:J^_:^:$. '^^^ >> -- # .#^ «^■: vt; %^^i ,*>"^t ;«.-. ^1 Ol . WÖRTER UND Sachen KULTURHISTORISCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPRACH- UND SACHFORSCHUNG HERAUSGEGEBEN VON R. MERINGER W. MEYER-LUBKE R. MUCH J. J. MIKKOLA M. MURKO BAND I MIT 175 ABBILDUNGEN UND 2 KARTEN RHU "^^^^^QV ^ L^^^n 15 S „Sprachforschung, der ich anhanffc und VOM der ich ausgehe, hat mich doch nie in der Weise befriedigen können, daß ich nicht immer ^ern von den Wörtern au dem Sachen gelangt wäre." yakob Grimm. HEIDELBERG 1909 CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG Verllgs-Archiv Nr. 303. Germany Inhaltsverzeichnis. Seite Vorwort 1 R. Meringer, Die Werkzeuge der /«wsere- Reihe und ihre Namen (Keule, Stampfe, Hammer, Anke). Mit 35 Abbildungen 3 W. Meyer -Lübke, Romaniscli BAST- • 28 R. Much, Holz und Menseli 39 W. Passier, Ethno-geographiselie Wellen des Sachsentums. Ein Beitrag zur deutschen Ethnologie. Mit Karte 49 R. M. Meyer, Isolierte Wurzeln 58 J. Strzygowski, Der sigmaförmige Tisch und der älteste Typus des Refektoriums. Mit 11 Abbildlangen 70 Th. Bloch, Über einige altindische Göttemamen 80 L. Wenger, Sprachforschung und Rechtswissenschaft 84 J. Janko, Über Berührungen der alten Slaven mit Turk-2 Das König- Wirtshaus in Köflaeh .... I!.5 ITA Das König- Wirtshaus, Erdgescholi . . . :!(j 1.5.5 Das König- Wirtshaus, Obergeschoß ... 37 1.5.5 Das Sleiner-Sclmeider-Haus 3S 157 Das Steiner- Schneider- Haus, Erdgeschoß 3(( 1.5s Das .Steiner-Silnieider-Haus, Obergeschoß 40 1.5.S Die Hochbundschuli-Keusclie 41 159 Grundriß der Hochbundschuh-Keusclie . 42 lliO Die Reinthaler- Keusche 43 lül Grundriß der Reintlialer Keusdie ... 44 101 Die Schriebl-Keusche 45 1(12 Die Schriebl-Keusche, Erdgeschoß ... 4ü 1G2 Die Schriebl-Keusclie. 01)eigcsch()ß ... 47 \i'0 185 Bosnisches Badegetaß 21 185 Ägyptisches Iklief. Der Tote vor dem be- setzten Tisch 22 ISO Ägyptisches ReUef. Der Tote vor dem Tisch mit Blumen- und Wasserget'äß 23 ISO Christus auf der Kelter 24 187 Ein 2' 2 Kilometer langer Prflgehveg im leh- migen Boden bei Lannach in Steiermark 25 188 Ein Priigclweg in Ingermannland 1015 . 20 189 Ausseer Haus mit «BriUki» 27 190 Vogesenliolzprügelweg 28 191 Gedeckte Harte aus Nötsch im Gailtale . 29 193 Eine Scheune mit einer in den Dachraum führenden Brücke 30 194 Die ol)ere Brücke von vorn gesehen . . 31 195 Die oliere Brücke von der Seite .... 32 190 Mykeniscbe Gcnuije 33 197 Kr. i^'Ae Baetylischer Oplertisch, restauriert ... :J4 198 Baetylischer Altar .35 199 iMykenischer Goldsiegehing .30 2fK) Mykeni.scber Goldsiegelring 37 2(J(J Mykenisclies Siegel aus Speckstein ... 38 201 Versuch der Rekonstruktion eines myke- nischen Pfahlheiliglums 39 202 Versuch der Rekonstruktion eines niyke- nischen Heiligtums mit Pflock und Baum ; 40 203 Serbischer Rinnenstein 1 210 Bulgarischer Rinnenstein 2 211 Drescliende Ochsen aus Alt-.Ä^ypten . . I 213 Ein Dreschstein aus Lecce (Apulien) . . 2 210 Ein Dreschstein aus Reggio-Emilia ... 3 21t> Syrische Dreschlafel aus Aleppo .... 4 218 Dreschstein aus S. Marco in Lancis ... 5 219 Der Grattacase aus S. Giovanni Rotondo 0 219 Dreschtafel aus Braganza 7 220 Drcschtafel aus (Zypern 8 220 Der Ixiltiloio aus Imola 9 223 .Ägyptischer Dreschwagen 10 223 Dreschwagen aus Urdona (Süditalien) . . 11 224 Pieniontesischer Dreschwagen 12 224 Italienische Drcschwalze 13 225 l'roHl des piemontesischen rübat .... 14 225 Dreschwalze aus Reggio-Emilia 15 22.5 l'rolil der alessandrinischen rabäta ... 10 220 Provenzalische Dreschwalze 17 220 Die trihhietta in Luco nei Marsi .... 18 227 Chuaton a battre l'.t 229 Maniement du chuaton 20 229 Chuaton aus Leysin 21 229 Die Mazza aus Trapani 22 230 Zillertaler Bengel 23 231 Der engadinische pd 24 231 Trask aus Strona (Novara) 25 231 Engailinischer Flegel 20 234 Pieniontesischer Flegel 27 234 Walliser Flegel 28 2.34 Frustu-Flegel 29 234 Frei burger Flegel 30 234 Braunschweiger Flegel 31 234 Flegel aus S. Pol (Pikardie) 33 2;U Mecklenburger Flegel 33 2;U Flegel aus Fondo im Xonstal 34 235 Pieniontesischer Flegel 3.5 2X» Genter Flegel 36 235 Die .Mazzafrusta aus Luca nei Marsi . . 37 'iXt Russischer Dreschflegel 38 ä:V> Mosaik .1US der Kapelle von Prilz bei Laval (Mayenne) 39 2as Mosaik aus der Kathe«lni von Aosla . . 44t 242 Die Verteilung der Ausdrücke lür Flegel iu Frankreich 243 Digitized by the Internet Archive in 2009 with funding from University of Toronto http://www.archive.org/details/wrterundsachen01heid Vorwort. Unsere Zeitschrift soll mit keinem bereits bestehenden Unternehmen in Wettbewerb treten. Wir wollen nur den Raum und die richtigen Existenzliedingungen für sprach- lich-sachliche Arbeiten, wie sie in den letzten Jahren auf verschiedenen Gebieten zutage getreten sind, schaffen. Nach einer Periode heilsamer Beschränkung der sprachlichen Studien auf die Er- forschung der lautlichen \^eränderungeu scheint die Zeit gekommen zu sein, den Wort- bedeutungen, den „Sachen", wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Unter Sachen verstehen wir nicht nur die räumlichen Gegenstände, sondern ebensowohl Gedanken, Vorstellungen und Institutionen , die in irgendeinem Worte ihren sprachlichen Aus- druck finden. Jede Philologie kann auf einzelne überzeugende Etymologien hinweisen, die aus der Kenntnis der Sachen entsprungen sind. Daß man trotzdem nicht schon längst für alle Etymologie überhaupt das Herbeiziehen der Geschichte der Sachen verlangt hat, ist in dem fast ausschließlicheu Interesse begründet, das die letzten Dezennien den «Lautgesetzen» zuwandten. Diese Beschränkung entspricht nicht den Tatsachen: Mit vielen Anderen sind wir überzeugt, daß Sprachwissenschaft nur ein Teil der Kulturwissenschaft ist, daß die Sprachgeschichte zur Worterkliirung der Sachgeschichte brdarl', sowie die Sach- geschichte, wenigstens für die ältesten Zeiten, der Sprachgeschichte nicht entraten kann. Wir glauben, daß in der Vereinigung von Sprachw^issenschaft und Sachwis- senschaft die Zukunft der Kulturgeschichte liegt. Aber diese Vereinigung ist vorläufig ein Ideal und ist heute noch nicht immer zu erreichen. Die Geschichte der ,, Sachen" ist noch durchaus nicht allseitig ausgebaut. große Gebiete sind noch dunkel, das Material schwer erlangbar; deswegen werden wir etymologische Arbeiten aufnehmen, wenn sie das Ziel dieser Vereinigung wenigstens im Auge behalten, und werden rein sachgeschichtliche Arbeiten bringen, auch wenn die Verwertung für ilie Wortkunde erst der Zukunft angehört. Wir wollen die Sachstudien fördern, aber nicht nur die Studien der gedruckten Quellen, sondern vornehmlich die Sachstudien im Volke, und wollen dadurch die Wissenschaft wieder mit dem Leben in nähere Beziehung bringen, woraus auch die Sprachstudien Nutzen ziehen werden. Wörter uud Sachen. I. 'o^ Vorwort. Mit den Veräuderuugen der Kultur verändern die Wörter ihren Sinn. AVir ver- langen, daß die Erklärung der Bedeutungsveränderungen nicht auf rein spekulativem Wege versucht wird, sondern dieser Tatsache gerecht wird. Wenn wir, von verschiedenen Forschungsgebieten herkommend, uns zu gemein- samer Arbeit verbunden haben, so möge man daraus ersehen, daß wir Material zu einer umfassenden Kulturgeschichte der indogermanischen Völker herliei schatten wollen. Wir wenden unsere Aufmerksamkeit allen indogermanischen Völkern in alter und neuer Zeit zu und ebenso den Berührungen mit anderen Sprachstämmen und setzen unserem Interesse keine zeitliche Grenze, weil auch die späteren Zeiten und die Gegenwart reich an alten Kulturelementen sind und von Urzeiten bis an den heutigen Tag eine stete, nicht unterbrochene Entwicklung zu erkennen ist — ganz ab- gesehen von dem Licht, das von den klareren historischen Zeiten und der Gegenwart auf die früheren fällt. Bei den Arbeiten, die sich mit der Geschichte von Gegenständen befassen, werden wir Bilder bringen. Dabei wird unser Ideal sein, zeitgenössische Wörter und Gegen- stände zusammenzustellen. Das wird allerdings nicht immer zu erreichen sein, sondern wir werden öfter bloß nach Analogien die Form des Gegenstandes, der durch eine be- stimmte Wortform bezeichnet wurde, erschließen müssen. Die Zeitschrift wird Abhandlungen, Besprechungen und kleinere Mitteilungen bringen. Beiträge bitten wir dem fachlich Nächststehenden der Herausgeber zusenden zu wollen. Die Herausgeber. Die Werkzeuge der pinsere-Reihe und ihre Namen. (Keule, Stampfe, Hammer, Anke.) Von Rudolf Meringer. Schon seit uralter Zeit finden wir zwei verschiedene Techniiien zur Verwandlung der Kornfrüchte in Mehl, das Zerstoßen und das Zerreiben. Ihren sprachlichen Aus- druck fiuden diese Techniken in zwei Wortreihen, die ich nach den lateinischen Reprä- sentanten die pinsere- und die «w/ere- Reihe nennen will.' Die letztere ist auf Europa beschränkt, die erstere greift nach Asien hinüber. Die Werkzeuge der «(o/e/r- Reihe sind bekannt und untersucht worden. Aber so gut wie unbekannt, wenigstens ihrer Entwicklung und (leschichte nach, sind die In- strumente der jjJHSoe- Reihe. Wenn ich diese hier bespreche, so will ich damit einen Beitrag zur Frage der indogermanischen Wirtschaft liefern. Ich verfolge dabei die Sachen wie die Wtii'ter bis in die Gegenwart, bis zu den jetzt noch bestehenden volks- tümlichen Maschinen und zu deren dialektischen Bezeichnungen. Die Kornfrüchte werden, wenn sie zur menschlichen Nahrung dienen sollen, ent- hülst und geschrotet oder noch weiter zu Mehl zerrieben. Weim das auch nicht der älteste Zustand ist, so gehen diese Arten der Bearbeitung doch schon in sehr frühe Kulturperioden zurück. Will man Schrot haben, so genügt ein Stampfen der Körner und die Absonderung der Hülsen. Zur Bereitung des Mehls ist ein fortgesetztes Verkleinern notwendig und das Produkt muß durch Siel)en in Mehl und Kleie geteilt worden. Das Mahlen kann ganz mit Stoßen bewirkt werden, oder mit einem Stampfen beginnen, worauf erst die geschroteten Körner zwischen Steinen zu Mehl verwandelt werden, kann aber auch ganz mit Hilfe der Mahlsteine vollbracht werden. Am leichtesten ist die Arbeit des Schrotens und Mahlens dann , wenn die Korn- frucht trocken ist. Es ist deshalb unter Umständen gut, oder gemdezu notwendig, das Korn zuerst zu darren, bevor es weiter verarbeitet wird. Auch die Hülsen lösen sich infolge des leichten Röstens besser ab. — ' 0. Schrader, RL. S. .Ml. Rudolf Meringer. Keule und Mörser. M. Rühlmann sagt': «Zu den allerersten Hilfsmitteln, um Getreide in Mehl zu verwandeln, scheinen hölzerne, steinerne und metallene Mörser mit Keulen (Pistillen) zu gehören^ in welchen man die (vorher wohl auch gerösteten) Körner zerstieß und so- dann durch Trennen der gröberen und feineren Teile mittelst Sieben das Mehl zu ge- winnen suchte». Rühlmann verweist dann auf ein ägyptisches Wandgemälde aus den Ruinen von Theben (vergl. Abb. 1).^ Man sieht auf dem Bilde zwei Arbeiter, mit dem Stoßen beschäftigt. Während der eine die Keule hebt, stößt der andere in den Mörser. Die Keulen sind in der Mitte verjüjigt und können nach beiden Seiten verwendet werden. Ein anderer Arbeiter trennt mittelst eines Siebes das gewonnene Mehl von der Kleie. Die Mörser dieses Gemäldes besitzen große Standfestigkeit dadurch, daß der Fuß des Gefäßes sich ausbreitet. Besonders tief, wie wolil einige Gelehrte geglaubt haben, sind sie aber nicht, sie haben nur einen sehr starken Boden, wie ja leicht begreiflich. Die Tiefe der Mörser ist geringer als die halbe Keu- lenlänge, was sich notwen- digerweise daraus ergibt, daß die Hand nicht den Rand berühren darf, wenn die Keule unten ansehlägt und viel Getreide darf auch nicht auf einmal in den Mörser geschüttet werden. Zu anderen Zwecken hatte man verschieden ge- staltete Mörser und auch g " / Abbildung,' 1 Melilbereiliing bei den Ägyptern. verschiedene Keulen. Ein ägyptisches Bild zeigt, wie zwei Männer mit Stößeln an einem Mörser arbeiten, ohne daß aber klar wäre, was sie schaffen.' Auf einem dritten Bilde, der Darstellung einer Küche, hebt ein Mann eine besonders schwere Keule und stößt damit in einen großen Mörser, ebenfalls unbekannt zu welchem Zwecke.* Blümner scheint zu glauben, daß das Zerstoßen älter als das Mahlen sei. Er sagt'' : «Obgleich diejenigen Vorrichtungen zum Verwandeln der Getreidekörner in Mehl, welche wir vorzugsweise Mühlen zu nennen gewöhnt sind, d.h. also diejenigen, bei denen die Zerreibung mittelst zweier Steine geschieht, . . . schon in sehr früher Zeit erfunden worden sind, so ist doch nicht zu bezweifeln, daß es eine Zeit gab, wo man keinen anderen Weg kannte, als die Körner in Mörsern zu zerstampfen». Das wäre an und für sich nicht unmöglich, und es spricht wirklich manches dafür. Unsere Abbildung 2 zeigt uns Mörser und Keule (oX[jlo?, qS-q, I'yo'.? — uTrspo?) in ihrer Verwendung bei den Griechen.'' Wie auf dem ägyptischen Bilde zwei Männer ' Moritz Rülilniann, Allgemeine JMaschinenlelire JI, .S. fi. ' Die Abbilduii},' 1 ist nach J. G. Wilkinson, Manners and customs of tlie ancient Egyptian.s III, S. 181, Nr. 3C7, gemaclit. — * Roselini, Monumenli eivili LXVII. — * Wil kinson. IVfanners and customs 11, S. 383, Nr. 270. Darnach A. Rieh s. v. pilum. — '- H. Rllimner, Technologie usw. I, S. 15 f. ' Vergl. Daremberg-Saglio, Diclionnaire, s. v. mortariiim. — Blümner a. a. O., S. 22. Die Werkzeuge der pinsere-Re'ihe und ilirf Namen. an demselben Mörser arbeiteten, so sehen wir hier — dem Volksbrauche der Zeit ent- sprechend, zwei Frauen an einem Mörser beschäftigt. Ihre Keulen sind mit den in Ägypten verwendeten gleichförmig, von derselben Größe und werden auch in derselben Weise gehandhabt. Die flache, schalenartige Ge- stalt des Mörsers ist wohl vom Material bedingt. Für den Stein empfiehlt sich die.se schalenartigc Form, wie für Holz die zylindrische. Dem Zer- stoßen und Stampfen (;tTiaa=iv, (f/c.'.jtv, ),=-u='.v, Tpißsiv, v-ÖK-iiv) pflegte ein Rösten voraufzugehen ('fpü^eiv, iftüYsiv, xoSoiis')- £iv). Das geschah nament- lich bei der Gerste, und zwar dann, wenn poleufa bereitet werden sollte. «Dabei wurde die Gerste erst angefeuchtet, dann getrocknet, geröstet und enthülst, teils durch Zer- stampfen im Mörser, teils wohl auch durch Müh- len, beide jedenfalls die- selben Geräte, die zur Verwandlung der Körner in Mehl angewandt wur- den.» ' Auf welche Weise die Körner geröstet wur- den, ist nicht mehr zu sagen. Sic wird nicht immer und überall die gleiche gewesen sein. Von den zum Rösten ver- wandten Geräten , als welche '^pü^ärpov, xo^o- [isiov, (fcÖYavov genannt werden, fehlt uns eine genaue Keiuitnis- Waren es Get'äße oder Pfannen, so konnte innner nur eine kleine Menge der Ki>rner geröstet werden, etwa .-jo viel, als zum ein- maligen Füllen des Mörsers hinreichte. l'linius^ berichtet über die Beliandlung der tJerste bei den Griechen wie folgt: ■ II. Hlümner a. a. O., S. 11 f. — - Kboiula S. l:f f. — ' Pliniiis. Hisl. iiat. .Will, Ti. Abbilduiii! Mehlbereitung bei den Griechen. Rudolf Meringer. Aniiquissimum /n cibis hordeimi . . . Polentam quoque Graeci non aJiunde praeferunt. Phi- ribus fit haer niodis. (iraeci perfustim aqua Itordinm sircant nocte una ac ])osfrro dir frigunt, dein molis frangunt. Sunt qiti vchemeiitii(s to.^tum riosHS crigna aqua adspenjant et siccent prius quam molant. Ali rero riretitihu>i sj)icis decussinii hordenm rcccns purgant madidnmque in pila tundunt atqtie in corhihiis elnnut ac siccatum sole rxrsns tundunt et purgatum moJutit. Daun fährt er fort: Italia sine perfusionc tostum in suhtilem farinam molit . . In Italien wäre darnach das Anfeuchten der Gerste vor dem Dörren, Rösten, das in GrieclienUind üblich war, nicht im Gebrauche gewesen. Über das Zerkleinern der Körner sagt Plinius folgendes': Pistura non omnium facilis, quippe Etruria spicam ferris tosti pisente pilo praeferrato, fisttila scrrata et Stella intus denticulata, ut, si intenti pisant, concidantur grana fcrruiiique frangatur. Die in Etrurien zum Zerstoßen (pistura) verwendete Maschine hatte also drei wesentliche Teile: piluiii praefermtum, einen mit Eisenschuh versehenen Stößel, fistula serrata, eine gesägte, das heißt wohl geriefte Röhre und Stella intus denticulata, einen inwendig gezähnten Stern (?). AVie man sich den Api)arat vorzustellen hat, ist nicht klar, er hat sich auch, wie Plinius selbst andeutet, nicht bewährt und dürfte deshalb verschwunden sein. Mir ist keine Maschine untergekommen, auf welche die Beschreibung passen würde, nur die Zähne, aber an dem Stößel selbst angebracht, am Eisenschuh, findet man auf der alten Anke in Abb. 22 wieder. Maior pars Italiae nudo utitur pilo, berichtet Plinius weiter, rotis etiani (/uas aqua verset obiter et niolat. Der größere Teil Italiens benütze den einfachen (nicht eisenbe- schlageuen) Stößel, wohl auch die Wassermühlen. De ipsa ratione piscndi Magonis propionemus sententiam: triticuin ante per f und i aqua multa iubet, postea evalli, dein sole siccatum pila repeti, simili modo hordcutn. Den Weizen möge man reichlich mit Wasser netzen, dann enthülsen, an der Sonne trocknen und mit dem Stößel bearbeiten; ebenso die Gerste. Über das zeitliche Verhältnis vom Zerstoßen zum Mahlen haben wir ein beachtens- wertes Zeugnis^: Quia apud maiores nostros molarum usus non erat, frumenta torrebant et ea in inlas missa pinsebard, et hoc erat genus inolendi inide et pinsitores dicti sunt, qni nunc pistores rocantur. Auf Grund dieser Nachricht könnte man glauben, daß die Römer die Kenntnis der Mühle einem höher kultivierten Volke verdanken, wogegen aber spricht, daß malere, mola echt lateinische Wörter sind. Ebenso lateinisch sind die Wörter für die Technik des Zerstoßens. Der Name des Mörsers war mortarium, gewiß ein altes Wort, das im Lateinischen in sehr früher Zeit gebildet worden sein muß, da imr moretum dem Sinne nach nahesteht, marceo und morior aber weit abliegen. Die Keule heißt pilum (pistilluni), eine klare Bildung zu jyinserc und aus *pmsloiH entstanden. Pilum «Stößel» neben ^n7a «Mörser» hat Parallelen bei später zu erwähnenden Doubletten. Das romanische Wort mortarium ist im Sinne von Mörser bei wenigen Nordgermanen aufgenommen worden.^ Die anderen haben Bildungen von einer W. mnrs : ahd. morsari, mhd. zermürsen, wozu morsch gehört, w'oraus klar wird, daß der Mörser den Germanen nicht erst von den Römern übermittelt werden mußte. Lat. mortarium und ahd. morsari sind aber beide von derselben W. mer gebildet, also insofern urverwandt. Was zur Auf- ' Plinius, XVIII, 97. — '' Serv. ad Aen. I, 179. ^ Ndl. mortier, ags. martere (Kluge, Pauls Grdr. l'\ :i41j, engl, mortar. M. Heyne DHA. J, »9. Die Werkzeuge der ^/«»■«/•e-Rcilic luul ihre Namen. Abbildung 3. Ein bölzerner stei- ri^cber Mör^^er. Abbildung' 4. Ein ungarischer Holzmörser samt Stößel. Abbildung 5. Ein finnischer Holz- mörser. nähme des Fremdworts Ijei einigen germanischen Stämmen Veranlassung gab, ist unbekannt. Abbildung 3 bringt die Darstellung eines modernen deutschen Holzmörsers aus einem Bauernhause in Eibiswald, Steiermark. Er ist sehr sorgfältig gearbeitet und dient zum Zerstoßen von Gewürzen; er ist nicht groß, abei' von typischer Gestalt. Wie Holzmörser in alter Zeit hergestellt wur- den, kann mau heute noch in Ungarn lernen.^ Die Höhlung wird mit Glut, Zündschwamm, heißen Stei- nen , bei großen Mörsern mittelst glühend gemachter Kugeln hergestellt uud dann mit Messern ausgekratzt und weiterhin geglättet. «Das Ausbrennen dieser Holz- mörser ist ein überaus schwieriges Verfahren und dauert wohl auch an die 3 Monate, weshalb derselbe zumeist in der Winterzeit verrichtet wird.» Die Abb. 4 stellt einen primitiven Mörser dar, eine Urform des Geräts, bei der die Gestalt des Baumstücks noch beibehalten ist. Auch die Form der Keule ist lehrreich. Wir sehen sie sich dort, wo sie mit der Hand angefaßt wird, verjüngen und begreifen nun die starke Verenge- rung in der Mitte der ägyptischen und griechi- schen Keulen, die eben- falls den Zweck bat, ein volles Umfassen, ohne das ein kräftiger Stoß nicht geführt werden kann, zu ermöglichen. Wegen ihrer Form bringen wir auch die Ab- bildungen einiger hölzer- Die Abb. ;"> zeigt die einfachste zylindrische Urform.* Die > Ungar, ethnogr. Anzeiger, 11, u. III. J.ihi-gang (I. Ein Stamperl. unter Abb. 6 — 8 vereinigten Typen zeigen eine weitere Entwicklung der Mörser. Das Holz ist entrindet und wir erkennen zwei Teile, einen oberen, der die Hiihlung in sich hat, und einen unteren, den kräftigen Fuß, der die nötige Standfestigkeit gewilhrleisten muß.^ Daß die Abb. 3 — 8 Urformen von Mörsern darstellen, ist gewiß. Eine ähnliche Form wie Abb. 8 werden wir sj^äter bei den Kaschuben wiederfinden, und zwar in der Verwendung als Graupenmühle (Abb. 18). Eine älmliche Form findet sich auch — worauf ich im Vor- beigehen aufmerksam machen möchte — bei gewissen Gläsern, die einen dicken Boden haben, gewöhnlich beim Schnapstrinken ver- wendet werden und Staiiipcrl genannt werden, vergl. Abb. 0. Als Grundwort dieses Deminutivums gilt Stampcr-, das als «kelchartiges Trinkglas» erklärt wird. Im DWB. ist auch das Femininum Stampe belegt: <^in Schlesien kleines Trinkglas mit dickem Fuß, der kräf- tiges Aufstampfen verträgt». Mit dieser Erklärung kann ich mich nicht befreunden. Der Brauch mit einem solchen Glase, nachdem man es geleert, heftig auf den Tisch zu schlagen, so daß eine Kerbe entsteht — je tiefer desto besser — , ist allerdings vorhanden und mir speziell aus Südsteiermark berichtet worden, aber der Zusammenhang scheint mir ein ganz anderer zu sein. Das Stamperl iiat alle die Formen eines kleinen Mörsers, und ein altdeutsches *.slanipa muß diese Bedeutung gehabt haben, weil das aus dem Deutschen entlehnte aksl. st(i2)a «Morser» heißt. Dieses *dampa lebt im schlesischen Stawpe «kleines Trinkglas» fort. Auch das Maskulinum stampf hat übrigens gelegentlich den Sinn «Mörser».-' Von dem Femininum stampe ist nun das Verkleinerungs- wort Stamperl abgeleitet, was also ursprünglich «klei- ner Mörser» bedeutete. Erst daraus scheint mir stampcr im Sinne von ^Trinkglas» (und zwar größeren Formats, aber von der Gestalt des stam- perh) abgeleitet zu sein. Der dicke Boden spricht auch für die Priorität des Stamperls, denn nur bei einem kleinen Glas hat er seinen guten Grund — \'erleihung einer gewissen Standfestigkeit. Den Brauch, mit einem solchen Glase zu i stampfen^ , auf den Tisch zu stoßen oder einzuhauen, wird mir verständlich, wenn ich mir ihn als Folge des Na- mens denke, während der Brauch als das prius mir vollkommen unerklärlich erscheint. Die Stampfe. Heute versteht mau unter Stampfe eine maschinell zu hebende und wieder fallen zu lassende Keule oder die Vereinigung von deren mehreren. Tn dieser Definition liegt ' G. Retziu.s, ebenda S. 81, Fig. 57— .59. Der Mörser links dient zum Salzzerstoßen. Der Stöfsel ist ein ovaler, glatter Kieselstein. In der Mitte ein Kaffeemörser, rechts ein Mörser, der verschiedentlich verwendet wird. — = Unger-KhuU, Steirischer Wortschatz sv. — DWB. X. 2. Sp. 67.5. ' J. G. Krünitz, Encyklopädie, 169. Teil, S. .520. AI)l)iliUuiK 10. Die lluzulische Slupa. I)iij Wurkzfiige der pinsere-Rcihe und ihre Xameii. schon die Erklärung der Entstehung der Stampfen. Kine ganz einfache derartige Vor- richtung ist die stu2xi der Huzulen, vergl. Abb. 10.' Man .sieht, daß eine Keule durch Treten eines Brettchens, von dem eine Schnur ausgeht, die über eine Rolle geleitet und unten an der Keule befestigt ist, gehoben werden kann. Beim Anblicke dieser huzu- lischen stujia fällt jedermann ge- wiß sofort ein anderes uraltes In- strument ein, das beim Einram- men von Pflöcken heute noch in Verwendung ist. Hier wie dort wird ein Block oder Pflock an einem Seile in die Höhe gezogen und fallen gelassen. Eine andere Vorrichtung sehen wir bei den Wotjaken, vergl. Abb. 11.* Wie mir J. J. Mikkola mitteilt, heißt der Mörser wotjakisch gjr (finnisch huhnari), der Stößel serekei (finnisch jx'tkek). Die Konstruktion, die an einen Ziehbrunnen etwa der unga- Abbildung 11. Eine Wotjakische Stampfe. Abbildung 12. Eine Kohlenstauipfe des l(i. .lalirliuiiclci't.s. ä^^ca^ Abbildung 13. Stampfe zum Erzpochen. 16. Jahrhundert. Tischen Tiefebene erinnert, erklärt sich von selbst. Ganz ähnliche Ziehbrunnen waren im alten Agj'pten bekannt und finden sich auch heute noch daselbst.^ Eine ähnliche Maschine aus dem Aargau wird so beschrieben^: «ein großer Balken • Szuchiewicz, Huculszczyzna, Leniberg 190:2, S. 190. - Ich verdanke die Zeichnung Herrn Dr. U.V. Sirelius, Dozent an der Universität Helsingfors. Man beachte, daß der beschwerte Kndbalken niclit ferlipgezeichnet ist. ■"" ,1. Ci. Wilkinson, Miiniiers and customs of Ihe ancient Egj-ptians II, S. 4. Nr. 74, 73; Vignette auf S. 1. — K, W. I,ane, Sitten und (Jebräudie der heutigen Ägj'pter. Übersetzt von Zenker. Tafel 44. ' DWB. s.v. Stampfe nadi Hunz.iker. Wörter und Sachen I. i 10 Rudolf Meringer. als Stößel hängt an einem zweiten als Feder dienenden, wagrecbt unter dem Dache des Bauernhauses befestigten Balken und wird mit der Hand in Bewegung gesetzt». Hier zieht also die federnde Kraft des horizontalen Balkens die Keule in die Höhe. Ein Bild dieser Maschine steht mir nicht zur Verfügung, doch ist es leicht, sich von ihr eine ungefähre Vorstellung zu machen. Diese Art Stampfen sind so primitiv, daß wir ihnen ein hohes Alter zutrauen dürfen und bei fortgesetzter Aufmerksamkeit werden sich wohl die Beweise dafür finden. Eine Fortentwicklung der Stampfe bestand darin, daß man mehrere Keulen neben- einander anordnete und sie durch eine Daumenwclle in Bewegung setzte. Die Welle selbst kann durch ein Rad mitMenscheukraft bewegt werden. Solche Maschinen bestehen noch heute. Die -weitere Entwicklung wurde durch die Verwendung von AVasserkraft hervorge- rufen. Wann diese zuerst herangezogen wurde, kann man nicht sagen, jedenfalls wird die Zeit der Wasserstampfe nicht viel verschieden sein von der Zeit der Wassermühle. Abbildung 14. Trockenpoilnveik. 19. Jahibundert. Abbildung 1."). Naßpochwerk. 19. Jahrhundert. Das Prinzip der Wasserstampfe ist das bereits angedeutete. Ein Wasserrad dreht eine Welle und diese Welle hat kurze Dornen, «Daumen», welch« eine Anzahl von Keulen, «Stößel», «Stämpfel», «Schießer» heben und niederfallen lassen. Solche Stampfen haben eine weite Verbreitung erlangt. In ihnen hatte man ein Mittel gefunden, die Wasserkräfte all das verkleinern oder zerschlagen zu lassen, was man bis dahin mit einer Keule oder einem Hammer bearbeiten mußte. Die folgenden Abbildungen zeigen einige Arten der Verwendung solcher Stampfen. Die Abb. 12' gibt eine Kohlenstampfe wieder. Ein Arbeiter schaufelt Kohlen (A) unter die «Stämpfel» (C). Diese werden von den Daumen der rückwärts befind- lichen Welle gehoben und wieder fallen gelassen. Man beachte die Form der eisernen Köpfe der Stempel. Die Art des Betriebs dieser Maschine (Wasser- oder Menschenkraft) ist auf diesem Bilde nicht ersichtlich gemacht. Die Abb. 13^ stellt dar, wie das Erz gepocht wird. B sind «die Säuleu» C Quer- hölzer, D die Pochstempel, E ihre Köpfe, F ist die Welle, G sind «die Däumhnge» der Stempel, H «die Däumlinge» der Welle. Die Abb. 14 und 15 sind modernere Pochwerke.^ Bevor die Erze in den Scnmelz- ' AusG. Agricola, Vom Bergkvverck, verteütscht durch PhilippumBechiunn. Basel 1.Ö57, S. CCCXIII. - Agricola, S. CCXXVI. - ' Buch der Erfindungen 186tj, IV, S. 52. Die Werkzeuge der pinsere-Reihe und ihre Namen. 11 ofen kommen, müssen sie in manchen Fällen mehlartig zerkleinert werden. «Dies ge- schieht in Pochwerken, welche, einer Ol- oder Walkmühle ähnlich (!), ineist durch ein Wasserrad getrieben werden. Eine mit Hebedaumen besetzte Welle hebt die etwa zentnerschweren, mit Eisen beschuhten Stampfen und läßt sie auf eiserne Platten, welche den Boden eines Trogs bilden, der die Erze enthält, niederfallen. Durch Sieben wird das gewonnene Pochnielil von den noch groben Teilen abgesondert, letztere weiter be- arbeitet und schließlich alles zur Hütte geschafft. Dies sind die Trockenpochwerke, so genannt zum Unterschiede von den gleich zu erwähnenden nassen Pochwerken, die zur Aufbereitung armer Erze dienen. In den Fällen nämlich, wo die Erzteilchen rail der Gangart inniger gemischt, oft nur punktweise eingesprengt sind, wird die Handscheidung untunlich, und es tritt an ihre Stelle die nasse oder künstliche Aufbereitung.» Das ist nun das Schlämmen, welches uns hier nicht weiter berührt. Bei Fig. l.ö fallen besonders die Daumen der Welle ins Auge und machen diesen Punkt der Konstruktion klar, wenn die bisher gegebenen Bilder noch jemand im Zweifel gelassen haben sollten. Abbildung 16 stellt eine primitive Lohstampfe aus Steiermark dar. Über das Vorkommen des Wortes Stampfe und seiner Verwandten bei den technischen Betrieben ver- gleiche man Krünitz. ' Die Wörter bedeuten nicht immer dasselbe. Was Stümpel, Stantpfel, Stamper , Stampfer, Stampf heißt, wird auch Stampfe genannt. Die Kfautiitampfe ist ein sförmiges Eisen an einem Stiele, mit dem das Viehfutter (ivraut, Kartoffel) stamp- fend zerschnitten wird. Auch die Stümpel oder StöcJce in den Loh-, Walk-, Papier- und Ölmühlen heißen «■Stampfens «In den Mühleu sind es 12 — 14 Fuß lange und 5 oder 6 Zoll breite Hölzer von hartem Holze, unten mit einem eisernen Schuhe beschlagen, fr. pilons de mouliu.» «Auch die Form, worin etwas gestampft wird, heißt zuweilen die Stampfe», also der Mörser oder raörserartige Teil, wovon schon ol)en die Rede war. Stampfen heißen aber auch die schweren Hämmer in den Papiermühlen, womit das Papier geschlagen wird. Diese Übertragung des Worts Stampfe auf den Hammer wird uns noch später entgegentreten. Auch in den Pnivermühlen wird ein starker hölzerner Hammer Stampfe genannt. Gewöhnlich heißt der tätige Teil der Maschine Stämprt, Stampfel usw., wie ange- geben. Sie leisten im Zerstampfen, Zerstoßen, Zerschlagen, Zerdrücken besseres als die Hämmer, meint Krünitz*, weil sie schwer sind und mit vollem Gewicht autfalleu. Krüuitz beschreibt die Hand- und Maschinenstampfeu au der in der Anmerkung angegebeneu Stelle, und erläutert ihre speziellen Einrichtungen für die einzelnen besonderen Aufgaben und Betriebe, was ims hier nicht näher interessiert. Auch die Bcdeiitungsentwicklung dos Wortes Stümpel bis zu dem, was wir heute ge- wöhnlich unter Ste»ipel verstehen, bedarf keines weiteren Wortes, deun sie ist ohne ■ J. (i. Krünitz, Knoyklop;ulie. Iti«. Teil (IS-'^S), S. 384 ff., öH)\X. -' Kriinitz, a. ;i. O., S. Ti-Ji ff. AbbilJunp 16. Eine heutige einfache Lohstampfe. 12 Rudolf Meringer. Aliliililuntr 17. Koreanerin beim Reisstampfeii. weitres klar ; zuerst werden gewisse Zeichen mittelst eines StämpeJs eingedrückt, dann heißen diese selbst so und schließlich wird ein Papier mit gewissen Zeichen, das erst aufgeklebt wird, so benannt. Der Stämpel heißt in der Steiermark auch Schießrr. Bei Unger-KhuU' liest maus. V. : «Balken bei einem Stampfwerke, der durch eine mit Zapfen versehene Walze (Grindel) emporgehoben werden kann». Der Balken, in dem die mörserähnliohen Ver- tiefungen angebracht sind (in welche die Schießer stoßen), heißt bei uns unkrnhloch.- Die Welle wird auch Wahc genannt. Über die Verwendung der Stampfe zur Erzeugung von Grütze möge man beson- ders Rühlmann einsehen.^ Unter Grütze versteht man mehr oder weniger grob ge- schrotete Körner von Gerste, Hafer, Buch- weizen, Hirse. Man kann die Körner zwar auch in der gewöhnlichen Mühle enthülsen und schroten, bedient sich aber doch auch oft dazu der Stampfe. Rühlmann benennt die einzelnen Teile: Stempel oder Stampfen, an denen die Hebhdten oder Zungen augebracht sind ; Welle ; Daumen. Den Eichen- holzblock, in dessen Höhlung der Stämpel hineinschlägt, nennt er Stampf oder Gruhensfocl;. Das Ergebnis dieser kurzen Betrachtung wird wohl sein, daß die Stampfe in ihrer einfachsten Gestalt m-aU ist und ich möchte glauben, daß man den Urindogermanen ihre Kenntnis wohl zutrauen darf. Wie anders stünde das Leben vergangener Zeiten vor uns da, wenn das wich- tigste Kulturmaterial des Menschen, das Holz, nicht so vergänglich wäre ! Der Hammer. Ich stelle die sc/(/a(/r')!f?m Werkzeuge zu den stoßenden, trotzdem die Sprache einen Unterschied macht, weil sie gleiches bewirken. a. Der Handhammer. In Korea wird der Reis mittelst eines Hammers ge- stampft, wie Abb. 17* zeigt. Der Hammer hat eine breite Schlagfläclie. Der Mörser ist breit und niedrig, was schon deshalb so sein muß, weil der Hammer nicht so tief wie ein Stämpel in eine Höhlung hineinschlagen kann. Jedenfalls ist ein besonderer Schlag notwendig, wenn nicht ein Teil der zu stoßenden Körner aus dem pfannenartigen Mörser herausspringen soll. Abbildung 18. Kaschubisehe Graupenmühle. ' Unfrei-, Steirischer Wurtsebatz, herausgegeben von F. KhuU, S. 5:58. 2 Mitteilung aus Pettau von stud. phil. Fr. Pogatscher. — Wegen block neben block: Noreen, L:iullehre, S. löG. - ' M. Rühlmann, Allgemeine Maschinenlehre, 2. Bd.. S. 208. ' Aus Rud. Zabel, Meine llothzeitsreise durch Korea. Allenburg, Stephan Geibel. HtlHl. Die Weikzeuge der pinsere-Heihti und ihre Namen. 13 Aliliildini'; 19. stAnko» und Slöüel. Sleierin.irk. Eine ähnliche Maschine kommt heute noch bei den Kaschubcn vor, Abb. 18.* Der Hammer ist breit, doppelseitig zu brauchen, der Mörser seicht. Dieselbe Vorrichtung findet sich aber auch in der Steiermark. Die Al)b. 19^ zeigt einen primitiven Mör- ser und verschiedene Formen des Stößels: Dieeinfache Keule, die Keule mit einer Handhabe, den Hammer Die Objekte wurden in Bucliegg bei Arnfels aufgenommen. Das Stoß- oder Schlagwerkzeug heißt steassl, der Mörser ihilcii. Hirse (Jiirsch), ver- schiedene Getreide, F'enchel, werden mit diesen Apparaten . u Rudolf Mei'inger. Ahliiklung- "21. Ostasiatische Anke zum Stliroten. (Aus Reclams Universum XXIV. 1160.) a|ova S' l^ttotiröSYjV [j.ä),a ';ä[j vü toi af>[j.£vov ootw. si Se V.BV öxta;rö5-irjv, a^ö xal cj'füpäv xs täjAOto. Hesiod 423 — 425. «Creuse uti trou de trois pieds; il sera ton niortier; que le pilon ait trois coud^es; qu' une plaiiehe de sept pieds servant de levier s'y emboite.» Diese Erklärung \j. Lindets' liat l)ei Andre Baudrillart "^ Zustimmung gefunden. Lindet berief sich auf eine Anke, die er bei (j. A. Böckler ä fand. Ich reproduziere sie liier in Abb. 22, weil Ijindets Wiedergabe nicht gut ist. Nach Lindet und ßaudril- lart wäre öX[j.o? der Mörser, u^tspoc die Keule, aswv der horizontale Teil des Hammers. Das wäre schon denkbar, aber mir wollen die Maße zu einer Anke nicht stimmen. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß Hesiod eine Stampfe meint, deren Keule drei Ellen lang und an einem sieben Fuß langen federnden, ho rizontalen Balken (a^wv) aufgehängt war. Schwierig ist auch die letzte Zeile: Sagt Hesiod, wenn du einen zu langen Balken (von S Fuß) hast, so schneide einen Fuß davon ab, wodurch du auch eine ^ifOf^a, einen Handhammer, einen Schlägel*, erhältst? Also einen Handhammer zum Fußhammer (oder dei- Stampfe)? Die Abb. 23 stellt eine huzulische Anke, dort notinä stüpa genannt, vor. ^ Die Zeichnung ist nicht befriedigend. Auffallend ist der Galgen, an dem sich der Stampfende ebenso wie in China und Indien festhält. Abbildung 24 vergegenwärtigt eine Anke aus Un- garn «und heißt bei den Wenden des an den Göcsej anreihenden (sie !) Gebietes Stopa*.'' Die Verantwortung Abbildung; 2^2. Mölile des l7./l,s. ' Rev. arch., a. a. 0. — - Daremberg-Safrlio, Dictionnaire, Jahrhunderts. Vom eine Anke. s. V. moitarium. — ^ G. A. Böckler, Theatrum macbiiiaium no- vum, Nürnber}; 1703, Taf. 10. — * Das Wort bedeutet auch einen Schmiedehammer, Od. :i, 434, den man sich wohl aus Eisen hergestellt denken muß. 0. Schrader, Sprachvergleichung und Urgeschichte, ^ 11, S. 1(>. Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, daß Holzhämmer auch beim Schmieden verwendet werden; ich habe zu meinem Erstaunen in Varei (Bosnien) gesehen, daß die eisernen Brotbackdeckel mit hölzernen Schlägeln geformt wurden. — ^ Szuchiewicz, Huculszczyzna, S. 100, Abb. 104. '■ Ungar, etlinogr. Anzeiger, II. u. III. Jahrgang (U)07), S. 36 f. Die Werkzeuge der pinsere-Reihe und ihre Namen. 15 Abbildung 23. Eine huzuliscbe Anlce. Abbildung' 'ü- Anke bei den ungarischen Slowenen. für das Verhältnis der beiden Hebelarme dieser Anke muß ich dem Zeichner überlassen. Ich erlaube mir daran zu zweifeln, daß der kürzere Hebelarm wirklich gar so kurz ist. Diese sfoi)a dient hauptsächlich zum Zerstoßen von Buchweizen, «dem wichtigsten Nahrungsmittel der Wenden», d. h. der Slowenen. Der Mann, welcher die stopa bedient, hält sich an einem Stock an, der in der Haus- wand in entsprechender Höhe befestigt ist. Überall, auch bei den Deutschen, steht die Anke neben einer Wand des Hauses, natür- lich außerhalb desselben, und überall fand ich wie die anderen diesen Stock, der das freie Gerüst der indischen, chinesischen und huzulischen Maschine vertritt. Daß die un- garische Paprikastampfe ebenfalls eine Anke ist, habe ich an einem anderen Orte schon er- wähnt. ^ Im ethnographischen Museum in Budapest dürfte eine solche — die ich vor 2 Jahren zerlegt sah — unterdessen aufgestellt worden sein. Auch das Museum in Salzburg enthält eine Anke, wie mir Professor R. Hoemes mitgeteilt hat. Die schematische Zeichnung Abb. 25 bringe ich wegen der genauen Maße. Sie stellt eine Anke aus Eibiswald (Steiermark) dar. Die Doppelheit der Löcher erklärt sich daraus, daß das eine Mörserloch durch vieles ncincn (wir kommen auf das Wort zurück) ansgencint. d. h. unbrauchbar ge- macht wurde. Weil die Möglich- keit vorhanden war, wurde ein zweites Loch ge- bohrt. - Abbildung 26 ist eine Skizze einer Anke aus Schwanberg (Steiermark). ä Die Keule mit Eiscnbeschlag ist interessant. Sie ist. soweit meine Kenntnis reicht, von untypischer Form. Abb. 27 ist etwas verzeichnet. Der linke Arm dürfte etwas länger sein, deun_ sonst würde er beim Horunterfallcn gar keine Kraft entwickeln. Dargestellt ist eine Hirse- stampfe vom Kadolbergpaß zwischen Eii>iswald und Mahrenberg. Die Anke steht nicht längs der Hauswand, sondern senkrecht auf diese, was eine kompliziertere Anlage des ' Indogerm. Foi-scliunjien, XXI (1907). S. 2S4. — - MilteiUnijjen des Herrn Lehrers Fr. Einfall in Eibiswal.l. — ' Mii- l'ioumlliilisl von riofcssor Fr. Krank zur Verfüsunjr sreslellt. .\l)hilihing 2.5. Sfeiriscbe Anke. IC. Rudolf Meringer. ildung Steirische Anke. Stocks zum Allhalten bedingt. Auch die Art, wie der Knopf Cder hier statt einer Keule ersclieint) mittelst eines Eisenbands befestigt ist, ist uiitvpisch. Die Abbildung 2S liat Dr. V. Geramb aufgenomnieii. Die Anke steht ebenfalls in Eibiswald längs eines Hauses. Das Bild deutet die Fußhal- tung des Stampfenden, wie sie mir demonstriert wurde, an. Bei so kleinen Maschi- nen mag diese Haltung mög- lich sein, bei größeren ist sie nicht gut denkbar und ge- wiß nicht gebräuchlich. Bei der Bäuerin dieses Hauses konstatierte ich mit Sicherheit das Parti- zipium gnoant vilit ■' Mörser». Ein starker (irund iiu' die Richtigkeit dieser Annahme liegt in dem altsl. stnpa «Mörser», das einem ahd. *stampfa entlehnt ist. Aber wieder haben Verschiebungen stattgefunden. Auch Stampfe wurde auf die ganze Maschine übertragen, dann auf den <^StämptVl». So heißt ein sformiges Eisen an langem Stiele je nach der Verwendung Kraittstampfe, Erdiipfehiamjyfc. In der vom ' Vergl. DWB., .•^. v.; I'alk-To rp. Etym. Onlbo?. 190«, s. v. Stampe; J. Fr.iiik. EtymoloFiscli Woordenliock, .*. v. Stainpon usw. [Tnip F:ilk, Fick III' kiiniile iili erst bei der Korreklur einsehen.] -Si'lii IltM-T.üliliiMi, MillolnioiliM-d. Wöllerb., s. v. — ^.I. .A. Soli niiM 1er, ripiilui^i-hesWiiilerbuch, S. 173. Abbildung :?.■?. Konstruktion eines moderneren Eisenhammers. 20 Rudolf Meringer. DWB. angezogenen Stelle in Tieck Don Quixote: es ivaren secJis Stampfen einer WaUiuiihle, die mit ihren abwechselnden ScMügen jenes Lärmen hervorlracliten, ist kläi'licli von den Stämpfeln die Rede. Ebenso heißt der Stößel der Aargauer Maschine, die wir schon oben besprochen haben (S. 9 f.), Stampfe. Stampfen Ztw. Das ahd. stamfün (nur einmal belegt) ist ein Denominativnm von *stamfa, *stampfa und betieutet «etwas in der Stampfe bearbeiten». Stümpfel, Stempel bedeutet den aktiven Teil der Stampfe und scheint eine jüngere Bildung zu sein, die notwendig war, als der stampf dw\'d\ Übertragungen unklar geworden war. Die Bildung sehließt sich an die zahlreichen auf germ. -ila- an, die J. Grimm zusammengestellt hat \ von denen ich nur auf die verbreitetsten hinweisen möchte: Bleuel, Flegel, Griffel, Hebel, Henkel, Kegel, Kneuel, Knüttel, Kiibd, Löffel, Meißel, Prügel, Riegel, Schlägel, Schlüssel, Schwengel, Wedel, Wirtel (der Spinnerin), Zügel. Aus dem Althochdeutschen ist uns noch eine merkwürdige Glosse erhalten : Pila sianif est uas concanum aptum ad frumenta tundxnda superius (lutem lignum cum quo tunditur pilum dicitur. i. stamfi strcmphil nbirstemfe. Steinraej'er, Ahd. Glossen I, 802 z. 34 ff. Der Herausgeber bemerkt hierzu, daß stamf und stremphil zum Zeichen, daß sie getilgt sein sollen, unterstrichen sind. Es scheint also, daß keine Sicherheit herrscht. Einmal soll bloß pila mit stamf übersetzt werden, und pilum mit ubirstempfe, das übergeschrieben ist. Ursprünglich war aber pila mit stamf ebenso übersetzt wie pilum und bei letzterem noch hinzugefügt stremphil. Dieses letztere Wort wird wohl identisch mit * stemphil sein, wie strampfen mit stampfen. Woher das r stammt, ist nicht zu sagen. Stumpf Masc. und stumpf Adj. stehen im Ablaute zu den bis jetzt genannten Wörtern. Da nach meiner Meinung an so einfachen Sachen am ehesten die älteste Bedeutung der Wurzel haftet, muß ich annehmen, daß man die germanische Bedeutung aus dem Substautivum Stumpf erschheßen muß. Stumpf, ags. stump, holl. stomp, hat die Grundbedeutung «Klotz» gehabt und i.st die suffixbetonte Nebenform zu stampf, mit dem es möglicherweise einmal im selben Deklinationsparadigma vereint war (idg. *stömbo-, stmbe-). Das Verbum stampfen muß also einstens bedeutet haben «mit einem Klotz arbeiten», und die weitverbreitete Bedeutung schwer auftreten» kann daraus her- stammen, daß das Treten des Fußes das Heben eines Klotzes (oder eines Hammers), kurz ein Stampfen bewirkte, oder aber ein schwerer Gang ist bildlich mit dem Nieder- fallen eines Klotzes (oder Hammers) verglichen worden. * Eine alte Nebenform *stmhh steckt in Stummel, (ver) stammeln (mhd. stumbel «Stumpf», stümheln). Auffallend ist, wie mächtig die germanischen Wörter zu Slawen und Romanen vor- gedrungen sind. Gewiß war es die Sache, die Nachahmung fand, die Stampfmühle, die darnach wohl von Deutschland aus sich weiter verbreitet haben muß. Wieder sehen wir, wie bei der Geschichte des Pflugs, die Germanen als Lehrmeister der anderen Völker. Die slawische Sippe findet man bei Miklosich. ^ Aksl. stapa «Mörser» ist erwähnt. Nsl. stöpa «Stampfe», Plural stope «Stampfmühle, Pochmühle», stöpati «stampfen». Tschech. stoupa «Stampfe, Stampftrog, Stämpfel» kroat. sfupa «hölzerner Mörser» «Stampfe» '*, ' J. Grimm, Deutsche Grammatik, III, S. 470. — ■ Indogerm. Forschungen, XXI (1907), S. 286 f. ' Fr. Miklijsich, Etymol. Wöiterb., S. 334, s. v. stompa. — ■* V. St. Karadsc hitsch s.v., gibt auch an «eine Maschine zum Hanf brechen». Wie sieht sie aus? Man sieht aus solchen Fällen, wie wertlos ein Wörterbuch ohne Bilder ist. Die Werkzeuge der pinsere-Re'ihe und ihre Namen. 21 stupati «stampfen»; poln. st^pa «Stampfe», stqpor, stepor "StämpfeU, rassisch stupa «Mörser», «eine Erdstampfe», «ein Klotz», «ein plumpes Frauenzimmer». Ital. sfampare, span. port. cstanipar, franz. cstamper, «stempeln, prägen, abdrucken». Ital. stompa «Prägung, Buchdruck , franz. etampc «Stahlstempel», ess «strunkig. holzig- finden wir stebctis «staunen», stab/jli «aufhalten». Dem ai. stamh/ia entspricht Ht. stabas tGötzen- bild»^ got. stafs usw.' Zu dem apreuß. mahmastabis, das «Mühlstein» bedeuten soll, will ich, meine früheren Worte ergänzend*, noch sagen, daß es auch «Mühlenstößel» bedeuten könnte, denn es wäre sehr denkbar, daß die Preußen Mörser und Keule ver- wendeten. Jedenfalls glaube ich noch immer nicht, daß sfabis «Stein» heißt. Die nasalierte Wurzel in gr. aatsjKpvji; «unerschütterlich, fest, grausam?, '3ts[j.so).ov «ausgepreßte Oliven, Steinbeeren». Die unnasalierte Wurzel wieder in der Sippe von stapfen (gerra. *stabn-, stapn-), engl. step. [Torp-Falk, Fick HI', S. 4^2.1 Unsere Ausführungen haben ergeben, daß stc(in)b(h) den Shm « Klotz ». «mit einem Klotz hantieren» u. ä. bedeutete. Neben dieser Wurzel bestand noch ein *stap. vergl. Staffel, Stufe, aksl. sfqpiti, stapad, bei dem nur eine Bedeutung «treten, gehen? nach- weisbar ist. Ein ganz merkwürdiges Nachtgespenst ist mhd. diu Stempel Sie macht ihrem Namen (germ. '''■ stanipjö «Stämpferin») Ehre, denn sie tritt im Schlafe die. welche ihr Essen nicht säuberlich verzehrt haben, hat also eine weitschichtige X'erwandtschaft in den Geistern, welche sich dem Schlafenden auf die Brust legen (Alp, Trud. Mahr, Schratt). Zur Frage, ob bei der Bedeutungsverschiedenheit von < schwer auftreten» und mit einem Stößel stoßen» schon irgendeine, wenn auch einfache Maschine mitwirkt oder nicht, vergleiche qStc, das auch einen Tanz bedeutet, was ja eine ganz begreifliche Metapher wäre. Die Ähnlichkeit des Klangs eines taktmäßig «stranipfenden^ Tanzes ' A. Walde, Lat. elymol. Wörter!)., s. v. — » liidoperm. Forschungen, XVUI (1905). S. ä79. » Uhlenbeck, Et. Wörterb. .1. ai. Sprache, S. MX [Torp-Falk, Fick IIP, S. 483.] * Iiuloserm. Forsoliungcn, XVIII (lilofi). S. 276. '•> Grimm. Deutsche Mythologie. .*!. -255 f. Haupts Alldeutsche Rlrdler, I, UK>. v. d. Ha^en. G^ sammtabou teuer. 111. :>;!. 22 Rudolf Meringer. mit dem Klange von stoßenden Keulen ist allerdings groß. Aber ein gewöhnlicher schwerer Gang ist einem Stampfen doch nicht so ähnlich. Allerding.s kann man anderer- seits wieder geltend machen, daß solche Übertreibungen in den sprachlichen Metaphern keineswegs unerhört sind. Sicher ist nur, daß in *ste(m)h(Ji) der Sinn Klotz» ent- halten war. b. Anke. Über die Etymologie dieses Wortes könnte man sich verschiedene Gedanken machen. Man könnte an Entlehnung au.s lat. ancus «gekrümmt» denken. Belegt ist beiFestus: AncKS appellatur, qui aduncum bracchium habet, et exporrigi non potest.' Das Wort scheint dem ital. aticino zugrunde zu liegen.- Aber gegen ein Lehnwort spricht vor allem das feminine Geschlecht von Anke, ganz abgesehen davon, daß wir von einer römischen Anke dieses Namens nichts wissen und daß die Anke kein Haken ist. Auch scheint das Wort ancHS schon frühzeitig geschwunden zu sein. Dann könnte Anke urverwandt mit ancus sein, was bei der Annahme einer -nd- Ableitung lautlich möglich wäre. Aber wieder erhebt die Sache Einspruch, denn die Anhc ist kein Ilaken, ist nicht gekrümmt (ai. ahids 'gebogen>). Und so bleibt denn bloß die Möglichkeit der Identifikation mit ahd. ancJia Fem. «Genick«, mhd. anlcc «Fußgelenk, Genick«^, ahd. eiichil, anchal, nhd. E»M «^Fußknöchel». Dieses gehört zu ai. ailj (RV.) «sich drehen s üüga Körting, Lat. Rom. Wiirterb., s. v. ancus. — Walde, Lat. Et. Wörterb., s. v. •' Weigand, D. Wörterb., 5. Aufl., ed. H. Hirt, s.v. — Falk-Torp, Norw. dän. et. Wörterbuch, deutsch von H. Davidsen, s. v. Ankel. — •* Uhlenbeck, Et. Wörterb. der ai. Spraclie, s. v. •^ Graff, Ahd. Sprachschatz IV, 1125. — Zarncke im Mhd. Wörterb. 11,1, S. 418. — Le.xer, Mhd. Wörterb., s. v. — D. Wörterb., s. v. [Torp-Falk, Fick III*, S. 298.] '^ Vergl. das D. Wörterb. — Schmeller-Frommann, I, 1711, Schmeller, Cimbrisclies Wörlerb., 149. — Schöpf, Tir. Id , 470. — Lexer, Kämt. Wörterb., 196. — Überfelder, Kämt. Idiot., l'.io. — Unger-Khull, Steirischer Wortschatz. 47fi. Diu Werkzeuge der pitisere-Ueihe und ihre Namen. 23 Abbildung 34. Das Verbum war ein starkes, ist aber schwach f^ewoiden. Es ist der Rest einer sehr merkwürdigen lang(hi)hthongischen Wurzel, die .1. Schmidt eingehend behandelt hat*, zu der got. bnaiian, ahd. nmn, aisl. gni Plans der Zeichnung auch bloß zwei Hämmer und zwei Mörser sehen wollen, also eine \ov- richtung, die sich heute noch findet und oben aus Arnfels (Steiermark) abgebildet ist (Abb. 19). Ich halte aber diese Deutung für unmöglich, denn für einen Handhammer sind die gezeichneten Hämmer um ein Vielfaches zu groß, ganz abgesehen davon, daß der Zeichner sie wohl mit dem Kopfe zu den Mörsern, wenn das eben Mörser wären, geneigt hätte und nicht mit dem Stielende! Das letzte Häuschen enthält die molac, nach Stefani die Handmühle mit den Mahlsteinen». Auch das ist unrichtig. Für Handinühlen sind die Steine zu groß und sonderbar wäre es, wenn ein Musterkloster Handmühlen gehabt hätte. Die den Römern ' F. Keller, Bauriß des Klosters St. Gallen, S. 31. ^ Indogermanische Forschungen, XXI (1907), S. 28.5. Die Werkzeuge der pinsere-Reihe und ihre Namen. 25 schon bekannten Wassermühlen' können wir mit Bestimmtheit einem «Großbetrieb», wie ihn unser Kloster in vielfacher lliusicht darstellt, zutrauen. Zu allen anderen Argumenten für den Wasserbelrieb der Anken und der Mühlen spricht noch die Lage am Rande der Klosteranlage, wo der Zeichner einen Flußlauf annahm. Wenn wir die drei Häuschen nebeneinander betrachten, so sehen wir die Vor- richtungen für das Rösten (oder Dörren), das Stampfen und das Mahlen vor uns, die drei Stadien der Behandlung der Getreidekörner bei ihrer Umwandlung in Mehl. Die Stampfe steht hier so neben der Mühle wie die Wörter in der Verbindung siamfon undc malcn^ comminuere fruges. Auch heute noch findet man (z. B. in Eibiswald) an Mühlen Anken angebracht ! So zeigt auch die Abb. 22 eine alte Mühle und daneben eine Anke. Wie hat der Zeichner des Plans in seiner Sprache die pilae genannt? Wenn er ein Deutscher war — wie ich glaube — , kann er stampf gesagt haljen (wie die ungarischen Slowenen ihre Anke stupa nennen, was natürlich aus dem Deutschen entlehnt ist; oben Abb. 24), er kann aber auch *ankha, vielleicht sogar *nhma gesagt haben. Daß es im 9. Jahrhundert in St. Gallen noch nötig war, einen locus ad tonendas atmonas zu haben, mag damit zusammenhängen, daß das Klima damals noch feuchter war als heutzutage, wohl deshalb, weil die Wälder noch einen weitaus größeren Raum einnahmen. Heute muß man schon erheblich weiter nördlich gehen, um ähnliche Ein- richtungen zum Darren des Getreides zu linden. Aus dem 17. Jahrhundert wird uns noch bezeugt, daß die Litauer das Getreide durch Ofenwärme dörrten' und Nessel- mann* erklärt jäuja als 1) eine Scheune mit einem Ofen, worin das noch am Stroh befindliche Getreide getrocknet wird, so im zemaitischen und 2) eine Brachstube, in welcher Flachs getrocknet und gebrochen wird. Die Südiitauer benützen noch heute die Badstube pirfis als Darrhaus für das Getreide. Ein eigenes Häuschen zu diesem Zwecke finden wir bei den Letten^, worüber Bielenstein S. 81tt'., DStt". zu vergleichen ist. Dieses Haus heißt lija, Biege (a.a.O. S. 105). Gewiß ist, daß die Riege nur wegen des Klimas sich im Norden erhalten hat (a. a. 0. S. 97), aber die Möglichkeit, daß sie einst auch im Süden notwendig war, ist nicht abzuleugnen. Diese Riege wurde bei den Letten vielfiich bewohnt. «In der kalten Winterzeit hauste Mann und Weib, Groß und Klein in der Hitzriege in der Nähe des mächtigen Ofens, gleichviel ob noch Getreide in der oberen Hälfte der Riege gedörrt wurde oder nicht . Auch die Finnen kennen die Darre, ria'': «In einer Ecke, zur Seite der Eingangs- tür, steht ein Ofen . . . J)ie Darre soll zum Trocknen des Getreides dienen. Aller finni- scher Roggen wird auf diese Art getrocknet; man ist dadurch in Finnland unabhängig von den Regenschauern der Erntezeit . . . Aber es ist auch erforderlich, daß es in Gegenden, wo die Darre gebraucht wird, Brennholz in Überfluß gibt?. ' Yitruv, X, 5. — Davembcrft-Saplio, Dk-tionnaire, s. v. mola.— M. Heyne, D H A. H. S. ifil — M. Heyne, Das alldeulsclie Handwerk, S. 7."). — 0. Schrader, Reallexikon, s.v. mahlen, S. 511. — Blümner, Technologie, I, S. 45. - Graff, VI. 6S4. — ■' .A. Uiclenstcin. Die Holzhaiiten und Holzgeräte der Letten. I, S. !09. ■* G. H. F. Nessel man 11 . Wöitorbuch der Liltauischcn Sprache, IS.M, s. \. jaiija. '' Vorf,'l. meine Anzeige dos Bioloiisteiirschen Werks in den Mitteil, der AnUimpol. Ges. Wien, XXXVUI (1908), !271f. - « G. Retzius, Kinnlaiid. Dcut.sch von A|>pel. S. 95. Wörter und Siidicn. I. * 26 Rudolf Merlnget*. Die »HoZere-Gleiobung erstreckt sich, wie bekannt und schon erwähnt, nicht auf das ganze indogermanische Gebiet (got. ahd. malan; ahd. muljan «zermalmen» ; got. malma «Sand»; ahd. niclo «Mehl»; got. gamahvjan «zerstoßen»; gr. jj-oXt], [löXo? «Mühle»; alb. miel «Mehl»; armen, malcm «zerstoße» usw. Sieh Walde s. v. molo). Die Grundbe- deutung ist zweifellos «zerreiben». Dies geschah durch zwei Steine. Der Name dieser ältesten Maschine liegt in got. qairnus, lit. y'irna (ßrnos, altsl. zriAiy, air. hvö, armen. erkan, ai. grdvan- «Preßsteiu des Somas» vor', geht also über die Grenzen Europas hinaus. Ein Zerreiben zwischen Steinen wird ja überall nachzuweisen sein. Die älteste Art dieses Zerreibens besteht darin, daß ein Stein auf einem andern hin- und hergeschoben wird. Auf der nächsthöheren Kulturstufe lernte man einen Stein auf einem anderen konzentrisch zu drehen — es entstand die erste «Mühle» in unserem Sinne. Auffallend ist, daß das Wort für die Urmühle (got. qairnus usw.) nicht mit dem Verbum molerc zusammenhängt. Vielleicht kommt das daher, daß die Wurzel (j^^erä garnicht «malen», sondern zuerst nur «zermalmen, Früchte mit einem Stein aufschlagen, um den eßbaren Kern herauszunehmen» bedeutete und dann auf das Mahlen übertragen wurde. Jedenfalls möchte ich mich den Gelehrten anschließen, die in *(ßera den Sinn «zermalmen, zerschlagen» — ich füge hinzu: «uzw. mit einem Steine — suchen.'^ Der Begriff «Stein» muß meiner Meinung in' der Urbedeutung enthalten gewesen sein. Weiter verbreitet als die molere-GleichMug ist die pinserc-GXGichwng (ai. pinästi, «zerstampft», piitum «Mehl», altsl. pbchati «stoßen», pbkno «Mehl», Tribow «stampfe, schrote», ahd. fcsa «Hülse des Getreides, Spreu», nhd. Fese, mnd. viscl «Mörser» usw. Sieh Walde, s. v. pinso). Die Urbedeutung dieser Wurzel ist, wie man richtig gesehen hat, «zerstampfen mittelst Keule und Mörser». Aus der weiteren Verbreitung der pinsere-G\%\Qh\xng und aus der leichteren Herstellung der Werkzeuge kann man wohl — mit 0. Schrader — schließen, daß wir hier eine primitivere Kulturstufe der Bear- beitung der Halmfrüchte vor uns haben als bei der j;?o/ere Gleichung. Die Instrumente der pinsere-ReWie sind aus Holz. Ein ganz seltener Fall ist die von Schliemann in Troja ausgegrabene Steinschale mit dem zugehörigen Steinstößel.* Schon der Umstand, daß das Material der Werkzeuge der^/«sp/T-Reihe das Holz ist, macht es plausibel, daß das Stoßen älter ist als das Mahlen. Wir haben übrigens ein Zeugnis dafür noch in historischeu Zeiten gefunden. Die Instrumente der pinsere-^eihe, Keule und Mörser, sind wohl auf der ganzen Erde verbreitet. Aber nicht ebenso scheint es. sich mit der J«/,p und ihrem Geschlecht zu verhalten. Wenn wir diese in geographischem Zusammenhange vom Osten Asiens bis nach Europa finden, so wird wohl der kulturelle, prähistorische Zusammenhang wahrscheinlicher sein als die Annahme vielfacher besonderer Erfindung. Im großen und ganzen ist uns die Entwicklung klar geworden. Wir haben zwei Urwerkzeuge, von denen auszugehen ist. Das eine ist die Keule, aus der sich die Stampfen entwickelten. Das andere ist der Hammer, aus dem sich die großen Maschinen entwickelten, die noch immer seinen Namen führen. Die Keule wurde zur Stampfe, als sie durch Rolle und Strick gehoben wurde, der Hammer zur Anke, als man lernte, ihn mit dem Fuß in Bewegung zu setzen. Für das hohe Alter der Anke spricht ihre ' 0. Sehrader, R. L., S. 512. — Uhlcii betk, Et. Wörlerb. d. ai. Sprache, s. v. grdcä. ' A. Walde, s. v. glärca. — Th. v. Grienlieit;cr, Untersucliunfreii zur got. Wortkunde, s. v. gakrölOn. ' Daremberg-Saglio, Dictionnaire, s. v. mortariuni, Abb. 5150. Die Werkzeuge der pinsere-Reihe und ihre Namen. 27 weite Verbreitung. In China und Indien, sowie in Ungarn, Polen, Steiermark, Kärnten, Krain, Salzburg und in Italien' findet sie sich, und wird sich noch in weiterem Umfange nachweisen lassen. Auch das Wort Anke ist ein isoliertes, uraltes. Die Germanen haben von der pinscreSippe nur spärliche Reste erhalten. Aber gerade sie scheinen die Stampfe und die Anlcc weiter entwickelt zu haben und von ihnen haben andere Völker zugleich mit der verbesserten Sache das Wort Stampfe über- nommen. Die uralten Worter Stampfe, Anke, neuen schließen den Gedanken, daß die Germanen die entsprechenden primitiven Werkzeuge noch nicht gehabt hätten, aus. Nur in der Verwendung der Wasserkraft waren sie Schüler der Römer. Gegen das urindogermanische Alter der Stampfe und der Anke spricht aber vor allem, daß wir für sie keine Wortgleichungen von größerer Verbreitung finden. Aber das wäre noch kein durchschlagender Grund. Es kommt darauf an, wie hoch wir uns die Kultur der Urindogermanen inbezug auf Ackerbau und Bearbeitung des Metalls (ai. ayas, lat. acs, got. atz) vorstellen, kurz ob sie im Besitze einer Kultur waren, die ohne diese einfachen Maschinen denkbar war. Und von diesem Standpunkt aus möchte ich es allerdings für wahrscheinlicher halten, daß sie solche Maschinen besaßen, als daß sie mit Keule und Hammer das Auslangen gefunden haben. Man denke daran, daß sie nicht nur den Schlitten, sondern auch den primitiven Wagen gekannt haben und wohl auch einen Hakenpflug. Für gewöhnlich wird den Indogermanen nur der Wagen zuge- schrieben. Ist es aber denkbar, daß ein Volk, das diesen kennt, sonst gar keine Maschine hat? Ich halte eine solche Annahme für sehr unwahrscheinlich. Übrigens scheint es mir ziemlich gleichgiltig zu sein, ob die besprochenen Ma- schinen in ihrer einfachsten Gestalt schon «urindogermauisch> sind oder nicht. Sie sind, namentlich in ihrer Entwicklung betrachtet, wichtig genug, und an ihrem hohen Alter ist mir ein Zweifel undenkbar. Ich glaube, wir müssen es aufgeben, als einziges Ziel der indogermanischen Altertumskunde die Rekonstruktion der gemeinsamen urindogerma- nischen Kultur anzusehen.^ Vielleicht kommen wir aber auch diesem Ziele näher, wenn wir nicht immer direkt darauf hinsteuern. Ich habe schon bei anderer Gelegenheit ge- sagt, daß ich den Pessimismus inbezug auf die indogermanische Altertumskunde nicht zu teilen vermag, obwohl ich die Schwierigkeiten der Erschließung der urindogermani- schen Kultur nicht unterschätze. Was bei dieser Rekonstruktion uns vor größereu Fehlern bewahren wird, das ist die große kulturelle Stabilität, die man bei primitiven Zuständen wahrnehmen kann. Das Urvolk mag eine stattliche Reihe von Jahrhunderten in ganz gleichen oder doch kaum verschiedenen Verhältnissen gelebt haben. Wem aber trotz dieser Erwägung die Ausmalung des Bildes der uriudogermanischen Kultur zu problematisch erscheint, der kann die Einzelfrage studieren und sie vom Ende in der Gegenwart bis zum vermutlichen Ausgangspunkte in der Urzeit zurück verfolgen. Eine indogermanische Altertumskunde, welche die Einzelfragen, gruppenweise geordnet, nach diesem Gesichtspunkte behandelte und dabei ganz darauf verzichtete, ein zusammen- hängendes Bild der Urzeit zu zeichnen, wäre methodisch unanfechtbar und unanfecht- bar auch in ihren Ergebnissen, wenn sie es unterließe, alle die letzten Zustände, zu ' Ihr Name ist frantojo (MiUeilung von A. Ive). ' So denkt auch 0. Schraaer und hat das in trelTenilen Worten pe^agt : vergl. Reallexikon, S. XX XVI und Sprachw. und Urgeschichte' I, S. 2;2'.t. — Weiter P. Kretschmer, Einleitung, S. 75, der auch eine entsprechende Äufierung E. Meyers zitiert. 4» 28 ' W. Meyer-Lübke. denen sie bei den verschiedenen Detailfragen gelangle, als gleichzeitige hinzustellen. Schon im Interesse der gleichmäßigen Durcharbeitung des Stoffs wäre es gelegen, daß solche Detailuntersuchungen in größerer Zahl unternommen würden und in diesem Sinne habe ich einmal gesagt, jeder Artikel von 0. Schraders Reallexikou ist eine Aufforde- rung, die Sache besser zu machen. Die Instrumente der ^j/Hso-e-Reihe haben vielfach andere Verwendung gefunden, wie wir schon gesehen haben. Sie spielen eine ungeheure Rolle in der Kultur der indo- germanischen Völker. Mit ihnen wurden nicht nur die Feldfrüchte bearbeitet und die Steine gepocht, sonrlern auch Öl gepreßt, das Tuch gewalkt und verfilzt und das Eisen dem Menschen dienstbar gemacht. Von Urzeiten bis in unsere Tage herein haben sie dem Menschen unendliche Dienste geleistet und es ist eine bezeichnende Einzelheit, daß vor kaum mehr als einem Menschenalter Krupp in Essen noch einen großen Eisen- hammer aus dem Geschlechte der Anken besaß. Mir kam es hier nur darauf an, das große und wichtige Hauptstück aus der Ge- schichte der indogermanischen Kultur: Uralte Maschinen zu beginnen und einige Grundlinien zu ziehen. Romanisch BAST-. Von W. Meyer-Lübke. Auf Gebieten wie dem Romanischen, wo die Gegenden, aus denen der Wortvorrat geflossen ist, bekannt sind, kann es als letzte Aufgabe der etymologischen Forschung bezeichnet werden, jedes Wort bis auf seine Quelle zu verfolgen. Aber häufig genug sind die Quellen, namentlich wenn sie in gallischem oder germanischem Gebiete liegen, derartig verschüttet, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, bis zu ihnen zu gelangen, man muß sich vielmehr begnügen, den Flußlauf wenigstens so. lange zu verfolgen, daß man das Quellgebiet angeben kann. Das heißt also zur Wortgeschichte kommt als er- gänzend, unter Umständen erweiternd, die AVortgeographie hinzu, auf beide zusammen kann die prähistorische Forschung aufbauen, bald mit Erfolg, bald auch ohne. Für die kulturgeschichtlichen Fragen, die sich an die Wortgeschichte knüpfen, ist es in sehr vielen Fällen genügend, die Richtung der Entwicklung anzugeben, bleibt es sich ziem- lich gleichgültig , ob die genaue Grundlage , ob , um im Bilde zu bleiben , die Quelle selber gefunden ist, um so mehr als es oft ein bloßer Zufall ist, ob man diese Quelle noch trifft. Ein lehrreiches Beispiel gibt uns die Wortsippe, die im folgenden besprochen werden soll. Es sind im ganzen sieben begrifflich von einander mehr oder weniger scharf ge- trennte Gruppen, die den Stamm hast- enthalten. 1. frz. hdtir, it. hastire, span., portg. basf/r «Heftnähte machen». 2. frz. hätir, prov. hastir «bauen». 3. it. hasfarc, prov., span., portg. basfor «genügen». 4. it. husto, frz. bat, prov. basf. span. basfo «Saumsattel . 5. it. bastardo, frz. bätard, prov. bastarf, span., portg. bastardo « Bastard >^ Romanisch BAST-. 29 6. it. basfoiic, frz. haton, prov. hastön, spau. haston, portg. hastäo «Stock». 7. it. basfagio, prov. bastai, kat. basfax «Lastträger». Wie man sieht, hat das Rumänische keinen Anteil, baston «Stock» ist eine junge Entlehnung aus dem ItaHenischen. Diez hat als Ausgangspunkt für sämtliche Wörter griecli. ßa'jtäCsiv «stützen», ßäatal «Lastträger» angesetzt, also ein basf-, an welchen Stamm auch das spät- lateinische bastcrna «Sänfte» gemahne, und er scheint darin noch heute zumeist Bei- fall zu finden, wenigstens ist in dem besten und neuesten französischen etymologischen Wörterbuche, im Dictionnaire g(^'neral von Darmestetep, Hatzfeld, Thomas nur für bätir «heften« eine abweichende Deutung gegeben. Daß auch bätir «bauen» anders erklärt werden müsse, habe ich in meiner Rektoratsrede «Die Ziele der romanischen Sprach- wissenschaft» S. 33 (1906) ausgesprochen; die nähere Erklärung sollen die folgenden Seiten bringen. Zunächst ist ßaataJisiv für bätir abzulehnen. Ganz abgesehen von der morpho- logischen Schwierigkeit, von *bastassarc oder *bastadiare, wie ßa-JiiCs'.v im Lateinischen lauten würde, zu bätir zu gelangen, paßt auch, wie wir unten sehen werden, die Geo- graphie und paßt die Bedeutung ganz und gar nicht. Einmal ist « bauen > nicht «stützen« vind dann bedeutet das griechische Wort gar nicht «stützen», wie Diez übersetzt, sondern «aufheben, wegtragen, berühren», entsprechend ngriech. ßa^-äCw «porter, empörter, ti-ansporter, supporter, souffrir», ßa-Jicö «tenir, soutenir, porter, durer, patienter». Auch 1 bastire, 3 bastarc, 5 bastardo liegen begritl'lich zu weit ab, nur bast- erna und 4 basto, 1 bastagio zeigen Bedeutungen, die so stark an ßa-JtiCi'-v anklingen, daß man von vornherein schon geneigt ist, an Zusammenhang zu denken und, wenn Geographie und Geschichte es erlauben, versuchen darf, einen Zusammenhang zu kon- struieren. 1. bätir «Heftnähte machen» ist im Französischen zwar erst im X\'L Jahrhundert in dem Wörterbuch von Oudin belegt, aber natürlich älter. Daß Belege aus früherer Zeit fehlen, ist aus dem Charakter unserer altfranzösischen Literatur ohne weiteres er- klärlich. Dem Provenzalischen scheint es zu fehlen, in Norditalien ist basti dagegen z. B. in Val Sesia, im Trentino, in Pavia, hastir in Engadiu zu treffen, während die übliche italienische Form imbaslirc ist. Im Spanischen und Portugiesischen findet sich das Verbum in dieser Bedeutung nicht, wohl aber span., portg. bastidor «Stickrahmen», Span. «Fensterrahmen, Blendrahmen eines Gemäldes», span., portg. «Kulisse», dazu portg. bastido «im Rahmen gestickt, gesteppt» und «wattiert», letzteres vielleicht nur eine Ungenauigkeit der Wörterbücher, die in solchen Dingen es ja häufig genug nicht allzu streng nehmen, vielleicht aber eine Verschiebung, die sich bei wattierten Steppdecken leicht erklärt. Auch ein \'erbuni kennt das Portugiesische: bastir «die Hutforni machen, den Hut formen, filzen», geht wohl zurück auf bastir »Heftnähte macheu-. Alle diese Verba passen formell und begrirt'lich so genau zu einem germ. *t>astjaii. ahd. bcstan «sarcire», schwäb. tirstn «zusammennähen», daß man an einen Zusammenhang zu zweifeln keinen triftigen Grund hat, besonders wenn man bedenkt, daß auch frz. broder prov. tiroidar aspau., portg. broslar «sticken» auf einem germ. *bro::da». it. brustare auf langob. brustdii beruhen. Auch das Altspanische kennt bastir, aber in der allgemeinen Bedeutung »herrichten, einrichten». Wir haben also hier ein Beispiel für die Erscheinung, daß Verbn unbe- 30 W. Meyer- Liibke. stimmten, dehnbaren Begriffes, von einer ganz bestimmten Manipulation ausgehen, die Umkehrung dessen, was nhd. «gerben», gleichbedeutend ital. acconciarc u. a. zeigen, vgl. con vucstro conseio hastir quicro dos a)xhas Cid 85 «ich will zwei Truhen herrichten»; basfir e adobar heißt es im Alexander 1439, dann hadir cäsanücntos «Heiraten schließen», basfir 1a traycion Berceo Sacrif. 71 «Verrat schmieden», d conseio de salud rn cielo fu bastido Berceo Loores 19 «der heilbringende Plan wurde im Himmel entworfen»; los qtie lo bastecieron ya eran rcpcntidos S. Dom. 104, «die, die das angestiftet hatten, bereuten es schon» usw. Mau kann zu dieser Verwendung leicht von der des afrz. batir gelangen. Es muß aber doch darauf hingewiesen werden, daß prov. basti auch «Sessel flechten» be- deutet, und das steht dem ursprünglichen Sinn von bastjan, der ja eigentlich «mit Bast arbeiten» ist, sehr nah. Freilich wird man nicht annehmen wollen, daß Technik und Bezeichnung des «Sesselflechtens» den Galloromanen von den Goten übermittelt worden sei, wohl aber darf man vielleicht aus dem Provenzalischen. und Spanischen ein westgot. bastjan «flechten» erschließen. Wie nprov. basti «uicher, en parlant de certains oiseaux» zu fassen sei, läßt sich nicht mit Genauigkeit sagen, solange man nicht erfährt, wer diese «certains oiseaux» sind. Daß es in diesen Zusammenhang gehört, nicht zu 2 bätir, ist ziemlich sicher. Auf dem ganzen Gebiete findet sich endlich ein Wort it. basta , florent. auch bastia, afrz. bastc, nprov. basto, span., portg. basta «Heftnaht, Einschlag, Saum», davon span., portg. bastear, vielleicht auch aprov. bastar, nach dem bastare zu schließen, das Du Gange in einer Urkunde aus Arles nachweist. Postverbale Bildung von rom. bastirc wäre denkbar. Allerdings zeigen gerade die Inchoativ-Verba keine Neigung zu Postverbalien (Rom. Gramm. II § 398), allein man muß im Auge behalten, daß die germanischen Verba ursprünglich nicht zur Inchoativklasse gehören. In der Tat haben wir, auch wenn man frz. het auf germ. Jtatis zurückführen, nicht als romanische Bildung von ha-ir betrachten will, z. B. choix von choisir, afr. hon von honir. Daß baste ein Femininum ist, braucht nicht zu überraschen, da namentlich postverbale Sach- und Werkzeugnamen mit Vorliebe weibliche Form annehmen. Begrifflich deckt sich mit rom. basta allerdings ahd., mhd. bast «Saum», aber formell ist eine Verknüpfung der zwei Wörter nicht möglich, da die germanischen Maskulina und Neutra im Roma- nischen MaskuHna sind, ein rom. basta, also ein germ. «basta» voraussetzen würde, dem germ. bast ein rom. basto entsprechen müßte. Übrigens wäre auch ein germ. bastä nicht unmöglich, vgl. got. Uta «Verstellung» neben litjan «sich verstellen», *nasä (ahd. nasa) und nasjan, ags. satid neben sendian, ahd. wanta «Wendung» neben *ivanfjan tcenten usw. Oder es könnte dieses germ. bastä ein ursprünglich kollektives Neutrum Pluralis sein, das zum Femininum Singularis geworden ist, sich aber nicht gehalten hat, man vergleiche die große Liste solcher Doppelformen bei Zimmer, Die Nominal-Suffixe a und ä in den germanischen Sprachen, S. 212. 2. Frz. bätir, prov., kat. bastir «bauen», daraus entlehnt aital. bastirc, agaliz. baster. Den anderen romanischen Sprachen fehlt das Wort, nur Norditalien scheint eine indirekte Spur zu besitzen, wovon sofort. It. bastia ist, wie man längst weiß, aus afrz. bastie entlehnt, zeigt dann allerdings in hastionc einen selbständigen Trieb, der eine starke Ausdehnungsfähigkeit besitzt; auch bastita «Bollwerk» wird eine Tos- kanisieruug des prov. bustida sein; aspan. bastida «Belagerungsmaschine, die aus Romanisch BAST-. 31 einem hölzernen Turme auf Rädern und einem Sturmdache bestand», ist wiederum prov. Insiirla «ein Belagerungswerk-, endlich it. Instimcnfo stammt aus frz. büfi- ment, prov. hastimm. Bei Wörtern, die nur in Frankreich, namentlich in Nord- frankreieh vorkommen, ist germanischer Ursprung von vornherein wahrscheinlicher als griechischer. Nun stammt eine ganze Reihe von auf den Hausbau bezüglichen Ausdrücken im Französisclien aus dem Fränkischen, vor allem maron (Meringer, Idg. Forsch. XVII, 149)', dann hourdcr « berappen >, ^aus Brocken aufführen c, Itour- dage «Spritzwurf, rauhes Feldstein-Mauerwerk», hourdis «Lattenwerk». Ich habe an- genommen, daß der maron der ist, der den Lehm -knetet für Lehmhäuser und ge- flochtene Hütten, wogegen der murafor der ist, der die römischen Steinhäuser baut». Mit dieser Annahme sind auch die anderen eben angeführten Worte ohne weiteres ver- einbar, nur zeigt hourdage heute eine übrigens leicht verständliche Verschiebung zum Steinhaus. Trefflich paßt nun häfir in diesen Zusammenhang. Es bedeutet «mit Bast arbeiten, verbinden, flechten», ist also ein weiterer Zeuge für das geflochtene Haus, fügt sich auch in die bisher für hastir ermittelten Bedeutungen ein. Auch Norditalien dürfte das Wort besessen haben, und zwar auch zur Bezeichnung des Baues von Holz- oder Riegelbauten. In Pavia und Piacenza nämlich benennt hasta jenen Balkenverschlag, in welchen der Hufschmied die zu beschlagenden Pferde stellt, wofür man sonst travaglio von trabs (wohl zu unterscheiden von ttavaglio «Arbeit», frz. irarail, das ganz anderer Herkunft ist) sagt, in Pavia auch einen Stall, in dem Schweine gemästet werden, was sonst arla, lat. handa heißt. Daß hastare «genügen» und Jxistire «nähen» hier nicht zugrunde liegen können, ist klar, auch eine morphologisch nicht wahrscheinliche Rückbildung von bastia oder bastone ist begrifflich unannehmbar. Wenn aber hustirc vom Verbinden der einzelnen Pfähle durch Fachwerk gesagt worden ist, dann kann basta, dessen formales Verhältnis zu hastirr schon dar- gelegt ist, das Geflecht, in weiterer Übertragung auch ein Gerippe aus Balken, eben einen solchen Verschlag bezeichnen, der noch keine Wände hat. Endlich sei der Vollständigkeit wegen hier noch zweier Bedeutungen von bastirc gedacht, die einzureihen nicht recht gelingen will. Prov. basli heißt auch «lancer avec force, plaquer, frapper» und dazu stimmt astur, basti , das Rato y Hevia Vocabulario de las palabres y frases bables mit «derribar, cchar al suelo» übersetzt. Die geographi- schen Mittelglieder zwischen Asturien und Südfrankreich werden sich vielleicht noch finden lassen, die begrifflichen, die von basfjati zu «schmeißen s- führen, sind schwer zu erschließen, besonders, da es sich wohl ursprünglich um einen scherzhaften Ausdruck handelt. Ziemlich nahe liegt der Gedanke an die Verwechslung zweier Techniken. Wie Imirdcr zunächst Hürden errichten, also doch wohl flechten bedeutet, dann aber «das Bewerfen der Fachwerke mit Mörtel», so könnt« hastir auch dazu kommen, das «bewerfen, berappen» zu bezeichnen, wonach dann die weitere Entwicklung dieselbe wäre wie bei nhd. «schmeißen» gegenüber got. gasinitan «schmieren, streichen?. Nur • Nur daß das Wort wcslgot. sei, kann ich Meringer, der offenbar durch sein Vorkommen bei Isidor EU einer solchen Annahme vcileitet wurde, nicht zugeben. Isidor hat seine Gelehrsamkeit .-»us so vielerlei Quellen geschflpft, daß, wo wir diese Quellen nicht kennen, er für Lokalisierungen nicht verwendbar isL Er kennt ja auch mcdus. was natürlich nicht, wie Georges tut, mediis. sondern meilus zu schreiben ist, got. aber midtu lauten würde und das auch gerade in Nordfrankreich als mic: weiterlebt. Zudem würde ein got. mai^ja bei Isidor niacin macianis tleklicrl sein, wie die zahlreichen gotischen -i7a-Xamen im Mittelalter in Sivanien ■ilanis llokticreii und honte cnisprechende Formen zeigen, vergl. z. B. porig. JtfdSo aus Biquila. 