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ZOOLOGISCHE ERGEBNISSE
IM AUFTRAGE DER KÖNIGLICHEN ACADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ZU BERLIN
AUSGEFÜHRTEN
REISE IN DIE KÜSTENGEBIETE DES ROTHEN MEERES
HERAUSGEGEBEN MIT UNTERSTÜTZUNG DER KÖNIGLICHEN ACADEMIE
VON
ROBBY KOSSMANN,
DR. PHIL. UND PRIVATDOCENT AN DER UNIVERSITÄT HEIDELBERG
ar to, 22 op Pr ERSTE HÄLFTE! sg, a © = @ 1. PISCES, BEARBEITET von KOSSMANN un RAUBER. 2
II. MOLLUSCA, BEARBEITET voX H. A. PAGENSTECHER. III. MALACOSTRACA (1. TuEIL: BRACHYURA), BEARBEITET von KOSSMANN.
IV. ENTOMOSTRACA (1. TuEın: LICHOMOLGIDAE), BEARBEITET Von KOSSMANN.
MIT 12 TAFELN.
LEIPZIG, VERLAG VON WILHELM ENGELMANN
1877
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Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig.
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VORREDE
ZUR ERSTEN HÄLFTE).
Das Buch, welches ich hiemit meinen Fachgenossen vorlege, enthält nur erst einen Theil der Ergebnisse meiner Reise ins rothe Meer. Krankheit, laufende Berufsarbeiten, eine mehrmonatliche Vertretung des ordentlichen Professors der Zoologie, Herrn Dr. PAGENSTECHER, endlich die Nothwendigkeit, das Einlaufen der Beiträge meiner Mitarbeiter zu erwarten, haben die Been- digung des ganzen Werkes so sehr verzögert, dass ich mich endlich entschloss, wenigstens das, was fertig war, dem Drucke zu übergeben.
Es war unter solchen Umständen unmöglich, Lücken zu vermeiden. Nur die Bearbeitung der Fische und Mollusken war beendigt; von den Crusta- ceen waren nur die Brachyuren und ein kleiner Theil der Copepoden fertig. So blieb mir nichts übrig, als den Druck der ersten Hälfte so einzurichten, dass nach Erscheinen der zweiten die systematische Anordnung des Stoffes her- gestellt werden kann. Es ist deshalb jeder Abtheilung in Nummerirung der Bogen und Paginirung ihre Selbständigkeit gelassen; in der zweiten Hälfte werden die Abtheilungen der Malacostraken und Entomostraken so vervoll- ständigt werden, dass der Buchbinder das Zusammengehörige leicht vereinigen kann. Ausser diesen Vervollständigungen wird die zweite Hälfte noch die Bearbeitung der Würmer von Herrn Professor Dr. GRUBE und die der Echi- nodermen von Herrn Professor Dr. GREEF enthalten. Beiden Herren, sowie den an dieser ersten Hälfte betheiligten Mitarbeitern, Herrn Professor Dr. PAGEn- STECHER und Herrn Studiosus RÄUBER, spreche ich für die gefällige Ueber- nahme dieser Arbeiten meinen herzlichen Dank aus.
IV VORREDE.
Vor allem gebührt jedoch Dank nicht nur meinerseits, sondern, wenn ich etwas Wissenswürdiges in diesem Werke niedergelegt habe, auch Seitens der Wissenschaft, der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. In ihrem Auftrage und unterstützt durch einen Beitrag von 6000 Rmk. zu den Kosten habe ich meine Reise ausgeführt, und nunmehr hat mir dieselbe gelehrte Körperschaft durch Gewährung eines Zuschusses von 1000 Rmk. an den Herrn Verleger die Herausgabe dieser ersten Hälfte der wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reise ermöglicht.
Ueber Zweck, Ziel und Dauer der Reise, sowie über die dabei gesam- melten Erfahrungen habe ich bereits früher (Verhandlungen des Naturhistorisch- Medizinischen Vereins zu Heidelberg, N. F. I. Bd., 2. Heft pag. 140 ff.) einige Mittheilungen gemacht, von welchen ich hier nur die Hauptpunkte wiederhole.
Mein Auftrag ging dahin, die Fauna der Wirbellosen des rothen Meeres zu erforschen; in meinem Gesuche an die Akademie hatte ich darauf hin- gewiesen, dass meine bisherigen Arbeiten über niedere Urustaceen der Nordsee und des Mittelmeeres eine Vervollständigung wünschenswerth erscheinen liessen, und dass das rothe Meer, nach dieser Richtung fast unerforscht, die meisten Bereicherungen verspreche. Demgemäss war denn auch meine Hauptthätigkeit unterwegs auf das Sammeln und Untersuchen von Urustaceen gerichtet, aber einerseits die Oberflächenfischerei mit dem Seidennetz, andererseits das Ein- sammeln solcher Thiere, an welchen parasitische Crustaceen vermuthet werden konnten, haben meine Ausbeute nach manchen andern Richtungen erweitert.
Es war Mitte August 1874, sofort nach Beginn der grossen Universi- tätsferien, als ich meine Reise antrat. Aber sowohl die Besorgniss, die Sommerhitze in Aegypten unvorbereitet nicht gut ertragen zu können, als auch der Wunsch, meine Copepodensammlungen aus dem Mittelmeer noch zu vervollständigen, bewogen mich in Italien mehrfach Station zu machen. Am längsten währte dortselbst mein Aufenthalt auf der Insel la Maddalena in der Strasse von Bonifazio; ich kann diese Station dem Zoologen bestens empfehlen und verweise den, der Genaueres darüber zu wissen wünscht, auf den oben angeführten Bericht.
Ende September traf ich in Aegypten ein, bis zum 1. Dezember ar-
MA
beitete ich im Golf von Suez, und zwar in Suez selbst und in Tör. Suez
VORREDE. v
ist faunistisch arm, aber für den des Arabischen Unkundigen bequemer, als das faunistisch weit reichere Tör, wo man weder Dolmetscher noch Befriedi- gung europäischer „Bedürfnisse“ findet.
In Massaua, dem südlichsten von mir besuchten Orte des rothen Meers, traf ich am 8. Dezember ein. Dort hielt ich mich, abgerechnet einige Aus- flüge, namentlich einen 9tägigen nach dem Dahlaksarchipel, bis zum 14. Fe- bruar auf, und begann dann, von den Nachwirkungen eines äusserst heftigen Fiebers gequält, die Rückreise, die mich Anfang Aprils in die Heimath führte. Ueber die Beförderungsarten möge man meinen „Bericht“ nachlesen. Hier genügt es, auf einige Schwierigkeiten hinzuweisen, auf welche meine wissenschaftliche Arbeit stiess, und welche gewisse Mängel derselben erklären.
Die erste derselben lag in der ungenügenden Wohnung. Einen grossen Theil der Zeit wohnte ich in fensterlosen Schuppen, oder im Zelt, eine kurze Zeit in einem besseren Hause, das jedoch auch der Glasfenster entbehrte und dessen Decke überall den Regen durchliess. Hierdurch wurden mikroskopische und entwicklungsgeschichtliche Arbeiten in hohem Grade beeinträchtigt.
Eine zweite Schwierigkeit lag in dem Fehlen brauchbarer Boote; namentlich Schleppnetzfischerei war fast unmöglich, weil die grösseren Segel- boote dem Steuer nicht genügend gehorchen, und mittlere, durch Ruder bewegbare Boote nicht vorhanden sind.
Für den Fischfang ist das Fehlen der Netzfischerei in Massaua von jedeutung; auch die Angelvorrichtungen, deren sich die Eingebornen bedienen, sind sehr primitiv.
Endlich muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Taucher Massaua’s und der Dahlaksinseln in der kälteren, für den Europäer freilich noch fast unerträglich heissen Jahreszeit, kaum zum Tauchen zu bewegen sind.
Angeln, Absuchen der von der Ebbe freigelegten Strandstrecken und Öberflächenfischerei waren sonach fast die einzigen Fangmethoden, denen ich erwähnenswerthe Ausbeute verdanke. Wer vielseitigere Resultate erzielen will, wird sich demgemäss vollkommener auszurüsten haben, was mir mit den zu meiner Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich war. Zumal Mitnahme eines guten Ruderbootes und eines zerlegbaren Holzhauses mit Glasfenstern ist dringend zu empfehlen.
VI VORREDE.
Zum Schlusse ergreife ich mit Freuden die Gelegenheit, meiner Dank- barkeit auch jenen Männern gegenüber Ausdruck zu geben, die mich dort in der Fremde gefördert haben: der Regierung Sr. Hoheit, des Chediw IsmaiL- PascHA, welche mich überall dem Schutze und der Fürsorge ihrer Beamten empfohlen hatte, den Beamten des Generalconsulats des deutschen Reiches zu Alexandrien, dem Viceconsul des deutschen Reiches zu Suez, Herrn W. MEYER, der sich meiner mit wärmstem Interesse angenommen hat, meinem Gastfreunde Herrn HaszEn zu Massaua, und meinem lieben Gefährten Herrn Dr. BARSCHALL, jetzt zu Gelnhausen. Nicht minder aber bewahre ich ein dankbares Andenken ihnen, die seither ein gewaltsamer Tod mitten aus kraftvollem Wirken gerissen hat: dem einstigen Generalgouverneur von Ost- Sudan und des rothen Meeres, MUNZINGER-PAscHA, dem einstigen Gouverneur der Stadt Massaua, ARAKEL-BEY, und meinen Gastfreunde und Gefährten HAGGENMACHER. Friede ihrer Asche!
Heidelberg, d. 5. Juli 1877. Robby Kossmann.
PISCEN,.
BEARBEITET VON
R. KOSSMANN un H. RÄUBER.
ann, Reise nach dem Rothen Meer. ]1.
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Die nachstehend bearbeiteten Fische sind fast sämmtlich in Massaua oder auf den wenige Meilen davon entfernten Dhalakinseln gesammelt; ein paar Haie sowie zwei Echenöis sind von Suez; zwei Mugil, ein Diagramma und wenige andere Exemplare von Tor; Raum- verhältnisse machten es mir schliesslich unmöglich, diese wenigen Fische von den im süd- lichen Theil des Meeres gesammelten gesondert zu halten.
Man wird vielleicht nach den langjährigen Arbeiten, die Kruxzıeer den Fischen des rothen Meeres bereits gewidmet hat, meinen kurzen Aufenthalt dortselbst in dieser Hinsicht für unwichtig halten. Kıuxzınser jedoch hat fast oder ganz ausschliesslich in und bei Koseir, etwa 26° n. Br., gesammelt; so ist es natürlich, dass ich in Massaua, unter dem Wärme- äquator, etwa 15,6° n. Br., vieles gefunden habe, was er nicht gesehen hat. Volle 40 Procent der von mir gesammelten Arten sind, nach Kruxzıseer’s Angaben, von ihm nicht gefunden; und wenn nun auch ein Theil derselben bereits durch Forskär und Rürrerı bekannt ge- worden und in unsere Sammlungen übergeführt war, so bleiben doch neben manchen neuen Formen, die ich nur als Varietäten anzusehen geneigt bin, 13 ganz neue Arten und 6 solche, deren Vorkommen im rothen Meer noch nicht constatirt war, übrig. Vielleicht, dass eine kleine Zahl von Formen, die ich unter bereits bekannten Arten eingereiht habe, einem oder dem anderen Forscher auch als neue Art erscheinen wird.
In den Farben habe ich bei allen Thieren des rothen Meeres, Fischen, Mollusken, Krebsen, Echinodermen, die grösste Variabilität gefunden; und auch in der Form finden sich solche Uebergänge, dass man mehrfach lange Reihen ähnlicher Thiere zusammenstellen kann, deren Extreme höchst verschieden sind, wie Kruxzinger dies in der Gattung Hola- canthus gethan hat, und ich demnächst in der Gattung Trapezia thun werde.
Dennoch scheint es mir sehr fraglich, ob wir überall da, wo die scharfe Abgrenzung unmöglich geworden ist, auch die Artunterscheidung aufgeben sollen. Der Anhänger der Descendenzlehre wird, auch wo er keine Uebergänge findet, oft oder immer annehmen, dass solche früher existirt haben: will er überhaupt noch Arten unterscheiden, so ist er doch von deren genealogischem Zusammenhange von vornherein überzeugt; was kann es ihm also ausmachen, ob zwischen zwei differenten Formen eine Lücke sich findet, die durch Aus-
sterben der Uebergänge entstanden oder vielleicht auch nur die Folge unserer mangelhaften 1*
k R. Kossmann und H. Räuser.
Kenntnisse ist? Für ihn ist die Art in keinem Falle eine natürliche Einheit, sondern immer nur eine künstlich gemachte Abtheilung, die im Interesse einer brauchbaren Nomenclatur geschaffen worden ist. Eine solche Nomenclatur ist nothwendig, weil man in dem Leser oder Hörer eine Vorstellung von einem Organismus mit bestimmten Eigenschaften erwecken will, ohne jedesmal wieder alle diese Eigenschaften zu schildern. Dieser Zweck wird ge- schädigt, wenn man das Gedächtniss überlastet, indem man für minimalste Differenzen neue Namen schafft; das Fehlen der Uebergänge zwischen solchen minimalsten Differenzen recht- fertigt eine so schädliche Methode nicht. Noch viel nachtheiliger aber ist es, die auffällig- sten Differenzen in der Nomenclatur unberücksichtigt zu lassen, weil die Uebergänge vor- handen sind: denn wenn ein Name alle möglichen Vorstellungen erwecken kann, so er- weckt er gar keine mehr, und ist also werthlos. Sucht man, im Gefühle davon, die Vor- stellung zu präcisiren, indem man einen Varietätsnamen hinzusetzt, so macht man aus der binären eine trinäre Nomenclatur, wobei meist der zweite der drei Namen werthlos bleibt. Ich will nicht leugnen, dass die Fülle des Materials mehr und mehr eine trinäre Nomenclatur wünschenswerth erscheinen lässt: entschliesst man sich aber zur Annahme derselben, so muss jeder der drei Namen seinen Nutzen haben und man muss consequent nach Grund- sätzen verfahren. Ich habe in den folgenden Zeilen einen besondern Artnamen nur auf Formenunterschiede gegründet, die sich mit klaren Worten schildern lassen, und bei blossen Farbenunterschieden den dritten, den Varietätsnamen, hinzugefügt.
Wie gross die Differenz sein solle, die die Ertheilung eines neuen Artnamens recht- fertigt, lässt sich natürlich nicht feststellen; darin muss jeder nach eigenem Gewissen han- deln. Manche Charakteristica können in verschiedenen Gattungen sehr verschiedenen Werth haben: es kommt erstens darauf an, ob sie während der individuellen Entwicklung ver- änderlich sind, und zweitens, ob sie in constanter Correlation mit andern Charakteristiken stehen, so dass eine Verschiedenheit des einen erfahrungsmässig nicht ohne Verschiedenheit des andern oder mehrer anderen auftritt. Auf Verschiedenheiten eines einzelnen Charakte- risticums ohne solche Correlation würde ich keinen neuen Artnamen schaffen.
Hält man es für vortheilhaft, von einer Form auszudrücken, dass sie einen Ueber- gang zwischen zwei bereits benannten Arten darstellt, so ist es sicher nützlicher, zu ihrer Bezeichnung die beiden Artnamen durch ein ©0 /( Serranus sumana 2 micronotalus ) ver- bunden zu wählen, als einen neuen Artnamen zu schaffen, oder den einen der alten zu verwerfen.
In zwei Gattungen, deren bisherige Durcharbeitung mir ungenügend erscheint (Dia- gramma und Chaetodon), konnte ich nicht wohl nach den eben entwickelten Grundsätzen verfahren, und sehe die von mir aufgestellten neuen Artnamen als interimistisch an.
Die erste Durchsicht und Sortirung meiner Fische wurde von Herrn Studiosus Räuger unter meiner Beihülfe vorgenommen; derselbe hat auch den grösseren Theil derselben richtig bestimmt und mir werthvolle Notizen darüber zukommen lassen. Die Vervollstän-
digung dieser Arbeit, sowie einige Berichtigungen rühren von mir selbst her. Die beige-
Pisces. 5 gebenen Zeichnungen hat Herr Zeichenlehrer Veirm hierselbst angefertigt. Der Direction des Senkenbergischen Museums in Frankfurt schulden wir grossen Dank für die Bereitwil- ligkeit, mit der sie uns das Vergleichen der von Rürrzrı gesammelten Exemplare gestattete.
Der geringe Umfang der Sammlung, die nur etwa den fünften Theil der aus dem rothen Meer bekannten Fische enthält, musste uns den Gedanken ganz fern halten, eine Nachahmung der vorzüglichen Krunziseer'schen Synopsis zu versuchen; vielmehr hielten wir es für angemessen, ganz und gar auf dem Boden, den dieser verdienstvolle Gelehrte ge- schaffen hatte, fortzubauen. Hinsichtlich derjenigen Arten, die in dem genannten Werke aufgeführt sind, verweisen wir also ein für allemal auf Krunziscers Text, und wiederholen weder die Synonymik, noch die Diagnose; nur wo uns Vervollständigungen oder Abwei- chungen wünschenswerth schienen, haben wir diese allein angeführt. Bei denjenigen Arten dagegen, welche Krunzisser nicht beschrieben hat. haben wir unsere Mittheilungen möglichst in die von Krunzineer gewählte Form zu bringen gesucht, so dass dieselben ohne Aenderung in seine Synopsis eingeschoben werden könnten. Auch alle Abkürzungen, Formeln u. s. w. haben genau dieselbe Bedeutung, wie bei Krunzisser; ihre Erklärung findet man auf Seite 672 u. 673 des Jahrgangs 1870 der Verhandlungen der zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien.
Endlich, um die Homogeneität mit Krunziseers Werk nicht zu stören, versage ich es mir, meine persönlichen Ansichten über die vortheilhafteste Gruppirung der Familien
u. Ss. w. hier zur Geltung zu bringen, und adoptire vollständig Krunzıseer's System.
Subelassis I: Teleostei, Jon. Merser. Ordo I: Acanthopteri, Murrer. Subordo I: Acanthopteri veri, Owen.
Familie: Perecoidei. Perecidae, GÜNTHER. Gruppe: Serranini, Güuxtner. Gattung: Serranus, (. \. Serranus celebieus, Br.
var. multipunctatus, nob.
Folgendes sind die Abweichungen von Kruxzisser’s Angaben: D. 11/17, H. %, Auge 6, Stirn I—1Y,.
Zwischen- und Unterdeckel ganzrandig.
Die Grundfarbe spielt ins Röthliche. Die Flecken sind nirgends über A mm. gross.
Bauch und Kehle gefleckt, wenn auch weniger dicht als der übrige Körper. Der gelbe Rand der Flossen fehlt.
Der schwarze Streif hinter dem Oberkiefer ist vorhanden. Ich mache jedoch da- rauf aufmerksam, dass derselbe auch anderweitig, z. B. bei S. sumana, vorkommt.
Ich erhielt 7 Exemplare, die drei grössten von 2S—34 cm.
Serranus miniatus, Fk.
var. hemistictus, Rp.
Wir haben die im Mus. Senkenb. aufgestellten, dort mit dem Namen S. hemi- stigma bezeichneten Fische mit unsern Exemplaren verglichen. Auch jene besassen sämmt- lich, der Beschreibung Rurperr's zuwider, 7 radii branchiostegi; es liegt also ein Irrthum, nicht eine Variabilität dieses Charakters, zu Grunde.
Die Grundfarbe ziemlich wechselnd, meist hellolivenbraun. Die Brustflossen nur bei 2 von 5 Exemplaren gelb, bei dem einen derselben sogar tief orangefarben, gesäumt. Der weisse Saum der Schwanzflosse nur bei einem ganz deutlich.
Ich erhielt 5 Exemplare von 7,5 bis 19,5 cm.
Pisces. 7
Serranus salmonoides, Lac.
D. 11/46.
Man könnte selbst 17 weiche Strahlen in der Dorsalis zählen, wenn man den sehr tief gespaltenen I6ten für zwei rechnen will; ebenso in der Analis 9 statt 8. Das Auge ist etwas kleiner, als Kıuszinser und Guxtuer angeben. Am auflallendsten differiren unsere Befunde hinsichtlich der Stirn. Obwohl nach Kıvxzısser gerade diese Art durch Breite der Stirn ausgezeichnet ist, gibt er nur I1—1'/, als Stirnbreite an, wobei er erwähnt, dass bei älteren Individuen dieselbe auflälliger wird. Da dieser Fisch nun 4—5 Fuss lang wird, so müssten meine Exemplare, die nur 35 und 38cm. messen, die geringere angegebene Stirn- breite, 1'% zeigen. In Wirklichkeit aber hat selbst das kleinere noch etwas über 1, und das grössere sogar AYı : A.
Die Färbung der beiden Exemplare entspricht den Angaben Kıuxzisser’s, nur sind die Flecken auf der Rückenflosse ganz deutlich.
Die Zähne im Unterkiefer stehen an einer Stelle nur zweireihig; doch mag dies
vielleicht an dem geringen Alter der Exemplare liegen.
Serranus sumana, Fk., oo micronotatus, Rp.
Die vorliegenden Exemplare sprechen für eine nahe Verwandtschaft von S. sumana, Fk. mit S. micronotatus, Rr. Die Annäherung des mittleren Deckelstachels an den unte- ren, sowie die Färbung entsprechen genau der Beschreibung, die Kruxzısser für S. su mana gibt. Die Grundfarbe des älteren Exemplars ist mehr röthlichbraun, die des jüngern mehr olivenfarbig. In der geringeren Höhe namentlich, und überhaupt in den Maassen und Zahlen stimmen unsere Exemplare mit den Angaben für S. micronotatus überein. Dieselben sind nämlich folgende:
D. 11/145, A. 3/9, Höhe 4, Kopf 3Yı. Ich erhielt 3 Exemplare, von 10, 22 und 32cm.
Gattung: Pseudoserranus, Kı. Pseudoserranus bicolor, nob.
D. A0y1&(15), A. 3/7(8), V. 4/5, P. 14, C. 16, L. lat. 80—90, L. tr. 8/22, Höhe ‘a, Kopf 3%, Auge 3'%, Stirn 1'%, Schnauze 1, Schwanzflosse 6', 3.—5. Rückenstachel 3.
Da Stirn, Schnauze und der Rand des Vordeckels nackt sind. auch die Zähne auf
der Seite des Unterkiefers einreihig stehen und Hundszähne sind, so muss dieser Fisch zu
Kıuxziseer’s Gattung Pseudoserranus gezählt werden. Uebrigens nähert ihn sowohl die Formel der Flossen, als auch die bei Serranus so seltene Längsstreifung des Körpers sehr dem S. lemniscatus €. V. Dieser soll jedoch nur dreimal so lang als hoch sein, nicht dreimal so lang als breit, wie Güxtser irrthümlich angibt, während das vorliegende Exemplar
etwa fünfmal so lang als hoch ist.
N R. Kossmann und H. Räuser.
Das Präoperculum ist gleichmässig stark gezähnelt, von den drei Deckelstacheln ist der mittelste bei weitem der stärkste, dem unteren kaum genähert. Der Oberkiefer reicht nicht bis unter den hintern Augenrand.
Färbung bräunlichweiss mit dunkelbraunen Längsbinden. Eine derselben nimmt Stirn und Rücken bis zum Ende der Dorsalflosse ein, lässt diese letztere aber frei; die zweite zieht vom hintern Augenrand bis zur obern Hälfte der Schwanzflosse, nur durch eine schmale helle Linie von der obern Längsbinde getrennt; dann folgt nach einem brei- teren hellen Zwischenraum eine über die Basis der Brustflossen nach dem untern Theil der Schwanzflosse verlaufende, durch einen hellen Zickzacklängsstreifen getheilte Längsbinde. Der Bauch ist weisslich. Die Streifung des Kopfes schliesst sich der des Rumpfes an, doch läuft noch ein weiterer Streifen über das Präorbitalbein, den Rand des Oberkiefers mitneh- mend bis gegen den Unterrand des Vordeckels. Die Schwanzflosse ist fein weisspunktirt. Star 1, Kiel.
Ich erhielt ein Exemplar, 10cm. lang.
Gattung: Diacope, (Cuv.) Rp. Diacope argentimaculata, Fk.
Wir machen besonders darauf aufmerksam, dass die Zunge eine ovale, rauhe Platte trägt, nicht wie Rurrerı angibt, glatt ist. Sonst finden wir nichts zu Kıuxzıneer’s Angaben hinzuzufügen.
Ich erhielt zwei Exemplare, 28 und 33cm. lang.
Diacope fulviflamma, Fk.
Die gelben Längslinien bei vielen kaum sichtbar. Ich erhielt 11 Exemplare.
Gruppe: Apogonini. Gattung: Apogon, Lac., C. V. (Untergattung: Apogonichthys, Bıx.) Apogon (Apogonichthys) auritus, C. V.
Nichts zu bemerken. Ich erhielt 3 Exemplare, 5cm. lang.
(Untergattung: Apogon.) Apogon annularis, Rp.
Nichts zu bemerken. Ich erhielt 5 Exemplare, keines über 6cm. lang.
Apogon heptastigma, (Enrs.) C. V. Wir haben unsere vier in mittelmässigem Erhaltungszustande befindlichen Exemplare mit denen des Mus. Senkenb. verglichen und sind von der Artidentität überzeugt. Von
Pisces. 9
den 9 schwarzen Flecken sind jedoch nur die an der Schwanzwurzel zu erkennen, und es fällt namentlich auf, dass der schwarze, gelb geränderte Fleck über der Brustflosse allen vier Exemplaren fehlt. “Freilich ist er auch bei den Frankfurter Exemplaren nicht überall gleich deutlich.
“ h
Ich erhielt 4 Exemplare, 6cm. lang. Familie: Pristipomatoidei. Gattung: Diagramma Cuv. Diagramma griseum, €. V.
DENN ASTA Pos Ce ti. Höher 3, Kopf %, 7. lat, 852 Er ir. 13/198
Die Bestimmung der Diagrammen ist dadurch schwierig, dass man noch keineswegs über die Constanz der Zahlen der Flossenstrahlen sicher ist. Eine Verschiedenheit in der Zahl der weichen Strahlen ist vielfach constatirt; hinsichtlich der Stacheln wenigstens für D. pietum, D. lessonii. Ich selbst fand bei einem neuen Diagramma (D. ornatum) einmal 12 und einmal 13 Stachen; und bei Diagramma foetela widersprechen sich die Angaben der Autoren. Bei diesem sind nach Cvvier und Varexcıenxes 1% Dorsalstacheln, nach Kıuxzisser 13, nach Guxtner 12 vorhanden. Kruxzınger und Güntner halten D. flavo- macnlatum Rp. für identisch mit D. foetela, und Rvrrzır gibt für flavomaculatum ebenfalls 12 Dorsalstacheln an.
Stellen sich nun aber diese Formeln als unzuverlässig heraus, so ist eine genauere Bearbeitung der ganzen Gattung durchaus nothwendig, denn für viele Arten ist die sonstige Diagnose ungenügend. Ein Blick in Güntner's Katalog zeigt, dass, von den Formeln ab- gesehen, die Diagnosen einer ganzen Anzahl von Arten einander nicht oder in ganz uner- heblichen Charakteren widersprechen. Auch die Uebersicht, die Kruxzıseer gibt, leidet an dem Mangel, dass die Haupteintheilung der Gattung nach den Formeln der Dorsalis ge- macht ist.
Rückenflosse hinten nicht höher. Zweiter Afterstachel stärker, aber nicht höher als der dritte. Schwanzflosse ausgerandet. Vordeckel am Hinterrande sehr stark oder kaum merklich, am untern nicht gezähnt. |
Lässt man statt der Cuvier'schen und Kruxzisserschen Formel die RüpreLL-GüNtHER- sche D. 12/23 gelten, nimmt die Variabilität der weichen Strahlenzahl an und hält das Fehlen der gelben Linien und Flecken auch bei jungen Exemplaren für möglich, so kann man unsern Fisch auch für D. foetela halten.
Vollständig stimmt jedoch die Formel, wie die Färbung, mit der für D. griseum ge- gebenen. Allerdings wäre, wenn die Identität vorhanden ist, merkwürdig der Fundort (bisher Malabar), die Grösse (37cm., bisher höchstens 11 Zoll), sowie die Maxillarporen. Letztere nämlich, welche bei D. griseum wenig deutlich sein sollen, sind hier sehr deutlich und es folgen jederseits auf die drei grossen noch zwei Gruppen von je 3—4# unregelmässig ge- stellten kleineren Poren. Die Färbung ist gleichmässig grau, das Kopfprofil mässig convex,
Kossmann, Reise nıch dem Rothen Meer. ]. I
10 R. Kossmann und H. Räuser.
der Hinterrand des Vordeckels läuft namentlich bei dem kleineren Exemplar schief gegen vorn und unten. S. Taf. I, Fig. 2. Die Afterflosse reicht mit dem hinteren Ende fast ebenso weit, als die Rückenflosse.
Ich erhielt 2 Exemplare, 30 und 37cm. lang.
Diagramma ornatum, nob.
D. 13/20—12/22, A. 3/8, P. 17, C. 16, Höhe 3, Kopf %, Auge 4, Stirn A, L. lat. IE:
Diese Art ist der vorigen ähnlich; aber der Kopf ist weit plumper vorgewölbt, der Vordeckelrand läuft ganz vertikal, geradlinig oder ein wenig ausgebuchtet. S. Taf. I, Fig. 3. Die Afterflosse endigt erheblich vor der Rückenflosse.
Färbung graubraun. Jede Schuppe ist (wie auch bei der vorigen Art) ganz fein chokoladenbraun punktirt, sonst weisslichgelb. Unter den Brustflossen ist die Punktirung schwächer, daher die Gesammtfärbung heller. Dunkelviolette bis braune wellige Linien am Kopf und Nacken. Rücken- und Schwanzflosse mit runden Flecken. Brustilosse am obern Rande schwärzlich. Die Dorsalstacheln sind im Querschnitt dreiseitig, und kehren abwech- selnd eine Kante oder eine Fläche nach derselben Seite, so- dass man bei flüchtigem Zu- sehen ihre Stärke für wechselnd hält.
Auch diese Art hat viel Aehnlichkeit mit D. foetela. Vielleicht sind es die Zwi- schenräume zwischen den von mir erwähnten dunkelvioletten Linien, die Krunzınger als ceitrongelbe Linien beschreibt. Dem widerspricht jedoch, dass nach Kruxzıseer diese Zeich- nung bei alten schwinden soll, während sie bei meinem Exemplar, das die von Kıunzınger beobachtete Maximalgrösse erreicht, sehr deutlich ist.
Ich wiederhole, dass eine neue Bearbeitung der Gattung nothwendig ist.
Ich erhielt 2 Exemplare, von 31 und 50cm.
Gattung: Scolopsis, Cuv. Scolopsis ghanam, Fk.
Abgesehen von der erheblichen Variabilität der Grundfarbe ist zu erwähnen, dass die schwarzen Punkte sich bei einem meiner Exemplare über den ganzen Körper verbreitet finden; dass sie bei mehren vorn am Rücken zu einer Anzahl schwarzer Linien zusammen- treten, die mit dem aufsteigenden Theil der Seitenlinie parallel verlaufen und die oberste weisse Längslinie schief durchschneiden. Der obere hintere Theil des Kopfes ist bei einigen braun.
Die Stirne ist meist schmaler, als Krunziseer angibt (1Y,), der Suborbitalstachel kürzer.
Ich erhielt 20 Exemplare, alle ungefähr 15cm. lang.
Scolopsis bimaculatus, Rp. Ich würde die mir vorliegenden Exemplare nicht für S. bimaculatus gehalten haben, er-
stens wegen der Bezähnelung des Unterrandes des Suborbitale, die nach Rürreır fehlen soll,
Pisces. 1A
zweitens weil der Seitenfleck sich auf der Rürrerr'schen Abbildung ganz unterhalb, bei meinen Exemplaren fast ganz oberhalb der Seitenlinie findet. Letzteres lässt mich auch jetzt noch schwanken, bezüglich des ersteren aber versichert uns schon Kırunzisser, dass die im Mus. Senkenb. aufbewahrten Rürrerr'schen Originalexemplare ebenfalls jene Zähne am Suborbitale besitzen. Bei einem meiner Exemplare findet sich ausser dem Hauptdorn nur noch ein kleiner Zahn am Suborbitale, bei demselben ist die Ecke des Präoperculum durch drei stumpfe, aber auffällig lange Zähne ausgezeichnet.
Im Bereiche des Seitenfleckes läuft vor dem Rande jeder Schuppe eine feine schwarze Linie. Vielfach erkennt man die Andeutung der dunkeien Punkte, die für die oben ge- nannte Art charakteristisch sind, und bei einem meiner Exemplare finden sich sogar am vorderen Theile des Rückens jene schiefen dunkeln Linien, die ich bei der vorigen Art erwähnt habe.
Vom Auge zur Öberlippe läuft ein bläulich silberner Streif,
Ich erhielt 4 Exemplare, 15—23 cm. lang.
Familie: Sparoidei. Gruppe: Pagrini. Gattung: Lethrinus, Cvv. Lethrinus variegatus, (Eue.) C. V.
Nur diese Art unter den von mir gefundenen hat einen senkrecht verlaufenden Hin- terrand des Vordeckels. Die dunkele Binde über die Wange erscheint zuweilen in mehrere Streifen aufgelöst. Ein dunkler Fleck oben am Deckelrand.
Ich erhielt 2 Exemplare, 15cm. lang.
Lethrinus ramak, Fk.
2.
Zigentliche dunkle Querbinden fehlen, doch sind die unregelmässigen seitlichen Flecken sichtbar, und namentlich der grössere über der Brustflosse bei allen Exemplaren deutlich. Die Querbinden der Stirne sind meist, zum Theil auch die Streifen vom Auge zur Oberlippe in unregelmässige Flecken aufgelöst. Die rothe Färbung im Innern des Mundes fehlt bei allen vier Exemplaren; sie kann nicht durch die Einwirkung des Spiritus verloren gegangen sein, da sie auf der Innenseite des Kiemendeckels erhalten ist.
Ich erhielt 4 Exemplare, 18—24cm. lang.
Lethrinus mahsena, Fk.
Zuweilen fehlt die röthliche Färbung im Innern des Mundes. Die dunkleren Flecken am Kopf sind keineswegs regelmässig vorhanden. Die Brustflossen sind zwar länger, als bei L. nebulosus, reichen aber nicht bis zur Mitte der Afterflosse.
Ich erhielt 12 Exemplare, circa 18cm. lang.
12 R. Kossmann und H. Räuper.
Lethrinus nebulosus, Fe.
Die rothe Färbung des Deckelrandes (var. chumchum) findet sich namentlich bei kleineren Exemplaren, oft verbunden mit tiefrother Färbung des Mundes, röthlichen Flossen und einem mehr messingfarbigen Schimmer des Körpers. Zwei Exemplare muss ich als
var. ochrolineata unterscheiden. Sie sind mit grell ockergelben Längsstreifen ausge- stattet, die am hintern Rande des Rückens nicht ganz regelmässig, am Kopf sehr unregel- mässig verlaufen und Flecken bilden. Ich fand keine Farbenübergänge zwischen dieser Varietät und den übrigen Exemplaren, in der Form aber ist kein Unterschied zu constatiren.
Ich erhielt sehr viele Exemplare, bis zu 32cm. lang.
Gattung: Chrysophrys, vv. Chrysophrys bifasciata, ©. V.
Gegenüber der Beschreibung Güntuers ist zu bemerken, dass die Höhe in der To- tallänge wenig über 2mal enthalten ist. Rechnet man einerseits die Rücken-, andererseits die Schwanzflosse ab, so bleibt das Verhältniss fast genau 1:2. Mahlzähne oben nicht in 3, sondern, wie bei Krunzınser, in 4 Reihen.
