. 2, 1 ange- knüpfte Besprechung der Ausdrücke: δέησις, προσευχή, ἔν- τευξις, εὐχαριστία (Cap. 14, 2—5).
. Àn wen wir die verschiedenen Gebete richten dürfen, ist ge-
nau zu erwügen. Die προσευχή gebührt nur Gott, nicht Christus; durch ihn aber gelangt das Gebet zu Gott-Vater (Cap. 14, 6. 15, 1— 4).
Il. Specieller Teil über das Vaterunser. Cap. 18— 90.
. Matthäus (6, 9—13) und Lukas (11, 2—4) überliefern nieht das-
selbe Gebet (Cap. 18, 2. 3).
.In der Einleitung zum Vaterunser (Matth. 6, 5—8) lehrt
uns Jesus, wo und wie man beten soll (Cap. 19— 21):
a. b.
. < y "c 5 . Auslegung der einzelnen Bitten des Vaterunsers (Cap.
nicht auf den Gassen oder in den Synagogen (Cap. 19. 20), man soll nicht viel Worte machen (Cap. 21).
22—30):
a.
b.
Die Anrufung Gottes (Cap. 22. 23), Die erste Bitte (Cap. 24),
! Vgl. oben S, LXXVII Anm. 5.
LXXX Einleitung.
e
Die zweite Bitte (Cap. 25), . Die dritte Bitte (Cap. 26), e. Die vierte Bitte (Cap. 27): «. unter ἄρτος ist nach dem Johannes-Evangelium der Logos zu verstehn (Il 364, 3 f), B. ἐπιούσιος ist von οὐσία (II 367, 9 ff.), ficit von ἐπιέναι (II 372, 21£.) abzuleiten, γ. ἀμ Ξ ΟΣ ist = ὁ πᾶς οὗτος αἰών (II 372, 18); f. Die fünfte Bitte (Cap. 28): α. wir haben Verpflichtungen gegen Menschen und gegen Gott (Cap. 28, 2— 5), B. wir sind zu jeder Zeit Schuldner, so wie man auch uns schuldet (Cap. 28, 6. 7), y. wir müssen vergeben, dass uns vergeben werde; Todsünden aber dürfen nicht vergeben werden (Cap. 28, 8—10); . Die sechste und siebente Bitte (Cap. 29. 30): a. das ganze Leben ist voll von Versuchung (Cap. 29, 1— 8. 10), daher die Bitte um Erlösung davon berechtigt (Cap. 29, 9); 8. wie kann aber der gute Gott in Versuchung führen (Cap. 29, 11—16)? y. Der Nutzen der Versuchung ist offenbar (Cap. 29, 17. 18), 9. aber auch die Bitte um Erlösung von dem Bösen begründet (Cap: 30, 122).
e
qa
il. Nachtrag zum allgemeinen Teil über das Gebet. Cap. 31—33.
. Stimmung und Haltung des Betenden (Cap.' 31, 2,03
2. Der Ort, wo man beten soll (Cap. 31, 4— 7).
3. Die Himmelsgegend, nach welcher sich der Betende wenden soll (Cap. 32).
4. Die einzelnen Teile des Gebets (δοξολογία, εὐχαριστία, ἐξομο- λόγησις, αἴτησις σὺν δοξολογίᾳ) und ihre Reihenfolge, mit Bei- spielen aus der Bibel (Cap. 33).
-—
Schluss. Cap. 34. Hier spricht Origenes die bescheidene Bitte aus, Ambrosius und Tatiana móchten sich einstweilen mit dem von ihm Gebotenen begnügen, bis er Besseres darzubieten im Stande sei (Cap. 34).
Origenes hat, wie die Schlussworte zeigen, die Mängel seines Send- schreibens wohl erkannt; sie betreffen aber nur die äussere Form und
C. Die Schrift vom Gebet. IDCXXI
Anlage. Wir vermissen eine klare und streng durchgeführte Disposition und die innere Einheit. Wie in der Schrift vom Martyrium, so wird auch hier öfter Zusammengehóriges getrennt, oder Origenes wiederholt sich. Dies erklärt sich daraus, dass Origenes mehreres vereinigen wollte: zunüchst wollte er die Anfrage des Ambrosius und der Ta- tiana beantworten und ihre Zweifel zerstreuen, dann das Gebet im allgemeinen behandeln, endlich eine Auslegung des Herrengebets geben. Letzteres ist ihm wohl die Hauptsache gewesen; aber auch die allge- meinen Erörterungen über das Gebet beanspruchten einen ziemlich grossen Raum.