32 W. Meyer -Lübke. fehlt uns leider vorläufig ein Anhaltspunkt für die Existenz der vermittelnden Ver- wendung von hasftr. Im Mailäudisehen wird hasti von Pflanzen gebraucht, die gedeihen, von Fleisch und Früchten, die sich lauge halten, vergl. Cherubini: basfi «parlandosi di carne, frutta o simili, vale conservarsi, mantenersi, durar lungamente» und heißt das eigent- hch «er hat genug». 4. *ha.'^fi(iii «Saumsattel». Das Wort findet sich außer in Portugal überall: frz. ki^ prov. bast, it., span. hisfa, ist auch in den Romanen benachbarte Gegenden gedrungen, basf «Pack-, Sauiusattel, ein dachförmiger, hölzerner Sattel für Wagenlasten, im Gegensatz zum Reitsattel» erklärt das Schweizerische Idiotikon IV 1778 und gibt als Verbreitung Wallis, Bern, Freiburg, Uri, Obwaldeu, Scluvyz, Zug, also die Gegenden, die von starkem Verkehr mit Italien den Saumtierverkehr kennen, dann lothringisch, ferner bre- tonisch bas aus afrz. basf; bask. basto, basta «Saumsattel, Pferdegeschirr» und zwar ist nach de Azkue die alte Bedeutung «Saumsattel» in NiederXavarra, also bei den fran- zösischen Basken, die neue weitere hauptsächlich in Biskaya und Ober-Xavarra zu Hause, ohne daß das Spanische nach Ausweis der mir zur Verfügung stehenden Quellen da- für verantwortlich gemacht werden könnte. Im Valencianischen bezeichnet basf das Sattelkissen, «Kissen an der unteren Seite des Reitsattels und des Saurasattels, um das Reittier zu schonen» nach Escrig y Martinez, während Labernia kat. basf mit basto. basfe, basta übersetzt und als eine Art kurzen Saumsattel, dessen untere Seite mit Wolle ausgestopft ist, erklärt. Man begegnet hier also auch der Form basta. die dem Bas* kischen zugrunde liegt. Sie wird kaum mit dem gleich zu besprechenden it. bnsta zusammenhängen , sondern neu gebildet sein. Als aragouesisch wird nämlich hoste angegeben, das wohl aus kat. bast entlehnt ist. Vom Plural basfcs ist im Aragouesi- schen ein Singular basfa möglich, da hier -ns zu -rs wird, der Singular zu roscs also rosa lautet. Die falsche Form erklärt sich im Munde Fremder um so leichter, als baste.'^, soweit es «Sattelkisseu» bezeichnet, im Plural (genauer Dual) viel häufiger ist als im Singular. Auffällig stimmt dazu «Kissen, das dem Zugvieh zum Schutze der Haut auf den Rücken gelegt wird, samt dem es festhaltenden oder daran befestigten Riemen- zeug», Schwyz, Zug (Schweiz. Idiot, a. a. O.). Für «Saumsattel» hatten die Römer das griech. aa.-j\iy. übernommen, nicht allzu früh nach den Beiegon, die bei Vegctius und Servius zu Virgil lioginnen. Das Wort findet sich auf dem gesamten romanischen Gebiete außer Rumänien, aber nur in der Bedeutung «Last, Lasttier» und anderen, davon abgeleiteten, einer Bedeutung, die ^ifu.» auch hat, ja doch wohl zunächst hatte, da es zu oittto gehörig ja eigentlich «Be- Wurtri und Sftolun. I. * 34 W. Meyer- Lübke. packuDg» bedeutet. Man "wird kaum fehlgehen mit der Annahme, daß die römische Volkssprache die beiden Verwendungen von sagma kannte und daß uns nur zufällig die eine in der Literatur niclit überliefert ist. Die andere, die überlieferte, hat in Italien, Gallien und im Osten der Iberischen Halbinsel *hastu übernommen, während sie in span. jalma «Art Saurasattelzeug für Maultiere» geblieben ist, nur daß der Anlaut,/ statt s, wie in vielen anderen Fällen, arabischen Einfluß zeigt. Wollte man von der katalanisch-valencianischen Bedeutung ausgehen, so läge ein Zusammenhang mit dem unter hastare besprocheneu Adjektivum hasfo nahe und der Vergleich mit oaYjta zu aätTw scheint das noch näherzulegen. Allein bei näherem Zusehen geht es doch nicht. Auf der einen Seite steht ein deverbales Substantivum von der allgemeinen Bedeutung «Bepackung», auf der anderen ein Adjektivum «dicht, gestopft», das ohne jede formale Änderung eine ganz andere Bedeutung bekommen soll. Außerdem aber gehört das Adjektivum nur der Iberischen Halbinsel an, und zwar dem Zentrum und Westen, wogegen bastum «Saumsattel» gerade im Westen der Iberischen Halbinsel fehlt, im Zentrum nicht eigentlich bodenständig ist. So bleibt die alte Zu- sammenstellung mit ßaatdCstv, hasfoiia übrig, die begrifflich ja paßt, die formell aber noch der genaueren Begründung bedarf Neben hasto findet sich in italienischen Mundarten auch basfa. Boerio stellt in seinem venezianischen Wörterbuche hasfa sogar voran, erklärt es übrigens als «specie di sella con piccolo arcione dinanzi, della quäle si servono i poveri uomini per cavalcare sui muli o sugli asini», dazu hasfa oder basthi da fachini «cercine, ravvolto a foggia di cerchio usato da' facchini per salvar il capo dalL' offesa de' pesi» ; ebenso gebraucht das Bolognesische baMa neben //«.sf, sagt aber schon bast da fachini. Man wird in diesem letztern Worte nicht an «Bast» denken wollen, da die Reifen, um die es sich handelt, zumeist aus Lumpen oder Stroh bestehen, man wird vielmehr auch hier wie im Valencianischeu und Schwyzerischen die Hervorhebung der Polsterung sehen. Auch das Provenzalische kennt basta. Es bezeichnet zunächst den «großen Korb, den man am Packsattel befestigt», dann ein Gefäß zum Weintransport und nun ähnlich wie «Saum»' im Deutschen ein «Flüssigkeitsmaß». Weitere Übertragungen wie «Waschkorb», «zweiräderiger Karren» (zunächst «Korbkarren») brauchen hier nicht weiter begründet zu werden ; «Plache um die Karre zuzudecken» wird erst vom Verbum embasta «packen» gebildet sein, vergl. portg. enxalmo S. 37. Darf man danach von basta ausgehen, so ist die Vermittlung mit ßa'jtdCeiv auf zweierlei Art möglich. Wie SixT) StxdCw, 3ö^a So^äCw, im späteren Griechisch Xtjia )a[j.dCio, aräXa ataXäCw neben- eiuanderstehen (Verf. zu Simon Portius 191, Chatzidakis, Einleitung in die neugriech. Gramm. 94 f.), so ist auch ein ßä^Ta zu ßaatäCw möglich, ja wenn man spYov ipYäCo[j,ai zusammenhält, auch ein ßäatov. Die Bedeutung wäre «Trage». Man kann dagegen nur das eine Bedenken geltend machen, daß im Griechischen bis jetzt keine Spur einer solchen Bildung nachgewiesen ist, auch nicht, wie es scheint, in der späteren oder der heutigen Sprache. Vielleicht ist dieses Bedenken nicht allzu schwer, wenn man erwägt, daß 'fävtaY|J.a, das ich für prov. fa)ifau))ia, frz. fautdme vermutet habe (Rom. Gramm. I, 274), von Kretschmer in lesb. , denn daß die bastema auf zwei amites getragen wird, unterscheidet sie nicht von der Icdica, aber die Anwendung des Suffixes -cnia ist hier ebenso dunkel wie in den meisten anderen Fällen. Auch das wissen wir nicht, wie sich die bastema zur leetica verhält. Das Wort (mit der speziellen Form der Sache?) ist bald wieder ver- schwunden, denn während it. Icüiga, span. Icrhiga das lat. leetica in volkstümlicher Form fortsetzen, ist hastmia nicht erbwörtlich romanisch, vielmehr sind span., portg. bastema deutliche Buchwürter. In diesen Zusammenhang scheint noch ein anderes Wort zu gehören. Aret. hästrega bezeichnet das um den Leib des Saumtiers gebundene Seil, das die Last fest- hält; dazu kommen zwei Verba: imbattrigare «festbinden», sbastrigare «losbinden». Caix, der in seinen Studi di etimol. it. e romanza 158, diese Formen anführt, erwähnt noch altperug. bastrece «ein Teil des Saumsattels», weiter südHch versagen es die Wörter- bücher der Abruzzen, weiter nördlich bringt Pieri aus der Versilia bästrica «corda o fune per vari usi» ([»er legare alla grcppia il cavallo, per le reti del fieno ecc). Caix denkt an ßä^ta^ mit dem üblichen Übergang von Nomen actoris zum Nomen instrumenta Aber ein Seil ist kein Träger, die bastraga auch kein «Tragseih^ Den Weg zur Deu- tung scheint mir das Verbum iiubasfrigarc zu weisen. Wäre die Grundbedeutung von bastriga «Seil», so wäre wohl eine Bildung mit a-, nicht aber eine mit in- versländlich. Liegt aber bastaga «Last» zugrunde, so verhält sich * imbustagare «packen» dazu wie span. enjalmar zu saJma. In Anlehnung an die zahlreichen ->ro>-e -Verba ist dann *hnbastigare an Stelle von *imbastagare getreten, dazu nun shastigare «abladen» und da bei der Packung der Saumtiere die erste bezw. letzte und damit wichtigste Arbeit das Abseilen bezw. Festseilen ist, konnten die beiden Verben sich darauf beziehen. Dann aber ergab sich ein Substantiv *bastiga «Seil» ohne Schwierigkeit. Der Zutritt _des r nach st ist etwas im Komanischen so Häufiges, daß man ihn unbedenklich annehmen darf, auch wenn man ihn vor der Hand nicht so erklären kann, wie dies Baist für eine Reihe der bekannten frauzösicheu Fälle getan hat (Zeitschr. d. rom. Phil. XXIV. 4 5 ff.). — o' 36 W. Meyer-T;iil)ke. 5. Tt. hasfardo, frz. latard, prov., kat. hasfart, spaii., portg. hastardo Dazu noch afr. ßls de hast, entstellt zu fils de bas und daraus raittelengl. basie «ungesetz- liche Ehe». Daß bastard in der südlichen sForra weiter gewandert ist, ist bekannt. Namentlich die Ausdrucksweise fih de bast hat den Gedanken nahegelegt, daß es sich um eine Ableitung von ■*ias/«)« handle. ,, Auf welche Anschauung sich aber dieser Aus- druck «Kind des Saumsattels» bezieht, ist nicht so leicht ins Klare zu bringen", sagt Diez in der ersten Auflage. Später hat er Mahns Erklärung als «ansprechend» dazu- gesetzt. ,,Das deutsche «Baukert» kommt bekanntlich von Bank und heißt eigentlich der auf der Bank, im Gegensatz zum Bett, erzeugte. Der romanische Ausdruck «Kind des Saumsattels» ging dagegen im Süden, in der Provence oder Spanien, aus den Sitten der Maultiertreiber hervor, die sich in den Wirtshäusern ihre Betten von Saum- sätteln machten und dort mit den Mägden Verkehr hatten. Ein Beispiel dieses Verkehrs findet sich im Don Quijote I. 16." Obschon diese Ausführungen ziemlich allgemein Beifall gefunden haben und in Frankreich vom Dictionnaire general, in Deutschland von Kluge verbreitet werden, sind sie doch vollständig unhaltbar. Zunächst ist zu bemerken, daß es sich keineswegs um eine in Südfrankreich und Spanien allgemein verbreitete Sitte, sondern lediglich um eine Erzählung aus dem Don Quijote handelt, die ja vielleicht einer gelegentlichen Übung entspricht. An dieser Stelle ist nun aber gar nicht das Wort basto gebraucht. Es wird da berichtet, das Lager des Maultiertreibers sei viel besser gewesen als das Don Quijotes «aunque era de las enjalmas y mantos de sus machos». Also «aus den Sätteln und Decken seiner Maultiere» hat er sich eine Lagerstätte zurechtgemacht. Dabei ist enjalma zunächst ein Wort allgemeiner Bedeutung. Von enjalmar «die jahna auf- legen» gebildet, bedeutet es ursprünglich «Sattelzeug», ja portg. en.ralmo ist geradezu «die Decke, die man über die Ladung der Saumtiere legt». Das ist doch wenig ge- eignet, die Grundlage für ein Wort «auf dem Saumsattel erzeugt» zu geben. Dazu kommt nun aber weiter, daß hastardo nicht in Spanien geprägt sein kann, weil die eigen tHche Heimat des Suffixes -ardo Frankreich und Italien ist, während die Ibe- rische Halbinsel es kaum kennt (vgl. Rom. Gramm IL, § .519). Endlich spricht auch die Bedeutung dagegen. In ältester Zeit ist der Bastard nicht ein uneheliches Kind im heutigen Sinne, ein Kind, dessen Vater nicht bekannt ist, dessen Aufziehung der Mutter überlassen bleibt, nicht ein «Bankert», sondern es ist das nicht mit der recht- mäßigen Gattin erzeugte Kind von Fürsten, von vornehmen Herren, ein Kind, dessen Vater wohl bekannt ist, das von ihm auch nicht verleugnet wird, das bestimmte ge- setzlich geregelte Rechte in Bezug auf Erbe u. dgl. hat. Man sehe die Belege bei Du Gange nach oder man erinnere sich der in der Literaturgeschichte berühmten Bastarde wie Hainfroit und Heudri, die Söhne Pipins mit der Magd, oder des Bastards von Bouillon usw. Damit ist vollends die Mahnsche Deutung ausgeschlossen, denn so un- bequeme Gelegenheiten zur Befriedigung ihrer außerehelichen Wünsche werden sich auch im frühesten Mittelalter die Fürsten kaum gesucht haben. Daher kann auch der von G. Paris, Histoire poelique de Charlemagne 241 gebrachte französische Ausdruck Enfant de Ja halle nicht als Parallele verwendet werden.^ ' Wie alt und wie verbreitet ist übrigens dieser Ausdruclc, den weder Liltre nocli Dict. gen. bieten? G. Paris stellt weiter die Vermutung auf, daß die Sage, wonacli Karl der Große auf einem Karren erzeugt worden sei, sieb vielleicbt daraus erkläre, daß der Karren wie die Bank, der Saumsattel, dsr Ballen im Romauisch BAST-. 37 Die Verbindung mit Jasf «Saumsattel» wäre auf anderem Wege möglicli. Wie das Maultier dem Pferde nachsteht, so ist auch der hast weniger vornehm als die seile. Wenn also ein enfant de seile das auf dem Sattel sitzende, das vollwertige, auf alle Ehren Anspruch habende Kind bedeuten würde, so könnte enfatit de hast das minder- M'ertige sein; oder wenn bete de hast ein ständiger Ausdruck für «Maultier» wäre, so könnte auch hastart «Maultier», dann «Mischling» bedeuten, wobei «MischUng» nicht wie in «Mulatte» sich auf das Resultat der Kreuzung zweier Rassen, sondern auf das zwei verschiedenen sozialen Schichten angehörender Individuen bezöge. Allein die Über- lieferung, die nicht so spärlich fließt, daß man sie nach Gutdünken durch Vermutungen ausfüllen dürfte, versagte für die eine wie für die andere Auffassung die Gewähr. Da die ursprünglichste Bedeutung des Wortes in Nordfrankreich zu Hause ist, so liegt der Gedanke nahe, daß hier der Ausgangspunkt zu suchen sei, und dazu stimmt, daß nur hier die zwei Formen fds de hast und hastard vorkommen und daß die ganz eigentliche Heimat des Suffixes -anl auch wieder Nordfrankreich ist. Das fühlt auf germa- nischen Ursprung, führt um so mehr dahin, als die Kreise, in denen der Begriff zunächst rechtlich fixiert wurde, die der gotischen oder fränkischen Eroberer, nicht der angesessenen Gallorömer sind. Bekanntlich ist in England im Mittelalter das Wappen der Bastarde durch einen Stock gequert und das könnte darauf führen, daß bastard mit baston zusammenhängt. Aber solche Schlüsse aus der Heraldik sind trügerisch, die Sache kann sich umgekehrt verhalten, daß nämlich in fds de hast der Stamm von baslon empfunden und danach das Wappen gestaltet wurde. R. Much hat einmal die Müghchkeit ausge- sprochen, das Bastenia eigentlich Blendling bedeute. ,, Welchen Sinn dieses Wort hast ursprünglich gehabt hat, ist nicht von Belang, denn ein aus dem Lateinischen stammender Bestandteil des Romanischen ist es gewiß nicht, und wenn eine junge Ableitung davon «Kebskind» bedeutet, kann dies auch bei einer anderen, älteren der Fall sein. Und nichts ist der Deutung des Namens Bastamae Basternae als Blendlinge so günstig als gerade sein Suffix" (PBB. XVII. 37). Das hat vielleicht etwas für sich und würde wiederum darauf führen, daß das Wort germaniscli ist. Aber weiter kommen wir vorläufig nicht. Möglich ist auch natürlich Zusammenhang mit bastum «Stock», wobei dann eine uns nicht bekannte und wohl auch nicht zu erratende oder erschließende rechtssymbolische Handlung zugrunde liegen würde. 6. Lat. hdstus oder -um, ital. Ixistoiie, frz. bätoii, span. baston, portg. basfäo «Stock». Die einfache Form findet sieli nur einmal bei Lampridius im Ablativ Singularis, so daß man ebensogut ein Maskulinum wie ein Neutrum ansetzen kann. Walde schreibt Gejj:ensalz zum Ehebett .stellen. Dann müßte man aber doch Spuren dieses Gebrauchs hezw. der Redensart fils de cliiir im sjiätern Latein odei' im älteren l'VanzOsisch antreflen, wenn auch sachlich natürlich weniger einzuwenden ist, iiainentlich nach der a. a. 0., S. 225 abg'cdruckten Schilderung «/i reis li pi'M qiie il la li pretdsl la niiU (i cochier ot lai, eil l'otrea si li fit lit sor iin char qui estoit davant Piis, chargii de fougiere». Da sich jedoch diese Karrengeschichte ausschlielilich auf Karl (Martell oder Karl den Großen) bexiehl. so drängt sich unwiUküilich der Gedanke auf, dafi eine nicht allzu alte (denn die ältesten Quellen kennen sie nicht) etymologische Deutung von Caiotus vorliege, die nicht besser und nicht schlechter ist als die noch heute weit verbreitete Verbindung mit canis. Daß man gerade an dem Namen Karl henimdeutelte, reigt auch die Woltersdie Chronik. Als eins! Tipin mit der falschen Bcrtha bei Tisch saß, kam der .Müller mit Bogen imd Pfeil, was nach der mit Pipin getrofTenen Verabredung das Zeichen war, daß die richtige Bertha einen Sohn geboren hatte. Kr traf mit dem Pfeil den Becher der Königin, so daß dieser umstürzte, worauf die Königin rief: weg mit dem Kerl (Karl), er ist zu grob! Aber Pipin bcgrilT sofort und sagte: «Er wird Karl lieißen» (G. Paris a. a. ()., 2-.>i>). 38 W. Meyei-Liibko. «sehr zweifelhaft ob als Viacsfom zu haoilnni. Nicht zu haffnpre.» Wie morphologisch eiu solches *bacstom zu erklären wäre, lileibt mir freilich dunkel, aber unter den bisher besprochenen Wörtern ist dieses bastum dasjenige, dem ich am wenigsten beizu- kommen vermag. Zunächst fällt auf, daß das Romanische nur *lci!i(-o)ii\ nicht hasfum kennt. Neben den A'ertretern von sabido, ponto und dem zu erschließenden *pla)ifo (Rom. Gramm. II, § 457) bleiben sdbulum, pons, planta. Anderseits scheint span. bästiga, idstago «Schößling», dessen Herleitung aus got. wahstus (Rom. V, 187) einer Wider- legung nicht bedarf, nicht von bastone getrennt werden zu dürfen, ist aber damit nur unter Voraussetzung eines bastum vereinbar. Morphologisch wäre gegen ein ßäatov von ßaatäC") nichts einzuwenden, s. S. 34. Auch dafür, daß ein spätgriechisches Wort für «Stock» nach Italien usw. wanderte, läßt sich nicht nur x^p^xiov, tess., veltl. Mras, niail. skaras, afr. cscharas, nfr. khalas «Weinpfahl» anführen, sondern begrifflich noch nälier liegend, ital. camato «Gerte, dünner Kuotenstock» scaniato, «Stock zum Ausklopfen der Wolle». Die Wegweisung für die Deutung dieses Wortes gibt senes. camaitare, das mit seinem / deutlich auf Zusammenhang mit prov. gamach, aven. gamaito weist und ein cht als Stammauslaut verlangt, d. h. ein griechisches Wort. Die Bedeutung führt auf xä[j.ai, der Form genügt ein *xa[j.äxTov, später *7.ci.\i.ä-/xov, das sich zu 7.a\L'xi, ver- hält wie ßaaräxTV]? zu ßäoTai Und doch bleibt ein Bedenken. Ein ßdatov von ßaatäCsiv würde den Steck als Stütze bezeichnen, wogegen das Charakteristische bei bastum bastone zunächst das Schlagen ist, wie denn auch das älteste rumänische Beispiel des aus dem Italienischen entlehnten baston es in Verbindung mit bäte «schlagen» zeigt. Auch hier wäre freilich der Weg ein oft betretener, vergl. ital. baccJüo «Stock, Stab, Stange», al bacchio «blindlings, unbesonnen». Das sind alles Schwierigkeiten, deren jede einzelne gering ist, die zusammengenommen aber doch bedenklich macheu können. Ich sehe vorläufig auch keine Möglichkeit, bastum so zu lokalisieren, daß dadurch ein Anhaltspunkt für die Entstehung gegeben wäre. Västago neben bastoue könnte nach Spanien weisen, doch ist die Spur unsicher. 7. Ital. bastagio «Packträger», ven. bastazo «facchino impiegato al servizio delle dogane e dei lazzaretti», neap. vastaso, kal., siz., tar. vastasu, abruzz. rastase, auch neu- griech. ßaardcCoc, dann aprov. bastais, belegt aus Marseille, heute von Mistral nicht ver- zeichnet, aber kat. bastax, mallork. bastats «Pflock zum Aufspreizen des Deckels», aragon., valenc. bastage. Also deutlich ein Mittelmeerwort, das, nach den Wörterbüchern zu ur- teilen, nirgends tief ins Binnenland hineingedrungen ist. Sard. basta.viu hat zwar neben seiner ursprünghchen Bedeutung noch die von «Dachbalken», ist aber trotzdem nach Maßgabe der Laute aus dem Katalanischen entlehnt. Es handelt sich also zunächst darum, Ausgangspunkt und Wanderung zu bestimmen. Ngr. ßaaräCo? ist schon nach seinem Akzente romanisches Lehnwort, als solches auch von G. Meyer, Neugr. Stud. IV, 16, ganz richtig von venez. bastazo hergeleitet worden, mit dem allerdings etwas unver- ständlichen Zusatz «der romanische Stamm bast kommt auch im Griechischen vor, agr. ßaotäCw usw.». Es scheint mir ziemlich wahrscheinlich, daß die süditalienischen Formen aus dem Neugriechischen stammen, da mit einer solchen Annahme das v gegenüber dem nördlichen b erklärt wäre und da das s mit dem s, gi nicht vereinbar ist. Sodann kann unbedenklich tosk. bastagio als Entlehnung aus ven. bastaso bezeichnet werden, da die Entsprechung von ven. z bei Erbwörtern im Toskanischen gg lauten würde, g bei Entlehnungen aus Norditalien sehr gewöhnlich ist. Für das Venezianische wird .o; nicht ganz durchsichtig, aber ganz unmißverständlich ist Vixpoßa-Jtä; -a-fo; «Tote tragend». Da ßdoT0(4 «Träger» sich an ßaotäCo) anschließt, kann .man das Wort unbedenklich als griechisch bezeichnen. Es muß ins Lateinische gedrungen bastax bastäge flektiert worden sein und im Venezianischen von Plur. bastagi einen neuen Singular bastazo bekommen oder schon früher, aber als g schon gl lautete, den indifferenten Ausgang e oder sogar den griechisclien Akkusativ Ausgang a durch das den Sexus scharf kennzeichnende o ersetzt haben. Darüber, ob man vExpoßäoTai oder vsv.ooßa'STä; betonen soll, gehen die Ansichten auseinander. Die romanischen Formen sprechen für das letztere. Von Griechenland einerseits , von Germanien anderseits treiben zwei voneinander ganz unabhängige Wurzeln hast ihre Schößlinge hinein in romanische Gebiete, aber nirgends verschlingen sich diese Schößlinge; man siebt nicht, daß die Bedeutung der einen Gruppe durch einen Vertreter der andern gleichklingenden beeinflußt worden wäre, kaum daß man einen geringen Anfang dazu in der speziellen Einschränkung, die lasiii «Saumsattel» in Valencia erfahren hat (Seite 33), sehen darf. Man könnte nämlich dabei an basto «gestopft» denken, aber der Umstand, daß dieselbe Bedeutungseinschrän- kung auf ganz anderem Gebiete sich findet, wo ein solcher Einfluß nicht besteht, läßt auch diesen Gedanken ablehnen. Holz und Mensch. Von Rudolf Much. Goethe sagt: «Kleid eine Säule, Sie sieht wie eine Fräule.» Das stimmt auffallend zu den beiden trfmemi, denen nach Hävamäl 48 (B V-S) der Fah- rende seine abgetragenen Kleider umhängt und von denen es heißt: rrkkiir ßaf pottus, er ßeir riß hgfpo. «In den Lumpen glichen sie leibhaften Menschen ^^ übersetzt Gering die Stelle. Au diesen trrmoni dürfte kaum mehr als der Kopf notdürftig geschnitzt gewesen sein ; und auch zu dieser Arbeit sah man sich wohl erst veranlaßt, weil schon der aufrecht stehende Pfahl selbst an einen Menschen gemahnte. So entwickelt sich aus der Siiitlr die Bild- si'ndc. Vgl. dän. stoüt\ hUlcdsiottc, schwed. hildstod mit gleichem Bedeutuugsübergang. Daß im besonderen das Götterl)ild vom verehrten Ptiock ausgeht, hat Meringer .IF. 16, 151 ff., 17, ir)9. 165 f., IS, 277 tt'., 21, 296 ff. gesehen und ist dabei auf eine Erzader gestoßen, die noch lange den Abbau lohnen wird. 40 Rudolf Much. Bei den Germanen begegnen uns für diese Entwicklung verschiedene Belege. Ob neben dem wohl aus dem Germanischen herübergenoramenen litauischen stufpns «Säule^ Götzenbild» auch im Germanischen selbst schon ein Wort mit diesen beiden Bedeu- tungen vorhanden war, bleibt ungewiß. Aber dem lit. stähas «Götze» entspricht genau ein alter nordischer Ausdruck. Wenn es in Den ivldre Eidsivathings Kristenrett (Norges gamle Love I) 1,24' heißt: engt madr slal hafa i hnsi sUin staf cffa sialla «Niemand soll in seinem Haus einen stafr oder (und?) Altar haben» — man beachte die stabreimende Verbindung von stafr und stalU — , so kann hier stafr, das sonst «Stock, Pfosten, Pfahl» bedeutet, nicht gut etwas anderes sein als ein Götterbild oder ein Pfahl, der einen fJott vorstellte. Das ist auch Fritzuer entgangen, obwohl schon Maurer, Bekehrung 418 bemerkt: «Stafr muß hier wohl die Säulen mit eiugeschuitzten Götterbildern be- deuten, wie sie das Heidentum liebte» und damit annähernd das richtige traf. Hätte er von jenem lit. stähas gewußt, so hätte er erkannt, daß dieser stafr als ein ganz selb- ständiges Schnitzwerk angesehen werden kann, das nicht etwas getragen zu haben braucht. Die heiliggehaltenen pnäcef/issülur mit den eingeschnitzten Thorsbildern allerdings sind zugleich Götterbilder und konstruktive Teile des Hauses, beziehungsweise des Tempels. In ganz überraschender Weise eriimert an sie die ungarische bödog-anya d Iduti (nämlich slairgod) rcgsama oh fdga oder cigi sJcaltu goä ßrirra ggfga ne fdga nicht bezweifelt werden: s. Fritzner 1, 365, Cleasby Vigfussou 146. F. Jönsson macht in seiner Ausgabe der Egilssaga, Altnord. Sagabibl. 3, 225 zu der Stelle die Bemerkung: «ein uraltes Sprichwort, aus uer Zeit herstammend, als die Wohnungen (Hütten) noch uuter einem großen Baume oder rings um ihn herum aufgeführt waren; vgl. ^'olsungas. c. 3.» Das ist gewiß zutreffend. Für Holz und Mensch. 41 uns ist aber jenes Sprichwort um so wertvoller, als es auch ein Zeugnis ist für die Verehrung solcher Bäume. Man kann bei ihr auch an den merkwürdigen Bericht des Herodot 5, 23 über die Argippaier erinnern. Jeder von diesen wohnt nach ihm unter einem Baum (üttö öevöpeLu); über diesen deckt er im Winter einen dichten, weißen Filz; im Sommer läßt er ihn ohne Filz. Wilhelm Tomaschek, Kritik der ältesten Nachrichten über den skytliischen Norden, WSB. 117, bemerkt S. 60 zur Stelle: -Die alte Wohnart hat sich vielleicht in einer Opferzeremonie der Altai-Türken (Jys-ki.si, Tuba) erhalten : wenn diese dem Tengri opfern, so stellen sie in einem abgelegenen Birkenwäldchen am Rand einer Lichtung eine Jurte auf, in deren Mitte eine grünbelaubte Birke mit ihrem Wipfel durch das Kauchloch herausschaut ; das Dach wird mit Filzlagen bedeckt (Radioff, Aus Sibirien 11, 19 fg.)». Spielt auch hier der Baum selbst als Kultobjekt eine Rolle? Wenn die hier für die Irminsül gegebene Erklärung richtig ist, so darf man aus den Zeugnissen für sie schließen, daß bei den Sachsen auch in den Häusern die Mittel- säule für heilig galt und Verehrung genoß. Bei dieser und l^ei der Irminsül an einge- schnitzte Bilder nach Art derer an den ondvegissülur zu denken, nötigt uns nichts, hindert uns aber auch nichts. Und wenn uns bei diesen von einem Bilde Thors erzählt wird, mag man immerhin auch die Irminsül auf einen Gott beziehen, der dann zwar nicht wegen ihres mit irmiti zusammengesetzten Namens, aber wegen ihrer Bedeutung als universalis columna, quasi susünens omnia (MG. 2, 676) niemand anderer als der regnator o»ini)tni clnis des Tacitus, Germ. 39, das ist der Himmelsgott, sein kann. In einigen Punkten weicht meine Ansicht von der Meriugers ab. So glaube ich nicht an ein ags. eodor, eodur im Sinn von «verehrter Balken», wozu übrigens Meringer selbst jetzt JF. 21, 301 ein Fragezeichen setzt. Auch die Bedeutung «Fürst» hat eodor nicht für sich allein, denn nur Verbindungen wie eodor Säldhuja, Ingwina sind belegt, und diese sind wirklich ganz so zu verstehen wie tpKoq 'AxaiiDv, aus dem man doch auch nicht ein griech. epKO? «Fürst» erschließen darf. Ebenso begegnet heim und MeO, hlcow in Verbindung mit Genetiven wie corla, icigendra, ^ycdra u. dgl. als Bezeichnung des Fürsten, ohne dabei selbst etwas anderes als «Schutz, Schirm» zu bedeuten. Auch die Bedeutung «einzelner Pfahl» ist für ags. eodor nicht erweislich. Das in undcr eoderas Beowulf 1038 : (Hchf pä eorla hleo cahta nirnras fxtedläeorc on fJet fron) in linder eoderas übersetzte ich gleich Heyne: «hinein in das Haus». Dabei darf man das flet 1037 nicht auf eine bestimmte Stelle des Hallenbodens beziehen, vielmehr heißt hier on fiet ganz formelhaft «in den Innenraum» oder auch einfach «hinein». Und iiiider eoderas an unserer Stelle ist von dem laidar ederös, Heiland 4944 unmöglich zu trennen, und in beiden Fällen haben wir es ebenfalls nur mit einem formelhaften Ausdruck zu tun. Nicht einmal die Pluralform läßt sich mit Bestimmtheit auf die Mehrheit der Zaunpfähle zurückführen. Da sonst eodor im Singular schon «Zaun, Gehege» bedeutet, wird man eher an das gleichfalls pluralische in geardiim für «at home» und die aisl. Plurale gardar, hi'is, tun im Sinn von «Gehöft» anzuknüpfen haben. Mit Recht übersetzt Holthausen, Beowulf II, 130 den Plural von eodor einfach mit «Haus». Gegen die Eiu- wendung, wenn die Rosse schon im Saale sind, sei ein weiterer Zusatz in iindar coderas im Sinne von «ins Haus hinein überflüssig, ist auf die stilistische Eigentümliclikeit der altgermanischen Poesie zu verweisen, die Appositionen liebt und dabei oftmals den- Woilcr iiiul SiKbon, l. C 42 Rudolf Much. selben Gedanken mit wechselndem Ausdruck wiederholt. Ein neues Moment braucht also durch das in ttndcr eoderas nicht hinzuzutreten. An jene tremenn der Hdvamiil, von denen eingangs die Rede war, erinnert es, wenn in der nordischen Mythologie die ersten Menschen, Ashr und Emhla, aus Bäumen oder Hölzern — in Snorris Gvlfaginning ist von tic tvau die Rede — geschaffen werden. Es setzt das eigentlich auch schon voraus, daß mau sich durch Bäume, Baumstrünke oder Stämme an menschliche Gestalt erinnert fühlte. Das leitet uns aber hinüber zum Gegenstück, zur V e r g 1 e i c h u n g d e s M e n s c h e n mit e i n e m B a u m oder einem Stück Holz. Dahin gehört es, wenn in der nordischen Poesie der Begriff Mann durch den Namen eines beliebigen Baumes oder ein Wort für Säule, Pfosten, Stock ausgedrückt werden kann, sofern nur durch Zusammensetzung oder einen beigefügten Genetiv Beziehung zu einer Sache angedeutet wird, mit welcher der Mann zu schaffen hat. So entstehen kenningar wie rögs apaJdr, nteiär hriiH/s, uudstafr, vighJynr, almr eggpings, sfafr valfreyjuy sverävi&r usw. Auch der Begriff «Weib» wird in ähnlicher Weise durch Um- schreibung ausgedrückt, z. B. durch ouüp^U. lind lins, gäit haiiga. Es versteht sich von selbst, daß dabei besonders weibliche Baumnamen Verwendung finden. Nach Art solcher kenningar möchte man auch wohl den Namen Gustaf, aschwed. Götstaver, Go(t)stnver, beurteilen. Er lautet altwestnordisch Gautsfafr, und so hieß ein Pferd des Herzog Sküli, «vistnok fordi den var fra Gautland», wie Bugge, Om runeskrif- ten paa Rök-stenen 21 bemerkt, der dabei auch schon an unser «Araber» erinnert. Gautstafr scheint darnach zunächst zu bedeuten «ein Mann aus Gautland». Oder ist das Umdeutung? Und wie verhält sich der Name zu ags. Sigcstef, ahd. Sigistab, dem Sigestap der deutschen Heldensage? Verschiedentlichen anderen sprachlichen Ausdruck auch dieses Vergleiches von Menschen mit Holz irgendwelcher Art findet man bei Meringer, JF. 18, 277 f. zusammengestellt, darunter russisch 2*««^ «Klotz> und «plumper Mensch» und l&i. slipes. Eine Fülle von Belegen bringt 0. v. Friesens Arbeit Om de germanska mediogemi- natorna, besonders S. 58 f. ; ebenso Jöhannsson, K. Z. 36,. 373 f. Das tertium comparationis ist in solchen Fällen nicht immer etwas ausschließlich Körperliches. Wir sprechen ja von einem ungeliohelfcn, einem verstoclicn oder einem störrigen (zu ahd. sforro «Baumstumpf») Menschen. Es kann einer auch haumstiU, stocktaub oder ein StocldiUlnH sein. Got. baups «taub, stumm» wird von Meringer, JF. 16, 155. 159 als «klotzig» gedeutetS und so kann auch kelt. *bodaro- aus *bodhro- und aind. badhird «taub» mit mlat. bodina (Thurneysen, Keltoromanisches 91) «Pfahl» zusammenhängen. In andern Fällen hat man das rein Körperliche im Auge. So wenn wir von einem baumlangen oder baiinistarlcn Kerl, einem saun- oder spindddiirren IVIenschen, einer Hopfenstange — österreichisch auch Heugeig'n — redeu. Mundartl. itempfl bedeutet «kurzer, dicker Mensch», Lenz, Der Handschuchsh. Dial. I, 46. Und hierher gehört eine große Anzahl von Namen und Beinamen. Ein sehr bekannter Beiname dieser Art ist der des berühmten dänischen Sagenkönigs Hrölfr kraki. Das Wort hraki bedeutet «Stange», hat aber schon in alter Zeit auch den Sinn «unentwickelte, hagere Person» im allgemeinen. Von deutschen Namen, die sich hier anschließen, bietet jedes Adreß- buch eine reiche Auswahl. Die altisländischen sind jetzt in F. Jönssons wichtiger ' Veii;l. H. Petersson, JK. XXIII, S. 395. C. N. Holz und Mensch. 43 Schrift Tilnavne i den islandske Oldlitteratur, Aarboger 1907 leicht zu finden. Als die ältesten germanischen Beispiele solcher Namen dürfen wohl wandalisch *Eaus und *Iiafts gelten, über die ich ZfdA. 36, 47 gehandelt habe. Oder das Körperliche ist wenigstens mit im Spiele. Wenn wir jemanden einen grohcn Klotz nennen, so denken wir dabei leicht nicht nur an unfeines Benehmen und Bildungsmangel, sondern zugleich auch an plumpe, vierschrötige, klobige Körperformen ; und noch mehr werden sich die Begriffe körperlicher und geistig-sittlicher Unfeinheit miteinander verbunden haben in einer Zeit, in welcher der Rassenunterschied zwischen den sozialen Schichten ein augenfälligerer war. In diesem doppelten Sinn möchte ich daher bestimmt die Namen von Knechten und Dirnen in der Rigsjiula Drumbr, Drumha und Kumba auffassen. Als Appellativnam bedeutet tredrumhr «Holzklotz» und zu Kumba stellt sich tnkumbr, ablautend mit griech. YÖnqpoq «Pflock, Zahn». Ahnlich wird man mhd. Inno; T;niilz, k)iochs, bürenknorf , solch, holl. Iiiioef zu beurteilen haben. Hierher gehört ferner Benrjcl, Flegel, bair. Zoch, Zochen «von Zweigen gesäuberter Ast, Knüttel» und «grober Mensch, Bursch, Knecht», dän. trunte «Baumstumpf, Block» und «kleiner untersetzter Mensch», älter auch «Tölpel», ebenso dän. Idods «tölpischer Mensch» u. a. m. Auch unser Schwung und Klachel sind verwandte Ausdrücke, nur daß beide, unbildlich gebraucht, Gegenstände aus Metall bezeichnen. Verschiedenen der besprochenen Gruppen reihen sich ein dän. udd. knast, norw. dial. Icult, hmii l-ncrta loiarte, knott, nubb, bikse bjakse, lurk, brand, kause, bagge bdggji: und schwed. dial. phjgg, spinke spink und knagg, über die in den Wörterbüchern von Aasen, Ross und Rietz Aufschluß zu finden ist. Auch auf die Zusammenstellungen bei V. Friesen und Johansson ist hier neuerdings zu verweisen. Aber das Material ist damit auf keinem Gebiet erschöpft. Zutreffend bemerkt Johansson, K. Z. 36, 373, daß die Benennungen lebender Wesen nach toten Gegenständen — sie sind auch unter Tiernamen stark vertreten — besonders häufig sind in etwas niedrigerer Sprache, in der gemeinen Umgangssprache. Es fallt in der Tat auf, wieviel derartiges etwa die heutigen nordischen Dialekte bieten im Vergleich zur aisl. Literatursprache. Aber zu allen Zeiten steigen doch einzelne Worte dieser Art auf eine höhere Stufe empor. Als ein solches wird man asl. skati «Mann, hervorragender Mann, Häuptling» ansprechen dürfen. Bugge hat es Ant. Tidskr. f. Sverige 5, 146 im Anschluß an P. J. Luudal und Vigfussön mit schwed. dial. skate «etwas empor- oder hervorschießendes, Baumwipfel, Landspitze u. dgl.», norw. dial. skat n. «Wipfelende eines Baumes», skata «in eine Spitze auslaufen», skate m. in Telcmarken «Baumstamm ohne Aste» zusammengebracht. Ich denke auch hier nicht an eine all- dem zugrund liegende «allgemeinere Bedeutung», sondern an unmittelbaren Vergleich des Mannes mit dem Baum. Hierher gehören auch Tiernameu : aisl. skata, norw. skate «raja batis» und schwed. skata, norw. dial. skata. dän. skade «corvus pica»; s. Falk-Torp. E. Ob. 2, 174. 167. Besonders zahlreich sind die Worte für «Knabe» und «Mädchen ?, die ursprüngUch Pflock, Stift oder ähnliches bedeuten. Auch Stift selbst oder Stöpsel nennen wir wohl einen kleinen Jungen und sind uns dabei der Bildlichkeit des Ausdruckes noch ganr bewußt. Schmeller'' 2, 771 verzeichnet Stiiigel «Mannsperson, insonderheit noch lediger Bursche» — daneben Jleniedstiiigel, was trotz Sthigel «penis» nicht phallisch verstanden zu werden braucht. Viiu. pige, spät aisl. /xA« «Mädchen» gehört nach Johansson, K. Z. 0» 44 Rudolf Mucli. 36,381 mit däti. pig, aisl. p'il- «Spitze» zusammen. Ebeuso ist dän. 7/«*/ «kleiner Knabe», schwed. dial. luil; «Junge», norw. dial. pauJ; «kleine schwache Person, kleiner Junge», ndd. pöÄ- «schwacher Mensch, Kind, kleiner Bursch» dasselbe Wort wie älter dän. poij, norw.^aaÄ:, schwed. päk «Stock», mndd. pol: «Dolch» ; s. Falk-Torj), E. Ob. 2, 45, 68. Auch aisl. drcngr «tüchtiger junger Mann», dän. dreng, schwed. dräng «Knabe» hat Tamm, E. Sv. Ob. 103 f. als identisch mit aisl. und anorw. drcngr «dicker Stock, Säule», aslov. drqg^ «Stange, Baum» erkannt; s. auch Falk-Torp, E. Ob. 1, Ulf. Vgl. den langobardischen Beinamen dra)ui(S, Brückner, Spr. d. Lgbd. 13, und bair. Tn'uiggiii «uubescheideue Weibsperson», Schmeller- 1, 667. Auch die im Neuisländischen gebräuchlichsten Ausdrücke für Knabe und Mädchen, piltur und stülka, erklären sich so; ersteres, &is\. piltr, piUungr, steht zu schwed. dial. pidt «Pflock» in Ablautverhältnis ; letzteres gleich aisl. und schwed. dial. sfidla gehört zu schwed. dial. stidk stoJk «Stiel» ; s. Johansson. K. Z. 36, 377, 381. In diesem Zusammenhang wird man an die alte Deutung von lat. rirgo aus virga erinnern dürfen; ferner an die von Bezzenberger und Fick, Beitr. 6, 238 vertretene Beziehung von rciXiq zu lat. taJea «Setzhng, Reis», aslov. falij. «ramus virens» und die Zusammenstellung von TTäpaevoq mit Triöpöo? durch Düntzer, K. Z. 16, 29. Dieses Material wäre leicht zu vermehren. Aber die semasiologische Regel läßt sich jetzt schon aufstellen, und damit ist uns ein Schlüssel zur Erklärung noch einiger anderer Appellativa gegeben. Wir müssen uns dabei vor Augen halten, daß bei Knaben und Mädchen die Kleinheit und Schlankheit das tertium comparationis mit Gegen- ständen aus der Pflanzenwelt sein kann, bei jungen Männern auch die Kraft und «Stäm- migkeit . Von «Knabe» führt aber sehr oft die Bedeutungsentwicklung zu «Diener, Knecht» Mnüber. Ausdrücke für diesen Begriff können also hier mittelbar entstehen; aber auch unmittelbar, wenn die äußere oder innere Unfeinheit oder Stumpfheit zum Vergleich und zur Übertragung der Bezeichnung des Holzstückes auf den Menschen Anlaß gibt. Vor allem wird man sich jetzt gegenüber der Fülle der Seitenstücke nicht mehr wie noch Falk-Torp, E. Ob. 1, 386 dagegen sträuben dürfen, Jcnahe «puer» mit hess. Knabe «Stift oder Bolze», Herrn, v. Pfister, Nachträge zu.Vilmars Idiotikon von Hessen 136, gleichzustellen. Vielleicht ist es nicht ganz ausgemacht, wie sich ahd. l:naho, ags. cnafa zu ahd. hiappo und vor allem zu ags. cnapa, as. huqw, aisl. l-napi «Knappe, Junker» verhält, eine Frage, die v. Friesen, Mediogeminatorna 57 ff. behandelt. Aber auch zu diesen Nebenformen stellen sich gleichlautende Worte, die sich sämtlich in ihrer Bedeutung an jenes hessische Knabe anschließen ; s. v. Friesen a. a. 0. Knabe «Stift, Bolze» wird gewiß mit Recht zu Knebel und zu griech. YÖnqpoi; «Pflock» gestellt. Und auch Knebel bezeichnet im Jütischen einen Menschen von kleinem Wuchs nach Falk-Torp, E. Ob. 1, 388f. — Fejlberg liegt mir nicht vor — ; mhd. kommt es vor in der Bedeutung «grober Gesell, Bengel». Genau entspricht dem griech. Toncpoi; «Pflock» das ahd. mhd. ehump, kanip «compes» und lampc «Holz, das man dem Schweine um den Hals tut, damit es nicht durch die Zäune kriecht», Lexer, Mhd. Wb. 1, 1505f.; vgl. Schmeller- 1, 1251, Unger-Khull, Steir. Wortsch. 375. Auch durch das Mmmen, hämpen der Zimmermannssprache, das «durch Pflöcke verbinden» bedeutet, wird ein Kamm in der Bedeutung «Pflock» vorausgesetzt. Neben cliamp steht ahd. chembil «columban. Aus diesem Worte erklärt sich wohl eis, Kambel «großer Mann», Martin und Lienhart 1, 443, in den Lauten sich deckend Holz und Mensch. 45 mit Kambel «großer zweiteiliger Kamm», und bair. ösieri: Käntpl (mit hellem «) cGeselle, Kumpan» — das Wort hat auszeichnende Bedeutung — , lautlich ebenfalls zusammen- fallend mit Kämpl «Kamm». Wir sind hier auf einem Wege, der sogar zur Erklärung des von Ptolemäus über- lieferten Volksnamens der Kä|i7Toi aus dem Germanischen führen könnte. Gewiß haben wir es dabei mit einer durch Volksetymologie und den spätgriechischen lautlichen Zusaramenfall von \m mit |uß bewirkten verkehrten Schreibung statt Kdjißoi zu tun, und das könnten ganz gut «die Kampeln, die starken, stämmigen Kerle» oder auch herab- setzend «die Klötze» sein. Aber ich verkenne nicht, daß anderes für keltischen Ursprung des Namens schwer ins Gewicht fällt, nämlich die Verljindung mit den ungermanisch aussehenden Sondernamen "Abpaßai und TTdpiaai und die Nachbarschaft des Flusses Kamp, Camhiis bei Einhart, der sicher so auf keltisch als «der Krumme» bezeichnet wird, wie schon Glück, Die kelt. Nam. 34 gesehen hat. Aber ist nicht im Munde germanischer Nachbarn keltisch *Kamhi)i notwendigerweise umgedeutet worden nach dem so naheliegenden germanischen Worte? Ähnliche Umdeutung und in diesem Fall auch Umgestaltung nehme ich an bei einem anderen fremden Volksnamen, dem der Hunnen, dessen germ. Form ahd. Hüni, ags. Hinxis, aisl. Hibiar, Hihiir von dem lat. griech. Ouvvoi, Hitinii, Clnoiiii und dem chinesischen Hhnuj-uu (das aber selbst volksetymologisch umgeformt ist) auffallend und durchgehend abweicht. Die germanischen Worte, an die der Anschluß erfolgt ist, habe ich aber in meiner Schrift über den germ. Himmelsgott (.\bhandl. zur germ. Philol., Festgabe für Richard Heinzel) 22 kaum in den rechten Zusammenhang gebracht. Vgl. jetzt über diese Johansson, K. Z., 36, 374. Es stellen sich mit ursprünglicherer Bedeu- tung als Bezeichnungen lebloser Gegenstände zur Verfügung : aisl. ht'om c Würfel» und «ein klotzartiges Stück» als Teil des Mastes, vielleicht «Pflock, Nageh^ oder ^Zapfen», adän. hund «Türriegel, Querholz», aschwed. hun «Schlagbaum, Riegel», gutn. Imn «Dachfirst». Danach scheint mir der Volksname als «die Klötze» verstanden worden zu sein im Hinblick auf körperliche Eigentümlichkeiten. Man beachte die Schilderung der Hunnen bei Ammiauus Marcelinus 31, 2, der sie ebenfalls mit Pflöcken vergleicht, die — nach Art der noi'dischen fn'menn? — roh geschnitzt sind: snicsciint iniberhes ahsque uUa ueniixfate, spado)übus si»iilrs, rompnctia omnes firmisfjiie niembrifi et opiniis ceruicibus, prodigiosac formao sct parui, ut bipcdes existimes bestias ud quäl es in com mar gi- nandis pontibus effiglatl stipitcs dolantur incompte. Geht diese Beschrei- bung auf germanische Gewährsmänner zurück? J. Hoops hat in den Germanist. Ab- handlungen, Hermann Paul dargebracht, Strnßl)nrg 1902, 167 ff. den Namen der Hunnen unter Berufung auf einen ags. Pflanzenuanjcn hünc und griech. Kuavog als -die dunkeln, schwarzen» zu deuten versucht, hält ihn also ebenfalls für germanisch. Daß man Kegd «unehelicher Sohn» von Kegel «Kegel im Kegelspiel», mhd. auch «Knüppel, Stock», nicht trennen darf, wird nun auch nicht mehr bezweifelt werden. Vgl. ein grober, ein fauler Kegel «Schlingel, Taugenichts'. Martin und Lienhart 1, 428. Kegel wird zunächst wie Bengel eine verächtliche Bezeichnung für Kind sein, woraus eine für uneheliches Kind leicht hervorging. Umgekehrt [ist Bankert örtlich zu einem Scheltwort für ein unartiges Kind geworden, das hier in Wien — in der Gestalt Bdnggal — sehr oft Mütter aus den unteren \'olksschichten ihren eigenen Kindern zurufen. Wahrscheinlich gehört in diese Gruppe auch Knecht, dessen ältere Bedeutung noch 46 Rudolf Mucli vorliegen wird in schweizerisch J^T««/;/ «Rebschößling». Besonders heißt, wie es scheint, Knecht ein Schößling am Weinstock unmittelbar über dem Boden, den man stehen läßt, um für den alten Stamm Ersatz zu haben, wenn es nötig wird, diesen zurückzuschneiden ; s. Staub-Tobler 3, 722. Auch Gert und ClineheJ werden als Synonyma genannt. Zu erwägen ist allerdings, ob das Wort hier nicht bildlich zu verstehen ist. Aber sonst wird Knecht übertragen nur von Vorrichtungen gebraucht, die etwas halten, einen Diener oder dienstbaren Geist ersetzen. Was die Möglichkeit einer solchen Etymologie von Knecht betrifft, sei darauf verwiesen, daß bei Falk-Torp, E. Ob. 1, 3, as. ahd. scak «Knecht, Diener>. Geraeiugerm. ^slallnz «Knecht» ist nach dem Vorgang von v. Friesen, Mediogeminatorna 59 für dasselbe Wort zu nehmen wie norw. dial. shalk m. «Stumpf, Endstück von Brot», färöisch shUkiir «Stück Holz, das in das unterste Ende eines Dachsparrens eingeschlagen wird, auf dem rntnhord und tonhald {= Seitenbretter auf dem Dach, die den Grastorf am Herabgleiten hindern) ruhen, Endstück von Brot>, schwed. sJcalk m. «Brot- und Käseanschnitt>, schwed. dial. skdik und skulk «abgesägter Stummel von Balken, Planken oder Brettern», dän. skalk «Stück Zimmerholz oder kürzerer Sparreu, Endstück von Brot», mndd. schaJk «die kleine Stütze, worauf ein Balken ruht». Schmeller^ 2, 412 hat schdJkoi (HhE.) «in Schalken (Scheite) hauen» und sich Schalken «in Schalken springen, entzweigehen», das ebenfalls hierhergehört. Was die Beziehung von Schalk «Knecht» zu Schalk «Klotz, Balkeustummel» betriflft, ist freilich auch die Möglichkeit eines umgekehrten Verhältnisses zu erwägen. Man konnte hier an ein Seitenstück zu dem oben gestreiften Knecht im Sinne von «Träger» oder «Halter» denken, wobei unter anderem an den Henhainz oder die Heithahue «aufrecht- stehender Pflock mit Aststummeln zum Trocknen des Heues», Schmeller* 1, 1138. Grimm DWb. 5, 1396, an Hansel in ähnlichem Sinn, Schmeller* 1, 1134 und vor tülem an aisl. drergar zu erinnern wäre, wie die kurzen auf anderen Balken aufstehendea Ständer heißen, die einen Dachbalken tragen. Das geschieht, wie Fritzner I, 275 bemerkt, i Lighed med de d vergär, som Aserue satte til at bivre Himmelen, eu undcr 48 Rudolf Mucli. hvert af dens Hjörner SE. I, 50'. Audi aisl. drcrgr «fibula» scheint mir, beiläufig bemerkt, als Hälter des Gewandes so beuaunt zu sein. Wirklich weiß Schmeller^ 2, 410 zu melden, daß in Schwaben der Pfannenkuecht oder der Feuerhund Schalk genannt wird, und pfannenschak für das eiserne Gestelle, auf dem die Pfanne über dem Feuer steht, den «Pfannenkuecht», kommt schon bei Neidhart vor. DWb. 8, 2075 bringt noch mehr Belege für die mundartliche A'erwcndung von Schalk «von einem dienenden, helfenden Geräte, Träger, Gestell, auf dem etwas ruht». Aber das skalk als Bezeichnung für den Klotz, auf dem Sparren oder Balken aufliegen, wird mit Recht nicht getrennt von ostfries. skalk «kleiner Klotz unter einem Spikerkopf, angebracht, um diesen zu hindern, zu tief einzudringen» und hierzu gibt es auch ein synonymes dän. skahn, ndd. holl. schahti. Alle diese Worte gelten daher mit Recht als Bildungen aus der Wurzel xkrJ «spalten», zu der unter anderm auch got. skalja «Ziegel», aisl. sk/lja «trennen, schneiden», deutsch Sdialc, Srhihi, ScIioUr gehören: s. Persson, K. Z. 33, 290, Zupitza, Die germ. Gutt. 95, v. Friesen, Mediogeminatorna 59, Falk-Torp, E.Ob. 2, 169 f. In oberdeutschen Mundarten verbreitet ist auch ein Schalk «Wamms, Mieder, Jacke», DWb. 8, 2075. Dazu bemerkt dieses (Heyne): «möglicherweise ist das Wort eine besondere Gebrauchsart des Subst. Schalk 1. Hintner vergleicht Ha)is, Hansel, das mundartlich Unterrock oder Hemd bedeutet». Aber Hansl könnte ein Kleidungsstück doch nur gleichsam als Vertrauter, Freund, Geliebter heißen, insofern es einen umfängt, schützt, erwärmt, nicht aber als «Diener». Schalk wird also auf diesem Wege kaum erklärt. Auch kann ich mir nicht wohl denken, daß der Schalk so benannt sei, weil er etwa einmal für den Knecht eigentümlich war. Wenn wir dagegen die Bezeichnung des Kleidungsstückes, das ein kurzes ist, — «ein kurzes Kamisol» nennt es Schmeller ^ 2, 412 — von Schalk in dem älteren Sinn des abgeschnittenen Stückes herleiten, können wir uns auf zahlreiche Analogien berufen. Ich nenne ags. ci/rfcl, aisl. kyrfill «Rock», eigentlich «Kurzkleid»; unser Schurz, Scltiirzc und engl. .s7//r/, Sdsl. shjrla «Hemd», zu ahd. scurz, ags. sceori, lat. *excurtus gehörig; ferner schwed. stuhh «Unterrock der Frauen» neben aisl. stuhbr, stuhhi. stohhi, stüfr «Stumpf», und aisl. stakkr «Stak, Kufte, kort Klasdningstykke til Overkroppens Bedsekning» (Fritzner^ 3, 517), das sich aus dän. stakaandet «kurzatmig», slakkrt «kurz», stakkc «kürzen» usw. einfach als «das kurze» erklären läßt, allerdings aber auch mit Falk-Torp, E. Ob. 2, 283 zu aisl. staka stakka «FelL. gestellt werden kann. Selbst &\s\. pih «Frauenunterrock» deutet Johansson, K. Z. 36, 377 ähnlich. Strumpf, Stutzen, stocking liegen hier nur insofern weiter ab, als sie bloß zur Bekleidung von Gliedmaßen dienen. Auch Schalk als Name für ein Kleidungs- stück scheint mir also ein skalk «Abschnitt, Stutz, Stummel> vorauszusetzen. Vielleicht tragen diese Ausführungen dazu bei, v. Friesens Etymologie von Schalk die Wörterbücher zu öffnen. Gerade dieses Wort ist übrigens von besonderem Interes.se, weil es in der Bedeu- tung «Diener» schon gemein- und urgermanisch ist. Bereits in einer Zeit mit sehr einfachen und gleichartigen Lebensverhältnissen und geringen Bildungsunterschieden in der Bevölkerung ist der Knecht dem Herrn als «Klotz» erschienen. Dabei werden, wie wir schon angedeutet haben, Rassemmterschiede mit im Spiele sein. Ethno-geographische Wellen des Sachsentums. 4-Ö Ethno-geographische Wellen des Sachsentums. Ein Beitrag zur deutschen Ethnologie. Von Willi Pessler, wissenschaftlichem Hilfsarbeiter am Museum für Völkerkunde zu Hamburg. , Systeme sind Nester;, sie haben keinen Wert mehr, wenn die Wahrheiten, die in ihnen lagen, flügge geworden sind." Adolf Harnack in mein Stammbuch. Unter Ethno-Geograpliie verstehe ich die Wissenschaft von der Verbreitung des Volkstums hinsichtüch seiner sämtlichen Äußerungen. Dabei ist Geographie in dem engeren Sinne = Verbreitung, Ethnos in der erweiterten Bedeutung der modernen Völker- kunde als Gesamtbegriff aller Volksmerkmale gefaßt. Ihre Methode ist die geographische, die in der Kartendarstellung ihren vorzüglichsten Ausdruck findet. Die Landkarte ist ihr wichtigstes Hilfsmittel, denn diese bringt die Ergebnisse schneller und sicherer zur Anschauung und Einprägung als seitenlange Ausführungen (ähnlich der geographischen Methode), abgesehen von dem schnellen und erfolgreichen Vergleichen, das erst durch die Karte möglich wird. Diese räumliche Betrachtung des Volkes wird durch die zeit- liche, entwicklungsgeschichtliche, ethno-historische ergänzt, erst beide zusammen bilden die Ethnologie. Ihnen allen zugrunde liegt die Ethnographie, die Sammlung und Be- schreibung des Materials. Die Äußerungen oder Merkmale des Volkstums sind: Körper, Geist und Sprache, Sache. Ihr Vorkommen muß im Zusammenhang und mit Zielbewußtsein erforscht werden.' Die Ergebnisse für unser deutsches Volkstum, soweit sie kartographisch ab- geschlossen sind, habe ich anderweitig^ zusammengestellt. Die mächtig aufblühende Wissenschaft, der von selten der Anthropologie, Psychologie mit Sprachforschung und der Sachforschung begeisterte Hilfskräfte zuwachsen, hat sowohl die Grenzen nach außen wie die Unterschiede im Innern des ^'olkskörpers zu erforschen. Dabei sind die Außen- grenzen jeder Volksgemeinschaft gleichzeitig Innenscheidelinien hinsichtlich des zunächst übergeordneten Begriffes ; so bezeichnen die Grenzen der Rieser Volksart für den schwäbischen Volksstaram, dessen Grenzen für das Alemannentum, dessen Grenzen für das oberdeutsche Volkstum und endlich dessen Grenzen für das gesamte Deutschtum innere Verschiedenheiten. .Tedes Volkstumsmerkmal hat ein bestimmtes Ausbreitungs- gebiet, eine Tatsache, für die man nicht unpassend die Bezeichnung «Welle» gewählt hat, damit zugleich die Entsteliungsart einer solchen Verbreitung andeutend. Die äußersten geschlossenen Grenzen wären dann die Wellenränder, über welche hinaus noch manche Woge, noch mancher Wellenschaum vorgeflutet ist, um auf fremdem Boden sich abgesondert zu erhalten oder zu versickern. Will man Fremdwörter dafür wählen, ohne die wir auf die Dauer vielleicht doch nicht auskommen, so könnte mau nach dem Vorbild der Physiogeographie (Isohypsen usw.) die Linien, welche die äußersten Punkte gleicher Volksart verbinden, «Is-ethnen» nennen, die dann in Iso-somaten (Linien gleicher ' «rian einer grolien deulsrlieii Eihno-Geograpliie.» Kölnische Zeitung S. VI. 1907. ' «üeutsche Ethno Geographie und ihre Ergebnisse» mit Karte. Deutsche Erde 1909. Heft 1. Wörter und Sachen. I. ' 50 ^Villi Pessler. Köperbeschaffenheit), Iso-psycheu nebst Iso-glossen und Is-ergen (Gleichheit der Sachen) zerfallen würden. Für ethno-geographische Betrachtung besonders geeignet ist unter den deutschen Landschaften Altsachsenland, weil hier in vielen Beziehungen ein relativ einheitliches Gepräge herrscht. Eine gleichartige Rasse bildet hier die Bevölkerung nicht, namentlich nicht in der Schädelform ; doch herrschen in der Koiuplexion so große Übereiustitn- mungen, daß man den blonden Typus des Nordwestens dem braunen des Südens gegenüber- stellen kann.' Die Iso-somate, welche die 40 — 54''/o rein Blonden umschließt^ umfaßt in Holland einen sehr breiten Küstenstreifen vom Haag au bis zur Unterems und im Deutschen Reich ungefähr das ganze Land östlich von Ems und Haase nördlich des Tieflandrandes von Osnabrück bis Magdeburg, von hier folgt sie der Elbe bis zur Havel- mündung und wendet sich zur Odermüüdung, hinter der sie in Hinterpommern sehr weit, in West- und Ostpreußen mit Unterbrechungen ins Binnenland hineingreift. Schon jetzt fällt auf, daß das alte Sachsengebiet zwischen Weser und Eider vollständig inner- halb dieser Linie liegt, und daß diese Iso-somate selbst ganz innerhalb des niederdeutschen Sprachgebiets verläuft, aber mannigfsich über die Sachsenhausgrenze hinausgreift, ohne Beziehungen zu ihr zu verleugnen. Einsprengungen des braunen Typus', d. h. Gebiete, in denen ein klein wenig mehr Brünette wohnen (11 — 15"/o), sind nur vereinzelt bei Hameln, Schwerin, Greifswald. Weiter verwerten lassen sich diese Tatsachen einstweilen nicht, denn der helle Menschentypus ist den Sachsen mit Friesen und Nordgermanen ge- mein, also nichts eigentlich Sächsisches, und anderseits sind überhaupt die nach Hundert- sätzen aufgestellten Umgrenzungen recht fließend. Aus letzterem Grunde sind alle Iso- somaten bei der Erforschung alter Volksgemeinschaften nur mit großer Vorsicht zu benutzen. Isopsychen oder Linien gleicher geistiger Veranlagung sind bislang noch für kein Volk unserer Erde gezogen worden; auch sind sie um so schwerer zu ermitteln, je weniger «faßbar» der betreffende Begriff ist, z. ß. Treue. Doch kann die Volkerpsycho- logie ihre Aufgabe nicht als gelöst betrachten, so lange sie nicht wenigstens den Versuch gemacht hat, die Verbreitung der psychischen Merkmale eines Volkstums zu erforschen und zu kartieren. Praktisch würde diese Darstellung außerordentlich schwierig sein, denn musikalische und zeichnerische Begabung müßten natürlich getrennt werden, ebenso Neigung zum Diebstahl und Roheit usw. Erst all diese Isopsychen zusammen würden ein vollständiges Bild von der «Welle» der völkischen Geistesart geben. Theoretisch aber muß durchaus an der Forderung einer Psycho-Geographie für die Menschheit, zu- nächst für das Deutschtum, festgehalten werden. Einen Notbehelf bilden einstweilen nur die wenigen Karten über Verbreitung der Kriminalität. Hinsichtlich des Sachsen- tums läßt sich a priori vermuten, daß sich mit Angelsachsen und Friesen große Gemein- samkeiten ergeben werden, welche gegen das Franken- und Dänenland hin sich nach und nach abschwächen. Die Ergebnisse der Sprachforschung hat man schon seit einem halben Jahrhundert in Karten niedergelegt; für die Linien gleicher Spracherscheinungen ist der Name •• ' ' ' Vergl. Vii-chow, Gesamtbericht, Archiv für Anthropologie XVI, 3, S. 275. Karte 1 : Blonder Typus und Karle 2: Brauner Typus, 1 : 3000000. - Vergl. «Verbreitung der Deutschen», 1 : 6000000, Meyers Konv.-Lex. 6. Aufl. ^ Vergl. die Karle «Verbreitung des braunen Typus», 1 : 5800000, in Joh. Bänke, Der Mensch II, S. 260. Ethno-geographische Wellen des Sachsentums. Isoglossen im Gebrauch. Diese bezeichnen bis jetzt fast ausnalitnslos nur lautliche Über- einstimmungen, sind also genauer Isophonen, während die Verbreitung der Wörter mit ihren Grenzen, den Isolexen, auft'äliig vernachlässigt worden ist. Das größte Unternehmen der deutschen Sprachforschung ist der Wenker-Wredesche Sprachatlas des Deutschen Reichs, der mir durch die Güte der Verfasser in Marburg wiederholt zugänglich war. Der Lautforschung gewidmet, werden seine schönen Karten (l : 1000000) auch der Wort- Geographie große Dienste leisten. Kleinere Lautkarten über das ganze deutsche Sprach- gebiet sind nicht selten ; mehrfach begegnet man auf ihnen der Uugenauigkeit, daß ganz Ostelbien mit Altsachsenland zusammen die Bezeichnung «Niedersächsisch» oder «Sachsen» trägt; zum mindesten müßte es heißen : sächsisch-gemischt, noch besser: ost- elbisches Niederdeutsch. Mit Recht teilt Maurmann' dieses in zahlreiche Untergruppen, denen im Westen eine noch größere Mannigfaltigkeit entspricht. Noch mehr ins Ein- zelne geht Bremer^ mit den Scheidelinien kleinerer Unterdialekte; als Hauptgruppen des Nieder.sächsischen zwischen Zuider See und Odermündung gibt er Westfälisch, Engrisch, Ostfälisch und Nordniedersächsisch an, in der Farbenwahl seiner Karte sehr geschickt. Die «thüringische Tönung» (wenn ich so sagen darf) der ostfälischen Mund- art auf der Karte kann als ein Meisterstück der Sprach-Geographie bezeichnet werden. Das Nordniedersächsische, auf der holsteinischen Mundart beruhend*, ist offenbar reiner sächsisch als die drei anderen Dialekte, die ich demgegenüber vielleicht als «unsächsisch gefärbt» unter dem Namen «Südniedersächsisch» zusammenfassen darf. Für die ältere Zeit haben Piper* und TümpeP Mundartkarten gezeichnet. Daß die große niederdeutsche Sprachscheide von Belgien bis Littauen mit der Sachsengrenze nicht identisch ist, ist ja längst bekannt; denn die Niederrheiner im Westen, die Märker und Preußen im Osten wird niemand als Sachsen bezeichnen wollen. Dagegen hat in Ostelbien eine mehr oder minder starke Mischung mit Siedlern stattgefunden, die aus dem nordnieder- sächsisclieri oder südniedersächsischen Sprachgebiet kamen und auch der Mundart ein mehr oder minder starkes sächsisches Gepräge gegeben haben ; am deutlichsten ist das in einem breiten Streifen an der nordniedersächsischen Sprachgrenze entlang von der Elbe bis zur Leba. Gegen Südosten hin ninnnt dieser sächsische Einfluß nach und nach ab. Es ist eine Hauptaufgabe der Karte, Maß und Ausdehnung solcher Mischungen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zur Anschauung zu bringen. Isolexen oder Linien, welche das Vorkommen gleicher Worte bezeichnen, sind mit einer einzigen Ausnahme'' für den deutschen Sprachboden noch nicht gezogen. Vor- bildlich für die Wort-Geographie ist da das große französische Werk von Gilli^ron.^ Anläßlich meiner Hausforschungen habe ich neben der Verbreitung der Hausteile die dafür vorhandenen Volksbezeichnungen verfolgt und so, wie Meringer es wünscht, die Ver- breitung der Sachwelle mit der Wortwelle in Beziehung zu bringen versucht. Für jeden Ausdruck habe ich eine Karte gezeichnet, im ganzen M Karten, deren Ergebnis ich ge- legentlich zu veröffentlichen hoffe. Hier sei daraus mitgeteilt, daß manche dieser Iso-Iexeu ' Karte der deutschen Mundarten in Meyers Konvereationslexikon, 5. Aufl. - Karte der deut^icllen Mundarten 1 : öS.WOlX) in Brockhaus Konversationslexikon, 14. Aufl., Bd. 5. ' Bremer, Ethiioirraplüe der germanischen Stämme, tJ. Aufl., Straläburp 190-1, S. 13S. * Dialektkarte von Deutschland bis 1300, 1:4700000, Kettlers Zeitschritt I, Tafel 4. =■ Die Mundarten des alten niedersächsischen Gebiets, l:37tX)000, Paul und Braune, Beiträge YII, 1. ^ Wilh. Schwartz, Havelland, Zone der Worte mu^rpel und pierlock. Zeitschrift des Vereins für Volks- kunde 18i).5, Tale] 4, — ' Atlas linguisti(]ue de la France. Preis etwa 1000 Fr. 52 Willi Pessler. nur Holstein, Laueuburg und Nordhanuover umfassen, daß manche anderen südlicher reichen, aber mit der Linie Ems-Haase-Nordrand des Bcrglandes scharf abschneiden, und daß nur eine beschrankte Zahl der Worte im ganzen Sachsenhausgebiete gemeinsam ist. Vielleicht deuten auch diese Wortwellen, wie schon so manches andere, auf eine Süd- wanderung der Sachsen, deren Volkstum sich um so weniger durchsetzen konnte, je mehr sie südwärts in schon besetzte Landschaften gelangten. — Ethno-geographisch am wichtigsten von den Wörtern sind, weil lokal gebunden, die Ortsnamen. Die darüber un- bedingt notwendigen Karten sind leider für Altsachen spärlich genügt manche Endungen sind Sachsen und Dänen gemeinsam, manche nur sächsische verlieren sich allmählich nach Süden bis zur Ems-Oker-Liuie. Im Osten lassen slavische Orts- und Familien- namen auf starke, ethnisch sich durchsetzende Bevölkerungsreste der Wenden schließen. - Eine zusammenfassende Namen-Geographie von Deutschland wäre zu wünschen. Die Wortwellen bedürfen der Sach wellen zur Ergänzung.^ Volkstümliche Sachen sind Siedlungsform, Hausform, Gerätform. Die Hauptdorfformen sind Einzelhof, Haufen- oder Gewanndorf, Reihendorf, Weiler, Straßendorf und Rundling, deren Verbreitung* größtenteils national bedingt ist. Die beiden letzten stehen unter slavischera, der Weiler unter römischem Einfluß, während der Einzelhof eine sehr alte, nicht nur keltische Einrichtung ist. Während also die Ausbreitung der Rundlinge östlich der alten Wenden- grenze Schwentine, Recknitz, Ilmenau, Saale den unmittelbaren Rückschluß auf großen- teils unsächsische Bevülkerungsteile erlaubt, geht dies beim Einzelhof westlich der Weser nicht an. Sicher rein germanisch sind die Gewanndörfer, da sie aber allen Germanen gemeinsam sind, lassen sie sich für die Sachsenfrage nicht speziell verwerten. Deutsch sind auch die Reihendörfer, im Mittelgebirge mit Waldhufen, an Fluß- und Seeküsten mit Marschhufen verbunden; letztere deuten an L'nterweser und Unterelbe auf hollän- dische Kolonisation. So wird das Gebiet der Gewanndörfer, die in Holstein und Nord- hannover nur sächsischen Ursprungs sein können, im Osten von den Runddörfern der Wenden begrenzt und an der Elblinie durch den schmalen Streifen holländischer Marsch- hufendörfer, der bis zur Sorbengrenze vordringt, fast völlig zerschnitten. Ethnisch besteht der Unterschied gegen Osten noch heute fort, während er. in den Marschen durch Nach- wanderu der Niedersachsen großenteils, zum Teil völlig verwischt ist. Das wichtigste Volkstunismerkmal, häufig nächst der Sprache, bei den Sachsen über- haupt, ist der Typus des Bauernhauses. Wo die Sachsen nie hingekommen sind, fehlt auch ihr Mittellängsdielenhaus völlig, so an den Küsten des alten Friesland, auf der Halbinsel Eiderstedt in Nordschleswig, am Mittelrhein, im hochdeutsch sprechenden Hessen. Wo die Sachsen hinkamen, brachten sie auch ihr Haus mit: ganz Westfalen, später Ostholstein, Mecklenburg, Pommern; daß sie es in Ostfalen nicht durchsetzten, kann nur durch eine stark unsächsische Grundbevölkerung erklärt werden, die ja auch durch die Mundart bewiesen wird. Wo sonst das Längsdielenhaus herrscht, ist Sachsen- einwanderung (vergl. oben) belegt, so am Niederrhein, wo die Franken im dritten nach- christlichen Jahrhundert von den Sachsen zurückgedrängt wurden.^ Wo schließlich ' Reimer Hansen, Ortsnamen der Cimbern halbin sei, 1:5000000, Deutsche Erde, 1902, S. 7"2, und A. Gloy, Ortsformen und -namen in Ostholstein, Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde, VIF, 3. ? Hans Witte, Karte von Mecklenburg, Deutsche Eide, 19Ü5, Karte ]. ' Rudolf Meringer, ,Wörterund Sachen". Indogermanische Forschungen XV'I, S 101, und XVII, S. 100. — * Au^st Meitzen, Siedelung und Agrarwesen, Berlin 1895, Atlas, Übersichtskarte. — '" ßrenier, a. a. 0., S. 157, Ethno-geogra))hisehe Wellen des Sachsenlums. 53 ihr Haus fehlt, haben sich Saehsen überliaupt nicht niedergelassen (Süd- und Nord- holland) oder nur ganz vereinzelt (Litus Saxonicum) oder unter fremdem Volk in er- obertem Land (Ostfalen). Alles in allem spricht das Dielenhaus für starkes, mindestens maßgebendes Sachsentum (vergi. weiter unten die Ausführungen über die Abarten des Haustypus). Die Grenzen des Sachsenhauses habe ich auf eigenen Wanderungen durch ganz Niederdeutschland über tausende von Ortschaften verfolgt.' Im Süden fällt sie von Wupper bis Weser im Berglande haarscharf mit der niederdeutschen Sprachscheide zusammen, während sie gegen den Rhein hin hinter ihr zurückbleibt und sich der Nordgrenze der niederfränkischen Mundarten anschließt })is zur Maas ; an dieser und am Niederrhein hinab reicht das Sachsenhaus bis Utrecht, bis zu den alten Grenzen der Friesen*, die es auch bei der Zuider See, Unterems und Jade nicht oder nur un- bedeutend (in Ostfriesland) überschreitet. Die Südgrenze bleibt von der Weser ab er- heblich hinter der niederdeutschen Iso-phone zurück, folgt dem Lcinetal nordwärts und geht über Alfeld, Braunschweig, Wittenberge und Neubrandenburg zur Oder- mündung, hinter der sie noch den hinterpommerschen Küstenstreifen umfaßt; in der Altmark ist sie mit der Grenze des Bistums Verden und der Grenze der wendischen Flurnamen (nicht Ortsnamen) identisch und umschließt in Ostelbien alle Landschaften, die nachweislich eine starke niedersäehsische Besiedlung zusammenhängender Art er- fahren haben. Auf der Cimbernhalbinsel geht die Sachsendiele bis Norderdithmarschen und über Eider und Schlei, hinter der siegreicheren Sprache der Niederdeutschen um einen Streifen zurückbleibend. Das ist das Gebiet des reinen altsächsischen Stils, bestiuunt nach dem Vorkommen der hohen Mitteldiele in Längsrichtung. Weit darüber hinaus greifen Übergangs- und Mischformen, die ich auf einer Haustypenkarte des Deutschen Reichs" mit eingetragen habe. Es sind vorgelagerte Zonen, im Westen die bergische Mischform, wenig umfangreich, im Osten die ostelbische Übergangsform und die alt- sächsisch-rnitteldeutsche Mischform, alle drei im Giebelflur sächsische Überlieferung be- wahrend, alle drei noch innerhalb iler niederdeutschen Sprachscheide, aber nahe an sie heranreichend. Die beiden östlichen Formen erfüllen in Brandenburg und Pommern Gebiete, wo die Sachsen nicht als Volk, sondern als einzelne gemischt mit Fremden, mit andern Deutschen, kolonisiert haben, wie die Geschichte berichtet und auch der Dialekt bestätigt. Die Is oike der Mitteliängsdiele (ostelbische Übergangsform und alt- sächsisch-mitteldeutsche Mischform) bezeichnet die äußersten Vorposten sächsischer Art in deutschen Landen. Ebenso überraschend und ethnologisch ebenso wertvoll sind die Wellen, welche die Abarten des altsächsischen Bauernhauses begrenzen ; in zwei großen Karten habe ich sie niedergelegt.* Nach Meringers Vorschlag** habe ich dort getrennt, und zwar so, daß die Konstruktion und der Grundriß auf je eine besondere Karte kam. Wie sicli dabei herausstellte, lassen sich nach der Konstruktion (Karte I) zwei Hauptabarten des Sachsen- hauses unterscheiden, je nachdem die sparrentragenden Balken nur auf den Dielen- ständern ruhen oder über diese hinaus auch auf die Außenwände aufgelegt sind. ' Das altsiuhsisihe Bauernliaus in seiner geoprapliisclien Veibreitinifr, Prannschweip 1906. - Roderich von Eickcrt, Wanderungen und Siedlungen der germanischen Stämme, Atlas, Berlin 1901. Karte 12. — ' Die Haustypengebiele im Deutschen Reich, Deutsche Erde, 1908, Heft i und 3, mit Karte 3 im Maßstab 1 : -iT.'iOOO«. — * Die Abarten des altsächsischen HaH>typus, mit :J;? Abbildungen und 2 K.irten, Archiv für Antluopologie, lOO'.t, Heft 1. — •' Banc.alari und die Methode der Hausforschung, Mitteilungen der anthropologischen Gesellschalt, Wien 1903, 5t Willi Pessler. Während dabei das Mittelschiff, die Diele, stets gleich bleibt, sind die Seitenschiffe im ersten Falle niedriger als diese, liegen unter angesetzten Verlängerungssparren und somit unter der Dachschräge und werden dann Kübbung genannt. Im zweiten Falle ist die Höhe der drei Schiffe gleich, so daß die Querbalken im Innern auf den Dielen- ständern, außen auf der Wand und somit auf deren Ständern ruhen, M-ofür das Volk die Bezeichnung Yierständerhaus gewählt hat. Eine schmale Kontaktzone zwischen Zweiständer- oder Kübbungshaus und Vierständerhaus weist ein Dreiständerhaus auf und reicht von Limburg über die Ruhrmündung, Mittelwestfalen, Lippe und Braun- schweig zur Altmark. Die Kübbungskonstruktion findet sich unter allen Haustypen der Erde imr beim nördlichen Sachsenhause (und in dem verschwindend kleinen Ge- biete des' benachbarten Nordfriesenbauses) und ist als spezifisch sächsisch anzusprechen. Das Vierständerhaus erfüllt Südwestfalen, Lippe und das Weserbergland, hier vom mitteldeutschen Haustypus noch teilweise oder völlige Zweistöckigkeit übernehmend, und reicht in einem schmalen Streifen ostwärts nach Mecklenburg und Pommern. Das Kübbungshaus umfaßt das ganze übrige große Gebiet des Sachsenhauses, im Lande der Niederfranken durch Erhöhung der Diele etwas abgewandelt, wozu noch links des Rheins Zweistöekigkeit tritt, beides Avahrscheinlich unter friesiscliem und fränkischem, jedenfalls unsächsischem ßaueinfluß. Das Vierständerhaus ist auch aus dem Kübbungs- haus hervorgegangen und zwar durch Hineintragen des mitteldeutschen ßaugedankens, wahrscheinlich macht sich darin noch heute in Westfalen die vorsächsische Bevölkerung (Brukterer) geltend. Nach Ausscheidung der fremdtümlich beeinflußten Abarten ver- bleibt als das Gebiet des unerhöhten, rein sächsischen Kübbungshauses : Ostholland, Nord Westfalen, Niedersachsen, Holstein, Mecklenburg und Vorpommern. — Dem Grund- riß nach zerfällt das Sachsenhaus in die Abarten der Flettdiele (Längsdiele mit quer- gerichteter Wohndiele, dahinter Wohnteil), der Durchgangsdiele (von Giebel zu Giebel durchgehend) und des T-Hauses (Wohnteil mit eigenem Querdach), welches im nieder- fränkischen Gebiet herrscht. Wiederum kommt die eine AV>art, die Durchgangsdiele, nur in den fremdvölkisch beeinflußten Landschaften vor, in Südwestfalen (Brukterer), in Ostholstein, Mecklenburg und Pommern (Wenden) und den holsteinischen Elbmarschen (Holländer). Das übrige Gebiet fällt der Flettdiele zu, die sicherlich reiner sächsisch ist. — Baulich am reinsten sächsisch ist das Gebiet, wo Kübbungshaus und Flettdiele im Hause vereinigt vorkommen, also Mittel- und Südholstein, Niedersachseu, Nordwest- falen, Hollands Ostrand. Der Hausrat des Sachsenhauses ist einigermaßen bekannt, doch nicht annähernd so genau erforscht wie der des oberdeutschen Hauses durch Meringer\ seine geogra- phische Abgrenzung, die Voraussetzung seiner ethnologischen Verwertung, dürfte auf außerordentliche Schwierigkeiten stoßen. Die Grenze der Giebelzierden hat Karl Brandi^ für das W^eserland kartiert; es scheint danach, als ob die Pferdeköpfe stärkeres Sachsen- tum andeuten als die Giebelsäulen. Das Gesamtergebnis unserer Untersuchung wird durch beifolgende Karte darge- stellt. Es lautet: Die Grenzen des sächsischen, wie jeden Volkstums sind nach der Verbreitung sämtlicher ethnischen Merkmale festzustellen, die nach ihrer Zugehörigkeit (Körper, Geist und Sprache, Sache) eine Dreiteilung zulassen. Die allerletzten Ausläufer ' Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft, Wien. '^ Mitteilungen des historischen Vereins zu Osnabrück, XVIU, Tafel 1 und 2, Ethno-geographische Wellen des Sachsenlums. So sächsischer Art liegen überall noch innerhalb der niederdeutschen Sprachgrenze, die aber noch viel anderes (Niederfranken, Oslfriesen, Ostniederdeutsche) umfaßt. Die nach Prozenten, also nur annähernd, feststellbare Iso-somate, welche die Xordgrenze der Be- völkerung mit mehr als 10" o braunem Menschentypus bildet, greift am Khein, an der Weser und breit an der Oder bis tief nach Mecklenburg weit über die niederdeutsche Iso-phone herein und deutet, in Übereinstimmung mit anderen Merkmalen, fremderes Volkstum an. Ganz innerhalb der niederdeutschen Iso-phone, vona Rhein bis Weser mit ihr gleich, verläuft die niederdeutsche Is-oike, welche den altsächsisclien Haustypus und seine Verwandten, die bergische, ostelbische und -mitteldeutsch-altsächsische Misch- form umfaßt; sie bezeichnet am besten die Ausdehnung reinsächsischer und sächsisch beeinflußter Art. Die niedersächsische Mundartgrenze bleibt am Niederrhein liinter ihr zurück, durch das Niederfränkische aufgehalten, und ebenso sehr stark im Osten an Elbe, Ucker und Swine, vor sich ein Mischgebiet von Dialekten lassend. Die Grenze des altsächsischen Längsdielenhauses deckt sich mit ihr zwischen Wupper und Weser, greift bis Maas und Lek und in Ilinterpommern darüber hinaus, bleibt aber in Fries- land und Schleswig begreiflicherweise hinter ihrer siegreich vordringenden Schwester zurück, ebenso in Ostfalen, wo diese Abweichung auffallend ist, doch in Überein- stimmung mit der stark thüringisch gefärbten Mundart ein Sichdurchsetzen des Volks- tums dieser von Sachsen eroberten Landschaft andeutet. Einen engeren, reiner sächsischen Bezirk umschreibt das unerhöhte Kübbungshaus, das den Niederrhein, Südwestfalen und das Weserbergland ausschließt; ähnlich das Flettdielenhaus, dessen Welle zwar bis Rhein und Lenne darüber vorschwingt, aber Ostholstein, Mecklenburg und Pommern und die rechtselbischen Marschen ausschließt. Die Grenze der nordniedersächsischen Dialekte bleibt an Hunte, Weser und Aller weit hinter der Flettdiele zurück, greift dagegen iu Ostelbien gleich dem Kübbungshaus weit darüber hinaus, von der Ilmenau an mit der Linie der niedersächsischen Mundarten überhaupt gleich. Das so eingeengte Gebiet zwischen Schlei, Hunte und Eide wird nun im Osten durch die Westgrenze der sla- wischen Rundlinge und die etwas darüber vorgreifende Westgrenze der slawischen Orts- namen noch mehr beschränkt, ähnlich im Nordwesten durch die äußerste Linie der friesischen Orts- und Personennamen, die noch genauer erforscht werden muß. So er- halten wir endlich durch fortgesetztes Abtreunen fremder .Volkslumsmerkmale ein Ge- biet, wo alles zusammentrifft: brauner Menschentypus unter 10"/o der Bevölkerung, nordniedersächsische Mundart, Bauernhaus mit Flettdiele und Kübbuugen und ohne fremde Einflüsse (Altland), Fehlen der wendischen Ortsformen und Namen, Fehleu der friesischen Namen. Dies ist das Gebiet des reinsten Sachsentums, soweit es sich ethno- geographisch feststellen läßt. Es ist das: Holstein von Schlei bis Elbe mit Ausnahme des Ostens und der Westmarschen, forner Nordhannover und Oldenburg mit Ausschluß der Marschen und südlich bis zu einer Linie Saterland, Kloppenburg, Visbeck, Wietings- nioor, Diepenau, Steinhuder Meer, Leinemündung, nördliche Orlze und südliche Ilmenau, wo die Oslgrenze beginnt, die von hier bis zur Kieler Bucht läuft, ^'on diesem engen Gebiet aus, das bezeugt die deutliche Sprache der Isethnen, hat sich das Sachsentum dann weiter ausgebreitet, am reinsten gegen die Ems hin, überall sonst bald auf fremdes Volkstum stoßend und diesem bald das eine, bald das andere Merkmal seines Volkstums opfernd. Dieses auf rein ethno-geograpbischem Woge gewonnene Ergebnis stimmt durchaus zu aller historischen Übcrlicfcruug, welche eiu Wandern der Saxoues von Holstein süd- 56 Willi Pessler. wärts und ihre spätere Ausbreitung über Thüringer und ßrukterer, ihr Vordringen ge- gen die Niederfrankeu, ihre Kolonisation des Wendenlandes und ihre Beteiligung an der übrigen ostelbischeu Besiedlung belegt. Einen glänzenden Beweis für die Wichtigkeit der Eihno-Geographie und die Rich- tigkeit ihrer Folgerungen liefert ein Vergleich mit den rein archäologisch gewonnenen Ergebnissen hinsichtlich der tSachsengrenze, die Carl Schuchhardt' in übersichtlicher Knappheit zusammengestellt. Der große Archäologe bestimmt hier das Gebiet, das die wirklichen, echten Sachsen der Zeit des 3. bis 8. Jahrhunderts innehatten, nach der Verbreitung dreier Gegenstände: der Buckelurnen, der kleinen Rundwälle und der rö- mischen Bronzeeimer, an sich schon ein bedeutsames Zeugnis für den immer mehr er- kannten Wert der Sach-Geographie. Die Welle der Buckelurnen, an Frisias Küste vor- greifend, verbleibt im Binneniande von Wehden und Loxstedt überBlumental bis Nienburg ganz innerhalb der ethno-geographischeu Grenze des sächsischen Kernlandes, die sie mit Limmer bei Hannover südwärts in Übereinstimmung mit der Kübbungshauswelle ein wenig überschreitet, während sie mit Bergstedt bei Rendsburg wieder innerhalb bleibt. Der Linie der sächsischen Urnenfriedhöfe ähnlich ist die Grenze der kleinen Rundwälle, die im Süden von Damme (beim Dümmer) bis Rehburg die ethnische Grenze begleitet und bis Celle und Gifhorn darüber hinausgreift, hier mit der Küb- bungshauswelle deutlich parallel, sowie auch der weit vorschwingenden Grenze der Be- völkerung mit über 40"/o des rein blonden Typus. Die (römischen) Bronzeeimer, «von den Sachsen selbst geholt und in deren Handel- und Interessensphäre verbreitet» und auf diese einen Rückschluß erlaubend, reichen südwestlich bis Barnstorf und Stolzenau, also genau bis zur ethno-geographischen Grenze, und greifen südlich bis Börrie bei Hameln, wo auch das Flettdielenhaus aufhört, darüber hinaus, und westlich bis Leer, einem Orte, der in großer Nähe und genau in der Richtung des westlichen Vorsprungs des ethno-geographischen Sachsenlandes Hegt. Vergleicht mau die archäologischen Sachwellen ^ untereinander, so bezeichnen die Urnen den engsten, die Rundwälle den mittleren und die Bronzeeimer den weitesten Begriff des Kernlandes, in ihren Grenzen mehrfach voneinander abweichend, doch in deutlicher Beziehung zueinander und zu den ethnischen Grenzen. Daß der Sachsenstamm seit Urzeiten im Vordringen war, ist bekannt, ebenso, daß ethnische Grenzen nicht unverrückbar sind, hierdurch lassen sich also kleinere Abweichungen leicht erklären. Alles in allem ist Übereinstimmung in den Ergebnissen der archäologischen und der ethno-geographischen Wissenschaft ganz überraschend groß und sicherlich von nicht abzuschätzender Tragweite für beide. Wie hier für das Sachsentum, so ist überhaupt für jedes Volkstum dieser Men- schenerde die EthnoGeographie das wichtigste und sicherste Mittel, um Fremdes und Eigenes zu scheiden. Sie hat noch viel zu leisten, und sie wird erst überflüssig sein, wenn wir genau wissen, was deutsch und undeutsch, was germanisch und ungermaniscb, was arisch und unarisch ist, und jedes Volk nach Art und Maß seiner Verbreitung kennen, dann erst ist ihr System gleich einem Neste, das keinen Wert mehr hat, denn dann sind die Wahrheiten, die in ihm lagen, flügge geworden. ' Archäologisches zur Sachsenfrage, Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen, 1908, ein hochwichtiger Aufsatz, der durch die Güte des Verfassers als Sonderabdruck in meinen Händen ist; ich folge hier seinen Angaben. - Die ich, wie auch stets alle ethno-geographischen Erscheinungen, sofort in Karlen eingetragen habe. nio-geographisdie Wollen des Sachsenlums. 