Gegenüber der Beschreibung Kruxziseer’s ist hervorzuheben, dass das Präoperculum nicht gezähnelt, sondern glattrandig, der 3. Afterstachel nicht höher und stärker, sondern niedriger und höchstens ein Viertel so stark als der zweite ist.
Die schwarzen Kopfstreifen deutlich.
Ich erhielt 1 Exemplar, 40 cm. lang.
Familie: Maenoidei. Gattung: Gerres, Cuv. Grerres oyena, Fk. Der Kopf ist länger (A), die Stirn breiter (1Y,: 1), als Krunziıneer angibt. Die blassrothen Flecken fehlen an den vorliegenden Exemplaren. Ich erhielt 2 Exemplare, 28 und 31 cm. lang.
Familie: Chaetodontoidei. Gattung: Chaetodon, Üuv. Chaetodon larvatus, ©. V.
Stimmt mit Kıunzıseer's Beschreibung, doch müssen wir nach eigener Anschauung be- haupten, dass bei den Exemplaren des Mus. Senkenberg. ebensowenig, als bei den unsrigen, die dunkeln Streifen schmäler als die Zwischenräume sind. Dagegen bemerkt man bei jenen einen weissen Hinterrand der Dorsalflosse, der bei unsern Exemplaren fehlt.
Ich erhielt 6 Exemplare, von welchen zwei 7cm. lang.
Pisces. 13
Chaetodon Klunzingeri, nob.
D. 12/22, A. 3/49, P. 15, L. lat. 26, L. transv. 21/12. Höhe 1%, Kopf 3, Auge 21%, 6. Rückenstachel 2Y..
Die Zahnbildung nähert diese Art dem Ch. vittatus Br. Scan. Die Seitenlinie ver- läuft in einem flachen Bogen bis zur Mitte des weichen Theils der Rückenflosse, ohne am Schwanze wieder zu erscheinen. Der Vordeckel ist gegen den Winkel hin schwach gezähnelt.
Es fehlt gänzlich sowohl die schwarze Färbung der Mundgegend als auch die schwarze Binde, die bei Ch. vittatus hinter dem Auge vorbei vom vorderen Theil der Rückenflosse an den Winkel des Vordeckels zieht. Die Augenbinde ist oberhalb des Auges gelb gesäumt.
Ein orangegelber Fleck auf der Stirne, ohne schwarze Quer- und Schräglinien. Die Rückenflosse hat keine schwarze Binde. Afterflosse schwärzlich. Schwanzflosse schwärzlich, an der Wurzel gelb. Schwanz schwarz, mit einem gelben Fleck dicht beim Ende der Rückenflosse. Der Rumpf ist überall mikroskopisch fein blau punktirt; die Punkte rücken zu 13—14 Längsbändern zusammen. S. Taf. Il, Fig. 11.
Ich erhielt 1 Exemplar, 3 cm. lang.
Gattung: Holacanthus, Lac.
Krunzinser bringt eine ganze Anzahl früher unterschiedener Arten dieser Gattung unter dem einen Speciesnamen Holacanthus asfur zusammen, und erklärt dieselben für blosse Varietäten, indem er behauptet, bei Vergleichung einer Reihe von Exemplaren deutlich die Uebergänge zu sehen.
Ich bin weit entfernt, das Vorhandensein solcher Uebergänge zu leugnen, oder auch nur für unwahrscheinlich zu halten; aber ich glaube, dass die Differenzen zwischen den durch diese Uebergänge verbundenen Extremen in Farbe und Körperform so gross sind, dass man sie unbedingt nach wie vor als Artunterschiede achten muss. Dass es sich nicht um Altersunterschiede handelt, steht fest; die blosse Thatsache aber, dass Uebergänge vor- handen sind, kann nicht rechtfertigen, dass wir Charakteristica, die in andern Gattungen unbedingt als Artunterschiede gelten, einfach vernachlässigen ; wir würden sonst dahin kom- men, dass wir in manchen durch Manchfaltigkeit der Form ausgezeichneten Gattungen gar keine Arten mehr unterscheiden können.
Ich halte nun nach den Beschreibungen der Autoren wie nach eigener Anschauung die Formen H. striatus Rr., H. caerulescens Rr. und H. asfur Fk. für leicht erkennbar und unterscheidbar. Die Uebergänge wird man je nach der grösseren oder geringeren Ueberein- stimmung zu der einen oder der anderen typischen Form, entweder ohne Weiteres, oder als Varietät, hinzufügen, eventuell, wenn sie genau die Mitte halten, eine Bezeichnung wie H. striatus m» caerulescens wählen. Uebrigens bemerke ich, dass mir Krunzinger durchaus nicht vollständig die Uebergänge aufgeführt zu haben scheint, und gerade die Form H. asfur, unter der er die übrigen als Varietäten anführt, ist am wenigsten mit ihnen verknüpft.
4% R. Kossmann und H. Räuper.
Unter meinen 11 Holacanthus sind die vier Formen striatus, semicirculatus, caerulescens und asfur ın verschiedenen Grössen ohne irgend welche Uebergänge ver- treten. H. semicirculatus unterscheidet sich nur in der Zeichnung, nicht in der Form von striatus, und ich führe ihn deshalb bloss als Varietät an.
Holacanthus striatus, Rp.
Charakterisirt durch den sehr kurzen Präorbitalstachel, die hinten abgerundete Dorsal- und Analflosse und die senkrechte bläuliche Streifung. Ich erhielt 2’ Exemplare von 5,5 und 6,.5cm. Länge.
ver. semicirculatus, G. V., unterscheidet sich davon durch die dunkle Schwanzflosse und die viel geringere Zahl der bläulichen Streifen (5—6 am Körper). Da meine beiden Exemplare 2,5 und 3cm. lang sind, könnte man dies für eine Jugendform halten; da aber BLEEKER ebenso gezeichnete Exemplare von 12cm. gefunden hat, so handelt es sich offen- bar um eine Varietät, die mit dem Alter nichts zu thun hat.
Das Kopfprofil ist bei beiden Formen gerade, die Flossen nfrgends verlängert.
Holacanthus caerulescens, Rp.
Charakterisirt durch das concave Kopfprofil, den längeren Stachel am Präoperculum, die Zuspitzung der Afterfllosse und die Verlängerung der Rückenflosse weit über die Schwanz- flosse hinaus. Am Rücken und über den Brustflossen finden sich verstreut schwarze Schup- pen, sonst ist der Körper graubraun. Auf der Dorsal- und Analflosse finden sich ebenfalls bläuliche Linien. .
Krunzinser fand eine Zwischenstufe zwischen H. striatus und H. caerulescens in H. lineatus. Es ist mir fraglich, ob diese eine Zwischenstufe genügt, um das Uebergehen beider Formen in einander zu erweisen; wahrscheinlich finden sich aber noch mehr solcher Zwischenstufen.
Was den halbmondförmigen Fleck auf der Körperseite anbetriflt, so ist derselbe bei meinen drei Exemplaren von H. caerulescens höchst undeutlich und spitzt sich nach oben und unten zu, so dass seine Form von der des seitlichen Fleckens bei den übrigen wesent- lich verschieden ist.
Ich erhielt 1 Exemplar 12cm., 2 Exemplare 19cm.
Holacanthus asfur, Fk.
Charakterisirt durch das gradlinige Kopfprofil, die schwarze Färbung des Rumpfes, einen gekrümmten gelben Seitenfleck, der, am Rücken breit, gegen den Bauch hin sich zu- spitzt und nach hinten krümmt, eine gelbe, an der Wurzel röthliche Schwanzflosse, und die weit über letztere hinaus verlängerten Dorsal- und Analflossen.
Uebergangsformen zwischen dieser und dem H. striatus gibt Krunzineer nicht an, es sei denn, dass er H. lineatus und H. caerulescens als solche ansieht. Ich will nicht
Pisces. 45
unerwähnt lassen, dass mein grösster H. striatus eine Andeutung des bei H. asfur cha- rakteristischen Seitenflecks hat; dies genügt jedoch noch nicht, um den directen Zusammen- hang zu erweisen. Ein indirecter durch Vermittelung von H. caerulescens ist aber sicher nicht vorhanden, denn das Kopfprofil des H. asfur. ist dem des H. striatus weit ähn- licher, als dem des H. caerulescens; auch unterscheiden sich H. caerulescens und H. asfur schon in der Schuppenform sehr. Die des letzteren haben einen weit convexeren freien Rand; an der Brust sind die Schuppen bei H. asfur weit grösser.
Ich erhielt % Exemplare, 11—16cm. lang.
Diese Varietäten als Altersunterschiede zu nehmen, ist ganz unmöglich. BL£EkEr's H. semicirculatus hat 12cm., meiner 21%; H. striatus soll 6cm. nicht überschreiten; von H. asfur, welches die älteste Form sein müsste, habe ich Exemplare von I1cm.; von H. caerulescens, welcher ebenfalls älter als H. semicirculatus sein müsste, eines von 12cm. und, obwohl er jünger als H. asfur sein müsste, zwei von 19cm. Danach muss mir auch zweifelhaft sein, dass die Flossenveränderung mit dem Alter wächst. Innerhalb
jeder der 3 einzelnen Arten meiner Sammlung differirt dieses Verhältniss nicht mit der Grösse.
Familie: Cataphracti. Gruppe: Scorpaenini. Gattung: Scorpaena, (Ärr.). Scorpaena aurita, Re. Ausser den zwei Poren am Unterkiefer, die schon Kıunzınser erwähnt, findet sich in der Mittellinie davor eine Papille. Ich erhielt 3 Exemplare bis 8, cm. lang.
Gattung: Sebastes, Ü. \V. Sebastes rubropunctatus, (Eure.) C. V. D.. 4277749790) A, 3/6. (7).
Auf die blosse Verschiedenheit der Zahl der weichen Strahlen habe ich keine neue Art gründen zu dürfen geglaubt.
In der Farbe stimmen meine Exemplare besser mit Sebastes polylepis, Br., überein; doch sind bei diesem die harten Strahlen der Rückenflosse weit höher und die Stacheln des Präorbitale stumpf.
Ich erhielt 3 Exemplare, circa % cm. lang.
Gattung: Tetraroge, Grm. Tetraroge gallus, nob. D. 13/9, A. 2/6, Höhe 3%,, Kopf 3, Auge 5, Schnauze 1°; : 1, 2. Rückenstachel 1. Der Körper ist stark comprimirt und hoch; der Unterkiefer springt etwas vor, das
Präorbitale trägt einen starken Dorn, das Präoperculum einen schwachen. Die Seitenlinie
16 R. Kossmann und H. Räuser.
besteht aus S—10 graden Röhrchen, deren erstes schief nach hinten aufsteigt, während die übrigen ziemlich horizontal liegen. Die Dorsalflosse beginnt über der Mitte des Auges und endigt kurz vor der Schwanzflosse. Der letzte Strahl der Rücken- wie der Afterflosse sind mit dem Rumpf (nicht mit der Schwanzflosse) durch eine Flossenhaut verbunden. Der erste harte Strahl der Rückenflosse ist bei weitem der kürzeste, der zweite der längste; von da nimmt die Höhe der Rückenflosse allmählich ab, nur beim viertletzten und dritt- letzten Strahl ist noch eine kleine Zunahme zu bemerken. In der Afterflosse ist der erste Stachel kurz, der zweite länger, der weichstrahlige Theil gerundet.
Die Farbe ist braun, Kopf und Flossen mit weissen, dunkelgeränderten Ocellen; solche sind sparsam auch auf dem Rumpf, zumal an der Seitenlinie vorhanden. Die Enden der Brust- und Afterflosse sind schwarz. Auf den Wangen und dem Operculum finden sich braune Flecken. S. Taf. II, Fig. 6.
Ich erhielt 1 Exemplar, #cm. lang.
Familie: Mugiloidei. Gruppe: Mugilini. Gattung: Mugil. Mugil waigiensis, Q. G.
x
Höhe #°/,, Stirn 2'%, sonst stimmt Kruxzıneer’s Beschreibung. Ich erhielt 2 Exemplare, 25 und 27cm. lang.
Mugil eunnesius, (Rr.?) C. V.
Die vorliegenden 3 Exemplare stimmen vollkommen mit der Beschreibung, die Güntner gibt, und sind wohl ebenso, wie diejenigen, welche Güxtser vorlagen, mit denen Cuvier’s und VALEncıEnNEs übereinstimmend; man wird die von Letzteren gemachte Angabe, dass die vordere Rückenflosse 5 starke Strahlen zähle, wohl für einen Irrthum halten müssen, weil sonst die Zahl % durchgängig ist. i
Die von Kıunzınser gegebene Beschreibung der in Mus. Senkenberg. als Mugil cunnesius bezeichneten Fische scheint zu beweisen, dass dieselben falsch bestimmt sind, denn es sollen ihnen die Cilien an der Oberlippe fehlen, der Rand des Präorbitale soll ge- zähnelt sein, das Auge soll keine Fetthaut besitzen. In allen drei Punkten weichen die Frank- furter Exemplare von Cuvier’s und VALExcıEnses Diagnose, wie von unseren Exemplaren ab.
Ich erhielt 3 Exemplare, circa 30cm. lang.
Hinsichtlich des Höckers der Unterlippe konnte ich zwischen den genannten beiden Arten keinen Unterschied finden, dagegen ist derselbe sehr auffällig hinsichtlich der Nasen- löcher ; bei der letztgenannten Art nämlich ist das hintere mehrmals grösser als das vordere.
Pisces. 1
I
Familie: Scomberoidei. Gruppe: Echeneini. Gattung: Echeneis, (Arr.) Guv. Echeneis naucrates, L.
An einem sehr grossen Exemplar von 56cm. Länge fehlen sowohl die Längsbinden, als die weissen Ränder oder Spitzen der Flossen. Ich erhielt ausser dem erwähnten noch ein kleineres Exemplar.
Familie: Pempheroidei. Gattung: Pempheris, C. \.
Die bisher beschriebenen Arten der Gattung sind schwer von einander zu unter- scheiden, wenn man sie nicht alle unter die Hand bekommen kann.
Die Zahl der harten Flossenstrahlen scheint fast constant zu sein, nämlich D. 6 und A. 3. Für P. mangula geben Cuvier und VArEncıenses allerdings D. 5, auf Grund der Be- schreibung Russer's (Mangula kutti) und vielleicht war Brocw’s Curtus macrolepidotus, der 7 harte Dorsalstrahlen gehabt haben soll, eme Pempheris. Aber diese Angaben sind doch höchst unsicher, und wenn die Abbildung von P. otaitensis bei C. V. in der Dorsalis nur 3, in der Analis 2 harte Strahlen zeigt, so ist dies wohl sicher ein Fehler, da der Text die Zahlen 6 und 3 gibt. Da nun zudem Kıunzınser die Unbeständigkeit der weichen Strahlen der Afterflossen, der Schuppen in der Seitenlinie, sowie der Färbung nachweist, so bleiben bei Guntuer keine irgend genügenden Artunterschiede übrig.
Zieht man die dürftigen Angaben über Formverhältnisse in Betracht, so scheint Kıunziısers P. mangula keineswegs mit P. otaitensis, C. V., identisch zu sein, da bei jener der erste Rückenstachel der höchste, und nur zweimal in der Körperhöhe enthalten ist, während die Zeichnung von dieser ein abweichendes Verhältniss gibt, dessen faktische Richtigkeit mir wegen der Uebereinstimmung mit meinen Pempheris höchst wahrscheinlich ist; hier hat der erste Rückenstachel kaum die Länge von '/, des Augendurchmessers, und die übrigen nehmen nach hinten an Grösse erheblich zu. Dasselbe Verhältniss constatirt C. V. für P. oualensis, welche nicht wohl von otaitensis geschieden werden kann. Ich bin leider nicht im Stande, die Abbildung Russer’s von P. mangula einzusehen; da C. V. die Uebereinstimmung der Form dieses Fisches mit den vorgenannten erwähnen, dürfte derjenige Krunzinser’s vielleicht gar nicht mit P. mangula identisch sein.
Bezüglich der Grösse des Kopfes ist zu bemerken, dass er bei Kruxzıseer's Fisch 4, bei P. oualensis €. V. (und wie es scheint auch bei den übrigen) #Y, misst (die Ab- bildung für P. otaitensis gibt #Y,).
Bezüglich der Stirn ist zu bemerken, dass sie nach der Abbildung bei P. otaitensis stark gewölbt, nach der Beschreibung C. V.s bei P. moluca concav ist.
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. I. at
18 R. Kossmann und H. Räußer.
Hienach sind einschliesslich der von mir gefundenen folgende 4 Arten bis jetzt durch die gegebenen Diagnosen zu unterscheiden : a6 Höhe cırca a 7 Pzrkombrorndeasnob: b. Höhe circa 3. a) 1. Rückenstachel der höchste P. erythraea, nob. (mangula, Kı.). ß) Rückenstacheln nach hinten länger werdend. A) SHrN.concav. . .. 7. 22.2 B.molluea, 1Q.#Var Ylmalabancanne N: 2)" Stirn convex 7. 3 2 Ibyotautensis, @yV.)e (P. oualensis, otaitensis, vanicolensis, nesogallica, mexicana, C. V., compressus? Wunme, Schwenkii? Bı.).
P. rhomboideus, nob.
D. 6/9, A. 3/37, Höhe 2'%, Kopf 3%. Auge 2, Stirn 4%, 6. Rückenstachel 2'..
Die sehr bedeutende Höhe trennt unseren Fisch von den bisher beschriebenen deutlich. Das grosse Auge hat er mit P. mangula Kı. (erythraea, nob.) gemein, während die Abbildung bei Cuvier und Varencienses für P. otaitensis Auge 2'% ergibt. Diese letztgenannte Art zeichnet sich ferner von unserer ebensosehr durch die starke Con- vexität, als P. moluca durch die Concavität der Stirn aus. Der Kopf ist bei unserer Art merklich grösser als bei Kıunzıseer's und viel grösser als bei P. otaitensis. Der obere Rand des Operculum ist fein gezähnelt. Der Rand des Präoperculum trägt 5 Zähne, von denen die 3 obersten mit der Spitze empor gebogen sind. Die Haut zieht jedoch über den Rand des Präoperculum weg und versteckt diese Zähne.
Die Färbung ist silbrig, mit sehr feiner rothbrauner Punktirung, die Flossen farblos mit gleicher Punktirung, die Spitze der Rückenflosse schwarz. S. Taf. I, Fig. 4.
Ich erhielt 3 Exemplare von etwa 14cm. Länge.
Familie: Gobioidei, (Cuv.) Mürr. Gruppe: Gobiini, Gru. Gattung: Gobius, Arr. Gobius echinocephalus, Rp.
Auch ich finde die Hundszähne, die Guntner dieser Art abspricht, immer anwesend. Die kleinen Wärzchen am Kopf dürften vielleicht pathologische Erscheinungen sein, etwa Narben, die in Folge von kleinen Verwundungen durch die Koralle entstanden sind, zwischen deren Aesten der Fisch lebt; ich finde sie zwar bei allen meinen Exemplaren, aber sehr unregelmässig vertheilt, zuweilen selbst auf dem Auge.
Ich erhielt sehr viele Exemplare.
Pisces. 49
Gobius coeruleopunctatus, Re. ? eryplocentrus G. V.
DE6E1/AN, A I/AN,
Die Ausbreitung der dunkelblauen perlfarbig geränderten Ocellen ist verschieden. Am Kopf und an der Rückenflosse finden sie sich stets, am Rücken nur bei einigen. Die hellen Querbinden werden gegen den Schwanz hin vertikal, worin eine Annäherung an G. eryptocentrus liegt. Bei einem Exemplar ist die Schwanzflosse hell, ebenfalls wie bei G. cryptocentrus. Die perlweissen Punkte ordnen sich bei einigen, bald mehr bald we- niger auffallend, in der Richtung der hellen Querbinden an einander. Bei einem Exem- plar verschmelzen sie sogar zu weissblauen Querlinien. Der weisse Rand der Ocellen löst sich zuweilen in Punkte auf.
Ich erhielt 4 Exemplare bis zu 12cın. Länge.
Gattung: Gobiodon, Bıx. Gobiodon citrinus, Rp.
Auch hier muss ich mich Kıuxzınser anschliessen, und gegenüber Rüpperı und GUNTHER das Vorhandensein von Hundszäknen bestätigen; ja ich fand nicht nur 1—2, sondern auch 3 und selbst 5 Hundszähne jederseits hinter den Hechelzähnen, so dass eine vollständige hintere Reihe von ihnen gebildet wird. Die blauen Streifen sind, wie Kıunzinser zu er- wähnen unterlassen hat, schwarz gesäumt. Auch dieser Art fehlt nicht der schwarze Fleck am Kiemendeckelwinkel, der von Krunziseer nur für G. rıvulatus erwähnt ist.
Ich erhielt 3 Exemplare, %Y,cm. lang.
Gobiodon rivulatus, Rp.
Die weissen Querstreifen am Kopfe wechseln mit 4 rothen ab. Ich erhielt 2 Exemplare, 3,3cm. lang.
Gobiodon punctatus, nob.
D. 6 1/42, A. 4/10.
Hundszähne vorhanden. x
Färbung (im Spiritus) violettbraun mit blauweissen runden Flecken. Am Kopfe ver- tikale bläulich-weisse Streifen, die einen andern Verlauf haben, als bei G. citrinus: es fehlt der vom Scheitel über den Kiemendeckel verlaufende; zwei ziehen vom Auge abwärts, vier dahinter in gleichen Abständen, der letzte von ihnen (der höchste) über die Wurzel der Brustflosse. Alle sind wenig scharf begrenzt, und verschmälern sich nicht gegen das Ende. Die vertikalen Flossen sind dunkelbraun. Die Wurzel der Dorsal- und Analflosse hat ein breites, weisses, schwarz gerändertes Längsband. S. Taf. II, Fig. 7.
Ich erhielt 2 Exemplare, 2, und 3',cm. lang.
3%
20 R. Kossmann und H. Räuper.
Gattung: Eleotris, Cuv. Eleotris eyanostigma, ? Bı. Eleotriodes cyanostigma, Bıesk. Enum. Spec. p. 112. Eleotris cyanostigma, (GrTH.
Steht dem Eleotris prasinus Kı. sehr nahe, doch ist nicht der erste, sondern wie bei E. cyanostigma der dritte Strahl der Rückenflosse verlängert. Ueber die Färbung und Beschuppung lässt sich leider wegen des ungenügenden Erhaltungszustandes nichts Sicheres angeben.
Ich erhielt 2 Exemplare, etwa 2cm. lang.
Gattung: Gobiosoma, GirArD.
Diese Gattung scheint wieder aufgegeben werden zu müssen. Girarn hat sie aus- schliesslich auf die Nacktheit des Körpers begründet. Da aber nach Ruprzır und Krunzinger bei ein und derselben Art (G. diadematus) die Schuppen bald vorhanden sind, bald fehlen, ohne dass im letzteren Falle eine Spur von Schuppentaschen vorhanden ist, so liegt gewiss kein Grund vor, dies als generisches Charakteristicum anzusehen. Ich stelle also, wegen der getrennten Bauchflossen, den Gobius diadematus Rr. zu der Gattung Eleotris.
Eleotris diademata. Gobius diadematus, Re. Gobiosoma diadematum, Grn., Kı. ? Gobiosoma vulgare, Kr.
Bei meinem Exemplar ist der Körper nackt. Die wenig abschüssige Schnauze, der vorragende Unterkiefer und die Färbung kennzeichnen dieselben als E. diademata; da aber die Färbung bei E. vulgaris nach Krunziseer ähnlich ist, und Kopfform (1',mal so lang als breit) wie Höhe (6'/) unserer Exemplare mehr mit den Angaben für E. vulgaris stimmen, so erscheint es mir zweifelhaft, ob die beiden Arten gesondert bleiben müssen.
Ich erhielt 1 Exemplar.
Familie: Blennioidei, Mur. Gattung: Salarias, Cuv. Salarias fasciatus, Bı.
Einige Exemplare haben nur 148 und 19 Analstrahlen, von denen bald die ersten 3, bald der 2. und 3., bald gar keine verlängert sind.
Die Färbung ist sehr wechselnd. Ausser der Schwanz- und Brustflosse ist zuweilen der Nacken und der vordere Theil der Rückenflosse schwarz punktirt, zuweilen selbst die ganze vordere Hälfte des Rumpfes. Zuweilen finden sich weisse Flecke längs dem Bauche. Bei einigen alten Exemplaren ist die vordere Hälfte der Seitenlinie dunkelbraun gefärbt.
Nach Kıunziseer ist er in Koseir selten und wird nicht über 5cm. lang. Von Massaua habe ich 31 Exemplare, die zum Theil eine Länge von 9cm. erreichen.
Pisces. 24
Salarias niger, nob.
D. 29—30, A. (2 +) 19. Kopf 51%, Auge 4.
Eckzahn im Unterkiefer vorhanden. Kein gefranztes Nackenband. Ein einfacher Orbital- und Nasencirrhus vorhanden. Kein Nackenkamm. Die Stirn wölbt sich über den Oberkiefer vor. Die Rückenflosse weder unterbrochen, noch ausgerandet, ohne besondere Verlängerung einzelner Strahlen, mit der Schwanzflosse verbunden. Die Höhe des hinteren Theils der Rückenflosse übertrifft die Kopflänge. Die beiden ersten Analstrahlen sind kaum bemerkbar, von den übrigen ist keiner verlängert. Färbung violettschwarz, ohne besondere Auszeichnung. S. Taf. I, Fig. 8.
Ich erhielt 6 Exemplare, 6—7,5 cm. lang.
Gattung: Blennius, Ärr. Blennius cyelops, Re.
Ich fand zwei Formen von Blennius, die in den wesentlichen Eigenthümlichkeiten der Gestalt mit B. cyclops übereinstimmen, aber doch in einigen Eigenthümlichkeiten genügend differiren, um sie als Varietäten bezeichnen zu müssen.
a. Var. guttatus.
Der Ocellus zwischen dem ersten und zweiten Rückenstachel ist vorhanden; die dunklen Querbänder aber fehlen. Der ganze Körper trägt eine feine, nur mit der Lupe wahrnehmbare blaue Punktirung; dieselbe rückt aber stellenweise so dicht zusammen, dass für das blosse Auge sichtbare bläuliche Tropfen erscheinen. Vom Auge strahlen nach hinten Reihen kleinerer blauer Flecken aus.
Ich erhielt 7 Exemplare, circa Tem. lang.
b. Var. punctatus.
Unterscheidet sich von der typischen Form durch die nicht sehr abschüssige Schnauze, von der vorgenannten Varietät durch den mehr von der Vertikalen abweichenden hintern Deckelrand. In der Färbung ist diese Varietät sehr von der typischen Form verschieden; es fehlen nicht nur die Querbänder, sondern auch der Ocellus der Rückenflosse, sowie die Punktirung des Kopfes. Dagegen ist die hintere Rumpfhälfte fein schwarz punktirt.
Ich erhielt 1 Exemplar, 3" cm. lang.
Gattung: Petroscirtes, Rp. Petroseirtes Petersi, nob. D. 10/24, A. 25, V. 0/2, Höhe 6, Kopf 4! Schwanzflosse 7,3.
Auge 4, Stirn 4, Schnauze 1,
/2> -
Mund nicht bauchständig. Hauerzähne in beiden Kiefern. Kopfprofil convex. Rücken- und Afterflosse nicht mit der Schwanzflosse verbunden. Zähne in beiden Kiefern circa 30
29 R. Kosswans und H. Räuser.
ohne die Hauer, von denen der obere wenig kleiner, als der untere. Bauchflosse sehr kurz, von der Länge des Augendurchmessers. Die Rückenflosse beginnt über der Kiemen- öffnung und nimmt nach hinten ein wenig an Höhe zu. Schwanzflosse abgerundet. Die Kiemenöffnung ist ziemlich gross und reicht fast so tief hinab als die Wurzel der Brust- flossen. Nur ein sehr kurzer Nasencirrhus.
Färbung: bläulich weiss mit zerstreuten kleinen tiefblauen Punkten. Ein schwarzes Längsband zieht von der Schnauze durchs Auge ziemlich nahe der Dorsalis bis in die Schwanzflosse, in deren Mitte es als schmaler Streif endigt; vom 13. bis 17. Strahl der Afterflosse reicht ein quer-ovaler grellweisser Fleck; sonst sind die Flossen farblos.
Der Umstand, dass sich hinter dem letzten Strahl der Rücken- und Afterflosse eine nahe an die Schwanzflosse reichende Membran vorfindet, die Lage der Kiemenöffnung und die Form der Rückenflosse nähern dieses Thier dem Genus Enchelyurus Per. (Berliner Acad. Monatsber. 1868. S. 268). Andererseits ist in der Färbung eine grosse Aehnlich- keit mit Petroscirtes filamentosus Ü. V., Gr. und dem vielleicht damit identischen Aspi- dontus taeniatus Qvor Gam., sowie auch mit Petroscirtes (Blennechis) brevi- ceps €. V. vorhanden; von den erstgenannten unterscheidet er sich aber sehr deutlich durch die kurze Schnauze mit convexem Profil, von dem letztern, nicht sehr genau beschriebenen (Cuvier, Hist. nat. Poiss. XI, pag. 283) durch die Grösse der Kiemenöffnung, das Verhältniss zwischen Höhe und Länge, sowie durch die blauen Punkte. S. Taf. II, Fig. 9.
Ich erhielt 4 Exemplar von 5,5cm. Länge.
Familie: Teuthyes, Cvv. Gattung: Amphacanthus, Br., Scux. Amphacanthus sigan, Fk.
Die Grundfärbung spielt mehr ins Violette. Die gelben Längsstreifen finden sich nur bei grösseren Exemplaren, gehen bei diesen aber bis zur Seitenlinie hinauf. Ich erhielt 8 Exemplare von 10—20 cm.
Familie: Pseudochromides, Mevır., Troscn. Gattung: Pseudochromis, Rp. Pseudochromis olivaceus, Re.
Ich führe, weil Kıunzınger diese Art als selten angibt und sie nicht über 7cm. lang gefunden hat, an, dass ich in Massaua 65 Exemplare bis 8cm. lang erhalten habe.
Pseudochromis flavivertex, Re. Die Zahlen der Seitenlinie, die Krunzisser angibt, sind irrelevant; mein Exemplar hat auf beiden Seiten verschiedene Zahlen von Röhrchen (Strichen), die mit Kruxzıneer’s Angaben beide nicht übereinstimmen. Bauch olivenfarbig, am Rücken ist die Basis jeder Schuppe leuchtend
Pisces. 23
a
blau gefärbt. Auf den dorsalsten Schuppen ist dieser blaue Fleck kleiner und schärfer be- grenzt, so dass der Fisch dort blau punktirt erscheint. Die gelbe Rückenbinde ist vorhanden. Ich erhielt 1 Exemplar, 6cm. lang.
Subordo II: Acanthopteri pharyngognathi, Mvrr., Owen.
Familie: Pomacentroidei, Gru. Gattung: Dascylius, Cuv. Dascyllus aruanus, L.
Die Bauchflossen erreichen bei meinen Exemplaren nur eben die Afterflosse. Die mittlere schwarze Querbinde lässt meist den vordersten Theil der Dorsalis, selbst bis zum fünften Stachel frei; zuweilen freilich verschmilzt sie sogar mit der vorderen Binde am Rücken. Die vordere Binde steigt nicht zum Kinn herab, sondern lässt nur auf der Stirn einen kreisrunden weissen Fleck übrig. Während Kruxziısser keine Exemplare von mehr als 5'%cm. Länge beobachtete, habe ich mehrere von Scm.
Ich erhielt 24 Exemplare.
Daseyllus marginatus, Re.
Farbenübergänge zu D. trimaculatus kann ich unter Hunderten meiner Exemplare nicht finden. Die braungraue Färbung beruht auf einer sehr feinen Punktirung, deren Dich- tigkeit sehr wechselt, so dass ganz weissliche Exemplare vorkommen.
Die gelben und blauen Nüancen sind sehr variabel. Hellgelb, orange oder grüngelb findet man am constantesten hinten an der Dorsalis, oft auch an der Schwanzwurzel, am ganzen Rücken, an Kopf und Bauch. Blau am Rücken und Bauch der Schwanzwurzel. Blaue Flecken namentlich am Rücken. Die dunkeln Punkte gruppiren sich zuweilen so um diese Flecken, dass geränderte Öcellen entstehen. Constant ist der schwarze Rand der Dorsalis und Analis, sowie ein schwarzer Fleck auf der Wurzel der Pectoralis.
Ich erhielt mehrere hundert Exemplare.
Gattung: Pomacentrus, (Lac.) C. V. Pomacentrus trilineatus, (Enke.) C. V. P. punctatus Q. G.
Ich glaube annehmen zu müssen, dass P. trilineatus, C. V., und P. punctatus, Q. G., Synonyma sind. Allerdings geben Quoy und Gammarn als Zahl der Dorsalstacheln 12 an, während P.trilineatus 13 hat; aber die sonstigen Uebereinstimmungen lassen mich vermuthen, dass ihre Angabe auf einem Irrthum beruht. So hat denm auch Rurrzeır einen Pomacentrus mit 13 Stacheln als P. punctatus bestimmt; ihm folgend gibt Kruxziısser, der ihn nicht selbst gefunden hat, die Zahl 13 an. Dieser letztere Gelehrte glaubt einen im Berliner Museum als
P. trilineatus bestimmten Fisch als P. punctatus bezeichnen zu müssen, offenbar wegen des
2% R. Kossmann und H. Räuser.
Eu
hohen Präorbitalbeines. Ich habe unter meinen zahlreichen Exemplaren alle Uebergänge von niederem Präorbitale (2% mal im Auge) zu hohem Präorbitale (1y;mal im Auge). Was die Färbung anbetrifft, so sind in dieser Hinsicht die Beschreibungen von P. trilineatus und P. punctatus gleich; nur sollen bei P. punctatus nicht feine blaue Linien, sondern un- regelmässige Flecken auf dem Kopfrücken vorhanden sein. Dies ist ein Altersunterschied: die blauen Linien schwinden mit dem Alter. — Eine Unregelmässigkeit in der Zahl der Dorsalstacheln konnte ich bei meinen Exemplaren nicht finden. Ich fand sehr zahlreiche Exemplare, bis 11cm. lang.
Pomacentrus (Pristotis, Rp.) eyanostigma, Rp.
Vielleicht ist diese Art identisch mit P. pavo.
Die Verlängerung der oberen Hälfte der Schwanzflosse fand ich unter 61 Exemplaren nur einmal. Der obere der beiden Dornen am Kiemendeckel ist zweispitzig. Der Kiemen- deckel ist weiss gefleckt.
Ich erhielt 61 Exemplare, bis 6cm. lang.
Gattung: Glyphidodon (Lac.), Cuv. Glyphidodon saxatilis, L.
Die uns vorliegenden 4 Exemplare entsprechen der Farbenvarietät G. coelestinus, C. V., und G. rahti, €. V., doch ist die ganze Schwanzflosse violettschwarz, nicht bloss ihre Aussenränder. Von G. bengalensis Br. unterscheiden sie sich (nach Güntuer) da- durch, dass nur 5, nicht 7 Querbinden da sind.
Ich erhielt 4 Exemplare von 15cm. Länge.
Glyphidodon melas, C. V.
Nichts zu bemerken. — Ich erhielt ein schönes Exemplar von 16cm. Länge.
Gattung: Heliastes, Grn. (Heliases, C. V.). Heliastes lepidurus, C. V. Glyphysodon bandanensis Bı., Heliases frenatus und caeruleus, Br.