Auch dieses Werk des Origenes ist eine rasch entworfene und in kurzer Zeit vollendete Gelegenheitsschrift; und doch ist ihre Bedeutung als recht gross zu bezeichnen. Sie enthält vor allem theologische Reflexionen, die für die Gesamtanschauung des Origenes wichtig sind, sie lässt uns ferner deutlicher als andere Werke die ganze Innigkeit und zugleich Strenge der religiósen Empfindung des Origenes erkennen, sie bietet endlich in der grossen Anzahl der meist wörtlich — wenn auch aus dem Gedächtnis — citierten Schriftstellen ein reiches Material für die Textkritik des Alten und Neuen Testaments dar. Um einzelnes hervorzuheben, so ist die Schrift vom Gebet besonders wichtig für die Auffassung, die Origenes von Christus und seinem Verhältnis zu Gott- Vater gehabt hat; seine subordinatianische Ansicht von Christus tritt darin deutlich hervor, dass er die Anbetung des Sohnes verwirft (Cap. XV)!. Ferner ist es interessant: zu sehen, wie sich Origenes die später von Justinian verketzerte Lehre Plato's von der Kugelgestalt der himmlischen Körper zu eigen macht?, und wie er andererseits im Gefühl der eigenen Rechtgläubigkeit die Ketzer bekämpft, welche aus falschem Verständnis der Schrift eine unrichtige Auffassung vom Vater und Sohn gewonnen haben? oder gar die Gottheit zerteilen ἡ, »ἕτερον νομίζοντες εἶναι τὸν ἀγαϑὸν πατέρα τοῦ κυρίου ἡμῶν παρὰ τὸν τοῦ νόμου ϑεόν." Endlich tritt uns die ganze Strenge seiner Auffassung von Busse und Vergebung — viel deutlicher als z. B. c. Cels. III 51 — an der Stelle entgegen, wo er mit scharfen Worten die Anmassung der Priester tadelt, die sich rühmten, sogar Todsünden vergeben zu können *.
! Vgl. Redepenning, Origenes II 38 ff. 2 Vgl. Cap. 31, 3 (II 397, 4 ff.) 3 Vgl. Cap. 29, 10 (II 386, 3 ff.). 4 Vgl. Cap. 29, 12 (II 387, 6 8); hier sind die auch sonst von Origenes be- kümpften Marcioniten gemeint. 5 Vgl. Cap. 28, 10 (II 381, 12 ff.) und oben S. LXXV f. Origenes I. F
LXXXII Einleitung.
IH. Textgeschichte. Handschriften und Ausgaben.
Ein glücklicher Zufall hat uns die Schrift vom Gebet in der Ur- sprache erhalten. Denn einige Stellen in ihr, wie die Erörterung über das Verhältnis Christi zu Gott! oder die Annahme der Platonischen Lehre von der Kugelgestalt der himmlischen Kórper?, galten später für anstóssig und ketzerisch und mussten der weiteren Verbreitung der Schrift hinderlich sein. Pamphilus führt die Schrift unter dem Titel: Περὶ εὐχῆς" als vorhanden an, sie hat sich also in dessen Bibliothek in Caesarea befunden; dagegen fehlt der Titel in dem von Hieronymus dem Brief an Paula beigefügten Verzeichnis der Werke des Origenes. Wenn dies auch auf einem Zufall beruhen mag, so ist doch vielleicht nicht ohne Absicht die Schrift vom Gebet bei der Herstellung der Philo- kalia von Basilius und Gregorius bei Seite gelassen worden; seit Justi- nian? aber wurde sie sicherlich unter die ketzerischen Schriften des Origenes gerechnet und nur noch wenig gelesen.