57 B 3 C/3 C O. ^^ ^ Q D.1^ o Ol 6 c W _ s3 S -sä o ■^ = ? =' ^ U Ä o 1 ' o ^ I • o = = .5 a = 'S ' •• IC li • ■£ B _ !^ . C O © S ! 9 9 O TS s 1 3^ K 3 C O Nil WXiik'i mui Suchen. I. r>. M. Meyer. Isolierte Wurzeln. Von R. M. Meyer. Für die «quantitative Analyse» der Sprache bildet die «Wurzel» die Einheit; wir verstehen unter diesem althergebrachten Terminus das Residuum, das nach Abzug aller durch Flexion oder Wortbildung bewirkten Lautvarietäten in verwandten Wort- formen unveränderlich übrig bleibt. Scheinbar bewegen wir uns dabei in einem circulus vitiosus, indem einerseits die Verwandtschaft dieser Wortformen eben bereits auf dem gemeinsamen Besitz dieser «Wurzel» beruht, die dann doch erst aus ihrer Vergleichung abgeleitet wird; in der Praxis jedoch bietet der Gebrauch dieses Begriffs keinerlei ernste Schwierigkeiten. Wenn die Wurzel der engste hierhergehörige Begrift' ist, so stellt sich an die an- dere Grenze als der weiteste Begriff der des Wortkreises. Dieser Kunstausdruck ist mir in der Wissenschaft zwar noch kaum begegnet und ich weiß kaum, ob er über- haupt von andern schon verwandt worden ist; mir scheint er aber für die bestimmte Art, das sprachliche Material zu übersehen, um die es sich hier handelt, schlechterdings unentbehrlich. Ich verstehe also unter einem «Wortkreis» die Gesamtheit der aus ein und derselben Wurzel «abgeleiteten» Wörter, also etwa das, was Bruno Liebich in seinen «Wortfamilien der lebenden hochdeutschen Sprache» (Breslau 1899; vgl. meine Rec. Zs. f. d. Phil. 32, 413) als «Wortfamilie» bezeichnet. Dieser Terminus scheint mir aber weniger zu empfehlen, weil zu dem Begriff des «Wortkreises» sich ergänzend der (gleich näher zu erläuternde) des «.Formeukreises» stellt, während man von «Formen- familien» nicht gut reden könnte. Auch spricht die Analogie von Kunstausdrücken wie «Sagenkreis» und «Vorstellungskreis» für unsern Ausdruck; denn es handelt sich auch hier um ganz dasselbe: die Gesamtheit der von einer bestimmten Wurzel ausstrahlenden Sagen oder Vorstellungen — eine geschlossene Gruppe, die wir uns eben in dem Bild eines Kreises am besten veranschaulichen. Der Wortkreis ist jedoch keineswegs mit der Gesamtheit der ein und derselben Wurzel entstanimenden Wortformen identisch. Vielmehr ist jedes «Wort» seinerseits Mittelpunkt eines geschlossenen Formenkreises, zu dessen Varietäten es in dem gleichen Verhältnis steht wie die Wurzel zu den Worten. Das Wort «Vater» ist sozusagen die Wurzel aller Flexionsformen, die zu diesem Nom. Sg. gehören; nur daß wir hier nicht eine Abstraktion, sondern eine bestimmte Einzelform zur Überschrift wählen: den Nom. Sg. bei einem nominalen, die 1. Sg. Ind. Präs. Act. bei einem verbalen Formeukreis. Alle Formen also, die in Kasus, Numerus, Genus oder in Personalendung, Modus, Tempus, Genus verbi unterschieden zueinander in flexivischeu Beziehungen stehen, bilden einen geschlosseneu Formenkreis. Der Formenkreis bezeichnet also begrifflich die weitere wie der Wortkreis die engere Abstammungsgemeinschaft einer Wurzel. Übrigens sind die gegenseitigen Be- ziehungen der Glieder innerhalb beider Gruppen nicht völlig gleichartig. Vor allem ist der Umfang des Wortkreises von vornherein nicht bestimmbar. Selbst das Allgemeinste, daß zu jeder Wurzel ein verbaler und ein nominaler Wortkreis gehört, läßt sich nicht unbedingt behaupten: es gibt rein nominale Wurzeln wie die der Pronomina und Zahl- worte (worüber unten mehr), wenn es auch wahrscheinlich keine einzige rein verbale Wurzel gibt, d. h. keine, aus deren Stamm nicht Nomina agentis oder actionis entsproßt wären. Dagegen ist der Umfang des Fornienkreises von vornherein bestimmbar und wir wissen, welche Kasusformen usw. zu einem Nomen, welche Tempusformen usw. zu einem Yerbum gehören. Ausnahmen gibt es auch hier: Singularia oder Pluralia tantum, Deponentia u. a. m. ; aber das ändert nichts an dem prinzipiellen Unterschied, daß die «Ableitungen» innerhalb der Wortbildung fakultativ, innerhalb der Flexion obligatorisch sind. Gerade dies bildet eben den wesentlichen ßegriffsunterschied von Wortbildung und Flexion, der allerdings durch vermittelnde Formen abgeschwächt wird. (Hierüber habe ich aus- führlicher in dem Aufsatz «Klassensuffixe», P. B. B. 22, 548, gehandelt.) Ganz im groben können wir sagen, daß es nur zweierlei Formenkreise gibt: nominale und verbale; wissen wir von einem «Wort» nur, ob es Nomen oder Verbum ist, so ist sein Formen- kreis der Quantität nach bestimmt. Nicht der Qualität nach: die Endungen können die der starken oder schwachen Deklination, der bindevokalischen oder biadevokallosen Konjugation usw. sein; aber daß wir einen Gen. Plur., eine 3. Plur. Perf. usw. zu er- warten haben, wissen wir. (Ich wiederhole meine Einschränkung: «ganz im groben»; denn möghch ist es ja, daß Kasus wie der Instrumental oder der Ablativ oder Locativ von vornherein nur bei bestimmten Deklinationen obligatorisch waren.) Dagegen läßt sich über die Wortkreise von vornherein auch nicht entfernt das behaupten, was von den Formenkreiseu mit einiger Bestimmtheit ausgesprochen werden kann. Von keinem einzigen Suffix kann ohne empirische P^eststellung ausgesagt werden, daß es an irgend eine Wurzel herantritt; auch nicht von Zinimers Suffix -a, das doch so ungeheuer häufig ist, daß man an seinem .Suffixcharakter irre werden und zu der älteren Auffassung des «Bindevokals» zurückkehren möchte. Von keiner Wurzel können wir von vornherein wissen, ob sie Nomina agentis oder actionis einer bestimmten Kate- gorie bildet. Es ist z. B. von allen Wiu-zeln, die eine manuelle Tätigkeit ausdrücken, von vornherein sehr wahrscheinlich, daß sie Werkzeugnamen vom T^'pus unserer nhd. Bohrer, Träger oder Scliiissd, Schlüssel oder Deche, Sehrank bilden; aber sicher ist es nie. Wer würde z. B. nicht erwarten, daß es zu unserem so häufigen Verbum fliehen ein Nomen agentis gäbe, sogut wie zu hämpfen oder morden ? Aber wir müssen den, der eben jetzt flieht, mit dem Verbaluomen bezeichnen: dem Fliehenden sollst du goldene Brüchen hauen; den, der gewohnheitsmäßig flieht, mit einem stammfremden Appellativ von moralischer Prägung: als Feigling oder Ausreißer; und nur für denjenigen, der sich infolge einer Flucht in bestimmter eigentümlicher Lage befindet, haben wir die sekundäre Ableitung Flüchtling. — Ebensowenig besitzen wir z. B. nhd. eigentliche Nomina agentis zu ziehen, stürben, fallen, was bei den beiden letzten vielleicht, gewiß aber nicht bei dem ersten aus inhaltlichen Gründen erklärt werden könnte. Es scheint mir nun eine der dringendsten Aufgaben der Linguistik, eine voll- ständige Aufnahme der idg. Wortkreise (mit besonderer Hervorhebung ihrer Lücken !) vorzuneinnen. Über die ursprünglichen Beziehungen zwischen Wurzel imd Suffix, über den Gang der Bedeutungsdififerenzierung, über die Wortschichten unseres Sprachmaterials können wir auf keinem andern Wege zu irgend welcher Klarheit ge- langen. Freilich wäre es eine Arbeit von größter Schwierigkeit, da es mit einem bloßen Excerpieren der Wörterbücher nicht abgetan wäre; aber bedarf nicht gerade die Linguistik neuer Wege, neuer Methoden, schon um aus der Skepsis herauszu- kommen, die immer bedrohlicher und lähmender ihre Vertreter ergreift? s» 60 H. M. Muyer. Auf einiges nun, was sich bei solchen Untersuchungen ergeben dürfte, sei es erlaubt, mit vorausgreifenden Verniutung,'en hinzuweisen. Wir pflegen in den historischen Disziplinen gern von Längs- und Querschnitten gleichnisweise zu reden ; es liegt aber im Wesen der geschichtlichen Forschung selbst, daß sie die ersteren bevorzugt. So vergißt auch die Sprachwissenschaft über ihrer Hauptaufgabe: die Entwicklung der Sprache darzustellen, gern die zweitwichtigste Auf- gabe: den Zustand der Sprache in bestimmten Entwicklungsphasen zu beschreiben. Sie schiebt das ganz der Philologie zu ; nun gut, so müsseij wir ebeii neben den idg. Sprachvergleichem idg. Philologen haben! Von der Rekonstruktion des «Uriudo- germanischen» will man nichts mehr wissen, und Hermanus scharfsiuniger Aufsatz (K. Z. 41, 1) schiebt die Erschließung der idg. Ursprache beinahe soweit zurück, wie Fincks geistreiche Rezension von Trombettis Werk (Gott. Gel. Anz. 1908, S. 689) die der menschlichen Ursprache. Bei den methodologischen Kämpfen um die «linguistische Paläontologie», etwa zwischen O. Schrader und Kretschmer, spielt diese Skepsis eine Hauptrolle. Dabei ist aber auf eine merkwürdige Tatsache hinzu-weisen : Der Stand- punkt der Zweifelnden hat sich von Grund aus geändert. Als man von Schleichers fröhlicher Zuversicht , ein Handbuch der Konversation mit den Indogermanen zu schreiben, zurückkam, hielt mau die Erschließung der «Urworte» für zu schwer; heut hält man sie für zu leicht. Aus zwei, drei Übereinstimmungen werden urarische Wörter hergestellt; und man hat anfangen müssen (worauf z. B. Hermann auch hinweist), innerhalb dieses rasch anwachsenden indogermanischen Sprachstotts Perioden zu unterscheiden. Da nun aber fehlt es eben an Kriterien 1 Ich glaube, nur jene \'ergleichuug der Wortkreise kann helfen. Greifen wir zu einer nhd. Analogie, «Kraft» und «Brüderlichkeit» sind beides ger- manische Worte, beides deutsche Worte, beides reindeutsche Worte. (Auf eine etwaige inhaltliche Beeinflussung der zweiten Bildung durch das «fraicmite-» der französischen Revolution brauchen wir uns hier nicht einzulassen.) Aber sie gehören ganz verschie- denen Sprachschichten an. Das Wort «Kraft» ist jahrtausendelang von den Germanen (oder ihren Vorfahren) gebraucht worden, ehe das Wort- «Brüderlichkeit» existierte. — Ahnliche Verhältnisse mögen zwischen idg. «Kulturwörtern» herrschen. Der Begriff der «Schlacht» kann seit Jahrtausenden Männern klar gewesen sein, deren Urenkel mit dem Begriff «Ehe» noch nichts aufzufangen gewußt hätten; und dabei kann der jüngere Begriff noch sehr gut in die proethnische Periode fallen. Nun denke man sich jenes «Sprachgeschichtliche Wörterbuch» hergestellt. Es Avürde in drei Teile zerfallen: 1. eine Zusammenstellung sämtlicher idg. Wurzeln oder Basen, 2. eine vollständige Sammlung derjenigen zu jeder Wurzel gehörigen Worte, die als idg. anzusehen sind, 3. eine summarische Darstellung der späteren Entwicklung jedes Wort- kreises. Es würden also die linguistischen Wörterbücher von Fick und Liebich von neuen Gesichtspunkten aus geordnet, in eins zu arbeiten und reichlich zu ergänzen sein. Wir würden dann für zweifelhafte Fälle mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit feststellen können, welche Worte der Lh-sprache, der ältesten oder mittleren urgermanischen, ur- griechischen, urarischen Sprache augehören — und würden auch, was für die linguistische Paläontologie fundamental ist, über die Bedeutungen wenigstens AnhaltspunKte ge- winnen. Weiter müßte man dann, von der Analogie der Entwicklungstendenz geleitet, zu den Schichten innerhalb der uridg. Lagerung konnnen. Hierbei müßte man dann dei:) Isolierte Wurzeln. 61 umgekehrten Weg einschlagen: ist mau zuerst von der Wurzel zu den Worten vorge- schritten, so gih es nun von den Worten zu der Wurzel zurückzugehen: zu ermessen, welche als gemeinsamer Besitz der ungetrennten Indogermanen bezeugte Wortf)rägungen der ursprünglichen Anschauung am nächsten stehen. (Der Grundanschauung, nicht der «(hundbedeutung» ; vgl. auch Edw. Schroeder, Zs. f. d. Alt. 37, 241 f.) Wobei es auf sich beruhen mag, welcher Gang der historischen Evolution entspricht, ob aus nebenein- anderstehenden Formen sich erst allmählich eine Grundform gebildet hat, oder ob sie wirk- lich ursprünglich vorhanden war. Denn so undenkbar, wie man es heut übereinstimmend glaubt, ist die einstmalige wirkliche Existenz gesprochener Wurzeln denn doch nicht: daß die Menschen einmal ausschließlich nur «in Wurzeln> gesprochen hätten, läßt sich nicht nur denken, sondern vom Boden einer bestimmten Sprachschöpfungstheorie aus sogar wahrscheinlich machen. Wenn nämlich die menschliche Rede ihrem Hauptstamm nach aus unwillkürlichen Begleitlauten instinktiver Gebärden entstanden ist — eine Theorie, die sich auf Darwins «Ausdruck der Gemütsbewegungen > gründet — , so dürften die Urworte wohl unsern nicht vokalisierten Wurzeln recht ähnlich gesehen haben. Doch «glottogouische Phantasien» sind verpönt. Kehren wir lieber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, den wir für hypothetische Luftschlösser einen Augen- blick lang leichtsinnig verlassen haben I Betrachtet man, um von den idg. Wortkreisen eine deutlichere "\^)rstellung zu er- halten, wieder die neuhochdeutschen an der Hand von Liebichs Buch, so fällt ihr ver- schiedener Umfang in die Augen. Es gibt Wurzeln, die beinahe alle überhaupt mög- lichen Ableitungen auch wirklich besitzen, neben solchen, deren Sproßkraft auf ein Minimum beschränkt ist. Man vergleiche etwa ^-Scldag^ (Liebich X. 2003, mit 223 Worten) und «Knopf» (N. 1071, mit zwei Worten). Natürlich wird man gleich mit der Er- klärung bei der Hand sein, das liege au der Bedeutung. Im letzten Sinn wird das auch richtig sein; nur hegt die Sache durchaus nicht so einfach. Ich erinnere an mein obiges Beispiel: warum hat ißiehcn» wohl ein «Flucht^ entwickelt wie ((schlaf/cn» ein tScJdacht», aber (vergl. Liebich N. 530) kein \ «drifhln^ sind ja ganz späte Neologismen und nicht aus den ursprünglichen Wurzeln oder Stämmen, sondern erst aus den sekundären Ordinal- zahlen abgeleitet. — Eine Ausnahme aber bildet die Wurzel dra (Fick, 4. Aufl. 1, 242), aus der sehr früh ein eigentümlicher Verbalstamm mit der Bedeutung «zwischen zwei Meinungen stehen» oder besser: «zwischen zwei Parteien stehen» entwickelt scheint (vgl. Kluge, 5. Aufl., S. 413; ähnhch dubifare zu diw?). Dafür läßt aber auch die flexivische Natur dieses Zahlwortes vermuten, daß es mit den anderen Kardinalien nicht gleichartig ist. Auch die Achtzahl mag appellativische Grundlage besitzen: hierauf deutet ihre dualische Form, wenn die Dualform nicht überhaupt erst nachträglich aus den Zahl Worten entsprungen ist! Das Zahlwort der Einzahl aber vollends, das allerdings nicht von Prouominibus mit der Bedeutung «allein» zu trennen ist (vgl. Fick, aao, S. 13), ist gar kein echtes altes Zahlwort, sondern erst spät zur Vervollständigung der Reihe eingefügt, ursprünglich genügte eben zum Ausdruck der Einzahl die Setzung des Appellativs im Singular: rex, ein König — trcs rrgcs drei Könige (vgl. Osthoff, Sup- pletivwesen, S. 47). Die Zahlworte also haben jedes seineu eigenen isolierten Stamm. Verba werden aus ihnen nicht unmittelbar und nicht in der Urzeit gebildet; Appellativa irgend welcher Art ebensowenig. Abstrakta («die Dreiheit» und dergleichen, besonders die rasch zu Suffixen herabgedrückten «Zehnheitem^) sind wie die anderen Zahl Wortklassen, fakul- tativ oder obligatorisch, vorhanden, aber sekundär und durchaus auf den numeralen Sinn beschränkt. A priori notwendig wäre das nicht, so begreiflich es auch scheint. Kluge bat z. B. «Zweig» mit «zwei» in Zusammenhang gebracht und weshalb hätte nicht etwa das Kind in seinem Verhältnis zum Vater mit einem Appellativum aus der Zweizahl, das Kind im Verhältnis zu den Eltern mit einem solchen aus der Wurzel der dritten Zahl bezeichnet werden können? Weshalb hätte man den Begriff, «sich in viele Teile auflösen» in der Epoche, die nach Usener «drei» noch als allgemeine Bezeichnung der Vielheit verwandte, nicht mit einem Verbum aus der Wurzel treiirs (Fick, S. 449) aus- drücken können? 2) Isoliert stehen ferner (wie schon Bopp bemerkt hat; vgl. Delbrück , Einleitung in das Sprachstudium, S. 77) die echten Pronominalstämme. (Osthoff aao. S. 37 f.) Zu einer Wurzel wie /ca (Fick 1, 180), to (ebd., S. 445), / (ebd., S. 6), ya (S. 290) gibt es keinerlei verbale Ableitungen und keine nominale, die nicht zu ihrem engsten Formen- kreis gehörte. Ebenso steht es mit germ. Wurzeln wie der von jener oder uroialek- tischen wie der von (dl. Möglicherweise geht die Isolierung der ältesten Pronominalstämme noch weiter. Isolierte Wurzeln. 63 «Von einer Anzalil der geschlechtigen Pronominalstämme gab es schon in uridg. Zeit nicht alle Kasus, sondern Kasusformen verschiedener Stämme ergänzten sich zu einem vollständigen Paradigma» (Brugmann, Grundriß 2, 7G6). Haben wir ein Recht anzu- nehmen, daß sich erst allmählich ein solches Mischparadigma gebildet habe? dürfen wir nicht mit Brugmann vermuten, daß jeder Stamm nur einen beschränkten Formenkreis besaß? Melleicht tun wir hier gar einen Blick in die Vorzeit der eigent- lichen Deklination; in eine Periode, die die Kasus durch verschiedene indeklinable En- klitika bezeichnete, die dann später teils zu Endungen der nominalen Deklination, teils zu diesen angeähnlich ten Bestandteilen der pronominalen Flexion wurden. Jedenfalls liegt eine Verwandtschaft dieser beiden Gruppen auf der Hand. Beide stehen wie erratische Blöcke innerhalb des sonstigen Sprachstoffs — wenn auch vielleicht aus verschiedenen Ursachen : die Pronomina mögen älter, die Zahlwörter jünger sein als die Appellativa. Beiden ist aber innerlich eine wesentliche Eigenart gemein: sie benennen nicht, sie sind keine «Nomina». Wir fassen aus unserem Gebrauch heraus die «Pronomina» als Stellvertreter der Nomina auf: natürlich sind sie das von vorn- herein nicht, sondern ganz was anders als die Nomina. Diese «benennen», d. h. sie geben ein Kennzeichen, reihen in eine dadurch charakterisierte Kategorie ein: «ein Mann!», «ein Baum!», «eine Eichel». Die Pronomina lehnen das ab, geben nur eine Gebärde: «dieser hat es getan» — dieser bestimmte, auf den ich mit dem Finger weise ohne mich mit seiner Rubrizierung unter die Männer oder Dämonen, Greise oder Jüng- linge, Freunde oder Feinde aufzuzählen. (Vgl. allg. Brugmann, Die Demonstrativpro- nomina der idg. Sprachen, S. 3 f.) — Infolge dieser Bedeutung kann das Pronomen auch dienend zu einem Nomen treten, was eine nur «stellvertretende» Form offenbar nicht könnte: «dieser Mann!». Genau so steht es mit den Zahlworten. Auch sie lehnen alle Benennung ab und werden dadurch dienstbar, sobald die unbenannte Zahl benannt wird: «drei Speere». Sie stehen allerdings dem Nomen näher und besonders dem Substantivum, mit dem die meisten die Eingeschlechtigkeit teilen; aber die Fähigkeit, ohne Kennzeichnung auszusagen, haben sie bis zu Goethes Faust bewahrt: «Vier sah ich kommen, drei nur gehn». 3) Isoliert stehen die Wurzeln zahlreicher alter Eigennamen. Daß es sich für uns fast imr um Götternamen handelt, braucht nicht notwendig deren besondere Eigen- art zu beweisen, da offenbar menschliche Namen leichter systematisiert werden als die heiligen archaischen Bezeichnungen; man denke noch an heutige Ausdrücke wie «Heiland» oder «Weihnachten». Wahrscheinlich ist es aber doch, daß die Götternamen gewisser- maßen in noch höherem Grad als andere Personennamen «nicht appellativ» waren. Welche Mühe haben die meisten alten indischen, griechischen, germanischen Götter- namen den Etymologen bereitet! wie unsicher blieb die Erklärung z. B. von Xrj>tumis (Wissowa, Religion u. Kultus der Römer, S. 250, Anm. 6) oder Lar. Lares (ebd.. S. 151, Anm. 2), von Ing oder Nerthus-Njprd' (vgl. Mogk in Pauls Grundriß, 2. Aufl.. 1, 320)! Es wäre wohl möglich, daß solche isolierte Namen einfach deshalb allem Etymologisieren Widerstand leisten, weil sie keine Etymologie haben: weil der Stamm sein eigenes Etymon ist wie in Onomatopöien. -Hums» ist ein sprachliches Atora, lug oder Las vielleicht auch, mag es nun laut^ym bolischen Ursprungs sein oder ein fest- gehaltener Ausruf verzückter Priester oder was sonst. 64 R. M. Meyer Diese echten alten Eigennamen — es konnte ancli solche Ortsnamen geben I — teilen wiederum mit Zalilworten und Pronominibus jene Eigenschaft, daß sie nicht appcllativ sind. Spätere Götternamen sind appellativ Frcyr «der Herrscher» oder Apollo, fder Abwehrer; (oder was es sonst heißt); oder sie sind, wie alle nichtrömischen Personen- namen der Indogermanen, aus Appellativstämmen zusammengesetzt wie Heimdall oder Brhas})ati, wenn sie nicht schon als movierte Feminina wie Frci^ja {zu Frei/r) und Juno (zu Jovis) ihren sekundären Ursprung an der Stirn tragen. Aber die ältesten Götter- nanien scheinen überall isoliert und deshalb notwendig nichtappellativ (denn wie könnte ein einzelstehendes Wort in eine Kategorie einreihen?). Sie bezeichnen eben Individua, nicht T3'pen. Nach langer, langer Entwicklung mögen sie auch typisch gebraucht werden, Shakespeare mag den Herodes überheroden lassen und wir mögen Worte wie heinein (in Heines Art dichten) oder '^michelangelcsk» bilden, man mag auch Verba an sie angelehnt haben wie hoijl:otl irren an einen Eigennamen — der Urzeit war natürlich jeder Gott ein einzig dastehendes Wesen. 4) Viel merkwürdiger ist es nun aber, daß auch einzelne Appellativa isolierten Wurzeln anzugehören scheinen (vgl. Misteli-Steinthal, Charakteristik, S. 499). Westidg. niari Meer ist (Fick 1, 507) in die seltsamsten Verbindungen gebracht worden; hätte man es gar zu der idg. Wurzel mar (vgl. Kluge, S. 252) gestellt, wenn nicht auf jeden Preis eine Etymologie hätte gegeben werden müssen? Das Meer, das ewig bewegte Meer, die Heimat der Fische, das Bad der Schiffe als «tote Fläche» ! Aber auch nordeurop. haid (vgl. Kluge, S. 225) scheint isoliert (landen ist eine ganz junge Neubildung aus dem niederländischen Und niederdeutschen Seewesen, vgl. DWß. 6, 101). Wie steht es drittens mit Sw (vgl. Kluge, S. 344)? Wie unsicher ist der Zusammenhang mit saevus oder mit idg. sik sinlicn und wie wenig bezeichnend wären diese Etyma für den See, dessen Kennzeichen eine breite Wasserfläche ist und nicht das gelegentliche Aufbäumen oder gar der Umstand, daß man in ilim, wie im Moor, versinken kann! — Erde wird wohl zu ar 2>tli(f/en gehören (doch vgl. Fick-Torp 3, 26); aber ^m/ (vgl. Kluge, S. 30) scheint ohne V'erbindung mit der Wurzel berg rerhrrgen (ebd., S. 37; vgl. Fick-Torp, S. 265) eine isolierte Nominalgruppe (mit sekundären verbalen Ableitungen wie ags. hehyrgan) zu beherrschen. TJial ist wieder nicht isoliert, ebensowenig wie Strom, Fluß u. a. (Strom ist nachträglich isoliert worden, weil das Germanische die idg. Wurzel aufgab und ihren Verbalbegriff durch ein sekundäres «strömen» ersetzte). Aber das germ. Uarh (Kluge, S. 23, Fick-Torp 3, 257) und das nd. Deich samt dem hd. Teich (ebd., S. 374, Fick- Torp 3, 205) scheinen isolierte Nominal wurzeln zu sein. Denn daß man aus doktri- nären Gründen der Wurzel ohne weiteres irgend eine schwierige oder nichtssagende Verbalbedeutung gibt, beweist natürlich gar nichts; und daß z. B. wieder Welle, Woge inmitten eines großen Wortkreises stehen, beweist, daß es eben Wurzeln von verschiedener Triebkraft auch unter diesen «geographischen Worten» gibt. Aber Meer, See, Land, Berg, Bach. Teich — das ist doch eine interessante Gruppe; sollte es nur Zufall sein, daß bei allen die Etymologie unsicher ist, bei allen primäre Verba fehlen? Es mögen auch noch andere wie Ufer (Kluge, S. 355) hierher gehören. Eine andere Gruppe: die der Jahreszeiten. Fwgen, Schnee. Wind stehen regelrecht in vollständigen Wortkreisen (d. h. solchen, die nominale und verbale Ableitungen enthalten). Aber idg. Sommer (Fick-Torp 3, 445) und germ. Winter (vgl. Kluge, S. 351, 408; nach Torp aao. 384 zu der germ. Wurzel vet «netzen») und Lenz (S. 235) haben isolierte Stämme. Isolierte Wurzeln. G5 Ich nenne noch ein paar Appellativa, die eigentlich keine sind, weil sie kein be- zeichnendes Etymon zu besitzen scheinen: gerni. Hird (Kluge, S. 165; Verbindung mit lat. creware problematisch; vgl. ßerneker Wb. s. cerm S. 146); germ. Hof (S. 170; doch vgl. Fick-Torp 3, 94); germ. Wald (S. 395, Fick-Torp 3, 403); germ. hanw, (üd. lion/r (Fick-Torp 3, 77), germ, tdlis (doch vgl. Fick-Torp 3, 21), ahn. seidrr. All diesen Begriffen, von denen kein einziger eine sichere etymologische Basis besitzt, ist gemein, daß sie begrifflich (nicht grammatisch!) Singularia tantum sind: es gibt in jedem Haus nur einen Herd; es gibt für Bauer und Knecht nur einen Hof, den, wo sie arbeiten; aller Wald gehört zusanunen wie alles Land und alles Meer eine Einheit bildet, oder wie alle Arten der Magie nur die eine Zauberei ausmachen. Von See, Berg, Bach gilt das freilich nicht; dagegen wieder von den Jahreszeiten: es gibt nur einen Sommer, der immer wiederkehrt. (Die Verwendung des Wortes zur Zeitmessung, wie im Hilde- brandslied, ist jünger.) Man könnte also sagen: es handelt sich hier auch um eine Art Eigennamen. Land, Meer, Wald werden als eine nur einmal existierende Einheit gefaßt; Herd, Hof werden mit Ignorierung aller ihresgleichen so benannt, wie wir «Vater» oder «Mutter» zur Bezeichnung bestimmter Einzelpersonen verwenden. So ist denn in diesem Zusammenhang noch auf eine andere wichtige Gruppe zu verweisen: die der Verwandtschaftsnamen (vergl. auch Osthoff, S. 41). Ihre Iso- lierung ist ja längst anerkannt und muß sehr alt sein, da sie sich sogar in flexivischer Sonderstellung abspiegelt. Mit der Etymologie hat man sich hier reichlich so viel ab- geplagt wie bei den Götternamen; und ebenso fruchtlos. Denn von dem Maus, die «schleichende» Blindschleiche, die «sich drehend bewegende» Schlange, die < schnap- pende» Schnepfe; um nur Klugesche Erklärungen herauszuziehen. Oder die Kleidung: den «bergenden» Helm, den «gesponnenen s. Rock; oder die Körperteile: die «leckende» Lippe, den «geschwollenen» Daumen, den «aufwühlenden» Rüssel; oder gar die Werk- zeuge, die ja fast durchweg primäre sachliche Nomina agentis sind. Für das Appella- tivum ist also ein verbales Etymon beinahe selbstverständlich. Wie viele Namen von Sachen sind uns gerade auf diese Weise durch Meringer aufgeklärt worden! Wie viele wird die archäologische Etymologie noch deuten (vgl., 0. Sehr ad er, Geschichte und Methode der linguistisch-historischen Forschung, S. 213)! Adjektiva können natürlich gleichfalls zu Verbalwurzeln gehören wie «süß» zu «fließen» (Bechtel, Bezeichnungen der sinnlichen Wahrnehmungen in den idg. Sprachen, S. 132; die Gruudanschauung wird die des klebrigen Fließens sein, wie es dem Honig oder Sirup eigen ist) oder «weiß» zu «glänzen». Aber dreierlei Tatsachen geben den Eigenschaftsworten eine Sonderstellung in etymologischer Hinsicht: a) wie bei den Pronominalstämmeu finden wir auch hier eine ganz eigentümliche Kombination verschiedener Wurzeln in der großenteils gemeinindo- germanischen, «unregelmäßigen» Komparation, b) eine auffallend große Zahl von Ad- jektivstämmen bleibt etymologisch vereinzelt, c) es zeigt sich mindestens im Deutscheu eine entschiedene Tendenz, Verbalnomina, die adjektivische Funktionen übernommen haben, von den Verbalstämmen zu lösen. a) Das Phänomen der «unregelmäßigen Steigerung» gehört zu den merkwürdigsten in unserm Sprachleben und ich habe mich immer darüber gewundert, daß man sich so wenig darüber verwundert. Man bedenke doch : gerade eine Reihe von Eigenschafts- worten, bei denen eine Vergleichung, ein Abmessen besonders nahe liegt und besonders häufig sein mußte, entzieht sich der Steigerimg. Zu «gut» gibt es weder griechisch noch lateinisch noch deutsch einen rechten Steigerungsgrad; etwa ebenso steht es mit «klein» und «groß», «alt» und «viel». Oder zu einem Adjektiv im Komparativ gehört im Positiv nur ein Adverb (Kluge bei Paul, 2. Aufl. 1, 483). — Dabei ist aber ursprach- lich nur eben dies Mosaik selbst, nicht aber die Steine, aus denen es zusammengesetzt ist; ein idg. Paradigma, das sich bei den Pronominibus zum Teil noch aufbauen läßt, ist hier schlechterdings unmöglich. (Vgl. Osthoff, Suppletivwesen, S. 3f., S. 20f., S. 42.) Man kann sich ja den Gang der Entwicklung etwa denken. Für die häufigsten «Verglcichungen» gab es zunächst «Adjektive mit Komparationsbedeutung» (Brugmann. Grundriß 2, 420), deren Wesen wir uns durch deutsche Positive wie «nah» und «fern> und ähnliche Adjektiva von relativer Bedeutung veranschaulichen können. Was «nab»- ist, ist «weniger fern», was *fern» ist, ist «weniger nah-; die Gegensätze rücken zu einer Komparationsleiter zusammen. Diese «Adjektive mit Komparationsbedeutung> be- saßen gewisse Suffixe, die die Relativität ausdrückten: sie entsprechen dem Numerus beim Nomen, indem der Komparativ den Wortinhalt auf zwei, der Superlativ auf viele verglichene Gegenstände bezieht. Der bessere Mann>- ist unter zweien der gute; «der älteste Mann» ist der Alte unter Vielen. — Allmählich wäre dann dies Schema auf alle Adjektiva übertragen worden und somit wäre, wie so oft, die «unregelmäßige Steigerung ein l'bcrblcibsel älterer Art, die «regelmäßige» aber würde einer jüngeren, nivellierenden, systematisierenden Epoche angehören. Ursprünglich steht die Koni- 68 ri. M. Meyer. paration venimtlich fakultativ neben ähnlichen Atljektivumfoimnngen: der Modifikation, Negation, Verstärkung, Klage, vor allem der Minderung (vgl. meinen Autsatz P. B. B. 22, 559 f.); allmähhch ist sie allen obligatorisch geworden. So also (vergl. Ost ho ff, S. 42 f ) würde sich das Paradoxon erklären, daß gerade diejenigen Adjektiva, die der Steigerungsfähigkeit am entschiedensten bedürfen, keine echte Komparation haben, sondern sich durch fremdes Blut auffrischen lassen. (Die Häufigkeit allein kann, wie bei dem Verbum substantivum, nur der oberflächlichsten Betrachtung ein genügender Grund für den Synkretismus sein.) Nur bleibt dabei noch unerklärt, weshalb nur ausnahmsweise (wie bei ttoXlk; und nXelojv TrXeicTTOi;, vielleicht auch bei nüMJa-maizan- und meista) jene Steigerungsadjektiva der gleichen Wurzel ent- stammen -wie die Positive? und weshalb sie so selten Verbalstämme neben sich haben? (Auch für nühils Fick 1,279 ist es fraglich.) Wir werden doch wohl ähnliche Zustände wie bei den Pronominibus anzunehmen haben. Auch diese Worte sind besonders leicht durch Gebärden zu «ersetzen»: «klein», «groß?, «alt», «gut», «böse». Sie mögen irgendwie aus diesen Gesten unmittelbar oder mittelbar (lautsymbolisch) herausgewachsen sein, ohne je einer produktiven «Wurzel» anzugehören. b) So sind wir schon dazu übergeglit'ten, daß viele Adjektiva etymologische Isolierung zeigen. Ich füge zu den eben angeführten «gut» und «übel» zwei andere spezifisch germ. Wortpaare (Kluge, S. 15): «mild» und «argx, «hold» und «treu»^ von denen nur «hold» (ebd., S. 171) vielleicht verbale Verwandtschaft hat; dagegen steht der Begriff «treu» schon idg. oft in eigentümlichen nominalen Beziehungen (vgl. Osthoff, Etymologische Parerga 1,99 f.). Auch «arm», «schlecht», «eitel» und viele andere germ. Adjektiva stehen isoliert, wogegen z. ß. «schön», «reich», «krank» zu vollständigen Wort- kreisen gehören. c) Eine stattliche Zahl alter Partizipia sind im Deutschen isolierte Adjektiva ge- worden: aJf, halt, laut, tot, kranl;, scui [K\\\gQ, S. 182) — eigen. Die Verbalstämme, die in anderen idg. Sprachen noch leben, sind bei uns abgestorben, zum Teil (wie bei alau) erst in historischer Zeit. Man wird den Zusammenhang der beiden Erscheinungen bestreiten wollen: hat das Absterben des Verbums alan mit der Adjektivierung des Partizips alt irgend etwas zu tun? — Die gewöhnliche Erklärung: das Partizip sei erst nach dem Absterben des zu- gehörigen Verbs ganz zum Adjektiv geworden, scheint gegenüber modernen Beispielen nicht zu verfangen: ein Partizip wie «gelungen» existiert ruhig in adjektivischer Funktion neben dem lebenden Zeitwort «gelingen». Aber eine Tendenz der Spi'ache, die Adjektivierung des Partizips durch Aufgeben des Verbs zu erleichtern, kann man sich doch auch schwer vorstellen! 6. Zum Schluß ist auf die allerumfangreichste Gruppe isolierter Wurzeln nur kurz hinzuweisen: auf die Partikeln der verschiedensten Art. So etwa die proethnischen Präpositionen (Delbrück. Vergleichende Syntax 1, 666 f.) und viele ihrer einzelsprachlichen Nachfolger (ebd., S. 754 f); so Konjunktionen wie me (Fick 1,518), ea-it-h (Delbrück 2,511), griech. ye, |uev (ebd., S. 498, 506); diejenigen Adverbia, die nach Brugmanns Ausdruck (2, 524) «von Anfang an nicht Glieder eines ganzen Kasusparadigmas, sondern isolierte Satzwörter» waren. Auch von den Partikeln mögen überdies manche erst nach- träglich zu Pronominibus oder andern Stämmen in Beziehung gebracht worden sein. Isolierte Wurzeln. 69 Jedenfalls blieben eine selir große Zalil dieser Indeklinabeln auch sonst außerhalb der Masse des Sprachstofls und verraten damit jene Ursprünglichkeit, die bei Einer Gruppe von Partikeln mit so zweifelloser Deutlichkeit hervorspringt: bei den Interjektionen. Daß diese (von verschwindenden späteren Ausnahmen wie Herrgottl u. dgl. aljgesehen) niemals eigentliche «Wurzeln» hatten, zu keinem Formen- oder Wortkreis gehören, auch nicht einmal gegenseitig in geregelten Beziehungen stehen (wie etwa die ortsbezeichnenden Adverbia und andere «Correlativa»), hat man nie in Frage stellen können. Sie mögen eine vokalische Skala darstellen, so daß wir uns «durchs ganze Alphabet verwundern» können, wie Goethes Jansen im «Egmont» (Weim. Ausg. 8, 249) höhnt; eine syste- matische begriffliche Skala bilden die ah! und auf der Hand: «Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch». Und so schließt sich der Kreis: von den optischen Gebärden, die sich zu Pronominibus umsetzen, sind wir zu den akustischen gelaugt, die wir als Interjektionen transkribieren. — Wir glauben also gezeigt zu haben, daß den verschiedenen Gruppen ganz oder teilweise (durch Fehlen verbaler P^ormen) isolierter Wurzeln überwiegend eine gemein- same Eigenschaft anhaftet: die individualisierende Bezeichnung. Das Zahlwort gibt nur die bestimmte Zahl, das Pronomen nur den Hinweis auf die bestimmte Person, der Eigenname nur deren Bezeichnung und die geographischen Termini, die Ver- wandtschaftsnamen, die Appellative fiir gewisse «usuelle Singularia lantuni» geben kaum etwas anderes; die Partikeln wieder bedeuten nur bestimmte Hinweise oder Ver- bindungen. Bei den Adjektiven steht es allerdings etwas anders; aber auch das Eigen- schaftswort (was die Syntax nur zu oft verkennt) individualisiert das typisierende Appel- lativum: «König» ist ein Begriff, dieser aber ist «der blinde König» — als gäbe es unter allen Königen nur einen, der des Augenlichts entbehrt. Für Worte also, die einen singulären oder doch isoliert gedachten Begriff aus- drücken, scheinen oft auch singulare oder doch isolierte Wurzeln vorhanden : man hat ihnen einen Namen gegeben, sie aber nicht zu andern (iegcnständen in Beziehung gesetzt. Ist das richtig, so würden sich zwei wichtige praktische Folgerungen ergeben. Erstens für die Etymologie: daß es eben -Stämme ohne Etymon» gibt, an denen sie sich nicht länger die Zähne auszubcißcn braucht — ohne Etymon, das heißt auch ohne ein onomatopoetisch nachgeahmtos Klangbilil als Grundlage. Zweitens für die Sprach- geschichte: daß sich zusammenhängende Gruppen von solchen isolierten Worten finden, die wir dann als besonders altertümlich ansprechen dürfen, und die uns hei der Chrono- logie besonders auch der ursj)rachlichou Wurzeln und Worte gute Dienste leisten können. Denn das ist ja klar, daß eine «alleinstehende isolierte Wurzel? (mau verzeihe die nur scheinbare Tautologie!) gar nichts beweist. Ihre Sonderstellung kann ja selbst- verständlich sekundär sein, wie wir das bei nhd. Adjektiven vom Typus alt oder ^io Kunst in don Allioskliislorn, S. I!t. 76 Josef Strzygowski. von Dan bei Mendeli in Attika erhalten hat. Ich gebe (Abb. 7) eine Aufnahme nach dem Auniial of the British school of Athens IX (1902/3), pl. XV. Man sieht einen außen rechteckigen Saal, in dessen Wände dreizehn gleich große Nischen, abgesehen von kleineren, eingeschnitten sind. Eine befindet sich in der Mitte der östlichen Schmalwand dem Eingänge gegenüber, die andern sind einander paarweise entsprechend zu je sechs in die Längswände gelegt. Denkt man sich die Tische in die Buchten, so wird der Platz zwar unbequem und eng, aber gerade diese Rücksichtslosigkeit würde belegen, daß hier wohl ein gewisser traditioneller Zwang am Werke war. Ein zweites Beispiel findet sich ebenfalls in Attika vor den Toren Athens. Es ist die nur im Grundriß feststellbare Trapeza im Kloster Daphni (Abb. 8).' Wir sehen wieder den langen Saal, der (auch außen) mit einer Apsis schließt. In den Längswänden sind wie in Dau je sechs Nischen ausgespart, nur sind es Flachnischen von eckigem Grundriß. Das Halbrunde der Tische ist also viereckig ergänzt zu denken, wie das ja in den Grabsteinen und Altarplatten nacli- gewiesen wurde. Die Trapeza von Daphni gehört dem XI. Jahrhundert an, diejenige von Dau dürfte eher älter sein. Die mit Daphni etwa gleichzeitige Trapeza des Klosters Hosios Lukas in Phokis scheint nach der Aufnahme von Rodeck keinen Bezug auf das Abendmahl aufzuweisen (Schultz and Barnsley, The monastery of Saint Luke, p. 13). Der Grundriß von Daphni kommt leicht zustande bei ein- schiffigen Kirchen mit Pfeilervorlagen im Innern, so z. B. auf Kreta (Gerola, Monu- ment! veneti nell' isola di Greta II, p. 54). Es bedarf wohl keines Beweises, daß diese typische, offenbar schon im Bauplan vorgesehene Beschränkung auf 12 Tische mit dem 13. für den Vorsitzenden in der Apsis sj'm bolischen Bezug auf das Abend- mahl Christi hat. Diese Wendung führt auf den wahrscheinlichen Ursprung der Tisch- form überhaupt. 6. Der sigmaformige Abendmahlstisch. Im ersten Jahrtausend unserer Zeit- rechnung galt der Tisch, an dem Christus mit den Jüngern das Abendmahl nahm, für halbrund. Man dachte sich die Jünger auf dem Sigma, d. h. den halbrund angeord- neten Gestellen gelagert, mit einem den Tischrand umziehenden Polster, auf das sich die Apostel mit einem Arm stützten, während sie mit dem andern aßen. Beweis für diese Auffassung sind die Darstellungen des Abendmahls, soweit sie der Zeit vor dem ' Nach Millet, Le raonastere de Daphni, pl. 11. ■ sm-Ha;; cr-MCfSöTERy: jo«.;4-*- —4 — - Abhilduiig 7. Kloster Dau in Attika: Die he.xa- gonalc Kirche und das Refektorium mit 13 Tischen. Der sigmaförmige Tisch und der älteste Typus des Refektoriums. Jahre 1000 etwa angehören, also z. B. in einem Mosaik von 8. Apollinare nuovo in Ravenua, auf einer Elfenbeintafel im Dom zu Mailand, im Codex Rossanensis in Ka- labrien, in dem Petersburger Evangeliar No. 21, in einem Mosaik, das sich einst im Oratorium Johannes VII. in Rom befand u. s. f.' Ich will dem I^eser hier nur das Mosaik aus S. Apollinare nuovo vorführen, weil es uns gleich eine weitere Schluß- folgerung gestattet. In Abb. 9 sieht man in der Mitte den halbrunden Tisch, um- geben von der sigmaförmigeu Kline. Darauf liegt links Christus, erkennbar an der Gewandfarbe und dem großen Kreuzuimbus; an ihn anschließend um den Tisch herum Ih^ PLAN DU MONASTERC Abbildung 8. .Vtlioii. Kld^ler Oa]ihni: Kinhe uiiil Refektoriuni. die Apostel. Der Tisch ist durch die beiden großen, auf einer Schüssel liegenden Fische und die Brote ringsum als Speisetiscli gekennzeichnet. Doch leitet er gleichzeitig auf den Altar über, weil über ihn die typische Altardecke jener Zeit (Antaug des VI Jahr- hunderts) gebreitet ist.* Nachdem ich das Material in dem Umfange, als es mir für die Lösung der Frage nach dem ältesten Typ\is des Refektoriums nötig erscheint, vor dem Leser ausgebreitet habe, gehe ich nun über zur systematischen ^■o^f(du■uug der gauzen Entwicklujig — ' Das Material findet sich trefflich zusaniniengcstelll von Dobberl im Repcrtorium fUr KunMwi-sscn- Schaft XIV, 1751". — - Verjjl. z.B. das Mosaik von .Abel und Melchisedek Iwim Opfer in S. Vitale in Ba- venna (.Vbb. bei Garrucci a. a. 0. IV). 78 Josef Strzygowski. soweit sie mir klar zu liegen scheint. Archäologen und Philologen, Sach- und Sprach- forscher werden im einzelnen wie im ganzen manches anders zu stellen haben. Der Kunsthistoriker sucht im gegebenen Falle lediglich den Anstoß zu geben, wie er sonst so oft von Anregungen anderer Wissensgebiete ausgeht. Wenn ich recht verstehe, will ja die vorliegende, neubegründete Zeitschrift gerade diesem gesunden Austausche ilienen. Ausgangspunkt der Entwicklung scheint mir der sigmaförmige Tisch. J)a man glaubte, Christus halje ihn beim Abendmahl benützt, so begreift sich leicht, daß die Gestalt dieses Tisches auch auf den Altar überging. Es hat übrigens möglicherweise nicht einmal des Vorbildes Christi bedurft. Da man noch im 4., 5. und ß. Jalirhundert auf dem Sigma zu Tische lag — man lese den Be- richt über ein Gastmahl bei Kaiser Maximus in Trier 3S6', ein Mahl, das 4öl Kaiser Majorianus in Arles gab'- oder eine ßeschrei- I lung des Gregor von Tours* — so muß die zugehörige Tischform auch damals noch im Gebrauch gewesen sein. Liutprand «lag» noch im Jahre 949 bei einem Festmahle in Konstanti- nopel zu Tische.* Da der christliche Gottesdienst ur- sprünglich nichts anderes war als ein Mahl zum Ge- dächtnis an die gleiche Feier Christi mit seinen Jüngern*, so mag die Tisch- form sich von vornherein als selbstverständlich eingebürgert haben und so aus dem Tisch allmählich zwanglos der Altar geworden sein. Es ist daher begreiflich, daß man auf die Idee kommen konnte, anzunehmen, der Altar in halbkreisförmiger Gestalt sei das primäre und die Urheber der eben genannten Abendmahlsbilder hätten eben diese Form der Altäre nachgeahmt.'' Dabei wurde auf einen halbkreisförmigen Altar im Museum zu Clermont hingewiesen. Wie dem auch immer sei, jedeufaüs kann, wie ich ursprünglich annahm, bei der bis auf den heutigen Tag anhaltenden Behebtheit für die halbrunde Altarplatte in Ägypten auch mitgesprochen haben, daß der sigmaförmige Tisch sich vorzüglich für die übliche Aufstellung in einer halbrunden Apsis eignete. Abbildung 0. Raveiiiw, S. ApoUiiiare nuovo: Mosaik des Abeiidmald' ' Sulp. Sev. de vita beati Martius, c. i23. — - Sidon. A))oll. epist. I, 11. ' Miraculoram lib. I, 80, Maxima biblioth. patrum Lugd. 1077, Vol. XI, p. 852. Vergl. Doljbert, Reper- torium für Kunstwiss. XIV, S. 186 f; — * Liutprand, Avtapodosis VI, 8. ■'■ Die Religion in Gesibiphte und Gegenwart, S. .51 f. Witting, Die Anfänge christl. Arcbiteklur. S. 74. <= Roliault de Fleury, La Messe, Rd. I, S. 164 f. Der sigmaförmigc Tiscli und der älteste Typus des Refektoriums. 79 Wie ist nun rlie Verwendung solcher Platten als Grabstein zu verstehen? Es \nrd (laljei vielleicht auszugehen sein von der Tatsache, daß in der linken Seitenapsis des Deir Abu Hennis als Altarplatte die Grabstela der Febronia verwendet ist. Ursprüng- lich mögen auf Altären, die über den Gräbern oder Reliquien von Märtyrern errichtet wurden*, ähnliclie Inschriften angebracht worden sein, wie auf Grabsteinen, d. h. die Altarplattc selbst zum Grabstein gemacht worden sein. Es mag daher in manchen Gegenden von Ägypten und Syrien Sitte geworden sein, Grabsteinen nach Art der Mär- tyrergräber die Form einer Altarplatte zu geben. Man mochte glauben, den Verstor- benen damit ähnlich pietätvoll zu ehren, wie einen -Märtyrer. Die Muhammedaner werden zu dem Brauche kaum anders als durch Nachahmung oder Verwendung christ- licher, vom Lager weggekaufter Grabsteine gekommen sein. Konnte ich bisher nur Meinungen äußern, so komme ich auf etwas festeren Boden, sobald wir vom Altar und Grabstein weg auf das Refektorium übergehen. Hier handelt es sich zunächst einmal um den richtigen, rein materiellen «Speisetiscb. Ich glaube nun. daß einige auffallende Merkmale der oben publizierten Steinplatten sich ausschließlich aus dieser Bestimmung, d. h. als i'ein praktische Vorkehrungen erklären lassen. Ich meine damit den Rand und die eigentümliche Art, in der er unten geöffnet ist. Es wird ja vielleicht auf den ersten Blick scheinen können, als wenn damit die ursprünglich um den Tiscli herumlaui'ende Polsterung in Stein nachgeahmt wäre. Und tatsächlich mag die Breite des Randes und seine sanfte Rundung aus diesem Ersatz zu erklären sein. Aber im allgemeinen handelt es sich doch vor allem um einen Rand für das tiefer- liegende Innenfeld, auf das die Speisen gestellt und auf dem sie geteilt und verzehrt wurden. Der Rand sollte verhindern, daß die Reste nach allen Seiten verworfen würden. Beweis dafür eben die «untere» Öffnung. Ich nahm diese Orientierung von den ver- tikal aufgestellten Grabsteinen. In Wirklichkeit liegen die Speiseplatten horizontal, die gerade Seite ist vorn, die gekrümmte Seite hinten zu denken. War die Mahlzeit beendet, dann kehrte der Diener das Innere jeder Tischplatte ab und fegte die ge- sammelten Reste durch die vordere Öffnung in einen Korb oder dergleichen. Die Eigen- art der Platte ist also rein aus Zweckmäßigkeitsgründen unter Voraussetzung freilich der signiMlVh'migen Gestalt des Tisches zu erklären. Man blicke nun nochmals zurück auf die .Vbli. 5 und U, die Trapeza in der athonischen Lawra: die Tische liegen so auf den Untermauerungen, daß die halb- runde Seite stets nach der Mauer, die gerade mit der Öffnung des Randes nach dem Mittelgange zu gerichtet ist. Der scheuernde Diener brauchte also nur von diesem Mittelgange aus an jeden Tisch heranzutreten, um ihn reinigen zu können. Mau sieht, wie praktisch die Refektorien eingerichtet waren. Die tj-pische Grundform wird die sein, daß die Breite des Saales und seine Länge Rücksicht auf die erforderliche Menge solcher Tischplatten mit der zugehörigen, nach zwei Seiten zu benutzenden Bank nimmt. Ich verstehe jetzt, warum die alten Refektorien immer so auffallend schmal, dafür aber überaus lang gebildet sind. Ich führe als Beispiel den endlos laugen Saal im Schenute- kloster bei Sohag an, das wohl noch aus dem Anfange des V. Jahrhunderts stammt-, oder den Saal des Kaiolingischcn Klosters zu Münster in Graubüuden', der in beiden ' Vergl. Lucius, Die Anfiiiifre des Heiligenkultes, S. ü'i. - firundiiß bei de Bock. Materiaux pour servire a l'arch^olopie de l'Egj-pte cliretienno. p. 4'.». '■' Zeiiip, t)as Kloster Sl. Johann zu Münster, S. 17, Kunsldenkm'der der Schweiz. XK.. V VI. 80 Th. Bloch-Kalkulta. Fällen sich die ganze Länge der danebenliegendeu Kirche entlang zieht und wie ein langer Gang aussieht. Im Schenutekloster ist der Saal auf ca. 57 m nur 8 m breit, in Münster auf 19,60 m (ohne Apsis) nur 4 m breit. Eine feste Gestalt in Länge und Breite gewann der Speisesaal nur dann, wenn er — was als Ideal angestrebt worden sein dürfte — symbolisch Bezug nahm auf das Abendmahl Cliristi, also zwölf Tische in Paaren zu je sechs an den Längswänden, den dreizehnten für den Vorsitzenden für sich in der Apsis anordnete. Die beiden Trapezen der griechischen Klöster in Dan und Daphni geben dafür Belege. Es lag =05 -^^ R i> Alihililuni,' 10. Baurili von Sl. (iallcii: Refektorium. Alihilduiig II. Baunß von St. Gallen: Schema des Refek- toriums beiWeKlassung der beweglichen Bänke nach Meringer. nahe, zu suchen, ob nicht auch im Bauplan von St. Gallen ein Bezug auf diesen Ideal- plan vorliegt, bezw. ob er sich überliaupt in die vorgeführte Entwicklungsweise ein- ordnen läßt. Obenstehende Abbildung 10 gibt seinen Grundriß. Gleich das Verhältnis von Länge und Breite zeigt, daß der Entwurf abweicht, obwohl das Kloster Münster den Bestand der alten orientalischen Tradition für die karolingische Zeit zu verbürgen scheint. Auch die Dreizehnzahl der Tische scheint im St. Gallener Refektorium nicht mehr gewahrt zu sein. Aber wir konunen sofort auf diese Zahl, wenn wir — wie R. Meringer meint ~ die auf dem Plane gezeichneten U- und F-förmigen Tische für zusammen- gerückte Komplexe erklären und sie auflösen, wie Abbildung 11 zeigt. ■ ■ Über einige altindische Götternamen. Von Th. Bloch -Kalkutta. I. Visnu, der Sonnengott. Wie andere Völker des Altertums, stellten sich die Inder die Sonne unter dem Bilde eines Vogels vor, der am Himmel dahinfliegt. Suparno amjä Savitiir garittmcm pih-vo jatäh: «der schön befiederte Vogel ist der ältere Bruder der Sonne», lieißt es im Rig-Veda X, 143, 3 (siehe P. W. unter ganUmant). Wir werden daher kaum fehlgehen, wenn wir dem Namen Vmin von einer aus vi «Vogel» zu erschließenden Wurzel vi «fliegen» ableiten, gebildet mit dem Suffix -.s»//, das hier, wie in jisnü «siegreich», olqJcarisnü «putzsüchtig» usw. den Verbalbegriff verstärkt. Visiiti, der Sonn->nvogel, ist der schnell dahinfliegende, der in einem Tage das weite Himmelsrund durcheilt. Die Verschiebung des Akzents auf die erste Silbe des Namens zeigt, daß man schon über einige altindische Götlernamen. Hl in vedischer Zeit den Sinn des Wortes vergessen hatte; nach der Analogie von ji.ynii usw. müßten wir *visn/'( erwarten. Die eben angezogene Stelle des Rig-Veda lehrt uns noch mehr. Der «schön be- fiederte Vogel» ist ja nicht mehr die Sonne selbst; er ist nur ihr «älterer Bruder» {pürvo jiitäh). So ist in der indischen Kunst gleicherweise aus dem Sonnenvogel Vihm ein Mensch geworden, anderen Menschen ähnlicli, bis auf die vier Arme, mit denen er meistens dargestellt wird. Seine ältere ^'oge]gestalt dient ihm jetzt nur als Reittier: der Vogel Garuda, auf dem Vihin dahineilt, ist in Wirklichkeit ein älteres Bild des Gottes sel})st, das Bild des Sonnenvogels Visnn. Wir können, die Anthromorphisierung dieses Bildes noch deutlich verfolgen. Gariida wird bekanntlich als Vogel mit einem Menschen- kopf dargestellt. Woher dies? Ich denke, die Erklärung bietet sich von selbst dar; man braucht nur an die zahlreichen Analogien bei anderen Völkern zu denken, auf die z. B. Meringer neulich hingewiesen hat, um sofort alles zu verstehen. Das S3'mbol der Gottheit, in diesem Falle das Bild eines Vogels, erhält zunächst einen menschlichen Kopf, und dieses Bild bleibt auch dann noch erhalten, als man den Gott in mensch- licher Gestalt abzubilden sich gewöhnt hatte. Der Inder ist jedoch konservativer, als andere Völker in ähnlichen Fällen waren, und so kommt es, daß schließlich der Mensch gewordene Gott Vtinn auf dem Tierbilde reitend dargestellt wird, unter dem man ihn früher abzubilden pflegte. Die gleiche Erscheinung werden wir weiter unten bei Sita wiederfinden. Wir verstehen nun auch den .Mythus von der Feindschaft Garudas gegen die Schlangen. Es ist die alte Sage von dem Kampf des Lichts gegen die Dämonen der Finsternis ; denn, wie ich eben zu zeigen versucht habe, war ja Ganidn ursprünglich Vii)iu selbst, also die Sonne. Schwieriger dagegen scheint mir die Ilerleitung des Namens. Das Nirukta erklärt das Wort gdrudit aus garana «verschlingen», und diese Deutung will mir iinmerhin die ansprechendste scheinen, weil sie sich mit den mythologischen N'orstellungen am besten vereinen läßt. .Allerdings ist Yus/.k, der Verfasser des Nirukta, einer der gefährlichsten unter jenen etymologisierenden Mythologen, deren Künste heut- zutage kaum Beifall finden werden. Das indische Wort garuf «Flügel» dürfte wolil, wie das P. W. schon bemerkt, fälschlich aus gunifiiKuii erschlossen sein. Daher hat eine spätere indische Etyniologie des Wortes garndn. nämlich: «der mit den Flügeln fliegt» {ganidbliir dayaf{\ von dl «fliegen»), kaum etwas Überzeugendes an sich, während bei der Herleitung aus g'iräti «verschlingen» nur das Suffix -iidu befremdet. Ähnliche Suffixe finden sich jedoch schon früh in Wörtern aus der Volkssprache, und von daher mag auch das Wort mit der Vorstellung des den Dämon der Finsternis verschlingenden Sonnenvogels sell)st in das Sanskrit eingedrungen sein. Wir kennen nun weiterhin noch eine Anzahl anderer Namen J'/Vhm'.n-, die seine Sonnen -Natur deutlich verraten. Ich sehe dabei von Wörtern, \\\c trivikra ab; hier ist die zugrunde liegende, mythologische Vorstellung wohl zur Genüge bekannt. Interessanter sind jedoch Namen wie hai/ahrali, liayuiiiukha «mit einem Pferdekopf versehen», auch liar/lnii/ii, «falbe Rosse habend», ein Name, der, wie es scjieint. oi-st von Indra auf VisHii übertragen wurde. Hier liegt das Bild des Sonnenrosses zugrunde, das man in Indien ebenso wie in europäischen Ländern verehrte und als Opfergabe aufzustellen pflegte.* Diese Sitte hat sich in Indien bis auf den heuligen Tag erhalten, um! ist von den ' Siehe Soiiliu.-; Miilloi-, l' rsiescliichto Kiuop.TS, p. IUI. Wörter und Sachou. 1. n 82 Tl). Bloch -Kalkutla. Hindus auf die Muliamniedaner übergegangen. Bei jedem Grabe eines nmhaninu'da- uisclien Heiligen in Indien kann man eine An/.abl kleiner, tunerner Pferde aufgestellt finden, über deren Bedeutung die Leute selbst sich kaum klar zu sein scheinen. Sie sagen, die Tierclien sollten dem Heiligen als Reittiere dienen (J'ir hl sawurj, nennen sie es). Die tönernen Pferde erinnern in ihrer Form auffallend an das von Sophus Müller (1. c. Fig. 97) abgebildete ^"ütivpferd aus Bronze, «wie solche in Olympia, wo man sie im heiligen Haine als Opfergabe aufhängte, massenhaft gefunden worden sind». Daß wir in Indien diese Sitte gerade bei den Muhammedanern, besonders im östlichen Bengalen und auch sonst, so stark verbreitet linden, erklärt sich daraus, daß jene Muhammedaner Konvertiten sind, aus den unteren Schichten iler Bevölkerung Indiens. Hier waren volkstümliche Sitte und volkstümliche Religion zu Hause, und blieben uns erhalten auch späterhin, als jene einfache F'ischer und Ackerbauer sich zu Allali und seinem Profeten bekannten. Außer dem Pferdekopf ist es auch sein langes, strupj)iges Haar, das Msiin von seiner Abstammung als Sonnengott lier beibehalten hat. Jetzt verstehen wir es daher, warum er /{cMra «behaart» und Jniikeh «mit struppigen Haaren» heißt. Die Haare sind der Strahlenkranz, der dem indischen Helios verblieben ist. Auch die Sage von dem Aufenthalt Vimu's im Meere wird 'nun klar. Im Mahabhnrata, Siintiparva», 339, 59, 60 sagt Visnu von sich: aJiq Juiyastra hhütvu samudre paieinioüare pihoiti siihutq havyq kavyq ca' Sroddhay- nncifam. «Als der Gott mit dem Pferdekopf verzehre ich im nordwestlichen Meere richtig geopferte, mit frommem Sinne dargebrachte Opferspeisen für Götter und Manen.» Im nordwestlichen Meere taucht die Sonne des Abends unter; hier bleibt sie während der Nacht, und in der Nacht erhalten (he Fürs, die Geister der Verstorbenen, ihr Jcavya, ihre Opferspeise. In unmittelbarer Nähe des Meeres steht noch heutzutage einer der heiligsten Tempel Visnu's: es ist der bekannte Tempel des Gottes Jaijunnath, des «Herrn der Welt», in Puri, in Orissa. Die Inschriften, die sich auf seine Erbauung beziehen, lassen keinen Zweifel darüber, daß dieser Tempel von Anfang an als ein Aufenthaltsort für den «Meerbewohner» Vi^mi gedacht wurde, und samuäfüdli'nasa bleibt einer der vielen Beinamen dieses Gottes. Auch die Abzeichen, ciliua, che Visnu. in der bildenden Kunst trägt, erklären sich ohne weiteres aus seiner Sonnennnatur. Da ist zunächst das Rad (caJcra), jenes uralte Symbol der Sonne. Ferner die Lotusblume (padnio), das Symbol der lebenerweckenden Kraft des Himraelslichts ; bekanntlich wird in der indischen Kunst der Sonnengott selbst, Sarya, mit zwei Lotusblumen dargestellt, die er, in jeder Hand eine, hält. Auch die Keule (gada), statt der Viiiui in älterer Zeit, wie es scheint, gelegentlich ein Schwert trug, wird nun verständlich: es ist die Waffe, mit der der Sonnengott Visnu den Dämon der Finsternis tötet. Das Gewand Visiju's ist von heller, strahlender Farbe; er heißt intamhara «mit gelbem Gewände». Aber seine Hautfarbe ist ja dunkel, schwarz; wie paßt das für einen Sonnengott?! Ich glaube, daß hier die enge Verschmelzung Visnu s mit den beiden indischen Nationalhelden, wenn man sie so nennen darf, Brnna und Krsiia, zur Erklärung herangezogen werden darf; diese zwei Lieblinge des indischen Volks haben den Sonnengott Visnu schwarz gefärbt, wenn ich uiich so ausdrücken darf. Sie brachten die dunkle Hautfarbe von Haus aus mit sich, und so verlor die indische Sonne « Visnuy> ihren Schein. Dies bringt mich schließlich noch auf die Lehre von den uratäriis, den Inkarnationen über einige altindische Götternamen. 83 Viiuit's. Ich gebe gern zu, daß man eine Reihe indisclier Lokalgottheiten dadurch populär zu machen suchte, daß man sie als antffuas Visint's auffaßte. Eine der letzten Adaptionen dieser Art ist vielieiclit der bei//«, der Sonnengott, war Indra. ■< älterer Bruder; er heißt daher l'jiemlra. Ihtdra-Sira dagegen war /»rf/a's Konkurrent. Die Buddhisten fanden liidra und Visiiii im ^'olksglauben friedlich vereint und gesellten beide Buddha als stänilige Begleiter zu; Sira dagegen adoptierten sie erst viel später, und machten aus ihm LoJcisvara oder ArnlokUc-^rara, den Herrn der Welt. ' Der zehnte Avatara l'i.j(iMs al.s Kalkin steht bekannüicli noch auü. II« 84' Leopold Wciigcr. Ich entsinne mich einmal, als ich im Winter auf einer Reise von einem anhaltenden liegen überrasclit wurde, wie er im nördlichen Indien im Januar mehrere Ta2;e hindurch regelmäßig anzudauern pflegt. Als sich des Abends meine Leiden Zeltwiichtcr vor dem Eingang meines Zeltes niederkauerten, hörte ich, wie der eine zum andern sagte: äj JSfaiuhh'v In harn diu hui «heute feiert JSIahniJcr (Siva) sein großes Fest». So begegnet man der alten Vorstellung von liiidraSird, dem indischen Gewittergott, der den Regen spendet, noch heutigentages im Glauben der einfachen Bewolnier des nordindischen Flachlandes. Wenn für Bnära, den indischen Gewittergott, späterhin der Name Siva «der Freundliche» aufkoamit und dann bald allgemein wird, so haben wir darin eine sehr bezeichnende und interessante Analogie zu solchen Redewendungen, wie sie Meringer neulich aus den österreichischen Alpen belegte: «wenn doch der liebe Wind aufhören möchte» u. ä. Man will dem Gewittergott liudra schmeicheln, indem man ihn 6iva «den Fi-eundlichen» nennt. Aber nur der Name verändert sich; sein Wesen bleibt auch als Siva das eines blutdiu'stigen Zerstörers. Sprachforschung und Rechtswissenschaft. Von Leopold Wenger. Wem die Bedeutung der Sprachforschung für die Rechtswissenschaft ein selbst- verständlich Ding ist, für den ist dieser Aufsatz, der ihm nichts Neues bringt, nicht geschrieben. Ich sollte mich freuen, wenn es recht vielen Gelehrten in beiden Lagei'u so ginge. Aber sie mögen dann ein gutes Wort an gutem Orte verzeiben: ein Wort, mit dem ich am ehesten den Tendenzen der Redaktion dieser neuen Zeitschrift gerecht zu werden glaube, die auch den Juristen zur Mitarbeit freundlich auffordert; und dies Wort ist denn wieder einmal: Weg mit den Fakultätsschranken! Nicht daß jeder dort hineinpfuschen soll, wo er nichts zu sagen hat, weil er nicht auf dem Gebiete gearbeitet, aber nicht fremd oder gar feindselig und geringschätzend, nicht einmal irgendwo gleich- gültig soll er der Arbeit des Kollegen zusehen , weil dessen Amtstalar andere Farben hat. Ich will aber kein Klagelied anstimmen , sondern auf positive Arbeit verweisen, die Sprach- und Sach-, diesmal rechtshistorische Forschungen fruchtbar vereinigt. In der letzten Zeit hat namentlich Meringer verschiedene Anregungen gegeben. Wieviel Material steckt in der Aufsatzreihe: Wörter und Sachen.' Mit Vergnügen er- innere ich mich aus der schönen Grazer gemeinsamen Arbeitszeit, wie er mir einmal lex als die Legung, Festlegung, Bindung^ auseinandersetzte und wie er sich freute, da ich ihn auf Moramsen, Staatsrecht III, .SOS, Anm. 3 und 4, hinweisen konnte, wo die auf sprachforschendem Wege gefundene Bedeutung von /('./• = «Bindung im privaten Vertragsrecht und im öffentlichen Rechte» vorgetragen ist, eine Bedeutung, die jetzt von den Juristen wohl ziemlich allgemein angenommen wird. In solchen Fällen gilt nicht bloß, daß doppelt genäht besser hält, sondern da ist von verschiedenen Wegen her das- selbe Ziel gefunden: es ist das, was man die mathematische Gegenprobe nennt. Wer ' Indog. Forschungen, in Bd. XVI— XIX und XXI. — - ]. F. XVII, S. 144. Sprachforsclmiig iiiid Rechtswissenschaft. 85 den Artikel Reclit in Schraders Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde durchliest, der sieht sowohl, wieviel du schon erarbeitet ist, als auch, was da nocli alles aussteht: bei /'a.s und j«s , bei lex und jus, bei i>£[n?, oiy.q, vö(j.o; — um bei deu Römern und Griechen, wie es mir ziemt, stehen /u bleiben. Kann der Jurist nicht olnie Sprachforscher erkliireii, so auch dieser nicht ohne jenen. Für Jks stellt ScJirader unter Heranziehung \onjiirarr die Bedeutungsentwicklung auf: «Reinheit von Schuld (aw. i/aos), Mittel zur Reinheit von Schuld zu gelangen, Reinigungseid (lat. jus in jiiriirc), Ueinigungseid im Rechtsgang, Rechtsgang überhaupt, Recht» (S. 657). Ähnlich denkt auch J. Schmidt (bei Mommsen, a. a. O. 310). Einen ganz anderen Weg schlägt Meringer ein, der ^'«.s- zur Wurzel *jii cbinden, an- jochen» stellt, zu jüngere, Ceü^vd]!!. Vom rechtshistorischen Standpunkt aus betrachtet, leuchtet mir Meringers Erklärung viel besser ein. Vollends die Bedeutungsreihe bei Schrader widerspricht der Auffassung, die wir uns vom Recht machen. Wollte man Schraders Reihe akzeptieren, so müßte man das Recht einseitig vom Gesichtspunkt des Beklagten im Zivil-, des Angeklagten im Strafverfahren aus besehen. Gerade so wie Reinheit von Schuld kann auch Vorhandensein der Schuld Recht sein. Ja, denken wir nicht bei «Recht des X» in erster Linie an eine Berechtigung, nicht aber an seine Freiheit von Schuld? Der Berechtigung des X steht aber die Verptiichtung des Y entgegen, nicht dessen «Reinheit». Auf dem von Schrader gewiesenen Wege der «Reinheit von Schuld» kommen wir nicht zum Rechtsbegritte. Daß dagegen aw. yaos «rein» nicht aus der Kombination ausgeschaltet zu werden braucht, da der sprach- liehe Zusammenhang wohl gegeben ist, hat Meringer schon beobachtet. Daß die her- kömmliche Bindung als rein gilt, das begreift sich viel leichter. Das Reine muß vor Verfäl.schung bewaiirt bleiben, ganz gleichgültig, ob der (Gläubiger das Recht hat nder der Schuldner, der Verletzte oder der Verletzer. Das stimmt dann aber auch vortreff- lich zum sachlichen X'crhältnis von le.r und ;'/(.s-. Lr.r die Bindung, jus der durch Bindung (Gesetz oder Gewohnheit) erzeugte Zustand des Gebundenseins. Uralt ist die Trennung von göttlichem und weltlichem Recht, von fas und jus. Bei jenem liegt der Hauptton auf der Heiligkeit und Reiidieit, bei diesem aber auf dem Zwange aller zur Rechtsgemeinschaft A'erbundencn. Wie das cnnjiKjiuni die Ehegalten, so bindet das jus die Rechtsgenossen aneinander. Aber hier wie dort steht hinter der Bindung auch der Zwang gegen den, der sich davon lösen will. Beides, Bindung und Zwang, vermittelt das Joch. Meringer' fragt, ob das Joch ein Symbol der Ehe gewesen. Die Frage ist bei den Rechtshistorikern schon viel verhandelt. Mir scheint es sehr naheliegend, an diese Etymologie von conjuijiKin zu denken. Lei st* nennt sie freilich mißverständ- lich mul führt fo)iju(/iiiiii und ouCuvia auf den alten griikoitaliischen Brauch des Sitzeus dos Braut|iaarcs auf zwei durch ein Tierfell verbundenen Sesseln (,s<7/(7s duas juijofas orili pelle bei Serv. ad Aen. 1\', 374) zurück. Dies oder die Vereinigung der Hände scheinen mir aber doch eher als spätere symbolische Akte zum Zeichen der Vereinigung. Sinnlicher und darum ursprünglicher scheint mir die Jochgemeinschaft als Recht so- wohl als auch als Ehe. Jus und eniijugiuw zusammenzustellen, gemahnt an eine anders- sprachlichc Parallele zwischen Recht und Ehe. t'Aca (ahd.) ist beides: Gesetz und Ehe.* «Recht» ist der aufgerichtete Bau {erigere. op^^stv, «senkrecht stellen»).* Die Balken ' I. F. XVllI, S. -IW. AniM. I. — - Altarischcs Jus Uentium, S. 158 f. » Meringer, I. F. .Will, S. Ü'.».j. — * Meringer, I. K. XVll, S. 143; XVllI, :>. i'M. S(j Leopold Weuger. siud zunäclist roh und uiibehaueu. Diese Uiibilde (Unbill) mag den Bau nicht gerade verscliunen. sie mag den Bau liäßHcii machen, aber sie niaclit ilm nicht unrecht. Un- recht aber ist der Bau, auch wenn ein geglätteter Baiken die Bicbtlinie verläßt. So treten Unrecht und Unliill einander gegenüber, inJHStuui und ii/iijnutii. Die entsprechen- den positiven Gegensät/.e sind aber Recht und Billigkeit, jus und aeqnitas, das Auf- rechte und das sich Fügende. Saclilich steht es nicht anders. Starr aufrecht steht das strenge Keclit, die Billigkeit glättet seine Härten. Fug ist das Ineinanderfügen der Balken — ein Bild vom Bauhandwerk.* Ich kann auch hier wiederum Meringer nur Recht geben. Für die griechischen Wörter ist nunmehr viel Material und noch mehr neue Arbeit liinzugekommen mit Hirzels Buch: Themis , Dike und Verwandtes (Leipzig 1907). Fangen wir gleich mit der Themis an i;nd sehen wir, wie da energische Sacharbeit die Sprachforschung befruchtet. Wir alle^ glaubten, daß dqiic kaum etwas anderes als «Satzung» bedeuten, sprachlich kaum anders als mit T[&Y);xt zusammenstehen könne. Die Wurzel 9-s ist vom Altertum her für äi[j.i? in Anspruch genommen worden. Folgen wir dementgegen zuerst Hirzels Sachforschung. «Guter Rat war die Bedeutung des Wortes deij.'.?, als die Göttin anfing, aus ihr im Geiste der Griechen emporzusteigen, und diese Bedeutung, da sie an dem Worte haftete zu einer Zeit, die über alle litera- rische Überlieferung zurückreicht, hat uns y.unächst als die erste und ursprüngliche zu gelten. 5 So Hirzel zusammenfassend (S. 19). Der Rat wird leicht zur zugreifenden Tat. Rat und Tat gehören nicht bloß in der Sprache zusammen (S. 14, 28 f.). Aber wenn der Rat auftritt im Namen der Götter, so bewegt er den Beratenen stärker als irdischer Rat. Die Autoiität des Ratenden kann den Rat für den Beratenen zum (je- setze machen. CinisiliKin und lex sind zu Unreclit als Gegensätze zugespitzt worden, jener geht unschwer in dieses über (S. 37^). Ist d-s\i.<.<; der Rat, der den Willen der Gottheit zum Ausdruck bringt, so ist die Nähe von «Gesetz» ohne weiteres gegeben (vergl. S. 41). Die öejj.t? ist der Rat für eine bestimmte Situation, aber wenn sich diese Situation wiederholt, wenn aus der Besonderheit des einzelnen Falls und über dieser die allgemeine von Zeiten und Individuen abstrahierende Regel erscheint, dann wird leicht aus dem von göttlicher Autorität gedeckten Rate ein für alle Fälle dieser Art geltendes «Gesetz»: ein ungeschriebenes Gesetz, der Jurist würde lieber von Gewohn- heitsrecht sprechen — aber wir wissen ja, daß auf primitiven Stufen beide ineinander übergehen. Die opinio necessitatis erkennen die .Juristen als das Movens, das die lange tatsächliche Übung zum Recht verdichtet Aber wer erinnert sich, wenn er einmal römische Quellengeschichte gehört hat, bei der Entwicklung der ddfitc aus dem ein- maligen, dann in gleicher Situation wiederholten göttlichen Rat zum allgemeinen Gesetz nicht der ganz gleichartigen Entwicklung, die vor unserem Auge sich vollzieht, da aus dem Rate des Princeps auf Anfragen von Partei oder Richter, gegeben für den einzelnen Fall zur Darnachachtung beim Urteil, sich das allgemein gültige Gesetz herausbildet — m. a. W., wer gedenkt nicht der responsa als Abart kaiserlicher Konstitutionen? Der parallele, so viel spätere Entwicklungsgang des rein weltlichen Rechts vermag jene Hypo- these über die Tliemis nur zu stärken. Wie reimt sich nun aber zu &s\ii(; = «guter ' I. F. XVIII, S. 285 und 295. ^ Vergl. etwa Meringer, 1. F. XVII, S. l-i5. J. Sclnnidl, hei Momnisen, a. a. 0. 308 f.*. Seil rader, Reallexikon, 6.j6. Spracliforacliuiig und Keclitswissenschaft. 87 Rat» die sprachliche Frage? Geht ä-e[i.t? vom Rate aus, so kjinn das Wort sprachlich nicht zu v.&ho.i gehören. Tlirzel weiß Rat. Auch sprachlich soll alles klappen. ÖEjj.;? ist nicht auf die Wurzel ds-, sondern auf i>=[j- zurückzuführen. In leisem Drange drängt die Welle das Schitt' des Odysseus: €-s^.o>^£ (Od. IX, 486). Der Rat, das leise oder stärkere Drängen, im einen oder anderen Sinne zu handeln, das ist die di|i'.?. Dieser Drang personifiziert sich zur Ciottheit. Und wirklich: Hat, consUiiim . ßooXvj ist auch Bezeichnung geworden für die Körperschaften, die zunächst den Rat erteilen, so zu handeln, wie sie es für gut halten (S. 56), die dann aber auch die Möglichkeit haben, ihrem Rate Nachdruck zu verleihen, so wie dies ehedem Zeus konnte, wenn er dem Sterblichen etwas anriet. Hirzels Deduktionen kann die rechtswisseuschaftliche Sachforschung, wie ich glaube, akzeptieren. Wird die Linguistik die neue Wurzel für i>s'(ii? gelten lassen? Mit ihr steht und fällt freilich die ganze Ausführung. Aber Hirzels sachliche Position ist, soweit ich' prüfte, stark genug. Und nun von der ö-sij.;? zur 0'l/.-/j. Seh rader'' sieht in ihr wie herkömmlich die Weisung (Sstxvojit, dico). Aber auch hier führt Hirzels Sachforschung in andere Rich- tung. Dike ist danach die strengere Tochter der Themis. Sie ist Recht, und zwar strenges Recht und kommt erst auf Umwegeu zur Bedeutung ^Sitte». Wenn die Dike aber nicht aus der Sitte herausgewachsen ist, so kann die Etymologie nur anderwärts gesucht werden, als dies eben geschah. Die sachlichen Bedenken lassen eben an der Richtigkeit der sprachhchen Erklärung zweifeln, und diese Zweifel führten Hirzel zu einer anderen Etymologie. Der Stüli des Richters weist auch uns hier zu, wie ich glaube, richtigerer Deutung. Nicht zu Sj-.xvüva! stellt sich SixTrj, sondern zu o:/.=:v — wie Träa-Tj zu r7.i>£iv, iii^Ti zu |j.a&etv — als Wurf oder Schlag oder auch ein Ausstrecken des Stabes. Und da sind wir wiederum bei der sinnfälligen Handlung. Der Stab dient dem Richter, dem Kampf- wie dem Friedensrichter, um die Streitenden zu trennen (xfAVitv), die beiden zunächst körperlich auseinanderzuhalten, mit dem Stab zwischen sie zu treten, und wenn es nottut, damit dreinzuschlagen (S. 91 ff., 93). Das ist 5tx=?v, und das Recht, das dreinfährt, ist die oty.Tj. Am sichersten sind wir beiui vö[io?. Das Wort gehört zu vsjis'.v «zuteilen». Wie vo[iö? der Weideplatz, Wohnsitz, weiterhin Gau, so ist vöiio; die Zuteilung von Grund und Boden, Bezirk, in dem das viu.