D. 12/10, A. 2/10, L. lat. 27, L. transv. 1/8—2/8.
Diese bisher nur aus Neuguinea und dem ostindischen Archipel bekannte Art ist ın Massaua gemein. Ich erhielt circa 50 Exemplare, bis 6',cm. lang.
Die Beschreibung in Guxtner’s Catalog trifft für unsere Exemplare mit Ausnahme folgender Punkte zu: es stehen im Unterkiefer die Zähne in mehren Reihen, es ist selten eine olivengrüne, weit häufiger eine perlmutterartige Grundfärbung vorhanden, und die blaue Binde auf dem Präorbitale fehlt häufig und ist selten sehr deutlich.
Pisces. 25
Familie: Labroidei (Cvv. pt.) Gruppe: Pseudolabriformes, Bı. pt. Gattung: Julis (Cvv.), Gru. Julis lunaris, L. Die Maasse meiner Exemplare weichen etwas von den von Kıunzınser angegebenen ab. Ich finde: Höhe 3%, Kopf 1—k'. Ich erhielt %£ Exemplare, bis 22cm. lang.
Gattung: Coris (Lac.), Grm. Coris (Hemicoris Br.) variegata, Rr.
Die Zeichnung des Kopfes und der Flossen entspricht aufs Genaueste der BLEEKER- schen Abbildung, die des Rumpfes dagegen ist wie bei den Rurrrır'schen Exemplaren; er trägt unregelmässig verbreitete schwarze Punkte und 6 schmale, schneeweisse, vom Rücken herablaufende Vertikallinien.
Ich erhielt 2 Exemplare von 15 und 16cm. Länge.
Gattung: Platyglossus, Gr. Platyglossus (Güntheria, Bı.) Pagenstecheri, nob. D. 9/14, A. 3/11, L. lat. 27, Höhe 41%.
Die Zahl der Dorsalstacheln, die Form der Schuppen am Thorax, die Continuität der Seitenlinie und das Vorhandensein eines hinteren Hundszahnes zwingen, die uns vor- liegenden Exemplare entweder der Gattung Platyglossus oder der Gattung Leptojulis ein- zureihen. Zwischen beiden stellt diese neue Art eine interessante Verbindung her. Die stark rückwärts gebogenen äussern Hundszähne des Oberkiefers verführen sehr, die Art als Lep- tojulis zu bestimmen, doch ist es keinenfalls eine bereits beschriebene Leptojulis. Die, we- nigstens spurweise, vorhandene Schuppenscheide verbietet auch nach Bıeeker unseren Fisch zu Leptojulis zu rechnen, und es bleibt sonach nur die Gattung Platyglossus übrig.
In dieser Gattung schlösse er sich wegen des Fehlens der Schuppen hinter dem Auge und ihres Vorhandenseins am Kiemendeckel nahe an P. scapularis. Bei diesem fehlen jedoch die hakigen Hundszähne im Oberkiefer, und die Färbung ist ganz unähnlich. Unsere Exemplare, obwohl sonst stark verfärbt, zeigen deutlich eine von der Schnauzenspitze durch das Auge bis zur Schwanzflosse verlaufende blaue Längsbinde, sowie einen medianen schwarzen Längsstrich von der Stirn bis zum Beginn der Rückentlosse. S. Taf. I, Fig. 5.
Ich erhielt 2 Exemplare, 8cm. lang.
Gattung: Hemigymnus, Grn. Hemigymnus sexfasciatus, Rr. Hemigymnus sexfasciatus, Gru., Pır.-Grn. Haiichoeres sexfasciatus, Be. Tautoga sexfasciata, G. V.
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. I. 4
26 R. Kossmann und H. Räußer.
Es ist kein Grund, diese Art mit Tautoga fasciata, €. V. zu identificiren. Cuvier und Varencienses sowohl, als Gunter hatten Exemplare beider Arten vor sich und unter- scheiden dieselben deutlich nicht nur nach der Farbe, sondern auch nach der Beschuppung der Wange. Mein Exemplar, 19cm. lang, stimmt aufs Genaueste mit ihren Angaben für sexfasciatus.
Ich fand, wie Güntner, L. transv. #12, nicht wie Krunzinser 31/12.
Gruppe: Labrichthyformes, Bıx. Gattung: Labroides, Bır. Labroides quadrilineatus, Re. | Die Formel der Rückenflosse bei Kruxzinser ist richtig, die bei Cuvier und VALENCIENNES falsch. Der Rücken ist an den Dorsalstacheln gelblich. Ich erhielt 4 Exemplare, bis 6',cm. lang.
Gruppe: Cossyphiformes, Bıx. Gattung: Cossyphus, (C. V.) Gru. Cossyphus opereularis, Per. Pteragogus opereularis (Per.), Gru. |nec Guichen. | ? Pteragogus laeniops (Per.), GTu.
Prrers selbst hat seine Gattung Pteragogus, die nur auf die Verlängerung eines weichen Strahls der Brustflosse gegründet war, wieder aufgegeben, während Güntner sie auf- recht erhalten hat. Neben dem erwähnten Charakter, der in dieser Familie, wie Prrers selbst bemerkt, höchst unbeständig ist!), könnte man noch die Grösse der Schuppen (bei Pteragogus L. lat. 25, bei Cossyphus L. lat. 30—39) als Gattungscharakter anführen. Doch liegt es wohl auf der Hand, dass Letzterer ebensowenig erheblich ist, als Ersterer. Wenn Guxtser noch in der Synopsis der Genera der Labriden die Zahl der Dorsalstacheln für die Unterscheidung verwendet, so braucht dagegen nur bemerkt zu werden, dass P. taeniops 10, P. opercularis 11, C. gouldii 11, die meisten Cossyphus 12 und C. tredecimspinosus 13 hat.
Vielleicht kann diese Verschiedenheit der Dorsalformel nicht einmal als Artunterschied gültig bleiben. Es ist mir wenigstens auffällig, dass mein Exemplar, obwohl es der Dorsal- formel nach €. opercularis ist, der Ocellen ermangelt, wie €. taeniops, und auch senk- rechte dunkele Fleckenbinden besitzt.
Ein hinterer Hundszahn ist nicht vorhanden.
Ich erhielt 1 Exemplar von $cm. Länge.
Gruppe: Chiliniformes, Bıx. Gattung: Chilinus, (Lac.) Cuv. Chilinus trilobatus, Lac. Statt der rothen Punkte am vorderen Rumpf zuweilen auch vertikale Linien. Unter
1) S. auch die folgende Art.
Pisces. 27
48 Exemplaren waren nur bei einem von 26cm. die obersten Strahlen der Gaudalis ver- längert; sonst der Schwanz überall abgerundet. Ich erhielt 18 Exemplare, bis 26cm. lang.
Chilinus mentalis, Re.
Trotz der Abweichungen und ohne dass Ruppeır's Diagnose falsch ist, sind wohl meine Exemplare identisch mit Chilinus mentalis, Rr. Ich fand L. lat. 12, im Unterkiefer sind keine kleineren Mittelzähne vorhanden, die Schwanzflosse ist grünlich ohne Ocellen, das Kinn steht stark vor, und es finden sich längs der Körpermitte zwei dunkle Längsstreifen. Der dunkle Seitenfleck fehlt an dem Spiritusexemplare. Zu bemerken wäre noch die Thatsache, dass die Seitenlinie eine sehr unregelmässige Ausdehnung hat. Während bei einigen Exem- plaren der obere Theil derselben unter dem Ende der Dorsalflosse aufhört und der zweite Theil etwa 4 vertikale Schuppenreihen früher anfängt, liegen bei anderen der Endpunkt der oberen und der Anfangspunkt der unteren Seitenlinie viel näher an einander, so dass oft nur zwei Schuppen in einer Vertikalreihe die Linien zeigen.
Ich erhielt 11 Exemplare, etwa 16cm. lang.
Gruppe: Scariniformes, Grn. Gattung: Pseudoscarus, Bık. Pseudoscarus ghobban, Fk. Ein Exemplar hat 5/6 Schuppen auf der Wange. Ich erhielt 2 Exemplare, 22 und 25cm. lang.
Pseudoscarus augustinus, nob. D. 9/10, A. 3/9, P. 1/43. C. 43, L. lat. 25, Höhe 3%,, Kopf 4, Auge 5, Stirn 2:1.
Von allen bis jetzt aus dem rothen Meer bekannten Pseudoscari dadurch unter- schieden, dass er grüne von der Oberlippe fast vollständig bedeckte Kiefern hat.
Zwei Reihen von je 6 Schuppen auf der Wange, zwei Schuppen auf dem Randtheil des Vordeckels. Kein Eckzahn. Schwanzflosse gerade abgeschnitten. Die Dorsalstacheln werden nach hinten zu etwas niederer. Oberlippe nur vorn einfach. Seitenlinie unvoll- ständig unterbrochen, Röhrchen mit kleinen unregelmässigen Seitenästchen.
Ich erhielt 1 Exemplar, 23cm. lang.
Pseudoscarus ismailus, nob. D. 9/40, A. 3/9, P. 4/42, C. 43, L. lat. 24, Höhe 3%, Kopf 4%, Auge 5, Stirn 2:1. Auch dieser Pseudoscarus besitzt grüne, von der Öberlippe fast ganz bedeckte Kiefern, der Eckzahn fehlt ihm, die Oberlippe ist seitlich doppelt. Die Wangen tragen zwei Reihen von je 4 Schuppen. Davor eine ganz kleine ein- zelne Schuppe. Rand des Vordeckels nackt. Schwanzflosse oben und unten verlängert, 4*
28 R. Kossnann und H. Räuser.
Seitenlinie unterbrochen, die Röhrchen haben ganz geringe Ausstülpungen, der 10. Strahl der Dorsalis gegliedert, aber ungetheilt.
Die Farben kann ich nicht mehr sicher angeben. Die Zeichnung aber ıst ganz charakteristisch.
Die Unterlippe hell gerändert. Vom Auge strahlen gyröse Binden aus: 1 über die Schnauze, I über das Kinn unterhalb der erwähnten Randbinde, mit einer Abzweigung, die den Rand der Öberlippe bildet, 2 nach hinten, wie es scheint bald hinter dem Auge en- dend. Die Dorsalis ist dunkel gerändert und zwischen allen Stacheln und Strahlen liegt je ein dunkler grosser runder Fleck. Analis dunkel, mit breitem hellem Rande. Die Caudalıs trägt fünf unregelmässige dunkle Tropfen und nahe dem Rande eine dunkle vertikale Linie.
Ich erhielt 1 Exemplar, 26cm. lang.
Ordo II: Anacanthini, Meıı.
Familie: Pleuronectoidei, Cvv. Gattung: Rhomboidichthys, Bık. Rhomboidichthys pantherinus, ? Re. ? Rhomboidichthys pantherinus, Gru., Kı.. |nec Platophrys pantherinus, Bux.|
D. 82, A. 61.
Wir sind nicht sicher, ob unser Exemplar mit R. pantherinus Rr. identisch ist. Die Brustflossen sind bei unserem weit kürzer, und die Bauchflossen haben nicht 5, sondern 6 Strahlen. Güntner’s R. pantherinus stimmt mit unserem Exemplar nicht in den Zahlen der Rücken- und Afterstrahlen. Platophrys pantherinus, Bık. unterscheidet sich von unserm Fisch durch das quadrantische Kopfprofil.
Ich erhielt 1 Exemplar von 17cm. Länge.
Gattung: Pardachirus, Grmn. Pardachirus marmoratus, Lac.
%
Bei einem jungen Exemplar finden sich drei Ocelli auf der Seitenlinie; bei den alten fehlen dieselben. Ich erhielt 3 Exemplare, 12—21 cm. lang.
Familie: Ophidoidei, Mur. Gattung: Haliophis, Ar. Haliophis guttatus, Fk. Die Flecken fehlen bei einigen Exemplaren. Die Zahl der Flossenstrahlen ist nicht ganz constant. Ich erhielt 5 Exemplare, wovon vier 8—9'/,cm. lang.
Pisces. 29
Ordo III: Physostomi, Mexı. Subordo I: Physostomi pharyngognathi.
Familie: Scomberesocoidei, Mvrr. Gattung: Belone, (vv. Belone choram, Fk. Die letzten Dorsalstrahlen reichen nicht, wie Guntuer angibt, fast bis zur Schwanz- flosse. Bei einem Exemplar reicht der Oberkiefer über den Unterkiefer hinaus. Ich erhielt 3 Exemplare bis 52cm. lang.
Subordo II: Physostomi veri, Kı.
Familie: Scopeloidei, (Mvrr. pt.) Grn. Gattung: Saurida, C. \. Saurida tumbil, Br.
Bei meinem Exemplare L. lat. 5% (nicht 60 Kr.). Der Körper ist bräunlich gefleckt.
Subordo III: Physostomi apodes, Mvrı. Familie: Muraenoidei, Mvr1ı. Unterfamilie: Enngyschistae, Gra. Gruppe: Muraenini, Gru. Gattung: Muraena, (Arr.) Cuv. Muraena cinerascens, Rp. ? M. undulata, Lac., Gran. ? M. cancellata, Rıcn. ? M. flavimarginata, Re., Grn. ? M. colubrina, Lac. ? M. retieulata, Re. ? M. Rüppelli, Gru. ? M. umbrofasciata, Re.
Von den cursiv gesetzten Arten nur durch die Färbung und sehr geringfügige Form- unterschiede getrennt. Die Rückenflosse beginnt vor der Kiemenöffnung und die Lippen sind fein gewimpert.
Farbe gleichmässig braunviolett mit schwarzen Linien in der Kehlgegend.
Obwohl beide Exemplare gleich gross sind, hat das eine zwei Reihen Zähne im Vomer, das andere eine. Nach Kruxzıseer soll ersteres sich bei sehr Alten, nach BLEERER bei Jungen finden.
Ich erhielt 2 Exemplare, von 52cm. Länge
30 R. Kossuann und H. Räuper.
Ordo IV: Plectognathi, Cuv. Familie: Balisteoidei (Kxer), Kı. Gruppe: Balistini, Grn. Gattung: Balistes, (Arr.) Cuv. (Untergattung: Balistapus, Bıx.) Balistes niger, Munso Park. Die Präocularfurche setzt sich hinter dem Auge fort. Der dunkle halbkreisförmige Streifen vor der Brustflosse ist deutlich. Ich erhielt 1 Exemplar, 16cm. lang.
Gattung: Monacanthus, Cvv. Monacanthus melanocephalus, Bık. D.°29, Ar 27. Eine Varietät, die keinenfalls zur Aufstellung einer neuen Art berechtigt. Die sämmtlichen Flossen sind mit schwarzen Linien, vertikal zur Richtung der Strahlen, gezeichnet. Ich erhielt 3 Exemplare, 11cm. lang.
Monacanthus eirrosus, nob. D. 26, A. 26.
Dorsalstacheln mit 2 Reihen rückwärts und abwärts gekrümmter Dornen, Ventral- stachel beweglich, frei.
Die Schuppen kaum zu unterscheiden, die Haut ist chagrinartig, trägt aber sehr zer- streute, einfache, lange (gleich dem Augendurchmesser) Filamente. Die Farbe ist hell- braun mit unbestimmten schwärzlichen Flecken. S. Taf. II, Fig. 10.
Nähert sich übrigens sehr dem Monacanthus nematophorus, Grn., siehe dessen Beschreibung.
Ich erhielt 1 Exemplar, 5cm. lang.
Familie: Gymnodontes, Cvv. Gruppe: Tetrodontini, Grn. ; Gattung: Tetrodon, L. (Untergattung: Arothron, Mvır.) Tetrodon hispidus, L.
Schon der Färbung wegen kann kein Zweifel sein, dass wir es mit T. hispidus zu thun haben. Aber die Länge der Stacheln ist bei den 4 Exemplaren sehr verschieden, die Länge der Nasententakel keineswegs erheblich, der Schwanz bei allen, die Wangen bei dreien ganz nackt. Vorderbauch schwarz und weiss längsgestreift, die Querbinden aber angedeutet, indem in jeder schwarzen Längslinie hellere und dunklere Stellen abwechseln.
Ich erhielt 4 Exemplare bis 33cm. lang.
Pisces. 31
Subelassis II: Chondropterygü, Gr. Ordo I: Plagiostomi. Subordo I: Pleurotremi, Dun. Familie: Carcharioidei, Gran. Gruppe: Carchariini, Gru. Gattung: Carcharias, (uv.
(Untergattung: Scoliodon, M. H.) Carcharias acutus, Rp.
Nichts zu bemerken; ich erhielt 1 Exemplar, #0 cm. lang.
(Untergattung: Aprionodon, M. H.) Carcharias Munzingeri, nob.
Steht in Körperform, sowie in Gestalt und Grössenverhältniss dem Aprion brevi- pinna M. H. sehr nahe und unterscheidet sich von dem bisher allein aus dem rothen Meer bekannten Aprionodon, A. acutidens, Rp., schon auf den ersten Blick durch verschiedene Grösse der beiden Rückenflossen. Die Weite der Kiemenspalten ist lange nicht so erheblich, als Güxtser für C. brevipinna angibt.
Das Charakteristicum der Art liegt jedoch darin, dass nicht nur die Mittelzähne, die auch hier viel kleiner sind, sondern auch alle übrigen, bis in die äussersten Mundwinkel, in beiden Kiefern alternirend in mehreren Reihen stehen. Sie sind im Quincunx angeordnet, und man kann je drei genau hintereinanderstehende Zähne unterscheiden, deren hinterste mit der Spitze stark rückwärts gerichtet sind.
Ich erhielt 1 Exemplar.
Gruppe: Mustelini, Gru. Gattung: Mustelus, Üwv. Mustelus vulgaris, M. H. ? M. laevis M. H.
Die Zähne sprechen dafür, dass wir es mit M. vulgaris zu thun haben. Die Rücken- flosse beginnt auch, wie dort, vor dem hintern Unterwinkel der Brustflossen, die hintere Spitze der Dorsalis aber liegt senkrecht über dem Beginn der Bauchflossen, wie bei M. laevis.
Ich erhielt 2 Exemplare, circa #1 cm. lang.
Familie: Rhinoidei. Gattung: Rhina, Bı. Scun. Rhina squatina, L.
Diese aus den gemässigten und tropischen Meeren fast der ganzen Welt bekannte Gattung war bisher im rothen Meer nicht gefunden.
Ich erhielt em ganz junges Exemplar.
32 R. Kossmann und H. Räuper.
Subordo IH: Hypotremi, Dun.
Familie: Squatinorajoidei, M. H. Gruppe: Pristini, Kı. Gattung: Pristis, Larn. Pristis pectinatus, Larn. Pristis zysron, Bık.
Ich glaube, dass beide oben genannten Arten identisch sind. Der einzige Unter- schied soll in der Stellung der’ersten Dorsalis liegen. Bei P. pectinatus soll dieselbe näm- lich über dem Anfang, bei P. zysron über der Mitte der Bauchflossen anfangen. Bei dem vor- liegenden Exemplar von 68cm. Länge beginnt sie dicht hinter dem Anfang der Bauchflossen.
Gruppe: Rhinobatini (Grw.), Kı. Gattung: Rhinobatus, Br. Scan. Rhinobatus halavi, Rp.
Güustner hält R.cemiculus für identisch mit R. undulatus, Krunziseer mit R. halavı. Wahrscheinlich haben Beide Recht, und auch P. undulatus und P. halavi sind identisch.
Die mir vorliegenden drei grossen Exemplare (2 Männchen und 1 Weibchen) ent- sprechen in allem Wesentlichen der Kruxzisser'schen Beschreibung von R. halavı. Nur haben die beiden Männchen eine Vertiefung im Schnauzenkiel, die bei dem einen sogar eine sehr deutliche, in der ganzen Länge verlaufende Rinne und eine Stirngrube bildet, beim Weibchen aber gänzlich fehlt.
Vergleicht man meine Exemplare mit den Beschreibungen von MürLer und HExıE, so wird erstens die eben als unwesentlich dargethane Eigenthümlichkeit darin betont, zweitens aber das Vorhandensein des zweiten Wulstes am hinteren Rande des Spritzloches als charakteristisch für R. undulatus angegeben. Hiernach müssen meine Exemplare wieder als R. undulatus bezeichnet werden, denn beim Weibchen sind beide Wülste scharf, bei den Männchen min- destens deutlich erkennbar. In jeder anderen Hinsicht aber stimmt die Beschreibung von R. halavi, und die Zahl der Nasenschleimhautfalten übertrifft sogar die für R. halavı ange- gebene, und ist fast doppelt so gross, als für R. undulatus angegeben. Für die Form der Nasenlöcher des R. halavı ist bei Mvrrer und Hexıe angegeben, dass dieselbe mit der von R. granulatus übereinstimmen. Bei den vorliegenden Exemplaren ist sie der Zeichnung für R. granulatus durchaus unähnlich, derjenigen für R. undulatus höchst ähnlich, nur der innere, rundliche Lappen der vorderen Klappe ist noch stärker entwickelt.
Endlich gibt Guntuer an für R. halavi: »Anterior nasal valve not dilated laterally «, für R. undulatus: »Anterior nasal valve dilated into a very narrow lateral fold, scarcely extending beyond the nasal margin.« Hienach müssen die vorliegenden Exemplare ent- schieden R. undulatus sein.
Die Farbe ist eintönig bräunlich, ohne Binden.
Ich erhielt 3 grosse und 8 kleine Exemplare.
Familie: Trygonoidei. Gattung: Taeniura, MW. H. Taeniura Iymma, Fk. Die Scheibe ist vorn runder als auf Rürreır's Figur, und der Schwanz nicht so lang. Unser kleines Exemplar besitzt nur einen Schwanzstachel, was kein Artcharakteristicum zu
sein scheint.
Fassen wir schliesslich die Ergebnisse dieser Bearbeitung meiner Fischsammlung kurz zusammen, so stellen sich dieselben folgendermassen heraus:
Im Ganzen gefunden wurden 80 Species, wobei jedoch Holacanthus striatus, coerulescens und asfur als drei getrennte Arten gerechnet sind. Unter diesen sind 36 Species, welche von Kıuxzınser, nach den Angaben in seiner Synopsis, während mehrjährigen Aufenthaltes im nördlichen Theile des rothen Meeres nicht gefunden worden sind.
Unter diesen 36 Species, die, wie es scheint, ausschliesslich dem südlichen Theile des rothen Meeres angehören, sind
Neue Species 13 Neu für das rothe Meer 6. Die anderen 17 sind bereits von anderen Forschern gefunden, unter ihnen sind 3
Species in Massaua gemein. Ich erhielt von k Dascyllus marginatus mehrere hundert Exemplare. Pristotis cyanostigma 61 » CGhilinus mentalis u 2
Auch unter den von mir zuerst im rothen Meere gefundenen Arten ist eine, Heliastes lepidurus, gemein. Ich erhielt circa 50 Exemplare. Nimmt man dazu, dass ich von Pseudochromis olivaceus 65 Exemplare, Salarıas fasciatus 31 " erhielt, obwohl Kıuxziseer diese Arten im nördlichen Theil des Meeres selten gefunden hat, so spricht sich in allem diesem doch schon eine recht merkliche Verschiedenheit der Fisch- fauna zwischen dem südlichen und nördlichen Theil des Meeres aus. Die neuen Arten gehören folgenden Gattungen an: Serranus (Pseudoserranus), Diagramma, Chaetodon, Tetraroge, Pempheris, Gobiodon, Salarıas.
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. I]. >
kannt.
R. Kossmann und H. Räuser.
Petroscirtes, Platyglossus (Güntheria), Pseudoscarus (2 Arten), Monacanthus, Carcharias (Aprionodon),
Nur eine dieser Gattungen (Tetraroge) war aus dem rothen Meer noch nicht be- Dazu kommen #4 neue Varietäten der Gattungen Serranus, Lethrinus und
Blennius (2).
Die bis dahin im rothen Meer nicht gefundenen Arten sind: Diagramma griseum, C. V. Verbreitung: Isle de France und Malabar. Eleotris eyanostigma, Bı. Verbreitung: Östindischer Archipel. Heliastes lepidurus, C. V. Verbreitung: Neu-Guinea und ostindischer Archipel. Cossyphus (Pteragogus) opercularis, Prr. Verbreitung: Mossambique. Monacanthus melanocephalus, Br. Verbreitung: Ostindischer Archipel. Rhina squatina, L. Verbreitung: Alle gemässigten und tropischen Meere.
Die Identität bis dahin unterschiedener Arten habe ich festzustellen gesucht ın
Bezug auf:
Serranus sumana, Fk., und micronotatus, Rp. (9). Pomacentrus trilineatus, C. V., und punctatus, Q. G. Eleotris (Gobiosoma) diadematum, Rr., und vulgare, Kı.;
ausserdem glaube ich die Nothwendigkeit einer Neubearbeitung der Gattungen Diagramma
und Pempheris dargethan zu haben und befürwortete die Auflösung der Gattung Gobio-
soma mit Vertheilung der Arten unter Gobius und Eleotris, sowie die Vereinigung von
Platyglossus mit Leptojulis. Gegen Güntner’s Verfahren schien mir mit Perrers die
Aufgabe der Gattung Pteragogus gerathen.
INHALT.
Serranus celebicus
” miniatus (hemistictus) s, salmonoides : er sumana CS micronotatus
Pseudoserranus bicolor Diacope argentimaculata en fulviflamma . Apogonichthys auritus Apogon annularis Ber: ER heptastigma (enneastigma) Diagramma griseum
a0 ornatum . Scolopsis ghanam ah bimaculatus Lethrinus variegatus . er ramak Pe mahsena . nebulosus . FL 5 er var. chumchum „» „» „„ ochrolineatus .
Chrysophrys bifasciata Gerres oyena Chaetodon larvatus
n5 Klunzingeri
Holacanthus striatus . sen: “5 FR var. semicirculatus on coerulescens n asfur
Scorpaena aurita . Sebastes rubropunctatus Tetraroge gallus Mugil waigiensis ,„,„ eunnesius Echeneis naucrates Pempheris rhomboidea Gobius echinocephalus u: „, ecoeruleopunctatus (eryptocentrus’?) Gobiodon citrinus er rivulatus
Gobiodon punctatus . Eleotris ceyanostigma
I) Salarias fasciatus .
niger . ne Blennius cyclops var. guitatus » » „,». punctatus .
Petroscirtes Petersi Ampbacanthus sigan Pseudochromis olivaceus kr flavivertex Dascyllus aruanus 2 marginatus a: Pomacentrus trilineatus (punctatus) er eyanostigma Glyphidodon saxatilis Br. melas Heliastes lepidurus Julis Junaris En ee: Coris (Hemicoris) variegtta . . - Platyglossus (Güntheria) Pagenstecheri Hemigymnus sexfasciatus Labroides quadrilineatus Cossyphus opercularis Chilinus trilobatus nn mentalis Pseudoscarus ghobban 5 augustinus A ismailius . Rhomboidichthys pantherinus Pardachirus marmorätus Haliophis guttatus Belone choram Saurida tumbil Muraena cinerascens . Balistesenicene ra. Monacanthus melanocephalus 53 eirrosus Tetrodon hispidus Carcharias acutus ee Munzingeri Mustelus vulgaris (laevis ?) Rhina squatina : Pristis pectinatus (zysron ?) Rhinobatus halavi Taeniura Iymma
(Gobiosoma) diadematum (vulgare)
INHALT.
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ID
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DB» 8 DB m m ww ww
Sr
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30
32
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. |,
m
nn
ERKLÄRUNG VON TAFELI
Pseudoserranus bicolor nob.
Kopfprofil von Diagramma griseum C. V. En Er En ornatum nob.
Pempheris rhomboidea nob.
Platyglossus Pagenstecheri nob.
So] sagsq I ADUdEy Arsuy net 2 "pp ma, N -- — = a —— - :
'I TDRL’SSISIg Bgneyrn wmussoy "I Dog waygorpu stay Anne ussoyf
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% I. 1 . J 1 s. r. Y u yr U E27 = 7 5 Y - P] = G ; ‘ @ a « . “ 8 IR 1 u 5 R . 5 Hr 5 i {0 u
Fig. 6. Bieıd. Fig. 8. Fig. 9. Fig. 10. Fig. 11.
ERKLÄRUNG VON TAFELI.
Tetraroge gallus nob. Gobiodon punctatus nob. Salarias niger nob. Petroscirtes Petersi nob. Monacanthus cirrosus nob.
Chaetodon Klunzingeri nob.
Kossmann, heise n.d.rothen Aleer. I. hossmann u. Räuber, Pisces, Taf: 11.
FVeith del Verlag von Wilh. Engelmann,
MOLLUSUA.
BEARBEITET VON
H. ALEXANDER PAGENSTECHER,
0. 0. PROFESSOR AN DER UNIVERSITAT HEIDELBERG.
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. II.
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DORT 2.
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Von der Reise, welche Herr Dr. Kosswans im Winter 1874 auf 1875 im Auftrage der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin an das rothe Meer machte, brachte derselbe unter Anderem etwa 2500 Stück Mollusken mit und übergab dieselben im Herbste des Jahres 1876 dem Zoologischen Museum der Universität Heidelberg unter der Bedingung, dass sie von dem Direktor bearbeitet würden. Indem ich dieser übernommenen Pflicht hiermit nachkomme, verfehle ich nicht dem Danke Ausdruck zu geben, welchen das mir unterstellte Institut für diese Freigebigkeit Herrn Dr. Kossmann schuldet.
Nach Mittheilung des Herrn Kossmann stammt möglicher Weise ein nicht bedeutender Theil gedachter Mollusken von Tor, wo Herr Kossvass im November 187% verweilte, die Hauptmenge von Massaua und den Dhalakinseln, an welchen Plätzen er den Januar und Februar 1875 zubrachte. In Massaua waren es hauptsächlich die Kinder, welche in seichtem Wasser, besonders bei der hier etwa vier Fuss betragenden Ebbe, sammelten. Auf den Dhalakinseln beschäftigte Herr Kossmann dagegen Taucher, welche die grösseren Stücke direct vom Grunde aufholten, kleinere von den Korallenbärken ablösten. Im Ganzen möchten, meint Herr Kossmans, die so gelieferten beiden Contingente gleich gross sein. Da die Dha- lakinseln nur Riffe haben, sei die Vertretung der Muscheln hier eine beschränktere, nördlich Massaua mannigfaltiger. Die byssiferen Muscheln dürften hauptsächlich von den Riffen herrühren. Man muss sich begnügen, im Ganzen Massaua und seine Nachbarschaft als den Wohnort der gesammelten Mollusken anzusehen, nachdem die Sammlungen nach den Loka- litäten getrennt zu halten Herrn Kossmasn nicht möglich war.
In den grössten Zahlen sind vertreten von den Schnecken Litorina intermedia mit 660, Litorina subnodosa mit 25, Planaxis griseus mit 250, Nerita undata mit 250, Nerita polita mit 220, Nerita quadricolor mit 103, Nerita Rumphii mit 23, Strombus fasciatus mit 105, Chiton spiniger mit 80, Ricinula hippoca- stanum mit 44, Ricinula aspera mit 25, Pyrula paradisacea mit 30, Cypraealynx mit 27, Cypraea melanostoma mit 22, Cypraea turdus mit 17, Oliva inflata mit 2&, Patella rota mit 23, Rostellaria magna mit 16, Monodonta dama mit 15, Conus arenatus und vielleicht omaria sowie Gerithium coeruleum mit je 11 Exem- plaren; von den Muscheln Cytherea lentiginosa mit 85, Barbatia decussata mit 51, Mesodesma glabrata mit #1, Meleagrina occa mit 25, Chama Gorbierei mit 23, Östrea plicatula mit etwa 30, Malleus regula mit 18, Spondylus aculeatus mit
1*
k H. ArexanDEer PAGENSTECHER.
14, Asaphis violascens mit 12, Mytilus variabilis mit 11, Plicatula ramosa und Pecten lividus mit je etwa 10 Exemplaren. Die Gesammtzahl der Arten beläuft sich, wie aus dem Folgenden ersichtlich, auf 126. Die Muscheln bilden davon mit 36 weniger als ein Drittel und geben nur etwa ein Siebentel der Individuen. Von Oktopoden sind nur zwei winzige Individuen, von Brachiopoden, Pteropoden und Heteropoden ist gar nichts, von opisthobranchischen Schnecken nur die bescheidene Zahl von neun Stück vorhanden. Allerdings wird es sich ergeben, dass die Zahl der Arten zum Theil dadurch gering ist, dass Mehreres, welches Andere getrennt haben oder voraussichtlich trennen würden, zu- sammengehalten wurde. Unser Material hat uns mehr bewogen, zusammenzufassen als zu trennen. Einen besonderen Werth hat die Sammlung des Herrn Kossmann dadurch, dass die grosse Mehrzahl der Stücke mit dem Thiere in Alkohol gelegt wurde. Die Conservation ist eine so gute gewesen, dass nur an solchen Thieren, welche, wie gewisse Trochiden, den Eingang der Schale mit einem besonders Nleischigen Fusse und Rumpfe füllen, die Spitze des Eingeweideknäuels verfault war. Im Uebrigen konnten mit einiger Sorgfalt die Thiere gut ausgezogen werden und es wurde so nicht allein für die Muscheln sondern auch für die Schnecken unserem Museum ein reiches Material für den Unterricht und eventuell, wo und wie es dienlich erscheint, für weitere Zergliederung gewonnen.
Bis vor wenigen Jahren waren die besonderen Nachrichten über die Mollusken des rothen Meeres sparsam, aber seit schon einem Dutzend Jahren hat sich das geändert. Das in den Sammelwerken und in den Journalen zerstreute Material vollständig zu beherrschen, ist für Solche, welche ihre wissenschaftliche Arbeit auf diese Specialität zu beschränken und zugleich an Hand der grössten, an Originalstücken reichen Sammlungen zu arbeiten nicht in der Lage sind, kaum möglich. So habe ich es zum grossen Theile den neueren Arbeiten einiger anderer Autoren, welche über sehr bedeutende Sammlungen aus dem rothen Meere berichten, zu verdanken, dass ich die vorliegende Arbeit mit dem Bewusstsein abschliessen kann, es sei der Sammlung des Herrn Kossmann überall ihr Recht geworden. Zum Theil freilich ist dabei auch im Betracht gekommen, dass die Zahl der gesammelten Arten gegen- über anderen der neuesten Zeit nur eine mässige war, sowie, dass nach der Art des Sam- melns kleinere und seltenere Sachen ziemlich ausgeschlossen blieben. Endlich war nützlich der Umstand, dass in der Gonchyliensammlung des Heidelberger Museum sich mehrere hier zu benutzende Stücke befinden, welche von klassischen, besonders deutschen und englischen Conchyliologen herrühren, dieses vorzüglich durch die Bemühung meines Vorgängers Bronxn.
In den Mittheilungen über die Mollusken des rothen Meeres bildet die Eröffnung des Kanales von Suez einen kritischen Punkt.
In der älteren Epoche hatte man einige Ergebnisse grösserer Expeditionen.
Es war da zuerst die dänische Expedition, welche unter dem Commando des Capitain Fischer und unter wissenschaftlicher Leitung von Carsten Nıesunr 1761— 1766 Arabien besuchte. Forskär beschrieb davon 1775 elf marine Muscheln und sieben Schnecken. In Cuemsirz neuem Conchylienkabinet ist vielfach auf Material eingetreten, welches bei jener Gelegenheit ge-
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sammelt wurde und das Museum zu Copenhagen bewahrt davon 59 marine Arten. Die Ab- bildungen bei Cnemsuz sind gut genug, um bei Congruenz der Lokalität in der Bestimmung zu leiten. Cnensirz trug auch der Variabilität Rechnung und brachte von einander vielleicht getrennt Aufgeführtes, besonders Abgebildetes, auch wohl für sich Benanntes doch wieder zusammen. Dieses Material wurde von Lisse und Gmeuin berücksichtigt.