Zwar scheint sie Gregor von Nyssa, der eifrige Verehrer des Ori- genes, gekannt zu haben, als er seine fünf Homilien über das Vater- unser verfasste?, aber eine direkte Benutzung einzelner Stellen ist nir- gends bei ihm nachzuweisen. Das Gleiche gilt von Maximus Confessor, der in seiner Abhandlung: εἰς τὴν προσευχὴν τοῦ πάτερ ἡμῶν πρὸς Eva φιλόχριστον ἑρμηνεία σύντομος γᾶν den Gregor von Nyssa und andere spätere Väter benutzt zu haben scheint, aber keine Kenntnis der Schrift des Origenes verrät®. Ob dieselbe von andern späteren Autoren,
1 Vgl. Cap. 15 (II 333, 26 f£).
2 Vgl. Cap. 31, 3 (II 397, 4 f£).
3 „De oratione" in Rufin’s Übers. d. Apol. Cap. 8 (XXIV p. 397 ed. Lomm.).
4 Vgl. E. Klostermann, Sitzungsber. der Kón. Preuss, Akad. d. W. Berlin 1897 XXXIX 8S. 870, 199.
5 Vgl. Ep. ad Mennam (Mansi, Coll. Cone. IX p. 516 sq. 533 C).
6 Z. B. fordert Gregor ähnlich wie Origenes ἵνα... περὶ τῶν μειζόνων καὶ τελειοτέρων προσαγάγῃς τῷ πατρὶ τὰς αἰτήσεις" (Hom. I p. 722 B, p. 24 ed. Kra- binger) und spricht ebenso ausführlich wie Origenes (Περὶ εὐχῆς Cap. 21) und auch an derselben Stelle, d. h. kurz vor Anfang der Erklärung des Vaterunsers, über βαττολογεῖν (Hom. I p. 721 B sqq., p. 22 sqq. ed. Krabinger).
7 Migne Patr. Gr. tom. XC p. 872—909.
$ Dass er die Erklärung von σήμερον — οὗτος ὃ αἰών (a. a. O. p. S97) gerade aus Origenes, Περὶ εὐχῆς Cap. 27, 13 (II 372, 18) entlehnt habe, ist unwahrscheinlich. Die Quellen des Maximus sind die orthodoxen Väter: οὕτω γὰρ ot ϑεόπνευστοι πατέρες ἡμῶν δριστικῶς περὶ τῆς προσευχῆς διεξῆλϑον, φήσαντες εἶναι τὴν προσευχὴν αἴτησιν ὧν ϑεὸς πρεπόντως ἑαυτῷ δωρεῖσϑαι πέφυχεν ἀνθρώποις κτλ. (a. a. O. p. 881), vgl. dazu Origenes, Περὶ εὐχῆς Cap. 14, 2 (II 331, 6f.).
C. Die Schrift vom Gebet. LXXX
auch von Lateinern, genannt oder benutzt worden ist, muss noch unter- sucht werden !.
Der (abgesehen von einzelnen Lücken) vollständige griechische Text der Schrift vom Gebet ist uns in einer einzigen Handschrift er- halten, im Cod. Cantabrig. Coll. S. Trinitatis B. 8. 10 (olim Holmiensis) saec. ca. XIV. chartac. (— T). Diese Handschrift, mit der eine von anderer, ülterer Hand geschriebene des Mattháus-Commentars des Origenes zu- sammengebunden ist, enthält den Text von Περὶ εὐχῆς auf 38 Blättern (— 5 Quaternionen, denen die zwei letzten leeren Blätter jetzt fehlen) ohne Über- und Unterschrift. Auf jeder Seite befinden sich 29—32 Zeilen. Zu Anfang der Handschrift stehen folgende Angaben: Hie est ille Codex Holmiensis, quem toties laudat Dan. Huetius in suis Orige- nianis und von anderer Hand: Donavit Herberto Thorndicio Isaacus Vossius, endlich an anderer Stelle: Trin. Coll. Cantab. Ex dono reverendi elarissimi viri Herberti Thorndike, huiusce Collegii quondam Socii, anno Domini 1670. Über die früheren merkwürdigen Schicksale dieser Hand- schrift berichtet Huet Folgendes?: Cum in HS