='.v staltgefunden, der Gesetzesspreugel, das Gesetz. So Meringer^. Das wird durch Hirzel nur bekräftigt. Bezeichnend ist da besonders die Beobachtung, daß der Grieche bei vö;j.oc die Nebenvorstellung eines Gebotes hat. «das unmittelbar nicht dem gesamten Staatskörper, .sondern einzelnen Gliedern desselben galt» (S. l'J'J). An den vö[j.oc ist von Anfang an die seinem \\'esen entsprechende Vor- stellung geknüpft, «daß die betreffende Satzung oder Sitte einer bestimmten Klasse von Wesen als eigentümlich zugeteilt war» (S. 200, N. 2 ex 199 a. E.). Wir erinnern uns da sofort an das Smnn cui(iur. Es ist die justitiit distribiitira, deren Walten wir erkennen (vgl. Hirzel, S. U)5). So wie das Justinian seine Institutionisten lehrt und wie es seit ihm dem jungen Juristen in den ersten Lehrstundeu immer rezitiert wird: JustUia est consfdiis rt jurjH'f/ia rnlKiitas jus sintiii ciiiqiif frihitciis (Inst. Just. I. 1. pr.K Der ganze Satz liegt im Worte voaoc, el in seinem schönen Referate über Hirzel in der D. Lit. Zeitschrift vom U. XI. 190S, 2933— ö, - Reallexikon, S. Oöti. — » J. K. XVIII, S. ^SS f. 88 Leopold Weiiger. Ich will bei diesen Proben aus Hirzels Buch stehen bleiben, wieviel auch da noch Erörterung und Besprechung verdiente. Wo und wie der Jurist noch weiterbauen muß, hat Kabel in seinem jienannten Referate gezeigt. Wie weit die Philologen ein- verstanden sein werden, weiß ich nicht abzuschätzen. Aber mag auch noch hie und da ein Mißverständnis aufzuklären sein, ehe wir voll und ganz einer des anderen Arbeit nützen und werten können — Juristen und Philologen sind da wieder einmal bei genteinsamer Arbeit, und diese Tatsache begrüße ich speziell an Hirzels Buch. Es zu studieren, ist ein Vergnügen, auf Schritt und Tritt gibt es uns neues. Aber der Rechtshistoriker braucht nicht bloß zu nehmen. Da möchte ich die iSpracbforscher einladen, in eines unserer neuesten Büclier Einblick zu nehmen : Mittefs, Römisches Privatrecht bis auf die Zeit Diokletians, I. Bd. (Leipzig 1908). Ich will auch aus diesem Buche an einigen Stichproben den Beweis erbringen, daß nur durch gemeinsame Arbeit weiter zu kommen ist. Da bieten gleich die Grundwörter des Personen- und Vermögensrechts einen fruchtbaren Boden, Wörter und Sachen ge- meinsam zu behandelu. Manus ist die Gewalt über die Ehefrau, aber die Bedeutung des Wortes muß ursprünglich eine weitere gewesen sein, heißt doch der feierliche Eigen- tumserwerbsakt an gewissen Sachen nmnripatio, vom Symbol des Handgriffs beim Erwerb, und hieß die Entlassung des aus dein väterlichen Gewaltsverhältnis Scheidenden emancipatio, die Entlassung des Sklaven aus der Sklaverei DiiDiitniissio. An einer Reihe von Belegstellen läßt sich Mamis als Gewalt ülier Söhne und Sklaven für den nicht- juristischen Sprachgebrauch des täglichen Lebens nachweisen (S. 75). Die Mamimisi/o wird mit Mornmsen, dem Wlassak und Mitteis zustinnnen, nicht geradezu als «Freilassung aus der Manus», wohl aber entsprechend wieder der symbolischen Handlung als Freigeben mit der Hand» ■ zu bezeichnen sein. So weist auch diese Vorstellung auf einen erweiterten Manusbegriff zurück (Mitteis, a. a. O.). An «Bindung» Binden der Hände ^ möchte ich dabei nicht denken. Das paßte wohl für die Sklavenbeherrschung, nicht aber für die Gewalt über Weib und Kind. Aber in der klassischen Rechtssprache ist manus nur die Gewalt über die Ehefrau, für alle anderen Gewalten behauptet das Wort 2>otcst(is das Feld. Es ist dies' die Gewalt des Herrn über Sklaven und Kinder, des Vormunds über den Pflegling, des Magistrats über den Bürger. Auch hier klärt die Etymologie gut auf. Idg. *poti- hegt in potestus, aber auch im griechischen 0Bzzövfi(; finden wir dieselbe Wurzel. Es ist der Hausherr, idg. *T zurückführt, auf rechtsgeschäftliche «Bindung» (Mitteis, S. 142) läßt den Juristen im Nexum «das bindende Rechtsgeschäft des alten Rechts» sehen, also Manzipatiou und Darlehen. Eine schöne sprachliche Analogie findet Mitteis im pecioviam aUif/are bei Varro, de 1. 1. 5, 182. Aber die Stelle bei Plaut., Pseudol. 2, 2, 34—35 (Pseud.: Dum tu sfrenuas, res erit soluta. Harpax : Vinctam poiuis sie servavero) muß nicht in diesem übertragenen Sinne auf «gebundenes (= geschuldet bleibendes) Geld» gedeutet werden. Es wäre auch möglich, bloß an den gebundenen Geldbeutel zu denken (S. 142"). Dunkel wie die Anfänge des Nexums sind die der Sponsio. Auch sie ist in neuester Zeit wieder in den Mittelpunkt rechtshistorischer Diskussion gerückt und auch bei ihrer Erklärung spielen sprachliche Argumente eine erste Rolle. Über diese Fragen auch nur einigermaßen eingehend zu orientieren, würde im Rahmen dieser Skizze unmöglich sein, so sehr verflechten sich hier alle möglichen Prol)leme verschiedener Rechtsmaterien. Aber das eine mag das Interesse besonders des Sprachvergleichers auf diese Fragen lenken, daß hier die römische Rechtsgeschichte in ausgedehntem Maße mit Reclitsver- gleichuug operiert. Die griechische l-('l''^ und s-f/ürpt?, die germanische Wadiatioii leisten wertvolle Dienste (vergl. Mitteis, S. 271 f.). Aus der sprachlichen Gleichsetzung der familien- und vermögensrechtlichen Verlobung kann auch der Rechtshistoriker seine Schlüsse ziehen. Die römische Sjmisio galt nur für den römischen Bürger, aber der Latiuer und weiter wohl auch der Italiker werden durch Handschlag verpflichtet — der Handschlag verdient vollauf die wiederholte Darstellung auf weitester lechtsver- > I. F. XVIII, S. 240. Sprachforsrliuni; und Rechtswissenschaft. 91 gleichender Basis.* Auch die Pap3'ri bringen da schon Beispiele. Promissio erklärt sich sinnlich aus promittere seil, manuni (S. 270'^). Im Bürgschaftsrecht, sowohl im prozessualen als im materiell-rechtlichen, gibt es noch zu forscheu genug. Da sind pracs, vas, vindex Wörter, die philologische und juri- stische Arbeit erheischen. Mommsen, Lenel, Schloßmann haben in letzter Zeit^ darüber gehandelt, ohne zu übereinstimmenden Ergebnissen zu gelangen. Viard^ hat kürzlich in einer über das normale Maß hinausreicheuden Doktorsdissertation die Sache des praes ex pro fcsso zur seinigen gemacht. Stets nimmt die sprachliche Seite der Sache einen breiten Rahmen ein. Der Begrift' des Ohlif/atio selbst kann nicht ohne sprachliche Untersuchung sieher- gestellt werden. Damit sind grundlegende Fragen, wie Schuld und Haftung, auf- gerollt, die nicht bloß für das römische und germanische, sondern für die Erkenntnis jedes Obligationenrechts unentbehrlich sind. Wie alt ist der klassische Begriff der obli- gatio? Plautus verwendet, wie Mitteis beobachtet (S. 86^*), das Wort nur an einer Stelle im juristischen Sinne, dort aber heißt es «verpfänden», geht also auf Haftung, nicht auf Schuld. Daß auch die Geschichte des Praes, so dunkel sie noch sein mag. die Haftungstheorie für das römische Obligationsrecht stärkt, sei auch hier betont.* Eine andere Frage: Läßt sich die sachlich postulierte Grundbedeutung von dolus = «List» etymologisch mit SsXsap «Köder» stärken? Mitteis setzt zur sprachlichen Bemerkung ein Fragezeichen (S. 316). Aber soviel wissen wir, daß die Laiensprachc im Dolus nicht moralische Verwerflichkeit sieht, wogegen allerdings die Rechtssprache in den uns zugänglichen Quellen damit einen tadelnden Nebenbegriff verbindet. Und so gibt es in Mitteis' Buch noch Dinge genug, die über den Kreis der Rechtsbistoriker hinaus Interesse erregen müssen. Rabeis Untersuchung über die nachgeformten Rechtsgeschäfte-'' muß die Verbindung dicis causa behandeln. Da ist (27, 307) die Etymologie geprüft, die das notwendige Korrelat zur Sachforschung bildet. Ins Prozeßrecht spielt die Lehre vom praes, vas und ri)idex, deren wir schon ge- dachten. Besonderes Interesse hat da in neuester Zeit der testis gefunden. Verschiedene Forscher haben unabhängig voneinander im Worte (cstis «die Dreizahh gesucht.'' «Die idg. Bildung für Dritter war *tritös, vielleicht auch */W//os.» Zeuge ist nach Meringer, der an dritter Stelle steht, also *tri-sfo-.'' Sachlich ist der Zeuge der natürliche Schieds- richter, wenn über den Handel Streit entsteht. Aber fcsfis hat sich nicht in dieser Richtung entwickelt. Schiedsrichter ist in Rom der arbiter, aber ebenso ist, wie wir aus Whissaks Prozeßforschungen wissen, dov judex, an den jeder in erster Linie denkt, ' Die bekannten Forscliungon : v. Amira, Nonlgenu. Obl. R., Puntscharl, Schuldvertrap und Trcn- gelöbnis, zu denen nun die rechts- und s|)rachvcrgleiclienden Untersuchungen von Partsch, Griecli. Büiv- schaftsr. S. 33^ 4ü ff., h-2 f. treten. Veigl. aucli Meringer, I. F. XVI, S. 170 f. * Vergl. Ztschr. d. Savigny-Stittg. Rom. Abt.. Bd. -2X -U, -26. ' Paul Viard, Le praes, Dijon 1907. Sehr verständig urteilt darüber F. Schulz, Ztschr. d. Sav.- St. Rom. Al)t, 18, 470ff. Ich freue mich .1. Partsch' soeben (I90!i) erschienenes bedeutendes und vor allem auch rechtvergleichend aibeilendcs Buch tiriechiscbes Bfu-gsohaftsrecht in der Korrektur wenigslens noch nennen zu können. * Vergl. Schulz, a. a. O. 474. •- ' Ztschr. d. Sav.-Sl. Rom. Abt., Bd. -^7 u. iS. '■ Skutsch, Solmsen, Meringer. Näheres, auch die Literatur bei lelitercm I. F. XVI, S. l6".>fT.: XVIII, S. ailOff.: XIX, 8. 151 ff. - • I. V. XVIll, S. '»»3. 92 Leopold Wenger. dem das Wort in den juristischen Quellen begegnet, Schiedsrichter. Es ist für den Roma- nisten von besonderem Interesse zu hören, wie sich der an den rechtshistorischen Streit- fragen über beide «Richter» unbeteiligte Sprachforscher zu arbiter und judex stellt. Arbiter erklärt Meringer als Fremdwort, das die Römer von den viehzüchtenden indo- germanischen Mitbewohnern Italiens, des Rinderlandes, entlehnten (S. 291 f.). Wlassak aber hat in den inhaltsreichen Artikeln Arbiter und Arbitriiaii bei Pauly-Wissowa für Arbiter die Etymologie von ad und beterc, also «der Hinzukommende», nicht ab- gelehnt. Das bietet sachhch nichts Unvereinbares. Gerade der Schiedsrichter kommt als Dritter hinzu. Aber *jo)(S(lics, judex ist ein gelehrtes Wort «der höheren Stellung des beamteten Richters entsprechend».^ Da wird der Rechtshistoriker auf den ersten Blick eine Korrektur vornehmen wollen. Wir wissen sicher, daß auch der judex, soweit er neben dem arhiter begegnet, ein Laienrichter war wie dieser, aber allerdings ein be- hördUch autorisierter Laienrichter, ein Geschworener, der sein Amt weder bloß den Par- teien, die sich auf ihn einigten, noch bloß dem Magistrat, der ihn ernannte, sondern der Kombination von Bestellung durch die Parteien und Ernennung durch den Be- amten verdankte. Des Judex LMeil ist darum stärker als das des Arbiters, es ist staatlicher Exekution fähig, während die Parteien den Spruch des Arbiters erst durch gegenseitige Versprechungen für den Fall der Nichtannahme sichern müssen. Neben diesem privaten Arbiter (1), den wohl Meringer im Auge hat, gibt es noch einen Namensvetter, der unter obrigkeitlicher Autorität bestellt wird und judex arbiter ce heißt (2), endlich — freilich erst in der Spätzeit, als sich die Begriffe nicht mehr strenge scheiden — noch einen Arbiter, der vom Oberbeamten als richtender Unterbeamter bestellt wird (3). Der ist Beamter, kein Schiedsmann mehr, den die Parteien erkiesen. Immer urteilt der Arbiter nach billigem Ermessen, er ist in seinem Spruche freier als der Judex. Sicher unterscheidet sich der erstangeführte Arbiter (1), der dem Parteienkompromiß allein sein Amt verdankt, vom magistratisch ernannten geschworenen Judex. Aber an der sicheren Abgrenzung des ebenfalls geschworenen Arbiters (2) vom geschworenen Judex felilt es, soweit wir sehen können. Hier werden zurzeit die sachlichen Hypo- thesen und Kontroversen auch von der Linguistik nicht entschieden. Aber Meringers Antithese vom arbiter und judex führt mich auf eine andere Idee, die dieser Gelehrte vielleicht selljst seinen Worten zugrunde legte. Über das Alter des Arbiters (sowohl im Sinne 1 als auch 2) wissen wir nichts. Aber Aev judex als Geschworener ist eine gewiß republikanische Einführung. Daß die römische Sage das Institut auf Servius TuUius zurückführt, stimmt nur dazu. Judex war in der absoluten Küuigszeit der König selber (Mommsen, Staatsr. IP, 5). Dann aber hieß, wofür sich noch Spuren in den Quellen finden (Mommsen, S. 76 f.), auch der Konsul judex, ein Name, der freilich gegenüber praetor und besonders consid ganz zurücktritt. Daß der arbiter älter ist als der judex- Geschworene, dürfen wir wohl als sicher annehmen. Ebenso ist der Beamteu-judex, mindestens der König älter als der Geschworene. So bliebe für die «alte Zeit» tatsäch- lich der Gegensatz: staatlicher Richter Judex, von den Parteien gewählter Schiedsrichter Arbiter. Verwirrt wird das Verhältnis erst, als ein judex begegnet, der als Geschworener urteilt, und anderseits ein arbiter, der wie der judex vom Gerichtsherrn ernannt wird. Außerdem muß ich, um nochmals auf den Zeugen-Schiedsmann zurückzukcmmen, Meringers Polemik gegen Schloßmann, einen im besonderen Maße mit Wörtern und > Meringer, I. F. XVIII, S. 292. Spi-acliforscliuiig und F><-i'lil-wis«on?rliaft. 93 Sachen arbeitenden Gelehrten, akzeptieren, wenn er Zeugnis und Schiedsamt im bürger- lichen Rechtsstreit für mindestens ebenso alt schätzt wie im Strafverfahren. Und was Meringer über [J-s^o? und [j.=atr/j? als Zeuge und Schiedsrichter sagt, läßt kaum eine andere Deutung zu (I. F. XIX, S. 453). Ich muß schon zu Ende und habe bisher noch gar nicht der neuen Wissenszweige gedacht, die uns die Papyrusforschung gebracht hat. Wie viele Termini kann da nur gemeinsam mit dem Philologen der Jurist erklären. Das gilt für alle Gebiete des Pri- vatrechts, des öffentlichen Rechts und der Prozesse. Lebendige Anschauung, gewonnen aus dem Studium entsprechender modernrechtlicher Institute, verhalf zur Deutung des ägyptischen Gruudbuchsrechts. Wer die Sache kennt, wird sich auch bei Wörtern zu- rechtfinden, die ihm das erstemal begegueu. Die Schrift von Lewald, Beitr. z. Kennt, d. röm.-ägypt. Grundbuchsrechts, klärt über den neuesten Stand der Forschung vor- trefflich auf. Freilich nicht immer liegt die Sache so klar, daß die Bedeutung des neuen Wortes sofort gegeben ist. Auch hier fehlt es nicht an Irrgängen der Forschung und an Zweifeln. Nur zwei Beispiele. Das in verschiedenen Verträgen, aber beson- ders Pachtverträgen vorfindliche avujiöXoY&v xavTÖ? 0:10X0700 hat Braßloff' auf Aus- schluß der Kompensation zu deuten, also mit «inkompensabel» wiederzugeben gesucht, aber Waszynski^ erklärt das Wort ohne prägnante juristische Bedeutung als «durch keinen Abzug gemindert, durchaus ungemindert». Neue, Braßloff noch nicht be- kannte Funde entschieden m. E. für Waszynski. Dann, was hat es für eine Be- wandtnis mit der typischen Haftungsübernahme des Verkäufers von Sklaven für Ufji vöao? und ejratpv]? Über die tspä vöao; als Epilepsie haben sich Übersetzer und Erklärer geeinigt. Aber iz^-f-ij ist schon ganz verschieden erklärt worden.^ Kubier hat die herrschend gewordene Deutung auf «Aussatz» neuestens energisch bekämpft und ist mit eingehender Begründung für Gradenwitz' ursprüngliche Deutung auf «Herren- rechtsreservation» eingetreten (Ztschr. d. Sav.-St. 29, 474 ff.). Am Anfang und am Ende der römischen Rechtsgeschichte muß der Jurist philo- logischen Rat holen. Die Zwölftafeln können nur beide gemeinsam erklären, nicht anders steht es mit den bedeutsamen Problemen der luterpolationenforschuug im Ge- setzbuche des Kaisers Justinian. Doch das sind bekanntere Dinge. Aber wenn wir über die römische Rechtsgeschichto zur griechischen und hellenistischen und von dieser, was ja unserer Zukunft sichere Aufgabe ist, zur antiken llechtsgeschiehte vorschreiten wollen. da wissen wir erst recht, wie notwendig wir die Philologie brauchen. Die vorliegenden Zeilen sind fast zu einer Apologie der Jurisprudenz geworden, daß sie die Bedeutung der \\'örtcr für die Sachen nicht übersehen habe. Wer Apo- logien nötig hat, braucht gewiß nicht ein schlechtes Gewissen zu liaben, wohl aber wird er Grund haben, sich gegen Vorwürfe zu verteidigen. Die Jurisprudenz mag zu zelten sich eingeschlossen und abgeschlossen haben, aber die gegenwärtige rechts- hislorische Richtung ist gewiß von solchem Vorwmf frei, wird sie ja doch gelegentlich als «philologische» Richtung bezeichnet. Der bequeme Standpunkt: tgrana sutit non legiintur» ist ernstlich aufgegeben. Dankbar nehmen wir, wo immer in philologischer ' Zl.>;ohi-. li. Sav.St. '21, ■M\-2 ff. Zwciloliid tür BralHoff jetzt Kühler -29. 197. - Die Bodenpaclü (1".)().5}, S. 127 IT., 1-lü f. ' Vergl. die von mir schon vor Jahren gegebene Zusammenstellung in den Götl. Gel. Aiiz. 190:!, S. .V2'.> f. n;ii:i icli mi.li geworden ist (schriftsprachlich ist Topfen = lac concretum); und als Formkäsc ist es zu Kelten, Romanen und Westgermanen (ins Nord, als hxsir «Lab», das dabei wohl eine Rolle spielte) übergegangen. Die Germanen besaßen freilich ihr, mit Recht als urgermanisch angesetztes ^jasta^ ( = finn. juusto «Käse»), welches gewöhnlich zu ai. tjui- «Suppe, Brühe», gr. Jüjiyj «Sauerteig», \aX. jus «Brühe» usw. gestellt und von der Wz. ijii- «umrühren» abgeleitet wird. Es war also ein schon durch Mischen bereiteter, mehr oder weniger flüssiger «Quarkkäse»; er wurde aber im Westgermanischen von dem römischen Formkäse (*I,-nsjus) verdrängt und nahm im Nord, {ostr usw.) selbst diese Bedeutung au: die Skandinavier kennen heute weder wirtschaftliche Verwendung noch Namen des eigentlichen Topfens. Auf die Aggregatsveränderung, aber noch mehr auf das künstliche Formen des Topfens iind des daraus entstehenden Käses weist der zwar alte, doch im Vergleich mit cüscus jüngere und von forma sekundär abgeleitete vulgärlat. Ausdruck fonnaiicus, -lim hin, der sich noch mlat. als formadius «ein quarck>, -Quarkkäse» Hndet. Freilieb, die vorherrschende Bedeutung, welche die Grundlage für das Rom. (it. formaggio, frz. fromage usw.) abgegeben hat, ist «Käse» in einer Form, einem geflochtenen Geföße bereitet. Hierzu trat noch vulgärlat. ioma, das im Mlat. {fomdiitnia u. ä.) und Rom. (nprov. ttiiiio «frischer, salziger Käse» u. ä.) weiterlebt und wohl aus gr. tofiij «etwas in Formen Abgeteiltes» stannnt, ein lehrreiches Fremdwort dort, wo die heimische Technik so vorgeschritten war. Im Slav. ist ein dem gr. tOpö? entsprechendes *///(t, nicht vorhanden, dafür aber das bezeichnende, von Peisker völlig übersehene, von baltoslavischer Urzeit bis heute gebräuchliche .fi/n, «Käse», im Südrussischen noch in der ursprünglichen Bedeutung «Quark». Es steht auf tler zweiten Stufe der oben aufgestellten Benennungsskala (= lit.usw. siiris «großer runder, gepreßter Käse», alb. hife «Molken» neben lit. süras «ge- salzen», gcrm. sür- «sauer») und stimmt mit lat. cäseiis auch in der Entwicklung zu «Form- käse» überein. Und wie von forma vulgärlat. /(in)m?/c«s, so wurde von darb «opus, Schöpfung» hzw.^tvnrT, (idg. tiuiros = gv. atopö? «Haufen») das substantivierte Adj. tvnrogh «res formnm habcns» (idg. fnüroghoa, event. tiiörjglios, mit verwandtem Suffi.x gr. *T/{i)paxoj = owpsxo, «Kiste, Korb») gebildet, was um so annehmbarer ist, je deutlichere Derivate der ersten • ' «Quark» ist dann tpotpaXi; von -{iXiL rpsstiv «-kilnsllich perinnen machen». Wörter und Snclu'n. 1. 18 98 Josef Jaiiko. Wz. tuer- m lit. treriü, tvert'i "fassen, einfassen, zäunen, in eine Form fassen, formen (auch Käse)» usw. und in slav. tvoriti «formare, creare, fingere (poln. seib. auch Käse)», slov. serbokr. tiorilo, pohi. fworzi/dto, c. tvontko, tvofidlo «Käseform, Käsenapf» vorliegen. Deshalb kann auch ti-arogv, obwohl es im Südslavischen ,ery «Salz») und im 14., 15. Jahrhundert zu den Ostdeutschen {fwarr. quarJc. „-(wot? usw. aus poln. oder kasch. twarogy'fwarfajg; die besonders von Heyne verteidigte, an und für sich mögliche Ver- bindung mit der — meiner Meinung nach ersten — idg. Wz. fuer- ist aus topogra- phisch-chronologischen Gründen abzulehnen). Einen politischen Hintergrund haben jene Entlehnungen nicht, höchstens einen wirtschaftlichen, daß nämlich Topfen von den genannten Slaven reichlich verwendet wurde. — Gegenüber dem von mir soeben dargelegten idg. Ursjn'ung von ^varog^ steht Vam- berys und Peiskers Annahme einer Entlehnung aus dem Turkotatarischeu. Dies führt uns auf den Gegensatz zwischen nomadisch-asiatischer und idg. Milchwirtschaft, welcher darauf beruht , daß der Türke die süße Milch überhaupt verschmäht und nur die auf besondere Weise zum Gerinnen gebrachte, «vermischte> saure Milch, Aqu jogurt (von jogurmak «mischen») oder (Uiignif liebt, daraus auch eine Art getrockneten Käses in Form von Kügelchen (knruf von Ävov( «trocken») bereitet. Diese Wörter und besonders das alltürkische jo^;(;•^ das ins Persische und Arabische. übergegangen, hätte bei nach- haltig türkischem EinHuß auf die slavisehe Milchwirtschaft vor allem von den Slaven übernommen werden müssen. Das ist nicht geschehen, statt dessen führt Peisker das nur osttürk. (dzag.) forak ins Feld, welches Vämb^ry mit tuz- «Salz, sauer» in Ver- bindung bringt, das aber R. Dvorak wegen des nicht nachgewiesenen Überganges von 2 in r, ferner wegen des nicht beweiskräftigen osmauischen, weil eigentlich persischen Adjektivs furus «gesäuert» auf das nur die rein äußerliche Seite betreffende fitrak, darak «das Stehen, Stehenbleiben, Gerinnen; das Geronnene» (zu iunnak. diiniiak «stehen») als psychologisch primitiver zurückführt. Und da tiirak nicht alltürkisch ist, so müßte erst der Nachweis geliefert werden, daß gerade Osttürkeu die Nachbarn der Urslaven waren. Heute wissen wir nur, daß letzteren in ihrer jenseits der Karpatheu verlegten, überdies durch Urwälder geschützten Heimat im Südosten die iranisch sprechenden Skythen, im Nordosten die Finnen, welche selbst für Käse und auch für «lac coagu- latum» (piimä aus lit. jimas »Milch») Fremdwörter entlehnten, benachbart waren. Doch bisher hatten wir lediglich das Verliältnis von slav. ttarogo zu türk. fiirak im Auge; wenn wir alle drei wurzelähnlichen Wörter (av. tftiri, gr. tOpö?, slav. frarogh), wie es nur billig ist, vereinigen, 'so wird das Problem noch komplizierter und es handelt sich über Berührungen der allen Slaven mit Turkotalaren und Germanen. 99 dauu um Entlelmung jeuer drei Wörter aus dem Osttürkischen, d. h. um Beeinflussung der entsprechenden idg. Stämme bzw. (auf Grund von ursprachUchem , aus dem ir. und gr. Reflex erschlossenen *titri, -o.s) der noch in Europa, etwa in Ostdeutschland oder West- rußland , vereinigten Indogermanen durch Turkotatarcn. In diesem Falle können wir aber erst recht nichts Greifbares ausflndig machen, höchstens das, daß lautlich zwischen idg. tar- und dem von ^'ambery zitierten jakutischen für «gesäuerte Milch» eine Inkon- gruenz der vokalischen Quantität besteht, welche die vor allem örtlich schwierige Her- übernahme nicht wahrscheinlicher macht. Am ehesten noch hätten die Iranier, doch nur sie allein und von den anderen Stämmen getrennt, ein solches Wort aufzunehmen vermocht, wie überhaupt das Beispiel der türkisch-iranischen Beziehungen in alter Zeit wenigstens negativ zur Aufhellung der turkoslavischen herangezogen werden kann. Die Iranier, ein ebenso emsig ackerbauendes Volk wie die Slaven, waren schon ihrer geographischen Lage nach den Anstürmen der turkotatarischen Nomaden des Nordens ausgesetzt; ihre \'olksreligion, der Zoroastris- mus, findet sich mit dieser traurigen Tatsache auch wirklich ab, erhöht den Ackerbau zu einer göttlichen Beschäftigung und sieht den Zweck des Lebens in Wachsamkeit und Tätigkeit, in stetem Kampfe mit den bösen Dämonen, der Hölle, welche er bezeichnenderweise nach Norden verlegt. Und einen solchen Nachhall müßteu wir, wenn bei den Urslaven ähnliche Verhältnisse bestanden hätten , auch hier erwarten, entweder in der slavischen oder selbst germanischen Tradition oder in den Nachricliten der Schriftsteller, die uns das erste Auftreten der Slaven in der Geschichte vom 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr. schildern, was durchaus nicht der Fall ist. — Ergebnis: Das eiiiügr von Peisker angeführte sprachliche Dokument einer turko- tatarischen Beeinflussung der Urslaven, slav. tcarotp,. kann sehr wohl idg. sein; sollte es aber allen obigen Schwierigkeiten und Unsicherheiten zum Trotz dennocli aus dem Tür- kischen stammen, so müßte dieser Umstand ganz anders gedeutet werden als bei Peisker. Es wäre dann keine urslavische, sondern eine spätere, vielleicht erst ins 8. Jahrhundert fallende Entlehnung zuvörderst ins Kussische und von da weiter; die Entlehnung wäre ferner eher eine Kontamination, eine volkstümliche Umbildung eines *torok nach tvarb. troriti, was bei einem Volke, das von alters her seinen sgrh hatte, nur zu begreiflich ist. Politische Bedeutinig hätte die Entlehnung — ebenso wie die von rasnis u. dgl. — keine gehabt (höchstens daß Abgaben von slavischem Topfen und Käse mit fremdem Namen gefordert worden wären?) und eine wirtschaftliche nur insofern, als die Russen die Milch in Schläuchen hätten gerinnen, die Kügelchen des lunif trocknen gesehen; doch wäre dabei auffallend, daß die Slaven trotzdem die nomadische Bereitung des Topfens nicht angenounnen, sondern die altererbte in Gefäßeu beibehalten hätten. Lauter Warnungs- zeichen dafür, daß wir sogar aus der konzedierten Aufnahme des Wortes aus dem Tür- kischen alle weitausgreifcndeii , von Peisker und teilweise auch von Schrader (Sprach- vergl. u. Urgesch.' 2, S. 14ti u. i()2) leider gezogenen Konsequenzen zu vermeiden haben. 4. Bei Beurteilung von slav. wleko. recte *»)rlkö kommt es vor allem auf die sprach- psycliologische Frage an. ob man das Vergessen eines Gegenstandes und Namens (nach Peisker der süßen Milch) annehmen darf, wenn das Korrelat dazu (die sauere Milch) dem Sprechenden seit jeher und auch in der kritischen Zeit bekannt und vertraut ge- wesen ist. Um aber diese Seite besser beleuchten zu köiuien, seien zuerst die sprach- lichen Verhältnisse des Wortes untersucht und vorabgenommen. 100 Josef Janko. Vrslaw * mcllcö, die einzige notwendige Grundform mit ursprünglich geschleifter In- tonation (sinkendem Akzent) auf der ersten Silbe, kaini man als idg. Erbwort be- trachten; man wird da natürlich nicht direkt von Wurzel nidäfi- oder nirkfi- «melken, eigentlich abstreifen, wischen» (vergl. ai. iiirj''ifi, Diarsfi, warjati «wischt, reilit ab; reinigt, putzt» usw.) ausgehen, sondern alle ähnlichen, nur in der Liquida bzw. im palatalen oder labiovelaren , stimmhaften oder stimmlosen Wurzelauslaut variierenden, sonst aber der Struktur und Bedeutung nach verwandten Formationen heranziehen , welche sich kurz durch folgende Äquivalente zusammenfassen lassen: ai. mrjäti «wischt« = gr. äij-eXYM «melke» = lat. miäcco «streich(l)e» = ai. mrsäti «berührt» = gr. ßf^azsiv " auvtevai = gr. [xdpJtTW «fasse». Zu der Annahme eines so schwankenden Lautstandes berechtigt uns eben 'die Grundbedeutung «fassen, streichen», also gewissermaßen eine Sehall- und Tastgefüldsnaehahmung (vergl. Liden, Afsl. Ph. XXVIII, 37): wir können uns also ent- weder mit J. Kirste auf gr. [iapTrrü) oder auf poln. osmoryac «Blätter abstreifen», nach E. Zuspitza ein Beispiel ursprachlichcr Reaktion der Centura- auf die Satjmgruppe, stützen und so statt des von äfi^X-cw, aksl. mhzq, rnlesti «melken» geforderten palatalen einen labiovelaren bzw. rein velaren Wurzelau.'^gang (iiiclel" -, event. nicJch) eben für slav. * wellö als nicht unwahrscheinlich proponieren. Die Annahme velaren Auslauts wird noch wahrscheinlicher, wenn wir nach dem Vorbilde Hirts «D. idg. Ablaut» § 274 u. 838 (S. 197) annehmen, daß eine Konta- mination der beiden laut- und bedeutungsverwandten Wurzeln idg. (eui'.j mdaß- «melken» (gr. aiJLsXY«) usw.) und gdäg- event. (idah- «Milch» (gr. -/äXa usw.) schon in der Ursprache vorbereitet und in den bereits differenzierten Dialekten mit folgendem Ergebnis durch- geführt worden ist: leichte Wurzel mcicg-, event. luclc!:- im Keltisclien und Slavischen, schwere Wurzel iiieläg- (got. viHkJc-s u.sw.) im Germanischen, während fürs Gr. Lat. Alb. unkontamiuierte Grundformen zu gelten haben. Das slav. * inclkö wäre demnach auf der L Stufe der v'clar auslautenden Wurzel iiiclrk- ganz analog wie das air. iiidg ii- (aus *melgom) als primäres o-Ntr. gebildet, oder es gliche als Sekundärbildung der Wurzel meleg- im Suffix dem mir. mlicld usw. (aus *nillc-t-), ergäbe also im urspr. konsonantisch auslautenden N. Sg. *m('JJc(t). ferner so wie slav. m^.s-o u. a. in die o-Deklination über- führt und durchdekliniert "mfik-ö mit Akzenterscheinungen und einzeldialektischcn Reflexen, wie sie eben in Erbwörtern gang und gäbe sind. — Von Seite des Germauischen läßt sich der Nachweis führen, daß alle altgerma- nischen Dialekte eine Grundform * mduk-, einige (das Ae. und m. E. auch das Ahd.) eine zweite * »lelik-, niilik- verlangen, wobei die Synkope des Mittelvokals -i- oder -u- selbst lange Jahrhunderte n. Chr. unterbleibt; sie ist am frühesten im An. und Ae. (hier für -i- im 7. Jahrhundert und für -u- um 900) nachgewiesen, im Deutschen tritt sie allgemein erst mit dem Übergang zur mittleren Periode (mnd., mnl. iiidk mit zwischen i und e schwankendem Vokal) ein. Was die Erschließung jener Grundformen anbelangt, so verweise ich fürs Ae. auf Wej-he PBrB. XXXt, 8. 43£f. , der im Urengl. oder Urwgm. eine phonetische Erhöhung des wurzelhaften c in Formen wie D. Sg. * lutinki zu *milikCO, woraus durch Synkope angl. Dille, voraussetzt; dabeiist Wey he gezwungen, den unbedingten Abfall des urgerra. -i in dreisilbigen Wörtern anzuzweifeln, ohne natür- lich das Gegenteil strikte beweisen zu können. Nun gibt mir aber die Betrachtung z. B. von G. Sg. milichi (bei Steinmeyer -Sievers «Die ahd. Glossen^ II, 083, 51, wenn anders solche Formen wirklich aus dem 8. — 9. Jahrhundert stammen) einerseits und über BeiiihruiigL'ii der alten Slaven mil Turkolalaren und Germanen. 101 späterer identischer, nicht notwendig Svarabhakti enthaltender Formen (z. B. noch im 11. Jahrhundert bei Wiüiram, der auch sonst keine Synkope zeigt, D. Sg. milirlii. milichf. ■inilcclic neben N. A. Sg. niihih) andererseits die Mögliclikeit, ein bereits urgerm. (bzw. urwgm.) '^■tiicUk-, milik- gleich neben * iiichil,- anzusetzen, ohne wie Weyhe mich mit dem urgerm. Abfall des -i in S.Silbe auseinandensetzen zu müssen: und jenes *melik- wäre entweder in palataler Umgebung aus * nicl/J:- (dieses sonst = *)iieJi(k) phonetisch entstanden oder zu fertigem * inrluli- nach dem Muster von \\gva.*ahtp- : alip- tBier» u. ä. analogisch hinzugebildet worden. Aus alledem folgt, daß aus urgerm. (altgerm.) -Mchtl--, melih- und weiter milik-, miluk- ein urslav. iiidkü nicht hergeleitet wei'den kann, da — abgesehen von dem Oxytonon und den mit altertümlichem, später nicht mehr prdduktivem jo-Suffix gebil- deten Ableitungen wie urslav. *nifh'h (c. inlev, mlic «Milchsaft, Mik-hschwamm, Gänse- distel, Wolfsmilch» u. dgl.) — namentlich auf die erhebliche, gegenüber dem Türkischen eine genaue Sprachkenntnis der Slaven voraussetzende Lauttreue der Lehnwörter aus dem Germanischen Gewicht zu legen und lediglich folgende Vertretungs reihe zuzulassen wäre: iiiehk-, mehk-, nnhk- oder mhhk-, aber kein »iflkö. Dieser Uiielstand wird nicht behoben durch Lowes Hinweis auf ein imaginäres Balkangermanisch oder auch nur Herulisch, wo ein *melnk zu erweisen gesucht wird; der springende Punkt bleibt doch immer die Frage nach der Möglichkeit einer altgermanischen Synkope, welche durch krimgot. mcnns «Fleisch» (wenn richtig überliefert) oder scrrnc «7» (beides aus dem IG. Jahrhundert) erst recht illusorisch wird — ohne daß Jordanes' Worte von der Milch- nahrung der Gothi minores etwas daran änderten: auch Caesar berichtet von den West- germanen, aber freilich auch von den keltischen ßritannen dasselbe (BG. VI, 22 und V, 14), und über slavischen N'iehi-eichtum sind wir durch den sogenannten Maurikios genügend unterrichtet. In dieser Notlage versucht Peisker unter Zustimmung Uhlenbecks (S. 264 u. 282 ff.) einen anderen Ausweg, er faßt nach dem Vorbilde der Germanisten seit Müllenhoff das zuerst bei Galenos (2. Jahrhundert n. Chr.) überlieferte lat. -gr. miica, den Namen einer erfrischenden, gewöhnlich mit Gewürz versetzten saueren Milchspeise, als westgermanisch («vorahd.») und erklärt es für die längst gesuchte Quelle des slav. "^iiirlkü. Ich habe über dieses Prol)lem, ob nämlich mrlra für germanisch oder lateinisch anzusehen ist, in «Glotta» I (noch nicht erschienen) gehandelt und glaube dort aus philologischen und kultur- geschichtlichen Gründen nachgewiesen zu haben, daß das Wort gar nicht germanisch, son- dern hüchstwahrscheiidich altitalisch (umbrisch) war; mcica, verwandt mit »iidcco (oder maJai?), war «gestrichene, geriebene Speise>\ Indem ich auf jenen Aufsatz verweise, will ich hier nur die Konsecjuenz meines Nachweises ziehen, daß also melca als zu- mindest zweifelhaft aus Peiskers Deduktionen ganz auszuschalten wäre. Doch will ich diesmal Ilyperskeptikcr sein und mich bedingungslos auf Peiskers Standpunkt stellen, daß nämlich in der Tat ein wgm. mclca ins Lateinische und Slavische übergegangen: was folgt daraus sprachlich und was sachlich? In sprachlicher Hinsicht wäre auch Entlehnung eines germ. *meJica ins Lateinische, aber ninunermehr ins Slavische möglich; verbleibt man aber bei einem mutmaßlichen germanischen Neutrum *mdka("\ so widerspricht im Slavischen der Akzent und iiu Ger- manischen der Umstand, daß ein solches wgermanisches Neutrum des Adjektivs von der Wurzel ludcfi- in der Bedeutung «Milch gebend, dial. «ic//.» (ac. »ii<7f, ahd. usw. 102 Joscl Jaukü. melch) bereits existierte, womit aber unser melca desbalb nichts zu schaffen hatte, weil es «sauere Milch' bedeutete. Und auch Anthinius, welcher die altdeutschen Küclien- tenniui des G. Jahrhunderts kannte, spricht bloß von dem ausdrücklich als römisch be- zeichneten Ausdruck indca (= gr. 6i''y(aka.). Wirtschaftlich sind die Widersprüche noch größer. ' Die Urslaven sollen doch nach Peisker den Namen für «süße Milch» durch fvanxjh ersetzt und jenen erst später eben von den (iermanen entlehnt haben; was aber bedeutet melca? Das gerade Gegenteil, nämlich «geronnene Milch», die die Slaven doch schon bei den Turkotataren gesehen hatten! Aber gesetzt den Fall, daß mdca trotzdem zu den Slaven gewandert sei, so ist daraus doch nur das zu folgern, daß auch jenes erfrischende Milchgetränk zu ihnen (wohl nur auf kurze Zeit) gekommen, sein Name jedoch allmählich auf alle «Milch» über- tragen worden sei; also ein iiberflüssigerweise umständlicher Bedeutungswandel! In keinem Fall hätte aber die Herüberuahme des melca seitens der Slaven in sozial-poli- tischer Hinsicht etwas bedeuten können, ebensowenig wie bei den dasselbe Wort emp- fangenden Römern, also keine härtere oder mildere Knechtschaft; melca wäre gerade so wenig wie tvarog-b ein Lehnwort politischer, sondern rein wirtschaftlicher Natur gewesen und seine Übernahme von den alltäglichen Geleisen der \'ölkerberührungen nicht ab- gewichen. Ergebnis: Da meines Erachtens *melki'> noch immer besser als slavisch und nur bei Annahme einer problematischen Synkope des Mittelvokals als germanisch zu deuten ist, so eignet es sich nicht als Stütze der Argumentation Peiskers, der übrigens noch folgende Mängel anhaften: Daß *mclzico (event. mclsb) ehemals «Milch überhaupt» und erst dann, unter turkotatarischem Einfluß, «Biestmilch» bezeichnet hätte, ist durch nichts erwiesen; im Gegenteil, das Suffix -/ro deutet auf eine von Anfang an prägnante Bedeutung «was gemolken, selbst abgeflossen, ausgeschieden ist», also auf die kollek- tive Beschaffenheit der ersten trüben, dichteren, molkenartigen Muttermilch, eine Eigen- schaft, welche sichtlich die CJrundlage des kymr. cyn-flitli und ae. dicce meolc (neben hifstntg) bildete. Wollte man dennoch an Entlehnung des *mcJlv aus dem Germanischen festhalten, so müßte ein *mclzö «Milch» von Uranfang vorausgesetzt und dieses in der P'olge mit irgendeinem germ. (unbelegten) ^niclh-- kontaminieit werden. Da wären aber die kultur- historischen Folgerungen ganz andere. Denn daß die Slaven in der ersten türkischen Knechtschaft (wie war es notabene in der zweiten?) Begriff und Ausdruck «süße Milch» vergessen, zeitweilig nur «Topfen» gekannt und «süße Milch» erst wieder bei den Ger- manen kennen gelernt hätten, ist eine philologisch und psychologisch völlig unzu- lässige Anschauungsweise: man kann eben nicht einen Gegenstand, einen Begriff aus dem Bewußtsein verlieren, solange das Korrelat, der Ergänzungsbegriff dem Sprechenden vor Augen, in steter Vorstellung schwebt. Und die Slaven haben mindestens nach Ausweis von syri die «sauere, geronnene» Milch seit jeher gekannt, und nicht nur dies, sie besaßen auch zu allen Zeiten in hinreichender Menge und verschiedener V'erwendung «süße, gemolkene Milch». Das beweist vor allem ihre überaus reich entwickelte, alter- tümliche, fast insgesamt von der Wurzel mel//- = slav. melz- abgeleitete Milchnomen- klatur, von der ich nur anführe: mlesti «melken», bulg. mldziiica, slov. smohnka «melke Kuh oder melkes Schaf», c. mlznice «sus nutriens», serbkr. mlnz. -a «mulctum, Ausspritzung beim Melken», zamlaz «oxygala quaedam», zamldziti (za»iuztij «anmelken, über Berührungen der allen Slaven mit Turkolalaren und Germanen. 103 lac inspergere alicui» usw. Das Slavische war und ist bis heute von dem Wortelement «melken» so durelisetzt, daß man die zugehörige Terminologie und die damit un- trennl)ar ver))undene Sachkenntnis den Slaven auch nur für einen Augenblick nicht absprechen diirf, nicht einmal in der Weise, daß sie etwa Biestmilch und sauere Milch, niclit aber die durch die Sprache verbürutc und als vermittelndes Korrelat einfach un- entbehrliche süße Milch gekannt hätten. Freilich, die Sprache kann gegebenenfalls eines einfachen Ausdrucks für einen ihr notwendigen Begriff entbehren, doch deshalb liört der Begriff, die Vorstellung und Anschauung nicht auf zu existieren; es tritt dann nach Art von ae. äicce meolc «Biestmilch», lat. hir rcHiorfmn «Topfen» u. ä. eben eine zusammengesetzte Ausdrucksweise ein. Die Entlehnung des Wortes »ili-ko aus dem (iermauischen, sollte sie konzediert werden, betrifft jedenfalls ein unpolitisches, ganz alltägliches Wort, welches keinen Vor- zug der Germanen in der Milchwirtschaft involviert; die Indoeuropäer waren ja alle neben dem Ackerbau zur Viehzucht von Anfang an befähigt, und wenn die Italer im Milchwesen bekannterweise hervorragten, warum hätten es die den syn bereitenden, in ihrer Urheimat in jener Beziehung recht günstig situierten Slaven nicht auch sollen? Dann aber wäre der kulturhistorische Wert eines Lehnwortes für «Milch erst recht ge- ring gewesen — es wäre mit den übrigen ur- und altslavischen (etwa 170) Lehnwörtern aus dem Germanischen mitübergegangen und bewiese lediglich sehr enge Berührungen mit Germanen, welche nicht einmal als Herren Ackerbau und Viehzucht der Unter- gebenen in empfindlichem Maße, trotz gewisser geforderter Abgaben, beeinträchtigten. 5a. Das schwierige slav. sJcofi, «Vieh» (nur aruss. auch «Vermögen, Geld», aruss. klruss. slcothnic'i u. ä. «Schatzkanuner; ) halte ich zwar für ein Lehnwort aus germ. *shdtaz (got. .s7,y///s usw.) = idg. * shod-n-6i zu Wz. sk(lik'(l- «spalten» (vergl. gr. T/.=5ivvj[j.'. «zerteile, zerstreue?, axiSva^tat «zerteile mich», ayeSirj «Brett, Blatt», ai. skhndaff: «spaltet» usw.), sehe aber nach der eben vorgebrachten Etymologie Müllenhoffs, Curtius', Heynes u. a. als Grundbedeutung nicht «Meh», sondern abgespaltenes Stück Edelmetall, primi- tive kleine Münze» an. Dies klingt ja auch in den meisten altgerm. Dialekten (Bedeutungen hierselbst: Münze — Geldsumme — Abgabe — Reichtum, Vermögen) nach, während das altfriesische, erst aus dem XL— XIII. .Tahhundert belegte sket, schrt. srhaf seine gewöhnliche Bedeutung «Vieh» sehr wohl erst sekundär erlangt haben kann. Dabei ist zu betonen, daß nicht nur die Entwicklung des abstrakteren pciioua aus pccu in den Sprachen belegbar ist, sondern auch die umgekehrte in Fällen wie aksl. dohiflhkh «facultates — pccus», an. gripr «res pretiosa — armeutum», got. inaij'ms «Ge- schenk», as. iiii(hiiii «Wertsache, Kleinod» — mhd. inrldciti männliches, besondei-s verschnit- tenes Pferd». Und ganz dieselbe Bedeutungsentwicklung wie im Friesischen hat wohl selb- ständig auch im Altslavischen platzgcgritien, so daß das Nebeneinander von Geld» und «Vieh gerade im Russischen nicht auffallen kann; freilich, die Aufhellung von klruss. /, skof, altpoln. sl-ocicc usw. aus * skot- Mb «s^coius», lit. usw. sl:at)J:as «poln. Groschen-, ostpreuß. sJcoft, sjiotrr bleibt schwierig, nicht semasiologisch, sondern chronologisch: m. E. liegen hier alte, vielleicht wiederholte Entlehnungen aus dem Ndd. vor. wobei aber der Terminus von den Baltoslavcn wieder zurückgewandert ist und auf ehemals slavischem. im vor- geschrittenen .Mittelalter bereits germanisiertem Boden mit ndd. *scot, achot «direkte Steuer" (vnii as. sceolan = nM. scliirfcn «schießen, zusammenschießen>) sich kontaminiert, überdies ins Lateinische und vereinzelt ins Französische ver[>tlanzt hat. lO't Josef Janko. Von näheren Umständen seiner Herübernahme verrät uns das als germ. gedeutete altslav. sl-oh gar nichts, vermag somit die ilun von Peisl bei Vergil auf das cisalpinische Gallien hin; und so könnte als rhätisch-gallische Form plonum, die Quelle des lad. ^Z«/' und lomb. pih, während der äußerst engen kelto germanischeu Beziehungen ins Ger- manische gekommen und dort die anderen von Meringer statuierten Grundformen *pJö,j(iz und (nicht unbedingt nötig) *plo-foz durch analogische Nachbildung von Erb- doppelformen hinzugeschart'en haben. ^ Was Meringers Etymon angeht, so ist außer der jetzt auch von Wijk angezweifelten Bedeutungsentwicklung von *pJcjan «ackern» aus noch das bedenklich, daß lat. hu- hidcKs, sii-l/ulcii.< «Schweinehirt» u. ä. wegen it. Jn-folcor von der Mehrzahl der Forscher zu Wurzel hlndlc- (gr. f.1 kaum riclitig mit hin «dop|iell> und ftilrire «stützen» in Zusammenbang bringt: doch hätte jene von mir angeregte Etymologie keine üewoisknift für die slavische Urzeit, sondern nur für die Dauer der avarischen Beherrschung, und zwar insofern, als den mit den Avaren (z. B. auf dem Balkan) zugleich aufiretenden und d;us gemeii\same Vieh besorgenden, also damit wohl vertraulon Slaveii elien deshalb von den Lnteineni der Name «Vieh- hirten» gegeben wurilo. Würlor uiiii Siiclicn. I. H lOG Josef Janko. 309 die Basis seiner Etymologie dadurch, daß er Kluges Erklärung von wgm. plejan aus *(a)f-Iig(m zustimmt und das Pflügen für «ein gosclilcchtlich gedachtes Aufliegen» erklärt: hiermit hat er aber eine nicht weniger schwankende Grundlage gewonnen und sich überdies der Möglichkeit beraubt, ein unzweifelhaft urgerm. ^plo.jaz anzusetzen, welchem lautlich unversehrt bewahrtes got. (if-lanjaii widerspricht. Durch ein wirkliches, vielleicht nur westgermanisch-nordisches Lautgesetz (idg. dl- wird zu germ. tl- und weiter zu pl-) sucht jetzt v. Wijk a. a. 0. die einzige von ihm statuierte Grundform *plösaz unter Lostrennung von *jilejan mit idg. *dlögho-, ir. dlnifjim «scindo» in Beziehung zu setzen und von der «aufritzenden» Wirkung des Pfluges an- zugehen: als vorläufige Kritik seiner neuen Etymologien will ich jetzt nur anführen, daß sein' phonetisch jedenfalls mögliches Lautgesetz sich erst bewähren muß und daß er speziell in unserem Falle mit den nachweisbar ältesten phnjFonnen (bei Plinius, welchem er ebenfalls keine Beachtung schenkt, pJaninorati und im Langobardisch-La- teinischen pJovian u. ä.) sich offenbar nicht auseinandergesetzt hat. Was folgt aus der Sprache für den slavischen Ackerbau? Abgesehen von der späteren, nicht streng urslavischen Übernahme des Räderpfluges von Seite der praktisch- fortschrittlielien Slaven ist es von großer Bedeutung, daß letztere aus idg. Zeiten den ganz einfachen Pflug *r(idlo (vergl. rfniius «Ast») und dann aus urslavischer Zeit den «Haken pflüg» socJia (noch heute russ. poln. so) überkommen haben. Prof. Zubaty nimmt zwar hier wegen lit. szalä «Ast» skythisch-iranische Entlehnung an, ich selbst trete aber mit Strekelj {soclia = idg. *S9Jcm «das Schneidende» zu lat. saxum «kantiger Fels», an. sax usw. «Messer») für einheimischen LTrsprung ein. Ja, die Zoche ist aus dem Slavischen ins Deutsche *, von da ins Italienische {-oco), von dort erst m. E. ins Französische (soc, souclie) und ins Griechische (tCoxo?) gewandert — also ein zweiter wichtiger und nach Meringer gar nicht so einfaclier Kulturbegrifl'. Auch das spezifisch russ. losiilja «Haken- pflug» (vergl. Ivsa «Sense») deutet auf eiidieimische Entwicklung der zugehörigen Ety- mologie und (wenn wir daraus, gegenüber den sonst ini Slavischen beliebten Fremd- wörtern, einen Schluß ziehen dürfen) auch der zugehörigen Technik. Dazu gesellen sich dann noch andere, die Altertümlichkeit, ja Eigenart des slavischen Ackerbaues m. E. ziemlich deutlich bekundende heimische Termini, wie z. B. f/reda «Balken» und dazu südsl. grcdi'lj und russ. (jrjadilh «Pflugschar» u. ä. Ergebnis: Die slavischen Ackerbauverhältnisse können unmöglich unter dem Gesichtspunkte einer urzeitlichen turkotatarischen oder germanischen Knechtschaft be- trachtet werden, im Gegenteil: das Los der fleißig und selbständig arbeitenden Urslaven ist ohne Zweifel besser gewesen als das der ebenso eifrig ackerbauenden, aber den Ein- fällen der Nomaden tatsächlich ausgesetzten, wenn auch nicht in stetiger brutaler oder gar bestialer Kneclitschaft schmachtenden Iranier. 6. Von den linguistischen Nebenstützen der Peiskerschen Hauptthese seien noch zupa{m), Snierdi, Sclavus, NnnbCb, vitfzr. einer kurzen Prüfung unterworfen. a) Die uns nicht ganz klaren Wörter slav. injm, iupam faßt Peisker zwar mit Brugmann als Erbgut, sie sollen aber von den turkotatarischen, allein viehzüchtenden Herren der Urslaven nur für sie als die einzigen «compastores» in Anspruch genommen ' Unter phonetiseber Vertretung der sLiv. Tenuis (s) nirlit durch deutsche Tenuis leni.s, .sondern AlVricat.i forlis (ts = z). über Berührungeu der altuu Slaveii mit Turkülalaren und Ciermanen. 107 und so zur Benennung der fremden Herren- und Hirtenschicht, zum Zeugen jeuer ur- zeitlicheu Kueclitung geworden sein. Hier hat aber wiedei- eine mißverstandene Et\auologie den iaii7, liege ein *g7,pam = acech. Iipän, dann 2>üii) stellen, so müssen wir entschieden gegen die von Peisker als urslavisch er- schlossene Grundbedeutung der zujm als «Weiderevier», iupdui «Weidegenossen» als unerwiesen Stellung nehmen. Dasselbe tut übrigens auch A. Brückner, der jetzt (IF. XXIII, S. 217 f.) die Brugmann-IIujersche Erklärung in ziemlich scharfer Weise ab- lehnt, selbst das Wort hipai) «Beamter als Verwalter von Regalien» (dazu iupa \äelleicht erst neugebildet) für fremd, vielleicht avarisch hält und das cech.-poln. j)(in aus gekürztem *zpa)i {= magy. ispaii) erläutert. Ohne in dieser Frage ein endgültiges Wort sprechen zu wollen, möchte ich nur zu bedenken geben, ob wirklich aus *zpaii ein acech. (Jt)pdii und nicht vielmehr *spdn erwachsen wäre. Ich will also vorläufig das sonst so fein- fühlige Kriterium der Jersilbe in aöech. sc hpänem (= s^ ghpammh) unangezweifelt lassen und neben hipanh ein [/{lOpanh, durch Kürzung oder Kontamination auch z(b)pauo an- erkennen ; aus letzterem wäre südslav. spaii, nriagy. ispan, aus ersterem cech. (h)p(in, poln. jjaw (lit.pö«as) hervorgegangen. Was ferner das Avarische als Urquelle des Wortes ^»jwn betrifft, so ist es angesichts unserer Unkenntnis dieses Idioms schwer, darüber zu rechten; dagegen kann die Stellung des mit dem Avarischen verwandten Türkischen zu sla- visch zupan — nach folgenden, mir neuerdings von Rud. Dvorak mitgeteilten Argu- menten — kaum zweifelhaft sein. Im Türk.-Osmanischen haben wir zwar ein cohan «Hirt, pastor ovium et equorum», das alter selbst von türkischen Lexikographen als entlehnt angesehen wird; in der Tat ist es ein persisches Lehnwort, welches zu lat. pecu, ai. ^;a,s«-«Vieh», speziell zu altiranisch pasuman, jungavestisch fsniiid «Herden- besitzer» zu stellen und direkt auf neupersisch mhän «Hirt» zurückzuführen ist. Das einzige türkische Wort also, welches an slavisch iiipaii anklingt, ist nichts weniger als turkotatarisch: während es auf persischem Boden, wo Ackerbau und Viehzucht gleicher- weise gedieh, sachlich und ebenso etymologisch wohl begriffen wird, ist es vor allem kein all türkisches Wort, und auch das von Vämliery (siehe bei Peisker S. 290 A.) an- gpfidute, aber eigentlich mit einem Sternchen zu versehene Jiojhan (wobei Zusammen- bang mit alltürk. koj «Schaf» vermutet wird) ist nichts als eine hypothetische Projektion ins Alttürkische, die jedoch von keinem Wörterbuch verzeichnet wird. Es ist somit ganz unwahrscheinlich, daß überhaupt aus dem allgemein türkischen Wortschatze ein das slavische 'zupan bedingendes Cirundwort zu den Slaven übergegangen wäre; daß aber auch jenes persische Lehn- oder gar Originalwort nicht die gesuchte Quelle von htpaii gewesen ist, geht aus zwei Umständen deutlich hervor: einerseits ist die türkische Bedeutungsentwicklung des Wortes cobaii der des slavischen htpanh gerade entgegen- gesetzt, nämlich von «Hirt, Beschützer» sogar zu «bäurischer Mensch, Tölpel» herab- gesunken, andererseits linden sich in der orientalischen Transskription der arabisch- persischen Reiseschriftsteller die beiden Wörter, das slavische cnpun und das heimische, den Autoren geläufige rohun, genau ditVeren ziert, nämlich ersteres als r^c-j- = siiliand^. letzteres als o*;^? = roban geschrieben (vergleiche A magyar honfoglaläs kütfoi, 1V»0(>. 108 Jürifl' Jaiiko. S. 178 f.); und diese, der neugriechischen Unterscheidung des slav. iiqmm als ^ouJcävo? «praefectus proviuciae vcl civitatis» von T^o[j,;rävYjC, xaoTrävrj?, T^oTiävoc «Hirt» = türkisch roban ganz parallele sprachliche Distiiiktion erweist zur Genüge, daß auch von einer hegriff'- hchen Identität der beiden Wörter keine Rede sein kann, daß also dem slavischen supam vor allem andern der Grundliegritt' «Hirt, compastor» abzusprechen ist. — Dies alles hat uns in sachlicher Beziehung erst wenige Schritte weiter gefördert; doch soviel ist klar geworden, daß Peisker in diesem Worte vergeblich einen Anhalt für seine urzeitHche Grundlhese gesucht hat. b) Desgleichen ist Smcnli, der Name der aruss. und polab. (daleminzischen) Bauern- schicht, also einer der in etymologischer Hinsicht so heiklen Eigennamen, ein für Peiskers Zwecke nichtssagender Zeuge. Treten wir nämlich an urslav. smndi «plebei» mit ge- bührender A'orsicht heran, so können wir Ortsnamen wie c. Smrdor, Snirddkov, Smrddly (alle ohne Schwefelquellen) nicht übersehen, obgleich letztere nichts weniger als klar sind; verbleiben wir aber bei dem naheliegenden Zusammenhang mit swy-M?*'/« «stinken», so leuchtet ein, daß ein derart primäres Wort in keinem Fall von den «rasch slavi- sierten» Türkenherren erst geprägt werden konnte (S. 305), nein, diese hätten nur einen fertigen, altertümlichen Ausdruck, höchstwahrscheinlich einen Spitznamen der schwer arbeitenden Ackerbauer, aus dem Munde der Urslaven aufnehmen können. Die von Peisker angenommene Zweischichtung (Viehzüchter und Ackerbauer) wäre also, wenn anders sie überhaupt in der Urzeit bestanden hat, älter als die vermeintliche turko- tatarische Knechtung. c) Mißglückt ist ferner Peiskers Berufung auf den Bedeutungswandel von Slavus zu Sdarus, welch letzteres, ein erst spät nachchristliches Wort, zuerst nur einen Teil der Südslaven in byzantinischem Mund bezeichnete und seine Verböserung zu «Sklave» erst im lateinisch -italienischen Milieu, im 8. oder 9. Jahrhundert , höchstwahrscheinlich als Erinnerung an die avarische Knechtschaft und den damit verbundenen Sklaven- handel — auf uns im Detail unbekanntem Wege — erfahren hat. Einen retronoe- tischen Wert für die Urzeit hat das Wort natürlich nicht. d) Bei NeiiibCh halte ich aus sprachlichen Gründen an der Zeußschen Herleitung aus nhm «fremd» (bei Nestor) fest. Die regelrechte Ableitung aus Neimics. dem Namen einer wgm., ehedem wohl keltischen, später ganz westlich wohnenden Völkerschaft, würde eher altbulg. *NemeHe mit den entsprechenden Einzelreflexen ergeben. Die umgekehrte Bedeutungsentwicklung wie bei nemo findet sich übrigens in got. pindu «Volk», dann *Tjiidi «Germanen (Goten)», endlich altbulg. usw. stiizdi, . ,]„(} s„-,„_ sehr alt sind, obgleich es keinem Im Slovenischen lieil.il der Sklave i^zeiij, .'i Zweite) unterliegt, daß von einem Suffixe -h/i/o' (diese Form schon bei Dalmatin). siUnW. Das auszugehen ist. was namentlich aksl. «irrjn»*. ^Vort mit seinen Ahleilungen ist seil dem l(i. Jahr- ,.. ,-,;^,.;,. p. ,r/V--i>ii, klnruss. rjmeiih beweisen. Doch liundert in verschiedenen Ouellen und aus ver- der .\uslaul und seine Weilerentwieklung kommt sehiedenen Gebieten belegt (s. Pleter.snik. lijer niclit in Betracht. Für uns ist wichtig der Slovar) und gehört zu der von Miklosich EWh. Umstand, daß wir im Siovenisclien für {inä, mit dem als Adjektiv gebiauchten Partizip in{iiiut, mit einem anderen Präfix a(iiiat, auszuarbeiten hatte. Die Wortsippe weist zum mindesten zwei ganz verschiedene Bedeutungen auf: 1. von Sachen: angelehnt, lose angefügt, ohne feste Gnuidlage: 2. von Menschen; bockbeinig, störrisch, un- wirsch, stolz, zurückweisend, drohend. Es ist vielleicht keine unnütze Arbeit, den Lesern dieser Zeitschrift zu zeigen — da es sich herausstellen wird, daß die Lösung des Rätsels von der Kenntnis der «Sache» selbst abhängt — . wie sich für mich allmählich der Pfad zum Lichte ergab. Zunächst nnilite das Material uesichlel werden. denn das. was die bisherigen Wörterbücher liefern, ist keinesfalls geeignet, Klarheit zu verschaffen.' Bei dieser Gelegenheil konnte ich nicht nur in Hinblick auf die Bedeutung die zwei obenan- geführten Gruppen feststellen, sondern es stellte sich auch die Talsache heraus, daß die Woil- giu|ipe territorial begrenzt ist: sie erscheint in der Moldau und in den daran angrenzenden Gegenden der Bukowina und in Siebenbürgen. Nun mußte ich nach dem Ursprung suchen, da die Kenntnis der Etymologie in der überwiegen- den Zahl der Fälle tien Ausgangspunkt jeder semasiologischen Erklärung liefert. Was bisher vorgeschlagen winde, war sicherlich verfehlt^ und eine Umschau, die zunächst sich auf die Be- deutung bauen mußte, im Lateinischen, Roma- nischen und in den Nachbarsprachen blieb eben- falls erfolglos. Da das Wort aber allem Anscheine nach lateinisch ist — schon die -are-Konjugalion weist daiauf — , so wählte ich noch den letzten Weg, den der Rekonstruktion. Wenn man vor- derhand von der Bedeutung absieht und ein la- teinisches Wort rekonstruiert, welches dem ru- mänischen -fin, -are in der Form entsprechen soll, so gelangt man zu ten(it)o, -are. Dieses be- ' Die er^;te Erwähnung des Wortes findet sich bei Anonymus Caransehesiensis XVII. .lahihunderl), wo jedoch die angeführten Formen eiicin, encinnt un- iiberselzt bleiben, im Budaer Lexikon {lSiT>) wird intin, -are durch «aliquid leviter adligo erklärt. Dann fehlt das Wort liei I'olizu, Pontbriant. Cosli- nesru, Cihac und in den älteren Auflagen auch hei Harcianu. wo erst später hilinat angeführt und, des- gleichen wie bei ^äineanu, durch «lockers und «dumm- stolz» übersetzt wird, auläerdem beim ersteren auch ein afiiiat «hänf;enda erscheint. Dies wird auch bei Hasdeu ausgeführt und in einem Volkslied aus Siel>en- bürgen belegt; es fehlt aber bei Tiktin und DamtS welch letzterer inliiiat durch «qui tient h peinev und übcrllüssigerwelse noch durch «chanceUnt, tremblant, vacillant» übersetzt. - Von teuere, mit Konjugationswechsel (Budaer Lexikon), sreht es selbstverständlich nicht. .\ber aucli was Hasdeu in seinem Eiymologicum vorge- schlagen hat, ist zu verwerfen. Er geht von der Bedeutung «hängen» aus und meint, daß wir es mit einer Aldcitung von tfiiH.--: -orig zu tun hätten. Aber selbst wenn man (ür dieses Wort die Bedeutung «Bändohen» (statt «Kallslrick»^ mit Hasdeu nnnimml. so ist eine Bildung *. Doamna, incäpfi^inalä ^i tnfinntä cum erii, nu voi sä-1 asculte. Marian, Tradifii, 67. Daoä mirele voe§ie ca . . . sä nu i se Inlämjjle nimica. plätejte . . . färä . . . imiiolrivire . . . Daca insu mirele e un om hilixnt |i cärpänos, dacä se pune de pricina ^i nu voe^te de fei sä pläte.iscä . . . Marian. Xiinln, G()3. Mama, penlru ce se Jine Sandu-a§ä de inlinati' Sliu ca nu-i de Impärat! Tojbue, SdmäniHonil, vol. II. :28. De la sfänl-Väsiu a treia duminecä, l§i jucä Iclea Solomie nora . . . Solica jiä^eä niändrä ji alinatä, soacrä-sa o Jineä de dupä lap. V. R. Butioescu, Xoiia revistä ronntiiti, I, Siipl. II, pag. 30. Mä uil iiithint (= aspru). Pamfile. Jocitri. II ((Jlossar). Würicr mirt Snclieii. I. krachte es rings um ihn herum, auf ihn fielen uralte Stämme herab, die zugleich den Weg nach rückwärts und nach vorne versperrten, und auf den dem Tode Geweihten flogen nun die wohl- gezielten Pfeile der bis dahin gut versleckten «arca§i». Die ersle Schlacht, die überhaupt von der ältesten rumänisch geschriebenen Chronik überliefert wird, war eine derartige. Nur wenige Jahre nach der Gründung des selbständigen mol- dauischen Fürstentums, in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, entstand zwischen den Brüdern pETur und §tef.ax ein Kampf um den Thron : «Da Kasimir, der Polenkönig, das Land erobern und §telan einen Dienst erweisen wollte, gab er ihm ein Heer, mit dem dieser am ersten Juh ins Land einbrach. Und anfangs war das Glück auf ihrer Seite; später aber wurden sie von den Unsrigen überlistet und in den Urwald binein- gelockt. Da die Bäume längst des Weges iiitinafi waren, stürzten sie diese auf den Feind, und die- jenigen, die nicht daran zugrunde gingen, wurden lebend gefangen.»' Etwa um ein Jahrhundert später (1497) gebraucht der Fürst §lefan der Große gegen die Reiter des Polen .Albrecht die- selbe Kriegslist, die ihm den berühmten Sieg im Kosmincrwalde sicherte: §tefan, welcher erfahren hatte, daß Albrecht durch den Kosmincrwald ziehen wird, «bat Leute vorausgeschickt, daß sie den Wald Uifineze, damit er ihn auf das Heer herabstürzen könne, wenn die Polen in den Wald eingetreter. sein werden. Er selbst verfolgte sie mit dem ganzen Heere und mit zweitausend Türken. Und am vierten Tag holte er sie ein. im Augenblicke, wo die Polen in den Wald ein- getreten waren, Donnerstag, am iO. Oktober, und mit Gottes Hilfe . . . schlug er von allen Seilen auf sie los und, da er die copacii iiitina{i auf sie herabstürzte, wurden viele polnische Soldaten getötet, einige durch die [rumänischen] Soldaten, andere durch die sie wie in einem Netze um- zingelnden Bauern, und wieder andere durch die coparii iii(inati.** Bald, mit dem Aufkommen der Feuer wallen, wurde diese, jedenfalls sehr ;dle Kampfesweise aufgegeben und. soviel ich weiß. » Gr.Ureche. Lrfopi'.'«'/*,!«, 100. Auf der nSdulen Seile ist dieselbe Besclireiliung bei X. Cosün, mit vielen Einzellioiteii abpcdiuckt. Kl>onso bei Sinoai. Jhoiiiciil. I>. iU. 2 Ebenda. I:N. 114 Etymologien. wird sie nach flcm XVI. .laiiihunclcrt nicht mein- angewendet. Sie mnl'i jedenfalls selir alt sein und sie entspricht den Terrainverhiiltnissen dieser von Urwäldern bedeckten Gegenden. Leider fehlen uns alle Mittel, diese Kriegslist geschichtlich fih- alle Zeiten zu belegen; doch berichtet die itn Volke lebende Tradition bis auf den heutigen Tag darüber.' Wahrscheinlich wurde sie aber gerade zur Zeit der Vülkerwandernng ]iraktiziert : die Wälder mufaten den Einwohnern der Kar- pathenländer nicht nur die natürliche Zuflucht vor den plündernden Scharen liefern, sondern sie ver- wandelten sich, wenn sich der Feind in diese hinein-- wagte, zum Verbündeten des rumänischen Volkes. Ist die Annahme richtig, daß die mittelst copaci m{ina}i durchgeführte Verteidigungsart der allen Rumänen auf die Bedeutungsenlwicklung des Wortes mafsgebend war, so erscheint es nur natürlich, daß das Bild des «drohenden» Baumes auf den Menschen übertragen w^erden konnte. Fast alle Beispiele, die oben angeführt wurden, auch wenn sich das Wort auf Sachen bezog, enthalten diesen NebenbegrilT der «Drohung» und der «gegen einen Feind gebrauchten Hinterlist». Es ist nun auch nicht mehr schwer zu begreifen, dafä das Wort in{inä, welches in seiner allgemei- nen Bedeutung mit dem alten suhtiä (< snbtiliare) «dünn machen, verdünnen» und mit dem neueren släbl (aus dem Slavischen) «schwächen» zu- sammentraf, mehr oder weniger überflüssig wurde, und sich nur in einem speziellen Sinn, für den der oftmalige Gebrauch einen Ausdiuck erheischte, erhielt. Sextil Pu§cariu. Filis. batschlauna ^'pigna». Questa voce diFilisur e .-^tata ultiniamente citata dal Guarnerio, Appunti bregagliotti num. 90. Jo non potrei non mandarla insieme a bisiddna pannocchia, una voce che ho udita a Sorico (Lago di Como) e che ancora non conoscevo quando ' Marian, Trculilii, 24: Über den Tatarenein- bruch erzählt das Volk, daß die Siebenbürger und Mar- marrscheo Rumänen «als sie erfuhren . . ., daß eine Tatarenhorde über sie kommt, sich versammelten und einen Teil des Waldes auf den Bergen Opcioara und Täiarco, wo sie vermuteten, daß die Tataren vorbeiziehen werden, abzuhauen begannen, jedoch hauten sie den Wald nicht gänzlich ab, ci nnmui o hilinarn'. ebb! a parlare (Dialetto di Poschiav. tiO.") n) di batschlaiina. Ambedue le forme sono poi, salvo, il genere, gli esatti e(|uivalenti di bresc. horolä, mant. bocoldh, \')avm. bozzilaii , lomb. , piem. i/- {'•ulän ', buccellato, ciambella, dei quali v. iMussalia, Beitrag 40. Se questa voce poi sia un diretto derivato da buccella (Post. s. «buccella» : engad. biitsckella, e, con suffisso sostituito com. bisci- oeida, ccc), o rappresenti, con altra uscita, il pure lat. buccellatü (Post., s. v. ; engad. bil- bi- tsrhalö, ven. bozzolao, passato nel Voc., sie. gtic- ciddatu, cal. muccellato ^, ecc.), e cosa ch'io non so decidere, e clie del resto qui poco importa. Per il p- di certe forme cisalpine e trans- alpine, venute al valore di «pigna» (Guarnerio ib., Poschiav. ib.), io giä invocava l'enigmatico engad. piischa pigna. ^ Ma non parmi superfluo di ri- cordare che nel mezzogiorno occorron per «buccellato» delle forme come l'agnon. piccil- leäte, l'irp. piccilatieddii. alle quali tien burdone il lomb. -sie. puzzuddät, ecc.^ (Note lomb.- sie, num. 45 n.) II p- potrebbe avere la stessa ragione, a me per ora ignota, a sud e a nord.'' ' II c lombardo-piemontese non puu pero essere il normale rappresentante di ec, per cui in Lombardia vorremmo z (s) o s, nel Piemonte q. Ann voglio insistere nella possibihtä d' un *bucc(u)la, e suUa ulteriore possibilitä che -cd- avesse un diverso trat- tamento di -d-, Meglio sovviene che e in Lom- bardia e nel Piemonte biciUlk significa anehe «bag- geo, sciocco», e che in tal ufficio ha per sinonirao cQla dümb. anclie (.'uldn) . di cui v. Arch. glott. XVI, 237. - M'immagino che a muccelJata si venga atlra- verso 'mm- 'mb-, secondo quanto s'espone in Appunti merid, (St. rom. VI), num. 47. ' L'incertezza circa alla natura sorda o sonora del seh ci toglie di ragionare inlorno a cpiesla forma. Se si tratta di i, si potrebbe pensare a una estra- zione da un qualclie derivato di pice. Ma anehe potrebbe essere l'estratto di un *'pusella; dove e da ricordare bucella all. a bcccella (cfr. l'it. bocell- ac- canto a boccell-). ^ Nell'Abruzzo, v'ha pezzelle cialda, ciambella, per cui potremmo invocare bcccella, quando non insorgessero difficoltä dal zz (cfr. invece cal. , nap. azzettare accettare, ecc. ; voci in fondo letterarie). ^ Naluralmente per il nord, dati i significali, vi sarebbe una spiegazione non valida per il sud : la intrusione di iiesa, ecc, pino. : il campodolc. pis- olpta parrebbe addirittura un *piceolana; ma il breg. pashitm, non ])otrebbe esserlo in causa del .v Literatur. lü Quanto ai signifieati di hatschlauna, ecc. , si sappia die il «buccellato», sc i" una ciambclla, puü anche designare dei dulci di forma allungata o baculare, cosi un «biscottino», ecc, e dei «bis- cottini» sono appuiito i famosi bicioMh di Ver- celli.' Da ciö si capisce che ne sia venuto il significalo milanese di «fuseragnolo» , e anche quello gergale di «dito indice», a tacere di quello di «pene», a cui ci preparava dei resto una delle precedenti uote. Ma un confetto di forma rotonda e oblunga ben poteva prestare il suo nome e alla «pigna» e alla «pannocchia». Sopras. guoiia -chiodo». Non si puö veramente dire clie soddisfi molto la dieliiarazione ehe di questa voce tentava l'As- coli (Arch. glott. it. VII, 531). La parola doveva venire accolta non nella 1*, ma nella 3* sezione delle Annotazioni lessicali, quella che considera la rüde materia tedesca. Poiche in guotta non potremo ravvisare altra cosa che un derivato da guva spillone (engad. ('(/ua) che si radduce al ted. Giife, e per cui son da vedere Brands tetter. Das schweizerdeutsche Lehngut im Romontschen, 46, e Walberg, Fonetica di Celerina, § 53. Si rivede la base di qua dall'Alpi, come si ap- prende dal Guernerio, Appunti bregagliotti, num. 76. • Vic, veron. pendola "bietta, zeppa, cuneo deH'accia». La voce compare a Ycnezia c Belluno sotto la specie di penoh, e nel Friuli sotto (pielle di plniile e prgntdp ; il w della quäl forma tanto meno ci disturborä, in quanto il Friuli abbia anche pii/narölc (allato a penarole) astuccio per le penne. Sara da vedervi un derivato mediante /. Quanto alla forma vicentino-veronese, essa va con prnola , con quo.-;ta difTerenza che qui ab- bianio nn scompiato, mentre lä e stato distratto in ml come in altri sdruccioli degli stessi dia- letti: a. ver. cendamo cinnamomo (cixnamv.m; che andni t'orse col sdi dell'engad. ^iwc/ia. Sempre che dl non dia sl, come allrove in Lombardia c+cons. da s (Zsphr. f. r. Tliil.. XXII. 4S0n, Poschiav. 509, dove i' allegalo Tepiif). ' Del resto anclie la «ciambella» puu designare uu confetto di forma oblunga. Qui in Milano al- ineno, vedo nelle bacheche dei confcltieri dei piccoli biscollini indioati conio «cianibelline di Bolognas. v. Postille al Vocab. lat.-rom. s. w), ver. cdndeco canape ca.\.v\bis, che ho dal Dizionario botanico veronese di Lorenzo Monti. — Quanto alla eti- mologia (pi.vs.\ o penna), v. D'Ovidio, Zeitschr. f. rom. Phil. XXVIII, 537.' Mailand. C. Salvioni. Literatur. Walter O. Streng. Haus und Hof im Fran- zösischen. Mit besonderer Berücksichtigung der Mundarten. Versuch einer onomasiologischen Studie. Helsingfors 1907. Druckerei der Finni- schen Literaturgesellschaft. 168 S. 8°. Nach Art der Arbeiten von E. Tappelet, 'Die romanischen Verwandtschaftsnamen' und na- mentlich A. Zaun er, 'Die romanischen Namen der Körperteile", gibt der Verfasser, mit Beschrän- kung auf Frankreich, die Bezeichnungen von 'Haus und Hof. Das Material hat er namentlich aus Dialektwörterbüchern und natürlich aus dem .Atlas Linguistique geschöpft, das, was die älteren Texte in Vulgärs])rache oder in Latein geben, aber nur beiläufig namentlich nach Godefroy und Du Gange herangezogen. In der .\ulage folgt er seinen Vorbildern, teilt also bei jedem Begriffe ein in I. Lateinische Tradition, II. Galloromanisclie Neu- schöpfungen, A. Verschiebung, B. Spezialisierung einer allgemeineren Bedeutung, C. Merkmal, D. Entlehnungen, E. Dunklen Ursprungs. Der Stoff ist rrit Fleiß und Gewissenhaftigkeit ge- sammelt, die Beurteilung im ganzen und großen eine gute. Der Verfasser kennt die Lautverhält- nisse der Mundarten, die er heranzieht, zumeist so weit, daß ihm allzu grobe Mißverständnisse nicht begegnen, wenn auch freilich bei noch etwas größerer Vertrautheit gar manches, was als dunk- len Ursprungs bezeichnet wird, sich ohne weiteres aufklärt. So ist Schweiz, esro 'Dreschtenne' die Entsprechung des noch zu erwähnenden afrz. estre; afßage 'Baumschule" gehört zu aflier 'pfrop- fen' von *aptificare, worüber A. Thomas, M^langes d'elymologie franQaise ö, gehandelt hat. Wallis. Ulla Gartenbeet, kleiner Garten" ist tabula, champ. ' Circa airaffemiazione dei D'Ovidio (ib. 536» che non esista «pino» per «albero della nave>. mi acconsenia l'iUustre uomo di ricordargli il maggior pino dei Sepoleri di l'go Fiwcolo. Si trafta. i vero. di Ulla figura poetica. 15» Uf) Literatur. li/ü, lotr. ti/ozi 'geschlossener rieiiiiisegarten" daiisiim hezw. eine Ahleitiiiig davon, hing, oi/otte 'Zainr würde in der Reidisspraclie hayelte lau- ten usw. Wenig glütklich ist die Art und Weise wie Oll Gange benutzt wird. Man sollte, wenn man das in seiner Art ja unvergleichliche Werk her- anzieht, stets die Provenienz der Stellen berück- sichtigen und danach sie beurteilen, sonst kommt man zu falschen Auffassungen. Das gilt nicht nur von dem Verfasser, das trifft man auch sonst, namentlich iiei Nichtromanisten, daher hier ein- mal darauf hingewiesen werden soll. S. 14 Anni. figurieren zahlreiche als pnediuni nisticum be- zeichnete mittellateinische Ausdrücke, von denen die meisten in einer Arbeit, die sich auf Frank- reich bezieht, gar nichts zu tun haben, so worlh, wozu der Verfasser sehr unglücklich hortus, prov. wort vergleicht. Sclilägt man die Stelle nacli, so findet man ein Zitat aus den Weslminster- annalen : vilhi rq/ia, qiiae lingiia Anglontm Beo- dericheswurth, latine cero Beodriri corfis sive Iiabi- talio nominatur. Oder ein mwjeria einer aus Deutschland stammenden Urkunde ist eine 'Meierei'. Andererseits hat es natürlich gar keinen Sinn, Latinisierungen überlieferter französischer Wörter etwa aus Urkunden des XIIL Jahrhunderts anzu- führen, da sie uns ja nichts besagen, was wir nicht schon wüfaten. Und endlich darf man bei aller Bewunderung für das Interpretationstalent Du Ganges doch nicht vergessen, da& wir seit dem XVIIL Jahrhundert doch einiges zugelernt haben und ihn gelegentlich zu verbessern in der Lage sind. So ist das minagium, das er ah pfiedium übersetzt, vielmehr identisch mit minagium cni- porium, hat also an der Stelle, wo es Streng verzeichnet, nichts zu suchen. Etwas mehr Kritik wäre überhaupt ange- bracht gewesen. Im Jahre lüOl b.at ein gewisser Durrieux ein 'Dictionnaire elymologifjue de la langue gasconne' erscheinen lassen. Die Ety- mologien, die er gibt, sind fürchterlich, so soll hahre 'grande maison en mauvais etat' von einem bei Pape nicht verzeichneten griech. ößT,p 'großes Haus' stammen, hakcrat 'KuhstalP, das natürlich zu vacca gehört, von ßwv.o; 'Ochsenhirt", jouke 'Hühnerslair von Yjauyia 'Ruhe', arrume 'sorte de. muraille seche, cloture grossierement faite avec des pierres superposees Sans aucun ciment' von f,(i)|i-r] 'Stärke, Kraft'. Solchen Unsinn soll man doch einfach totschweigen oder energisch zuiück- weisen, nicht ilim mit einem schüchternen ? noch den Schein einer Möglichkeit geben. Nicht hesser steht es mit den Herleitungen aus dem Kehischcn. Der alte Favre, dei' von wissenschaftlicher Etymologie im allgemeinen und vom Keltischen im besonderen gar keine Ahnung hatte, stellt poitev. cliilos 'Haus' zu kelt. chil und auch das schreibt unser Verfasser nach und setzt nur ein V dazu. Was bedeutet dieses kelt. ddl, welcher keltischen Mundart gehört es an, wie hätte es im Gallischen gelautet, ist sein Anlaut derartig, dafs er im Poitev. zu cU würde? Dar- aus, daß zwei Wörter in zwei ganz verschie- denen Sprachen mit denselben Buchstaben ge- schrieben werden, folgt, auch wenn sie dasselbe bedeuten, doch noch nicht ihr Zusammenhang. Nun aber das Wesentliche. Die Aufgabe einer Arbeit, wie der vorliegenden, liegt in der Be- stimmung der Bedeutungsentwickelung und gerade hier fehlt es an der nötigen Genauigkeit. Die Schuld dafür liegt z. T. an den Quellen. Nament- lich die Dialektwörlerbücher lassen es häufig genug bei allgemeinen Angaben bewenden, so wird man z. B. oft nicht erkennen können, ob es sich ge- gebenen Falls um ein Landgut oder um ein Land- haus handelt; ob ein Stall nur für Kühe oder nur für Pferde oder für beides dient. Die Schuld liegt aber auch an dem Verfasser, er hat sich den Weg, zu erspriefalichen Ergebnissen zu ge- langen, selber versperrt, weil er von einer ganz falschen Seite an die Arbeit herangetreten ist. Er hat das wohl selber empfunden, denn er sagt in der Einleitung: 'man würde vielleicht erwarten, spezielle Untersuchungen in kulturgeschichtlicher Hinsicht zu finden. So wünschenswert es auch gewesen wäre, etwas kulturgeschichtlich Wert- volles zu bieten, habe ich, um meine Hauptauf- gabe, eine linguistische und, wenn man so will, psychologische Vorarbeit im Sinne Zau- ners zu geben, nicht aus dem Gesichte zu ver- lieren, mich damit begnügen müssen, nur hie ur}d da auf Parallelen zwischen den Ergebnissen meiner Untersuchungen und denen der Kultur- geschichte hinzuweisen'. Ziel jeder wissenschaftlichen Arbeit ist zu- nächst, möglichst gesicherte Resultate zu ge- winnen; erst dann wird es sich fragen, ob und Literatur. 