Es kam dann die französische Occupation Egyptens. Herr Orwıer brachte damals von seiner Reise nach der Levante 1804—1807 einige Mollusken mit. Namentlich aber gab von 1802 ab Saviosy unter den Abbildungen wirbelloser Thiere, welche die der Expedition nach Egypten gefolgten Gelehrten gesammelt hatten, die von 220 marinen Weichthieren.
"Zu diesen ganz vorzüglichen Abbildungen, welche eine ersichtlich auch innerlich im grossen Style angelegte Arbeit documentiren, gab wegen Savısay's Erblindung 1826 Avpovın eine Erklärung. Es gibt nichts Unbrauchbareres als diesen Text und die Mangel- haftigkeit kann nicht damit entschuldigt werden, dass etwas habe geschehen müssen.
Die so gebliebene Lücke hat 1846 Joxas!) für einige Arten auszufüllen sich bemüht, indem er eme Fasziolarie, zwei Cythereen, einen Trochus und eine Chama nach den Abbildungen des Savıcıy in seiner Sammlung wieder zu finden glaubte, wobei er einige _ weitere neue Arten des rothen Meeres beschrieb.
1869 hat Arrturo Isser?) in seinem weiter zu berührenden vorzüglichen Werke eine Erklärung der Abbildungen von Savıcsv gegeben, wobei er nur über 66 Arten nicht schlüssig wurde und diese Aufgabe, wie es scheint, vorzüglicher löste, als es Savıcny selbst vermocht hätte. Die Tafeln von Savısxv sind dadurch im Dienste der Conchyliologie wirksam geworden.
Es folgte 1820—1825 die Expedition von Hemerien und Emensere. An Mollusken führte auf und beschrieb Enkesgers nur 36 Arten. Die Sammlungen rührten jedenfalls zum Theil von Tor und Massaua her. Das im Berliner Museum bewahrte conchyliologische Material unter- suchte im Auftrage von Enrexgere weiter R. A. Pmurmrr®). Dessen Arbeit wurde zwar nicht herausgegeben, aber sie ergab dem Autor das faunistische Resultat, dass 29 Bivalven, 45 Gastropoden, ein Pteropode und ein Gephalopode des rothen Meeres mit Arten des Mittel- meeres zusammenfielen. Der Procenisatz stellte sich so, dass das Mittelmeer mit dem rothen “Meere 23°, seiner Muscheln und 18%, seiner Schnecken gemein habe, mit dem offenver- bundenen Meere an der westafrikanischen Küste in der Gegend des Senegal nur 17% von jenen und 14%, von diesen. Woopwarn und noch Kererstem') haben keinen Anstand ge- nommen, dieses einfach zu adoptiren, und es galt diese Uebereinstimmung eine Zeit lang als ein wichtiges Factum in der Thiergeographie.
Eine geringere Zahl angeblich identischer Conchylien beider Meere fand sich auch
1) Zeitschrift für Malacozoologie 1846. II. p. 59 u. 120 u. fl. 2) Malacologia del Mar Rosso. Pisa 1869. p. 307 u. fl.
Fauna molluscorum regni utriusque Siciliae. I. 1844. p. 248.
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Bronx, Classen und Ordnungen des Thierreichs. IM. 1862 —1866. 2. p. 1123.
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bei anderen Autoren und schon bei Luxe. Isser hat solcher zehn aus verschiedenen Quellen zusammenstellen können. Jedoch hatte schon Broceni'), als er um die Zeit jener EHrENBERG- schen Reise oder etwas eher 77 marine Gonchylien bestimmte, welche Forsı an der afri- kanischen Küste des rothen Meeres gesammelt hatte, und bevor er selbst 1823 nach Egypten ging, um dort wie Henrricn sein Leben zu lassen, bei einer Zahl von gleichfalls zehn identischen Arten, doch vielmehr die seine Erwartung weit übertreffende Verschieden- heit der Faunen der zwei Meere, welche die Küsten Egyptens bespülen, hervorzuheben Gelegenheit genommen. 5
Auch Ep. Rürrerr berührte auf seiner 1822 begonnenen Reise 1827—1828 die Golfe von Suez und Akaba am rothen Meere. Die in Gemeinschaft mit Fr. Sısısmunp LEUCKART 1828 herausgegebene Beschreibung wirbelloser Thiere des rothen Meeres enthielt unter 28 Mollusken mit zwei Ausnahmen nur Nacktschnecken oder doch Opisthobranchier. Weniges wurde noch zerstreut monographisch behandelt.
1830 wurden in der Beschreibung der Reise von pE Lasorn und Linant zwar sieb- zehn, meist neue Conchylien abgebildet, aber ohne Diagnosen. Von noch weniger bedeu- tenden Mittheilungen aus jener älteren Epoche kann hier abgesehen werden.
Leon Vaırzant?) verfolgte 1864 den sehr richtigen Gedanken, dass vor Eröffnung des Kanals von Suez und der daraus möglicher Weise resultirenden Vermischung der Bewohner des Mitteimeeres und des rothen Meeres die Fauna von Suez festzustellen nöthig sei. Er sammelte im nördlichsten Theile des rothen Meeres, nördlich einer Linie, welche Ras el Abadieh und die Mosesquellen verbindet, auf einem Gebiete von 15—16 Kilometer Längs- ausdehnung und in Wasser von nirgends mehr als 10—15 Meter Tiefe, und erhielt 86 marine Arten. Sicher identisch mit dem Mittelmeere erschien ihm nur eine Art: Fissurella costaria Lam. Für zwei Lima blieben Zweifel, und einige andere, den Benennungen verschiedener Autoren nach scheinbar stimmende Arten haben wirklich eine solche Iden- tität nicht.
Zu gleicher Zeit und zu gleichem Zwecke liess Perır ve La SaussaveE bei Port Said und bei Suez sammeln. P. Fiscuer ’) zog aus dieser Sammlung das Resultat, es stehe ohne einen Schatten von Zweifel fest, dass nicht eine einzige Art dem Mittelmeer und dem rothen Meere gemeinsam sei. Die gedachte Fissurella wurde von ihm als Vaillanti von costaria unterschieden. Erst 1870 hat Fıscner mitgetheilt *), dass ihm damals ausser den Sammlungen von Vaırant und SaussayE auch diejenige vorlag, welche die Gesellschaft des Suezkanals hatte machen lassen und welche man in der Specialausstellung dieser Gesell-
I) Broccns, Catalogo di una Serie di conchiglie raccolte presso la costa africana del Golfo arabico dal Signor Fornı (Biblioteca Italiana). Vergl. IsseL 1. c. p. 7.
2) Journal de Conchyliologie. XIH. p. 97. 3) Journal de Conchyliologie. XII. p. 241. 4)
Journal de Conchyliologie. XVII. p. 161.
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schaft bei Gelegenheit der damaligen Pariser Weltausstellung sehen konnte, sowie eine vierte des Herrn Larrer aus dem Golfe von Akaba.
Gegen den Ausspruch von Fischer konnte man in jenem Augenblicke noch manche Bedenken einwenden. Dem wichtigen Satze schienen nur fünfzehn Arten von Port Said, neunzehn von Suez zu Grunde zu liegen, unter letzteren im Vergleiche mit VaıLLant zwei neue. Dieses geringe Material musste noch mit besonderem Bedenken angesehen werden. In dem Mittelmeergebiete sind die egyptischen und syrischen Küsten nicht reich an Con- chylien. Der Nil macht seme Einwirkung mit Besonderheiten des Wassers und des Meeres- grundes bei Port Said geltend, welche dem rothen Meere ausserordentlich fremd sind. Man sieht das schon an der Proportion der Muscheln und Schnecken. In der Liste von Saus- sayE hat Port Said nur fünf Schnecken, nämlich einen Murex, zwei Nassa, zwei Geri- thium, welche alle auch Lieblingsgattungen des rothen Meeres sind, aber zehn Muscheln. Suez dagegen hat auf fünfzehn Schnecken nur vier Muscheln. Die Abnalıme der Relation der Muscheln drückt sich also aus mit: 7,5:4. Port Said hat eine Schlammfauna, Suez eine solche, welche auf Korallenbänken und Korallensänd gedeiht. Für die Frage des Ueber- tritts der Mollusken durch den Kanal mussten gerade diese beiden Plätze verglichen werden, für den Vergleich zwischen rothem Meer und Mittelmeer waren sie unzureichend. Auch war es nicht ganz geeignet, die Erfahrungen an andern Thierklassen zu Hülfe zu nehmen; am allerwenigsten konnte ein an Panama gewonnenes Princip in die Wagschale gelegt wer- den. Der von Fiscuer geäusserte Verdacht, Pmiuippı sei dadurch irre geführt worden, dass in den Sammlungen der Eurexgere’schen Expedition die Ausbeute von den Mittelmeerküsten mit der vom rothen Meere vermischt worden sei, bedurfte demnach besserer Begründung.
Es folgten sehr bald ausführlichere Untersuchungen. Zu ganz besonderem Danke ist die Wissenschaft Isser verpflichtet, welcher zuerst 1565 das rothe Meer besuchte. Seiner vortrefllichen Malacologia del Mar Rosso legte er ausser 191 dabei auf der Rhede von Suez gefundenen Arten weitere 141 zu Grunde, welche Marchese Arcoxarı in jener Bai und im Golfe von Akaba gesammelt hatte, ferner 217 postpliozäne fossile Arten seiner eigenen Samm- lung und der Museen von Turin und Pisa. Dieses ergab zusammen 276 rezente und im Ganzen 383 Arten, unter welchen über 100 neue. Indem er in seinen Catalog auch die sonst in der Literatur niedergelegten Angaben aufnahm, konnte dieser 640 rezente Arten des rotien Meeres und 232 fossile seiner Küsten und der Landenge von Suez bringen. Die ausführlichen literarischen Nachweise bei Isser gestatten uns, auch für diese Arbeit auf solche zu verweisen. Leider haben sich in dieselben mehrere Druckfehler eingeschlichen.
Isser (and von 100 Gattungen des rothen Meeres 80 im Mittelmeer, von den leben- den Arten nur sieben. Aus der Literatur konnte er dabei den zehn oben berührten noch einige neuerdings namentlich von Cazauıs DE FoxpovcE gemachte Angaben gesellen. Er schloss, wenn es auch nicht exakt sei, zu sagen, dass nicht eine Art zwischen beiden Meeren ge- mein sei, so sei es doch sicher, dass in den zwei Meeren keine zwei Conchylien von iden-
tischen Eigenschaften sich fänden. Die Differenzen für das rothe Meer gegen das NMittel-
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meer seien beispielsweise bei Nassa costulata geringere Grösse und relativ bedeutendere Höhe, bei Solecurtus strigilatus deutlichere und zahlreichere Streifen, bei Gastro- chaena dubia tiefere Furchen. Diese Merkmale seien nicht beständig genug und die genannten Arten überall zu polymorph, um darauf besondere Arten zu begründen. Eine grössere Anzahl Mollusken des Mittelmeeres sei im rothen Meere durch spezifisch verschie- dene, aber wahrscheinlich vom selben Ausgangspunkte stammende, durch äquivalente, ver- treten, Nassa gibbosula durch circumcincta, Gerithium vulgatum durch Rüp- pellii, conicum durch Caillaudi, Chiton Sieulus durch affınis, Diplodonta ro- tundata durch Savignyi, Cardium edule durch isthmicum. Für jene Nassa cir- cumcincta glaubt allerdings M. Axprew liege ein Irrthum vor; sie finde sich nicht im rothen Meere, sondern neben gibbosula an der syrischen Küste.
Die rezenten Conchylien, welche Isseı selbst gesammelt hatte, stammten gleichfalls noch aus einem sehr beschränkten Gebiete und aus keiner zwanzig Meter überschreitenden Tiefe. Wenn so tief, waren sie gewöhnlich ohne das Thier gefunden. Die lebenden Mollusken halten sich auf den Madreporengründen, welche man mit der Drague nicht bearbeiten, aber, soweit die Ebbe sie blos legt, mit dem besten Erfolge absuchen könne. Von Schnecken wurden Strombus, Murex, Fusus, Fasciolaria, Turbo, Trochus und Chiton, von Muscheln Pecten, Meleagrina, Malleus und Tridacna auf solche Weise trocken gelegt. Andere Schneckengattungen: Gypraea, Planaxis, Ne- rita, Onchidium, Doris sassen in den Ebbetümpeln zwischen den Polypenstöcken. Muscheln wie Tellina, Psammobia, Solecurtus endlich fanden sich in Menge auf dem flachen Grunde am Füsse des Attakagebirges und andere zwischen den Klippen und an den Strand geworfen.
Indem Arcoxarı seine Conchylien fast durchweg vom Golfe von Akaba hatte, dort aber nur am Strande aufgelesen, fehlt zwar in Ermangelung der kleineren, der selteneren und der tief lebenden Formen die Vollständigkeit der Grundlagen des Vergleichs. Jedoch wurde einmal durch seine Sammlung das Material sehr bereichert. Dann aber stellte sich als etwas sehr Beachtenswerthes heraus, dass, obwohl jener Golf von dem von Suez nur durch die Sinaihalbinsel getrennt ist und in geographischer Lage von ihm kaum anders als durch seine Richtung nach der Windrose abweicht, nicht mehr als 39 Arten beiden Golfen identisch waren und der Golf von Akaba nicht weniger als fünfzehn Gattungen hatte, welche der von Suez, bis dahin wenigstens, nicht ergeben hatte. Der Golf von Akaba stimmte besser mit den mehr südlich gelegenen Meeren.
Dieses Ergebniss war dazu angethan, die Vermuthung zu erregen, es biete selbst der ganze Golf von Suez mit seiner Fauna einen geeigneten Ausdruck für die Fauna des rothen Meeres nicht, er entfalte von dieser nur einen spezifischen oder modifizirten Antheil, falls nicht etwa der Golf von Akaba seinerseits etwas Besonderes in diesem Meere war. Es lag nicht fern, daran zu denken, dass die Ufer des Golfes von Akaba im eine bedeutendere Tiefe steil abfielen. Der Golf von Suez könnte mit ihm verglichen als ein flaches
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Becken betrachtet werden, in welches nur Arten einträten, welche eines tieferen Wassers nicht bedürfen. Wegen der Vertiefung im Inneren des Golfes von Akaba mit 90—150 Faden gegen seinen eigenen und den benachbarten Eingang des Golfs von Suez mit 60 und 50 Faden an eine irgend erhebliche Tiefseefauna zu denken, welche als derelikte im Golfe von Akaba sässe und nicht zum Golf von Suez überzutreten vermocht hätte, geht wohl kaum an.
Durch die Untersuchungen von Roserr M’Anprew') hat sich auch das Bild der Fauna des Golfes von Suez als eines Ganzen viel reicher herausgestellt, als man früher annehmen konnte. Dieser Gelehrte schleppte im Februar und März 1869 in Gesellschaft der Herren Fıerping und Susısı mit Benutzung von drei Booten verschiedener Grösse. Er hielt sich gänzlich im Golfe von Suez, aber er besuchte beide Küsten, besonders Tor und Ras Mo- hammed auf der arabischen, Zeite auf der egyptischen Seite, sowie die Jubalstrasse ganz am Ausgange des Golfes, in welchem die Tiefe auf 50 Faden steigt. Er erbeutete nicht weniger als 818 Arten Schalen tragender Mollusken, unter diesen 355 bis dahin im rothen Meere nicht gefundene und 199 nicht beschriebene. Bis zum letzten Tage brachte man immer noch weitere Arten herauf und M’Axprew hält seine Sammlung für keineswegs er- schöpfend. 53 von den neuen Arten wurden von Hexrkv und Apans beschrieben’). M’An- prEw machte nicht allein durch Beisetzung der anderen Fundorte in seinem Katalog, auf welchen sich die Publication nahezu beschränkt, in für sich sprechender Weise, sondern ausdrücklich auf die grosse Uebereinstimmung der Arten mit solchen von Japan, den Phi- lippinen, Australien, den Sandwich's-Inseln aufmerksam, wogegen er mit dem Mittelmeer nur drei Arten, Pecten varius, Mactra (Solecurtus) coarctata und Voluta acumi- nata gemeinsam fand. Die Mollusken des stillen und des indischen Meers schienen ihm eine viel weitere Verbreitung zu haben, als die des atlantischen, in welchem die amerika- nischen Küsten nur wenige Arten mit Europa und Afrika gemein haben.
Die Thatsache dieser Uebereinstimmung hat sich auch uns aufgedrängt, bevor wir M’Anprew’s Arbeit einzusehen Gelegenheit hatten, im Vergleiche der Kossmansschen Samm- lung mit Stücken aus indischen Plätzen, namentlich aber mit den Abbildungen bei Reevr, unter welchen die Arten von den Philippinen und Australien so besonders stark ver- treten sind.
Die jetzigen Verhältnisse sind einer Uebereinstimmung von Suez oder Massaua bis gegen Japan ersichtlich nicht ungünstig. Man hat hier ein Meeresgebiet, welches, nur bis zum 30° N. B. erstreckt, nicht durch stärkere Vorsprünge als solche, welche bis zum Ae- quator reichen, unterbrochen wird. Diese Vorsprünge sind theilweise sehr neu, also für ihre Wirkung in der Vergangenheit als nicht einmal so ausgedehnte zu rechnen. Seethiere konnten sich sehr wohl längs dieser in der Hauptsache von Ost nach West liegenden Süd- küste Asiens ausbreiten, ohne erheblicher Aenderungen zu bedürfen. Der Kern dieser Fauna, der best entwickelte Theil findet sich, wie es scheint, eher in den südlicheren und öst-
1) The annals and magazine of natural history. IV. Serie. 6. p. 429. 121.
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. II. 2
m
2) The annals and magazine of natural history. IV. Serie. 6. p.
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licheren Gebieten. Was wir aus dem rothen Meere haben, erreicht an Ueppigkeit des Wuchses und den damit sich verbindenden Besonderheiten in Feuer und Farbe nicht das, was von Mauritius, Australien und auch von den Philippinen kommt. Einige Formen des rothen Meers kennt man überdies wohl von den südaustralischen Küsten aber nicht aus zwischenliegenden Meeren. Das rothe Meer erscheint nach der Natur seiner Bewohner ent- weder als ein wegen seiner besondern Lage, Gestalt, beschränkten Zugängigkeit, geringen Tiefe, sparsamen Zuflüsse ärmlich ausgestatteter oder als ein solcher Theil eines grossen, australen, früher ganz anders von Festländern begrenzten Meeres, dessen besondere Küstenlinien sich erst spät so gestalteten, wie sie heute sind.
Wenn dazu die an einer Massensammlung aus beschränkter Localität besonders nach- weisbare Variabilität ins Auge gefasst wird, dann darf man annehmen, es werde durch eine gründlichere Verfolgung der Mollusken in Etappen längs der südlichen Küsten Asiens ein sehr bedeutender Erfolg zu erzielen sein, äusserlich dahin, dass sehr viele jetzt getrennte Arten als zusammenfassbar sich darstellen, innerlich dahin, dass aus der Betrachtung der besondern äusseren Verhältnisse, unter welchen die Individuen leben, besser ver- standen werde als bisher, wie die Umstände auf die Arten wirken. Die Kossmans’sche Sammlung hat uns dafür wohl einige Vermuthungen gegeben aber keine Gewissheit, Mangels der Notizen an Ort und Stelle. Immerhin kann schon jetzt das rothe Meer als eine der best bekannten Stationen des afrikanisch -australisch-asiatischen Beckens angesehen werden und setzt der Vervollständigung seiner Kenntnisse verhältnissmässig geringe Schwierigkeiten in den Weg. Isser hat mitgetheilt, dass unter den von Marchese Gracomo Dorm am Aus- gang des Persischen Golfes zu Bender-Abbas und an der Insel Ormus gesammelten 17 Con- chylienarten 10 erythräische waren. Mauritius und Zanzibar stehen dem rothen Meere nahe, aber längs Mozambique und Madagascar mindert sich die Uebereinstimmung sehr. Unter 518 marinen Conchylien von Reunion, nach Desnavss, finden sich mindestens 80 auch im rothen Meer. Die Mündungen des Euphrat, Indus, Ganges mögen als specifische Motive für Faunalmodificationen gewichtiger erscheinen als die geographische Länge. Ein die Grund- eigenschaften zusammenhaltendes Moment wird vermuthlich zwischendurch immer in dem Korallengrunde wiederkehren, aber die Veränderlichkeit wird voraussichtlich ebenso gross sein in den anderen in Betracht kommenden Meeresstellen, als sie sich im rothen Meer schon jetzt herausgestellt hat.
In Betreff der fossilen CGonchylien hat Isser bemerkt, dass dieselben auf dem Isthmus von Suez, welcher mit nirgends mehr als 18 Meter Hebung dieselben jungtertiären und quaternären Bildungen zeigt, welche am Strande von Suez, auf der arabischen Küste des Golfs im Temaha, auf der egyptischen bei Kosseir und Massaua, auf den Inseln des rothen Meers oft bis 20 Meter und bei Kosseir selbst 2— 300 Meter hoch liegen, nicht grade reichlich erscheinen. Dennoch finden sich 105 Arten, mit Vertretung von Gattungen, welche vezent weder in der Bucht von Suez noch in der von Akaba gefunden wurden. IssEL frei- lich meint, sie würden doch heute noch zum grössten Theile im rothen Meere existiren.
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Die Hebung der Landenge und der anstossenden Wüsten hält Isser im Vergleiche mit Italien, Sicilien, Sardinien für postpliozän. Die Arten verrathen, dass der Meeresgrund an dieser Stelle wenig tief war.
Von den fossilen Gonchylien der Landenge erwiesen sich elf Arten, das ist 5%, me- diterraneisch. Diese aber wurden sämmtlich nördlich gefunden. Südlich von der Mitte des schmalen Festlandstreifens fanden sich, soweit vergleichbar, ausschliesslich erythräische For- men. Wenn man also sich in die Zeit zurückdenkt, in welcher das Meer. relativ soviel höher stand, dass die am rothen Meere zuletzt gehobenen Ufer und ebenso die am Mittel- meer ausgedehnt gehobenen pleistozänen Lager noch Meeresgrund waren, so dürfte damit doch nicht die jetzt nur 18 Meter hohe Barriere der Landenge verschwunden gedacht werden. Es muss schon in der zunächst vorausgegangenen geologischen Epoche eine voll- kommene oder fast vollkommene Sonderung eines heisseren Meeres von einem von Norden her sich vorschiebenden hier gelegen haben. Da die Hebungen nördlich und südlich nicht genau gleichzeitig erfolgt zu sein brauchen, ist es auch gar nicht nothwendig, anzunehmen, die Breite dieser Sandbrücke sei in einem Theile jener Epoche nur genau so gross gewesen, als die Distanz zwischen dem Punkte, an welchem nördlich mediterranee Gonchylien sich Tossil finden, bis zu demjenigen, an welchem südlich die erythräischen beginnen. Indem sich unter dem Sande von Suez auf der Südhälfte des Isthmus ausgedehnte Lager von Süss- wasserconchylien finden, unter welchen Etheria Caillaudi aus einer Gattung, welche jetzt, so viel wir wissen, ausschliesslich in Afrika im Nil oberhalb der ersten CGatarakt und im Senegal lebt, ist es sicher, dass sich hier kurz vor dem Anfange der jetzigen Schöpfungs- epoche an der Stelle, an welcher es jetzt nur noch kleine süsse und bittere Seen giebt, das Bett eines mächtigen Flusses befand, welcher ein bedeutendes Hinterland entwässerte. Wenn das auch nicht nothwendig ein nur etwas anders verlaufender Nil war, so weisen doch die Etherien darauf hin, dass es nicht ein der nördlichen Hemisphäre, dem der- maligen septentrionalen Continentalgebiete angehöriger Strom war.
Für eine noch ältere Periode, die Nummulitzeit, ist von Berrarvı die Identität für mehr als die Hälfte der egyptischen Fossile zwischen Siut und Kairo und im Pyramiden- baustein mit denen der das jetzige Mittelmeer nördlich begrenzenden, von dort in es ein- springenden oder als Inseln abgelösten Länder festgestellt worden. Das Nummulitmeer er- streckte sich über mehr als hundert Längengrade von Andalusien, Biaritz, Mallorca bis min- destens nach Tibet und in mehreren hundert Meilen Breite. Dass es auch die Landenge von Suez bedeckte, erhellt aus den Nummulitkalkriffen, welche noch aus dem Wüstensande emporragen. Dieses Meer wurde zurückgedrängt und unterdrückt und wahrscheinlich be- standen danach breite Landverbindungen im Osten der Mittelmeergegend, gestatteten das Eintreten der indisch -afrikanischen Thierwelt in das Gebiet des jetzigen Europas und son- derten die Meere. Die späteren Schwankungen aber stellten, wie es scheint, hier eine offene Verbindung nicht wieder her, ob auch die Landenge vom Meere von disseits oder jenseits bedeckt wurde und ohne die Stütze der hohen Ketten krystallinischer Gesteine der
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Sinaihalbinsel und der arabischen Wüste der schwächste Punkt sein mochte. Das Mittelmeer machte seine weitere Geschichte, der Ausdehnung nach Osten, der Verkümmerung tropischer Formen und der Beimischung septentrionaler und atlantischer allein durch.
Dass der Isthmus von Suez gerade ein Cardinalpunkt, oder dass er gar allein ein solcher für das Geschick der Verbindungen in Hebung und Senkung gewesen sei, anzuneh- men, ist gar nicht einmal nothwendig. Man wird dazu leicht verleitet, weil jetzt hier die schmalste Landbrücke ist. Wenn sich heute das afrikanische Festland auch viel breiter zwi- schen Suakin und der grossen Syrte dehnt, so sind doch die zwischenliegenden nubischen und libyschen Wüstengebiete stellenweise unter dem Niveau des Meeres und nie mehr als 2—300 Meter über demselben, nicht höher als dass die allerneuesten Hebungen solches deckten. Der Zeitpunkt, von welchem ab man hier eine Meeresverbindung eingegangen sich denken müsste, liegt nothwendig nicht weiter ab als der für eine bei Suez. Nach dem jetzigen Charakter der Meere hätte sich in einem solchen Falle vielleicht die Erinnerung an die Verbindung deutlicher in der Aehnlichkeit der Conchylien von den spanischen und sizi- lianischen Küsten mit denen von Suakim bis Massaua erhalten können, als in einer solchen zwischen denen von Port Said und Suez. Das findet sich zwar auch nicht bestätigt, wenn man von festen Arteigenschaften ausgehen zu dürfen glaubt. Indem jedoch die Veränder- lichkeit von beiden Seiten her mit dem Reichthum des Materiales deutlicher wird, verliert an mehreren Stellen die Scheidung ‚der erythräischen und mediterraneen Fauna an Schärfe.
Beschreibungen und Abbildungen geben, sobald sie scharf sein wollen, stets nur Bilder von Individuen. Das kann mit allen seinen Consequenzen Niemandem verborgen bleiben, wenn er mit den vorhandenen literarischen Hülfsmitteln eine Sammlung von Con- chylien bestimmen will. Die Identität der Individuen im Rahmen der Art ist allem Anschein nach bei den Mollusken geringer als bei den Wirbelthieren und den Insekten, dieses viel- leicht wegen der geringen Entwickelung motorischer Elemente. So lange wenige Individuen in irgend einer Weise vorliegen, in den natürlichen Stücken, in Abbildungen, in Beschrei- bungen, mag leicht getrennt scheinen, was bei reicherem Material sichere und hinreichend bedeutende Merkmale für Absonderung nicht mehr bietet. Wer Arten zu machen wünscht, kann es leicht, wer zusammenziehen will, nicht minder. Nicht allein Charaktere für Arten, sondern auch für. Gattungen schwinden unter den Händen. Die physiologische Probe der Zusammenhörigkeit fehlt. Somit ist jede Bestimmung, welche nicht aus ausreichendem Ma- terial selbständig und reformirend auftreten kann, dahin, dass die Artbeschreibung die Varia- bilität enthält und die Varietäten konstruirt, die Artabsonderung aber nur aus den Lücken in den Eigenschaftsreihen nimmt, nur eine Aeusserung, dass das vorhandene Individuum soweit zu einer irgendwo gegebenen Darstellung passe, dass es nicht nothwendig erscheine, eine neue Darstellung zu geben. Dass auch Solches ernst hat genommen werden können, versteht sich, aber es ist klar, dass der Nutzen, welcher aus der zusammenfassenden Be- schreibung erwachsen könnte, aus jenen Bezugnahmen nicht gezogen werden kann. Die Artbeschreibung bedarf in der Conchyliologie vielleicht mehr als an anderen Stellen der
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Reform. Viele alte Artnamen werden dann nur unter vielleicht bekannten Lebensbedingungen sich darstellende Gestaltungsmöglichkeiten bezeichnen. Vorgefasste Meinungen über geogra- phische Beschränkung sind dabei besonders bedenklich.
Isseu machte 1870—1871 eine zweite Reise an das rothe Meer und in das Land der Bogos mit den Herren Anxrınorı und Beccarı. Das hierbei gesammelte Material hat bis dahin zu einer Monographie der Muriziden von C. Tarrarone Canerrı') und zu einer der Strombiden von Isser und Canxerrı?) gedient.
Der ersten Arbeit liegen ausser den von den genannten Herren gesammelten, im Museo civico zu Genua bewahrten Stücken, denen des Turiner Museums und einigen von Herrn Paxcerı diejenigen zu Grunde, welche Herr JıckeLı gesammelt hat.
Die Einleitung zur zweiten Arbeit belehrt uns, dass die eigenen Sammlungen im südlichen Theile des rothen Meeres besonders bei Massaua, Dhalac, Nora, Suakin, Assab, Aden gemacht wurden. Bei Massaua war in 15 Metern Tiefe geschleppt worden.
Die Liste der Muriziden enthält achtzig Arten, die der Strombiden neunzehn. Es sind Tafeln über die geographische Verbreitung beigefügt. Die Strombiden zeigen inner- halb der Tropen eine besonders grosse geographische Längenverbreitung. Sie leben im Ganzen oberflächlich.
Es ist Caxerrı zum Vorwurfe gemacht worden, dass er in der Nomenclatur zumeist Mörcn gefolgt sei und dass man so die alten, nicht nach den Linse’schen Regeln gebildeten Namen Marrısıs, sowie die Katalognamen von BoLten statt der allgemein angenommenen finde °).
In der Wiederaufnahme seiner Besprechung der Relationen zwischen Fauna des Mittelmeers und des rothen Meers 1870 (1. c.) hat Fischer noch mitgetheilt, dass sich das mediterranee Cardium edule über den ganzen Isthmus, ebensowohl auf der Seite von Port Said als auf der von Suez subfossil finde, wie es ebenso im Azowmeer, im Gaspischen und Aral-See und in der Ostsee vorkommt. Diese Muschel, indem sie in die brakischen, über das eigentliche Seegebiet hinausgreifenden Gewässer überzugehen vermag, euryhalin ist, konnte sich leichter erhalten trotz mannigfaltiger Aenderungen. Wir möchten aber darum nicht mit Fıscner sagen, dieses Cardium sei bis an das rothe Meer gekommen, ohne sich in demselben akklimatisiren zu können. Es ist Nichts erwiesen, als dass es zu ‚einer früheren Zeit bis an die Stelle gekommen ist, an welcher jetzt Suez liegt und bis zu welcher heute der nördlichste Ausläufer des rothen Meeres reicht. Die Anwesenheit der Nassa gibbosula in beiden Meeren war Fischer in diesem Aufsatze geneigt zuzuge- stehen, indem er eine zufällige Uebertragung für möglich hielt, und auch darauf aufmerksam machte, dass die miozäne Form kaum von der lebenden zu unterscheiden sei, so dass diese Nassa vielleicht in beiden zur Miozänzeit verbunden gewesenen Meeren bis heute existirt
1 P)
-
) Annali del Museo civico di storia naturale di Genova. VII. p. 569. ) Annali del Museo civico di storia naturale di Genova. VIII. p. 337. 3) Nachrichtsblatt der deutschen malakozoologischen Gesellschaft. 1876. p. 23.
Ak H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
habe und jetzt im Mittelmeere sich ihrem Untergang nähere. Einige mit solchen aus dem Antillenmeere identische Arten erinnerten ihn an die alte Verbindung tropischer Meere.
Endlich gab Fıscuer') gelegentlich der Berichte über Isser und M. Anprew noch Mit- theilung über von Arserr Gaupry gesammelte Mollusken, soweit solche in seiner Liste von 1870 sich noch nicht befanden und beschrieb davon einige neue Arten, musste aber eine Anzahl besonders von Eulima, Chemnitzia, Cylichna unbestimmt lassen. Jetzt trat er der Meinung bei, Nassa gibbosula möge doch ausschliesslich dem Mittelmeer ange- hören und die Bezeichnung eines Individuums durch den verstorbenen Laurent als aus dem rothen Meere auf einem Irrthume beruhen.
Während JıckeLı seine Muriziden, wie erwähnt, dem Herrn Canerrı zur Verfügung gestellt hatte, hat er, wie die Ausbeute an Süsswasser- und Landconchylien seiner afrikani- schen Reise, so von den Seeschnecken bereits die Gattungen Mitra und Conus selbst monographisch bearbeitet. Auch die erstgenannten Mittheilungen?) sind von grossem Werthe und ergänzen die Vorstellungen, welche wir uns über die Geschichte des rothen Meeres machen konnten. Von 28 Landconchylien Unteregyptens gehören 18 der Mittelmeerfauna und dabei so vorzüglich der der asiatischen Küste an, dass nur eine einzige Art mit dem Nordwesten Africa’s gemeinsam ist, ohne auch in Asien vorzukommen, die südfranzösische Helix melanostoma, welche vielleicht mit Schiffen hierhin wie dorthin importirt wurde. Von den neun übrigen finden acht in der Fauna des Mittelmeers wenigstens ihre nächsten Verwandten; nur Helix desertorum bildet eine Untergattung, welche bisher nur in Egypten und am Golf von Akaba gefunden wurde. Die Süsswasserbewohner haben dagegen durch- aus den Charakter des tropischen Afrika’s. Die darunter vertretenen Gattungen Lanistes, Ampullaria, Cleopatra, Spatha, Mutela, Galatea fehlen in Tripolis, Tunis, Algier, Marokko wie in Asien und Europa. Während Nil aufwärts die Süsswasserbewohner, als bereits afrikanischen Charakters, in der Hauptsache dieselben bleiben, schwinden die Land- schnecken Unteregyptens und sind wenigstens im Gebiete des weissen und blauen Nils und in Abyssinien theils durch Formen des tropischen Afrika’s, theils durch speecifische ersetzt. Ebenso sind in Abyssinien bis dahin nur zwei auch europäische weit verbreitete Arten von Süsswassermollusken gefunden. Dagegen besitzen die oberen Nilländer siebzehn Schnecken, meist Süsswasserarten, mit Westafrika gemein, sieben mit Südostafrika, neun mit dem Cap. Diese verhältnissmässig grosse Zahl ist bei der sonst deutlichen Sonderheit der Südspitze wohl aus dem Reichthum der Sammlungen von dort zu erklären. Die Land-, Süss- und Brackwassermollusken des gedachten Gebietes sind ebenso durch zahlreiche identische Arten mit Persien, Vorderindien und die letzteren selbst mit Hinterindien und dem Paumotu-Archipel verbunden. Auch fehlen leichte amerikanische Anklänge nicht.