venissem, contigit, ut in Reginae Bibliotheca in Graecum inciderem Codieem manuscriptum, quo Origenis in Matthaeum Commentarii et eiusdem de Oratione libellus eontinebantur .... Holmiensem hune Codicem satis antiquum, charta- ceum, literis rotundis exaratum, in Sueciam intulit Vir Cl. Isaacus Vossius; quem cum percontatus essem per literas, unde librum habuisset, et quid eo factum esset, respondit se illum Hagae Comitis ante annos plus minus viginti comparasse a Serenissimae Bohemorum Reginae Eliz. medico, dicto Rumfio, qui illum e Germania detulerat, vili pretio coömptum a militibus post Wormaciensis Bibliothecae direptionem; perlatum eum deinde a se in Sueciam; atque a Regina post abdicatum Imperium Ant- verpiam eum reliqua Bibliotheca relatum, ab eaque cum aliis Codicibus a se repetitum facile fuisse impetratum; cuius usura ab annis aliquot eoneessa Herberto Thorndieio Anglo, qui omnium Origenis operum Edi- tionem meditari se profitebatur, in ipsius eum potestate mansisse. Man
i Das Vaterunser ist später mehrfach commentiert worden. Beiläufig bemerke ich, dass Cod. Par. gr. Nr. 929 (Colbert. 5104) saec. XV. chartac. auf p. 440—444 eine kurze Erklärung des Vaterunsers enthält, die sehr fehlerhaft geschrieben ist und ohne Wert zu sein scheint. Dasselbe gilt von der in demselben Codex p. 447 sqq. stehenden διάλεξις χριστιανοῦ καὶ ἑβραίου, wührend Cod. Par. gr. Nr. 1788 (Colbert. 3607) a. 1439 von fol. 239v—246v ein interessantes Gespräch (διάλεξις lovdalov καὶ χριστιανοῦ, Anfang: ἠρώτησεν ἰουδαῖος χριστιανὸν λέγων" διὰ τί τοῦ ϑεοῦ παραγγείλαντος μὴ προσκυνεῖν ξύλοις ὑμεῖς ταῦτα σέβεσϑε χαὶ προσκυνεῖτε τὸν στρὸν φημὶ καὶ τὰς εἰκόνας κτλ.) dieser Art aufweist. 2 Die Worte Huet's sind in der Vorrede zu Reading's Ausgabe, woher ich sie
entnehme, abgedruckt. Ε »
LXXXIV Einleitung.
verdankt es also offenbar nur einem glücklichen Zufall, dass dieser ur- sprünglich der Wormser Bibliothek gehörige Codex der Vernichtung entgangen ist.
Huet hat in Stockholm eine Abschrift desselben angefertigt, es ist dies: Cod. Parisin. Suppl. Gr. Nr. 534 chartae. in 4? min. (18><24 cm., Schriftraum 12><20 em.) 105 Seiten, a. 1652 geschrieben, wie die Unter- schrift auf S. 87 beweist: γέγραπται χειρὶ πέτρου davını ὑετίου, ἔτει ἀπὸ τῆς ϑεογονίας δευτέρῳ καὶ πεντηκοστῷ, ἐπὶ τοῖς ξξαχοσίοις καὶ χιλίοις, βοηδρομιῶνος μεσοῦντος μηνὸς ἕχτῃ. ἐν ὁλμίᾳ τῶν Γοτϑῶν. Die Handschrift enthält a) Seite 1—87 die Schrift vom Gebet b) S. 89—96 Variae leetiones in Origenis Philocalia deprehensae[?] ex primis capi- tibus, auch von Huet's Hand c) zwei auf zwei leere Blätter aufgeklebte Foliobogen mit flüchtig und von einer andern Hand geschriebenen Ex- cerpten aus Origenis Philosophumena, Asklepius philosophus Trallianus, Scholien ad primum libr. introduet. Arithmeticae Nicomachi, Porphy- rius hypomnematiea εἰς τὰ ἁρμονικὰ πτολεμαίου ad Eudoxium.