117 wie diese Resultate ;;ur Erreichung neuer, wei- lerer Ziele verweiulbai- sind. Indem der Ver- fasser Zauners Arbeit zum Vorbild gencnimen lial, hat er sich der Möglichkeit, das erste Ziel zu erreichen, begeben. Er hat nicht erkannt, dafs der StoÜ', den er bearbeiten wollte, seinem innersten Wesen nach ein ganz anderer ist, in- folgedessen auch eine ganz andere Behandlung erheischt. Eine Nase bleibt immer eine Nase, ob sie nun grade oder krumm, r(jt oder blau sei ; sie sitzt immer in der Mitte des Gesichts: sie dient immer und nur zum Riechen, höchstens in gewissen Kulturkreisen noch zum Schnupfen. Es handelt sich also bei den Körperteilen um Gegen- stände, die durch alle menschlichen Generationen hindurch nacli Gestalt, Lage und Funktion un- verändert und unveränderlich sind. Wenn nun trotzdem die Benennungen wechseln, so liegen rein psychologische Vorgänge zugrunde, die auf Me- taphern und unter Umständen auf vermindertem oder gesteigertem Unterscheidungsvermögen be- ruhen. Ebenso bei Verwandtschafisnamen: Schwester ist die Bezeichnung eines Mädchens im Verhältnis zu den andern von ihren Eltern erzeugten Geschwistern usw. Ganz anders bei 'Haus und Hof. Ein Stall kann seine Form wie seine Bestimmung wechseln ; der Ort, wo das Heu aufbewahrt wird, kann sich neben dem Hause befinden oder im Hause oder er kann völlig unabhängig davon sein. Danach kann dann auch die Benennung eine ganz verschiedene sein. Tritt ein Wechsel der Form oder der Be- slimmuiig oder der Lage ein, so kann trotzdem die alte Benennung lileiben; es kann aber aucli die Änderung durch eine veränderte Benennung zum Ausdrucke kommen. Daneben können nun natürlich die bedeulungsgeschich.iruhen Vorgänge, die sich bei den Rezoichnnngen der Körperteile zeigen, auch eine Rolle s|)ielon. Es wird sich also vor allem darum handeln, in jedem ein- zelnen Falle festzustellen, was der Bedeutungs- änderung zugrunde liegt, sonst läuft man Ge- fahr, dem Psychologen falsche Münze in die Hände zu geben. Diese Gefahr zu vermeiden ist aber nur möglich, wenn man von der Kenntnis der Sachen ausgelit. Denn die denkbaren Be- deulungsänderungen sind gar mannigfiiltig, um nicht zu sagen unendlich, positive Wissenscliall aber kann nur verwenden, was wirklich ist oder doch wenigstens mit unseren bescheidenen Mit- teln sich als wirklich darstellen läßt. Das fehlt luin völlig. Der Verfasser operiert mit unbestimmten Ausdrücken statt mit kon- kreten Tatsachen. Man lese z. B., was S. 67 über ecurie gesagt ist, das an sich richtig zu erii ge- stellt wird. 'Man hätte es hier also wohl ur- sprünglich mit einem Raum für die Schilde, mit einer Schilderhalle zu tun. Eine Verschiebung von einer Halle, wo die Wände mit Schilden, Wappen geschmückt waren, zu einer solchen, wo die Streitrosse standen und wo es wohl kaum an Rüstungen fehlte, dann zu einem Pferdestall überhaupt, läßt sich auch gut denken.' Ich ge- stehe offen, dafä ich mir das eigentlich nicht denken kann : daß Schilderhalle, Standort der Streitrcsse und Rüstkammern drei zu verschie- dene Räumlichkeiten sind, als daß gewohnheits- mäßig die eine für die andere gedient hätte. Auf die Schicksale des Refektoriums im ehemaligen Kloster S. Maria delle grazie in Mailand, das Leonardo da Vincis Abendmahl enthält, oder auf die Franziskaner- Kirche in Ragusa, die heute z. T. als Tisch lerwerkstätte dient, und auf ja allerdings recht zahlreiche verwandte Falle in Italien wird man sich nicht berufen wollen, da einmal diese Fälle doch exzeptionell sind und da sie vor allem aus einer Kulturumwälzung hervor- gegangen sind, wie sie in der Zeit, wo Ecurie entstanden ist, nicht vorkommt. Man braucht sich übrigens nur irgendeine der mittelalter- lichen Burgen, an denen ja kein Mangel ist, an- zusehen, um sich von der Unmöglichkeit einer solchen Bedeutungsverschiebung zu überzeugen. Sie geht zudem sprachlich nicht. Afrz. esaierie ist nicht der Ort, wo die escu, sondern der, wo die escuier sich aufhallen, die Knappen, die bei den Pferden sind, und damit ist die Sache erklärt. Oder ein anderer Fall. Mehrfach findet man iecfuin für 'Rinderstall. Pferdestall. Sehweineslalf. nur selten und nicht ganz zweifellos für 'Schaf- slair. Mit der Bemerkung, es stehe hier 'pars pro toto", ist, wie gewöhnlich mit solchen Schl;»g- wörtern, gar nichts erklärt. Warum sagt man nicht ebenso Dach" für Haus ? Soll man an eine Redensart 'unter Dach bringen" denken";* Oder liegt nicht etwas ganz anderes zugrunde':- In den -Vlpen, z. R. im Fkims- und im Cismone- lal. gibt es Schulzvorrichtungen für Pfonle. Esel 118 Literatur. iiiiil Kindvieh, die tatsächlich nur aus einem auf einer eiits[)rechenden Anzahl von Stangen auf- gebauten Dach bestehen, denen das, was das Cliarakteristische für ein Haus ist, die geschlosse- nen Wände oder Mauern völlig fehlen. Ich habe, da ich mir der möglichen Wichtigkeit der Sache nicht bewufst war, versäumt, mich nach der Be- zeichnung zu erkundigen, aber 'Dach' wäre hier sehr passend und würde den Übergang zum 'Stall' erklären. Kür die Schafe, die offenbar weniger emphndlich sind, habe ich solche 'Dachställe' nicht gesehen; die Scliweine haben auf den Alpen vielfach ihre Lagerslellen unter dem weit vor- springenden Dache der Sennhütte.' Wenn also der Weg, auf dem die Bedeutungs- entwickelung zu ermitteln unternommen wird, nicht der richtige ist, so liegt es auf der Hand, daß auch die Zuweisung zu den verschiedenen Kategorien nicht immer richtig sein kann. Mansio 'Haus" wird der lateinischen Tradition zugeteilt, ustel in derselben Bedeutung als galloromanische Neuschöpfung, und zwar als 'Verschiebung" be- zeichnet. Aber die Trennung ist unbegründet. Lat. iiifinsio bedeutet 'der Ort, wo man bleibt auf Reisen, das Nacht([uartier , Nachtlager', berührt sich also darin sehr nahe mit hoxpitale, so dalä man auch Ijier von 'Verschiebung' sprechen könnte und zwar von einer galloromanischen, denn Italien, Rumänien und die Iberische Halb- insel kennen sie in diesem Sinne nicht. Es be- deutet dann einen 'Aufenthaltsort für Tiere', sub diu retibits inclnsa pecorum mcnisioiie heißt es bei Plinius 18, 23, vgl. dazu altdahnatinisch »iitsun 'Schafstair, südsard. masoni 'Schafstall, Schweine- ' In Verona, Mantua, Parma sagt man dalür barkessa, dessen nähere Zusammenhänge icli jetzt nicht darlegen will, von dessen ferneren ich zentralfrz. barz 'Schuppen aus Stroh oder Binsen zur Auf- liewalirung des Heus und der Keldgeräte' nur des- tialb nenne, weil es der Verf. S. ll'.t anführt, ohne es zu deuten. Ziigeliörigkeit zu barea 'Barke' ist aus mancherlei (irflnden ausgeschlossen. F'tacenl.pemdaiia übersetzt Foi'esti mit teltoia und erklärt es 'por- ticone ruslico sotto il quäle tiensi il bestiame bovino nella stagione estiva'. Also teltoia, eine Ableitung von tectum, tritt uns hier wieder entgegen, vergl. die Erklärung von tettoia bei Petrocchi 'un semi^lice tetto retfo da muri o colonne o altro per riparu dalla pioggia'. stall, Ziegenstall', in Brescia, Bergamo und sonst in Oberitalien und ebenso in Bari 'Hühnerstall". .\uch die mansiones aestivae, hibenitie, vernae und aatuniiialfü sind noch keine in. »iiiisons. Es gehört als maison genau in dieselbe Klasse wie hütel, und die Sache wäre im Sinne des Ver- fassers erledigt, wenn man sich mit solchen äußerhchen Klassifikationen begnügen will. Aber es ist eine Selbsttäuscliung, wenn man meint, damit eine Erklärung zu geben. Gesagt ist mit dieser Einreihung nichts und geholfen auch der Psychologie nicht. Der Verl'asser zeigt recht gut, daß maison das eigentliche Wort für 'Haus' in Nordfrankreich, hutel bezw. dessen Vertreter das für Süd- und Südostfrankreich ist, daß hotel aber auch in Nordfrankreich neben maison steht. Zwei Fragen waren in einer bedeutungsgeschichllichen Untersuchung zu beantworten: wie verhalten sich maison und hötel zueinander und weshalb die merkwürdige geographische Scheidung? Von der dritten, oder wenn man will, ersten Frage, warum casa schon vorhistorisch so stark eingeschränkt worden sei, sehe ich hier ab. Ich vermute fol- gendes. Maison bezeichnet ursprünglich das Stuben- bezw. Stubenküchenhaus, d. h. ein Haus, das eben nur als 'mansio' für den Besitzer diente, osfel dagegen ist ein Haus auch für Gäste, also ein großes, mehrere Zimmer enthaltendes. Natür- lich ist dann maison auf letzteres übertragen worden: im afrz. Alexius ist maison auch das Haus des Königs, wogegen ostel nur die allge- meine Bedeutung 'Unterkunft' hat an der einen Stelle 45 e tout fe diirrai: lit et ostel e pain e carn e vin. Mansio 'Haus' bezeichnet also einen ganz anderen Typus als hospitale 'Haus', beide stehen ursprünglich wohl in einem Gegensatz zu- einander, wogegen casa der übergeordnete allge- meine Begriff ist. Als nun aus Gründen , die ich vorläufig nicht anzugeben vermag, mansio zu- nächst da, wii es sachlich berechtigt war, casa verdrängte, konnte es, da ja eine Zeitlang casa und mansio annähernd gleichwertig nebeneinander standen, auch an die Stelle der casa treten , die eigentlich ein hospitale war. Das Verhältnis bei- der Wörter müßte auch im Gaskognischen unter- sucht werden. Nach dem Atlas Linguistique herrscht hier allein mansio, aber man .jraucht nicht einmal viel alte Texte zu lesen, es genügt, das Wörterbuch von Lespy - Raynaud aufzu- Literatur. 119 schlagen, um sich zu überzeugen, ihii oii.slriii früher gebriUichhch war. Besonders stark lassen die Kapitel über 'Stall" und 'Scheune', dank der Einteilung nach den mit der Sache in keinem Zusammenhang stehenden Ka- tegorien, jede Übersichtlichkeit vermissen und dadurch schwer zum Verständnis durchdringen. Worauf es ankommt, ist 1. sind Scheune und Stall in enger räumlicher Verbindung; 2. wie weit werden namentlich Pferdestall und Kuhstall auseinandergehallen? Von diesem Gesichtspunkte aus müßte die Gruppierung der verschiedenen Verschiebungen und Übertragungen vorgenommen werden. Für sich stehen natürlich prov. arsidou unä j)laso, die Mistral 'Stall, wo der Hengst steigt', übersetzt. Der Verfasser erklärt das eine als bildlichen Ausdruck, das andere als 'Speziali- sierung einer allgemeineren Bedeutung'. Das letztere ist richtig, und wenn man nun nicht er- fährt, ob und wie weit plaso^ wo es diese Be- deutung hat, auch in anderer üblich ist, da man sonst ja zu einem wirklichen Verständnis nicht kommt, so ist das nicht des Verfassers, sondern Mistrals Schuld, der nichts weiter ver- rät. Aber arsidou setzt deutlich ein arsi 'in der Brunst sein", speziell vom 'Hengst" voraus, d. h. also auch 'Spezialisierung einer allgemeineren Be- deutung" eines Verbums, während das Substan- tivum den 'Ort der Handlung" angibt. Und nicht weniger macht sich der Mangel an Anschauung geltend hei 'Scheune' und 'Heu- speicher und auch hier verwischt die Anordnung das Wesentliche. Überblickt man das gesamte Material, wozu noch manches nicht benutzte aus Gillienins Atlas kommt, so scheidet sich als eine deutliche Gruppe zunächst diejenige aus, die den 'Heulioden' als den im 'oberen Stock" befind- lichen bezeichnet. Der untere Stock enthält ent- weder den Stall oder die Wohnung. Nur z. T. wird der Kornboden geschieden vom Heuboden. Da das Korn nicht oder nur die kurze Zeit bis zum Dreschen in der Scheune bleibt, das Heu aber, namentlich auch das zweite erst nach dem Korn geschnittene, den ganzen Winter und das Frühjahr hindurch aufbewahrt wird, tritt bei klei- nereu Betrieben auch keine räumliche Schwierig- keit ein. In einer zweiten Gruppe besteht ein besonderer Behälter für das Heu, ein Heuschuppen, der neben den übrigen Gebäulichkoiton liest: in einer dritten scheint das Heu eingegraben zu werden. Um das Bild zu vervollständigen, kommt nun noch die 'Tenne' hinzu, die in der Scheune sein kann, und zwar zumeist unter dem Heu- boden , neben dem Stall. Danach scheint mir wäre der Stoff zu ordnen. Wenn nun im Loth- ringischen b^öi ausdrücklich mit 'grange oü Ton bat les gerbes' übersetzt wird, so heißt das doch olfenbar,, daß hetöi nicht jede beliebige Scheune bezeichnet, sondern eben nur die mit einer 'Tenne' versehene. Man kann also nicht wohl sagen, es liege hier 'pars pro tote' vor. Nur wenn der Ausdruck auch für eine Scheune ohne Tenne ge- braucht wird, ist das angänglich. Und das kommt vor. Die meisten Bauernhäuser meines Heimal- dorfes Dübendorf (Kanton Zürich) besitzen 'Tenneu- scheunen', und 'Tenne" ist denn auch die übliche Bezeichnung für 'Scheune'. Die meines Vaters, der nur eine Wiese, kein Ackerfeld besaß, hatte dagegen keine Tenne, der entsprechende Raum wurde als Remise benutzt. Es war also eine Scheune, Nun kam es allerdings vor, daß wir als Kinder den Ausdruck der Bauernkinder übernehmend auch von unserer 'Tenne' ge- sprochen haben, oder umgekehrt die 'Tenne" als Scheune bezeichneten, was unser Vater uns oft genug verwiesen hat. Hier liegt also eine aus den lokalen Verhältnissen erklärliche Verscliie- hung vor. Die umgekehrte Verallgemeinerung von 'Scheune" wurde dadurch erleichtert, daß man in der Stadt fast nur den .Ausdruck 'Scheune" (genauer 'Scheuer") kannte, wodurch sich für uns das Gefühl herausbildete, daß dieses das feinere, Tenne das gröbere Wort sei. Unter den verscliiedenen Ausdrücken will ich nur Uno hervorheben, das Gillieron auf engem Gebiete in Nievre und Saöne-et-Loire belegt. Es ist deutlich in-allo, entspricht also ziemlich genau dem kärntnerischen maiif 'Ohergemach' (Schmel- 1er r-, 16; Meringer, Mitleil. d. anthrop. Gesellsch. Wien, XXX, 104 f.). Dann sind, siinif, $na, das in zusammenhängendem Gebiete im Wallonischen, zersprengt in der Pikardie und im Westen vor- kommt, von wo es ins Brettonische geilrungen ist.i Die Etymologie ist auch hier klar, es ist > Henry hat in «ler Festschrift fiir .-Vscoli und im l.e.T. olym, brot. ilarin eine Enllehnunp aus ac-vH«»/ jresehen unil. an sich nicht unjwschickt, 4tie Loslösunp des (tr aus Yerwechslunf mit dem bret. Artikel er- ■20 Ijilrialur. (■oeinKiilitin. Das h:il Streng für pik. rlienail riclitig erkannt, liat aber nicht gemerkt, dafs die anderen Wörter damit idenliscii sind, liat aiuli ofl'enliar das Blatt des Atlasses noch nicht gehabt, wie ihm denn auch entgangen ist, daß Behrens ebenfalls noch nlme llücksicht auf die Angaben des Atlasses die richtige Erklärung schon gegeben hatte, Bausteine zur rom. Fhil.. S. 79. Wenn man nun an Hand des Atlasses die Verbreitung verfolgt, so sieht man, dafs sich von dem östlichen Zentrum eine schmale Linie durch den Süden der Departement Seine-et-Oise, Eure-et-Loire, Sarthe nach Mayenne zieht, wo die westliche Mafse beginnt. Während nun aber entsprechend dem, was man erwartet, im W^eslen der Vortonvokal e ist bezw. Schwindet, zeigt diese Verbindungslinie ein /, das lautlich nur in einem Teile der östlichen Mafse berechtigt ist, und auch das Suffix zeigt nur z. T. die Form, die man aus -arulu erwartet. Es handelt sich hier also um ein Wanderwort und es wäre die Aufgabe weiter Foi-schung festzustellen, wie die Wanderung erfolgt ist, bezw. wie das ursprüng- lich wohl über den größten Teil Nordfrankreichs verbreitete coenandnui verdrängt worden ist. Die Tatsaclie au sich, daß der lateinische Ausdruck in etwas verengertem Sini.e hier und nur hier geblieben ist, ist nicht ohne Bedeutung für die Geschichte des römischen Hauses. Daß man nicht einfach sich bei der durch den Atlas gegebenen Abgrenzung beruhigen kann, daß die Wortgeo- graphie nur dann wirklich fruchtbar wird und Wert hat, wenn man sie tunlichst zur Wortge- schichte umgestaltet, ist von dem Verfasser zu wenig bedacht worden. Kehren wir zur Tenne zurück. Sie kann auch außerhalb der Scheune liegen, was wohl im Süden häufiger ist als im Norden. Ich rechne hierher esro, das im Atlas Linguisti(|ue aus dem Kanton Waadl^ belegt ist. Mit diesem esro ge- hört zusammen lyon. Hro, ctre 'le balcon oü l'on klärt. Die französischen Diatektfornien lassen die sachlich ohneliin schwer zu vertretende Auffassung sofort als unrichtig erscheinen. ' Eine Bitte, die dem im Sprachenkampf Leben- den verziehen werden mag. Wo für die Schweizer Kantone deutsche Namen vorhanden sind, soll man sich ihrer in doutsclicn Werken bedienen, also nicht canton de Vaud, sondern Kanton Waadt schreiben oder nicht, wie ich einmal in VoUmollers .Tahresbericht gelesen habe, Grisons. sondern Graubünden. — Daß man den nur in dem kleinen deutsehen Obenvallis mel ä secher les fruits, Ic (jerroii, Fendroit sous Fauvent; le porche exterieur d'une eglise' etc.; dann auch das von Bridel schlecht geschriebene ffro:{A\n\ t'lri)) 'chalet des Alpes les plus elevees'; savoy. etra 'lieu ofi l'on serre les feuilles sechcs, le foin, la paille; ecurie". Für einzelne dieser Wörter vermutet der Verfasser lat. e.rtera [pars], verwirft aber die Vermutung wieder, für andere gibt er keine Erklärung. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß exiera bezw. extern zu- grunde liegt, da lautlich die Enlwickelung völlig korrekt ist und die verschiedenen Bedeutungen sich aus dem allgemeinen 'außen befindlich" am besten erklären. Damit ist denn auch die von Neumann seinerzeit gegebene Deutung von al'rz. estres als die allein richtige erwiesen. Auch einige Unterlassungen erklären sich aus dem Mangel an Sachkenntnis. Fournil wird von Sachs mit 'Bäckerei, Waschhaus auf dem Lande' übersetzt. Das Suffix beweist aber für den, dem die Suffixe nicht bedeutungslose Anhängsel sind, als welche sie unser Verfasser allerdings oft sehr zu Unrecht behandelt, daß die eigentliche Bedeu- tung ist 'der Ort, wo sich der Backofen befindet'. Nun wissen wir, daß gerade in Frankreich der Backofen ganz gewöhnlich in einem eigenen Bau neben dem Hause steht oder gestanden hat (vgl. Meringer, Das deutsche Haus, S. 19) und dieser Bau heißt eben fournil. In einer Arbeit, die von fe)iU, porcil usw. handelt, verlangt auch fournil. Behandlung und Erklärung. Vor 20- Jahren hätte Strongs Untersuchung viel weniger eingeschränktes Lob geerntet. Aber seit mehr als einem Dezennium zeigen, erst räumlich und geistig getrennt, dann geistig und räumlich sich nahe gerückt und sich gegenseitig anregend, Meringer und Schuchardt, daß man die sprachlichen Probleme, die sich an Sachen knüpfen, nur mit Kenntnis der Sachen behandeln darf. Der Verfasser hat sich leider auf den alten Standpunkt gestellt, und dadurch eine Arbelt ge- liefert, die, so fleißig sie das Material zusammen- stellt und so manches ja natürlich richtig ist, doch von neuem gemacht werden muß, wenn sie die Aufgabe, die er sich gestellt hat, und wenn sie andere, ebenso wichtige wirklich lösen will. W W. Meyer -Lühke. bekannten deutschen Namen Rotten niclit an Stelle von Rhone setzen soll, gebe ich oline weiteres zu, das ist aber etwas sjanz andiTcs. Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. Von J. R. Bunker i. Ödenburg. (Mit 4-7 Textribbilduiigen.) Im iiidustricreichen und aufstrebenden ^Farkte Köflach. der in einem Seitenteile des Kainachtales etwa 26 kiu direkt westlich von Graz liegt, hat die fortschreitende Kultur fast jede Spur des volkstümlichen Hauses verwischt. Ein einziges, das weiter unten zur Beschreibung kommen soll, ist noch übriggeblieljcn. In den vom Verkehr abgelegenen höheren Regionen der Umgebung von Köflach hat sich jedoch das Bauern- haus in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Die Gemeinde Kemetberg ist es, die mir in der Hauptsache das Material zu meinem Studium in reic hem Maße lieferte. Sie besteht aus 73 numerierten Häusern. Hiervon sind 55 Bauernhäuser, 13 Keuschen und 5 Sennhütten oder Oden. Die Sennhütten liegen außerhalb des Bereiches der eigentlichen Gemeinde in der Alpenregiou, die Keuschen oder Ausnehmerstübel finden sich zumeist in der Nähe der Bauernhäuser, seltener in größerer Entfernung von denselben, die Bauernhäuser selbst aber liegen, umgeben vom Stadel, kleineren Stallgebäudeu, Schupfen etc., die mit dem Wohnhause ein Gehöft, den Bauernliof, bilden, inmitten des arrondierten Grundes, der zum Hause gehört. Damit ist schon ausgesprochen, daß die Gemeinde Kemetberg kein geschlossenes Dorf bildet, sondern daß sie aus Einzelhöfen besteht. Das 1557 Joch umfas.sendc Gebiet, welches der urbar gemachte Teil der Gemeinde einnimmt — die lu'iher gelegenen Alpcnwiesen im Umfange von 488 Joch sind hierbei nicht eingerechnet — steigt von der Gemarkung der Gemeinde Lankowitz nach WNW iu einer Längen- ausdehnung von zirka (5 km ungefähr tiOO m an. Das Terrain ist also steil und zudem von tief einschneidenden Gräben durchzogen. Die Größe der einzelnen Bauerngüter ist, wie sich ergeben wird, sehr verschieden, im Durchschnitte werden sich 40—50 Joch annehmen lassen. Die über das ganze Ciebiet zerstreut liegenden 55 Gehöfte liegen je nach der (irül.se des (Jutes. das zu ilnu'n gehört, 5 — 15 Min. weit voneinander entfernt. Zur Zeit der Besieddung dieses Gebietes scheint die ganze Gegend Waldland ge- wesen zu sein. Die ebenen und sanft abfallenden Flächen wurden gerodet, die felsigoa und steilen Hänge jedoch sind als Waldland bis auf den heutigen Tag belassen worden. Die urbar gemachten, also die am besten gelegenen Gründe eines jeden der Bauern- güter sind denn in der Regel auch heute noch von einem Kranze steil sich erhebenden oder in Gräben abfallenden Wäldern umfaßt. Wörter und Sachen. I. 16 H^ 3. R. Bunker ■t»duiil)urg. Es ist mir in der n;arizen Geiiieiiide Kcmetberg mir ein Bauerngut untergekommen, auf dem sich nur ein einziges Gebäude erhebt. Es sehiießt die Wohn- und NN'irtschafts- räume unter einem Dach zusammen. Bei allen anderen Bauernbesitztümern fand icli stets mehrere Gebäude, ein Gehöfte bildend, beisammen. Das eine Gebäude ist das Wohnhaus und das zweite der Stadel. Als drittes schließt sich diesen beiden zumeist noch ein kleines (Jebäudc an, das zum Teil Wohn-, zum Teil Wirtschaftszwecken dient. Die Lage dieser drei Gebäude zueinander hängt ganz und gar von der Beschattenlieit des Terrains ab. Bei der Wahl des Ortes, worauf ein Gehöft angelegt wurde, scheinen liauptsächlich drei Bedingungen ausschlaggebend gewesen zu sein und zwar vor allem die Nähe einer Quelle, die das Brunnenwasser liefern mußte, dann eine vor der herr- schenden Windrichtung schützende Lage und schließlich die Möglichkeit, dem Wohn- hause eine günstige Richtung zur Sonne geben zu können. Wie sich dann die anderen Gebäude zum Wohnhause gruppieren sollten, muß als nebensächlich betrachtet worden sein. Man findet Wohnhaus und Stadel, die bei- den Hauptge- bäude, parallel zueinander an- gelegt, man trifft sie auch im rech- ten Winkel zu- einander liegen, dann sieht mau sie wieder hin- Aljbikluiii; 1. I'kiii dui- llulsUittc vom Kliegl-Gute. tereinander angeordnet, schließlich können sie auch ianz regellos angelegt worden sein. I. Das Kliegl-Gut. Es liegt ungefähr in der Mitte der Gemeinde Kcmetberg. Das Wohnhaus trägt die Nummer 6S. Zum Kliegl-Gute gehören nach dem Besilzbogen des Bauern 4tJ Kat.- Joch 1088 □ " Land. Das Besitztum setzt sich zusammen aus zirka 12 Joch Äckern, zirka 12 Joch Wiesen, zirka 12 Joch Wald, zirka 1 Joch Weide, zirka 9 Joch Alpen wiese. Der Viehstand, den das Gut ernährt, beläuft sich auf: 2 Stück Pferde, ü Stück Ochsen, (3 Stück Kühe, 4 Stück Terzen (junge Ochsen), 2 Stück Kalben, 5 Stück Kälber, 5 — 8 Schweine. Durch die Hofstätte führt, wie die Abbildung 1 ersehen läßt, ein Weg, der den Verkehr mit den benachbarten Gehöften ermöglicht. G ist das Gemüsegärtchen, W-H das Wohnhaus. Der Stadel, St, liegt vom Wohnhause 24 m ab. Das weitschichtige Bauen ist jedenfalls ein Vorteil in Feuersgefahr. Das dritte Gebäude, K-K, wird die Knechtkammer genannt. Im Erdgeschosse dieses Gebäudes werden die Schweine ge- halten. K deutet ein Kreuz an, vor dem ein Betstuhl steht. a) Das ^V'ohnhaus Abbildung 2 zeigt die A'orderseite, Abbildung 3 die Bückseite des Kliegl Hauses, Abbildung 4 gibt den Grundriß des Erdgeschosses und Abbildung 5 den des Dach- Das Baueniliaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 123 AliliilduMj.' -2. I)as Klieyl-Haus, \ ordersei te. raumes desselben Hauses. Wie inau aus der Ausiciit des Hauses, Abbildung 2, ersieht, erhebt sich das Haus auf einem steinerneu Unterbau. Dieser zeigt rohes Mauerwerk ohne Bewurf. Von der Untermauerung strebt das Zimmerwerk empor. Die Balken, aus denen die Zimmerung besteht, sind aus Fichtenstännnen sauber vierkantig behauen. Sie haben eine Stärke von 13 und eine Höhe von 20 — 25 em. Die untersten drei, be- ziehungsweise vier Balken sind an den Ecken des Hauses verkämmt, d. h. die Balken- köpfe stehen 12 — 15 cm über die Kanten des Hauses vor. Die darauf- folgenden sechs oder sieben Balken sind an den Hauskanten in Schwal- benschwauzmauier verzinkt. Die den Schwalbenschwanz bildenden Linien sind nicht gerade, sondern nach in- nen gekrümmt.^ Die obersten vier, bzw. fünf Balken sind wieder ver- kämrat, doch dergestalt, daß die übereinanderliegenden Balkeuköpfe sich überkragen, so daß die obersten Balken etwa 1 m über die Hauswände vorreichen. Die aus der Stirnseite des Hauses auf die angegebene Weise vorragenden Balken haben den die Zimmerung nach oben abschließen- den balkonartigen Gang zu tragen, während, die an den Traufsciten des Hauses vorstehenden Balken dem Dache eine verbreiterte Unterlage bieten, so daß es auch auf den Lang- seiten weit ausladen und die Wände des Hauses schützen kann. Der balkonartige (!ang weist in Abbil- dung 2 eine Brüstung aus senkrecht- stehenden Brettern auf. Mit senk- rechtstelienden Brettern ist auch jener Teil der Giebelwand verschalt. der mit der Zimmerung in einer \i,i,;i i,,,,,. ■• ki; .in., r ■ Ebene liegt, ebenso auch jenes oberste, ein Dreieck bildende Drittel, das mit der Gangbrüstung in einer Fläche sich befindet. Aus dem Dachraum fidnt durch die Bretterwand eine Tür auf den Gang. Rechts und links daran sind zwei Löclier, die die Stelle von Fenstern vertreten, ausgeschnitten. Sie werden „Gi(g(/a"' {Guchr, subst. liildung aus (jucke») genannt. Im Giebeldreieck sind ' Diese Art kun.^tvoller Ycrzinkung hat R. Meringer aus Mürzzuschlai-'. Milteilungen der AnUiropol. Ges. in Wioii (M. A. G.), BJ. XXIll, S. 1:«), Fiji. tiü, und später ich selbst aus der Gepend von Vorau, M. A.G., Bd. XXVII, S. 1S7, Fig. 1.57 u. I.jS, und auili aus Ohorkänilen, M. A.G., Bd. XXXII, S. 33. Abb. 13, FifT. (!, nachgewiesen. W» Ui .1. F.. Biinkei-Üilcnl) Abbildung 4. Giuiidiili des Erdgeschosses des Klieg -Hauses. I ; i>(«). vier kleinere Löcher angebracht. Sie führen zu den innerhall) der Bretterwand ange- brachten Taubenschlägen. Unter den beiden unteren ist ein Flugbrettchen zu ersehen. Das Dach ist ein Satteldach von mäßiger Steilheit. Der Winkel, den die beiden Dach- flächen am Giebel bilden, beträgt unerheblich weniger als 90". Diese Steilheit weisen mit geringer Abweichung fast alle Dächer in der Gegend auf, nur die Gebäude der am höchsten gelegenen Bauernhöfe haben steilere Dächer, um, wie mir gesagt wurde, es im Winter dem Schnee leicht zu machen, rasch abrutschen zu können. Das Dach des Kliegl-Hauses hat an keinem der Giebel eine A))walmung. Aus der iMitte der in Ab- bildung 2 sichtbaren Dachiläche schiebt sich über eine laubenartige Vorhalle ein Pultdach vor. Dasselbe besteht aus Schindeln. Dieses Schindeldach, welches jedeutalls wie die Vorhalle neueren Ursprunges ist, verlängert sich zwischen der Strohbedachung nach aufwärts bis zur Höhe des Kauch- schlotes und der daneben augebrachten Dachluke, welche Licht in das Linere des Daclnaumes gelangen läßt. Die nördliche DachHäche ist mit Schindeln gedeckt. Aus dem Grundriß Abbildung 4 ist zu erkennen , daß das Ilaus drei Räume in sich schließt. Von diesen drei Räumen ist nur jener aus Holz aufgeführt, der sich in Abbildung 2 dem Beschauer zu- wendet, die anderen beiden Räume sind durch starkes Mauerwerk in der Dicke von 57 cm eingeschlos- sen. Die Mauern bestehen aus- schließlich aus Stein. Das Mauer- werk der Rückseite des Hauses ist, wie in Abbildung 3 zu sehen, ver- putzt. Dasselbe Aussehen zeigt aucli das Mauerwerk der Nordseite des Hauses, während das Mauerwerk der Südseite nicht verputzt ist. Über dem IVLauerwerk erblicken wir wieder einen balkonartigen Gang. Seine Brüstung schmücken zierliche Aiisschnitte. Im übrigen ist die Verschalung des Dachraumes in dieser Giebelseite genau so durchgeführt wie in der vorderen Giebel- wand. Oberhalb des Ganges sind Stangen angebracht, auf welche die Wäsche zum Trocknen aufgehängt wird (Wtvdnclddnr/cn). Sie können an senkrechtstehenden Achsen nach auswärts gedreht werden, so daß die Wäsche durch die Sonne beschienen werden kann. Die dem Hause vorgelegte Laube, welche wie ein Pfahlbau auf Füßen in der Luft steht, betritt mau von der Vorderseite durch eine Holzstiege von 5 Stufen, von der Abbildunii (iiundriß des Daehiauiiies des Kliegl-Hauses 1 : 200. Das Bauernhaus der Gegend vun Köflacli in Steiermark. 12.". Rückseite durch eine steinerne Stiege mit 7 Stufen. Die Laube ist ringsum mit einer Brüstung verseilen, nur eine Seite, die dem Winde am meisten ausgesetzt ist, ist ganz verschalt. In dieser Wand befinden sich zwei quadratische Fenster, die mit Holz- schubein verschlossen werden können. Dieser laubenartige Zubau heißt das I\ßya)it/l, weil hier im Sommer die Mahlzeiten eingenommen werden. In einer Ecke steht der Siieisetiseli T. nur an den Wänden, die diese Ecke bilden, sind stabile Bänke, Ha u. Hai, angebracht. Ein solches P]ßgangel fehlt bei den wenigsten Häusern. Vom Eßgangel aus betritt man den mittleren Teil des Hauses. Er trägt genau denselben Charakter an sich wie der entsprechende Raum des A'orauer oder des Ober- kärntner Hauses, welch beide Häuser durch mich bereits beschrieben worden sind.' Er liat da wie dort auch denselben Namen und heißt d' Lalim (die Laube). Die Laube des Kliegl-Hauses besitzt ein Pflaster aus unregelmäßigen Steinplatten. Die Decke besteht aus zwei Teilen und jeder Teil aus anderem Material. Der vordere, bis zur punktierten Linie (siehe Abbildung 4) reichende Teil besteht aus einer einfachen Bretterlage, der rückwärtige Teil ist ein Tonnengewölbe aus Steinen. Die Laube ist wie im Kärntner und im Vorauer Hause durchgängig. Neben der Eingangstür befindet sich ein kleines Fenster in der Mauer. Es ist das einzige des Raumes und vermag diesem nur spär- liches Licht zuzuführen. Um die Laube genug zu erhellen, muß darum stets eine der Türen offen gehalten M'erden. Aus der Laube führt eine Stiege in den Dachraum. In der Laube findet man nur wenige (ierätc untergebracht. An der Stiege steht bei A -St der Ämstots'n, ein Zuber zum Abbrühen der Spreu [Am] für das Futter der Schweine. Bei M-T steht, eine Mehltruhe, bei K-T die Truhe für die Kleie, das Kleib'mfrKjl. Dahinter ist eine Nische in der Mauer zum Ablegen kleiner Geräte. Bei B-T lehnt ein Backtrog, die l'üclininJta' an der Wand. Von der Laube führt nach rechts eine Tiu' in den gi-ößten Raum des Hauses, in die Bachstuh'm (Rauchstube), so benannt wie der gleiche Raum im Oberkärntner und im Vorauer Bauernhause. Die Rauchstubc des Kliegl-Hauses ist 7,1 m lang, G,3 m breit und 2,s2 m hoch. Betritt man die Rauchstube, so kommt man in dem der Tür zunächstgelegenen Teil auf ein Pflaster von großen unregelmäßigen Steinplatten. Der übrige Teil der Rauchstube ist gedielt. Die Decke der Rauchstube ist ein sogenannter Sfiicl-po(l')i, d. h. sie besteht nicht aus einer einfachen oder doppelten Bretterlage, sondern aus einer Lage vierkantig be- hauener flacher Balken, die durch einen mächtigen l'nterzugbalkcn, dem Trtiwpaiii, w'elcher 33 auf 30 cm hoch ist, getragen wird. Diejenige Wand, welche die (üebelwand des Hauses bildet, ist von sechs Fenstern durchbrochen. Die drei größten derselben im Ausmaße von 41X45 cm liegen, wie sich am besten aus Abbildung 2 ersehen läßt, zu Unterst in einer Reihe, ein kleineres ist vereinsamt nach rechts aufwärts von dem am meisten nach links liegenden dieser drei Fenster angebracht. So wie die drei größeren ist auch dieses kleinere verglast. Es wurde wahrscheinlich erst später angebracht, um mehr Licht auf den Tisch gelangen zu lassen. Zwei weitere Fenster liegen dann schließlich noch in einer zweiton Reihe ziemlich hoch über den bereits besprochenen Fenstern. Sie sind nicht verglast, sondern nur mit Holzschubern versehen und dienen hauptsächlich dazu, den Rauch, wenn er in der Stube zu lästig wird, entweichen zu ' Vergl. M.AA',. Wien, Bd. .X.WII, S. Iti.V- l Vergl. M.A.G., Bd. XXXll, Abb. 38. Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 127 Herdes zu erkennen. Unter c ist eine zweite Nische und zwar in der Zwischenmauer angebracht. Diese Nisclie ist rechts, liniirn, befestigt. Darauf stehen ein Kruzifi.x aus Messing und ein Lämpchen. Bei h ist an der Unter- seite des Bankbrettes eine hervorziehbare Schublade, '.s- lYui/.hd'l, angebracht, welche Schusterwerkzeug enthält. Bei i ist zwischen Bank und Fenster eine linn- befestigt, ' Yergl, Meringer, Studien zur gerni.anischen Volkskunde I, in den M. .V. (J., Bd. .KXl. S. i07, Anm. 1. " Yergl. Meringer, Studien zur germanischen Volkskunde I, in den .M. .\. li., Bd, XXI, S, 106, Anm. I. 1-28 J. R. Bunker -Ödeiibuig. _ liiiiter welcher die Hacken zur Verkleinerung des Brennholzes stocken ( Hiiclni-Bon). Bei k und 1 sind zwei kleine Tragbretter ( Jicnir») angebracht, auf denen Wetzsteine, Feilen und andere Kleinigkeiten Hegen. Bei m und n sind Lederstreifen mit Schuh- nägeln derart locker angenagelt, daß hinter die Streifen die Eßlöffel gesteckt werden können, l'ber o ist ein Schüsselbrett, die ScJiiß'Isföirn. angebracht, auf welche die Schüsseln gelegt werden, wenn sie auf der Ofengreden trocken geworden sind. Über i ist ein gleiches Tragbrett für die Häfen, die Häf'nütölVn. Die Türe der Rauchstube ist in der Mitte horizontal in zwei Teile geteilt. Die obere Hälfte steht, wenn gekocht wird, wenigstens in der wärmeren Hälfte des Jahres stets offen, die untere geschlossene Hälfte M'ehrt den Hühnern und Schweinen den Zu- tritt ab. Über der Tür befindet sich ein längliches Rauchlocb von etwa 50 — 60 cm Länge und 20 cm Höhe. Das Rauchloch kann mit einem Schuber geschlossen werden. Der Rauch, der durch das Rauchloch oder den oberen Teil der Tür entweicht, wird außerhalb der Wand durcli einen aus Brettern gebildeten Rauchfang, der von der Decke über den oberen Rand der Tür herabhängt, aufgefangen, um ihn durcli den hölzernen Rauchsehlot abzuleiten. Es tritt uns hier also genau dieselbe Einrichtung entgegen, die ich aus den Kärntner und Wirauer Häusern a. a. O. beschrieben habe.^ Der dritte Raum, den das Haus in sich schließt, liegt zur linken Seite iler Laube. Es ist die Kitchi-lsfiihe, so genannt nach dem Kachelofen. Die Kachelstube ist unter- kellert. Der Keller wird durch eine Tür zu ebener Erde von der Hauptfront des Hauses aus betreten. Obwohl er nur niedrig ist, überragt sein Gewölbe doch das Niveau der Laube. Die Kachelstube mußte darum 45 cm höher angelegt werden als die Laube. Ihre Höhe, welche 2,33 m mißt, erreicht die Höhe der Rauchstube (2,82 m) nicht. Ihr Inneres ist mit einem Mörtelverputz versehen. Der Fußboden ist gedielt, die Decke stukkaturt. Rechts von der Tür befindet sich der Kachelofen. Er erhebt sich auf einem steinernen Sockel von 50 cm Höhe und besteht aus topfähnlicheu grünglasierten Kacbeln von der Art, die Meringer aus Mürzzuschlag in Bd. XXIII der M. A. G., S. 142, unter Fig. 67 abgebildet hat. Die Zahl der Kacheln, aus denen der Ofen gebildet ist, beträgt 69, der Durchschnitt der einzelnen Kachel L5 cm. Die Höhe des einem Kugelgewölbe gleichenden Kachelaufbaues mißt 96 cm, so daß der ganze Ofen (Sockel und Kachel- aufbau) L46 m hoch ist. In einer Höhe von 52 cm wird der Ofen von drei Seiten durch Bänke umfangen, die eine Breite von 40 cm aufweisen. Von den Bänken erhebt sich, den Ofen umschließend, ein Geländer (Of'ii-(ilainia'), an dem im Winter Wäsche und Kleider getrocknet werden. Das Geländer reicht nicht bis zur Stubendecke, da es nur 1,41 ra hoch ist. Der Ofen wird von der Laube aus geheizt. Der Rauch entweicht frei in die Laube und findet seinen Abzug gewöhnlich durch eine der beiden Laubcn- türeu und durch die Öffnung der Bodenstiege. Der beschriebene Ofen gleicht also voll- kommen dem, den Meringer in Bd. XXIII der M. A. G., S. 138, Fig. 57, abgebildet hat. In der Stube finden wir unter T den Tisch und unter Ba und Ba^, die Bänke im Tischwinkel. Über a ist ein Altar angebracht. Unter T steht ein zweiter kleinerer Tisch. B = Bett, Ko = Kommode, tljer U hängt eine Uhr. B ist das gemeinsame Bett des Bauern und der Bäurin. Die Kachel- stube ist das Wohngemach der Besitzer des Hauses. 1 Vergl. die Abb. 4.5 in Bd. XXXII d. M. A. U. Das Bauernhaus der Gegend von Ködach in Steiermark. 129 Abbildiiug j") zeigt den Grundriß des Dachraumes. Das Balkcngefüge der Haus- wände erhebt sich 44 cm hoeli über das Niveau des Dachbodens, bildet also einen niederen Kniestock. Diesen kniestockähnliehen Aufbau zeigt jedes Haus der Gegend. Ich habe diese Eigentümlichkeit als typisch auch beim Kärntner Hause nachgewiesen.* Der Dachraum des Kliegl-Hauscs zeigt dieselbe Einteilung wie das Erdgeschoß. Wenn man von der Laube über die Stiege, St, zum Dachraum emporsteigt, so kommt man auf den Lah'mpoil'n (Lauben-Boden), rechts davon liegt der Rauchstuben-Boden, links der Kachelstuben-Boden. Da der erstere etwas höher liegt, führt zu ihm eine Stufe empor. Zumeist ist dieser Beiden durch ein Schloß abzusperren, er heißt darum auch häufig der Sp/apod'ii (Sperrboden). Die drei Bodenräume sind in ihren untersten Teilen, so weit nämlich die Hauswände emporreichen, durch Balkenwände, in ihren oberen Teilen durch Wände aus senkrechtstehenden Brettern geschieden. Ln Lauben-Boden geht bei R der Rauchfang in den hölzernen Schlot über. Neben- (laran steht ein bottichähnliches Gefäß, das mir Sfofz'n genannt wurde. Davor steht eine Truhe, Tr. Bei H-Sch steht eine zweite, viel größere Truhe, die 2,16 m lang, 1,-55 m breit und 1 m hoch ist. Es ist der Häba'-Srliraiii (Hafer- Schrein), in dem der Hafer aufbewahrt wird. Daneben stehen bei a vier Spinnräder und vier Haspel. Der Rauchstuhen-Boden bildet die Vorratskammer des Hauses. G-Tr ist eine Gea'scht-Trug'n, Ko und K02 sind Kommoden, in denen sich Kleider befinden, K-Tr und K-Tr2 sind Kleidertruhen. Unter Z-Tr steht eine Zeugtrühe, die allerlei Werkzeug enthält, unter H-Tr und H-Tr^ sind Hafertruhen aufgestellt. G-Sch ist ein großer Getreideschrein ('Traw/-jS'cArai!«^, der in drei Fächer geteilt ist und ^^'eizen und Roggen enthält. Bei Sch-Tr steht schließlich noch eine Schmalztruhe und bei Ka und Kas stehen zwei Kästen. An den Bindehölzern der Dachsparren befestigt, hängt über F-H eine eigenartige Vorrichtung. Es ist ein aus starken Brettern gebildeter Pyramiden- stumpf, der wie eine Taucherglocke aus Holz über Manneshöhe im Dachraum schwebt. In dieser Kiste, die nach unten offen, oben geschlossen ist und den Namen ,, Fleisch- himmel" trägt, hängen bis in den Herbst hinein Selchfleiscli, Speck und Würste. An Stangen, die den Raum quer durchlaufen, hängt hier nocli allerlei Gerät und Werk- zeug: Sensen, Rechen, Sägen, Joche, Schnellwagen, Ketten, Glocken, Taschen, Schuaps- säcke u. a. Der Kachelstul)on Bollen war s. Z. wenigstens für die wärmere Jahreszeit die Schlaf kammer der Mägde. Drei Betten, B-B:!, stehen auch jetzt noch da. zudem unter Ko ein Koffer und unter KTr und K-Trs zwei Kleidertruhen. Ik'trachttn wir uns den Grundriß des Erdgeschosses vom Klieglllause. die Ab- bildung 4, nun nociunals, so ersehen wir, daß von den drei Räumen des Hauses zwei Feucrstclien besitzen, wiUu'end der eine Raum eine solche entbehrt. Es ist die Laube (oder der Flur), welche die Mitte des Hauses einnimmt, durchgängig ist und dem Hause den Charakter eines ,, durchgängigen MittelHurhauses" (von Meringer so benannt) gibt.* Zur (inen Seite der Laube liegt der Herdraiun, zur anderen der Ofenraum. Wir haben also im KliegI-1 lause ein ..Zweifeuer Haus" (wieder von R. Meringer so benannt') mit durch- • Veigl. die Bostlinihiin;; «loi- Humplor-K;uisilie in R.l. XXXII il.-r M..\.G., S. 30 (T. - Vergl. M. .V.U., m. XXlll, S. KU.. iMg. t.Ml. ' Dr. Rudolf Meringer, Die Slellung des bosnischen Hauses und Klyniologicn zun\ Hausrat. Siliungs- hericlde der kais. Akad. der Wisscnsdiatlen in Wien. Rd. CXI, IV. VI, S. i. Wörter und Snchoii. 1. ** 130 J. R. Bünker-Ödenburg. geheiuler feuerstellenloscr Laube vor uns. Diese einfache Form des Hauses beherrsclit heute die Gemeinde Kemetberg und wold auch ihre weitere Umgebung. Phasen weiterer Entwickelung kommen wohl vor, sie sind jedoch von geringer Bedeutung und zumeist auf neuzeitige Umgestaltungen zurück- zuführen. Das Kliegl-Haus kann also als der vorherrschende Tj'pus des Bauernliauses der Umgebung von Köflach angesehen werden. b. Der Stadel. Abbildung 7 gilit ein Bild des Stadels. Es ist ein vollkommen freistehendes mächtiges üebäude von 23,25 m Länge, 10,65 m Breite und 13 m Hohe und ül>ertrift't das Wohnhaus an Größe bedeutend. Das Erdgeschoß besteht aus 94 cm dicken Steinmauern, während die Wände des Obergeschosses, mit Ausnahme der vorderen Giebelseite, die Bretter- verschalung zeigt, aus Balken bestehen. Die Giebel des großen Daches sind ebenfalls mit Brettern verschalt. Das Satteldach, welches sich schützend über das ganze Ge- bäude legt, ist ein Strohdach. Das Erdgeschoß des Stadels, dessen Grundriß die Abbildung 8 bietet, besteht nur Abbildung 7. Stadel beim Kliegl-Haus. ibilduiig 8. Stadel lieiiii Kliegl-Hause, Enlgeschuß. 1 : iiUU. aus zwei Räumen: aus dem großen Stall und einem ihm vorgelegten vorhallenartigen Raum. Vorhallenartig nenne ich diesen Raum deshalb, weil er nach vorne zum größten Teil offen, nämlich nur durch ein Gatter aus Brettern abgeschlossen, zum kleinereu Teil mit Brettern obertiächlich verschalt ist. Hinter dieser Bretterverschahmg liegt eine Das Baueniliaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 131 Futterkammer. Sie nininit den kleineren Teil des Vorraumes ein und ist vom größeren durch eine Bretterwand geschieden. In dieser Bretterwand hefindet sich hei a eine Tür, welche auf hölzernen Rädern steht und so beiseitegeschohen werden kann. In dieser Futterkammer, die durch einen Bretterverschlag, dessen Höhe die Decke jedoch nicht erreicht, in zwei Teile geteilt ist, ist in der Decke über b ein Loch ausgespart, durch welches das Futter vom Obei-geschoß in das Erdgeschoß befördert wird. Unter- halb der Öffnung ist über c eine breite, aus Brettern gebildete Rinne angebracht, die in der Richtung des Pfeiles drehbar ist. Es kann also das Futter durch die Rinne ent- weder in den vorderen oder in den rückwärtigen Teil der Futterkammer dirigiert wer- den. Die gleiche Einrichtung treffen wir in einer zweiten Futterkammer, welche an der südlichen Ecke dem Stadel angebaut ist; dort ist d das Futterloch, e die Rinne. Der größere Teil des Vorraumes wird Wassdhof genannt. Das Vieh wässern heißt Abliililuni; '.I. .Stadel beim Kliegl-Hause, Obergeschoß. 1:200. SO viel, als es zur Tränke führen, es tränkin. «Wassa'hof» bedeutet demnach Tränk- hof. Bei Br steht in ilemselben der laufende Brunnen, aus dem das Vieh getränkt wird. Von diesem Vorhof aus fülut ein großes Tor in den Stall, ein zweites in der gegenüberliegenden Wand aus dem Stall ins Freie. Der Stall kann also durchfahren werden. Ein kleinerer Ausgang liegt in der Südwand des Stalles. Er vermittelt den Verkehr zin- zweiten Futterkammer. Fenster befinden sich nur in der südlichen Stall- wand. Alles weitere erklären die Einzeichnungen. Bemerken muß ich nur noch, daß die Kühe an die an den Wänden hinlaufenden Barren angekettet sind, während sieh die Ochsen in ihren Verschlagen frei bewegen können. Es ist dies eine Einrichtung, die ich auch in den Stadeln der Gegend von ^'orau, als auch in jenen Oberkärnteus ge- funden halu.' An die südwestliehe Ecke des Stadels ist unter einem Pultdache ein Schupfen au- gebracht worden, in dem die Obstpresse zur Erzeugung von Birnen- und Apfelmost stellt, ' Vergl. M.A.i;., IM. XXVll, S. 177, uiul \U\. XXXll. S. .">, (U und rC). 17» 132 l'i. rii'inkei-Odenburg. _ Der Stadel liegt auf unebenem Terrain, so daß man in das Obergeschoß, dessen Grundriß die Abbildung 9 bietet, durch das große zweiHügelige Tor in der Nordwand mit Wagen einfahren kann, während das Obergeschoß, wenn man den Stadel von Süden betrachtet, das Ausehen eines auf das Erdgeschoß aufgesetzten Stockwerkes be- sitzt. Diese Einrichtung ist für Kemetberg ortsüblich, die Slädel werden darum immer auf abschüssigem Terrain angelegt. Betritt man nun das Obergeschoß durch das große Tor, so gelangt man in die Tenne. Rechts und links davon liegt je ein Futterbarren, in die das Pleu eingelegt wird. Über der Vorhalle des Stalles ist eine Futterkammer. An der Nordseite ist vor dem hnksseiti^en Futterbarren ein Gang angebracht, der auch in Abbil- dung 7 zu erkennen ist. Auf dem- selben kann man vom Tennentor zum Eingang in die Futterkam- mer gelangen. An der Südseite des Stadels läuft ebenfalls ein Gang hin, der sich au der süd- östlichen Stadelecke zu einer zwei- ten Futterkammer erweitert. Dort steht bei F-St der Futterstock, mit welchem das Mischat, ein Ge- menge von Heu und Stroh, für das Pferd geschnitten wird; d stellt das Futterloch vor. St bezeichnet eine Stiege, die von der Tür in der südlichen Stallwand zum Gang emporführt. In Abbildung 10 bringe ich den Grundriß des Dachrau- mes. Der Dachraum ist durchaus un- geteilt und wird l'aida ge- nannt.' Zu ihm führt die rantapruch' n, welche in Ab- bildung 7 als eine beider- seits verschal- te und über- dachte Rampe zu erkennen ist, empor. Sie ist mit einem Doppeltor versehen. Aus Kärnten sind mir Stadel mit solchen Rampen wohl bekannt gewesen, ich habe davon zwei in Bd. XXXII der M. A. G. auf Seite 54 und 64 auch abgeiiildet und beschrieben, doch führten diese Rampen als Tennbrücken stets nur in das Obergeschoß des Stadels, nie aber in den Dachraum. Die Pantaprucke trat mir in Kemetberg als vollkommen neue Erscheinung entgegen. Dort kommt sie überall vor. Der Raum über der Tenne, den ich im Grundrisse, Abbildung 10, mit C bezeichnet habe, besitzt einen Boden aus starken Pfosten, der die Erntewagen, die über die Rampe einfahren, zu tragen hat. Bei A, B und D wird das Getreide aufgespeichert, bevor es zum Dreschen kommt. Es liegt dort nicht auf gedielten Böden, sondern nur auf Stangen, die quer über die obersten ' In Kärnten findet man sowohl den Dachraum der Wohnhäuäer, als auch den der Stadel stets durch eine Rrelterlage Iiorizontal in zwei Teile geteilt. Dort heifit dann der obere Teil des Dachraumes «Planta». Abbildung 10. .Stadel beim Khegl-Hause, Dachraum. 1:^00. Das Üaueiiiliaus der Gegend von Köflacli in Steiermark. 133 Balken der Zwischenwäude gelegt werden, wolclio die Höhe des Pfostenbodens von C erreichen. Die Stangenroste werden Tufl genannt. Dieser Stadel ist ein für die Gegend typischer. c. Die IvneelitkanHner. Abbildung 11 zeigt das diitte Gebäude des Kliegl-Hofes. Es ist ein kleiner zweigeschossiger Bau, wird die Knechtkamnier genannt und dient sowohl Wohn- als auch Wirtschaftszwecken. Das Erdgeschoß, dessen Grundriß die Abbildung 12 bringt, birgt die Schweineställe. Durch die in der Langwand angebrachte Tür betritt man den Fut- tergaug. Zu beiden Seiten desselben sind je zwei Ställe angebracht. Abbildung 13 zeigt den Grund- riß des Obergeschosses. Das Obergeschoß bildete die Wohnung der Knechte. 2. Das Hübler-Haus. Abbildung 14 bringt das Bild eines zweiten Hauses aus Kemetberg. Es hat die Nummer 48. Während im Kliegl- Hause nur die Kauchstube aus Holz war, sind hier alle Wohnräume gezim- mert. Die Zimmerung ist in gleicher Weise aus- geführt wie beim Kiiegl-Hause. Das Zimmerwerk des Hauses ruht auch hier auf einem Unterbau aus Stein. Balkonartige Gänge fehlen hier an den Giebelseiteu, doch ragt der Dachboden an den Giebelseiten in der üblichen Breite der Gänge, d. i. etwa 1 m, vor. Die Giebel- wände bestehen wieder aus Brettern. Das Dach zeigt an jedem der Giebel eine Abwalmung, die ungefähr auf ein Drittel der Dachlu)he herabreicht. Solche mit Abwalmuu- gen versehene Dächer nennt man in Kemetberg Pr/i'.sr/f-Dächer. Das Dach auch dieses Hauses zeigt zweierlei Deckmaterial. Während die im Hilde sichtbare, südliche Dachfläche aus Schin- deln besteht, weist die nördliche Daehlläche Dachbretter oder Dachläden auf. Die südliche Daehlläche ladet etwas weiter aus, da sie den an dieser Seite des Hauses entlanglaufenden Gang zu schützen hat. In der Mitte des Hauses erweitert sich der Gang zum EJjijaiifll. Über demselben springt ein kleines Dacli, das eben- falls eine Abwalmung aufweist, aus dem Haupt- daclie hervor. Im Dachboden dieses l^aehes über dem Eßgangel ist ein Taubensclilag untergebracht, ('her diesem Dach tritt ein zweites, kleineres, aus dem Hauptdache hervor. Es gehört einer Dachluke an. Auch dort betindet sich im Daehraume ein Abbildung 11. Die Kneelitkamnier beim Kliegl-Haus. Unit; I-'. Klit^'l. Knoiblkniiiiiicr (Erdgesi-holi). 1 : 1(10. 13.i J. R. Bünker-Üdenburg. B B, St Kneclilkammer Dang [=] ■$ All jilduiiäj: lo. Klieirl, Kiiechlkamiiier (Obergescholi). 1 : 100. Taubenschlag. Vor der Dachluke ragt aus der Dachttäche des Hauses der Rauchschlot liervor. Über denselben legen sich schützend wie ein aufgeklappter Pultdeckel Bretter, die gleichsam aus der Dachfiäche emporgehoben zu sein scheinen. Abbildung 15 bringt den Grundriß des Hauses. Im Eßgangel, dessen Dach auf vier Säulen ruht, steht ein Tisch, T, der von drei Bänken, Ba-Ba:;, und einem «Stuhl» umschlossen ist. Neben dem Eßgangel führt eine Stiege hinab in den Hof. Die Stiegen- öfi'nung kann durch eine Falllüre geschlos- sen werden, so daß man darüberhin an das Ende des Ganges gelangen kann. (iegenüber vom Eßgangel fiilu't die Haustür in die durchgängige Laube. Es fällt hier auf, daß rechts und links von der Laube die Zimmerung aussetzt und durch eine Ver- schalung von stehenden Brettern ersetzt ist. Ich liabe diese Einrichtung nicht nur in Kärnten gesehen', ich fand sie auch in Ke- metberg noch bei einem zweiten Hause und werde au zustehender Stelle darauf aufmerk- sam machen. Auch diese Laube hat nur ein Fensterchen. Es ist links von der Eingangstür angebracht, mißt 30 cm in der Breite und nur 21 cm in der Höhe, hat keine Verglasung, sondern ist nur durch einen hölzernen Schuber zu schließen. Die Laube des HüblerHauses ist gedielt. Ihr Stuck- boden (die Decke) wird von drei Tramen getragen. Von der Laube führt liei St eine hölzerne Stiege zum Dachraum hin- auf. Wie in vielen anderen Häusern befinden sich die Betten der Mägde hier nicht wie im Kliegl-Hause auf einem der Dachböden, sondern in der Laube und zwar drei an der Zahl: B-Ba. Im Winter kommen sie wenigstens zum Teil in die Rauch- stube. Außerdem finden sich in der Laube noch eine Truhe, Tr, ein Hack- stock, H-St, und bei Ka ein Verschlag mit einer Tür, der mir Kasten ge- nannt wurde. Darin ist allerlei Werk- zeug untergebracht. Über der von der Laube nach rechts führenden Tür ist wieder ein Rauchloch zu erblicken, das 49 cm lang und 1 S cm der Rauchfang fehlt über R nicht. Die Rauchstube ist 7,44 m lang und (),55 m breit. In der Gielielwand befinden sich drei mit Glas versehene Fenster in einer unteren und zwei mit Holzschubern AbbiiduiiK li. Das lliibler-llaus. och ist. Auch • M.A.G., Bd. XXXII, S. 264, Abb. 191. Das Liauurnliaus der Gegend von Küflach in Steiermark. 135 ausgestattete Rauchfenster in einer oberen Reilie. Die zwei letzteren fallen in Abbildung 14 in den tiefen Sehlagschatten des vorstehenden Dachbodens und sind deshalb im Bilde nicht wahrzunehmen. Die südliche Wand der Rauchstube weist drei Fenster auf. Davon ist das der Tür zunächst gelegene kleiner als die anderen beiden, welche denen in der Giebelwand an Größe gleichkommen (42 cm breit, 48 cm hoch). Das kleine Fenster mißt nur 27 cm im Geviert. Die Bäurin sagte mir, daß auch alle anderen Fenster diesem gleich waren, der Vater hat sie jedoch vergrößern lassen. Jener Teil des Fußbodens der Rauchstube, der vor dem Herde liegt, besteht wieder aus einem SteinplattenpHaster, der übrige Teil ist gedielt. Die Decke ist ein Stuck- boden. H-A und H-A2 = Holzasen, über e ist die Spannsi-n. B-0 = Backofen, H == Herd, bei a Kesselreid, bei b die abgestufte «Ofengrcad'n > mit den Salzstöcken. Ihr ist wieder eine Hü = Hühnersteige vorgelegt. S-K = Saufulterkessel. Von den weiteren Einzeichuungen erkläre ich luu- kurz: T = Tisch (1,2H m lang, 1,22 m breit). In der Nähe des Tisches sind bei e und f Loflchemen angebracht. Bei d steht ein Eckschränkchen auf der Bank im Tischwinkel. St und St2 sind «Stühle», Ba und Baa die 45 cm breiten stabilen Bänke. Tr = Mehltruhe, W-B =Wasserbank, M-K = Milch- kasten. Br^ Brunnen. Rauch- stuben mit Brunnen gibt es auch in Kärnten vielfach.* Jener Teil des Hauses, welcher vqn der Laube nach links liegt und der im Kliegl- Hause nur einen Raum um- schließt, ist hier durch eine Mittelwand in zwei Räume ge- schieden. Eine solche Unterteilung an dieser Stelle des Hauses konnnt in Kemetberg häufig vor. Die scheidende Wand ist eine Balkenwand, deren einzelne Balken exakt in Schwalbenschwanz -\'erzinkuug in die Plauptwände des Hauses eingefügt sind. Die Errichtung der Kammer neben der Kachelstube ist in diesem Hause eine ursprüng- liche. Darin, daß dieses Haus vier Räume von verschiedenem Charakter umschließt. steht CS in Hinsieht auf seine Ausgestaltung über dem Kliegl-Hause. Der Eingang in die Kachelstube befindet sich der Rauehstubenlür schräg gegenüber. Die Kachelstube ist gedielt und hat wie die anderen Räume des Hauses einen Stuck- boden als Decke. In der südliehen Wand sind drei Fenster angebracht, wovon zwei bereits vergrül.^ert wurden (4:1X44 cm), das dritte aber die ursprüngliche Größe, 27 cm im Geviert, noch aufweist. In der westlichen Wand der Stube befinden sicli fünf Fen- ster. Drei davon liegen in einer unteren Reihe, sie messen 27 cm im Geviert, und zwei in einer oberen Reihe (2ÖX25 cm). Die Einzeicbnungen erkläre ich wie folgt: 0 = Kachelofen mit tojifförmigen Kacheln, B und Ih = Betten, Ko-Kos = Kommoden, Abbililun,!,' 1-"). Wohngeschoß des Hiibler-Hauses. 1 : 100. ' Vord. in 1!,1, XWIl ,1. .M..\,(i. ilio Orumlrissc Al.h, '.>7. U uiul :>!». 136 J. R. Btitikcr-( )(li'iibiirg. - Ka = Kasten. Tische uivl Bänke felilcn liier, ein Zeichen dafür, daß die Stul)e nur als Schlafgeniach dient. Die Kammer ist eine Vorratskammer. Tr-Tri = Truhen. Licht erhält die Kam- mer durch drei Fenster. Eines dersell:)en liegt in der nördlichen Wand und zwei in der westlichen Wand und zwar auffallenderweisc genau senkrecht übereinander. Die Laube, die Kachelstube und die Kammer sind unterkellert. Die Ein.uangstür betindot sich in der Hauptfront des Hauses. 3. Das Alpenbauer-Haus. Das Alpenbauer-Hans, dessen Ansicht die Abbildung lü zeigt, ist eines der am höchsten gelegenen Häuser der Ciemeinde Kemctberg. Es trägt die Nummer 62. Das Haus ist ganz aus Holz erbaut, nur der Unterbau, der einen Keller und einen Schafstall einschließt, besteht aus steinernem Mauerwerk. Die Schweine sind hier außer dem Hause in einem kleineren Zubau untergebracht, der links unten in Abbildung 16 zu sehen ist. Die rückwärtige Giebelwand dieses Hauses ist ganz genau gleich wie die vordere. An der südlichen Langwand läuft ein Gang in der ganzen Länge des Hauses hin. Das Dach des Hauses besteht aus Dachläden. Wie aus dem Grundrisse, Abb. 17, zu ersehen, war das Haus seinerzeit dreizclüg. Es ist an ihm eine einfache Veränderung vorgenommen worden, die uns zeigt, wie Häuser, die einst die möglichst einfachste Au.?gesta]tung zeig- ten, zu Häusern von ent- wickelterer Einteilung umge- staltet werden können. In der Mitte des Hauses liegt die durchgängige Laube. Sie ist gedielt, hat eine ein- fache Bretterdecke und erhält Abbildung l(j. Das Alpenbauer-Haus. Abbildung 17. (irundriß des Alpenbauer-Hauses. 1 : 200. durch zwei Fenster (25X25 cm) Licht. Aus der Laube führt bei St die hölzerne Stiege zum Dachboden empor. In der Laube ist nur ein Bett B und eine Truhe Tr unter- gebracht. Bei R hängt der Rauchfang über der Tür. Rechts von der Laube lag ehemals wie in den bisher besprochenen beiden Häu- sern, eine Rauchstube. Sie maß 6,8 m iu der Länge und 5,95 m in der Breite. In der südlichen Wand hatte sie drei Fenster. Das mittlere davon ist heute vermacht. Die Rauchstube ist vor mehreren Jahren unterteilt worden. Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 137 Die Abteilung wurde so vollzogen, duß man die vordere Wand des Backofens, d. i. jene, in der sich das Ileizloch befindet, bis zur Decke der Stube erhöhte. Da der Backofen im Winter nur zeitweilig geheizt wird, mußte für die durch die Abgrenzung neu- gewonnene Stube ein Ofen errichtet werden. Er wurde an den Backofen im rechten Winkel angebaut. Jene zwei seiner Wände, die in den Kochraum, der jetzt «Kucliel» d. i. Küche heißt, hineinragen, wurden ebenfalls bis zur Stubendecke emporgebaut, ferner auch jenes Stück Mauer, das vom Ofen bis zur Tür reicht, die die Küche mit der neuen, der vorderen Kachelslube verbindet. Die Tür selbst befindet sich in einer Bretterwand, welche den Abschluß der abteilenden f^inie bildet. Backofen, B-0, und Herd, H, nehmen ihren angestammten Platz auch jetzt noch ein. Der Herd hat nur einen Einschnitt erhalten, der es ermöglicht, daß man aus ihm den Stubenofen, der ein Kachelofen ist, bequem heizen kann. Bei a steht die Kesselreid'. Auch die Wasser- bauk, WB, und den Saufutterkessel, S-K, finden wir an der gewohnten Stelle. Im vorderen Teile der ehemaligen Rauchstube ist auch alles l)eim alten geblieben, der Tisch, T, die Bänke, Ba und Baa. Über dem Eckkästchen ist bei A ein Altar er- richtet worden. Das Bett, B, wird früher, wenigstens im ^\'inte^, ebenfalls an derselben Stelle gestanden sein. Der Milchkasten, M-K, nimmt aucli seinen alten Platz ein und selbst die Hühnersteige, Hü, finden wir in der Stube noch gerade so vor wie die «Luagi b in der Backofenwand, wo die Oluckhenne ihre Küchlein ausbrütet. Geschwunden aus der Stube sind nur die Holzasen. Um die Spuren der ehemaligen Kauchstube zu verwischen, ist der allgetrennte Raum mit Kalkmilch geweißt worden. Wie ehedem die Rauchstube, so ist jetzt die neugewonnene Kachelstube der Sammelplatz aller Hansbewohner. Es können jetzt hier auch im Sommer die Mahl- zeiten eingenommen werden. Ein Eßgangel ist bei diesem Hause überflüssig geworden. Wir finden hier also den Teil der ehemaligen Rauchstube, der den Herd, den Backofen und den Saufutterkessel enthält, durch die Einschachtelung der drei Feuer- stellen zur Küche herabgesunken. Der Raum dient nur mehr Kochzwecken. Es mag hier schon erwähnt sein, daß die Unterteilung der Rauchstube in der besprochenen Weise in der Gemeinde Kemetberg durchaus nicht vereinzelt dasteht, man kann sagen, daß sie in gleicher Weise in der Mehrzahl der Häuser vorgenommen worden ist. Die ursprüngliche, jetzt hintere Kachelstube (ies Alpenbauer-Hauses zeigt noch ihr altes Gepräge. Der Ofen, O, ist ein Kachelofen aus topflormigen Kacheln. Er wird von der Laube aus geheizt. Der Rauch entströmt frei in die Laube. Mit .Vusnahme des Tisches, T, den Bänken, Ba und Ba.», und des «Stuhles», St, sind die Möbel willkür- lich angeordnet. Ich erkläre noch: B und Bs = Betten, Ko-Kos = Kommoden, Ka = Kasten. 4. Das Schriebl-Haus. Abbildung 18 zeigt uns ein viertes Haus aus Ivcnietberg, das Schriebl-Haus. Seine Nummer ist 35. Parallel zum Wohnhause gelegt erhebt sich der große Stadel. Beide Ciebäude sind durch eine Brücke, welche vom Dachraume des Wohnhauses in das Obergeschoß des Stadels führt, verbunden. Ich beschränke mich hier nur auf die Be- schreibung des Wohnhauses, da der Stadel jenem beim Kliegl Hause ganz ähnlich ist. Es liegt, wie aus der Abbildung 18 zu ersehen, auf abfallendem Bodeu und zeigt darum die Eigentümlichkeit, daß es, von der einen Langseite betrachtet, wie ein ebou- Wurtcc uud Sachen. I. 16 138 J. R. Biinkcr-Odeiiburg. Abbilduiiu- 18. Das St-hriebMIau. aiil ,kl. erdiges, von der anderen besehen, wie ein zweigeschossiges Haus aussieht. Die Woiin- räume bestehen durchwegs aus Holz. Die Unterniauerung scliließt einen Jveller und die Scliweineställe ein. In der Cüebelseite erblicken wir zwei (iänge. Der untere der beiden setzt sich an der ganzen Südseite des Hauses fort und erweitert sich am Ende des Hauses zu einem mit Brettern verschalten Eßgangel. Das Dach ist ein Strohdach, aus dessen südlicher Fläche sich der Rauchschlot und eine Dachluke erhel)t. Der Gruudriü des Hauses, Ab- bildung 19, zeigt uns fünf Räume. Denkt man sich jedoch alles weg, was nicht urspiünglich am Hause ist, so bleiben nur drei Räume übrig, die genau den drei Räumen im Kliegl- Hause entsprechen. Das Haus kann entweder vom Gang oder von der .Stadelseite aus betre- ten werden. Wir gelangen in die Laube, die sonach wieder durch- gängig ist. Die Laube ist verhält- nismäßig schmal. Sie hat als Decke einen Stuckboden, als Fußboden ein Steinplattenpflaster. Darin finden wir nur bei St die Bodenstiege, über R den Rauchfang, bei Ba eine Bank und bei Ka einen Kasten. Unter dem Rauchfang führt die Tür in die Rauchstibe. Herd, H, und Backofen, B-0, zeigen die Konstruktion der schon besprochenen gleichen Objekte, a = Kessel- reid', 1) ^ Herdmäuerchen, auf dem der «Muasa> (Mörser) steht; e = «Herdgread'n» mit Salzstock; bei d ist eine « Luag » in der Backofen- wandung, in der die Hühner brüten und auch die Katze zu gewisser Zeit ihr «Nest» hat; e = Holzasen, f = Fleischselch, g = Schüssel- korb, h = «Hef'nstöirn», i ■■= Löffelrem, k, 1 und m = verschlagene Fenster. S-K = Saufutterkessel. Daneben steht das «Kaspel»-Faß, KF, Ba-Bai = Bänke; Sp-K = mitten im Sommer ein Bett. Den von der Laube links liegenden Raum fand ich nach dem Muster des Hübler- Hauses in zwei Teile geteilt. Die Wand, welche die Teilung vornimmt, ist jedoch nur eine Bretterwand und neu. Der kleinere Raum ist eine Kammer, der größere eine Kachelstube. Letztere konnte ich nicht betreten, da die Stube in Abwesenheit der Bauers- leute, denen sie als Schlafgemach dient, verschlossen war. Es fehlen darin im Grund- risse die Einzeichnungen. Die Stube wird durch einen eisernen Ofen geheizt. Abbildung 1'. Speisekasten. Bei B fand ich in dieser Rauchstube selbst Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 1 :'/.> In der Kammer fand ich unter Ka einen Kasten, bei H-St einen Hackstock, bei B-M eine Backmultcr und unter H-B eine Hobelbank mit allerlei Werkzeug. An der Docke sind Fleischstangen befestigt. Als die besprochene Kachelstube und die Kammer noch ein Kaum waren, bildete dieser mit der Laube und der Rauclislube die drei ursprünglichen Räume des Hauses, oder mit anderen Worten, sie waren das ursprüngliche Haus. Im Schriebl-Hause verhalf man sich in hochinteressanter Weise zu einer zweiten Kachelstube einfach dadurcli, daß man der Rauchstube eine geräumige zweite oder vordere Kacbelstube vorbaute. B = Bett, T = Speisetisch, Ba und Ba- = Bänke, St und Stä = « Stühle ». Seit die Stube augebaut wurde, steht das Eßgangel verwaist. Der große Ofen, (), der vorderen Kachelstube ist von zwei Bänken, Ba:i und Ba^, eingeschlossen. Er hat einen steinernen Unterbau und einen Aufbau aus topfförmigen Kacheln. Er wird von der Rauchstube aus geheizt. Unter M-K steht das Milchkastei. Über U hängt eine Uhr an der Wand. Die Rauchstube dieses Hauses hat, wie aus ihrer Beschreibung herv'orgeht, das alte Gepräge wohl noch vollkommen erhallen, durch den Vor- bau der neuen Kachelstube hat sie aber \'iel von ihrer Wichtigkeit eingebüßt. Sie ist fast ganz zur Küche lierabgesunken, nur das Bett darin erinnert noch an ihre Bewohnbarkeit. 5. Das Jud-Haus. Es ist nun nicht ohne Interesse, daß ich dem alten Schriebl-Hause als Parallele ein neues Haus an die Seite stellen kann, das im Crund- risse von Anfang an dieselbe Einteilung aufweist. zu der das Schricbl-Haus imd mit ihm das Alpenbauer- Haus erst allmählich gekommen sind. Es ist das Jud-Haus, Nr. 46 in Kemetberg. Es wurde im Jahre 1843 erbaut und ist eines der stattlichsten (iebäude der Gemeinde. Abbildung "JO gibt sein Bild. Im .Vußeren unterscheidet es sich von den älteren Häusern fast gar nicht. Seine Hauptlront ist wie bei allen bisher besprochenen Häusern fast ganz genau nach Süden gerichtet und weist zwei Geschosse auf. Die Nordseite zeigt nur ein Geschoß. Vom ganzen Hause ist nur jener nach Osten gerichtete Raum, der uns bisher stets als Rauchstube bekannt geworden ist, aus Holz, alles andere besteht aus steinernem Mauer- werk, das außen keinen Verputz aufweist. \'or dem Wohngeschoß läuft ein (iang hin, zu dem drei Treppen hinaufführen. Die Bretter der Gaugbrüstung zeigen einfache Ausschnitte, die den Gang und das ganze Haus sehr zieren. Ein zweiter Gang ist in Abbildung 20 an der Giebelseite beim Abschlüsse des Wohngeschosses zu sehen. An der westlichen Giebelseite fehlt ein solcher Gang. Das Dach ist mit S<.>hindeln gedeckt. In der südlichen Daehlläche ist eine große Dachluke zu erkennen, aus der nördlichen ragt ein lu'ilzerner Rauehschlot empor, der dem Schlot des Khegl-Hauses gleicht, im Abbildung 20. Das Jud-Haus. iO .]. R. Bünker-Odiiiliiir; asui-ju iiOTr g Vordere Kaehelstube : ; rStn Bilde aber nicht siehtljar ist. Das Dach hat nur gun?. kurze Ahwahnungen. In der Unterniaueruno- des Hauses sind in der Hauptfront drei Türen angebracht. Die eine befindet sich in der Mitte des Hauses und führt in einen Schafstall. Die andere liegt in der linken Hälfte und üffnet sich in einen Schweinestall, die dritte, die nahe der südöstlichen Ecke im Bilde zu erkennen ist, leitet in einen ebenerdigen Keller. In Abbildung 21 bringe ich den Grundriß des Wohngeschosses. Wenn man vom Gange aus durch die Thür schreitet, die in das Haus führt, so kommt man in die Laube. Sie ist gedielt, nicht geweißt und hat als Decke einen Stucklmden. Aus der Laube führt bei St eine Stiege zum Dachboden. Unter B steht ein Bett, unter Ka ein Kasten, unter Tr eine Truhe und unter der Stiege bei S-K ein Saufutterkessel. Der Ilerdraum, welcher sich nach rechts an die Laube anschließt, ist hier das, was er im modernen oberdeutschen Hause zu sein pflegt, eine Küche. Der Raum wird in diesem Hause auch nicht mehr Rauchstube, sondern «Kuch'L genannt. In ihr sehen wir wieder einen Backofen B-0 mit dem offenen Herd in Verbindung. Er ist niclit länglich, son- dern quadratisch. Am Rande ist er mit einer Brettereinfassung um- schlossen. Seine Ober- fläche bilden Steinplat- ten. Es fehlt ihm auch der charakteristische Feuerhut. Dieser ist überflüssig geworden, da die Decke über dem Herd und dem Back- ofen ein steinernes Tonnengewölbe bildet. Der vordere Teil der Küche hat einen Stuckboden. Ein tiefer als das Gewölbe heraljreicheuder gemauerter Bogen , der im Grundrisse durch zwei punktierte Linien bei f angedeutet ist, verhindert es, daß der Rauch in den vorderen Teil dringen kann. Unter dem Gewölbe sammelt sich natürlich auch der Rauch aus dem Backofen, vom Saufutterkessel und aus dem Stubenofen. Der Rauch wird durch einen Schornstein abgeleitet, der auf dem Gewölbe aufsitzt. Die Kesselreid' steht hier nicht vor dem Herd, sondern bei a auf dem Herd selbst; b ist die «Of'ugread'n», c der hinausgeschobene Sockel des Backofens, welcher die Höhe des Herdes, nämlich 70 cm besitzt; d und e deuten Schüsselremen an, die über Manneshöhe an den Wänden be- festigt sind; bei g ist an der Vorderseite des Bogens eine Ifff'nstölFit angebracht; h ist ein Durchschlag in der Mauer, durch den die Speisen in die Stube gereicht werden können. Gegen die Stube zu ist dieser Durclibruch mit einem Türchen zu schließen. Im vorderen Teil der Küche steht unter dem Fenster an der Wand eine Bank. Von der Küche nach rechts liegt der große Wohnraum der Bauernfamilie, zugleich der Sammelplatz für das ganze Hausgesinde, die vordere Kachelstube. Ihr Fußboden ist gedielt. Die Decke ist ein Stuckboden , getragen von einem Unterzugbalken, der durch die punktierten Linien angedeutet ist. Die Stube hat fünf Fenster. Kleinere Fenster in einer höheren Reihe fehlen hier. Die Einzeichnungen er- Abbildung 21. Wohngeschoß im .JuJ-Hause. 1:200. Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. lil kläre ich kurz, wie folgt: T = Tisch, St und Stä = «Stühle», A = Altar, Ba und Baa = Bänke, B und Ba = Betten, W = ^Wiege, S = Ses.«el, M-K = Milchkasten, U = Uhr, 0 = Ofen aus toptartigen Kacheln. Er ist von Bänken umgeben: Ba^i und Ba4. Unter jener Bank, die mit Hü bezeichnet ist, ist eine Hühnersteige untergebracht. In der Mitte der Stube i.st bei Tr ein durchloehtes Brett an einer senkrechtstehenden dreh- baren Stange angebracht. Es ist ein Api)arat, in dem die Kinder «las Gehen erlernen und heißt Trend'l^ Die hintere Kachelstube hat an Bedeutung verloren, da sie durch die vordere ersetzt ist. Sie dient zu Zeiten als Ausnehmer- Wohnung. Sie ist gedielt, geweißt und hat einen Stvickljoden. O = Ofen, B = Bett, Tr = 1'ruhe. Ko inid K02 = Kommoden. Die Kammer scheint erst vor kurzer Zeit abgetrennt worden zu sein, die abteilende Bretterwand sielit nämlich noch ganz neu aus. Audi die Kammer ist gedielt und geweißt. T = Tisch, M-Tr = Mehltruhc, Ka ^ Kasten, Sch-D = Schmalzdosen. Aus der Beschreibung dieses Hauses hat sich also ergeben, daß es als neueres Haus nach dem Muster älterer Häuser erbaut wurde, in denen man durch Unterteilung oder Znbau die alte Rauchstube oder einen Teil derselben zur Küche machte, um durch diese Umwandlung einen wohn- licheren Raum zu gewinnen. 6. Das Engelbauer-Haus. Das Engelbauer -Haus, wie die bisher besprochenen Häuser der Ge- meinde Kemetberg angehörend, hat die Hausnummer 39. Es liegt seiner Länge nach von Nordost nach Südwest. Abbil- dung 22 zeigt die südwestliche Giebelseite des Hauses. Es ist dies die rückwärtige Giebelseite. Die vordere ist i!u- übrigens vollkommen gleich.- Alle seine Räume sind von Mauerwerk umschlossen. Dies war jedoch früher nicht so. Der größte Raum des Hauses war ehedem aus Holz erbaut. Im Jahre 1843 wurde er in Stein umgebaut. Der Umstand, wonach beim Engelbaner-Haus ein Eßgangel fehlt, läßt die Ver- mutung wach werden, daß auch dieses Haus keine Rauchstube mehr besitzt. Die Art und Weise der Umgestaltung der Rauchstube oder eines Teiles derselben in eine Küche ist hier nicht weniger interessant als jene, die sich im AlpcnbauerHause und im Schriebl- Hause vollzogen hat. Es erweist dies der (trundril.* Abbildung 23. Die alte hölzerne Rauchstube hatte genau dasselbe Aussehen und dieselbe Form wie jene des Kliegl-Hauses. Wo der jetzt gemauerte Raum, die Kachelstube, die ein- springende Ecke aufweist, stand damals der Backofen und davor der Herd mit dem ' Kille gleiche Vorriclilun^,' habe ioli M. A.G., Bil. .\.\V. S. V.V.K au.< Oberschülzen Iwscliriebon uiiil ilnit unter Fi^. 218 abgebildet. Sie heißt dort «üaiig'lwAg'n». - Das in Abbildung Ü rechts vom Wohiiliause ersichtliche Gebäude ist ein kleiner Sladol. Der große Stadel liegt vom Hause ziemlich weil ab. Abbildung ±1. Das Engelbaucr-Haus. 14i> .1. lt. Büiiker-< •dciihurg. - Hcrcl"'e\v()Ibe. Backofen iiiul Herd wurden dann niedergerissen und die Ecke, welche sie einnahmen, durcli neuaufgefülirte Ahiuern von der Stube au?gesclilossen. In der Breite dieser Ecke wurde nun die früher durcligängig gewesene Laube durch eine Mauer al)geteilt. So wurde die Laube zwar fast um die Hälfte kleiner, doch gewann das Haus einen neuen Raum, eine eigene Küche. Sie besteht gewissermaßen aus zwei Teilen : aus dem, welcher der Laube, und aus dem, welcher der Rauchstube allgewonnen wurde. Der erstere trägt einen Stuckboden und bat einen gedielten Fußboden, der letztere be- sitzt ein SteinplattenjiHaster und ist gewölbt. Beide sind durch einen gemauerten Bogen voneinander geschieden, der den Rauch der Küche auf den gewölbten Teil einschränkt. Der fast, quadratische, 80 cm hohe offene Herd, dessen Heizfläche ein alter Mühlstein bildet, ladet nach beiden Seiten aus. Auf diese Ausladungen münden zwei Ofenlöcher. In der Küche finden wir bei a eine Stellage für Häfen, bei H-A eine Holzase inid bei St eine Stiege, die in den Keller hinabführt. Der Rest der gewesenen Rauchstul)e enthält den Backofen, der dort neu aufgeführt wurde und von der Küche aus zu heizen ist. Vor ihm wurde dort, wo das zweite Heizloch ge- gen die Stube führt, ein Kachel- ofen gebaut, der die alte Rauch- stube zu einer Kachelstube machte. So sehen wir denn, daß im Engelbauer-Hause durch eine Um- gestaltung, welche zwar ganz an- deren Charakters ist als jene, die wir im Alpenbauer-Hause und im Schriebl-Hause kennengelernt ha- ben, doch derselbe Endzweck er- reicht wurde : die Schaffung eines eigenen Kochraumes und der Gewinn einer zweiten wohnlichen Stube. Durch eine scheinbar unwesentliche Umänderung, welche in der Kachelstube in neuester Zeit vorgenommen wurde, hat sich der Charakter dieser Stube wieder geändert. Sie führt wohl noch immer den Namen Kachelstube, aber der Kachelofen ist aus ihr geschwunden und hat einem modernen Sparherd, Sp-H, Platz gemacht. Auf ihm wird Sommer und Winter gekocht. Der Raum ist also wieder das geworden, was er zuerst war: Arbeits-, Wohn-, Schlaf- und Kochraum. Der praktische Sparherd hat die gute Eigenscliaft, im Winter die Stelle des Ofens zu vertreten und die Stube angenehm zu erwärmen. Seit der Sparherd in der Stube aufgestellt wurde, steht der otieue Herd in der Küche unbenutzt. In der Kachelstube steht bei T der Tisch an gewohnter Stelle. Ba und Ba2 = Bänke, A = Altar, W-B = Wasserbank, K-K und K-K2 = Küchenkästen, B = Bett, a = Wandschränkchen, Hü = Hübnersteige. Im Reste der Laube erblicken wir bei St die Bodenstiege, darunter ragt der Sau- futterkessel, S-K, hervor; bei a hängt ein Schüsselkorb an der Wand. Die von der ehemals durchgängigen Laube links liegenden beiden Räume bildeten einstmals ein Gelaß. Dort, wo heute der Saufutterkessel an der Wand steht, war Abbildunij 23. üruiidrifi c.le.s Eiigelbauei- Hauses. l::iil(l. Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Sti-ii'rrnurk. m ehedem eine Ofenheize, die zu einem Kachelofen in die Stube führte. An seiner Steile steht jetzt ein Bett. Die Einrichtuiijjc des «Stübels» i«t recht dürftig: T = Tisch, Ba und Ba2 = Bänke. Bei a ist ein Wandschränkchen. In der sich dem Stübel anschließenden Kam- mer steht bei T ein Tisch und bei Tr eine Truhe. Das Anwesen, das zu diesem Hause gehört, ist nur ein kleines. Es umfaßt : an Ackern 6 Joch, an Wiesen 1 Joch, an Hutweiden (j Joch, an Wäldern 8 Joch, zusammen 21 Joch. Der Viclistaud besteht aus 3 Kühen, 2 bis 3 Kälbern, 1 Pferd und 4 — 5 Schweinen. 