In dem eigentlich afrikanischen Gebiete, zu welchem die Länder nördlich der Sahara
1) Journal de Conchyliologie. XIX. p. 209. 2) Nova Acta Academ. Leop. Carol. XXXVI. 4. und Jahrbücher der Malakozoologischen Gesell- schaft. II. p. 334.
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Mollusca. 45
und die Südspitze nicht gehören, sind, wie für andere Thierklassen, so auch für Mollusken die Gattungen zum grossen Theile specifisch und wie die Arten weit verbreitet. Dieses Gebiet hat also wenigstens für solche Thiere einen in letzter Stelle verhältnissmässig ein- fachen Ursprung gehabt, sich erst in späterer Ausbreitung mit Nordafrika und der Südspitze verbunden und einen seiner Wasserabflüsse mit den specifischen Bewohnern in ein Gebiet hinausgeschoben, welches vordem nicht im Zusammenhang mit ihm gestanden hatte und welches vorzüglich wegen der Wüstengebiete dem grössten Theile seiner Landbewohner auch heute fremd bleiben muss. Wenn man mit erwägt, dass Madagaskar, wie für Insecten, so auch für Mollusken als eine Provinz jenes tropischen Afrika erscheint, dann wird letzteres uns am deutlichsten ausgedrückt erscheinen auch für Wirbelthiere durch Thiergruppen, welche es mit jenem gemein hat. Wenn Thiere wie Elephanten, Nashörner, Flusspferde, Hyänen und andere heute als sehr wesentlicher Antheil der Thierwelt von Afrika erscheinen, früher aber auch in Europa lebten, so wird man das nicht grade so verstehen dürfen, als habe damals ein Afrika, in Thieren dem jetzigen gleich, weit in Europa hineingeragt, vielmehr nur, dass ein Antheil der jetzigen centralafrikanischen Thierwelt aus einem Landkomplexe, wel- cher mit Asien und Europa in Verbindung stand, einzuwandern Gelegenheit fand in ein afrikanisches Gebiet, welches sich damals bereits von einem ihm nächstverwandten male- gassischen abgesondert hatte. Das Vorrücken des Nils und des rothen Meers gegen Norden dürfte einer solchen Verbindung und Wanderung nachgefolgt sein.
Jıckeuı hat achtundvierzig Arten der Gattung Mitra!) im alten Sinne (Mitra, Cancilla, Chrysame, Strigatella, Mitreola, Zierliana, Turricula, Costellaria, Pusia, Gylindra, Swainsonia) aufgeführt. Zuweilen wird die Veränderlichkeit betont. Artidentitäten mit Mauritius, Australien, Samoa-, Cook’s-, Sandwich’s- und Paumotu - Inseln sind nicht selten.
Mit der Gonus-Studie hat Jıckerı seine Arbeiten auf unbestimmte Zeiten abzuschliessen sich genöthigt gesehen, theils in dem Gefühle, wie schwer bei dem jetzigen Zustande der Literatur eine wissenschaftliche Bearbeitung sei. Er wurde bei dieser Arbeit wesentlich unter- stützt von Weınkaurr, dem ausgezeichneten Kenner und Bearbeiter der Mittelmeerconchylien. Der Beschreibung von vierunddreissig Arten C onus sind interessante allgemeine Bemerkungen über Vorkommen und Lebensweise beigefügt und durch Weıskaurr zahlreiche Synonyme festgestellt.
In dem Verzeichnisse, welches E. v. Martens’) über von Dr. Schweinrurtn 186% am rothen Meere gesammelte Gegenstände 1866 publicirt hat, finden sich vierzehn Salzwasser- conchylien, von welchen wenigstens elf auch in unserem Verzeichnisse vorkommen.
Kıruszixser endlich hat 1870) in einer Skizze über eine Excursion auf ein Korallen- riff des rothen Meers auch die Gewohnheiten mancher Mollusken dieses Meeres geschildert.
I) Jahrbücher der deutschen Malakozool. Gesellschaft. I. p. 17. 1874. 2) Jahrbücher der deutschen Malakozool. Gesellschaft. II, p. 43. 187 3) Verhandlungen der k. k. zool.-botan. Gesellschaft zu Wien. XV. 4) Ebenda XX. p. 389.
16 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
Indem ich das Verzeichniss der von Herrn Kossmann uns übergebenen Mollusken folgen lasse, durchflechte ich dasselbe, wo die Umstände es nützlich zu machen scheinen, mit einigen Bemerkungen. Solche betreffen hauptsächlich diejenigen Arten, welche in grösseren Zahlen vorliegen und dann, sei es in der Gestalt, sei es in der Färbung beachtens- werthe Veränderlichkeiten zeigten.
Bivalva.
1. Ostrea plicatula Gmerın p. 3336, no. 111 (Gualtieri, Guemnitz)
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(S. Figg. 1—16).
0. crenulifera Sowersy (REEvE XVII. t. 27, fig. 67), O. cucullina Desnayes, O. denticulata Bonn, 0. Barklayana Sowersy, O. deformis Lamarer, OÖ. cornucopiae Lamarck (GMELIN, CHEMNITZ), O. cucullata Born, O. Forskalii GmeLin (Cnemsitz) et aliae.
Die Austern des rothen Meeres sind von Isser als Forskalii Cuemsirz und Woon, von M. Anorew als cucullata Born und frons (Linxe) aufgeführt. Isser hat 0. Forskalii auch aus dem Wüstensande von Ramses erhalten und es unbestimmt gelassen, ob sie mit O0. cornucopiae zu identificiren sei. L&ox Vaırant hat nur OÖ. cornucopiae Lam. ge- funden, Saussaye keine Auster. Auch in der Liste Fıscner’s von 1870 kommt keine Auster vor.
Die uns gegebenen Stücke sind sämmtlich von geringer meist von sehr geringer Grösse. Sie haben bei einer grossen Mannigfaltigkeit der einzelnen Individuen für die meisten Eigenschaften uns die Ueberzeugung aufgedrängt, dass sie einer einzigen Art an- gehören, welche, nach dem Wohnsitz sich ausserordentlich verschieden gestaltend, doch durch die ganze Reihe einige Eigenschaften beibehält und für die auseinander gewichenen der Bindeglieder nicht ermangelt.
Da die anscheinend wenigst gestörten Formen der O. plicatula Gmerin des Mittel- meers, sowie sie Pnızırı aufgenommen hat, viel näher stehen, als manche unter den von Massaua gekommenen einander, so habe ich keinen Anstand nehmen können, die Massaua- Form mit der gedachten des Mittelmeers zu verbinden. Indem ferner eine Entwicklungsform der ©. erenulifera Sowersyr vorzüglich entspricht, können wir der bezeichneten Variation diese Bezeichnung belassen.
Nach den vorliegenden Variationen würde ich glauben die Diagnose der O. plica- tula folgender Massen geben zu sollen:
Ostrea testa rotundata aut oblongo-cuneata, recurva, postice producta; angulo an- teriore inferiore rotundato, fere rectangulo; notabiliter lamellosa vel squamosa, subrostrata ; plieis longitudinalibus obtusis, rugosis, radiantibus; limbo punctulato, granulato vel denti- culato; dentibus ad marginem anteriorem clarioribus; umbone retuso, area cardinali triangu- lari; cicatricula museculari reniformi superne acuta vel pyriformi; ex affixione irregulari, po-
Mollusca. 17
Iymorpha, inaequivalvi; valvula sinistra adhaerente variabiliore superante, tum ex angustiore procrescente, profundiore, satis solida, rostro excavato, margine plicato plicis mediam in testam irregulariter continuis, tum subiculis largius sese flectente, planiore, interdum pro parte convexa, tenui vel vitrea, plicis carente, margine laciniato aut integro; valvula dextra libera minore, solidiore, Iimbo clarius dentato, ad sinistram concavam plana, ad convexam excavata, quoad plicas sinistrae accommodata ; externe vel albida, sordida, in junioribus irregula- viter striata, strigis paucis nigro-violaceis, in fragilibus interne conspicuis, vel punctulata; rarıus tota piceo-purpurea, interne plus minus margaritacea, saepius pro parte viridescente, margine interdum purpurascente.
Ich habe diese Auster abgeschält von Pinna nigrina, Tridacna elongata, Spondylus aculeatus, auf welchem sie auch von einem kleinen Hornschwamm um- wachsen sein konnte, Pecten lividus, von Korallen, auf welchen jene Spondyli sassen, aus dem Munde der Schale eines todten Strombus fasciatus, von einem Pflanzenstamm, von einander. Von einigen konnten die Weichtheile untersucht werden.
Jene Grundlagen waren wohl zum Theil soviel beweglich oder boten, an den Ko- rallenbänken, im Aufwachsen soweit wechselnde Zustände, dass die Austern in ver- schiedenen Stationen ihres ‘Lebens ungleichen Lebensbedingungen hatten ausgesetzt sein können. Nach den Gategorien für den Wohnsitz hatten die Austern jedesmal einen bis zu einem gewissen Grade gleichmässigen Habitus erlangt, von welchem wir allerdings nicht wissen, ob er wirklich gänzlich von der Unterlage oder ob er zum Theil von der Localität ab- hängt, in welcher diese selbst sich befand. Die Individuen auf Spondylus waren, wenn man so sagen darf, alektryoniform, die auf Steckmuscheln amphidontiform. Dabei darf aller- dings der Vergleich mit der Gattung Amphidonta, oder deren Begriff nicht so genommen werden, als sei wirklich ein zweiter Muskeleindruck unter dem Charnier vorhanden !), oder als sei hierbei die Austiefung der unteren Schale von Bedeutung, sondern nur als Betonung des Zusammenfallens der Rückbiegung des Umbo mit der Zahnbildung vom Schlosse aus längs des vorderen und hinteren Randes. Ich vermuthe, dass jener zweite Muskeleindruck der dahin gestellten Amphidonta (Östrea) denticulata Borv und allen rezenten ebenso
iremd ist als unseren Individuen.
a. var. pinnicola. Plicis carens, alba, valvula inferiore large affıxa, pro parte convexa, tenui, superiore concava, limbo clarius denticulato. Figg. 1—5, 15, 16. Diese Varietät fand sich häufig auf Pinna nigra Ünensuz, nigrina Lawe., einmal im Munde von Strombus fasciatus Born. Die Auster ist unter diesen Verhältnissen stets klein, meist etwa so gross als ein 50 Pfennig-Stück. Die grösste mass mit dem längsten Durchmesser der unteren Schale kaum 30cm. Oefters lagen mehrere Individuen seitlich an
einander gedrängt und deformirten dabei einander. Die Convexität der Unterschale ent-
I) Cuexu, Conchyliologie. IH. 197.
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. 11. 3
18 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
spricht der Wölbung der unterliegenden Pinna, von welcher sich die Auster nur an ihrem Rande erhebt. An einem Individuum war die Deckschale spitz eiförmig, nahezu äquilateral. Es kommt dies zunächst der embryonalen Form. Da ein Stück zahlreiche Embryonen enthielt, obwohl es nicht anderthalb Gentimeter lang war, konnte man sehen, dass bei diesen die Schale sehr gleichmässig oval gerundet ist; nur der Schlossrand ist etwas grader, die Unter- schale schon vertieft. Ein zweites Stück war elliptisch, nagelförmig. Der Hinterrand lässt sich dann durch den Schliessmuskeleindruck bestimmen. In der Regel aber findet sich mehr oder weniger deutlich eine Einbiegung hinterwärts vom Umbo, so dass dieser rückwärts gebogen erscheint. Deshalb und weil die Randzähnchen, welche Schlosszähnen ähneln, am Vorder- rande eher deutlich sind als hinter dem Schlosse, könnte bei dieser Form leicht Vorn und Hinten und Rechts und Links verwechselt werden. Aber die Weichtheile entscheiden auch hier ganz bestimmt für die Lage der Theile nach dem Gewöhnlichen, dass die rechte Schale die freie, dagegen dafür, dass der Umbo rückwärts gewandt ist. Am Thiere sieht man das Herz und, von der Leber umlagert, den Magen gut von der rechten Seite, einige Windungen des Darmes und den sich über den Schliessmuskel wegschlagenden Afterdarm gut von der linken. Nimmt man hingegen Exemplare von nur einigen Millimetern Grösse, so erscheint der Umbo eher ein Weniges nach Vorne geneigt (Figur 15 und 16).
An der gerundeten Umbiegung der Vorderkante zur Bauchkante ist der Winkel ge- wöhnlich etwas grösser als ein rechter. Dies wird aber nur dann deutlich, wenn die Schale nach hinten stärker vorgezogen wird, und das ist überhaupt bei den auf Pinna aufsitzen- den Individuen niemals bedeutend. An der Deckschale kann der ganze Saum auf der Innen- fläche dem Rande nahe mit Zähnchen oder Körnchen besetzt sein, deren ich z. B. bei einem Exemplar von etwa 12mm. Länge 36 zähle. Die Ausdehnung der Zähnchenreihe vom Schlosse ab ist ungleich. Da diese Schale längs des Vorderrandes besonders solide zu sein pfegt, dagegen von der Einbuchtung des Rückens oder Hinterrandes an zum Bauche abwärts immer dünner, zuweilen in beträchtlicher Ausdehnung ganz zart, so kommt es, dass gewöhnlich die Zähnchen hinten rascher aufhören als vorn. Die Area ist deutlich dreieckig, das Mittel- feld ausgezeichnet, nie unterhöhlt, die Schale stets etwas, zuweilen fast löffelförmig gehöhlt.
Die Aussenfläche ist stets weiss, meist schmutzig, an einigen jungen Muscheln mit radiären, tintenfarbigen, gruppirten Streifen oder Punktreihen. Die Innenfläche ist weiss mit Perlmutterglanz, doch am Rande die äussere Lage allein vertreten, durch welche dann die etwaigen Streifen durchscheinen. Bei ersichtlicher Abreibung kann der Perlglanz aussen erscheinen. Die äussere Farblosigkeit aber entsteht nicht durch Abblättern einer äussersten Lage, sie findet sich ausnahmweise auch bei Schalen von nur 5mm. Länge und ist einem Ausbleiben der Streifen zuzuschreiben. Bei den auf Pinna sitzenden Stücken kommt auf der Innenfläche der Deckschale wohl eine schwachgelbe, seltener eine grünliche Färbung vor.
Die linke, anhaftende Schale ist im angeklebten Theile immer dünn, meist äusserst dünn. Die Ränder dagegen, zuweilen ganz ringsum abgehoben und aufgerichtet, zuweilen allmählich verstreichend, sind kräftiger. Diese Schale ist flacher als die obere, jedoch am
Mollusca. 419
Umbo und an jenen erhabenen Rändern zuweilen etwas unterhöhlt und überragt damit oder auch mit zarten Ausbreitungen die Deckschale. Die den Zähnchen der Deckschale ent- sprechenden Grübchen am Rande stehen eher in etwas weniger ausgedehnter Reihe. Diese Schale lässt sich nicht leicht ablösen. Ich finde sie stets weiss, ungestreift und ihren Perl- nutterglanz geringer.
Die Austern scheinen sich auf den Steckmuscheln erst dann anzusiedeln, wenn diese bereits eine bestimmte Grösse erreicht haben. Ich finde sie nicht auf solchen unter 16— IScm. Länge, auf den grösseren stets in beträchtlicher Entfernung vom Umbo, also gegen ‚len frei in das Wasser gestreckten Rand hin.
Ich habe von Mallorka eine Pinna pectinata Lisse, petaso Leven mitgebracht, welche in Gestalt und Grösse, aber nicht in Farbe und Rippen oder Schuppen der Pinna nigrina ganz gleich ist. Auf ihr sind gleichfalls Austern zahlreich angesiedelt und diese sind zum Theil genau so gestaltet wie diese Varietät des rothen Meeres. Eine sich darüber ziehende Wurmröhre hat ein Exemplar sofort zu freierer Erhebung und. Gestaltveränderung veranlasst. Ueberhaupt herrscht unter diesen Exemplaren des Mittelmeeres die Spezifizirung der Form weniger, (Östrea deformis Lank.).
b. var. tridacnicola.
Valde irregularis, valvulis ad tridacnam flexis, margine laciniato et plicato. Fig. 6.
Während Tridacna elongata Lamarck gewöhnlich mit jungen Chama besetzt ist, finde ich nur an dem grössten der mitgebrachten Exemplare jener Muschel die Unterschalen einiger abgestorbenen Austern und zwei vollständige Austern, welche die vorige Varietät etwas an Grösse übertreffen, mit den Weichtheilen. Diese beiden haben sich nahe dem Rande der rechten Schale der Tridacna so an den linken oder vorderen Abfall eines der Schalwülste angeklebt, dass ihr eigener, sehr deutlich gezähnter Vorderrand vom Umbo aus an einer der äussersten Querrippen des Wulstes hinaufläuft und der hintere Theil der Schale sich in das Thal zwischen diesem und dem benachbarten Wulste hinabsenkt und sich in diesem ausbreitet, wobei «die etwas grössere Unterschale überragt. Hierbei wird die Schale auffällig von der der Exemplare auf Pinna verschieden. Die Area ist weniger hoch. Auf den Wülsten der Tridaena dehnen sich die Ränder in breitgeschlitzte Lappen. Die Zähnchen verschwinden zwar von der Stelle, an welcher dieses geschieht, nicht, aber sie werden strichförmig in die Länge gezogen. Gegen den Rücken jener Wülste der Tridacna hin, wo deren Falten sich zusammenschieben, falten sich die Bauchränder der Auster halınen- kammartig, alektryoniform. Diese radiäre Faltung kann man aussen auf der Deckschale der Auster nicht deutlich verfolgen. Diese Deckschale giebt vielmehr durch konzentrische Falten, welche den Falten oder Rippen des unterliegenden Wulstes der Tridacna parallel sind, diesen Rippen Ausdruck, und passt sich ihnen so an, dass sie schwer zu bemerken ist. Innen aber sieht man auch auf dieser Schale erhabene Linien in regelmässigen Kurven vom Rande gegen das Schloss hin ziehen. Die Innenfläche der Oberschale kann bei dieser Lagerung ihre Konkavität
kaum behaupten; sie wird, indem die Schale sich theilweise am Rande aufwärts biegt, konvex.
%* 0
20 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
Die Schalen sind inwendig grün, perlglänzend, gegen den Rand tintenfarbig gestreift, aussen schmutzig weiss. c. var. erenulifera (SOWERBY). «@. spondylicola vel corallicola, valvulis plicatis, inferiore profundiore, paullum ad- haerente. Figg. 7—9.
Die grösseren von Spondylus aculeatus Ünensirz genommenen Exemplare er- langen in stärkerer Ablösung. der Unterschale eine Form, welche wir, wie es scheint, als die dieser Auster dort zukommende ansehen dürfen, wo die äusseren Umstände ihrer Ent- wickelung günstig sind und ihre Gestalt nicht beeinträchtigen. Trotzdem vermitteln sie in einigen Beziehungen zwischen den beiden vorigen Varietäten, sie machen die Sonderheiten dieser verstehen. Sie gerade entsprechen der O. plicatula Gmeuim.
Die Oberschale dieser Varietät ist derb, meist gut gehöhlt; die Ränder sind gar nicht oder nur wenig lappig ausgebreitet, aber besonders gut hahnenkammartig gefältelt. In der Gesammtgestalt machen sich der untere Winkel und die hintere Ausziehung deutlich. Die Zähne sind im Ganzen unbedeutend, mehr gestrichelt, eher ähnlich denen der Bewohner der Tridacna, aber doch vermittelnd zu denen derer auf Pinna. Die Area ist gut entwickelt.
Die linke Schale findet bei der Erhebung der Schale des Spondylus in Zacken, Stacheln, Blättern oder Schuppen keine Gelegenheit zu der sich gleichmässig ausbreitenden Anwachsung, wie auf Pinna, nicht einmal wie auf Tridacna, falls nicht etwa eine mit dem Spondylus verwachsene Koralle dazu einen geeigneten Boden bietet. So erhebt sie bei einiger Grösse ihre Ränder frei und faltet dieselben hahnenkammförmig. Sie lehnt sich wohl auch nur an einen einzigen Stachel an und bekommt so eine fast vollständige Selbständig- keit. In diesem Falle ist sie am meisten ausgetiefl, tiefer als die rechte und die Gesammt- schale wird besonders alektryoniform.
Die Deckschale dieser Varietät ist zuweilen dunkelbraun ins Purpurfarbige. Auch auf der übrigens theilweise grünlich angeflogenen Innenfläche können die Falten ein Weniges mit Purpur gesäumt sein. So wird die Färbung der O0. cucullina Desnayes wenigstens angedeutet.
ß. pectinicola. Fig. 13.
Ein Exemplar von 40cm. Länge, das einzige, welches ich auf Peeten lividus ge- funden habe, repräsentirt noch vollkommner die OÖ. erenulifera Sowerey. Die Falten hören erst nahe am Schlosse auf, wo sie sich in Striche wandeln.
d. var. spongicola.
Tenuis, rostrata. Fig. 1.
Von den auf Spondylus aculeatus ansässigen Austern waren zwei sehr kleine von einem Hornschwamme umwachsen. Von der einen habe ich nur die Deckschale. Sie ist sehr dünn und flach, während sie im Umriss der unter Fig. + als von Pinna entnommen dargestellten fast vollkommen gleich sieht. Die Innenfläche ist zur Hälfte perlglänzend, An
Mollusca. 2]
der Grenze dieser Auskleidung erscheinen etwa acht tintenfarbige Flecke und wiederholen sich zum Theil kräftiger am Schalenrande.
Von dem anderen Exemplare besitze ich beide Schalen (Fig. 1%). Die untere, linke ist etwas grösser, indem sie namentlich mit einem nur verhältnissmässig tief ausgehöhlten Umbo die rechte überragt. Im Ganzen ist auch sie sehr flach, am offenen Theil sogar aussen konkav, dünn, farblos, und am Rande schwach gebräunt. Die Deckschale hat den Umbo und die Area sehr klein, ist innen etwas konkav. Aussen purpurbraun lässt sie innen Streifen durch die Perlmutterschicht durchscheinen. Nur die Deckschale hat einige schwache Zähnchen vom Schlosse zum Vorderrande.
Bei einer gewissen Freiheit von eigentlich missgestaltenden Umständen erscheinen diese Individuen doch im höchsten Grade verkümmert.
e. var. Forskalii Cnenmsitz.
Cochleariformis, paullulum lamellosa. Figg. 10—12.
Eine von einem Pflanzenstamm abgelöste Auster ist weitaus die grösste von allen. Ihre linke Schale (Fig. 10) ist nicht allein durch die dünne Randausbreitung und die stärkere Ent- wickelung des Umbo und der Area erheblich grösser als die rechte (Fig. 11), sondern auch auf der Fläche stark ausgetieft, im Umbo unterhöhlt. Indem so die rechte sich als ein Deckel einlegt, nimmt die Schale die Cochlearform an und erreicht in dieser Beziehung mindestens die O. cucullina Desuaves.
, Dabei lässt sich die Gestalt der Deckschale vortrefllich auf die zuerst beschriebene Varietät zurückführen; die Area ist dreieckig, Zähnchen stehen an beiden Seiten des Schlosses, ein kräftiger, gegen den Rand ins Goldige spielender Perlmutterbeleg wird von den schwärz- lichen äussern Lagen der Schale gegen den Rand überragt. An der unteren Schale sind die statt der Zähnchen auftretenden Grübchen strichförmig: der dünne Rand ist etwas streifig; der Umbo wendet sich deutlich nach hinten.
Sollte hierbei noch etwas für die Verbindung zu den anderen Varietäten vermisst werden, so gibt das ein jener Auster aufsitzendes junges Exemplar (Fig. 10 und Fig. 12). Dieses erinnert namentlich an die aus Maınrarp in Reeve (Taf. II, Fig. 2a) übergegangene kleine cucullina. Da Rerve zu cucullina nicht das Innere einer Deckschale abbildet, kann man sich von der Existenz der Zähnchen allerdings nicht überzeugen, sondern sieht nur Strichelchen einiger Unterschalen. —
Ausser den oben angegebenen Bestimmungen von Vaırzant, Isser und M'AnprEw können auf die Lokalität hin folgende Arten für Austern des rothen Meeres vorzüglich in Betracht gezogen werden.
Maırarn hat von Reunion mitgebracht ©. denticulata Borv und ©. violacea Desnavyges, welche nach Desnaves durchaus keine Zähnchen auf dem Limbus hat und deren Inneres nur schwach perlglänzend ist.
Rerve hat in seiner GConchologia iconica Bd. XVII aus dem rothen und den angrenzen-
den Meeren die folgenden Arten: OÖ. cucullina Desnaves von Bourbon, (Taf. 2, Fig. 2) und von
32 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
Barclay-Insel (Taf. 31, Fig. 2,c.d.); ©. cucullata Born (Taf. 16, Fig. 3%), unter welche cornu- copiae und Forskali Cuewsirz (f. 679 und 671—676) aufgenommen werden; O. crenu- lifera Sowersv (Taf. 27, Fig. 67); O. cerata Sow. von Mauritius (Taf. 28, Fig. 71); O. Bark- layana Sow. von Mauritius (Taf. 30, Fig. 77); ©. affinis Sow. von Diego Garcia nahe Mauritius (Taf. 29, Fig. 75); O. vitrefacta Sow. von Mauritius (Taf. 31, Fig. 80); OÖ. nobilis Sow. von Barklay-Insel (Taf. 32. Fig. 81); OÖ. inaequivalvis Sow. von Madagascar und Mauritius (Taf. 32, Fig. 82). Es sind meistens Abbildungen von Exemplaren gegeben, welche unsere in Grösse, Vollendung, Farbenpracht weit übertreffen, doch fehlen die Beweise, dass auch Reeve Kümmerlinge vorgelegen haben, nicht gänzlich.
Auvovin hatte die Figg. %, ! u. 2 der Taf. XIV des Savıcny für Austern erklärt, ohne sie auf eine Art zurückzuführen. Isser hat auch diese, wie die Figg. 5—7 für Pli- catula angesehen. Für 5,2 beweist das das Schloss.
Lamarck!) hat aus solchen Gegenden unter Nr. 6 OÖ. cristata Borx von Isle de France, unter welche OÖ. parasitica Cuennirz (VII, Taf. 71, Figg. 660—661), aus dem Mittel- meer und von Östindien mit aufgenommen ist, welche nicht identisch ist mit OÖ. parasitica GnmeLin; weiter unter Nr. 15 OÖ. denticulata Born, als vielleicht von der afrikanischen Küste, eine der Arten mit Zähnchen an den Rändern, aber nicht identisch mit OÖ. denti- culata Cnennirz VII, Taf. 73, Figg. 672—673, welche übrigens Rerve nach Amerika verlegt; endlich bringt er unter den Arten mit scharf gefältelten Rändern, jedoch ohne das rothe Meer als Wohnsitz anzuführen, OÖ. cornucopiae und O. cucullata.
Bei Cuemsirz und Gmeum rühren von Forskär's Reise an das rothe Meer her O. forni- cata Guenn. (VII, Taf. 71, Fig. 667), welche ebensowenig eine Auster ist als O. regula Forsk. (Malleus) und als Verwandte der letzteren schon von Cneusırz bezeichnet wurde, die fossilen OÖ. Forskalii Cuemn. (VII, Taf. 72, Fig. 671) und O. cognata (cognataostreae eristaegalli) Carmn. (VII, Taf. 73, Fig. 675), welche, wenn auch keine eigentlich gezäh- nelten Ränder, doch deutliche Punktreihen inwendig längs der Ränder habe und bestimmt von OÖ. cristata verschieden sei.
Eben die Zähnelung der Innenfläche am Rande, besonders der Oberschale ist eine schon von (Cnemsirz hervorgehobene Auszeichnung einiger Austern. Sie hat, obwohl sie in der Nähe des Schlosses deutlicher zu sein pflegt, doch mit dem Schlosse nichts zu thun. Sie ist wenigstens direct nicht eine Quelle für Schlosszähne anderer Muscheln. Sie zieht sich zuweilen deutlich an den Aussenrand der Area und ist vorn immer besser entwickelt als hinten. Sie steht mit den weiter gegen den Bauch hin eventuell auftretenden Fäl- telungen der Schalenränder, dem plikatulischen oder alektryonischen Charakter, in Zusammen- hang. Sie kann nicht als ein Charakter erster Bedeutung, grösster Festigkeit angesehen werden. So habe ich für die Benennung unserer Formen verzichtet, auf die unsichere OÖ. denticulata Born zurückzugreifen. Meine Austerchen auf Pinna pectinata des Mittel-
I) Histoire naturelle des animaux sans vertebres. Ed. II. par G. P. DesmavEes et H. Miırse En- wARDS, VII. p. 217 ff. Auf diese zweite Ausgabe beziehen sich alle unsere Zitate.
Mollusca. 23
meers haben die Zähnelung nach Ausweis der Grübchen offenliegender Unterschalen übri- gens auch.
Bei Lamarck ist »limbo interno ad peripheriam denticulato« oder Aehnliches ausser für OÖ. denticulata angegeben für Nr. 16 O. spathulata Lam., bei welcher die La- mellen stark ausgebildet sind; Nr. 21 mytiloides Lam., für welche darin das Gleiche gilt, während der »apex retusus« gut passen würde; Nr. 27 gibbosa Lamk.; Nr. 28 australis Lamk., beide gleichfalls lamellös; dann unter denen mit gefältelten Schalen für Nr. 3% eucullata Born, welche nach allen wesentlichen Eigenschaften hierher gehört, bei welcher aber wenigstens für die Abbildungen von RervE soviel prächtigere Individuen vor- gelegen haben, dass die einfache Annahme jenes Namens für uns kaum anzugehen schien (dass Nr. 33 O0. cornucopiae nach Lamarck in der unteren Schale keine Zähnchen habe, kann ihre Ablösung nicht rechtfertigen); Nr. 42 glaucina Lamk. als eine nur an der Hinterkante gezähnte und dadurch von plicatula Gmer., einer nach Lamarck amerika- nischen und indischen Art, verschiedene Form: Nr. 50 O0. stentina Pasr. aus dem Mittel- meer. Für eine weitere gefältelte Art, Nr. 45 crista galli Gnemsirz heisst es » margine scabro« und für Nr. 52 senegalensis Gner. » valvis ad cardinem granulosis «.
Pnirmwpr gab 1836 bei seinen Mittelmeeraustern Zähne des Limbus nahe dem Schlosse oder weiter verbreitet an für OÖ. lamellosa Brocen, eristata Lamk., depressa Phı., plicatula Lmw., aber nicht für cochlear Por und cornucopiae Lmw. Mit plicatula verband er stentina Payr., unter Anderem mit dem Charakter: »limbus denticulatus, den- tibus multis, praesertim in uno latere. « 4
In dem Innern von Pinna und auf anderen verlassenen Schalen fand in eu- ropäischen Meeren Lawarck sehr häufig die sehr kleine und veränderliche Nr. 31 0. de- formis Lauk. mit dünner Unterschale angeheftet.
Bereits Lawmarck hatte von O. plicatula Gueı. gesagt: » oflre quantit@ de varietes, quil serait plus nuisible quutile a la science de distinguer.« Dass Desnayes als zweiter Herausgeber sich 1836 mit diesem Satze nicht einverstanden erklärte, beruhte wohl auf dem Missverständniss, dass Lamarck die Beschreibung der mannigfaltigen Eigenschaften, nicht blos die Darstellung unter dem Titel besonderer Arten habe verwerfen wollen.
Ausser den oben als von mir auf einer Pinna des Mittelmeers gefunden bezeichneten, hier verglichenen Individuen hat unsere Sammlung einige, welche von meinem berühmten Amtsvorgänger Bronx als » Monspelii lecta« bezeichnet und als O. plicatula Lamk. (sten- tina Park.) benannt sind. Wahrscheinlich auf dem Fischmarkt von Montpellier als zu gering weggeworfen oder von anderen Schalen abgeputzt, da sie nicht von Broxn unter die Fossile gestellt sind, gleichen sie den von Spondylus aculeatus abgelösten Stücken, wie ein Ei dem andern, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ihre Schale ist um ein Geringes mehr geneigt zum Lamellösen und ihre Perlmutterschicht weniger entwickelt.
Unter den von PntLieri für identisch zwischen dem rothen Meer und dem Mittelmeer erklärten Muscheln befindet sich zwar O. plicatula nicht, dagegen O. eristata Bonn.
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k H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
Diese, welche von EnreEngere vermuthlich von Massaua gebracht war und auch bei Isle de France vorkommt, entspricht, wie es scheint, unserem kochleariformen Individuum (var. e: Forskalii): »testa rotundata, tenui, expansa; superne lamellis membranaceis, imbricatis appressis; subtus lamellis raris, laxis, undato plicatis« (Lanarck).
Es erscheinen demnach die Austern des rothen Meeres unter dreierlei Erscheinungen auch im Mittelmeere repräsentirt. Die Gestalt scheint dabei ganz wesentlich von der Be- schränkung und Ausdehnung der Unterlage; die Grösse und die.Schalenentwicklung scheinen von bedeutenderen Lebensbedingungen abzuhängen. Freie Umspülung mit bewegtem, Nah- rung und Sauerstoff bringendem Wasser, Wärme und Salzreichthum scheinen das Wachsthum im Allgemeinen, die Farbe, die Ausbildung der Perlmutterschicht zu begünstigen.
So steht schwerlich etwas im Wege, die Austern des rothen Meeres mit denen des Mittelmeers zusammenzustellen. Jedenfalls haben sich Arteigenschaften nicht über die aus den Einzelumständen bedingten Variationen erhoben, sie sind diesen gegenüber distinguirend nicht zu finden. Die Individuen, welche in freier Entwicklung gut charakterisirt O. pli- catula Guwerın genannt worden sind, werden bei einer grösseren Ueppigkeit der Lebens- bedingungen zu cristata, cochlear und ceucullina, wobei die Zähne des Limbus und die Falten weniger ausgebildet erscheinen, dagegen die Lamellen mehr. Wenn sie dagegen auf flachen Strecken sich ansiedeln, besonders auf Pinna und hier wahrscheinlich auf Schlammgrund zugleich getroffen werden von Dürftigkeit der Lebensbedingungen, Concurrenz um die Nahrung, selbst, wegen Verschlammung, von der Unmöglichkeit ein höheres Alter zu erreichen, so wird namentlich die Unterschale dünner, aber auch die rechte; die Schalen werden weniger regelmässig ausgebildet; aber die Zugehörigkeit wird noch behauptet durch die Rückwärtsneigung des Umbo, die Gestalt des vorderen, unteren Winkels, die Vorziehung des hinteren Theils und, soweit die Schalen nicht gar zu schwächlich werden, die Zähnelung des Limbus. In äquatorialen und offenen Meeren, gestützt von den Zacken einer Korallenbank, dürfte dann diese Muschel in verschiedener Weise in Färbung und Gestalt von den gedeih- lichen Umständen und ihrer Lebensenergie Zeugniss ablegen.
In Betreff der Weichtheile sind die Stücke von Pinna und aus ähnlichem Vor- kommen zart und farblos; das Exemplar aus der grossen auf einem Pflanzenstengel auf- gewachsenen Schale (var. e. Forskalii) Figg. 10 u. 11 zeigt, wie es in der Schale viel Pigment abgelagert hat, so auch pigmentirte Mantelränder. Dass in der frühen Jähres- zeit schon Fortpflanzung und dass diese schon an ganz winzigen Exemplaren vorkam, geht aus oben Gesagtem hervor.
2. Plicatula ramosa Lanancer.
Vaırzant und Isser führen, der letztere auch im Verzeichniss zu Savısay, die Pli- catulen des rothen Meers in ihrem Kataloge unter obigem Namen, M’Anprew als P. Phi- lippinarum Hasıey; in den gedachten Verzeichnissen von Fischer ist keine Plicatula.