Endlich ist der Sehlussteil der Schrift vom Gebet separat über- liefert im Cod. Parisin. gr. Nr. 1788 (Colbert. 3607 = Col) bombye. 22!5,5—14! cm. der aus 259 Blättern besteht und nach der krypto- graphen Unterschrift auf fol. 2597 δια χιρὸς ἐμοῦ yevadiov iegouo- v&y(ov) τοῦ παχνα“ im Jahre 6948 — 1440 in der III. Indietion! ge- schrieben ist und nach der Notiz auf dem zweiten Vorsetzblatt: - τὸ παρὸν βηβλῆον ὑπάρχῴει) καὶ [oder zugiov?] τοῦ σοφίανου einem ge- wissen Sophianus gehört hat.? Von den Schicksalen und sonstigen Eigentümern der Handschrift berichten einige auf dem dritten Vorsetz- „blatt stehende Zeilen?, die von einer Hand des XV. saec. geschrieben sind: ἡ βίβλος αὕτη ὑπήρχεν ἐκ τῆς δυστιχοὺς κωνσταντινουπόλεως" μετὰ δὲ τῆς ἁλώσεως αὐτῆς, ὠνίσατο ταύτην ἀνήρ τις dx τῆς πανα- ϑλίας καὶ ταλεπωροῦ νήσσου τῆς AfGBov: ὀνόματ(α) τούτου λουχὰς ζωναρὰς ὃς καὶ ταβελίων» ἐχρημάτισεν χρόνους ovx ὀλήγους |l ὀλί- γους]" ἢν δὴ τούτου μέχρι xci τῆς ἁλώσεως τῆς ῥιϑήσης |l ón9si- σης] νήσσου" ἐν δὲ τῇ αλώση |l ἁλώσει] αὐτῆς, [d. h. im Jahre 1462] ἐνέπεσεν εἰς yelolac) xvolov γεωργίου [Ὁ] τοῦ σοφιανοῦ τοῦ ἐκ τῆς φωκίας, ἐξ ἐκείνου δὲ ἐνέπεσεν εἰς τὰς ἐμᾶς ysto(ac) ἀπροσδοχήτως καὶ oc οἶμαι πλέον οὐχ ἐκφεύξεται τῶν ἡμετέρων χειρῶν +. Der von
! Danach ist die Angabe bei Gardthausen, Griech. Paläogr. S. 321 unter Gen- nadius Pachna zu vervollstündigen.
2 Vgl. meine „Textüberlieferung“ S. 33 Anm. 3, wo ein anderer Sophianus als Besitzer des Cod. Vat. 386 genannt ist.
3 Ich gebe sie genau so wieder, wie sie im Codex stehen, doch nach Auf- lósung der Compendien.
|
U U u
C. Die Schrift vom Gebet. EINDUXN
mehreren Händen geschriebene Miscellaneodex enthält auf fol. 747 Mitte bis fol. 79Y unter dem Titel: + τοῦ oOgiyévovc τὸ τῆσ εὐχῆσ dxgo- τελεύτίον den letzten Teil der Schrift vom Gebet von Cap. 31,1 Δοκεῖ δέ μοι... bis 33,3 χείμενον. ix(zxAayévroc) (Il 395, 13—402, 13. 14). Der Schluss fehlt also. Da der mit fol. 79° beginnende und mit fol. 84V schliessende Quaternio nur sechs Blätter zählt, so sind wohl zwei Blätter mit dem Schluss verloren gegangen.
Über die Bedeutung dieses Fragments spricht sich Delarue, der dasselbe zuerst benutzt hat, in der Vorrede p. IX folgendermassen aus: Praeterea a numero 31. ad finem usque operis nacti sumus manuserip- tum eodieem Colbertinum 3607. nunc regium, in quo amplissimum est huius libelli fragmentum, quo plurima emendantur editionis Oxoniensis loea, et Bentleianae in illa conjeeturae confirmantur. Thatsächlich ist aber das Fragment für die Textherstellung neben Cod. T fast wertlos und deshalb von mir im Apparat nur an wenigen Stellen berücksichtigt worden. Zur Begründung meiner Behauptung gebe ich hier sämtliche wesentlichen Abweichungen des Cod. Col von Cod. T nach dem Text meiner Ausgabe an.