7. Das Feilbauer-Haus. Das Feilbauer-Haus, dessen Bild ich in Ab- bildung 24 biete, ist eines der kleinsten Bauern- häuser in Kemetberg. Es liegt unter der Num- mer 40 in der nächsten Nachbarschaft des vor- stehend beschriebenen Engelbauer-Hauses. Klein ist auch das Besitztum, das zum Hause gehört. Es umfaßt an Ackern G Joch, an Alpenwiesen 10 Joch, an Wald 4 Joch, an Wiesen 2 Joch, zu- sammen 22 Joch. Das Haus stammt aus neuerer Zeit. Wie mir sein Besitzer, der das Haus mit dem Anwesen erst vor kurzer Zeit gekauft hat, mitteilte', dürfte es kaum über 50 Jahre stehen. Das ganze Haus ist, wie dies auch die Abbildung 25 zeigt, aus Holz erbaut, nur jene Wände, die den Herdraum einschließen, sind gemauert. Kurze Fortsetzungen des Mauerwerkes erblicken wir dort, wo eine Feuerstelle der Hauswand nahe- kommt. Die Abbildung 24 zeigt die vordere, der Straße zugekehrte Giebelseite des Hauses. Die rückwärtige ist ihr gleich. Das Haus ruht auf einem niederen Unterbau aus Stein. Es ist ein Parterre- haus, bei dem nur die vordere Stube unterkellert ist. Die Zinnnerung der vorderen Giebel wand ist zum Teil mit Kalkmilch geweißt. Die Fenster der vorderen Stube messen 40 cm in der Breite und 45 cm in der Höhe, die der rückwär- tigen sind etwas größer, 47 cm breit und 50 cm hoch. Das Feilbauer-Haus steht nun zu dem vorstehend lieschriebenen Xachbarhause in demselben ^'erhältnisse wie das Alpenbauer- und das Schriebl Haus zum Jud-Hause. Wie im Jud-Hause sehen wir auch im Feilbauer-Hause die erst durch eine Umgestal- tung in einem alten Hause erzielte und als praktisch erprobte Verbesserung der Wohn- Abbildung H. Das Feilbauer-Haus. Abbiiaun;; -.T, Giuiuhiß de.s Feilbauin-Heiui^e^ I : -200. 144 J. R. Biinker-Ödenburg. - verliiiltnisse in ein neues Haus übertragen. Der Erbauer des FeilbauerlTauses hat sich bei der Errichtung seines Hauses offenbar die umgestaltete Einteilung des Hauses seines Nachbars zum Muster genommen. So mag es gekommen sein, daß das Feilbauer- Haus von allem Anfang an, ohne spätere Umwandlung, fast genau dieselbe Ausgestal- tung erhielt, wie sie das Engclbauer-Haus heute zeigt. Das Feilbauer-Haus (Abbildung 25) hat keine Rauchstube. Es verfügt dafür über eine Küche. Sie erscheint wie im Engelbauer-Hause von der Laube abgetrennt. Die Laube durchläuft also nicht mehr wie in den typischen alten Häusern von Kemetberg das ganze Haus, sie ist verkümmert. Das Haus ist aber trotz-dem wie das Eiigelbauer- Haus ein durchgängiges geblieben, weil aus der Laube eine Tür in die Küche und von dieser eine zweite Tür ins Freie führt. Die Laube ist gedielt und hat einen Stuckboden. Es fällt auf, daß sie kein Fenster hat. Die Laubentür ist daher gewöhnlich offen. Darin finden wir nur bei St eine Bodeustiege und bei K-K einen Küclienkasten. Die mit Steinplatten gepflasterte Küclie hat ein Tonnengewölbe als Decke. Auf diesem sitzt über b ein gemauerter Scliornstein auf. H deutet den 75 cm hohen Herd an. Er ist mit Ziegeln gepflastert und. am Rande mit einer Brettereinfassung versehen. Auf den Herd mündet die Heize zum Backofen. Über a und d sind Stellagen für das Geschirr angebracht, bei c befindet sich eine «Luag». In der «vorderen Stube» steht bei Sp-H wie im Engelbauer-Hause ein Spar- herd. Der Rauch davon wird in die Küche abgeleitet. Früher stand hier ein Kachelofen. T = Tisch, St = Stühle, Ba und Baa = Bänke, A = Altar, B = Bett, KB == Kinderbett, K-K = Küclienkasten, W-B und W-B-j = Wasserbänke, Tr = Truhe, Hü = Hühnersteige. In der «hinteren Stube» steht unter 0 ein Kachelofen der gewohnten Form. Er ist mit einem Geländer und Ofenbänken umgeben. Der Tisch, T, die Bänke, Ba und Bas, stehen an der gewohnten Stelle. A = Altar. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die eben beschriebene praktische und wohnliche Hausform, welche, wie sich ersehen ließ, aus der Umgestaltung des Hauses mit altge- wohnter Ausstattung zu einer neuen geworden ist, in Kemetberg und seiner weitereu Umgebung allmählich zur Herrschaft kommen wird. 8. Das Blüml-Jörgl-Haus. Das Haus, welches die Abbildung 2(J darstellt, hat die No. 47 und gehört ebenfalls der Gemeinde Kemetberg an. Das Bild zeigt die Rückseite des Hauses. Es kann ihm entnommen werden, daß das Haus in neuerer Zeit einen Zubau er- halten hat. Abgesehen von diesem, zeigt das, was am Hause ursprünglich ist, durchaus das Gepräge eines alten typischen Hauses. Besieht man sich den Grundriß des Hauses, Abbildung 27, so erkennt man, daß es ursprünglich nur aus den drei typischen Räumen : der durchgängigen Laube, der rechtsliegenden Rauchstulic und der wahrscheinlich ehemals durch die ganze Tiefe des Hauses reichenden Kachelstube bestand. Von diesen drei Räumen ist nur die Rauch- stube aus Holz erbaut. Diese hat ihre alte Ausgestaltung und Einrichtung fast unver- ändert bis auf den heutigen Tag erhalten. In der Giebelwand weist sie sechs Fenster auf. Ein siebentes Fenster gewahren wir in der südlichen Wand. Das Bauernhaus der Gegend von Köfiach in Steiermark. 145 Abbildung Das Bbiinl-Jörgl-Haus. Eine eigentümliche Erscheinung tritt Lins in der Außenseite der Giebehvand dieses Hauses entgegen. Aus dieser Wand ragt nämlich ein hölzerner Rauchschlot schräg nach aufwärts, genau so. wie ich dies bei einem Hause in der Oststeiermark und zwar beim Hause No. 35 in Tulwitz gefunden habe (vgl. Fig. 143, S. 1G4 in Bd. XXVII d.M. A. G.)' B-0 = Backofen, H = Herd. Auf dem Herd, der als Oberfläche ein Ziegelpflaster mit Hoizumrah- mung aufweist, steht bei a die Kes- selreid'. b ^ dreifächerige Wand- nische («'s Kuch'lkast'l»), in der der Mörser, die Kaffeemühle, ein ange- brochener Zuckerhut, Flaschen etc. stehen. Darüber ist ein Schüsselkorb augebracht, c und d = «Luag'n» in der Backofenwandung für die Salzstöcke, e = kleine «Luag», in der sich Eierschalen zum Trocknen befinden, die zerbröckelt den Hüh- nern vorgeworfen und von diesen mit Gier gefressen werden, f = Lnag, in der die Hühner brüten. Hü = Hühnersteige. Eine Ofen- greden fehlt bei diesem Backofen. S-K = Saufutterkessel, T = Tisch, St = Stühle, Ba und Ba2 = stabile Bänke, Sp-K^ Speis'kast'l, M-K = Milchkasten, g = Eckschränkchen, über h = HcfrisföW ii, über i = Durchzugbalken, H-A = Holzasen, Sp-A Spanas'n. Die Laube ist gewölbt. St = Bodenstiege, a = Nische, B = Bett, K-K = Kücheukasten, R = Rauch- fang, Tr = Truhe. Kachelstube und Kammer sind durch eine Bretterwand gescliieden. In der Kachclstube steht bei O ein Kachelofen, der von Bänken umgeben ist. T := Tisch, Ba und Bas = Bänke, A = Altar, Ko und Kos = Kommoden, Tr = Truhen, Ko = KotTer, B = das Ehebett der Bauersleute, U = Uhr, a = Wandkästchen. In der Kanuiier fand ich eine alte Kommode Ko, einen Hackstock H-St. eine Truhe Tr, eine .Meliltruhe M Tr und vier Schmalzdosen bei Sch-D. ' Ein drittes Haus, das dieselbe aut'talleiide Ei-sclieinuiig zeigt, fand ich in L^uibendorf, oberhalb Millstall in Oborkänilon: Haus Nr. 0, «8a|>ler». Abbildung L>7. tirundrili des Blüuil-Jörgl-Hauses. 1 : -JtjO. Witrtcr viiiil Stu'hcu. I. 1> 146 J. I-t. Biinkci-( Icieiilnug. 7 P".i>]^^Trrf Kachelstube und Kamnier sinil unterkellert. Die Kellertür befindet .sich in der Hauptfront des Hauses. Das «Seiteiistübel» wurde erst in neuerer Zeit dem Hause angefügt. Sein Fuß- boden liegt mit dem der Rauchstube in gleicher Höhe. Das Stübel wird von letzterer aus betreten. Unter dem Stübel befinden sich die Schweineställe. Das Stübel bildet also das Obergeschoß des Zubautss. Von der hochgelegenen Hauseingangstür, zu der sechs steinerne Stufen emporführeu, legt sich ein Z-förmiger Gang um das Stübel. Ein zweiter Gang befindet sich an der Giebelseite des Stübels vor dessen Daehraume. Die Brüstung dieses Ganges besteht aus zierlich ausgesägten Brettern. Am unteren Gang ist bei A der Abort angebracht. Im Stübel steht bei 0 ein Kachelofen. Er wird von der Rauchstube aus geheizt. Der Rauch strömt durch das Ofenloch in die Rauchstube. B und B2 = Bet- ten, T = Tisch, St = «Stuhl», Ko = Kommode. Im Blüml-Jörgl-Hause hat man dem Bedürfnis nach einer zweiten wohn- lichen Stube also dadurch abgeholfen, daß man an die Rauchstube eine Stube anbaute. Dies geschah hier jedoch nicht wie beim Schriebl-Hause in der Län- gen-, sondern in der Breitenachse des Hauses. Auch dieser Fall steht, wie sich ergeben wird, nicht vereinzelt da. Die Rauchstube dieses Hauses ist auch nicht wie jene des Schriebl-Hauses zur Küche herabgesunken, sondern hat ihren Charakter ungeschmälert beibehalten. Es werden in ihr auch im Sommer die Mahlzeiten eingenommen. Ein Eßgangel fehlt nämlich bei diesem Hause. 9. Das Ziri-Haus. Das Ziri-Haus in Kemetberg hat die Nummer 31. Zum Hause gehören zirka 40 Joch Grund. Das Ziri-Haus ist eines der interessantesten Häuser der Gemeinde Kemetberg. Es zeigt nicht mehr seine ursprüngliche Gestalt und Ausgestaltung, läßt aber dieselbe deutlich noch erkennen, wenn man sich alle Neuerungen von demselben wegdenkt. Die Neuerungen bestehen in beiden Arten der Umgestaltung, die wir bisher an anderen Häusern kennen gelernt haben, nämlich sowohl im Zubau, als auch in einer durchge- führten Unterteilung, schließlich tritt dann noch eine dritte Art der Umgestaltung zu diesen beiden hinzu, von der alsbald die Rede sein wird. Das Haus ist ferner auch deshalb noch sehr interessant, weil es uns einen Einblick gewährt in die allerälteste Ausgestaltung der Häuser Kemetbergs und damit zugleich in die Wohnverhältnisse ver- gangener Jahrhunderte. Abbildung 28 zeigt den Aufriß der Giebelseite, Abbildung 29 den Aufriß der Hauptfront des Hauses, und Abbildung 30 bringt den Grundriß. r-^5^)ti«3f*ISy?;^^ -^T,.ymfi ■¥1: AhliiUIuiiL' 28. Aufriß der Giebelseite des Zirj-Hauses. 1 : 200. Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 147 Das Haus ist in die Richtung von West nach Ost gelegt. Die Giebelseite richtet sich nach Osten, die unter Abbildung 29 gegebene Hauptfront nach Norden. Wie aus den beiden Aufrissen zu erkennen, ruht der vordere Teil des Hauses auf einem Unterbau aus rohem Mauerwerk. Er .schlief.U einen Schafstall und einen Schweine- stall ein. Aus der Abbil- 'lW^W:p.V^Ji 'f :lrnM. -^S- Abbildung :29. Aufriß der HaupKronl des Ziri-Hauses. 1 : :JiHl. dung der Giebelseite ersieht man, daß unter der geho- benen und hinausgescho- benen linksseitigen Dach- fläche ein Zubau angebracht worden ist. Die beiden großen Fenster in der Gie- belseite (50X64 cm) sind bedeutend vergrößert wor- den, ebenso die drei gleich- großen Fenster in der Hauptfront. Ursprünglich waren sie nicht größer als jenes dritte Fenster in der Giebelseite, welches mit den beiden großen in einer Reihe liegt und 27 cm im Geviert mißt. Kleinere, höher gelegene Fensterehen mit Holzschubern fallen uns hier nicht nur in der Giebclwand, sondern auch in der Hauptfront auf. Sie messen 24 cm in der Breite und 21 cm in der Höhe. Besehen wir uns die Hauptfront, Abbildung 29, näher, so erblicken wir in der Mitte eine Tür und daneben und darüber eine Wand, be- stehend aus stehenden Brettern, deren Fugen mit Leisten ge- deckt sind. Es ist dies eine Erscheinung, die uns schon beim Schriebl-Hause entgegen- getreten ist und die ich wieder- holt auch an Häusern in Ober- kürnten gesehen habe. Ich habe es in meiner Arbeit über das Bauernhaus der Gegend am Millstätter-See ausgesprochen. daß diese Bretterversehalungen dem Flur den Charakter des Laubenartigen verleihen und in mir die Vermutung, daß die Laube des alpinen Hauses Oberkärntens aus einer \'orlialle entstanden sein müsse, bestärkten.' Dieselbe Erschei- nung, die ich aus Oberkärnten konstatierte, tritt uns in der westlichen Steiermark also ganz analog entgegen. Die Tür in der Mitte des Hauses führt in die Laube. Sic ist durchgängig. Ihr » Vergl. S. 265 in Bd. XXXII der M. A. S. Abbildunj; 30. (iiundiilj des Ziri-Hauses. 1 : iUU. 148 J. R. Büiiker-Öderiburg. Fußboden besteht aus Steinplatten, die Decke ist ein Stuckboden. Wir finden in ihr niclits als bei St eine Stiege, über F-S eine Flei.sch.^elcli und über R den Rauchfaug. a und b = Lnagri. Unter dem Rauchfang befindet sicli eine horizontal geteilte Tür und darüber das Rauchloch. Es ist dies das Zeichen dafür, daß wir uns vor der Rauchstube befinden. Treten wir aber ein, so sind wir in einer schmalen Küche, die nui- durch eine Bretter- wand von dem davorliegenden Raum geschieden ist. Die Bretterwand deutet aber bestimmt darauf hin, daß hier die Küche auf dieselbe Art der Unterteilung der Rauch- stube in zwei Räume entstand, die uns zuerst im Hause der Alpenbäurin entgegen- getreten 'ist (vergl. den Grundriß Abbildung 17). Küche und Stube haben seinerzeit zusammen eine Rauchstube gebildet. In der Küche, die wie die Stube einen Stuckboden hat und wie jene gedielt ist, finden wir im Hintergrunde den Backofen noch so vor, wie er früher an derselben Stelle in der Rauchstube stand. Der Herd hat seinen Feuerhut verloren, dafür aber wurde über demselben ein Oewölbe angebracht, das gegen den vorderen Teil der Küche auf einem starken Balken aufliegt und den Rauch in dem rückwärtigen Teil der Küche zurück- hält. Der Kessel, welcher über dem Herd hängt, ist hier nicht an einer Reid', sondern an einer Kette befestigt. Bei a ist eine «Luag» in der Mauer angebracht. Unter Hü steht die Hühnersteige, unter Sp-K ein niederes Speisekästchen, über dem ein Schüssel- korb hängt. S-K = Saufutterkessel. In der Stube steht bei 0 ein Ofen, der an den Backofen angebaut ist und von der Küche aus geheizt wird. T = Tisch, St = «Stühle», Ba, Ba2, Bas und Bai = Bänke, A = Altar, B --= Bett. Von der Stube gelangt man durch eine Tür in das anliegende Stübel. Es ist jener Raum, den wir schon aus dem Besehen der Giebelseite, Abbildung 28, als neuen Zubau erkannt haben. Das Stübel steht übrigens schon bei 70 Jahre. Durch eine zweite Tür gelangt man aus dem Stübel auf den Gang. An diesem Gang hängt gleich- sam in der Luft bei A der Abort. Im Stübel steheu drei Betten und ein Kasten. Ein Ofen fehlt hier. Das Stübel ist also ein neuerer Zuwachs nach der Art des Seitenstübels im vor- stehend beschriebenen Blüml-Jörgl-Haus oder nach der Art der der Rauchstube vorge- legten Stube im Schriebl -Hause. Die großen Fenster, welche uns aus dem rechtsseitigen Teil der Hauptfront ent- gegenblicken, lassen uns erraten, daß hinter denselben auch noch ein Wohnraum liegt. So ist es auch. Die Stube war jedoch nicht immer da, sondern wurde erst vor kurzer Zeit aus einer «niedern, finstern Kemet'n» errichtet. Sie ist nicht heizbar. Infolge der Er- richtung dieser Stube mußte das Dach über derselben um drei Bretterreihen verkürzt werden. Da sich unter dieser Stube, welche auch die «obere Stube» genannt wird, ein ebenerdiger Keller von der Höhe der Laube befindet, bildet die Stube ein Obergeschoß. Es tritt uns sonach bei diesem Hause zum erstenmal in der später erfolgten Anlage dieser Stube der Ansatz zur Entwickelung eines Obergeschosses entgegen. Vor dieser Stube liegt die Laube des Obergeschosses, welche nicht nur vorne, sondern auch an der Rückseite eine Bretterwand hat. Vor der Laube liegt der Rauch- stubenboden, der wie bei allen ebenerdigen Häusern einen Kniestock bildet. Schälen wir nun alles ab, was an diesem Hause neu errichtet wurde, so bleiben Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 149 uns nur vier Käuine als ursprünglich übrig: die in der Mitte liegende durchgängige Laul>e mit der Bretterverschalung, die aus Zimmerwerk bestehende ehemalige Rauch- stube, der gemauerte fensterlose Keller und die über ihm angebracht gewesene finstere niedrige Kemet'n. Von diesen Räumen können nur zwei als Wohnräume betrachtet werden: die Rauchstube mit dem offen brennenden Herdfeuer als Koch-, Wohn-, Schlaf- und Arbeits- raum und die luftige Laube als Arbeits- und wahr- scheinlich als Schlafrauin für die Zeit des Sommers.. Vergleichen wir dieses Haus, hierbei nur seine ursprüngliche Anlage ins Auge gefaßt, mit allen bisher besprochenen älteren Häusern, dort aber auch stets nur die ursprüngliche Ausgestaltung in Betracht gezogen, so haben wir es hier wie dort mit Räumen von dreierlei verschiedenem Charakter zu tun. Wäh- rend aber in allen besprochenen älteren Häusern neben der Rauchstube und der Laube, welche beiden Räume auch dem Ziri-Hause eigen sind, noch ein dritter Raum als Wohnraum, nämlich die mit einem Ofen versehene Kachelstube vorkommt, entbehrt das Ziri-Haus eine solche. Au ihrer Stelle tritt ein Keller mit einer Kemet'n auf, denen wir in anderen Häusern nie an dieser Stelle begegnet sind, oder mit anderen Worten gesagt, in allen besprochenen älteren Häusern nimmt jene Stelle, die im Ziri-Hause Keller und Kemet'n 'innehaben, die Kachelstube ein. Betrachten wir nun aber das Material, aus dem die Kachelstuben in jenen Häusern zum größten Teil erbaut sind, so überrascht es fast, daß es auch steinernes Mauerwerk ist. Die Fenster jener gemauerten Kachelstubcn sind zudem gewühnlicli ganz unver- hältnismäßig größer als die der Rauchstuben. Man kommt hierbei unwillkürlich auf den Gedanken, daß sie erst in neuerer Zeit eingesetzt wurden, und ein zweiter Ge- danke, der sich diesem an- gliedert, ist der, daß die Kachelstuben in allen jenen Häusern, in denen sie aus ^hluerwerk bestellen, aus ehemaligen Kellern (viel- leicht auch Kemet'n) i'ntstanden sein dinften, daß also die älteste Hausform der Gegend von Köflach nur eine Stube mit otlcn Hackerndem Herdfeuer und eine Laube als Wohnräume und einen gemauerten Keller (mit oder ohne Kemet'n) aufgewiesen hat. Abbildung 31. Das Lange Wegger-Hans. Abbildung :i-2. (iiundriri des Langen Weggcr-Hause^. 1 : -HyOi. Für diese Annahnu' stätigung sclHi]iren. cönnen wir aus der Beschreibung eines weiteren Hauses Be- 150 J. R. Bünker-Ödenburg. lo. Das «Lange Wegger »-Haus. Das Haus des «Langen Wegger» war das einzige wir]/. T ist ein kleiner Tisch, St ein «Stuhl». An Stelle dieses Tisches steht im Winter der große Speisetisch, der sich im Sommer in der Laube befindet. Ba und Ba2 = stabile Bänke, W-B = Wasserbank, darüber hängt bei d eine «Häf'nstöU'n». W-Bs = Wasser- bottiche, in die von einem Brunnen, der außerhalb des Hauses steht, Wasser gepumpt werden kann. K-Sch = Kaspelschaff. Über c hängt der Schüsselkorb, über b eine Aljbililuii"' :;i. (inuiiJnl.i des Hotaineser-Uauses ' Vergl. im Bd. XXXll d. M.A.G. die Grundrisse Abliilduiiy ^7, 37, 50, 53, 5ü und 59. Das BaiiLTiiliaiis der Gegend von Köflacli in Steiermark. 153 «riär'ndeck'lrem», an der auch Schöpflöffel etc. hängen, a = Standpunkt der Kessel- reid', Hü = Hühnersteige, MK = Milchkasten. Zwischen der Plüiinersteige und dem Milchkasten führt eine Tür in einen Neben- rauni. Zwei Räume auf jener Seite der Laube, wo sich die Ilauchstube befindet, haben wir nebeneinander in keinem der besprochenen Häuser gefunden. Der Kaum dient den Mägden des Hauses als Schlafkamnier. Er heißt die Mi'nscJur-K'uiiiiicr. Es stehen darin drei Betten, B-Bs, drei Kommoden, Ko-Koa, und eine Truhe. 0-S ist ein ge- mauerter Sockel, auf dem in früherer Zeit ein Kachelofen stand, der seinen Rauch in die Rauchstube abführte. Der Ofen ist abgetragen worden. Seither ist die Stube un- hcizbar. Die Stube war demnach früher eine Kachelstube und wahrschemhch der Schlafraum der Familie des Bauern. Der kinderlose Bauer wohnt mit seiner Frau in einem kleinen Hause, das sich auf der Hofstätte erhebt. Aus meiner oft zitierten Arbeit über das Oberkärutner Bauernhaus kann man er- sehen, daß in den meisten Häusern auf einer Seite der Laube wie in diesem Hause zwei Wohnräume liegen. Der eine ist die Rauchstube, der andere die Kachelstube. Dieses Haus kommt also in seiner Ausgestaltung dem Kärntner Hause schon in dieser Hinsicht sehr nahe. Es kommt ihm noch näher darin, daß auch auf der anderen Seite der Laube zwei Räume nebeneinander angeordnet sind. Gegenüber der Menscher-Kammer ist ein Keller. Er ist gewölbt und nicht ge- weißt. Der Fußboden besteht aus gestampfter Erde. Im Keller steht unter M-T ein Milchtisch, auf den im Sommer die Milchreinen gestellt werden. Vom Gewölbe hängt bei B-R eine Brotrem. Im Keller stehen viele Fässer und Bottiche. Gegenüber der Rauchstube liegt ein zweiter Raum, der der Rauchstube an Grüße fast gleichkommt. Hier wurde eine Schmiedewerkstätte eingerichtet. Bei E ist die Esse, dahinter bei B-B der Blasebalg. Im Hintergrund des Raumes stehen die großen Krautbottiche. Auch dieser Raum ist gewölbt, nicht geweißt und hat einen Fußboden aus gestampfter Erde. Wie mir der Hofameser sagte, war dieser Raum vor dem Brande im Jahre 1793 aus Holz und diente als Kemeton. Beide Räume waren also Vor- ratsräume. Genau dieselbe Einteilung wie dieses Haus zeigen die meisten größeren Ober- kärntner Bauernhäuser. Die dem Keller und der jetzigen Schmiede entsprechenden Räume sind dort auch gewöhnlich Keller und Kemeten, also ebenfalls Vorratsräume. Während nun das Hofameser-Haus die am weitesten gehende Entwickelung unter all jenen Bauernhäusern, die ich in der (Segend von Kötlach besucht habe, zeigt, bleibt das ul)erkärntn('rische Haus bei diesem Tunkte der Entwickelung nicht stehen. Ich habe in Bd. XXXII d. M. A. G. mehrere Bauernhäuser aus der Gegend des Millstätter Sees boschrieben, die außer dem fünfzolligen Erdgeschoß nocli ein Obergeschoß besitzen, das dieselbe weitgehende Gliederung aufweist, wie sie das Erdgeschoß zeigt. Es sind denmach Häuser, die nicht weniger als 10 Räume in sich schließen. Diesen stattlichen oberkärntnerischen Bauernhäusern scheint in der Gegend von Köflacb in bezug auf innere Ausstattung und äußere Form, so lange es noch aus Holz war, nur das Haus der Bin-ger in kloinen Städten und Märkten gleichgekom- men zu sein. Wie ich schon eingangs erwähnt, hat sich in Köflach nur mehr ein einziges solches Haus bis auf den heutigen Tag erhalten. Ich will es nachstehend beschreiben. Wörter uuil i^nchcn. I. '^ 151 J. R. Büiiker-Ödenburg. , 12. Das König -Wirtshaus. Das König -A\'irtsliaus ia Ivüllach liegt unter Nr. 12tj in der Feldgassc. Es bildet das Eigeutum de.s Johann Stumpf. Wie mir dessen betagte Frau erzählte, soll das Haus schon 300 Jahre alt und einstmals das hervorragendste Gasthaus in KöHach ge- wesen sein. Die Abbildung 35 zeigt das Bild des König -Wirtshauses. Es ist, wie schon ange- deutet wurde, zweigeschossig. Sein Äußeres gleicht auffallend dem vieler Oberkärntner Häuser.' Das König -Wirtshaus würde in seiner äußeren Erscheinung den u. a. Häusern noch mehr gleichkommen, wenn es noch so dastünde, wie es vor Jahrzehnten gestanden ist. Die. im Bilde ersichtliche Zimmerung, welche heute wie aus der Erde hervorzu- wachsen scheint, ruht nämlich auf einem Unter- bau aus Stein. Diese Untermauerung ragte früher 50 — 00 cm aus der Erde hervor. Durch die He- bung des Straßenniveaus kam die Untermauerung ganz in die Erde hinein. Dadurch kamen die Fußböden aller Räume des Hauses nicht nur 50 cm unter das Niveau der Straße zu liegen, sondern das Haus hat auch viel in seiner Erscheinung eingebüßt. Es ruft im Beschauer den Eindruck wach, als ob es in die Erde gesunken oder von oben niedergedrückt worden wäre. Um einen Teil des Obergeschosses läuft, an der Ecke des Hauses im rechten Winkel gebrochen, ein Gang, der s. Z., als er noch intakt war, das Haus sehr geziert haben mag. Sowohl an der Stirnseite, als auch an der Langseite ragt das Dach weit vor, um den Gang zu schützen. Das Dach ist mit Brettern gedeckt. Wie der größere Teil der Bauernhäuser der Gegend von Köflach, so besteht auch das König- Wirtshaus nur teilweise aus Holz. Aus der Ab- bildung 30, die den Grundriß des Erdgeschosses darbietet, läßt sich erkennen, daß im Erdgeschosse nur ein einziger Raum aus Holz erbaut ist. Im Obergeschoß, dessen Grundriß durch Abbildung 37 veranschaulicht ist, herrscht das Holz vor, doch besteht auch dort nur eine Stube aus Zimmerwerk, denn der übrige Teil der hölzernen Hauswände weist nur Bretterverschalung auf. Auch diese Eigenartigkeit in der Bauweise alpiner Häuser tritt an Oberkärntner Häuser nicht selten auf.^ Der Grundriß Abbildung 30 weist im Erdgeschosse seclis Räume auf. Die Mitte nimmt die durchgängige Laube ein. Rechts von der Laube liegen zwei Keller, also Yorratsräume, ünks sind die Wohnräume. Wir haben somit in diesem Hause eine Einteilung, wie wir sie genau gleich im Hofameser-Hause vorgefunden haben. Die Wohnräume zeigen wohl abweichenden Charakter und für sich genommen eine andere ' Man vergleiche beis])ielsweise die AlibililuiiL,' 'V'-i und 4;i in Bil. XX.XII der M. A. G. - Man vergl. insbesondere die Grundrisse Abbildung 38 und 46 im Bd. XXXII d. M.A.G. Abbildung 35. Das König -Wirtshaus in Köflach. Das Bauernliaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 15Ö Abbililung 3«. König-Wirlshaus (Ei-Jj^cscholi). 1 : riim. Einteilung, die meines Erachtens auf den Umstand 7,urückzuführen sein wird, daß das Haus in früherer Zeit als (iasthaus gedient hat. Der Ilerdraum, welcher im Bauern- hause der Gegend der Hauptraum ist, ist hier zur Küche herabgesunken. Da sie nicht mehr als Wohn- und Schlafrauin dient, konnte sie auf einen kleinen Raum beschränkt werden. Dadurch, daß man sie ein wenig in die Laube hiucinrückte, konnte man vor ihr noch ein einfenstriges Stübel anlegen. Ich vermute darin das ehemalige Hono- ratioren- oder Herrenstübel. Es trägt ein regelmäßiges Kreuzgewölbe und muß s. Z. recht wohnlich gewesen sein. Die Tür, welche das Stübel mit der großen Stube, in welcher wir die ehemalige Gaststube zu erkennen haben, verbin- det, besitzt in ihrem oberen Teil ein Fensterchen, ein Guckloch, das heute mit einem roten Vorhang verhängt ist. Die Gaststube muß zur Zeit ihrer eigentlichen Bestimmung wohl proper ausgesehen haben. Die Holz- wände sind nämlich durchwegs mit sorgfältig bearbeiteten, wagrecht an- gebrachten Brettern verschalt. Die Verschalung schließt in Manneshöhe mit einem schönen Gesims ab, auf dem vor Zeiten die Zinn- und Imnt- bemalten Krüge der Gäste gestanden sein werden. An der Verschalung sind heute noch die Leisten angebracht, zwischen denen die Fenster ehemals hin- und her geschoben werden konn- ten. Heute bewegen sich die Fenster an Scharnieren. In der (iiebelseite sind die drei dort sich befindenden Fenster wie bei den Bauernhäusern in ungleicher Höhe angebracht. Die- sellie l<]inriebtug wiederholt sich, wie die Abbildung 35 erkennen läl.U, im Obergeschoß. Sorgfältig ist auch die Decke der Gaststube hergestellt. Sie besteht aus einer doppelten Bretterlage, die durch einen Unterzugbalken getragen wird. Die Kanten des Balkens sowohl, als auch die der Bretter sind sauber abgefa.st. Bänke, Ba-Baa. laufen fast rundum. .Vuih der Ofen ist mit Bänken umschlossen, zudem auch von einem Ofengeländer umfangen. Er ninunt die innerste Ecke des Raumes ein. In den amlereu Ecken der Stube werden früher Gasttische gestanden sein. Bei A steht ein Eok- schränkchen, das wohl noch zur alten Ausstattung der Gaststube gehört. Darüber ist ein Altar angebracht. Eigenartig ist der Ofen. Er ruht auf einem gemauerten Sockel, der die Höhe der Bänke etwas überragt. Auf dem äußeren Rand des Sockels liegt rundum ein Kranz von topffürmigcn, dunkelgrün glasierten Kacheln auf. Auf diesen .\bl>ililiin^' 37. König -VV'irtsliaus (Obergesclioß). 1 : -liKi. 156 .1. n. Riiiikei--()elten Zwecken. Es wurde im Spätherbste zum Dörren des Flachses ver- wendet, war also zu dieser Zeit Brechelstube, und diente sonst entweder dem alten Besitzer der Hube als Ausnehmerwohuung oder sonst einem armen Mieter als Unter- schlupf. Heute steht das Häuschen ganz verwahrlost und dem Verfalle preisgegeben. Für die l^nterkunft eines etwa vorhandenen Auszüglers ist im Bauernhause duudi ein IGO ,1. 1^1. Büiikur-Ödciibur zugebautes Nclx'nstübel gcsorot und als Breclielsliibc ist das Häusclicn sclioii lange außer Gebrauch gesetzt, da der Flaclisbau in der Ciegend ganz aufgegeben worden ist. Sowohl die Abbildung 41, als auch der Grundriß des Häuschens, Abbildung 42, si)rechen für sich allein schon. Ich habe wenig zur Erklärung beizufügen. Das Häuschen umschließt drei Räume. In der Mitte liegt die Küche mit dem Herd H im Hintergrunde. C'ber dem Herd ist ein Feuerhut angebracht. Vor dem- selben befindet sich über R in der einfachen ßretterdecke ein Loch, durch das der Rauch in den Dachraum entweichen kann. Von dort sucht er sich seinen Ausweg durch die Lücken in den Giebelwänden oder durch die Fugen des Daches. St = Stiege. Links von der Küche ist die Stube. Die stabilen Bänke, Ba und Ba2, deuten darauf hin, daß dieser Raum schon von Anfang an als Wohnraum benutzt worden ist. T = Tisch, O = Ofen aus topfförraigen Kacheln. Der Ofen ist durch Bänke ein- geschlossen. Der Raum rechts von der Küche diente früliei' als Brechelraum. Es ist der ein- zige Raum, der heute noch einen Zweck hat. Er dient nämlich den Kälbern als Unter- standsort. Bei a befindet sich eine breite Öffnung in der Wand, die nie durch eine Tür zu schließen war. Durch sie gehen die Kälber ein und aus. Die beiden AVohnräume, Küche und Stube, erinnern an die beiden der Hauptsache nach ganz gleich aus- gestatteten Wohnräume im Steiner-Schneider-Hause. Ob aber das Häuschen immer die gleiche Einteilung gezeigt hat? Ich zweifle daran. Mir will es scheinen, als ob die Mauer, welche Küche und Brechelraum trennt, erst später eingeschoben worden wäre, denn wäre diese Wand mit dem Häuschen zu gleicher Zeit errichtet worden, so hätte man sie bestimmt aus Holz hergestellt. Der Raum, welcher zuletzt als Brechelraum gedient hat, scheint mir im Verhältnisse zu anderen Brechelräumen auch viel zu klein. Ich glaube, die Küche und der Brechelraum waren früher ein Raum und bildeten zusammen den ursprüng- lichen Brechelraum. Ob dann ein Herd in dem Raum stand oder aber in der Stube und diese infolgedessen eine Rauchstube war, konnte ich nicht mit Sicherheit feststellen. Die Stube ist nämlich jetzt geweißt. Die neuere Kalkschichte verdeckt möglicherweise eine ältere Rußschichte. Es kann hier also an eine Verlegung des Herdes in die Laube gedacht werden, wie sie ähnlich im Engelbauer-Hause vorgenommen wurde. Der Be- sitzer vermochte mir darüber keine sichere Auskunft zu erteilen. 15. Die Reinthaler-Keusche. Die Reinthaler-Keusche, deren Bild die Abbildung 43 zeigt, gehörte als Ausnehmer- wohnung zur Reinthaler-IIube in Piber bei Köflach. Die Keusche ist mit der Hube in den Besitz der k. k. Staatsdomäne Piber übergegangen. Das Häuschen ist noch kleiner als die Hochbundschuh-Keusche, ist noch bewohnt und besteht, wie Abbildung 44 zeigt, nur aus zwei Räumen, aus Küche und Stube. In der Küche steht bei H ein Sparherd. Darüber aber ist ein Feuerhut angebiacht, es muß daher hier früher wenigstens zeitweilig ein offener Herd gewesen sein. T = Tisch, W-B = Wasserbauk, K-K = Küchenkasten. Alibililun;,' i-2. Grundriß der Hoclibundscbuh-Keusclie. 1 : 200. Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 101 Aljbilduiig 4:!. Die Reinllialer-Ütuscl In der Stube steht bei 0 ein kleiner eiserner Ofen. Früher soll an seiner Stelle ein Kachelofen gestanden sein. T = Tisch, S = zwei Sessel, B und ßi = Betten, Ko = Kommode. Es fällt hier besonders auf, daß der erste Raum des Häuschens nur Wände aus Brettern hat. Ich habe noch nie ein Hau«, imd wäre es noch so primitiv gebaut ge- wesen, gesehen, in dein die Wände des Herdraumes nur aus Brettern hergestellt waren. Anders steht dies in bezug auf die Laube. Es wurde oben schon darauf hingewiesen, daß sowohl in der Ge- gend von KüHach, als auch in Ober- kärnten sich alte Häuser vorfinden, bei denen die Außenwände der Lau- ben nur aus Brettern bestehen. Es brachte mich dies auf den Gedanken, daß auch der erste Raum der Reinthaler- Keusche einst nur eine Laube gewesen sein müsse. Der zweite Raum mußte dann eine Rauch- stube mit offenem Herd gewesen sein. Die Vermutung ist um so lie- rechtigter, als am Häuschen sogar auch heute noch ein Rauchfang fehlt. Der Rauch mußte also aus der Rauchstube in die Laube gedrungen sein und hat dort dann leicht durch die Lücken und Fugen der Bretterwände seinen Ausgang ins Freie gefunden. Auch diese Stube ist jetzt geweißt, so daß sich schwer konstatieren läßt, ob sie tatsächlich früher eine Rauchstube war. Trügt jedoch der Schein nicht, so hätten wir sowohl in der Reinthaler-Keusche, als auch in der HochlnnidschuhKeusche in ihrem ursprünglichen Zustande einfache kleine Wohnbauten vor uns. die mit ihren Rauchstuben und vorgelegten Lauben den beiden ursprünglichen 2o ^[ß Qi .J A\'ohnräunien im Ziri-Hause und im langen Wegger-Hause voll- .1 rn j^ o| ^ Irri kommen entsprechen. Den Schluß in der Beschreibung von Häusern aus der Ge- gend von KöHach soll die Besprechung eines Häuschens bilden, das in der Tat als Wohmäume nichts als eine Laube und eine Rauchstube enthält und diese beiden Räume bis auf den heutigen Tag in ihrem ur- sprünglichen Charakter erhalten hat. i6. Die Schriebl-Keusche. Die Schriebl-Keusche, deren Bild durch die Abbildung 45 wiedergegeben ist, gehört zum oben im Abschnitte 4 beschriebenen Schrii'bl-Hause, liegt aber unter H.-Xo. 34 weit von diesem enttV'rnt, tief unten im Gößnitz-Graben. Sie diente früher als Aus- nehmerwohnung, seit aber dem Schriebl-Hause die vordere Kachelstube vorgebaut wurde, wird die Keusche, wenn sieh Mieter finden, in Pacht gegeben. Als ich sie aufnahm, war sie unbewohnt. Abliililunj; 44, Grumirir) der Reinllialer-Keusche. Wörter und Sachen, J, il 162 J. R. Bunker -ödenburg. Ihr Äußeres macht den Eindruck, als ob man ein verkleinertes Bauernhaus vor sich liätte. Das Häusehen ist zweigeschossig. Abbildung 46 bringt den Grundriß des in das ansteigende Erdreich hineingebauten Erdgeschosses, Abbildung 47 den des Obergeschosses. Im Erdgeschosse beiludet sich ein geräumiger Rinderstall und ein zweiter Stall, der einen Kälber-, einen Schaf- und einen Schweinestall in abgesonderten Verschlagen vereinigt. Au den Rinderstall schließt sich noch ein mit Bretterwänden versehener Schupfen für Streu an. Die Ställe bestehen aus Mauerwerk. Das Obergeschoß besteht aus einer großen Tenne und den Wohnräumen. Die Tenne hat einen Fußboden aus starken Trambalken und keine Decke. An Stelle der- Abliililimg 4G. Scliriebl-KeusLlie (Enltjeh^clinl.i). 1 : 'JUÜ. Abbildung 45. Die Schriebl-Keusche. Abbildung 47. Schriebl-Keusclie (Obere^eschoß). 1 .■2(JÜ. selben befindet sich eine Lage loser Bretter, auf die Getreide geschichtet werden kann. Die Wände der Tenne bestehen aus runden unbehauenen Baumstämmen. An die Tenne schließen sich die beiden Wohnräume an: die Laube und die Rauch- stube. Aus der Laube führt eine Stiege zum Dachraum. Die Rauchstube ist gedielt und hat einen Stuckboden. Die nördliche Wand der Stube ist gemauert. Wahrscheinlich wurde die Wand gemauert, um das Eindringen des Regenwassers in die Stube zu verhindern. Das felsige Terrain steigt nämlich hinter dem Häuschen sehr steil an. In diese Steinmauer wurde der offene Herd eingefügt. Über dem Herd schließt sich die Mauer zu einem Gewölbe, so daß der Herd eine Nische in der Mauer bildet. Vor dem Herd liegt eine Stufe. Der Rauch strömt unter dem Gewölbe hervor in die Stube. Aus dieser kann er durch ein Raucbloch über der Tür entweichen. Außerhalb derselben ist jedoch kein Rauchfang angebracht. Es fehlt darum auch ein Rauchschlot in diesem Hause. In der Rauchstube fand ich bei T den Tisch, dann die stabilen Bänke, Ba und Baa, und ein Bett, B. Auch die Holzase fehlte in dieser Rauchstube nicht. Das Bauernhaus der Gegend von Köflach in Steiermark. 163 Der Keller soll erst in neuerer Zeit in den felsigen Boden liineingegraben und ausgemauert worden sein. In der nördlichen DacliHäclie ist eine große Dachluke zu sehen, durch die Heu auf den Lauljen- und Rauchstubenboden gelegt werden kann. In diesem Zustande habe ich die Schriebl-Keusche angetroffen. Sie zeigte jedoch nicht immer dieses Aussehen. Die Tenne, der große Rinderstall und der Streuschupfen sind Zubauten. Die Keusche bestand also ursprünglich nur aus den beiden Wohn- räumen und dem darunterliegenden , in drei Verschlage geteilten Stall. Die beiden kleinen mit Holzschubern versehenen Fenster in jener Wand, die die angebaute Tenne von der Laube trennt, stammen noch aus der Zeit vor dem Anbau. Heute sind sie zwecklos. * * * Noch vor wenigen Jahren war man allgemein der Ansicht, daß das ganze große oberdeutsche Gebiet durch eine einzige Hausform beherrscht wird, deren niedrigste Ent- wicklungsstufe aus zwei Räumen verschiedenen Charakters besteht: aus einer Küche und einer Stube oder aus einem Herdraum und einem Ofenraum. Diese beiden Räume bilden das Charakteristikum des «oberdeutschen Hauses». Nun fand sich aber auf ober- deutschem Gebiet noch eine zweite Hausform, deren primitivste Form aus einer feuer- stellenlosen Laube und einem Herdraum besteht, welch letzterer jedoch nicht als Küche in oberdeutschem Sinne angesehen werden kann, sondern der Koch-, Wohn-, Arbeits- und sogar Schlafraum in einem ist. Es ist die Rauchstube. Dieses Haus, welches sich sonach wesentlich vom oberdeutschen Hause unterscheidet, eingehend zu besprechen, blieb mir vorbehalten. ^ Ich besehrieb es zuerst aus der Gegend von Vorau, dann aus meiner oberkärntnerischen Heimat und schließlich jetzt auch aus der Gegend von Kötlach. Von' den sechzehn Häusern, die ich im Vorstehenden zur Besprechung brachte, besaß, wie sich zeigte, von ihrem Ursprung an nur der geringste Teil wirkliehe Küchen, der größere Teil hatte von Anlang an Rauchstubeu oder besitzt sie auch heute noch. Von einzelnen der Bauernhäuser konnte zudem festgestellt werden, daß deren Wohn- räume zur Zeit der Erbauung nur aus einer Rauchstubc und einer ihr vorliegenden feuerstellenloseu Laube bestanden. Die Urform dieser Häuser erblicken wir aber in den zuletzt beschriebenen Bauten, in den Keuschen, vor allem in der Schriebl-Keusche, wahrscheinlich auch in der Reiutlialer- und Hochbuntsclndi-Keusche, wenn, woran kaum zu zweifeln, auch deren Stuben einst Rauehstuben waren. Über diese primitivsten Formen des Herdhanses der Gegend von Köflach des weiteren zu sprechen, ferner die Entwickelung derselben zu den höheren Formen des Bauernhauses der Gegend von K(iflach eingehend zu l)eleuchten, und schließlich die llausformen dieser Gegend mit denen in der Umgebung von \'orau und jenen in Ober- kärnten in Vergleich zu ziehen, wird mir vielleicht durch diese Zeitschrift in nächster Zeit mit einer ergänzenden Arbeit vergönnt sein. ' In seiner Eigenart erkainit lial es zuerst R. Meringer, S.U. A.W. Wien 144,6, S. ö ff. Sl« ICi Rudolf Meringer. Sprachlich-sachliche Probleme. Von Rudolf Meringer. I. Zu den Werkzeugen der ir/«.se>'IVH m i ,i^,.ti ■......«A,.. „a,; .. ^ ■ . . 'TISIPE^BF^::-., IST' 1^ r- Abbildung b. Pohiisclie .Stajiipfe zur Bereitung der Gerstengraupe. Aus Wisla, Bd. ,W, Taf. I. Abbildung 11. l'ulnisclie Handiniilde. Aus Wisla, Bd. XV, Taf. II. 3. Wurzel *i)iii-iiwl- die Technik kann von der e1jen beschriebenen nicht stark ver- schieden gewesen sein. 4. Eine Entwicklung der *mrl-)iiol- Technik ist eine Maschine mit konzentrischem Rotieren des oberen Steines auf dem unteren, die spätere «Handnuihle». Eine einfache Handmühle der Letten stelle ich nach A. Bielenstein in Abbildung 7 dar und verweise did^ei auf die Kwerne bei R. Andree, Braunschweiger Volkskunde^, S. 260, wo man auch das Bild einer Hirsestampfe — Mörser und Keule — findet. Die Abbildung 6 ist der Wisla, Bd. XV, Taf. H, entnommen. Es wäre verlockend anzunehmen, daß in unserem Wort 3Iiildc altes heimisches Sprach- gut vorliegt unfl es zur Wurzel *meJ-niol gehört. Dann hätte das Wort ursprünglich den flachen Stein, der durch die Reibung des j\Ialens in der Mitte vertieft, d. h. leicht gehöhlt wird, oder den absichtlich schalenartig vertieften Stein bedeutet. Sprachlich-sachliche Probleme. 167 Man leitet das Wort aber gewöhnlifh von dem aus lat. mulcfra «Melkkübel» ent- standenen alid. imdhfru, mnoltra, mnoltcra ((iraff II, Sp. 727), mhd. nuilt' Allerdings hat man nicht immer so gemolken, aber an einen wirklicli muldenförmigen Melkkübel glaube ich auch nicht. Leider sind wir über die Gestalt der römischen tmdctra nicht sehr gut unterrichtet; im Dictionnaire' von Daremberg-Saglio wird ge- sagt: c'etait saus doufr unr sorte de terrine ou de jatte; on n'en connaU ^ws cxadcmnd la forme, was jedenfalls nur eine mäßige Aus- kunft ist. Ich kenne zwei Bilder der middra. Das eine ist auf einem pompejauischen Gemälde, welches A. Rieh s. v. caprunulfjus wiedergibt: Ein geflügelter Knabe milkt eine Ziege. Er sitzt hinter ihr und die Milch fließt in einen runden nach oben sich etwas verjüngenden Melkeimer, der ganz die Form unserer heu- tigen Melkkübel hat. Ein anderes Bild ist aus der vatika- nischen Vergilhandschrift von A. Rieh s. v. middra wiederholt. Hier ist der Melkeimer ein großes breites Tongefäß mit .s-fiirmig ge- schwungenem Kontur und so flach, daß die Bezeichnung «muldenartig» nicht mehr ganz widersinnig ist, aber die Identität von Maldr und Midier noch immer nicht einleuchtend macht. Auch hier sitzt der melkende Mann hinter der Kuh, nicht neben und teilweise unter ihr. wie das jetzt bei uns Brauch ist. Lat. midctni hat auf deutschem Boden eine Beeinflussung von »idlni erfahren, wie ahd. duomllifra multra (iraff II, 722 beweist. Im Bayrischen flndet sich »irZ/^r »Gelte zu Milch, Wasser» (Schmeller-, Sp. 1594). Den .tiirnidcliter der Oberwaldner Alphüttc hat ,1. Bucher im Schweizerischen Archiv für Volkskunde, XI. Jg. (1907), auf der Tafel nach S. 286 (bezeichnet mit 44) abgebildet. Ein Melkkübel ist der Gegenstand aber weder der Form nach nocli nach dem Gebrauche. Bei ital. »uUra, iviifra haben schon Äscoli und Salrioni an Beeinflussung durch melken gedacht. Körting (.)350. Das Wort Middv heißt im mnd. moldr, niollr, ndd. moll<\ was mit der hochdeutschen Nebenform Molde eine alte Flexion *moldö, '^imddüns vorauszusetzen scheint. Früher war wohl die allgemeine Annahme, daß Jliildc zu walrn gehört, und icli finde, daß die primitiven Malgeräte uml die primitive Art zu malen — vergl. die .Abbildungen 9 — 11 — diese Etymologie zu einer sehr einleuchtenden machen. Lautlich ist dagegen nichts einzuwenden, denn Jfdil zeigt, daß eine <-Wurzel vorliegt. Das Wort haftet noch an einem sehr primitiven Gegenstand; im Ostfries, bedeutet nämlich molde, molle, mol Alil>il(luiig 7, Eine lettische Handmühle samt .Mehlkasten. Nach .-\. Bielenstein. 168 Rudolf Meringer. einen ilachen Trog, der aus einem Stüciv Holz gei'erti,i)t ist (J. ten Doornkaat Kool- niann s. v.). Die Herkunft aus latein. muldra ist iu diesem Falle sprachlich und sach- lich sehr unwahrscheinlich. Nun heißt aber gerade dieser Gegenstand bei uns minlti-rn. molfrr (Schmeller', Sp. 1596), wofür bei Unger-Kliull in hochdeutsch gemachter Form iiiulfrr, multe auge- geben wird. Ich hörte in Aussee nu(ot<)ii, vergl. M. A. G., Wien XXI, S. 110; v. Andrian, Die Altausseer, S. 48, schreibt multrrn. Schmeller, a.a 0., verzeichnet noch fi/ch mudfern «(von Brettern) sich an der Bonne muldenförmig ziehen», ijcmwitcft «wie eine Mulde ausgehöhlt >. Danach glaulie ich, daß JMiddc ein heimisches Wort i.st, daß es aber vielfach Abbikhiiiy S. Indische Reis^mkc von dem, mit der römischen Milch- und Käsewirtschaft eingedrungenen »iidter aus lat. nmlctra beeinflußt worden ist. 3. Die Urbedeutung von got. f/anisan, veo^ai usw. Vergl. I F. XXI, S. 3U2 f., S. 309 ff. Brugmann sagt Kurze vergl. Gramm., S. 199: «veoiuai 'ich komme heim', vöcttoi; "Heimkehr", got. ganisan 'davonkommen, geheilt werden'». Brugmann meint also, daß die Bedeutung ' als Mittelglied annahm. Das ist eine typische Art von fehlerhafter Etymologie, die aber leider häufig genug ist. Man nimmt dabei ohne w'eiteres an, daß ein Bedeutungsüber- gang, der sich auf dem Boden der einen Sprache zugetragen hat, sich auch in einer andern ereignet hat, was für einige Arten ganz annehmbar erscheint, für andere — zu denen der vorliegende Fall gehört — aber durchaus nicht einleuchtet. F. Soimsen hat sehr richtig entgegnet, daß veoiaai im Griechischen nicht mit ironischem oder bitterem Nebensinne gebraucht wird (wie wir etwa hrhiisitcheu , aber auch heim- schicken, -gehen, -sahlcH gebrauchen). F. Soimsen sagte dagegen, daß die Kernbedeutung der W. *iies «heimkeh- ren» ist und daß sie zunächst von dem aus dem Kriege, von der See und dergl. heimkehrenden Manne gebraucht wurde. Auch ich glaube, daß «ins Haus kommen, sich ins Haus retten, heim- kommen» die Urbedeutung ist, denn bei primitiven Zuständen ist das Haus der einzige Ort, wo mau vor wilden Tieren was den Menschen bedrängt, sicher war. Und so erklären sich auch die Bedeutungen der verwandten Wörter im leicht, wie ein Überblick lehrt. Altindisch inisafe <5*kommt heim, gesellt sich zu». Am deutlichsten scheint mir R. V. 8, 61, 14 zu sprechen: te jänata gvcim aiiJaam säm vaisdsas »d mäfrhhis »litlids nasaiita jämibhis «sie sollen kennen ihre Heimstätte, wie Kälber mit ihren Müttern sollen sie sich vereinigen mit ihren Geschwistern». Oder K. V. 1. 186, 7: tdm im gira.'^ jüiiayas Uli pdtms SKrahhis/üiiiaiJi iianim nasanfa «zu ihm sollen sich (unsere) Lieder gesellen, wie vermählte Gattinnen mit dem herrlichsten der Männer».- Das Haus, das Heim ist die Stätte des Sichzugesellens und seine Bezeichnung muß deshalb der Ausgangspunkt des Bedeutungswandels gewesen sein. Im Awcsta findet sich eine charakteristische Stelle V. lä, 21: gö hr nuhaf nasdishm ntnünam uzdasta «wer das (von) ihrer (der Hündin) Lagerstätte (aus) näcli-^tgelegene Haus gebaut hat» (vergl. H. Iteichelt, Awestisches Elementarbuch, S. 249, und Chr. Bartholomae, .Vltiran. Wb., Sp. 106 und 1061), wodurch ein auhn «Lagerstätte> be- wiesen wird. Daß hierin die ursprünglichste Bedeutung vorliegt, glaube ich allerdings ' Verfasser, Kuhns V.H. XL, S. i>32. ' Leo Meyer, Handbuch der griech. EtymoL II, S. 'J67. — Grafamann übersetzt die letztere Stelle: «Den lieblichsten der Mainier küssen unsere Gesänge wie den Mann verniählte Krauen». Wörter uud Sachen, l. SS Abbild iin;.' Ungefähr '/s. lt. H^iii^liiiuhlr \>>n Westergötland. Nach 0. Montelius, Kulturgeschichte Scliwedens, S. 14. Feinden. Wind uud Wetter, kurz allem, einzelnen 170 Rudolf Meringer. nicht, weil der ganze Zusammenhaug der Bedeutungen der verwandten Wörter dagegen spriclit. Ich meine vielmehr, daß awlia- eine primitive Menschenbehausuug bedeutete und hier auf das Tierlager übertragen erscheint, weil der Mensch schon eine bessere Hütte besaß. Formen von veecröai sind bei Homer 110 mal belegt, immer im Sinne von «heim- kehren, zurückkehren». Das Hubstautivuni v60Toq «Heimkehr, Rückkehr» ist gegen 70 mal belegt. Rätsel gibt vöaTiiaoi; auf. Die «eigentliche» Bedeutung soll nach 1^. Mej'er, a. a. 0., S. 268 sein «mit der Rückkehr versehen», eine jeuer gequälten Konstruktionen, die verschwinden müssen. Brugmann^ faßt vöffriiuoq richtig als «die Heimkehr betreffend». Aber wie ist die spätere Bedeutung «reif, genießbar», von Feld- und Baum- früchten gebraucht, entstanden? Das Material scheint zur Beantwortung der Frage nicht zu ge- nügen. Zu veo|uai ge- liört vaitu, dasBrug- mann, Griechische Grammatik', S. 84, lautlich zufrieden- stellend erklärt. Es bedeutet «wohnen, bewohnen », schließt sich also bestens nach Gestalt und Bedeutung an vco- iuai, vöffTO? an. Wir kommen mit vaioi zu einer Vorstufe Apqpi 6e vnöv evaffoav YOUVOlOlV Abhilduiii,' 10. .V- .,...:. ..L 1.'.; ..1,1111 Korn malend, um den Toten danjit zu versorgen. Nach Ägyptische und Vorderasiatische Altertümer aus den kgl. Museen zu Berlin. Tafel 5. der Bedeutung «heimkehren», nämlich zu «Ijauen, ansiedeln». (erbauten) döecrcpaTa cpöX' äv&puuirujv, Hom. hvmn. Ap. 298. Xeovxa xov p" "Hpti Karevaffffe (siedelte an) Neiaei^q, Hes. Th. 329.^ vaieirig «Bewohner», lueTaväarrii; «Fremdling». Daß griech. vioeo&ai, viooeoöai «gehen, kommen» zu V60|aai gehört und aus *vivffouai hervorgegangen ist, glaube auch ich.' Einige Verbindungen zeigen noch besonders klar den Zusammenhang mit veo|iai, z B. TiiXeiuaxov laeiaüaai KaTüKT«|aev . . . oi'Kabe vicroöiaevov, Od. 4, 701. Das Wort war schon zu dem allgemeineren Sinne «kommen, gehen» ge- langt, so daß oiKaöe hinzugefügt werden mußte, woraus aber keineswegs zu schließen ist, daß allgemein «gehen, kommen» die Urbedeutung der Wurzel war, wogegen schon vaitu Einsprache erhebt. •Im Altindischen entspricht njsatc 3. Ps. PI. «sie küssen», das also eine ähnliche Bedeutungsentwicklung durchgemacht hat, wie wir sie bei nas konstatierten. 1 Grundriß II,, S. 163. — ^ L. Meyer, a. a. 0., S. Üli.-|. ^ Brugmann, Griech. Gram. ', S. :^81, wo auch die Literatur verzeichnet ist. -L. Meyer, a.a.O.,S.270. Sprachlich -sachliche Probleme. 171 Die Bedeutung «heimkommen» ist im Germanischen nicht mehr erhalten. Gotisch gcutisan übersetzt crüiZieö'öai «gerettet werden^. Vergl. Matth. 9, 21: jahai patainei attelca rasfjni is, (/(cnisa ({Tuji>r^0o|Licti) ; Mk. 10, 26: hvas ma;/ fianisan (ffaiöfjvai)? L. Meyer meint, ganisau bedeute eigentlich «in den früheren Zustand zurückkommen». Aus dem ganzen Zusammenhang halte ich das für uninüglich, abgesehen davon, daß diese Bedeutung zu .schemenhaft, zu blutleer ist. «Gerettet werden» ergibt sich leicht aus «ins Haus flüchten». So werden auch die späteren Veränderungen verständlich. Ahd. gancsan ist vivere, convalescere.' Uuir gmcsni salvi erimus, genesint sahi fiunt. Das Verbum -nird mit dem Genitiv konstruiert, der hier wohl einen alten Ablativus separationis ersetzt: «von irgend etwas weg sieh ins Haus retten». Vergl. ahd. (hs knesen niiir rdles. Das Kau- sativum nerjan bedeutet alerc, pascrre, snstentare, curare; vergl. f;r- wickelt. Der ist lirlinldoi nnde irneren «gerettet und in Sicherheit», si nertcn alle sierhrn. Ein Zweifel könnte nur darüber entstellen, wie die Bedeutung «nähreu» sieh einstellen konnte, doch glaube ich, daß auch sie direkt aus «ins Haus bringen» herzuleiten ist. Ahd. nara bedeuti't stipeudia, su.stentatio, lipiutra victus, alimenta; mhd. nar st. Fem. hat den Sinn von «Nahrung, Unterhalt», aber auch «Rettung, Heil». TT ^ «Rettung> Germanisch *nosö «Heimkehr, iMihrung ins Haus» er hu- nicht ganz richtig halte ich Torp-Falks -Vnsatz einer idg. Wurzel ncf «heraukonimen». in )ie.s, eine Technik der Holzgewinnung oder Bearbeitung zum Hausbau bezeichnend, angenommen. Uldenheck^ wandte ein, er finde in der Sippe von veo|uai nicht die ge- ringste Spur einer Bedeutung von Holzbearbeitung und Häuserbau. Vielleicht ist es mir nun gelungen zu zeigen, daß allerdings mindestens «Haus» oder «Heim» in der Grundbedeutung enthalten war, worauf auch ai. ästam «Heimstätte» hinweist. Und dieses Haus, diese Heimstätte, war ein_ Holzliaus irgendwelcher Konstruktion, wie wie- derum got. uns «Balken? beweist. Ich kann also dabei bleiben, daß *('hcs «Bauholz, Holzhaus, ins Haus gehen» bedeutete. Diese Grundbedeutung entspricht allen Anforde- rungen: Sie ist nicht ein abstraktes Gebilde ohne jede Realität, ist im Griechischen noch ziemlich deutlich erhalfen und — was das Wichtigste ist — alle überlieferten Be- deutungen lassen sich auf dieser Grundlage leicht begreifen. Gotisch iiaiKisjaii, erscheint im aksl. als (joiioz'iü wieder und zwar in der Bedeutung servare, cröj^eiv.* Wichtiger wäre es, wenn ai. nasntyii zu unserer Wurzel gehörte, wie Uhlenbeck angenommen hat* und wofür der Sinn wohl zu sprechen scheint. Die Etj'mologien der Inder sind schon im P\V. mit Recht abgewiesen worden, aber Graßmann ist im Wörter- buch zum Rigveda bei der Erklärung *nä *asutyn «nicht trügerisch > stehengeblieben. Ndsatyä, an erscheint als Beiwort der Akuiicn und diese «eilen ihren Günstlingen in Gefahren zu Hilfe, retten sie, heilen sie in Krankheiten, machen sie wieder jung und frisch», was alles sehr gut zur Grundbedeutung von *ik'.s stimmen und eine Parallel- entwicklung zu den V'orgängen auf germanischem Boden darstellen würde. Wie ist aber näsatya entstanden, aus *niS)dio-'^ Die Dehnstufe *nes finden wir auch in aisl. nxra «ernähren»"; daneben erscheint *nrjs in ndra, das auf ein *nözian zurückführt. Warum Torp-Falk einmal nxra und nära anerkennen', das andere Mal nur nwra^, weiß ich nicht. Der Awe-sta kennt einen Dev Nihlia/öytt-. Bartholomae, Airan.Wb., 1079, zitiert «the huslness of the demon N. is tliis, tliat hc (jirrs discontcnf In thr rreafitres». In einerneuen ' Fick III'', S. "29(). — - Deutsche Bearb. von H. Davidsen s. v. N(ere. ' Vergl. IF. XXI, S. 30"2. '' Miklosich, Lex pal. s.v. — Uhlenbeck in Jagii- Anliir 1'. sl. Phil. XV, .S. 487. '■ Uhlenbeck, Et. Wb. d. ai. Spr., S. 147. " Noreen, Laut!., S. .")4, 74. Aisl. und Anorw. Gr., S. 12.S. ' Falk-Tor]), Norw.-dän. Et. Wb. Deutsche Bearb. von Davidsen s. v. nxre und n0re. ^ Fick m\ S. 296. Sprachlich -sachliche Probleme. 173 Kulturschichte ist also der Geist der häuslichen und heimatlichen Sicherheit, des Be- hagens und der Gesund) icit zu einem Dämon des Unbehagens und der Unzufrieden- heit geworden. Mit got. gansjan Trapexeiv «verursachen- ist bis jetzt nichts anzufangen gewesen. Zu lies wird es wohl kaum gehören; wenn docli, dann .sind die Stufen der Bedeutungs- entwicklung erst zu finden. Eine besondere Bedeutuiij;sentwicklung hat unsere Wurzel in den nordischen Sprachen durchgemacht. Aisl. uldrwtri bedeutet in der Poesie «Feuer», eigentlich «Lebenserhalter». Norw. nm-e bedeutet «anzünden,- Feuer anmachen», schwed. dial. nöra dass., während aisl. nbm «erfrischen, ernähren» heißt. Dazu das Substantivum norw. und schwed. diai. unre «Späne oder Reisig zum Feueranmachen».' Der Bedeutungsübergang scheint über den Sinn «nähren, füttern» vor sich ge- gangen zu sein, wie wir «dem Feuer Nahrung zuführen» sagen. 4. Zur Duenos-Inschrift. F. S kutsch ist kürzlich auf meine Übersetzung der Duenos-Inschrift eingegangen und macht zwei Aussteilungen. - Ich übersetzte, im wesentlichen an Thurneysens Übertragung festhaltend ^ «Möge der Gott Dich unterstützen, der mich schicken wird, wenn das Mädchen gegen Dich nicht freundlich ist! Er möge uns (noh) beistehen, wenn (si) Du willst, Du werdest mit Hilfe der Ops mit ihr verbunden. Gutmann (duenos) hat mich mit Heilswunsche für einen guten Mann gemacht; nicht soll mich ein Bösewicht darbringen.» Dazu bemerkt nuTi Skutsch: «Sollte ein Germanismus wie m'dat statt mittas wirk- lich schon damals möglich gewesen sein?» Das weiß ich natürlich ebensowenig als F. Skutsch, aber mir hegt auch gar nichts daran, denn ich hätte ebensogut ganz wie Thurneysen übersetzen können: «Der Gott wird den unterstützen, der mich schickt, wenn etwa das Mädchen gegen Dich nicht freundlicli ist . . .» Eine Inkongruenz bleibt auf alle Fälle. Zu Opcd sagt Skutsch, es sei eine ihm ganz fremde Ablativform. Natürlich weiß Skutsch ebensogut als ich, daß naadrd und dictaiorcd belegt sind. Es handelt sich nur darum, wie man ül)er die Inschrift der C'olumna rostrata denkt. Gewiß ist, daß die- selbe Inschrift neben diesen Ablativen zweimal marid aufweist, wodurch mvaled und didatored yAcM gerade gefestigt werden. Aber eine schwache Mögliclikeit. daß die Original- inschrift diesen Wechsel von i und e gehabt hat. wäre noch immer nicht ausgeschlossen. Das latcin. 7 war ein oilenes und wir linden c und ( nebeneinander. Pisaurensisch sind die Dative Jummr, Mafrc, Salute, deren <■ auf älteres ei zurückgeht, aus dem schließlich / wurde. Aber Sommer, Handbuch, S. 408, hat darauf aufmerksam gemacht, daß auf der Inschrift CIL. I, 1110 sich alle drei Formen nebeneinander finden: Junone Seispitel Matri. So könnte *opi-d für "^opid geschrieben sein. Auch in die quaite (für quarti) könnte eine ähnliche Erscheinung vorliegen, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß in diesem Falle (///■ mitgowirkt haben kann.* Jedenfalls möchte ich an *opal (fiu- *opid) festhalten und zwar aus sachlichen Gründen. Aber ich möchte oped oites nicht mehr übersetzen «mit Hilfe der Ops>, ' Falk-Torp, Norw.-dün. Et. Wb. Deutsche Bearb. von Davidsen s. v. »xrf und »aerr. = Glotta 1, S. 415. — ' IF. XVI. S. IM IT.; XXI. S. 30ti IT. — * Sommer, Handbuch, S. 36S). 174 Rudolf Meringer. sondern «mit Hille des Getreideopfers». Das kann ganz wohl die altlateinische Be- deutung von ops gewesen sein, und um ein Opfer von dreierlei Getreide handelt es sich bei unserem Drilliugsgefäß, wie ich an anderer Stelle wahrscheinlich zu machen suchte.' Ich verwies darauf, daß bis vor niclit langer Zeit Gesichtsurnen mit dreierlei (er- betteltem) Getreide in der Kirche geopfert wurden, um Liebe oder um Kindersegen zu erlangen. Das Getreideopfer hat zuerst den Sinn, Fruchtbarkeit für die Frau zu bewirken, und aus dem, was Sehr ad er vorbringt, ist an dem hohen Alter dieses Brauchs nicht zu zweifeln.^ In Indien streute eine Verwandte Reis auf die beiden Brautleute, aus Griechenland haben wir ähnliche Nachrichten und von den Balten berichtet Lasicius, daß die' verschleierte Braut an den verschiedenen Türen des Hauses herumgeführt wurde: Ad situjulas fores ciiriinispcrgifKr tr/tlco, sUitjinc, avena, luirdeo, -pisis, fahis, papavere, sequente uno sponsam cum sarco pileno oninis generis frugiim. Hier ist also eine reichlichere Fülle aus der, wie ich meine, ursprünglicheren Dreiheit der Gaben von Feldfrüchten entstanden. Der Inhalt der Inschrift, der Umstand, daß es sich um einen Liebeszauber handelt, der nach Art des Fruchtbarkeitszaubers mit dreierlei Getreide (vergleiche die Drillings- gestalt des Duenos-Gefäßes) ausgeübt wurde, läßt mich daran festhalten, daß oped oites das Mittel des Zaubers angibt, und deshalb übersetze ich «die Feldfrucht gebrauchend», d. h. «mit diesem Getreideopfer». Daß bedeutet haben kann, halte ich für unwider- leglich. In ö|aTTvii «Nahrung, Getreide», öjUTTvai «Feldfrüchte», 'Oja-rrvia «Demeter», ömttvio(; «zum Landbau gehörig» haben wir die alte Bedeutung noch vor uns. Ich habe mich schon mehrfach mit der Wz. *op beschäftigt^ und verweise hier nur auf alid. noho xcolonus», welches allein schon beweisen würde, daß *op «den Acker bestellen^ bedeutet hat. Lat. opem fern- (dicui bedeutet eigentlich «jemand Getreide bringen», dann «helfen» im allgemeinen. Der Plural opes hat begreiflicherweise den Sinn von «Reich- tum, Macht, Einfluß» angenommen. Das griech. TTriveX-ÖTreia faßte ich als «Gewebe- wirkerin»*, und wieder finden wir iin Germanischen diese weitere Bedeutungsentwick- lung in aisl. cfna «ausführen», cfni «Stoft\ Zeug». Diese Übertragung auf eine neue spezielle Art von Arbeit geht davon aus, daß *op zur allgemeinen Bedeutung «wirken, schaffen» gekommen war^ und dann wieder in anderen Sprachgenossenschaften seinen Sinn einengte. Auf die alte sinnliche Bedeutung ackern» führte ich ÖTTuieiv «heiraten», das nichts mit oicpeiv zu tun hat, zurück. Ich sagte, *0TTuTa *opHSi sei «eine, die ge- ackert hat», euphemistisch für die nicht mehr Jungfräuliche. Und dazu stellt sich nun got. aha «Mann, Ehemann», aisl. afi. Torp-Falk" meinen, das Wort bedeute «der Tätige». Ich denke, es bezeichnet den «Ackernden» oder den «Zeugenden». Die Frau als Saatfeld, der Mann als Ackerer, das sind Vorstellungen urwüchsiger und begreiflicher Ai-t. Daß der Germane in die Wurzel den Sinn des geschlechtlichen Ackerns legte, das scheinen mir die Bedeutungen von got. ahrs «stark, heftig», aisl. afl «Kraft», ags. afol dass. zu beweisen. • IF. XVI, S. 162. — 2 0. Sehr ad er, Reallexikon, S. 358. 3 IF. XVn, S. 127, XVIII, S.20S. — ■• Doch vergl. jetzt F. Solmsen, Kuhns Zts. XLII, S. 232. * Vergl. die schöne Arbeit von Gen-ichiro Yo.shioka: A seniantic study of Ihe verbs of doing and niaking in the indoeuropean languages (Dissertation der Universität Chicago), Tokio 1908, S. 21. <- Fick III \ S. Vi. Sprachlich-sachliche Probleme. 175 Ich habe in den IF. XVI, S. 163, eine Gesichtsurne wiederholt, welche einen Mädchenkopf mit einer Erbse im Munde und Phallen auf den Wangen darstellt. Be- nutzte ein Mann oder ein Mädchen die Urne zum Liebe.szauber? Die Erbse, die der Kopf im Munde hält, dürfte wohl einen Teil des Inhalts des Gefäßes andeuten und Erbsen spielen im Liebeszauber eine Rolle, worüber Wuttke, Deutscher Volksaber- glaubc -, S. 10.5, zu vergleiciien ist. Zu meiner Freude kann ich in den Abbildungen 12 — 14 eine Urne von großem Interesse darstellen. Sie gehört Herrn L. Mattula, Lehrer in Uuter-Retzljach in N.-Ö. Der Besitzer teilt mir mit, daß sie in Znaim ca. l*/2 m unter dem Straßenniveau gefun- den wurde. Sie ist 12,0 cm hocli und hat zwei Henkel. Auf der einen Seite sieht Abbikluiiii 1-.'. Phallische Gesichtsurnc. Vorderseite. Ahbildun.tr 13. Phallische Gesiehtsurne. Rückseite. Abbildung 14. Phallische Gesichlsume. Seitenansicht man ein bärtiges Mannsgesiclit. Auf der anderen ein weibliches, unter dem zwei Arme hervorkommen, die ein membrum virile umfas^jcn. Der Phallus ist 5,5 cm lang und besitzt deutliche testiculi. Auch die glans ist richtig dargestellt, es fehlt auch die Aus- HußöU'nung nicht. Ich nehnii' an. dal.^ aucli dieses Gefäß mit einer Mischung von Getreide gefüllt war. Vielleicht auch von erbetteltem. Erbettelt oder gestohlen sein ist oft die Vor- bedingung der Zauberkraft eines Dings, vergl. Wuttke -, S. 14(3, S. 185. Wiederum erhebt sich die Frage, war ein Mann oder ein Mädchen die darbrin gende Person oder konnte das Gefäß von beiden Geschlechtern geopfert werden? Ich denke, daß gerade die Einzelheiten der Darstellung dieses Gefäßes für die Darbringung des Mädchens sprechen. Sie hält den Gegenstand ihres ^\'unsches, das membrinn virile, in den Händen und das Bild des Mannes ist mit dem ihrigen untrennbar vei-schraolzen. Freilich kann man auch sagen, das Gefäß stelle derb sinnlicli gerade das dar, wt\s der Mann von dem begehrten Mädchen sich erhotft und durch einen Zauber erzwingen will. 176 Rudolf Meringer. Die Abbildung 15 stellt das Bruchstück einer rümischen phallisclii'u Gesichtsurne dar, welches in Wien I. Fleischmarkt im Jahre 1902 ausgegraben wurde. Das Material ist schwarzer Ton, die Größe die der Zeichnung. Das Stück wird im Museum Vindobonense bewahrt, die Zeichnung verdanke ich der Güte des Direktors Dr. Kowalski de Lilia, für den sie der akademisciie Maler Herr llol)ert Lischka gemacht hat. Das niUdt der Duenos-Inschrift wird gewöhnlich mit «senden» übersetzt. Das ist wohl nicht richtig, denn von einem Senden an das Mädchen kann jetzt keine Rede mehr sein. An ein Einschmuggeln im Gemach der nicht willigen Jungfrau könnte man zwar denken, aber ein Opfer kann nur wirken, wenn es irgendwo geopfert, darge- bracht wird. Den Sinn von g&nxe (wie H. Schenkt nach mündl. Mitt. meint) könnte das Wort dagegen liaben, weil es scheinbar synonym ist mit dem spätem datod oder statod. Aber ich glaube, es kann «ausgießen» bedeuten, das Getreide ins Opferfeuer schütten, wie man vom Ausgießen der Würfel miffrre sagt. Mitferc ist unser schmeißen. Abliildung 15. Biufhstiick einer nUni.sclieii Gesichtsurne mit Phallus. Warum ist nicht «le/^a^ gesehrieben ? Hatte das Wort ein Aoristpräsens *mUö und ist der Diphthong erst aus dem .s-Aorist *mcisai ins Präsens gedrungen? Daß aus *meito mit diphthongischem ei mitto entstanden wäre, mitat also nur graphisch für mittat stünde, ist ausgeschlossen. Beim dreifachen Getreideopfer der Kedeni Ko]>fln und dem DriHingsgefäß des Buenos, das man sich ebenfalls mit dreierlei Getreide gefüllt denken muß, kommt einem leicht in den Sinn, daß die neuere Forschung den Indogermauen die Bekannt- schaft mit drei Getreidearten zuschreibt, nämlich mit Gerste, Weizen, Hirse.' Man könnte ja immerhin daran denken, daß im heiligen Brauche des Opfers, später des Zaubers, uralte \'orstellungen in ihren Nachwirkungen wenigstens lebendig bleiben. Aber au direkten Zusammenhang zu denken, wäre phantastisch, denn sonst könnte man auch die Redensart: Aller guten Dinge sind drei auf die drei Getreidearten der Urindogermanen zurückführen wollen. Drei ist eine uralte heilige ZahP — wie sie es ' J. Hoops, Waldbäume und Kulturptlanzen, S. 377 ff. — Ü. ISclirader, Sprachvergl. und Urgeschichte P, S. 460. — - H. Hirt, Die Indogermanen, S. 537. Sprachlich-sachliche Probleme. 177 geworden, ist eine g;mz andere Frage — und sie spielt nicht nur im Aberglauben über- haupt, sondern auch im Liebeszauber eine besondere Kolle, wie auch ein in den Hessischen Blättern für Volkskunde III (1904), S. 136, von Karl Ebel mitgeteilter grotesker Fall beweist. 5. Die Urbedeutung von cmevbuj, spondeo. Im Recht von Gortyn Coliitz S. (;. D. .1. 4U91 findet sich tTnaTTtvöuj mehrfach in der klaren Bedeutung versprechen, zusichern», z. B.: IV 48 Ai öe KU Xe I 1 0 TTurep booq lov bofiev tu | 50 i oiruionevai, boTO Kaxa x a e(pu^\it\a, TiXiova be |U€. j Orei«! be TTpoi>{> eboKe e eTrecr | nevoe, tuut ekcv, u\Ku be \xi. Vi aTToXav'Ka vev. «Wenn der Vater bei Lebszeiten geben will der Verheirateten, so möge er es tun nach dem Gesetze, mehr aber nicht. Der er aber vorher gal) oder zusicherte, die soll das haben, anderes aber nicht erhalten.:. Zu eTreOTOVoe macht nun Bücheier' die Be- merkung: «eTTecTTTevot heilig zusicherte, Apopondit, weil einst mit (TTTovbii, wie schon Ver- rius erklärte*. Büdieler sucht also die Urbedeutung der Wz. in CTTTovbn «Trankopfer» und kommt erst dadurch, daß die Zusicherung durch ein Trankopfer geheiligt wurde, zur Bedeutung «zusichern, versprechen». Ich halte das Umgekehrte für richtig. OTrevbuj bedeutete «zu.-7»('H(/. "^'xpond geiun \on dem Aufhängen auf dem Wagebalken aus-, woher lat. pendcrc zum Siinie von «zahlen» gekommen ist. ' Fl-. Bachelor uiul E. Zitelmanii. Das Recht von Gorlyn, t^. -.Ti (Rhein. Mus. .\. F, -k). Bd., Er- jjtiin/.ungslieln. — -' Ich kann eine Wage ohne Schalen (von der Sclinellwai-'o spreche ich nicht) vorläufig nidit iiadiweisen, aher ich denlce mir die Slteste. die zweiarmige, Wage ohne Schalen, Dann war das Wägen wirklich ein «Aufhängen». Wörter und Sachen, I, 'S 178 Rudolf Meringer. Durch eine Metapher koiniut num leicht von «wägen», «zuwägeu» zu «versprechen». Daß diese Zusammenhäoge richtig sind, glaube ich auch deswegen, weil sich nun ai. spandate «zucki, schlägt aus- (von Tieren, vom Kinde im Mutterleib gesagt), .'*/?(u«f7oH(is «zuckend» gut anschließt, denn diese Bewegungen sind bei der Wage mit dem pcuilcn-, dem Aufhängen zum Abwiegen, naturgemäß verbunden, l^brigens ist jedes Aufhängen mit einem Zucken und Ausschlagen verbunden, denn auch das Pendeln kann man ganz wohl als solches auffassen. Ich will noch auf die anderen ähnlich gebauten \\'urzeln eingehen, weil unsere Wörterbücher in diesen Fragen arge Verwirrung zeigen. Vorher noch eine Bemerkung. Heute wird noch auf weiten Gebieten jeder Kauf- handel Im Wirtshaus reichlich «mit Wein begossen . Bei so festsitzenden Bräuchen ist der Gedanke an hohes Alter wohl erlaubt. Vielleicht wird eine zusammenhängende Darstellung ergeben, daß der gemeinsame Trunk nach dem Kaufe einmal eine andere als eine rein gesellschaftliche Bedeutung hatte. Wie aus einem Opfer ein Mahl wird, kann man, glaube ich, auch aus einem Rechts- satz des Gesetzes von Gortyn ersehen. Die Adoption war in Gortyn ohne weiteres erlaubt. Vergl. X, 33 ff. AvTravcriv e|uev OTTO Ka Ti\ \ I ei. AjLiTTaiveO-ai be kot ayopav | Kaia/eXiuevov TO|a TToXiaxa [ v airo to \ao o aiTaTO- peuovTi. «Adoption möge sein, wo einer will. Adoptieren aber soll man auf dem Markte, bei Anwesenheit der Bürger, von dem Steine aus, von dem herab man spricht.» Und X, 37 ff. bestimmt nun weiter: 0 be «i-iTravaiaevo«; öoto xa | i eraipeiai xai .Fai auxo lape [ lov Ktti TTpoKoov ./bivo. «Der Adoptierende soll seiner Hetairie ein Opferlier und einen Krug Wein geben.» Dieses Opfer gebührte jedenfalls zuerst den Göttern, die dem Manne zu einem Sohne verholfen haben, nicht der Hetairie. Dieser Dank au die Götter war wohl berechtigt, denn die Is. fährt fort X, 39 tf. : Kai I laev KuveXexai iravxa xa Kpe ] laaxa Kai |ae ffuvvei YvecTia x j eKva, xeXXe^ |uev xa Oiva Kai x« avxpoTTiva xa xo aviravaiae | vo KavaiXeöai, aiirep xoiq y | veo'ioii; efpaxxai. «Und wenn er (der Ado})tiei'te) das ganze Vermögen erbt und leililiche Kinder nicht mit da sind, soll er erfüllen die göttlichen und die menschlichen Dinge des Adoptivvaters und soll für sich in Empfang nehmen, wie es für die leiblichen Kinder bestimmt ist.» Der Adoptierte soll als Erbnehmer nicht nur die menschlichen Dinge seines Adoptiv- vaters erfüllen (xeXXev), sondern auch die göttlichen. Das erstere ist begreiflich, das letztere schwierig. Man kann an Pflichten des Erblassers an die Götter oder an «gött- liche» Pflichten gegen ihn denken. Bis jetzt sehe ich nur die Möglichkeit, diese zweite Auffassung zu begründen. Der Adoptierte mußte ra öiv« xo avTiavaiucvo xeXXev, d. h. er hatte alles zu tun, was der Totenkult der Zeit verlaugte. Die Ideen, über die man sich bei 0. Schrader unterrichten kann, lassen uns zum Verständnis der Stelle ge- langen^; der Animismus war die erste Ursache der Adoption und der Hauptpflicht des Adoptierten, der Sorge um das Grab seines Adoptivvaters. Der Ausdruck öiva hat seine Entsprechung bei den Römern, bei denen sämtliche Pflichten der Überlebenden gegen die Abgeschiedenen unter dem Begriffe der i/ira dcomm manium zusammengefaßt werden. - ^ 0. Schrader R.-L., s.v. Junggeselle. — Ders., Die Scliwiegeriinitter und der Hageslnlz. — Üers., Tütenhochzeit. — Im R.-L.. S. 32, sagt 0. Schrader, daß Totenkult und Erbschaft im inni^.'.slen Zusammen- hange miteinander aultreten, und begründet dies aus indischen, griechischen und gei-manisclien Nachrichten. ^ G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, S. 11)2. Sprachlich-sacliliche Probleme. 179 Hatte aber der Ailoptivvator einen Sohn erlangt, der alle Pflichten des leiblichen auf sich nehmen mußte, dann erscheint die Spende des Opfertiers und des Weins in ernsterem Lichte. Es ist kein Freudenmal gemeint, sondern ein Dankopfer an die Götter, bei dem auch die Hetairie anteilnehmen durfte. W. sjiendli «Bast» später «Holz». Wie das lat. adcjjx sowohl den Sinn «Fett» als auch '.")4, — ' Verfasser, D;uä deutsche Haus. S. 00. 83* ISO Iliuloir Mcriiiger. « rauche nicht zu erwähnen, daß die Palmblätter bloß ans zeichnerischer Unfähigkeit hier senkrecht gestellt sind und daß deshalb auch die anderen Gegenstände in der Luft zu schweben scheinen. Aus dem reichen Material der Berliner Sammlungen führe icli imr noch Tafel 21 Abbikliin? '20. Diissellie ebendaher. .Vbliikhnig 21. Bosnisihes Baiie^fUiß. M. A. G. Wien X.XXIV, ?. ItiT. Fif. 55. an, die ich in Abbildung 23 wiedergebe. Es ist ein Kelief aus dem Grabe des Cha- em-het, Vorstehers der Scheunen unter .Vmenophis III. (etwa 1400 v. Chr.) zu Theben. Der erklärende Text sagt: «Er ist in altertünüicher Tracht dargestellt, mit Szepter und Kommandostab, am Halse ein Amulett; vor ihm ein Wasserkrug und Blumen, die ihm gespendet sind (Kalkstein)». Was an dm Opfertischplatten technisch mir am meisten auffiillt, ist die Ausfluß- tiHnuiig. Sie scheint mir nicht der Steintechnik entsprungen zu sein, sondern es will mich bedünken, daß sie eher der Holzteelmik ihre schnauzenartige Gestalt verdankt. Und in der Tat kenne ich aus Bosnien ein Ilolzgefäß, das seiner Form nach an die Opfertische erinnert. Mein damaliger Zeichner R. Lischka hat es in der Tscharschija in Sarajevo aufgenommen unil ich habe es M. A. G. Wien XXXIV, S. Ui7, Figur ."■•.'■>. zur Darstellung gebracht; ich wiederhole die Zeichnung hier in Abbildung 21. Leider haben Wörter uud Suchen. I. U 186 Rudolf Meringer. wir uns weiter niclits aufgemerkt, als dulA das Holzgelaß für Bäder verwendet wird und die Kinne im Stiel zur leichteren Entleerung des Wassers dient. Es handelt sich wohl um die rituellen Bäder der Moslini. Im (iibrauche haV>e ich diese Holzmulden nie gesehen. Ähnlichkeit mit den ägyptischen ()i)fertisehen (und den vertieften Sigma -Tischen) hat der untere Teil der Pressen. Vergl. z. B. das allegorische Bild aus dem 15. Jahr- liundert «Christus auf der Kelter» bei Lindet, Les repr^sentations allegoriques du niouliu et du pressoir, Rev. arch. XXXVl (1900), S. 410, Figur 1. Ein Zusammenhang — außer dem rein technischen — besteht aber nicht. Ich erwälme den Umstand nur, weil •Afe|E/?f ^y/MiM' Ahhildung 22. Agj'ptisclies l^elief. Der Tote vor dein besetzten Tische. A. a. O., Tat. 9ij. Aliliihiung- 23. Ägyptisches Relief. Der Tote vor dem Tisclie mit Blumen- und Wassergefäß. man an alle Möglichkeiten denken muß (vergl. Abbildtmg 24). Der Kultus der Toten ist auch bei den Indogermanen weit verbreitet und es genügt hierzu, auf die Ausführungen 0. Schraders im R.-L. s. v. Ahneukultus zu verweisen. Speziell auf Schraders Bemerkungen zum Leichenbegängnis des Patroklus II. XXIII, 164, sei verwiesen (a. a. 0., S. 25). Rührend ist das Wort der ( 'ornelia, der Mutter der Gracchen: nbi mortua cro parentahis milii d invocahis dcum parcidcni (Wissowa, Religion und Kultus der Römer, S. 187). Bei den Römern führte der Brauch des Toten- mahls aber auch zu großen Gelagen bei den Gräbern, worüber Daremberg-Saglio s. v. parentalia zu vergleichen ist. Bekannt ist, daß bei dem triclinium funebre in Pom- peji einige Teilnehmer vom Tode erreicht worden sind.' Vollkommen klar liegen d'e animi- ' Das pompejanische Triclinium funebre findet sich bei üverbeck, Pomiieji ', S. 278, wiedergegeben. Mir steht leider eine andere Darstellung augenblicklich nicht zur Verfügung. Sprachlich-saclilicbe Probleme. 