Gnmeri führt den der Lamaren’schen Plicatula ramosa zu Grunde liegenden Spondylus plicatus aus indischen und amerikanischen Meeren wie aus dem rothen und
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dem Mittelmeere an. Maırarn hat von Reunion Plicatula imbricata Mexke, P. com- planata Desnayes mitgebracht. Alle bei Lamarck aufgeführten Arten mit Ausnahme der neuholländischen P. australis sollen amerikanischer Herkunft sein. Rerve hatimbricata von China und den Philippinen, novae Zelandiae von Neuseeland, simplex von China, ramosa von Hood's Insel, Essingtonensis und australis von Australien, Philippi- narum und dubia von den Philippinen und ceylonica von Geylon, dagegen nur zwei Arten bestimmt von Amerika. Aupovix hat die von Savıcıy abgebildeten Stücke mit der ihm geläufigen Wendung abgefertigt: quelles pourraient bien &tre nouvelles. Die Heidelberger Sammlung hat Exemplare von Jamaica, durch Anıms als ramosa bestimmt. Alle diese sind deutlich roth gestrichelt. alle am -Hinterrande etwas concav; der vordere untere Winkel ist stets deutlich. Aber sie sind in einer Beziehung sehr verschieden. Während nämlich drei von ihnen grobe, zum Theil getheilte Wülste haben. ‚wie solche den Namen begrün- ddeten, hat ein Stück zahlreichere und schärfere Falten und erhebt sich am Ausgang dieser wie ein Spondylus lamellös und in Zacken, etwa wie es RervE für imbricata Menke und Exemplare von australis Lam. abbildet (XIX, Taf. 1, Fig. 4 und Taf. 3, Fig. 10e). Wenn demnach dieses Merkmal in die Variabilität fällt, so ist Gleiches für die Gesammtgestalt der Plikateln deutlich durch den Vergleich anderer Exemplare von australis bei Resve: lin- guiform specimen (Taf. 3, Fig. 10d) oder von aculeata (Taf. 4, Fig. 11a). Wir haben ferner im Heidelberger Museum ein Exemplar als P. ramosa von Pernambuco, herrührend von dem seiner Zeit bekannten Conchyliensammler Hönsinenaus in Crefeld, welche des ein- gedrückten Hinterrandes ebensowohl als der rothen Strichelchen entbehrt.
Wenn man mit Vorauserwägung der Veränderlichkeit der Plikateln in diesen ver- schiedenen Punkten die etwa zehn Individuen ansieht, welche Herr Kossmann von Massaua mitbrachte, zu welchen noch ein oder das andere winzige, anderen Schalen aufsitzende Stück gestellt werden könnte, so möchte man ganz und gar an der Möglichkeit, in dieser Gattung gute Arten zu machen, verzweifeln.
Wenngleich unsere erwachsenen Individuen darin übereinstimmen, dass sie weder die gedachten Lamellen oder Stacheln haben, noch die Purpurfarbe der P. Philippinarum Hasıey (Reeve Taf. k, Fig. 12) besitzen, auch ihre Hinterkante kaum eingedrückt ist, so bleiben doch in Gestalt, Schalendicke, Entwicklung der Schlosszähne und der Wülste sehr grosse Differenzen. Zwei Stücke sind spitzoval, fast doppelt so hoch als breit. Zwei andere fast kreisrund, abgerechnet die Area nicht höher als breit. Das fünfte rundet zwar den vordern unteren Winkel aber nicht den hinteren oberen, welcher fast ein rechter ist. So erscheint diese Schale bei gradem Rücken ziemlich halbkreisförmig. Eine sechste bildet durch die scharfe Ausbildung auch des vorderen unteren Winkels einen Quadranten. Die ganz jungen Exemplare sind immer gerippt und gekörnt.
Auf den jungen Schalen erscheinen meistens zierlich rothe Tüpfelchen und Strichel- chen; diese bleiben den älteren, wenn sie nicht durch fremde Kalkablagerung überdeckt
werden, in der Regel erhalten und können am Schalenrande inwendig zu einem Purpur-
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. II. 4
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saume zusammenfliessen. Die Fläche der Muskelnarbe ragt etwas vor. Mit der Dicke der Schale, welche bei den kreisrunden Stücken besonders mächtig ist, wächst die der Schloss- zähne. Die massivste Schale aus dem rothen Meere gleicht frappant einem als P. cristata Lamarck bestimmten westindischen Individuum in der plumpen Gestalt, der Schalendicke und der Ueberdeckung durch Algenkalk, ohne dass jedoch die Schalenwülste in gleicher Weise scharfkantig wären. Die Unterschale ist gewöhnlich tiefer. Die Schalen behalten, wo sie anderen Schalen, so z. B. der var. crenulifera der Ostrea plicatula, aufsitzen, ihre Merkmale fester als die Austern selbst, verlieren namentlich nie die den Gattungsnamen bedingende Fältelung.
Wollte ich in der Artenbildung so verfahren, wie es gewöhnlich ist, so müsste ich nach den oben angegebenen Gestaltverschiedenheiten aus unseren Exemplaren vier Arten machen. Wie dieses unzulässig erscheint, werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Arten der Gattung überhaupt in grosser Zahl zusammengefasst werden können. Schalendicke, plumpe Form und Kalküberzüge, welche Eigenschaften im Grade der Ausbildung zusammen- zugehen pflegen, sind, wie es scheint, gleichmässige Consequenzen bestimmter Qualitäten des Wohnplatzes, vielleicht des Sitzes in der Brandung und in geringer Tiefe. Das an Ort und Stelle zu ergründen, dürfte nicht sehr schwierig sein.
3. Spondylus aculeatus Cnennıız.
Cuennirz, Conchiliencabinet VII, Taf. 44, Fig. 460.
Die Einreihung von Spondylen des rothen Meers zu dieser Art ist allgemein. Vaırant und Isser führen nur diese Art der Gattung, M. Anprew noch S. plurispinosus Reeve, SaussayE hat gar keinen Spondylus, Fiıscner in der späteren Liste ausser der ge- dachten Art noch S. concavus Desuaves.
Reeve bezweifelt, dass das von ihm (IX, Taf. 17, Fig. 63) unter dem Namen S. acu- leatus abgebildete, von Sowersy dahin gestellte Exemplar hergehöre. Dasselbe weicht in der Ausdehnung des vorderen Flügels und in der breiten Entfaltung der Schuppen der Deckschale von unseren Exemplaren ab, welche doch der Beschreibung des Cnensirz für die von ForskAr aus dem rothen Meere gebrachten Exemplare unter gedachtem Namen vor- züglich entsprechen. Der Spondylus nudus Ünenmn. von Mauritius (Reeve IX, Taf. 1, Fig. 2) kann nicht direct in Vergleich genommen werden, weil er glatt ist, aber insofern doch vielleicht indirect, weil die Stachelbildung innerhalb einer anderen Spondylusart, bei dem Spondylus gaederopus des Mittelmeers, auftreten und fehlen kann. Der S. au- rantiusLam. von den Seychellen (Rerve Taf. 3, Fig. 10) hat eine erheblich freiere Entwicklung, der zonalisLam., herinaceus Ünenn. (Reeve Taf. 8, Fig. 29a, b) bildet zwischen den Reihen eher zarter Stacheln Querrippchen, während unsere Form zwischen etwa zweiundzwanzig Reihen gröberer Stacheln je etwa drei Längsreihen kleinerer Spitzchen oder Körnchen ein- schiebt, welche allenfalls weiterhin sich als gröbere Reihen intercaliren können. Lamarck nat unter Nr. 6 den Spondylus costatus Lam. als aus dem rothen Meere und Desnaves hat in der Anmerkung als dessen angeführte var. b: » costis spinisque purpureis « die von
Mollusca. 27
Lamarck mit angeführte Fig. 460 des Cuemsirz verstanden, obwohl Cnemsisz grade im Gegen- theil Rippen und Strahlen seines aculeatus weiss nennt, wie das bei unserer Form we- nigstens auch vorkommt. Cuemsirzz hat dann auch den S. proboscis elephanti, welchen Forskär ebenfalls mit vom rothen Meere brachte, und welcher durch die starke Entwicklung des Umbo oder des Rostrum der unteren Schale, die Furche der Area und die blasse Färbung mit Violet gemischt ausgezeichnet war (Taf. 45, Fig. 468). Lawarck hat diesen nicht aufgenommen.
Maırtarn brachte von Reunion S. aurantius Lam., zonalis Lam., concavus Desn., nicobaricus Ünenn.
Allen diesen Angaben gegenüber kann nur die Frage sein, ob eine oder die andere Art erheblich genug von aculeatus Cuemn. abweiche, um unterschieden zu werden, nicht, ob unsere Individuen besser unter eine jener Arten passen als unter diese. Da dieselben bei grosser Verschiedenheit der Schalenform doch durch Gleichartigkeit in Färbung und Bestachelung mit einander sehr übereinstimmen, habe ich keinen bestimmteren Anhalt gehabt, jene anderen Formen in dem Sinne der Zusammenlegung ins Auge zu fassen, aber einige sind mir ver- dächtig geworden, namentlich der 'S. zonalis. Die grosse Veränderlichkeit der Schalen- form dürfte von der Art des Sitzes an Korallenbänken in mechanischen Motiven abhängen, während vielleicht sonst die Existenz an diesem Platze überhaupt von zu gleichmässigen Bedingungen umgeben wird und umgeben sein muss, als dass die Veränderlichkeit erheblich sein könnte. Wenn ein Merkmal in seiner Veränderlichkeit besonders hervortritt, werden die anderen übrigens auch leicht weniger beachtet. Wenn mit Aenderung der Lokalität eine Veränderung in jenen allgemeinen Bedingungen eintritt, welche die Existenz nicht gefährdet, beispielsweise höhere Meerwassertemperatur, mögen Farbe und Ausbildung der Schuppen, Stacheln und Spitzen erheblicher in die Variabilität treten, als es hier sich zeigt, und so auch die aus ihnen genommenen Merkmale in den Beschreibungen nicht hoch anzu- schlagen sein.
Die grösste Variabilität zeigt sich bei diesem Spondylus für das Rostrum der Unter- schale. Dasselbe fehlt fast bei einem von 14 Exemplaren, es misst bei Anderen Y,, /, selbst '/; der Gesammtschalenlänge, ohne dass das gerade von der individuellen Grösse abhinge. Bei etwa der Hälfte der Individuen steigt das Rostrum fast vertikal abwärts, bei den übri- gen streckt es sich mehr horizontal fort. Dann ist es weiterhin in der Regel gegen oben konkav und erhebt sich so mit dem Umbo wieder; in mehreren Fällen aber ist es konvex und biegt sich weiter abwärts. Die obere Fläche ist von den Seitenflächen durch scharfe Kanten geschieden. Von diesen ist in der Regel die vordere die längere, so dass das Rostrum sich nach hinten wendet; in zwei Fällen ist es aber gerade entgegengesetzt. Das darf nicht als ein Irrthum verstanden werden, entstanden daraus, dass hier die andere Schale angeheftet sei. Angeheftet ist immer die rechte Schale. Die angeheftete Schale hat immer die grossen Zähne des Schlosses genähert, die freie hat sie distant. Von elf Thieren zu gedachten vierzehn Schalen habe ich die Weichtheile vor mir. Immer ist die rechte Seite
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die mehr entwickelte, sie hat einen grösseren Leberlappen, so dass sie mit einem über- ragenden Zipfel in das Rostrum sinkt; das Feld des Schliessmuskels ist auf ihr grösser und mehr geneigt. Nach den vorliegenden Exemplaren würde eine starke Entwicklung des Ro- strum im gewöhnlichen Sinne mit einer grösseren Längsentwicklung der Muschel verbun- den sein. Die Mündung dieser Schalen ist nach dem gewöhnlichen Ausdrucke ebenso breit als lang, wenn nicht noch breiter. Weicht das Rostrum vom Gewöhnlichen ab, ist es namentlich verkehrt gebogen, so entwickelt sich die Muschel bedeutender vom Schlosse gegen den Bauchrand und kann in dieser Richtung 15—20°%, mehr messen als querüber, d. h. in der eigentlichen Länge des Thieres; die Deckschale wird dann aus dem rundlichen mehr zungenförmig. Zuweilen zeigt ein schwarzer Streifen zwischen zwei weissen auf der Area des Rostrum die Entwicklungsbahn, die Geschichte der beiden Zähne und des zwischen ihnen liegenden schwarzen Schlossknorpels. Eine eigentliche Furche entspricht dem letzteren nicht. Die Stacheln der Oberschale sind meist einfach, seltener blattartig verbreitert; die der Unterschale sind besonders gegen den Schalenrand hin gerne lamellös oder gehen im Ganzen in Lamellen auf. Die grossen und kleinen Stacheln können ganz oder theilweise weiss sein, es ist das aber gar nicht besonders häufig. ° Die Grundfarbe erscheint durch die Verunreinigungen dunkler, nach gehöriger Reinigung matt pfirsichblüthfarben, die Ränder der Innenfläche viel gesättigter braunroth.
Für die Verbindung dieses Spondylus mit indischen Formen ist namentlich der S. foliaceus wichtig, dessen Limbus mit Purpurbraunroth sich genau so gegen das Weiss der Innenfläche absetzt und welcher gerade so mit Chama besetzt sein kann, wie acu- leatus das häufig ist, welcher dagegen eine beschränkte Zahl von Stachelreihen hat. Namentlich kommt ein aculeatus, welcher die Stacheln der Oberschale mehr spatelartig ausgebreitet und von grossen Stacheln eine geringere Reihenzahl besitzt, einem foliaceus unserer Sammlung von leider unbekannter Herkunft nahe. So dürfte es schliesslich vielleicht gelingen, alle Spondylen an den Küsten und Inseln des indischen Ozeans aneimander zu reihen. da Gestalt, Zahl der Stachelreihen, Form der Stacheln, bei wieder andern Arten auch Farbe als grosser Variabilität unterworfen sich erweisen lassen.
4. Lima squamosa Lamarck. var. paucicoslala SOWERBY.
Da wir von dieser Muschel ein einziges, allerdings schönes Exemplar haben, ist es nicht möglich, sich darüber auszusprechen, ob eine volle Verbindung mit squamosa be- stehe, oder die von Isser festgehaltene Abtrennung als L. bullifera Dsn. räthlich sei. Isseı hat ausserdem nur noch eine unbestimmte, der L. scabra Born nahe Form im Turiner Museum gesehen. Die Mannigfaltigkeit, unter welcher Lima im rothen Meere auftreten kann, beweist dagegen das Verzeichniss von M’Axprew. Dieser hat ausser L. (Radula, paucicostata noch Radula inflata Cnemn., tenuis Ap., Ctenoides scabra Born, Limatula pusilla Anp., Mantellum fragile Boıren, und Limaea pectinata Apams. Die zwei Arten von Apams sind neu.
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Unser Exemplar hat vierzehn Rippen, ausser den undeutlichen vorn und hinten, wäh- rend ich an solchen aus dem Mittelmeere deren achtzehn bis zweiundzwanzig finde. Die Veränderlichkeit der Rippenzahl ist ‚klar; die Erhebung und Gestalt der Zacken, die Ge- sammtform der Schale, namentlich die Grösse der Winkel, die Schalendicke werden nicht minder varıabel sein.
5. Pecten lividus Lanarck, incl. Pecten australis Sowersy.
Isser und M’ Anprew führen übereinstimmend Pecten concinnus Rezvz, P. lividus Lam., P. sanguinolentus Resvz, P. senatorius Guer., P. (Pallium) plica L., P. (Vola) erythraeensis Sow. auf; M’Anprew weiter P. serratus Sow. und den mediterraneen und atlantischen P. varius; Isser noch P. hastatus Sow., australis Sow., zic-zacL., imbricatus Gmer., tigris Lam. und (Vola) medius Lam.; Vanrant P. medius, austra- lis, plica, sanguinolentus, hastatus und einen dem P.spectrum ReryE verwandten ; Fischer von SaussayE P. medius, 1870 noch laetus Govıw, sanguinolentus und filosus, unter welch letzterem medius Vaır. einbegriffen ist.
Unseren Individuen kommen bei Rerve die als P. lividus und als australis gege- benen am nächsten (VI, Taf. 19, Fig. 71 und Taf. 25, Fig. 103); nicht so gut bei Savıcav, Taf. 13 die Fig. 5, welche Isser in seinem vierten, explikativen Abschnitte, aber nicht im Haupttext auf P. lividus Lamarck deutet. Doch scheint es erlaubt, diese beiden Figuren auf Varie- täten derselben Art zu beziehen. Für unsere Exemplare können von oben dem rothen Meere zugetheilten Arten nicht in Betracht kommen, ziezac, imbricatus, sanguinolentus, concinnus, auch nicht elegantissimus Desm. von Reunion und rallinoides d’Ors. von Zanzibar. Näher stehen subrufus Turr. von England, squamosus Gmeı. var., (REEVE, Taf. 21, Fig. 65e), von den Philippinen, ceristularis Av. u. Rerve aus östlichen Meeren, asperulatus A». u. ReevE von Corea. Pecten daucus Rerve von Corfu \Taf. 3%, Fig. 136) mag die Verbindung mit P. varius des Mittelmeeres herstellen, welcher bei sonstiger grosser Aehnlichkeit sich durch die Bestimmtheit der Rippen mit ganz glatten Zwischenräumen unterscheidet.
Zwei Stücke, welche unser Museum aus den Sammlungen erhalten hat, welche An- fangs der dreissiger Jahre der Gouverneur Winter, von nassauischer Herkunft, in Java zu- sammenbrachte, sind in Form und Skulptur der Schale unseren Stücken aus dem rothen Meere ähnlicher als irgend ein anderes uns in Beschreibung oder Abbildung vorgekommenes, allein ausgenommen die Fig. 7 bei Savıcny; aber bei beiden sind die Schalen weniger ge- wölbt, das eine ist ausserdem zarter, die Schuppen sind weniger kräftig und die Farbe ist blasser; bei dem anderen, als senatorius Lam. aufgestellt, sind die Unterschiede von Haupt- rippen und Nebenrippen mehr verwischt als das bei lividus gewöhnlich scheint.
Die Schwierigkeit einer scharfen Beschreibung beruht wesentlich auf der Unbestimmt- heit der Rippen. Aus Linien zwischen den primären Rippen entwickeln sich mehr als bei anderen Arten sekundäre Rippen, werden auch allmählich gezähnt und haben dabei keine
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bestimmte Zutheilung zu Hauptrippen. Zähle ich nun als Rippen nur solche Leisten, welche es am Rande zur Bildung aufstehender Schüppchen gebracht haben, so hat ein Stück von 38mm. Höhe solcher rechts 26, links 14, bei Ausserachtlassung derer an den Ohren; eins von 54mm. rechts #1, links 28. Bei dem grössten Exemplar von etwa 80 mm. Höhe fällt die Möglichkeit, auf Schuppen Rücksicht zu nehmen, weg; seine linke Schale zeigt von solchen keine Spur; an der rechten sind sie, höchstens mit Ausnahme des Randes, nur durch Pünktchen vertreten. Auch das Verhältniss der Breite zur Höhe, der Grad der Wöl- bung der Schale sind verschieden. Die gewöhnliche Farbe ist schmutzig purpurn, sie kann daraus mehr ins Livide und ins Braune variiren. Auf dem braunen Grunde können gelbliche Flecken auftreten und einige Rippen bevorzugt gelb sein. Endlich gibt es rein hellgelbe Individuen. Die Innenfläche kann ebenso aus dunklem Purpur heller, fleckig und gelblich
werden. 6. Pinna nigra Cnenmsirz; nigrina Lane. incl. P. hystrix Hanrer.
Da Cnenmsırz eine von Forskär mitgebrachte violetgestreifte oder schwarze, breite, glatte oder geschuppte Form gut beschrieben und Lamarck sich, wenngleich mit einer klei- nen Artnamenänderung darauf bezogen hat, so scheint mir kein Grund, die übrigens wohl hergehörende hystrix Haxıey für die Benennung heranzuziehen, wie das M’Anprew thut. Mit assimilis und Stutchburii, welche M’Anprew gleichfalls aufführt, welche wir aber hiernach zusammennehmen werden, wird wohl als eine besonders difforme, geblähte Form die saccata Lim. zu verbinden sein. Neben Formen, welche der hystrix entsprechen würden, gibt es auch solche mit Rippen ohne Schuppen und ganz glatte, welche füglich als atropurpurea Saw. zu bezeichnen wären. Die meisten sind im Verhältniss zu anderen Pinna kräftig gewölbt. Es gibt aber auch mehr flache. Bei diesen fällt die gewöhnliche fächerförmige Ausbreitung, welche einer Einbuchtung der Bauchlinie folgt, um so mehr auf. Die jungen Stücke haben deutliche Längsrippen, sind blass hornfarbig, nach hinten violet; die Unterscheidung derselben von denen der folgenden Art ist unsicher. Solche von einigen Millimetern Länge haben einen tintenblauen Fleck auf glashellem Grunde. Die Muschel hat in einigen Stücken 20—25cm. Länge und dann 14—16cm. grösste Breite. Längsrippen können auch in alten deutlich sein. Diese können statt ganz schwarz, sobald sie dünn- schalig sind, gestreift erscheinen. —
Es ist nicht zu bezweifeln, dass man die von Guemsirz (VII, p. 221) aufgeführte und Taf. 88, Fig. 77% abgebildete Form vor sich hat, auf welche Rervz seine nigra von den Philippinen bezieht, welche aber Forskar mit vom rothen Meere gebracht hatte. P. vexil- lum Borx aus Amboina ist wohl auch identisch. Isser hatte von Suez nur ein Bruchstück.
7. Pinna Stutchburü Rerve, inci. assimilis Haxıer.
Es ist mir nicht unwahrscheinlich, dass diese Pinna mit der vorigen zu verbinden ist, aber zwischen den sehr verschiedenen Vertretern beider Arten fehlt mir die Vermittlung und ich lasse einigen Exemplaren die obige Bezeichnung. Ein schönes Stück ist 21 cm.
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lang auf nur 6,5 cm. grösste Breite, horngelb, an der Spitze braun, nahe der Spitze violet. Längsrippen sind kaum angedeutet, Querlinien leicht gewellt. Ein anderes Stück von 12cm. Länge und 4,6 cm. grösste Breite hat die Längslinien deutlich und scharfe und kleine Schüpp- chen auf denselben. Exemplare mit Schüppchen und etwas geschweifter Form bilden die assimilis Haxıey. Sie vermitteln zu nigra, bleiben aber hornfarbig und zart. Zwei junge mit röthlichem Schimmer könnten ebensogut als Junge von electrina Rerve und saccata Lisn& gelten. Da Zacken und Rippen nichts bedeuten, fehlt es nur an einigen Stücken ver- mittelnder Gesammtgestalt, um Stutehburii und assimilis mit nigra zu verschmelzen. Wir werden bald bei Perna sehen, wie wenig «die Farbe zu sagen hat, und haben es zum Theil schon bei Ostrea gesehen. P. Stutchburii kann als eine Erhaltung des Jugend- standes der nigra in Dünnheit der Schale und Schlankheit der Form angesehen werden. Dahin dürfte auch incurvata glabra Cnennirz (VII, 229) und incurvata RervE von den Molluken gehören. Das Original zu P. Stutchburii Rerve war von Moretonbai in Australien.
8. Vulsella lingulata Lancer. var. hians.
Isser hat ausser der obigen Art nach Rurreıı und ReevE noch sieben andere aus dem rothen Meere zusammengestellt. Unter acht, welche M’Anprew selbst gefunden hat, sind weiter zwei, welche Isser nicht hat. Beide zusammen haben also zehn Vulsellen aus dem rothen Meer; das bei einer Muschel, deren Schalen kaum irgendwo der Artunterscheidung einen festen Boden geben dürften.
Vaırrant hat ausser der lingulata nur noch spongiarum Lam. Die von Schwän- men umwachsenen Vulsellen mögen in dieser Umspinnung in gleichem Grade und in gleicher Weise verkümmern, wie die Austern unter solchen Verhältnissen. Da wir nur ein einziges, wenn auch schönes Exemplar erhalten haben, könnten wir die Veränderlichkeit der Art nur theoretisch behandeln.
Doch mögen auch Anderen Bedenken darüber erwachsen, dass man in einem so beschränkten Meere, welches noch lange nicht ausgesucht ist, zehn Arten dieser Gattung ge- funden haben will, das sind zehn Stämme von verschiedener geologischer Geschichte, und mag es nöthig scheinen, dass zugesehen werde, ob diese so genannten Arten wirklich durch Lücken getrennt sind.
9. Malleus regula Forskär (S. Figg. 17—19 [pulli| )
M’Anprew führt noch decurtatus Lam., solitarius Reeve und tigrinus Rekve; Isser hat sich mit M. regula begnügt.
Ich habe achtzehn Exemplare vor mir, unter welchen einige ganz junge. Gestalten, bei welchen die Ausdehnung des Schlossrandes die übrige Schalenbreite erheblich über- trifft, so dass wirklich die Figur eines Hammers entsteht, wie bei M. albus Lau. oder vulgaris Lam., kommen nicht vor. Exemplare, welche wir als anatinus Lan. aus der Wister'schen Sammlung von Java haben, unterscheiden sich durch nichts anderes als eine
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grössere Ausgleichung in Farbe und Erhebung auf der Innenfläche der Schale zwischen Schalenhaupttheil und dem Anfang für den die verlängerten Kiemen bergenden Mantellappen. ForskAr hat zweifellos diese Art vom rothen Meer mitgebracht und so ergiebt sich die Art- benennung.
Variabel ist hauptsächlich die Beziehung dessen, was wir Schalenhaupttheil nennen können, zu dem Lappenanhang. Bei jungen Stücken ist der letztere kaum zu unterscheiden ; ihre Schale ist gleichmässig fächerförmig nach unten und hinten verbreitert oder rundlich. Besonders an der rechten Schale ist der vordere obere Winkel dann spitz vorgezogen, löffelförmig gebogen (siehe die Abbildungen 17—19). Im Heranwachsen wird die Vorder- kante in verschiedenem Grade concav. Der genannte Lappen aber, indem er nun mehr und mehr sich ausbildet, eingeengt gegen den Schalenhaupttheil, wendet sich entweder ventral, manchmal indem er sich dabei etwas nach vorne biegt, oder aber er streckt sich nach hinten, zuweilen bis zur Bildung eines rechten einspringenden Winkels am Hinter- rand des Haupttheils. Ich habe Stücke, welche einschliesslich dieses Lappens 8cm. bei einem Schlossrand von weniger als 3cm. messen. Junge Thiere haben nicht selten noch weisse oder nur wenig fleckige Schalen; alte meist schwarze oder purpurbraune; doch können mehr lamellöse Schalen auch bei letzteren mehr blass horngrau sein. Der Schalen- haupttheil hat immer innen einen schönen Perlmutterbeleg, der Lappen wenig oder nicht. Die Leiste auf der Innenfläche des letzteren bezeichnet eine gleiche Längsleiste auf der Innenfläche des Mantels, an welche die verlängerten Kiemen sich anlehnen und zum Theil anwachsen. Einige Schalen sind, obwohl schon grösser, noch sehr dünn und verbogen, andere, obwohl noch kleiner, purpurschwarz und solide. Muthmasslich haben erstere ver- steckt gewohnt. Die Form des decurtatus mit auffällig kurzem und rasch abgerundetem Lappen kommt bis zu k@m. Länge vor. Muscheln, welche durch ihren Byssus so gut be- festigt sind wie Vulsella, Malleus, Perna, unterliegen für die mechanischen Variations- bedingungen den Umständen des Befestigungsplatzes fast so sehr wie mit der Schale an- gekittete Ostrea, Spondylus, Chama. In Tiefen der Korallenstöcke eingesenkt, unter rasch neben ihnen oder um sie emporwachsenden anderen Organismen, bilden sie dünne, blasse, difforme Schalen aus; wo sie freier sind, dagegen solide, gefärbte, regelmässige.
10. Isognomon (Perna) anomioides Rekve.
Die Arten der Gattung Perna Brus. oder Isognomon Kırın haben bei Verschie- denheit des Schlosses durchaus ähnliche Ausführungsverschiedenheiten wie die der Gattung Malleus. Lineäre Ausziehung des Schlossrandes, Entwicklung eines Lappens ventral oder caudal oder Abrundung, ungleiche Ausbuchtung des Vorderrandes, Farblosigkeit oder schwärz- lich blaue oder braune Färbung, dicke Schale mit enormem Perlmutterbeleg oder dünne leicht verbogene, Querwülste oder Lamellen und Längsrippchen bedingen die Verschieden- heiten, so sehr bei vermuthlich verschwisterten, dass nur bei der Beschreibung Vereinzelter
der Zusammenhang sehr verschieden gestalteter verborgen bleiben konnte.
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M’Anoeew hat I. caudatus Rerve, nanus Govip, pectinatus REEvE, qua- drangularis Reeves, rostratus Scnum. aufgeführt, Isser Perna isognomum Lm., attenuata Rerve, vitrea Rerve. Diesen Autoren haben also acht, sagen wir nicht Arten, sondern Darstellungsweisen des Isognomon vorgelegen.
Ich habe vier Individuen, unter welchen eins von weniger als Icm. Grösse. Drei von diesen können zur Noth auch auf quadrangularis bezogen werden. Sie haben keine ventrale und eine höchst unbedeutende abgerundete caudale Lappenentwicklung. Ab- gesehen von der Ausbuchtung des Vorderrandes sind die Schalen nahezu schief rhombisch. Aber sie sind deutlich längsrippig. Sie stellen sich damit zunächst zu der kalifornischen anomioides Rexve (XI, Taf. 3, Fig. 11); das heisst nichts weiter als, es sei mässige Längs- rippung mit ziemlich rhombischer Gestalt ebensowohl in Kalifornien als im rothen Meere bei den Isognomon möglich. Fast ebenso gut passt ein Exemplar unsrer Sammlung, welches wir von Haxıey 1848 ohne Angabe des Vaterlandes als sulcata Lam. erhalten haben. Aber die Längsrippchen sind bei den Exemplaren aus dem rothen Meere weniger deutlich, die letzteren sind breiter und am hinteren unteren Winkel etwas ausgezogen. Die Querlamellen sind wenig deutlich, erscheinen aber bei dem einen Stück als winzige Schüpp- chen auf den Längsrippchen. Die Schalen sind blass hornfarben, eine innen etwas ins Röthliche; sie smd dünn, die eine ist mehr verbogen. Das grösste Stück hat einen Schlossrand von 22 mm. Länge; die Gruben stehen nur in der vordern Hälfte des Schloss- randes und es sind ihrer bei dieser Grösse sechs deutlich, von diesen die vorderste sehr schwach. Die Entfernung der einzelnen von einander nimmt nach hinten deutlich zu. Meine Artbenennung kann nur den Sinn haben, die Beschreibung der Individuen zu unter- stützen. Hätte ich mehrere Stücke, so möchten dieselben ebensowohl zwei oder drei ver- schiedene, in so viele Arten unterzubringende, als zusammenstellbare Figuren haben.
I1. Isognomon flabellum n. sp. (S. Fig. 20).
Ein Individuum der Gattung Isognomon weicht von den eben beschriebenen und solchen, deren Beschreibung mir bekannt geworden, durch Kürze des Schlossrandes, welchem die hintere Gruben-lose Verlängerung gänzlich abgeht, gleich darauf folgende noch stärkere halsartige Einengung der Schale mit endlich ziemlich gerundeter fächerförmiger Ausbreitung der Bauchpartie so ab, dass ich diese Eigenschaften durch die besondere Benennung zu bezeichnen vorziehen durfte. Von dem Lappen der Schale ist am hinteren unteren Winkel kaum eine Spur zu sehen, die Schale ist weisslich hornfarben, lamellös, ohne Längsrippen, besonders am Schlosse dick; der Perlmutterbeleg ist gut ausgebildet; es sind fünf Schloss- gruben vorhanden.
Am nächsten kommt wohl I. ephippium Lisse nach der Abbildung von Apams in Genera of recent mollusca (Il, Taf. 123, Fig. 1).
42. Avicula ala corvi Cnemnitz.
Abgesehen von Margaritifera margaritifera Lam. (Lisse) und muricata
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. II. )
3% H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
Reeve hat M’Anprew Avicula ala corvi Cnuensirz, eine Varietät zu dieser und A. mar- morata Pmmrr aufgeführt; Isser A. occa Reerve, producta Rervz, ala corvi; Vaırzanm hat nur Avicula radiata Desnayes, welche Isser mit M. margaritifera zusammen- wirft, diese allen als Meleagrina aufführend, Fıscher Meleagrina albina mit Varietäi, nach einer der Figuren von Savıcny (Taf. 11, Figg. 7—9), welche Isser sämmtlich auf mar- garitifera bezieht.
Meleagrina Lam., Margaritifera Browse soll sich von Avicula durch die mehr gerundete Schalenform und Gleichheit der Schalen, von welchen bei Avicula die rechte stärker vertieft ist, auszeichnen. Diese beiden Eigenschaften scheinen wirklich einiger- massen zusammenzugehen ; mit ihnen combiniren sich noch im Allgemeinen die bessere Er- hebung der Schale in mit Zacken gezierten Querlamellen, bunte Färbung und kräftige Perl- mutterauskleidung. Ich bin jedoch durchaus abgeneigt, nach dem mir vorliegenden Material von Avicula diese Merkmale als irgendwie geeignet anzusehen, darauf Gattungen zu trennen, sie schwanken innerhalb der Art. Es scheint, dass Avicula unter den günstigsten Lebensbedingungen die Meleagrinenform erreicht, die rechte Schale namentlich kräftig wölbt, den hinteren unteren Winkel wenig auszieht, dagegen die Flügel am Schlosse namentlich vorne deutlich in Wölbung und Contour absetzt. Sind die Bedingungen weniger günstig, so wird die obere Schale flacher, drückt sich sogar ein; die Schalen bleiben dünner, färben sich minder, bilden Lamellen und Zacken dürftiger aus und erhalten mancherlei Abweichungen im Umriss. Ich kann kaum zweifeln, dass die Verbindung, welche ich zwischen Avicula (Meleagrina) occa Resve und A. ala corvi Cnem. nahezu erkenne, sich werde ver- vollständigen und andrerseits eine solche zwischen Avicula occa und Meleagrina margarilifera Lmw. werde herstellen lassen.
Ganz unzweifelhaft ist es, dass die A. electrina RervE nichts als eine durch- scheinende bernsteinfarbige ‚Varietät zu ala corvi Cnenn. ist. Ich kann dieser Varietät von unseren acht Exemplaren fünf zutheilen. Zwei von diesen sind ziemlich gleichmässig ge- färbt, die eine mehr graulich, die andere mit einem Schimmer ins Röthliche. Bei einer dritten kommen geringe, bei einer vierten lebhafte braunröthliche radiäre Streifen zum Vor- schein, während der Grund etwas grünlich kontrastirt und gegen den Rand hin grau ist. Die fünfte hat auf ähnlich graugrünlich hornfarbenem Grund radiäre Reihen sehr feiner weisser Punkte. Die Wölbung dieser Stücke ist nicht gleichmässig, der Hinterrand ist ein- mal gar nicht ausgebuchtet, so die Form gerundet rhombisch, bei den anderen ungleich; der Lappen ist ungleich lang und ungleich geformt.