II 395, 13. 14 ὑπὲρ τοῦ πληρωϑῆναι!) χαὶ 14 εἰσαγωγίχότερον 15 δεῖ] δὴ
10 τόπον 19 σχήματα 20 ὡς — ἐλέγομεν om. 26 ἐπ᾽ εὐχαριστίαν σου] ἐπευχαρϊστείαν σου 390, 1. 9 ἀποϑέμενον)] ἀποϑέμενον δὲ 2 ἥκειν) εἴς χειν D ὅλον 18 διὰ — εἰπεῖν om, 18. 19 μὴ ἐπιτρέπῃ! οὐκ ἐπϊτρέπει 19 ἡμᾶς] μὴ 20 ἐστὶν] ἔστιν 21 γονύυχλησία 26 οὐρανοῖς] οὐρανᾶ 397, 1 ἕχαστου] &xdorov 9. 10 παραδέξηται 12 ἔντερον) ἐνούτερον 14 τίς 10 γονυχλησίαν 17 τὸ om. 20 γὰρ om. 23 ἐπιτελεῖν] ποιεῖν 398, 1 τῆς] τῶ 7 τῷ] τὸ 8 ἀλλὰ om. 12 τἴς ἑαυτὸν] τίς ἑρωτὸν 11 σωτήριος 18 ὅτι χαὶ no. σαφὲς δὲ om. 22 μόνου 23 συνιέντι] σϊνϊών τὶ 24 πλει- ὄνων] πολλῶν 24 γησίως 27 ὥστ] ὡς τὸ 399, 1 τῆς ὑστέρας om. 2 τωβία S ὃ Eri] ὅτι 8 συνάρασϑαι σύνκρᾶσϑαι 10 ἐξελὶληθότας 19 αὐτῶν om. 14 παῦλον 17 ἀγγέλου) εὐαγγελίου 17 τίς 20 τῆς] τῶ 24 πραγμα- τευόμενοις] πραγματευομένοις 24 Eniozonigjoorra 400, 1 πληϑύνηται 10 πεινῶντι] πεινόν τὶ 11. 18 ἀπολλύντες --- ἀναγκαίως om. 21 περὶ] ἐπὶ 22 τοῦ τε] τοῦτο 25 δυεῖν] δεῖν 27 βούλεται 401, ὃ. 4 dyow] avin- ται 17. 18 πρὸς πολλοὺς εὐ. mg. ἐπὶ τῆς εὐ. ὑπὲρ τῶν εἰς πάντας εὐερ-
γεσιῶν 21 τὸ] τοῦ 24 ἰδίων τε xal καϑολικῶν) Ἰδίως τὲ καὶ καϑολίχῶσ
98 ἐν) ἐν τῶ 29 ὡς om. 402, 1 ὃ ἀναβαλλόμενος bis 8 δειλεάσουσιε om.
18 μετὰ bis 14 ἀπαγγελλόμενον om.
Es ist nun klar, dass die meisten Varianten von Col Schreibfehler und Auslassungen sind, und dass der Schreiber an einigen Stellen seine Vorlage willkürlich verändert oder verkürzt wiedergegeben, und nur ganz selten verbessert hat (vgl. 396, 20. 400, 25). Da aber Col nirgends mehr, sondern an zahlreichen Stellen weniger bietet als T, so hindert uns nichts, in T die Vorlage von Col zu sehen. Meine Vermutung
LXXXVI Einleitung.
wird noch durch die Beobachtung gestützt, dass T und Col Fehler ge- meinsam haben, z. B. στῆσαι (396, 5) πάντων (396, 12) und besonders δεδοκέναι (400, 16). Der Schreiber von Col verfährt auch durchweg so flüchtig und willkürlich, dass man, um seine vielen Fehler zu er- klären, nicht noch ein Zwischenglied zwischen T und Col einzuschieben braucht.
Der Schreiber von T hat dagegen im allgemeinen seinen Arche- typus, wie es scheint, sorgfältig und zuverlässig wiedergegeben. Dies zeigt sich besonders an den Stellen, wo die Vorlage unleserlich war. Hier lässt der Schreiber jedesmal gerade so viel Raum frei, als ihm nötig schien, um die fehlenden Worte eventuell später aus einem andern Codex ergänzen zu können. Die in regelmässigen Zwischenräumen fol- senden Lücken befinden sich am Anfang der Handschrift und weisen darauf hin, dass in dem Archetypus die ersten oder letzten Zeilen einer Seite durch eingedrungene Feuchtigkeit ganz oder teilweise zerstört waren!. Aus den Abständen der einzelnen Lücken von einander und ihrem Verhältnis zu den dazwischen liegenden längeren oder kürzeren Textstücken kann man nun den Umfang einer Seite und die Zahl der Seiten des Archetypus von T berechnen, wie folgende Tabelle zeigt.