187 stischeii Gedanken bei den Germanen vor; man gibt den Toten Speise und Trank mit ins Grab; man veranstaltet Totenmahle am (irab, die zuerst den Seelen der Verstorbenen dargcbraeht werden, an denen aber auch die Familie teilnimmt und später ein großer Kreis von Ciästen. Je mehr Gäste, desto mehr Ehre brachte das Mahl dem Abge- schiedenen. Nordische Qnelien berichten noch aus christlicher Zeit, daß der Tote zu seinem Leichenschmause erschienen sei und daran teilgenommen habe (E. Mogk, Pauls Grundriß II', S. 253). Und diese Sitte des Leichenmahls lebt in verschiedenen Umformungen noch heute bei Germanen und Slawen fort. An so viel sei hier nur er- innert, um den Zusammenhang von Geräten und Gedanken her- zustellen und zu tlera nächsten Punkte überzuleiten. Zu 4. Jeder Leser von Strzy- gowskis Aufsatz wird sofort ge- sehen haben, daß hier Tatsachen von kulturhistorischer Wichtigkeit besprochen ^verden. Und solche Tatsachen müssen in der Sprache irgendwelche Spuren hinterlassen haben. Mich freut es, daß Murko das Glück gehabt hat, eine von diesen Spuren sofort zu finden, wovon fr in einem später folgen- den Aufsätze bandeln wird. 7. Deutsch Brüche. Weil Jlriidc und BirtiK ver- wandt zu sein seheinen und es auch sind-, stellt sich wohl mancher schdu die älteste Brücke als einen über das Wasser gespannten Bogen vor. Das ist vollkommen unrichtig; solclie Brücken gab es nicht. Flüsse wurden an Furten überschritten, besser gesagt, durchwatet. Der ursprinigliche Sinn von IlrürJce ist «Prügelweg über sumpfigen oder morastigen Stel- len».^ Das tertimn comparationis zwischen liiatir und liriich' ist nicht die bogenRirmigo Gestalt, sondern die parallele Anordnung der Teile: Wie liei der Braue Härchen neben Härchen liegt, so bei dem Prügel weg Stange neben Stange. Oder Mast neben Mast (d. li. lvun(i>tamm neben Rundstamm), auch Bohle nebeu ' Dio VorUigo Villi Aliliildiiiij.' 'Jl- ^lalllnlt aus dem liortiis deliciarum der Ablissin Herrml ron Ltnidsiifi-;/ ;t 1 !'.•■")). Icli vcnliuike «Icn Narluvois und dio l'li(ito;;rapliic .F. Strzy?owski und halte dieses Hill! ;;(lira(lil, wi'il es iiltor ist als das vim I.indel repioduzioitc. - Tor|i-l''alk, l'"i(k 111 ', S. -JSI.dio sich ülior die l'Vasio iiac li doui Zu.si»uuiit'nlian}:i> der Hodouluni: iiidil auslassen. — lliii, Welfiand, .■>. .\un , nennt dio Hedeulunpsonlwieklune viin Braue und Brücke unklar. - FalkTioii, 1). V. Pavidsen s.v./«-« und hnjijiii: — .A. Xoroen. I.,aull., S. l.'vi. ■' ilier sdlilie .Moorwe^e 11. Hirt. Dio Indtigennancn II, »WS. — O. Srlirader. R.-L.. S. lUf. W .Abbildung 24. Cliiistus auf der Keller.' Nach dem hortus deliciarum der Heri-ad von Landsper^'. 1S8 Rudolf Meiinger. Bohle. Solclie Holzwege gab es in iVüliereu Zeiten wegen der Boden beschaffenheit aui' «Toßen Strecken und an vielen Orten, denn nur aui' diese Weise waren die Moräste passierbar zu maehen. Einzelne dieser Brücken waren Tausende von Metern lang. Solche sind z. B. in den Torfmooren der ehemaligen Herzogtümer Bremen X'erden zum Vorschein gekommen.' Die Herstellung geschah entweder mit Bohlen oder mit Kundknüppelu, manchmal zeigt auch eine und dieselbe Strecke beide Konstruktionen. Kluge hat in den Engl. Stud. XI,S.5] 1, Liebermann zugestimmt, der ags. hri/ci/ian (siehe unten) mit einen Bohlenweg herstellen» über- setzte. II) r ab im ihn Jakub berichtet, daß er vor Prag eine Moorbrücke von etwa zwei Meilen Länge i)as- sierle.^ Auch eine holländische Ge- sandtschaft, welche 1(315 von Keval nach Moskau zog, nuißte ihren Weg über eine solche Brücke nehmen. Diese bestand aus runden Masten von Tannenbäumen, welche in Moor oder in fließendes Wasser gelegt waren. Die Hölzer waren alt, manche verfault, so daß Zwischenräume vor- handen waren und die Masten beim Betreten rotierten. Wir haben auch ein Bild dieser Brücke und sehen daraus, daß die Masten seitlich durch Pflöcke gefestigt waren, so daß das seitliche Verschobenwerden der Höl- zer wenigstens im Anfange verhin- dert war (vergl. Abbildung 2(')). Die Frage ist, ob die ältesten dieser Moorbrücken schon vor den Römern vorhanden waren, oder ob sie erst von den Römern gemacht wurden. Das Wort Brikkc weist darauf hin, daß die Erfindung eine alte, schon vor- römische war. Russisch mostavaja bedeutet «Pflaster». Schrader hat gesehen, daß es die ur- sprünglich mit Brettern überdeckte Straße l)edeute, und verweist auf mosh «Brücke», klruss. pomvst «Diele». Aber es wäre statt Bretter besser Stangen oder Masten zu sagen, denn mostz gehört ganz gewiß zu Mad; und das, was eben über die aus wirk- Abbildung 'ih. Ein V,.^ Kilometer lunger «Prügerlvveg lehmigen Boden bei Lannacb in Steiermaik. ^ H. Müller-Brauel, Globus 1SÜ8, S. 23 ff. 2 E. H. L. Krause, Globus 1898, S. 25 fT. — Die Gescbiclitschreiber der deutsclien Vorzeit, 33 ^ S. 149: «Am Ende des Waldes ist ein Sumpf von ungefähr zwei Meilen über den eine Brücke geschlagen ist bis an die Stadt Prag». Sprachlich-sachliche Probleme. 189 liehen Masten liergestellte Brüeke von 1015 in Ingermannland berichtet wurde, stimmt dazu vollkonunen. Damit soll die I'Lxistenz von Bohlenwegen in Rußland nicht geleugnet werden und 0. Sclirader kann sicli dafür auf Gewährsmänner stützen. Aber der Name mostai'dja kommt vom Weg, der nnt llundhölzern, wirklichen Masten, belegt war, nicht von den Brettervvegeu. Ich habe als 15jähriger .Junge den grenzenlosen Schmutz der Dorfstraßen in Russisch -Polen gesehen. Wie oft ist unser Wagen bis zu den Achsen eingesunken! Ein Prügelweg, der nichts weniger als ein Ideal ist, wäre gegen diese Wege noch immer ein Segen gewesen.^ Das aksl. mosti, «Brücke» hat O. Schrader, R.-L., S. 115, als Lehnwort aus deutsch Mast erklärt, was möglich und denkbar ist. Aber es kann auch Urverwandtschaft vor- liegen. Wenn die beiden Wörter urverwandt sind, dann muß man 3Iast von lat. malus abtrennen, wodurch die Wörter mit lat. / für d weiter zusammenschrumpfen würden-, wobei ich darauf hinweisen will, daß auch soliimi nicht zu sf'drrc, sondern zu deutsch Sal gehört. Die Sippe mast-mosU ist dann aus *mat-sto- entstanden und gehört zu lat. mateola « Werkzeug zum Einschlagen in die Erde», aksl. mo- ii/ka, ixgsjiKiftor« Spitz- hammer», vgl. Torp- Falk, Fick IIP, S. 305, 318. Eine mo- derne südslawische moi'ika habe ich M. A. CJ. Wien XXXIV, (1904), S.'löS, Fig.G2, abgebildet. Das idg. Wort für Braue zeigte einen Ablaut *bhreu, *hhrü, *hhruii. Vergl. ai. bhnis, gr. cxppOq, aksl. bnvb, aisl. bni, ags. Jtrd'ir. ahd. brüiva. Und in allen seinen Ablautgestalten bedeutet das Wort auch «Brücken, d. h. ur- sprünglich «Prügelweg»: altgall. hrtra, aisl. und neunorw. bni, bulg. bncb «Brücke, Balken, Klotz», kruat. brr •sBalken, Stegbrücke». Weiter hierher aksl. hnvino boKÖq «Balken^. Über die slawischen Wörter Berneker, EWb. s. v. brui, 1 und 2. Das germ. *bni(jju, das klärlich von demselben Worte herstammt, hat nur die Be- deutung «Prügelweg, Brücke», aisl. brijggja «Schiffsbrücke, Kai», ags. hnjcxj, as. hniggia, ahd. brucka. Vergl. auch ags. bri/cgian, mnd. bruggen «mit Steinen pflastern», eine Be- deutung, die sich bei der fortschreitenden Technik aus der älteren, welche bloß «mit Bohlen belegen» besagt, entwickelte. Neben der Form %ri«ijo, die im Westgermanischen Konsonautengemination entwickelte, erscheint eine Form ohne diese in Schweiz, briig'u von dessen Bedeutungen gleich die Rede sein wird. ' Ich fuhr per Wagen von Lcniberjj bis in die Nähe von R.idom. süJlich von Warschau, und dann von dort wieder per Wagen nach Krakau. Die Chausseen waren in Ru.<. ein auderei Mal. - l'\ Soninier, Handbuch, S. liC!. Abliilduiig •ii'i. Ein Prügehve;,' in Ingermannland lül.5. Nach «Globus. 1898, S. -m. 190 Rudolf Merineer. Mau stellt mhd. brii(jii «Prügel» zu liriichc und die Bedeutungen würden aufs beste stimmen. Doch liaben Falk-Torp, Ordbog s.x.ji^eil und prytji, dagegen geltend gemacht, daß Priigcl durch Dissimilation aus ^j^higild- entstanden sein könne und dieses die Al)lautform von ndd, plnjil, dän. phil, mhd. rhyil. aber Ifilö noch phhr/fl (siehe Weigand-IIirt s.v.) sei. Mir scheint die Zusammenstellung von J'riii/'jl mit Jirlickr noch immer die beste zu sein. Im oberdeutschen Bauernhause hat Brücke noch eine l)csonder(! Eiüwicklung durchgemacht. Es bedeutete zuerst den Prügelweg neben dem Hause, den man an- legte, luu trockenen Fußes vom Menschenhaus zu Stall und Scheune gelangen zu können, das, was sonst in ihrer spä- teren Ausgestaltung die (ired heißt.' Dann erhielt ein Holz- vorbau vor der Eingangstür den Nameu Brücke. Auch eine horizontale Bretterdecke über dem Ofeu, die von dem Ofengeländer getragen wird, heißt OfcnpniLti und dient als Bett. Solche Ofenbrücken kommen auch auf Schlos- sern vor. hn Wigalois 74G8 heißt es: frouice Ja fite itf einer liöheii hyiiclce sa^, dajnie deJtein linieke lag von betten tvart (jrsliclitef, mit tepchni icnld hr- rihtet. Man gibt an, daß auch eine Lagerstätte neben dem Ofen Brüche genaunt wird, was ich nicht gehfirt habe. Beachte, daß hier von einer hnlii-n hriiel;e die Rede ist. Auch die Bi'deutung «belege einen Weg durch Sumpfgründe mit Querhölzern» ist im Mbd. nachzuweisen.- Wigalois (i768: eine sln'e^e, diu was Steirischen heißt der Schlachtraum Selilatihmkn. Über die ursprüngliche Vor- richtung, die diesen Namen begreiflich macht, ein anderes Mal. JJriicl-e als Vorbau vor der Haustür. Vergl. das Haus, das J. Hunziker, Das Schweizerhaus III, hrsg. von C Jecklin, S. 21ö, P^ig. 242, S. 2IG, Fig. 244, darstellt (1 ist das hriie/r/li). Eine solche «Brücke» zeigt auch die Fig. 251, S. 219, daselbst. Auch ' So äulJfite jcli iiiicli in der Zls. f. d. öslerr. Gymnasien 1S93, S. 1.5. — Was ich damals sagte, scheint diuTli den Trakt;it ße yesceadwisan yercfdii liiebermann, Gesetze der Angelsachsen I, S. 455, 13, bestätigt zu werden, l'ntei- den Obliegenheiten des klugen Amtmanns wird hier besonders genannt: hettveox hnsan hrict/an «zwischen Hiiusein zu pllastern», was sich wohl eher auf Prügelwege beziehen dürfte als auf Stein- pflasterung. Iell an den Langseiten des Wirtschaftsgebäudes, das sich hier an das Wohidiaus anleime, unter dem vorspringenden Dach ein laubenartiger geschlossener Gang hinziehe, <'ljrii;ji ' genannt. Wenn Maaler 1561 Briige flir «Sehaubülnie» ver- wendet, so ist das eine wohlbegreifliche Übertragung eines volkstüniliclien Wortes auf einen Gegenstand höherer Kultur. Über das ßriicid von Aussee habe ich'- und hat auch v. Andrian bericlitet und Bilder gebracht' (vergl. hier Abbildung 27). Als aus dem Hol/.prügelweg ein gepfla- sterter, mit Steinen hergestellter entstand, be- hielt dieser den Namen Brücke bei. Vergl. ndd. sfcidiriiinir «Steinpflaster». Die unter unserem Kultureinflusse stehenden Slawen übernahmen dann das Wort im Sinne von «Pflaster, Straßenpflaster»: polu. hnik da.ss.'; die Litauer haben hrhlcus nicht nur im Sinne von «Stein brücke», sondern auch von Stein- pflaster» übernommen. In früherer Zeit ist hriiijis entlehnt wurden. A. Bieleustein, Die Holzbauten und Holzgeräte der Letten, S. 85 f., beschreibt das Fundament einer Riege so: «Das Fundament besteht aus einzehien größeren Feldsteinen. Die Zwischenräume zwischen diesen sind mit hineingewälzten Ilolzljlöeken ;efiillt, die .Vlibililun;,' 28. Yogeseiiholzprügelwe?. -Nach Buch iloi- Erfinrlungeu ISliS, Ei-gäiizHngshaiul, S. 17(1. mit eingetriebenen Pia! den befestigt und dann mit Erde von außen bis an den Grundbalken beworfen sind. Ein solches Fundament nennt man hnifjig.» Dazu bemerkt er in einer An- merkung weiter, dieses Wort sei ein deutsches und bezeichne eigentlich die Knüppeldämme, welche früher durch die Moräste gescblageu wurden, dann die chanssierten Landstraßen und endlieh auch gepflasterte Straßen. Es gibt noch ein anderes deutsches Wort für sKnüppell>rückes , das Kluge richtig erkaimt hat, nämlich nuidd. spnJce. Er setzt es im Et. Wb. s. v. zu ahd. spali/io «Reisig». Dazu sei lunierkt, daß auch das Reisig bei den Moorbrücken eine Rolle spielt, denn sdion bei den ältesten linden sich Faschinen, dh. Rutenbündel, zum Aus- stopfen der Zwiscbem-äume verwendet. Die Sippe des ahd. spaliho. mhd. sjyaclir «dürres Reisholz» macht Schwierigkeiten, vergl. Torp-Falk, Fick 111', S. 506. Eine besondere Art von Prügelwegen existiert im Gebirge. Mau legt sie an. um " Chr. H:iiuk. Kiillingosi liu lile des deutschon Rauernhauses, S. ö;^. - Verfasser. M. A. G. Wien XXll, S. 101; XXllL S. l.M. Fi?. lU); S. !.");>. fi;:. \M : ^. UM. Kii:, HO. ' V. Andrian, Die Allausseer, S. ;«— 1!7. — ' K. Heriieker, Kt. Wb. s. v. bruk; S. !>".». 192 Rudolf Meringer. darauf mittelst ydilitten das Hol/, zu Tai zu schaliun; vergl. die AbliiUUing ^8. Das Bild zeigt bloß den Schlitten luit den Personen auf dem Holzwege, die Holzschlittcn außerhalb. Das war aber nicht das Normale: Der Weg ist für die Schlitten gepflastert, nicht für die Ausflügler. Vergl. Buch der Erfindungen ISijS, Ergänzung.sband, S. 17ß, mit Text S. ITf). 8. Lat. i>ons und seine Sippe. Was wir liei Briklic gelernt haben, zeigt uns den Weg für die Bedeutungen der Sippe von poiiii. Auch die Urbedeutung der darin vorliegenden Wurzel ist «Prügelweg». Dann sehen wir sich daraus entwickeln «gehen», «Decke eines Gemachs oder Hauses». Aus der ßeileutvuig gehen» entwickelt sich die von «finden».' Zum Verständnis be- merke ich nur kurz, daß die primitive Herstellung der Decke eines Raumes in dem Nebeneinanderlegen von Prügeln, Stangen besteht. Bei uns findet sich das noch in Nebengebäuden und es kann einem z. B. im Dachbodenraum eines Stalles zustoßen, daß man mit einem Fuß zwischen zwei Stangen gerät, wenn nämlich einzelne Prügel durch Alter schadhaft geworden und ausgefallen sind. Ich verweise auf Torp-Falk bei Fick HI ', S. 228, und ordne die einzelnen Worter nach den Ablautstufen der Wurzel. ''■pciifh-. Got. fiHpun usw. «finden». Air. (■faim dass. *poiitli-. Aksl. ;w/6«Weg»; aus der Sprache der Schifier mag es sich herschreiben, daß gr. TTOVTO? eine Bezeichnung für «Meer» wurde. Hierher wohl auch die starken Kasus des ai. pänfhcu (Nom. Sg.) «Weg». Das Deuominativum davon hat eine reichliche Bedeutungsentwicklung durchge- macht: ags. fdiidiuii «untersuchen», ahd. fundini dass., mhd. vanäen «besuchen», nhd. fiihiiilcii. Vergl. auch ahd. fcinlo «Fußgänger», aisl. fantr «Diener, Bote, Strolch», letzteres aus *poiitliiiü-. Im Lateinischen bedeutet pautcs mit oder ohne den Zusatz loufji einen Prügelweg in sumpfigem Gelände.^ Tac. ann. I, 61: pranii/sso ('aeciiia, iit ocndUi saltnuin scntfaretur pontesqur et agfjcres uniido palndnm d fullurlhus cuiiipis imponrrct , tiicedniü niacstos locos risii/jHr ac memorid dcformix. Tac. ann. I, 63: CarriiKi , (j/ii siinm militnu ditcrhat, iiioiiifns, qiKimqnam iiofis itinerihus rcyirderefiir, pujdes loii(/iis quam mntier vor ihm A. Pogatscher in QF. (JJ, S. 104. .Vuch nach meiner Meinung ist lat. jwifo die Quelle der germun. Wörter. *piitli. Hierher TTÜToq «Pfad», apreuß. jtintis v-Weg».* A'i. pafhds Gen. Sg. und pnihi-. .Mul. I'uiiden «sich begeben» und ahd. funs «bereitwillig» (aus *ym^/(,sö-), vergl. fher ririsf giuuisso funs ist, tlai.: flrise ist aber umuiahtie T. 181, (>. Die ursprünglicbc Flexidu des Xomens war eine abstufende: Ndui. Sg. *j)'>ntJ<0{i)s, Instr. l'l. "■■piitlii-bliis usw. Im (iriecii. wurde *TT6v>>iuq Gen.* ttövto^o? wegen der Erhal- tung des Nominativ .s- in die maskuline w-Deklination überführt (ebenso wie die .\b- lautform Träioq), weil ''npiu-^oq gegen die Einführung in das Schema von i'ipuu? Einsprache ' H. Scliiiop|)er, Die Niimeii dt-r SchilTe mul J^chiflsteile im .\lteniilischen. Eine kiilturgcsohichtlich- etynn)luj,'isflie riilcrsiuhun{;. Dissertation Kiel 100^, t^. 47. ' E. Berneker, Die preuliisclie Sprache, S. 313. Wörter \inO Siu'hen. I. 25 .Abhiliiunj,' -jy. Gedeckte Harfe ,ius Xölsch im Gnillale (K.irnten.) leitet es aus pontn her', wie schon 194 Rudolf Meringer. To-tspruka Tenne erhob. In latein. ponti- liegt eine durchsichtige Kontaminationsibrin vor. Vergl. jetzt A. ßezzenberger, Kuhns Zts., 42. Bd., S. 384. Unsere Cruppe könnte mit idg. *pon «Sumpf», das durch got. faui «Kot», apreuü. lyannean «Moosbruch», viw. an «Wasser» usw ' erwiesen wird, zusammenhängen, was mit der Urbedeutung von *p('iith-, *ponth- sich leicht vereinigen ließe. Bloß weil man die Bedeutungszusammenhänge nicht durchschaut hat, ist heute noch niemand darauf gekommen, daß die Sippe von aksl. 2>'jf>'0 lacunar hierhergehört.- Die im Slawischen überlieferten Bedeutungen fügen sich ohne weiteres. So bedeutet slov. jKter «der Dachboden in einer Scheune», was so zu erklären ist wie unser «Boden», der zuerst auch nur die Decke, dann den Raum darüber be- zeichnet. ^;rf(T ist zunächst aus na pefni «auf dem Boden» hergeleitet. Weiter finden wir die Bedeutung «Dachboden der Getreide- harfe». Der Plural jjrf^'t' bedeutet ein Bretter- gerüst zur Aufbewahrung von Stroh oder Heu in Stallungen, Scheunen und dergl. Über die Getreideharfen habe ich in den IF. XVI, S. 128 ff., gehandelt und ein einfaches derartiges Stangengerüst abgebildet. Man begreift nun ohne weiteres, daß man zwei solcher Gerüste parallel zueinander stellen und darüber einen Scheunenraum anbringen kann, den zu tragen die Holz.säulen ausreichen. Der Dachboden einer solchen Getreideharfe heißt slov. ^Jd«-. Die Abbildung 29 gibt davon eine Vorstellung, obwohl dieses Objekt nur ein Dach , nicht einen geschlossenen Raum zu oberst hat. Sonst bedeutet das Wort peter noch «eine Stellage» (welche?), ein Gerüst im Stalle oder auf der Tenne. Im Poln. bedeutet pirtrv, pnatro «Stockwerk, Stufe», przotr «Speicher», im Russ. jijatcrb, pjatra «Balken». Die anderen Bedeutungen kann ich nicht heranziehen, weil mir die Kenntnisse der entsprechenden Sachen fehlen. Was für eine Gattung «Gerüst» bezeichnet z. B. tschech. patro? Mögen uns hier die Slawisten, welche nicht bloß Bücher- weisheit, sondern auch volkskvmdliche Kenntnisse besitzen, helfen! Aksl. 2}ctro konnte deshalb lacunar bezeichnen, weil die Decke ganz nach Art der Pi'ügelwege aus nebeneinanderliegenden Stangen gebildet war. AV^ie nun J. R. Bunker in seiner Arbeit über das Köflacher Bauernhaus berichtet (was auch V. v. Geramb bestätigt), heißt in einem Teile der Steiermark der Dachboden der Scheune pfiLi (Neutr.). M. Murko hat sofort auf die Nachricht von der Existenz dieses Wortes hin ge- sehen, daß in dem päb (es wird mit hellem, nasaliertem a gesprochen) das aksl. prtro, slov. peter steckt, von denen das letztere bis heute den Dachboden, dh. der Dach- raum bezeichnet. ptoU/ .r//~ _ — — Abbildung 30. Eine Scheune mit einer in den Dachraum führenden Brücke. ' Torp-I<^alk, Fick III \ S. 2-28. — - Miklosich, Et. Wb., S.339. Sprachlich-sachliche Probleme. 195 Das Wort päh ist aus mehr als einem Grunde interessant. Vor allem ■wegen seines Vokalisnius. Das slawische Mutterwort muß zur Zeit der Entlehnung einen Nasalvokal vom Klange des französischen in gehaht hahen, denn nur aus einem so gesprochenen pcter kann zur Zeit, in der deutsch hain (Bein) zu hä wurde, ein jnVo entstanden sein. Die Brücke, die in das puf.i fiilirt, heißt pStsprnl-n (vergl. die Abbildungen 30 — .32, welche ich Herrn Dr. \'. v. (ieranib verdanke). Dort, wo die Scheune an einer Berg- halde hegt, ist es nämlich möglich, das Getreide mittelst der j iH.)pnihi direkt in den Dachraum zu bringen, von wo es durcli eine Bodentür (a in Abbildung .30) auf die Tenne zum Gedroschen werden heral)geworfen werden kann. Die Abliildung 30 stellt eine Scheune, StihU genannt, vor. Das Objekt steht in der Gemeinde Über- wald bei Ligist in Steiermark. Der Durchschnitt, den ich nach Dr. v. Gc- rambs Skizze gezeichnet habe, erklärt sich von selbst. Der unterste Teil, der den Stall beherbergt, ist gemauert, alles andere gezimmert, das Ganze mit Stroh eingedeckt. Die folgende Abbildung 31 zeigt die jKlf.ipriilii von der Stirnseite, Alibildung 32 von der Seite. Auf dem letzteren Bilde sieht man auch die Tennl)rücke unter der p(7t32^ndn. Im Griech. bedeutet y^^P^^P" «Brücke». Es ist, wie böot. ßdcpupa, kret. beqpupa beweisen, aus *j'iehhnriji entstanden und gehöi't zu aisl. hrcfja «imtertauchen»' , ist also vielleicht auch die Bezeichnung eines Trügel- wegs, denn bei diesem wird das Holz wirklich ein- und untergetaucht. G. Schrader. K.-L., S. 115, denkt wegen der schwanken Lautgestalt von Yt^piJpa «'i ^'i" Fremdwort, wie andere vor ihm. Aber ich nuiß sagen, daß mir der Wechsel von t, ö, ß gerade auf ein uraltes ertrlites Wort hinzuweisen scheint. Wie lat. jiints den Prügelluxlen des Schitfsdecks und die Decke des Turms be- deutete, .so heißt im Aksl. pcint lacunar. So lauge das griechische Hans mit einer hori- zontalen Decke seinen Abschluß fand, ist auch diese aus Prügeln und Staugen herge- stellt gewesen. Einen Beleg haben wir dafür in dem olleren Abschluß der mykenischeu göttlich vorehrten Säulen. ' Tuiii-I'alk 111 ', .S. tior. Abliililun^r ;!1. Die uliove Hriu-ko von vorn ^rcselioii. 196 Rudolf Meringer. Das Löwentor zeigt über der Säule vier Prügelköpfe, die man nicht leicht anders deuten kann denn als Teile eines Dachs über der heiligen Säule. Auf ein solches Prügeldach weisen auch andere Darstellungen bin, wie man bei Evans sehen kann.' Meine Abbildung 33 hier wiederholt das Bild von Evans, S. 158. Man sieht auf dieser niykenischen Gemme in der Mitte die heilige Säule, über ihr neun Prügel, welche die Decke andeuten, rechts und links von der Säule einen Greif. Die Figur 40 bei Evans, S. 160, zeigt zwei Lagen von Prügeln übereinander angedeutet, was entweder l)I()I5 dekorative Verteilung ist, oder es hat auch solche Dächer gegeben. Mit den Prügeln war aber das Dach noch nicht fertig. Sie scheinen auf Bohlen gelagert und von solchen umgrenzt gewesen zu sein. Oben mögen nocli Rasenstücke ihren Platz gefunden haben. Man vergleiche in bezug auf diese Dachkonstruktionen die Wiederherstellung des lykischen Holz- hauses, welcheG.Nie- niann versucht hat.- Das Dach, wel- ches über den heili- gen Säulen angedeutet wird, führt zur Frage, wie denn der Bau, dessen Decke es war, ausgesehen haben mag. Ein Typus dieser Bauten ist von E v an s , wie mich dünkt, niit Sicherheit erschlossen worden. Wir haben nämlich Kultgeräte, welche solchen Heiligtümern nachgebildet sind, und sie zeigen uns eine offene Halle mit flachem Dach, das von vier schlanken Ecksäulen und in der Mitte von der heiligen Säule getragen wird. Der eine dieser Gegenstände ist nach Evans, S. 114, Fig. 7, hier in Abbildung 34 dargestellt. In dem großen diktäischen Grabe wurde das Fragment eines Tisches mit Schalen für Libationen gefunden. Die Abbildung zeigt die plausible Wiederher- stellung des ganzen Geräts. Sehr ansprechend vermutet Evans, daß die Dreiheit der Schalen der Dreiheit des Opfertranks für die Toten entspricht, wie es Od. X, 519 f. heißt: TTpuJTa |U€XiKpt'-|TUJ, lutTeTTeiTö. bt i'ibei oi'vuj Tö xpiTOV au&' übati. Insofern als es sich bei diesem Tische um ein Totentrankopfer handelt, tritt er in Beziehungen zu den obenerwähnten ägyptischen Tischen. ' A. J. Evans, Mycenaean free and pillar cult. Hell. stud. XXI, S. 158, 160. " Benndorf-Niemann, Reisen in Lykien und Karien, S. 97, Fig. 53, von mir wiederholt in den IF. XIX, S. 417, Fig. 1(). — Bei E. Drerup, Homer, findet man die Abbildung von bemalten Tenakottapleilern aus Knosos. Jede trägt zwei Prügel, auf denen eine Taube sitzt. Abbildung 3:2. Die obere Brücke von der Seite. Lntun die Teiinliiücke. Sprachlioh-sachliflie Probleme. 197 Aber seine Gestalt ist die Naclialiniunt^ eines Säulenlioiligtums, wie Evans richtig gesehen hat. Evans stellt noch einen kleinen Kaiksteinaltar dar, der ebenfalls ein solches Heihgtum nachahmt. Seine Figvir St auf S. II ä wiederhole ich hier in Ab- bildung 35. Das Objekt ist Sandstein und stammt -aus der Cyrenaica. wurde von dem Konsul Dennis in ßengazi erworben und ist jetzt im Britischen Museum. Die näheren Fundumstände sind nicht bekannt. Auf der Decke zeigt dieser «Altar» ein Behältnis zur Aufnahme eines Opfers, vielleicht auch zum Auflegen der Scheiter für ein Feuer.' Auf weitere Spuren dieser Art Heiligtümer hat Evans, S. ] IG, hingewiesen. Besonders wichtig ist seine Abbildung (S. IGl, Fig. 41) eines- kretischen Steines: Zwei Löwen stützen sich auf das von vier Säulen und einem Baelj'l getragene Dach eines solchen offenen Heiligtums. Man könnte nun die Stelle II. I, 39, Zfiivöeö, ei TTOTe toi x«P'£vt' tiri viiöv epeipa auf die beschriebenen Prügeldächer beziehen. Dagegen ist aber folgendes zu bemerken. Wie der griechische Handwerksaus druck für diese Technik des Prügeldachs war, wissen wir nicht: epecpeiv kann es aber nicht gewesen sein. Zudicsemgehörtopocpn «Decke» und öpoqpoq «Rohr». Wegen der letzteren Bedeutung könnte schon von einem Flach- dache bei epecpeiv -öpocpn keine Hede sein, denn Rohr ist bei einem Flachdache höch- stens zum Dichten zu verwenden, in Ver- bindung mit Moos, Erde und dergl. Aber auch die weitere Etymologie zeigt, daß epeqpuj-öpocpii nichts mit einem Flach- dach zu tun haben, denn es hängt mit diesen Wörtern ahd. Iiirnircla, mhd. Iiirnrchc «Hirn- schale» zusammen und weiter Hippe und seine Verwandten.'- Das läl.it nur den Gedanken an ein Satteldach zu. Dieses liatte geringe Steigung, wie die griechischen Tempel zeigen. bot aber trotzdem das Bild einer Schädeldecke, wenn die Eindeckung vollendet war, oder, wenn die Sparren noch freilagcn, das Bild der Rip[)en des Brustkorbes dar. Bei den besprochenen Heiligtümern war also die verehrte Säule oder der verehrte Strunk auch ein konstruktiver Teil (vcrgl. Abbildungen 34 und 3ö) des Baus, nicht bloß der Kultgegenstand. Das erinnert an die nordischen, heiliggehaltenen pmhrfiissiihir, von deren Doppel- natur R. Much dasselbe (ol)en S. 40) sagt. Nur waren diese weiter auf dem Wege zur plastischen Darstellung der Gottheit, indem in sie bereits Thorbilder eingeschnitzt waren. Vergl. IF. XVIIl, S. 257 Anm., XXI, S. 3()1, L. Dietrichsen und H. Muuthe, Die Holzbaukunst Norwegens, *S. 104. Der ungarischen Iiodig-mii/ii' hat R, .Mucli oben S. 40 schon gedacht. .\l)hil.liuii; .Mykciii.sclie (ifiiiiiic i' ii. X:uli Kvan-. S. l.JX. ■ Almliche Viuiicliliiiijjon zoiijcii er der Wurzel abgehauenen Baum, einen mastbaumartigen, hölzernen Schaft" zu denken hat oder als einen lehemlen, an Ort und Stelle gewachsenen Baum. — Diese vielleicht mit einem Götterbild geschmückte Säule erinneit deutlich an die für den nordischen Tempel charakteristischen ijndvcfiisxi'ihir. Vermut- lich besteht zwischen beiden ein inniger Zusammenhang.» Zwei Wörter von liohem kulturi'llen Inhalt hängen mit dem Stamme ^poiitJtoi- zusammen : lat. pontifcx und — wie ich glaube — griech. TTooeiöuüv. Wegen des letzteren verweise ich auf meine Kombi- nationen in BB. XVI, S. 2.S2. Wie Pflock- und Baumkultus neben- einandergehen, so finden wir auch ver- ehrte Bäume in der Mitte von primitiven Tempeln. Radioff berichtet von den Altai-Türken, daß sie, wenn sie dem Tengri opfern, eine Jurte aufstellen, aus deren Mitte eine belaubte Birke mit ihrem Wipfel aus dem Rauchloche herausschaut (vergl. oben S. 41). R. Much hat an diese Nachricht die Frage geknüpft, ob hier der Baum selbst als Kultobjekt eine Rolle spielt. Ich möchte diese Frage, die Much wohl selbst bejaht, elienfalis so beantworten. Die mykenischen Darstellungen bieten Seitenstücke zu dem Brauch der Altai - Türken. Man vergleiche die Abbildung 36, welche Evans, S. 177, Fig. 53, entnommen ist. Ein Frevler reißt einen Baum aus, der in einer tempelartigen Umhüllung war, und in dieser muß man sich den Vorgang denken. Der Baum überragte nur mit seiner Krone das Dach des Heiligtums. Die Frauen entsetzen sich über die Tut des Verruchten. Die Abbildung 38 (nacli Evans, S. 1S5, Fig. 59) zeigt ein ebensolches Heiligtum. In einigen Fällen finden wir aber PHock- und Baumkultus nebeneinander, so schon in der Abbildung 30. Hier erscheint in der ToröiTnung oder zwischen den offenen Säulen ein verehrter Pflock von mäßiger Höhe. In yVbbildung 37 (nach Evans, S. 182, Fig. 55) steht dieser Pflock in der offenen Halle, augenscheinlich unmittelbar vor dem heiligen Baume und reicht bis zum Dache wie die Kultobjekte der Abbil- dungen 34 und 35. Die Versuche, die mykenischen Pflock- und Bauraheiligtümer (Abbildungen 39 und 40) zu rekonstruieren, sind von mir selbst gezeichnet, von dem man leider nicht Abbildung .S4. tiaetyüsclier Upfertisch. ßesl.Tuiicrt Nach Evans, S. 114. Sprachlich-sachliche Probleme. 199 sagen kann i^ö In'- laiohi condd. Bei der Abbildung 39 schwebte mir Aljbildung 35 vor. Die Ecksäulen liabe ich auf Feldsteine gestellt (was ich in Bosnien oft gesehen liabe), zwischen Dach und Siiulcn IimIic icli ein Stück Bohle gelegt. Das Dach besteht aus Prügeln, die von Bohlen /.usainniengehalten werden. Oben ist eine Schicht Erde zu denken. Wegen des Dachs und der Säulen vergl. das Bauernhaus von Mazcndcran bei Perrot-Chipiez, Histoire de l'art, Tom. V, S. 498. Vergl. auch E. deZichy, Voj'ages au Caucase et en Asie centrale, I, Taf. LIX, LX, LXI, LXIir. Man sieht hier, wie die Prügel der Dächer gelegentlich durch behauene Balken ersetzt werden, die dann in Intervallen gelegt werden, was die nächst höheje Kulturstufe bedeutet. Wegen der Säulen mache ich namentlich auf Taf. LXIII aufmerksam. Bei Abbildung 40 habe ich mich an Abbildung 36 gehalten. g. Zum verehrten Pflock. Die von K. Much oben S. 39 zitierte Stelle Hä- vamäl 48 (B. 49) hat noch ein anderes Interesse für sich in Anspruch zu nehmen. Sie lautet vollständig: Uäpir mhinr f/af ck nein at tncini frrDiiiinxjiti. rekJcar Jxit iHittia, er ßeir riß hofpiß: nciss er noM-nlpr l/alr. H. Gering übersetzt: Zwei hölzernen Bildern auf der Heide draußen weihte ich mein (iewand; in den Lumpen glichen sie k'il)haften lMen.-;chen, der Nackte gilt für nichts. Dieses Behängen der Holzmänner (trcmapr) erin- nert an einen ähnlichen griechischen Brauch. Wir haben Bilder von Hermen, die ebenfalls mit Gewändern behangen erscheinen.' Hier wie dort ist das Bekleiden ein Opfer; einen S])aß zu machen, lag dem nordischen Fahrenden vollkonnnen fern, im Gegenteil, die nackte Säule erscheint ihm miwürdig. Die Ubereinstimnmng gewinnt dadurch eine gewisse Bedeutung, weil die Hermen den Übergang vom göttlich vereinten Pflock zu einer bildlichen Darstellung der Gott- heit zeigen. Vergl. IF. XXI, S. 301; XVIII, S. 281; XVII, S. lliö. \'ielleicht stellen uns die nordischen \Vörter fräiiaßr und shnrpgop (geschnitzter Götze) verschiedene Stufen der bildnerischen Entwicklung vor. In dem Bestreben, möglichst viel Material zur ganzen Frage zusammenzutragen, notiere ich Forrer, Reallexikon, S. 561, wo ein prähistorisches Bild eines auf einem Wagen stehenden kegelförmigen Götzen von einer Odeuburger \'ase wiedergegeben wird. Vergl. auch Forrer s. v. Grabphalli. ' Ich verweise beispielshalber auf Forrer, Heallexikon, S. 35."), wo ein mUii.'urit'es S<-halenbilJ wieder' gegeben ist: Mädchen tanzen und musizieren vor einer bekleideten Dionysusberme. .Uihilduii^' oö. Ijacl) ii.sclier .\ll;ir. Xach Evans. S. 115. 200 Rudolf Meringer. Alibilihiiig ;iO. Mykeiiischer Goklsiegelring (^/i). Nach Kvans S. 177., Fie. 53. Icli verwci.se nucli aul' die hölzernen Klötze, denen hei tlen Saniojedeii geopfert wird. Vergl. Zentralhi. f. Antl)r.iiioi. (1908), XIII, S. 34:-5. Aucli der Aufsatz von Tli. Bloch, ('l)er einige hildliehe Darstellungen- der altindischen Gottheiten, ZDMG. (j2. Bd., S. ü48 ti'., ist niciit zu übersehen. Zu seinen Bemerkungen über vom Meere angeschwemmte Pfähle vergl. IF. XVIII, S. 257 Anm. Zu dem Thema, das R. Much speziell behandelt hat, ist jetzt auch W. Prellwitz, Kuhns Zts., 42. Bd., S. 91, zu vergleichen. Gegen Torp-Falk, Fick IIP', S. 489, möchte ich hervor- heben, daß lit. sti(fjHts, aksl. sthph keineu Grund zum An- sätze eines idg. *stelp bieten, sondern aus dem Deutschen ent- lehnt sind. Zu lit. sfntpas ver- gleiche noch Bezzen berger, Beiträge zur Geschichte der litauischen Sprache, S. 327. Das alte bodeustiindige slawische Wort liegt in russ. sfulbh vor. Die Sippe von Sfitlj} stülpen bedarf noch näherer Untersuchung. Das Hol- ländische hat ein Fem. stülp sfolp, das auch «Herddeckel» bedeutet. Leider m / finde ich keine genaue Angabe über ''HQ-' '^^6'! Gebrauch dieses Gerätes, so daß mit dem W'orte vorläufig nichts anzu- fangen ist. Kluge'' s.v. nennt es einen «Dämpf-, Schmordeckel», was der ur- sprüngliche Sinn des Wortes nicht ge- wesen sein kann. Ich bin in meinen Studien über den verehrten PHock mehrfach auch auf die Grabpfähle eingegangen, vergl. IF. XVII, S. 16G; XIX, S. 445 f.; XXI, S. 298, Ich kann nun zu meiner Freude konstatieren, daß A. Bezzenberger schon 1874 in den Mitteilungen der litauischen literarischen Gesellschaft II, S. 24 ff., einen Aufsatz veröffentlicht hat, der über Grabkreuzformen handelt und wichtige Nachrichten bringt. Bezzenberger berichtet zuerst, daß bei den Litauern strichweise die Gräber der Männer von denen der Frauen verschieden gekennzeichnet werden. Die ersteren er- halten ein gewöhnliches -|-, die letzteren ein Kreuz mit einem Dache ^. Diese letztere Form ist auch bei uns sehr häufig, aber mir ist nicht bekannt, da'5 sie zur Charakteristik des Geschlechts der Toten verwandt wird. Auffällig ist auch, daß das Grabkreuz nicht eine feste Stelle hat. Es kommt .\liliilcluiij,' :17. Mykeiiischer (joldsiei^elrini;: ('/i). Niicli Kvan^, S. IS^, Fii,'. Tw. Sprachlich-sachliche Probleme. 201 ebensowohl zu Häupten wie zu Füßen der Begrabenen vor, was auch vom Lande der Letten gilt, worüber A. Bielenstein, Die Holzbauten usw., S. 182, berichtet. Ob ein Unterschied der Grabkreuzform in bezug auf die Geschlechter sich bei den Letten irgend- wo nachweisen lasse, konnte A. Bielenstein nicht in Erfahrung bringen. Aber für Westkurland berichtet er, daß dort für die Grabkreuze männlicher Personen Eichenholz genommen wird, für die Weiber wurde auch anderes für gut genug gehalten (dazu auch Mitt. der lit. lit. Ges. II, S. 336). Der Aufsatz Bezzenbergers regte A. Kurschat an, einige Bilder von litauischen Grabzeichen — von Kreuzen kann man nicht reden — zu veröffentlichen (a. a. 0., S. 382, und die Tafel dabei). Besonderes Interesse verdienen hier die kreisförmigen Grabhölzer (3a, 3c), die in ganz unverkennbarer Verwandtschaft mit den bosnischen Grabsteinen, welche ich in den SBAW. Wien 144, VI, S. 55, dargestellt habe, stehen. Ähnliche Grab- cippen sind aus Pompeji bekanntgeworden, so der Hermencippus der TycAe (Overbeck , Pompejis S. 288), dessen auch A. Bezzenl)erger, a. a. 0., S. 27, gedenkt, und die entsprechenden Grabsteine der Familie Ida- (7(//rt (Overbeck, a. a. 0., S. 282). Ich werde auf die Sache bei Gelegenheit ausführlicher eingehen. Es sei mir im Anschlüsse an diese Be- merkungen erlaubt, einen Einfall mitzuteilen, den man deshalb entschuldigen mag, weil es der Wissenschaft bis jetzt noch nicht ge- lungen ist, in der Sache irgend etwas Be- friedigendes zu ermitteln. Der zweite Merseburger Zauberspruch beginnt: Tlidl riid<' Uiiodan vuonm ^i hoha. du uuarf dnallut wird (aus *buhl(ron-). Er verweist mich auch auf Mis'tral, Trfeor dou feiihrige: Mmli-on boudrvii . . . piece de bois qui supporte uu iSchaffaudage de ma(;on. Im Katalanischen bedeutet /«i/rf, lat. debilis «schwach» weisen auf die Existenz eines Substantivuins von sinnlicher Bedeutung, etwa «Pfahl, Pfosten», hin.' Und ein solches ist im Germanischen auch belegt. So vor allem in der Redens- art holl. cn/rns te pal lomcn «irgendwo übel ankommen», nfries. tu pul Icem, ndd. sliin to palle kamen (J. ten Doornkaat Kool- m an n , Wb. der ostfries. Sprache, IT, 695). In dieser Redensart liegt ganz klar die Bedeu- tung «an einen Pfahl, Stock anrennen» vor. Spezialisiert tiodet sich das Substantivum im Sinne « Sperrkegel oder SperrhakeH an einer Schiffs- oder Wagen- winde» , ostfries. pal, pall, ndd. pall. palle; auf dit'sen Gegenstand ist das so viel ältere Wort natürlich erst später übertragen wor- den , seine ursprüng- liche Bedeutung muß eine andere sein. Vor der Entleh- nung von pälus hatten also schon die Deut- schen ein Substantivum von nanz ähnlicher Ge- stalt inid Bedeutung. Es wäre nicht ausgeschlossen, daß Phol mit dem germanischen Worte zusammenhängt, aber wir kommen damit sachlich auf dieselbe Erklärung wie mit der Annahme eines Lehnwortes. Abbildung 40. Versuch der Rekonstruktion eines mykenischen Heiligtums Ptlock und Baum. mit » Vergl. Uhlenbeek, Paul Braune. Beilr. XVIII, S. -24-i; Walde s. v. debüis; Torp-Kalk, Fick IH '. S. 218; Falk und Torp, Norw.-däu. clym. Wb. s. v. pal und ;i.W: J. Franc k. El. Woorilonlniefc s. v. i>al. über die ^'crnianischcii Refle.xe von palus: alul. pfiU, mndl. ;kic/, a fries. 7*/, ags, päl vergL Kluge. Pauls Grundrili I -, S. 34:!. 204 Rudolf Meringer. Mit pal könnte auch anord. ^;aZ?r «Stufe längs den Wänden-/^ (zum Sachlichen Gudmundsson, Privatboligen, S. 180) zusammengehören; Falk-Torp, Norw.-dän. etym. W'b., meinen, daß es möglicherweise aus dem Russischen entlehnt ist (aksl. 2>oh, polica), was mir weniger wahrscheinlicli ist. lo. Schlußwort. Ich bin auch jetzt noch nicht imstande, zu allen Kritiken meiner «Wörter und Sachen» betitelten Aufsätze Stellung zu nehmen. Nur auf die Bemerkungen eines Kritikers möchte ich heute schon eingehen, weil sie mich vom Standpunkte der Methode interessieren. F. Skutsch ist im Jahresber. f. rom. Philol. VllI, I. 53, gegen meine Erklärung von lex aus legere, also «Bindung» aufgetreten, was nach Skutsch zur wirkliehen Be- deutung von lex sehr übel stimmt. Er selbst nimmt an, daß lex «die Lektüre», «das Gelesene» bedeutet. Für lex sind zwei Erklärungen möglich: 1. Die Annahme der Verwandtschaft mit lef/li «liegen». Dann wäre lex «das Niedergelegte», «Festgelegte», ursprünglich wohl ein Bauausdruck. Aisl. Igij gehört sicher zu leyh. Unerklärt bleuet bei dieser Annahme das -g- von liyis. 2. Die Annahme der Zugehörigkeit zu legere «zusammenlesen». Der Begriff des Zusammen ist in legere genau so enthalten wie in lesen, das wir fast ausschließlich von mehreren Dingen oder Teilchen, die vom Boden aufgehoben werden, gebrauchen. ' Da- nach wäre lex «die Bindung». Ob das äußere Symbol dieser ursprünglich privaten Ab- machung der Handschlag oder sonst etwas war, ist für mich eine Frage von sekun- därer Bedeutung. Sowohl ler/ere wie lesen haben die Bedeutung «Zeichen verstehen» angenommen. Beim deutschen lesen ist die Herkunft klar, es bedeutete zuerst einzelne mit Runen beschriebene Stäbchen auflesen und ihren Sinn zurechtlegen. Man kann wohl an- nehmen, daß sich der Bedeutungsübergang von lat. lego (von «auflesen» zu «Ge- schriebenes lesen») in derselben Weise vollzogen hat. Der Sinn des griech. \tfw ist der des Sammeins und dann des feierlichen, gehobenen Redens, was auch aui' einen Brauch hinweist, der dem Germanischen entspricht, denn das Lesen der Runen geschah in ge- hobener Rede. Es ist also nicht richtig, wenn H. Usener in einer .später noch zu besprechenden Rede sagt: «Nur ein Lobeck konnte in der Redensart üveTXev 6 deöq die Tatsache durchfühlen, daß auch für das Delphische Heiligtum das ursprüngliche Mittel, den Willen des Gottes zu erkunden, das Aufheben von Losstäbchen war».^ Wer die Be- deutungsübergänge richtig besehen gelernt hat, der kann eine umfassendere Antwort geben: Die Bedeutungsentwicklung, welche lat. legere, und die, welche Xefeiv durchge- macht hat, beweisen, daß die Latiner und die Griechen einstmals auf dieselbe Weise den Willen der Götter erforschten, wie es uns der große Tacitus von den Germanen berichtet! Und was Xe-feiv und legere durch ihre Bedeutungsentfaltimg zeigen, wird durch Ypaqpuj, das unserm kerben entspricht, und durch die Verwandtschaft von scribo, das zu OKapicpäoiaai «kratze, ritze» gehört, vervollständigt. ' Paul, Würterlj. s. v., sagt: «Gemeingerm, ist die Bedeutung Zerstreutes nacheinander nelimen und zusammenlegen». — - 0. .Sclirader, Reallexiiion s. v. Los, S. 507. Sprachlich-sachliche Probleme. 205 Doch von solchen Dingen spricht Skutsch gar nicht; ihm ist lex ganz trockene «Lektüre» und da mache ich ihm den Vorwurf, den er mir zu machen sich verpfiiclitet fühlt: Er hat es für gänzlich überflüssig gehalten zu fragen, ob es denn antikem Brauche entspräche, das Gesetz als das «Gelesene» aufzufassen. «Der gemeine Mann wird in Gortyn in alter Zeit schwerlich viel andere Lektüre gehabt haben als sein Zwölftafelgesetz. Wird es in Rom viel anders gewesen sein?» Ich bin mit Skutsch einverstanden. Ich glaube sogar, daß es in Gortyn wie auch in Rom sehr viele Analphabeten gegeben haben wird.' Wenn die Gesetze von sich selbst oder von anderen Gesetzen reden, dann sagen sie m. W. nie, «wie Ihr gelesen habt», sie sagen nur, «wie geschrieben ist». Vergl. Is. V. Gortyn VI, 14: ak\ai h eTpaT[Ta]i ai xaöe tu -fpauiiaia e-f[p«TTai] anders geschrieben steht, als diese Schrift hier schreibt» sagt das Gesetz von sich und einem früheren Gesetze. So sagt auch das Seuatusconsultum de ßacch. 21, 22, utei suprad scriptum est usw. «Eine Rede ist keine Schreibe» und «ein Gesetz keine Lese». Viel eher eine Schreibe oder eine Rede: «Geschrieben steht» — dictum i-if. das sind Ausdrücke, aus denen sich eher ein Name des Gesetzes hätte entwickeln können. Aber das Prinzip, das Skutsch ausspricht, ist nicht richtig. Lex muß durchaus nicht aus den uns bekannten römischen Verhältnissen entstanden sein. Amavi ist eine spezifisch-lateinische Form und kann doch nicht aus dem Lateinischen erklärt werden (etwa aus *aii/a-fiii «ich war im Ijieben '), wenigstens nicht aus dem, was wir Latein nennen, sondern müßte aus dem erklärt werden, was wohl auch schon Latein war, aber uns nicht bekannt geworden ist. Und so ähnlich verhält es sich aucii mit lex. Es muß gar nicht aus historischen Verhältnissen erklärt werden, denn das Gesetz beginnt nicht mit Schreiben und Lesen, die ersten Rechtsanschauungen sind völlig unabhängig von diesen späteren Künsten. Die uralte, nur auf wenige Beispiele beschränkte Bildung von lex hätte allein übrigens schon Skutsch vorsichtiger machen sollen; das ist kein Wort, das entstanden ist, als die gewöhnlichen Leute schon schreiben und lesen konnten. Skutsch kann erwidern: Es muß ja nicht um diese Zeit entstanden sein, es braucht bloß um diese Zeit um- gedeutet worden sein. Dann aber tritt das früher Gesagte in Kraft: Das Gesetz ist in Rom — ebensowenig als sonstwo, sei nebenbei bemerkt — nicht als «das Gelesene, die Lektüre» aufgefaßt worden. Auch mit Solmsens und meiner Deutung von icstis als »Drittsteher» kann sich Skutsch nicht befreunden. Er bleibt bei seiner Erklärung als «Dritter», die ich für formell unmöglich halte, die aber inhaltlich von der anderen Auffassung nicht allzusehr verschieden ist. Dann fährt er fort: «Geringer sagt es mehr zu (I), darin den 'Dritt- steher' zu sehen und darunter denjenigen zu verstehen, der den Händedruck zweier kontrahierenden Parteien 'durchschlägt'». Das kommt so heraus, als hätte ich diese Gesten (des Kaufes) auch für das alte Rom behauptet, was aber völlig unwahr ist. Das Durchschlagen ist m. W. nur für Deutsche und Russen bezeugt (F. Solmsen, Kuhnsche ' Das Schreiben war eine heilige, hing geiieimgelialtene Kunst i,vergl. got. rii»a m.i(m"ipiov\ natürlich auch das Lesen. — In Gortyn selbst ist im ganzen l'rozeßwege Hisl nichts geschrieben wonlen: der Be- weis, die l'ikunde, war der .uaiTup oder der lavauov. Vergl. Zitelniann in seiner und Büchelers Au^ral>e des Rechts von Gortyn, S. 50. 206 Rudolf Meringer. Zeitschr. 37, S. 22; IF. XJX, S. 4r)2), die niudung der Hüude, deu IJandselilag, nicht den «Händedruck», wie .Skutscli sagt, halte ich allerdings für cälter und sehe nicht ein, wie man seine Existenz in altröniischen Zeiten widerlegen könnte (IF. XVII, S. 14G f.). Ein äußeres Zeichen war gewiß bei diesen Abmachungen (Gebrauch und die Analogie weist auf dieses. Aber das ist nebensächlich und beweist nichts für oder gegen die eine oder die andere Erklärung von testis. Ich habe über fr^tis noch weiter iu den IF. XVIII, S. 290 ff., und XIX, S. 451, gehandelt, wozu Skutsch wohl noch Stellung nehmen wird. Hier will ich darauf hinweisen, daß für die Erklärung als «Drittsteher» noch lat. sujocrstes «Übersteher, Zeuge» spricht.^ In' der kürzlich aufgefundenen Komödie Menanders sehen wir einen schönen Fall der Funktionen eines Zeugen. Ich zitiere auch die Übertragung H.v. Arnims^: Daos: Ciut denn! Laß uns zum Richter gehn. Syriskos: Wen wählst du? Daos: Mir ist jeder recht. — Syriskos: Ist dieser Mann als Richter dir genehm? Daos: Meint'halb. Syriskos: Ich bitte schön. Mein lieber Herr, schenkt Ihr uns wohl ein wenig Zeit? Sniikrines: Hm! Euch? Was habt ihr denn? Syriskos: Wir haben einen Streit. Smikrines: Geht mich nichts an. AAOZ: ßouXo|nar Kpivü)|uei>c(. lYPIIKOZ: i\q ouv; AA. : eiuoi jaev ttcxc; ikuvo? . ZY: TOÜTOV Xußeiv ßouXei k()iti'-|v; AA.: ÜYaOi^ Tuxt,]. ZY. : TTpög Tüüv öeöjv, ße\Ti(TTe, mKpöv «v axoXucraiq fnalv xpövov; ZMIKPINHI: ü)aiv; rrepi Tivo(;; ZY. : üivTi\eTO|iev npäxp-ü ti. ZM.: li ouv e|Lioi |ueXei. ZY.: KpiTt'iv TOÜTOu Tivä IiiToö^ev Tcrov, ei ö(ti) Syriskos: Herr, einen Richter suchen wir, ae laiibev KtuXuei, öiuXucrov i'iM"?- der nicht parteilieh ist. Erlaubt es deine Zeit, so schlichte du den Streit. Man sieht hier in dieser Szene, daß der zufälHg Dazukommende zu einem Schieds- ricliter werden kann, ein Seitenstück zu der Schiedsrichterrolle, die dem Drittsteher, dem Zeugen, oft zufiel. — Zu meiner Genugtuung kann ich konstatieren, daß die von mir in der Aufsatzreihe «Wörter und Sachen» (IF. XVI, S. lOltf.; XVII, S. 100 ff.; XVIII, S. 204 ff.; XIX, S. 401 ff'.; XXI, S. 277 tf.) dargelegten grundsätzlichen Ansichten und die darin befolgte Methode der Etymologie von verschiedenen Seiten Zustimmung erfahren haben. Auch bei Uhlenbeck finde ich neuerdings eine erfreuliche Annäherung. Zu seinem Aufsatze P. Br. Beitr. XXXV, S. lülff., hätte ich mehr zu sagen, als ich vor- läufig hier unterbringen kann. Nur auf eine Frage Uhlenbecks will ich antworten; U. fragt: «Habe ich denn niemals etwas geleistet, was zugleich neu und richtig wäre?» Ich habe keineswegs Uhlenbecks Verdienste geleugnet, ich habe nur seiner etymolo- gischen Methode die Originalität abgesprochen. Er führe nicht Klage über meine Heftig- keit, er vergegenwärtige sich nur, in welcher Art er mich angegriffen hat. Auch jetzt ' Vergl. Festu.s eil. Thewrewk ile roiinr ■l:j{) siijM'rstihts lestefi priiesentex sit/iiificut, cit/iis rei testimoHimn est, qnoil siiper.ilitiliiis praeseni/bus ii, tnter qtios c(»ürorersit( est, riudiciiin niinierc inbentur. ^ Karl Robert, Der neue Menander, p. 07, 33 fl. Die Übersetzung v. Arnims ist in der N. Fr. Presse, Nr. 15 550, Donnerstag, 5. Dez. 1907, erschienen. Sprafitilich-sachliche Probleme. 207 sind seine Angriffe fdnnell nicht einwandfrei, aber ich gebe ihm die ehrliche Versicherung, daß persönliche Oeliässigkeit mir Irenul ist und daß icli gern von ihm lerne. Ich glaube ihm, daß die Liebe zur Wissenschaft iiin bewegt; er habe nur die Güte, dasselbe auch von anderen zu glauben. Ein sonderbares Schicksal hat meine Erklärung von Wund aus iviiiden gehabt. Als ich sie vortrug, glaubte sie mir so gut wie niemand. Seitdem man aber nicht mehr gut zweifeln kann, kommen meine Vorläufer zu Ehren. Warum hat man sich ihnen denn nicht schon früher angeschlossen?? Den E. Rautenberg (Spraohgeschichtliche Nach- weise zur Kunde des germanischen Altertumes) nenne man aber nicht unter den Vor- gängern. Ihm ist das Richtige nur von ohngefähr gelungen, denn er war unwissend genug zu glauben, daß got. ivaddjus von widan komme. Dieser Irrtum gab ihm eine Parallele des Zusammenhangs von ahd. tcanf und tvintan. Seine Rechnung war also falsch und deshalb hat man seine Annahme abgewiesen, denn das Verhältnis von Wand zu winden bedarf der Analogie, wenn es glaubhaft sein soll, und Rautenbergs Analogie war falsch. Mir war von allen meinen N'orläuleru nichts bekannt. Daß got. tcaddjus zur Wz. *1« «flechten» gehört, habe auch ich immer vorgetragen (vergl. Fick IIP, S. 301 f.; 1874), aber über das wie? machte ich mir so wenig Gedanken als andere. Im Sommer 1897 stand ich nun in Suhaja l)ei Ivrupa in Bosnien vor einem sonderbaren Häuschen. Es war ganz aus Korbgetlecht hergestellt, mit hohem Strohdache. Damals diente es nur mehr als Schafstall. Ich betrachtete das Ding und i)lützlich rief ich memem Reise- begleiter zu: Iwane, got. tcaddjus kommt von *ni «Hechtens! Und der zweite Gedanke war: Und so kommt auch Watid von irinden und bedeutet die gewundene Wand. Das geflochtene Haus hat sich mir lange verborgen, weil in der Regel das Flechtwerk außen mit Lehm beworfen und übertüncht ist, so daß auch ein scharfes Auge keine ungewöhn- liche Technik ahnt. Meine Etymologie Wand : tvinden schien mir schon nach dem, was ich in den Etymologien zum geflochtenen Hause vorgebracht hatte, erwiesen. Vor allem stimmte dazu an. vandaliiis, und die beiden Stellen Vol. 38: sä er undinn salr onnahnji/aiitm «der Saal ist gewunden aus Schlaugenrückeu» und Sn. E. 1, 200: hann er oJc ofnin allr orniahii/gij- jum sein vandahiis «er ist ganz gewoben aus Schlangenrücken wie ein Ruteuhaus» gaben eine anschauliche Beschreibung dieser Bauart.^ Nahm man noch got. tcandus Rute {ßrini s'mpam wanduni Hshhir/girans ivas rpi? eppaßbicr&iiv 2. Kor. 11, 25) dazu, so schien die Beweiskette geschlossen, wie sie niemand vorher gelungen war. Ich verwies auch auf russ. plotniJco «Zimmermann», das klar und deutlich zu plcsii «flechten» gehört, also zuerst einen flechtenden Hausbauer, dann den zimmernden bezeichnete. Aber trotzdem hat erst die ags. AN'cndung iräli irindan = got. *waddjii *ivindan die Entscheidung her- beigeführt. Durch den Artikel Wand des DWb. ist jetzt der älteste Beleg für die Zusammen- stellung des Wortes mit winden nachgewiesen worden. Fr. Junius war der erste Finder und das erste Handbuch, das den Zusammenhang lehrte, war Job. Georg Wächter, Glossarium Germanicum, Leipzig 1737, S. 1.S20. Dort lesen wir: WAND, paries. Otfridus, Lib. L Cap.XI, 47, hus enli unenti, donnis et parietes. Lib. III, Cap. XX, 77, ^1 mannolichrs nnenfi ad omniuni parietes. Glossae vet. apud .lunium ■ II''. XIX, S. 4tS. 208 Rudolf Meringer. iu Obst'1-vati.s ad Will., pag. 73, imant paries, uuentlacluni, hriiy/lacliau cortina.s, nuantlus ciraex. Oi'igo vocis est (eodem iudice) ex uuintan (winden) llectere, coutorquendo plectere; antiquitus enim parietes pluriniuni fiebant e viniinibus in cratcm quandani coutextis atqiie obductis intrita vel luto paleato aceratove. Morfaliuiii qH/jipe pruiii, teste Seueca Epistola XC, qiKini/ilid virgcatn crafeiii tr.ntcrnnt iiiann, et vili oUcrcnint luto; deinde stipiüa ah'iaquc sylvrstrihns ojoertiere fastigimii, et, iühvüs per dmxa lahcntibiis, hifemcm transicre securi. Jemandes Lib. I de rebus Geticis, Gap. 2. Virgeas habltant casas, commmüa tecta cum jiecore, stßracqne Ulis saepc sind domics. Huc usque Jnnins loco citato. In seinem früheren Werke: Glossarium Germanicum, Specimen ex ampliore farra- gine decerptura, Leipzig 1727, hat Wächter noch gar keinen Artikel über Wand. Im Jahre 1737 ist also zuerst die richtige Erklärung von Wand propagiert worden. Sie wurde vergessen. In den letzten Dezennien ist sie von etwa einem halben Dutzend Gelehrten selbständig neu behauptet worden. Möge sie jetzt als endgültig gesichert gelten! K. V. Bah der läßt aber im DWb. noch eine andere Auffassung zum Worte kommen. Er meint, es läilt sich für die Annahme, daß Wand einst «Seite, Umhüllung, Grenze» be- deutet habe, geltend machen, daß das einfache wintan (wie incintan) die Bedeutung «umkehren» hat, daß ahd. aitawanta «versura» heißt wie ahd. giivant «Grenze» usw. Damit kämen wir wieder auf die schöne Erklärung, daß die Wand ihren Namen davon hat, daß man sich l)ei der Wand umdrehen muß. Die Deutschen haben also immer versucht, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, und haben, als sich das als undurchführbar erwies, die Wand danach bezeichnet. Was beweisen denn anawatda, giwant usw.? Daß man von der Wurzel auch ein Nomen vom Sinne «Wendung» bildete, und das ist nicht auffallend, denn jedes Winden ist ein fortwährendes Wenden, Drelien. Und gegen v. Bahders Urbedeutung muß man sagen: Die Wand ist keine «Seite», keine «Umhüllung». Am ehesten noch eine «Grenze», wenn man an die Flecht- werkhürden denkt, in die wohl nach uraltem Brauche der Schafhirt seine Tiere treibt, um sie zu melken.' Wenn solche allgemeine Bedeutungen von Wand wie «Seite» oder «Umhüllung» sich wirklich fänden, müßte mau sie als ein Schlußglied der Entwicklung ansehen, aber nicht als ihren Ausgangspunkt. Als ich 1903 nach einem Titel für meine Studien suchte, kam ich auf «Wörter und Sachen». Ich erinnerte mich damals der Stelle bei J. Grimm nicht. Jetzt haben wir diese als Leitwort unserer Zeitschrift vorangestellt und mich freut es sehr, daß un- längst Fr. Kauffmann schrieb, man soll die Worte Jak. Grimms in unseren Hörsälen und Seminarien von ehernen Tafeln leuchten lassen!" Ganz nahe ist H. Usener an das Programm von «Wörter und Sachen» heran- gekommen in einer Rede, die er 1893 in Wien gehalten hat mui die dann iu der Bei- lage der Münchener Allgemeinen Zeitung 1893, Nr. 14S und 150, und .später — 1902 — wenig verändert in den Hessischen Blättern für Volkskunde I, S. 195 ff., erschienen ist (wonach ich hier zitiere), einer Rede, in der es ihm zuerst darauf ankam, Mitarbeiter ' Verfasser, IF. .\X1, S. iiNO urnl tisl. Diese Flechlwerksliiirde ties Hirleii i.'^t natürlich miiiJesteiis ebenso all als die Wand des Wohnhauses. Der Hirle hat lieule nficli oft im Sonnuei- kein anderes Haus als solche Hürden. - Zts. f. deutsche Philologie, XL, S. 45i2. Sprachlich-sachliche Probleme. 209 für eine vorgleielicndc Sitten- und Rcchtsgeschichte zu werben. Hier sagt er S. l'Jü: «Der Wortschatz ist das große Bucli, in dem die ganze geistige Gescliichte des Volkes, wenn auch niclit von den frühesten, doch von sehr frühen, um .Jahrtausende über die bezeugte Geschichte zurückliegenden Anfängen an bis zur Vollendung eingetragen ist. Wer dies Buch zu lesen verstünde, zu lesen als geschichtliches Denkmal, vor dem läge die ganze Entwicklung des Volkslebens von dem einfachen Familienband bis zu den ausgebildetsten Formen staatlicher Verfassung, der Kultur von der Nomadenstufe der Viehzucht und der Erfindung des Feuers bis zu der Höhe eines verfeinerten Luxus, des Geistes von den ersten tastenden Versuchen an der- Sinneuwelt bis zu dem höchsten Flug nach dem Unendlichen. Daß das teilweise möglich ist, kann seit den denk- würdigen Versuclicn Adalbert Kuhns und Jakob Grimms, ältere geschichtliche Zustände durch Wortvergleichung zu erschließen, nicht bezweifelt werden.» Und auf S. 197 fährt er fort: «An der vergleichenden Kulturgeschichte, von welcher vergleichende Sitten- und Rechtsgeschichte nur ein hervorragender Abschnitt ist, gebührt also der Philologie ein wesentlicher Anteil; sie findet hier ein ungemessenes, fast jungfräuliches Feld lohnender Arbeit: dreifach lohnender darum, weil die Ergeb- nisse zu vollerem Verständnis nicht nur des schriftstellerischen Gedankens, nicht nur der Geschichte des Volkes, sondern auch der allgemeinen Gesetze des Menschenwesens hinführen, wohin alle unsere geschichtliche Arbeit zielt . Noch eines anderen Vortrags möchte ich gedenken, der für unsere Absichten von Wichtigkeit ist. Der Vortrag von Albrecht Dieterich: Über Wesen und Ziele der Volkskunde, der in den Hessischen Blättern für Volkskunde I (1902), S. 1G9 ff., veröffentlicht ist, ist eine wissenscluifiliche Großtat, w^enn auch der geniale Verfasser im einzelnen tempe- ramentvoll danebenschlägt. A. Dieterich will, «daß die Kunde vom Denken und Glauben, von der Sitte und Sage des Menschen ohne Kultur und unter der Kultur den Kern der Forschung der ^'olkskunde bildet». Man versteht, was hier geraeint ist, aber Menschen ohne Kultur und unter der Kultur gibt's überhaupt nicht, es gibt bloß verschiedene Kulturen und verschiedene Grade derselben Kulturreihen. Daß sich die Volkskunde nur mit den einfacheren, altertümlicheren Kulturen und Kulturstufen be- schäftigen kann, ist selbstverständlich. Eine säulicrliche Abgrenzung nach oben wird sich niemals machen lassen. In praxi ist die Frage aber leichter zu lösen als in der Theorie, wenigstens für den .Augenblick. Anderes, wie «Tracht und Hausbau, Möbel inul Schnitzwerk, die Anfänge einer Kunstül)ung», soll nach A. Dieterich nur in Be- tracht kommen, «soweit es dieses Volksdenken, Volksglauben, A'olkssagen, Volksbrauch und Volkskunst... erklärt». Hier liegt ein großer Irrtum vor, aber er ist in ehrlicher Klarheit ausgcsjirochen und deshalb nicht gefährlich. Ist Haus und Hausrat nicht eine Schöpfung des Geistes? Sind Pilug und Webstuhl nicht auch Erzeugnisse des Geistes, ebenso gut und deshalb i-benso interessant als etwa ein Schnadahüpfel, ein Juchczer oder ein (Jcsjunist? Aber eine ganze Reihe von Erkenntnissen hat A. Dicterich in diesem Vortrage in guldcnon Worten ausgesprochen, und sie würden verdienen, hier alle wiederholt zu werden, ich muß mich aber auf einzelne Äußerungen beschränken. Folklore und Volks- kunde sind in letzter Linie das wi,<.ft, wenn ein vollständiges Bild gegeben werden soll, nur ein Ausschnitt, der sich vorab auf die römisch-romanischen Verhältnisse bezieht, andere im ganzen nur soweit heran- zieht, als sie für diese von einer gewissen Wichtigkeit sind oder die.se durch sie Beleuch- tung erfahren. Und selbst auf romanischem Gebiete bleiben noch manche Lücken. Denn die wissenschaftliche Litej-atur hat sich mit diesen Dingen noch wenig abgegeben, die Wörterbücher versagen oft oder lassen es an genauen Angaben fehlen, so daß man viel- fach auf persönliche Auskunft angewiesen ist. Solche ist mir denn auch reichlich zuteil geworden, wie im einzelnen jeweilig erwähnt werden wird, doch darf schon hier ein für allemal bemerkt werden, daß es hauptsächlich N. Bartoli und G. Terracini in Turin, L. Goidanich in Bologna zu verdanken ist, wenn die Zustände im heutigen Italien be- sonders eingehend zur Darstellung gebracht werden können. Überblicken wir die verschiedenen Arten des Entkörnens bei den Völkern der alten Welt, so lassen sich drei verschiedene Formen erkennen: 1. Treten, 2. Schleifen, 3. Schlagen, Formen, die keineswegs in einem genetischen Verhältnis zueinander stehen, die viel- mehr oft nebeneinander vorkommen, wobei entweder die eine Getreideart nach der einen, die andere nach der andern Art behandelt wird, oft auch die größere oder geringere Masse des zu dreschenden Getreides oder aber die Bodenverhältnisse ausschlaggebend sind. Bei kleineren Betrieben oder im Gebirge ist das Schlagen das gewöhnlichere, uomadisiereude Volker ziehen das Austreten vor. Beim Schleifen und Schlagen können die verwendeten Werkzeuge verschiedenartig sein und hier allerdings sind Kulturfort- schritte zu bemerken. 1. Das Treten. Die Tiere, zumeist Pferde oder Esel, doch auch Rinder, werden über das auf eine Tenne ausgebreitete Getreide getrieben. Das trifft man seit ältester Zeit wohl bei allen Völkern im Kulturkreis des Mittelmeers. Es ist die einzige Art im alten Ägypten, vergl. Abbildung 1, es ist noch heute, wenn auch als das seltenere, in Syrien gebräuchlich, wo sechs bis acht Pferde oder Esel zusammengekoppelt werden, so daß sie eine Keihe bilden , und von einer auf einem der Tiere sitzenden Person mit großer Schnelligkeit über das Getreide getrieben werden (Wetzstein, Zeitschr. f. Ethno- logie, V, 280). Dreschen durch Ochsen Ijerichtct Homer Ilias XX, 495: tili; h' öie Tiq leuSvj ßöa? u'potvaq eiipuiueTiiiTroui; Tpißeiuevai Kpi XeuKÖv euKTi)aevi;i ev üXiui], pijuqpa Te Xettt' eTevovTO ßoJJv üttö ttöö'ö'' epi|auKUJV, und auch Xeuophon spricht vom Austreten des Getreides durch Tiere (üttoCutilu), Oek. 18, 3, desgleichen Varro r. r. I, 52, 6: apud alios exteritur grege jumentorum et ibi agito perticis quod ungulis e spica exteruntur grana. Und so bis heute in der russi- schen Steppe, Rumänien, Bulgarien, Banat, Ungarn, Slavonien, Bosnien, Mortenegro, Dalmaticn, Italien, Sardinien, Spanien, Portugal. Für die große Walachei beschreibt S. Pujcariu den Vorgang- folgendermaßen: «In der Mitte der Tenne (anr) wird ein Zur Geschichte der Dreschgeräte. 213 Pfahl (xtrcdjär oder par) in die Erde eingeschlagen, an den ein Pferd mit einem längeren Seile angebunden wird. Das Pferd tritt (cäla'i) auf das au.'^gebreitete Getreide, indem es sich in einem durch das Aufwickeln des Seiles immer kleiner werdenden Kreise bewegt. Ist es auf diese Weise bis zum Pfahle gelangt, so wird der Kreis in um- gekehrter Weise noch mal abgeschritten. A ajiuts fnnic la par 'das Seil ist bis zum Pfahl gelangt' bedeutet dann es ist Mittagszeit'. Dieses Dreschen heißt treru (trihulnre)-^ In Italien wird das Treten durch Tiere angegeben für Casale (Piemont), für das Mailändische, namentlich die Brianza, Varese und Como, und zwar nur für das Ent- körnen von Iliise und Reis, für Ferrara, Bologna, -die Marche, die Macerata, Siena, Aquila, Teramo, Frossinone und Anagni (Rom), Apulien und Caltagiroue (Sizilien) und zwar sind es zumeist die Pferde, in den Marche, der Macerata und den Abruzzen Ochsen, in Chieti Pferde, Maultiere oder Esel, in Caltagiroue Maultiere, die dazu ver- wendet werden. Den Vorgang beschreibt A. Jemina, Corso di d' agraria, §471, folgender- maßen : I cavalli legati a pariglia e cogli occhi bendati sono spinti coUa frusta a descrivere al trotto dei cerchi sulla messe diste-sa sull'aia. l'na lunga cordicella attac- Abijiklidig 1. Urcscheiide Ochsen aus All-Agypten. Nach Wilkinson, Manners and Custonis, I, >S(. cata alla briglia h tenuta dal conduttore che, stando nel niezzo, guida ad un tempo piü pariglie di cavalli o muli che descrivono circoli concentrici. II conduttore rallentando o traendo a se la cordicella guida i cavalli in modo che tutti i punti siano battuti. Mehr der rumänischen Form gleicht die bologncsische, wie sie namentlich beim Dreschen von Reis üblich ist; vergl. UngarelH, Voc. hol. s. v. J>nl ed caial: treccia di cavalli, tutti insieme i cavalli che occorrono a trebbiare una trcsca. ^ Si fa girare la treccia prima in un verso per spigär, cioe levare i grani dei covoni posti piü in alto eppoi in un altro per for .rä la tchhia, cioö batterc la trcsca, farvi girare quasi trescando i cavalli in modo che a poco a poco rimanga tutta calpesiata e pcsta. Der Ausdruck hal 'Tanz" ist wohl davon zu erklären, daß trcscare im Toskanisrhen tanzen", tresca 'Tanz' bedeutet, s. S. 214. Das hier für 'Koppelpferde' verwendete treccia 'Flechte, Strohband' erscheint auch im Neapolitanischen tre^zd 'tre c piü paia di buoi da trarre rocchi", und in Cerignola speziell für dii> mit einem Hanfstricke zum Dreschen zusammengekoppelton Pferde. Fünf solche ' Beachte tivsca 'das zum Dreschoii hinirelegle (letreide'. hier speziell 'Reis'. Die reichsspracli- lichen Wöiierbi'uhei- vorzeichnen diese KedeuUiUi: zumeist nicht, von rngarelH aber wial sie ofTenhar als reichssprachlich empfunden, da der holognesische Ausdruck lebbia ist, ein Ober die Rom.iirna. Emilia. die listliche Lombardei, Venezion, Istrieii verbreitetes Wort, das man unbedenklich zu inbutait erst dann stellen wird, wenn der Schwund des )• erkl.lrt ist. Tresai als Dialcktausih-uck wird mir aus Monliilto (.Ascoli) mittrctollt. Lateinisch sayl man daliir stniluni, tosk. sterta, also strata umgestaltet nach ster»r>t. » 214 W. Meyer-Lübke. trezzc bikleu den sog. 'Halbmoncr, zehn flen 'Mond". Auf großen Tennen kann man bei zwanzig frcs.zc gleichzeitig arbeiten sehen. — Das X'erbum für Austreten ist in den Märchen und in den Abruzzeu trescd, ebenso in Novara (Alessandria) und in Mailand, in Aquila imd Anagui iritnrc, in Rcsaria bei Ascoli Piceno iwstü, Torre Maggiore (Foggia) 'iitrccäi, in Apulien, Kalabrien und Sizilien pisarc, in Trapani Im'äiri, im Mailänthschen auch hau a passoii 'am Pfahle dreschen'. Nach all diesen Äußerungen ist ein Nacharbeiten nicht nötig oder nicht üblich. Vergl. aber folgende Notiz: in alcuni luoghi del ('oraasco, della Brianza e del Vare- sotto s'usa un altro modo (nicht das Dreschen oder die Maschine) di trebbiatura, special- meute per il miglio. Disposto il grano in uno strato circolare, alto circa un palmo, vi fann'o camminare sopra due o piü paia di buoi aggiogati, meutre dietro i buoi un contadino percuote il grano con una hata. Bata heißt 'Flegel', das Verbum lautet aber fu f(J l mci 'die Hirse herausmachen'. (Eine ähnliche Nacharbeit beim Dreschen s. S. 225.) Mehr noch als auf dem italienischen Festlande ist in Sardinien das Austreten üblich, ja es ist noch heute das am meisten vorwiegende. Jedes Dorf besitzt eine all- gemein zugängliche Tenne, einen möglichst freiliegenden, den Winden ausgesetzten Raum. Das Getreide wird darauf durch Tiere entkörnt, in den Bergen und im Süden durch Ochsen und Kühe, im Süden häufiger durch Pferde und zwar einfach auf die Weise, daß die Rinder durch das Getreide getrieben werden. Bei reichen Bauern im Süden kommt noch eine andere Art vor. Mehrere Pferde (angeblich bis zwanzig) werden an eine Leine angespannt und um einen inmitten der Tenne befindlichen Pfahl getrieben. Zur Bedienung sind zwei Knechte nötig, der eine (jiostuhidcrl) steht am Pfahl, der andere (hasone aus lat. a(/aso) treibt die Pferde. Das Dreschen heißt triulare (trihiilure), die zweite Art triulare a cguas (Mitteilung von M. L. Wagner. Vergl. noch La Marmora, Voyage I, 411). Auch prov. caucü (calrarc), das Mistral ohne genaue Ortsangabe mit 'fouler les gerbes, les raisins, la terre' wiedergibt und JcatiM Punkt 888 (Alpes Maritimes) im Atl. linguistique 580 mit der leider nicht deutlichen Bemerkung 'fouler les gerbes pour cn extraire les grains, pas de fleaux' weist auf das Austreten hin. Für Portugal, Madeira, Teneriffa bezeugt die 'marcha dos anirnaes (cavallos, eguas, bois) em giro por cima das espigas espalhadas na eira' A. Coelho Portugalia I G44, für Andalusien, Estremadura und Valencia N. Casas Dicc. manual de Agricultura IV 246 den pisoteo. In Valencia werden je drei Pferde zusammengespannt, man nennt dieses Gespami coUci, in Granada bilden je sieben eine cohra, und bis vier rohra.'i dreschen auf einer Tenne. In Murcia, Ribagorza und um Madrid herum ist dagegen der pisoteo unbekannt (R. Me- neudez Pidal). Über die genaue ursprüngliche Bedeutung des germ. ß'resJcan haben wir keine direkte Nachricht. In historischer Zeit ist es durchaus das 'Schlagen', aber längst hat man durch Hinweis auf die romanischen Vertreter gelehrt, daß das nicht der älteste Sinn sein kann. Zu den oben gegebenen Belegen für /jrrsl.aii 'austreten' kommen hinzu senes. trescare 'stampfen': rjuando la terre fe moUe non bisogna andar\a a trescare (Fan- fani, Voc. dell' uso toscano) und dazu paßt ziemlich genau ireshi 'scalpitare, calpestare', das Tiraboschi aus bergamaskischen Mundarten anfidirt. Sonst bedeutet afr. oesehier, prov. trescar 'tanzen', ital. treseare tanzen, herumhüpfen und in weiterer Entwicklung liebeln, z. T. in stark pejorativem Sinne, oder 'klatschen', endlich 'über die Saaten Zur Geschichte der Dreschgeräte. 215 laufen von gpielenden Kindern', was natürlich ebensowohl eine alte wie eine ganz junge Bedeutung sein kann; span. trcscar 'mit den Füßen trampeln, Mutwillen treiben, scherzen", dann mit immer weiterer Entfernung vom ursprünglichen Sinne portg. triscar 'zanken, streiten, Verwirrung stiften', andrerseis katal. häufig ein- und ausfliegen von Bienen eines großen Stockes'.' Daß ein etwa dem modernen Schuhplatteln ähnlicher Tanz nach dem Rliythmus und dem CJeräusche des Dreschens mit dem Flegel benamit worden sei, wäre nicht gerade unmöglich, aber wenig wahrscheinlich, und wird dadurch vollends abgewiesen, daß ital. trcscare fast durchweg und offenliar zunächst das Dreschen mit Tieren bedeutet.^ Fragen würde sich nur, ob Glicht an Stelle von Tieren auch Menschen das Getreide austreten konnten, wie ja noch heute z. T. in Italien die Trauben von Menschenfüßen ausgetreten werden, wie das Kneten des Teigs noch vor kurzem, wenn nicht auch jetzt noch, mancherorts durch Menschenfüße bewerkstelligt wurde, wie man 'Heutrampeln" in Süd- und Norddeutschland übt. Das würde 'tanzen' noch besser erklären, aber einen Anhaltspunkt haben wir bisher nicht für eine solche Annahme.^ R. Thurneysen hat got. priskan und griech. Tpißuu unter *trÄ(fu vereinigt (Zeitschr. f. vergl. Sprachf. XXX, 352) und im ganzen Zustimmung gefunden. W. Prellwitz geht weiter, er konstruiert ein *tcrf(ß 'klappernd schlagen', das dann durch -sqo er^veitert die Grundlage für das germanische und griechische Wort für 'dreschen" und für litt, tarsz- hiii 'rasseln", trcs^h'i 'knistern' ai>gegeben hätte. Das ist begrifflich unhaltbar. Selbst wenn die Grundbedeutung von Tpißuu und ßrislaii 'die Körner herausschlagen' wäre, so würde aller Wahrscheinlichkeit nach das betreffende A'erbum einfach 'schlagen", allenfalls 'herausschlagen' bedeuten. Das 'Klappern' beim Dreschen mag dem Städter auffallen und charakteristisch erscheinen, nicht dem Bauern, und nicht was jener hört, sondern was dieser tut, ist maßgebend für die Benennung einer Tätigkeit, die nur dieser übt und "kennt. Wäre 'schlagen' als Grundbedeutung von *trz(fü erwiesen, so könnte man die Sache umdrehen: schlagen, dreschen, klappern" wäre die natürliche Reihenfolge, allein diese Grundbedeutung ist nicht nur nicht erwiesen, sondern direkt unwahrschein- lich, daher wir das ohnehin nirgends bezeugte *terego auf sich beruhen lassen können. Als letzt erreichbare Form und Bedeutung bekommen wk trzif'ö 'durch Treten das Ge- treide entkörnen". A\'enn also im neuen Weigand 'lärmend mit den Füßen stampfen" angesetzt wird, so kann ich nur dem zweiten Teile zustimmen, dagegen befinde ich mich in voller Übereinstimnuuig mit Torp-Falk, ürgerm. Spraohsch., 'trampeln, treten'. Ob nun hinter diesem '■(rzg'o die Wurzel von griech. Tpex^Ju, ir. trai;/ Fuß" stockt oder die von ' Vergl. unser tanzen von den herumfliegenden Mücken. * Nur in Caserta und Gaeta ist trcscare der allgemeine Ausdruck, aber das ist deullicli sekundär. ' Die Beweiskraft der romanischen Formen stellt H. Pelersson in Abrede. Er will ein Iristcan zu trctait zugrunde legen (lüg. Forsch. XXIV, !l(>l). Lautlich ist dagegen nichts einzuwenden, begrifllich dürfle es schwer sein den Wog zu zeigen, auf dem ein die allgemeine Bedeutung 'trelen' tragendes Yerbum zu den speziellen Verwendungen gelangt ist, die das rom. trifcare zeigt. (Ital. Irexcarc 'treten', d.is Peterssoii anführt, versagen nieinc Uillsmiltel.) Vor allem habe ich, da ßrishm lautlich und l>ogrimich paGl. Bedenken, aus dem Romani.schen ein germanisches Wort zu erschließen, für das die so reichlich flicIJende germanische Überlieferung keinen Anhaltspunkt bietet. Wer den germanischen Bestandteil des romanischen Wort- schatzes kennt, wird sich für scfre oder *trcftccre gewonlen. dann in die -ncr-Klasse ülwrgetroten wäre, vergl. »ii'iare neben meiere, miimare neben miniiere u. a. Aber auch das wiixl niemand enisl nehmen wollen. 216 W. Meyer-Lfibko. Aliliililuii^' -2. Ein Dresclistein (pemra) aus Leci-e (Apulien) nach einer Zeichnung von F. Vallese. ti'i-ere, ist licute kaum mehr zu ermitteln. Ein */m/7« + aqö könnte vielleicht in ähn- licher Weise .uriech. -ßoi ergeben, Avie nach Prellwitz (j-sqö zu -ßuj wird, wenn nur vor sq die Media aspirata ihre Aspiration frühzeitig verloren hätte, und dann wäre die Ab- leitungssilbe erklärt. Sei dem, wie ihm wolle, die Bedentungsentwicklung geht am glattesten, wenn man 'treten' und nun entweder 'heraustreten' oder 'zertreten', 'zerreiben' ansetzt. Danach stehen griech. tpißiu 'dreschen' und xpißiju 'reiben' nicht in Abhängigkeit zueinander, denn 'dreschen' ist 'heraustreten', nicht 'zertreten'. Außerdem ist aber auch das Verhältniss von tcro 'bohre' zu tcro 'reibe' in Betracht zu ziehen. Auf Vermischung und Kreuzung der drei Verba weist wohl hin möxXov Tpiij)' ev öcp&aXuLu Odyss. 9, 332, wo es sich doch luu' um bohren, nicht um reiben oder gar um dreschen handeln kann. — Zu *(rs(/>ö 'dreschen' gehört noch lat. trio 'Dreschochse', aber auch hier ist vieles un- klar. Daß -zgv über -gv oder über -zv zu v mit Dehnung des vorangehenden Vokals wird, r vor ö dann fällt, steht im Einklang mit der lateinischen Sprachentwicklung, aber i macht Schwierigkeit, wenn man Kpi9r|, Gerste, liordcuni, nebeneinanderhält. Wäre Niedermanns Annahme, daß e vor drei Kon- sonanten zu i wird, sicherer, als sie ist, so wäre etwa eine Flexion trrzno trizgn'is, daraus *trciio *triiiif: {?), d^nn frio frionis anzusetzen. Bei dem Mangel jeglicher Zwischenstufen ist es natürlich nicht möglich, ein reinliches und überzeugendes Resultat zu erreichen, triri hat Thurneysen mit rpißuj usw. zusam- mengebracht; hält man am Zusammenhang mit tercre fest, so stellt sich jetzt natürlich eine Basis tcrei leicht und willig zur Verfügung. Vergl. noch tribulum S. 221. — Mit Schraders Auffassung, daß 'zerreiben' die Grundbedeutung von Hrzcfü sei, kann ich mich nicht befreunden, da die Körner erst beim Mahlen, nicht beim Dreschen zerrieben werden. 2. Das Schleifen bedeu- tet einen großen Fortschritt, es bedingt aber auch besondere klimatische und kuHurelle Ver- Jiältnisse. Die dazu nötigen Geräte erscheinen in min- destens drei Formen : a) Der Dreschstein findet sich heute namentlich in Rumänien, Italien, Sardinien, Portugal. In Rumänien bezeugt ihn Puscariu aus der Umgebung von Costan^ä und beschreibt ihn als einen breiten, geglätteten, mit Rinnen versehenen Stein. Sein Vor- kommen in Portugal vermerkt Coelho (a. a. O. 641), gibt aber keine Beschreibung. In Italien ist er namentlich im Süden heimisch, dann in der Emilia bis nach Ferrara hin. Die Formen sind ziemlich mannigfaltig, vergl. Abbildungen 2 und 3. Die üblichste Be- nennung ist petra, so in Sardinien, in den Abruzzen, Molise, Kampanien, Basilikata, Kalabrien; daneben nach dem Material tufo, namentlich in der Kapitanata, dazu für den zusammengesetztcji Stein die VV'eiterbildung tnfogttt), dann pcsatorv (zu innsarc) in Calitri (Avellino), hatdiir in Bologna, piagna in Lagaro (Bologna), piagmn in Parma; Abbildung 3. Ein Dresclistein (preda) aus Reggio crEniilia nach einer Zeichnung von Frau Fillira Pasqui in Pontremoli. Zur Gescliiclilo der Dreschgeräte. 