Ein sechstes Stück macht den Uebergang zu der schwarzen Varietät, indem die Zwischenräume zwischen den im Centrum der Schale auf graugrünem Grunde auftretenden braunröthlichen zu zweit und dritt gruppirten radiären Bändern, an der hinteren Kante und am Bauchrande, besonders der Deckschale, ebenfalls sich dunkel färben, so dass ein sehr breiter pechbrauner Saum entsteht, in welchem die Zwischenräume kaum noch von den Bändern unterschieden werden können. Das siebente Stück ist durchaus pechschwarz und
Mollusca. 35
es können nur noch auf der rechten Schale Andeutungen von Streifen gesehen werden. Das achte Stück ist anfänglich hell mit zarten rothen Streifen gewesen. Unter dem ab- gesetzten Rande dieser Jugendschale ist eine sehr dunkel pechschwarze Schale vorgewachsen, auf welcher Streifen nur erkannt werden können, wenn man sie benetzt. Die zwei erst- genannten dunkelen Individuen haben die Hinterkante grade, unterscheiden sich aber in der Art, wie der Bauchrand vorne aufsteigt. Bei dem dritten bricht die Hinterkante nach kurzem Verlauf ab und der Bauchrand ist dann für sich ventral rundlich vorgezogen. Sie hat die rundlichste Gestalt von Allen.
13. Avicula occa Reeve.
Die Hauptcharaktere der 25 Stück, welche wir hier vereinigen können, passen sehr gut zu Meleagrina occa Rezve (VII, Taf. 10, Fig. 23). Die Individuen würden übrigens in ihren Verschiedenheiten Anhalt für eine Beziehung auf ziemlich viele weitere Darstellungen bieten. Sie sind alle klein, nur bis etwa 5cm. Höhe und leicht von Schalen. Meist sind sie reichlich lamellös und die Lamellen sind je am Rande mit schmalen, weit vorragenden, dünnen Spitzen versehen, so dass die von einer Lamelle sich um die Convexität derer der nach- folgenden umlegen. Diese schönen Spitzen können zu leichten Wellen des Lamellenrandes herabsinken und es können im Centrum der Schale die Lamellen selbst fast ganz ver- schwinden. Diese Modificationen treffen beide Schalen gleichmässig. Die Oberschale kann kräftig gewölbt, sie kann aber auch eben sein oder wenigstens gegen den Rand hin concav. Für die Färbung kann man Ausgang nehmen von einer rothen und weissen radiären Streifung. Das Weiss kann in Gelb-grün, das Roth in Braun und Schwarz sich umwandeln. So giebt es grün und schwarz gestreifte, schwarz und weiss gestreilte Stücke. Auch kann der gelb- graue Grund überwiegen und blassgelb ungestreift erscheinen. Indem die schwarzen Streifen sich auflösen, können sie als Flammen oder - Flocken auftreten, so auch das Weiss, statt ın zusammenhängender, in unterbrochener Reihe besonders die Spitzen markiren. Es giebt auch nahezu einfarbig kuhrothe Stücke. Die Variationen der Gesammtform beruhen einmal auf der Ungleichheit betreffs einer Einbuchtung am Hinterrande zur Flügelbildung bis zur Aus- gleichung des hinteren Ohres, dann in der Richtung des Hinterrandes und im vorderen unteren Winkel, entsprechend welchen mehr eine rundliche oder mehr schief rhombische Gestalt hervortritt oder eine Streckung in der verticalen.
Ik. Arca |Barbatia) decussata Reeve (lactea var. erythraea Isseı).
“ Die Zeichnung und Beschreibung, welche Rervs (Il, Taf. 12, Fig. 81) von A. decussala als von den Philippinen und dem stillen Meere giebt, stimmen so vortrefflich mit der aus etwa 50 Exemplaren zu construirenden Mittelgestalt dieser übrigens nicht unbedeutend ver- änderlichen Muschel, dass wir ihr unbedenklich gedachten Namen geben, obwohl ziemlich ebenso zweifellos eine Anzahl anderer Arten in diesen Rahmen passen.
Bei Exemplaren von 26mm. Länge finden sich nur 27 Schlosszähne, bei solchen von 62mm. hat sich die Zahl dieser Zähne auf 36 vermehrt. In der Buchtung des Bauch-
*
or
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randes, in der hinteren Expansion, der Feinheit und Zahl der Rippen, Glätte oder Granulation derselben, Aushalten der Behaarung zeigen sich erhebliche Differenzen. Wenn die Schalen an einer Stelle durch irgend ein Aussergewöhnliches in der Entwicklung beeinträchtigt worden sind, dann tritt auch am leichtesten Aberranz im Gesammtverhalten auf.
Diese Arca stimmt auch sehr gut mit der Abbildung, welche Savıcny (Taf. 11, Fig. 7) gegeben und welche Isser auf A. lactea Lin. als kleinere var. Erythraea beziehen zu sollen geglaubt hat. Meine Exemplare erreichen zum Theil eine beträchtlichere Grösse als die Abbildungen von Savısıy. Als lactea hat unsere Sammlung mehrere zum Theil von mir selbst gesammelte Stücke aus dem Mittelmeer, solche von Jamaica und durch Krauss von Natal. Alle diese sind zwerghaft klein, ihre Wölbung ist ganz anders als in der de- cussata, der Hinterrand rechtwinkliger, die Behaarung fehlt. Ich kann die Beziehung auf lactea nicht bevorzugen. A. barbata Lisx# des Mittelmeers kommt viel näher, doch sind unsere Exemplare sämmtlich gestreckter und haben im Verhältnisse mehr Schlosszähne.
15. Arca (Barbatia) setigera Reeve.
Die Schale ist etwas weniger gewölbt, namentlich gegen den hinteren Winkel und den Rand comprimirt, der vordere Theil ist weniger entwickelt. Die Haare treten in einer Anzahl von radiären Reihen stärker als im Uebrigen auf. Die Schlosszähne sind in Re- lation zur Grösse geringer an Zahl, die an den Enden sind durch Schärfe und Krallengestalt ausgezeichnet und weichen betrefls der mit der Beugung der Reihe sich ausbildenden Schräg- stellung mehr von den mittleren ab. Die granulirten Rippen sind kaum, wohl aber die diesen entsprechenden inneren Furchen, namentlich am Rande als eingestochene Linien deutlich. Die Innenfläche ist statt gelblichweiss dunkelbraun purpurfarbig.
16. Arca (Anomalocardia) scapha Cnennirz.
Ich kann mich Isser für das Vorkommen dieser Muschel anschliessen. Unsere Exem- plare entsprechen der Abbildung, welche von Rerve (Il, Taf. %, Fig. 25) nach einem Exemplar von Manilla gegeben ist und der von Savısxy (Taf. 10, Fig. 9) gleich gut. Die zwei Stücke haben die Rippen im Randtheile durch eine Längsfurche getheilt. Die Heidelberger Samm- lung erhielt 1850 aus dem rothen Meere durch MrrcALrE ein sehr grosses als M. holo- sericea RervE bestimmtes Stück, welches kürzer und höher ist und so der Zeichnung von Rervs (Taf. 2, Fig. 11) für ein Philippinenexemplar ganz entspricht, so wie zwei kleinere vermittelnde, welche nicht bestimmt waren. Diese drei Stücke haben die Rippen nicht ge- furcht. Nach Schlosszähnen, Rückenlinie, Kerbung der Fläche am Innenrande, Gestalt des Umbo und der Area müssen die fünf Stücke zusammengenommen und kann holosericea von scapha nicht getrennt werden. Soweit der Schlossrand verkürzt wird, trifft das den hinteren Antheil, dessen Zahngruppe durch besonders kleine Zähne und eine Biegung der Linie gegen die Mitte von der vorderen sich scheidet.
Mollusca. 3
17. Arca (Anomalocardia) Hanleyana Rerve.
Ich habe ein einziges, leeres, einer anbohrenden Schnecke zum Opfer gefallenes, verwittertes Exemplar, dessen Figur und Rippenzahl sehr gut zu der Abbildung der oben angegebenen Art von Mozambique bei Rerve (Taf. 10, Fig. 68) passen, ausser dass die Um- bonen eher genähert, die Area schmal ist. Wie es mit der epidermoidalen Behaarung stand, ist nicht mehr zu ersehen. Ob es gerechtfertigt sei, diese Art gesondert von scapha, ob, neben ihr noch Ehrenbergii Duxcker, wie es Isser thut, oder gar wie M'AnprEw ameri- kanische Formen wie transversa An., welche nach Rerve nur halb so viele Rippen haben würde, aufzustellen, das zu entscheiden genügt mein Material nicht.
18. Arca retusa Lamarck.
Die Beziehung auf Savıcav's Taf. 10, Figg. 11, 12 und namentlich 12, 1 ist zweifellos, aber Lamarer’s Beschreibung der Art giebt fast gar keinen Anhaltspunkt. Die Individuen sind einander ziemlich ungleich, einige difformirt. Die Winkel der Schale sind sehr ver- schieden. Der Hinterrand kann kürzer sein als der Vorderrand. Die Aussenrippen können an ihm ‚theilweise auf der Innenfläche als Falten sich ausdrücken. Die Distanz der Umbonen kann bis zur Hälfte der Schalenlänge steigen. Ist sie gross, so bleibt neben dem mit glatter Epidermis bedeckten und mit V- und X-förmigen Kerben meist reichlich eingeschnittenen Felde der Area noch Raum für davon nicht bedeckte feine, gebogene Querlinien. Die Ab- setzung des hinteren Rippenfeldes ist dann mehr beglichen. Auf der Innenfläche erscheint eine purpur-violette Färbung in ungleich vertheilten Flecken; oft ist der Schlossrand innen weiss. Nach den Exemplaren, welche unser Museum von Arca Kraussii Pmmiper durch Krauss selbst vom Cap und solchen, welche dasselbe von Arca imbricata Anans, retusa Lamarck und Mencke als imbricata durch Anams selbst von Jamaica und als retusa durch Menxck£ selbst von San Domingo hat, stimmen die Stücke von den Antillen und vom Cap hinlänglich mit denen vom rothen Meer überein, um zur Verbindung zu einer Art zu be- rechtigen. Jene sind eher etwas gröber, diese etwas dunkler in Färbung. Als eine pracht- volle Ausführung tritt ihnen ventricosa Lamex. von den Molluken nahe. Die Stücke von Jamaica sind dabei diejenigen, welche der Arca Noae Lisst aus dem Mittelmeer am nächsten treten, welche Art bekanntlich Puiprı ebensowohl für Cuba als für das rothe Meer angiebt und welche jedenfalls ausserordentlich nahe steht. Ich finde das namentlich bei Stücken aus Spezia. Nur sind deren verticale Rippen noch gröber und nicht durch Quer- linien gegittert, sondern bei guter Erhaltung schuppig. In dieser Beziehung zeigen aber auch die Stücke tropischer Meere, sowie Arca Noae selbst manche Verschiedenheit.
19. Lithodomus Lessepsianus VAıLLant. Ausser drei grösseren Stücken, welche ich mit hinlänglicher Erhaltung der Schale
und des Thieres aus ihren Bohrlöchern in Korallen und Muschelschalen ausziehen konnte, fanden sich öfter sehr kleine. Für die Gesammtfigur ist es nicht ohne Bedeutung und bei
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der Darstellung der Autoren wohl nicht immer auf den eigentlichen Werth zurückgeführt, dass der Kalkbeleg am caudalen Schalentheil sehr ungleich entwickelt sein, auch fehlen kann. Ist ein solcher, jederseits scherbig angelegt, vorhanden, so erscheint die Schale schlanker. Dieser Beleg setzt aussen ziemlich das Niveau der Schale fort, innen aber ist er mehr ausgehöhlt, auch wohl rauh, fast gezähnt. Ein Theil des Unterschiedes unseres grössten Exemplars von dem bei Savıcny (Taf. 11, Fig. 1) dargestellten ist auf solchen Beleg zurückzuführen, aber immerhin ist jenes auch ohne das schlanker als dieses. Der Lithodomus Hanleyanus Duncker (Reeve X, Taf. %, Fig. 19) von Suez hat den Kalkbeleg hinten noch rauher, ist auch auf der übrigen Schale mit einem dünnen Beleg bedeckt, so dass die schöne olivenbraune Farbe nicht zum ‘Vorschein kommt. Das ist nebensächlich. Vielleicht ist das auch das, dass seine Schale hinter dem Schlosse sich etwas stärker erhebt. Isser schreibt Lesseptianus; er hat keine zweite Art; M’Anprew führt Lithophaga cinnamomea Lam. var. und Hanleyana. Die Beschreibung der (Modiola) cinnamomea bei Lamarck (7, pag. 25) stellt der Zusammenfassung beider wohl nichts in den Weg, besonders für die var. minor, welche in Korallen gefunden wurde. Das »testa sub epidermide albida « ist mög- licherweise ein aus dem theilweise aufliegenden Kalküberzug entstandener Irrthum.
20. Modiola Traillii Reeve.
Reeve, Conchol. icon. X, Taf. 4, Fig. 13.
Ein einziges, hinlänglich ansehnliches Exemplar setzt uns nicht in den Stand zu entscheiden, ob die bei M. Traillii von Malakka von Rervz dargestellten und von uns bei jenem ebenso wiedergefundenen Eigenschaften, besonders der nahezu vollständige Parallelismus der beiden Hauptseiten mit einer geringen Einbuchtung der Bauchseite das Recht giebt M. Traillii als eine Art aufzustellen.
21. Mytilus (Aulacomya) variabilis Krauss.
Besonders die jüngeren Stücke hingen anderen Muscheln, namentlich Tridacna elongata, an. Das grösste kommt im Schalenschnitt ganz auf M. excisus WIEGMAnN Reeve X, Tab. %, Fig. 13), fuscus Recıuz, heraus und gehört letztere Form ohne Zweifel mit hierher. Hinter dem Ligamente bleiben vier Zähnchen frei.
22. Cyrenella Ehrenbergü Isser.
Drei Stücke massen 3,5, 8 und 8,5mm., während Isser sie nicht grösser als 3mm. hatte. Bei den grösseren schwinden aussen die violetten Flecken mehr und die Schalen werden ziemlich einfarbig horngelb. Innen bleiben die Flecken merklich. Hafteten an le- benden Strombus tricornis Marrını.
23. Septifer Kraussii Küster.
Nur ein Stück, so dass die Zutheilung fraglich bleibt. Der Rücken ist purpurbraun, der Bauch weiss, die Schale fein gegittert, mit schwieligen Wachsthumsstreifen versehen,
Mollusca. 39
der Bauch tief concav, Rücken schwächer gewölbt. Die Epidermoidalbehaarung ist sparsam. Die Septa, zwischen welche, wie ich bemerke, der vordere Schliessmuskel sich einschiebt, sind in der Mitte spitz eingekerbt, wonach der hintere Theil des Randes als ein spitzes Zähnchen vorspringt. Beide Schalen haben gegen das Schlossband ziemlich gleichmässig tiefwellige Ränder, so dass man von »Zahn der einen und Grube der anderen« kaum reden möchte. Der hintere Muskeleindruck ist beiderseits schwielig, von retortenförmigem Umriss. Der Schalenrand ist fein gezähnt.
24. Chametrachaea (Tridacna) elongata Lamarcr.
Die Exemplare sind nicht sehr ausgelängt und kommen so der compressa Rekve (XIV, Taf. 6, Fig. 5) näher, deren Berechtigung aber Rerve selbst bezweifelt. Ein junges ist innen zartgelb gefärbt. Ein Stück ist über 30cm. lang. Sie bergen in der Regel den Krebs Östracotheres tridacnae in dem Raum hinter der schürzenähnlichen Kiemenverbindung und häufig kalkige Gonkretionen im Mantel.
25. Chama Corbierei Jonas.
Alle unsere Stücke sind links angewachsen; wo Individuen nur durch eine Schale vertreten sind, ist dies immer die rechte. Reinigung stellt heraus, dass meist schöne weisse Schuppen auf Purpurgrund in verticalen Streifen stehen. Zuweilen sind die Schalen weniger ausgetieft oder es überwiegt die Lamellenbildung. Wenn diese allein besteht, Schuppen nicht vorhanden sind und dabei die linke Schale sich gryphoideal austieft, entsteht Ch. Ruppellii Rerve (IV, Taf. 6, Fig. 30), deren Farben in der Regel weniger intensiv sind. Uebrigens ist die Vorziehung der Schale nach vorn oder hinten und die Sättigung der Pur- purfärbung sowie die Vertretung des Purpurs auf der Innenfläche sehr ungleich. Einige Stücke sind hinten mit einer graden, schräg absteigenden Linie abgeschnitten, andere gleich- mässig gerundet. Ich habe die var. Ruppellii auf der gewöhnlichen Form aufsitzend ge- funden. Identisch ist auch Ch. cornucopia Resve (Taf. 4, Fig. 22). Bei jungen ist die Zähnelung des Randes besonders regelmässig. Die schönen Exemplare sind bankförmig unter einander und mit Spondylus verkittet, sitzen vermuthlich auf Korallenklippen in der Brandung. Ich habe eine Anzahl von Individuen, welche unter ungünstigen Bedingungen ähnlich verkümmert zu sein schienen, wie das bei Ostrea plicatula die var. spongicola thut. Mit ge- wöhnlichen jungen Stücken verbindet diese die zierliche Bestachelung der Schale, aber sie verändern den Contour. Einige gleichen etwa einer Arca carditaeformis Rervz, sind an der Bauchseite eingedrückt, links sehr ausgetieft. Andere, sehr kleine, erinnern an Cha- mostrea oder Gleidothaeres chamoides Srurcnsury. Ihre untere Schale ist von vorm flachgedrückt, so dass ein vorderer Theil der Wand einen ziemlich rechten Winkel gegen den hintern bildet, der Bauch ist spitz ausgezogen ; darauf liegt die Oberschale deckelartig, dreieckig. Aber das Schloss ist das der Chama. Die Schalen können dabei roth, aber auch wie die
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der anderen eben genannten Varietät farblos sein. Eine solche Verkümmerung scheint bei Anheftung auf Tridacna einzutreten.
Indem Isser Ch. Meyeri und Claasseni von Jonas aufnahm, nannte er beide »sinistrorse« während Jonas beide dextrorsae nennt und erhöht so die Zweifel, ob man hier wirklich etwas Abzutrennendes vor sich habe.
Unsere Exemplare scheinen die Identität der Ruppellii Reeve mit der iostoma CGoxrap der Sandwich’s-Inseln zu beweisen, insofern Glätte und Besetzung mit schuppen-
förmigen Vorragungen unwesentlich erscheinen.
26. Cardium isthmieum Isseı.
Isse giebt 22 Rippen an: die angezogene Zeichnung von Savısxv (Taf. 9, Fig. 11) hat deren aber 24, die als Varietät zugerechnete Fig. 12: 26; unser einziges Exemplar, wenig- stens wenn man die dichter gedrängten vorderen und hinteren mitrechnet, deren 28. Es ist auch etwas höher als die bei Savıeny. Die mittleren Rippen sind mit zahlreichen Quer- rippchen, wie mit Schnürchen statt mit Schüppchen versehen. Namentlich in jener Zeich- nung der Rippchen kommt in unserer Sammlung rugosum Lam., welches aber noch höher ist und 31 Rippen hat, nach diesem edule Lm. nahe.
27. Cytherea (Circe, Lioconcha) lentiginosa Cnemsuz (S. Figg. 21—26).
Schon Forskär und CGnueusirz haben die C. arabica (callipyga des damaligen CGopen- hagener Cabinets) nur als Farbenvarietät zu lentiginosa angesehen. So muss, wenn diese Meinung festzuhalten ist, die erst beschriebene lentiginosa den Namen geben, wäh- rend Isser der arabica die leitende Stelle giebt. Unter unseren zahlreichen Stücken ist nicht eins dem anderen gleich. Namentlich können Individuen vorgeführt werden mit einem grossen braunen Fleck auf weissem Grund; mit einigen wenigen oder mit einer grösseren Anzahl radiärer brauner Streifen; mit Auflösung solcher in Pfeilstriche; mit Beschränkung solcher Pfeilstriche oder ihrer Vervielfältigung unter Abblassung von deren Farbe oder mit Ueberführung letzterer in Gelb oder Lila; endlich mit Verschwimmen dieser Striche oder mit Auflösung derselben in Punkte. Die rechte und die linke Schale können dabei un- gleiche Muster zeigen. Ein Stück hat z. B. rechts wie links hinten einen einzigen Pfeil- strich, ausserdem links vorn noch ein kräftiges W. Auch kann das Innere gelbroth werden.
Isser hat aus den Lioconchen des rothen Meers sieben Arten angenommen bezw. gemacht; M’Anprew aus Circe und Lioconcha dreizehn. Unsere Tafel zeigt eine kleine Auswahl der Farbenveränderlichkeit, welche gewiss nicht geringer ist als die einer gemischten Heerde von Rindern.
28. Crista (Circe) divaricata Cnemsırz.
Rerve, Conch. icon. XIV, Circe Taf. 6, Fig. 23. i
Von sechs Exemplaren gehören vier der Varietät gibba Lan., eins der pectinata Lin. an. Obwohl die Schalen überall im Paare zusammengehören und zum Theil noch zu-
Mollusca. 4
sammenhängen, befand sich niemals das Thier darin. Dieses dürfte demnach für die sam- melnden Kinder ein bevorzugter Leckerbissen gewesen sein.
29. Venus retieulata Linse.
Die Gattung Venus ist in der Sammlung durch ein einziges Stück vertreten, welches im Vergleiche mit der Abbildung für reticulata bei Rerve (XIV, Taf. 10, Fig. 34) die braunen Flecken breiter ausgeführt besitzt, noch mehr als V. Chemnitzii Haxıer (auf derselben
Tafel bei Rerve Fig. 32b), welche wohl auch nur Varietät zu reticulata ist.
30. Tellinella rugosa Born.
Nur in zwei leeren Schalen.
31. Dosimia (Venus) Listeri Sowersv.
Vier grosse, komplete, subfossile Stücke sind eher etwas weniger mit dem Umbo vorne übergeneigt als die gedachte Art in der Abbildung von Reeve (XIV, Venus Taf. 5, Fig. 1%), welche ein Stück von den Philippinen darstellt, und kommen auch der V. lacerata ReevE (Taf. 6, Fig. 18) nahe.
32. Mesodesma glabrata Lamarck.
Wenn auch die Einfachheit der Erscheinung in rein weissen Schalen und konzen- trischen Rippen den Exemplaren dieser Muschelart keine auffälligen Verschiedenheiten ge- stattet, so zeigt sich doch, wenn man rechte und linke Schalen verschiedener zusammenzu- passen versucht, dass jedes Stück seinen individuellen Ausdruck in von denen anderer etwas verschieden laufenden Kontourlinien hat.
33. Asaphis violascens Forskär.
Isser, aber nicht Mörcn (Joumal de Conchyliologie 1858. 7. pag. 138) schreibt violacescens. Mörcn, welcher das Originalexemplar von Lisses die Priorität habender Capsa deflorata eingesehen hat, hält (l. ec.) violascens als Art von deflorata Lm. wie auch von dichotoma Anton. getrennt. Dass die Farbe variirt, wusste schon ForskÄr. Ich finde das Innere weiss, gelb, blau, blaugestreift, am häufigsten am hinteren unteren Schalenwinkel tintenblau. Ein Exemplar, welches am Schloss beschädigt worden war, ist geheilt, hat aber die hintere Expansion nicht bekommen und beweist gleich früher er- wähnten Fällen, dass örtliche Verletzungen über ihren nächsten Kreis hinaus störend wirken. Ein anderes hat die Siphonen nur halb so lang, als es gewöhnlich ist.
3%. Petricola lapieida Cnensırz.
Ein einziges leeres Schalenpaar, welches von einer Schnecke mit einem ovalen Loche
mit aussen nicht weniger als Tmm. langer grosser Axe, angebohrt war.
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. II. 6
42 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
35. Ruppellaria macrophylla Desuaves.
Bei der Veränderlichkeit der Arten dieser Gattung wird man das einzige vorhandene Stück zu dieser Art (Rerve XIX Venerupis Taf. 4, Fig. 23) stellen dürfen, obwohl die Bauchkante, besonders gegen hinten, eher als gewölbt und der Rücken als grade bezeichnet werden könnte. Die Schale ist ockergelb. Die Lamellen entwickeln sich hinten stark blatt- förmig, treten vor, sind unregelmässig wellig und theilweise gebräunt. Die radiäre Strichelung ist sehr schwach, der vordere untere Winkel ist vorgezogen. Der hintere Zahn der linken Schale und der mittlere und hintere der rechten sind gekerbt. Bei einer Länge des Stückes von 18mm. und Höhe von 9mm. sind elf Querlamellen oder Rippen vorhanden. Von diesen sind die drei äussersten hinten reichlich je 2mm. von einander entfernt und die Blätter
stehen mit einer gleichen Breite vor.
36. Grastrochaena Ruppellü Desnaves.
Auch von dieser Muschel ist nur ein Exemplar vorhanden.
Gastropoda. 37. Littorma subnodosa Piper.
Aeltere Exemplare sind zuweilen sehr abgerieben. Junge zeigen ausser den erhabenen Linien, welche, je eine zwischen den drei mit Knötchen zierlich besetzten Streifen, erscheinen, deren noch vier weiter nach der Basis und es kann auch von diesen eine wieder etwas knotig erscheinen und so einen solchen Reifen wiederholen. Im violetten Mund erscheint nach der Basis zu ein weissgelbes Querband, aussen wenig deutlich. Wo diese Schnecke im Abschleiss rauhere Lebensbedingungen anzeigt, scheint sie ihre Knoten plumper auszubilden. Auch wird der sonst noch am Rande gelblich gefleckte Mund dann mit Ausnahme des Querbandes ein- farbig und sehr dunkel violett. Solche Stücke kommen Formen nahe, welche ich als di- latata und tuberculata von Herrn MarrorzıL, einem sehr thätigen Gonchyliensammler in Barcelona, von den spanischen Küsten erhalten habe. Wo die Schnecke dagegen un- gestört ziemlich gross wird, bleibt sie, wie es scheint, mehr glatt. Stets jedoch dokumentirt sie eine vollkommene Trennung von der folgenden in Figur, Skulptur, Farbe. Sie muss dem rothen Meere auf einem anderen Wege zugekommen sein als diese, oder sich im Stamm-Meer von dieser schon lange getrennt gehabt haben..
38. Littorna intermedia Pmuippi.
Man nimmt für die Beschreibung dieser in der Farbe sehr variabeln Art am besten Ausgang von den einfarbigen Exemplaren, obwohl dabei gleich bemerkt werden muss, dass diese keineswegs die häufigsten sind. Einfarbige giebt es in der Nüance von Hellbraunroth
Mollusca. 43
ins Fleischroth, während die weissliche Grundfarbe nie ohne gefärbte Zeichnungen gefunden wurde. Auf jener hellrothbraunen Grundfarbe treten zuerst Querbinden, namentlich deutlich an der Aussenlippe im Munde auf, dieses jedoch kaum, ohne dass sie wenigstens gegen ‚die Spitze hin sich in rhombische, gewürfelte Fleckchen auflösen. Bilden sich diese gleich- mässiger aus, so erscheinen sie röthlich, der Grund aber ist dann öfter blaugrau. In der Regel zeichnet sich nun an jeder Windung eine obere und eine untere Binde aus, sei es, indem nur der Grund dort heller ist, .als ein weisses buntgeflecktes Band, sei es durch stärkere Intensität der Farbe der Flecken selber.
Besonders hübsch sind die so mit zwei in’ Weiss und in Dunkelbraun gewürfelten Binden versehenen rothen Stücke. Die graublauen Exemplare haben öfter fast rein weisse Binden. Bei einer ungleichen Menge von Farbe für die ganze Verwendung und bei einem ungleichen Charakter dieser Farbe, verhält sich demnach doch das Muster ziemlich typisch. So wird auch die Spindel selten ganz weiss; meist behauptet sich aussen an ihr ein röth- licher Saum. Eine Schale kann auch in ihrem Verlaufe eine Aenderung der Farbe zeigen. Selten ist ein gelbweisser Grund. Die Gruppirung der Flecken in den Querbinden kann so sein, dass jene in gewissen longitudinalen, gleichsam geflammten Längsbändern stärker auf- treten, wobei dann die Zwischenräume als weisse Längsbinden erscheinen. Diese Schnecke muss bei 660 mitgebrachten Stücken, mehr als ein Viertel aller Conchylien, die gemeinste
Strandschnecke Massauas sein.
39. Cerithium erythraeonense Lamarck.
Nur ein Stück.
40. Cerithium Rüppellii Primer.
Bis zur Länge von 28 mm.
41. Cerithium seabridum Pippi.
Neben solchen Exemplaren, an welchen pechfarbene Perlen mit ungefärbten sehr regelmässig abwechseln, finde ich eins, welches mit Ausnahme des auch hier vorhandenen Lila-farbenen Fleckes auf der Innenlippe rein weiss ist. Die Abbildung bei Reeve (XV, Taf. 8,
Fig. 52) von unbestimmter Herkunft ist nicht charakteristisch.
42. Cerithium coeruleum Sowerpy.
Unter meinen elf Stücken machen es zwei leer gefundene mir wahrscheinlich, dass das von M’Axpreew angegebene Vorkommen von Ü. petrosum Woon auf solchen gleicher Qualität beruht. Bei ihnen sind die drei Haupthöckerreihen weniger entwickelt, besonders die oberste, und die Höcker sind in den Zwischenräumen weniger zu Längswülsten ver-
bunden.
4% H. ALEXANDER PACENSTECHER.
43. Cerithium moniliferum Durresne.
Diese Art ist dem C. scabridum Phi. ähnlich punktirt, aber sie bildet Mundwälste. Ihre Körner sind grob und rund. Die junge Schale ist konisch, die erwachsene eiförmig, breiter, stumpfer als jene. Bei jungen Stücken ist der Mund innen mit sieben Linien brauner Punkte gezeichnet, welche den aussen stehenden Perlenreihen entsprechen. Diese Punkte werden bei alten mit einer weissen Schicht überdeckt. Es kommt eine Varietät mit ganz dunklem Munde vor.
k%. Cerithium variegatum Quor. ?
Ich habe zwei Exemplare, welche zwischen den beiden vorigen Arten in der Figur vermitteln, aber jedenfalls von beiden zu trennen sind. Die Flecken sind schwarz und gelb. Sie scheinen im Munde durch, aber ein Lilafleck findet sich daselbst nicht. Ein Wulst findet sich nur einmal am Munde. Das von Rerve (XV, T.7, #1) abgebildete variegatum von den Philippinen, nach Rerve in Farbe sehr veränderlich, scheint in der Zeichnung zu stimmen.
45. Cerithium granulatum Lisx&, sp. Brusumre. (Vertagus asper Reeve). Die Beschreibung bei Csemnurz (IV, p. 328) ist ganz gut, die Abbildung (Taf. 157, Fig. 1492) hingegen sehr unvollkommen. Cnemsirz führt die Art von Tranquebar, REeEvE von Isle de France. Unser einziges Exemplar ist ganz weiss.
46. Oerithium Isselii n. sp.
Sıvıcny, Deser. de l’Eg. Pl. 4, Figg. 7, 1. u. 2.
Ich glaube die von Savısıv in der bezeichneten Figur abgebildete, bisher nicht be- nannte Art in einer einzigen todten Schale wiedergefunden zu haben, welche leider an der Spitze abgerieben und in der letzten Windung durch einen geheilten Bruch entstellt ist. Ich benenne sie nach dem verdienten Conchyliologen des rothen Meeres.
Cerithium testa pupaeformi; anfractibus octo concameratis, costis transversis tenuibus, ad anfractum ultimum octodecim, tuberculis parvis brunneis, laevibus, applanatis, oblongis ornatis, alternis fortioribus, lineis tenuissimis interpositis, tuberculis longitudinaliter seriatim ad lineolas dispositis, simulque maculis ad fasciolas, combinatim ad fascias; costis, tuberculis, lineisque in anfractibus superioribus minus numerosis, pro parte maiore obtectis; itaque ad mediam testam tantum apparentibus quatuor aut quinque tuberculis politis, ad costulae wmdatae lon- gitudinalis figuram reductis; callis irregularibus; labro laevi; colore livido; altitudine 19cm.
47. Strombus (Pugil, Monodactylus) tricornis Marrını.
Die jüngeren Individuen haben braune Längsstreifen. Der Mund kann rosenroth, blaugrau oder ziemlich farblos sein. Erreicht in Zanzibar eine beträchtlichere Grösse und schönere Zeichnung. Die Identität der Art im rothen und im indischen Meere hatte schon Rerve erkannt.
Mollusca. 45
48. Strombus (Ganarium, Strombella) fasciatus Born, lineatus Lamarck.
Unter der grossen Zahl von Individuen fand sich ein Männchen, bei welchem der Penis nur durch eine dreiseitig, faltenartig sich erhebende Papille am Ende der Samenrinne vertreten war, welche die Gegend der Wurzel des rechten Augenstieles nicht erreichte. Ein früher von MExkE erhaltenes Stück zeigt eine spitz ausgezogene Spira, wobei die Gestalt des Mundes und die Erhebung der Höckerreihe sehr verändert wird.
49. Strombus (Canarium) gibberulus Line.
Erreicht gleich vielen Schnecken des rothen Meeres den Wachsthumsabschluss bei oO ungleicher Grösse und zieht zuweilen die letzte Windung stärker abwärts. Dadurch entsteht einige Ungleichheit der Form. Während im Allgemeinen die Exemplare gut zu Resve (VI, Taf. 8, Fig. 15a) passen, ist doch die Spira etwas mehr eingedrückt und die Färbung zeigt keine regelmässigen Felder, sondern nur eine unregelmässige bräunliche Beschmutzung auf hellem Grunde.
50. Strombus flammeus Lısk, floridus Lamarck und Rerve, gibberulus Mörcn non LisxE.
51. Strombus (Gallinula) erythrinus Cnennirz.
Das einzige Exemplar kommt zugleich so gut wie vollständig auf St. Rüppellii ReevE (Taf. 8, Fig. 13a) heraus und gleicht im scharfen Schnitt sehr dem elegans Rekve (Taf. 17, Fig. #7b). Die äusseren gelben Binden sind etwas unterbrochen. Es sind ihrer auf der Aussenlippe fünf. Im Munde erscheinen die Binden tintenblau.
52. Pterocera lambis Linse ?
Wir haben leider kein ausgewachsenes Stück mit Entwicklung der Fingerfortsätze. Bei einem Individuum, dessen Schale fast einfarbig blass chokoladenbraun, nur mit einigen ganz schmalen, schwachen Binden weisser Flecken versehen ist, erscheint auch das Thier mehr braun, bei anderen heller, mehr grau gefleckt. Die Deckel sind nicht gezähnt.
53. Rostellaria magna Schröter, curvirostris Lamarck.
Bis 16cm. lang. Die Vollendung des Mundrandes beginnt bei ungleicher Grösse. Einige Stücke haben beispielsweise bei 12cm. Länge damit noch gar nicht begonnen, wäh- rend andere ganz fertig sind. In der Siphonalrinne der Weichtheile liegt eine Gruppe knorpelähnlicher Höcker, auf welcher der linke, zugleich das Auge tragende Tentikelstiel gleitet.
5%. Ranella (Apollon) conceinna Pmuuippr.
An dem einzigen Exemplare ist die dritte Knotenreihe von oben überwiegend mit
46 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
braunen Spitzen ausgerüstet, auch die fünfte und siebte sind verstärkt. Die Grundfarbe ist grauröthlich, die bräunlichen Knotenspitzchen sind glatt, wie polirt.
55. Triton (Ranularia, Gutturnium) trilineatum Reeve.
Bis zu 7cm. Höhe.