Seite II 297, 1—298, 2 211/, Zeilen Text ! — 451J, 1 208 2—060 4 5» Lücke 9 998, 6— 299, 3 204, „ Text (2.23 — 46) - 209, 3—8 5 , Lücke \ — 992, - 299, 8 302.16 SIL Text (4.23 — 92) = 302, 16 — 18 So. Dücke 7 302, 18— 304, 12 Al, u Text B 304, 12 — 15 215 ,, Lücke - 114 304, 16— 21 B3. u. Text ὃ 3 9 304, 91 — 94 93, „ Lücke | (0:23 — 115) s: 304, 24 — 306, 24 boi, e Text 900, 24 — 26 2j » Lücke J 11 306, 26 —308, 7 33, .. "lext 12 308, 7—9 21, „ Lücke — 99 13 308, 10— 310, 9 u: (4.23 — 99) 14 310, ἢ 1 2 ,, Lücke 15 [310, 12 — 8311, 5 93 .. Met; 199 16]
Der erste Quaternio des Archetypus hat also auf 16 Seiten den Text von 11 297, 1—311, 5 enthalten, auf jeder Seite haben ca. 23 Zeilen meiner Ausgabe und ca. 18 des Codex T gestanden, und der ganze
! Dieselben Beschädigungen hat z. B. der Codex Mon. gr. Nr. 191 saec. XIII., der den Johannes- und Matthäus-Commentar enthält, erlitten; vgl. auch ThLZ. 1899 Nr: Sp. 17.
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C. Die Schrift vom Gebet. LXXXVII
Umfang des Archetypus hat nach meiner Berechnung etwa 124 Seiten (7 Quaternionen und 6 Blätter) betragen. Das Format scheint demnach kleiner, oder die Schrift grósser gewesen zu sein als im Codex T, welcher nur 76 Seiten (4 Quaternionen und 6 Blätter) zählt. Inter- essant ist auch die Beobachtung, dass die beiden inneren Blätter des Quaternio die meisten Lücken aufweisen, während die ersten und letzten Blätter weniger gelitten haben. Welchem Jahrhundert der Archetypus angehört, lässt sich leider nicht bestimmen; doch scheinen zwischen ihm und der Originalhandschrift nicht allzu viele Mittelglieder zu liegen, da der Text verhältnismässig gut überliefert ist.
Als Entstehungsort des Codex T und daher vielleicht auch seiner Vorlage wird man mit grosser Wahrscheinlichkeit Konstantinopel be- zeichnen können; denn dort hat sich ursprünglich der Codex Paris. 1788 befunden, der das auf T zurückzuführende Fragment der Schrift vom Gebet enthält.
Der Text der bisherigen Ausgaben geht auf T zurück, ist aber wegen mangelhafter Collation dieser Handschrift nicht ohne Fehler.
1. Die editio princeps (Titel: ὩΡΙΓΈΝΟΥΣ ΠΕΡῚ ΕΥ̓ΧΗ͂Σ SYNTATMA μέχρι τοῦδε τοῦ χρόνου ἀνέχδοτον. Ἔν τῇ OZONIA. Ἐξετυπώϑη ἐν ϑεάτρῳ τοῦ EKHAAHNOY ἔτει τῆς ϑεογονίας eyazc [1686] in 12°) ist nach der Vorrede (p. 1.54.) von einem Apographon des Codex T abgedruckt!, das der Herausgeber (p. 3) mit Recht „non admodum felieiter deseriptum“ nennt, indem er zur Entschuldigung hinzu- fügt, dass der Codex T wegen seiner vielen Abkürzungen ,vatem potius quam lectorem“ erfordert habe. Die Revision einiger verdächtigen Stellen nach Codex T sei von Gale besorgt, und dabei öfter die latei- nische Übersetzung (die hinter dem griechischen Text hinzugefügt ist) noch corrigiert worden.
2. Ein etwas verbesserter Abdruck der editio princeps ist die Baseler Ausgabe (Origenis De oratione libellus ... Accedit B. Marci Diadochı Sermo contra Arianos.... a Joh. Rudolfo Wetstenio Patre, Dasileae 1694 in 49), denn hier ist Gale's Revision des Codex T verwertet? Das Exem- plar der Oxforder Ausgabe, naeh welchem Wetstein gedruckt hat, ist das Exemplar der Göttinger Universitüts-Bibliothek?, welches am Rand Gale’s Collation einiger Stellen des Codex T enthält. Wie Wetstein die Collation benutzt hat, zeigt z. B. folgende Stelle: Ox. p. 122 hat im
! Der Herausgeber schreibt (p. 3): „Apographo meo igitur fretus, illud, quan- tum possum feliciter, excudo.''