217 hiatra in Ciiin])ol)as8o, piaströn in Modena (piastra 'Steinplatte'), hudon (?) in Ferrara, ruslon (?) in Vot^hera, frii'a in Cosenza {irihnla, also Übertragung von der Tafel s. S. 218), endlich fra£H in Boza, tra>/H in Alghero (Sardinien), trwjon in Ferrara, die sofort ihre Eiklärung linden werden. Die weite Verbreitung namentlich in Italien weist wold mit Sicherheit darauf hin, daß es sich um ein in alte Kulturverhältnisse zurück- gehendes Gerät handelt, das schon in der Römerzeit vorhanden war, und man darf sich wohl fragen, ob die Römer eine besondere Benennung dafür hatten. Da bietet sich denn nur traka, eine Bezeichinnig, über die ins klare zu kommen bisher nicht möglich gewesen ist. Was Geoi'ges und Rieh bieten, ist nicht genügend, z. T. nicht richtig; Blümner, Terminol. und Techuol. I, 7, sagt mit Recht, daß die Kon- struktion nicht deutlich sei, ebenso Olak bei Pauly-Wissowa 'Dreschen'. Es verlohnt sich, zunächst zusammenzustellen, was die Überlieferinig bietet. Aus Vergil Georgica I, 161, trihidaquc fraheaeque et iniquo pondere rastri geht nur hervor, daß die trahen ein landwirtschaftliches, bei. dei- Ernte verwendetes Gerät ist, und wenn Servins dazu bemerkt: fraheae vehicola sine rotis, quae vulgo frahas dicunt, so beleint uns das über das Verhältnis von tniJia und frihnla nicht. Columella stellt trihula und traha so nebeneinander, daß man in fyaha eine Dreschtafel zu sehen ge- neigt sein könnte, klärt aber über die spezielle Form auch nicht auf. Unter den Glossen hängen traltac sunt rrliinda G. Gl. L. III, 624, 32, paiöiov traha III, 362, 31, und tralias quidam putant esse quibus in area colligitur pabulum, Donatus voro dicit rrlii- cula esse trahas sine rotis im Liber Glossarum (C. Gl. L. V, 250, 14; C. Gl. E. 360) deutlich mit Servius zusammen, außerdem zeigt die letzte Stelle, daß der in Spanien lebende Verf. des Liber Glossarum von der Sache genau so viel wußte wie wir heute. Ausführlicher ist trahea TUKÜvri mc, ßujXouq dcpaviJoucra C. (^d. L. V. 350, 14. Würde tukövii auf eine Dreschtafel hinweisen (S. 221), so zeigt doch der Zusatz, daß es sich vielmehr um eine "Egge handelt, womit die Glosse für uns wertlos wird. Auch nichts anzu- fangen ist mit xomouXköi; traliea C. Gl. L. II, 475, 21, da das griechische nur aus Pollux bekannte Wort eine Maschine um Schiffe ans Land zu ziehen bezeichnet, was trahea etymologisch ja auch sein kann. Endlich ist noch anzuführen, daß Varro tragida als gleichbedeutend mit traha anführte, leider keine Erklärung, sondern nur eine Etymologie gebend: 'ab eo quod trahitur per terram'. Etwas mehr Auskunft geben moderne Formen. Neap. frarolo, lomb. travol, frol jiassen, vom Geschlechte abgesehen, genau zu iragiila, mit trahea hat schon Diez tosk. free/f/ia zusammenge.'itelU, dazu noch hol. tnizsa. abruzz. treya} Die Bedeutung all dieser Wörter ist Schlitten namentlich zur Beförderung von Heu, Erde, Steinen über Schnee, Eis, Schlamm'. Südsard. traifu, das ebenfalls auf *tra- [inln beruht, bezeichnet außerdem auch die Egge', bestätigt also die eine der lateinisch- griechischen Glossen. Im Zentralsardinischen wird '^'trafiuht zu trazu (vgl. hi^u aus rO(((ii(lio)i), in Ferrara würde es zu trar, also das oben angeführte trazu, traijo» für 'Dreschstein'. Da nun Varro traha und tra,.,.j.^,r>^,n xMiliililung 7. Di-esclitafol aus Brapanza uacli Cnellio, l'ortiiijalia, (141. maßen beschreibt: coiista semplicemenk' di alcuiii assi congiunti insieiue, su cui si pon- gono grosse pietie o si fanno salire i bimbi per far peso, esso vicne trasciiiato sul grano (hl un paio tli biioi. Also eine Tafel ohne Spitzen? In dem triUio von Bragauza aber treuen wir wieder die alte Form. Er setzt sicli aus drei Hauptstücken zusammen: dem i'igentiichen tr'dho, dem i)cote, der eine mehr oder weniger vertikal eingesteckte Stange ist, und dem timöcscllo, der Deichsel, an der die Zugtiere (Ochsen oder Esel) angebunden wenlen. Der eigent- liche irillio besteht aus einer fast recht- eckigen Tafel, die oben (Uu'ch Quer- stücke fester ge- macht ist. Die un- lere Seite ist mit Kieselsteinen und Nägeln besetzt, die in das Holz eingelassen sind. Um das Gewicht zu verstärken, stellt sich der Treiber aufden/«7/;o und hält sich um jieofc (A. C'oelho, Portugalia I, 641). Vergl. Abbildung 7. Fast alle (hese Tafeln sind mit Steinen beschlagen, die Eisenstücke, von denen Varro spricht, hat aber z. B. der // illio von Granada. Sonst bestellt eine Verschiedenheit haupt- sächhch darin, daß neben den üblichen zweibrettigen auch einbrettige und drei- brettige vorkommen. Ein- brettig ist z. B. außer der eben beschriebenen nord- portugiesischen die cypri- sehe, wie sie Unger dar- stellt (Abbildung 8), wäh- rend Frauenberger (Glo- bus XX, 192) ebenfalls in Gypern zweiteilige gesehen liat, dann die poKÜvri in Böotien (Pauly-WissowaV, 1001), das kh'äicri bei den Grusieren, das Ter Mowses- jauz a. a. O. folgender- maßen beschreibt: «Man hat ein Brett aus einem Stück harten Holzes, sechs Fuß lang, an einem Ende zweieinhalb Fuß breit, am andern zugespitzt, etwa zwei Zoll dick und mit der zugespitzten Hälfte aufwärtsgeljogen. Die ebene Fläche hat von der Spitze an eine Rippe über das ganze Brett und diese ist mit einer Öffnung zum Durchziehen eines starken lederneu Strickes oder einer gedrehten Weide versehen, woran zwei Ochsen oder Büffel gespannt sind.» Dagegen wird die valenzianisch-katalanische Drjschtafel ausdrücklich als dreiteilig bezeichnet, vergl. z. B. Labernia, Dicc. de la lengua catalana trill 'Instrument compost d'un taulö de tres trossos uuits, ple de forats, en los quals Abbildung 8. Dreschtafel aus Cypern nach F. Unger und Th. Kotschy, Die Insel Cypeni, S. 441. Zur Geschichte der Dreschgeräte. 221 s'encastan comuncinent pedras fogueras'.' Meist steht, wie schon hemerkt, ein Knahe auf (leiu Brett, der auch die Tiere führt, doch hat Levier (A travers le Caucase 156) iui Kaukasus geseheu, wie der führende Knabe neben dem Tiere geht und auf dem Brette zwei Frauen stehen, die sicli an den Schuhern halten. In Cypern steht ein Mann auf der Tafel oder es wird ein Stuld auf die Tafel gestellt, auf die sicli ein Mann oder eine Frau setzt, wie Frauenberger auch ausdrücklich bemerkt.- N'ergl. Abbildung 8. Der griechische Name der Dreschtafel ist luKÖvri, in den Glossen auch tpiKOvri, Tpufavri, puKaviT geschrieben, letzteres, durch böot. poKÜvr) bestätigt, eigentlich ein ganz anderes Wort: puKävi-| 'Hobel', die xp- Formen eine Verschmelzung der beiden Wörter. Die Belege s. Corp. Gloss. em. s. v. Trihuhm. Die Etj-mologie ist hier nicht charak- teristisch. Eusthatius erklärt üttö toü tükou, epTaXeiou oiKobo|aiKoO und in der Tat sind TÜKog 'das Werkzeug, mit dem der Steinmetz die Steine behaut", tukiIuj 'Steine Ijear- beiten', TÜKiaiaa steinerne Mauer" die nächsten Verwandten innerhall) des Griechischen. Dazu kommt dann iiTucTKoiaai 'herrichten', also ein Verbum allgemeiner Bedeutung, daher die dazugehörigen Nomina je nach der Umgebung, in der sie geschaffen und gebraucht werden, ganz verschiedenartige Werkzeuge oder Geräte bezeichnen können. Zu den Glossen kommen die heutigen Formen. Konstantinides schreibt xuKävri r\ öp-favov iL dXiücTiv, äXiuviffTiKiT oavii;, KOivuüg bouKÜvii ii pouKÜvr), bei den Griechen im Kaukasus tuclian. Aus dem Griechischen stammt bulg. dthnntja. Daneben steht TpißoXa oder -oq, doch übersetzt ßlachos TpißoXoq, rpißöXi mit 'lierse\ also 'Egge". Wenn, wie es den An- schein hat, diese Benennung jünger ist und der späteren und heutigen Sprache fehlt, so wird man mit der Annahme kaum fehlgehen, daß sie dem Lateinischen entlehnt sei, wobei der Anklang an ipißuj und xpißoXoq 'Fußangel" die Entlehnung erleichtern konnte. Freilich der Grund dafür, daß die Griechen für ein ihnen geläufiges Acker- gerät einen römischen Namen verwendeten, bleibt noch zu suchen. Auch lat. frlhnjunt bietet einige sprachliche Schwierigkeiten. Das / ist lang, wie die S. 217 angeführte Stelle ans Vergil beweist. Dazu pal.U ital. trihhh, span. triUo, portug. trilho und damit ist der Anschluß an trkl tritum gegeben. Suffix wäre dsis Werkzeuge bezeichnende -liiihiin. Aber auffällig ist zunächst die Form trirohini bei Varro de lingua latina \', 71, dann noch mehr trcblae bei Cato, das in Lucanieu zu Hause sein soll und dem nun it. trclihiare entspricht, eine Form, die heute nicht nur dem Süden, sondern auch dem größeren Teil der Toskana angehört. Lassen sich lat. i und osk. (■ leicht unter ri vereinigen, so müßte doch ein urital. '^firihhloi» im Oskisdien zu trrflom werden, vergl. rrcfrat: crihrat C. gl. L. V, 854, 1. Setzt mau dagegen ein tresffohin an, mit demselben Suffix, das z. B. in agohim von mjirc vorliegt, so hätte man damit ziemlich genau die Entsprechung von germ. "^prcskUs. Das i im Lateinischen wäre dann zu erklären wie das in trio (S. 216).-' Einfacher ist vielleicht aber anzunehmen, daß dieses *tresgolom oder -a (vergl. auch auf germanischem Gebiet österr. 'die Drischel") an tni- an- ' Ein aus einer irrdljen Tafel bestellendes Gerät, das aus drei Stücken zusammengeselzt und voller Li'ieher ist, in die Feuei-steine eingelassen sind. ^ Diese Bequemlichkeit, die sich auch in Ägypten findet, s. Ahbilduns: 10, scheint in Kleinasien un- bekannt zu sein, wenigstens wird sie von Naumann, Vom goldenen Hörn zu den Quellen des Kuphrat. S7 Anni., direkt in .\brede gestellt. ■' Vergl. auch .\. Ernoult, Los clcinenl.s dialeclaux du vocabulairo laiin i;{!i, dessen Beurteilung des Verhältnisses von <■ und t ich nicht folgen kann. 222 W. Meyer-Lübke. geleimt worden ist, so daß nun aus einer Vermiscliung, deren Stadien im einzelnen festzustellen wieder nicht möglich ist, irrhla und frivola entstanden sind. Das übliche trihxJa, -um zeigt Anlehnung des Ausganges an das Suffix -hhun. Während nun auf der iberischen Halliinsel die lateinische Form herrscht, stehen in Italien die lateinische und die italisclie nebeneinander. Derartige Fälle kommen auch sonst vor, vergl. sard. il/(/c aus lat. ikx, eli(/c, ital. clre aus *elrx Grundr. f. rum. Phil. P, 445. Von größter Wichtigkeit ist nun die Frage, ob die Dreschtafel auf das Kultur- gebiet des Mittelmeers beschränkt sei oder ob sie auch die Germanen gekannt haben. Im ersteren Falle darf man wohl annehmen, daß ein in seiner Form so gleichmäßiges Feldgerät nicht an verschiedenen Punkten konstruiert worden, sondern daß der Kultur- gegensta'nd von Land zu Land gewandert sei. Da nun Italien den Dreschstein kannte, wird die Tafel hier importiert sein. Dann bleibt, da eine Wandei'ung von der Iberischen Halbinsel nach dem Osten allem zuwiderläuft, was wir sonst wissen, nur Griechenland oder Kleinasien übrig. Für letzteres spricht das frühe Vorkommen und der Lfmstand, daß Kulturelemente gerade in der ältesten Zeit von Kleinasiaten (Semiten) zu Griechen ge- kommen sind, nicht umgekehrt. Die Römer dürften ihr tribidum übrigens kaum von den Griechen bekommen haben, da in diesem Fall wohl der griechische Name geblieben wäre. Ganz anders verhält es sich, wenn die Dreschtafel auch germanisch war. Iv. Meringer wirft die Frage auf, Idg. Forsch. XIX, 420. Anord. prcsliuldr, ahd. driscuvili, ags. picscwold 'Schwelle' scheinen deutlich zu 'dreschen' zu gehören. «Wenn dreschen eigentlich treten bedeutete, köimte man unser Wort als Trittholz oder ähnlich erklären. Aber aucli das ist mir keineswegs einleuchtend. Die Scliwelle steht meist hervor, sie ist der unterste horizontale Balken, der Erwachsene tritt durchaus nicht auf sie . . . — So bleibt wohl nur übrig, das Wort als 'Dreschholz' zu fassen und das ergäbe einen Sinn, wenn die Schwelle einstmals schlittenkufig gebogen war; denn Schlitten waren wirklich Dreschhölzer.» Ich halte das nicht für richtig, glaul)e auch, daß hier wie an- derswo (vergl. Wetzstein, a. a. 0. 272, oben S. 218) der Ausdruck 'Schlitten' wie 'Schlitten- kufe' falsche Vorstellungen wachgerufen hat. Man sehe sich Abbildung 4 an, ver- gegenwärtige sich die Maße: wie soll da eine Schwelle aussehen, damit man sie Dresch- brett nennen konnte? In dem Lungauer Hause, dessen Grundriß v. Rhamm, Vorzeitliche Bauernhöfe I, 134, bringt, ist der Dreschbel ein 'eingelegter Balken von etwa -jr, Fuß, gerade um den Fuß zu heben'. Nach Rhamm, S. 600 (dessen sprachliche Analyse aller- dings nicht geht; annehmbar ist, was v. Grienberger, Untersuchungen zur gotischen Wortkuude, 196, vorschlägt), kommt die Hochschwelle auch bei der alten skandinavischen Dreschtenne vor. Ob freilich die Annahme, daß sie von da auf das Haus übertragen und nach Süden gewandert sei, sich überzeugend wahrscheinlich machen läßt und ob eine Hochschwelle vor der Dreschtenne wirklich 'Dreschbalken' genannt worden wäre? Eine andere Erklärung wird S. 298 vorgeschlagen werden. Das aber ist wohl sicher, daß für unsern Zweck das Wort nicht verwendbar ist. Danach ist die Dreschtafel eine auf den Süden beschränkte Erfindung. Ihre Ver- wendung setzt voraus, daß das Getreide im Freien liegen bleiben kann, d. h. also, sie ist gebunden an ein Klima, das auch nach dem Schnitt noch genügend trockene Tage bringt. Wo die Witterungsverhältnisse das nicht erlauben, wo das Getreide n.öglichst rasch in die geschlossene Scheune gebracht und dann auf mehr oder weniger geschützter Tenne entkörnt wird, fehlt der Raum, der für die Verwendung einer so großen Maschine Zur Geschichte der Dreschgeräle. 223 nötig ist. KuUurentwicklung, negative und positive, steht oft genug in engster Wechsel- wirkung mit den klimatischen und, wie wir noch sehen werden, mit den Bodenver- hältnissen. Ich schließe hier den emilianischen haüitoio an (Abbildung 9). Außer in Imola kommt er auch in Bologna, Ferrara und vermutlich überhaupt in der Emilia vor. Die Aljliikluii},' '.(. Der hattituiu aus Imola. Platte wird mit Steinen beschwert. Neben hafdnr soll in Ferrara auch der Name traim vorkommen, was zu fraf/idu (8. 217) gehören könnte. Der Name paßt nur insofern zur Sache, als hatten: hier der allgemeine Ausdruck für dreschen ist, ohne Rücksicht auf die Art und Weise des Entkörnens. Daraus kötmte man schließen, daß es sich um eine selbständige i-elativ junge Erliuduug handle. Eine Ent- wicklung aus der Walze scheint mir ausgeschlossen , dagegen wäre es wohl nicht unmöglich, daß die Dreschtafel in der \'er- bindung mit dem PHug diese Form angenonimen hätte. Denn, wie Berti richat 331 lehrt, ist es die Protze des Pfluges, auf die die Deichsel des Inütitoio aufgelegt wird. c) Der Dreschwagen. In der schon angeführten Stelle, an der Varro von den Drescharten sprach, erwähnt er nach dem Brett [trihiiluni fit] ex assihus (Iciitatis cum orbiculi:^ nuod vocaiif plostcllum jiiiiiiciim. In eis qiiis srdiat rl a;fHd quae irahaiit, ut in Hispania citcriorc et aliis loeis faciitnt. Ganz riclitig erklärt das Blümuer, Terminologie und Technologie I, 6, als 'aus mehreren mit eisernen Spitzen versehenen Hollen oder Wal/.en bestehend'. Und wiederum trilVt man den Dreschwagen bei Jesaia 'JS,-28 erwähnt. Was sein heuliges Vorkouuncn betritft, so bemerkt Wetzstein, a. a. O. 2S0, daß .AliliiMuiij; 10. Ätryptisdicr Dreschwagen. Nach Wilkiiisoii, .Maimors aiul Customs of tlie Ancienl Ej.'ypliaiis. II, S. l'.K). 224 W. Meyer -Lübke. «derSchneideappanu aus neun scheibenförmio-en Sägeblättern besteht, die a>if bewegliebfii hölzernen Walzen (je drei Blätter auf einer Walze) befestigt sind. Der Wagen, in Syrien selten, hat in Ägypten die Tafel so verdrängt, daß ihr früherer Name nomi dort auf denselben übergegangen ist» (Abbildung 10). Der armenisehe Ureschwagen ist in Mitt. d. Anthrop. (iesellsch., XXII, 156, beschrieben. «Die rarcar genannte Dreschmaschine ist ein zweiräderiger AVagen, dessen Räder aus je einem ganzen Stück Brett von 2^h Zoll Ahliilcluiig 11. Dreschwagen aus Onluiia (Siulitalien), Durchmesser bestehen; auf seinen Achsen sind kleine, schaufelartige, scharfe Eisen an- gebracht, und zwar so, daß die scharfen Spitzen nacli imien laufen. Ein Paar Ochsen oder Pferde werden an diesem Geräte angespainit. Beim Drehen der Achsen zerscluieiden die scharfen Spitzen das Stroh in kleine Stücke. Die Aclisen sind selbstverstäiidlicli Abliilclung \-l. Piemontcsischer Ureschwagen nai;-]i Rorti-Pichnf, S. 329. an den Rädern befestigt.» In Italien ist etwa die luuch'nia aus Ordona (Kapitanata) an- zuführen (Abbildung 11). A ist die Walze, die zur leichteren Beweglichkeit und wohl auch zum ersten Zusannnendrücken des Getreides dient, die Zahnräder B C besorgen das eigentliche Entkörnen, der Lenker der Pferde sitzt auf der Bank D, an den Haken E werden die Seile befestigt, an die die Pferde gespannt werden. — Einen ähnlichen Wagen beschreibt Berti-Pichat 329: «Quattro minori rotoli (über den rotolo s. u.) uniti trascinali da due cavalli il cui conduttore preme col suo peso suU'arnese medesirno. Ogni spigolo di tali rotoli esercita un colpo seguito da conipressione e per quanto vidi io nel Piemonte, quando si e tribolato ben bene cavalli o manzi in tale penosissimo lavoro, Zur Geschichte der Dreschgeräte. 225 conviene poi compicre la trobbietura col coraggiato. Vergl. Alibildnng 12. (Zu dieser Nacharbeit vergl. S. 214.) Der genetische Zusammenhang zwischen den verschiedenen Formen ist nicht deutlich. An Varros Angabe, daß ein punisches Werkzeug vorliege, zu zweifeln, liegt ein Grund nicht vor und da der Wagen in Sj'rien selten, im neueren Ägypten gewöhnlich, die Dreschtafel umgekehrt hier selten, dort gewöhnlich ist, so liegt der Gedanke nahe, daß der Wagen in Ägj'pteu aus dem Westen stamme und sein ägj'ptischer Name norcfi panisch sei. Ob aber die zwei italienischen Formen alt sind, ist mehr als fraglich, sie köimten ebensowohl jüngere Zusammensetzungen von Walzen - sein. Daß der Wagen sich aus der Tafel entwickelt habe, scheint mir technisch nicht wohl mög- lich, eher könnten auch bei den Alil)ilcluii„' 13. Italienische Dre.sch\valze nach Berti-Pifhal. Alil)ililiuit; lö. l'rolil iIcs i)iciiionlesi.«chen riibiit nacli einer Zoichnuiif von (i. Teiiacini. Abbildung 14. Dreschwalze [rödsfl) aus Resijrio-Emilia nach einer ZeichnunjT von Frau Fillira Piisqui in Ponlrenioli. runiorn einlache Walzen vorangegangen sein. Bemerkenswert ist etwa noch in Rouchi 'ploutrc cylindre, (pii sert :\ ploutrer, jtloiitrcr passer un cylindre sur la terre pour la rendre unie. Cette Operation sc fait egalement sur le ble. lorsqu'il est trop fort pour en retarder la v<^getation' (Hecart). Also eine Walze. Lautlich paßt als Ftymon plaiistnnii oder genauer phistniiii. Die Bedeutungsentwicklung ließe sich allenfall.* so denken, dalJ das i'laiistrum ein Wagen mit Scheibenrädern, nicht mit SpeichenrÄdern gewesen ist. Wahrscheinlicher scheint mir ai>er, daß vom Dresohwagen auszugehen ist. dessen Be- nennung auch auf die Dreschwal/.e, daiui auf andere Walzen übergegangen ist. riiKde 'Mühlstein' aussieht. Üb ein Zusammenhang mit dem piem. riiliat besteht, vermag ich nicht zu sagen, da die Kulturbeziehungen zwischen Piemont und dem untern Rhonetal entweder durch den Delphinat oder über Genua, Nizza gehen müßten, auf diesen weiten Strecken mir aber vorläufig nur der Flegel bekannt ist, doch fehlen vor allen Dingen genauere Mitteilungen. Die im Dicc. enciclopedico hispano- americ. XXI, 544 abgebildete Dreschwalze {niJo oder roddia) entspricht vollkommen Abbildung 13. Auch hier ist sowohl die glatte als die kannelierte üblich. Endlich mag der Vollständigkeit wegen noch erwähnt werden, daß man im nörd- lichen Schweden eine Dreschwalze verwendet, die mit Holzzwecken beschlagen ist. Sie soll von Schweden, die mit Karl XII. von den Türken gefangen genommen wurden, aus Bulgarien gekommen sein (Krünitz, Okon. Enzyklopädie, IX, öKi; Riiamm, a. a. O., 994). Wir haben keinen triftigen Grund, an der Richtigkeit dieser Überlieferung, wo- nach also die Walze aus dem Süden importiert ist, zu zweifeln. 3. Das Schlagen. Auch hier sind sehr verschiedene Arten und entsprechend verschiedene Werkzeuge anzuführen. ' Beiläufitt : was heißt hier albae? Ahbildung 17. Provenzalische Dreschwalze nach dem Nouveau Larousse illustre s. v. rouleur. Zur Geschichte der Dreschgeräte. yo ■It a) Das Dreschbrett. W. S. Hamilton, Rei.se durch Kleiiia.sien, Pontus uiifl Armenien, II, 213, dtr deutschen Übersetzung, erzählt: «Auf dem Rückweg nach Ak Serais fand ich eine eigentümliche Art, das Korn auszudreschen, durch welche man zugleich das Stroh unversehrt behält. Eine Fi-au hielt nämlich eine kleine Garbe oder eine Handvoll Korn über eine Art von Ambos, während zwei Männer (he Ähren mit flachen Keulen, ähnlich unseren Waschschlägeln, ausschlugen.» Dazu vergl. man Ratzel, Völkerkunde IP, 442: «In Abessinien ist das Pflügen die Sache der Männer, die Mädchen und Weiber aber ernten und dreschen, mühsam pflücken sie das reife Getreide und klopfen CS dann mit kleinen Stöcken auf der Tenne- aus >.. Man kann darhi wohl die allerprimitivste Art sehen, die kleine Betriebe und denkbar geringe Wertung der Arbeitskräfte voraussetzt. Sie mag auch z. B. in Ägypten dem Austreten (S. 212) vorausgegangen sein, denn das Verbum hi 'dreschen' bedeutet eigentlich 'schlagen'. Bemerkenswerterweise be- gegnet man auch dieser Form in Italien und weiterhin noch lieute. P. Canevazzi Vocabolario di agricultura 142 s. v. hanca gibt die folgende Beschreibung: «Batitre a hanco ä un modo penoso e lungo, usato specialmente nel Fiorentino. I grani dcbbano essere stati tagliati a terra, cioe con paglia lunga. In mezzo all' aia portasi un largo tavolo, un uscio levato dai suoi arjiioni e si colloca a piano inclinato sopra due panche. Uno o piü uomini stanno davanti a questo apparecchio, su cui battono a varie riprese i covoni del grano tagliato a terra. Alcuni ragazzi o donne riprendono i covoni via via che gli uomini li gettano da parte e con ]>icco]i bastoncelli o colJe mani finiscono di sgranare le spighe rimaste. » Auch außerhalb des florentinischen Gebietes kommt das vor. Pirona gibt für das Friaulische an scomd 'battere a banco, batterc le spiche del frumento o della segola sopra una tavola o sopra una pertica, per consorvarc piü che possibile la paglia". .ähnliches war oder ist bei kleinem Betriebe im Nonstal üblich, dami weiter wei^tlicli im Wallis nach .leanjaquet (Bull, du gIos.t Abbililuiii; ■2\. t;bualun aus Loysin. Nai b einer Zeicbnung von Fil. tiaucbal. de C'lairvnux erklärt wird als 'perche qui sert comme de levier pour temhe une corde ou uue chaine de voitiu-e de nianiere i\ serrer et ii maintenir la charge\ also 'Packstock'. Im Jura heißt der Dreschstcnk cliiiutoii, das von dem liier z. T. noch lebenden Wrtreter von ital. sono 'Strick" ab- 230 W. Meyer-Lübke. ~3SS3j "t-sci" geleitet ist und in den ül)rigen Teilen der rranzüsisclien Schweiz auch in der Tat 'Packstock' heißt. Vergl. Abbildung 21, wozu L. CJauchat schreibt: «la partie platte ä droite (oü se trouve la cliaine) servait autrefois ti battre le ble, non pas dans cet cxemplaire, niais dans d'autres analogues». Eine dritte, in Neuenburg und in der Freigrafscbaft vorkommende Bezeichnung: varacö, ist mir etymologisch unklar. Noch mag bemerkt werden, daß der in Abbildung 20 verewigte Besitzer des chuaton sich dahin äußerte, daß das Stroh damit mehr geschont werde als mit dem Flegel, daß man ihn namentlich beim Dreschen von Roggen verwende, da sicli das Roggenstroh zum Anbinden der Weinstöcke vorzüglich eigne. Auf deutschem Gebiete kommt namentlich Tirol in Betracht, doch sind meine Informationen weder vollständig noch durchweg genau. Auf dem rechten Ufer des Stubaibachs kennt man die l'ritschcn, d. h. Wurzelstauden der Äste, mit denen man Roggen und (Jerste ausschlägt, wogegen auf dem linken der Flegel üblich ist. Der Pritschen entspricht im Zillcrtal der Schmirrcr oder die lirütschcn, d. h. ein langer Stecken, mit dem man kniend die bereits ausgedroschenen Garben noch- mals ausschlägt. Früher war auch ein ßengel üblich, der vorn vor- dickt war und im ganzen die Gestalt des romanischen Stockes zeigt. Häufig dient ein passend gewachsener Ast einer Buche. Ihm entspricht die Zocken im Pitztal, der Knlttl im Pustertal. (Nach Mitteilungen von L. v. Hör- mann, vergl. auch dessen Tiroler Bauernjahr, 66 ff.) Für Spanien ist hier aus dem Dicc. enciclop. hispano-americano, XXI, 544, die Notiz anzuführen, daß man statt der Flegel einfache Eschenruten verwende, ähnUch denen, mit welchen die Tapezierer die Wolle ausklopfen. Eine Vervollkommnung war im oberösterreichischen Innviertel im Gebrauch. «In früheren Zeiten zogen Gesellschaften von Dreschern, Wied- oder Steckadresclicr genannt, von Haus zu Haus, um gegen entsprechende Belohnung den Bauern das Getreide zu dreschen. Sie bedienten sich eines einteiligen Dreschflegels, der aus einem Krummholz bestand, dessen oberer Teil, die Handhabe, rund geschnitten und am Ende mit einem Knopfe versehen war, während der untere Teil, der auf das Getreide aufschlug, breit und wuchtig, mit einer Eisenschiene und eisernen Ringen beschlagen war.» (J. Parzer in Siegharting O.-Ö. nach Mitteilungen eines alten Mannes ) Hier sei noch zweierlei erwähnt. Prov. lato 'Latte' erklärt Mistral ohne nähere Ortsangabe als 'longue perche, gaule pour battre le ble', sie ist wohl identisch mit den Ixisproeheuen Formen. Dazu vergl. in Aveyron (Atlas ling. Punkt TSf)) lato 'sorte Je fleau forme de quatre ou cinq longs bätons lies ensemble et un peu tordus'. Ich weiß nicht genau, wie das zu denken ist, will aber noch darauf hinweisen, daß man früher in Jesi ■25-30 cm. y AlihiUluii- ±1. Die Mazzd aus Trnpani. Naih einer /.eii limine: von Herrn Prof. N. Passal;iciiua. Zur Geschichte der Dieschgeräte. 231 (Ancona) niitRutcnl)ünde]ii droscli (rhtnni infn-ccMi), vcrgl. dazu, daß man in Montenegro, wenn das Roggenstioli benutzt werden soll, die Körner mit verzweigtem Reisig oder langen Ruten ausschlägt (P. A. Rovinskij Cernogorija, II, 1, 596). S. noch S. 241. Neben dem Stock kommt auch eine Art Walze zum Schlagen vor. Prof. N. Pas- salacqua in Trapani schreibt, daß neben der schon genannten pcrtica auch namentlich Al)l)iiaung 53. Zillerlalcr Bengcl. Nach einer Abbildung 24. Der eiigadiin.^.l.c prl. Nach einer Zeichnung von Frau Primarius M. Büdinger. Zeichnung von Herrn IMarrer rallioppi. von den Ährenleserinnen die iiiaz^a verwendet werde, ein hölzerner Zylinder oder Halb- zylinder mit Stiel, der übrigens auch zum Schlagen des Hanfes dient (s. Abbildung 22). Ähnlich ist der Zillertaler ßengel. «Das ist eine etwa einen Meter lange Walze, Bengel oder Tremel genannt, mit einem Loch am hinteren Ende, in dem ein andert- halb Meter langer Stiel steckt, und zwar entweder ein starrer senkrecht eingefügter und nur am obersten Ende etwas umgebogener oder ein biegsamer schief eingesetzter. Erstere Art kenne ich nur aus dem vorderen Zillertal, letztere kommt auch in der Gerlds, Krimml, Obcr-Pinzgau, ebenso im Brixental und Mitschönau vor.> (Ij. V. Hürmann; vergl. Abbildung 23.) Dieser letzteren entspricht ganz genau der engadinische ^JrZ (pcdns), s. Abbildung 24, obw. pal oder hrcgal (Prügel). l' Während hier der alte einteilige Flegel ganz unbekannt ist, kommt neuerdings ^ der pel sehr iu Aufnahme (R. v. Planta). Nimmt man dazu die Bezeichnung ^,^ hrcfial, so wird man mit der Annahme nicht fehlgehen, daß es sich hier um i.ii.iuug einen jungen Import aus Österreich handelt. -i"'- Kcnmte man schon in einzelnen dieser Formen den Ül:»ergang zum Flegel ^'•''•-•*- linden, so scheint er noch deutlicher vorzuliegen in dem //•«.ezo):<-^n wurden, daher liir die neslandloilo die westlichen Namen fddlih waren oder wurden. Diesbezügliche Krkundigun^'vii über die heulifc'en Verlialtnisse haben bisher zu keinem Ergebnisse gerührt. Wörter und Sacheu. I. *• 234 W. Moycr-Lfibke. AhbilduiiL' Uli. Aliliilduiig 27. AIiIhIlIuiil' 29. AhliilduiiK ü(i. AMiilduiig 27. Abhililun- 2S. Abliil.luiis,' 2!». Al)l>ilclung :i(i. Abliililuiig ;)i. Abbildung 32. AbbilduM},' 33. Abbildulm- 32. Engadinisdiei" Flegel iimli einer Zeicbnuni,' von llemi l'lhrrer r.illiu|i|ii. Piemontesiscber Klegol uacli einer Zeiehnuiig von G. Terracini. Walliser Flegel nacli Uull. pat. .Suisse nun. IV, 40. 'Fninlii' aus Porlorecanati, nacb einer Zeichnung von Ci. I'auri. Freiburger Flegel nach Bull. pal. Suisse rom. IV, 31). Braunschweiglscher Flegel nach Audree, Braunsehweiger Volkskun le. p. 181. Flegel aus S. Pol (Pikardie) naeh einer Zeicbiunig von Ed. Edmoiii, lie.\i(|iie Saint-Polois, p. 2.")U. Mecklenburgischer Flegel. Zur Geschichte der Dreschgeräte. 235 Abbililunj; SO. Ahbildunu' :U. AlibiMun;,' AliliiMunii Abbildum; Abbildung •J8. Abbildung 38. Flegel aus Fondo im Xonstal, Zeichnung von G. Batlisli. A. ist ein Eisenring. Slriik aus Leder. C ein tief eingelassener Nagel. Pienionlesischer Flegel. Genfer Flegel nach Bull. pal. Suisse roin. IV. ii». Die Mf i" der Schweiz, im Elsaß, zum Teil in Schwaben, mau sehe das Schweizerische Idiotikon, Martin für Elsaß, Fischer für Schwaben, welch letzterer die genaue Grenze zwischen der p- und der pf-Fovm in seinem Gebiete angibt. Auf bayerisch-österreichischem Gebiet scheint nur Flegel vor- zukommen, es ist aber der Ausdruck der Schriftsprache, bodenständig ist wie gesagt DriscJirl. Nach Kluge ist flri/cl altsächsisch ; was es mit brem. fhim/cr, mnd. rla/icr für eine Bewandtnis hat, weiß ich nicht. Die p-, ^'/'-Formen haben .Johannsen ver- anlaßt, plagil als altgermanisch und Flegel und engl, /lail als Lehnwörter aus flagellnm zu betrachten, und Falk-Torp, Norw. -dän. etym. Wb. pleil, setzen eine idg. Wurzel hlel: 'schlagen" an mit der Variante plel;.: zu jener gehöre i>leil usw., zu dieser ßegil, flagellnm habe seine mittellateinische^ Bedeutung durch Einfluß des Germanischen be- kommen. Diese letzte Auffassung nun ist ganz unwahrscheinlich. Einmal vom histo- rischen Standpunkt aus, da flagellum 'Flegel' doch schon dem 4. Jahrhundert angehört, dann vom formellen. Ein germ. *flagils hätte im Lateinischen flagilus oder ähnlich gelautet und wäre nicht zu flagellnm umgestaltet worden, wie ja auch gall. hrogilus margila, germ. tumpils nicht zu *hrogellus, *margeUa, *tumpelhis geworden sind. So- lange aber *flägils 'Flegel' und flagellum 'Peitsche' nebeneinanderstanden, lag auch keine so große begriffliche Verwandtschaft vor, daß die Umbildung daraus erklärlich wäre. Die Sachen liegen vielmehr so: Wir haben 1. lat. flagellum, nach seiner Be- deutung vorzüglich geeignet, den Flegel im Gegensatz zum Stock zu benennen ; 2. germ. *2>lagils vorausgesetzt von alemannischen und niederdeutschen Formen, das an schwed. plagg 'Schläge' angeknüpft werden kann, sonst aber isoliert ist, da bisher eine idg. Wurzel blek anderweitig nicht belegt ist. Dieses *plagils kann zunächst nur 'Schläger' bedeuten, ist also nicht charakteristisch für den 'Flegel'; 3. germ. flagils, gefordert von sächsischen und englischen Formen, entweder entlehnt aus flagellum oder zu der Wurzel gehörig, die in litt. ^j^aÄ« 'sich schlagen', abulg. plahati 'sich auf die Brust schlagen', ir. Im 'Wehklage' vorliegt, in diesem Fall auch wieder nicht charakteristisch für den Flegel.^ Für die Entscheidung wird es in erster Linie nötig sein, zu untersuchen, ob * Wieder hat oberflächliche Benützung Du Ganges Unheil gestiftet. Weil fiageUum 'Flegel' in dem Vocabularium mediae et infimae latinitatis angefülirt wird, ist die Bedeutung 'Mittellateinisch'. Und doch zitiert Du Gange Hieronymus. Wenn man also sein Zitat berücksichtigt, sieht man sofort, daö es sicli nicht um etwas erst 'Mitteliateinisches' handelt. '^ Nur in einer Anmerkung soll folgender Einfall vermerkt werden. Der Plural zu de flegel lautet im alem. pfiegel, d.i die zu d, d aber folgendem Konsonanten angeglichen wird (pfreud 'die Freude', pmüder 'die Muller' usw.). Da nun das Wort oft pluralisch ist, vergl. S. 238, so wäre zu einem vorwiegend plura- Zur Geschiclite der Dreschgeräte. 2'M und wieweit andere Formen als der Flegel zum Ausschlagen des Getreides auf ger- nianiscliem Gebiete vori--Gebiet (s. die Karte S. 243), dazu marrher "dreschen". So wenig es einem Zweifel unterliegen kann, daß es sich wirklich um den Flegel handelt (vergl. außer dem Atlas lingu. die Wbb., z. B. Roussey für Bournois: mcrcu 'fleau servant ä battre le grain', mor! battre du grain au fleau), so klar ist es, daß niarihrr zunächst nur vom Austreten gesagt werden kann. Das Verbum wäre dann beibehalten worden, als man mit Werkzeugen drosch, und wäre auch der Benennung des Werkzeuges, wie immer es beschaffen war, zugrunde gelegt worden. Also die Umkehrung dessen, was wir im Ägyptischen (S. 227) und beim emilia- nischen hatfitoio (S. 223) sehen. Daraus würde folgen, daß hier in Nordostfrankreich das Austreten durch Tiere, wie es bei Germanen Brauch war, nicht wie in Italien (S. 214) mit dem germanischeu \'erbum für dreschen, sondern mit dem zwar auch germanischen, wahrscheinlich aber schon viel früher aus der Militärsprache übernommenen mardur bezeichnet worden wäre. Oder soll die Doppelbedeutung von germ. *prcsl;an, wie sie ja namentlich in afr. treschier neben ital. trescare erscheint, auf marchcr übertragen und dem *prrsl;iJA entsprechend ein marclmJur gebildet worden sein? Oder ist der marrhrur ursprünglich eine WalzeV Ein zweiter Ausdruck ist ecousseur zu afr. escourrc, lat. c.rcutcrc, das ja schon im Lateinischen 'dreschen" l)edcutet. Die Bedeutung ist auch hier durchaus Tiegel", aber es fällt auf, daß mitten unter diesen ecousseur zweimal vrrgc erscheint, mit der leider un- klaren Bemerkung 'pas de fleau". Welcher Art Ruten das sind, bleibt festzustellen, jedenfalls sind wir offenbar nicht im alten //wit-Gebiete. Vielleicht ist also der icoHnsciir ursprünglich ein anderes Werkzeug gewesen. Da es nun weiter nicht unmöglich ist, daß (las Diarchnir-Gchiet und das ä-0((.s.-;(?«)-Gebiet ursprünglich zusammenhingen, so er- scheint auch iiiiurlirur in neuem Lichte. Daß flraii, das Wort und damit vermutlich die Sache, gewandert ist, läßt sich auch sonst nachweisen. Freilich die Schicksale vou // einerseits, von -rUu andererseits gehören zu den allerschwierigsten der französischen Dialektgeschichte, weil störende Einflüsse mehr als irgendwo sonst die Entwicklung und also für uns die Einsicht trüben. Aber wenn in Punkt 51 (Waadt) fhic als fya, fla- lisclion jitlci/il ein iieuoi- Singular «iii pfliyel oilor de i>flvgfl gcschalTon worden, was dann auf der Grenze VDii nioilordeutschein p- und oberdeulschem jf-Gcbiel in niederdeulschcni Munde zu j'Ifgtl pewonlen wäre. 238 W. Meyer-Liibke. ridhon als flo erscheint, so liegt es auf der Hand, daß ßo ein Eindringling aus der Heiclissprac'he ist, und chleyi neben Jilori (florii-r) Punkt 70 ist zum mindesten verdächtig. Man sieht hier und anch z. T. in Savoyen und im französischen Piemont, wie sich das flagrllii))i-('xe\m{ alluiählich ausbreitet, so daß man vielleicht eine Zeit voraussetzen kann, in der Nord- und M'estfrankreich den Flegel besaß, auch z. T. die südöstlichen Berg- gegenden, wogegen im Rhonegebiet bis hinauf nach Haute-Saone die Walze, im Jura und im schweizerischen Flachland der Stock üblich war. Von vereinzelten Ausdrücken ist noch Ixtt (Fem.), im Dep. Nord, zu nennen, sonst die Bezeichnung des Scliwengels (S. 241), dann hatul (Alpes Maritimes) mit nicht ganz klarem Suffix, vergl. katal. hafolla. Noch verschiedenartiger sind die italienischen Ausdrücke. Zunächst haben wir Ableiuiugen von hattcrr: friaul. hatnli, hat, hafa in der Brianza, hafaija in Busto Arsizio (Cherubini, Voc. milanese s. v. reri/a), haUmro in Padua, Chioggia, hatlura in Como, vattetorf in Roccafluvioui, Chieti und Lanciano (Abruzzeu) und in Castellamare Ad- riatico, hatfinja in Cairate, Morazzone (Lom- bardei), hatoii in Rivalto Borraida, hatiynm in Mongrande (Novara), waitarelo in Subiaco. Dann Aljleitungen von frcscare: trcsh nament- lich in Pavia, Monferrat, Canavese, so in Asiago (Mailand), Varese, Bobbio, Novara, ßiella, und die Weiterbildung taslcun in Ales- sandria und im Canavese, dann das eigen- tümliche fiiasnm in Borge d'Ala (Vercelli). Namentlich lombardisch ist daneben virj/a und Ableitungen: verf/a in Mailand, Pavia, Voghera, venUrlJa in Rovigo, Mantua, Ferrara, Tortoua, Genua, crijada in Treviglio. Wie fhujellum, so zeigt den Vergleich mit der Peitsche fnisfa, mazzafru^ita, seltener niazza Massaferrara, Moutelupone, Portorecanati, Urbino (wo heute der Ringverschluß üblich ist), also im ganzen im Anschluß an das öst- liche fl((tjclJi(iii-Geh\et. Das Pluraletantum haskmi in Fermo, Cittä di Castello, Siena, rJ sfangrt (tosk. le stanghette) in Imola erinnert einerseits an den polnischen Plural (S. 237), andererseits gibt es die Erklärung für das tosk. perug. correggtato, das also ganz eigentlich heißt 'der mit einem Riemen versehene Stock' und für das emilianische serca 'Ring', eigentlich wohl hastun (i serca 'der mit dem Ring versehene', wobei also etwa die in Abbil- dung 34 dargestellte Verbindung zugrunde liegt, vergl. noch ftarcella in S. Agostino (Fer- rara), während sonst in Ferrara verzeJa üblich ist. Diese Ausdrücke sind wohl ein direkter Beweis für den Dreschstock, der danach einfach haston geheißen hätte. Ohne weiteres ver- ständlich sind noch mngye (malkus) in Bari, maszillc in Schiavi (Chieti) zu mazza 'Keule', curzd (Ableitung von corrigia) und lazel (zu laqucus) in Lagaro (Bologna). Schwieriger sind andere Ausdrücke. Manganiello in Avellino gehört zu dem aus Salerno angeführten mnngano (S. 219) und deckt sich formell mit neap. manganieUe 'Winde,' dazu paßt weiter neap. linnele, das Bartoli als Benennung des Flegels angegeben wurde, während es D'Ambra mit 'Garnwinde, Haspel' übersetzt. Also eigentlich 'Dreschwalze', wogegen raffiii, was Abbildun.:; 'M. JIus;iik aus liii k..|.tilL i.iii Prilz bei Laval (Mayenne). Nach Heyne, Fünf Bücher deutscher Hausalterlflmer, n. 56. Zur Geschichte der Dreschgeräte. 239 D'Ambra anfülirt, zunäclist 'Pfropfreis' heißt (lat. fjmjihixm C. Gl. L., VII, 7, 22, vergl. Wiener Studien, XXV, US, frz. greife), also wohl den 'Stock' bezeichnet. Trotz der Übereinstimmung mit dem Slovenischen (vergl. S. 237) kann ich mir keine rechte Vor- stellung davon maclien. Ein weiterer neapolitanischer Ausdruck ist veville, das an siz. liririUi( erinnert, allertlini;s sicii nicht völlig deckt, da dorn neap. // im Siz. (/(/ entsprechen sollte und auch das plus oder minus des r in Betracht zu ziehen ist. Vergleicht man neap. j^ere aus lat. pejus, so liegt der Gedanke an ein Deminutivum des osk. veia (S. 217) nahe, dann läge Übergang von der Dreschtafel auf den Flegel vor. Oder soll man an verhdliim von vorher denken? — Begrifflich klar, aber etymologisch dunkel ist karcdya in Chieri, Pinerolo, Asli, Alessandria, kamira in Ormea, daneben auch kavaria, kar- vaia, in Maisette und Robi (Piemont) auch kavahjiin, im Tale der Dora Riparia auch lldJdvi/a. ])assell)P Wort bezeichnet auch das Werkzeug, mit dem der Tapezierer die Wolle ausklopft, und ist offenbar identisch mit dem ravidea Teitsche" der Turinor Predigten (Rom. Studien V, 89). Keinen Zusammenhang mit diesem piemontesischen Worte dürfte kavcujoun in Sautarcangelo di Romagna haben, das auch Getreideschober, Garbe bedeutet. In letzterem Sinne kann man an eine Ableitung von cdballus denken, aber was hat der Dreschflegel damit zu tun? Noch dunkler sind halandra in Acqui (Piemont; Terraciiii erinnert au hahmdrone 'herumtanzen'); loka in Pinerolo, hattcrc a tokkii und chhahjU in Rom; letzteres klingt an vhjlio, oviglio in Gaeta an, doch dürfte der Anklang trü- gerisch sein, i-KjJio zu ital. VigJatre 'worfeln' gehören und ursprünglich ein Ruteft- büschel sein. Mitten im rätischen flagellifm-Gehiei steht oberengad. sqt(af:suoir, unterengad. scrasi^uoh; bei Carisch auch scJilassuoh; das offenbar durch Ferndissimilatiou von r-r zu l-r entstanden ist. Ein obw. shissiiir wird von Conradi, nicht aber von Carisch und Carigiet ange- führt, nach R. v. Planta reicht der engadinische Ausdruck auch ins Albulagebiet nach Bergün und Fili.'^ur hinüber. Durch die ungenaue Schreibung scrasuoir bei Carisch verleitet, hat A.scoli (Arch. (jlott. I, 179) an Zusannnenhang mit frz. eeraser gedacht. Es handelt sich natürlich um excussorium mit einem r, das vielleicht von scroler 'schütteln' stammt. Weiter verbreitet als das Nomen instrumcnti ist das Verbum und das Nomen actoris. ('arisch gibt srucJer 'dreschen', scitdader 'Drescher' als die einzige Form auch des Rheintals, erst im Mün.stertal erscheint habr. Mau fragt sich natürlich, ob ein Zusammenhang mit dem f.rciissoriMMi-Gebiet des Rhonetals (S. 237) be- stehe, wird aber die Frage vorneinen niü.«son. und zwar aus folgenden Gründen. Wir sehen mehrfach, dal.^ Nord- und Ostfrankreich, Delphinat, oberes Rhonctal und Grau- bünden im Wortschatz zusammengehen und im Gegensatz stehen zu Südfrankreich. Wenn nun excussorium in Engadin einst auch dem Rhein- und Rhonetal eignete, so läge eine ganz ungewöhnliche Übereinstimmung vor. Oder wenn man das für eine sehr alte Zeit annehmen und dann folgern wollte, daCJ ihigdlum ins schweizerische Flachland dringend weiter rhoneaufwärts und rheinabwärts gewandert sei, so wSre die weitere Folge dieser A'oraussetzung. daß das tirolisch-italienische fJugcllHm-Vich'wi völlig unabhiüigig wäre von dem französischen. Bei aller Mannigfaltigkeit der Benennuugeu des Flegels in Italien treffen wir aber sonst nirgends an verschiedenen Punkten gleicli- mäßigc Bezeichnungen, vielmehr hat joder Ausdruck nur ein, soweit wir urteilen könneu, in sich abgeschlossenes (Jebiet. Daher spricht die allgemeine Wahrsciieinlichkeit eher dafür, daß das engad. sqitassimir ein Eindringling sei. der das //(/av. kordzci (corrigia + one bczw. in»), dann lucc. kogo (coriititi), piem. korani (coramcn), vergl. noch angiida in Usseglio, weil er zumeist aus der Haut des Aals hergestellt wird, berg. moskadrs 'Lederriemen". Sonst dienen allgemeinere Ausdrücke wie berg. hissoi, lassaritl, laxsrf zu hvinrus:, tosk. gouddno. abr. pastora (it. pastoia), friaul. prdia (pcdica), Schweiz, apatzc (^ullachc) und entsprecliend canav. taka; pik. akiijtliir {zu do la Kianco /l)\iii. I. inairhcur, -2. i'coiissfui; X tvryi-, +. die Dreschwalzc. Üherall sonst ist flAiH rtlilicli. St* 244 W. Meyer-Lübke. Rum. hnUaü 'mit dem Flegel dreschen' ist slav. mlatiti. Alle die geschilderten Arten des Dreschens werden im romanischen und germani- schen Em-opa bald nur noch der Vergangenheit angehören. Das bezeugt Jeaujaquet für die französische Schweiz, das habe ich vor dreißig und mehr Jahren in der deutschen beobachtet, das gilt nach Pufcariu für Rumänien, das schreibt die Mehrzahl der italienischen Korrespondenten. 'In oggi la trebbialura meccanica e universalizzata anche nelle piü piccole fatture e nelle regioui piü montuose usando, ben inteso, macchine dl differente potenzialitä (Macerata); tranne che per qualche caso eccezionalissimo, ormai h diffusa in tutta la provincia la trebbiatura a macchina (Padua); oggi si trebbiano i cereali esolusivamente con trebbiatrici a vapore (Apulien)' usw. Wie denn auch in Padua und anderswo nuicrhinare il frumcnto gesagt wird. Dazu steht als Ausnahme Serra Pisloiese hatten' für Dreschen mit dem Zusatz 'non si usa trebbiare, perche sconosciute le macchine per trebbiare'. Vor allem aber Sardinien nach M. L. Wagner: 'Dresch- mascliinen sind erst in jüngster Zeit eingeführt worden, aber so selten, daß ich auf meinen Reisen nie eine zu Gesicht bekommen habe'. Die Geschichte der Dreschmaschine und ihre Kämpfe mit den älteren Geräten zu schreiben, wäre auch der Mühe wert. Dabei käme noch mehr als sonst auch in Betracht, wie sich die Cerealieu und Leguminosen und die Dreschwerkzeuge zuein- ander verhalten. Mehrfach dient in Italien der Flegel speziell zum Enthülsen der Bohnen, während für das Getreide die Walze, die Tafel, die Maschine verwendet wird. Daneben sind aber gerade für die Bohnen noch ganz andere Werkzeuge in Gebrauch. Davon vielleicht ein andei-mal. -O- Wörterverzeichnis. Von Fr. Pogatscher. Ui'-Iiidoierorinaniscli. *(ir 64 *l,lel- 236 *W,'/," 105 *huOhr() 42 *hhar 61 *bh,eH 189 *bh)a 1S9 *W(;-HH 189 "hhulk 105 »rfe»» SB *(leiii-fipoli 88 *r/fö///io 106 *(/(•« 62 ^tncs 172 Vtetf 100 *;/elak- 100 *(/eupä 107 *(/nnlih 40 *ij>iai/h 46 *^'-'ebhnria 195 *«• 62 *i<;M 97 »i« 85 •i-« 62 *2"e/-ä 26 *il-H«/6' 97 */«7/7! 204 *(»nr 64 * 1)1(1 ri 64 "mat-sto 189 */»e/ 166 •»«;% 100 *»/<•% 100 *melf:/ 100 */H<-/f(/ 100 f. 'inelek 100 •»lo/ffc" 100 *)itehio)» 100 •m<'7(/ 102 *»»('»• 6 *m-e 68 *'i»ems-[ä] 95 *//i/i-< 100 *»iw/ 166 *iiiurs 6 *«ä« 23, 105 *H(;s 169, 171 ff. "ms 172 ' nennt io 172 *»<'.s-?o 172 */iä>- 172 *«M 23, 165 "oß 174 ^ojmxi 174 >■»(? 177 >.'/i//t 192, 194 >•»• 165 f. *phi!H/7(«<; 193 Vo/i 194 *ponth 192, 194 *I>onthnö 192 *li(itiHi(ii 198 "ponthuCO" 193 *po?/ 88 ",s-(A- 64 *.s-/;w»-ix 103 '■sk(h)ed 103 •,/i.'(irf 180 •,s7)C/<;.-r 164 'stuhCh) 21 *>/.//) 21 V.'6f/(; 21 *«<<;?/) 200 *istemb(h) 21 *ste(m)b(h) 22 *s/)H/yp 20 "stümbo 20 *.s.>ts« 106 *^'rc.9ö 215 */o 62 *lreffh -\- sqö 216 *«SM 104. 107 i'iV/- 82 phwsli 26 piftäm 26 pVämbara 82 hadhirä 42 M/a 203 Brhaspati 64 W»i(,s- 189 mnrjati 100 niärjiti 100 »ir>V/ 100 iiirsäti 100 i/rijj 97 ifoHin 82 »•!((/, ruditi 83 nidrä 83 Kiidra-Sira 83 f. /iu(/(i 83 Lokesrara 83 rä/mtid 83 ri- 80 ri7(»ii 81 T'i,s(ii( SO IT. snmitihTädhiräsa 82 Sliiyn 8*2 gkh.i.l.ilf 103 246 Wörterverzeichnis. stabhnätl 21 stabhnuti 21 stamhä 21 stoiiihai/hauä 21 stambha 21 spandate 178 spandands 178 &•»«■ 81, 83 f. hiiijumuhha 81 haijasirah 81 f. hiirihatja 81 lir}lkes(i 82. Iranisch. flw?ir( av. 169 f. /«»•*■ av. 96, 98 tüirya av. 96 ^las» av. 104 pdsimiän airan. 107 /«(«Htt jgav. 107 NaKhaiiit/n av. 172 f/oos av. 85 sjmnilr paniir. 181 itihün npers. 107. Armeiiiscil. erhan 26 Um 219 carcar 224 maJem 26. Griecbiscil. äßiip 116 "Abpaßai 4.5 äXwäv 228 äpeX-feiv 110 äStJuv 14 äöTEiaqjrii; 21 '•ßdara .34 ßaaTareiv29, 32, 34f.,38r. ßaöTciZo? ngr. 38 ßaöTciKTrii; 38 ßdöTaH 29, 35, 38 f. ßdöTOV 34, 38 ßuOTOV IC 38 ß^qiupa böot. 195 ßouXi'i 87 ßoitTupov 97 ßpoKciv 100 ßÜLiKoc; 116 ■fd\a 100 Te 68 Ytq)upa 195 y6|jJ'1öi<; 90 ^Ttaqpi'i 93 itiiOTtevae. 177 iu\o-!xivhe\v 177 ^iriOTitvbeööai 177 ^pTdZ;ec!aai 34 ^pYov 34 ipirpeiv 197 ^pKO? 41 ZeuYvuvai 85 ZuYÜc; 71 *r\pwJ^o<; 193 fipoK; 193 iiauxiu 116 ö^m? 86 f. O^Hiuöc 87 lYbil 4 i'Ybi? 4, 21 "KdlJUKTOV 38 KdnoE 38 *KU|aaxTOv 38 Kdiaßoi 45 Kdunoi 45 KXr|povönO(; 90 KXfipo? 90 Kobopeiov 5 Kobopeüetv 5 KüTravo? 231 KÖHTEIV 5 Kpiöii 216 Kpiveiv 87 Kuavo? 45 Xi^Yeiv 204 XenlJeiv 5 Xipa 34 Xi|.iuZeiv 34 laaOeiv 87 Hddn 87 (aaiTup ffivL 205 ).ldpTIT£lV 100 Htv 68 (.leöiTTi? 93 Hdao? 93 jJtTavuaxri; 170 pvanov gort. 205 püXf| 26 nOXo? 26 (auarripiov 205 vaidni? 170 vaieiv 170 v^eadai 168 IT., 172 VEKpoßdOTaE 39 \iiitiv 87, 90 ■'vivoopai 170 viaeoOai 170 viaaeoöai 170 vöno? 87 ''voaJcK; 169 vöao? 169 iepd vöao? 93 vöaxifioi; 170 vöoTO? 168, 170, 172 voOaoi; 169 touTidvoi; njjr. 108 SupiT 97 oiKabe 170 oiK^Tr|i; 89 oIko? 89 oi'cpeiv 174 ßXno(; 14 öjiTTvai 174 ÖILITTVII 174 "OnTtvIu 174 ö|LiTrviO(; 174 ötüYttXa 102 *ÖTtuia 174 önuieiv 174 öp^Y^iv 85 öpoii lat. 38 tmailiiiii lal. 38, 228, 233 /««/'/ oliw. 241 /«k/ eng. 241 bakrrot frz. 1 16 /«/A-c/n herg. 241 /«»^ ilal. 213 hiiliiin/iii ilal. ilial. 2:>9 /)«/./.; kalal. 201 liditcii ilal. 227 bullere (I biiiieo 227 iffrc« ilal. 118 barkessa ital. dial. US harilld südfrz. 226 btirülnire südfrz. 226 b(ii£ zenlralfrz. lls bas breton. 33 basi's lat. 240 basone sard. 214 bast 28 ff. bast afrz. 33 6«.?« prov. 28, 33 hast span. 33 hast kat. 33 i«.s-; ilal. 34 hite de bast frz. 37 enfant tic hast frz. 37 ßls de bast afrz. 36 (fils de bns) afiz. 36 fils de bast frz. 37 *basta 30, 35 /;«.s7ft prov. 34 hasta span. portg. 30 f. basta ital. 30 f., 33 f. *bastachiare 29 bastai/a ital. 35 bastaye aragon. valenc. 38 bastar/io ital. 29, 38 baatagio tosk. 38 bastai aprov. prov. kalal. 29, 39 bnstais aprov. 38 bastäu portg. 29, 37 bastar aprov. 30 bastar prov. 28, 32 bastar span. 28, 32 f. bastar poilg. 28, 32 bastard fiz. 37 bastardo spaii.porlg.2S, 36 bastardo ital. 28, 36 f. bastare ilal. 28, 31 f. bastart prov. 28, 36 f. bastart kat. 36 *basiassare 29 bastats mallork. 38 baslaj- lat. 39 basta.r kat. 29. 38 baslaxiit sard. 38 baslazo von. 38 f. basta^ii 39 6n.>7c afrz. 30 iHtsle aragon. 33 baslear span. portg. 30 bastecer span. 33 basier agaliz. 30 haslerna lal. 29, 34 f. Hasterna 37 basti ilal. 29 6r(.s7/ prov. 30 f. basti nprov. 30 hast'i aslur. 31 basti ilal. 32 bastia ilal. 30 f. baslia florent. 30 bastida prov. 30 f. hastida aspan. 30 bastido portg. 29 baslidor span. portg. 29 bastle afrz. 30 *basti;/a 35 biistif/a span. 38 bastimen prov. 31 basliniento ilal. 31 bastln ilal. bastln da fachin I 34 ha.stione ilal. 30 6n.s/i> prov. 28, 30 f. /«(s/ir span. 28, 33 ba.slir porig. 28 f. i[(rt*7/> kat. 30 f. Än.s-^/r ilal. 29 hastlre 30, 32 baslire ailal. 30 f. i«,7i»e iUl. 28, 31 basilta ital. 30 *baslo 30 ft(j.«/ lat. 240 cnr^t/ ital. dial. 238 (■".w ital. 1 18 caseiis lat. 97, 99 casiila porig. 242 caitrii prov. 214 ciinrilea miat. 239 rriidiimo ver. 11.5 ehappe frz. 242 r7(nc afrz. /lAs rfc c/jrt)' 37 ihnrnie frz. 240 cheniiil pik. 120 chiliis poilev. 1 16 chiniiyli ital. dial. 239 chiiisir frz. 30 (•7»)/.r frz. 30 i-liHiitnn frz. dial. 229 Cliuiiui lat. 45 ciliiidro niail. 226 (•(■»(« sene.s. 241 diiHsnm lat. 116 ciirir/iihim lat. 217 coir« span. 214 coenaculum lat. 120 t'p/n lomb. pieni. 1 14 co^/rt span. 214 (»Jim ital. 242 commercium lat. 90 como ital. 35 conJHijiiun lat. 85 consilium lat. 86 f. consid lat. 92 coramen lat. 241 cnriiim lat. 241 correyijliito ital. dial. 238 fiirreio portg. 241 ciirriffia lat. 241 cDi-rigia ilal. 238 cremnre lat. 65 crexcere lat. 215 ciii/no neap. 242 c'iiWn lomb. 1 14 currus lat. 103 (/«(•<; lat. 89 därjea rum. 240 rfnH.s lat. 229, 238, 240 malus lat. 189 miiinßhur lat. 241 manafril val. ser. 240 munarril ital. dial. 240 f. manavrill veltl. 240 mancipare lal. 89 Mancipatio lal. 88 manehrä ital. dial. 241 maneiräl langued. 240 inanei-rel ital. dial. 210 iiianf'a tosk. 241 iniinfiinile tosk. 240 f. iiianfano tosk. 241 manfero ital. 241 mangal spail. 240 nianganielle neap. 238 manganiello ilal. dial. 226, 2:« inanguno ilal. 219, 226 maiigano ital. dial. 238 niaiigo Jicrtg. 240 inangoaeira i>orlg. 24 *meitat lal. 176 *meitö lal. 176 i.ii-/cn 102, lal. lol meltra ital. 167 meollo span. .'V> HirtvV fi-z. 237 mcirii frz. 237 m?s(i jur. 2H m<-iecunia lat. 89, 103 2>ecHniam (ilUr/are 90 pedale ital. 240 j^rf/a friaul. 241 pedica lat. 241 pignnle friaul. 115 pi'hiihiiia piacent. 118 2>eji(>,- lat. 39, 239 2)el eng. 231 penarule friaul. 115 2>endere lat. 177 f. 2)endere lal. 177 f. /leiidnhi vio. vernii. IKi priiola ital. ilial. 1 l."i pihnde friaul. 115 peote ital. 220 7)ec//ca lat. 228 f., 231 pcriiya portg. 241 2H''esatore ital. 216 2iestä ital. dial. 214 pieiit ital. dial. 114 2}i-tra ital. 210 ^jt'cft! neap. 239 2>ezu ven. 39 ^jf^^fV/c abrnzz. 114 piagnit ital. ilial. 210 2>iag)iO)i ital. dial. 210 piastra ital. 217 piastron itnl. dial. 217 plccikiih'ddn ital. dial. 1 14 2nccillcäte ital. dial. 114 _?jf(;i(( frz. dial. 229 2iiynarolf friaul. 11.5 pignora lat. 47 2)il,i,ii lat. 4, 6, 19 f.. 24 2>ilons de iiiou/in frz. 1 1 2}insere lat. 3, 0, 20, 104, 210 2iiu lomb. 105 2)hare ital. dial. 214, 242 2nsoteo span. 214 ptliol^na ital. dial. 114 2>istillmn lat. C 2)i.st(»- lat. 104 2i!xtiir(i lat. 6 2>lan/a lat. 38 *2)lhi!olenta lat. 0 ^wjis 38, lal. 192 f., 195 7>o;i//- lat. 194 lumlifex lat. 198 ^joji^o .38. lat. 193 ]>ontoniiuH lat. 193 2)osiuhideri sard. 214 2>o1est(ts lat. 88 jjatria potestas 88 praes lat. 91 2)ntes ejc profeaito 91 praetor lat. 92 piincta lat. 179 2iHScha eng. 115 jxtzzuddäf loLiib. siz. 114 quarte lat. 173 (piiarti lat. 173 qxoniodo lat. 3.5 r»/«(.5 ital. dial. 219 ndx'itit uiof'u. 220 riihide 220 /7«//!<.s lat. 39 /Yf/Tirt ital. 238 ytimanzare ital. 242 raiiius lat. 100 )-rtro ven. 39 Beeide portg. 31 /•elcHf ilal. dial. 242 7i'/itei lat. 173 .«t'/Ze frz. 37 eiifant de seile 37 sfctn ital. dial. 238 hasturc a serca 238 .frfrt lat. 242 shilssäro 241 s/H(f frz. dial. 119 skaraS mail. 38 sliisiire ital. dial. 241 skii/dii. ilal. dial. 242 skoiiie friaul. 242 shissuir obw. 239 S/«r!(.s lat. 108 SM« frz. dial. 119 60C frz. 100 soya ital. 229 solium lat. 189 sonche frz. 106 spneed ital. dial. 232 s2Hiecdre ilal. dial. 232 spendd mlat. 179 s^esrt lat. 179 sjumda lat. 180 spondere lat. 177 a2>onsio lat. 90 sqiidssHoir obereng. 239 s?aW rum. 1 14 sl(imp)dre ilal. 21 .s/rt/if/cZ ital. dial. 238 .s'/r(/rtf/ lat. 176 Stella lat. 6 .es lat. 42 sto)ii2>a ital. 21 *«trnleare lat. 242 Ktrulled gen. 242 Stratum lat. 213 sul>li('( rum. 114 suhtiliare lat. 114 WöiLerverzeichnis. 251 sitbulrus lat. 105 sHühare ital. dial. "ii^I sirperxtem liit. tioti sutor lat. lt;4 snny frz. dial. 11!) sijel ilal. dial. 233 tabula lal. I lö taha canav. -2i\ talea lat. 4t, 47 ?ff.vAv(u ital. dial. 238 tehhia bologn. 213 tectum lat. 117 f. <«/(( rouerg. 241 temnere lat. 21 ?t'»erc lat. 111 tennare lat. III, 113 tenuis lat. 1 12 /f«».< laf. 111 lerere lat. 21(1 ?c.sV/.v lat. 91, 20.5 f. *lclHllii 241 <«ffw(i ital. HS timöuzello ital. dial. 22» tnascum ital. dial. 238 loma lat. i)7 tomatitula mlat. 07 /;-«6s lat. 31 «rn^ ital. dial. 217 tragu sard. 217 tragida lat. 217, 223 *tragulu 217 iragon ital. dial. 217 //Y/iTK sard. 217 «rnÄea lat. 217 trailJa span. 218 traillar span. 218 ?/■«!)« ital. dial. 223 trafih ital. dial. 231 travaglio ital. 31 traiai! frz. 31 trarol Innili. 217 trarolii neap. 217 /»•n.?i( ital. dial. 217 Acte«« bol. 217 trebbiare ilal. 221 /i-c6/a lat. 221 f. treccia ilal. 213 /rt//oiH i.sk. 221 treggia losk. 217 "trcibhlom urital. 221 Iresra tosk. 213 (s. auch freshi) trescd abruzz. 214 frexcar prov. 214, .span. 21.") trescare ital. 214 f., 237 f., 242, tosk.213, .scnes.214 "'trlsrere lat. 21-5 *tri!. Kclti.sili. an h: 194 6/(/c/i/ ir. 9(> blirhf ir. 9fi *bodaro- koll. 42 fc»-ica agall. 189 brö ir. 2(5 brogiliis gnll. 23(1 f(fcj-iifrt gall. 24«) .•7ii7 kell. 11G cgniiith kymr. 1()2 dhiighn ir. lOß Statin ir. 192 fraeill mbret. 2.33 frell nbret. 233 /■)-f(c^7/ kymr. 233 geistlos gall. 40 -gestlns gall. 40 lyfaW ir. 47 giallaiin ir. 47 -guistel corn. 4v/ 04 icston ahd. 29 6fs^« Schwab. 2i) Bettgupanfii bau: 180 bihhtod schwed. 39 billedstotte dän. 39 i/.vA-f norw. dial. 43 6;«sA-e norw. dial. 43 Bleuel 20 Bloch 12 Üfeffc 12 bnauan got. 23 Bohrer 59 boykottieren 64 brand norw. dial. 43 /?r«;(e 187, 189 bräica ahd. 189 Är(BK) ags. 189 *brozdan germ. 29 fc;-<; aisl. 189 6rM norw. 189 ftrMcte mhd. 190 Brüche 187 ff. 7i/-(7(-7.-/ steir. 191 Bruder 65 BriidcrlirU-cit 60 hrügt'l mhd. 190 bruggen mnd. 189 bruggia as. 189 Briiggli scliweiz. 190 Briigi Schweiz. 189, 191 *briigjü germ. 189 ir;«*rt ahd. 189 brustan langob. 29 Brtlfschen dial. 230 bri/ggja aisl. 189 ?j;7/(v/ ags. 189 hi-gq/ian ags. 188 f. fcHoi.v 63 biDid mhd. 179 7J»»(? 179 bi'trenknorf nilid. 43 biiter-ijcffircor ags. 97 bysthig ags. 102 Daumen 10 Dt'cA-c 59 X»c/c/t 64 Diensthnochcn 46 dräng schwed. 44 drancns langob. 44 dreng dän. 44 drengr an. 44 Dreiheit 62 Drischel 23(5 driscuvili alid. 222 dritteln 62 Drmnha an. 43 Drumbr an. 43 ävergr aisl. 47 f. Üu'äire ags. 97 «■(/er (edor) as. under ederds 41 (>/"wa aisl. 174 <■/>!« aisl. 174 .K;»e 60 t 68 ('(Ye^ 68 Kmhla an. 42 oiAr mhd. 164 iVi/ic nhd. 164 ü'/ite/ 22 encÄ// ahd. 22 c»(7io ahd. 164 €Of7o)- ags. 41 f. ErdSpfelstampfe 19 JEcrff 64 Eßgang'l sloir. 12.5, i:)3r., 137 f., 141, 146 (■«•(( ahd. 85 /(!//(« an. 40 fagrarxfr aisl. 40 fahnden 192 /■((«t'M 59 fiindian ags. 192 f(i)iH(?o ahd. 192 /•«sa ahd. 26 Fese 26 /!M/are got. 192 firsth'ül ahd. 4ir. 124 Häba'-Sthrain steir. 129 Häek'n-Rem steir. 128 Wörterverzeichnis. 253 lläf'iKli'k'Ircin sleir. 153 Ifdfner 164 Häf'nsfell'n steir. 15!) Häf'nstöll'n steir. l;>s, \rtl Hanx flial. 48 JlaiisH (Ijal. 48 Hansel 47 haruc ahd. C.5 *hatis germ. 30 llea'dfi'icülb steir. HG //eitV '20 mfnstöll'n steil-. 140, 145 Heiland 63 Heimdall an. (It hcimyebcH 16i> Ä einisch icken 1 (il) heimswhen 160 heimzahlen 161) heineln 64 /u'?/K ags. 41 7«;/ni eofZrt 41 7i('/;» wii/ciiiira 41 7(1'//» llV'/ca 41 Hemeihtini/cl 43 //f»A-f/ 20 Herbst 6.5 //(.vrf 65 HcrdgreaiVn steir. 138 Herrgott! 69 Hciiyriy'n 43 Henhainz 47 Hildcf/iirt 46 hirnircba ahd. l'.(7 hirnrcbe mild. 197 Hirsch (= Hirse) steir. 13 //«■äc 13 7j/^o ags. 41 7t7<'o fw7« 41 7i7('o Hi'i/endra 41 7i7co ircrf;-« 41 //»/■ 65 7io7rf 68 Holzas'n steir. 152 Hnlzpniijg steil". 127 Jfiipfenslaiige 42 hori/r aisl. 65 Hrimgeritr an. •16 7iKM ascluved. 45 7ii(H gutn. 45 Hiiiiar aisl. 45 Hiinas ags. 45 7!(!ii(' ag?. 4.5 7(i(»'/ adän. 45 y/»/!/ alul. 45 Jiüiin aisl. 4.5 /i»s aisl. 41 /hj 63 Irmiugart 46 Irminsdl as. 40, 198 irwintnn alid. 208 jener 62 *Jüstaz germ. 97 f. A-fl/( 68 Kaittbel eis. 44 f. K.y dän. ndd. W. 40 A-iinW norw. dial. 4G Knebel 44 Chnebel scliweiz. 46 Knecht 45 ff. Knecht Schweiz. 46 knerta norw. dial. 43 knesen alid. 171 Knenel 20 Knickl bair. 46 /fn/«; dial. 230 knoche mhd. 46 knochs mild. 43, 46 A-»of< holl. 43 AT/iOi^f 61 Knopp 46 AvioH norw. dial. 43 Kniichtel bair. 46 A/jhV^ nilid. 43 A-ii«r mhd. 43 Knüttel 20 /•foir'/ kämt. 126 A';Yr/> (iO A-/«A-( düll. 42 krank 68 Krantstampfe 19 Kuchl steir. 140 A'»ft(;7 20 A-m7/ norw. dial. 43 Kiimba an. 43 chumclhtra ahd. 167 cy/'/ei ags. 48 A7//V177 aisl. 48 kvcfjii aisl. 195 Ldb'm sleir. 125, 151 Lab'mpod'n steir. 129 landen 64 f. Afoirf 64 f. /nii^ 68 L(!»»^ 64 /esen 204 lind lins an. 42 lipnara ahd. 171 7i7a got. 30 litjan got. 30 L(7/fc'7 20 /()iosö O'^sö) germ. 171 nölil as. 104 nöz ahd. 104 *iiüziiin germ. 172 )ti'ifin ahd. 23 tiubb norw. dial. 43 nitien bair. 22 niijen lirol. 22 Of'n-Ghtnna' steir. 128 ' üfenijrcad'n steir. 135 OfngreiVn steir. 127, 14i) Of" 111/' wölb steir. 126 Of'nlorh steir. 127 Ofenpnil-n dial. I'.IO o/(.' (i'.t o.s^c an. 97 Qndreyis.ii'dHf an. 4l l, 1 97 f. jiw/i; norw. 44 Pdfhiiiulta' steir. 125 ^j«ei: mndl. 203 j)(?A- schwed. 44 j/Ä' schwed. dial. 44 jnd 203 pal holl. 203 /(• ^)r(/ kamen 203 ;;«/ staan 203 j)n/ zelten 203 j«? äfften fries. 203 ^jff? 2rf/f« oslfries. 203 lii pal kein nfries. 203 In pul kern ndd. 203 to palle kamen 203 pal ags. 203 j)r(77 (s. auch pal) 203 i-oM fries. 203 pall ostfries. 203 pall ndd. 203 palle ndd. 203 (s. auch pal, pal!) 2)allr an. 204 PankladH steir. 127 Fanta .steir. 132 (s. auch Päla) Pantapruck'n steij-. 132 (s. auch Päl,ijin(ckn) Pät3 steir. 194 C. (s. auch Paula) Pätoprnkn steir. 195 (s. auch Panta})ruck'n) pauk norw. dial. 44 jivl africs. 203 Ifahl 202 Pholcsjnunt 202 pfiil ahd. 202 f. pfannenschalk mhd. 4S P(f)annestiele 46 PfannstölVn steir. 159 /'/(ici^e? 190 P/(%('Z alem. 236 f. PÄoZ ahd. 201 ff. pfreuiid alem. 236 *PfHO? ahd. 202 pii/ dän. 44 j)ii/e dän. 43 jj/A; aisl. 44 plka aisl. 43 ^j(7/r aisl. 44 piltiui)/)- ai.sl. 44 li/ltur nisl. 44 7«72 aisl. 48 plagg schwed. 236 *pla!/il germ. 236 *pla(jiU germ. 236 plägel schwed. 236 ■plegel ndd. 190, 237 pUgel ndd. 236. pile^an wgm. 105 f. _;)?f<7 dän. 190, 236 *pilösaz germ. 105 f. *j)löxaz germ. 105 *plomz germ. 105 *phi(j!la- germ. l'.K) l'lygg schwed. dial. 43 pmi'ieter alem. 236 ^;o// dän. 44 pük ndd. mnd. 44 Polgrabc 202 ^Wfi^f miidl. 193 Pi-anta käint. 132 Pritsche 230 7'yvV(/e/ 20, 190 jJiitt schwed. dial. 44 Pund 179 y)U/i/ ags. 193 pnnle mnd. 193 qairniis got. 26 (3i(«W.- ostd. 98 li'iichslitb'iii steir. 125 *ii'ft/'^s- vandal. 43 Rat 87 *Paiis vandal. 43 Rechenknecht 46 Regen 64 )•(■(■(•/( 68 7»'«« steir. 127 f., 1.53 Riegel 20 Rippe 197 röi/.s' apaldr an. 42 rK/irt got. 205 salpak aisl. 40 Sälzlnag steir. 126 .woirf ags. 30 ««j:- an. 106 Schale 48 schalk mndd. 47 Schalk 47 .S'cArtZA- Schwab. 48 Schalken mnd. 47 s(CÄ Schalken 47 schalm ndd. holl. 48 Schießer 10 schielen ndd. 103 ,S>/(.(W 48 Schi ß' Ist öU'n steir. 128 Schlacht 60 f. Schlag 61 Schlagbrnkn steir. 190 Schlägel 20 schlagen 61 Schläger 61 schlecht 68 Schlüssel 20, 59 schmeißen 176 Schmierer dial. 230 Seil nee 64 Schneider 164 ,S'cÄoZ?e 48 schön 68 Schrank 59 Schurz 48 Schürze 48 Schüssel 59 Schwengel 20 Schwester 65 Schwung 43 Ä'ee 64 sfc'j^;* an. 6.5 sendian ags. 30 seccne krimgot. 101 s7(/)-? en.gl. 48 Siegest ah ahd. 42 Sigestap mhd. 42 Wörterverzeichnis. ?r..-. Sif/cslef aps. 42 sinhen M Siwiiiclrhier stliwoiz. HiT .sJi-aile ilän. 4'S skdlja got. 48 skalk 47 s7rn7/i; sc-|i\vei!. M slccilh dän. 47 .s7.-oM- ostfries. 48 slcalk norw. dial. 47 skälk schw. dial. 47 Scale alid. as. 47 *xk«)i ISO s;«j» mnd. ISO SjiniiAs'n sieir. l'i", Mri, 1.^)0, I.Vi spanbiile ndul. ISO s2)niHl dän. norw. ISO Spängler 1(>4 sjHiHii aisl. ISO sjMiiiii scliwod. ISO Spiiii.iehin'iiy sleir. 1'27 Simiilii sleir. ISO .S'y«/CH ISO sjierke iiind. l'.H Speise 17!) *speiula germ. 180 Spende 170 *spcHpa germ. 180 Spla'pod'n stein 129 i>/)irf 179 spindc ndl. mnd. 17'J spindeldürr M sjjiiidii/ nliil. 179 spink scliwed. dial. 43 splnke schwed. dial. 43 5i)jn< 180 syj/H< ahd. 1 79 spleißen 180 .s>//h/ ISO Sporn 104 Spund 179 *spundu- germ. 179 .9/)Hr IM spüren 1(14 spurJudz mild. 1(14 spurihalz ahd. 1(14 *stal»n gorm. 21 .V/(?(« steir. 19.") .SV«//«'/ 21 ,4 Striiiiqif 48 s/h6& schwed. 48 s/i(lft» aisl. 48 sfubbr aisl. 48 Stiickpod'n steir. 120 S/k/'c- 21 ,s/(i/"r aisl. 38 .s^(7^• schwed. dial. 44 stulka aisl. 44 sfiilhi schw. dial. 4-1 sti'ilkn nisl. 41 Äi(/j< 200 s^(/i) hoU. 200 stiVi>en 20O stiiinhel mhd. 201'. slihnlteln mhd. 20 Stummel 20 stinnp ags. 20 stumpf 20 Stumpf 20 stürzen .59 Stutzen 48 *««>•- germ. 97 scerffci(fr an. 42 7V»/7 sleir. 133, 1.58 ?'«/ 04 rt-K'/i 04 Tischler 104 tori-hald läröisch 47 /o/ 08 Tr&ad-Schrain steh". 129 rj-njCT- .59 Tramjiani sleir. 12.5 Tränggin bair. 4-t trfdumhr an. 43 tremapr an. 39, 42, 45, 199 rrc»!«-/ 231 trekitmhr an. 43 Treml'l sleir. 141 trctan .ihd. 215 /reit 08 *lriskan urwgcrm. 215 trunte dän. 43 *tum2>it.s germ. 23G ^ifi aisl. 41 ricocc ostd. 98 piuda got lOS porgeritr an. 441 *preskan germ. 214 f.. 237 *preskils germ. 221, 237 ßreskuldr an. 222 "ßrcskicalßiu germ. 22S ßrescirold ags. 222 priskan got. 21.5, 228 *priskih- got. 237 uhirslemfe ahd. 20 {■/<•;• 04 ungehobelt 42 i(o/)0 ahd. 174 milden mlul. 192 Vd/i-r li.5 rerb<-rgrH 04 rerspniKfen 179 rerslocki 42 rerslümmeln 2V) iimV Mind. 20 256 Wörterverzeichnis. vlagei- mnd. 23fi rhgel mlul. 190 iriKhIjiis jfot. 207 iröh ags. i207 tvahsliis got. 38 Tf aW Co TFnJirf a07 f. vaudahiis an. ;ä07 iramlus got. 207 »<•((»< alid. 207 f. icdiila aliil. 30 *wa)itjun'a.h(?(■/ 20 tveyanest alid. 172 weyenist alid. 172 Weihnuchteii (13 KVWt' 04 irenten alul. 30 *(yV- genn. (14 widan got. 207 vUjMynr an. 42 Vlkirujr an. <)",, 10!) I(7*irf 04 whuhin ags. 207 winden iOTl Wmk'l-Kast'l stein 127 Wink'l-Htiill'n steir. 127 Hintan alid. 207 f. Winter 04 irZ/Vt/ 20 2«)7 08 zanndiirr 42 Zehnheil 02 zennüraen nilid. 0 ziehen 59, 05 Zieher 05 Zocfe bair. 43 Zoc'Äe 100 Zoehen bair. 43 .?oc/;-f'»i dial. 230 soWi mild. 43 ;?Hioii(J. 194 peeku aiiieiiij. 104 peesta lit. 104 pekus lit. 104 p'enas lit. 9S pini/s aprcuß. 193 ;/;crt\ lit. 25 phikii lit. 230 pönas lil. 107 ryV« lett. 25 ners lett. 95 skcit)k(i.s lit. 103 •yMjif?« letl. 180 f. itpandyti lit. 181 spa)iye lit. 180 xpangis lit. 180 sjtendzin lil. 181 spiriit lil. 1()4 .^/äifl/ lit. 202 s/«ins lit. 21, 40 ,s/ni/.v apreuß. 21 utahyti lit. 21 stamhas lit. 21. atambras lit. 21 .standiiis lil. 21 .v/<*cV/.s' lit. 21 .s7t'?r(i// lit. 21 stimberys lit. 21 »/«?_;«/ lit. 202 «/»Jjwjs lit. 40, 200 .sfh'ff.s- lit. 97 sürfijs 95 ,s((r/x lit, 97 szakä lit. 100 tarszki-ti lit. 215 treszkii lil. 215 /(•(:';■<( lit. 98 /m-/(V lil. 98 irithinyi liall.-slav. 109. Slaviscli. qzet aksl. 109 botiß. aksl. 203 brnk polll. 191 frcirö aksl. 189 br^vh bulg. 189 bn.nuo aksl. 189 ?)*•(■ kroal. 189 cep slov. 237 fejÄ 237 cedo 95 ('■ernh 05 ehiebi 95 dikanya bulg. 221 dohytilT, aksl. 103 f. drai/i, aslov. 44 drbzalo bulg. 240 *geu2M>io 107 yonoziti aksl. 172 gredelj siidsl. lOli yr^du 100 grjadih russ. 100 *y-i,pam, 107 y(i,)pitn'ü 107 So ghpam,nii, 107 Ä^jrfn aCecb. 107 sc hpäneni iieocli. inhititi 244 Ä-os« 100 kosi'djii russ. 100 A-iHfCi, 90, lO'.l A'PffS!, aslav. 97 Ä-r«»-;, russ. 97 mül'cik russ. 40 martrti krain. 1 10 *nieUi, urslav. 101 */Hf/a-- 101 *««*(5 ursliiv. II 10 f. *»/(e;!X-- 101 «(6^2- 102 *melzivo 102 «(cZ^i, 102 *»»t'L-<; 102 meso 95, 100 *»i»;z.t- 101 mjaso russ. 95 mhdac montenegr. 237 mlati'ti iiKinteiiegr, 237 niläz serb.-kr. 102 mhiznica bulg. 102 nM6 cecb. 101 *mleku 100 If. mUI.-o 95, 99, 103, 108 mlesti aksl. 100, 102 mlezivo 94 *;«/fe6 94 mW Cecli. 1(1 1 mhza aksl. 100 ndzniee cecb. 102 moöiti slov. HO Hiofe slov. 110 niuloteilo russ. 237 niontaraja russ. 188 f. niosti, aksl. 188 motika südsl. 189 motyka aksl. 189 niKcenec slov. 110 niiirenik slov. 110 ntuciti slov. HO wujrt slov. 1 10 i»h/i« slov. 110 nqzda aksl. 1 10 *Nemeste bulg. 108 m™*« 95, 104, 100 107 »(f/»i 108 /)()/>( .slov. HO »iiy« slov. 1 10 nnta 95, 104, 108 ohlavek mäbr. 242 osmorgac poln. 100 pachoiek poln. 40 pachole poln. 4() 7)(/« fiecli. poln. 107 ^in/ro C-ech. 194 ;;«/!. aksl. 192 pem russ. 42 peter slov. 194 f. ^j'/ra aksl. 195 * p^tro aksl. 194 inqtro poln. 194 2>ietro poln. 194 pirogz 98 phchati asl. 2ü jibrati 98 piseno asl. 20 bosn. j)j(derb russ. 194 pjtdra russ. 194 b«sn. /ddkati abulg. 230 ji//i',s7/ russ. 207 Wörterverzeichnis. 257 jilnlnihi, russ. 207 pliKjar 10") I>hlg^ slav. 95, 104 f., lOS poUca aksl. ^(J4 poh aksl. 204 jmniöst klruss. 188 pi-zfltr poln. li)4 */-a(//o 10(i sqzbHh aksl. 109 ser poln. 9.5 slcali asl. 4:! shociec apoln. W.i skot klruss. 103 skotbinca aiuss. klrus.s. 103 Ä*oi"i, 189 Brotbackdeckel 14 Brotschaufel 127 a-/(CÄ-<; 1.37, 156, 187 ff., 190 ff. Holzprugg 127 Pätjpruckn 132, 194 f. Schlirgbruckn 190 Brüderlichkeit 60 Brukterer .54 Brustkorb 197 Chronologie der idg. Wortgeschichtc m Dach des Bauernhauses 124, 133f., 136 f., KlSff., 1.50, 154, 1.57, 160 l'ritschdach 133 J-rügehlach 196 11. Dachboden 1941. Dachraum des Bauernhauses 123, 125, 129, 133 f., 136 f., 152, 156 rff.v .sVtrrfffe 132 Dampfbäder (in der Badestube) 23 J»n)ve 23 Fruchtdarre 23 Malzdarre 23 Darre hei den Finnen 25 Darre am Plan von St. Gallot 23 f. Darrhaus bei den Litauern 25 irf c?e» Letten 25 Daumen am Wasserrad 10 «n Stampfen 12 Daumenwelle 10 Däumling 10 rftr Stempel 10 rf6'/(* t)4 JD/t'Ztf 64 Flettdiele 54 Durchgangsdiele 54 itoff 52 Dorfformen 52 Gewanndorf 52 Marschhufendorf 52 Reihendorf 52 Bunddorf 52 Straßendorf 52 dörren 6 rfec Feldfrüchte 23 (7es Flachses 159 f?rf( 62 Dreifuß 127 Dreiheit 62 Dreizack 83 Dreizahl 1761. dreschen 212 ff. «» rfe;- Walachei 212 f. ie/ //0H(«- 212 6g/ rfe/i alten Agi/pt er n 212,224 fH /<«//<■« 2131"., 216 f. /h Sardinien 214 Sachveizfichnis. 259 bei semitisch. Völkern 218 f.. ii'-'A. in Armenien 22t, 227 in Ahessinien 227 Steckailre.icher 230 Wii'tM rescher 230 Dreschbrett 227 it Dreschflegel 231 If. Verknüpfung 232 Ä^/ci rft's />/•. 240 f. Schicenyel des Dr. 241 Verbindtingsrlemen 241 f. Kappe des Dr. 242 Dreschfferäte 2 1 1 IV. ifiu- Geschichte der Dr. 21 1 —244 Dreschmaschinen 244 Dreschstein 21(jff., 222 Dreschstock 228 ff. Dreschtafel 218 ff., 225, 240 (Are Verbreitung 222 Dreschwagen 223 fV. Drcschiralze 22(1 Duenos-Inschrift 173 IT. Durchgangsdich ät /!,7ic GO ^-Äcirf^ 37 Eimer öfi römische üronzccimer 50 Melkeimer lü7 Klnntmmen (von J'ftöckcn) '.) Elsenschnh (> Elfenbeinpyxlden 74 JSdi-f/ 22 Erbsen 17.") //(/•f Bcdcntiiiig Im Liebeszanher 17.-) Erzpochen 1 U Eßgang'l 12,5, 1331., 1371'., 141, 140 Kthno-deiigraphic 4'.), .')0 Ethiiogrn/ihic 4"J Etliiwlogic 4'.l Etymon Oll StiiiiiDii' iiliiic Eti/moii 00 Feigling h'.\ Eenstcr auf Lci'iten zu schieben 1.55 i;• Adjektira (!() ff. Isophone» 51 niederdeutsche Isnphonen 55 Isopsychen 50 Isosomnte 49 f. Isomate des Sachsentttms 55 Jonasszene auf einer Altarplatte 74 i:«cÄrf 128, 139, 155 f. Kachelofen s. Ofen Kachelstube s. Stube Kachelstubenboden X'IW Kamm 44 A'nmmer Knechtkammer 122, 133 Mcnscherkammer 151, 153 Kardinalia 62 i'/i/'e flexieische Eigenart (12 Karren 36 f. Ä'äse 94 ff. Kaspelschaff 152 Kemet'n 149, 153, 156 A'esse? 126, 148, 159 Branttveinkcssel 152 Saufutlerkessel 127, 137, 140, 142, 145, 148, 150, 152, 156, 159 Wasserkessel 126 A'essrfmW 126, 135, 137 f., 140. 145, 150, 153 Keule 4, 5, 7, 8, 9, 10, 13,26. 105 f. Steinkeule 166 Keusche 121. 157, 159 ff'. Kleib'tntrig'l 125 Kline 77 Knabe 44, 46 Knappe 44 Knebel 44, 46 Ä'HeoÄ/ 45 ff. Knechtschv!eh.(IiebenschüülingJi6 Knechtkammer 122, 133 Kiiiililiiiig der Staren durch Ger- manen und Turkolotaren 94 7i'/((7?/ 230 Knopf 61 Kombination verschiedener Wurzeln bei den Adjekliren 67 f. Kommoden für Kleider 129 Konq)aration, nnregebnäJiii/e, der Adjektica 67 f. Kornquetscher 165 Krautbottich 150, 153, 158 Krenznimbus 77 Kidibung .54- /iHc/a' 4, 137, 140, 142, 144, 148, 150, 1.55f, 1.59 f., 163 Kulturwörter (iO Kwcrne 166 L«i 97 in»/«' 124 f.. 129, 134 f., 136, 13Sf., 140, 142,'l44f., 147ff., 1.54 ff., 160 ff-. Laubenhoden 129 Lehnwörter, ihr noetischer fVcrt 'Jh lesen 204 Logik, ihre Bcdcnlung in. der Sprachbild iing 69 Lotnsblume 82 i««,^ 120 f., 137 f., 144 f., 148 Gschid'lnay 127 Mehlschaff'lluag 127 Salzluag 120 mahlen 26, 167 3/n/»- 21 Marnioiiafeln als Speisetische 75 J/«.s7 188 f. Mauerwerk des Bauernhauses 124, 139, 143, 149, 151, 1.54 3/,7(/ 3, 5, 167 »ifH-cH 103, 107 Melkkübel 107 Menschei'kamiuer 151, 1.53 Jl///rfe 94 ff, 100 f. Biest milch 94, 103 Milchkasten 127, 137, 141, 152 f., 1.5(i .l//.«/;«^ 132, 158 Mischparadigma bei den Proiiumi- nalstämmen ()3 Mond 214 Halbmond 214 J/Örser 4 ff., 12, 1041. Holzmürser 7 f., 165 Kaffeemörser 8 SIeinnii'irser 100 .l/».s/ 131 .V/i/i/t 4 ff., 18, 26 Gratipcnmilhle 8 Handmühle 106 Uolzmühle 18 Kalkmiihlc 18 Lohmiihic 11, 18 Ölmühle 1 1 Papiermühle 11, 18 Puhcrmühle 11 Sagemühle 18 Sta III iif mühte 19 f. (7jr(! Verbreitung rnn Deutsch- land ans 20 Walkmühle 11, 18 Wassermühle 10 Jf. o)H P?nn roji iY. Gallen 23f. .U»Wc 106 ff'. Münzen 83 Bückseite von Münzen mit Götter- bildern 83 Xaincn 63 ff'. Eigennamen 63 ff'. Götternamen 03 altindische Götternamen 80 ff. Ortsnamen: ihre ethnogengra- phische Bedeutung 52 Verwandtschaftsnamen 65 AVirt s. iSVue neinen 15 .Y«(e 22 f., 25 Obst presse 131 Öf7<'» 121 O/'t» 1.55 f. Ofenhank 144 Ofengrcad'n 127, 135, 140 Ofengeländer 128 Ofengewölbe 126 Ofenkrücke 127 Ofenloch 127 Ofenprukn 190 0/c» OMs A'fsen 138, 161 Backofen 126 f., 137 f, 140 ff., 148, 150, 1.52, 159 Kachelofen 128, 135, 137, 142, 144 ff., 1.53, 1.59 ff. 0/j/Vr 174 ff., 178 f., 183 ff., 190 f. Getreideopfer 174 Opfertisch 183 fl'., 211 Sachverzeichnis. 261 AiisßHiiöffiiiDUJ (dl (Ijiftrlisrh- jilrilh'ii 1N-")C. Oninli'ii 1-2 J'ia 8i Pferdekopf bei Visnu 8iJ Pferdeköpfe ah Giehelzier Tri Pflockrcrehrung 39, l!)8ir. Ppufi 104 ff., 181 Poche 10 Erzpoche lO Pochmehl 11 Pochsteinpel 10 Pochwerk l(_)f. Troekenpochieerk 11 Polenta .5 Prädikat, i/ebildct durch Adj. -j- Kopiila (itj Pril.'^rhc ;>30 Pronomina-lslämine i'rl f. iViVgr«? 20, 190 Prügeldach VMS Prih/elkojif 19(i PriU/elweg 187 ff., 192 f. i'((// (/('S Vorlesers im Itcfekloiium Pyxidcn 74 y»((/7,- 97 y^((?, Si/mbol der Sonne 82 7^(7 »i;jc 6(,'(»i ,S7r/(?c7 132 Uandleistc, unterbrochene, im f run- den Steinplatten 70 Öffnung in der liandleiste 79 Rauehfang 128, 134, 138 f., 140, 144r., 14S, 1.V2, l.Mif., l.->9, KU f. UaHchstnhc s. .sYiiic liefektorium 70, 7.">l',, 79 (/(•»• älteste Typus des R. 7.J (f(js Ä. (fcr dreizehn Tische 7."> f. ÄfHi 127 f. Brotrcm \'\'.\ Häck'ii-Kcm 128 J/äf'ndeck'lrem l.ö3 JJiffelrem 135 Schiisselrem 140 Binnensteine, prähistorische 210 f. rösten 5 f. Äös/c» (?(;r Feldfrüchte 23 Hundling .52 Hundwälle 5U Sachwellen 51 f. Sarkophag 74 raeennatische Sarkophage 74 ,SV(((/t; 10, 39 Säuleltheiligtum 190 ff'. Säulcnverehrung iO f., 19l> IT. Saumsattel 30 f. Schädeldecke 197 &Ärt/C: 103 &Ä(;Mnc 119, 179, 195 Schießer 10, 12 Schlittenkufe 222 Sa/o< 129 Schmiede im Bauernhaus 153 Schmierer 230 Schrank 179 8>;irn# 21 Schrein 129 Getreideschrein 1 29 Jlafcrschrein 129 Schupfen 131, 158 Schüsselkorb 145, 152 Schwelle 222 Schwung 43 selchen 127 Sennhütte 121 iS(V6, sieben 3 f. Siwmelchter 167 S/J(JH 180 Spanleuchter 127 Spanschwing 127 Spant n ISO Speisebrett 181 Sperrboden 129 .s>/»(/ 179 Spinnrad 129 .S/Ji/i/ ISO .s7)//»i^ ISO Sprachbildung 09 Begik in der Sprnchbildung 09 Spund 179 i»(i(/c/ 121 f., 130 IT., 137, 141, 150. 195 .S?(j« II« fr., 130 f., 133, 130, 14<), 140 f., 157 f., 102 f. Stamperl 8, 105 Stampfe 3, SIT., 19fr., 1Ü5 lAr ^«er 20 f. Stampfe am Plan p. .S'<. Gallen 23 f. Erdäpfelstampfe 19 Handstampfe 11 Ilirsestampfe 1.5 Kohlenstampfe 10 Krautstampfe 11, 19 Lodenstampfe 18 Lohstampfe 1 1 Maschinenstampfe 1 1 Paprikastampfe 15 Wasserstampfe 10 Steckadrescher 230 Stempel 1 1 f. Steppdecken 29 Ä7(>r (i/s ÄiW Rudra-Sicas 83 .SYÖÄcZ 4, 10, 13, 165 Holzstößel 105 .SVnft«; 23 Badstube 23 Brechelstube 159 f. Herrenslübl 155 Ä'(if;i(.'/s^(6?128f., l:?5f., 137 IT., 144 ff., 1.53, 159, 101 Rauchstube 23, 125 ff.. l:W (T., 130 ff., 114 ff., 152 f., 160 ff. Taubenschlag 124, 133 f. r<'iV/i 04 rcH/ic 119, 132, 1.58. 102 f., 212. 214 TiVw/i 70 ff. (/fr sigmaförmige Tisch 70, 78 r. ah christlicher Grabstein 71 f. 3". (t/.s arabischer Grabstein 72 f. riV/i (i/s christliche AUarplatte 73 ff., 77 (/er Klostertisch 75 ff. icJ Tische im Refektorium 75 f. Bedeutung der Tischform beim Erbauend. Refektoriums 75 ff. f. Totenopfer l'.Ki f. Traghaiken 47 Trambaum 125 Trapeza 7(5 /f^ Daphnijij in Ilosios 1/nkas 7(5 »OH Lavra 75 T/wnrf 231 rroirfV 141 Trittholz 222 Trockenpochwirk 1 1 Tn«? 21 rr»/iel29, 13(5, 141. 1441'., 153, 15G Geascht-Trmjn 12'J Hafertnthe 129 Kleidertruhe 129 Mehltruhe 125, 135, 145, 15(1 f., 152 Schmäht ruhe 129 Zeugtruhe 129 JVö- rfer Rauchstube 128, 152 «)«/" Hadern zu schieben 131 Urnen 5() liuckelurnen 5(5 Gesichtsurnen 174 ff. phallische Gesichtsurnen 174 tf. Unrnrte, ihre KrschUeüantj 00 f. Verhalstämme, (/ebildet von Subst.- und Af/j. -Stämmen 6(5 IT. ]'iehzucht bei den (ilten Slareii I04 Viilkerpsiichologie 5(J )'o/A-.«'-*=