56. Natica mamilla Lisse.
Erreicht bis 4cm. Höhe. Die Zeichnung des oberen Theiles der Mündung bei ReEve (IX, Taf. 7, Fig. 27 b) passt nicht sehr gut. Die einspringende Schwiele ist etwas verschieden geformt. Die andere, den Nabel bedeckende Form, pyriformis, ist relativ zu hoch.
57. Ergaea (Crepidula) Walshi Hermansson, (Calyptraea) plana Avans u. Reeve.
Apans and Rerve, Voyage of the Samarang (Pl. XI, Fig. 3).
Zu dem Gedanken, es möge bei älteren Individuen die » Tubular rib« an der Colu- mellarplatte sich besser ausbilden, als es hier der Fall ist, glaube ich gegenüber der Abbil- dung bei RervE (XI, Taf. 3, Fig. 17), mich der Aufstellung einer neuen Art enthalten zu sollen. Angedeutet ist diese Rippe oder Falte überall. Sie entspricht der asymmetrischen Theilung des Fussantheils, welcher diese Platte absondert, nach Rechts und Links. Die linke Seite, welcher der Eingeweidesack mehr anhängt, bekommt den breiteren aber kürzeren Theil. Die Absonderung geschieht gleich der des Deckels auf dem Hinterrücken des Fusses, wobei dieser seitlich sich häutig, mantelartig ausbreitet. Die Vorderkante des Fusses läuft auch an ihren äusseren Winkeln in fadige Fortsätze aus. Die sehr breite Sohle setzt sich gegen den ebenfalls breiten, platten und vorgestreckten Kopftheil durch eine tiefe Einsenkung ab. Mit dieser Stelle trifft nahezu auch die Abgrenzung des Eingeweidesackes zusammen, so dass hier dieser und der Kopf durch einen zwar sehr breiten, aber kurzen häutigen und niedrigen Halstheil mit dem Fusse verbunden sind. Die Augen stehen fast an der Wurzel der Tentakel. Die Radula erscheint mit ihrem vorderen Theile frei zwischen zwei breiten Mundwülsten. Alle die häutigen Ausbreitungen haben zahlreiche Chromatophoren. Das ein- zige in den Weichtheilen vertretene Stück wurde bis dahin nicht zergliedert.
58. COypraea Iynx Linse. ?
Junge Exemplare sind sehr leuchtend; die grössten #2 mm. lang, 22 mm. breit. wenig birnförmig. Auf blaugrauem Grunde stehen bei diesen fast verdeckende kastanienbraune Flecke; drei braune breite Querbinden finden sich, eine oben, eine in der Mitte, eine unten, jede viel breiter als die Zwischenräume, die untere öfter, die mittlere selten in zwei aufgelöst. Basis und Lippen spielen ins Röthliche; die Seiten tragen grosse braune Flecken, welche auch zusammen- fliessen können. Ganz junge sind blaugrau mit fünf Längsbinden aus quadratischen braunen Flecken und Querbinden feiner brauner Tüpfel. Es bestehen Uebergänge zwischen solchen. Die grösste hat 19 äussere kräftige, 23 innere gestreckte Zähne, den ersten und den dritten
Mollusca. 47
von unten kurz. Die Art unterscheidet sich von den folgenden durch frühzeitige Ueber- deckung der Spira. Nahe stehen C. tabescens Soraxper (Reeve III, Taf. 1%, Fig. 66b), von Geylon, xanthodon Sowersy (Reeve Taf. 13, Fig. 55a), welche man, wenn sie nicht kurze Zähne hätte, mit jungen Stücken identifiziren könnte, welche also wohl das Wachsthum früher mit Erhaltung der übrigen Jugendeigenschalten abschliesst, Sowerbyi Kırser (ReEvE Taf. 10, Fig. 40), welche die Binden zahlreicher und die Punkte kleiner hat, arabicula Lan. von Columbia, welche ebenfalls in geringerer Grösse abschliesst.
59. Cypraea arabica Line. Diese Art behält die Spira im Gegentheil besonders lange frei. Exemplare von 5 cm. haben noch das blau gebänderte Jugendkleid, aber ein Stück hat bereits das Netz brauner Zeichnungen und das Rückeninterstitium.
60. Cypraea melanostoma Sowensr.
Diese Art erhält sehr spät den Abschluss im Farbenkleide, sehr früh, abgesehen von der Grösse, den Abschluss der Form. Junge Thiere haben keine blauweissen Flecken, son- dern nur dunkelbraune Querbänder auf graubraunem Grunde gleich der jungen C. carneola Lins& Taf. 27, Fig. 19b. Vielleicht beruht darauf die Angabe des Vorkommens der carneola des stillen Meeres im rothen Meere bei M’Axpnew. Ich habe ein Stück, welches theils noch diesen Jugendstand und dann dessen Verdeckung in fast scharfer Begrenzung zeigt. Blauweisse Flecke erscheinen an ihm zunächst einzeln gegen die Spira hin, auf dem ge- bänderten Grunde; dann wird dieser Grund mit grader Linie dunkelbraun und die Flecken treten nun in der ganzen Höhe der Schale auf. Bleibt der Grund bei älteren Stücken heller, so bleiben auch die Bänder sichtbar. Die Cypräen wenden, in die Schale zurückgezogen
die Sohle gegen die Aussenlippe.
61. Cypraea pantherina Soranpen.
Auch junge Stücke.
62. Cypraea (Luponia) turdus Lisse.
Der Grund des Rückens ist meist blaugrau, von den Rändern her dehnt sich Weiss mehr oder weniger aus, die Flecken sind zuweilen sehr unbedeutend, meist matt; bei dunklerem, bräunlichgrauem Grunde werden sie leuchtender braun und bestimmter, beson- ders gegen die weissen Ränder hin.
63. Cypraea erythraeensis Beck.
Ein kleines Exemplar.
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64. Cypraea neglecta Sowerpy.
Der Fleck auf dem Rücken ist nur ein ausgezeichnetster Theil einer dunklen Binde. Kommt nach ReevE auch in Mauritius vor.
65. Cypraea talpa Lisse.
Ein älteres und ein junges Stück.
66. Trivia oryza Lamarck.
Ein kleines Exemplar.
67. Serpulorbis inopertus Leuckarr et Rürpeıı.
Diese Schnecke ist wegen der Verdeckung der älteren Gehäustheile durch die neueren, wegen der Verkittung mit Eschara und ähnlichem schwer aus ihrem Gehäuse zu lösen. Sie findet sich verschiedenen anderen Schalthieren angeklebt.
68. Conus (Rhizoconus) vexillum Marrını.
Ich habe nur ein Exemplar. Ein Drittheil seiner letzten Windung ist mit Epidermis bedeckt. Selbige bildet etwa zwanzig gegen den Schalenmund laufende, von einander ent- fernte Reihen von Borsten auf dem langen, gegen die Basis hinziehenden Schenkel der Aussenlippe, etwa sechs dicht gedrängte auf dem kurzen, gegen den Apex umbiegenden. Die Knickung der Aussenlippe ist schärfer als bei Rerve (I, Taf. 1, Fig. 3), welcher diese Schnecke als von den Philippinen beschreibt. Nach einer handschriftlichen Beifügung zu dem Exemplare dieses Werkes auf der Heidelberger Bibliothek mit Red sea W. M. wurde sie auch schon früher im rothen Meere gefunden. Der Winkel ist nur wenig grösser als ein rechter. Der Grund der Schalenfärbung varirt, er kann braun und kann weissgelb sein. Die verti- kalen Wellenlinien sind meist schmal, einige durchsetzen auch das helle Mittelband. "Auf dem Apex bilden sich breitere Bänder. Ein junges Exemplar, welches nach der Configu- ration der Epidermis hierher gehören dürfte, ist braun und weiss gelleckt.
69. Conus (Rhizoconus) Sumatrensis Lamarck.
Ein Stück von 7cm. Höhe hat die braunen Längsstreifen grob und entfernt. Die Epidermis erhebt sich zu etwa 25 Borstenquerreihen. Ein anscheinend hergehörendes junges Exemplar von weniger als 2cm. Höhe hat die Längsstreifen nicht, sondern auf hellem Grunde Querlinien von sehr kleinen länglich viereckigen braunen Fleckchen, welche es den punkti- kulirten Formen nähern und darüber gegossen graubraune landkartenartige Flecke. Die Spira ist concav gespitzt. Die Basis hat einige feine Querfurchen.
Mollusca. 4.9
70. Conus (Rhizoconus) lineatus Cnennıtz.
Bis zu Sem. Höhe.
- 71. Conus (CGylinder) omaria Hwass.
&s treten in der braunen Färbung ziemlich deutlich bevorzugt zwei Bänder auf, wie bei Rerve (Taf. 32, Fig. 177 c).
Ob hierher oder vielleicht zu acuminatus neun kleinere Stücke gehören, bei wel- chen an der Spira ein Kiel und Furchen auftreten, während bei den Erwachsenen die Spira ganz glatt, auch weniger breit erscheint, wird vielleicht eine Untersuchung der Radula entscheiden.
72. Conus (Gylinder) acuminatus Brusviire.
Erreicht mit 6cm. Höhe die Grösse von omaria und ist dann von diesem nur durch spitzere Spira unterschieden.
73. Conus (Puneticulis) arenatus Hwass.
Keins der Stücke erreicht die Grösse des von Rerve (Taf. 17, Fig. 92) abgebildeten.
Der dunkle, die Fleckchen verbindende Grund stellt ganz gewöhnlich zwei bis drei Binden her. Der Mund ist nur wenig, manchmal gar nicht fleischfarbig. Jıereu fand die Zeichnung
sehr manniglaltig und hatte Stücke bis zu 76 mm. von Suakin.
7%. Conus (Lithoconus) erythraeensis Becx.
Ein kleines unter den fünf Exemplaren hat einen sehr reinen, weissen Grund, eine sehr spitze und scharfrandige Spira. Bei einem grösseren ist der Grund, immer mit Aus- nahme einer helleren Basis, stellenweise braun ; es bleiben eine weisse Mittelbinde und weisse Flecken am Rande und auf der Spira. Drei weitere sind braun, nur mit einer weissen Mittelbinde und auch auf dieser mit braunen Punkten. Die Epidermis ist glatt. Isser hat Belege für fünf Synonyma.
Bei einem Stücke, welches beschädigt war und geheilt ist, steigt die letzte Windung stärker ab als gewöhnlich.
75. Conus (Lithoconus) Delessertianus Recıuz var. ?
Eine sehr variabele Form, nicht über % cm. hoch. Die Punktreihen können fast ganz zu einem blassrothgelben Grunde mit nur einer weissen, mit sparsamen braunen Flammen betupften Binde zusammenfliessen, wo dann auf der Spira abwechselnd weisse Binden er- scheinen. Wenn dieser Grund dunkler wird, sticht gegen ihn auch der Kronrand mehr weiss ab. Die Punkte der weissen Binde bleiben getrennt, die auf dem braunen Grunde verbinden sich zu dunkeln Querbinden. Wenn der Grund fast weiss bleibt. so sind die
Kossmann, Reise nach dem Rothen Meer. IT. T
50 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
Flecken auf der Binde sparsamer, ausserhalb derselben sehr zahlreich, zwischen Kronbinde und Mittelbinde in etwa 9—10 Reihen. Neben der weissen Binde kann der Grund sich zu zwei braunen Binden verdunkeln und die Flecken werden dann im Ganzen sparsam. Wenn diese braunen Binden sich ausbreiten und einen braunen Grund herstellen, kann dieser auch wieder bindenartig getheilt werden, und so können drei oder vier Binden entstehen.
Auch die Absetzung der Windungen der Spira, der Anfang der Krönung sind sehr verschieden. Indem die braunen Streifen der Spira auf die Wand übergreifen, erscheinen sie wohl als Anfänge zu Querbinden und es regiert ihre Disposition dann weiter abwärts die der Punkte. Die Epidermis trägt etwa 20 Reihen von Haarbüscheln. Innen zeigt das Violett des Mundes auch die Unterbrechung durch die weissen Querbinden.
Wahrschemlich lassen sich hier eine gewisse Anzahl von Arten verbinden, flavidus, vulpinus, vielleicht auch erythraeensis und die diesem näher stehenden ausschliesslich punktulirten Arten. Jıekeri führt den C. flavidus als sehr veränderlich.
76. Conus (Leptoconus) striatus Linxe.
Die Epidermis ist an einem Exemplare an den jüngsten Schaltheilen nicht spröde, sondern glatt und haftet fest an; die Flecken sind rothbraun, ähnlich der Abbildung bei Reeve (Taf. 32, Fig. 179 b).
77. Oliva (Dactylus) inflata Lamarcx.
Bis zu %cm. Höhe. Unter den 24 Exemplaren ist, was die Form betrifft, die auf- geblähte Varietät nicht vertreten, wohl aber in Farben die grösste Veränderlichkeit. Es gibt solche mit weissem Grunde, bei welchen namentlich die Spira ganz weiss ist und die Wände nur sehr blassröthliche Zickzacklinien zeigen, mit blaugrauem, gelblichem, dunkel- braunem, so dass nur einige Pfeilflecke weiss sind. Die Vertheilung der Farben wechselt sehr. Am hellsten bleibt die Spira, sie hat, wenn sie nicht ganz weiss ist, doch stets ver- hältnissmässig weniger Flecken. Der Mund kann weiss, aber auch violett sein. Sehr selten fehlen die bräunlichen Flecken an den Tuberkeln oder Falten der Columella. Ebenso wird selten eine stärkere Ausbildung oder buckelartige Erhebung der obersten Falte vermisst. Oliva nobilis Rerve von Mauritius, welche die gleiche Varietät der Farben bietet, dürfte nur- eine prächtiger ausgeführte lokale Varietät sein.
Obwohl die Schalen alle frisch, nirgends inkrustirt oder mit anderen Thieren besetzt waren, und nur eine unbedeutend an der unteren Kante der CGolumella beschädigt war, enthielten nur fünf das Thier. Man hätte sich demnach dem Gedanken zuneigen können, Oliva sei als deckellos und von der Basis leicht zugänglich, wenig geschützt, häufig Beute anderer Thiere.
Daran würden sich Betrachtungen darüber knüpfen lassen, ob der bei ihrer Variabilität ersichtliche Mangel scharfer Anpassung sie mehr schutzlos mache und sie dies begleichen müsse durch grösste, wieder die Variation begünstigende Fertilität, oder ob sie vielmehr bei ihrer sonstigen Schutzlosigkeit durch diese Variabilität sich mehr decke, indem sie ihren
Mollusca. 51
Verfolgern nicht gestatte, die Erfahrung über ihren Wohlgeschmack und ihre Schutzlosigkeit mit der über eine bestimmte äussere Erscheinung zu kombiniren. Es ist mir aber wahr- scheinlich, dass diese Oliven vielmehr bei denjenigen Personen, welche für Herrn Kossmann sammelten, als eine Delikatesse beliebt waren und dass, wenn es irgend anging, das Thier vor der Ablieferung verspeist wurde.
In der Hälfte der Fälle blieben trotz verschiedenartigster sonstiger Färbung eine mittlere und eine obere breite, wenn auch unterbrochene, bräunliche Querbinde ganz deut- lich, in einem Viertheil der Fälle dieses wenig und im letzten Viertheil liess sich davon kaum oder gar nicht reden. Einmal bestand bei sehr scharfer Ausprägung zweier brauner Binden unter der oberen noch eine scharfe braune Linie. Im Uebrigen handelt es sich in der Zeichnung um feinere oder plumpere Pfeilstriche oder Pfeilfllecken, welche grösser und kleiner sein, aber auch bis zu Punkten herabsinken können. Punktirung der Fusslappen entspricht der Schale. Der Penis ist in der Ruhe zurückgeschlagen.
Ausser Oliva nobilis dürften auch erythrostoma Lan. (Reeves XI, Taf. 5, Fig. 7) von den Philippinen, tremulina Lan. (Reeve, Taf. %, Fig. 6) von Mauritius und ponderosa Ducros von Mauritius hergehören, für welch letztere das gedachte Exemplar von Rerve's
Conchyliologia iconica handschriftlich das Vorkommen im rothen Meere angiebt.
78. Murex (Chichoreus) virgineus Borten, rudis Link, anguliferus Lamarck.
Erreicht 13cm. Höhe. Die Vertreter im rothen Meere sind von Fiscuer als ery- thraeus abgesondert worden. Die Ausführung ist um so plumper, je älter die Thiere sind. Die beiden Abbildungen, welche Rerve unter anguliferus (Il, Taf. 11, Fig. %3 a und b) giebt, drücken einen Theil der möglichen Verschiedenheiten aus. Einige Stücke sind dunkelviolettbraun, andere sind mehr grau, die meisten weiss mit sehr feinen braunen Querstreifehen. Diese können eine oder zwei Hauptbinden zusammensetzen, können ver- blassen und bei alten fehlen, so dass dieselben die jungfräuliche Weisse erlangen. Die Be- deckung des Kanals ist ebenfalls ungleichmässig. Der Mund kann weiss sein, violett und auch gestreift. Der Rand der Innenlippe ist fein mit gelb oder orange gesäumt, solches kann auch die äussere umfassen. Die Zacken können wieder Zäckchen haben und durch
Erhebung der Zwischenräume etwas kammartig verbunden sein. ° Oo
79. Murex palmiferus Sowersy ?
Eine abgerollte und inkrustirte leere Schale.
50. Murex ferrugo Woon.
Ein junges Exemplar, 2cm. hoch. Da die Abbildung bei Rerve (II, Taf. 11, Fig. 44) ebenso wie unser Exemplar zwei Tuberkel zwischen den zwei Zackenhauptreihen zeigt, kann wohl die Trennung von anguliferus beibehalten werden. Man darf vielleicht auch
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52 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
denken mierophyllus Lamarck habe in der Jugend die Frondositäten weniger entwickelt
und komme dann nahe.
81. Murex tribulus Linne.
Nach den Grössendifferenzen scheint diese Art in jedem Jahre einen Umgang mit drei Stachelreihen zu bilden.
82. Murex hystrix Marrısı, scolopax DirLwyn (Reeve).
Mit nur 8cm. kleiner als die Abbildung bei Rerve (Taf. 22, Fig. 89).
83. Nassa pulla Linse.
Ein Exemplar entspricht ausgezeichnet Rerve’s Abbildung (VII, Taf. %, Fig. 22b) und ganz nahe solchen, welche Mörcn unserem Museum als plicata Bor. aus dem rothen Meere überlassen hat. Es ist etwa 26mm. hoch. Die oberste Querrippe ist in grobe Höcker auf- gelöst, von welchen jeder durch eine feine Querrinne in einen oberen niedrigeren und einen unteren höheren Theil gespalten ist. Unter diesen Höckern findet sich ein gelbliches Band. Dieselben sind auf der letzten Windung an der Spitze bräunlich, wie angesengt. Sonst ist die Schale olivengrün in’s Graue, gegen Mündung und Basis in's Blauweisse und Weisse. Die Ausbreitung der Innenlippe hat einen blauen Fleck; die Furchen der Aussenlippe sind in der Tiefe violettbraun mit Ausnahme des dem Aussenbande entsprechenden Streifens. Die anderen Exemplare sind etwas kleiner und zeigen die Farben verblassend und geschwunden. Am längsten erhalten sich die Linien auf der Innenfläche der Aussenlippe. Auch können Theile, besonders der Umschlag der Innenlippe und der Mundrand rostgelb belegt sein.
8%. Nassa arcularia Lanarck.
Als der unter diesem Namen beschriebenen Form zugehörig darf ich ein Stück an- nehmen, welches die grösste pulla noch um 2mm. an Höhe übertrifft, obwohl seine Callosität noch unfertig ist. Der Zahn der Innenlippe ist besser ausgedrückt und drängt sich mehr gegen den oberen Mundwinkel. Indem die Höcker am oberen Windungsrande plump und niedriger sind, und Querfurchen nur oben an der Spira und an der Basis auf- (reten, so dass auch jene Höcker nicht gespalten sind, erscheint die Aussenfläche viel glatter als bei pulla und von den Kronhöckern aus wie mit sehr schwachen, breiten, welligen Rippen überzogen. Die Schale ist eine grobe Ausführung jener. Die erhabenen Linien auf der Innenfläche der Aussenlippe sind sehr schwach, auf dem Gallus der Innen- lippe sind solche überhaupt nicht bemerklich. Die einzige todte Schale lässt noch drei braune Querbänder erkennen, eins über die Tuberkel des Kronrandes, eins auf der Mitte und ein am wenigsten deutliches nach der Basis, so dass zwischen dem oberen und mittleren Bande der helle Mundstreifen erscheint und bei der frischen Schale wohl leb- hafter war.
Mollusca. 33
Exemplare, welche Krauss als arcularia vom Gap gebracht hat und andere, welche Winter in Java gesammelt, bieten in den hier betrachteten Eigenschaften, zugleich aber in der Erhebung der Spira wieder so viel Variationen und in diesen, indem mir so im Ganzen zu pulla und arcularia dreizehn Stück vorliegen, giebt es so viel Vermitteltes, dass ich kaum zweifeln darf, diese beiden Arten seien zu verschmelzen. Die späte Vollendung des Um- schlags in Verbindung mit dem Mangel der Querfurchen kehren dann wieder bei coro- nata Lamk., von welcher von Geram erhaltene Stücke zum Theil gleichfalls sich ganz hier anschliessen. Allerdings bildet deren Aussenlippe in allen Fällen einige kleine Zacken. Es wird möglich sein, eine grosse Gruppe von Arten des Geschlechts Nassa mit ähnlichen Eigenschaften wie die der vier hier erwähnten Arten zusammenzufassen.
85. Nassa (Niotha) multicostata Avans.
Zwei Stück sind fast ganz weiss, eins hat braune Querlinien. Dies letztere und eins der beiden ersten haben einen braunen Fleck auf der letzten Windung. Dem nicht ganz er- wachsenen fehlt die Gallosität der Innenlippe gänzlich. Kommen den amerikanischen tri- vittata Say und vibex Say sehr nahe.
86. Pisania (Buceinum, Gantharus) vubiginosa Reeve.
Nur 20 mm. hoch. Das weisse Querband ist nur in einem Querrippenzwischenraum, dem obersten, im Munde vollständig. Unter den als Buccinum Coromandelianum Lan. in unserer Sammlung bezeichneten finden sich neben mehr gelblichen, keine weissen Streifen füh- renden, gegitterten, nicht längsrippigen andere von Menke bestimmte der Winter’schen Samm- lung aus Java als Murex Coromandelianus Menke = Buccinum Goromandelianum Lamk., welche ohne Zweifel hierher gehören, aber viel kräftiger sind und die Längsrippen besser ausbilden. An diesen ist der Grund zwischen den Längsrippen ungleich, bis zum Weiss entfärbt, so dass in einem Falle zierlich braune höckrige Längsrippen auf glänzend wachsweissem Grunde erscheinen.
87. Pusio Kossmannü nov. spec. ? (S. Fig. 27).
Ein am äusseren Lippenrande defektes, unausgewachsenes Exemplar der Gattung Pusio, welches articulatus Lamarck und Fusus lignarius Lins# nahe kommt, unter- scheidet sich von articulatus Lamk. durch kürzeres Gewinde, sehr schwache obere Spindel- [alte und stärkere Bauchung des Mundes im oberen Theile. Die innere Fläche der äussern Lippe lässt ausser der breiten oberen und unteren braunen Abgränzung acht braune Quer- binden erscheinen. Den Zwischenräumen zwischen diesen entsprechen aussen theils feine Fleckenlinien, theils gelbliche Binden. Bei 30 mm. Höhe liegt ziemlich in der Mitte der Höhe die grösste Breite mit 15 mm.
88. Fusus tubereulatus Cuemsırz,
H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
[e7- en
89. Pollia (Tritonidea) punctieulata Duncker.
Die Stücke erreichen 20 cm. Höhe und leisten, obwohl ihrer nur sechs sind, an Variabilität sehr viel. Einmal fliesst die schwarzbraune Färbung der Rippenhöcker zu vier Querbinden zusammen. Ein anderes Mal, var. a., erheben sich die vier Hauptquerrippen stärker, die Höcker treten mehr hervor und erscheinen mit weissen Spitzen in schwarzer Binde. Der obere Höcker wird so stark, dass dadurch der Contour der Schale wesentlich verändert wird und sie an Purpura muricina Blainville (Reeves Ill, Taf. 11, Fig. 59) erin- nert. Die Rippchen erschemen oft sehr feinschuppig. In unregelmässigen Zwischenräumen wird ein Schalenabschluss durch schwielige Längsrippen bezeichnet. In Zähnelung der Aussen- lippe und im Spindelumschlag fehlen auch Differenzen nicht.
Auch glaube ich hierher ein Stück als var. b. stellen zu dürfen, bei welchen Längs- rippen und Querrippen einander gittrig kreuzen. Die vier breiten, knotigen Hauptquerrippen sind jede zweitheilig. Nach der Basis zu erscheint eine fünfte einfache, zwischen den Haupt- querrippen je eine feinere, tiefer liegend. Ueber der obersten Querrippe ist die Windung eingedrückt, was bei var. a. und einer der übrigen auch der Fall ist. In der Eindrückung liegen noch zwei deutlichere und drei unter den Schuppen mehr versteckte, feinere Quer- rippen. So entstehen im Ganzen 18 Querrippen. Die obere Spindelfalte ist deutlich, die Spindel unten glatt.
90. Rieinula hippocastanum Reeve.
Die Spindelfalte ist bei Reeve (Il, Purpura, Taf. 8, Fig. 3%) nicht entsprechend ge- zeichnet. Sie hat an der Basis eine wellige Einbuchtung, entsprechend dem Abfall der letzten oO o° I Tuberkelreihe, welche ich nie überbaut finde.
94. Rieinula mendicaria Lamanck.
92. Rieinula aspera Lamarex.
Eine Anzahl unserer Individuen der Gattung Ricinula darf dieser Art eingereiht werden, wenn man für sie die Form und violette Färbung des Mundes, die Ausrüstung der äusseren Lippe mit zwei grösseren rundlichen und drei kleineren Zähnen mehr gegen die Basis (Reeve Ill, Rieinu la Taf. 2, Fig. 13), wozu allerdings mehr oben noch ein sehr kleiner Zahn kommt, die Furchung der Querrippen, die stellenweise Unterbrechung der Gruben als charakteristisch annimmt; dabei ist die Spira verschieden hoch und kommt eher der R. chry- sostoma Desn. (2, 12a) nahe. Auch variirt die Farbe. Es kommt vor, dass, wie REEVE es angibt, eine Seite der Längsrippen schwarzbraun ist, aber diese Färbung kann zu brau- nen unterbrochenen Querlinien aufgelöst sein. Stellenweise kann die ganze Schale bräunlich sein, oder die Gruben sind schwarzbraun, die Erhöhungen ziemlich rein weiss. Die zwei grösseren Zähne treten dadurch deutlicher hervor, dass oberhalb derselben eine violette Mund- färbung gegen eine weissliche Binde abschneidet. Dieser charakteristische, kleine Umstand
Mollusca. 55
oeehören. So unter
lässt erkennen, dass auch Individuen mit anderer Zahnanordnung hierher g
der Gesammtzahl von fünfundzwanzig:
1. ein Gehäuse, welches an Stelle des unteren grossen Zahnes zwei Zähne hat. 2. zwei Gehäuse, welche an Stelle jedes grossen Zahnes zwei Zähne haben. 3. ein Gehäuse, an welchem die Zähne kaum zu sehen sind.
R. anaxares d’Ors. möchte wohl auch hierher gehören. 93. Coralliophaga madreporarum Sowersy.
94. Peristernia (Turbinella) incarnata Desnaves. var. leucostoma.
Ich schliesse mich Issen für das Vorkommen dieser Schnecke im rothen Meere an, es scheint mir aber, dass sowohl T. nassatula Lam«. als auch Cantharus funieulatus Reeve (III, Buccinum Taf. 8, Fig. 61) mit hierher gehören. Wahrscheinlich ist die Zusam- menfassung noch viel weiter zu ziehen.
Von unsern sieben Stücken hat nur eins feine braune Fleckenlinien, die anderen sind ganz weiss. Für das Verständniss der Beziehungen dieser Varietät zu incarnata war mir eine T. multicineta Menke bestimmend, welche der Autor 1851 unserem Museum in Tausch gab. Diese hat das nach Rerve charäkteristische Merkmal der Verstärkung der Striae zwi- schen den Rippen, eine blassfleischrothe Färbung der Zwischenrippenräume und der Ränder oben längs der Naht, und einen rosenrothen Mund, während sie sonst weiss ist, dabei etwa 19 Querrippen, welche nicht so sehr ungleich sind.
Die Formen sind ziemlich veränderlich. Die jüngeren haben die Spindel etwas we- niger hoch und den Mund breiter. Die Spindelfalten verhalten sich verschieden und die Zähne der Aussenlippe können von sechs ab ihre Zahl der Art verringern, dass sie schliess- lieh fast ganz vermisst werden. Der Kanal, welcher stets sehr kurz bleibt, ist doch bei alten mehr nach rückwärts ausgezogen. Die Basis der Columella kann anhaften oder ab- gelöst sein. Die Querstreifehen können sich mehr oder weniger, die Längsrippchen auf diesen sich sehr ungleich erheben. Ein etwas gefärbtes Exemplar, eins der grössten, hat, ähnlich T. triserialis Lamk. von den Gap-Verdischen Inseln, diese Erhebungen in der Form spitzer Höcker in vier Querreihen geordnet. Bei allen hier erwähnten, verwandten Formen findet sich die Vertiefung der Naht, wenn sie sich gut ausgeprägt haben.
95. Peristernia (Turbinella) multieineta Menke.
Gegenüber dem Colorit, welches, wie oben bemerkt, ein Originalexemplar von MENkE trägt, ist dieses Exemplar purpurroth mit einer unteren schmalen und einer oberen breiten weissen Querbinde. Auf den oberen Windungen erscheint nur die letztere und ist eher breiter als der Grund, aber stets ein wenig von den Längsfurchen unterbrochen, so dass sie nur als weisse Höckerreihe erscheint. Die Spindel ist glatt.
rn
56 H. ALEXANDER PAGENSTECHER.
96. Modulus Cidaris Reeve.
Ich habe eine einzige von einer Paguride bewohnte todte Schale, welche wahr- scheinlich derselben Art angehört, welche Isser unbestimmt liess. Mit einem Exemplare von M. cidaris Reeve, welches unser Museum 1851 von Gummme erhielt, sind identisch die vier Reihen brauner Strichelchen, welche mit der dritten Rippe unter der Höckerreihe be- ginnen, ebenso die vierseitige Mundform, der kleine Columellarzahn bei eingeengtem Nabel. Das Stück ist aber etwas weniger erwachsen, die Höcker haben sich weniger deutlich zu halben Längsrippen umgewandelt oder abgerieben. So fehlen auch die Falten an der Co- lumella. Die Beschreibung von obliquus Apans würde wegen »apertura rotunda« nicht passen, wenn sich das auf den Mund beziehen soll. Da es aber daselbst heisst » anfractu ultimo in medio angulato, carina prominula instructo«'), so wird der Mund hier auch eckig sein und diese Art mit cidaris zusammenfallen. M. tectum Gmeuin soll dagegen einen runden Mund haben.
Wollte man durchaus unterscheiden, so könnte man noch hervorheben, dass der letzte Umgang sich etwas mehr senkt als bei cidaris. Die Theilung des oberen Theiles dessen, was ich halbe Längsrippe nenne, in zwei Höcker, die bläulichweisse statt weisser Grundfarbe, die Verstärkung des Columellarzahnes, Abrundung des Mundes, Deutlichwerden der feinen Querrippen auf der Innenfläche der Ausseplippe, Ausdehnung brauner Färbungen auf den oberen Theil der Schale, alle diese Dinge sind so nahe liegende, dass möglicher- weise alle Arten von Modulus zusammengebracht werden können oder doch cidaris, tectum, cerodes, obliquus.
97. Mitra (Turrieula, Costellaria) Judaeorum Donrn.
Ein junges Stück von 12mm. Höhe, welches die Aussenlippe noch ungezähnt hat. Die basale Hälfte aller Windungen ist einfarbig braun, die apikale weiss, unterbrochen gegen die Naht hin durch braune Flecken, so dass ein Mittelstreifen ganz weiss bleibt. Ich finde die Aehnlichkeit mit M. multicostata Swarnson (Reeve Il, Taf. 38, Fig. 322) erheblich grösser als die von Dourn angegebene mit M. cruentata CGuemsirz, nicht nur in der Färbung, son- dern namentlich auch in der Gestalt. Die oberste Spindelfalte ist die stärkste und leisten- artig erhoben.
98. Mitra (Chrysame) Ruppellü Reeve.
Nur ein beschädigtes junges Stück.
99. Pyrula paradisiaca Cuennirz.
Kommt ebensowohl einfarbig gelblichweiss, als mit 25—30 braunen oder violetten
Querbändern vor, welche leichter im Munde, aber auch aussen sichtbar werden; auch eben-
1) Proceed. Zool. Soc. 1850. p. 204.
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sowohl glatt als mit Epidermis. Meist findet sich am Kanal im Munde ein breiter, bräun- licher Fleck. 100. Fasciolaria trapezium Lamarck.
Diese Schnecke zeigt eine Entwicklung der Knoten, wie sie bei Reeve (IV, Taf. 7,
Fig. 16) auch nicht annähernd dargestellt ist.
101. Planaxis griseus Broccnı.
Neben fast einfarbig schmutzig schwarzgrünen Stücken giebt es solche, deren Quer- rippen mit hübschen viereckigen rothbraunen Flecken auf graubraunem Grunde geziert sind, wobei diese Flecken auch zu zackigen Längslinien geordnet sein können, und fast weisse. Die grössien sind etwa 13mm. hoch. Bei einigen Individuen ist die Columella gegen den Kanal hin weniger quer, mehr schräg abgeschnitten. Indem unter. solchen ein kleines, auf- fallend spitzes, an den stärkeren Windungen einfach braun ist, der Mund dieses aber bei mehreren ist, statt der Streifung in Weiss und Violett und der Rippenbildung, hätte man solche Stücke für P. Menkeanus Dunser halten können. Die obersten Windungen sind übrigens auch hier marmorirt.
102. Turbo Chemnitzianus Reeve.
ReEvE, IV, Taf. 8, Fig. 36.
Argyrostomus maris rubri Üsemsirz. Es ist ein bei Isseı sich wiederholender Irrthum, dass Reeve Chemnitzianum geschrieben habe. Bei dem grössten von unseren sechs Stücken sind die Zacken der drei bevorzugten Reihen sehr stark ausgebildet, wie bei Savıcay (Taf. 5, Fig. 25). Zwischen den zwei oberen kommt eine dritte zum Vorschein. Bei einem etwas kleineren Individuum ist die unterste der drei Reihen wenig deutlich, dagegen eine weitere oberhalb der obersten deutlicher. Bei solchen mittlerer Grösse sind die Zacken sehr wenig vertreten, sei es, dass die in der oberen der drei Hauptreihen doch noch über- ‘wiegen oder dass sie in fünf bis sechs Reihen ziemlich gleichmässig gering und in grösseren Zwischenräumen auftreten. Bei dem kleinsten Stücke dagegen erheben sich die Zacken scharf auf drei Reihen, auch sind die Rippen im Allgemeinen scharf und die Schale ist leicht. Bei älteren Stücken ist wohl die Färbung dunkler braun, trüber,. aber die Grund- züge der Längsstreifung in Braun und Weiss bleiben dieselben. Zuweilen ist nur die Basis ungestreift braun. Der zurückgebogene Lappen an der Basis der Columella ist bei jüngeren weniger deutlich. Der Mund hat auf dem matten Silbergrunde den Rippen entsprechend glänzendere Silberbänder. Die Rippen erscheinen am Rande als