2 Vgl. die Vorrede zu Reading’s Ausgabe.
3 Dasselbe ist nach einer gütigen Mitteilung des Herrn Bibliothekars Dr. Ro- quette aus „Osborne & Shiptons Catalog 1756" angekauft worden.
LXXXVIII Einleitung.
Text: ἰστέον ὅτι [Eva] τὸ, dies ist unterstrichen, und auf dem untern Rand steht von Gale's Hand: -/. Forte, ἱστέον [iv τῇ Eve] ὅτι to —; Wet- stein druckt danach im Text (p. 131): “ἰστέον ὅτι [Eva] τὸ und am Rand: *forte ἰστέον (ἐν τῇ Evi) ὅτε τὸ, also genau nach seinem Druck- exemplar.
3. Delarue hat in seiner Gesamtausgabe (tomus I. Parisiis 1733 p. 196—272) den Text der Wetsteinschen Ausgabe wiedergegeben, aber ausserdem eine — freilich ungenügende — Collation des Codex T, die ihm ,Joannes Walker, presbyter Anglus^ angefertigt hatte!, benutzt, auch das im Codex Paris. 1788 erhaltene Fragment? eingesehen und, was am wichtigsten ist, in den Fussnoten die geistvollen, wenn auch oft zu kühnen Conjecturen Richard Bentley's mitgeteilt. Die beigegebene lateinische Übersetzung war von Claudius Fleury für Huet angefertigt worden, Delarue erhielt sie durch Vermittlung des Jesuiten De Tour- nemine zur Veróffentlichung.?
4. Die Ausgabe von Lommatzseh (tom. XVII p. 82—297 seiner Gesamtausgabe, Berolini 1844) unterscheidet sich nur an wenigen Stellen im Text und dadurch von derjenigen Delarue's, dass Lommatzsch die in Readings Ausgabe mitgeteilten und von Delarue am Ende seines I. Bandes abgedruckten kritischen Bemerkungen eines Anonymus den betreffenden einzelnen Stellen beigefügt hat.
5. Die wertvollste Ausgabe ist die Londoner: 2PITENOYZ ΠΕΡῚ EYXHEZ BIBAION. Ongenis de Oratione liber, ex nova collatione eum codice Ms. Holmiensi, in Bibliotheca Collegii S. Trinitatis Can- tabrigiae reposito, recognitus et emendatus, una cum Anonymi Scholis in Orationem Dominicam, quibus subjunetae sunt eruditi cuiusdam viri notae partim criticae partim locorum difficilium exegeticae, ab editore Guihelmo Reading, A. M. Cleri Londinensis in Collegio Sionensi Biblio- thecario. Londini, sumptibus editoris 1728, in 4%. Die Ausgabe ist dem Baronet Roger Meredith gewidmet. Die folgenden Worte der Widmung: ... de oratione libellus, quem mihi Notis instructum dono dedit vir singularis eruditionis animique in me benevolentissimi, ut eum, si e re mea publieaque foret, in lucem emitterem ... lassen vermuten, dass Reading lediglich für die Drucklegung der von dem anonymen Gelehrten bearbeiteten Ausgabe gesorgt hat. Dies erhell auch aus dem von dem Anonymus an heading gerichteten Begleitschreiben. Eine Copie des- selben ist hinter der Einleitung des von mir hier benutzten Exemplars,
! Vgl. Delarue's Praef. tom. I p. VIII sq. ? Vgl. oben Seite LXXXIV f. ® Vgl. Delarue's Praef. tom. I p. IX.
C. Die Schrift vom Gebet. LXXXIX
das der Göttinger Universitütsbibliothek gehórt,! beigegeben. Da der Brief in mancher Hinsicht interessant ist, so lasse ich ihn hier folgen.
The Annotators Letter, sent to Mr Reading with the Notes, by the Master of a College in Cambridge. Worthy Sr
According to the